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Ausgabe 22

10 | 2015

http://www.museum.de

MAGAZIN M USEUM.DE

Das Flamenco Tanz Museum Cristina Hoyos, Sevilla


In diesem Heft

Seite

Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst

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rdbeeren im Winter?

Martin von Wagner Museum d. U. Würzburg 32 Flamenco Tanz Museum, Sevilla

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macht. Direkt nach dem Betreten des Museums erwartete mich eine Überraschung – hinter einer Glaswand konnte ich den Tänzerinnen und Tänzern einer einer Flamencoschule bei den Proben zuschauen.

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Gutenberg-Museum 64 Deutsches Schiffahrtsmuseum

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Kapitelsaal St. Viktor Dom Xanten

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Stift. Domäne Dahlem, Landg. u. Museum 100 MUSEUM LA8, Baden-Baden

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Kulturlandschaft Deilbachtal

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Whitney Museum of American Art

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Münzkabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden

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GRIMMWELT Kassel

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Bibelhaus Erlebnis Museum Frankfurt/M.

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Titelseite: Cristina Hoyos in s/w, Foto: Teo Escamilla (Bild aus dem Film “Bluthochzeit” von Carlos Saura)

In der heutigen Zeit muss scheinbar alles zu jeder Zeit und überall angeboten werden. Wer jedoch das weltweit einmalige Flamencotanzmuseum besuchen möchte, wird sich auf die Reise nach Sevilla begeben. Mein nur 20-stündiger Trip vom Niederrheinischen Xanten ins Herz Andalusiens erfolgte auf Einladung des Museumsdirektors Kurt Grötsch. Zu seiner spanischen Familie gehört Cristina Hoyos – die wohl bekannteste Flamencotänzerin des 20. Jahrhunderts. Sie hatte die Idee, ein Flamencotanzmuseum zu gründen, um nach ihrer aktiven Zeit einen lebendigen Beitrag zur Bewahrung des Flamencos zu leisten. So wird man im Flamencomuseum auf keine einzige Vitrine stoßen, denn hier wird das musikalische Erlebnis unmittelbar durch Live-Vorstellungen erlebbar ge-

Als wäre dieses mit großem Engagement geführte und mit hoher finanzieller Risikobereitschaft gegründete Museum mit über 120.000 Besuchern nicht genug, hat Kurt eine Initiative „chinese friendly“ ins Leben gerufen. Das Projekt unterstützt europäische Museen dabei, sich sprachlich auf ihre asiatischen Gäste einzustellen. Nach einem typisch spanischen Mittagessen in einem Geheimtipp nebenan liefen wir entspannt zur wenige hundert Meter entfernten Kathedrale von Sevilla. Auf dem Weg dorthin gab es viele freundliche Begegnungen mit Einheimischen. Die stets schwarz gekleideten Macher vom Flamencomuseum sind am Ort sehr bekannt und beliebt. Ich freue mich schon auf meine nächste Reise ins schöne Sevilla! Herzlichst, Ihr Uwe Strauch

Dr. Kurt Grötsch (Direktor des Flamenco Tanz Museums) und Uwe Strauch (Gründer museum.de) im Flamenco Tanz Museum in Sevilla. Mein Gastgeschenk „luces y sombras del flamenco“.

MAGAZIN MUSEUM.DE

Ausgabe Nr. 22

Herausgeber

Bahnhofstr. 4

Telefon 02801-9882072

museum@mailmuseum.de

Druck: Strube Druck & Medien

Oktober 2015

Uwe Strauch, Dipl.-Inf. TU

46509 Xanten

Telefax 02801-9882073

www.museum.de

Vers.: Dialogzentrum Rhein-Ruhr

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Wikipedia: Photo by CEphoto, Uwe Aranas / CC-BY-SA-3.0

Verkehrsmuseum Dresden im neuen Licht Autor: Dr. Wolfgang Roddewig Das Verkehrsmuseum Dresden hat im letzten Jahr einen neuen Besucherrekord aufzuweisen: 250.000 Besucher kamen in das Museum, das sich trotz der „Konkurrenz“ in unmittelbarer Nähe von Frauenkirche, Residenzschloß und Zwinger erfolgreich behaupten konnte. Das liegt wohl in erster Linie an der Neuausrichtung des Museums, wobei neue inhaltliche und gestalterische Akzente gesetzt wurden. Dieser Prozess wurde vorangetrieben durch den neuen Museumsdirektor Joachim Breuninger, der sich 2010 erfolgreich gegen seine Mitbewerber um den neu zu besetzenden Posten des Museumsleiters durchgesetzt hatte. Vor allem

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sein eigenes Konzept für die Neuausrichtung des Museums, den Menschen in den Mittelpunkt der Ausstellung zu stellen, überzeugte. Die ersten Ergebnisse sind jetzt zu besichtigen: Die Dauerausstellung zur Luftfahrt und zuletzt zur Geschichte des Straßenverkehrs wurden neu konzipiert, ein großer Mitmachbereich für Kinder und Jugendliche geschaffen, der Eingangsbereich neu gestaltet und die Spur-0-Modelleisenbahnanlage neu mit LED-Leuchten erlebbar gemacht. Das Johanneum, am Neumarkt nahe der Frauenkirche gelegen, ist das älteste Ausstellungsgebäude Dresdens und hat eine mehr als 400-jährige Geschichte, die eng mit den sächsischen Kurfürsten

und Königen sowie ihren Sammlungen verbunden ist. Das heute denkmalgeschützte Renaissancegebäude von 1586 diente ursprünglich als Stallgebäude für die Unterbringung der kurfürstlichen Pferde und Kutschen. In zwei Hallen war ausreichend Platz für Wagen, Kutschen und 128 Pferde. Über dem kurfürstlichen Pferdestall befand sich die Kurfürstliche Rüst- und Harnischkammer. Nach dem Umbau des Gebäudes und der Gestaltung der Neorenaissance-Fassade zwischen 1872 und 1876 unter König Johann III. wurde das Gebäude nach seinem Bauherrn in „Johanneum“ umgenannt. Nach verschiedenen anderen Nutzungen befindet sich seit 1956 das Verkehrsmuseum Dresden im Johanneum.


Vorfahrt – Die neue Dauerausstellung Straßenverkehr

Zukunftslabor: Informations- und Mitmachstation

Beweglich zu sein und zu reisen war Ansporn für viele Visionäre und Techniker, verschiedenartigste Fahrzeugkonstruktionen zu entwickeln. Die neue Dauerausstellung Straßenverkehr macht Geschichte, Gegenwart und Zukunft der individuellen Mobilität in all ihren Facetten erlebbar. Eindrucksvoll auf zwei Ebenen inszeniert, führt sie die Entwicklung der Zweiräder, Automobile und Nutzfahrzeuge zusammen.

Neuland betritt das Museum mit dem »Zukunftslabor« – einer Informationsund Mitmachstation zur Mobilität von morgen. Jeder Museumsbesucher kann sich als Visionär fühlen. Ein wandfüllender Touchscreen, entwickelt an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden, gleicht einem regen Verkehrsgewühl mit Autos. In diesem Zukunftslabor kann sich jeder Besucher sein Lieblingsfahrzeug konstruieren und die Stadt entwerfen, in der er gern leben möchte. Verkehrsexperten stehen virtuell zur Verfügung, auch Gemeinschaftsprojekte können durchgeführt werden.   Das Ausstellungskonzept

Die Ausstellung rückt den Menschen neben der Technik in den Mittelpunkt. So leitet eine „zeitreisende“ Familie durch 200 Jahre Straßenverkehrsgeschichte

Zukunftslabor: Informations- und Mitmachstation

– von der Postkutsche und Sänfte über das Laufrad und die ersten motorisierten Fahrzeuge bis zu den heutigen Automobilen. Die Familie gibt in fünf „Zeitinseln“ Einblicke in die jeweilige Lebens- und Verkehrswelt. „Wir wollen nicht nur Fahrzeuge zeigen, sondern erzählen, wie diese die Gesellschaft verändern und das Leben beeinflussen“, erläutert Museumsdirektor Joachim Breuninger.

„Hochstrasse“: Stahlkonstruktion für eine zweite Ebene

Für die neue Dauerausstellung im ehemaligen Kutschpferdestall wurde ein Wettbewerb durchgeführt, danach wurde das Berliner Büro RUFUS studio für raum und form für die Gestaltung beauftragt. Um die Vielzahl der Exponate unterzubringen, ist schon sehr früh die Entscheidung gefallen, eine zweite Ebene einzuziehen. Damit wurde einerseits wegen der großen Höhe der Hallencharakter des Raumes abgemildert, andererseits aber auch viel Ausstellungsfläche gewonnen. Es wurde sozusagen eine „Hochstrasse“ eingezogen.

„Hochstrasse“ von unten: Aufbauphase

Stoßstange an Stoßstange stehen die historischen Automobile, umgeben von Fahrrädern und Motorrädern. Das entspricht zwar dem Alltag von heute, aber es zeigt nur bedingt, wie gefährlich es Ende des 19. Jahrhunderts auf den Straßen war, als nur wenige langsam fahrende Autos durch die Gegend fuhren. Die Straße war damals Lebensraum: Kinder spielten, Fußgänger spazierten und Reiter schauten auf sie herab. Jeder bewegte sich fort, so gut er konnte, und vor allem so, wie er wollte. Tödliche Unfälle waren an der Tagesordnung. Erst 1910 führte ein Reichsgesetz Verkehrsregeln, Kennzeichenpflicht und Führerschein ein.

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Der Ausstellungsrundgang beginnt im unteren Bereich. Ein Bild des alten Kutschpferdestalls gibt einen historischen Rückblick, ein Pferd und eine Kutsche verdeutlichen dies. Die Integration der zweiten Ebene im Verhältnis zur ursprünglichen Architektur ist hier deutlich zu sehen. Danach begibt man sich auf den Rundgang der Zeitreise, wobei an grün gekennzeichneten Hörstationen die zeitbezogenen Familiengeschichten angehört werden können. Über zwei verschiedene Treppen gelangt man auf die „Hochstrasse“, wo die Fahrzeuge Stoßstange an Stoßstange aufgereiht sind.

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Oben: Obergeschoss. Unten: Erdgeschoss, Zeitreise

Beleuchtungskonzept Schon zu Beginn der Planungen wurde über ein einfaches, aber differenziertes Beleuchtungssystem nachgedacht. Es wurde ein Stromschienensystem in nur einer Ebene konzipiert, von dem aus sowohl die untere Ebene als auch die Exponate auf der „Hochstrasse“ beleuchtet werden konnten. Um dies realisieren zu können, brauchte man Lichtwerkzeuge, bei denen die Lichtausstrahlrichtungen und die Höhe der Beleuchtungsstärken

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auf einfache Weise zu verändern sind. Außerdem war eine Differenzierung der Beleuchtung der beiden Geschosse durch unterschiedliche Lichtfarben gewünscht. Das Ziel war, ein ruhiges Erscheinungsbild zu erzeugen, aber dennoch auf die unterschiedlichen kuratorischen Anforderungen eingehen zu können. Schon im Planungszustand wurden für jedes Exponat die einzelnen Strahler mit den Ausstrahlungswinkeln festgelegt. Von Anfang an hatte man sich für

LED-Strahler entschieden, die auch schon in anderen Bereichen des Verkehrsmuseum verwendet worden waren. In diesem Fall fiel die Wahl auf einen Light Board-Strahler von ERCO. Charakteristisch für Light Board ist das markante Design: Das flache Gehäuse integriert das Betriebsgerät und sorgt mit ausgefeilten Wärmemanagement für die lange Lebensdauer von 50.000 Stunden. Das Konzept von Light Board umfasst unterschiedlich große Lichtstrompakete, die


Narrow Spot

Spot

Flood

Wide Flood

Mögliche Lichtstärkeverteilungen mit Wechsellinsen

Oval Flood

sich sowohl für Akzentbeleuchtung über weite Distanzen als auch zur intensiven Beleuchtung von großflächigen Objekten eignen. Light Board-Strahler gibt es in den Lichtfarben warmweiss (3000K) und neutral-

Wallwash

Light Board 12W

Light Board 24W

weiss (4000K). Dadurch ist es möglich, die Lichtfarbe an Materialfarben und Raumatmosphären anzupassen oder mit Warm-Kalt-Kontrasten zu arbeiten. Dies ist hier ausgenutzt worden: Im Erdgeschoss wurde die warmweisse Lichtfarbe, im Obergeschoss die neutralweisse Lichtfarbe eingesetzt, um die Ausstellungszonen atmosphärisch zu differenzieren.

sion als konventionelle Lichttechnik mit Reflektoren. Durch den Einsatz hochwertiger optischer Polymere werden die Transmissionsverluste auf das geringstmögliche Maß begrenzt. Für die gesamte neue Ausstellung wurden daher lediglich zwei Leistungsstufen der LED Light Board Strahler benötigt: 12W und 24W. Durch das werkzeuglose Wechseln der jeweiligen Spherolitlinsen werden dann die notwendigen Lichtstärkeverteilungen Narrow Spot, Spot, Flood, Wide Flood, Oval Flood und Wallwash erzeugt.

Die innovative Projektionstechnik der Light Board Strahler verfügt über einen höheren Wirkungsgrad und mehr Präzi-

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1928 übernahm BMW mit der Fahrzeugfabrik Eisenach eines der traditionsreichsten deutschen Automobilunternehmen. Neben Eigenkonstruktionen unter dem Markennamen DIXI baute man ab 1928 den erfolgreichen englischen Kleinwagen Austin Seven in Lizenz. 1932 löste man sich von der Austin-Lizenz und entwickelte das erste eigene Fahrzeug unter dem Markennamen BMW mit der Bezeichnung AM1, die Karosserien fertigte die Daimler-Benz AG in Sindelfingen. Mit einer Leistung von 20 PS konnte eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h erzielt werden.

