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MUSEUM

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Nr. 26 6,80 €

Herbst 2016

MAGAZIN M USEUM.DE

Deutsches Uhrenmuseum Glashütte


® AUGIAS -Museum 5

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In diesem Heft

Seite

MUSEUMSTREFFEN 2016 in Berlin

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Museum Folkwang

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Schloss Klippenstein in Radeberg

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Weltkulturerbe Völklinger Hütte

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Europ. Zentrum für Kunst und Industriekultur Museum Römerhalle Bad Kreuznach

40

Dornier Museum Friedrichshafen

50

Deutsches Historisches Museum

58

Museum Pachen in Rockenhausen

68

Die Stiftung Historische Museen Hamburg

76

Nationales Militärmuseum der Niederlande 88 MUSEUM – Film ab!

97

Deutsches Uhrenmuseum Glashütte

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Ausstellungen und Termine

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Residenzschloss Dresden

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Titelseite: Astronomische Kunstuhr, Hermann Goertz 1925 Uhrenmuseum Glashütte. Foto: © René Gaens

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anz schön entspannt.

Mehrmals habe ich schon das Nationale Militärmuseum der Niederlande besucht, das vor zwei Jahren in Soesterberg bei Utrecht eröffnet wurde. Schon bei der Anfahrt wird man entschleunigt, denn auf niederländischen Autobahnen gilt ein Tempolimit von 130 km/h. Im Eingangsbereich des Museums ist einiges los, aber kein Gedränge. Man sieht viele Familien, denn das Angebot richtet sich an alle Altersgruppen. Kinder bedienen hier einen F-16 Flugsimulator oder fahren im Außenbereich einen Mini-Panzer. An einem Tisch in der ständigen Ausstellung kann man angekettete alte Pistolen und Maschinengewehre in die Hand nehmen – ein sichtlich beliebter Ort für

Väter und Söhne. Jagdflugzeuge scheinen an der Decke des Museums über den Panzern zu schweben und man ist verblüfft über die Größe einer original V2 Rakete, die kopfüber von der Decke hängt. Das Museum ist beeindruckend, jedoch nicht einnehmend. Zu einer sachlichen Betrachtung des Militärs trägt z.B. eine kritische Darstellung der niederländischen Kolonialzeit bei. Zum Zeitpunkt meines Aufenthalts läuft gerade die Generalprobe der gut besuchten Panzertage anlässlich „Hundert Jahre Panzer“. Meine Gastgeberin ist die Direktorin Drs. Hedwig Saam, die ehemals ein Kunstmuseum in Arnheim geleitet hat. Auf dem Gelände wird sie von einigen Besuchern angesprochen. Freundlich, mit viel Ruhe und Zeit beantwortet sie alle Fragen ihrer Gäste. Ich warte – gut so! Herzliche Grüße, Ihr Uwe Strauch

Rechts: Drs. Hedwig Saam, Direktorin Nationales Militärmuseum der Niederlande, Mitte: Uwe Strauch (Gründer museum.de). Links: Sergeant Majoor Werner Koemans auf einem Leopard 2 Panzer. Foto: © Ruud van der Graaf

MAGAZIN MUSEUM.DE

Ausgabe Nr. 26

Herausgeber

Ostwall 2

Telefon 02801-9882072

museum@mailmuseum.de

Druck: Strube Druck & Medien

September 2016

Uwe Strauch, Dipl.-Inf. TU

46509 Xanten

Telefax 02801-9882073

www.museum.de

Vers.: Dialogzentrum Rhein-Ruhr

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MUSEUMSTREFFEN am 19. Oktober im

Treppenspindel im Neubau des DHM, Foto: © DHM/Thomas Bruns

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Deutschen Historischen Museum Berlin EINLADUNG

Das MUSEUMSTREFFEN 2016 findet am 19. Oktober im Deutschen Historischen Museums (DHM) in Berlin statt. Sie sind herzlich zu einem inspirierenden Tag eingeladen, an dem sich Museumsfreunde in entspannter Atmosphäre austauschen können. Einen stimmungsvollen Rahmen für das Treffen bietet der Schlüterhof des DHM, der sich unter einer beeindruckenden Glaskuppel befindet (Foto). Traditionell referieren wieder acht Museumsdirektoren. Die Redner schildern ihre eigenen Erfahrungen, Visionen und Pläne bezugnehmend auf das Tagungsmotto „Museum kommuniziert!“. Unmittelbar nach den halbstündigen Beiträgen sind Fragen aus dem Publikum möglich und erwünscht. Während der Pausen gibt es für die Tagungsteilnehmer Gelegenheit zum „networken“ oder zum kostenlosen Besuch der Ausstellungen vom DHM. Die ermäßigte Tagungspauschale in Höhe von 69 Euro gilt für Museumsmitarbeiter (mit Festanstellung, Zeitverträgen, Ehrenamtler), Mitlglieder der Freundes- und Förder-

Foto: © DHM/Jürgen Hohmuth

vereine von Museen, Volontäre und Studenten. Für alle anderen Personengruppen gilt die reguläre Tagungsgebühr in Höhe von 119 Euro. Darin enthalten ist auch die ganztägige Verpflegung.

Weitere Infos und die Anmeldung: http://www.museum.de/museumstreffen Wir sehen uns in Berlin! Ihr Uwe Strauch, museum.de

Ein Dankeschön geht an die Sponsoren der Veranstaltung:

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REFERENTEN MUSEUMSTREFFEN 2016 Das MUSEUMSTREFFEN 2016 findet am 19. Oktober im Deutschen Historischen Museum in Berlin statt. Eine Anmeldung über www.museum.de/museumstreffen ist erforderich.

08:15 Einlass

09:20 - 9:50

08:30 - 09:00 Frühstück

Katja Altmann Leiterin Museum Schloss Klippenstein in Radeberg

09:00 - 09:10

„Schloss Klippenstein in Radeberg Ein kleines Museum und seine Besucher“

Ulrike Kretzschmar Präsidentin a.i. des Deutschen Historischen Museums, Berlin Begrüßung 09:50 - 10:20 Dr. Tobia Bezzola Direktor des Museum Folkwang, Essen „Was kommuniziert das Museum moderner Kunst?“ Foto: © Sebastian Drüen

Foto: © DHM / Bruns

10:20 - 11:30 Pause 70 Minuten 09:10 - 09:20 Uwe Strauch Gründer museum.de, Xanten „Museum kommuniziert!“

11:30 - 12:00 Börries von Notz Alleinvorstand der Stiftung Historische Museen Hamburg „Deutsches Hafenmuseum Hamburg Eine grandiose Idee wird Wirklichkeit“

12:00 - 12:30 Berthold Porath Direktor Dornier Museum, Friedrichshafen „Kommunikation mittels Events – eine tägliche Gratwanderung“

12:30 - 13:45 Mittagsbuffet 75 Minuten

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MUSEUMSTREFFEN 2016

13:45 - 14:15 Dr. Marc Fehlmann FRSA Direktor Sammlungen Deutsches Historisches Museum, Berlin „Zur Kommunikation des Deutschen Historischen Museums mit seinen Besuchern und Nutzern“

Moderation: Petra Albrecht WDR Düsseldorf

Foto: © DHM / Bruns

Foto: © DHM

14:15 - 14:45 Drs Hedwig Saam Direktorin Nationales Militärmuseum der Niederlande, Soest NL „Showtime“

14:45 - 15:30 Pause 45 Minuten

15:30 - 16:00 Dr. Philipp Gutbrod Direktor des Institut Mathildenhöhe Darmstadt „Das Institut Mathildenhöhe Darmstadt 2.0 Ausstellen – Forschen – Veranstalten – Kommunizieren“

16:00 - 16:30 Prof. Dr. Meinrad Maria Grewenig CEO | Generaldirektor Weltkulturerbe Völklinger Hütte Europäisches Zentrum für Kunst und Industriekultur „Das Museum nach dem Museum“

16:30 - 17:30 Come together mit Radeberger Pils vom Faß 17:30 - 19:00 Ausklang: Café im Zeughaus

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Museum Folkwang Autor: Mario von Lüttichau Das Museum Folkwang erwarb und zeigte als erste öffentliche Sammlung in Deutschland Werke der Wegbereiter der Moderne Cézanne, Gauguin, van Gogh und Matisse. Der Gründer Karl Ernst Osthaus (18741921) eröffnete 1902 dem Publikum ein eigenes Museum. Der Bau erhielt den Namen Museum Folkwang – benannt nach Folkvangar (altnordisch: Volkshalle) dem Palast der Göttin Freya. Aus seiner Kunstsammlung – anfänglich mit dem Schwerpunkt Natur und Kunstgewerbe – entwickelte Osthaus durch spektakuläre Ankäufe und wechselnde Ausstellungen eine bedeutende Institution in Deutschland und darüber hinaus. Die Sammlung avancierte in kürzester Zeit zu einem wegweisenden Museum für zeitgenössische Kunst. Nach dem Tod des Museumsgründers im Jahr 1921 wurde die Sammlung in der westfälischen Industriestadt Hagen vom neu gegründeten Folkwang-Museumsverein, einer fortschrittlichen Initiative kunstbegeisterter Essener Bürger, für die Stadt Essen erworben und 1922 mit dem seit

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1906 bestehenden Städtischen Kunstmuseum zum Museum Folkwang vereinigt. Als Stätte des Sammelns und Vermittelns neuer und neuester Kunst konnte das Museum Folkwang in wenigen Jahrzehnten Weltruf erlangen, weshalb es während des Dritten Reiches zur Zielscheibe nationalsozialistischer Hetzkampagnen wurde. Mehr als 1400 Werke sind als „entartet“ gebrandmarkt, konfisziert und zum Teil in alle Welt verkauft worden. Der große Verlust unersetzlicher Bilder und die Zerstörung der beiden Museumsgebäude im Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs verwüsteten das Museum Folkwang und seine bedeutende Sammlung so schwer, dass nach 1945 nur noch Ruinen übrig waren. In den 1950er und 1960er Jahren gelang es, den ersten Museumsneubau nach dem Zweiten Weltkrieg in (West)Deutschland zu verwirklichen und durch Rückkäufe verloren gegangener Werke orientierte Neuerwerbungen, die schmerzlichsten Lücken zu schließen. Mit der Erweiterung der Sammlung bis in die Kunst der Gegenwart präsentierte sie sich in den 1980er

Jahren in einem größeren Umfang als je zuvor. Neubau des Museum Folkwang 25 Jahre später, im August 2006 gab die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung mit ihrem Kuratoriumsvorsitzenden Berthold Beitz bekannt, dass die Stiftung die Mittel für den von David Chipperfield Architects zu realisierenden Neubau des Museum Folkwang zur Verfügung stellt. Das im Januar 2010 übergebene Gebäude eröffnet dem Museum erneut die Möglichkeiten, sich auf der einst in Hagen begonnen Linie weiterzuentwickeln und wiederum an die Tradition der Medienvielfalt und der Kombination von freier und angewandter Kunst anzuknüpfen, für die das Museum Folkwang bis 1933 so berühmt war und ihm den Titel des „schönsten Museums der Welt“ eintrug. (Paul J. Sachs)

Oben: Neubau Museum Folkwang Rechts: Paul Gauguin, Contes barbares, 1902


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Vincent van Gogh La moisson,1889

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Die Expressionisten Neben den Wegbereitern der Moderne gelangten früh Vertreter der französischen Fauvisten und der deutschen Expressionisten in die Sammlung. Heute sind die vielfältigen Facetten der Avantgarde des frühen 20. Jahrhunderts mit Werken folgender Künstler sichtbar: die Fauves mit Henri Matisse, André Derain und Maurice de Vlaminck, die Kubisten mit Georges Braque, Pablo Picasso und Robert Delau- nay, die deutschen Expressionisten mit Künstlern aus dem Umkreis des Blauen Reiter mit Franz Marc und Wassily Kandinsky sowie der Künstlergemeinschaft die Brücke mit Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner, Emil Nolde und Karl Schmidt-Rottluff.

Die Deutsche und französische Malerei Das Museum Folkwang ist heute besonders bekannt für seine international bedeutende Sammlung deutscher und französischer Malerei und Skulptur des 19. Jahrhunderts. Schwerpunkte bilden zum einen die deutsche Romantik mit Caspar David Friedrich, Carl Gustav Carus und Johan Christian Dahl, ‚heroische’ Landschaftsbilder des Spätklassizismus etwa von Philipp Hackert oder Carl Rottmann. Zum anderen repräsentieren Werke von Eugène Delacroix, Jean-Baptiste Camille Corot, Honoré Daumier, Gustave Courbet, Edouard Manet und Pierre Auguste Renoir den französischen Klassizismus und Realismus. Meisterwerke von Claude Monet, Paul Cézanne, Vincent van Gogh, Paul Gauguin, Paul Signac und Camille Pissarro veranschaulichen den durch Impressionismus und Spätimpressionismus initiierten Aufbruch in die Moderne.

Künstlerpersönlichkeiten wie Ferdinand Hodler und Edvard Munch, die Bauhaus-Meister Lyonel Feininger, Wassily Kandinsky, Paul Klee und László Moholy-Nagy sind in der Sammlung ebenso präsent wie die Surrealisten Salvador Dalí, Max Ernst, René Magritte, André Masson, Joan Miró, Yves Tanguy sowie die Einzelgänger Oskar Kokoschka, Max Beckmann und Ernst Wilhelm Nay. Parallel hierzu sind bildhauerische Arbeiten von Auguste Rodin, George Minne, Constantin Meunier, Aristide Maillol und Ernst Ludwig Kirchner in der Sammlung vertreten. Oben Links: Henri Matisse, Nature morte aux asphodèles, 1907 © Succession H. Matisse / VG Bild-Kunst, Bonn 2016. Rechts: Franz Marc. Pferd in Landschaft, 1910 Unten: Martin Kippenberger Tankstelle Martin Bormann, 1986 Installation mit drei Skulpturen und 40 Tondi, © Estate Martin Kippenberger, Galerie Gisela Capitain, Köln

Bildende Kunst Der vor 1937 erworbene Ruf als Zentrum neuer und neuester Kunst konnte ab den 1950er Jahren weiter ausgebaut werden. Werke der Amerikaner Mark Rothko, Barnett Newman, Jackson Pollock, Ad Reinhardt, Franz Kline, Morris Louis und Frank Stella sowie Arbeiten von Yves Klein, Lucio Fontana und den Begründern der Gruppe Zero mit Gün-

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ter Uecker, Otto Piene und Heinz Mack stehen exemplarisch für den Neuanfang in der Bildenden Kunst. Den Übergang ins 21. Jahrhundert schließlich markieren Werke von beispielsweise Gerhard Richter, Georg Baselitz, Markus Lüpertz, A.R. Penck, Peter Halley, Roni Horn und Thomas Schütte, aber auch Rauminstallationen von Martin Kippenberger, Paul Thek, Lothar Baumgarten, Atelier van Lieshout oder Simon Starling.

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Gegenwartskunst In den Räumen für Gegenwartskunst finden wechselnde Präsentationen statt. Mit ihrer Offenheit und Durchlässigkeit spiegeln sie die Gleichzeitigkeit ganz verschiedener künstlerischer Ansätze und Strömungen seit den 1960er Jahren. Den zentralen Raum nimmt die Installation Helm/Helmet/Yelmo des kubanischen Künstlerduos Los Carpinteros ein. In diesem ‚Museum-im-Museum‘ werden Werke aus den eigenen Beständen der Archäologie, Weltkunst, Kunstgewerbe, aber auch aus anderen Sammlungen präsentiert. Karl Ernst Osthaus hat seine Sammlungstätigkeit von Beginn an auch auf das Kunstgewerbe und die Kleinkunst ausgeweitet. Erste Ankäufe datieren wahrscheinlich aus der Zeit seiner ersten Tunisreise im Jahre 1897. So begeistert sich der Sammler für kunsthandwerkliche Objekte aus Deutschland, Europa, des Vorderen Orients und asiatische Ländern. Die ethnologische und

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kunstgewerbliche Sammlung des Museum Folkwang bildet eher eine Mustersammlung von didaktischer Vorbildlichkeit und umfasst heute Exponate aus Europa, Afrika, Mittelamerika, Asien und der Südsee, darunter Antiken aus Griechenland und Ägypten, dem Irak und Iran, eine Fliesensammlung, eine Textilsammlung und eine Auswahl an Gläsern von der Antike bis in die Neuzeit. Bis in die 1980er Jahre hinein sind für diese Abteilung auch Ankäufe getätigt worden. Diese Sammeltätigkeit Osthaus’ und ihre Präsentation mit Gemälden und Skulpturen der Moderne im Museum Folkwang mündeten 1909 in der epochalen Idee und Gründung des Deutschen Museums für Kunst in Handel und Gewerbe, eine Einrichtung des Deutschen Werkbundes. Los Carpinteros Helm/Helmet/Yelmo, 2014 Courtesy of the Artists and Ivorypress, Foto: © Museum Folkwang, Sebastian Drüen


Fotografische Sammlung Die Fotografische Sammlung, im Wesentlichen auf der von Otto Steinert entwickelten Studiensammlung basierend, wurde nach dessen Tod 1978 als eigenständige Abteilung im Museum Folk- wang eingerichtet. Der zeitliche Schwerpunkt der Sammlung liegt in den 20er und 30er sowie 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts und in der Gegenwart. Aber auch das 19. Jahrhundert ist mit herausragenden Positionen vertreten: mehr als 60.000 Fotografien, überwiegend Vintage Prints von ca. 1.300 Bildautorinnen und -autoren. Neben einzelnen Werken und Werkgruppen besitzt die Sammlung zahlreiche Konvolute zu verschiedenen Bildautoren oder Themenfeldern, verschiedene Archiven sowie Nachlässe von Bildautoren oder Institutionen. Aus den Nachlässen weden auch Negative, Geräte, Belege und schriftliche Dokumente aufbewahrt. Das Sammlungsgebiet beinhaltet die künstlerische, dokumentarische und berichtende Fotografie, thematische Schwerpunkte sind die Darstellung des Menschen und der Architektur.

Otto Steinert, Ein-Fuß-Gänger, 1950 © Nachlass Otto Steinert, Museum Folkwang, Essen

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die Grafische Sammlung, daher mit der Gemäldesammlung verwandt. Ein wichtiger Sammlungsschwerpunkt liegt auf Werken der Klassischen Moderne, insbesondere des Expressionismus der Künstlergruppe Die Brücke. Die Bestände des 19. Jahrhunderts werden vor allem durch das druckgrafische Werk Ludwig Richters geprägt, das beinahe vollständig vorhanden ist. Neben der Erschließung der Bestände durch Publikationen und Sonderausstellungen steht die Beschäftigung mit zeitgenössischer Zeichnung und Druckgrafik im Mittelpunkt der inhaltlichen Arbeit. Die Grafische Sammlung umfasst ca. 12.000 Blatt aus dem 19. und 20. Jahrhundert, rund ein Viertel davon sind Zeichnungen und Aquarelle. Hinzu kommt ein umfangreicher Bestand an illustrierten Büchern und Mappenwerken.

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Grafische Sammlung

Deutsches Plakat Museum

Seit der Gründung des Museums wurden parallel zu Werken der Malerei auch Aquarelle, Zeichnungen und Druckgrafiken gesammelt. In ihrer Ausrichtung ist

Das Deutsche Plakat Museum, ist einmalig in Deutschland und besitzt eine der größten Spezialsammlungen weltweit. Das Deutsche Plakat Museum präsentiert seine

Exponate aus konservatorischen Gründen in regelmäßigen Wechselausstellungen. Die Sammlung enthält insgesamt mehr als 350.000 Plakate aus den Bereichen Politik, Wirtschaft und Kultur. Dabei spannt sich der Bogen zeitlich von den Anfängen der Plakatentwicklung bis in die Gegenwart. Inhaltlicher Schwerpunkt ist die Dokumentation der deutschen Plakatentwicklung im europäischen Kontext, etwa frühe deutsche Plakate (1880 – 1914), Plakate der Weimarer Republik (1919 – 1933), DDR-(Kultur)-Plakate (1949 – 1989) und BRD-Plakate (1948 – 1989), französische Plakate (um 1900), u.a. Die Sammlung beherbergt Blätter bekannter Künstler und innovativer Gestaltung ebenso wie Plakate als Dokumente der Alltagsgeschichte.

Oben: Vincent van Gogh. Paysanne arrachant de l‘herbe, 1885 Unten: Lucian Bernhard, Manoli, 1910 Deutsches Plakat Museum


Museum Folkwang Öffnungszeiten Di – So 10 – 18 Uhr Do, Fr 10 – 20 Uhr Feiertage 10 – 18 Uhr Mo geschlossen Besucherbüro Folkwang T +49 201 8845 444 info@museum-folkwang.essen.de www.museum-folkwang.de Besucher- und Postanschrift Museumsplatz 1, 45128 Essen

Aktuelle Ausstellungen Richard Deacon Drawings and Prints 1968 – 2016 26. August – 13. November 2016 Freier Eintritt Seit dem 19. Juni 2015 ist der Eintritt in die ständige Sammlung im Museum Folkwang an allen Öffnungstagen frei.

Ermöglicht wird dies durch die großzügige Unterstützung der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung.

Dancing with Myself Selbstporträt und Selbsterfindung Werke aus der Sammlung Pinault 7. Oktober 2016 – 15. Januar 2017

Die Bundesakademie Wolfenbüttel Wolfenbüttel ist ist einer der der bedeutendsten bedeutendsten Anbieter Anbieter für für Die Die Bundesakademie Bundesakademie Wolfenbüttel ist einer einer der bedeutendsten Anbieter für praxisnahe berufliche Fortund Weiterbildung im Bereich Kulturelle Bildung in praxisnahe Fortund im Bereich Kulturelle in praxisnahe berufliche berufliche Fortund Weiterbildung Weiterbildung im Bereich Kulturelle Bildung Bildung in Deutschland. Sie bietet pro Jahr insgesamt rund 180 Veranstaltungen, darunter Deutschland. Sie bietet pro Jahr insgesamt rund 180 Veranstaltungen, darunter Deutschland. Sie bietet Seminare, pro Jahr insgesamt rund 180 Veranstaltungen, darunter Qualifizierungsreihen und und Tagungen Tagungen in in sechs Seminare, Qualifizierungsreihen Seminare, Qualifizierungsreihen und Tagungen in sechs sechs Programmbereichen – auch im Bereich Museum – an. Programmbereichen Programmbereichen –– auch auch im im Bereich Bereich Museum Museum –– an. an.

