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MUSEUM

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Nr. 35 6,80 €

Winter 2018

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406803

MAGAZIN M USEUM.DE

Schloss Oberhofen am Thunersee, Schweiz


www.rob-light.com


In diesem Heft

Seite

Museum Rietberg 4 Fachtagung “Stellung beziehen! 14 Wie neutral sind Museen? MUSEUMSWELT 2019 20 125 Jahre VfB Stuttgart 22 im Mercedes-Benz Museum Meisterwerke der mechanischen Musik 34 Paul Ehrlich und die erste „Schallplatte“ 40 Ausstellungen und Termine 44 Top-Kulturadressen des Landes 46 Mecklenburg-Vorpommern neu aufgestellt Kriegsschicksale – 62 die Familie Kliemt im 1. Weltkrieg Schloss Oberhofen am Thunersee 70 Stadtmuseum Siegburg 78 GRASSI Museum f. Angewandte Kunst Leipzig 84 Andy Warhol – Pop goes Art 98 Bernisches Historisches Museum 100 Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen 108 Titelseite: Schloss Oberhofen am Thunersee, Schweiz. © Jan

MAGAZIN MUSEUM.DE

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GRASSI Museum für Angewandte Kunst

Nach einer langen Autofahrt erreiche ich endlich die pulsierende Innenstadt Leipzigs. Im Sonnenschein funkeln mir der goldene Schriftzug GRASSIMUSEUM und die Dachbekrönung „goldene Ananas“ entgegen. Sie weisen mir den den Weg zu einem Ort, den Freunde der Kultur wohl als das Herz der Stadt wahrnehmen. Schon beim Betreten des Ehrenhofes weicht der Straßenlärm einer angenehmen oasenähnlichen Stille. Das 1925 errichtete Grassimuseum im Stil des Art déco hält auch innen, was es von außen verspricht. Im Eingangsbereich fallen mir die Treppenhausfenster auf, die nach Entwürfen von Josef Albers – Jungmeister am Bauhaus Dessau – rekonstruiert wurden. Spätestens beim Betreten der Art déco-Pfeilerhalle werden Schöngeister und Ästheten ins Staunen geraten. Vielerorts wird kritisch diskutiert, ob die Architektur von Ausstellungen ablenken oder ihnen den Rang ablaufen darf. Hier je-

doch ist es ein gegenseitig befruchtendes Miteinander, denn die Dauerausstellung zeigt einzigartige Sammlungsobjekte aus den Epochen der europäischen und asiatischen angewandten Kunst – auf Weltklasseniveau. Obwohl die Ausstellungsfläche beträchtlich groß ist, kann bei über 230.000 Bestandseinheiten nur die Spitze des Eisbergs gezeigt werden. Das besondere Umfeld inspiriert wohl auch meinen freundlichen Gastgeber Direktor Dr. Olaf Thormann und sein Team. Ein neues Highlight ist die laufende Sonderausstellung „Gefäss/Skulptur 3“. An sämtlichen Baustellen wird gearbeitet, so auch an der Planung von einem dringend benötigten Erweiterungsbau. Ob die jährlich stattfindende Grassimesse als Verkaufsmesse für angewandte Kunst und Design nicht eine Gratwanderung für das Museum sei, frage ich Dr. Thormann. Er schildert, wie die ausstellenden Künstler von einer hochkarätigen Jury handverlesen werden. Und das wichtigste, was man dabei zu beachten habe, sei „Qualität, Qualität und nochmals Qualität“. Herzlichst, Ihr Uwe Strauch

Dr. Olaf Thormann, Direktor GRASSI Museum für Angewandte Kunst in Leipzig und Uwe Strauch (museum.de). Im Hintergrund: Sonderausstellung „GEFÄSS/SKULPTUR 3“ in der Art déco-Pfeilerhalle. Foto: © Esther Hoyer

Ausgabe Nr. 35

Herausgeber

Ostwall 2

Telefon 02801-9882072

contact@museum.de

Winter 2018

Uwe Strauch, Dipl.-Inf. TU

46509 Xanten

Telefax 02801-9882073

www.museum.de

Druck: Gutenberg Beuys Feindruckerei

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Park, Museum Rietberg Foto: Š Museum Rietberg

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Museum Rietberg: Auf Buddhas Spuren mitten in Europa Autor: Alain Suter

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Kunst der Welt in Zürich – das Museum Rietberg ist schweizweit das einzige Museum für aussereuropäische Kunst. Das Haus beherbergt eine international renommierte Sammlung mit Werken aus Asien, Afrika, Amerika sowie Ozeanien; Regionen und Kulturen, denen sich auch die temporären Sonderausstellungen mit oft kulturvergleichenden Perspektiven widmen. Ab Mitte Dezember richtet die Ausstellung «Nächster Halt Nirvana – Annäherungen an den Buddhismus» den Blick auf die vielschichtige Welt dieser Religion. Das Museum Rietberg präsentierte ab 1952 die Sammlung aussereuropäischer Kunst, die der Kunstsammler Eduard von der Heydt (1882–1964) der Stadt Zürich geschenkt hatte. Seine Maxime bezeichnete er als «ars una»: Es gibt nur eine Kunst. Seither seiner Gründung hat sich das Museum zum grössten städtischen Museum der Schweiz entwickelt. Entsprechend ist auch die Sammlung stetig gewachsen und umfasst heute bedeutende Werke aus Asien, Afrika, Amerika und Ozeanien.

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Harmonisches Zusammenspiel architektonischer Kontraste Beim Besuch des Museums – mitten im Rieterpark, dem schönsten öffentlichen Park von Zürich gelegen – empfangen die Besuchenden ein bauliches Ensemble von Villen aus dem 19. Jahrhundert. Sie erzählen Geschichten wie jene von Richard Wagner, der hier während seines Aufent-

halts seine Oper «Tristan und Isolde» geschrieben hat. Kernstück des Hauses bildet der 2007 eröffnete Erweiterungsbau «Smaragd» der Architekten Alfred Grazioli und Adolf Krischanitz, der unterirdische Ausstellungsräumlichkeiten bietet. Der gläserne Eingangspavillon fügt sich dabei harmonisch in das Ensemble von Villen und Park ein.


Das Ausstellungsprogramm ergänzen die umfassenden Angebote im Bereich der Kunstvermittlung sowie die Veranstaltungen wie Konzerte, Lesungen und Performances im Rahmenprogramm der Ausstellungen. Was Sie schon immer über den Buddhismus wissen wollten Wer war der Buddha? Was lehrte er? Was genau macht den Buddhismus aus? Wie kam es zur Verbreitung des Buddhismus? Welche Rituale pflegen Buddhistinnen und Buddhisten im Alltag? –Fragen wie diese leiten die Besuchenden durch die umfassende Ausstellung «Nächster Halt Nirvana – Annäherungen an den Buddhismus», die das Museum Rietberg vom 13. Dezember 2018 bis 31. März 2019 zeigt. Linke Seite, oben: Villa Wesendonck Unten: Smaragd Rechte Seite, oben: Sammlung Museum Rietberg, Himalaya. Alle Fotos: © Museum Rietberg Unten: Mönche im Parinirvana-Tempel in Kushinagara, Indien. © Fotograf: Benoy K. Behl

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«Mit der Ausstellung haben wir die Möglichkeit, über 2500 Jahre buddhistischer Kunst und Kultur zu präsentieren», so Dr. Johannes Beltz, Ko-Kurator und Kurator für Südost- und Südasien am Museum Rietberg. Rund 100 bedeutende Skulpturen, Malereien, Schriftwerke und Objekte aus zahlreichen Ländern und Regionen Asiens erzählen von den Anfängen des Buddhismus in Indien und seiner Verbreitung in ganz Asien bis in den Westen. Ergänzt werden sie von Dokumenten und Fotografien. Highlights aus der Museumssammlung werden neu präsentiert und Werke, die noch nie ausgestellt wurden, können neu entdeckt werden. Dazu gehören die bekannten, griechisch anmutenden Figuren aus Gandhara, reich verzierte Figuren von Bodhisattvas aus China, Bronzen aus Burma oder Darstellungen aus Japan sowie tibetische Thangkas. «In der Ausstellung zeigen wir diese Kunst in ihrer ganzen Vielfalt», führt Alexandra von Przychowski, Ko-Kuratorin und Kuratorin für China am Museum Rietberg. «Von riesigen Skulpturen bis zu winzigen Figürchen, von fein gearbeiteten Meisterwerken aus den kaiserlichen Werkstätten bis zu einfachen Tontäfelchen, von Goldglänzenden und Edelsteinbesetzten Kleinodien bis zu gedruckten Büchlein.» Ein Sensationsfund aus dem Jahr 1898 Die wohl aussergewöhnlichste Leihgabe in der Ausstellung ist eine Gruppe von Schmucksteinen, die der britische Hobbyarchäologe und Landbesitzer William Claxton Peppé (1852–1936) Ende 1898 in Nordindien auf seinem Grund ausgegraben hatte. Sie lagen in mehreren Behältern tief im Inneren eines sogenannten Stupas, eines gemauerten Grabhügels. Indizien deuteten darauf hin, dass sich darin die körperlichen Überreste des Buddhas befanden. Der Fund war eine Sensation. Zum ersten Mal schien man einen Beweis für die Existenz des Buddhas entdeckt zu haben. Die eigentlichen Reliquien wurden 1900 in Thailand in einer grossen Zeremonie an bedeutende buddhistische Tempel und Klöster in Myanmar, Sri Lanka und Thailand verteilt und werden seitdem von Millionen Menschen verehrt. Die Schmucksteine sind nun zum ersten Mal in der Schweiz zu sehen. Rechts: Die Versuchung durch Mara Pakistan, Gandhara-Region, 3./4. Jahrhundert, Schiefer © Museum Rietberg, Legat Georgette Boner

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Verschiedene Wege des Entdeckens «Die Ausstellung spricht Kinder und Jugendliche genauso wie Erwachsene an», so Anna Hagdorn, Ko-Kuratorin und Projektleiterin «Kunst sehen – Religion verstehen» am Museum Rietberg. «Die Ausstellung bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten, sich mit buddhistischer Kunst

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und Kultur zu befassen: von der atmosphärischen Präsentation der Kunstwerke und den Ausstellungstexten über ein spielerisches Klangmemory und spannende Multimediastationen hin zur gestalterischen Fingerübung und persönlichen Glückssammlung». Die Stimmen direkt Beteiligter begleiten

den Kunstgenuss: Im Ausstellungsbereich zum Thema der buddhistischen Lehre stehen Menschen im Mittelpunkt, die bereit sind, ihre persönlichen Erfahrungen und ihre Meinungen zum Buddhismus mit anderen zu teilen. In den «Video-Storys» äussern sich zwölf Personen mit unterschiedlichem Hintergrund, praktizierende Buddhisten ebenso wie Natur- oder Reli-


gionswissenschaftler, zu buddhistischen Begriffen. Dazu gehören ein Physikdozent, eine Hausfrau, Mönche, Meditationslehrer oder ein Auszubildender. Vielfalt steht im Zentrum der Ausstellung, individuelle Erlebnisse haben genauso Platz wie kritische Auseinandersetzung. Zusätzlich zu den Werken aus der renommierten Sammlung des Museums Rietberg und den wertvollen Leihgaben ermöglichen Entdeckungstouren für alle Altersgruppen, ein «Buddhismus-ABC» sowie spielerische Interventionen das Eintauchen in die faszinierende und vielschichtige Welt dieser Religion. Im Bereich der Kunstvermittlung nimmt die Arbeit mit Projektklassen einen grossen Stellenwert ein. «Während der Zusammenarbeit mit den Schülerinnen und Schülern war es bemerkenswert

Links: Buddha Shakyamuni (Detail). Westliches Tibet, 12./13. Jahrhundert, Messinglegierung. © Museum Rietberg, Dauerleihgabe Sammlung Berti Aschmann

zu beobachten, mit welchem Selbstverständnis und mit welcher Kreativität sie sich mit dem Thema Buddhismus auseinandergesetzt haben», erklärt Caroline Spicker, Ko-Kuratorin und Leiterin Kunstvermittlung am Museum Rietberg. «Wir freuen uns sehr, diese Schülerwerke nun neben jahrhundertalten Kunstwerken auszustellen.» Acht Themenbereiche beleuchten die Rituale, Lehren, Wertvorstellungen, Geschichten und Legenden des Buddhismus, darunter: das Leben des Buddhas; seine Lehre; die Vermittlung des Buddhismus und die buddhistischen Gemeinschaften; die rituelle Praxis der Buddhisten; die Verbreitung des Buddhismus und sein Weg bis in die heutige Schweiz.

Gautama. Er soll zwischen dem 5. und 4. Jahrhundert vor Christus in Nordindien gelebt und gewirkt haben. Buddhas Vita lässt sich in Details jedoch nicht eindeutig belegen. Was wir hingegen wissen ist, wie sich Buddhisten in unterschiedlichen Ländern und in unterschiedlichen Epochen das Leben des Buddhas vorgestellt haben. Dies beleuchtet die Ausstellung aus einer neutralen Perspektive heraus. Sie macht das Publikum mit den Erzählungen und Legenden, die sich um die Figur des Buddhas ranken, bekannt. Grundgedanke der Ausstellung ist denn auch, dass es «den» Buddhismus nicht gibt. Themen, Kunstwerke, Geschichten und individuelle Stimmen in der Ausstellung fügen sich zu einem vielschichtigen Bild des Buddhismus zusammen.

Vom Prinzen Siddharta Gautama zum «historischen» Buddha Der sogenannte «historische» Buddha gilt als der Gründer des Buddhismus. Buddhisten wie Wissenschaftler gehen davon aus, dass er auf eine reale historische Person zurückgeht, den Prinzen Siddharta

Museum Rietberg Gablerstrasse 15 CH-8002 Zürich Tel. +41 (0)44 415 31 31 www.rietberg.ch

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Grüne Tara. China, Ming-Dynastie, Yongle-Periode (1403–1424), feuervergoldete Messinglegierung © Museum Rietberg, Legat Martha und Ursula Wirz

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Ausgefallene Idee konkret umgesetzt

Landesmuseum Zürich © Holzer Kobler Architekturen, Foto Jan Bitter

Fordern Sie uns mit anspruchsvollen Aufgaben der Ausstellungs­ konzeption heraus: Wir schlagen die Brücke zwischen visionärer Inszenierung und exzellenter Handwerkskunst.

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Museen im Zwiespalt von Neutralität und Einmischung Ein Bericht zur Fachtagung “Stellung beziehen! Wie neutral sind Museen?” vom 8. November auf der Museumsmesse MUTEC in Leipzig. Autorinnen: Neele Dinges, Marina Farny, Mirjam Ottlewski und Julia Widmayer In den Köpfen vieler Menschen sind Museen immer noch Orte der Vergangenheit, die wenig bis gar keinen Einfluss auf ihre persönliche Lebensrealität oder gar Zukunft haben. Darüber hinaus werden sie meist als neutrale und vorurteilsfreie Kultureinrichtungen wahrgenommen, die Wissen in Form von allgemeingültigen Wahrheiten vermitteln und vermeintlich neutrale Perspektiven auf faktische Gegebenheiten bieten. Diese Ansicht hält sich hartnäckig, auch weil vergessen wird,

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dass hinter allem was im Museum passiert immer Menschen stehen. Menschen mit eigenen Meinungen, die entscheiden und in der Hand haben was im Museum gezeigt und gemacht wird. Die Genese europäischer Museen und die Eigendarstellung als heilige Tempel des Wissens können für diese (verzerrte) Wahrnehmung der Institution „Museum“ Erklärungsansätze bieten. Heute versuchen Museen sich einer breiter gedachten Gesellschaft zu öffnen, binden zunehmend

partizipative Ansätze in ihre Arbeit mit ein und versuchen ihre Aktualität und Relevanz zu steigern. Dennoch bleibt die Frage, inwieweit dürfen/ können /sollen Museen sich auch in politischen Debatten einbringen und welche Konsequenzen folgen daraus? Diesen und weiteren Fragen widmete sich die Tagung “Stellung beziehen! Wie neutral sind Museen?”, die von Studierenden des Masterstudiengang Museums-


Sind Museen neutral? Das erste Panel wurde der Leitfrage “Sind Museen neutral?” gewidmet. Beide Referent*innen, Katja Margarethe Mieth (Direktorin, Sächsische Landesstelle für Museumswesen) und Thomas Lutz (Leiter des Gedenkstättenreferats, Stiftung Topographie des Terrors), machten in ihren Impulsvorträgen aber auch im anschließenden Gespräch deutlich, dass diese Frage nicht so leicht mit mit einem klaren JA oder NEIN zu beantworten sei. Entscheidend zur Beantwortung der Frage sei vor allem die Intention und Zielsetzung eines Museums als Institution. Dabei sei es wichtig zu bedenken, dass die Bezeichnung Museum eine Vielzahl von strukturellen, rechtlichen und finanziellen Modellen umfasse. Die Leitfrage dieses Panels nahm vorrangig Bezug auf die Institution Museum an sich. Katja Margarethe Mieth wies in Ihrem Vortrag jedoch zurecht darauf hin, dass es natürlich immer Menschen aus der Gesellschaft mit verschiedenen Biografien und persönlichen Interessen seien, die die Kernaufgaben in Museen umsetzen und diesem erst Leben verleihen würden. Allein dadurch sei die Stimme eines Museums nicht unbedingt objektiv und neutral.

management und -kommunikation der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin und in Kooperation mit dem Projektteam der MUTEC organisiert wurde. Bei der Themenwahl und Formulierung der Leitfrage wurden die Studierenden im Wesentlichen von den Wahlergebnissen der Bundestagswahl 2017 beeinflusst. Dies fundierte den Wunsch sich politischen Themen zuzuwenden. Es kam die Frage auf, ob Museen angesichts derzeitiger politischer Trends noch an einer neutralen Außendarstellung festhalten können und sollten. Das Ziel der Tagung war es also, verschiedene Perspektiven aufzuzeigen und ein Forum für einen Erfahrungsaustausch von Museumsmitarbeiter*innen anzubieten. Es wurde über die Möglichkeiten und Grenzen diskutiert, wie Museen sich zu Themen wie zum Beispiel “Untold Stories”, Politik und Ethikrichtlinien positionieren können um somit auf ihre ganz eigene Art Stellung zu beziehen.

Wo Mieth in ihrem Beitrag von Museen im Allgemeinen sprach, so betrachtete Lutz die Leitfrage vom Standpunkt des Museumstypus Gedenkstätten aus. Intention und Zielsetzung einer Gedenkstätte weiche in einzelnen Punkten von deren “normaler Museen” ab. Gedenkstätten sollten nicht nur die Geschichte des jeweiligen Ortes verständlich machen und eine Brücke zwischen Wissensvermittlung und Ge-

denken schlagen, sie würden auch immer Geschichten aus der Perspektive der Opfer erzählen. Gerade deswegen könnten Gedenkstätten nicht neutral sein, meint Thomas Lutz. Hinzu komme, dass diese meist von öffentlicher Hand finanziert seien. Beide Referent*innen argumentieren, dass “Stellung beziehen” nicht gleich eine parteipolitische Stellungnahme bedeuten würde. Lutz sagte, Gedenkstätten würden losgelöst von parteipolitischen Debatten agieren und arbeiten - auch wenn festzustellen sei, dass Politiker vermehrt versuchten sich in die Arbeit von Gedenkstätten einzumischen. Kulturpolitik verändere sich aber stetig und Gedenkstätten wären statischer als die jeweiligen Agenden der wechselnden Regierungsparteien. Es gehe vielmehr um Haltung im Sinne von Ideologie. Mieth betonte, wie wichtig dabei Transparenz sei. “Museen brauchen Haltung und diese sollte sich auch in der Satzung niederschlagen”, sagte sie und wies darauf hin, dass erst der transparente Umgang deutlich machen würde, von welchem Standpunkt aus ein Museum argumentieren würde. “Museumsaufgabe ist es nicht, aktuelle Politik zu machen”, konstatierte Mieth. Statt sich parteipolitisch instrumentalisieren zu lassen, sollten Museen sich in ihrem Handeln vielmehr auf das Grundgesetz stützen. Geht man davon aus, dass Museen durch ihren Bildungsauftrag und ihre Vorbildfunktion zu bestimmten moralischen Handlungen und Umgangsweisen verpflichtet sind, hat dies u.a. auch Einfluss auf die Arbeit mit der jeweiligen, eigenen Sammlungsgeschichte.

