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Das neue Rautenstrauch-Joest-Museum

Kulturen der Welt Nach fast 15-jähriger Planungsund Realisierungszeit eröffnete das Rautenstrauch-JoestMuseum am 22. Oktober 2010 in einem modernen Gebäude an der Cäcilienstraße im Zentrum der Stadt als das neue Rautenstrauch-Joest-Museum – Kulturen der Welt. Am Wochenende vom 23./24. Oktober konnten Besucherinnen und Besucher bei freiem Eintritt erstmals die neuen Räume und die Neupräsentation der Sammlung erkunden.

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ie Wurzeln des Rautenstrauch-Joest-Museums gehen zurück auf das 19. Jahrhundert: Nach seinem frühen Tod im Jahr 1897 hinterließ der in Köln geborene Forschungsreisende Wilhelm Joest seiner mit dem Kaufmann Eugen Rautenstrauch verheirateten Schwester Adele etwa 3.500 ethnografische Objekte aus aller Welt. Zum Gedenken an ihren Bruder und ihren drei Jahre später ebenfalls verstorbenen Ehemann finanzierte Adele Rautenstrauch den Bau des Rautenstrauch-Joest-Museums, das 1906 in der Kölner Südstadt eröffnet wurde. Heute umfasst der Bestand rund 60.000 Objekte und 100.000 historische Fotografien aus Ozeanien, Afrika, Asien und Amerika sowie eine umfangreiche Fachbibliothek. Der starke Zuwachs der Sammlung über die Jahrzehnte und die ‚Jahrhunderthochwasser’ Mitte der 1990er Jahre führten zur Planung und Realisierung des Neubaus.

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Die innovative Ausstellungskonzeption verzichtet auf die in vergleichbaren Häusern übliche Einteilung in geografische Großräume und greift stattdessen Themen auf, die Menschen überall auf der Welt bewegen, denen sie aber je nach regionaler und kultureller Prägung auf jeweils eigene Weise begegnen.

Eingestimmt von einem opulent inszenierten Gamelan-Musikinstrumentenensemble von der Insel Java, Indonesien, geht es im ersten übergreifenden Themenbereich »Die Welt erfassen« um vier unterschiedliche Begegnungsebenen mit anderen Kulturen aus europäischer Sicht:

Der Kulturen vergleichende Ansatz betont das gleichberechtigte Dasein und die Ebenbürtigkeit aller Kulturen und vermittelt Denkanstöße und Dialogansätze. Das Einbeziehen unserer eigenen Kultur in die vergleichende Betrachtung trägt zur Relativierung des eigenen Standpunktes bei.

Begegnung und Aneignung: Grenzüberschreitungen Reisende verkörpern im 19. Jahrhundert die Sehnsucht des weltläufigen Bildungsbürgers nach Horizonterweiterung durch kulturelle Begegnungen fern der Heimat.

3.600 Quadratmeter Ausstellungsfläche laden zu einer ebenso verblüffenden wie erkenntnisreichen Entdeckungsreise ein. Das authentische Objekt mit seiner spezifischen Aura und seinem jeweiligen Kontext steht im Zentrum der Betrachtung. Der Themenparcours wurde von Atelier Brückner, Stuttgart, szenografisch konzipiert und gestaltet. Für jede Abteilung wurde ein eigenes Raumbild kreiert. Multimedia-Stationen regen zur aktiven Auseinandersetzung an. Veranstaltungen aller Art ergänzen den Themenparcours. Sie tragen dazu bei, die Besucher und Besucherinnen für Sichtweisen anderer Kulturen zu sensibilisieren und machen das Museum als Ort der Begegnung, des Dialogs und der gesellschaftlichen Teilhabe erfahrbar. Themenparcours »Der Mensch in seinen Welten« Im großzügigen, Licht durchfluteten Foyer des Hauses stimmt das größte Exponat des Rautenstrauch-Joest-Museums und sein neues Wahrzeichen – ein historischer Reisspeicher von der Insel Sulawesi, Indonesien – die Besucherinnen und Besucher auf ihr Museumserlebnis ein. Der Themenparcours »Der Mensch in seinen Welten« begrüßt die Besucher mit einem Prolog und verabschiedet sie mit einem Epilog.

Der verstellte Blick: Vorurteile Vorurteile dienen dazu, das ‚Fremde’ in das eigene Weltbild einzuordnen und sich gegenüber dem ‚Anderen’ abzugrenzen; Urteile über Andere zielen oft auf eine Aufwertung des Eigenen. Die Welt in der Vitrine: Museum Ethnologische Museen spiegeln die Begegnung mit anderen Lebenswelten in ihren Sammlungen; sie bewahren und erforschen materielle Zeugnisse von Gesellschaften aus aller Welt und vermitteln in Ausstellungen Sichtweisen auf Kulturen. Ansichtssachen?!: Kunst Die rein ästhetische Wahrnehmung von Artefakten ist eine weitere Möglichkeit, sich fremden Kulturen zu nähern; bei dieser vom europäischen Kunstverständnis geprägten Sicht trifft der ursprüngliche funktionale Kontext des Werkes in den Hintergrund. »Die Welt gestalten« bezeichnet den zweiten großen Themenkomplex, der mit fünf Abteilungen vielfältige Einblicke in Formen der Lebensgestaltung in Raum und Zeit vermittelt. Lebensräume, Lebensformen: Wohnen Verschiedene Lebensräume bedingen unterschiedliche Wohnformen; der Wohnraum prägt die Identität.

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