Die Wiege des ersten BMW stand in Eisenach: BMW AM1

Die Exponate Von der Vielzahl der Exponate seien hier nur zwei besondere Raritäten erwähnt: der BMW AM1 und der Dienstwagen von Erich Honecker.

Modelleisenbahnanlage Spur 0

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Die erste eigene Automobilkonstruktion der Bayrischen Motorenwerke AG wurde 1932 im Werk Eisenach gebaut. Das sehr seltene Fahrzeug befindet sich noch im Originalzustand und wurde bewusst nicht „auf Hochglanz getrimmt“.

Vor der Parade der Wartburgs befindet sich auf der “Hochstrasse” der Dienstwagen des ehemaligen DDR-Partei- und Staatschefs Erich Honecker. Erstmals wird der Öffentlichkeit dieser besonders stark gepanzerte Pkw gezeigt. Das Fahrzeug wurde vom französischen Automobilkonzern Citroen gefertigt, lediglich zwei Exemplare dieser Spezialausfertigung wurden an die DDR geliefert. Als Kompensation sollen Maschienen geliefert worden sein. Modelleisenbahnanlage Mit einer Fläche von 325 qm ist die Modellbahnanlage des Verkehrsmuse-


Dienstwagen von Erich Honecker

ums Dresden auch international eine der größten der Spur 0. Zu ihr gehören über 150 Fahrzeuge, 625 Meter Gleise, 5 Bahnhöfe und eine integrierte Schmalspurbahn. 150 Lokomotiven, Reiseund Güterzugwagen halten die Zeitgeschichte der Eisenbahn von der ersten deutschen betriebsfähigen Lokomotive SAXONIA bis in die 1990er Jahre lebendig. Jedes der Schienenfahrzeuge auf der Spur-0-Anlage ist entweder ein Unikat oder wurde in Kleinserie gebaut. Die Beleuchtung der Modelleisenbahnanlage hatte den Stand von 1997 nach der letzten Rekonstruktion. Umfangreiche Berechnungen und Simulationen führten zu dem Ergebnis, daß die alten Leuchten sich zwar an den richtigen Positionen befanden, aber durch präzise-

re LED-Leuchten ausgetauscht werden sollten. Dadurch konnten die einzelnen Architekturen der Anlage besser herausgearbeitet werden. Insbesondere kam jetzt auch die Rückwandbeleuchtung der „blauen Berge“ gut zur Geltung.

nen Bogen von der Vergangenheit in die Zukunft. Weitere Informationen zum Projekt und zu den eingesetzten Produkten sind unter www.erco.com oder unter der nachfolgenden Adresse erhältlich:

Fazit Das Dresdner Verkehrsmuseum hat große Anstrengungen unternommen, seine Ausstellungen neu zu gestalten und energieeffizient mit LEDs zu beleuchten. Die ersten wichtigen Schritte sind zur allgemeinen Zufriedenheit erfolgt, als nächstes wird die Abteilung Schifffahrt folgen. Mit den ständigen Ausstellungen Straßenverkehr, Eisenbahn, Schifffahrt und Luftfahrt sind alle Sparten des Verkehrswesens vertreten und spannen ei-

Dr.-Ing. Wolfgang Roddewig Leiter Segment Museum Reichenberger Str. 113a 10999 Berlin Tel. 030-769 967 14 email w.roddewig@erco.com Projektfotos: Verkehrsmuseum Dresden Leuchtenfotos: ERCO GmbH

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Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst Autorin: Dr. Gisela Vetter-Liebenow

Wer Freude an Satire hat oder Liebhaber der Zeichenkunst ist, wer Lachen möchte oder Wert auf eine kritische Auseinandersetzung mit brennenden politischen oder gesellschaftlichen Fragestellungen legt, findet im Museum Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst die richtige Anlaufstelle. Rund 300 Ausstellungen sind seit Bestehen des Hauses gezeigt worden und haben das Muse-

des Museums zumeist im jährlichen Wechsel eine Auswahl aus den beiden Sammlungsbereichen des Museums gezeigt. Diese umfassen Bildergeschichten, Zeichnungen nach der Natur und Ölgemälde von Wilhelm Busch sowie über 40.000 Karikaturen aus vier Jahrhunderten und spiegeln damit auf einzigartige Weise die Entwicklung der satirischen Kunst von 1600 bis in die Gegenwart wider. Zu den

wird von der 1930 gegründeten Wilhelm-Busch-Gesellschaft getragen. Zusätzlich wird es durch einen Verein der Freunde und Förderer unterstützt. Die Landeshauptstadt Hannover gewährt dem Museum jährlich eine institutionelle Förderung. Das Land Niedersachsen, Stiftungen, kulturelle Institutionen und Wirtschaftsunternehmen in Stadt und Land sowie der Bund unterstützen regelmäßig Ausstellungen, Publikationen und Ankäufe. Auch private Förderer helfen Gesellschaft und Museum immer wieder großzügig.

um weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt gemacht. Die drei- bis viermal pro Jahr wechselnden Präsentationen im Westflügel des Museums zeigen historische und zeitgenössische Werke aus den Bereichen Karikatur und Cartoon, Bildergeschichte und Comic, Illustration und freie Zeichnung. Zu den Highlights der vergangenen Jahre zählen beispielsweise die Werkschauen von Jean Jacques Sempé oder Loriot ebenso wie ein Überblick über den deutschsprachigen Comic in der Nachfolge von Wilhelm Busch. Großen Zuspruch fanden auch Ausstellungen mit historischen Karikaturen wie 2014 „Königliches Theater“ zum 300-jährigen Jubiläum der Personalunion zwischen Hannover und Großbritannien oder mit Kinderbuchillustratoren wie Axel Scheffler oder Philip Waechter. Zusätzlich wird in den Sammlungsräumen

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Schwerpunkten zählen neben Wilhelm Busch die englischen und französischen Karikaturisten des 18. und 19. Jahrhunderts, Künstler satirischer Zeitschriften wie „Simplicissimus“ oder „The New Yorker“ und große Werkkomplexe wie die Nachlässe von F. K. Waechter, Ronald Searle oder Marie Marcks. Das Museum versteht sich als ein Ort, an dem Humor und Satire in ihrer ganzen Vielschichtigkeit erlebt werden können, von herausfordernden Begegnungen mit brennenden Themen der Zeit über lebendige Einblicke in vergangene Zeiten bis zu vergnüglichen Spiegelungen menschlicher Eitelkeiten. Beheimatet ist das Museum im Georgengarten in Hannover, im zwischen 1779 und 1782 erbauten frühklassizistischen Wallmodenpalais. Das Museum ist eine privatwirtschaftliche Einrichtung und

Die Gründung des Museums geht zurück auf das Jahr 1937, als die noch junge Wilhelm-Busch-Gesellschaft im Stadtzentrum Hannovers das Wilhelm-Busch-Museum eröffnete. Durch den großen Bombenangriff im Oktober 1943 wurde das Museum, das bereits seit 1941 weitgehend geschlossen und dessen Kunstbestand ausgelagert war, vollständig zerstört. Für den Neuanfang nach dem Krieg stellte die Landeshauptstadt Hannover der Wilhelm-Busch-Gesellschaft das Wallmodenpalais zur Verfügung. Am 9. Januar 1950 erfolgte dort die Wiedereröffnung des Museums. Oben: Wilhelm Busch, Max und Moritz, Handschrift, 1864 Unten: Wallmodenpalais im Georgengarten Rechte Seite: Zum regelmäßigen Angebot der Vermittlungsarbeit gehören öffentliche Führungen durch die Ausstellungen (oben), Auch Workshops mit bekannten Künstlern gehören zum festen Repertoire der Museumspädagogik.


Im November desselben Jahres erschloss sich die Gesellschaft mit der Ausstellung von Werken des hannoverschen Hofmalers und Karikaturisten Johann Heinrich Ramberg neues Terrain, mit dem das Interesse am Museum gesteigert und weitere Besuchergruppen gewonnen werden konnten. Die Ramberg-Ausstellung bildete den Auftakt für regelmäßige Sonderausstellungen mit satirischen Künstlern – und einem gleich zu Beginn auch internationalen Anspruch: Nach der Präsentation von Künstlern wie Heinrich Kley, Olaf Gulbransson oder Honoré Daumier folgte 1956 die Ausstellung Amerikanische Karikaturen. Der Weg für die Entwicklung zum heutigen Deutschen Museum für Karikatur und Zeichenkunst war damit eingeschlagen. Das Museum besitzt eine einzigartige Wilhelm-Busch-Sammlung: Angefangen von der Handschrift zu der vielleicht berühmtesten Bildergeschichte der Welt, Max und Moritz, werden hier insgesamt fünfzig seiner populären Bilderhandschriften aufbewahrt. Außerdem 363 Ölgemälde, mehr als 1.300 Zeichnungen nach der Natur, knapp 900 Briefe sowie über 190 Gedichtund Prosahandschriften. Der überwiegende Teil der Busch-Sammlung wurde in den 1930er und 1940er Jahren erworben und aus Mitteln der Stadt Hannover, aber auch durch Eigenmittel der Gesellschaft finanziert. Umfangreiche Werkbestände kamen dabei – zum Teil als Schenkung – immer wieder aus dem Besitz der Erben Wilhelm Buschs. 1963 begann die Wilhelm-Busch-Gesellschaft parallel mit dem Aufbau einer Karikaturensammlung, deren international bedeutender Bestand heute über 40.000 Werke satirischer Kunst aus vier Jahrhunderten. Zu Beginn der Sammeltätigkeit lag der Fokus vor allem auf zeitgenössischer „kritischer Grafik“, und die Erwerbung oder Schenkung stand nicht selten in direktem Zusammenhang mit einer Ausstellung des Künstlers: Werke von Paul Flora, Mirko Szewczuk oder A. Paul Weber fanden so ihren Weg in die Sammlung. Ein erster umfangreicher Künstlernachlass kam 1971 als Schenkung in das Museum Wilhelm Busch: die Karikaturen von Hanns Erich Köhler. In den 1980er Jahren wurde der Ausbau der Sammlung systematisiert, um sowohl gezielt die historischen Epochen der Karikaturgeschichte als auch herausragende nationale und internationale Künstler mit repräsentativen Werkteilen abbilden zu können. Beginnend mit dem

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Li. Oben: George Cruikshank, Königliche Liebhabereien, oder: Das Steckenpferd von Hertfordshire, 1819 , Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst Li. Unten: Thomas Rowlandson, Der Korse und seine Bluthunde schauen vom Fenster der Tuilerien auf Paris, 1815, Wilhelm Busch – Dt. Museum für Karikatur und Zeichenkunst Oben: Ronald Searle, The Caricaturist, 1991, Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst, derzeit zu sehen in der Ausstellung „Szenenwechsel ´15. Aus den Sammlungen des Museums Wilhelm Busch“.

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Erwerb von 160 kolorierten Radierungen George Cruikshanks im Jahr 1981, konnte in den folgenden Jahren besonders das Spektrum der englischen Karikatur zwischen 1750 und 1830 beträchtlich erweitert werden. Parallel bekam auch das Ziel einer Konzentration der Sammlung auf Künstlerpersönlichkeiten einen wichtigen Impuls: Tomi Ungerer schenkte dem Museum 1981 aus seiner Ausstellung heraus über 230 Arbeiten. Ein Meilenstein für die Entwicklung des Hauses stellte 1988 die Schenkung der über tausend Blätter umfassenden Karikaturensammlung des Münchner Unternehmers Rudolf Ensmann dar. Zwei Jahre zuvor hatte die Wilhelm-Busch-Gesellschaft der gewachsenen Bedeutung der Karikatur bereits dadurch Rechnung getragen, dass sie den Museumsnamen um den Zusatz „Deutsches Museum für Karikatur und kritische Grafik“ ergänzte. In den 1990er Jahren ragen unter den kontinuierlichen Erwerbungen Arbeiten von Künstlern des Simplicissimus oder des New Yorker hervor, ebenso wie 1994 der Ankauf der Sammlung Günter Böhmer. Von besonderer Bedeutung war jedoch 1996 und 1998 der Erwerb der Sammlung historischer Karikaturen sowie der Spezialbibliothek zur Geschichte und Theorie der Karikatur von Monica und Ronald Searle.

Oben: Marie Marcks, Wege zur Selbstbefreiung der Frau, 1977, Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst Unten: Blick in die aktuelle Ausstellung „Nichts gegen Männer … Zeichnungen und Karikaturen von Marie Marcks“ im Westflügel des Museums.

Als Dauerleihgaben ins Haus kamen 2003 eine Sammlung von über 700 Napoleon-Karikaturen sowie 2004 ein Konvolut von 75 Simplicissimus-Zeichnungen. Zahlreiche Künstlerschenkungen, darunter die Nick-Knatterton-Zeichnungen von Manfred Schmidt und über hundert Blätter von Walter Hanel bereichern die Sammlung. 2005 gelang es, den Nachlass von Volker Kriegel nach Hannover zu holen. In die jüngste Vergangenheit datieren drei besonders wichtige Neuzugänge: die Nachlässe von F. K. Waechter 2009, von Ronald Searle 2010 – als Dauerleihgabe der Stiftung Niedersachsen – und von Marie Marcks 2014. Diese auch in ihrem Umfang eindrucksvollen Erwerbungen haben das Profil des Museums weiter geschärft und schlagen sich seit 2011 im neuen Namen nieder: Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst.

Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst Georgengarten, 30167 Hannover www.karikatur-museum.de

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Das Neue Museum Eine Zeitreise durch 1,7 Millionen Jahre Menschheitsgeschichte

W.I.S. im Interview mit Professor Dr. Klaus Schneider, Direktor des Rautenstrauch-Joest-Museums in Kรถln

Autor: Peter Kummer

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Den Archäologen mögen die Haare zu Berge stehen, doch die Freunde zeitgenössischer (Jugend-)Literatur kommen bei seinem Anblick schlecht an einem Vergleich vorbei. Der Berliner Goldhut im Neuen Museum der Bundeshauptstadt erinnert fatal an den Sprechenden Hut aus Harry Potters Abenteuer. Zwar aus unterschiedlichen Materialien (der eine aus Edelmetall, der andere aus Stoff), beide sind aber geheimnisumwoben. Während letzterer der Fantasie der englischen Schriftstellerin Joanne Rowling entsprang, gehört der Goldhut zu den Höhepunkten des Museums. In einem Atemzug steht er mit anderen „großen“ Exponaten, mit dem Schädel des Neandertalers von Le Moustier zum Beispiel, mit Heinrich Schliemanns Trojanischen Altertümern und natürlich mit der berühmten Büste der ägyptischen Königin Nofretete eine Etage tiefer. Wie auf einer Prozessionsstraße gehen die Besucher auf den berühmten bronzezeitlichen, in Licht getauchten Goldhut zu. Die Berliner Architektinnen Hella Rolfes und Brigitte Fischer haben die Konzeption der Ausstellung über die Vor- und Frühgeschichte entwickelt und die Bauten geplant, nach ihren Vorgaben hat das Unternehmen museumstechnik berlin die Umsetzung konzipiert und die Vitrinen gebaut, die dänische Firma Roblon A/S sorgte für die richtige, Spannung erzeugende Ausstrahlung. Das Neue Museum hat eine wechselhafte Geschichte hinter sich. Seine Bauarbeiten begann im Juni 1841 unter dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, seinen Untertanen Wissen zu vermitteln. Darum steht über der Westfassade in goldenen Lettern auch das Motto „Artem non odit nisi ignarus“: „Nur der Unwissende hasst die Kunst“. Die baulichen Voraussetzungen waren jedoch anfangs nicht günstig, erwies sich der Baugrund doch als schlecht. Schon knapp unter der Oberfläche stießen die Arbeiter auf Ablagerungen von Kieselgur. Über 2300 Gründungspfähle mit bis zu 18 Meter Länge mussten in den Boden gerammt werden. Übrigens erstmals in der deutschen Geschichte mit einer Dampfmaschine mit fünf PS, deren Leistung aber bei Bedarf verdoppelt werden konnte. Knapp zwei Jahre dauerten die vorbereitenden Arbeiten, dann konnte der Grundstein gelegt werden. Doch es sollte noch mehr als anderthalb Dekaden dauern, ehe auch die letzte Sammlung aufgestellt und eröffnet werden konnte.

Restarbeiten zogen sich bis Mitte der 1860er Jahre hin. Die Bestände in den verschiedenen Abteilungen wuchsen rasch und mussten teilweise auf andere Museen verteilt werden. Die Exponate der Vor- und Frühgeschichte zum Beispiel zur Prinz-Albrecht-Straße. Zeitsprung: Der Zweite Weltkrieg machte die frühzeitige Schließung der Sammlungen und die Auslagerung der Artefakte in gesicherte Lager in Berliner Tiefkellern und Bunkern, in Bergwerkstollen in Thüringen und Landgütern in Mecklenburg, erforderlich, um sie vor den Bombardierungen zu schützen. Anderes wurde im Museum eingemauert oder durch Sandsäcke gesichert. Eine richtige Entscheidung, denn mehrmals trafen Bomben das Gebäude, die Schlacht um Berlin 1945 zerstörte weitere Teile. Bei ihrem Vorrücken transportierte die Rote Armee zahllose Stücke aus den Sammlungen nach Moskau und Leningrad, die Westalliierten konzentrierten die von ihnen sichergestellten Kunstschätze in Frankfurt und Wiesbaden. Zwar kehrte 1958 ein Teil der Sammlungen aus der Sowjetunion wieder nach Berlin zurück, aber eben nur ein Teil. Anderes wie Schliemanns „Schatz von Troja“ erklärte die russische Duma zum Eigentum des eigenen Volkes. Mehrere Jahrzehnte lang fristete das Neue Museum eher ein Schattendasein, erst 1986 begannen erste Reparatur- und Sicherungsmaßnahmen. Von 2003 bis 2008 wurde das Museum nach den Plänen von David Chipperfield aufwendig restauriert, instandgesetzt und zerstörte Gebäudeteile wurden wieder ergänzt. Die Sammlungen auf den Ebenen 0-2, für die museumstechnik berlin ebenfalls für den Vitrinen- und Ausstellungsbau verantwortlich zeichnet, wurden nach modernsten Erkenntnissen neu eingerichtet und präsentiert. Bei der Wiedereröffnung des Hauses 2009 war Ebene 3 noch als Provisorium eingerichtet. Fünf Jahre später ist das Haus nun komplett. In der neu eingerichteten Dauerausstellung werden die außergewöhnlichen und wertvollen Exponate aus den historischen Sammlungsbeständen des Museums für Vorund Frühgeschichte in einem Rundgang durch die vorgeschichtlichen Kulturen von der Steinzeit bis zur vorrömischen Eisenzeit sowie die aktuellen Grabungsergebnisse der Berliner Stadtarchäologie gezeigt. Eine Aufgabe, die es in sich hatte, denn während zum Beispiel die Fundstücke aus der Ägyptischen Hochkultur sofort in ihrer

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Schönheit zu spüren und in der künstlerischen Umsetzung zu erleben sind, bedarf es für die Vor- und Frühgeschichte einer starken und anschaulichen Präsentation, um sie einem breiten Publikum erfahrbar zu machen. Zwar ist auch dieser Teil der Menschheitsgeschichte äußerst spannend, aber er will für den Besucher erschlossen werden. Das hat sich die Architektin Hella Rolfes, die in den letzten Jahren mehrere Ausstellungen wie die im Neuen Museum gestaltet hat, zum Ziel gesetzt, als sie den Rundgang konzipierte. Er soll, so der Ausgangspunkt in ihren Überlegungen, die gleiche Sprache sprechen wie die anderen Ausstellungen im Museum, aber „jeder Raum erhielt in Bezug auf die Saalthemen und die auszustellenden Objekte eine individuelle Prägung“, erläutert sie. Das Ergebnis: Jede Vitrine ist für sich durchdacht und erstellt. Einige lehnen sich an Pendants aus den anderen Ebenen an, einige sind absolute Unikate aus hochwertigen Materialien. Ganz wichtig: Die eingesetzten Materialien sowie das Licht waren vor der Ausführung auf die konservatorische Unbedenklichkeit zu testen. Es war ein langwieriger Prozess. Zunächst wurden von allen Vitrinentypen mit Stoff bespannte 1:1 Volumenmodelle gebaut, um die Proportionen und die Wirkung im Raum zu prüfen und, falls erforderlich, noch Anpassungen vorzunehmen. Neben der Ausstellungsarchitektur lag der Fokus auf der individuellen Vitrinenbildgestaltung. Text und Illustrationen tragen zur Vermittlung bei. Herausragende Exponate sind durch Licht und Farbe in Szene gesetzt, zu Schaubildern zusammengefasst oder durch Freistellung besonders hervorgehoben. Digitale Medien unterstützen das schnelle, bildhafte Verstehen, die integrierten digitalen Bilderrahmen vertiefen die Informationen zu einzelnen herausragenden Funden. Zudem werden über Medienstelen und -vitrinen Filmanimationen im jeweiligen Ausstellungskontext gezeigt. Wie jene Zeitmaschine, die mittig im vorletzten Majolikasaal steht und sich interaktiv steuern lässt, während auf

der Rückseite ein Kupferbergwerkdiorama integriert ist. Das richtige In-Szene-Setzen ist eine Wissenschaft für sich, dementsprechend hoch waren die Anforderungen, die das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung vor zwei Jahren in seiner Ausschreibung festsetzte: Die Ausstellungsstücke „werden in ästhetischer und restauratorischer Hinsicht hochwertig präsentiert“, heißt es dort. Dem Material und einer erstklassigen handwerklichen Verarbeitung kam dabei eine besondere Bedeutung zu, vor allem bei der Oberflächenbearbeitung von Glas und mineralischem Werkstoff sowie der Verarbeitung von Profilen.

Die Ausstellung ist eine Zeitreise durch 1,7 Million Jahre und damit zurück bis zu den Anfängen der Menschheitsgeschichte ein. Mit Stationen vom Leben in Höhlen bis zur Eisenzeit, die in Mitteleuropa etwa 800 v. Chr. begann und rund 700 Jahre später endete. Vitrinen und Stelen, Schaubilder und Montagen, Prozessionsstraße, Zeitmaschine und Schaufenster halten die vergangenen Kulturen lebendig, demonstrieren, wie die Menschen früher versucht haben zu überleben, berichten von ihrer Religiosität, von den täglichen Versuchen, etwas zu essen zu finden, von ihrer Gesellschaft und ihrer Entwicklung. Es ist ein Rundgang entgegen dem Uhrzeigersinn. Wer durch das großzügige Treppenhaus die Ebene 3 erreicht, der sollte sich – um dem logischen Aufbau

zu folgen - am besten links halten und nach dem Passieren der Dienerkammer im Roten Saal, einem früheren Studiensaal und Depot, starten. Er gibt einen Eindruck, wie die Ausstellungsstücke den Besuchern im Stil des 19. Jahrhunderts gezeigt wurden, als es weder LED-Strahler noch Multimedia gab. Nur einen Durchgang weiter setzt der Grüne Saal den Präsentations-Kontrapunkt mit dem Kubus in seiner Mitte, der den Raum zwar dominiert, aber wegen der Unterteilung in verschiedene Schaukammern und durch die Beleuchtung dennoch nicht gewaltig wirkt. Im Inneren ist modernste Technik verborgen. Es sehe alles so einfach aus, sagt Hella Rolfes, doch viele Besucher hätten keine Vorstellung von der HighTech, die hier installiert sei. Schwarze Passepartouts heben die ausgewählten Stücke hinter den kleinen und großen Glasscheiben hervor, die farbigen Seitenverkleidungen aus Corian sind auf die Exponate abgestimmt. „Dieser mineralisch-organische Verbundwerkstoff zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er konservatorisch unbedenklich ist und daher gut in den Innenräumen von Vitrinen verwendet werden kann“, erläutert Jörg Löbig, Projektleiter bei museumstechnik berlin. Es ist sehr hart und hält dauerhaft. Holz hingegen kam wegen der Ausdünstungen nicht in Frage, Hartschaumplatten sind nicht ausreichend tragfähig. Die Konstruktion von 3 m x 5,5 m x 2,8 m stellte die Entwickler vor eine große Herausforderung. Wegen der 16 großen und kleinen Türen an allen vier Seiten fehlte eine Diagonale, die normalerweise einem solchen Körper erst die nötige Standfestigkeit verleiht. Dazu kam, dass ein Zinksarg über drei Türen hinweg zu platzieren war. Bei dem Glas handelt es sich um ein in einem besonderen Verfahren gepressten dreifachen keramischen Siebdruck. Eine maßgeschneiderte Lösung, auf die sich museumstechnik berlin spezialisiert hat, wie die lange Liste an Referenzprojekten auf der Homepage beweist, individuell zugeschnitten von der Planung und Konstruktion bis zur Produktion und Installation.

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Genug der vielen Berliner Funde, an denen die Stadt nicht zuletzt auf Grund der regen Bautätigkeit so reich ist. Die wirkliche Zeitreise startet wenige Schritte weiter im Blauen Saal und damit in der ostafrikanischen Steppe, wo die Wiege der Menschheit stand. Von dort aus zog es den homo erectus nach Eurasien und dann über die alte Welt bis nach Amerika. Er profitierte von den von ihm entwickelten sicherlich primitiven, aber wirkungsvollen Werkzeugen wie Faustkeile und natürlich vom Feuer, das er gelernt hatte zu beherrschen. Es erlaubte ihm, auch in kälteren Regionen des Nordens zu leben. Sein Speiseplan bestand aus dem, was er durch Sammeln, Jagen und Fischen zusammentragen konnte. Der Blick fällt auf Schädel, die der Schweizer Archäologe Otto Hauser vor über 100 Jahren im französischen Le Moustier und in Combe Capelle gefunden hat. Es handelt sich um die Überreste eines eiszeitlichen Menschen, ein männlicher Jugendlicher, vermutlich mit etwa elf Jahren gestorben, und um einen Menschen aus der Mittelsteinzeit. Von ihren restlichen Skeletten ist heute kaum etwas erhalten; sie verbrannten bei der Zerstörung des Museums während des Zweiten Weltkriegs. Nur die Schädel waren rechtzeitig an einen sicheren Ort gebracht worden und kehrten 1958 aus der Sowjetunion wieder nach Berlin zurück. Der Raum ist – wie die anderen auf dieser Ebene auch - in Dunkelheit getaucht. Das punktuell eingesetzte Licht konzentriert den Blick des Betrachters auf die Exponate und bringt diese besser – man möchte teilweise sagen dramatischer – zur Geltung. Darum sind die Vitrinen mit integrierter Endlichtfaserbeleuchtung beziehungsweise dimmbaren LED-Modulen und Systembeleuchtung ausgestattet. „Die Hitze muss draußen bleiben!“, war für Roblon A/S aus Frederikshavn eine der Vorgaben. Die Objekte waren in einer Kombination aus Decken- und Vitrinenlicht zu inszenieren, zugleich mussten die Objekte vor allem auch vor jeglicher Beschädigung durch UV- oder Infrarotstrahlung geschützt werden. Die Dänen haben unter anderem schon für das UNESCO-Weltkulturerbe in Jelling gearbeitet und ließen im Liechtensteinischen Landesmuseum die Fabergé-Eier erstrahlen. Sie lieferten Lichtlösungen für das Gedächtnis der Menschheit - das Anne-Frank-Haus in Amsterdam – und für die Sonderausstellung über Verschwörer, Attentäter, Helden im Militärhistorischen Museum in Dresden. Als Lösung

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des Berliner Problems setzen sie Flächen-, Akzent- und millimeterfein platziertes Punktlicht ein, LED und Faseroptik mit besten Farbwiedergabewerten und minimaler UV-Strahlungs- und Wärmeabgabe. Differenziert, maximal flexibel und präzise. Auf einer eigens dafür geschaffenen Po-

destfläche aus Corian stolziert erhobenen Hauptes das vollständig erhaltene Skelett eines Elches. Oder scheint es sich eher langsam auf der glatten Oberfläche vorzutasten, während im Hintergrund ein Eiszeitmensch die linke Schulter nach hinten gezogen hat, bereit mit dem Speer in der Hand zuzustoßen? Wissenschaft-


liche Untersuchungen haben allerdings ergeben, dass das Tier, vor rund 60 Jahren beim Berliner U-Bahn-Bau in sieben Meter Tiefe ausgegraben, gegen Ende der letzten Eiszeit eines natürlichen Todes gestorben ist. Diese Art von Vitrinen sind ganz bewusst eingesetzt, um freistehende Objekte präsentieren zu können.