Oben: Organisationsteam der Tagung. Foto: © MUTEC Unten: Tagungsmappen und Aufkleber für die Teilnehmer*innen. Foto: © Mirjam Ottlewski

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Ethische Verpflichtung als Basis der Museumsarbeit Im zweiten Panel der Tagung wurde die Ethische Verpflichtung als Basis der Museumsarbeit diskutiert und ein besonderer Fokus auf Provenienzforschung gesetzt. Prof. Dr. Dr. Markus Walz (Theoretische und Historische Museologie, HTWK Leipzig) argumentierte in seinem Impulsvortrag, dass es nicht “die eine Ethik” gebe, sondern immer mehrere Ethiken auf unser Handeln einwirken würden wie z.B. Berufsethos und Standesethos. In diesem Sinne ließe sich auch Museumsethik in viele Ethiken innerhalb der einzelnen Museumsbereiche aufspalten, die jeweils ganz eigene Handlungsmaßstä-

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be vorschreiben würden. Dennoch gebe es seit 1986 die allgemeinen Ethischen Richtlinien für Museen der ICOM, die als Grundlage der professionellen Arbeit von Museen und Museumsfachleuten dienen sollten. Für Prof. Dr. Gilbert Lupfer (Leiter, Abteilung Forschung und wissenschaftliche Kooperation, Staatliche Kunstsammlungen Dresden und wissenschaftlicher Vorstand der Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste) beschrieb Provenienzforschung als praktizierte Ethik im Museum. Gerade für ethnologische Museen, so Dr. Manuela Fischer (Kustodin der südamerikanischen Sammlungen, Ethnologischen Museum, Staatliche Museen zu Berlin), sei Provenienzforschung eine ethische Verpflichtung. Die gesellschaftliche

Verantwortung von Museen sei dafür zu sorgen, dass Objekte, die auf unrechtem Wege ins Museum gelangt seien, an ihre rechtmäßigen Besitzer zurückgegeben werden. Doch gerade die Angst vor Restitutionsforderungen lasse viele Museen zögern, Provenienzforschung proaktiv zu betreiben. Forschungsergebnisse sollten Museumsbesuchenden außerdem sichtbar gemacht werden, denn “Provenienzforschung darf nicht hinter verschlossenen Türen stattfinden”, sagt Lupfer. Nach einer Mittagspause folgten am Nachmittag im “MUTEC Forum” zwei Podiumsdiskussionen, an denen auch die Besucher*innen der Messe zuhören und mitdiskutieren konnten.


Was wird erzählt? Was wird weggelassen? Die erste Podiumsdiskussion behandelte die Fragestellung: Was wird erzählt? Was wird weggelassen? An der Diskussion nahmen PD Dr. Dietrich Raue (Kustos, Ägyptisches Museum der Universität Leipzig), Yvonne Zindel (künstlerische Mitarbeiterin Universität der Künste, Institut für Kunst im Kontext, Forschungsprojekt „Revisiting Collections“), Stefanie Wiens (Leiterin von <Platz da!> - Barrierefreie Kulturvermittlung und Prozessbegleitung für Inklusion) und Prof. Dr. Oliver Rump (Museumskunde und Museumsmanagement, HTW Berlin) teil. Vor allem bei den Aussagen von Stefanie Wiens und Yvon-

ne Zindel handelte es sich um die Frage “Wer ist die Mehrheitsgesellschaft?”. Dabei wurde auf das Weglassen von Zielgruppen und Menschen hingedeutet. In einer Aufforderung machte Yvonne Zindel genau darauf aufmerksam, in dem sie das Publikum aufforderte seine linken und rechten Sitznachbar*innen anzuschauen. Dabei wurde offensichtlich, dass die sonst fehlenden Zielgruppen auch bei dieser Veranstaltung nicht anwesend waren und sich ein diverses Bild für ein Museum kaum ergeben konnte. Ein Kommentar aus dem Publikum wies darauf hin, dass man im Museum noch so viel umdenken und neu konzipieren kann wie man will, es gebe immer Gruppen die per se nicht ins Museum gehen. Oft sind das

genau die Gruppen, die man zum Umdenken animieren möchte. Dazu ergänzte Professor Oliver Rump, dass Geldgeber sowie Rechtsformen großen Einfluss auf die Ausstellungsnarration hätten. Schlussendlich obliege es nicht einer Abteilung oder einem Mitarbeiter*in alleine zu entscheiden was in einer Ausstellung erzählt werde, sondern eine Ausstellung solle ein stetiger Prozess bleiben und mit Expert*innen in eigener Sache eng zusammengearbeitet werden.

Oben und rechts: Panels beim MUTEC-Forum. Unten: Podiumsgespräch am Nachmittag Fotos: © MUTEC

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Das Museum als Akteur im politischen Raum Mit der zweiten Podiumsdiskussion kam das brisante Thema auf, ob das Museum als Akteur im politischen Raum auftritt. In dieser Runde waren Dr. Philipp Schorch (Abteilungsleiter Forschung und Ausstellung, GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig), Prof. Dr. Gisela Weiß (Museumspädagogik, HTWK Leipzig), Dr. Volker Rodekamp (Direktor, Stadtgeschichtliches Museum Leipzig) sowie Dr. Frédéric Bußmann (Generaldirektor, Kunstsammlungen Chemnitz) vertreten. Grundsätzlich sei das Museum politischer Akteur auf verschiedenen Ebenen, wie z.B. in den Bereichen Personal- oder Preispolitik. Im Allgemeinen solle ein Museum Bußmanns Auffassung nach “nicht parteipolitisch sein”, wie auch schon am Vormittag von den Referent*innen betont wurde. Laut Schorch gehe “es nicht darum OB ein Museum politisch sein soll, sondern darum WIE es politisch sein soll.” Hierbei wies ein Kommentar aus dem Publikum darauf hin, dass Museen aus ihrem engen Denken heraustreten müssen. Zudem wurde die Frage gestellt, wie Arbeit gefunden werden solle, wenn eine Bewerbung von einer blinden Frau gleich zur Seite gelegt werde, da kein Führerschein

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vorgelegt werden kann, ohne ihre Kompetenzen und Kenntnisse zu berücksichtigen. In diesem Bezug wurde ersichtlich, dass Unkenntnisse und Zuschreibungen oft zu unfairen Prozessen im Bewerbungsverfahren führen. In Anbetracht dessen verdeutlichte Bußmann, dass Museen zu exklusiv seien. Diese müssten ein Neu-Denken lernen, partizipativ arbeiten sowie ein Forum zum Austausch von Erfahrungen anbieten. Eines jedoch bleibt klar: Museen sind keine neutralen Orte und das Thema wird nach wie vor brisant bleiben. Die Institutionen müssen inklusiver denken, sich möglichst vielen Menschen öffnen und ein Raum für Dialog und Zusammenarbeit bieten. Fortsetzung der Tagungsreihe mit “KUN$TW€RK” am 11. Januar 2019 Diese Tagung war die 7. Veranstaltung der von Professor Oliver Rump 2012 initiierten jährlichen Symposiumsreihe des Masterstudiengangs Museumsmanagement- und -kommunikation der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. Am 11. Februar 2019 laden wir Sie herzlich zur nächsten Tagung zum Thema “KUN$TW€RK” in der Berlinischen

Galerie ein. Dieses Symposium wird die zunehmende Verschmelzung der Begriffe des KunstWERKs & KunstWERTs thematisieren und die zunehmende Maßlosigkeit im KunstMARKT hinterfragen. Alle weiteren Infos und Anmeldung sind ab Mitte Dezember auf unserer Webseite: https://mmk.htw-berlin.de/aktivitaeten/ tagungen/ zu finden. Oben: Abschließendes Podiumsgespräch der Tagung. Foto: © Oliver Rump Unten: Infomaterial zum Masterstudium. Foto: © Mirjam Ottlewski


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MUSEUMSWELT

Liste der ausstellenden Museen auf dem Museums-Gemeinschaftsstand bei der ITB vom 6.-10. März 2019, Halle 10.2 Anmeldefrist für Museen ist der 28. Februar 2019. Bei Interesse kontaktieren Sie uns bitte unter itb@museum.de.

Burgmuseum Burg Liechtenstein Am Hausberg 2, A-2344 Maria Enzersdorf www.burgliechtenstein.eu

Martin-Gropius-Bau Niederkirchnerstraße 7, 10963 Berlin www.gropiusbau.de

Bergbau- und Gotikmuseum Leogang Hütten 10, AT-5771 Leogang www.museum-leogang.at

Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen Genslerstr. 66, 13055 Berlin www.stiftung-hsh.de

Österreichisches Freilichtmuseum Stübing Enzenbach 32, A-8114 Stübing www.stuebing.at

Museum Himmlisches Theater Stiftsplatz 7, 15898 Neuzelle www.stift-neuzelle.de

Museum Rietberg Gablerstrasse 15, CH-8002 Zürich www.rietberg.ch Museum Lindwurm Understadt 18, CH-8260 Stein am Rhein www.museum-lindwurm.ch Deutsches Uhrenmuseum Glashütte Schillerstraße 3a, 01768 Glashütte/Sa. www.uhrenmuseum-glashuette.com GRASSI Museum für Angewandte Kunst Johannisplatz 5–11, 04103 Leipzig www.grassimuseum.de Thüringer Landesmuseum Heidecksburg Schlossbezirk 1, 07407 Rudolstadt www.heidecksburg.de KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKA U Max-Pechstein-Museum Lessingstraße 1, 08058 Zwickau www.kunstsammlungen-zwickau.de Einblick ins Geheime. Ausstellung zum Stasi-Unterlagen-Archiv Karl-Liebknecht-Straße 31-33 10178 Berlin. www.bstu.de THE WALL MUSEUM | East Side Gallery Mühlenstraße 78-80 10243 Berlin www.thewallmuseum.com

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Kloster Chorin Amt Chorin 11a, 16230 Chorin www.kloster-chorin.org ZIEGELEIPARK Mildenberg Ziegelei 10, 16792 Zehdenick www.ziegeleipark.de Kulturhistorisches Museum im Dominikanerkloster Uckerwiek 813, 17291 Prenzlau www.dominikanerkloster-prenzlau.de

Museum Brüder Grimm-Haus Steinau Brüder-Grimm-Straße 80 36396 Steinau an der Straße www.brueder-grimm-haus.de HöhlenErlebnisZentrum Iberger Tropfsteinhöhle An der Tropfsteinhöhle 1 37539 Bad Grund (Harz) www.hoehlen-erlebnis-zentrum.de Stiftung Kloster Jerichow Am Kloster 1, 39319 Jerichow www.kloster-jerichow.de Winckelmann-Museum Winckelmannstr. 36-38, 39576 Stendal www.winckelmann-gesellschaft.com Domschatz Essen Burgplatz 2, 45127 Essen www.domschatz-essen.de

Archezentrum Amt Neuhaus Am Markt 5 , 19273 Neuhaus www.archezentrum-amt-neuhaus.de

Ruhr Museum Welterbe Zollverein Gelsenkirchener Str. 181, 45309 Essen www.ruhrmuseum.de

Internationales Maritimes Museum Hamburg Koreastraße 1, 20457 Hamburg www.imm-hamburg.de

Verein zur Erhaltung des Xantener Domes Kapitel 10, 46509 Xanten www.xantener-dombauverein.de

Elbschifffahrtsmuseum Elbatraße 59, 21481 Lauenburg www.elbschifffahrtsmuseum.de

Museum Schloss Moyland Am Schloss 4, 47551 Bedburg-Hau www.moyland.de

Polizeimuseum Hamburg Carl-Cohn-Straße 39, 22297 Hamburg www.polizeimuseum.hamburg.de

Farina Duftmuseum Obenmarspforten 21 50667 Köln www.Farina1709.com

Besucher-Bergwerk und Museum Kleinenbremen gGmbH Rintelner Straße 396 32457 Porta Westfalica. www.bb-mk.de

Naturzentrum Eifel Urftstr. 2 - 4, 53947 Nettersheim www.naturzentrum-eifel.de

Heinz Nixdorf MuseumsForum Fürstenallee 7, 33102 Paderborn www.hnf.de

Gutenberg-Museum Liebfrauenplatz 5, 55116 Mainz www.gutenberg-museum.de


Museum Römerhalle Hüffelsheimer Straße 11 55543 Bad Kreuznach www.museum-roemerhalle.de

Museum Pachen - Deutsche Kunst des 20. Jahrhunderts Speyerstr. 3, 67806 Rockenhausen www.rockenhausen.de

Museum Schloßpark Dessauerstraße 49, 55543 Bad Kreuznach www.museum-schlosspark.de

Kahnweilerhaus Marktplatz 7, 67806 Rockenhausen www.rockenhausen.de

Deutsches Edelsteinmuseum Hauptstr. 118, 55743 Idar-Oberstein www.edelswteinmuseum.de

Weissenhofmuseum im Haus Le Corbusier Rathenaustrasse 1, 70191 Stuttgart www.weissenhofmuseum.de

Mittelrhein-Museum Zentralplatz 1, 56068 Koblenz www.mittelrhein-museum.de Römermuseum Homburg-Schwarzenacker Homburger Straße 38, 66424 Homburg www.roemermuseum-schwarzenacker.de mpk - Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern Museumsplatz 1, 67657 Kaiserslautern www.mpk.de

Strassenbahnwelt Stuttgart Veielbrunnenweg 3, 70372 Stuttgartwww.strassenbahnwelt.com Mercedes-Benz Museum Mercedesstr. 100, 70372 Stuttgart www.mercedes-benz.com/museum Faust-Museum Kirchplatz 9, 75438 Knittlingen www.faustmuseum.de

Alamannen-Museum Vörstetten Denzlinger Str. 24 a 79279 Vörstetten www.alamannen-museum.de Stadthaus Ulm Münsterplatz 50, 89073 Ulm www.stadthaus.ulm.de Steiff Museum Bleiche 16, 89537 Giengen www.steiff.de Museen Weißenburg Martin-Luther-Platz 3-5 91781 Weißenburg i. Bay. www.museen-weissenburg.de Museum Quintana Osterhofener Str. 2, 94550 Künzing www.museum-quintana.de

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125 Jahre VfB Stuttgart im Mercedes-Benz Museum Sonderausstellung „Bewegt seit 1893“. Autor: Rüdiger Abele

Der VfB Stuttgart feiert ein großes Jubiläum: 125 Jahre alt ist der Verein 2018. In direkter Nachbarschaft zum Stadion zeigt das Mercedes-Benz Museum zum Geburtstag eine umfangreiche Sonderausstellung. Sie ist noch bis zum 2. April 2019 zu sehen und macht die Vereinsgeschichte über Trikots, Trophäen, Dokumente, Stadion-Devotionalien und Fahrzeuge greifbar.

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Bis 2. April 2019 herrscht Fußballatmosphäre im Ausstellungsraum Collection 5 des Mercedes-Benz Museums: Die Automarke gratuliert zum großen Jubiläum „125 Jahre VfB Stuttgart“ und richtet eine Sonderausstellung über die Vereinsgeschichte aus. Die Ausstellung „Bewegt seit 1893“ illustriert die Historie des VfB Stuttgart als Stadt-, Landes- und Sportgeschichte völlig neu und macht sie vielfältig erlebbar.

Es gibt viele Berührungspunkte zwischen Verein und Unternehmen: Die Söhne von Gottlieb Daimler und Chefentwickler Wilhelm Maybach gehören Ende des 19. Jahrhunderts zu den Gründungsmitgliedern des Cannstatter FC. Dieser Club ist wesentlich an der Entstehung des VfB beteiligt. Über die Jahrzehnte entsteht eine enge und freundschaftliche Zusammenarbeit zwischen Automarke und VfB. Untrennbar verbunden sind beide auch


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durch die Stuttgarter Auto-Corsos anlässlich der großen Fußballerfolge des VfB: Die Mannschaft ist stets im Zeichen des Sterns unterwegs. Und nicht zuletzt ist die Mercedes-Benz Bank offizieller Hauptsponsor des Vereins. In der Ausstellung prägt eine zentral positionierte Tribüne mit den originalen Sitzen aus der Mercedes-Benz Arena die Atmosphäre. Der Blick fällt von dort auf eine

Leinwand, auf der Schlüsselmomente der Vereinsgeschichte zu sehen sind – bewegte und bewegende Bilder. Das passt zum VfB, denn ausgeschrieben ist es ja der Verein für Bewegungsspiele Stuttgart 1893.

Rechts: Das Meistertrikot von Günther Schäfer aus dem Jahr 1992 Fotos: © Daimler AG

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Das Stadion ist auch zu sehen: Durch die Fensterscheiben des Ausstellungsraums genießt man einen Panoramablick über das Vereinsgelände.

Mehr als 125 Schlüsselexponate aus der Vereinsgeschichte Um die Tribüne herum geben Vitrinen mit historischen Stücken und Dokumenten aus dem VfB-Archiv sowie sieben Fahrzeuge mit Bezug zu Schlüsseljahren des Vereins einen tiefen Einblick in die Vereinsgeschichte. Aus dem Gründungsjahr 1893

grüßt der Daimler Stahlradwagen, damals eine hochmoderne Konstruktion. Für die Meisterschaftsjahre 1950, 1952, 1984, 1992 und 2007 stehen Mercedes-Benz Typen, wie sie tatsächlich bei den Corsos durch die Fan-Massen in Stuttgart gesteuert wurden. Das jüngste Auto ist ein originaler DTM-Rennwagen von Robert Wickens aus dem Jahr 2017. Bei den ersten Saisonrennen trägt es die VfB-Farben, um die Mannschaft beim Aufstiegskampf zu unterstützen. Die Saison verläuft äußerst erfolgreich für den VfB: Er wird Meister der 2. Bundesliga und steigt wieder in die Bundesliga auf.

Insgesamt sind es mehr als 125 Exponate, die in dieser Zusammenstellung noch nie einer größeren Öffentlichkeit präsentiert wurden. Meisterschale, Pokale, Trikots, Fußballschuhe, Wimpel und Spielerauszeichnungen, Fotos und Eintrittskarten sowie spannende Dokumente: Solche herausragenden Exponate lassen alle Besucher den Pulsschlag des Vereins spüren.

Oben: 11 Meter VfB-Geschichte von 1893 bis 2018 Links: Ein Blick in die Ausstellung Mitte: Endspieltrikot von Guido Buchwald, Uefa-Cup, 1989 Fotos: © Daimler AG

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schen Meisterschaft 1952 mit den Unterschriften der Mannschaft aus dem Besitz von Otto Baitinger, damals zweifacher Torschütze im Finale. Auch die Fußballschuhe von Daniel Didavi sind ausgestellt, mit denen der Mittelfeldspieler 2015 per Linksschuss eines von zwei für den Klassenerhalt entscheidenden Toren ins Netz setzt.

Weitere Beispiele: Das Silberne Lorbeerblatt, das die Mannschaft 1950 zum Sieg der Deutschen Meisterschaft erhält, ganz unscheinbar auf Samt in seiner Originalschatulle. Oder der Endspielball der Deut-

Und Unerwartetes: etwa eine zerborstene Torstange vom Platzsturm nach dem Wiederaufstieg 2017 oder Bauhelme vom Stadionumbau zur Mercedes-Benz Arena. Und einer fehlt natürlich nicht: Fritzle, das VfB-Maskottchen, gern auch als Chef-Animateur der Stuttgarter Fans bezeichnet.

Hintergrund: Corso-Fahrzeug aus dem Jahr 1952: das Mercedes-Benz 220 Cabriolet A Oben: Die Meisterschale Mitte: Das Silberne Lorbeerblatt Unten: Ein Schlüsselexponat: schon die Söhne von Daimler und Maybach spielten im Jahr 1890 Fußball auf dem Cannstatter Wasen Fotos: © Daimler AG

Einige Beispiele: Der originale Flipchart-Plan mit der Mannschaftsaufstellung von Trainer Armin Veh, die den Verein 2007 Deutscher Meister werden lässt, ist dabei. Oder das Trikot von Jürgen Klinsmann aus dem Spiel am 14. November 1987 gegen Bayern München: In der 18. Minute versenkt er den Ball per Fallrückzieher mit dem rechten Fuß ins Netz zum 1:0 – ein absolutes Weltklassetor, das Klinsmann zum Superstar macht. Der VfB gewinnt mit 3:0. Auch die schwarze Gesichtsmaske von Kapitän Christian Gentner gehört zur Ausstellung. Er trägt sie nach einer folgenschweren Begegnung mit dem Knie des gegnerischen Torwarts in der Saison 2017/2018 zum Schutz – ein halbes Jahr lang.