Provenienzforschung Provenienzforschung Provenienzforschung

Methodenkompetenzen Methodenkompetenzen Austausch & & Beratung Methodenkompetenzen Austausch Austausch & Beratung Beratung Diversität Wissenschaft & & Forschung Archiv& Depotplanung Diversität Wissenschaft ArchivDiversität Wissenschaft & Forschung Forschung Archiv- & & Depotplanung Depotplanung

Bewahren Bewahren & Erhalten Bewahren & & Erhalten Erhalten Professionalisierung Professionalisierung Professionalisierung

Ausstellung & Konzept Ausstellung Ausstellung & & Konzept Konzept

Personalführung Personalführung Personalführung

Inklusion Inklusion Inklusion

Qualifizierungen Qualifizierungen Qualifizierungen Vermitteln Vermitteln & Kuratieren Vermitteln & & Kuratieren Kuratieren

Presse und Öffentlichkeit Presse Presse und und Öffentlichkeit Öffentlichkeit

Bundesakademie für für Kulturelle Bildung Bildung Wolfenbüttel Bundesakademie Bundesakademie für Kulturelle Kulturelle Bildung Wolfenbüttel Wolfenbüttel Programmbereich Museum | www.bundesakademie.de Programmbereich Museum | www.bundesakademie.de Programmbereich Museum | www.bundesakademie.de

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Schloss Klippenstein in Radeberg Ein modernes Schloss- und Stadtmuseum in einer sächsischen Kleinstadt. Autorin: Katja Altmann

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Die sächsische Kleinstadt Radeberg liegt nur wenige Kilometer von der Landeshauptstadt Dresden entfernt und ist in Deutschland wegen des hier gebrauten Bieres bekannt. Das bedeutendste und älteste Bauwerk der Stadt ist das Schloss Klippenstein, welches in den vergangenen 20 Jahren aufwändig saniert wurde und heute als modernes Museum und Kulturzentrum wesentlich zur Identität der Stadt beiträgt. Das Schloss Im Vergleich zu anderen sächsischen Burgen und Schlössern gleicher Größenordnung ist das Schloss Klippenstein von herausragender Bedeutung. Es gehört zu den wichtigsten Zeugnissen der Herrschaftsarchitektur unter dem bedeutendsten wettinischen Herrscher, Kurfürst Moritz von Sachsen. Häufig hielten sich Mitglieder des sächsischen Fürstenhauses in Radeberg auf. Neben der Funktion als Jagdschloss prägte vor allem die Amtsgeschichte die Entwicklung der Anlage. Im Gegensatz zu nachhaltigen Überformungen späterer Jahrhunderte – z. B. am Jagdschloss Moritzburg bei Dresden – ist im Schloss Klippenstein zu Radeberg die architektonische Sprache der Renaissance in vielen Details erhalten geblieben. Jede Epoche hat ihre Spuren im architektonischen Tagebuch des Schlosses hinterlassen. Die Geschichte des Hauses reicht zurück bis zur ersten urkundlichen Erwähnung als „Castrum Radeberch“ im Jahre 1289. Auf einer Felsklippe aus Lausitzer Granit wurde an der Großen Röder eine Burganlage errichtet. Von ihr haben sich der Wohnturm mit Kapelle, der Keller in der Hauptburg, die Ruine des Eulenturms und Reste der Ringmauer erhalten. Der 1543 durch Herzog Moritz veranlasste Umbau der Burg zum Jagdschloss schuf bis 1546 eine repräsentative

Die Vorburg mit den Stallungen, Foto: Angela Stuhrberg

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Renaissanceanlage, die er „Schloss Klippenstein“ nannte. Die drei Flügel der Hauptburg umgeben einen Innenhof. Eine repräsentative Reitertreppe mit Zugbrücke und aufwändigem Portal vor der Südfassade bildete den neuen Zugang. Das stadtseitige Torhaus des unteren Schlosshofes wurde zum Rentenamt ausgebaut. In der Vorburg fanden ein Stall für 25 Pferde, Unterkünfte für Bedienstete und Getreidespeicher Platz. Ställe für 120 Jagdhunde ordnete man außerhalb des Schlosses an. Umbauten veränderten in den folgenden Jahrhunderten die Schlossanlage. 1715 wurde der marode Bergfried abgebrochen, 1772 erfolgte eine Neugestaltung der Hauptburg, wobei die Renaissancefassaden und -dächer verloren gingen. Spätestens seit dieser Zeit diente das Schloss hauptsächlich als Sitz der Amtsverwaltung. Neben dem Rentenamt war auch das Justizamt– seit 1879 Amtsgericht – hier angesiedelt. Das Amtsgericht bestand bis in die Zeit der DDR. Nach der Auflösung des Amtsgerichts 1952 wurde das Schloss durch die Stadt Radeberg verwaltet. Ein Beschluss des Stadtrates setzte den Befehl 177 der sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) zur Gründung von Museen um. 1953 wurde in einigen Räumen der Schlossanlage das Heimatmuseum der Stadt Radeberg eingerichtet. Ein Jugendclub, ein Kindergarten, mehrere Wohnungen und andere Nutzungen wie ein zeitweiliger Musterungsstützpunkt für die Nationale Volksarmee der DDR waren lange Jahre im Schloss untergebracht. Fehlende Unterhaltung der Bausubstanz führte zu einem rasanten Verfall der Anlage. Mehrere Museumsräume in der Vorburg mussten in den 1970er Jahren aufgegeben werden. 1984 stürzte die historische Reitertreppe ein, der Schuttkegel verschüttete den Schlosshof. Die politische Wende war auch für das Schloss Klippenstein die Rettung. 1993 wurde die Stadt Radeberg Eigentümer und begann mit der Sanierung der maroden Gebäude. Das Ziel war die Sicherung und Wiederherstellung der wertvollen historischen Anlage und die Entwicklung eines zeitgemäßen Schloss- und Stadtmuseums, welches zugleich der Zivilgesellschaft als Ort kultureller Begegnungen dient.

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Eile war geboten, denn der Verfall war bereits weit vorangeschritten. Dem Betrachter bot sich ein erschütterndes Bild. Die einzigen noch nutzbaren Räume befanden sich zu diesem Zeitpunkt in der Hauptburg. Alle anderen Bereiche des Schlosses standen als Folge des schlechten baulichen Zustandes leer. Kontinuierlich wurde die Bausubstanz gesichert, Dachkonstruktionen erneuert, Wände verpresst, Einbauten entfernt, die Medien erneuert. Stück für Stück bekam das Schloss seine historische Struktur zurück. Mit dem Fortschreiten der Instandsetzung begann die Erneuerung des Museums. Es entstanden neue Dauerausstellungen, Sonderausstellungsbereiche, der Festsaal und Räume für museumspädagogische Veranstaltungen. Die Museumssammlung erhielt ein neues Magazin. Ein großzügiger Empfangsbereich und moderne Sanitäranlage verbesserten den Komfort für die Besucher. Noch offen ist der Bau eines Aufzuges, um das Schloss auf dem Felsen barrierefrei erreichen zu können. 2017 soll er beginnen und im Zuge des Projektes auch der Schlossgarten neu gestaltet werden. Wenn 2018 der Aufzug übergeben wird, werden 25 Jahre seit dem Beginn der Erneuerung des Schlosses vergangen und durch die sächsische Kleinstadt mehr als 15 Millionen Euro investiert worden sein. Das Museum Im November 2011 verlieh die Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Prof. Dr. Dr. Sabine Freifrau von Schorlemer, dem Museum den Spezialpreis des 3. Sächsischen Museumspreises. Was erwartet die Besucher, wenn sie die Reitertreppe zur Hauptburg erklommen haben und das preisgekrönte Haus betreten? In den rekonstruierten Räumen der Hauptburg des Museums Schloss Klippenstein geben verschiedene – in den letzten Jahren neu gestaltete – Ausstellungen Auskunft über die Historie der Schlossanlage sowie des Amtes und der Stadt Radeberg. Anhand wichtiger Belege wird zudem die vielfältige Entwicklung der Industriestadt Radeberg exemplarisch vorgestellt. Südflügel der Hauptburg mit Reitertreppe vom unteren Schlosshof, Foto: © Peter Mauksch


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Im oberen Stockwerk befindet sich, in enger Anlehnung an die Raumsituation des 18. Jahrhunderts, ein vorbildlich ausgestatteter Veranstaltungsbereich mit Festsaal, Museumspädagogik und Funktionsräumen. Zur Präsentation von Sonderausstellungen stehen auf dieser Ebene 280 m² moderne Ausstellungsflächen zur Verfügung.

Oben: Die schwarze Küche mit der“ Schatzkammer“ Links: Truhenschloss in der schwarzen Küche, Foto: © Peter Mauksch Rechts: Blick in die Ausstellung zur Stadtgeschichte im Südflügel

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Im Zuge der Wiederherstellung historischer Raumsituationen entstand im Südflügel der Hauptburg auf einer Fläche von reichlich 200 m² eine völlig neue Dauerausstellung. Sie verweist auf die Architektur- und Nutzungsgeschichte des Hauses – dabei ist die Schlossanlage selbst das bedeutendste Exponat

des Museums. Die Schwarze Küche und die angrenzende Schatzkammer sind mit wertvollen Objekten aus der Geschichte des Schlosses ihr Herzstück. Die daran anschließenden Räume gewähren einen Einblick in die wechselvolle Geschichte Radebergs von der Stadtgründung bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Die stadtgeschichtliche Dauerausstellung über die Zeit zwischen der Stadtgründung und dem Biedermeier ist dem städtischen Leben und seinen Bedrohungen gewidmet und präsentiert Originale aus mehreren Jahrhunderten. Die Entwicklung von Handwerk, Handel und der Arbeitswelt von Frauen wird ebenso thematisiert wie Verwüstungen durch Stadtbrände und Kriege. Ein Teil der Ausstellung beschäftigt sich zudem mit der Radeberger Beamten- und Literatenfamilie Langbein. August Friedrich Ernst Langbein, 1757 im Schloss geboren, war ein bekannter, beliebter und scharfzüngiger Dichter der Biedermeierzeit.


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Mehr als 500 beeindruckende Exponate, Bilder und Texte präsentiert die 2015 eröffnete Schau „Industriestadt Radeberg“, im Nordflügel der Hauptburg. Vielfältig und zahlreich sind die Industrieprodukte, die den Namen Radeberg weithin bekannt machten: Leuchten, Fernseher, Computer, Automobil-Karosserien, farbenprächtige Einschlagpapiere, Modeflitter, Medizintechnik oder künstliche Zähne aus Porzellan … Lebensmittelmarken wie Radeberger Bier und Heinrichsthaler Käse sind seit über 100 Jahren rund um den Erdball „in aller Munde“. Wegweisendes Design und hohe Funktionalität vereint eine weitere prominente Radebergerin: Die „Reform-Küche“ der Firma „Eschebach“ sorgte dank ihrer flexiblen Bauweise auch in einfacheren Haushalten für modernen Küchenkomfort. Multimedia-Stationen eröffnen Besuchern die Möglichkeit, sich umfänglich zu den ausgestellten Industrieerzeugnissen, Produktionsprozessen und -stätten sowie der Industrie- und Sozialgeschichte zu informieren.

Rechts: Die Ausstellung Industriestadt Radeberg Unten: Detail der Ausstellung Industriestadt Radeberg Fotos: © Detlef Ulbrich

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Auch außerhalb des „eigentlichen Museums“ in der Hauptburg gibt es Einiges zu entdecken. Ein Leitsystem zur Schlossgeschichte informiert im Außen- und Innenbereich des Schlosses über die Entwicklung der Anlage in den vergangenen 700 Jahren. Der „Eulenturm“ diente zum Schutz der mittelalterlichen Anlage. Er wurde später als Gefängnis genutzt – das trug ihm den Namen „Hungerturm“ ein. Dank einer spektakulären Spendenaktion konnte er saniert werden und ist heute zu besteigen. 2012 eröffnete die „Schauwerkstatt Historische Böttcherei“. In der einstigen Torwärterstube des Schlosses gestalteten der Böttcher Joachim Paulick und sein Bruder Eckhard mit viel Liebe zum Detail einen Nachbau der Werkstatt ihrer Vorfahren.

Heimatmuseum der Stadt. Heute besuchen jedes Jahr nahezu 20.000 Menschen das Schloss und nutzen unsere vielfältigen Angebote. Die Ausstellungsfläche vergrößerte sich in dieser Zeit von 286 m2 auf 790 m2 und es entstand ein attraktiver Kultur- und Veranstaltungsort.

An Aktionstagen und nach Voranmeldung können die historischen Gefängniszellen in der Vorburg besichtigt werden – sie wurden bis 1952 genutzt und sind ein Highlight für die Besucher! Hier fand auch eine voll intakte Kaltmangel aus der Zeit vor dem ersten Weltkrieg ihren Platz. Sie glättet noch heute mit Druck die Mangelwäsche der Besucher und erweckt manche Kindheitserinnerung.

MUSEUM SCHLOSS KLIPPENSTEIN Schloßstraße 6 01454 Radeberg

Als die Stadt Radeberg 1993 mit der Sanierung der Anlage begann, kamen jährlich weniger als 2.000 Besucher in das

Oben: Blick vom untern Hof zum Schlossportal Foto: © Angela Stuhrberg Hintergrundbild: Die Gefängniszellen in der Vorburg Foto: © Peter Mauksch

Unsere Besucher lieben die Verbindung von Architektur, Historie, Kultur und Natur und verbinden den Museumsbesuch oft mit einem ausgedehnten Ausflug in das direkt anschließende romantische Hüttertal oder in die Dresdner Heide – sofern sie es nicht vorziehen durch die hübsche Altstadt Radebergs zu wandeln.

Tel.: 03528/ 44 26 00 Fax: 03528/ 45 57 85 kontakt@schloss-klippenstein.de www.schloss-klippenstein.de


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Weltkulturerbe Völklinger Hütte Buddha – Sammler öffnen ihre Schatzkammern 232 Meisterwerke buddhistischer Kunst aus 2.000 Jahren Autoren: Meinrad Maria Grewenig und Eberhard Rist

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Die Hinwendung Europas nach Asien ist das Thema des 21. Jahrhunderts, ökonomisch aber auch kulturell verknüpfen sich mit dieser Asien-Fantasie große Hoffnungen. Ein zentrales Thema dieser Asienhinwendung ist Buddha und die buddhistische Kunst und Kultur. Ohne ein vertieftes Verständnis dieser buddhistischen Weltsicht bleibt der westlichen Welt das innere Wesen Asiens verschlossen. Eine intensive Beschäftigung mit dem Buddhismus findet in Europa erst seit rund 100 Jahren statt. Auch heute gibt es in der Bevölkerung noch sehr viele Missverständnisse. Mit der Buddha-Ausstellung wird auch eine Grundüberlegung der UNESCO verwirklicht. Sie besagt, dass wir in unserer Welt eine gemeinsame Kultur besitzen, deren Facetten von Land zu Land unterschiedlich sind und dennoch Teil eines großen Ganzen sind. Nach „InkaGold - Meisterwerke aus dem Larco Museum Peru“, „Kelten – Druiden. Fürsten. Krieger.“ und „Ägypten – Götter. Menschen. Pharaonen. Meisterwerke aus dem Museum Egizio Turin“ wendet sich das Weltkulturerbe Völklinger Hütte - Europäisches Zentrum für Kunst und Industriekultur mit „Buddha. Sammler öffnen ihre Schatzkammern - 232 Meisterwerke aus 2.000 Jahren buddhistischer Kunst“ dem Kulturraum Asien zu. Diese Ausstellung öffnet ein großes Fenster zu der buddhistischen Kultur des asiatischen Raumes und ist in der Reihe der „Portale zu den Weltkulturen“ der Völklinger Hütte ein weiterer Meilenstein. Die Realisierung der Buddha-Ausstellung bedeutet auch die Verwirklichung eines Traumes, den wir im Weltkulturerbeteam seit mehr als zehn Jahren verfolgen. Die Möglichkeit, buddhistische Kunst aus der Gesamtheit des panasiatischen Raumes zu präsentieren, war das Ziel. Diese nun verwirklichte große Buddha-Ausstellung umfasst alle Aspekte unserer Zielüberlegungen und ist in Hinblick auf die außergewöhnliche Qualität und Anzahl der Exponate überragend. Besonders spannend fanden wir die Tatsache, dass die Exponate aus vielen privaten Sammlungen rund um den Globus kommen sollten und zum großen Teil öffentlich noch nicht gezeigt wurden. Die Liste wichtiger Ausstellungen in Europa, die sich in diesem Jahrhundert mit dem Thema „Buddhistische Kunst“ befasst haben, ist überschaubar. Herausragend war die Ausstellung „Tibet – Klöster

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öffnen ihre Schatzkammern“, die mit 138 Exponaten in Essen und Berlin 2006/2007 präsentiert wurde. 2009 wurde in Bonn und Berlin die Ausstellung „Gandhara – Das buddhistische Erbe Pakistans. Legenden, Klöster und Paradiese“ gezeigt, die anschließend unter anderen Titeln nach Zürich und Paris weiterreiste. 2015 zeigte das Museum für Angewandte Kunst Frankfurt (MAK) mit „Buddha – 108 Begegnungen“ eine Ausstellung, die Stücke aus den eigenen Sammlungen mit Leihgaben aus Privatbesitz verband. Selbst im weltweiten Maßstab kann man die wichtigen Ausstellungen der letzten 15 Jahre, die exklusiv der buddhistischen Kunst gewidmet waren, an einer Hand abzählen. Besonders hervorzuheben sind hier die grandiose Ausstellung „Himalayas. An Aesthetic Adventure“ in Chicago 2003 und die Großausstellung „Circle of Bliss. Buddhist Meditational Art“, die 2003/2004 in Los Angeles und Columbus

(Ohio) gezeigt wurde. Es war schließlich der Kontakt zum Museum Angewandte Kunst Frankfurt und zum Ausstellungsmacher Eberhard Rist, einem der besten Kenner asiatischer Kunst, der die Ursprungsvision beflügelte und die jetzt eingerichtete Buddha-Ausstellung auf die Bahn brachte. Als innerhalb der Trägergesellschaft Weltkulturerbe Völklinger Hütte die entsprechenden Beschlüsse unseres Aufsichtsrats vorlagen und damit die Finanzierung gesichert war, begann die Arbeit an dieser Buddha-Ausstellung. In sechs Monaten wurde dieses Großprojekt - eine der bedeutendsten panasiatischen Buddhismus-Ausstellungen, die weltweit jemals gezeigt wurden - in außergewöhnlich intensiver Arbeit realisiert. Das Weltkulturerbeb Völklinger Hütte wurde 1994 von der UNESCO in die Liste des Welterbes aufgenommen. Es ist das erste UNESCO Weltkulturerbe aus der


Linke Seite: Vajradhara Tibet, 13. Jahrhundert n. Chr. Thangka, Tempera und Gold auf Baumwollgewebe, 53 x 44 cm Privatsammlung © Weltkulturerbe Völklinger Hütte/Hans-Georg Merkel

Oben: Buddha Amitäyus Nepal, Frühe Malla-Periode, 14. Jahrhundert n. Chr. Vergoldetes Kupfer mit Steinbesatz, Höhe: 39 cm Privatsammlung (ehemals Sammlung Philip Goldman, Sammlung Jules Speelman)

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Doppelseitige Fotos: © Weltkulturerbe Völklinger Hütte/Hans-Georg Merkel

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Meditierender Buddha Nordwestpakistan, Gandhara-Region, 2. - 3. Jahrhundert n. Chr. Grauer Schiefer mit Resten von Vergoldung, Höhe: 92,5 cm Privatsammlung

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Vierarmiger Avalokiteshvara Ostindien, Bihar, Pala-Periode, 8. Jahrhundert n. Chr. Dunkelgrauer Stein, Höhe: 120 cm Privatsammlung

Blütezeit der Industrialisierung auf der Welt. Noch nie wurde in einem UNESCO Weltkulturerbe der Industriekultur buddhistische Kunst thematisiert. Insofern ist der Dialog zwischen der Völklinger Hütte, der größten „musealen“ Maschine der Welt auf 600.000 Quadratmetern Grundfläche, und den religiösen buddhistischen Kunstwerken aus 2.000 Jahren etwas Einmaliges. Hier treffen zwei Welten aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten: die „stillen“ religiösen Meisterwerke aus längst vergangenen Glanzzeiten der buddhistischen Kunst treffen auf die „Moderne“ in Gestalt gigantischer Maschinen, die durch den Fortgang der Zeit nun selbst zu musealen Werken geworden sind.

Begleitprogramm flankiert die einzigartige Ausstellung „Buddha“ mit ihren 232 Meisterwerken. Spezialführungen und eine Ringvorlesung in Kooperation mit der Universität des Saarlandes und der Universität Trier präsentieren neueste Forschungsergebnisse. Ein interreligiöser Dialog lässt die zentralen Positionen verschiedener Weltreligionen lebendig werden. Führungen, Veranstaltungen und Meditationen lenken den Blick und die Sinne auf das Thema Buddhismus. Zur Buddha-Ausstellung richtet das Weltkulturerbe Völklinger Hütte entlang der 7.000 Meter Besucherwege durch die Völklinger Hütte einen „Pfad der Erkenntnis“ ein, der zu acht spektakulären Meditationsstationen führt.