Nur primitive Höhlenmenschen? Die Ausstellung zeigt eine andere Seite, die eiszeitliche Kunst mit Verzierungen der Höhlenwände und kleinen, geschnitzten Figuren aus Knochen und Elfenbein. „Sie sind Ausdruck einer frühen Religiosität, in deren Mittelpunkt Jagdzauber, Totemismus und die Verehrung einer Mut-

ter- oder Fruchtbarkeitsgöttin standen“, heißt es dazu in einem Führer über das Neue Museum Berlin (erschienen im Prestel-Verlag). „Vor allem die Höhlenmalerei fasziniert durch ihren fast expressionistisch anmutenden Stil.“ Der Besucher wendet sich der Jungsteinzeit zu. Die Menschen nahmen langsam

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Abschied vom Nomadendasein, von der Dominanz des Jagens und Sammelns und wurden statt dessen seßhaft, betrieben Landwirtschaft und domestizierten Wildtiere. Es entstanden feste Siedlungen; die Gesellschaft änderte sich mal wieder grundlegend. Plötzlich bestand die Möglichkeit, Vorräte über einen längeren Zeitraum anzulegen, der Mensch war unabhängiger von seiner natürlichen Umwelt und so konnte die Bevölkerung wachsen. Erfindungen wie Transportfahrzeuge mit Rädern und neue Werkzeuge für die Bestellung des Landes erleichterten das Leben. Als Besuchermagnet hat sich das wohl spektakulärste Exponat auf Ebene 3 er-

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wiesen. Die Rede ist vom Berliner Goldhut im Sternensaal. Eine geschickte Anordnung der Vitrinen mit Fundstücken aus der Bronzezeit setzen ihn schon von weitem eindrucksvoll in Szene. Vorbei führt der Weg an der dortigen Ausstellung mit Informationen zur Religion, zu Fürstengräbern, Tod und Jenseits sowie Handel und Kommunikation. Wir befinden uns im Westlichen Kunstkammersaal und damit in jenem Geschichtsabschnitt, in der der Mensch nicht nur Gold und Goldblech kunstvoll bearbeiten konnte, sondern in der er es auch verstand, Metalle zu legieren entsprechend seinen Anforderungen an die Geräte. Zugleich intensivierte er den Tauschhandel, indem er neue Verkehrswege entdeckte und erschloss, das seltene Zinn wurde „exportiert“, die Menschen traten über weitere Entfernungen in einen intensiveren Kontakt. Eliten bildeten sich heraus, Großsiedlungen und Machtzentren entstanden. Schmuck, Pferdegeschirr und vor allem Waffen sind zu sehen, letztere einst vielfach im Moor versenkt, vielleicht, so eine Vermutung, um die Götter um ihren Schutz zu bitten. Die Vitrinen mit seitlich angebrachten Grafikpaneelen bilden eine Enfilade, die den Blick des Besuchers schon früh auf den glänzenden Goldhut in dem fernen Raum lenkt. Eine Pultvitrine im Dreiviertelkreis unterstützt noch diesen zentristischen Ansatz. Darum sagt Architektin Hella Rolfes auch: „Die Bedeutung dieses Exponats spiegelt sich in seiner besonderen Inszenierung wider. Mystisch, fast schwebend, zeigt sich der Goldhut im dunkel gehaltenen Sternensaal.“ Das Berliner Exponat ist das am besten erhaltene Stück von insgesamt vier kegelförmigen Goldhüten, die im 19. und 20. Jahrhundert in Süddeutschland gefunden wurden. Offenbar diente er einem religiös-kultischen Zweck, in dessen Mittelpunkt die Sonne stand, und belegt so eindrucksvoll, über welch großes astronomisches Wissen bereits die Menschen in der Bronzezeit verfügten. Von je her versuchten sie, den Rhythmus der Natur und den Lauf der Gestirne zu verstehen. Auf dem papierdünnen Zeremonialhut zum Beispiel trieben sie ihre Beobachtungen von Sonne und Mond in das Metall und ermöglichten so Berechnungen des Sonne-Mond-Zyklus. „Wer dieses Ornament zu deuten verstand, konnte die kalendarischen Verschiebungen zwischen Sonnen- und Mondjahr berechnen, Mondfinsternisse voraussagen und Festtermine bestimmen“, fasst der Führer über das Neue Museum zusammen.

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Für den Besucher sind es quer durch den Majolikasaal und der bereits erwähnten Zeitmaschine hin zum letzten Abschnitt, dem östlichen Kunstkammersaal zwar nur wenige Schritte, doch für den Menschen ein weiterer epochaler Fortschritt, als sie zunehmend mehr Eisen als Werkstoff einsetzten. Das Material trat im 1. vorchristlichen Jahrtausend von Kleinasien aus seinen Siegeszug im Vorderen Orient und in weiten Teilen Europas an und veränderte den sozialen Aufbau der Gesellschaft radikal. Die Kontakte wurden weiter ausgebaut. Bei einigen der hier stehenden Vitrinen, sagt Löbig, sei man bis an die Grenzen des technisch Machbaren herangegangen. Vier große Schiebetüren auf leichtgängigen Metallrollen schützen die Stücke aus einer Zeit, als das Vordringen von Römern und Germanen Kulturen wie die der Kelten im 4. Jahrhundert vor Christus zurückdrängten. „Für die Vielzahl der Herausforderungen hatten wir nicht viel Zeit, um sie zu bewältigen“, erinnert sich Projektleiter Löbig von museumstechnik berlin. Nur ein Dreivierteljahr standen zur Verfügung von den ersten Planungen bis zur Eröffnung. Aber die Arbeit hat sich gelohnt. Die Ausstellung der Vor- und Frühgeschichte im Neuen Museum Berlin macht Lust, sich auch mit diesem Abschnitt der Menschheitsgeschichte intensiver zu beschäftigen. Fotos: © 16elements GmbH, museumstechnik GmbH

Kontakte: www.smb.museum www.rolfes-architekten.com www.museumstechnik.com www.roblon.com

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Das Martin von Wagner Museum der Universität Würzburg Neue Perspektiven für eine alte Sammlung. ter Zeit überwunden werden – das Martin von Wagner Museum ist gerade dabei, entscheidende Schritt in Richtung Neuanfang zu unternehmen. Schon die Gliederung in Antikensammlung, Gemäldegalerie und Graphische Sammlung lässt an viel größere Häuser denken. Dies gilt noch mehr für die große Zahl hochrangiger Kunstwerke aus allen Epochen. Sie stammen aus Alt-Ägypten, der griechischen, etruskischen und römi-

schen Antike, aus Mittelalter, Renaissance und Barock, aus Klassizismus und Modern. Von den frühen Hochkulturen bis an die Schwelle der Gegenwart kann die Geschichte des menschlichen Geistes in einem durchgehenden Zug abgeschritten werden. Das ehemalige fürstbischöfliche Appartement beherbergt Gemälde und Graphik, im Stockwerk darüber wird die Kunst des Altertums präsentiert.

Li: Carl Gotthelf Küchler, Martin von Wagner, 1836. U.: Frühlingshore, sog. Campanarelief, um 50 v. Chr. – 14. n. Chr.

Viele Universitäten beherbergen Sammlungen oder Kustodien, die Universität Würzburg aber nennt ein veritables Kunstmuseum ihr eigen. Das Martin von Wagner Museum gehört sogar zu den bedeutendsten Universitätsmuseen der Welt. Seine Bestände antiker und nachantiker Kunst bilden – in hoher und höchster Qualität – zusammengenommen sechs Jahrtausende Kunst- und Kulturgeschichte ab. Vergleichbar universal ausgerichtete Sammlungen sind in Deutschland und Mitteleuropa so gut wie gar nicht zu finden; man muss schon nach Großbritannien schauen, um Museen mit diesem Radius von Epochen und Regionen zu finden. Auch dort sind sie häufig, wie das Fitzwilliam Museum in Cambridge oder das Ashmolean Museum in Oxford, im Besitz von Universitäten. Schon die Lage des Martin von Wagner Museums spricht für seinen Rang: Seit 1963 ist es in der vielbesuchten Würzburger Residenz zuhause, die das Prädikat eines Unesco-Weltkulturerbes trägt. Auf der anderen Seite besteht kein Zweifel daran, dass diese herausragende Sammlung die längste Zeit weitgehend ein Dasein im Verborgenen fristete. Der prominente Standort wurde nicht als Vorteil genutzt; vielmehr ‚verschluckte’ die Residenz das Museum. Selbst die meisten Würzburger haben noch nie einen Fuß in die Ausstellungsräume gesetzt. Diese wenig befriedigende Situation soll in nächs-

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Museum im Umbruch: Bestände und Strukturen Die Antikensammlung ist vor allem auf Keramik (1500 v. Chr. – 300 n. Chr.) ausgerichtet, den Schwerpunkt bilden griechische Vasen der Blütezeit (560–300 v. Chr.). Tonfiguren, Gläser und Steinplastik schließen sich an; zu den berühmten Stücken zählen die griechische Schauspielerscherbe und der römische Jahreszeitenaltar. 1989 gelangten 2500 Objekte aus der

Oben: Griechisches Tongefäß mit dem Athener Tyrannenmord des Hipparch, um 470 v. Chr. Mitte: Ägyptisches Mumienporträt, um 120–130 n. Chr. Rechts: Kykladisches Idol, um 2700–2500 v. Chr. Fotos: © Martin von Wagner Museum, P. Neckermann

Privatsammlung Kiseleff in das Museum, die ägyptische Kleinkunst in reicher Auswahl beisteuern und den griechischen Bestand erweitern. Besonders beeindruckend sind die ägyptischen Mumienporträts. Eine Rarität stellen die vielen gut erhaltenen koptischen Stoffe des fünften bis achten Jahrhunderts dar.

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Oben: Tilman Riemenschneider, Madonna (Detail), um 1500. Unten: Federico Barocci, Kopf- und Handstudie, 1603–07.

In der Gemäldegalerie werden vor allem deutsche, niederländische und italienische Gemälde gezeigt. Klingende Namen sind Gherardo Starnina, Hans Leonhard Schäufelein, Luca Cambiaso, Bartholomäus Spranger, Pieter Claesz, Jacob Jordaens, Luca Giordano, Gaspare Vanvitelli, Alessandro Magnasco, Januarius Zick, Giovanni Antonio Pellegrini, Matthäus Günther, Francesco Guardi, Giovanni Battista Tiepolo, Friedrich Overbeck, Carl Rottmann, Johann Wilhelm Schirmer, Max Liebermann, Willy Jaeckel, Hans Purrmann und zahllose andere mehr. Unter den in die Gemäldegalerie integrierten Skulpturen ragen die spätmittelalterlichen Werke Tilman Riemenschneiders und seiner Schule hervor, aber auch Alabasterstatuen der deutschen Spätrenaissance oder expressionistische Tierund Porträtplastik.