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Die Sonderausstellung konzentriert sich allerdings nicht allein auf den Fußballsport. Schließlich hat der VfB weitere Abteilungen. Leichtathletik beispielsweise wird schon seit 1894 ausgeübt. Helmar Müller ist der erfolgreichste Leichtathlet in der Vereinsgeschichte. Sein größter Triumph im Zeichen des roten Brustrings: die Bronzemedaille bei der Staffel über 4 x 400 Meter bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko. Die Zeit von 3:00,5 Minuten ist zugleich Europarekord. Keine Frage, dass das Originaltrikot eines der Glanzlichter der Sonderausstellung ist. Aber auch die Sparten Faustball, Hockey, Tischtennis, Schiedsrichter- und Gardeabteilung zeichnen den VfB aus und sind in der Schau berücksichtigt. Interaktive Bereiche auf der Ebene 0 des Museums ergänzen die Sonderausstellung: ein riesiger Tischkicker für bis zu zwölf Personen, eine VfB-Trainerbank und das Mitmach-Exponat „Perfect Penalty“, bei dem man Elfmeter gegen einen mechanischen Torwart schießen kann.

Rechts: Bei den Triumphen 1950 und 2007 mit von der Partie: Das Mercedes-Benz 170 S Cabriolet B Unten: Originales Schuhwerk, getragen im Finale um die Deutsche Meisterschaft 1935 Fotos: © Daimler AG

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Unten: Tischkicker für 12 Personen; im Hintergrund die Stickerwand; hier können sich Besucher mit ihren mitgebrachten Aufklebern verewigen. Fotos: © Daimler AG

Da echte Fans gern wiederkommen, gibt es für das Mercedes-Benz Museum und die Sonderausstellung „Bewegt seit 1893“ eine Dauerkarte, die bis zum 2. April 2019 gültig ist. Mit Referenz zum Geburtsjahr des Vereins ist sie auf 1893 Stück limitiert. Erhältlich ist die besondere Museumsdauerkarte im VfB Fan-Center, unter shop.vfb.de sowie an der Kasse des Mercedes Benz Museums. Sonderausstellung „Bewegt seit 1893“ zum Jubiläum 125 Jahre VfB Stuttgart Noch bis Dienstag, 2. April 2019, Dienstag bis Sonntag von 9 bis 18 Uhr.

Die VfB-Geschichte mit allen Sinnen erkunden Zum Ausstellungskonzept, die Geschichte des VfB Stuttgart mit allen Sinnen zu erkunden, gehört auch das Angebot an Kinder und Familien: Für junge Besucher im Grundschulalter hat das Museum zur Sonderausstellung ein eigenes Entdecker-

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buch mit zwölf spannenden Aufgaben entwickelt. Die Antworten ergeben sich aus der Sonderausstellung, zum Beispiel durch Ertasten am „Fritzle-Tisch“ – eine Aktivstation mit Musik und Comics. Neben den Aufgaben bietet das 22-seitige Entdeckerbuch auch Motive zum Ausmalen. Es ist für Museumsbesucher kostenfrei an der Kasse erhältlich.

Mercedes-Benz Museum Mercedesstraße 100 70372 Stuttgart Telefon: +49 711-17 30 000 classic@daimler.com www.mercedes-benz.com/museum


uns en Sie h c u s e, e B e Loung r u t l u C TB, in der uf der I 9 a 6 1 e l 201 Hal 0. März 1 . 6 n i l Ber

RENAISSANCE Der Inkjet-Ticketdrucker TP002 von Beckerbillett erlebt zur Zeit eine regelrechte Renaissance. Das Comeback fußt auf zwei greifbaren Tatsachen. Zum einen ist unser Inkjet-Ticketdrucker mit einer Ausgabegeschwindigkeit von drei Tickets pro Sekunde der schnellste seiner Zunft. Gerade bei hoher Frequenz an der Kasse gewinnt man dadurch Freiräume, die zugunsten der Besucherzufriedenheit genutzt werden können. Zum anderen arbeitet das Gerät mit Tickets, die aus unbehandeltem, weißen Naturkarton bestehen. Gegenüber Thermopapier bietet Naturkarton eine erheblich bessere Umweltbilanz. Unser Naturkarton hat zudem eine hervoragende Haptik und ist exzellent bedruckbar. Der TP002 ist mit einer neuen Elektronik ausgestattet und verfügt über eine Standard-Schnittstelle zum Kassensystem bzw. zur Verwaltungssoftware. Die möglichen Ticketformate sind 60 x 102mm, 60 x 152mm oder 60 x 203mm.

Ihr Ticketing – Unsere Kompetenz.

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Starke Inszenierung dank FOTOBODEN™ – von der Decke bis zum Boden Autorin: Silke Hüsgen Viele Künstler beziehen bei ihren Ausstellungen gerne die musealen Besonderheiten der Räumlichkeiten mit ein. Wände und Decken werden genutzt, um starke Botschaften zu vermitteln. Früher wurde der Boden häufig ausgelassen, weil es keine Möglichkeit gab, diesen sinnvoll in das Konzept mit einzubeziehen. Dank FOTOBODEN™ ist dies kein Problem mehr: Für Kreative, Museen und Kunstvereine gibt es nun eine perfekte Möglichkeit, beliebige Flächen großflächig und individuell zu gestalten, und

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das ohne großen Aufwand. Denn der individuell bedruckbare Vinylboden ist frei gestaltbar, was Motiv, Größe und Form angeht und wird bereits häufig als Gestaltungselement, zur Besucherführung oder als auf den Boden aufgebrachte Informationsvermittlung genutzt. Für die Ausstellung „Long Ago and Far Away“ der Künstlerin Mehrenah Atashi (IR/NL) setzte der Salzburger Kunstverein FOTOBODEN™ ein, um die Räumlichkeiten Teil des Projekts werden zu lassen. So bewies FOTOBODEN™ im Rahmen des Ausstel-

lungsprojekts „20 Propositions“ einmal mehr sein Können als wandelbares Gestaltungselement im musealen Bereich und unterstützte die intensive Aussage der Ausstellung durch die Aufnahme der Elemente und Farben des Projekts. „Wir haben mit FOTOBODEN™ einen professionellen Partner gefunden, um das Ausstellungs- und Raumkonzept der Künstlerin unkompliziert und qualitativ zu realisieren“, erklärt der Direktor des Salzburger Kunstvereins, Séamus Kealy.


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„Der Boden trug maßgeblich zum Gesamtraumerlebnis bei, die Besucher_innen waren beeindruckt!“ Über FOTOBODEN™ FOTOBODEN™ ist ein Produkt der visuals united AG mit Sitz in Kaarst. Der patentierte Vinylboden ist individuell bedruckbar und sorgt als Werbe- und Dekorationselement für eine Frequenzsteigerung am Einsatzort. Im Visual Merchandising am POS sorgt er für höhere Verkaufszah-

len, bei Messen für mehr Standbesucher. Von Promotion- bis zur Objektqualität mit bis zu 15 Jahren Garantie ist FOTOBODEN™ erhältlich. Auch Museen, TV-Produktionen, Laden- und Bühnenbau-Unternehmen verwenden das vielfach DIN- sowie ISO-zertifizierte Material. FOTOBODEN™ ist nachhaltig, da er zu 100% recycelbar ist. Als führender Spezialist für bedruckte Böden bietet die visuals united AG Design, Druck sowie Produktentwicklung an. Weitere Informationen unter www.FOTOBODEN.de

visuals united ag An der Gümpgesbrücke 26 D-41564 Kaarst Kontakt: Tel: +49 (0) 2131 53 213 – 44 info@fotoboden.de www.fotoboden.de

Foto: Andrew Phelps, © Salzburger Kunstverein

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Meisterwerke der mechanischen Musik Wie haben die Menschen eigentlich vor der Vinyl-Schallplatte Musik gehört? Autorin: Jessica Midding

Wer sich das schon immer gefragt hat, ist in der neuen Sonderausstellung des Deutschen Automatenmuseums in Espelkamp genau richtig. Dieser spannen-

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den Frage können Besucherinnen und Besucher in „Gut aufgelegt – Meisterwerke der mechanischen Musik“ nachgehen und damit die Anfänge der auto-

matischen Musikwiedergabe erkunden. Das Plakatmotiv der Ausstellung basiert auf dem Gemälde „Spieldose“ von Franz


Anzeige Defregger (1835-1921) aus den Jahren um 1890. Dieses Bild zeigt jedoch viel mehr als nur eine „Spieldose“… Das titelgebende Objekt, bei dem es sich zweifelsohne um eine Organette namens „Ariston“ handelt, ist in der Interieurszene als zentrales Motiv auszumachen. Es ist auf einem großen Tisch positioniert und alle umherstehenden oder sitzenden Frauen und Männer, Mädchen und Jungen sind wie gebannt von diesem Instrument, das gerade von einem jungen

Mann, an einer Kurbel drehend, in Funktion versetzt wird. Das ursprüngliche Gemälde aus dem 19. Jahrhundert wurde nicht nur bezüglich seiner Farben ins 21. Jahrhundert übersetzt, sondern auch um kleine Details ergänzt, wie die Kopfhörer des Musikspielers, womit die Darstellung einen zeitgenössischen Bezug erhält. Die Komposition veranschaulicht nach wie vor, wozu Musik im Stande ist – egal

ob heute oder vor mehr als 125 Jahren, ob live oder von einem Datenträger – Musik schafft Emotionen, verbindet Menschen und bringt sie zusammen. Das funktioniert heute genauso wie damals. Um diese Erfahrung selbst zu machen, sind die Besucherinnen und Besucher angehalten, an dem eigens für die Ausstellung aus Plexiglas rekonstruierten Ariston zu drehen. Sie werden – wortwörtlich im Handumdrehen – erleben, welche Macht die Musik besitzt! Geprägt von der Zeit, in der die verschiedensten Musikautomaten erfunden wurden und den Personen, denen dies gelang, führen in der Sonderausstellung sechs unterschiedliche Ton(informations)träger als roter Faden durch die Jahrhunderte. Begleitet werden sie dabei von sechs Erfinder-Persönlichkeiten, die jeweils ihren Teil zu dieser Genese geleistet haben. Es geht dabei um den Dresdner Friedrich Kaufmann (1785-1866), der mit seinen Stiftwalzen-Orchestrions ganz Europa faszinierte. Um Paul Ehrlich (1849-1925), der 1882 sein Patent für das bereits erwähnte Ariston mit Lochplatten aus Pappe erhielt und diese Organette mehr als 460.000 Mal in alle Welt verkaufte. Sowie um Paul Lochmann (1848-1928) aus Leipzig, der Millionen von Lochplatten aus Metall für seine Kammzungenmusikwerke produzierte. Ebenso wird Michael Welte (1807-1880) vorgestellt, der in Baden eine Musikautomatendynastie begründete, aus der die perforierte Notenrolle hervorging, die die komplexesten Instrumente zum Erklingen brachte. Auch der allseits bekannte Thomas A. Edison (1847-1931) darf unter den Herren nicht fehlen, der nicht nur die Glühlampe, sondern auch den Phonographen mit Wachswalze erfand. Genau wie der gebürtige Hannoveraner Emil Berliner (1851-1929), der 1897 in den USA die Schallplatte aus Schellack entwickelte und damit den Weg der Musikdatenträger ins 20. Jahrhundert einläutete. All diese Männer ermöglichten Millionen von Menschen auf der ganzen Welt mit ihren revolutionären Erfindungen den Zugang zur automatischen Musik.

Links: Blick in die Ausstellung „Gut aufgelegt – Meisterwerke der mechanischen Musik“ © Deutsches Automatenmusem, Foto: Christian Winsel

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Innerhalb von „Gut aufgelegt“ ertönen neben Klangbeispielen der historischen Instrumente an sogenannten Hörstationen auch die sechs besagten Erfinder, die persönlich über ihr Leben, Ihre Arbeit und Ihre Erfindungen berichten. Wer inhaltlich tiefer in die Materie der mechanischen Musikautomaten eintauchen möchte, hat in der Ausstellung die Möglichkeit, digitalisierte Original-Quellen mit Hilfe des MuseumsBuchs 2.0 zu studieren. Das vom Museum entwickelte „Buch“ ist mit zwei aneinander gefügten Touch-Monitoren ausgestattet und erlaubt es den Besucherinnen und Besuchern, in der Geschichte der Datenträger und ihrer Erfinder digital „zu blättern“.

Rechts: Besucherin an einer Hörstation in der Ausstellung. Foto: Claudia Hecke Unten: Besucherinnen und Besucher am MuseumsBuch 2.0. Foto: Claudia Hecke Alle Fotos: © Deutsches Automatenmusem

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Abgesehen von dieser technischen Besonderheit ist es empfehlenswert, sich einer Führung anzuschließen. Hier wer-

den durch die erfahrenen Guides nicht nur zusätzliche Informationen gegeben, sondern die Exponate auch in Funktion versetzt. Speziell die präsentierte Hupfeld Phonoliszt-Violina – ein pneumatisches Klavier, das von einer perforierten Notenrolle gesteuert und von drei echten Violinen automatisch begleitet wird – sorgt in jeder Führung für grenzenlose Begeisterung. „Gut aufgelegt – Meisterwerke der mechanischen Musik“ im Deutschen Automatenmuseum veranschaulicht noch bis zum 16. Juni 2019 mit Hilfe von Orchestrions, Organetten, Kammzungenmusikwerken, Phonographen, selbstspielenden Klavieren und Grammophonen im Zusammenspiel mit deren Datenträgern den Erfindungsreichtum, die technischen Möglichkeiten, die Musik und das Design der damaligen Zeit. Nicht zuletzt führt sie uns als technik-ver-

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wöhnte Menschen des digitalen 21. Jahrhundert vor Augen, wie wahres „analoges“ Staunen funktioniert.

Oben: Das Hupfeld Phonoliszt Violina mit seinen drei Geigen spielt in einer Führung, Foto: Jessica Midding Links: Einblick in das Symphonion Modell 33 SA mit Lochplatte aus Metall (rechts) und Kammzungenspielwerk (links). Foto: Fabiana Kresse Rechts: Plakatmotiv, Grafik: Annika Maucher Alle Fotos: © Deutsches Automatenmusem

Deutsches Automatenmuseum Sammlung Gauselmann Schlossallee 1 32339 Espelkamp Tel. 05743 9 31 82 22 info@deutsches-automatenmuseum.de www.deutsches-automatenmuseum.de


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Paul Ehrlich und die erste „Schallplatte“ Autorin: Birgit Heise

Nicht jedem technisch versierten Erfinder ist es vergönnt, mit einer einzigen genialen Idee einen ganzen Industriezweig begründen und ausbauen zu können. Doch der Einfall von Paul Ehrlich (1849-1925), einem Klavierbauer aus Leipzig, erwies sich als derart folgenreich, dass er 1897 die königlich sächsische Staatsmedaille erhielt: Für die Begründung einer neuen bedeutenden Industrie, der Fabrikation von Musikwerken mit „auswechselbaren Noten“. Damit war quasi die älteste Schallplatte der Welt gemeint. Denn noch vor der Erfindung des Grammophons präsentierte Paul Ehrlich eine gelochte Platte aus Pappe, die zu einer Art Tisch-Drehorgel namens Ariston gehörte und per Kurbel eine kleine Harmonika zum Klingen brachte.

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Aus heutiger Sicht erscheint ein solches Gerät wenig spektakulär, aber der entscheidende Faktor war die billige, leicht auszuwechselnde Platte: Erstmals in der Geschichte konnte man sich ein umfangreiches Musik-Repertoire zulegen und dieses stetig erweitern, ohne selbst üben zu müssen. Die ersten Plattensammlungen der Welt bestanden aus Leipziger Lochplatten aus Pappe! Paul Ehrlich kam damals, im Jahre 1882, genau zur rechten Zeit. In aller Welt verlangte man nach den günstigen Musikabspielgeräten, so dass neben der Fabrik Ehrlichs – mit mehreren hundert Arbeitern – noch weitere Betriebe eröffnen konnten und eine große Vielfalt von Lochplatten-Geräten auf den Markt brachten.


Anzeige Oben: Titel aus Zeitschrift für Instrumentenbau, 21. April 1885 Unten: Zungen-Drehorgel Ariston von Paul Ehrlich, um 1885. Kurbelantrieb. 24 Töne. Plattendurchmesser 33 cm. Privatbesitz. Foto: Marion Wenzel Rechte Seite, oben: Ariston-Werbung im Ernst Holzweissig-Katalog, 1893/94, S. 76 Unten: Die Fabrik von Paul Ehrlich in Leipzig (aus: Die Großindustrie des Königreichs Sachsen, Leipzig 1893) Fotos: © Deutsches Automatenmuseum

Doch der Erfindungsreichtum und die Kreativität von Paul Ehrlich schienen auch weiterhin unerschöpflich. Auf ihn gingen letztlich 76 Patente und Gebrauchsmuster hinsichtlich mechanischer Musikwerke zurück. Bald gab es kaum mehr eine Gattung mechanischer Instrumente, die Ehrlich nicht um Erfindungen bereichert und in seiner Fabrik gebaut hätte, vom mechanischen Klavier über das klingende Dreh-Püppchen bis zum Pfeifenwerk. Auf nahezu jeder Messe-Ausstellung verblüffte Ehrlich mit neuen Produkten das Publikum. Der Erfolg war jedoch schon 20 Jahre später wieder vorbei. Über Paul Ehrlich hieß es, dass er ein kreativer Geist von hoher technischer Begabung, aber kein Kaufmann gewesen sei. Trotz aller Bemühungen ließ sich der Konkurs im Jahre 1905 nicht abwenden. Die von ihm gegründete Leipziger Musikwerke-Industrie bestand jedoch noch ein weiteres Vierteljahrhundert fort, bevor Grammophon, Tonfilm und Radio auch den elektrischen Klavieren und Orchestrions ein Ende bereiteten. In zahlreichen Museen und Sammlungen, in vielen privaten Haushalten erfreuen Musikautomaten aus der Produktion von Paul Ehrlich auch heute die Freunde historischer Technik. So kann man derzeit im Deutschen Automatenmuseum – Sammlung Gauselmann in Espelkamp einen eigenen Ausstellungsbereich mit interessanten Informationen und wichtigen Musikautomaten sehen und auch hören! Einen vollständigen Überblick über die Leipziger Musikautomatenindustrie bietet das neu erschienene Buch mit Lexikon-Teil von Birgit Heise: „Leipzig als Zentrum des Musikautomatenbaus von 1880 bis 1930“, im Kamprad-Verlag, Altenburg 2018

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Vitrinen: Museums-Klassiker neu entdeckt 42

Lebendige Geschichte: Vier dieser ansprechenden Tischvitrinen stehen im Hohenloher Freilandmuseum in der wiederaufgebauten Scheune aus Michelfeld, zu der der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann die Schirmherrschaft hält.


Anzeige Sie schützen vor Berührung, Staub und Beschädigung und ohne sie wären Ausstellungen von kleineren und auch größeren Objekten kaum denkbar: die unverzichtbaren MuseumsVitrinen. Seltene Fundstücke, Kunstobjekte oder aber auch Dokumente und Bücher wollen ins rechte Licht gerückt und einem interessierten Publikum bestmöglich präsentiert werden. Unter Verzicht auf aufwändige Ausstellungsräume bietet der Online-Vertrieb von VitrinenShop.de seit über einem Jahrzehnt eine reichhaltige Auswahl an Museums- und Ausstellungsvitrinen, die zudem noch in die häufig begrenzten Budgets passt. Die Vitrinen werden bereits vollständig zusammengebaut per Möbelspedition zu Museen selbst in die verstecktesten Ecken Deutschlands, Österreichs und der Schweiz geliefert. So auch zum Hohenloher Freilandmuseum in Wackershofen bei Schwäbisch Hall. Museumsleiter Michael Happe ist verant-

wortlich für die Ausstellung zur „Kultur und Lebensweise der Minderheit der Jenischen im Südwesten“ und war intensiv auf der Suche nach geeigneten Tischvitrinen: „Auf VitrinenShop.de sind wir dann sehr schnell fündig geworden. Wichtig war uns die Staubdichtheit und natürlich die Aluminium-Bauweise, wodurch die Tischvitrinen sehr leicht zu bewegen sind. Nicht zuletzt hat uns außerdem das sehr gute Preis-/Leistungsverhältnis gefallen. Die Ausstellung ist hoch frequentiert und wir sind stolz darauf, die vielseitige Geschichte präsentieren zu können.“

Staubdicht und dennoch filigran Staubdichte Vitrinen - als Tisch- oder bis zu zwei Meter hohe Standvitrinen – bieten zusätzliche Vorteile bei optisch empfindlichen Objekten. Schmuck oder sensible Kunstgegenstände bleiben so dauerhaft staubfrei. Mit Schauflächen auf allen Ebenen kommen die Präsentationsstücke durch Beleuchtung von oben oder von der Seite noch besser zur Geltung.