Mit der Ausstellung „Buddha“ öffnet das Weltkulturerbe Völklinger Hütte ein Portal zur buddhistischen Kultur Asiens. Industriekultur trifft auf die östliche Kultur des Buddhismus. Ein umfangreiches

In der 10.000 Quadratmeter großen Möllerhalle sind Fotografien des berühmten amerikanischen Magnum-Fotografen Steve McCurry zur Kultur des Buddhismus zu sehen, die er auf seinen zahlreichen Rei-

sen nach Tibet, Indien, Sri Lanka, Myanmar, China, Japan, Thailand und Kambodscha aufgenommen hat. Schirmherr der Ausstellung „Buddha“ im Weltkulturerbe Völklinger Hütte ist Seine Heiligkeit der XIV. Dalai Lama. Kooperationspartner des Weltkulturerbes Völklinger Hütte ist das Tibethaus Deutschland in Frankfurt am Main. Meisterwerke buddhistischer Kunst Die Buddha-Ausstellung bietet ein Panorama der buddhistischen Kunst Asiens. Gezeigt werden Meisterwerke aus Privatsammlungen, die größtenteils noch nie öffentlich gezeigt wurden. Die 232 hochkarätigen Exponate sind in vier Ausstellungsabteilungen gegliedert: Südasien, Ostasien, Südostasien und die Himalaya-Region. Damit bietet die Ausstellung „Buddha“ im Weltkulturerbe Völklinger Hütte einen einzigartigen Überblick zur


Tanzender Hevajra Kambodscha, Khmer. Baphuon-Stil, 11. Jahrhundert n. Chr. Bronze, Höhe 44 cm Privatsammlung

buddhistischen Kunst Asiens vom 1. Jahrhundert v. Chr. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts n. Chr. Die außergewöhnlichen Kunstwerke zeugen von hochentwickelten und kosmopolitischen asiatischen Reichen und zeigen die länderübergreifenden kulturellen und künstlerischen Beziehungen auf, die durch den Buddhismus entstanden oder vertieft wurden. Zentrales Faszinosum der buddhistischen Kultur und Zentrum der Ausstellung ist die Gestalt des Buddha, des „Erwachten“. Das Bildnis des friedlichen Menschen ist eine der großen „Ikonen“ der Menschheitsgeschichte. Es zieht Gläubige und selbst Atheisten in seinen Bann. Dabei wurde Siddhartha Gautama jahrhundertelang nur symbolisch ins Bild gesetzt. Die Gegenwart Buddhas wurde in dieser sogenannten anikonischen Phase (vom 5. Jahrhundert v. Chr. bis zum frühen 1. Jahrhundert n. Chr.) lediglich durch Symbole angedeutet. Dazu gehörten bei-

Vajravarahi Nepal, Frühe Malla-Periode, 13. Jahrhundert n. Chr. Vergoldetes Kupfer mit Steinbesatz, Höhe: 20,2 cm Privatsammlung. Fotos: Weltkulturerbe Völklinger Hütte/Hans-Georg Merkel

spielsweise die Lotosblume, das Rad der Lehre, ein leerer Thron, der Bodhi-Baum oder Buddhas Fußabdrücke. Erst in der Kushan-Zeit entstanden in den Kunstschulen von Gandhara und Mathura etwa zeitgleich die ersten Buddha-Bildnisse. Die Ausstellung zeigt eine Gruppe von spektakulären Gandhara-Stücken und den besten ostindischen Gupta-Buddha aus schwarzem Stein, der bekannt ist. Ein besonderer Schwerpunkt des Indien-Teils ist auch die Kunst der Pala-Zeit vom 8. bis 12. Jahrhundert. Diese Epoche stellt eine der längsten und wichtigsten Blütephasen der buddhistischen Kunst und Kultur dar. Die Gruppe chinesischer Skulpturen in der Ausstellung ist kompakt, aber sehr hochkarätig. So werden u.a. fünf sensationelle Yuan-Bronzen gezeigt. In die Yuan-Zeit fallen auch die Reisen des Venezianers Marco Polo. Besonders hervorzuheben ist der „Nachdenkliche Guanyin“. Es ist die

wohl schönste Bronzefigur der Yuan-Zeit und eine Ikone der Weltkunst. In Südostasien wurden Elemente der früheren animistischen Kulte in die buddhistische Mythologie und Kunst einverleibt. Davon zeugen beispielsweise Naturgeister oder niedere Gottheiten wie Yakshas (Naturgeister) oder Nagas (mythische Schlangenwesen), deren Verehrung ihren Ursprung in vorbuddhistischer Zeit hat. Mehrere Exponate des Südoastasien-Teils zeigen diesen Zusammenhang. Die Ausstellung präsentiert u.a. einige Mon-Dvaravati-Skulpturen von Weltrang, zwei Meisterwerke aus der Zeit der indonesischen Sailendra-Dynastie und bietet einen großartigen Überblick über die buddhistische Kunst des Khmer-Reiches vom 10. bis zum frühen 13. Jahrhundert. Besonders hervorzuheben ist ein extrem seltenes und prächtiges Kurzschwert aus dem 12. Jahrhundert, bei dem es sich höchstwahrscheinlich um eine königliche Prunk-

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Kurzschwert Kambodscha, Khmer, Angkor Wat-Stil, 12. Jahrhundert n. Chr. Griff: Vergoldete Bronze, Klinge: Eisen, Länge: 54 cm Privatsammlung

waffe handelt. Dieses Kurzschwert ist die mit Abstand wichtigste Khmer-Waffe, die überhaupt erhalten ist. Ein besonderer Schwerpunkt der Ausstellung „Buddha“ im Weltkulturerbe Völklinger Hütte ist die buddhistische Kunst der Himalaya-Region. Viele der gezeigten Objekte aus Nepal gehören zu den besten ihrer Art auf der Welt. Besonders außergewöhnlich ist die Holzfigur des Bodhisattva Avalokiteshvara aus dem Nepal des 8. Jahrhunderts. Wichtige Holzkunstwerke aus dieser Zeit lassen sich buchstäblich an einer Hand abzählen. Es ist keine europäische Holzfigur dieser Größe und Qualität aus dem 8. Jahrhundert n. Chr. bekannt, obwohl Europa klimatisch wesentlich günstigere Bedingungen bietet. Das Überdauern einer Holzfigur dieser Größe und Qualität aus dem 8. Jahrhundert, noch dazu in einem Land wie Nepal mit starkem Monsun, kann nur als Wunder bezeichnet werden. Diese Skulptur ist eines der größten Meisterwerke der asiatischen Kunst überhaupt. Tibetische Werke bilden mit 84 Exponaten die größte Gruppe der Ausstellung. Viele dieser Meisterwerke werden im Weltkulturerbe Völklinger Hütte erstmals

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Nachdenklicher Avalokiteshvara China, Yuan-Dynastie, 14. Jahrhundert n. Chr., Vergoldete Bronze, Höhe 49 cm Privatsammlung, (ehemals Sammlung Alfred Speelman, London) Alle Fotos: © Weltkulturerbe Völklinger Hütte/Hans-Georg Merkel

einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das buddhistische Erbe Tibets ist von einzigartiger Vielgestaltigkeit und Komplexität. Besonders bemerkenswert ist eine großformatige Malerei im Khyenri-Stil aus dem 16. Jahrhundert n. Chr. Es ist das größte, früheste und bedeutendste frei bewegliche Bild dieses Stils in privater Hand. Begegnung mit der Weltsicht des Buddhismus

kung, die diese Meisterwerke ausüben. Praktizierende Buddhisten verstehen die Darstellungen von Buddhas als „Meditationshilfen“. Statuen und Thangkas werden konzentriert betrachtet und dann im Geist als Visualisierung übernommen. So kunstvoll die Buddha-Bildnisse oder Thangkas auch gestaltet sind: Für einen gläubigen Buddhisten sind sie auch eine Hilfe auf dem eigenen Weg zur Erleuchtung. Katalogbuch

Die buddhistische Kunst zeichnet sich nicht nur durch ihre ästhetische Qualität aus, sondern auch durch ihre religiöse Dimension. Für einen Buddhisten ist die mit dem Kunstobjekt verbundene „Segenskraft“ von entscheidender Bedeutung. Die Bildnisse enthalten die religiöse, seelische, geistige und künstlerische Essenz der größten Sternstunden der buddhistischen Kultur und sind somit etwas wie ein „Heiliger Gral“, den Sammler und Museen für die Menschheit bewahren. Auch Menschen, die keine Buddhisten sind, können das Eigenleben und die spirituelle Kraft der Bildnisse spüren. Wenn der sensible Betrachter „Gänsehaut“ vor den Kunstwerken bekommt, so ist dies letztlich nur die seelisch reinigende Wir-

Zur Buddha-Ausstellung ist ein 528 Seiten starkes Katalogbuch in Deutsch und Englisch erschienen, herausgegeben von Meinrad Maria Grewenig und Eberhard Rist. Sonderpreis in der Ausstellung jeweils 29,90 Euro. Alle 232 ausgestellten Werke sind ganzseitig vierfarbig abgebildet und wissenschaftlich neu bearbeitet. Im Rahmen der wissenschaftlichen Aufsätze und Objektbeschreibungen werden nicht nur die gezeigten Kunstwerke ausführlich diskutiert, sondern auch die Weltanschauung des Buddhismus. Katalogbuch Steve McCurry Buddhismus – Fotografien 1985 – 2013, herausgegeben von Meinrad Maria Grewenig, 98 Seiten durchgehend vierfarbig 14.90 Euro.


Parallel zu „Buddha. Sammler öffnen ihre Schatzkammern. 232 Meisterwerke aus 2.000 Jahren buddhistischer Kunst“ zeigt das Weltkulturerbe Völklinger Hütte bis 19. Februar 2017 in der 10.000 Quadratkilometer großen Möllerhalle 40 großformatige Fotos in der Ausstellung „Steve McCurry – Buddhismus. Fotografien 1985 – 2013“. Auf dem 7.000 Meter langen Besucherweg der Völklinger Hütte ist zur Buddha-Ausstellung ein „Pfad der Erkenntnis“ eingerichtet, der zu acht spektakulären Meditationsorten führt.

Weltkulturerbe Völklinger Hütte Europäisches Zentrum für Kunst und Industriekultur CEO | Generaldirektor Prof. Dr. Meinrad Maria Grewenig 66302 Völklingen / Saarbrücken Tel.: +49 (0)6898 / 9 100 100 E-Mail: mail@voelklinger-huette.org

In diesem Container befindet sich unser Kulturerbe  Sichere Lagerung von Kunst und Kulturgut  Notfall- und Evakuierungspläne für Museen  Kulturmanagement zum Erhalt von Kulturerbe

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Museum Römerhalle Bad Kreuznach Das Rätsel der römischen Palastvilla. Autor: Peter Kummer Mitte des 3. Jahrhunderts nach Christi: Unruhen entlang des Rheins und Germanenstämme, die aufs westliche Ufer drängen, sind erste Warnzeichen dafür, dass es mit der Herrlichkeit des Groß-Römischen Reiches allmählich zu Ende geht. Auch wenn der endgültige Untergang selbst noch über 200 Jahre auf sich warten lässt und zwischendurch das Imperium noch einmal eine Blütezeit durchlebt. Doch schon jetzt dringen immer wieder germanische Stämme tief in das Gebiet des verhassten Gegners vor, plündern und brandschatzen. Sogar der Limes, diese schützende, viele hundert Kilometer lange Grenzsicherung, vermag auf Dauer die Eindringlinge nicht abzuhalten. Es kri-

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selt im heutigen Rheinhessen und entlang des unteren Bereichs der Nahe, innenwie außenpolitisch. Auch eine äußerst repräsentative und aufwändig eingerichtete Villa im heutigen Bad Kreuznach wird verlassen und fällt den späteren Zerstörungen zum Opfer. Heute bildet ein kleiner Teil des Grundstücks den Standort für das Römermuseum der Stadt. Die Römerhalle, Ende des 19. Jahrhunderts noch eine Scheune auf dem damaligem Anwesen der Industriellenfamilie Puricelli, die im benachbartem Schloss wohnten – heute das Schloßparkmuseum (siehe Museum. de-Magazin, Ausgabe Nr. 25, Juni 2016), gibt in einer rund 1.000 m2 großen Ausstellung einen Überblick über die römi-

sche Epoche in der Umgebung. Dieses Museum ist die Perle von Bad Kreuznach, denn es hütet einen kulturellen Schatz. Ursprünglich hatte das gigantische Villengebäude rund 7000 m2 Wohnfläche. Ein Modell an zentraler Stelle des Museums vermag nur ansatzweise einen Eindruck wiederzugeben von der Ausstrahlung, mit der die Villa einst die Umgebung dominierte. „Teilweise bestand sie aus drei Geschossen, über 100 Räumen und mit einem Innenhof als Zentrum. Dazu kamen kleinere Nebengebäude. Es ist – von der Größe, Architektur und Ausstattung her – keine villa rusticae (landwirtschaftlicher Gutsbetrieb) mehr, sondern eine, die zum Typus der villa suburbana (Vorstadtvilla) gerechnet werden muss. Aber eigentlich kann man von einer Palastvilla sprechen“, berichtet Kurator und Museumsleiter Marco van Bel. Die Funde bezeugen ein luxuriöses Leben der gut situierten Schicht auch fernab von Rom. Totenkult und Jenseitsvorstellungen der romanisierten bzw. römischen Bevölkerung sind anhand verschiedener Exponate – aus der benachbarten römischen Verteidigungsanlage (Kastell) und der Siedlung (vicus), dem


heutigen Bad Kreuznach – dokumentiert. Dazu gehören neben Sarkophagen und Aschenkisten u.a. Viergöttersteine und verschiedene Weihealtäre. Hauptattraktionen sind die beiden aus der Mitte des 3. Jahrhunderts stammenden Mosaikböden. Römische Unterhaltung – spektakulär und blutrünstig Am Gladiatorenmosaik führt kein Weg vorbei; automatisch geht der Besucher darauf zu, kaum dass er die Ausstellung betreten hat. Von der Brüstung aus erschließt sich ihm, etwas tiefer gelegen, auf 7,4 x 6,72 Metern (plus einer nischenförmigen Fortsetzung nach Osten hin) die ganze Schönheit römischer Mosaikkunst. Bei Bauarbeiten wurde es 1893 zufällig entdeckt und später durch die Stadt erworben. Der Zweite Weltkrieg sowie ein Brand und Überschwemmung in den 1950er Jahren führten zu teilwei-

se recht umfangreichen Beschädigungen des in situ (am Ort, im ursprünglichem Kontext) befindlichen Mosaiks. Das Bad Kreuznacher Künstlerehepaar Eichenauer-Best restaurierte das Mosaik. Es folgte Anfang der 1960er Jahre die Hebung und Sicherstellung sowie weitere Restaurierungsmaßnahmen durch das Landesmuseum Trier. Nach einer knapp 20 Jahre dauernden Präsentation im ehemaligen Karl-Geib-Museum im Herzen der Stadt Bad Kreuznach kehrte das Kunstwerk zum ursprünglichen Fundort zurück, wo es seit 1983 prominentester Teil der Ausstellung in der Römerhalle ist. Museumsleiter Marco van Bel weist auf die Besonderheit hin, das unter (Kunst) Historiker und Archäologen weltbekannt ist. „Das Gladiatorenmosaik ist etwas Außergewöhnliches und international wegen seiner Darstellung und Qualität renommiert. So wird es in Ausstellungen oder in Dokumentationen gerne (als Reproduktion) gezeigt. Zum Beispiel in den Sonderausstellungen des Gallo-Romeins Museum in Tongeren (Belgien), der Expona (Finnland) oder im Film ‚Carnuntum – Versunkene Stadt der Gladiatoren‘, eine Produktion für ORF, Smithsonian, France 5 und SBS.“

Unten: Spätantike Miniatur, Glasobjekt in Form einer Einhenkelkanne, 3.-4. Jh. n. Chr., Fundort Bad Kreuznach, Gräberfeld. (Zum Größenvergleich im Hintergrund eine Einhenkelkanne, 4. Jh., n. Chr. Fundort Bingerbrück, Gräberfeld.)

Das Gladiatorenmosaik zeigt vor allem Szenen von Kämpfen, die zur Belustigung des Volkes speziell hierfür ausgebildete Männer gegeneinander oder gegen Raubtiere aus der ganzen römischen Hemisphäre ausgetragen haben. Die venatio, die Tierhatz, bildet den Mittelpunkt und demonstriert den Sieg des Menschen über die Tiere. Bestiarii mit leichter Bewaffnung und ohne Körperschutz hatten zum Beispiel die Aufgabe, wilde exotische Tiere wie Leoparden und Bären möglichst kunstgerecht zu töten. Im Wechsel mit vier einzelnen Tierhatzbildern zeigen andere Momentaufnahmen den Kampf Mensch gegen Mensch. Die Bewaffnung im Gladiatorenkampf war genau vorgeschrieben und so gewählt, dass sich Nach- und Vorteile die Waage hielten. Das garantierte möglichst ausgeglichene Kämpfe. Der wendige retiarius etwa musste sich mit Dreizack, Netz und einem langen Dolch dem schwer gepanzerten, dafür aber trägen secutor erwehren. Alles diente letztendlich der Unterhaltung des Volkes, das sich an den Kämpfen um Leben und Tod berauschte. Panem et circenses, also Brot und Spiele sollten Unzufriedenheit im Volk und Aufständen vorbeugen. Die politische Oberkaste organisierte solche Spiele. Was für Rom galt, traf auch auf die Provinzen zu. Nur konnten die dortigen Amphitheater nicht mit einer gigantischen Arena wie das Kolosseum in Rom mithalten. Aber auch in Trier und Mainz veranstaltete man Spiele. Vermutlich besuchten die Bewohner der Villa aus Bad Kreuznach die Veranstaltungen, beziehungsweise holten sie durch das Mosaik zu sich nach Hause. An den Wänden des Raums mit dem Gladiatorenmosaik standen einst die Liegen des Tricliniums, der hölzernen Speisesofas, auf dem bis zu drei Personen Platz fanden. Halb liegend stützten sie sich mit dem linken Arm ab, mit der rechten Hand griffen sie nach Speise und Trank. Besteck wurde wenig verwendet, entweder aß man mit der Hand oder mit einem Löffel, der am anderen Ende eine Spitze hatte, um Speisen aufspießen zu können. Dieser repräsentativster und wichtigster öffentlicher Raum der Villa konnte bei gutem Wetter in Richtung des Hofgartens geöffnet werden, was den Blick ins Freie erlaubte. Aber auch in der eher nassen und kalten römischen Provinz war der Raum dank seiner Fußbodenheizung durchgängig nutzbar.

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Oceanusmosaik, Mitte 3. Jh., (um 234) n. Chr., Fundort Bad Kreuznach, Palastvilla. Einsätze (oben): Details Oceanusmosaik und Gladiatorenmosaik. Einsatz (unten): Gladiatorenmosaik, Mitte 3. Jh. n. Chr., Fundort Bad Kreuznach, Palastvilla Oceanusmosaik: GDKE RLP, Mainz

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Chr. datiert werden. Es schmückte den Boden im wohl wichtigsten und repräsentativsten Raum der früheren Villa. An die rechteckige Grundfläche von 8,2 x 7,4 Meter schließt sich an einer Seite noch eine absidiale Erweiterung von 3,8 Meter Tiefe an, auf der ein Sigma-förmiges (halbrundes) Triklinium stand. Griechisch-römischer Meeresgott Oceanus mit Korallenäste oder einem Hirschgeweih, vermutlich Attribut des keltischen Gottes Cernunnos, Detail des Kreuznacher Fußbodenmosaiks.

des Raums nahm das Thema Wasser auf, indem aus einer Druckleitung Fontänen spritzten. Große Fenster ließen ausreichend Licht in den Raum, doch aus dem Fehlen einer Fußbodenheizung schließt man, dass der Raum überwiegend in den warmen Monaten als Empfangs- bzw. Audienzsaal genutzt wurde.

Seinen Namen erhielt das Mosaik von der Darstellung des römischen Gottes Oceanus, dem Vater aller Gewässer, in der Apsis. Dessen Herrschaftsbereich ist durch verschiedene Meerestiere symbolisiert sowie durch eine mediterrane Küs-

Speisen auf mediterranem Boden Wenige Schritte weiter wird in der Römerhalle das Oceanusmosaik, das zweite Schmuckstück der Ausstellung, sichtbar, 1966 entdeckt und mit weitaus friedlicheren Bildern. Seine Entstehung kann aufgrund von Fragmenten einer Inschrift auf 234 n.

Foto Mitte: Griechisch-römische Gottheit des Oceanus (Meeresgott) darstellend, auf einem Handgriff. Fundort Bad Kreuznach, Palastvilla

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tenlandschaft mit entsprechender Häuserarchitektur und typischen Szenen. Und doch gibt das Bild den Wissenschaftlern Rätsel auf, denn bestimmte Details wollen nicht so recht zu Oceanus passen. Wieso wachsen auf seiner Stirn zwei Geweihe? Oder handelt es sich um Krebsscheren beziehungsweise Korallenäste? Warum windet sich eine Schlange um seinen Hals? Möglicherweise hat der Künstler den römischen Oceanus und den keltischen Fruchtbarkeitsgott Cernunnos in einem Bild vereint. Die Attribute lassen diesen Schluss zu, aber auch die Tatsache, dass die einheimische Gottheit mit monetärer Fruchtbarkeit, also finanziellen Wohlstand, assoziiert wurde. Ein sechseckiger Brunnen in der Mitte

„Zugleich bietet auch dieses Mosaik mit der eindeutigen Referenz zum Süden und das martialische Gladiatorenmosaik Raum für Spekulationen über die Person des Hauseigentümers sowie die Deutung der beiden Mosaike, ihrer inhaltlichen Funktion sowie des dekorativen-ikonographischen Gesamtprogramms der Kreuznacher Palastvilla“, begeistert sich Marco van Bel. Ging es nur darum, die mediterrane Welt des Wassers und das Leben im Zentrum des römischen Reiches darzustellen? Gezeigt wird die Vielfalt des damaligen Speiseplans mit zahlreichen Speisefischen von Aal über Thunfisch und Makrelen bis hin zu Tintenfischen, Krebsen und Hummern. Die Abbildungen von Booten und einer Händlerszene, in der gerade Austern den Besitzer wechseln, passen ebenfalls ins Bild. Aber genauso gut könnte alles darauf hinweisen, dass der Besitzer auf irgendeine Art und Weise wirtschaftlich vom Meer abhängig war. Beide Mosaike stammen aus einer Trierer Werkstatt, aber nur das Oceanus-Mosaik


lässt sich durch die Signatur Victorinus einer konkreten Person zuordnen. Es zeigt die besondere Stellung des Mosaizisten und dessen Bedeutung. Beim Gladiatorenmosaik hingegen vermutet man die Handschrift von fünf verschiedenen Künstlern zu erkennen. Die langwierige Detailarbeit wird etwa acht bis neun Monate in Anspruch genommen haben, dann waren die rund zwei Millionen Steinchen verlegt.

basierend auf den Funden vor Ort – die trotz des feuchten Klimas im nassen Boden noch erhalten blieben –, anderseits auf Erkenntnissen aus anderen Gebäuden. Über 3700 Fragmente von Wand- und Deckenmalereien legten die Archäologen frei. Zum einen lassen sie die Farbvielfalt der Zimmer erahnen, zum anderen aufgrund ihrer Qualität den wirtschaftlichen Wohlstand der Eigentümer. Die Künstler bedienten sich dabei auch aus Vorlagen in Musterbüchern. Museumsleiter Marco van Bel: „Die gefundenen Details passten zu Funden, die wir von anderen Orten wie Pompeji und Herculaneum her kannten. Solche Rekonstruktionen

Das Material stammt überwiegend aus der Region, zum Beispiel Kalke, Vulkanite und Taunusquarzit. Belegt sind auch mehrere Arten von importiertem Marmor. Ebenso kam Keramik und Glas zum Einsatz.

machen den Museumsbesuchern einigermaßen den Luxus auf dem Lande deutlich.“

Prachtvoll gestaltete Wände

Wohlig-warm – purer Luxus im kalten Germanien

An der Wand hinter dem Oceanusmosaik fällt der Blick auf die verschiedenen Bemalungen und auf die Ornamentik, mit denen der Besitzer der Villa seine Räume verschönert hatte. Eine wissenschaftlich verantwortete Interpretation, einerseits

Grabbeigabe in Form eines Hirsches, vermutlich den keltischen Cernunnos, Gott der Natur, Tiere oder Fruchtbarkeit, darstellend. Fundort Bad Kreuznach, Gräberfeld.

Rom ist bekannt für ein luxuriöses Leben der reichen Mittel- und der Oberschicht. Während die Germanen noch in Lehmhütten hausten, wohnten viele Römer in Steinbauten, deren Architektur sie immer mehr verfeinerten. Die Häuser und Villen der Oberschicht hatten, wie in Bad Kreuznach, bereits viele Annehmlichkeiten wie fließendes Wasser, Toilette oder einer Speisekammer. Die Fenster waren verglast, die Türen schlossen gut, so dass die Wärme im Raum blieb. Eine Fußbodenheizung trug das ihrige dazu bei. Doch wie hat sie damals funktioniert? Die Antwort ergibt sich einen Gang tiefer im Untergeschoss des Museums: Unter dem Mosaik war ein Hohlraum, etwa einen halben Meter hoch, gestützt durch kleine Säulen,

von denen hier früher 132 Stück standen. Das ist die Grundkonstruktion für die Hypokaustheizung: Aus dem angrenzenden Heizraum konnte die heiße Luft herein strömen und so den Boden des Mosaiks von unten her erwärmen. Welch ausgetüfteltes System für ein Land, in denen es oft zugig kalt war. Dem Untergang geweiht Der Untergang der Villa lässt sich heute sehr gut zeitlich einordnen. Die jüngsten Funde stammen alle aus der Zeit etwa um 270 – 275 nach Christi. Es war eine Zeit der innenpolitischen Wirren. Es gab Kaiser und Gegenkaiser, gallische Kaiser und

Soldatenkaiser. Und dies alles in einem wechselhaften Hin und Her, ohne dass ein Herrscher auf Dauer seine Macht festigen konnte. „Aber die archäologischen Befunde zeigen etwas ebenfalls Außergewöhnliches: Die Palastvilla von Bad Kreuznach wurde anscheinend erst ordnungsgemäß geräumt – es fand vermutlich ein geordneter ‚Rückzug‘ statt, was wiederum die Bedeutung dieses Gebäudes unterstreicht und Rätsel um ihre Eigentümer und Funktion aufgibt. Die aufgegebene Palastvilla fiel später der Zerstörung anheim. Leider sind bei Ausgrabungen nur wenige Kunst- und Gebrauchsgegenstände ans Tageslicht gekommen“, bedauert Van Bel.