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Die Graphische Sammlung besitzt trotz Kriegsverlusten ca. 16.000 Handzeichnungen und 14.000 Blatt Druckgraphik. Mit dieser Größenordnung konkurriert sie mit den Kupferstichkabinetten in Stuttgart, München oder Berlin. Besonders wertvoll sind die Zeichnungen Federico Baroccis; es ist das zweitgrößte Konvolut dieses frühbarocken Malers überhaupt. Auch der römische Hochbarock ist mit großen und größten Namen vertreten. Geleitet wird die Ältere und die Neuere Abteilung des Martin von Wagner-Museums von zwei habilitierten Wissenschaftlern, den amtierenden Direktoren Jochen Griesbach und Damian Dombrowski. Ihnen steht ein Beirat zur Seite, bestehend aus mehreren museumsaffinen Fachwissenschaftlern der Universität Würzburg sowie insgesamt vier externen Mitgliedern, die in der Regel

überregional bedeutsame museale Sammlungen leiten. Diese Strukturen sind erst im vergangenen Jahr geschaffen worden; bis dahin waren die Sammlungen eher Anhängsel der Institute für Klassische Archäologie und Kunstgeschichte. Von der neuen Selbständigkeit des Museums darf eine größere Handlungsfähigkeit und Effizienz erwartet werden. Ein zeitgemäßes Museum soll entstehen, das endlich dem europäischen Rang seiner Werke gerecht wird. Dazu reicht es nicht aus, die Bestände neu zu ordnen: Das Martin von Wagner Museum muss gleichsam neu erfunden werden. Dafür wiederum erweist sich ein Blick in seine Geschichte als durchaus hilfreich. Ein Blick zurück: Das Museum als Ort der Lehre Franz Joseph Fröhlich, Professor für Ästhetik an der Universität Würzburg, hielt seit 1815 kunsthistorische Vorlesungen, im Wintersemester 1816/17 laut Vorlesungsverzeichnis verbunden mit „einer kritischen Betrachtung vorhandener


Kunstwerke“. Für das Sommersemester 1831 heißt es im Vorlesungsverzeichnis: „Aesthetik als Kunstwissenschaft. Professor Fröhlich, nach eigenen Ansichten mit kritischer Beleuchtung vorzüglicher Kunstwerke“. Demnach hat Fröhlich im Unterricht originales Anschauungsmaterial verwendet. 1832 erhielt die universitäre Bildersammlung, die er nach und nach zusammentrug, den Namen „Ästhetisches Attribut“, und wurde erstmals mit einem Ankaufsetat ausgestattet. Dieser Nukleus des universitären Kunstmuseums befand

sich im Obergeschoss der Alten Universität. 1835 gingen sechzig Gemälde aus der Privatsammlung des Kartäuserpaters Benedikt Weber in den Besitz des „Ästhetischen Attributs“ über. In einem kürzlich bekannt gewordenen Katalog hat Fröhlich 1840 den damaligen Bestand und die Hängung der Bilder dokumentiert. Gustav Waagen, der Direktor der Kgl. Preußischen Gemäldegalerie in Berlin, hat dort bei einem Besuch 1843 „recht schätzbare

Sachen“ bemerkt. 1862 gelangte auch Fröhlichs private Sammlung per testamentarischer Verfügung in den Besitz der Universität. Wenige Jahre zuvor hatte sie eine noch größere Schenkung erhalten: 1857 stiftete ihr der deutschrömische Maler und Bildhauer Johann Martin von Wagner, ein gebürtiger Würzburger, seine antike und moderne Werke umfassende Kunstsammlung, die er sich neben seiner Tätigkeit als Kunstagent des bayerischen Königs in

Pieter Claesz, Stilleben mit großem Römer, um 1640. Fotos: © Martin von Wagner Museum, B. Wörz

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Blick in die Ausstellung „Armin Reumann“, 2014/15. Foto: © G. Diessner

Rom aufgebaut hatte – zum Dank für die ständige Freistellung von seinem Dienst als Professor für Zeichenkunst, den er nie angetreten hatte. Damit war der Italien-Schwerpunkt der neueren Abteilung vorgezeichnet. Der Kunstbesitz Fröhlichs, der vorwiegend holländische Meister des 17. und 18. Jahrhunderts umfasste, rundete den Überblick über die europäische Kunstgeschichte weiter ab. Später kamen auch deutsche Renaissance und Romantik sowie die Schnitzkunst des Mittelalters als weitere Schwerpunkte hinzu. Das nach seinem Lokalheros benannte

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Martin von Wagner Museum war von Anfang an mit der archäologischen und kunsthistorischen Lehre an der Universität Würzburg auf das engste verknüpft. Auch heute noch werden die Bestände aller drei Sammlungen regelmäßig zu Übungen vor dem Original genutzt sowie in Bachelorund Masterarbeiten, Dissertationen und eigenen Forschungsprojekten erschlossen. Die Studierenden werden überdies an teilweise recht erfolgreichen Ausstellungsprojekten beteiligt. Im Winter 2014/15 wurde mit angehenden Kunsthistorikern die bisher erfolgreichste Ausstellung der Gemäldegalerie veranstaltet: Anlässlich

des Gedenkens an den Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurden rund 250 Werke des Malers Armin Reumann gezeigt, die zwischen 1915 und 1918 an wechselnden Kriegsschauplätzen halb Europas entstanden waren. Für diese grandiose Schau spendierte die Universitätsleitung eine größere Menge Wandmodule. Das ausgewählte Produkt – die „mila-wall“ von MBA – bot erstmals die Möglichkeit, einen echten Parcours zu gestalten. Die Wände kommen im Dezember 2015 erneut zum Einsatz: Dann eröffnet in der Gemäldegalerie die Ausstellung


Anläßlich des Gedenkens an den Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor einhundert Jahren zeigt das Martin von Wagner Museum eine Ausstellung mit Werken von Armin Reumann. Die barocke Würzburger Residenz spricht für sich selbst und ist allein schon ein architektonisches Kunstwerk, das den Besuch lohnt. Die Aufgabe hinsichtlich der Ausstellung im Martin von Wagner Museum war es daher, die Exponate unaufdringlich aber ansprechend zu präsentieren und gleichzeitig die natürliche Raumqualität nicht zu beeinträchtigen. Sonderausstellung mit Stellwandsystem „mila-wall“ von MBA Die Lösung dieser schwierigen Aufgabe bestand in der Schaffung verschiedener kleiner Räume. Der große Museumsraum wurde mit Mila-wall-Elementen in mehrere kleine Bereiche unterteilt. Dank der Vielseitigkeit der modularen Stellwände konnten die Besucherinnen und Besucher nun die verschiedenen Schaffensperioden des Künstlers jeweils im Mikrokosmos in Ruhe auf sich wirken lassen. Dies führte auch zu einem ästhetischen Gewinn, der nicht zuletzt ein Empfinden von Struktur weckt, ohne dabei die Enge eines Labyrinths zu erzeugen. Die Möglichkeiten großer Räume zu nutzen und diese in außergewöhnli-

chem Arrangement zu gestalten, ist stets ein Balanceakt. Dabei müssen die Stellwände ein klares Raumkonzept vermitteln, ohne dabei in den Vordergrund zu treten. Ziel war es also, ein stimmiges, aber dezentes Gesamtbild zu erstellen, das die einzelnen Werke hervorhebt, selbst aber in der Wahrnehmung des Betrachters zurücktritt. Die Flexibilität der Wandmodule, die Veränderungen schnell und problemlos ermöglicht, wurde diesbezüglich von den Verantwortlichen des Martin von Wagner Museums mit besonderem Lob bedacht. Noch am Vorabend wurde verändert und umgebaut, bis das Gesamtbild den hohen Ansprüchen entsprach. Nicht zuletzt die hervorragende Zusammenarbeit mit MBA wurde von Professor Dr. Dombrowski, Direktor der Neueren Abteilung des Martin von Wagner Museums, nochmals hervorgehoben.

www.mila-wall.de

„Augen und Blicke“: Studierende der Fächer Archäologie, Kunstgeschichte und Museologie wählen aus den Sammlungen Werke von Alt-Ägypten bis zur Moderne aus, um der Darstellung des Sehens in den unterschiedlichsten Bildmedien auf die Spur zu kommen. Auftrag und Chance: Visionen für die Zukunft Bei allen diesen Aktionen gerät doch die Hauptaufgabe nicht aus dem Blick: die Modernisierung des Museums als ganzes. Die beiden Direktoren haben begonnen,

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einen Aufgabenkatalog abzuarbeiten, der von der Schaffung einer gemeinsamen visuellen Identität bis zu Baumaßnahmen reicht. Dabei besteht für die Gemäldegalerie der größere Handlungsbedarf: Hier hat sich seit der Einrichtung vor über fünfzig Jahren an der Präsentation so gut wie nichts verändert, außer dass die Wände jedes Jahr etwas schäbiger und heruntergekommener aussahen. Manches in diesen Räumen mag den Charme des Provisorischen besitzen, doch der Bedeutung des Museums wird auf diese Weise kaum Rechnung getragen. Am schlimmsten steht es um die Beleuchtung der Gemälde. Zwar empfängt die längste Raumflucht ihr Licht von Norden her, was unter konservatorischen Gesichtspunkten die willkommenste Orientierung bedeutet. Für eine angemessene Wahrnehmung wird freilich keine ausreichende Helligkeit erzielt, die Bilder lassen sich teilweise nur schwer entziffern. In den 5,60 hohen Räumen kommt von oben praktisch kein Licht an, während

Die Wände des Museums sind in desolater Verfassung, schlimmer noch: jeder Raum ist mit einem anderen Wandbelag ausgestattet ist. Im ersten Ecksaal ist dies Raufaser, im zweiten Textiltapete, gefolgt von einfachem Putz. Wie aber sollte ein einheitliches Design für Dauerund Wechselausstellungen verwirklicht werden, wenn nicht einmal die Wände einheitlich gestrichen werden können? Damit die – aus verschiedenen Gründen unbedingt erforderliche – neue Hängung der Gemälde erfolgen kann, müssen die Wände eine neue Bespannung erhalten. In der Farbwelt soll einerseits etwas von der Entstehungszeit der Sammlung im 19. Jahrhundert aufklingen, weshalb sich die Verwendung klassizistisch-gedämpfter Farben anbietet. Andererseits kann eine differenzierte Farbgebung dazu beitragen, die Zusammengehörigkeit der Werke nach Epochen oder Schulen unmittelbar hervortreten zu lassen. Die Räume der Gemäldegalerie sind so groß, dass sie sich zwar hervorragend für

Wagner, Rat der Griechen vor Troja, 1806/07. Foto: © Martin von Wagner Museum, B. Wörz

die riesigen Fenster in den ehemaligen Prunkgemächern fast überall unangenehme Gegenlichteffekte hervorrufen. Ein museumserprobtes Beleuchtungssystem wird diese Missstände in absehbarer Zeit beseitigen. Als flankierende Maßnahme sind semitransparente Stoffbahnen vor den Fenstern vorgesehen. Die Besucher müssen sich nicht von den reizvollen Ausblicken in den Ehrenhof der Residenz verabschieden, aber die Intensität des einfallenden Tageslichtes wird auf ein Minimum reduziert.

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Empfänge eignen (und dafür auch rege genutzt werden), aber weniger gut für eine museale Nutzung – es ist schlicht zu wenig Hängungsfläche vorhanden (mit der Folge, dass sich rund die Hälfte der Bilder im Depot befinden). Aus diesem Grunde ist das Einziehen von Stellwänden vorgesehen. Schon mit wenigen Wandmodulen könnte die Mehrzahl der Säle eine im Sinne der Präsentation sehr viel effizientere Raumstruktur erhalten. Im Zusammenspiel mit dem neuen Beleuchtungssystem wird es einerseits möglich

sein, die im Besitz des Museums befindlichen Skulpturen in den Sammlungsrundgang einzustreuen; andererseits können Hauptwerke dann viel effektvoller hervorgehoben werden als bisher. Im bisherigen ersten Saal wollen Ältere und Neuere Abteilung in Zukunft gemeinsam die Sammlungsgeschichte abbilden. Hier wie auch an anderen Orten sollen mediale Vermittlungssysteme eingesetzt werden, um Abhilfe für die bisherige Informationswüste zu schaffen. Auch ein Online-Kata-


Prominenter Neuzugang: Vor kurzem gelangte ein Frühwerk Luca Giordanos in die Gemäldegalerie. Raub der Europa, ca. 1660. Foto: © I. Klinger

log wird derzeit auf den Weg gebracht. Er soll die Objekte von Antikensammlung, Gemäldegalerie und Graphischer Sammlung möglichst vollständig frei zugänglich machen. Entgegen dem ängstlichen Unter-Verschluss-Halten der Bestände, das lange die Regel war, wird künftig eine – international mittlerweile übliche – „open access policy“ verfolgt, getragen von der Überzeugung, dass die Bestände nur in einem sehr rechtlichen Sinne Eigentum der Universität Würzburg sind, öffentlich präsentierte

Kunst in Wirklichkeit aber allen gehört. Wenn es gelingt, das Würzburger Martin von Wagner Museum nachdrücklich in der Öffentlichkeit zu verankern, so werden die Internationalität und das hohe Niveau seiner Sammlungen letztlich der Weltläufigkeit der Stadt insgesamt zugute kommen. Zu wenig ist in der Vergangenheit die Chance genutzt worden, das universitäre Kunstmuseum als Teil und Träger des Würzburger Kulturlebens hervortreten zu lassen. Dafür braucht es einen lan-

gen Atem. Da lohnt sich bisweilen die Erinnerung an das Motto, das „Giovanni Martino Wagner“ 1810 in Rom zu Papier brachte: „Geduld, Vernunft und Zeit / macht möglich die Unmöglichkeit.“ Martin von Wagner-Museum der Universität Würzburg Neuere Abteilung Residenz – Südflügel 97074 Würzburg www.martinvonwagner-museum.com

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Das Flamenco Tanz Museum, Cristina Hoyos, Sevilla Autor: Dr. Kurt Grรถtsch, Direktor des Flamenco Tanz Museums

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Cristina Hoyos hatte eine Idee. Als die wohl herausragendste Flamencotänzerin des 20. Jahrhunderts wollte sie dem Flamenco ein Denkmal setzen, bzw. ein Museum.

Der Flamenco, seit 2010 auch als Weltkulturerbe von der UNESCO anerkannt, ist zwar eines der wichtigsten Kulturkennzeichen Spaniens, vielleicht noch vor den Toros (Stieren), hatte aber vor der Eröffnung des Flamencotanzmuseums im Jahr 2006 keinen konkreten Bezugspunkt. Es gab zwar und gibt es noch, eine grosse Anzahl an typischen Flamencolokalen, die berühmten Tablaos, immer mehr Flamencobars in denen jede Art von manchmal fragwürdigen Flamenco vorgeführt wird, Konzerte und Festivals, aber es existierte keine Einrichtung, die den Besucher in die geschichtlichen und ästhetischen Hintergründe des Flamencos einführte und auch emotional teilnehmen lässt. CristinaHoyos wollte zudem dem Flamenco etwas zurückerstatten, einer Kunst, die ihr gesamtes Leben bestimmte. Cristina Hoyos ist in der Geschichte des Flamencos die Tänzerin, die die meisten internationalen Auszeichnungen und Preise erhalten hat, den Kulturpreis in Purpur der Stadt Paris, die Anerkennung der Stadt Peking als Botschafterin des Tourismus, den Orden der Légion d’Honneur, den Staatspreis für Tanz von Spanien etc. Ihre Arbeit mit Antonio Gades, vor allem ihr Mitwirken in den Filmen von Carlos Saura, z.B. in “Carmen” oder “Bluthochzeit” machten sie weltberühmt. Insofern stellt auch das von ihr gegründete und finanzierte Flamencotanzmuseum ein Verständnis der Internationalisierung des Flamencos, dar, das bis jetzt von keinem anderen Flamencokünstler so konsequent durchgeführt wird.