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Ausstellungen und Termine Köln – MAKK – Museum für Angewandte Kunst Köln Andy Warhol – Pop goes Art bis 24. März 2019 Die Ausstellung umfasst nahezu lückenlos alle von Andy Warhol gestalteten, konzipierten und produzierten Plattencover sowie zahlreiche Skizzen und Entwürfe. Zusammen mit Filmen, Hörbeispielen und korrespondierenden Arbeiten Warhols dokumentiert die Ausstellung – getreu dem Titel „Pop goes Art“ – das Zusammenspiel von Design, Kunst und Musik. Gleichzeitig sind die über einen Zeitraum von über 40 Jahren entstandenen Alben ein eindrucksvolles Dokument für Warhols künstlerischen Werdegang, seine Pop-Philosophie und die für sein Werk prägende Idee der seriellen Kunst. MAKK – Museum für Angewandte Kunst Köln An der Rechtschule, 50667 Köln Foto: © 2018 The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc. / Licensed by Artists Rights Society (ARS), New York. (Foto: RBA Köln, M. Mennicken)

Salzburg – Bibelwelt Stille Nacht? Geburt in der Bibel. 6. Oktober 2018 – 16. September 2019 Die Geburt Jesu war alles andere als eine stille Nacht: Gebären war damals mit hohem gesundheitlichem Risiko und vielen kulturellen Eigenarten verbunden. Tauchen Sie mit der Bibelwelt ein in die verborgene Welt der Hebammen, religiösen Reinheitsvorschriften, Beschneidungsrituale und Auslösungsopfer der Erstgeborenen. Lernen Sie verstehen, welch tiefes Vertrauen Frauen der Bibel auf Gott setzten, wenn sie um eine glückliche Geburt beteten.

www.bibelwelt.at Plainstraße 42 A, A-5020 Salzburg Öffnungszeiten: MO, DO-SA 10 – 18 Uhr; SO, Feiertag 11 – 18 Uhr. Links: © Stuttgart, Württembergische Landesbibliothek, Cod. bibl. fol. 23, f. 148r

Berlin – MUSEUMSWELT 2019 Der Museums-Gemeinschaftsstand auf der ITB, Halle 10.2 6. März – 10. März 2019 Die Internationale Tourismus-Börse Berlin gilt als größte Reisemesse weltweit. Länder, Städte und Regionen, Reiseveranstalter, Buchungsportale und Hotels sowie viele andere Dienstleister aus über 180 Ländern präsentieren ihre Angebote. Zum dritten mal ist auch der Museums-Gemeinschaftsstand MUSEUMSWELT angemeldet, um kulturineressierten Menschen einen konzentrieten Überblick über die Welt der Museen zu verschaffen. An dem belebten Stand trifft man Vertreter der unterschiedlichsten Museen. Sie haben Exponate aus Ihren Ausstellungen mitgebracht und laden zu einer kulturellen Entdeckungsreise ein. Fachbesucher: 6. März – 8. März 2019. Privatbesucher: 9. – 10. März, 10 – 18 Uhr tägl. Falls Sie sich als ausstellendes Museum an der MUSEUMSWELT beteiligen möchten, kontaktieren Sie uns bitte unter museum.de, Uwe Strauch, Postfach 11 56, Ostwall 2, 46509 Xanten. Tel. 02801-9882072, itb@museum.de, Foto: © visitBerlin

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Der „Haken“ bei den Haken Der patentierte Klemmhaken für sichere und vielfältige Anwendungen. Autor: Rainer von Kempen

Als Hersteller im Bereich der Regal- und Lagertechnik mit 40 Jahren Erfahrung beraten wir bei der Auswahl und Konfiguration von Depots: Depotschiebewände für die Lagerung hängender Kunstwerke, Bilder- und Skulpturenregale, Schränke und Flachablagen sowie Regalsysteme für Requisiten oder Werkstätten. Das sichere Hängen eines Bildes ist an die Verbindung zwischen Bild und Hängefläche gebunden. Besonders beim Auf- und Abhängen sind diese Elemente entscheidend für eine sichere und einfache Handhabung. Auf den Haken kommt es an … Die Hängevorrichtung an Gemälden ist vielfältig und häufig auch eine Frage von restauratorischer Philosophie der Museen und Sammlungen. Es ist immer entschei-

dend ist, dass ein Haken für die Aufnahme der Werke, sich nicht selbstständig macht und ggf. andere Bilder beschädigt oder das Einhängen erschwert. Für die häufigsten Methoden der Aufhängung bietet OHRA einen patentierten Klemmhaken an, der speziell entwickelt wurde, um möglichst viele Versionen von Ösen und Aufhängeblechen nutzen zu können. Der Haken, erhältlich in den Maschenhöhen 100 mm und 50 mm, selbst lässt sich leicht einhändig in eine passende Gittermasche einhängen. Einmal befestigt, wird er sich von selbst nicht mehr bewegen, also beim Ein- und Aushängen nicht ausweichen, wegkippen oder herunterfallen. … und auf das Hängegitter Auch das Gitter der Schiebewand ist

wichtig für eine sichere und komfortable Hängung im Depot. Es sollte stabil sein und eine durchgehend ebene Hängefläche bilden. Galvanische Verzinkung gewährleistet größtmögliche Sicherheit gegen Materialabplatzungen der Oberfläche und hohe Beständigkeit gegen Kratzer und Abrieb. Eine ausreichende Materialstärke schützt vor Verformung und Abriss der Schweißpunkte. Eine abgestufte Grenzlast von Haken und Gitter schützt das Lagergut, in dem ein Versagen gezielt auf das Gitter verlagert und so das Herunterfallen der Bilder verhindert. OHRA präsentiert die Haken und Gitter auf der Messe Cultura Suisse. Besuchen Sie uns vom 24.01. – 26.01.2019 in Bern und überzeigen Sie sich selbst von der Qualität und Handhabung der OHRA Produkte.

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Top-Kulturadressen des Landes Mecklenburg-Vorpommern neu aufgestellt 46


In der einzigartigen Schlösserlandschaft Mecklenburg-Vorpommerns zählen die großen, ehemals fürstlichen Bauten mit ihren faszinierenden Architekturen und prachtvollen Parks ebenso zum kulturel-

len Erbe wie die umfangreichen Kunstsammlungen der mecklenburgischen Herzöge, die heute den Kern des Kunstbestandes des Landes bilden.

Im Schloss Schwerin, einem faszinierenden Bau des romantischen Historismus in Insellage, der seinesgleichen in Europa sucht, entfaltet sich die Pracht staatlicher Repräsentation und höfischen Lebens. © Staatliche Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen Mecklenburg-Vorpommern, Foto: Funkhaus Creative

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Dr. Pirko Kristin Zinnow, Gründungsdirektorin der neuen Kulturinstitution, hat eine reizvolle Aufgabe übernommen: „Die Staatlichen Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen Mecklenburg-Vorpommern bewahren, erforschen und präsentieren das kultur- und kunstgeschichtliche Fundament des Landes. Mir ist es vor allem wichtig, dass die staatlichen Kulturschätze des Landes nun insgesamt noch besser erforscht, gesteuert und vermarktet werden können. Bei allen unseren Angeboten, den Ausstellungen und vielfältigen Veranstaltungen, gilt es, eine Mischung zu finden aus regionaler Verankerung und internationalem Anspruch. Wir wollen unterschiedliche Zielgruppen ansprechen und zukünftig noch mehr Menschen für unsere wunderbaren Schlösser, Gärten und Museen begeistern.“ Als ehemalige Bevollmächtigte des Landes Mecklenburg-Vorpommern in Berlin und Mitglied u. a. in den Kuratorien der

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Stiftung Preußischer Kulturbesitz, des Deutschen Museums München und des Hauses der Geschichte in Bonn verfügt Zinnow über einen reichen Erfahrungsschatz in punkto Kultur. Die Herzöge Mecklenburgs, in politischen und verwandtschaftlichen Beziehungen mit den großen Fürstenhäusern Europas verknüpft, repräsentierten vor allem durch Kunst. Ihr Vermächtnis legt Zeugnis ab von einem hohen Anspruch an das geistige Leben im Land. Sie sammelten Kunst in großem Stil. Außerdem beschäftigten sie Künstler aus allen Teilen Europas, besonders aus Süddeutschland, Italien und Holland. Die herzogliche Sammlung wurde später stets durch neue Erwerbungen und Schenkungen erweitert und umfasst heute große Bestände an Gemälden, Skulpturen, Grafik und Kunsthandwerk: Gemälde und Handzeichnungen namhafter

Künstler, kostbare Porzellane und Keramiken, Prunk- und Zierwaffen, seltene Gläser, antike Möbel, Elfenbeinschnitzereien, Schmuck sowie Münzen und Medaillen. Seit dem 1. Januar 2018 sind das Staatliche Museum Schwerin und die insgesamt 18 staatlichen Schlösser und Gärten (darunter Bothmer, Güstrow, Ludwigslust, Mirow, Schwerin, Wiligrad und das Jagdschloss Granitz) als „Staatliche Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen Mecklenburg-Vorpommern“ zu einer Institution vereint.

Oben: Außenansicht Staatliches Museum Schwerin © Staatliche Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen Mecklenburg-Vorpommern, Foto M. Setzpfandt Unten: Pressefoto Dr. Pirko Kristin Zinnow © Fotostudio Berger Rechts: Nautiluspokal, Johann Heinrich Mannlich, 1700 © Staatliche Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen Mecklenburg-Vorpommern


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Spitzenstücke der kunsthandwerklichen Sammlungen und ausgewählte Gemälde schmücken die Schlösser der Staatlichen Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen Mecklenburg-Vorpommern. Schloss Ludwigslust, eines der größten Barockschlösser im Norden Deutschlands, verlockt mit barocker Kunst und einem englischen Park mit Kanälen und Wasserspielen. Schloss Mirow überrascht mit prachtvollen Raumausstattungen des Barock und Rokoko. Das Renaissanceschloss Güstrow beherbergt kostbare Kleinodien und Kunstwerke des Mittelalters und der Renaissance.

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Gemälde von Oudry und kostbare Uhren im Schloss Ludwigslust © Staatliche Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen Mecklenburg-Vorpommern, Foto G. Bröcker

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Großer Bekanntheit erfreut sich die mehr als sechshundert Werke umfassende Sammlung holländischer und flämischer Gemälde aus dem Goldenen Zeitalter, zu sehen im Staatlichen Museum Schwerin, das 1882 als Großherzogliches Museum eingeweiht und 2016 durch einen Neubau erweitert wurde. Zu den Spitzenstücken zählen die Torwache von Carel Fabritius, die bezaubernden Knabenköpfe von Frans Hals, prächtige Marinebilder, Landschaften und Stillleben. Das 20. Jahrhundert ist in seiner Stilvielfalt mit Werken deutscher Impressionisten, u.a. von Max Liebermann und Lovis Corinth, zeitgleich entstandenen Arbeiten von Konzeptkünstlern, Werken namhafter Künstler aus Ost und West, darunter Günther Uecker, Nam June Paik, François Morellet, John Cage, Sigmar Polke, Bernhard Heisig, Wolfgang Mattheuer und Clemens

Gröszer vertreten. Die Themenvielfalt der DDR-Malerei bezeugen zudem Arbeiten aus der Leipziger und der Berliner Schule, der Dresdner Akademie sowie norddeutscher Maler, wie Otto Niemeyer-Holstein.

Linke Seite: Max Liebermann, Enkelin des Künstlers, 1923 © Staatliche Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen Mecklenburg-Vorpommern, Foto: E. Walford Re. Seite., o.: Wolfgang Mattheuer, Schwebendes Liebespaar, 1970 © VG Bild-Kunst, Bonn 2018, Foto: E. Walford

Links: Carel Fabritius, Die Torwache, 1654. © Staatliche Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen Mecklenburg-Vorpommern, Foto E. Walford Rechts: Der Neubau des Staatlichen Museums Schwerin © Staatliche Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen Mecklenburg-Vorpommern, Foto: M. Setzpfandt

Schwerin zählt zudem zu den wenigen Orten in Europa, an denen Werke von Marcel Duchamp zu sehen sind. Die in ihrer Geschlossenheit einmalige Schweriner Sammlung Marcel Duchamp umfasst 90 Werke, die nahezu alle Phasen und Aspekte des neben Picasso maßgeblichen Anregers der Kunst des 20. Jahrhunderts aufzeigt.

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Marcel Duchamp: Das Unmögliche sehen. Ausstellung & Symposium 29. März bis 26. Mai 2019 Anlässlich des 10-jährigen Jubiläums des Duchamp- Forschungszentrums 2019 im Staatlichen Museum Schwerin wird dem die Kunst der Moderne revolutionierenden Künstler Marcel Duchamp mit einer Ausstellung und einem Symposium eine Hommage erwiesen. Die grandiose, mit 90 Werken alle Schaffensphasen des Künstlers umfassende Schweriner Sammlung bildet sowohl die Grundlage für die Ausstellung Marcel Duchamp: Das Unmögliche sehen als auch für zahlreiche vom Duchamp-Forschungszentrum wissenschaftlich betreute Forschungsprojekte, die im Symposium Marcel Duchamp: Der Erfinder der Gegenwart (26.-28. April 2019) vorgestellt werden.

Neben den Sammlungen sind im Staatlichen Museum Schwerin jährlich drei große Wechselausstellungen und verschiedene Kabinettausstellungen zu sehen. 2019 laden wir u.a. zu folgenden Themen ein: Hot Printing: Hendrik Nicolaas Werkman (1882 – 1945). 30. November 2018 bis 24. Februar 2019 In den Niederlanden gilt der Künstler Hendrik Nicolaas Werkman als einer der Pioniere der Moderne, seine experimentelle Druckgrafik fand auch international große Anerkennung. Seit 1908 schuf Werkman in seiner Druckerei in Groningen mit innovativen Stempel-, Schablonen- und Walztechniken ein umfangreiches Œuvre, auf das auch bedeutende Künstler wie El Lissitzky und Theo von Doesburg aufmerksam wurden. Bekannt wurden seine Arbeiten besonders durch die Zeitschrift „The Next Call“, die Werkman ab 1926 verlegte. Aus welchem konkreten Grund die deutschen Besatzer Nicolaas Werkman noch wenige Tage vor Ende des Zweiten Weltkriegs erschossen, ist bis heute unklar. Nach seinem gewaltsamen Tod zeigte das Amsterdamer Stedelijk Museum noch 1945 eine erste Retrospektive. Die Schweriner Ausstellung lädt ein, einen der interessantesten niederländischen Künstler des 20. Jahrhundert kennenzulernen.

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Königliche Geschenke. Porzellane der Berliner Manufaktur am mecklenburgischen Hof, ab 11. Oktober 2019 im Schloss Schwerin Zu den kostbarsten Präsenten, die das mecklenburgische Herzogshaus im 19. Jahrhundert erhielt, zählen die Porzellane aus der Berliner Manufaktur, die die preußischen Könige ihrer Verwandtschaft überreichten. Große Tafelaufsätze, beeindruckende Prunkvasen, Leuchter und ganze Hochzeitsservice reisten von Berlin nach Schwerin und zeugen von der Verbundenheit der beiden Herrschaftshäuser. Ob Vermählung, Thronbesteigung, Weihnachten, Ostern oder Geburtstag – gern griffen die preußischen Majestäten auf die Erzeugnisse ihrer florierenden Manufaktur zurück. Die Entwürfe für die einzigartigen Meisterstücke fertigten Künstler wie Karl Friedrich Schinkel


oder Johann Gottfried Schadow. Feine Vergoldungen und Malereien stehen für höchste Kunstfertigkeit und künden vom Potential dieser außergewöhnlichen Manufaktur; vom Können ihrer Entwerfer, Former, Maler und Vergolder.

Linke Seite, oben: Hendrik Nicolaas Werkman, Hot Printing, 1935-36 © Klingspor-Museum Offenbach Rechts: Marcel Duchamp, L.H.O.O.Q., 1919-1964 © Association. Marcel Duchamp, VG Bild-Kunst, Bonn 2018 Rechte Seite: Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM), Deckelterrine mit der Darstellung des Königlichen Schlosses Berlin auf einem Untersatz, 1822 © Staatliche Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen MV

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Von Barbizon bis ans Meer. Carl Malchin und die Entdeckung Mecklenburgs. 5. Juli bis 6. Okt. 2019, im Staatlichen Museum Schwerin Carl Malchin (1838-1923) gilt als Begründer der mecklenburgischen Landschaftsmalerei.

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Kein anderer Künstler dieser Zeit war in so hohem Maße darauf spezialisiert, die Natur Mecklenburgs, vor allem die Umgebung seines Wohnortes Schwerin, zu erfassen. Malchin schätzte die niederländische Landschaftsmalerei des 17. Jahrhunderts und lernte zudem Werke fran-

zösischer Landschaftsmaler der Schule Barbizon kennen. Sein großes Verdienst ist es, die Pleinairmalerei, das Skizzieren der Natur mit Ölfarben im Freien, erfolgreich auf Norddeutschland übertragen zu haben. Die Staatlichen Schlösser, Gärten und


Kunstsammlungen Mecklenburg-Vorpommern besitzen mit mehr als 680 Werken den künstlerischen Nachlass des Malers: Zeichnungen, Ölskizzen und Gemälde. Die Ausstellung ordnet erstmals das Werk Malchins in die internationalen Tendenzen der realistischen

Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts ein.

Oben: Carl Malchin, Winterlandschaft Neu-Brenz bei Neustadt-Glewe, 1876 © Staatliche Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen Mecklenburg-Vorpommern, Foto G. Bröcker

Weitere Informationen finden Sie auf www.museum-schwerin.de www.mv-schloesser.de

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die Fachmesse f端r Museen, Denkmalpflege und Kulturg端ter Die Schweizer Fachmesse f端r Museen, Denkmalpflege und Kulturg端ter. Vom 24. bis 26. Januar 2019

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Auch das Zentrum Paul Klee laden zu einem Besuch in Bern ein. Foto: Š rg-angel

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Oben: Verbinden Sie Ihren Besuch der Cultura Suisse mit einer Sightseeingtour durch Bern. Bundeshaus in Bern. © Foto: shutterstock Unten: Foto: © unsplash.com

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Mit Cultura Suisse erhält die Schweiz vom 24. bis 26. Januar 2019 erstmals eine nationale Fachmesse für Museen, Denkmalpflege und Kulturgüter. Der Austragungsort Bern bietet als Hauptstadt und zentraler Messeplatz der Schweiz beste Rahmenbedingungen für Aussteller und Besucher.

Das Ausstellungsangebot der über 100 Handwerksbetriebe, Firmen und Verbände an der Cultura Suisse ist zwecks guter Übersichtlichkeit und Besucherführung in die beiden Bereich Denkmalpflege sowie Museen und Museumstechnik unterteilt.

Cultura Suisse ist die erste Schweizer Fachmesse, die als Austauschplattform für Museen, Museumstechnik, Denkmalpflege sowie für Kulturgut und dessen Bewahrung konzipiert ist. Sie findet vom 24. bis 26. Januar 2019 in Bern statt, im politischen und kulturellen Zentrum der Schweiz. Die rund 150‘000 Einwohner zählende Hauptstadt Bern bietet nicht nur eine zum UNESCO-Welterbe zählende Altstadt mit charakteristischen Laubengängen und vielen sehenswerten, historischen Gebäuden, sondern mit dem Bundeshaus auch den Sitz der Schweizer Landesregierung und das Verwaltungszentrum der Schweiz.

Im Denkmalbereich konzentriert sich das Angebot auf das Spezialistentum im Handwerk, in der Restaurierung und bei Baustoffen. In diesen Bereichen wird den Interessierten ein weitreichender und vielfältiger Einblick in traditionelles Handwerk geboten, das mit historischer Bausubstanz und unter Anwendung überlieferter Techniken sorgfältig umzugehen weiss. Aber auch neuste Techniken zu Themen wie Schadstoffe, Planung und Scanning stehen hier im Mittelpunkt. An der Cultura Suisse sind die entsprechenden Experten vor Ort und geben dem Fachpublikum zu ihren Themengebieten sachkundig Auskunft.