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Hintergrund: Bacchantin, eine Frau aus dem Gefolge des Weingottes Bacchus. Darstellung auf einem Sarkophag aus nachantiker, Fränkischer Zeit. Dieser Sarkophag entstand aus einem Eckstein eines römischen Grabmals. Einsatz: Viergötterstein mit Darstellung der Viktoria, der geflügelten Siegesgöttin. Fundorte jeweils Bad Kreuznach

So gibt es kaum Hinweise auf Alltagsgegenstände wie Möbel, einige von den Archäologen sichergestellte Gebrauchsartikel erlauben aber doch einen Blick zurück. Dazu zählen Gewandspangen, einzelne Schmuckstücke, Pinzetten, Gestelle eines Miniaturtisches oder Schreibgriffel für Notizen und Korrespondenz. Die lukullische Genüsse für die Bewohner zeigen sich zum Beispiel anhand tierischer Knochen, gefunden bei den Ausgrabungen. Allerdings erlebte die Villa zu Beginn des 4. Jahrhunderts noch einmal eine Blütezeit; erneut lassen sich Siedlungsspuren nachweisen. Nur waren jetzt die politischen Rahmenbedingungen anders. Der Schutz wurde verstärkt zum Beispiel durch eine massive Mauer, Türme und andere Verteidigungsanlagen. Über den Besitzer der neu errichteten Wohnfestung (burgus) ist, wie die bei der ursprünglichen Villa, nichts bekannt, vermutlich gehörte er aber der Oberschicht an. Der damals noch zum Teil erhaltene Villenbau wurde verändert, Spolien von Gebäuden oder Grabanlagen aus der Umgebung wurden eingebaut. Das Römische Reich

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bäumte sich noch einmal gegen den Lauf der Geschichte auf; Kaiser Konstantin führte es zu einer neuen Blüte, Stadt und Land erlebten einen Wiederaufbau, Handel und Wirtschaft gesundeten für einige Jahrzehnte, die Bautätigkeit auch in den Provinzen erfuhr eine Renaissance mit neuen Festungs- und Repräsentativbauten. Am Ende der Ära wurde der befestigte ehemalige Villenbereich wiederum aufgegeben und verfiel, diesmal vermutlich ohne Kriegseinwirkung. Im Laufe der Zeit wurde er durch Erde bedeckt und überdauerte damit die Jahrhunderte bis zur seiner Wiederentdeckung. Der Hauseigentümer – ein großes Rätsel Es wurde schon darauf hingewiesen: Die Identität des ersten Villenbesitzers ist ungeklärt. Viele Theorien gehen davon aus, dass es sich um ein wohlhabendes Mitglied der Gesellschaft gehandelt haben dürfte. Vielleicht ein Großgrundbesitzer? Oder ein erfolgreicher Händler? Wenn ja, handelte es sich dann nur um einen großzügig angelegten Landsitz? Denn der

Standort der Villa ist fernab von Handelsrouten. Wer Handel treiben wollte, der musste eher in Mainz ansässig sein. Museumsleiter Marco van Bel kann sich eine andere Erklärung vorstellen. Die Bezeichnung Palastvilla kommt nicht von ungefähr, sagt er. „Sicher ist schon mal, dass es sich um eine der größten, bisher nördlich der Alpen gefundenen Villen handelt. Die Ausstattung war luxuriös und repräsentativ. Andere Villen, die Händlern zugeschrieben werden, hatten bei weitem nicht diese Ausmaße und die reichliche Ausstattung.“ Er vermutet eher einen Zusammenhang mit dem römischen Staat als Institution, eventuell mit


einem militärischen Hintergrund, denn im nahegelegenen Mainz unterhielten die Römer einen Flottenstützpunkt. Da können sich durchaus Verbindungen nach Bad Kreuznach ergeben haben. Zerstört, ausgegraben, zugeschüttet – wieder aufgebaut? Die wahren Ausmaße der Villa lassen sich heute nur noch erahnen. Zwar wurde zwischen 1975 und 1980 ein Teil des noch nicht mit Wohnhäusern überbauten Villengeländes durch Archäologen ausgegraben und wissenschaftlich erforscht. Doch eine Konservierung der Fundamente war nicht möglich, so dass man sich, wie

oft in der Archäologie praktiziert, dazu entschloss, die Grabung wieder zuzuschütten und so vor den schädlichen Einflüssen der Umwelt zu schützen. Aufgesetztes Mauerwerk markiert seitdem den Verlauf der Wände und gibt ansatzweise wieder, wie die Villa einst aufgebaut war. Für den Museumsleiter ist es leicht, sich auf Grund dieser Nachbildungen das einstige Aussehen geistig vorzustellen. „Aber viele können das nicht“, sagt er. Wie sich das Rad zurückdrehen lässt, um das Leben der Menschen vor 2000 Jahren darzustellen, zeigt der Archäologische Park Xanten. Der Landschaftsverband Rheinland hat hier an einigen Stellen un-

ter anderem Mauerfundamente hoch gezogen, so dass die Zahl der Geschosse wieder erkennbar wurde. „So ein Bezug fehlt noch hier“, blickt Marco van Bel auf das Außengelände der Römerhalle. „Es ist noch alles etwas kahl und aufgeräumt. Das möchte ich mittelfristig ändern und den museumspädagogischen Aspekt stärken. Archäologie ist spannend, viele verbinden es ein wenig mit Schatzsuche.“ Erst ein Aufmauern der Fundamente, und sei es nur in bestimmten Ecken und Teilen, hebt plastisch hervor, wie sich das Leben in der Villa vor rund 1800 Jahren abgespielt haben könnte. Es macht die Vergangenheit sozusagen wieder lebendig.

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Die Soldatengrabsteine von Bingerbrück Neben den beiden Mosaikböden gehören die Grabsteine von Soldaten aus dem Gräberfeld von Bingerbrück am Rhein zu den bedeutendsten Funden in der Römerhalle. Die fast lebensgroßen Figuren im Halbrelief stellen wirklichkeitsnah Auxiliarsoldaten (Hilfstruppensoldaten) dar, die als Verstärkung der Legionen bzw. als leicht bewaffnete Spezialeinheiten dienten. Haartracht, Kleidung und Bewaffnung sind detailliert wiedergegeben, „in der Antike hatten Skulpturen noch eine verdeutlichende Farbfassung“, sagt Museumsleiter Marco van Bel. Die Inschriften nennen die Namen der Soldaten, Einheit, Dienstjahre und Alter sowie ihre Herkunft. Offenbar stammten sie überwiegend aus den östlichen Gebieten des Römischen Reiches, aus Dalmatien, Pannonien, Sidon und von der Insel Kreta. Eine besondere Rolle nimmt der Grabstein des Tiberius Julius Abdes Pantera ein. Der Inschrift nach wurde dieser um 22 v. Chr. in Sidon geboren und starb in der Nähe von Bingerbrück um 40 n. Chr. Berühmtheit erlangte der Grabstein, 1859 gefunden, durch einen Bezug zur Bibel, den der US-Religionswissenschaftler James Tabor herstellte. Tabor vertritt die These, bei Pantera könnte es sich um den Vater von Jesus Christus gehandelt haben. Dafür spreche die Herkunft aus Sidon, nur wenige Kilometer von der Stadt Nazareth in Galiläa entfernt. Als zeitgenössische Quelle dient der griechische Kritiker des Christentums, Celsus. Dieser soll 178 n. Chr. behauptet haben, Jesus sei nicht Sohn des Josef, sondern eines Soldaten namens Pantera gewesen. Selbst das ZDF hat in seiner Reihe „Terra X“ über die Legende berichtet, kommt aber zu dem Schluss: „Dass Panthera, der 40 Jahre in der römi-

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Hintergrund: Detail Grabmal des Annaius, Mitte 1.Jh. n. Chr., Fundort Bingerbrück

schen Armee diente, tatsächlich der Vater von Jesus ist, halten die meisten Forscher für antichristliche Polemik.“ Nichts desto trotz mindert dies nicht den historischen Wert des Grabsteins, die Erzählung ist so verbreitet, dass auch gerne Besucher aus den USA gerade wegen dieser Geschichte in die Römerhalle kommen.

Museen im Rittergut Bangert Museum Römerhalle Hüffelsheimer Straße 11 55545 Bad Kreuznach Tel. 0671 92077 7 Fax 0671 92077 92 E-Mail: museumsinfo@bad-kreuznach.de


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Dornier Museum Friedrichshafen Das faszinierende Luft- und Raumfahrtmuseum am Bodensee. Autor: Philipp Lindner 50


Der Traum vom Fliegen wird wahr - auf einer Reise durch 100 Jahre Geschichte der Luft- und Raumfahrt! Riesige Flugboote, nostalgische Passagiermaschinen und spannende Exponate aus der Raumfahrt lassen den Besuch im Dornier Museum Friedrichshafen am Bodensee zu einem einmaligen Erlebnis werden. In direkter Nähe zum Flughafen beherbergt das Museum auf 5.000 qm rund 400 Ausstellungsstücke. Neben zahlreichen Originalflugzeugen sind die beiden Nachbauten Dornier Wal und Dornier Merkur Höhepunkte der Ausstellung und lassen den Pioniergeist des vergangenen

Jahrhunderts lebendig werden. Auf einer geführten Tour durch das Museum machen amüsante Anekdoten und interessante Fakten die Entwicklung der Fliegerei und die Pionierleistungen des Ingenieurs Claude Dornier erlebbar. Unzählige Weltrekorde, Patente und technische Höchstleistungen dokumentieren die eindrucksvolle Geschichte des Unternehmens Dornier. Politische, wirtschaftliche und soziale Rahmenbedingungen zeigen, was Menschen in den jeweiligen Epochen bewegt und motiviert hat. Einen einzigartigen Blick auf den gegenüberliegenden Zeppelinhangar bietet die

große Terrasse des DO-X Restaurants: Hier kann nach Herzenslust das starten und landen der Zeppeline und der Linienverkehr des Flughafen Friedrichshafen beobachtet werden. Wer sein Flugtalent unter Beweis stellen möchte, kann dies in einem Do 27 Flugsimulator. Hier wird der Traum vom Fliegen beim virtuellen Rundflug über dem Bodensee wahr. Technikbegeisterte, Geschichtsinteressierte, Familien und Freunde der Luftfahrt sind herzlich willkommen im Dornier Museum Friedrichshafen! Foto: © Dornier Museum Friedrichshafen

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DO.labor – Die neue Experimentier-Werkstatt für Kreative, Innovative und Querdenker

In der wiederaufgebaute historische Baracke Seemoos von Prof. Claude Dornier kehrt Leben ein: Am 1. März 2016 eröffnete das DO.labor neben dem Dornier Museum Friedrichshafen als Experimentier-Werkstatt für Kreative, Innovative und Querdenker. Nach dem aufwändigen Ab- und Wieder-

aufbau des historischen Gebäudes erforschen hier von nun an junge Menschen in verschiedenen Angeboten, Workshops und Ferienaktionen die spannende Welt der Technik. „Für uns kommt hier ein großes Stück Arbeit zum Ziel“, freute sich Berthold Porath, Direktor des Dornier Museums: „Hier kommt zusammen, was

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zusammengehört. Wir haben endlich die Räume für unsere Museumspädagogik, auf die wir so lange gehofft hatten. Und dies alles in der historischen Keimzelle des Flugzeugbaus am Bodensee: Der Spirit of Dornier weht Tag für Tag in diesen Räumen.“ Im Eingangsbereich wurde das Büro von Claude Dornier nachgestaltet - mit dem originalen Holzfußboden und historischem Mobiliar aus der Zeit, als hier geniale Ideen erstmals Flügel bekamen. Der Kontrast gleich nebenan: Ein modernes Büro für die Museumspädagogik des Dornier Museums. Den Großteil der ehemaligen Baracke Seemoos nimmt das DO.labor als Lehr- und Veranstaltungsraum ein. Bis zu 80 Personen finden hier Platz. Werkbänke aus dem Bestand der Liebherr Aerospace locken zum Tüfteln und Bauen. Dazu flexibles Mobiliar für Kurse, Fortbildungen und Veranstaltungen jeder Art. Die technische Ausstattung ist auf dem modernsten Stand, vom Computer-Netzwerk über Beamer und Leinwand bis zu dimmbarer

LED-Beleuchtung. 15 Notebooks stehen zur Verfügung. Ein 3D-Drucker bringt Ertüfteltes sofort in greifbare Form. Das DO.labor bietet sich auch für Tagungen, Firmenfeiern und Präsentationen an. Das


Programm und weitere Informationen gibt es immer aktuell im Internet unter www.dorniermuseum.de. Rückblick Die Baracke Seemoos war die Keimzelle für die Ideen und Entwicklungen Claude Dorniers, dem Gründer der späteren Dornier Werke. Am Seemooser Horn begann der Flugzeugpionier mit der Konstruktion und dem Bau seiner ersten Wasserflugzeuge. Im Jahr 2011 wurde der Abriss der Baracke Seemoos beschlossen. Damit wäre ein kulturhistorisch bedeutendes Denkmal in Friedrichshafen für immer verloren gegangen. Mit vereinten Kräften und Dank der Unterstützer zahlreicher Förderer und Gönner konnte das 100 Jahre alte Gebäude erhalten und neben dem Dornier Museum am Flughafen wiederaufgebaut werden. Als DO.labor und Experimentierwerkstatt für Kreative, Innovative und Querdenker wurde das Gebäude am 1. März 2016 feierlich eröffnet. Neues museumspädagogisches Konzept Im Zuge der Eröffnung des neuen DO.labors wurde das pädagogische Konzept des Dornier Museums komplett neu entwickelt – unter Mitarbeit eines erfahrenen Spiele-Erfinders. Wer ins Programm schaut, erlebt die Welt der Luft- und Raumfahrt auf erfrischend neue Weise durch die neugierigen Augen der Kinder und Jugendlichen. Worte wie „Pioniergeist“ und „High Tech“ klingen für Erwachsene gut. Doch um den Forschergeist in Kindern zu wecken, muss die Sprache weg vom hohen Diktus der technischen Welt: Ein Kind sieht keinen Satelliten, fragt sich aber, warum ein Handy manchmal geht und manchmal nicht. Statt technischer Details und historischer Großtaten interessieren ein Kind ganz andere Dinge aus seiner eigenen Vorstellungswelt: Was mache ein Astronaut, wenn er aufs Klo muss? Sind Marsmännchen grün? Warum hört mich im Weltall keiner rufen? Und warum braucht ein Schwan keinen Propeller zum Fliegen, ein Flugzeug aber schon? Für Jugendliche, Azubis und Studierende wird’s dann schon technischer und die Sprache cooler: Welche Technik steckt dahinter, wenn mein Smartphone mir anzeigt, dass in China ein Sack Reis umgefallen ist? Warum hebt ein Flugzeug bei 100 km/h ab, aber ein Rennwagen klebt bei 300 km/h am Boden?

Fotos: © Dornier Museum Friedrichshafen

Forschergeist und Brause-Raketen Das Aha- und Oho-Erlebnis steht im Mittelpunkt. Neugierde steckt in jedem Kind: An dieser verrückten, ungebremsten Vorstellungskraft will das DO.labor anklopfen. Denn Forschergeist kann man nicht einfach wecken – man muss ihn regelrecht in sich selbst entdecken: Viele Kinder und Jugendliche wissen von sich aus nicht, was in ihnen steckt, bis man sie spielerisch heranführt. Dann staunen sie über sich selber. Ob sie dann Raketenbauer, Affenforscher oder Lebensmittelprofi werden, entscheidet sich später. Am Beginn steht der Spaß am Experimentieren. Im DO.labor werden nicht nur Papierflie-

ger gebaut, sondern ausprobiert, wie sich ein hohles Ei vorne oder hinten auf das Verhalten des Fliegers auswirkt. Hier werden mit Brausepulver Raketen gestartet und experimentiert, ob eine Brauserakete mit zwei Triebwerkstufen möglich ist. In allen Schulferien gibt es Programme an sämtlichen Wochentagen – für Einheimische wie für Feriengäste. Außerdem beteiligt sich das Dornier Museum auch in diesem Jahr wieder an zahlreichen Veranstaltungen wie etwa dem Girls´ Day, dem Tag der Technik oder dem Internationalen Museumstag. Bereits zum 5. Mal wurde im Februar der Regionalwettbewerb Südwürttemberg für „Jugend forscht“ ausgetragen.

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Raumschiff Enterprise landet am Bodensee 50 Jahre Star TrekTM: Exklusive Ausstellung im Dornier Museum Friedrichshafen

Einmal auf der Kommandobrücke der Enterprise Platz nehmen? Bitte sehr: Captain Kirk und seine Crew landen ab 28. Oktober im Dornier Museum Friedrichshafen – zu einer in Deutschland einzigartigen Ausstellung. „Star Trek – Science & Fiction“ zeigt einzigartige Exponate aus 50 Jahren des kultigsten Universums aller Zeiten. Vor 50 Jahren lief die erste Folge von Star Trek im US-Fernsehen und das Jubiläumsjahr wird ein Fest für alle Fans der Kultserie. Da kommt die Ausstellung in Friedrichshafen gerade recht: Als einziges Museum in Deutschland zeigt das Dornier Museum für Luft- und Raumfahrttechnik eine exklusiv zusammengestellte Ausstellung zum Thema „50 Jahre Raumschiff Enterprise“ – mit beeindruckenden Großexponaten und Original-Requisiten der

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Serien und Filme. Der Bogen spannt sich von Star Trek: The Original Series (19661969) über Star Trek: The Next Generation und Star Trek: Deep Space Nine bis zu den Kinofilmen. Skandal: Kirk küsst Uhura Man betritt den Ausstellungsraum durch ein „Schwarzes Loch“, erfährt darin Wissenswertes über Geschichte, Figuren

und die humanitäre Botschaft des „Star Trek“-Schöpfers und Autors Gene Roddenberry. In der Halle gibt es original Requisiten, Raumanzüge und Uniformen aus den Star Trek-Filmen zu bestaunen. Das nachgebaute Holodeck der Enterprise bildet den Rahmen mit Informationen und Filmausschnitten, darunter dem ersten Filmkuss der Geschichte zwischen dem weißen Captain Kirk (William Shattner) und der farbigen Uhura (Nichelle Ni-


chols), anno 1968 in den USA. Die Sensation der Ausstellung ist die nachgebaute Kommandobrücke der U.S.S. Enterprise, komplett mit Captain’s Chair und Bedienpult. Vieles ist heute Realität Über allem schweben riesengroße 1:10-

Repliken der Raumstation ISS und des Space Shuttle „Enterprise“ aus dem Jahr 1976: Das Dornier Museum schlägt die Brücke von der Fiktion über die Vision zum technischen Fortschritt in der Raumfahrt. Das passt in die Firmengeschichte von Claude Dornier bis zu dem Nachfolgeunternehmen Airbus: „Eine visionäre Idee entsteht immer zuerst fertig im

Kopf“, sagt Museumsdirektor Berthold Porath. „Vieles, was in der ersten Star Trek-Staffel Vision war, ist heute Realität: Vom „Communicator“, nach dem Motorola seine Klapphandys baute, bis zum „Replicator“ auf der Enterprise-Brücke, den wir heute im 3D-Drucker finden.“ Darum hatte er gemeinsam mit Ingo Weidig, Archivar und Kurator des Dornier

Fotos: TM & © 2016 CBS Studios Inc. STAR TREK and related marks are trademarks of CBS Studios Inc. All Rights Reserved

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Foto: TM & © 2016 CBS Studios Inc. STAR TREK and related marks are trademarks of CBS Studios Inc. All Rights Reserved

Museum, auch so für diese Ausstellung gekämpft, hat Exponate und Genehmigungen von den Lizenzgebern organisiert, von den europäischen Rechte-Inhabern in Wien bis CBS Consumer Products in den USA.

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Dornier Museum Friedrichshafen Claude-Dornier-Platz 1 (am Flughafen) 88046 Friedrichshafen Telefon: +49 7541 487 36 00 info@dorniermuseum.de www.dorniermuseum.de


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Deutsches Historisches Museum Kamerun und Kongo. Eine Spurensuche und Phantom Geographie von Andréas Lang 16. September 2016 bis 26. Februar 2017 Deutscher Kolonialismus. Fragmente seiner Geschichte und Gegenwart 14. Oktober 2016 bis 14. Mai 2017. Autor: Dr. Arnulf Scriba

Das Deutsche Reich war im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert eine der großen europäischen Kolonialmächte. Bedingt durch die Aberkennung der Kolonien als Folge des Friedensvertrags von Versailles 1919 und der fehlenden Dekolonisierung sowie aufgrund der Dominanz der NS-Geschichte und des Holocaust nahm die Kolonialgeschichte in der deutschen Erinnerungskultur allerdings lange Zeit nur einen untergeordneten Platz ein.