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Linke Seite, oben: con Cristina Hoyos, Foto; Archiv Flamenco-Tanzmuseum, aufgenommen im Tablao “El Flamenco” in Tokio. Rechts: aus dem Archiv der Gades-Foundation, Motiv “Carmen” Rechte Seite: Fassade des Flamencotanzmuseums in der Calle Manuel Rojas Marcos, Foto: Javier Navarro

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Flamencoschule des Museums mit Victor Bravo, dem Leiter der Schule, Foto: Javier Navarro

Es entstand daher 2002 die Idee des Flamencotanzmuseums, das natürlich in Sevilla, der Wiege des Flamencos eingerichtet werden musste. Der Zufall führte sie zu einem Stadtpalast aus dem späten 17. Jahrhundert in der Stadtmitte Sevillas, weniger als zehn Gehminuten von der weltberühmten Kathedrale entfernt. Das Gebäude in Ruinen hatte zudem so hohe Decken, dass alle technischen Leitungen so eingebaut werden konnten, wie z.B. Aircondition, dass entscheidenden Höhen für die Raumempfindung bewahrt werden konnten. Das interaktive high-tech Museum wurde dann 2006 eröffnet. Die wichtigste Herausforderung bestand allerdings in der Definition des Museumskonzeptes. Dem Team um Cristina Hoyos war von Anfang an bewusst, dass ein Flamenco Tanz Museum kein Museum von Flamencotanzkleidung sein konnte, dass Bewegung, Musik und Empfindung im Vordergrund stehen mussten, also das sensorielle Erleben des Flamenco. Wissen wird daher im Museum meist über Sprechtexte auch auf Deutsch, und Videos vermittelt, es gibt keine Vitrinen, die die Objekte isolieren. Das einzigartige Konzept, das eine visuelle und musikalische Einführung in den Flamenco mit Life-Auführungen kombiniert, macht es möglich, dass die Besucher sich in der Welt des Flamenco verlieren, den einzigarten Geist und Zauber des Flamenco, den Kenner als ‘duende’ definieren, selbst erfahren und aus dem Museum verwandelt wieder in der Wirklichkeit landen, die vom Charme der Altstadt Sevillas geprägt ist. Der Anspruch des Museums ist, den Flamenco als Kulturgut und- form zu vermitteln, als Kulturerbe der Menschheit, weit über das Verständnis des Flamencos als andalusische Zigeunerfolklore hinaus. Der Besucher sieht und erfährt daher, im ersten der multimedialen Räume, dass die Wurzeln des Flamenco auf dreitausend Jahre Geschichte und phönizische, dann römische Elemente zurückgehen. Das wohl typischste spanische Instrument, die Kastagnetten aus der Insel Kreta, legen das musikalische Fundament, auf dem sich dann der spätere Flamenco entwickelt. Die Besucher erfahren auch, das heisst sie sehen, dass die eleganten Handbewegungen im Flamencotanz ihren Ursprung in den indischen Tempeltänzen haben, Einflüsse, die über die Zuwanderung der Zigeuner im 15. Jahrhundert nach Spanien gebracht wurden. Für viele überraschend ist dann auch afrokubanische Einfluss, der in den Schulter- und Hüft-

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bewegungen der Tänzer und Tänzerinnen deutlich wird. Im 19. Jahrhundert dringen dann, im Rahmen der französischen Besatzung, Elemente der Boleroschule in den Flamenco ein, wobei verstehbar gemacht wird, dass der Flamenco daher insgesamt ein universaler Kulturausdruck ist. Die eigens für diesen ersten Raum komponierte Musik verstärkt das ethnische Verständnis und Fühlen unserer Besucher. Im zweiten, wichtigen, Raum haben wir sieben Basisrythmen des Flamencos ausgewählt. Der Flamenco hat mit über siebzig Rythmen eine ungeheure musikalische Kraft. Von diesen siebzig Rythmen sind aber nur fünfzehn ‘tanzbar’ und von diesen haben wir sieben, die wohl wichtigsten ‘Palos’ ausgewählt, nicht nur um die rythmische Vielfalt, oder auch den Reichtum der Kleidung der Tañnzerinnen vorführen, sondern vor allem auch um die emotionale Bandbreite des Flamencos deutlich zu machen. Tänzer und Tänzerinnen in Lebensgrösse proyektiert tanzen auf Augenhöhe mit den Besuchern und zeigen, dass der Flamenco

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neben der sinnlichen Verführung, Liebe und Leidenschaft auch ein Ausdruck des Leides, Verfolgung, Einsamkeit und Tod ist, dessen verschiedene Elemente im Laufe der Jahrhunderte zu dem Tanz, Gitarrenmusik und Gesang zusammenschmiedet wurden, was ab dem 19. Jahrhundert dann als Flamenco bezeichnet wurde. Die Künstler in diesem Raum gehörten dem Andalusichen Flamencoballet unter der Leitung von Cristina Hoyos an, und führen einen hochkarätigen Bühnenflamenco vor. Im dritten Raum nimmt nun der Besucher an der Entwicklung des Flamencos teil,

von seinen Ursprüngen in den Innenhöfen Sevillas, den berühmten Patios, bis hin zu seinem heutigen Format mit Aufnahmen aus der französischen Oper, wo Cristina Hoyos zu Beginn der neunziger Jahre als bis jetzt einzige Flamencotänzerin mit ihrem Ballet auftreten konnte. Die in diesem Raum vielleicht wichtigste Informationssäule mit zum Teil historischen Videodokumenten ist die erste. In diesen Aufzeichnungen wird ein anderer Flamenco gezeigt, der soziale Flamenco. Dieser spontane Flamenco, der bei einfachen Treffen von Familien und Freunden getanzt wird, auf Hochzeiten, auf dem Land, im kleinen und grossen Kreis, ist die eigentliche Wiege des Flamenco. Es tanzen Kinder, Grossväter und –mütter, wobei die künstlerische Qualität der Tanzenden und Singenden keine Rolle spielt, sondern der Wunsch, sich den anderen über den Tanz mitzuteilen. Und genau in diesem Gefühl entsteht der Flamenco und genau dies findet nur in Andalusien statt und nicht in anderen Regionen Spaniens. Und genau auch dieses rechtfertigt die Funktion des Flamenco Tanz Museums, dessen museale Herausforderung in der Vemittlung von


Motive des interaktiven Teils des Museums, Fotos: Javier Navarro

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immateriellen Kulturgut liegt. Im diesem ersten Stock werden dann auch in Flamencokleider gezeigt, in Kleinszenarien vorgestellt mit Replika aus dem frĂźhen 19.

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Jahrhundert bis zu dem weissen Flamencokleid, das Cristina Hoyos in der ErĂśffnungszeremonie der olympischen Spiele 1992 in Barcelona trug.


Foto: Javier Navarro

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Im zweiten Geschoss und im historischen Keller des Museums machen wir deutlich, dass der Flamenco auch andere Kunstgattungen inspiriert, neben der Malerei, Zeichnungen auch Bildhauer, Fotografie und Film. Die Arbeiten und Installationen von zeitgenössischen Künstlern zum Beispiel aus Israel, Spanien, Frankreich, Polen, Deutschland aber auch Korea, Japan und China laden in Zeitausstellungen ein, den Flamenco im Spiegel anderer Kulturen zu sehen. Impressionen aus dem Gewölbekeller des Museums, Foto: Javier Navarro

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Zudem können die Besucher den Melquiades ausprobieren, die erste Flamencorythmusmaschine der Welt, das Kastaphon und andere interaktive Geräte, vor allem auch für Kinder geeignet. Unsere Gäste können zudem selbst aktiv werden und den Flamenco ausprobieren, entweder in Schnupperstunden des Flamencotanzes (feet-on experience) oder auf dem Cajón, ein Perkussionsinstrument, ursprünglich eine Art von Klangkiste aus Kuba, das vor ca. 40 Jahren Zugang zum Flamenco fand. Natürlich können Neugierige auch versuchen die Kastagnet-

ten zum sonoren Klingen zu bringen, ein Instrument das wie erwähnt vor dreitausend Jahren nach Andalusien kam. Damit die Klangerfahrung leichter wird haben wir das Kastaphon erfunden. Mit Voranmeldung (auch für Betriebe und Freundesgruppen) können wir dann gerne die Bewegungs- und Rythmuserfahrungen arrangieren, für jedes Alter. In unserem Flamencolaboratorium loten wir auch die Grenzen des Flamenco aus: Ausstellungsräume 2. Stock des Museums und “Rhythmus-Laboratorium”, Oben: Unterricht im Museum (Percussion und Tanz), Fotos: Javier Navarro

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Oben: s/w Fotografie aus dem Film “Bluthochzeit” mit Cristina Hoyos, Regisseur Carlos Saura, Foto: Teo Escamilla Weitere Fotos: Farbfotos: Impressionen aus unseren Flamenco-Konzerten, Foto: Javier Navarro

Flamenco und Jazz, Hiphop, Rap, Rock und Oper. In einem Ansatz von Flamencotherapie erforschen wir auch über die emotionalen Energien des Flamenco seine heilenden Wirkungen. Mit unserem Verlag leisten wir zudem einen Beitrag zur Flamencoforschung. Das Flamencotanzmuseum ist deshalb im internationalen Panorama des Flamenco eine einzigartige

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und herausragende Einrichtung. Die abendlichen Shows, in der der Flamenco als Kunst genossen werden kann, runden das Flamencoerlebnis ab. Unsere mehr als 120.000 Besucher im Jahr, zu denen auch die ehemalige Kultusministerin Chinas zählt, so wie Mitglieder der englischen Königsfamilie oder der zukünftige Kaiser von Japan können


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Team des Flamenco-Museums: v.l.n.r.: Marco Torres, Kazuyo Koraiwa, Javier Andrade, Claudia Navarro, Dr. Kurt Grötsch, Victor Bravo, Ximena Peña, Paco Franco, F.: Javier Navarro

Zeugnis von der erlebenden Kraft des Flamencos und der bewegenden Museographie des Flamencotanzmuseums ablegen. Die Gäste werden von einem 20 köpfigen Team, mit Praktikanten aus aller Welt, unter der Direktion von Dr. Kurt Grötsch natürlich auf Spanisch, aber auch auf Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Japanisch, Chinesisch täglich zwischen 10.00 Uhr und 19.00 Uhr empfangen.

Museo del Baile Flamenco C/ Manuel Rojas Marcos, 3 41004 Sevilla http://www.museodelbaileflamenco.com

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Die eleganten GAP-Stanzungen zur Steuerung des Thermodruckers befinden sich jeweils in der Perforation zwischen den Tickets und bestimmen so dessen Länge. Vorder- und Rückseite können folglich komplett ausgestaltet werden.

GAP-Technologie für Tickets

Mehr Freiheit in der Gestaltung! Schwarze Steuermarken (Blackmarks) standen bisher einer wirklich guten beidseitigen Gestaltung von Tickets entgegen. Beckerbillett hat deshalb seit langem nach einer Lösung gesucht, bei der die zur Bestimmung der Ticketlänge notwendige Steuermarke durch ein anderes Verfahren ersetzt wird. Der Hersteller Boca liefert Beckerbillett nun einen speziell konfigurierten Drucker, bei dem die Positionierung des Tickets über eine Durchlichtschranke gesteuert wird. Der Drucker erkennt die Länge der Tickets anhand der GAP-Stanzung, die sich auf der Perforation jeweils zwischen den Tickets befindet. Der dafür notwendige Spalt (GAP) wird von Beckerbillett gleich bei der Herstellung der Tickets exakt angebracht. Die Geräte werden als „Boca Edition Beckerbillett“ in einer Auftischversion und zum Einbauen angeboten. Der Vorteil ist offensichtlich: Endlich können beide Seiten des Tickets vollflächig gestaltet werden. Die störende und raumgreifende Blackmark entfällt. Wir laden Sie ein, sich auf der Exponatec 2015 in Köln auf unserem Messestand in Halle 3.2, Gang B, Stand Nr. 80 über den neuen Drucker, aber auch über viele weitere Neuerungen im Ticketing, bei unserer bewährten Museumssoftware und im Bereich Hardware zu informieren. Herzlich willkommen! Beckerbillett GmbH · Tel. +49 (0) 40-399 202-0 dtp@beckerbillett.de · www.beckerbillett.de


Am Anfang war Ada Frauen in der Computergeschichte Autorin: Christina Rühlmann

„Wüsstest du auch nur um die Hälfte der außergewöhnlichen unbesonnenen Dinge, die ich tue, du würdest gewiss dem Gedanken zuneigen, dass irgendein Zauber auf mir liegt.“ Selbstbewusst, leidenschaftlich und poetisch, schreibt diesen Satz in der Mitte des 19. Jahrhunderts die Frau, die heute als erste Programmiererin der Welt gilt: Ada Lovelace. Die geniale Mathematikerin war die Tochter des berühmten romantischen Dichters Lord Byron, der ihre Mutter, Anne Isabella Milbanke, wenige Wochen nach Adas Geburt verließ. Die Mutter, selbst naturwissenschaftlich begabt und begeistert, hielt ihre Tochter fortan von der Poesie fern und ließ sie dafür in den Naturwissenschaften unterrichten. Bereits in ihrer Jugend entwickelte Ada ein ausgeprägtes Interesse und überragendes Verständnis für die Mathematik und freundete sich früh mit Charles Babbage an. Dessen nie gebaute Analytical Engine übersetzte sie 1843 und versah die Arbeit mit eigenen Kommentaren, um die nur virtuell existierende Maschine anschaulich zu erläutern. Ihre “Anmerkung G”, enthält einen Algorithmus, der Babbages Maschine dazu befähigen sollte, bestimmte Rechenprozesse durchzuführen. Während Charles Babbage somit gewissermaßen die Hardware des ersten Protocomputers entwickelte, kann Ada Lovelace als Schöpferin der dazugehörigen Software gelten - lange bevor Konrad Zuse geboren wurde. Aus Anlass ihres 200. Geburtstages im Dezember dieses Jahres widmet das Heinz Nixdorf MuseumsForum in Paderborn Ada und weiteren Pionierinnen der Informationstechnik eine Sonderausstellung auf 700 qm. Archimedes Exhibitions hat dafür die Szenografie entwickelt, das Design gestaltet und multimediale Exponate entworfen. Die Szenografie entführt