Das moderne Messegelände der Bernexpo bildet mit ihrer Lage an der Sprachgrenze zwischen der deutschen und der französischen Schweiz zudem den idealen Rahmen für eine Veranstaltung mit nationaler Ausstrahlung. Am Veranstaltungsort Bern profitiert die Cultura Suisse auch von der Unterstützung namhafter Verbände und Institutionen aus dem Denkmalpflegeund Museumsbereich, allen voran die Denkmalpflege des Kantons Bern, welche als Gastgeber fungiert.

Thema Museen und Museumstechnik

Thema Denkmalpflege

Im Museumsteil der Cultura Suisse treffen sich ausgewiesene Spezialisten in Präsentationstechnik, Audiovisueller Technik, Raumplanung, Organisation und Lagerung zu einer Werksschau. Eine besondere Attraktion für Besuchende werden aktuelle Themen wie «Augmented Reality» oder auch Museums-Apps bilden. In diesem Ausstellungsbereich werden Museumsthemen vertieft angeschaut, Lösun-

gen präsentiert und dem Austausch unter Fachpersonen wird viel Platz eingeräumt. Die Organisatoren der Cultura Suisse erwarten in Bern während den drei Messetagen rund 3000 Fachbesucherinnen und Fachbesucher aus der ganzen Schweiz. Ihnen wird innerhalb der Messe zusätzlich ein Rahmenprogramm geboten. In täglich stattfindenden Podiumsdiskussionen zu aktuellen und kontroversen Fragen sowie zu speziellen Fallbeispielen im Denkmal- und Museumsbereich werden beide Themenwelten der Messe im zentralen Forum verbunden und das Cultura Suisse-Angebot passend abgerundet. Getragen wird die Veranstaltung von zahlreichen Partnerverbänden, darunter der Verband der Museen der Schweiz VMS, der Schweizer Museumspass sowie die IG Museumstechniker Schweiz. Als Austragungsrhythmus ist für die Cultura Suisse übrigens ein Zweijahresturnus geplant – im Einklang mit den entsprechenden Fachmessen in Deutschland und Österreich. www.cultura-suisse.ch


borowski.ch

Die Schweizer Fachmesse für Museen, Denkmalpflege und Kulturgüter

24. - 26. JANUAR 2019 BERNEXPO, HALLE 1.2 www.cultura-suisse.ch 61


Kriegsschicksale – die Familie Kliemt im 1. Weltkrieg Sonderausstellung im Dorfmuseum Markersdorf (01. April 2018 bis 31. März 2019). Autorin: Anja Köhler

„Ist nicht bald Frieden?“ fragte am 22.11.1915 Edmund Thiel aus Markersdorf seinen Bruder Erdmann in einem Brief. Erdmann Thiel war eingezogen worden und an der Front. Sein Bruder Edmund hatte zwar bereits die Musterung hinter sich, war aber noch zu Hause in Markersdorf bei Schwester und Eltern. Die Frage nach dem Kriegsende findet sich in vielen Briefen, die in den Jahren 1914 bis 1918 aus den heimatlichen Stuben hinaus an die Front gesandt wurden. Aber auch aus dem Felde selbst wird die Frage nach dem Ende des Krieges immer wieder aufgeworfen: „wenn bloß bald alle wäre der Krieg.“, schrieb Paul an Meta. Der Brief, aus dem der Halbsatz stammt und weitere vom gleichen Absender befinden sich heute im Bestand des Dorfmuseums Markersdorf.

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2018 jährt sich das Ende des 1. Weltkrieges zum 100. Male. Aus diesem Grund ist seit dem 01.04.2018 im Dorfmuseum Markersdorf eine Sonderausstellung mit dem Titel „Kriegsschicksale – die Familie Kliemt im 1. Weltkrieg“ zu sehen. Am 14.09.1890 hatte Wilhelm Adolph Kliemt die Gärtnerstelle Nr. 4 in Markersdorf erworben. Rund 100 Jahre später war aus diesem Grundstück das Dorfmuseum Markersdorf geworden. Wilhelm Adolph Kliemt und seine Frau Anne Louise hatten 5 Kinder: Oskar, Linda, Erwin, Erhard und Richard. Mit Ausbruch des 1. Weltkrieges 1914 veränderte sich die Welt für die Markersdorfer Familie radikal. Sohn Oskar wurde mit 23 Jahren sofort nach dem Kriegsbeginn im August 1914 eingezogen, ebenso wie Sohn Erwin (20 Jahre) und Sohn

Erhard (19 Jahre). Richard war mit 13 Jahren noch zu jung, um den Kriegsdienst anzutreten. Er feierte im Jahr 1915 seine Konfirmation, jedoch ohne seine Brüder. Ihnen schickte er Konfirmationsbilder an die Front. Ebenso fand ein reger Briefwechsel zwischen Markersdorf und den jeweiligen Einsatzstellen der Söhne statt. Erwin wurde an der Westfront am rechten Oben: Gruppenbild der Familie Kliemt: Erhard; Linda; Adolph; Oskar; Richard; Anna; Erwin (v.l.n.r.) aufgenommen ca. im Jahr 1904; Re. Seite, O. links: Erhard Kliemt (19 Jahre) im Jahr 1914 Oben rechts: Erwin Kliemt (20 Jahre) im Jahr 1914 Unten: Auf einer Karte, die die Schlachten des 1. Weltkrieges zeigt, weisen Markierungen zu den Aufenthaltsorten der Kliemt-Söhne während des Krieges. Foto: Anja Köhler. Alle Fotos: © Schlesisch-Oberlausitzer Museumsverbund gGmbH


Anzeige Auge so schwer verletzt, dass er das Auge verlor und fortan ein Glasauge trug. Zwei seiner Glasaugen sind noch im Bestand des Dorfmuseums Markersdorf erhalten und in der Sonderausstellung zu sehen. Nach seiner Genesung tat Erwin Kliemt seinen Dienst nicht mehr an der Front, sondern wurde zum Fabrikdienst eingesetzt. Erhard Kliemt wurde ebenfalls schwer verletzt. Er hatte einen Steckschuss in der rechten Schulter erlitten und dadurch einen Teil seines Schulterblattes verloren, was zu Bewegungseinschränkungen und einem halbsteifen rechten Arm führte. Der älteste Sohn Oskar kam nicht mehr aus dem Krieg zurück. Bereits erwähnter Paul schrieb in einem Brief vom 24.11.1914 an Meta: „Liebe Meta! Habe jetzt schwere Tage gehabt die ganze vorige Woche. Wir waren Tag u. Nacht im Gefecht. […]Wir haben die Russen in einem Kessel drin, und müssen sie halten. Sie wollen durchbrechen haben auch müssen zurückgehen u. haben Feuer von zwei Seiten bekommen. Haben dabei schon viele Verluste gehabt von 800

die wir von Görlitz wegmachten sind nur noch 216 Mann. Es ist rührend wenn man sich wieder zusammen findet. Kliemt war nur 6 m von mir weg als er verwundet

war. Habe ihn ins Haus geschafft wo die andern lagen, mußten aber nach 2 Stunden weichen, da sind die Verwundeten zurückgeblieben. Habe mich erkundigt

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beim Sanitäter er sagte: er wäre ohne den Verwundeten davongelaufen. So wird er sicher bei den Russen sein.[…] Es ist hier schlimm. Die Nächte sind kalt u. haben wenig zu essen. Vielleicht dauert es nicht mehr lange hier denn wenn das geschaffen wird sein was sie hier vorhaben dann werden wieder weniger Russen. Die Russen schießen wie toll es geht bis zur Verzweiflung. […]“ Bereits einen Tag zuvor hatte Paul an Meta folgendes geschrieben: „Habe heute Gelegenheit dir den Brief mit zuschicken. Es war eine Totensonntagwoche bei uns im Felde haben vom Bußtag bis Sonntagabend Tag u. Nacht im Feuer gelegen haben viele Verluste gehabt sind von 800 Mann noch 216 übrig, bin bei den Glücklichen dabei, noch mal unversehrt ausgekommen zu sein, es wird wohl die Entscheidung sein. Kannst es Kliemt sagen: er ist verwundet u. vielleicht in Gefangenschaft geraten. Hat einen Schuß in die Schulter erhalten den 21.11. um 9 Uhr vormittags […] Tu nur die benachrichtigen: Kliemt ist zurückgeblieben weil wir auch mußten zurückgehen. Alles andre kann ich dir

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besser schreiben einmal, es ist finster zum schreiben. Grüße alle andern bleibe vielleicht gesund. Keine Post habe ich noch nicht erhalten. Es grüßt dich Paul.“ Nachdem die Nachricht von der Verwundung seines Sohnes Oskar und dessen eventueller Gefangenschaft Adolph Kliemt erreicht hatte, setzte er alles ihm mögliche in Bewegung, um etwas über seinen Sohn zu erfahren. So schickte er im Laufe der nächsten Jahre Anfragen zum Roten Kreuz nach Kopenhagen, ans Königlich Preußische Kriegsministerium nach Berlin, an die Auskunftsstelle über Verwundete in der Provinz Posen, an den Oben: Konfirmand Richard Kliemt (14 Jahre) im Jahr 1915 Unten: Die Ausstellung arbeitet auch mit Inszenierungen: Nachstellung einer Sanatoriums-Szene mit Krankenbett. Den Hintergrund bildet die Vergrößerung einer Fotografie, auf der Erwin Kliemt zu sehen ist. Foto: Anja Köhler Rechte Seite, oben: Hintergrund der Inszenierung: Erwin Kliemt ist der Dritte von links. Unten: Oskar Kliemt (20 Jahre) im Jahr 1911; © Schlesisch-Oberlausitzer Museumsverbund gGmbH


Deutschen Hülfsverein in Stockholm, an den Landrat von Tarnowitz sowie an den Königlichen Palast in Madrid. Keine der kleinen Spuren, die sich in den folgenden Jahren fanden, führten zum Ziel. Oskar Kliemt ist seit seinem Einsatz in Przatów Górny am 21.11.1914 verschwunden, und bis heute ist nicht bekannt, ob er an diesem Tag in der Nähe von Kalisch (Kalisz) fiel oder später in einem russischen Kriegsgefangenenlager verstarb. Wer mehr über den 1. Weltkrieg erfahren möchte, kann dies im Dorfmuseum Markersdorf tun.

Gemüsesorten und würzigen Kräutern erinnert sehr anschaulich an seine Aufgabe, den kärglichen Speisezettel einer kleinbäuerlichen Wirtschaft zu verbessern. In einem umgesetzten Ausgedingehaus ist eine Dorfschule aus der Zeit um 1900 zu besichtigen. Die Einzigartigkeit des Dorfmuseums begründet sich in der aktiven Vermittlung überlieferter Bräuche und traditioneller Arbeiten in der Landwirtschaft. Deshalb orientieren sich die Veranstaltungen vom Flegeldrusch im Winter bis zum Schlachtfest im Spätherbst am bäuerlichen Jahreslauf.

Das Dorfmuseum Markersdorf In dem etwa 250 Jahre alten Vierseithof des Dorfmuseums Markersdorf wird eine scheinbar verloren geglaubte Welt wieder lebendig. Eine Kleinbauernwirtschaft öffnet mit ihrer vollständig erhaltenen Einrichtung ein Tor in die Vergangenheit. Alle Wohn- und Wirtschaftsräume sind so gestaltet, als ob der Bauer mit dem Gesinde auf dem Acker sei und jeden Augenblick zurückkehren könnte. Die tierischen Bewohner des Hofes verstärken mit ihrem Blöken, Grunzen und Wiehern diesen Eindruck auf ihre Weise. Der Bauerngarten mit seinen nahezu vergessenen

Herausgeber: Schlesisch- Oberlausitzer Museumsverbund gGmbH Geschäftsstelle Elisabethstraße 40 02826 Görlitz Dorfmuseum Markersdorf Kirchstraße 2 02829 Markersdorf Tel.: 035829/60329 Fax: 035829/60408 info@museumsverbund-ol.de www.museum-oberlausitz.de

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Gebäudeleittechnik für Museen und kulturelle Einrichtungen Immer und überall: Webbasierte Gebäudemanagementlösungen ermöglichen standortunabhängige Anlagenüberwachung rund um die Uhr. Integration von Energiemanagement- und Wartungsmodulen reduziert Zeitaufwand und Kosten Autor: Peter Kluge, SAUTER Deutschland

und Visualisierungslösung webbasiert sein. Besonders effizient sind diese standortunabhängigen Systeme, wenn sich beispielsweise auch Energiemanagement- oder Wartungsmodule integrieren lassen; statt drei separater Programme ist dann nur noch eines notwendig.

Museen und andere kulturelle Einrichtungen sind auf eine zuverlässige Automatisierungstechnik zur Regelung, Steuerung und Messung der haustechnischen Gewerke angewiesen, um die klimatischen Ansprüche sensibler Exponate – insbesondere im Hinblick auf Raumtemperatur und -feuchte – dauerhaft zu gewährleisten. In vielen Häusern sind jedoch nach wie vor Systeme verbaut, die als Stand-alone-Anlagen konzipiert wurden: Um Werte abzufragen und das Vorhandensein von Störungen zu überprüfen, muss in diesen Fällen das Betreiberpersonal jedes Mal vor Ort in der betreffenden Technikzentrale ein Schaltschrank-Display bedienen. Dies ist besonders dann unpraktisch und mit großem Zeitaufwand verbunden, wenn eine Einrichtung mehrere einzelne Häuser oder Depots mit weit voneinander entfernten Standorten umfasst. Abhilfe kann hier der Einsatz einer zentralen, übergeordneten Gebäudeleittechnik schaffen, auf die alle Gebäudeautomationssysteme aufgeschaltet werden. Doch eines gilt es dabei zwingend zu beachten: Sind die Entfernungen selbst für die Anbindung an ein eigenes, internes Museumsnetzwerk zu weit, muss die ausgewählte Gebäudemanagement-

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Eine entscheidende Aufgabe der Gebäudeautomation (GA) in Museen liegt in der Gewährleistung spezieller klimatischer Bedingungen. Die wichtigste Anforderung ist dabei die Einhaltung konstanter Werte bei Temperatur und Luftfeuchte; diese müssen sich in vielen Fällen im Bereich von 20 bis 24 °C beziehungsweise 45 bis 55 Prozent bewegen. Gehören zu einer Einrichtung mehrere Liegenschaften, ist es besonders sinnvoll, für Management und Überwachung dieser Automatisierungstechnik eine zentrale, übergeordnete Gebäudeleittechnik zu errichten, auf die alle physikalischen und kommunikativen Datenpunkte der GA-Systeme der einzelnen Gebäude aufgeschaltet werden. Durch die GA und die einheitliche Visualisierungslösung können die Genauigkeit der Regelungsalgorithmen und der Gesamtüberblick über das Gebäude verbessert werden – nicht nur, was das Verhalten der Häuser hinsichtlich Temperatur und Feuchtigkeit betrifft, sondern auch in Bezug auf weitere technische Störmeldungen; zum Beispiel von Tür-Feststellanlagen oder aus dem Bereich der Elektrotechnik. Für das Betreiberpersonal beziehungsweise die Mitarbeiter aus dem Leitungsbereich eines Museums gibt es so auch bessere Möglichkeiten zu sehen, was vor Ort passiert und wo gerade Probleme bestehen. Verschiedene Systeme auf der Ebene einzelner Bedienungsschritte zu vergleichen, wäre dagegen deutlich schwieriger. Die Einheitlichkeit erlaubt somit ein besseres Controlling sowie eine optimierte Bewirtschaftung der Gebäude.

Mangels Vernetzung: Controlling bei großen Entfernungen zwischen Einzelmuseen schwierig Doch nicht immer können alle Einzelmuseen und Depots auf eine zentrale Gebäudeleittechnik aufgeschaltet werden: Bei vielen Systemen ist die Anbindung an ein internes Netzwerk Voraussetzung. Das ist jedoch nicht immer möglich, wenn die Häuser topographisch sehr weit voneinander entfernt liegen. In diesen Ge-

bäuden finden sich dann häufig noch Stand-alone-Anlagen, was die bekannten Nachteile mit sich bringt: Um Informationen aus diesen Systemen zu erhalten, ist es erforderlich, dass das Betreiberpersonal zur jeweiligen Technikzentrale geht, um am Schaltschrank – genauer: am dort

Oben: Eine entscheidende Aufgabe der Gebäudeautomation (GA) in Museen liegt in der Gewährleistung spezieller klimatischer Bedingungen. Gehören zu einer Einrichtung mehrere Liegenschaften, ist es besonders sinnvoll, für Management und Überwachung dieser Automatisierungstechnik eine zentrale, übergeordnete Gebäudeleittechnik zu errichten. © Karl-Heinz Laube / pixelio.de Unten: Bei der Gebäudemanagement- und Visualisierungssoftware SAUTER Vision Center (SVC) handelt es sich um eine Lösung im HTML5-Standard, die unabhängig vom Betriebssystem ist – sei es Linux, Unix, iOS, Android oder Windows – und daher mit nahezu jedem Internet-Browser genutzt werden kann. © SAUTER


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Oben: In der Regel hat nicht jedes Haus einen eigenen Anlagentechniker. Ist der Mitarbeiter stattdessen für mehrere Außenstellen zuständig, bleibt er mit Hilfe von Systemen wie SVC problemlos auf dem Laufenden, was die Situation in den anderen Gebäuden betrifft.

Unten: Bei der Konzeption von SVC wurde auf eine selbsterklärende Bedienführung geachtet. So ist etwa das Design der SVC-Benutzeroberfläche – beispielsweise der Aufbau der Seiten und Menüs sowie die Darstellungsweise von Informationen – stark an die gewohnte Web-Optik angelehnt, wodurch auch neue

Mitarbeiter innerhalb kürzester Zeit mit dem System arbeiten können. Beide Abbildungen: © SAUTER

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angebrachten kleinen Display – dann bestimmte Werte abzufragen oder nachzuschauen, welche Störungen vorliegen. Die Daten werden dabei in der Regel nur im Textformat ausgegeben und das Personal muss entsprechend geschult sein, um sich mit einer komplizierten Menüführung zurechtzufinden. Das ist umso wichtiger, da von einem anderen Standort aus nicht auf die Anlagen zugegriffen werden kann. Die fehlende Kontrollmöglichkeit aus der Ferne ist für ein Museum gerade dann unpraktisch, wenn eines oder mehrere seiner Häuser nicht mit eigenen Mitarbeitern betrieben werden, sondern eine externe Firma beauftragt wurde. Das Controlling ist hier schwieriger, da das Leitungspersonal stark von der Kommunikationsbereitschaft des Betreibers abhängig ist, um beispielsweise einen Überblick über aktuelle Störereignisse zu erhalten. Das Protokollmanagement ist in der Regel zwar Bestandteil der Betreiberverträge, vorgesehen sind hier meist jedoch nur Monats- oder Quartalsberichte. Häufig ist das Leitungspersonal dann auf alternative Kommunikationswege angewiesen: Einer dieser Kanäle kann über den Nutzer des Hauses, also die jeweilige Sammlung, führen. Deren Mitarbeiter werden es in

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der Regel intern weitergeben, wenn sie beispielsweise eine steigende Temperatur in Ausstellungsräumen bemerken – auch wenn dies eigentlich nicht zu ihren Aufgaben gehört. Darüber hinaus besteht bei Gebäuden, die im Stand-alone-Betrieb gefahren werden, Zugriff auf prioritäre Störmeldungen aus der GA, die ein sofortiges Handeln erforderlich machen. Diese definierten Meldungen aus der Haustechnik gehen nicht nur bei der Betreiberfirma, sondern auch bei einer ständig besetzten Stelle vor Ort ein, die bei vielen Einrichtungen für die Überwachung von Brand- sowie Einbruchmeldeanlagen verpflichtend einzurichten ist. Von hier werden die Informationen in die zuständige Verwaltungsebene des Museums weitergeleitet. Da so jedoch nicht alle Störungen abgedeckt werden, bleibt die Abhängigkeit vom externen Betreiber hoch. Webbasiertes Gebäudemanagement: Relevante Kennzahlen jederzeit und von jedem Ort einsehbar Mit einer webbasierten Gebäudeleittechnik entfallen diese Probleme, da hier die Entfernung der Häuser voneinander für die Aufschaltung der GA-Systeme keine Rolle spielt. Dies lässt sich exempla-

risch an der Gebäudemanagement- und Visualisierungssoftware SAUTER Vision Center (SVC) aufzeigen: Dabei handelt es sich um eine Lösung im HTML5-Standard, die unabhängig vom Betriebssystem ist – sei es Linux, Unix, iOS, Android oder Windows – und daher mit nahezu jedem Internet-Browser genutzt werden kann. Auch mobile Endgeräte können für das Controlling verwendet werden. Die Bedienung ist dabei identisch, egal ob der Nutzer einen Desktop-PC, ein Tablet oder ein Smartphone bevorzugt. Auf diese Weise können die Meldungen, welche die externe Betreiberfirma aus der GA bekommt, vom Leitungspersonal des Mu-

Oben: Im Energiemanagementsystem werden die erfassten Anlagenwerte beziehungsweise Zählerverbräuche dargestellt sowie vergleichbar gemacht und so die Voraussetzungen für eine optimierte Energieführung geschaffen. Für die Museen lässt sich damit unter anderem auch der richtige Instandhaltungs- oder Austauschzeitpunkt für die Anlagentechnik besser abschätzen. Rechts: In den Technikzentralen, in denen die GA-Technik zusammenläuft, verbaut SAUTER ebenfalls Displays, an denen SVC komfortabel bedient werden kann. Beide Abbildungen: © SAUTER


seums jederzeit und von jedem Ort aus eingesehen werden. Die zuständige Verwaltungsebene ist somit nicht mehr auf externe Betreiber, Gebäudenutzer oder eine Wachfirma angewiesen, um rechtzeitig über Probleme bei der Automatisierungstechnik informiert zu sein. IP-basiertes Gebäudemanagement ist jedoch auch bei einem Betrieb durch eigenes Personal von Vorteil, denn in der Regel hat nicht jedes Haus einen eigenen Anlagentechniker. Ist der Mitarbeiter stattdessen für mehrere Außenstellen zuständig, bleibt er mit Hilfe von Systemen wie SVC problemlos auf dem Laufenden, was die Situation in den anderen Gebäuden betrifft. Dies wird zusätzlich erleichtert, wenn bei der Konzeption auf eine selbsterklärende Bedienführung geachtet wurde. So ist etwa das Design der SVC-Benutzeroberfläche – beispielsweise der Aufbau der Seiten und Menüs sowie die Darstellungsweise von Informationen – stark an die gewohnte Web-Optik angelehnt, wodurch auch neue Mitarbeiter innerhalb kürzester Zeit mit dem System arbeiten können. Zu diesem Zweck enthält die Software auch zusätzliche Tools wie den Szenarienmanager, durch den sich Abweichungen vom Normalbetrieb besonders leicht im Vorfeld festlegen lassen. Ereignisse können dabei mit bestimmten Einstellungen verknüpft werden. Ist beispielsweise in einer Einrichtung eine Sonderveranstaltung für 20 Uhr geplant, lässt sich über dieses Feature unter anderem vorgeben, dass die Heizung nicht so weit heruntergefahren wird wie sonst außerhalb der Öffnungszeiten üblich.