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Allgemein galt der Einfluss des Kolonialismus auf die Entwicklung der deutschen Geschichte als gering, da im Gegensatz zu anderen Kolonialimperien wie Großbritannien oder Frankreich das deutsche Kolonialreich mit kaum mehr als dreißig Jahren von vergleichsweise kurzer Dauer war. Erst in den letzten Jahren sind ein gestiegenes öffentliches Bewusstsein und eine zunehmende gesellschaftliche Auseinandersetzung mit der deutschen

Links: Aussicht, Kamerun 2012 Archival pigment print, 74 x 91 cm Rechte Seite Oben: Das Haus am Fluss, Kamerun 2012 Archival pigment print, 104 x 193 cm Unten: Namenloses Gebäude, Tschad 2012 Archival pigment print, 104 x 128 cm Fotos: © Andréas Lang


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Kolonialvergangenheit feststellbar. Das Deutsche Historische Museum widmet diesem gesellschaftlich relevanten Thema zwei Sonderausstellungen: „Kamerun und Kongo. Eine Spurensuche und Phantom Geographie von Andréas Lang“ vom 16. September 2016 bis 26. Februar 2017 sowie „Deutscher Kolonialismus. Fragmente seiner Geschichte und Gegenwart“ vom 14. Oktober 2016 bis 14. Mai 2017. Der Künstler Andréas Lang lebt und arbeitet in Berlin. Ein Dachbodenfund von historischen Aufnahmen und Schriften seines Urgroßvaters Reinhold Koblich veranlasste ihn 2012 und 2016 zu zwei Reisen nach Kamerun, in den Tschad und das angrenzende Kongogebiet. Entstanden sind Fotografien und Videoinstallationen, die das Deutsche Historische Museum erstmals in ihrer Gesamtheit zeigt – eine Phantom Geographie kolonialer Erinnerung. Neben Deutsch-Südwestafrika, DeutschOstafrika und Togo war seit 1884 auch Kamerun eine deutsche Kolonie, die 1911 territorial vergrößert wurde. Zur Beilegung einer Krise zwischen dem Deutschen Reich und Frankreich um Einfluss in Marokko hatten beide Staaten am 4. November 1911 in Berlin den Marokko-Kongo-Vertrag unterzeichnet. Deutschland erkannte darin die Vorherrschaft Frankreichs über Marokko an, im Gegenzug erweiterte das Deutsche Reich seine Kolonie Kamerun um französisches Kolonialgebiet, genannt „Neukamerun“ oder auch „Deutsch-Kongo“. Der Urgroßvater von Andréas Lang diente von 1909 bis 1914 bei der sogenannten Schutztruppe in Kamerun. Um die genauen Grenzen „Neukameruns“ zu erforschen und zu definieren, nahm Reinhold Koblich von Oktober 1912 bis Herbst 1913 an einer gemeinsamen deutsch-französische Grenzexpedition in dem weitgehend unerforschten Gebiet teil. Koblichs historische Aufzeichnungen gewähren einen Einblick in eine Zeit kolonialer Hybris und

Linke Seite: Oben: Arbeiter und Präsident, Kamerun 2012. Archival pigment print, 30 x 40 cm Unten: Residentur, Kamerun 2012 Archival pigment print, 104x128 cm Fotos: © Andréas Lang Rechte Seite: Hans Looschen: Kriegsgefangener Bahadur. Rai Barma, Gurkha, Öl auf Lw., 1916 (heute Tansania) © Deutsches Historisches Museum

bildeten für Lang den Ausgangspunkt für eine eindrückliche Spurensuche der kolonialen Hinterlassenschaft, die in Deutschland fast vergessen, vor Ort aber noch immer präsent ist. Langs Reisen brachten ihn zu versteckten Orten, verborgenen Ruinen und baulichen Relikten, deren Geschichte sich erst auf den zweiten Blick offenbart. Viele seiner Bildmotive konnte er nur durch intensive Recherche von historischem Material und durch Befragung der ortsansässigen Bevölkerung auffinden. Langs Fotografien zeigen eine Landschaft, die zwischen Realität und Fiktion, Sehnsucht und Scheitern oszilliert und in der die Gegenwart ebenso lebendig ist wie die Vergangenheit. Er setzt sich mit den verschiedenen Formen der Aneignung auseinander

und thematisiert stets auch den eigenen künstlerischen Blick. Andréas Lang betrachtet die verschiedenen Ebenen von Geschichte, Mythologie und Gegenwart, um ein narratives Bild entstehen zu lassen – eine Art Archäologie des Imaginierten, die sich überlagert oder auch kollidiert mit unmittelbaren sozialen, politischen und ökologischen Realitäten.

Deutscher Kolonialismus. Fragmente seiner Geschichte und Gegenwart Einen Einblick in die Interessen, den Verlauf und die Dynamiken der deutschen Kolonialgeschichte sowie in die vielfältigen ideologischen, ökonomischen, politischen und gesellschaftlichen Aspekte der

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Kolonialvergangenheit bietet ab dem 14. Oktober 2016 auf mehr als 1.000 Quadratmetern die Sonderausstellung „Deutscher Kolonialismus. Fragmente seiner Geschichte und Gegenwart“. Die europäischen Kolonialmächte standen sich in ihren weltpolitischen und wirtschaftlichen Machtstreben sowie imperialen Prestigedenken in Rivalität gegenüber. Und doch zogen sie in kolonialen Fragen oftmals an einem Strang, wie das Beispiel der Berliner Afrika-Konferenz von 1884/85 mit Konferenzteilnehmern aus 14 Nationen verdeutlicht. Die Schlussakte der Konferenz vom 26. Februar 1885 steht daher gleich zu Beginn der Ausstellung und verortet den deutschen Kolonialismus in einen europäischen Gesamtzusammenhang. Etwa zeitgleich zur Konferenz erwarben private deutsche Kolonial- und Handelsgesellschaften Territorien in Afrika, die später unter den „Schutz“ des Deutschen Kaiserreichs gestellt wurden. Diesen Erwerbungen folgten noch 1885 Besitzungen im Pazifik. Die Misswirtschaft der Kolonialgesellschaften führte seit Ende der 1880er-Jahre zur Übernahme der „Schutzgebiete“ durch das Deutsche Reich. Weitere deutsche Kolonien wie das Pachtgebiet Kiautschou an der chinesischen Küste und Gebiete in Ozeanien folgten Ende des 19. Jahrhunderts. Koloniale Herrschaft war strukturell gewalttätig und mit Machtdemonstration verbunden. So setzten die Militärs beispielsweise auch in Friedenszeiten das Maxim-Maschinengewehr gezielt zur Herrschaftsinszenierung ein, um die Kolonisierten von der Überlegenheit der Europäer zu überzeugen: Die Zerstörung ganzer Baumgruppen in kürzester Zeit sollten Respekt und Furcht schüren und nachhaltig Eindruck hinterlassen. Zugleich war die Kolonialmacht aber auch immer auf die Kooperation mit lokalen Herrschern und der indigenen Bevölkerung angewiesen. Diese verfolgten dabei vielschichtige Interessen und Ziele, die von Kooperation bis zu Widerstand reichten. Auf deutscher Seite waren an dem kolonialen Projekt heterogene Akteure wie Missionare, Beamte, Militärs, Siedler oder Kaufleute beteiligt, deren Handeln von einem rassistischen Denken geprägt war, das auf der Überzeugung von der Überlegenheit der Europäer basierte. Koloniale Aneignung war in ihren Augen eine kulturelle und gesellschaftliche Fortschritts- und Zivilisierungsmission, welche die Inbesitznahme

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Amani Abeid. Kinjeketile and the Power of H2O, Tansania, 2015 Tusche; Hartfaserplatte 76,5 x 41 cm Deutsches Historisches Museum, Berlin Der tansanische Künstler Amani Abeid reflektiert mit insgesamt fünf Tafeln in Anlehnung an das Genre des Superheldencomics aus einer Gegenwartsperspektive die Geschichte des Maji-Maji-Krieges, den die Bevöl-

kerung im Süden von Deutsch-Ostafrika (heute Tansania) von 1905 bis 1907 gegen die deutsche Kolonialherrschaft führte und einen zentralen Bezugspunkt in der Geschichte des neuen Nationalstaats bildete. In seiner Serie aktualisiert Abeid den nationalen Erinnerungsdiskurs, indem er Armut, Krankheiten, Korruption und Drogen als akute Bedrohungen benennt, gegen die wie seinerzeit im Krieg gemeinsam vorgegangen werden müsse.


Schützenscheibe mit Kolonialmotiv, Deutschland, um 1919 Holz, 58,5 cm Deutsches Historisches Museum, Berlin Der Schriftzug auf der Tafel »In Treue zu unseren Kolonien« erinnert an das auf Deutsch-Südwestafrika (heute Namibia) bezogene Kolonialistenmotto »In Treue fest, Südwest!«. Auch das Bildmotiv nimmt auf

die Kolonialgebiete in Afrika Bezug. Möglicherweise waren Mitglieder der Zehlendorfer Schützengilde von 1893 e.V., die mit dieser Schützenscheibe übten, als Kolonisten dort gewesen. Da die Scheibe wohl nach dem Versailler Vertrag von 1919 und dem Verlust der Kolonien angefertigt wurde, ist die Aufschrift als kolonialrevisionistischer Anspruch zu verstehen.

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Ansichten aus Deutsch-Südwest-Afrika mit Unterschrift von Hendrik Witbooi und seinem Sohn Postkarte um 1900 Deutsches Historisches Museum, Berlin

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Hendrik Witbooi kämpfte in der ehemaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika (heute Namibia) sowohl gegen als auch auf Seiten der Deutschen: In den Jahren 1884 bis 1894 widersetzte er sich dem deutschen Machtanspruch und verweigerte die Unterzeichnung eines „Schutzvertrags“, bis er 1894 militärisch dazu gezwungen wurde. In den folgenden zehn Jahren unterstützte er die Kolonialmacht, führte aber schließ-

lich 1904 die Nama in den Kolonialkrieg gegen die Deutschen, in dem er 1905 getötet wurde. Bereits zu Lebzeiten genoss Witbooi auch in Deutschland große Popularität. Sein Porträt fand sich auf zahlreichen Postkarten, seine Unterschrift wurde zum beliebten Sammelobjekt. Als eine Ikone des antikolonialen Widerstands wird Hendrik Witbooi heute in Namibia verehrt.

und die Durchsetzung der Machtverhältnisse nicht nur legitimierte, sondern dabei auch alltägliche und extreme Gewalt bis hin zum Genozid rechtfertigte – im Kontext eines erklärten „Rassenkriegs“ sogar als unumgänglich und notwendig erschienen ließ, wie es bei den Niederschlagungen des Herero-Nama-Kriegs in Deutsch-Südwestafrika und des Maji-Maji-Kriegs in Deutsch-Ostafrika der Fall war.

afrikanischen und ozeanischen Bevölkerung und Möglichkeiten der Interaktion. In exemplarischen Studien etwa zu den Forschungen Robert Kochs, zur Etablierung neuer Wirtschaftsformen im Baumwollanbau oder der Diskussion um Verbote sogenannter Mischehen sollen das Handlungsspektrum lokaler Akteure und deren bisweilen divergierenden Interessen in der Ausstellung beleuchtet werden.

Ziel einer jeden Kolonialmacht war es, neue Ordnungen aufzubauen und imaginäre wie auch gesetzliche Grenzen zwischen den Kolonisatoren und den Kolonisierten zu ziehen. Zum Ausbruch körperlicher bzw. militärischer Gewalt kam es meist dann, wenn Aushandlungsprozesse scheiterten und/oder die Kolonisatoren ihre Herrschaft durch Grenzüberschreitungen existenziell gefährdet sahen. Anhand verschiedener thematischer Fallbeispiele wie der segregierenden Stadtplanung von Tsingtau beleuchtet die Ausstellung Aushandlungsprozesse sowie Handlungsspielräume der chinesischen,

Zwischen den Kolonien und dem Deutschen Reich gab es dabei stets ein Verhältnis wechselseitiger Beeinflussung. Der von Stereotypen geprägte koloniale Blick produzierte in der Metropole eine spezifische materielle Kultur und schlug sich in einer exotisierenden Konsum- und Freizeitwelt nieder: „Völkerschauen“, Kolonialwaren und klischeehafte Produktwerbung, Reiseberichte und koloniale Abenteuerromane durchdrangen den Alltag der Bevölkerung und prägten in Deutschland ein koloniales Bewusstsein. Besonders eindrücklich zeigt sich dies an der langlebigen Figur des sogenannten


Unterspülter Bahndamm zwischen Keetmanshoop und Lüderitz Fotografie. Deutsch-Südwestafrika, (heue: Namibia) um 1910. Deutsches Historisches Museum, Berlin Der Bahndamm bei Feldschuhhorn zählt zu einem Streckenabschnitt, der von der deutschen Kolonialmacht zwischen 1906 und 1907 gebaut wurde, um die Stadt Keetmanshoop im Süden Deutsch-Südwestafrikas (heute Namibia) an den Hafen in Lüderitz anzubinden. Der sehr schnell vorangetriebene Bau dieses Streckenabschnitts steht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem genozidalen Krieg der Deut-

schen gegen die Nama: Die Bahn sollte eine direkte und schnelle Versorgung der deutschen Kolonialtruppen ermöglichen und langfristig die militärische Beherrschung des Südens der Kolonie absichern. Ein in postkolonialer Pose auf den unterspülten Gleisen sitzender Schutztruppensoldat verdeutlicht, dass der Bahndamm bereits wenige Jahre nach seiner Errichtung zerstört wurde.

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1919 bis in die 1940er-Jahre fort. Noch bis weit in die 1960er-Jahre und darüber hinaus war die Erinnerung an die koloniale Vergangenheit in der Bundesrepublik Deutschland weitgehend nostalgisch mit einem positiven öffentlichen Andenken an den deutschen Kolonialismus geprägt. Erst die 68er-Bewegung revidierte die für Afrika und Ozeanien als segensreich bewertete deutsche Kolonialzeit allmählich. In der DDR fand staatlicherseits schon früh eine politisch-ideologisch begründete Negativbewertung des deutschen Kolonialismus statt.

Sarotti-Mohren, dessen Vermarktung mithilfe der Bestände des Deutschen Historischen Museums nachvollzogen werden kann. Das koloniale Bewusstsein dauerte auch nach Aberkennung der Kolonien Links: Tropenhelm Oben: Reichsflagge an einem afrikanischen Speer, 1892 © Deutsches Historisches Museum

Um der aktuellen politischen wie auch der zivilgesellschaftlichen und historischen Relevanz der Kolonialgeschichte gerecht zu werden, gibt die Ausstellung auch dem Umgang mit der kolonialen Vergangenheit im wiedervereinigten Deutschland sowie in den Nachfolgestaaten der deutschen Kolonialgebiete breiten Raum. Hier wird nicht nur das Spektrum von Erinnerungspraktiken in den verschiedenen Nationalstaaten und im privaten deut-

schen Gedächtnis gezeigt, sondern auch auf strukturelle Folgen des Kolonialismus etwa im Bereich der Bildungsmigration eingegangen. Die zentrale räumliche Verortung der Gegenwartsdiskurse innerhalb der Ausstellung unterstreicht deren Anliegen, den deutschen Kolonialismus mitsamt seinen Folgen über die formale Kolonialzeit hinaus als einen historisch nicht abgeschlossenen Aufarbeitungsprozess unter Einbeziehung zahlreicher Akteure darzustellen. Dr. Arnulf Scriba Leiter des Fachbereichs Sonderausstellungen und Projekte im Deutschen Historischen Museum und Projektleiter der Ausstellung

Deutsches Historisches Museum Unter den Linden 2 10117 Berlin Tel. +49 30 203040 info@dhm.de www.dhm.de


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Museum Pachen in Rockenhausen Lebensstationen – Kunststationen Autoren: Sigrid Brandstetter, Clemens Jöckle †

Dass bildende Kunst nicht nur im großstädtischen Kontext seine Entfaltung erfährt, zeigt eindrucksvoll das Museum Pachen im rheinland-pfälzischen Rockenhausen. Fast scheint es so, als krähe dies der Hahn von Otto Dix seinen Betrachtern entgegen. Bedeutende private Kunstsammlungen werden gemeinhin Menschen mit komfortablen finanziellen Möglichkeiten zugeschrieben. Passionierte Sammler finden sich etwa in Kreisen des Kapitals, Industrieller, des gewachsenen Großbürgertums und des Adels. Anders verhält es sich mit der Sammlung Pachen, die in der beschaulichen Kleinstadt Rockenhausen im Nordpfälzer- Bergland ihre Heimstatt gefunden hat. Zusammen getragen wurden die Exponate im Zeitraum von mehr als fünf Jahrzehnten durch die Eheleute Hella und Heinz Pachen. In der historischen Altstadt stellte ihnen die Stadt Rockenhausen ein ehemaliges, regionaltypisches bäuerliches Wohnanwesen nebst Scheunengebäude zur Verfügung. Durch die Stadt wurde dieses aufwendig zum Ausstellungsort umgebaut. In sich stimmig konzipiert präsentiert sich heute die Dauerausstellung im Museum Pachen - Deutsche Kunst des 20. Jahrhunderts. Die einzelnen herausgearbeiteten Themenbereiche der über Jahrzehnte zusammengestellten, vielzähligen Sammlung werden als Essenz von 108 Arbeiten, ausschließlich aus Malerei und Plastik, in vier verschiedenfarbigen, Licht durchfluteten bzw. gut beleuchten, großzügigen Räumen gezeigt. Weitere Räume bieten Raum für Sonderausstellungen, ein verbindender Innenhof zwischen ehemaligem Wohnhaus und Kunstmuseum zeigt Skulpturen. Nach dem Tod des Ehepaares Heinz und Hella Pachen 2006 und 2007 wurde eine Neubewertung und Neukonzeption der Sammlung notwendig. Die sachlichen Gründe dafür lagen in den subjektiven Kaufentscheidungen der

Sammler, die nicht systematisch bestimmte Epochen, Werkgruppen oder Themen zusammentrugen, sondern ausgehend von ihren persönlichen Lebenserfahrungen die Werke rein intuitiv auswählten. Beginnend in Spremberg, in der damaligen DDR der frühen fünfziger Jahre, dann nach der abenteuerlichen Umsiedlung samt schon damals umfangreicher Kunstsammlung in den Westen, mit neuen Lebensstationen in Mainz und schließlich Rockenhausen trugen die Pachens durchweg über eine persönliche Kontaktaufnahmen zu den unterschiedlichsten Künstlern, je nach subjektiver Entscheidung und unter großen Entbehrungen diese Sammlung zusammen. Die von dem Ehepaar Pachen zunächst eingerichtete Dauerausstellung in Rockenhausen lebte von den persönlichen Erinnerungen und Erzählungen der Eheleute und konnte nur vor dem Hintergrund dieser äußerst persönlichen Rezeptionsgeschichte, verbunden mit der ungewöhnlichen Lebensgeschichte des Paares bestehen. Dem Besucher wurden diese Geschichten persönlich von den Eheleuten Pachen beim Ausstellungsbesuch erzählt. Diese authentischen Berichte aus einem passionierten Sammlerleben wurden leider nie schriftlich festgehalten. Da dieser Aspekt nun unwiederbringlich fehlt, mussten die Bestände neu konzipiert und gewichtet werden. Aus einer Privatsammlung mit der Teilhabemöglichkeit für Gäste sollte eine Sammlung werden, die den Ausstellungskontext einer öffentlichen Sammlung erkennen lässt. Jede Zeit hat den Auftrag das Vorherige, das Hinterlassene im Prozess ihrer eigenen Rezeption zu betrachten und zu werten. Sonst verliert es an Wert. Die Leitung dieser Aufgabe übernahm der mittlerweile leider verstorbene Kunsthistoriker Clemens Jöckle. Er war unter anderem als renommierter künstlerischer

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Leiter der Städtischen Galerie in Speyer prädestiniert. In Rheinland-Pfalz galt er als einer der hervorragendensten Kunstwissenschaftler. Hierbei wurde vermehrt auf eine kunsttheoretische Systematisierung der Sammlungsbestände im Hinblick auf eine Einordnung in den Kontext der Deutschen Kunst des 20. Jahrhunderts abgestellt. Der Clou hierbei ist, dass die Lebensstationen der Sammler mit deren Sammelentscheidungen in Beziehung gesetzt werden. So bleiben Sie selbst wertvoller Bestandteil der Sammlungsdidaktik. Das Sammeln an sich wird zum Ausstellungsinhalt. Ein wesentlicher Aspekt dieser Neuausrichtung ist zudem augenscheinlich die moderne Farbgestaltung der vier Hauptausstellungsräume. Diese betont und aktiviert die einzelnen Themenbereiche. Dieses Ausstellungsdesign wäre zu Lebzeiten der Sammler schwer umzusetzen gewesen. Das Sammlerpaar präferierte aus seinem Erlebenskontext und enormen Wissen um die Kunst allein weiße Wände als Repräsentationsfläche. Aus ihren Antrieb und ihrer Präsenz heraus war keine ausstellungsdidaktische Aufarbeitung durch eine farbige Besucherlenkung nötig. Heute folgt der Besucher einem Farbkonzept, welches ihm den Weg durch die Entwicklung der Deutschen Kunst des 20. Jahrhunderts und die Lebensstationen der Sammler weist. Den ideologischen Einschränkungen in der DDR entgegen laufend entwickelten sie die Sammlung schon früh nachhaltig nach der prägenden Devise „Lebensstationen = Kunststationen“.

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Ungegenständliche Malerei – Grauer Raum

Neuerungen der figurativen Kunst – Roter Raum

Das Sammlerpaar hatte bereits in der noch jungen DDR ungegenständliche Kunst unter großen Schwierigkeiten gegen die staatsgestützte Doktrin des Sozialistischen Realismus gesammelt. Eine Ausstellung ungegenständlicher Kunst wurde 1954 von der Presse heftig kritisiert. Dieses verstärkte sicher auch den Entschluss mit der Sammlung in den Westen überzusiedeln. Hier bietet sich ein prägnanter Überblick über das Spektrum der ungegenständlichen Malerei mit Arbeiten von Max Ackermann, Heinz Kreuz, Bernard Schulze oder Otto Ritschl sowie Plastiken von Erich Cimiotti und Otto Herbert Hajek.

Hier thematisieren sich die Neuerungen der figurativen Kunst im Spannungsfeld der unterschiedlichen Entwicklung in Ost- und Westdeutschland auf dem Gebiet des Menschenbildes (u.a. Otto Dix, Emil Scheibe), des Tierbildes (Otto Dix, Josej Hegenbarth), des Stilllebens (Karl Schmidt-Rottluff), der Landschaft (u.a. Slooten) und der Alltagsschilderung (Arwed D. Gorella). Als Plastik ist die berühmte Büste von Bernard Heiliger, Porträt Karl Hofer zu sehen.


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Mogunitia aurea: Künstler aus Mainz nach 1945 – Gelber Raum Folgt man gleich neben dem Einlass der Treppe ins erste Obergeschoss, vorbei an den eindrucksvollen Büsten der Eheleute Pachen von Karlheinz Oswald und des Mainzer Künstlers Reinhold Petermanns, dokumentiert sich dort das Sammlerinteresse in der Lebenszeit des Ehepaares im Umland der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt unter dem Titel „ Mogunitia aurea“: Künstler aus Mainz nach 1945. Präsentiert wird ungegenständliche Malerei u.a. von Gustl Stark, Heinz Prüstel sowie figurativ arbeitender Künstler wie dem Porträtist Guido Ludes und dem Landschaftsmaler Leo Brandmüller. Ergänzend sind Plastiken von Johannes Metten, Karl-Heinz Oswald u.a. zusehen.

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Künstlergruppen in der Pfalz nach 1945 – Blauer Raum Der saisonale Umzug in das Sommerhaus im Nordpfäler Bergland, später ganzjährig in das Anwesen Speyerstraße 3 in Rockenhausen waren die letzten Ortswechsel des Sammlerpaares. Nun fiel ihr Augenmerk auf die Künstler der Region rund um den Donnersberg in der Nordpfalz. Zu sehen sind u.a. Curt Georg Becker, Hans Kuhn, Klaus-Heinrich Keller, Barbara Giloi, Harald-Alexander Klimek, sowie die Fantasten Hermann Hoormann und Otfried H. Culmann, Plastiken von KarlHeinz Deutsch, Inge Blum, Thomas Duttenhoefer und Erich Sauer. Die qualitätsvolle Sammlung an Plastiken der Pachens wurde bei der Neukonzeption besondert berücksichtigt. Sicher die Sammlung von Kleinplastik, unter anderem mit Arbeiten von Käthe Kollwitz für diese Kunstgattung im 20. Jahrhundert exemplarisch. Vor allem die vielgestaltigen Entwicklungen der Plastik nach 1945 werden anhand der wichtigsten Künstler gezeigt.