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Ada Lovelace, 1815-1852. © Science & Society Picture Library

die Besucher chronologisch auf eine Zeitreise durch beinahe 170 Jahre Computertechnologie. Eine Grundgegebenheit der Ausstellung liegt darin, dass es nur wenige erhaltene Originale und Artefakte gibt, die ausgestellt werden können, so dass viel mit multimedialen Inszenierungen gearbeitet wurde. Zahlreiche interaktive Angebote machen den Besuchern Technologien im wahrsten Sinne des Wortes begreifbar. Spannende Inszenierungen erklären die Bedingungen, unter denen die Frauen ihre Leistungen erbracht haben und den Kampf gegen gesellschaftliche Barrieren, denen sie ausgesetzt waren. Historische

Objekte stehen dabei neben modernen Medienstationen, die in einem Hands-on die jeweiligen Funktionsweisen erfahrbar machen. In rekonstruierten Salons und nachgestalteten Räumen aus den jeweiligen Epochen können Besucher an interaktiven Stationen die Funktionsweisen der historischen Maschinen selber erfahren und beispielsweise die Analytical Engine und ihre Programmierung verstehen lernen. Neben Ada Lovelace werden weitere Pionierinnen auf dem Gebiet der Informationstechnologie gewürdigt. Auch Grace Hopper spielt eine zentrale Rolle in der


Ausstellung. Hopper entwickelte ab 1949 den ersten Compiler, der 1952 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Bis dahin waren Programme in Maschinensprache/ Binärcode geschrieben. Um diesen Prozess zu vereinfachen, erarbeitete sie eine Methode, die es ermöglichte, Programme und ihre Unterprogramme in einer mehr an der menschlichen Sprache orientierten Weise auszudrücken, die Worte für auszuführende Operationen nutzte. Als ein zentrales Ausstellungsobjekt hat Archimedes einen Compiler nachgebaut, um anschaulich und spielerisch zu zeigen, wie die Lücke zwischen menschlichem Verständnis und der Interpretation des Computers vom Compiler überbrückt wird. An diesem kann der Besucher sinnbildlich als Komponist agieren und seinen eigenen „Musik-Code“ zum Klingen bringen. Die Ausstellung stellt weitere Frauen aus der Computergeschichte vor, denn nach Ada kamen noch viele andere, deren Leistungen ebenfalls bislang nicht im Museumskontext in den Fokus gerückt wurden. Darunter sind zum Beispiel die ENIAC-Frauen, die den Elektronenrechner noch per Hand programmierten, um

ENIAC Programmiererin. © Archimedes Exhibitions

schwierige ballistische Berechnungen anzustellen oder Nadia Magnenat-Thalmann, deren humanoider Roboter die Besucher am Ende verabschiedet. Dabei wird nicht nur Leben und Werk der einzelnen Wegbereiterinnen vorgestellt, sondern es wird deutlich: In der Informationstechnologie haben Frauen einen

wesentlichen Anteil daran, dass technische Hürden immer wieder überwunden werden konnten.

Mehr Informationen: www.archimedes-exhibitions.de

Exponat „Steps“, Ausstellung Ada Lovelace © Jan Braun / Heinz Nixdorf MuseumsForum

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Im alten Industriebereich von Ostrava in Tschechien, der Lower Vítkovice Area, hat seit nunmehr einem Jahr ein neues Science Center geöffnet: Svet techniky - Die Welt der Technik. In nur neun Monaten hat Archimedes Exhibitions dafür auf über 4.500 Quadratmetern zwei Ausstellungen konzipiert und 132 Exponate sowie die dazu gehörige Szenografie entwickelt und realisiert. Ein atmosphärisches Labyrinth aus Eisentürmen, Rohren und Leitungen bildet die für die Stadt so identitätsprägende Silhouette der historischen Industriearchitektur. Die auf diesem Komplex neu erbaute Halle des Science Centers verfügt über elf Meter hohe Decken. Eine promi-

nente Glasfassade erzeugt eine hybride Architektur, bei der die Grenzen zwischen Innen und Außen verschwimmen. Die einzelnen Bereiche, jeweils thematisch in Oasen angeordnet, folgen leitmotivisch der Form einer Spirale, ein Motiv, das die Designer bewusst gewählt haben, begegnet es doch in der Natur in verschiedenen Phänomenen – als Haus einer Schnecke, als DNA-Molekülkette, Wirbelsturm oder Kometenregen. Diese Aufteilung schafft Struktur innerhalb der Ausstellung, dabei sind einzelne Themen klar abgegrenzt und dennoch wie in einem Fluss miteinander verbunden – die Sichtachsen werden nicht behindert, der Besucher kann

Oben: Exponat „Perpetual Motion“, Science Center Ostrava Unten: Science Center Ostrava Hintergrund: Exponat „Earth“, Science Center Ostrava. Alle: © Archimedes Exhibitions

Welt der Natur, Welt der Wissenschaft. Science and Technology Center Ostrava 9 Monate. 4.500 qm. 132 Ausstellungsexponate.

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in dem beeindruckenden Gebäude die Weite seiner Blicke bewahren. Der Garten Archimedes hat auch den anliegenden 2.000 qm großen Garten als eine Landschaft angelegt, die den Innenbereich ergänzt und die Themenkomplexe der Ausstellung symbolisch weiter trägt. Die Fassade fungiert dabei als Spiegel des Industriekomplexes und der Natur zugleich. Auf diese Art und Weise werden alle Sinne angesprochen und die Ausstellung hält ein kontemplatives Moment bereit, das zum Verweilen einlädt.

‚Physik‘ zeigt Wellen in all ihren Ausprägungen und ihrer Verwandtschaft. Im Bereich ‚Nano und Mikro‘ begeben sich die Besucher auf eine Reise in die kleinsten Dimensionen unserer Umwelt. ‚Medizin/Technik‘ zeigt, wie moderne Technik heute Leben verlängert und vereinfacht. Zum Abschluss wirft das Areal ‚Neue Materialien‘ noch einen Blick in die Zukunft und stellt Technologien wie 3D Drucker oder Nanomaterialien vor, die uns in den nächsten Jahren auch im Alltag begegnen werden.

Science Center Ostrava. © Archimedes Exhibitions

Die Ausstellung In der „Welt der Natur“ können Besucher in elf unterschiedlichen Bereichen die Welt spielerisch entdecken. Von der ‚Oase des Eisens‘, die Bezug nimmt auf die Vergangenheit Ostravas als Schwermetallstadt und die benachbarten Eisenwerke, über ‚Fauna‘, ‚Flora‘, ‚Mensch‘ oder ‚Weltall‘ bis hin zu ‚Energie‘, ‚Licht‘ und ‚Elektrizität‘: An Hands-on Exponaten und Medienstationen lernen die Besucher zu verstehen, wie die Welt um uns herum funktioniert. Die Besucher können Bäume besteigen, wie Delphine mit Sonar Fische jagen, den Lebenszyklus von Sternen genauso wie den Kreislauf des Wassers auf der Erde erfahren. Sie lassen mit einer Wimshurst Maschine Funken schlagen und mit Lichtenergie Flugzeuge kreisen. Die „Welt der Wissenschaft“ beleuchtet die Struktur unserer Welt und die Technologien, mit denen wir sie erklären und erfahren. In ‚Mathematik‘ nähern sich die Besucher spielerisch mathematischen Beweisen, Systemen und Phänomenen.

Mehr Informationen: www.archimedes-exhibitions.de Exponat „Beauty of Light“, Science Center Ostrava © Archimedes Exhibitions

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Oben: The Journey of Steel. Unten: Exponat „Punching Machine“, ArcelorMittal Ostrava. Alle Fotos: © Archimedes Exhibitions

“The Journey of Steel” Es zischt, es brodelt: Wir befinden uns vor einem Hochofen. Geographische Lage: Tschechien. Für den Standort Ostrava des größten Stahlproduzenten der Welt, ArcelorMittal, haben die Designer von Archimedes Exhibitions in einem aufwändigen Verfahren Handzeichnungen mit Renderings kombiniert und so einen begehbaren Comic geschaffen. In diesem kann der Besucher sich auf eine Reise vom Rohstoff zum Endprodukt begeben. Aus Eisenerz fertigt der Besucher im Ausstellungsverlauf einen Alltags- und Designgegenstand „selbst“: einen Löffel aus Stahl. Zur Visualisierung der Szenografie ist bewusst das Comic-Genre gewählt worden. So wird

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eine sympathische und lebendige Welt kreiert, in der die Imaginationskraft der Besucher angeregt wird, Bedeutungsebenen geschaffen werden und eine neue, unbekannte Sicht auf das Produkt Stahl zugelassen wird. Diese Einblicke in die Fertigungstechnologie fügen sich in die Umgebung des Industriestandortes des Science and Technology Center Ostrava. In der Ausstellung lernen Besucher Stahl in allen Facetten kennen und erfahren mehr über Bandbreite und Bedeutung des kreativen Materials, das am Anfang derart vieler Produkte steht, dass es als nahezu omnipräsent gelten kann. Nicht ohne Grund wird es auch als „Grundstoff“ moderner Ökonomien und Gesellschaften bezeichnet. „Journey of Steel“

zeigt die ästhetische Seite von Stahl, die nicht nur rauh und fest, dunkel und archaisch ist, sondern Grundlage für Design, klinische Laborgeräte und Alltagsgegenstände bildet. Der Ausstellungsaufbau: Der Besucher muss Kraft aufwenden, ziehen, kurbeln, bis er seinen Löffel hergestellt hat. Der Ansatz der Ausstellung ist nicht statisch, sondern interaktiv und bewegt. Die Szenerie steht gewissermaßen


niemals still, so wie der Hochofen eines Stahlwerks konstant vor sich hin kocht. Vor einer gezeichneten und animierten Landschaft kann der Besucher die interaktiven Exponate sowohl physisch als auch digital animiert eigenständig bedienen. Die riesigen Maschinen und Geräte aus der Stahlproduktion sind aufgeschnitten, gewissermaßen „seziert“ und bieten einzigartige Einblicke in Prozesse, die sonst nicht zugänglich sind. Ein besonderes Merkmal der Ausstellung bildet die Schnittstelle zwischen analogen und digitalen Exponaten, die sich als Dialog durch die gesamte Ausstellung zieht. Die

Imitation realer Fertigungsmechanismen schafft eine industrielle Ästhetik, zugleich trifft High-Tech-Engineering immer auch auf das spielerische Element, den Comic-Stil. Kontakt: Christina Rühlmann Archimedes Exhibitions Saarbrücker Str. 24 10405 Berlin Telefon: +49 30 / 2000 577 - 4420 E-Mail: cr@archimedes-exhibitions.de www.archimedes-exhibitions.de

Unten: Handzeichnung Hochofen Jan Modzelewski © Archimedes Exhibitions

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Oben: Die 42-zeilige Gutenberg-Bibel, Shuckburgh-Exemplar. Rechts: Druckpresse, Foto: Martina Pipprich

Das Gutenberg-Museum Autorin: Dr. Annette Ludwig Das Gutenberg-Museum, eines der ältesten Druckmuseen der Welt, lädt ein zu einer Reise durch vier Jahrtausende der Schrift-, Buch- und Druckkultur. Von der Keilschrifttafel bis zur modernen Typografie, von der Handschrift bis zum Pressendruck, von der Gutenberg-Werkstatt bis zum Druckladen bieten Dauer- und Sonderausstellungen spannende Einblicke in die „schwarze Kunst“. Eine Hauptrolle spielt dabei der Mainzer Johannes Gutenberg – der „Man of the Millenium“, der vor mehr als 550 Jahren das Drucken mit beweglichen Metall-Lettern erfunden hat und damit eine Medienrevolution auslöste. Wie, das kann man im Gutenberg-Museum sehen – zum Beispiel stündlich bei einer Druckvorführung in der rekonstruierten Werkstatt, die zu den Hauptattraktionen des Hauses zählt. Leben, Werk und Erfindungen von Johannes Gutenberg werden anschaulich darge-

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stellt. Das Herzstück der Dauerausstellung bilden zwei Exemplare der weltberühmten 42-zeiligen Gutenberg-Bibel, die in der begehbaren Schatzkammer zu sehen sind. Rund um Johannes Gutenberg zeigt das im Jahr 1900 durch bürgerschaftliches Engagement gegründete Gutenberg-Museum alle Aspekte des Buchdrucks. Drucktechnische Geräte, Setzmaschinen und Druckerpressen aus mehreren Jahrhunderten lassen die Druckgeschichte lebendig werden. In der Dauerausstellung werden bedeutende Beispiele der europäischen Druckkultur vom 15. Jahrhundert bis zur Gegenwart präsentiert. Als „Weltmuseum der Druckkunst“ hat das Gutenberg-Museum für die früheste Geschichte des Druckens in Ostasien (seit dem 8. Jahrhundert) sowie Schrift und Druck in islamischen Ländern eigene Abteilungen eingerichtet. Eine Handschriften-Abteilung erläutert die Entwicklung der Schrift, weitere widmen sich dem Buchbinder-Handwerk, den druckgrafischen Techniken, der Herstel-

lung von Papier und Farben. Noch Vieles mehr lässt sich auf den vier Etagen des Museums auf rund 3.000 qm anschaulich nachvollziehen. Das Gutenberg-Museum besitzt eine einzigartige Inkunabel- und Frühdrucksammlung mit mehr als 3.000 Werken, eine der weltweit bedeutendsten Exlibris-Sammlungen mit mehr als 100.000 Blättern, rund 7.000 Miniaturbücher und viele weitere Bestände wie z.B. Akzidenzen, Plakate, Buchumschläge, Künstlerbücher oder Zeugnisse zur Pressegeschichte. Es beherbergt auch das Mainzer Minipressen-Archiv (MMPM) mit einer Vielzahl an literarischen und buchkünstlerischen Erzeugnissen von kleinen und kleinsten Druckereien und Verlagen (Minipressen), und veranstaltet im Zwei-Jahres-Rhythmus die „Mainzer Minipressen-Messe“, an der sich über 320 Aussteller aus dreizehn Ländern, von Europa über Korea bis nach Australien, beteiligen.