Der Optimalfall: Ein System für alle Anlagen und Aufgaben Besonders kosteneffizient ist der Einsatz einer zentralen, webbasierten Gebäudeleittechnik dann, wenn sich die Lösung durch eine hohe Interoperabilität mit bestehenden GA-Systemen auszeichnet. Dies erlaubt die native Integration von Bestandsanlagen. SVC beispielsweise unterstützt etablierte offene Kommunikationsstandards wie BACnet und OPC-UA zur Integration verschiedenster Gewerke mit Protokollen wie KNX, M-Bus, Modbus oder LON. Dadurch lassen sich jederzeit weitere Liegenschaften in die Gebäudemanagementlösung aufnehmen. Selbst Gewerke außerhalb des HLK-Bereichs oder branchenspezifische Applikationen können mittels API-Schnittstelle angebunden werden, darunter eine ERP-Software sowie Systeme für Brandschutz, Videoüberwachung, Aufzugssteuerung oder Zugangskontrolle. Zusätzlich verfügt SVC optional über integrierte Module für Energiemanagement und präventive Wartung. Im Energiemanagementsystem werden die erfassten Anlagenwerte beziehungsweise Zählerverbräuche dargestellt sowie vergleichbar gemacht und so die Voraussetzungen für eine optimierte Energieführung geschaffen. Für die Museen lässt sich damit unter anderem auch der richtige Instandhaltungs- oder Austauschzeitpunkt für die Anlagentechnik besser abschätzen. Im Wartungsmodul werden alle Informationen zu Serviceplanung sowie -einsätzen und zur vorausschauenden Wartung bereitgestellt. Damit lassen sich Betriebs-

mittel und deren Eigenschaften leicht erfassen, Wartungsintervalle und -kriterien festlegen und Wartungseinsätze planen sowie dokumentieren. Für diese Aufgaben wurden bislang häufig zwei separate Programme zusätzlich zur Gebäudemanagementsoftware angeschafft. Damit musste sich das Personal auf zwei bis drei Terminals einwählen und bei der Erledigung seiner Aufgaben zwischen diesen Rechnern wechseln. Wurde in einem der Systeme ein Fehler gemacht, wurde dies in den anderen nicht unbedingt bemerkt. In SVC müssen sich die Mitarbeiter nur einmal anmelden und können die Aufgaben für alle drei Bereiche in einer Software erledigen. Da jeder Eintrag global für das ganze System gilt, sinkt auch die Fehlerquote. Moderne webbasierte Gebäudemanagementsysteme können somit – auch dank umfangreicher Zusatzfeatures – den Arbeitsalltag des Technik- und Verwaltungspersonals in Museen und anderen kulturellen Einrichtungen deutlich erleichtern. Über uns SAUTER Deutschland ist mit insgesamt 38 Büros in ganz Deutschland vertreten und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von 216 Millionen Euro. Die SAUTER Cumulus GmbH entwickelt und fertigt Produkte, die im Raum- und Gebäudemanagement zum Einsatz kommen. Dazu zählen beispielsweise Automations- und Raumautomationssysteme sowie Sensoren und Aktoren für die gesamte HLK- und Raumautomation-Technik, die als Einzelkomponenten oder im Systemverbund sowohl in Neubauten als auch im Rahmen von Modernisierungsmaßnahmen eingesetzt werden. Ergänzt werden die Produkte durch spezielle Softwarelösungen. Die SAUTER FM GmbH, ein hundertprozentiges Tochterunternehmen von SAUTER Cumulus, hat sich auf Dienstleistungen im Bereich Facility Management spezialisiert. Dazu gehören die Wartung und Instandsetzung jeglicher technischer Gewerke einer Immobilie ebenso wie der reibungslose und energieeffiziente Betrieb der Objekte. Das Unternehmen beschäftigt in Deutschland rund 1.180 Mitarbeiter. SAUTER Deutschland Hans-Bunte-Str. 15 79108 Freiburg Tel.: 0761 5105-0, Fax: 0761 5105-234 sauter-cumulus@de.sauter-bc.com www.sauter-cumulus.de

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Hintergrund: Schloss Oberhofen am Thunersee Foto: © Alexander Gempeler Mitte: Seitenansicht vom Park aus Foto: © Stiftung Schloss Oberhofen

Schloss Oberhofen am Thunersee – Magie aus acht Jahrhunderten 70


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maligen Bewohner und Bewohnerinnen eingeht.

Wandmalereien zurück, die noch heute in der Schlosskapelle zu sehen sind.

Das Museum im Schloss

Gleich neben herrschaftlichen Räumen befindet sich der Dienstbotentrakt mit den restaurierten Schlafkammern der Dienstboten, die im 19. Jahrhundert für das Wohl der Grafenfamilie besorgt waren. Die Räume mit Original Papiertapeten aus der Epoche wurden restauriert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die dort untergebrachte Dauerausstellung «Stets zu Diensten» vermittelt den Alltag der Dienstboten auf eine

Ein Rundgang durch das Museum ist zugleich ein Rundgang durch die Geschichte der früheren Besitzer oder derer, die im Schloss gelebt haben. Es gibt Räume, die museal inszeniert sind und solche, in denen die einstigen Bewohner und Bewohnerinnen spürbar werden.

Die romantische Schlossanlage mit dem um 1200 erbauten Bergfried blickt auf eine wechselvolle Besitzergeschichte zurück. Von der neuenburgisch-preussischen Grafenfamilie de Pourtalès 1844 gekauft und zur Sommerresidenz umgebaut, erhielt das Schloss sein heutiges Aussehen. Seit 1954 ist im Innern ein Museum eingerichtet, das auf die Geschichte der ehe-

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Im Erdgeschoss befindet sich der Speisesaal, der den gräflichen Herrschaften als Esszimmer gedient hat und direkt mit der Küche verbunden war. Der Speisesaal wurde in neo-gothischem Stil eingerichtet und ist mit reichem Stuckgewölbe ausgestattet. Die Kapelle aus dem 15. Jahrhundert führt in die Zeit der damaligen einflussreichen Familie von Scharnachthal. Auf diese Familie gehen die eindrücklichen


anschauliche und interaktive Weise. Das Publikum nimmt teil an Situationen, die sich in den Gängen und hinter den Türen abgespielt haben.

Linke Seite, oben links: Seitenansicht Schloss Mitte: Detail Speisesaal Unten: Speisesaal Fotos: © Dominic Fischer

Rechte Seite: Oben links: Salon de Pourtalès Foto: © Stiftung Schloss Oberhofen Oben rechts: Im Dienstbotentrakt. Foto: © Kurt Müller Unten: Schlosskapelle. Foto: © Dominic Fischer

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Wasserpfeifen und Alpensicht Zuoberst im Bergfried befindet sich der orientalische Rauchsalon mit spektakulärer Aussicht über den See und die Berge. Das Fumoir wurde vom Grafen Albert de Pourtalès konzipiert. Der Graf war als preussischer Gesandter in Istanbul, damals Konstantinopel, tätig. Nach seiner Rückkehr liess er sich ein spektakuläres Interieur im orientalisierenden Stil einrichten, das 1855 nach Plänen des Berner Architekten Theodor Zeerleder fertig erstellt wurde. Der Rauchsalon wurde nach dem Essen von den männlichen Gästen aufgesucht, denn Tabakrauch war in den Salons nicht erwünscht. Heute darf auf den Diwans Platz genommen werden, um das einzigartige Interieur aus Tausendundeiner Nacht auf sich wirken zu lassen.

Links: Aussicht über See und Berge Foto: © Reto Andreoli Rechts: Orientalischer Rauchsalon Foto: © Tom Kummer

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Sonderausstellungen Die Ausstellung «Schlossräume und Schlossträume» führt anhand der ehemaligen Schlossbewohner und –bewohnerinnen durch die über 800-jährige Geschichte. Die Kabinett-Ausstellung «Anna Feodorowna» zeigt die Biografie der russischen Grossfürstin. Anna Feodorowna war mit Konstantin, dem Bruder des Zaren Alexander I, verheiratet. Sie trennte sich jedoch von ihrem Mann und liess sich in Bern nieder. 1814 erwarb sie das Elfenaugut, das sie neu gestaltete und zu einem Mittelpunkt der in- und ausländischen Gesellschaft machte. Teile des Mobiliars aus dem Herrenhaus sind im Schloss Oberhofen ausgestellt.

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Linke Seite, oben: Schlossräume und Schlossträume Foto: © Kurt Müller Mitte: Schlosspark Foto: © Dominic Fischer Unten: Kinderchalet im Schlosspark Foto: © Stiftung Schloss Oberhofen Unten rechts: Schweizerkreuz im Schlosspark Foto: © Dominic Fischer Rechte Seite: Schlossterrasse Foto: © Stiftung Schloss Oberhofen


Der Schlosspark Der Schlosspark von Oberhofen gehört zu den prächtigsten Gärten der Alpenregion und ist eine Oase zum Verweilen und Geniessen. Wie das Schloss wurde auch der Park von den jeweiligen Besitzern gestaltet und geprägt. Um 1850 begannen die Grafen von Pourtalès mit der Umgestaltung des damaligen Baumgartens, den sie einerseits in einen von geometrisch angelegten Blumenparterres gekennzeichneten inneren Schlossgarten, andererseits in einen Park mit Wegen, Wiesen und Baumgruppen unterteilten.

Nadelhölzer, Laubbäume sowie vier exotische Mammutbäume bestimmen bis heute das Erscheinungsbild. In seiner Art einzigartig ist der aus Hainbuche bestehende 60m lange Laubengang, der romantische Gefühle weckt und im Sommer für Beschattung sorgt.

Stiftung Schloss Oberhofen CH-3653 Oberhofen am Thunersee info@schlossoberhofen.ch Tel. +41 33 243 12 35 www.schlossoberhofen.ch

Zum Park gehören ebenfalls das 1853 errichtete Kinderchalet sowie das Schweizerkreuz, welches vom letzten privaten Besitzer, dem Amerikaner William Maul Measy, angelegt wurde und bis heute jedes Jahr neu bepflanzt wird.

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Stadtmuseum Siegburg Autorin: Stefanie Kemp

Seit inzwischen 30 Jahren am Marktplatz im Herzen der Stadt gelegen, ist das Stadtmuseum im Geburtshaus des Komponisten Engelbert Humperdinck beheimatet. Als Nachfolger mehrerer Vorgängermuseen wurde es 1990 in dem umgebauten und erweiterten ehemaligen Schulgebäude eröffnet. Ursprünglich ab 1826 für das städtische Gymnasium über den erhaltenen Kellergewölben des mittelalterlichen Rathauses errichtet, diente es später als Verwaltungsgebäude. Auf vier Ausstellungsebenen dokumentiert das heutige Museum die Geschichte Siegburgs von der Frühzeit bis in die Gegenwart. Besondere Ausstellungsschwerpunkte sind die Entwicklung des Stadtbildes durch die Jahrhunderte, die mittelalterlichen Kellergewölbe, die Funde zur Stadtarchäologie und die Siegburger Keramik mit ihrer Blütezeit in der Renaissance. Hohen wissenschaftlichen Wert besitzt die Sammlung mit Fossilien aus der Ölschiefergrube Rott. Eine eigene Abteilung mit einer Audioinstallation ist dem Leben und Werk Engelbert Humperdincks gewidmet. Audiovisionsprogramme informieren unter anderem über die Industriestadt Siegburg, die Siegburger Verkehrsgeschichte und Siegburg vor und während des 2. Weltkrieges. Aber nicht nur die Geschichte der Stadt Siegburg ist Thema im Stadtmuseum. Auf einer 230 m² großen Wechselausstellungsfläche werden jährlich rund sechs Ausstellungen zeitgenössischer Künstler gezeigt. Die Spannbreite reicht dabei von Malerei über Skulptur bis zu Installationen und Performance. Besonderen Wert legt die Museumsleitung auf die künstlerische Nachwuchsförderung. Zum Konzept des Hauses gehört es, die Abteilungen zur Stadtgeschichte durch Arbeiten zeitgenössischer Künstler zu ergänzen. Wichtige Ausstellungen waren: Jo Jastram mit Lichtinstallationen und Klangobjekten zur Eröffnung; Walter Valentini, der seine Arbeit „Siegburg - Sein Himmel, seine Maße“, speziell für das Stadtmuseum konzipiert hat und die seitdem dort im Forum gezeigt wird. Hans-Günther van Look; Armin Mueller-Stahl und Harald Naegeli waren

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anlässlich des Stadtjubiläums 2014 (950 Jahre Siegburg) zu Gast im Stadtmuseum, zu dem auch der Aktionskünstler HA Schult die Fassade des Museumsgebäudes für sein Tableau HOME_HEIMAT genutzt hat. Das grafische Werk von Heinz Mack bildet den Auftakt des Ausstellungsjahrs 2019. In der Ausstellung werden die grafischen Arbeiten Heinz Macks in einem retrospektiven Querschnitt präsentiert, darunter der größte Siebdruck des Künstlers, der 2018 im Format 140 x 180 cm mit 120 Sieben entstand. Auch Veranstaltungen kommen nicht zu kurz. Eine etablierte Reihe zur Stadt- und Regionalgeschichte sind die Siegburger Museumsgespräche, die seit 1987 mit über 260 Vorträge zu den unterschiedlichsten Themen stattfinden. Von neuesten wissenschaftlichen Forschungsständen zur Archäologie und Landesgeschichte bis hin zur Diskussion aktueller Fragen der Museumsdidaktik reicht die Bandbreite. Hintergrund: Engelbert Humperdinck, Komponist der Märchenoper Hänsel und Gretel. Das Stadtmuseum ist sein Geburtshaus. © Stadtmuseum Siegburg Foto: Björn Langer Rechts: Zum Stadtjubiläum im Jahr 2014 war HA Schult mit einem Kunsttableau „HOME_HEIMAT“ zu Gast. © HA Schult


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Wer war der prominenteste Gast in über 25 Jahren? Ernesto Cardenal, Ikone der „Befreiungstheologie“ und begnadeter Dichter, bei den Siegburger Literaturwochen? Armin Mueller-Stahl, Deutschlands wohl berühmtester Schauspieler, der seine Malerei ausstellte? Oder doch Bundespräsident Roman Herzog, ins Museum gekommen in einer Zeit, als

Siegburg Teil der Hauptstadtregion war? Geschmackssache! Aber auch ein prominenter Hinweis auf die drei Säulen, die das Stadtmuseum seit 25 Jahren tragen: Stadtgeschichte, Veranstaltungen, Wechselausstellungen. Auch baulich erfuhr das Stadtmuseum eine im Wortsinn „einschneidende“ Ver-

änderung. Ende der 80er Jahre erhielt die heimatgeschichtliche Sammlung nach fast 20 Jahren des Exils endlich einen würdigen Rahmen im völlig umgestalteten „Humperdinckhaus“ am Markt. Architekt Harmut de Corné schuf einen offenen Bau, der durch lichte Sichtbeziehungen immer wieder auch die Welt draußen in die Museumsinszenierung einbezieht. Im Mai 2014 schließlich ein Kulturdurchbruch im Wortsinn: Die benachbarte Stadtbibliothek wurde mit dem StadtOben: Der Kiosk vom Siegburger Marktplatz ist der Blickfang der Abteilung „Siegburg nach 1945“. Mitte: In der Aula des Stadtmuseums finden vielfältige Veranstaltungen statt. Unten: Tagen inmitten der Stadtgeschichte, das Forum des Museums als Kulturort. Fotos: © Stadtmuseum Siegburg, Björn Langer

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V E R A N S TA LT U N G

Zukunft ausstellen Szenografie-Kolloquium in der DASA www.dasa-dortmund.de

Bildrechte: Ulla Anne Giesen

23.01. â&#x20AC;&#x201C; 24.01.19

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museum räumlich zu einem Kulturhaus verbunden. Rund 300 Veranstaltungen im Jahr machen das Museum zum Veranstaltungszentrum der Region, dessen Verankerung im Bewusstsein und Leben der Bürger es auch schwere haushaltpolitische Stürme überleben ließ. Zum Jubiläum 2015 wurden die rund 200 bisher ausgestellten Künstler gebeten, ein kleines Werk zur Jubiläumsausstellung beizutragen. Über 180 sind dieser Aufforderung gefolgt. Eine schöne Anerkennung für den „Kunstort“ Stadtmuseum. Und das „eigentliche“ Museum, die Dauerausstellung zur Stadtgeschichte? Sie wurde immer wieder angemessen und mit Sorgfalt aktualisiert. Dia-Schauen, Kassettenrekorder - selbst schon Zeugnisse der Technikgeschichte - wurden durch Computer und Beamer ersetzt. Für die Generation Smartphone hielten QRCodes Einzug. Nach einem Vierteljahrhundert muss dennoch manches neu gedacht werden. Das Grundkonzept bleibt bestehen, die originale Anschauung, das Objekt steht im Mittelpunkt. 2017 wurde die Abteilung zur Geschichte der Siegburger Abtei neu gestaltet und die Objekte mit Hilfe moderner Medien in Szene gesetzt. In Zukunft sind weitere Aktualisierungen geplant, bei denen auch der inklusive Gedanke verstärkt Berücksichtigung finden wird, damit die bisherige

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Erfolgsgeschichte (fast 1 Million Besucher) fortgeschrieben werden kann. Audioguide mit interaktiver Navigation durch das Museum Dazu gehört unter anderem auch, dass die Besucher unseren Audioguide auf ihren mitgebrachten Geräten abspielen können, z.B. über die Plattform von museum.de. Ruft der Gast auf seinem Smartphone die mobile Website www.museum.de auf, wird ihm die Startseite des nächstgelegenen Museums angezeigt. Von dort aus gelangt er direkt zu einer Auswahlliste mit den Audiostationen. Alternativ steht ein Suchfeld zur Verfügung.