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Darüber hinaus erarbeitet die Stadt Rockenhausen zusammen mit dem apk jährlich bis zu fünf weitere Sonderausstellungen. Ein wichtiger kompetenter Partner dabei ist der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Pfälzer Künstler, Stefan Engel. Zudem wird unter dem Dach des Museums Pachen der alle zwei Jahre ausgelobte Kahnweilerpreis präsentiert. 2017 steht ein erneutes Auswahlverfahren unter einer profunden nationalen Fachjury an. An deren Ende findet die Verleihung des mit 10.000.- Euro dotierten Preises, im Gedenken an den mit der Stadt Rockenhausen familiär verbundenen „Kubismusförderer“ und „Picasso-Entdeckers“, Publizisten und Galeristen Daniel-Henry Kahnweiler statt. Er hatte nach Besuchen bei seinem Großvater in Rockenhausen, einem Kaufmann in der pfälzischen Provinz, diese immer als seine Heimat empfunden und der Stadt testamentarisch neben zwei Picasso-Lithografien seine deutschsprachige Bibliothek überlassen, die im benachbarten Kahnweilerhaus zu besichtigen sind.

Museum Pachen Speyerstraße 3 67806 Rockenhausen Öffnungszeiten: Dienstags bis Sonntags 14.30 – 17.30 Uhr und für Gruppen nach Vereinbarung. Eintritt ist frei, Spende erbeten Führung für Gruppen: Pro Person 2,50 € Telefon: 06361/22136 Audioguides speziell für Kinder vorhanden. Weitere Infos unter www.rockenhausen.de Tourist-Information Bezirksamtsstraße 7 67806 Rockenhausen Telefon: 06361/451-252 info@rockenhausen.de Parken: Parkplatz in der Damian-Kreichgauer-Straße, von dort führt ein Fußweg zum Museum Verkehrsanbindung: Bahnh. Rockenhausen Bundesautobahnnetz: A63 - Abfahrt Winnweiler, Rockenhausen Alle Fotos: © Jana Roland


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Die Stiftung Historische Museen Hamburg Die Geschichte Hamburgs, der Region und des Nordens. Autor: Matthias Seeberg

Galionsfiguren im Altonaer Museum, Foto: Š Ulrike Pfeiffer

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In der Stiftung Historische Museen Hamburg sind seit 2008 die wichtigsten musealen Einrichtungen der Freien und Hansestadt Hamburg zusammengefasst, die sich mit der Geschichte der Stadt, der Region und des Nordens befassen. Gemeinsam bewahren die Museen mit ihren vielfältigen Sammlungen die Geschichte in einer in dieser Form deutschlandweit wohl beispiellosen Vollständigkeit: von den Anfängen der Stadt im neunten Jahrhundert bis zur heutigen HafenCity, vom Alltag der Händler, Handwerker, Hafenarbeiter und der Bauern im Umland bis hin zum Lebensstil des hanseatischen Großbürgertums, von der mittelalterlichen Siedlung bis hin zur Großstadtentwicklung mit all ihren nationalen und europäischen Bezügen. Die Grundlage für dieses weite historische Panorama bieten die enorm reichen Sammlungen des Museums für Hamburgische Geschichte, des Altonaer Museums und des Museums der Arbeit. Hinzu kommen als Außenstellen noch das Hafenmuseum, das Jenisch Haus, das Speicherstadtmuseum, die Kramer-Witwen-Wohnungen, die Millerntorwache sowie das Heine-Haus. Mit dem Musemsdienst Hamburg verfügt die Stiftung zudem über einen zentralen Besucherservice, dessen Arbeit sich nicht auf die eigenen Häuser beschränkt, sondern die Angebote von mehr als 20 Hamburger Museen vermittelt.

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Museum für Hamburgische Geschichte Im Museum für Hamburgische Geschichte, den größten stadthistorischen Museum Deutschlands, erfahren die Besucher, wie Hamburg wurde, was es heute ist. Schon vor knapp 200 Jahren bemühten sich Bewohner der Stadt, wertvolle Zeugnisse ihrer Geschichte für die Zukunft zu sichern. So wurde der 1839 gegründete Verein für Hamburgische Geschichte zur Keimzelle einer Sammlung, in der man architektonische Details von wertvollen Häusern, die beim Großen Brand von 1842 zerstört oder in späterer Zeit abgerissen wurden, ebenso aufbewahrte wie Bilder und Kunstwerke, Dokumente und auch Alltagsgegenstände. Seit 1849

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waren diese Bestände als halbstaatliche Sammlung Hamburgischer Altertümer der Öffentlichkeit zugänglich und um 1900 das meistbesuchte der Hamburger Museen. Diese bis dahin ehrenamtlich geleitete Einrichtung erhielt 1908, nun als Museum für Hamburgische Geschichte, mit Otto Lauffer erstmals einen Fachmann als Direktor. Auf einem unweit des Millerntors in den ehemaligen Wallanlagen gelegenen Areal errichtete Hamburgs Oberbaudirektor Fritz Schumacher von 1914 bis 1922 eines der großartigsten Museumsgebäude des frühen 20. Jahrhunderts. Heute gehört das Haus am Holstenwall zu den größten stadthistorischen Museen

Europas. Im Mittelpunkt steht selbstverständlich die Hamburger Stadtgeschichte von den Anfängen bis in die Gegenwart. Die in weit mehr als einem Jahrhundert ständig gewachsene Sammlung umfasst kulturgeschichtliche Objekte, Grafiken, Gemälde, Schiffs- und topografische Modelle, Möbel, Textilien und Münzen. Darüber hinaus stellen Wirtschafts-, Technik-, Sozial- und Verkehrsgeschichte, Bauen und Wohnen, Theater, Mode und Kulturgeschichte sowie das jüdische Leben in Hamburg wichtige Sammelgebiete dieses Museums dar, dessen Angebot sich an Hamburger und Besucher der Stadt gleichermaßen wendet.


Das Altonaer Museum Im Altonaer Museum, einem weiteren zentralen Standort der Stiftung Historische Museen Hamburg, dreht sich alles um die Geschichte der einstmals selbständigen Stadt Altona und um die Kulturgeschichte des norddeutschen Raumes. Bereits 1863 an Altonas Prachtstraße Palmaille aus der Taufe gehoben, erlangte

das Museum mehr als drei Jahrzehnte danach mit der Berufung von Otto Lehmann zum ersten hauptberuflichen Direktor sehr viel größere Bedeutung: Der Zoologe und Geograph, der zu den Anhängern der Reformpädagogik gehörte, entwickelte ein völlig neues Konzept für das Museum der damals preußischen Großstadt, das er in dem 1901 eröffneten repräsentativen Neubau am heutigen Platz der Republik realisieren konnte. Sein Konzept bestand darin, breite Schichten der Bevölkerung über die Natur- und Kulturgeschichte ihrer Heimat zu informieren. Das war damals so revolutionär und zukunftsweisend, dass sich viele europäische Museen,

vor allem in Skandinavien, daran orientierten. Nach Kriegszerstörungen und einem verheerenden Brand, bei dem im Mai 1980 wertvolle Teile der Sammlung verlorengingen, hat sich das traditionsreiche Haus zu einem Museum entwickelt, das sich einerseits mit der Geschichte und Entwicklung des heutigen Hamburger Stadtteils Altona beschäftigt, darüber hinaus aber auch mit der Kulturgeschichte

Norddeutschlands. Die Sammlung enthält Grafiken, Gemälde, Textilien, Spielzeuge sowie kulturgeschichtliche Objekte aus den Bereichen Kunsthandwerk, Schifffahrt, Leben und Arbeiten auf dem Land und in der Stadt. Immer stärker verbindet das Altonaer Museum mit seinen Ausstellungen und Veranstaltungen Themen aus der Geschichte mit den Perspektiven, die sich für die heutigen Bewohner ergeben und die deren Identität innerhalb Hamburgs bestimmen. Links: Museum für Hamburgische Geschichte Rechts: Altonaer Museum bei Nacht Fotos: © SHMH Ulrike Pfeiffer

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Museum der Arbeit

Links: Alte Fabrik Museum der Arbeit, Foto: © SHMH, Susanne Dupont Oben: Museum der Arbeit, Foto: © SHMH, Ulrike Pfeiffer Unten: Gesamtansicht des Geländes vom Museum der Arbeit, Foto: © SHMH, Susanne Dupont

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Im Museum der Arbeit erwartet die Besucher ein spannender Einblick in die Technik- und Industriegeschichte der Handelsstadt Hamburg. Seit den 1970er Jahren haben sich viele Hamburger Bürgerinnen und Bürger für die Gründung eines Museums eingesetzt, in dem der rasante Wandel der Arbeitswelt dokumentiert und die Industriegeschichte der Stadt festgehalten werden sollte. Die Initiatoren interessierte vor allem die Geschichte der Arbeits- und Lebenswelt der „einfachen Leute“. 1980 trat ein Museumsverein an die Öffentlichkeit, der mit vielen Ideen, Ausstellungen und Projekten die Gründung des Museums der Arbeit vorbereitete, das schließlich 1997 in dem ehemaligen Gebäude der NewYork Hamburger Gummi-Waaren Compagnie eingeweiht wurde. Die behutsam für Ausstellungszwecke umgestaltete „Neue Fabrik“ stammt aus dem Jahr 1908. Gemeinsam mit der „Alten Fabrik“ von 1871, dem Torhaus, der Zinnschmelze und dem Kesselhaus bildet sie ein eindrucksvolles Ensemble historischer


Industriearchitektur. Wahrzeichen des vergleichsweise noch jungen Museums ist T.R.U.D.E, das ehemalige Schneidrad der weltgrößten Tunnelbohrmaschine, die von 1997 bis 2000 beim Bau der vierten Röhre des Hamburger Elbtunnels im Einsatz war. T.R.U.D.E. steht für „Tief runter unter die Elbe“. Obwohl das Museum über einen interessanten Bestand historischer Werkzeuge und Maschinen etwa aus dem Bereich Gummi- und Metallverarbeitung sowie dem grafischen Gewerbe verfügt, steht weniger die Faszination technischer Entwicklung im Mittelpunkt als vielmehr das Verhältnis von Mensch und Technik. Deshalb sammelt das Museum nicht nur technische Artefakte, sondern eine Vielfalt an Objekten aus den verschiedenen Bereichen der Arbeitswelt, vor allem in den für Hamburg typischen Branchen. Dabei interessieren vor allem die Lebensgeschichten der Menschen: Wer hat an dieser Büromaschine gearbeitet? Wer trug diese Arbeitsuniform? Doch das Museum der Arbeit beschäftigt sich nicht nur mit der Geschichte der Arbeit und den Auswirkungen der Industrialisierung auf den Menschen, es versteht sich auch als Plattform für aktuelle gesellschaftliche und politische Diskussionen.

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Hafenmuseum Hamburg Unter den kleineren Standorten der Historischen Museen Hamburg erfreuen sich vor allem das Hafenmuseum Hamburg, das Speicherstadtmuseum und das Jenisch Haus großer Beliebtheit. Das Herzstück des Hafenmuseums Hamburg am Bremer Kai des Hansahafens bildet der Kaischuppen 50 A, bei dem es sich in Wahrheit um eine riesige Lagerhalle handelt, die noch vor wenigen Jahrzehnten dem Güterumschlag in Deutschlands größtem Hafen diente. Es handelt sich somit um einen authentischen Ort, an dem man im Schaudepot erfährt, wie Waren gelöscht und gelagert wurden und welche Aufgabe die Schauerleute dabei erfüllten. Menschen, die früher hier gearbeitet haben, geben als Zeugen einer vergangenen Epoche der Industriegeschichte ihr Wissen weiter. Besucher können mit diesen ehrenamtlichen Hafensenioren ins Gespräch kommen, gern auch bei einem Heißgetränk in der original erhaltenen „Kaffeeklappe“, wie die Kantinen der Hafenarbeiter früher genannt wurden.

Links: Blick von der MS Bleichen am Hafenmuseum Foto: © Jesco Denzel Rechts: Hafenmuseum Hamburg, Foto: © Hafenmuseum Hamburg

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Speicherstadtmuseum Wer wissen möchte, was den einzigartigen Reiz und die Besonderheiten der Speicherstadt ausmacht, ist im Speicherstadtmuseum am richtigen Ort. Hier wird anschaulich, wie die Quartiersleute früher auf den Speicherböden hochwertige Importgüter wie Kaffee, Tee, Kakao, Gewürze, Kautschuk oder Tabak gelagert, bemustert und veredelt haben – was man anhand der zahlreichen Warenproben auch mit allen Sinnen erleben kann. Großen Raum nimmt auch die Planungsund Baugeschichte der Speicherstadt ein, die 1881 mit dem Abschluss des Zollanschlussvertrages begann. So findet man neben Fotografien von der Zollanschlussfeier, zu der der frisch gekrönte Kaiser Wilhelm II. am 29. Oktober 1888 nach Hamburg gereist war, auch das Original

der silbernen, fein ziselierten Maurerkelle, mit der der Monarch den Schlussstein zur Eingliederung Hamburgs in das deutsche Zollgebiet setzte. Links: Speicherstadtmuseum Rechts: Block L, Speicherstadtmuseum Fotos: © Elbe & Flut, Thomas Hampel

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Jenisch Haus

Fotos: © SHMH, Ulrike Pfeiffer

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Beim Jenisch Haus handelt es sich um die klassizistische Sommervilla, die sich der Hamburger Senator Martin Johan Jenisch in den Jahren 1831-34 in seinen weitläufigen Park an der Elbe bauen ließ. Es vermittelt mit seiner weitgehend original erhaltenen Ausstattung bis heute einen lebendigen Eindruck von der erlesenen Wohnkultur wohlhabender hanseatischer Kaufleute in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Jenisch beauftragte den Architekten Franz Gustav Forsmann mit den Planungen, ließ diese aber von Carl Friedrich Schinkel überarbeiten. Die repräsentativen Wohnräume mit reichen Stuckaturen, Parkettböden, Möbeln, Gemälden und Skulpturen aus Empire und Biedermeier befinden sich im Erdgeschoss, im ersten Obergeschoss logierte die Familie des Hausherren, im niedrigeren zweiten Ge-

schoss das Personal. Die oberen Stockwerke dienen heute für Sonderausstellungen, in denen es meist um Kunst oder Architektur des frühen 19. Jahrhunderts geht oder um die Beziehung von gestalteter Landschaft und Architektur. Öffnungszeiten, Eintrittspreise und weitere Information zu den Ausstellungen und Veranstaltungen der Historischen Museen Hamburg finden sich unter www.historische-museen-hamburg.de.


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Jahr des Panzers beim Nationalen Militärmuseum der Niederlande Autorin: Carla Marcus 88


Spektakuläre Panzershow vor der neuen Panzerarena des Museums Ende August. Foto: © Ruud van der Graaf

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Dieses Jahr ist es genau hundert Jahre her, dass die Briten im Ersten Weltkrieg zum ersten Mal einen Panzer einsetzten. Deshalb steht beim Nationalen Militärmuseum in diesem Jahr alles im Zeichen des Panzers und es gibt verschiedene Ausstellungen, Vorführungen und Aktivitäten zu diesem Thema. Im Nationalen Militärmuseum werden Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der niederländischen Armee lebendig. Die Sammlung des Museums umfasst die größte und außergewöhnlichste Kollektion an Panzern, Flugzeugen, Panzerwagen und Hubschraubern der Niederlande. Sie alle sind Stück für Stück einzigartige Exemplare mit einem besonderen Hintergrund. Auf dem Weg durch die Welt der Streitkräfte wird auch auf moralische Dilemmas eingegangen und werden atemberaubende, lustige oder berührende menschliche Geschichten erzählt. Im ersten Jahr kamen 500.000 Besucher in das vor eineinhalb Jahren eröffnete Museum. Panzerausstellung Einen wichtigen Bestandteil dieses Jahres des Panzers bildet die Ausstellung „Tanks, back to the future“. In dieser faszinierenden Ausstellung erfahren die Besucher, wie die Menschheit im Laufe der Jahrhunderte versucht hat, die Elemente Feuerkraft, Mobilität und Schutz, die drei wichtigsten Aspekte eines Panzers, in technische Entwürfe umzusetzen. Zu den gezeigten Entwürfen zählen unter anderem folgende: Der berühmte italienische Künstler Leonardo Da Vinci entwarf 1485 ein gepanzertes Fahrzeug, das in alle Richtungen schießen konnte. Der Entwurf ist erhalten geblieben, doch das Fahrzeug wurde nie gebaut - dafür war es zu schwer und unpraktisch. Da Vincis Kampfpanzer besaß eine gewaltige Feuerkraft: er war mit 20 Kanonen ausgerüstet. Der Künstler hatte vorgesehen, dass das Fahrzeug von acht Männern in Bewegung versetzt werden sollte. Angesichts des Gewichts der Kanonen und der Panzerplatten hätten diese Männer allerdings übernatürliche Kräfte besitzen müssen. Auch der Entwurf für den Panzerkampfwagen „Zar“ ist zu sehen. Dieses russische Modell aus dem Ersten Weltkrieg sollte das Überwinden von Gräben und anderen großen Hindernissen ermöglichen. Ein Exemplar dieses Panzers wurde

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Fotos: © Anne Reitsma Fotografie


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von seinem Erfinder Lebedenko gebaut und dem russischen Zaren vorgeführt. Mit motorisierten Rädern mit 12 m Durchmesser sollte dieses Gerät eine Geschwindigkeit von 17 Stundenkilometern erreichen, was für die damalige Zeit sehr schnell war. Doch meistens bewegte sich das Fahrzeug überhaupt nicht vorwärts, weil das Lenkrad in einem Laufgraben steckenblieb. Das Elektrische Rad ist ein amerikanischer Entwurf aus dem Jahre 1918. Es handelt sich dabei um einen mit Elektrizität ausgestatteten Leichtpanzer. Dank der Elektromotoren konnte er auf dem Schlachtfeld eine hohe Geschwindigkeit erreichen, nämlich bis zu 60 Stundenkilometer. Die Panzerung war in zwei hängenden Geschütztürmen befestigt, was den Schützen das Zielen nicht gerade erleichterte. 1942 kam der russische Flugzeugbauer Antonov auf die Idee, einen fliegenden Panzer zu entwickeln. Er baute die Antonov A40, ein auf einen Leichtpanzer

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vom Typ T60 montiertes Segelflugzeug. Die Antonov sollte von einem starken Flugzeug in die Luft getragen werden und über dem Schlachtfeld losgelassen werden, woraufhin der Panzer samt Besatzung nach unten segeln sollte. Der Test schlug fehl, weil keins der damals bestehenden Flugzeuge stark genug war, den Panzer vom Boden zu bekommen. Auch der Atompanzer von Chrysler wird gezeigt. Dieser experimentelle Panzer aus dem Jahr 1956 besaß eine besonders große Kuppel und ein kleines Fahrgestell. Die gesamte Besatzung saß in der Kuppel, die zum Schutz vor Kernstrahlung hermetisch abgeriegelt war. Zur Zeit des Kalten Krieges wurde in allerlei Bereichen mit Kernenergie experimentiert und so sollten auch Militärfahrzeuge mit Hilfe von Kernenergie angetrieben werden. Dieser Panzer ging dank des hohen Volumen des Geschützturms im Wasser nicht unter und konnte sich darin sogar fortbewegen. Die Ausstellung ist bis zum 18. Oktober 2016 zu sehen.


Foto: Š Anne Reitsma Fotografie

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App vermittelt nicht nur Sachinformationen wie die Periode, in der die einzelnen Panzer eingesetzt wurden, sondern auch Geschichten der Besatzung der Panzer. Außerdem werden Fotos und Videos des Panzers gezeigt und man kann einen Blick ins Innere des Panzers werfen, indem man sein Smartphone um 360 Grad dreht. Panzervorstellung Am letzten Augustwochenende hat beim Museum eine spektakuläre Panzervorstellung stattgefunden. Mit dieser Vorstellung, bei der sich 30 verschiedene Panzer und Panzerwagen von ihrer gewaltigsten Seite zeigten, wurde gleichzeitig die neue Panzerarena eröffnet. Dabei präsentieren sich dem Publikum unter anderem der deutsche Flammpanzer III und der Leopard 1 mit brüllenden Motoren und rasselnden Raupenketten. Es war eine Show, die den 10.000 Zuschauern noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Die nächsten Jahre Auch für die nächsten Jahre hat das Nationale Militärmuseum interessante Themen geplant. So ist 2017 das Jahr von Dschingis Khan, in dem sich alles um die Ausstellung „Ghengis Khan, an empire built on horseback“ dreht. Das Nationale Militärmuseum ist das erste Museum in Europa, in dem diese Ausstellung mit einzigartigen und seltenen Spitzenstücken aus der Inneren Mongolei zu sehen sein wird. Außerdem veranstaltet das Museum eine Flugschau mit historischen Flugzeugen.

Foto Oben: © Anne Reitsma Fotografie Fotos Mitte, Rechts: © Uwe Strauch Foto „Tank Man“: © Uwe Strauch

Zusätzliche Panzer Das Museum verfügt über eine große Panzersammlung, die unter anderem den Renault FT, den Centurion Bergepanzer, den M4 Sherman, den M24 Chaffee, den AMX13, den Centurion Kampfpanzer, den Leopard 2A6 sowie einen sehr mitgenommenen Sherman umfasst. Anlässlich des Jahres des Panzers sind fünf weitere Panzer zu sehen. Dabei handelt es sich um besondere Panzer, wie den japanischen Typ 2597 TE-KE, der während der

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2018 wird das Jahr des Wilhelm von Oranien. Dann ist es nämlich 450 Jahre her, dass der Achtzigjährige Krieg ausbrach. Anhand einer Ausstellung zeigt das Museum, dass Wilhelm von Oranien, der zu den bekanntesten Niederländern zählt, in der Geschichte sowohl im Bereich Kriegsführung als auch im Militärwesen eine wichtige Rolle gespielt hat. Ersten Polizeiaktion auf Ost-Java von dem niederländischen Korps Mariniers erobert wurde, den britischen Praying Mantis und den M22 Locust, den Vickers Armstrong und einen offenen russischen T-55. TankTour-App Speziell für dieses Jahr des Panzers hat das Museum eine TankTour-App entwickelt, die den Besuchern ausführliche Informationen über die im Museum gezeigten Panzer und Panzerwagen bietet. Die

2019 besteht die NAVO 70 Jahre und dann wird es 30 Jahre her sein, dass die Mauer fiel und der Kalte Krieg beendet wurde. Außerdem ist es dann 25 Jahre her, dass die Amerikaner den Militärflugplatz Soesterberg aufgegeben haben, den Heimathafen des Museums. Genug Gründe also für das Nationale Militärmuseum, eine Zeit der Geschichte in den Mittelpunkt zu rücken, die noch nicht so lange zurückliegt: die Zeit des Kalten Krieges.


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Kunstausstellung Bis zum 16. Oktober ist im Museum auch eine Kunstausstellung mit Werken des spanischen Künstlers Fernando Sánchez Castillo zu sehen. Dort werden verschiedene Kunstwerke gezeigt, unter anderem die Statue „Tank Man“. Diese fünf Meter hohe Skulptur stellt den Mann dar, der sich im Jahr 1989 auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking demonstrativ vor einen Konvoi von Panzern stellte.

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Nationales Militärmuseum der Niederlande Verlengde Paltzerweg 1 3768 MX Soest, NL http://www.nmm.nl info@nmm.nl


Dreharbeiten „Wittelsbacherfilm“ für die rem Mannheim, Foto: © Norman Schäfer, rem

MUSEUM – Film ab! artmetropol.tv produziert seit 10 Jahren Filme für Kunst- und Kulturinstitutionen. Autor: Norbert Kaiser Filme für Museen und Kunstvereine zu drehen, hätte ich mir in meiner Zeit beim ZDF gut vorstellen können, aber nichts, was ich an Ideen für neue Fernsehformate dort in Redaktionen vorstellte, wurde auch nur ansatzweise ernst genommen. Mal war die Idee angeblich „zu behauptet“, mal wurde sie aus diffuser Angst vor geringen Quoten nicht weiter verfolgt. Nach 10 Jahren beim „großen“ Fernsehen war dann klar, dass man nur neue Fernsehwege gehen kann, wenn man die vermeintlich sicheren Pfade verlässt und sich auf das ganz am Beginn einer Entwicklung befindliche Abenteuer Internet-TV einlassen würde. 2007 gründete ich meine Internetplattform artmetropol.tv, die zunächst mit einem eigenen Web-TV-Angebot im Internet versuchte, die Kultur in allen Facetten auf diese innovative Weise in der Metropol-

region Rhein-Neckar und bundesweit zu verbreiten. Das war zu diesem Zeitpunkt völliges Neuland und es gehörte Mut und eigenes Geld dazu, dieses Unternehmen zu wagen. Belohnt wurde ich wenige Monate nach dem Start, denn artmetropol.tv wurde zu einem der „10 besten regionalen Web-TV´s Deutschlands“ gekührt. Im ersten Jahr wurden schon weit über 250 Berichte aus Museen, Kunstvereinen, den Theatern und Konzerthäusern realisiert und es fand sich ein interessiertes und treues Publikum vor den Computerbildschirmen ein. Meinem Team und mir war wichtig, die junge Vision – Kultur-TV im Internet zu realisieren – thematisch und inhaltlich auf ein breites Fundament zu stellen. Es war vor allem klar, dass Kooperationen und Aufträge von Kulturinstitutionen für Filme nur dann eingehen würden, wenn wir auch inhaltlich und

formal überzeugende Produktionen vorweisen konnten. Von der Kunsthalle Mannheim über die Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim bis zum Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen – alle öffneten uns die Tür für dieses Projekt, waren neugierig und beeindruckt von der Qualität der Filme. Denn regionale Ausstellungen über einen theoretisch bundesweit empfangbaren Web-Sender zu transportieren, war ein Novum - auch damals gingen die Drehteams der großen Sender nicht mehr regelmässig zu den anspruchsvollen Kunst- und Kulturereignissen, um darüber zu berichten. Als Magister Artium der Film- und Theaterwissenschaft mit einer mir seit frühester Kindheit innewohnenden Besessenheit zum Drehen von eigenen Filmen war ich mit artmetropol.tv auf der richtigen Spur, ein Pionier im Bereich des webbasierten

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Fernsehens. Mir war auch klar, dass ich als Filmemacher nur reüssieren konnte, wenn meine Teamkollegen und ich zusammen einen eigenen Stil, eine eigene Sprache für die Filme finden würden. Im Jahr 2010 gelang es dann, den Traum von eigenen Museumsfilmen, deren Nutzen auch von den Institutionen selbst erkannt worden waren, professionell umzusetzen und damit artmetropol.tv auf sichere und solide Beine zu stellen. artmetropol.tv hatte sich zu einer richtigen Produktionsfirma für Kurzdokus, Ausstellungs- und Imagefilme entwickelt. Die Institutionen finden einen großen Reiz an der filmischen Begleitung des Ausstellungsaufbaus, an der authentischen Auseinandersetzung des Filmemachers Norbert Kaiser und seines Teams mit dem Thema der Ausstellung und dem Künstler selbst. Die Rückmeldungen zu den Filmen sind ausserordentlich gut und selbst junge Zuschauer, die als schwer zu erreichende Zielgruppe für Museen und Kulturinstitutionen eingeschätzt werden, fühlen sich von den Filmen inhaltlich und visuell angesprochen. So ist ein Kunst-Produkt entstanden, das die Wünsche der Auftraggeber erfüllt und eine neue, ehrliche Form der Onlinewerbung erzeugt – den Ausstellungsfilm, der ohne vordergründige und werbige Aussagen einen kurzweiligen Einblick in das jeweilige Thema gewährt. Einige Museen nutzen den Film auch direkt im Eingangsbereich vor der Ausstellung – um ein erstes Verständnis für die / einen ersten Zugang zur Ausstellung zu ermöglichen und den Künstler (und oft auch den Kurator) in Wort und Bild vorzustellen. So entwickelten wir das Genre der Museums-Kurzdokumentationen, die auf redaktionell erarbeiteten Interviews mit den Künstlern, Kuratoren und Direktoren basieren, die den roten Faden durch den Film spannen. Wichtig ist mir persönlich, der für den Zuschauer stellvertretende erste Zuschauer zu sein, der Kunst und Macher hinterfragt und es dennoch dem Betrachter der Kurzdoku überlässt, über die Ausstellung zu urteilen, ihm die Entscheidung zu überlassen, die Ausstellung zu besuchen. Den Filmen ist es immer wichtig, eine Vermittlerposition einzunehBild 1-3: Barockfilm für die rem Mannheim 4 und 7: „Kaiser Maximilian I.“-Museumsfilm für die rem Mannheim 5: Blick in die Ausstellung - Museum der Kulturen Basel 6: „Ägypten“-Ausstellungsfilm für die rem Mannheim. Bildstreifen 1-7: © artmetropol.tv/Norbert Kaiser

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men – zwischen der Kunst und dem potenziellen Besucher. In den Filmen von artmetropol.tv sind seit jeher spannende Zusatzinfos zu sehen, die später in der Ausstellung allenfalls zu erahnen sind – wie die Ausstellung aufgebaut wurde, wie die Hängung der Bilder vonstatten ging, wie Kunstinstallationen überhaupt vor Ort aufgestellt und in den Raum eingebracht wurden. So ist der Film gleichermassen Kurzdoku, Blick hinter die Kulissen und filmisches Dokument, dass die Ausstellung noch lange nach dem Ende selbiger in filmischer Form bewahrt – und das ist auch der zentrale Punkt jedes Museums, dass das Bewahren als die große Aufgabe betrachtet. Durch unsere Produktionen wird damit Kunst auch digital bewahrt. Mit viel Lust kann man fast alle Filme auch nach dem Ende der Ausstellung noch anschauen, da sie eine eigene Geschichte erzählen und auch weiter über die Kunst und den Künstler oder über eine Epoche informieren. Es ist eben auch möglich, mit Kultur im besten Sinne des Wortes zu unterhalten! Als Filmemacher mit Vision sieht man plötzlich einen sich entwickelnden Markt und die beginnende Neugierde, die Institutionen meiner Arbeit im Laufe der Zeit entgegen gebracht haben. artmetropol.tv entwickelte sich so in den vergangenen 10 Jahren zu einer feinen Film-Manufaktur. Es entstanden bisher weit über 600 Produktionen, die Liste der Auftraggeber ist lang geworden und der Produktionsradius erstreckt sich mittlerweile bis in die Schweiz. artmetropol.tv ist seit einigen Jahren der zuverlässige und kreative Ansprechpartner für Ausstellungsfilme jeder Art. Was steckt hinter der Philosophie von artmetropol.tv? Es ist die Bereitschaft, mit Herzblut und Engagement Filme für Kulturinstitutionen zu produzieren, die diese als Mittel zur Bekanntmachung des Ausstellungsstarts über soziale Medien und Videoplattformen nutzen und auch, um Sponsoren und Geldgeber zu finden, die weitere Ausstellungen und die Arbeit der jeweiligen Institution unterstützen – aber auch, um eine adäquate Umsetzung des Themas in Filmbilder realisieren zu lassen und einen richtigen Kurzdoku-Film mittlerweile höher schätzen als zum Beispiel die Herstellung eines Kataloges. Schöner Nebeneffekt –gelegentlich übernehmen die arrivierten Fernsehstationen Footage unserer Produktionen, um selbst einen Bericht für das TV zu realisieren.


Vom Start an war es mir sehr wichtig, ein richtig exzellentes Film-Produkt zu kreieren, das sowohl Zuschauer wie auch Macher begeistern sollte. Ich wollte die Filme ohne elitären Habitus produzieren – gerade (junge) Menschen, die meinen, Kunst und Kultur sei nicht für sie, sollen angesprochen und interessiert werden. Das ist, denke ich, das Geheimnis der Filme – artmetropol.tv spricht eine Filmsprache, die von Neugier, Offenheit und Toleranz durchdrungen ist. Das öffnet die Zuschauer für die Produktionen und ermöglicht einen Zugang zum Thema der Ausstellung. Mein Team und ich lassen uns von Kunst und Künstlern in den Bann ziehen und sind bereit, aus der jeweiligen Produktion ein filmisches Abenteuer zu machen. Es bedarf Zeit und Ruhe und Konzentration, um solche Museumsfilme herzustellen. Es geht schließlich darum, die passenden Bilder mit der Kamera zu komponieren, die sich während des Interviews im Kopf ansammeln, interessante Bilder einzufangen, die sich plötzlich während des Ausstellungsaufbaus ergeben, Verbindungen zwischen Objekt und Gesagtem zu visualisieren.

Meine Arbeit ist die eines Filmemachers, der seine kreative Nische gefunden hat – und diese mit immer neuen visuellen wie inhaltlichen Ideen füllt, sich aber nie über die Kunst stellt, sondern sich unterordnet, einen Beitrag zum Erfolg, zum Verständnis, zur Aufmerksamkeit für die gezeigte Kunst leistet. Mittlerweile bietet artmetropol.tv neben den Kurzdokus auch Seminare für Museen an, wo Mitarbeiter lernen, mit Kameras oder mit Smartphones umzugehen, um gute Aufnahmen und Interviews zu produzieren, weil das Budget für Ausstellungsfilme nicht immer da ist. Mit diesen Tagesseminaren werden grundlegende Fragen zu Aufnahmetechniken und Schnitt erklärt und können direkt mit einem kleinen Projekt umgesetzt werden. Im Jahr 2017 wird artmetropol.tv sein 10-jähriges Bestehen feiern und stolz blicken wir zurück auf außerordentliche Auftraggeber und sagen Danke für die Zusammenarbeit (Auswahl): - Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim, - Museum der Kulturen Basel,

- Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern - Museum Ritter Waldenbuch - Kunsthalle Mannheim - Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen - Museum Ludwig Koblenz - Historisches Museum der Pfalz Speyer - Bernisches Historisches Museum Bern (...) Denken Sie daran: Die Zukunft des Internets geht einher mit der weiteren starken Verbreitung von Bewegtbild. Eine Kulturinstitution, die zeitgemäß agieren will, kommt um das Thema Ausstellungsfilm nicht herum. Wann werden sie über ihre Onlinestrategie und das Thema Ausstellungsfilm nachdenken? artmetropol.tv berät Sie professionell bei ihren Fragen rund um erfolgreiche Ausstellungsfilme. Rufen sie uns an oder schreiben sie uns.

artmetropol.tv Geschäftsführer Norbert Kaiser www.artmetropol.tv norbert@artmetropol.tv oder Büro: 0049 621 4367556

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Um die reiche und wechselvolle Geschichte der Stadt und der Uhrmacherindustrie zu vermitteln sowie ihr historisches Erbe zu bewahren, gründeten die Stadt Glashütte und die Manufaktur Glashütte Original im Jahr 2006 gemeinsam die Stiftung „Deutsches Uhrenmuseum Glashütte – Nicolas G. Hayek“. Die Stadt Glashütte brachte dabei die in ihrem Besitz befindliche Uhrensammlung ein. Die Manufaktur Glashütte Original erwarb mit Unterstützung der Swatch Group AG das Gebäude der ehemaligen Deutschen Uhrmacherschule Glashütte und sanierte es aufwändig. Seit mehr als 170 Jahren ist Glashütte ein bedeutendes Zentrum deutscher Uhrmacherkunst. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands entwickelte sich die Kleinstadt südlich von Dresden erneut zum Synonym höchster Qualität, Präzision und Luxus.

Eine Herausforderung war der Innenausbau der ehemaligen Uhrmacherschule. Hier fand nicht nur das Uhrenmuseum ein neues Zuhause, auch die Uhrmacherschule „Alfred Helwig“ der Manufaktur Glashütte Original richtete auf zwei Eta-

gen des Gebäudes ihre neue Lehrstätte ein. Unter anderem wurde dies mithilfe eines neuen rückseitigen Zugangs zum Haus möglich. Der Eintritt über die große Freitreppe bleibt nun den Museumsgästen vorbehalten. Die Architektur des Jahres 1923 inspirierte die Außengestaltung des Gebäudes. So fanden Dachtürmchen nebst Wetterfahne - in der Darstellung eines Pferdes im Sprung über eine Sanduhr, die die alte und neue Zeitrechnung interpretieren zurück und auch die Fassadengestaltung im traditionellen sächsischen Sandsteinton wurde wiederbelebt. Moderne Elemente der Vorplatzgestaltung visualisieren den Ablauf des Jahres. So finden sich neben zwölf, die Monatslängen beschreibenden Basaltstreifen im Granitpflaster auch vier im Wind wehende Fahnen als Zeichen der Jahreszeiten wieder. Jene werden im rückseitigen Bereich des Museumsgeländes floral darge-

Deutsches Uhrenmuseum Glashütte Faszination Zeit – Zeit erleben. Autorin: Sonja Hauschild

Oben: Astronomische Kunstuhr, Hermann Goertz 1925 Hintergrund: Historischer Uhrmachertisch

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stellt. Auf dem Rasenparterre geben 12 Zierkirschen vom zarten Rosa der Blüte im Frühling über das sommerliche Blattgrün bis zur roten Frucht im Herbst den jahreszeitlichen Wandel im Müglitztal gestaltend wieder. Vom Exponat zum Erlebnis Unter dem Motto „Faszination Zeit – Zeit erleben“ inszeniert das Deutsche Uhrenmuseum Glashütte nicht nur die lange Tradition des mechanischen Uhrenbaus, sondern ermöglicht auch einen emotionalen Zugang zum Phänomen Zeit. Auf zwei Stockwerken und 1000 m² Ausstellungsfläche werden mehr als 500 einmalige Exponate präsentiert und multimedial erlebbar gemacht. Das größte und wohl auch bekannteste Stück der Sammlung begrüßt seit über 90 Jahren den Besucher beim Betreten des

Hauses: Die astronomische Kunstuhr wurde von Hermann Goertz 1925 in der Uhrmacherschule fertiggestellt und gibt auf 17 Anzeigen die Facetten der Zeit wieder. Ihr mechanisches Uhrwerk, bestehend aus 1756 Einzelteilen, ermöglicht nicht nur die genaue Wiedergabe der Uhrzeit, sondern stellt auch weitere Komplikationen wie einen ewigen Kalender und die Mondphasen dar. Der anschließende Aufstieg in die Ausstellungsräume wird selbst zum ästhetischen und funktionalen Objekt. Über 24 Stufen der Wendeltreppe bewegt sich der Besucher im Uhrzeigersinn und taucht somit direkt in die zeitbezogene Thematik ein. Inhaltlich setzt sich die Dauerausstellung aus einer Reihe von „Historienräumen“, „Zeiträumen“ und einer Schauwerkstatt zusammen, die von einem Prolog und einem Epilog eingerahmt werden.

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„Zum Raum wird hier die Zeit“ – der Ausspruch aus Richard Wagners „Parsifal“ sowie weitere Zitate an den Wänden begrüßen den Besucher im Prolograum und ermöglichen ihm einen literarisch-philosophischen Zugang zum Thema Zeit. Ein langsam werdender Sekundenschlag untermalt auditiv die Szenerie. Den geschichtlichen Kontext sowie bedeutende Meilensteine der Uhrenstadt Glashütte bereiten sogenannte „Historienräume“ auf und stellen dabei berühmte Persönlichkeiten und Gründerväter vor, die Glashütte zur Hochburg des feinen deutschen Uhrenbaus werden ließen. Ein Zeitstrahl begleitet den Besucher von Raum zu Raum und gewährt Orientierung. So erfährt der Besucher im ersten Raum mehr über die Vorgeschichte Glashüttes und den Beginn der Uhrenindustrie. Rund 300 Jahre leben die Einwohner vom Bergbau, dann versiegen die Vorkommen. Strohflechterei in Heimarbeit und Ackerbau erbringen nicht den nötigen Lebensunterhalt für die Großfamilien im frühen 19. Jahrhundert. Vereint richten die erzgebirgischen Städte ein Hilfegesuch an den sächsischen König. Der junge Uhrmachermeister Ferdinand A. Lange, inspiriert durch seine Wanderjahre in

Oben: Panorama-Installation Verlagswesen Mitte: Raum DDR-Zeit Unten: Zeitraum Glossar der Uhrmacherei Rechts: Zeitraum Mikrokosmos einer mechanischen Uhr

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der Schweiz und weitsichtig für die Entwicklungen seiner Zeit – der beginnenden Industrialisierung - bringt seine Idee, eine Haus- und Heimindustrie für die Uhrmacherei im Erzgebirge zu etablieren, dem Königshaus vor und erhält 1845 die nötige Finanzierung. In nur 30 Jahren gelingt es Lange und den anderen Uhrmachermeistern Julius Assmann, Moritz Grossmann und Adolf Schneider das kleine Städtchen im Erzgebirge zum deutschen Zentrum für Präzisions-Uhrmacherkunst weltweit bekannt zu machen. Die Entwicklung des typischen Glashütter Taschenuhrwerks mit der speziellen Platinenbauweise, die Zulieferung der Einzelteile durch das etablierte Verlagswesen in der Stadt sowie die Weitergabe des Wissens an die nächsten Generationen in einer eigens gegründeten Uhrmacherschule wird den Besuchern mittels in Szene gesetzter Objekte nachvollziehbar präsentiert. Eine Panorama-Vitrine ermöglicht einen virtuellen Stadtrundgang durch Glashütte und gewährt Einblicke

in die Werkstätten der Zulieferer. Ein vollständig eingerichteter historischer Uhrmachertisch lädt die Gäste im Raum der Deutschen Uhrmacherschule ein, sich selbst wie ein Lehrling im ersten Lehrjahr zu fühlen und den Umgang mit Lupe, Schraube und Pinzette haptisch zu erleben. Im Laufe des Rundgangs werden weitere Epochen dargestellt, die Glashütte maßgeblich geprägt haben. Weiße Vitrinen präsentieren komplizierte und feindekorierte Taschenuhren der Gründerzeit. Einzigartige Objekte dieser Epoche erhalten eine besondere Präsentation in der Schatzkammer. Die schweren Jahre für die Glashütter Uhrenindustrie während des Ersten und Zweiten Weltkriegs, das Überleben der erwerbslosen Uhrmacher durch den Einsatz in anderen feinmechanischen Werkstätten und der Herstellung von Produkten wie Rechen- und Schreibmaschinen beschließen den Rundgang durch die ersten 100 Jahre der Uhrengeschichte. Die Bombardierung Glashüttes, Demon-

tage und Enteignung werden beim Treppenabstieg als klare Zäsur zwischen den Epochen mit Bildinstallationen und Zeitzeugeninterviews inszeniert. Nicht ohne Grund wird die DDR-Zeit in einem eigenen Raum präsentiert. Der Zusammenschluss aller Glashütter Betriebe zu einem einzigen Volkseigenen Betrieb, dem VEB Glashütter Uhrenbetriebe, im Jahre 1951, setzt für die nächsten 40 Jahre Maßstäbe. Die politischen und ökomischen Herausforderungen des sozialistischen Systems belegen umso stärker die Kreativität und Improvisationskunst der Mitarbeiter. Das daraus resultierende, breite Sortiment mechanischer und quarzgesteuerter Zeitmesser für Mensch und Beruf, wecken einen hohen Bedarf und weltweite Anerkennung. Die Zeitreise durch das Museum berücksichtigt im Raum der Aktuellen Zeit die Entwicklung nach der Wiedervereinigung Deutschlands. Glashütte entwickelte sich erneut zum deutschen Uhrenmekka. Aktuell produzierende Uhrenfirmen aus Glashütte präsentieren Kernstücke ihrer

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Kollektionen in eigenen Vitrinen. Die Verknüpfung der damaligen und heutigen Zeit geschieht mittels des verkürzten Zeitstrahls an der Wand. Der Besucher erfasst noch einmal die bewegte und vielfältige Geschichte der Uhrmacherkunst Glashüttes und die außerordentliche Bedeutung der Tradition und Präzision. Die chronologische Abfolge der Glashütter Uhrengeschichte wird durch sogenannte „Zeiträume“ unterbrochen und entführt den Besucher u.a. in den technischen Mikrokosmos einer mechanischen Uhr. Die Präzision und das Zusammenspiel hunderter Einzelteile werden dabei erlebbar. Ein interaktives Glossar der Zeitmessung erklärt verschiedene Begriffe der Uhrmacherei und ermöglicht eine transparente Begleitung. Den Grundsätzen eines Museums verpflichtet Neben dem Sammlungsbestand an Glashütter Zeitmessern verfügt das Uhrenmuseum über ein Archiv mit beeindruckendem Bestand an Dokumenten sowie

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mehr als 2.000 Bänden historischer und aktueller Fachliteratur. Ein besonderer Schatz sind die Verkaufsunterlagen verschiedener Glashütter Firmen sowie die Unterlagen der Uhrmacherschule. Diese ermöglichen dem Museum, detailliert Auskunft zu geben und Herkunftszertifikate für Glashütter Uhren zu erstellen und damit Originalität und Alter der Uhr zu bestätigen. Dieses Wissen findet in der hauseigenen Restaurierungswerkstatt direkte Anwendung. Deren Mitarbeiter haben sich auf die Wartung und Pflege historischer Zeitmesser aus Glashütte spezialisiert. Diesen Service können auch Besucher für ihre privaten Uhren in Anspruch nehmen.