Oben: Das große Stadtmodell am Übergang zur Stadtbibliothek Siegburg ist ein Anziehungspunkt für Jung und Alt. © Stadtmuseum Siegburg Rechts: Der Audioguide von museum.de läuft unkompliziert auf dem Standard-Browser von Smartphones Abbildungen: © museum.de

Stadtmuseum Siegburg Markt 46, 53721 Siegburg Tel. 02241 / 102-7410 stadtmuseum@siegburg.de www.stadtmuseum-siegburg.de

Karten als Orientierungshilfe Gänzlich neu ist eine Erweiterung, bei der dem Nutzer die vom Museum eigens


hochgeladenen Karten vom Gebäude oder dem Außenbereich angezeigt werden. Beim Stadmuseum Siegburg kann man über die Tasten UG, EG, OG1 bis

OG2 zu den Karten der verschiedenen Stockwerke wechseln. Eine zusätzliche Info-Karte erklärt die in den Karten verwendeten Symbole.

Für eine audiovisuelle Rundreise durch unser Museum geben Sie im Browser Ihres Smartphones folgende Webadresse ein: www.museum.de/museen/siegburg

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GRASSI Museum fĂźr Angewandte Kunst Leipzig Autor: Dr. Olaf Thormann 84


Grassimuseum Leipzig Foto: © Uwe Strauch

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Keine fünf Gehminuten von Leipzigs zentral gelegenem Augustusplatz entfernt, befindet sich das schlossartig anmutende zwischen 1925 und 1929 erbaute Grassimuseum.

Kraftvoll gliedern Elemente aus geädertem rötlichem Rochlitzer Porphyrtuff das Gebäude, das zu den wenigen großen deutschen Museumsneubauten der Weimarer Republik zählt.

Die vergoldete Dachbekrönung, deren Form an eine Ananas, eine Fontäne oder einen Kometen erinnert, markiert sich schon von weitem im Stadtbild. Ihr expressiver Gestus ist dem Zackenstil zuzuordnen, einer Spielart des deutschen Art déco, der den Bauschmuck des ansonsten sachlich gehaltenen Komplexes prägt.

Die ehemals direkt vor dem Museum befindliche Johanniskirche – eine Wirkungsstätte Johann Sebastian Bachs (der mit seiner Familie hier auch beerdigt wurde) – zählt zu den bedauerlichen Kriegsverlusten. An ihrer statt könnte in einigen Jahren ein zukunftsweisender GRASSI-Erweiterungsbau stehen. Dies jedenfalls

ist die Hoffnung des GRASSI Museums für Angewandte Kunst, das ebenso wie die ebenfalls unter dem GRASSI-Dach beheimateten Museen für Völkerkunde und für Musikinstrumente aus allen Nähten platzt. Seit Ende November zeigt das Haus in einer Ausstellung unter dem Titel GRASSI FUTURE erste Entwürfe für Ergänzungsbauten, die in einem Kooperationsprojekt mit Masterstudenten der Architektur an der TU Dortmund entstanden. Doch noch liegt die Fläche vor dem Museum brach. Der Besucher durchschreitet


die imposanten Eingangsarkaden und einen Ehrenhof und findet dann in der Querachse den Zugang zu großzügigen Foyers. Hier fallen dann sofort auch die 18 großen Fenster des Haupttreppenhauses ins Auge – ein Meisterwerk der Moderne, 1926 vom Bauhausmeister Josef Albers als geometrisch-abstrakte Kompositionen entworfen. – Die größte Flachglasgestaltung des Bauhauses überhaupt und ein Anlass dafür, das GRASSI Museum für Angewandte Kunst zu einem der 100 Orte der Grand Tour des Bauhauses zu küren. Die Verbindungen des Muse-

ums zum Bauhaus waren seit den frühen 1920er Jahren eng. Und selbstverständlich wird das Haus 2019 mit einer großen Bauhaus-Sonderausstellung aufwarten. Die Herzkammer des Museumsgebäudes aber, die Pfeilerhalle, ist ein wieder konsequent im Art déco-Stil gehaltener Ausstellungs- und Veranstaltungsraum, der europaweit seinesgleichen sucht. In leuchtender rot-blau-goldener Farbpracht und kristallin-gezackten Formen angelegt, wurde die Halle einstmals für den deutschen Länderbeitrag der noch wäh-

rend der Bauzeit des Hauses veranstalteten Schau „Europäisches Kunstgewerbe 1927“ geschaffen. Hier und in den umliegenden Flügeln fanden – und finden seit 1997 wieder – die Grassimessen statt, streng jurierte Verkaufsmessen für Kunsthandwerk und Design, die aus dem Profil des GRASSI nicht wegzudenken sind. Im späten Oktober ziehen sie während ihrer dreitägigen Laufzeit jeweils um die 10.000 bis 11.000 Besucher an. Links: Josef Albers-Fenster. Foto: © Gunter Binsack Re.: Pfeilerhalle. Foto: © Alexander Schmidt, Punctum

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Alessandro Gallo, â&#x20AC;&#x17E;Passeraâ&#x20AC;&#x153; (Spatz), Genua (Italien), 2011, hart gebrannte Irdenware, Schenkung aus der Sammlung Rosemarie Willems

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Sammlungsschwerpunkten des Museums. Allein seit 2008 wuchs die Kollektion um rund 5000 Stück, zum größten Teil Schenkungen. Das Haus genießt bei Sammlern des In- und Auslands einen ausgezeichneten Ruf und profitiert davon. Dies widerspiegelt das Top-Level der Exponate.

Derzeit aber ist die Pfeilerhalle Schauplatz eines Gipfeltreffens der internationalen Keramik-Elite. Zum dritten Mal nämlich veranstaltet das Haus eine Ausstellung unter dem Titel „Gefäß/Skulptur. Deutsche und internationale Keramik seit 1946“. Wie die Vorgängerausstellungen wird sie erneut von einer voluminösen Bestandsauswahlpublikation begleitet und stützt sich ausschließlich auf eigene Exponate. Die Studiokeramik zählt zu den

Begründet wurde das heutige GRASSI Museum für Angewandte Kunst 1873 als Kunstgewerbemuseum. Ein Jahr später, 1874, öffnete es seine Pforten für die Öffentlichkeit. Es zählt damit zu den ältesten und traditionsreichsten Einrichtungen seiner Art in Europa. Mit seinem erstrangigen Sammlungsbestand reiht es sich heute weltweit unter die führenden Museen für Kunst und Design ein. Die Sammlungen umfassen über 225.000 Bestandseinheiten des europäischen und außereuropäischen Kunsthandwerks und Designs von der Antike bis zur Gegenwart. Reich vertreten sind Keramik und Porzellan, Glas, Textil, Gold- und Silberschmiedearbeiten, Zinn, Gerät aus unedlem Metall, Schmiedeeisen, Skulpturen,

Möbel und Interieur, Medaillen und Plaketten, Grafik, Fotografie und Buchkunst und Design. Nach der grundlegenden baulichen Sanierung des Geländes in den Jahren 2000 bis 2005 wurden zwischen 2007 und 2012 die drei Rundgänge der Ständigen Ausstellung eröffnet. Diese erzielte aufgrund ihrer ausgewogenen ästhetischen Inszenierung weltweit Aufmerksamkeit und wurde seitdem oft zum Vorbild erhoben. Bis heute fällt die Ständige Ausstellung gegenüber den Sonderausstellungen des Hauses in der Besucherstatistik nicht ab. Dafür allerdings tut das Haus einiges: Jahr für Jahr werden neue wichtige Objekte integriert und auch die Ausstellungstechnik erfährt kontinuierlich Upgrades.

Oben: Werner Bünck, Skulpturales Gefäß, Hildesheim, 2010, hartgebrannter Ton, Schenkung des Künstlers Unten: Ursula Morley Price, Gefäßobjekt, Vaux-Lavalette, um 1980, Steinzeug, Schenkung aus der Sammlung A. und G. Schütter

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Wie sind die drei Rundgänge gegliedert? ANTIKE BIS HISTORISMUS Der erste, den älteren Sammlungsteilen gewidmete Rundgang, ist als gattungsübergreifende, kunst- und kulturhisto-

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risch orientierte Inszenierung angelegt. Zu den Höhepunkten des sich über 30 Räume erstreckenden rund 2000 m² umfassenden Ausstellungsrundgangs zählen neben einer begehbaren Vitrine mit italienischen Majoliken der Renaissance drei historische Raumausstattungen. Bezie-

hungen zur sächsischen und zur Leipziger Geschichte spielen in allen drei Rundgängen eine besondere Rolle. So sind im ersten Rundgang unter anderem Kunstwerke aus dem Leipziger Ratsschatz und dem Kunst- und Rari-


ASIATISCHE KUNST. IMPULSE FÜR EUROPA Der rund 300 m² umfassende Bereich gliedert sich in drei Raumabschnitte. Im Zentrum stehen die Vitrinen auf der Empore der Pfeilerhalle, von ihr zweigen zwei Kunstlichträume ab. Ausgestellt werden reichlich 400 Exponate. Darunter Kostbarkeiten ersten Ranges wie der berühmte zwölfteilige Leipziger Schnitzlack-Stellschirm aus der chinesischen Qing-Dynastie, eine Serie von acht hervorragenden japanischen Nô-Masken und exemplarische japanische Lack-, Leder- und Elfenbeinkunst. In ihrer Konzentration vermittelt die Schau wesentliche Entwicklungen der asiatischen Kunst mit dem Schwergewicht von auf in Europa besonders geschätzten Objekten, Materialen und Sujets.

Oben: Pfeilerhalle, Foto: © Helga Schulze-Brinkop Links: Dauerausstellung, Piranesi-Galerie Foto: © Alexander Schmidt, Punctum Unten: Dauerausstellung Asiatische Kunst Foto: © Karola Bauer

tätenkabinett zu sehen, das der alten Ratsbibliothek angeschlossen war. Möbel aus führenden Leipziger Werkstätten, Keramiken, Porzellane, Gläser, Gold- und Silberschmiedearbeiten zeugen von der Meisterschaft sächsischer Künstler und Handwerker.

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JUGENDSTIL BIS GEGENWART Der Rundgang „Jugendstil bis Gegenwart“ erstreckt sich über zwei Etagen. Sie vereint auf etwa 1200 m² rund 2000 Objekte von der Jahrhundertwende bis zur unmittelbaren Gegenwart. Im Obergeschoss werden in chronologischer Abfolge ausgewählte Objekte des internationalen und deutschen Jugendstils, aus der Zeit des Art déco bis hin zu Bauhaus und Funktionalismus präsentiert. Im Erdgeschoss setzt sich der Rundgang mit ostdeutschem und internationalem Design nach 1945 fort. Am Ende dieses Rundgangs erwartet den Besucher die interaktive 360° - Rauminstallation „Sinneslandschaften“.

Der Freundeskreis Ein unverzichtbarer Förderpartner des Museums ist der Freundeskreis GRASSI Museum für Angewandte Kunst e. V. Der aktive Verein tritt mit großem Engagement auf den Plan und sorgt Jahr für Jahr für Mittel für neue Ankäufe. Einerseits auf den Grassimessen (für die er seit 2018 auch einen eigenen Preis stiftet), andererseits auch im historischen Bereich. So ergab der Freundeskreis erst 2018 die Figur eines in Europa gefertigten „Chinesen“ aus dem 18. Jahrhundert – die nunmehr im Chinoserie-Kabinett einen besonderen Akzent setzt. Einige Räume weiter, im Historismus-Saal, wurden erst unlängst drei Vitrinen mit einer umfänglichen Kollektion des Avantgarde-Designers Christopher Dresser eingeweiht, die dank des finanziellen Engagements der Doris-Günther-Stiftung erworben werden konnte. Und im italienischen Renaissance-Saal sind schon erste Verarbeitungen für die Montage einer großen della Robbia-Majolika-Madonna zu bemerken, einer Dauerleihgabe der Bundesrepublik. Diese stetige Bewegung in den Ausstellungen hat ihr Pendant auch im regen Treiben der vielen Kita- und Schülergruppen, die neben den individuellen Besuchern das GRASSI bevölkern. Dieses löst somit seinen Anspruch ein, ein lebendiger und weltoffener Ort des Austausches, des Diskurses, der Freude und der Wissensvermittlung zu sein. Dauerausstellung Bereich Jugendstil bis Gegenwart Fotos: © Christoph Sandig, Alexander Schmidt/Punctum

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GESCHICHTE DES MUSEUMS 1874 1892 bis 1896 1920 1925 – 1929 1939 1943 und 1945 1952 1982 1994 1997 2000 – 2005 Dez. 2007 Okt. 2008 Jan. 2010 Dez. 2011 März 2012 Juli 2015

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Eröffnung als zweites Kunstgewerbemuseum in Deutschland Bau des ersten Grassimuseums am heutigen Wilhelm-Leuschner-Platz aus dem Vermächtnis des Leipziger Bankiers Franz Dominic Grassi* Begründung der Grassimesse unter Museumsdirektor Richard Graul Bau des neuen Grassimuseums am Johannisplatz als eines der modernsten Museums-Ensembles der Zeit Kriegsbedingte Schließung der Ständigen Ausstellung Schwere Zerstörung des Gebäudes Eröffnung einer provisorischen Ständigen Ausstellung in fünf von einst dreißig Schauräumen Aufgrund des fortschreitenden Gebäudeverfalls Schließung der Ständigen Ausstellung In fünf neu ausgestatteten Schauräumen ständige Präsentation eines ausgewählten Sammlungs-Querschnitts Wiederbelebung der Grassimesse als jurierte Verkaufsausstellung mit internationalem Profil Sanierung und bauliche Modernisierung des Grassimuseums Eröffnung des ersten Rundgangs der neuen Ständigen Ausstellung „Antike bis Historismus“ in dreißig Schauräumen auf rund 2000 m² Wiederaufnahme der Sonderausstellungstätigkeit Eröffnung des zweiten Teils der Ständigen Ausstellung „Asiatische Kunst. Impulse für Europa“ Übergabe der rekonstruierten Josef-Albers-Fenster im Haupttrep- penhaus des Grassimuseums an die Öffentlichkeit Eröffnung des dritten und letzten Ausstellungsrundgangs der Ständigen Ausstellung „Jugendstil bis Gegenwart“ Übergabe der rekonstruierten historischen Treppenhausleuchten an die Öffentlichkeit

Oben: Kinder in der interaktiven Rauminstallation SINNESLANDSCHAFTEN Unten: Kinder in der Dauerausstellung Fotos: © Margret Hoppe

Der Name des Mäzens Franz Dominic Grassi (1801 – 1880) verbindet sich in erster Linie mit dem Bauwerk selbst, das heute drei Museen beherbergt: Museum für Angewandte Kunst, Museum für Völkerkunde und Musikinstrumenten-Museum.

*

GRASSI Museum für Angewandte Kunst Johannisplatz 5-11 04103 Leipzig Telefon: +49 (0)341 22 29 100 grassimuseum@leipzig.de www.grassimuseum.dea


auf der CULTURA SUISSE in Bern vom 24.-26.1. 2019 Stand 1210

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Ausstellungsdesign – Gestaltung | Medien | Markenwelten Berufsbegleitende Weiterbildung am Berlin Career College der Universität der Künste Berlin wieder ab März 2019 Autorin: Kathrin Rusch Das Berlin Career College der Universität der Künste Berlin bietet ab März 2019 erneut die berufsbegleitende Weiterbildung Ausstellungsdesign in kompakter Form an. Das praxisorientierte und inhaltlich breit angelegte Format wird in Kooperation mit renommierten Ausstellungsinstitutionen, Universitäten, Agenturen und im Ausstellungsbereich tätigen Unternehmen am internationalen Kunst-, Kultur und Wissenschaftsstandort Berlin realisiert. In drei Modulen werden die Themen Gestaltung, Medien und Markenwelten behandelt, wobei das Modul Markenwelten erstmalig in die Weiterbildung aufgenommen wird. Fachlicher Austausch, Vernetzung, Kooperation und Inspirationen für die eigene Arbeit sind wichtige Anliegen der Weiterbildung.

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Die Themenfelder beziehen sich auf das breite Spektrum von Ausstellungen wie Museums- und Sammlungspräsentationen, Themenausstellungen, Sonder-und Dauerausstellungen sowie Markenwelten und Shopdesign. Profilierte Referentinnen, Referenten, Praktikerinnen und Praktiker vermitteln theoretische und praktische Kenntnisse für die Konzeption, Planung und Umsetzung szenografischer und medialer Gestaltungskonzepte für Ausstellungen und Store Designs. Das Angebot richtet sich u.a. an Interessierte der Fachgebiete Ausstellung, Kuratieren, Kunstvermittlung, Wissenschaft, Design, Ausstellungsgestaltung, Kommunikation, Markeninszinierung, Szenografie, Marketing, Archäologie, Architektur, Messe sowie bereits in Ausstellungsinstitutionen,

ausstellungsbezogenen Unternehmen, Stiftungen und Kulturbetrieben Tätige, die ihr Wissen auf dem Gebiet der Ausstellungsgestaltung erweitern, professionalisieren und aktualisieren möchten. Angesprochen sind weiterhin Interessierte anderer Fachgebiete und Studierende, die sich in diesem Berufsfeld weiterbilden und beruflich orientieren möchten.


Anzeige Linke Seite, oben: Ausstellungsdesign: Helmut Newton Stiftung mit Newtons Modeaufnahmen für Thierry Mugler, Monte Carlo 1998. Foto: © Gerhard Kassner, 2017 Unten: Ausstellungsdesign: Erika-Fuchs-Haus, Museum für Sprachkunst, Schwarzenbach an der Saale, Atelier Altenkirch Rechte Seite, oben: Ausstellungsdesign: Foyer der Helmut Newton Stiftung Museum für Fotografie mit Newtons Big Nudes. Foto © Stefan Müller Unten: Ausstellungsdesign: © BIKINI BERLIN Frühjahrsinstallation Mademoiselle Maurice 2017

Die Weiterbildung bietet mit den drei Modulen Ausstellungsgestaltung, Ausstellungsmedien und Markenwelten / Shopdesign an jeweils drei Veranstaltungstagen methodisches, in der Ausstellungspraxis anwendbares Fachwissen für die szenografische, akustische, mediale, gestalterische und nutzerbezogene Umsetzung von Ausstellungskonzepten sowie einen umfassenden Einblick in das interdisziplinäre Arbeitsfeld der Ausstellungsproduktion. Die kompakte Wissensvermittlung erfolgt im Rahmen von Führungen, Seminaren, Workshops, Exkursionen und Fachgesprächen. Zur Veranschaulichung der theoretischen Inhalte und für den fachlichen Austausch finden Exkursionen in folgende Ausstellungsinstitutionen, Markenwelten und Agenturen statt: Modul 1 Gestaltung PalaisPopulaire, Helmut Newton Foundation im Museum für Fotografie Berlin, Boros Foundation, Museum Frieder Burda – Salon Berlin, Samurai-Art Museum Modul 2 Medien Museum für Naturkunde, Pergamonmuseum – Das Panorama von Yadegar Asisi, Alte Münze – nineties Berlin/ Multimedia Exhibition Modul 3 Markenwelten (Focus Kunst und Shopdesign) BIKINI Berlin, stilwerk Berlin, KaDeWe, Trippen P100 Project Space, Dan Pearlman – Agentur für Markenarchitektur

Der Exkursionstag führt in das Archäologische Landesmuseum in Brandenburg an der Havel. Referentinnen und Referenten sowie Praktikerinnen und Praktiker der Weiterbildung sind u.a. Prof. Katrin Hinz (Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin), Dr. Matthias Harder (Kurator Helmut Newton Foundation im Museum für Fotografie, Berlin), Dr. Rainer Kossian (Museums- und Dezernatsleiter, Archäologisches Landesmuseum Brandenburg), Norman Plattner (Head of Store Design | THE KADEWE GROUP), Matthias Kaminsky (Creative Director, nineties berlin), Mathias Thiel (Creative Director, asisi F&E GmbH Berlin), Steffen Zarutzki (PalaisPopulaire – Art, Culture & Sports by Deutsche Bank), Andrea Rostásy (Medienkuratorin, Humboldt Forum Kultur GmbH), Matthias Kutsch (Präsident VerA, Verband der Ausstellungsgestalter Deutschland, künstlerischer Leiter Impuls-Design), Benedikt Esch (Art-Director Szenografie 3D, Museum für Naturkunde, Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung Berlin), Martin Müller (Geschäftsführer und Ausstellungsgestalter m.o.l.i.t.o.r., Berlin), Max Kullmann (Dipl.-Ing. M.A., Geschäftsführer, hands on sound GmbH | akustische Szenografie).