Links: Taschenuhr Julius Assmann 1890 Oben: Beispiel für Verlagswesen Zeigerfabrik Paul Gläser gegründet 1848 Unten: Taschenuhr graviertes Gehäuse B. Junge & Söhne 1895

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Glashütte an Bord Jedes Jahr veranstaltet das Museum eine Sonderausstellung und stellt eine Epoche, eine Persönlichkeit oder ein Produkt der Glashütter Uhrengeschichte thematisch in den Mittelpunkt. 2016 heißt es „Glashütte an Bord – 130 Jahre Marine-Chronometer aus Sachsen“. Mit Meeresrauschen betritt der Besucher den mit blauem Teppich ausgelegten Raum, kann an Bord der „Lina“ gehen und taucht in das maritime Thema ein. Die Brückeninstallation ermöglicht dem Oben: Marine-Chronometer 1930-1945 Links: Blick auf die Steuerbrücke Alle Fotos: © René Gaens

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Besucher einen praktischen Zugang zum Thema Navigation und dem inhaltlichen Schwerpunkt der Ausstellung – dem Marine-Chronometer. Über Jahrhunderte behalfen sich die Seeleute mit der Beobachtung der Gestirne und einer allgemeinen Wegmessung mittels Logscheit, um sich auf See zu orientieren. Dabei war die Bestimmung des Längengrades eines der größten navigatorischen Probleme. Erst mit der Erfindung des Marine-Chronometers durch den Briten John Harrison wurde die Navigation wesentlich präziser und zuverlässiger. Mit der Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1871 und dem steigenden Interesse am internationalen Handel gewann auch die deutsche Marine an Bedeutung. Um sich von englischen Importen unabhängig zu machen, wurde die Herstellung von Chronometern maßgeblich gefördert. Durch das bereits etablierte Verlagswesen und die auf Präzisionsuhren spezialisierten Uhrenmanufakturen in Glashütte wird es möglich bereits 1886 die ersten Marine-Chronometer zur Prüfung an die Deutsche Seewarte Hamburg zu schicken. In einem chronologischen Rundgang werden bedeutende Regleure und Uhrmacher aus Glashütte vorgestellt.

Die verschiedenen technischen Entwicklungen und Sonderformen werden nicht nur als Objekte präsentiert, sondern auch im Detail an historischen Uhrmachertischen vorgestellt. Die Vorreiterrolle Glashüttes, aber auch die Zusammenarbeit mit dem Hamburger Zentrum für Uhrmacherkunst wird deutlich herausgearbeitet. Forschung, Entwicklung und die Rückbesinnung auf die Tradition werden anschaulich mit Dokumenten, Visualisierungen und Bildern untermalt. So endet die Ausstellung nicht in den 1980iger Jahren, als GPS auf den Brücken Einzug hält, sondern bezeugt, dass ein Marine-Chronometer als traditionelles Vorbild und als tatsächlich genutztes Instrument bis heute Bestand hat und somit auch weiterhin in Glashütte produziert wird. Deutsches Uhrenmuseum Glashütte Schillerstraße 3a 01768 Glashütte / Sa. Tel: 035053 46 12 102 Fax: 035053 46 12 199 info@uhrenmuseum-glashuette.com www.uhrenmuseum-glashuette.com Öffnungszeiten: täglich von 10 – 17 Uhr


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Berlin – Stiftung Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum „Berlin lebt auf!“ Die Fotojournalistin Eva Kemlein (1909-2004) 7. Oktober 2016 – 30. April 2017 Sie war die Chronistin des Berliner Nachkriegs und des Berliner Theaterlebens. Als Bildjournalistin der Berliner Zeitung, deren erste Ausgabe 1945 die Überschrift „Berlin lebt auf!“ trug, prägten Eva Kemleins Bilder von Überlebenden – sie selbst hatte die Nazizeit als Jüdin versteckt in Berlin überstanden - das Gedächtnis der Nachkriegszeit. Über Jahrzehnte wanderte sie zwischen den Welten, fotografierte an den Ost-Berliner Bühnen und lebte im Westen der Stadt. So ist die Ausstellung im Centrum Judaicum in Kooperation mit der Stiftung Stadtmuseum auch die Schau eines außergewöhnlichen Lebens zwischen Ost und West. Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum | Oranienburger Straße 28-30, 10117 Berlin| www.centrumjudaicum.de | So - Do 10-18 Uhr, Fr 10-15 Uhr Foto: © Stiftung Stadtmuseum Berlin

Biel – Kunsthaus CentrePasquArt Susan Morris: Self Moderation 11. September – 20. November 2016 Susan Morris (*1962, GB) untergräbt traditionelle Auffassungen des Selbstportraits, indem sie die Darstellung der äusseren Erscheinung durch das Aufzeichnen von Spuren alltäglicher Aktivität und Bewegung des Körpers ersetzt. Ihren Zeichnungen und grossformatigen Wandteppichen liegen abstrakte Linien und grafische Darstellungen konvertierter Daten zu Grunde. Ausgewertet werden so zum Beispiel digitale Aufzeichnungen von Schlaf- und Wachphasen oder auf Jahresplanern markierte Ereignisse wie Weinanfälle, schlaflose Nächte oder ihre An- und Abwesenheit im Atelier. Kunsthaus CentrePasquArt, Seevorstadt 71-73, CH – 2502 Biel, www.pasquart.ch, Mi 12-18, Do 12-20, Fr 12-18, Sa/So 11-18. Bild: Susan Morris, SunDial:NightWatch_Light Exposure 2010-2012 (Tilburg Version), (Detail), 2014, Baumwollgarn, Leinengarn, Courtesy the artist (Foto: Stephen White)

Biel – Kunsthaus CentrePasquArt Katie Paterson 11. September – 20. November 2016 Katie Paterson (*1981, GB) wird weithin als eine der talentiertesten Kunstschaffenden ihrer Generation angesehen. Unter den Aspekten von Raum und Zeit untersucht sie die Beziehung zwischen dem Mensch und dem Universum. Sie konzentriert sich auf Gebiete wie Ökologie, Geologie und Kosmologie und wählt eine konzeptuelle Herangehensweise für die poetische Befragung existenzieller Ideen. Mit ihrer Präsentation im Kunsthaus CentrePasquArt realisiert Katie Paterson ihre bisher umfangreichste Einzelausstellung, welche zentrale Werke ihrer zehnjährigen Karriere sowie einige neue Arbeiten beinhaltet. Kunsthaus CentrePasquArt, Seevorstadt 71-73, CH – 2502 Biel, www.pasquart.ch, Mi 12-18, Do 12-20, Fr 12-18, Sa/So 11-18 Bild: Katie Paterson, Fossil Necklace, 2013, 170 Fossilien, geschliffen und gerundet, Courtesy the artist (Foto / Photo: Blaise Adilon)

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Ausstellungen und Termine Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen stein, erde, holz. herman de vries 22. Oktober 2016 – 8. Januar 2017 Der gebürtige Niederländer herman de vries (*1931), der 2015 für seine Heimat den Länder-Pavillon auf der Biennale von Venedig bespielte, verfolgt seit fast sechzig Jahren ein beeindruckend eigenständiges Œuvre, das Kunst und Leben vereint, Naturprozesse und Philosophie einbezieht. Er sammelt, ordnet und präsentiert Gegenstände und Materialien aus der Natur und lenkt unsere Aufmerksamkeit auf die Welt, die uns umgibt – auf Steine, Erden und Hölzer, die herman de vries auf ausgedehnten Reisen oder in seiner deutschen Wahlheimat Eschenau sammelte. Er bringt diese mit systematisch-konzeptuellem Blick in eine strenge, serielle Ordnung mit überaus poetischer Wirkung. Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen, Hauptstraße 60–64, 74321 Bietigheim-Bissingen Tel: 07142 74-483, http://galerie.bietigheim-bissingen.de, galerie@bietigheim-bissingen.de. Öffn.: Di, Mi, Fr14–18 Uhr, Do 14–20 Uhr, Sa, So, Feiertage 11–18 Uhr. EINTRITT FREI! hermann de vries, die bäume, 1988. Galerie Müller-Roth, Stuttgart. Foto: Andreas Lauble

Bonn – Beethoven-Haus Sonderausstellung „Beethoven auf Reisen“ 1. September 2016 – Januar 2017 In unserer Zeit hat das Reisen eine große Bedeutung. Musiker reisen, um ihre Kunst möglichst vielen Menschen auf der Welt näherzubringen. Schon Wolfgang Amadeus Mozart oder Felix Mendelssohn Bartholdy waren ständig auf Konzertreisen. Wie war das aber bei Beethoven? Zweimal hat er sich auf die lange Reise von Bonn nach Wien begeben, um beim zweiten Mal für immer dort zu bleiben. Warum war er ansonsten unterwegs und wohin? Wie reiste man damals überhaupt? Zu Fuß, mit dem Schiff oder per Postkutsche? Begleiten Sie Beethoven auf seinen Reisen – Sie werden ganz sicher spannende Entdeckungen machen! Beethoven-Haus, Bonngasse 20, 53111 Bonn www.beethoven-haus-bonn.de bis 31.10.: täglich 10-18 Uhr, ab 1.11. Mo-Sa 10-17 Uhr, So 11-17 Uhr

Städtisches Museum Braunschweig – Gerd Winner 9. Oktober 2016 – 29. Januar 2017 Das Werk des Künstlers Winner wird in einer Retrospektive im Städtischen Museum Braunschweig, Haus am Löwenwall, unter dem Titel „Gerd Winner – In 80 Jahren um die Welt“ gewürdigt. Die Ausstellung zeigt Gemälde, Druckgraphiken, Zeichnungen und Skulpturen aus allen seinen Schaffensperioden. Speziell thematisiert werden die Städte Braunschweig, Berlin und New York mit charakteristischen Werken. Die Ausstellung wird von einem museumspädagogischen Programm begleitet. Neben Führungen gibt es Angebote zur Einführung in druckgraphische Techniken. Zur Ausstellung erscheinen ein Kunstband und ein Kurzführer. Öffnungszeiten: Di – So 10 – 17 Uhr, Städtisches Museum Braunschweig, Steintorwall 14, 38100 Braunschweig, Tel.: (0531) 470 4521, staedtisches.museum@braunschweig.de, www.braunschweig.de/museum. Bild: Gerd Winner, Januskopf, 1965, Farbradierung mit Kaltnadel und Aquatinta, Städtisches Museum Braunschweig. © Städtisches Museum Braunschweig, Foto: Dirk Scherer

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Görlitz – Schlesisches Museum Barockes Glas aus Schlesien 20. August – 20. November 2016 In den Glashütten am Fuße des Riesengebirges entstanden im 17. und 18. Jahrhundert Kunstwerke aus Glas, die bis heute die Menschen faszinieren. Ihr ästhetischer Reiz, aber auch ihre wirtschaftliche Bedeutung für Schlesien sind für das Schlesische Museum zu Görlitz und das Muzeum Karkonoskie w Jeleniej Górze (Riesengebirgsmuseum Hirschberg) Anlass, ihnen eine gemeinsame Ausstellung zu widmen. Mit über 200 Exponaten, darunter auch exklusive Leihgaben aus bedeutenden polnischen Museen, ist die Ausstellung die umfangreichste Präsentation barocker schlesischer Gläser, die bisher zu sehen war. Schlesisches Museum zu Görlitz, Schönhof – Brüderstraße 8, 02826 Görlitz, www.schlesisches-museum.de, Di. – So., 10 – 17 Uhr (Sonderöffnungszeiten siehe Website)

Koblenz – Mittelrhein-Museum Aiga Rasch - Die drei ??? und die rätselhaften Bilder 8. Oktober 2016 – 29. Januar 2017 Die Ausstellung zeigt einen Einblick in die Schaffenswelt der Künstlerin Aiga Rasch (1941-2009). Die Grafikerin und Illustratorin wurde in Stuttgart geboren. Ihren größten Erfolg erzielte sie mit der Jugendbuchreihe „Die drei ???“, für die sie insgesamt 89 Titelillustrationen gestaltete. Zu ihrem weiteren künstlerischen Nachlass, der seit ihrem Tod von Nachlassverwalter Matthias Bogucki verwaltet wird, gehören weitere 65 Kunstwerke. Darunter Ölgemälde, Aquarelle, Kachelbilder und die sogenannten Pinnagen. Die Ausstellung ist eine Kooperation mit der Stadtbibliothek Koblenz und der VHS Koblenz. Mittelrhein-Museum, Zentralplatz 1, 56068 Koblenz, www.mittelrhein-museum.de, Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10-18 Uhr, Copyright: Die drei ??? sind eine eingetragene Marke der Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart,

Seeheim-Jugenheim – Museum Stangenberg Merck bis 11.2016: Heidy Stangenberg-Merck: Seestücke/Sehstücke bis 04.2017: Susanne Altzweig: Form und Farbe. Keramiken Zusätzlich zu den bestehenden Dauerausstellungen (über drei Etagen) werden ab 21.08. in der Sonderausstellung ,,Seestücke/ Sehstücke“ Werke in verschiedenen Techniken gezeigt, bei denen Heidy Stangenberg-Merck das von ihr so geliebte Meer gemalt hat. Dabei finden sich nicht nur exzellente Küstenlandschaften und Hafenszenen, vielmehr hat die Künstlerin auch den Alltag der Fischer und das meist schlichte Leben am Meer in seiner ganzen Intensität festgehalten. Die zweite Sonderausstellung zeigt Werke der Keramikerin Susanne Altzweig, die für ihre ausdrucksstarken Objekte bekannt ist und bereits mehrfach ausgezeichnet wurde. Museum Stangenberg Merck, Helene-Chrstaller-Weg 13, 64342 Seeheim-Jugenheim www.museum-jugenheim.de, Mi-Fr 15-19 Uhr, Sa/So/Ft 11-18 Uhr

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Ausstellungen und Termine Stendal – Winckelmann-Museum Anmut und Aufklärung – Eine Sammlung von Druckgraphik nach Werken von Angelika Kauffmann 4. September – 20. November 2016 1764 porträtierte die schweizerisch-österreichische Malerin Angelika Kauffmann (1741–1807) Johann Joachim Winckelmann in Rom. Mit dem Bildnis wurde die damals erst 23-jährige schlagartig bekannt. Neben Porträts zählen auch Mythen- und Historienbilder zu ihrem reichen Repertoire. Das Winckelmann-Museum präsentiert erstmals Druckgraphik nach diesen Werken aus der Sammlung Kielgas/Weber, ergänzt durch Gemälde und Graphik aus dem Museumsbestand. Die Ausstellung wird unterstützt durch Mittel des AsKI. Es erscheint ein Katalog mit Beiträgen von Bettina Baumgärtel. Winckelmann-Museum, Winckelmannstr. 36-38, 39576 Stendal, www.winckelmann-gesellschaft.com; Di.-So. 10-18 Uhr (ab Okt. bis 17 Uhr), ©Archiv Winckelmann-Gesellschaft

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„Weltsicht und Wissen um 1600“ veranschaulicht die Vielfalt des Phänomens „Kunstkammer“ anhand von Kunstwerken und Sammlungsobjekten aus dem Besitz der sächsischen Kurfürsten, ohne eine Rekonstruktion der kurfürst-

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lich-sächsischen Kunstkammer anzustreben. Sieben Räume im ersten Obergeschoss des Georgenbaues sind einzelnen Themen gewidmet, welche die Sammellust eines Fürstenhauses der Spätrenaissance illustrieren.


Residenzschloss Dresden â&#x20AC;&#x201C; Weltsicht und Wissen um 1600 Die neue Dauerausstellung markiert einen weiteren Meilenstein im Wiederaufbau 115


Ausgewähltes Objekt Raum 1: Die beiden Hobel entstanden um 1570 in der Werkstatt von Leonhard Danner. Sie sind flächenübergreifend mit Rankenwerk verziert. Das Schneidemesser wird hier mit einer Flügelschraube anstelle eines sonst üblichen Keils festgestellt. Im Kunstkammerinventar von 1587 sind die beiden Werkzeuge als „2 kurze fausthubel, schlicht und scherfhubel“ verzeichnet. Sie dienten dem Erstbearbeiten von rauen Holzoberflächen. Rüstkammer, © SKD, Foto: Jürgen Karpinski

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Raum 1 – Der Kurfürst als artifex

Raum 2 – Die Ordnung der Dinge

Das Altersporträt Kurfürst Augusts (15261586) zeigt den Begründer der kurfürstlich-sächsischen Kunstkammer. Sein persönliches Interesse an Werkzeugen, die er auch selbst benutzte, ging einher mit der landesväterlichen Verantwortung, die technischen Künste (artes mechanicae) zu fördern und das Land zu wirtschaftlicher Blüte zu führen. Von den etwa 7.000 Werkzeugen aus der frühen Dresdner Kunstkammer sind die erhaltenen Stücke im Raum „Der Kurfürst als artifex“ versammelt. Die Bandbreite reicht von Gartengeräten über Goldschmiede-, Tischler- und eisenbearbeitende Werkzeuge bis hin zu den sogenannten Brechzeugen. Diese kleinformatigen funktionstüchtigen Modelle von Werkzeugen zum „Ein- und Ausbrechen“ bürgten zugleich für die Wehrhaftigkeit Kursachsens. Chirurgische Instrumente sowie zierliche Gerätschaften zur Körperpflege spiegeln die Vielfalt der Objekte wider.

Vier Kabinettschränke aus der Kunstkammer bestimmen den Raum „Die Ordnung der Dinge“. Der hier gezeigte große Kunstkammerschrank des Dresdner Hoftischlers Hans Schifferstein und ein in Süddeutschland hergestelltes Schränkchen mit farbigen Messingverzierungen sind ohne Inhalt. Den Höhepunkt bilden die beiden reich bestückten Augsburger Kabinette des Kurfürsten Johann Georg I. (sog. Werkzeugkabinett) und seiner Gemahlin Magdalena Sibylla (sog. Tischkabinett). Auf einen Fürsten zugeschnitten ist das Werkzeugkabinett mit seinen Gerätschaften für die herrschaftliche Beizjagd, Werkzeugen, Toilette- und Apothekerutensilien, Brechzeugen sowie Silbergeschirr. Das zu einem Tisch verwandelbare Kabinett mit Einlagen aus Trümmermarmor ist für eine Fürstin bestimmt und birgt ein Virginal sowie Schreibgeräte, mathematische Instrumente, Nähzeug, eine Apotheke, Barbierinstrumente und diverse Spiele.


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Raum 3 – Spielwelten Das Spiel diente im höfischen Leben sowohl dem reinen Vergnügen und dem gesellschaftlichen Beisammensein als auch dem spielerischen Erlernen von Strategie und Taktik. Brettspiele, deren Regeln zum Teil bis heute Bestand haben, fanden als kostbar gestaltete Geschenke Eingang in fürstliche Sammlungen. Meisterhaft ist die Verarbeitung von Bernstein, Elfenbein, Edelhölzern, Wachs, Glas und Metallen, die jedem Stück seinen unverwechselbaren Charakter verleiht. Das musikalische Spiel gehörte zur Unterhaltung und war zugleich Mittel der Erziehung. Saiten- und Blasinstrumente ergänzen die in den Kabinettschränken im Raum nebenan integrierten Spinette. Beim deftigen Trinkspiel wiederum ging es darum, wer die größte Menge Alkohol trinken konnte. Der aus den Kurfürstengemächern des Neuen Stalls (heute Johanneum) stammende Trinktisch mit den dazugehörigen Stühlen verweist darauf.

Ausgewähltes Objekt Raum 3: Deckel eines ursprünglich über vier Ellen hohen Stangenglases mit Diamantriss, wohl Murano, vor 1630 Kunstgewerbemuseum, © SKD, Foto: Jürgen Lösel

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Raum 4 – Kombinationswaffen Die Rüstkammer beherbergt eine einzigartige Sammlung von Kombinationswaffen der sächsischen Kurfürsten. Die im Raum 4 gezeigten Objekte vereinen die Vorzüge unterschiedlicher Waffentypen in einem Stück und sind zugleich auf das Aufwendigste dekoriert. Als technische Meisterwerke und Prunkwaffen, denen durchaus ein spielerisches oder überraschendes Element innewohnt, wurden sie zum Gegenstand fürstlicher Sammlerfreude und gelangten so auch in die Kunst- und Rüstkammern anderer europäischer Herrscher. Die beiden Vitrinen mit technisch und historisch besonders beachtenswerten Pistolen samt Zubehör bilden die Überleitung zur Gewehrgalerie im Langen Gang. Ausgewähltes Objekt Raum 4: Streithammer (Zscheckan) mit ausfahrbarer Spieß-klinge und Fabelwesen, Italien, 1560-1590. Klinge: Spanien (Toledo). Rüstkammer, © SKD, Foto: Jürgen Lösel

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Raum 5 – Die Vernetzung der Welt Mit Blick auf die Elbe, einem bedeutenden Reise- und Handelsweg, thematisiert der Raum „Die Vernetzung der Welt“ in besonderem Maße Weltsicht und Wissen im 16. und 17. Jahrhundert. Neben Gewürzen, Zucker, Gold, Edelsteinen oder Seide brachten Handelsschiffe exotische Tiere und fremdartige Materialien nach Europa. Für den Besucher einer Kunstkammer der Frühen Neuzeit spiegelten die Objekte aus Übersee die sich ständig erweiternde Welterkenntnis wider. Versammelt sind hier Ethnografika und fernöstliche Kunstwerke, regionale und exotische naturalia in unbearbeiter Form sowie aus diesen Materialien gefertigte Sammlungsstücke. Über eine Medienstation erhält der Besucher die Möglichkeit, sich über gefahrvolle Entdeckungsreisen in ferne Länder, die Handelswege und Umschlagplätze sowie die Verarbeitung exotischer Materialien zu informieren.

Ausgewähltes Objekt Raum 5: Dieser Turboschneckenpokal mit Korallezweig war ein Geschenk des Landgrafen Georg II. von Hessen-Darmstadt an Kurfürst Johann Georg I. im Jahr 1627. In ihrer Naturform ist die Turboschnecke mit einer wenig attraktiven Kalkschicht überzogen. Erst durch vorsichtiges Abschleifen wird die darunterliegende Perlmutterschicht freigelegt und durch Polieren zu ihrem Glanz gebracht. Grünes Gewölbe, © SKD, Foto: Jürgen Karpinski

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Raum 6 – Der protestantische Kurfürst Der Hof der sächsischen Kurfürsten war im 16. und 17. Jahrhundert das Zentrum des von Luther geprägten evangelischen Glaubens. Originale Bauteile und Ausstattungsstücke der ehemaligen Dresdner Schlosskapelle werden in diesem Raum präsentiert, darunter die Eichenholztür von 1556, das Attikarelief mit der Auferstehung Christi und die Skulptur des Auferstandenen vom Portal. Der im 2. Weltkrieg beschädigte Taufstein und kostbare liturgische Silbergefäße aus der Dresdner Schlosskapelle sind hier erstmals wieder im Residenzschloss vereint. Andacht und höchste Kunstfertigkeit verbinden sich in dem Nürnberger Kalvarienberg und in dem Bronzekruzifix von Carlo di Cesare.

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Fotos Räume: © Leonid Artamonov

Raum 7 – Studiolo (Kabinettausstellungen) Am Ende des Rundgangs erinnert eine große Vitrine erneut an Kurfürst August, den Gründer der Dresdner Kunstkammer. Das eigenhändige Zeichnen von Landkarten, das kunstvolle Drechseln von Elfenbein, das Säen, Setzen und Propfen von Obstbäumen und auch das Verfassen unzähliger Schreiben und Briefe sind Tätigkeiten, für die der Kurfürst bekannt ist. Zeichen- und Schreibgeräte, ein Schreibpult sowie kleine Drechselkunststücke erinnern an diese privaten Interessen. Der Raum, in dem sich diese Vitrine befindet, steht für wechselnde Kabinettausstellungen zur Verfügung.

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Ausgewähltes Objekt Raum 7: Zirkel, Deutschland, Ende 16. bis Anfang 17. Jh., Mes-

sing, durchbrochen, teils graviert, teils vergoldet Rüstkammer, © SKD, Foto: Jürgen Lösel


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124 Fotograf: H.C. Krass Copyright: Staatliche Kunstsammlungen Dresden

MAGAZIN MUSEUM.DE Nr. 26  

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