Konzept und inhaltliche Leitung: Barbara Mei Chun Müller, Geschäftsführerin der Agentur Career Culture Berlin.

Ausstellungsdesign. Gestaltung | Medien | Markenwelten Berufsbegleitende Weiterbildung zur professionellen Gestaltung von Ausstellungen im interdisziplinären Arbeitsfeld der Ausstellungsproduktion Modul 1: Ausstellungsgestaltung: 07. bis 09. März 2019 Modul 2: Ausstellungsmedien: 28. bis 30. März 2019 Modul 3: Markenwelten / Shopdesign: 25. bis 27. April 2019 Anmeldeschluss: 07. Februar 2019 Weitere Informationen und Anmeldung: www.udk-berlin.de/ziw/ausstellungsdesign Tel.: 030 – 3185-2239, ziw@udk-berlin.de

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Andy Warhol – Pop goes Art Vom 1. September 2018 bis 24. März 2019 im Museum für Angewandte Kunst Köln. Autorin: Dr. Petra Hesse

Mit der Ausstellung „Andy Warhol – Pop goes Art“ präsentiert das MAKK erstmals nahezu lückenlos alle von Andy Warhol gestalteten, konzipierten und produzierten Plattencover sowie zahlreiche Skizzen und Entwürfe umfasst. Zusammen mit Filmen, Hörbeispielen und korrespondierenden Arbeiten Warhols dokumentiert die Ausstellung – getreu dem Titel „Pop goes Art“ – das Zusammenspiel von Design, Kunst und Musik.

Oben: Andy Warhol, record cover „Original Soundtrack zum Film Querelle von Rainer Werner Fassbinder”, LP, 12” (30 cm), Jupiter Records; offset lithography, 31,1 x 31,1 cm, 1982, MAKK © 2018 The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc. / Licensed by Artists Rights Society (ARS), New York (Foto: RBA Köln, Marion Mennicken) Unten, rechte Seite: Ausstellung „Andy Warhol – Pop goes Art“ im MAKK, Foto: © Jan Rothstein

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Andy Warhol (1928 – 1987) gilt als bedeutendster Vertreter der Pop-Art-Bewegung. Darüber hinaus hat er sich während seiner gesamten beruflichen Laufbahn mit dem Medium Schallplattencover auseinandergesetzt. Er arbeitete als Grafiker und Künstler genreübergreifend beginnend von Jazz, Klassik, Pop, Rock, Punk, New Wave bis hin zu Radioreportagen für die wichtigsten Musik-Labels und international renommierte Musiker und Bands. Hierzu zählen das legendäre und skandalöse Album der Rolling Stones „Sticky Fingers“ oder Cover für Diana Ross, John Lennon, Paul Anka, Miguel Bosé oder das NBC Symphony Orchestra. Durch Zeichnungen, Siebdrucke, Fotografien, Collagen sowie eigenwillige kalligraphische und dreidimensionale Elemente prägte Warhol die Ästhetik der

zeitgenössischen Plattencovergestaltung. Gleichzeitig sind die über einen Zeitraum von über 40 Jahren entstandenen, zum Teil in sehr hohen Auflagen erschienenen Alben ein eindrucksvolles Dokument für Warhols künstlerischen Werdegang, sei-


ne Pop-Philosophie und die für sein Werk prägende Idee der seriellen Kunst. Absoluten Kultstatus hat mittlerweile das Album „The Velvet Underground & Nico“. Dieses Debütalbum der experimentellen Rockband The Velvet Underground mit der Sängerin Nico wurde von Andy Warhol produziert und im März 1967 veröffentlicht. Das ebenfalls von ihm kon-

zipierte Plattencover zeigt eine Banane, deren gelbe Schale in Form eines Aufklebers gemäß des Slogans „Peel Slowly and See“ abgezogen werden kann, so dass das rosa Fruchtfleisch erscheint. 2018 jährt sich der 90ste Geburtstag Andy Warhols sowie der 80ste Geburtstag bzw. 30ste Todestag der aus Köln stammenden Musik- und Modeikone Nico (gebürtig Christa Päffgen), die als Warhols Muse

Teil der Factory war und in zahlreichen Filmen Warhols wie beispielsweise „The Chelsea Girls“ mitspielte. In der Ausstellung erinnern Fotografien an Nico. Museum für Angewandte Kunst Köln An der Rechtschule, 50667 Köln Tel. +49(0)221.221 238 60 makk@stadt-koeln.de www.makk.de


Bern im Geschwindigkeitsrausch: Als im Bremgartenwald die Motoren dröhnten Wechselausstellung «Grand Prix Suisse 1934–54. Bern im Rennfieber», 23.8. bis 22. April 2019. Autorin: Merja Rinderli

Der Grand Prix Suisse, seinerzeit grösstes Sportereignis der Schweiz, machte Bern zwischen 1934 und 1954 zum Schauplatz der internationalen Motorrennsport-Szene. Der faszinierende Rennzirkus fand sich jeweils im Sommer in der Bundeshauptstadt ein und sorgte für die ersten

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Verkehrsstaus. Schaulustige aus dem Inund Ausland – im Rekordjahr 1948 über 120.000 – strömten zur Rennstrecke im Bremgartenwald. Ab dem 23. August 2018 zeigt das Bernische Historische Museum die neue Ausstellung «Grand Prix Suisse 1934–54.

Bern im Rennfieber» und stellt das historische Spektakel in den Kontext seiner wirtschaftlichen, sozialen und technischen Bedeutung für Bern und die Schweiz. Von 1934 bis 1939 und wiederum von


1947 bis 1954 wurde Bern im Sommer während einiger Tage zum Zentrum des internationalen Motorrennsports. Die Rennen auf dem Rundkurs im Bremgartenwald zählten neben denen in Monte Carlo, Silverstone und jenen auf dem Nürburgring zu den grossen Klassikern

des Motorrennsports. Die Automobilrennen wurden in verschiedenen Kategorien ausgetragen. Ab 1950 gehörte das Hauptrennen zur neu gegründeten Automobil-Weltmeisterschaft, heute besser bekannt als Formel-1-Weltmeisterschaft. Neben den Automobilen traten immer

auch die Motorräder in verschiedenen Klassen gegeneinander an. Blick in die Ausstellung «Grand Prix Suisse 1934–54. Bern im Rennfieber» Fahrzeug: Auto Union Grand Prix Typ C. © Bernisches Historisches Museum, Bern. Foto Christine Moor

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Grand Prix Suisse – Schweizer Renngeschichte «Die Ausstellung greift die vielschichtige Bedeutung des Grand Prix Suisse für Bern und die Schweiz auf. Wir beleuchten den technischen Fortschritt, die Auswirkungen auf Gesellschaft und Wirtschaft sowie auf Berns Alltag. Die kollektive Begeisterung und das um sich greifende

Rennfieber werden genauso erlebbar wie die Herausforderungen und Schattenseiten des einst grössten Sportanlasses der Schweiz», erklärt Jakob Messerli, Direktor des Bernischen Historischen Museums. Die Ausstellungsszenografie entführt die Besuchenden auf die Rundstrecke im Bremgartenwald von damals. Neben Fotografien, Grafiken und Memorabilien können 20 historische Rennwagen

und Motorräder aus den 1930er- bis 1950er-Jahren bestaunt werden. Unter den ausgestellten Modellen befinden sich auch legendäre Silberpfeile von Mercedes-Benz sowie der Alfa Romeo der Schweizer Rennfahrerlegende Willy Daetwyler oder das für seine aerodynamische Form bekannte Rennmotorrad NSU Rennmax «Blauwal».

Oben: Alfa Romeo 412 – das Fahrzeug des Schweizer Rennfahrers Willy Peter Daetwyler. Mitte: Fahrzeug: MG K3 Magnette Unten: Blick in die Ausstellung Fotos: © Bernisches Historisches Museum, Bern. Foto Christine Moor

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Rennfieber in allen Bevölkerungsschichten «Vor der Massenmotorisierung und dem Nationalstrassenbau, in einer Zeit, in welcher sich erst wenige ein Auto leisten konnten, waren Interesse und Begeisterung für starke Motoren und Geschwindigkeit immens», beschreibt Kurator Severin Rüegg das damalige Faszinosum Automobil. Der Grand Prix Suisse stand ebenso für sportliche Höchstleistung wie für technische Fortschritte, welche vom Publikum hautnah erlebt werden wollten. Die Veranstaltung brachte Glamour nach Bern

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und die Rennen wurden zu einem Erlebnis, das sämtliche Bevölkerungsschichten zu begeistern vermochte. Beim bestbesuchten Rennen im Jahr 1948 fieberten 126.634 Besucherinnen und Besucher aus dem In- und Ausland mit. Der Besucheransturm brachte die Stadt mit damals nur knapp 141.000 Einwohnern regelrecht zum Vibrieren und bescherte dem Gewerbe sowie der Hotellerie klingelnde Kassen. Die SBB reagierte mit dem Einsatz von Extrazügen, neue Autoparkplätze sowie Parkmöglichkeiten für Fahrräder wurden geschaffen und Bern erlebte die ersten Verkehrsstaus seiner Geschichte.

Die Rennen im Spiegel der Weltpolitik Auch die grosse Politik zeigte sich im Bremgartenwald: Vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs begeisterte das deutsche Duell zwischen Rennwagen der vom NS-Regime geförderten Werksteams von Mercedes-Benz und Auto Union AG die Zuschauer. Die Nationalsozialisten nutzten die Überlegenheit der deutschen Fahrzeuge als Propagandamittel. Hitlergruss und Hakenkreuz hielten an den Rennen in Bern Einzug. Während der Kriegsjahre verstummten die Motoren in Bern. Erst 1947 wurde das Rennen


wieder aufgenommen und die Fahrer der italienischen Werksteams von Alfa Romeo und Ferrari gewannen die Oberhand – die deutschen Werksteams blieben noch bis 1953 für Grand-Prix-Rennen gesperrt. Das Ende der Motorrennsport-Ära Das beliebte Spektakel sah sich seit seinen Anfängen kontroversen Diskussionen ausgesetzt: Kritiker verurteilten die gefährlichen Rennen, bei welchen es immer wieder zu Unfällen mit Todesopfern und Schwerverletzten kam. Der Grand Prix Suisse fand bei jeder Witterung

statt, das Gelände war unübersichtlich und die Fahrer kämpften – ohne Sicherheitsgurt und bis 1952 auch ohne Helm – mit widrigen Streckenbedingungen. Unzureichende Sicherheitsvorkehrungen forderten zudem auch Opfer unter den Zuschauenden. Als 1955 beim 24-Stunden-Rennen im französischen Le Mans bei einem Unfall 84 Menschen starben und mehr als 100 Personen verletzt wurden, wurde der Grand Prix Suisse im gleichen Jahr abgesagt und wenig später ein schweizweites Verbot für Rundstreckenrennen erlassen. Im Bremgartenwald sollten keine weiteren Rennen mehr erfolgen.

Bernisches Historisches Museum Helvetiaplatz 5 CH-3005 Bern Tel. +41 31 350 77 11 info@bhm.ch www.bhm.ch

Links: Jaguar XK 120 Alloy Rechts: Das unerbittliche Duell Auto Union gegen Mercedes-Benz prägte die Rennen der 1930er-Jahre. Fahrzeug vorne: Mercedes-Benz W 125 / Fahrzeug hinten: Auto Union Grand Prix Typ C Fotos: © Bernisches Historisches Museum, Bern. Foto Christine Moor

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Helm von Motorradgespann-Fahrer Hans Stärkle: Schlechte Sicherheitsvorkehrungen, grosse Geschwindigkeit und widrige Streckenbedingungen verlangten nach waghalsigen Gemütern. © Bernisches Historisches Museum, Bern. Foto Christine Moor

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museum global. Paul Klee. Eine Sammlung auf Reisen Oktober 2018 – 10. März 2019 im K20 Grabbeplatz, Düsseldorf

In 20 Jahren um die Welt: Zwischen 1966 und 1985 war die Kollektion mit wichtigen Werken Paul Klees aus dem Besitz der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in 38 Ausstellungen auf

vier Kontinenten zu sehen. Diese Ausstellungstourneen hatten eine deutlich kulturpolitische Dimension: Nach der Katastrophe des Zweiten Weltkrieges war es das Bestreben der Politik, die junge Bundesrepublik in die internationale Gemeinschaft einzugliedern und das stark

beschädigte Ansehen Deutschlands zu verbessern. Das Land Nordrhein-Westfalen hatte das Konvolut der 88 Klee-Werke 1960 aus

US-Privatbesitz erworben; wenig später wurde es zum Grundstock für die Gründung der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen. Das „weltweite Nomadisieren“, wie Werner Schmalenbach als Gründungsdirektor der NRW-Landesgalerie die ausgedehnten Klee-Reisen nann-

te, endete erst mit der Fertigstellung des neuen Hauses am Düsseldorfer Grabbeplatz. Die im K20 seit Oktober geöffnete Schau „Paul Klee. Eine Sammlung auf Reisen“ ist Prolog der großen Präsentation „museum global – Mikrogeschichten einer ex-zentrischen Moderne“, mit der die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen vom 10. November an (bis 10. März 2019) die Ergebnisse eines mehrjährigen Forschungsprojektes zur nicht-europäischen Kunst der Moderne vorstellt. Im Mittelpunkt des aktuellen Klee-Prologs im K20 steht zunächst weniger das Werk des bedeutenden Künstlers, sondern erstmals ausgewertete Zeitzeugnisse etwa aus dem Archiv des Auswärtigen Amtes Installationsansicht „museum global“ Mikrogeschichten einer ex-zentrischen Moderne, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, K20 Foto: Achim Kukulies. © Kunstsammlung NRW

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oder der damals beteiligten Museen zwischen Rio und Manila, Budapest und Tel Aviv. Die Rezeption der Ausstellung in den gastgebenden Ländern lässt sich anhand zahlreicher Presseartikel und Berichte deutscher Botschaften an das Auswärtige Amt nachvollziehen. Paul Klee eignete sich als kulturpolitischer Botschafter wie kein anderer deutscher Künstler des 20. Jahrhunderts. Sofort nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten als „entartet“ diffamiert, wurde er 1933 als Professor der Düsseldorfer Akademie entlassen und emigrierte wenige Monate später in die Schweiz. Durch dieses erlittene Unrecht avancierte Klee in den Nachkriegsjahren zu einer moralischen Autorität. Dass die Wahl ausgerechnet auf Paul Klee fiel, hängt zudem mit der Dynamik der Rezeption seiner Werke in der Nachkriegszeit zusammen. „Kein Maler in unserem Jahrhundert verdient es in gleichem Maße wie Paul Klee, ein universaler Maler genannt zu werden, kein anderer hat in gleichem Maße wie er das ganze Universum zum Gegenstand“, schrieb Schmalenbach in einem der Kataloge zur Ausstellungstournee. Eine nicht zu unterschätzende Voraussetzung für die Weltreisen der Klee-Sammlung war auch der zunehmend globalisierte Kunstbetrieb. Als bekannt wurde, dass die Düsseldorfer Klee-Sammlung für Ausstellungen zur Verfügung steht, signalisierten ausländische Museen ihr Interesse. Botschaften, Generalkonsulate sowie das Institut für Auslandsbeziehungen und das internationale Netz der Goethe-Institute spielten bei der Auswahl

Rechts: museum global. Mikrogeschichten einer ex-zentrischen Moderne Tarsila do Amaral, Antropofagia, 1929, Öl auf Leinwand, 131 x 146 cm, Collection of the Fundação José e Paulina Nemirovsky, on long-term loan to the Pinacoteca do Estado de São Paulo, © Tarsila do Amaral Licenciamentos Unten: museum global. Paul Klee: Eine Sammlung auf Reisen Führung durch die Paul-Klee-Ausstellung, Museo Calouste Gulbenkian, Lissabon, 7.11.1972. Foto: Carlos Coelho da Silva, © Arquivos Gulbenkian

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der Stationen eine große Rolle. Um Versicherungs- und Transportkosten zu reduzieren, wurden Ausstellungsorte nach Regionen gebündelt. In den meisten Ausstellungen wurden etwa 60 Arbeiten gezeigt; häufig wurden die Düsseldorfer Werke durch weitere Leihgaben ergänzt. Wie sehr die Klee-Reisen politisch motiviert waren, beweist die Wahl Israels als erste Station der Tournee: Kurz nach der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen beiden Ländern wurde die Sammlung 1966 in Jerusalem und Tel Aviv gezeigt - als Geste beim Aufbau eines besseren Verhältnisses zum Staat Israel. Eine weitere hochpolitische Dimension entstand durch mehrere Reisen des Klee-Konvoluts in die Ostblockstaaten. Als in der Nacht auf den 21. August 1968 sowjetische Panzer zur Niederschlagung des Prager Frühlings rollten, befanden sich die Werke aus Düsseldorf bereits auf tschechoslowakischem Boden. Aufgrund der unsicheren politischen Lage wurden sie umgehend abtransportiert und konnten erst 1969 in Prag gezeigt werden. Aussagen damaliger Tournee-Organisatoren machen klar, dass aus der westeuropäischen Perspektive manche ausländische Stationen als „Peripherie“ eingeschätzt wurden. Ein deutsches Interesse an der dortigen Kunstszene oder sogar an künftigen Kooperationen blieb die Ausnahme. Ein Brief aus der deutschen Botschaft in Manila an das Auswärtige Amt belegt, dass die Werke Klees als ein Mittel gesehen wurden, die erbreitung der westlich geprägten Kultur in den Philippinen voranzutreiben. 1972 wurde die Sammlung aus Düsseldorf in zwei brasilianischen Museen präsentiert. In São Paulo fand die Ausstellung anlässlich des 50. Jahrestags der Semana de Arte Moderna statt, die eines der

Oben: museum global. Mikrogeschichten einer ex-zentrischen Moderne Lasar Segall, Encontro, ca. 1924, Öl auf Leinwand, 66 × 54 cm, Acervo Museu Segall – IBRAM/MinC Links: museum global. Paul Klee: Eine Sammlung auf Reisen Paul Klee, Omphalo-centrischer Vortrag, 1939, Kreide und Kleisterfarbe auf Seide auf Jute, 70 x 50,5 cm, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen Rechts: museum global. Mikrogeschichten einer ex-zentrischen Moderne Saloua Raouda Choucair, Paris-Beirut, 1948, Gouache, 32 × 23,5 cm, © Saloua Raouda Choucair Foundation Fotos: © Kunstsammlung NRW

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Schlüsselereignisse für die brasilianische Moderne und Ausgangspunkt für eine der Mikrogeschichten in der Ausstellung museum global ist. In Rio de Janeiro prä-

sentierte man Klee zum 20. Jahrestag der Gründung des Museums, das zu einem der Zentren der brasilianischen Kultur geworden war.


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Oben: Installationsansicht „museum global“ Mikrogeschichten einer ex-zentrischen Moderne, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, K20 Foto: Achim Kukulies. © Kunstsammlung NRW Unten: Installationsansicht „museum global“ OPEN SPACE, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, K20. Foto: Achim Kukulies. © Kunstsammlung NRW

in Dialog mit Kunstwerken aus Süd- und Mittelamerika, Asien und Afrika. Damit mündet eine dreijährige Forschungsarbeit des Museums in ein Ausstellungsprojekt, das einen globalen Blick auf Kunst von 1910 bis 1960 eröffnet und – so der Untertitel der Ausstellung – beispielhafte Mikrogeschichten einer ex-zentrischen Moderne erzählt.

„museum global“ - Ein neuer Blick auf die Moderne Mit der Ausstellung „museum global Mikrogeschichten einer ex-zentrischen Moderne“ (10. November 2018 bis 10.

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März 2019) wirft die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen einen neuen Blick auf die Moderne in nicht-europäischen Ländern. Die international bedeutende, aber ausschließlich westlich orientierte Sammlung der NRW-Landesgalerie tritt

Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen Grabbeplatz 5 40213 Düsseldorf Tel +49 (0)211. 83 81-204 service(at)kunstsammlung.de www.kunstsammlung.de


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Magazin Museum.de Nr. 35  

Die ganze Welt der Museen. In dieser Ausgabe: - Museum Rietberg - Fachtagung “Stellung beziehen! Wie neutral sind Museen? - MUSEUMSWELT...

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