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Oben: Druckladen, Unten: „Zum Römischen Kaiser“, Verwaltung und Bibliothek des Gutenberg-Museums. Fotos: Martina Pipprich

In der Präsenz-Bibliothek des Hauses stehen mehr als 85.000 Medieneinheiten bereit, die zu einzelnen Aspekten rund um Buch und Druck informieren. Der Lesesaal steht allen Interessierten offen. Die Bibliothek ist, wie die Verwaltung, die Restaurierungswerkstatt, das Minipressen-Archiv und einer der beiden Fördervereine, der Internationalen Gutenberg-Gesellschaft in Mainz e.V., im repräsentativen Spätrenaissance-Gebäude „Zum Römischen Kaiser“ untergebracht. Der „Druckladen“ ist die museumspädagogische Abteilung des Gutenberg-Museums. Wer sich für Drucktechniken, Typographie und Gestaltung interessiert, findet hier ein passendes Angebot und kann unter fachlicher Anleitung selbst tätig wer-

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den. Gruppenprogramme für alle Altersgruppen, vom Schulkind bis zu Senior und Seniorin, führen in den Handsatz und den Hochdruck ein. Gutenbergs Arbeitsprinzip kann mit dem Setzen von Holzlettern, einem Faksimiledruckstock der Gutenberg-Bibel und Klischees mit vielen verschiedenen Motiven eigenhändig nachvollzogen werden. In der Setzerwerkstatt werden individuelle Drucke als Auftragsarbeiten durch ehrenamtliche Fachkräfte im Handsatz angefertigt. Zahlreiche Workshops, von Kinder-Ferienprogrammen bis zu intensiven Wochenend-Workshops mit Künstlern und Handwerkern, vermitteln praktische Fertigkeiten rund um das Buch und den Druck: von experimentellen Schreibtechniken und anderen Formen der Textgestaltung über Kanji – Asiatischer

Kalligraphie, Buchmalerei, bis hin zu klassischem Bleisatz, Hoch- und Tiefdruck oder Frottage, Techniken des Bucheinbandes, der Collage oder Origami. Zu allen Sonderausstellungen im Druckladen werden individuelle Begleitprogramme entwickelt. Darüber hinaus kann der Druckladen mit seinem besonderen Werkstatt-Flair für Kindergeburtstage, private Veranstaltungen und Firmenfeiern genutzt werden.

Bis zu fünf Sonderausstellungen im Jahr richten den Blick gezielt auf Einzelaspekte und auf die Spezialsammlungen. Seit fünf Jahren bilden wechselnde, bereits mehrfach preisgekrönte Ausstellungen zur Typografie einen neuen Schwerpunkt - mit Begleitprogrammen und Symposien, die das Gutenberg-Museum zu einem „HotSpot“ der Typo-Szene und zu einem Forum des Austauschs werden lassen.

Ein mehrsprachiger Film führt in Leben und Werk Gutenbergs ein. Mit dem Audioguide können Sie anschließend auf „Lauschtour“ gehen und die „Highlights“ des Hauses in deutscher, englischer und französischer Sprache kennenlernen. Fünf „Extratouren“ führen Sie durch einzelne Abteilungen.

Die aktuellen Sonderausstellungen: Im Themenjahr „Bibel und Bild“ präsentiert das Gutenberg-Museum mit der Sonderausstellung „Am 8. Tag schuf Gott die Cloud. Die Reformation als Medienereignis in Text und Bild“ den Hauptbeitrag der Landeshauptstadt Mainz zum „Mainzer Lutherjahr 2015“ im Rahmen der Luther-

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„(Ent)Kleidung: Nacktheit und Mode“. Foto: Bernd Eßling

dekade, der von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert wird. Hierbei handelt es sich um eine Ausstellungsreihe mit einer „Basisausstellung“ und drei aufeinander folgenden Themen-

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ausstellungen. In der „Basisausstellung“, die zehn Monate zu sehen ist, kann man aus einem neuen Blickwinkel entdecken, wie virtuos sich Luther und seine Zeitgenossen in der modernen Medienwelt ihrer Zeit bewegten und wie die „Cloud“

des 16. Jahrhunderts funktionierte. Eine besondere Rolle spielt die Lutherbibel als Bestseller ihrer Zeit. Die parallel laufenden Themenschauen widmen sich Kernthemen der Bibel im Bild


seit Martin Luther. „(Ent)Kleidung: Nacktheit und Mode“ (28.04.15 – 09.08.2015) fragte nach der Bedeutung von Nacktheit und Mode in der Lutherbibel. Nacktheit bedeutet nicht einfach nur ausgezogen zu sein, und Kleidung ist nicht nur Schutz vor

Witterung. Beides ist Teil der Kommunikation zwischen Menschen, muss also wie Buchstaben oder Sprache auch erst einmal entschlüsselt und verstanden werden. In jeweils drei Bereichen thematisierte die Ausstellung diese Kommunikationsebenen.

Die zweite Themenausstellung, „Kampf dem Todsündentier: Freund und Feind“ (26.8. –29.11.15) lädt dazu ein, den Prägungen und dem Wandel der Vorstellungen von Freundschaft und Feindschaft über die Jahrhunderte nachzuspüren und

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„(Ent)Kleidung: Nacktheit und Mode“. Fotos: Bernd Eßling. Nutzungsrechte aller Fotos: Gutenberg-Museum.

den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse im Spiegel der (Druck-)Kunst bis in die Gegenwart zu betrachten, unsere Vorstellungen von (biblischen) Beziehungen, von Neid, Mordlust und Konkurrenz, von Familienbanden und verhängnisvollen Affären, von „Underdogs“ und „Misfits“ und der „wahren Freundschaft 2.0“. Die dritte Themenausstellung, die vom

11.12.15 bis zum 28.02.16 (Vernissage am 10. 11.15, 18.30 Uhr) gezeigt wird, trägt den Titel „Vom Himmel gefallen: Engel und Teufel“. Engel und Teufel sind ein klassisches, allen vertrautes Gegensatzpaar. Sie stehen synonym für Himmel und Hölle mit Engeln als himmlische, schöne, lichtgleiche Wesen und Teufeln als finstere

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Ungeheuer mit oft menschlichen Zügen. Ausgehend von den Bildern der Lutherbibel werden verschiedene Darstellungsformen von Engel und Teufel in ihrer Entwicklung verfolgt, auch unter Beachtung der regionalen Ausprägung des Themas. Die Ausstellungsreihe wird flankiert von einem umfangreichen Begleitprogramm, das Kuratorenführungen, Winzersektführungen, Kulturspaziergänge und spezielle Angebote für Kinder und Jugendliche beinhaltet. Alle Angebote können der Museums-Website (www.gutenberg-museum.de) entnommen werden. Der amtierende Mainzer Stadtschreiber Feridun Zaimoglu ist auch als bildender Künstler tätig. Ab dem 12. Oktober 2015 zeigt das Gutenberg-Museum parallel zur Frankfurter Buchmesse und der Präsentation seiner opulenten Neuerscheinung „Siebentürmeviertel“ erstmals umfassend das bildkünstlerische Werk des Schriftstellers, der 1964 in Anatolien geboren wurde und seit 1985 in Kiel lebt und arbeitet.

Das Gutenberg-Museum arbeitet immer wieder an der Schnittstelle zur zeitgenössischen Kunst und zum Design. So schafft die Mainzer Stadtdruckerin Angela Glajcar Ende November 2015 in situ eine begehbare Papier-Installation. Jährlich besuchen über 110.000 Gäste aus aller Welt das Gutenberg-Museum, darunter 25.000 Kinder und Jugendliche. Der italienische Schriftsteller Umberto Eco sagte 2014 anlässlich seines Besuchs im Gutenberg-Museum und der Verleihung des Gutenberg-Preises: „Der Weg zur wahren Wiege des gedruckten Buches führt nach Mainz ins Gutenberg-Museum. Für den Bibliophilen, den Freund des Buches, ist das wie eine Pilgerreise nach Jerusalem oder nach Mekka.“ Kommen auch Sie – wir freuen uns auf die Begegnung im „Weltmusum der Druckkunst“.

Gutenberg-Museum Liebfrauenplatz 5 D-55116 Mainz http://www.gutenberg-museum.de


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Oben: Blick in die Kombüse Foto: © DSM. Rechts: Die „SEEFALKE“ Foto: © Daniela Wittenberg, DSM

Ship & Sound Hörstationen für die SEEFALKE Autorinnen: Imke Engelbrecht / Kirsten Darby Seit 1970 zählt der Hochseebergungsschlepper SEEFALKE zur Museumsflotte des Deutschen Schiffahrtsmuseums. Zu seinem 90. Geburtstag initiiert das Museum erstmals einen Audioguide zur Geschichte des Schiffes. Bereitgestellt werden die Hörstationen auf museum.de. Stürmische See und metallisches Knarzen. Dann eine Stimme, die beschreibt: „Menschens Kinners, ist das wieder windig heute! Haltet euch gut fest! Und stellt euch vor: Das ist noch gar nichts gegen die Wetterbedingungen, unter denen SEEFALKE in seinen Einsätzen meistens unterwegs war.“ So beginnt die Hörstation „SEEFALKE als Schlepper“, eine von insgesamt 15 auf dem Hochseebergungsschlepper im Alten Hafen in Bremerhaven. Das Schiff gehört seit 1970 zur Museumsflotte des Deutschen Schiffahrtsmuseums (DSM). Grund genug, die Geschichte des Hochseebergungsschleppers einmal genauer

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aufzuarbeiten und für Besucher über Audiospuren erlebbar zu machen. Denn die SEEFALKE hat viel zu erzählen: von ihren weltweiten Einsätzen, über das Leben an Bord, bis hin zu ihrer abenteuerlichen Bergung nach dem Zweiten Weltkrieg. Nachempfunden werden können die Arbeit im lauten Maschinenraum, das Kochen in der engen Kombüse, oder das Duschen im kleinen Waschraum, den sich die einst 19 Mann zeitweilig sogar mit weiteren zusätzlichen Besatzungsmitgliedern teilen musste. In einer der Offizierskabinen steht ein altes Radio, die Hörstation spielt dazu „Tea for two“, ein Hit aus der Zeit der Jungfernfahrt. Im Ruderhaus sind Gesprächsfetzen und ein gelegentliches Niesen zu hören, während die Navigation auf dem Schiff erläutert wird. Geschichten laden zum Reinhören ein Der knapp 56 Meter lange und zehn Meter breite Hochseeschlepper SEEFALKE

von 1924 fuhr einst für die Hamburger Reederei W. Schuchmann. Im Zweiten Weltkrieg stand er im Dienst der Kriegsmarine und wurde 1945 bei einem Bombenangriff im Kieler Hafen versenkt. Die Die SEEFALKE im Einsatz. Foto: © Morgenstern Museum


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a SEEFALKE als Schlepper

ba SEEFALKE Privatheit und als Schlepper Leben an Bord

ca Zeichnungen SEEFALKE alsHans Schlepper Leip

da Maschinenraum SEEFALKE als Schlepper I

ea Maschinenraum SEEFALKE als Schlepper II

faKomb端se SEEFALKE als Schlepper

ga Hygiene SEEFALKE als Schlepper

ha Navigation SEEFALKE als Schlepper

iaMusik SEEFALKE und Unterhaltung als Schlepper


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Die Hörstationen auf der SEEFALKE im Überblick © www.polyform-net.de.

jaFunkraum SEEFALKE als Schlepper

ka Bergungsbericht SEEFALKE als Schlepper

laEinsatzbereich SEEFALKE als Schlepper und -regionen

m a SEEFALKE Der Bergelohn als Schlepper

na SEEFALKE Seefalke – als DasSchlepper Jahr 1945

oa SEEFALKE Familie als Schlepper

Reederei versteckte das Schiff vor den Alliierten: Sie hob die SEEFALKE „in einer Nacht- und Nebel-Aktion“ und versenkte sie erneut an einer geheimen Stelle in der Kieler Förde. Erst drei Jahre später holte sie das Schiff zurück an die Oberfläche und setzte es mit hohem finanziellen Aufwand wieder instand. Danach fuhr das Schiff noch 20 weitere Jahre als Bergungs- und Schiffsüberführungsschlepper für die Reederei, verrät die Station „SEEFALKE – das Jahr 1945“. Die SEEFALKE wurde aber nicht nur im Bergungsgeschäft eingesetzt, wie aus einer weiteren Hörstation mit dem Titel „Einsatzbereich und -regionen“ zu erfahren ist. Mit ihr wurden auch Schleppfahrten quer über die Ozeane durchgeführt. „Geschleppt wurde vieles – von Schwimmdocks bis zu Großbaggern – und das zu Zielen wie Indonesien, Südafrika oder Mexiko. Auch die Orte, an denen der Schlepper über die Jahre stationiert war, reichen von Cuxhaven in Deutschland über Dover in England bis Tanger in Marokko und vom spanischen La Coruña über die portugiesischen Azoren bis zur Karibikinsel Curaçao“, erzählt hier eine Frauenstimme.

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Eine kleine Überraschung für die Hörerinnen und Hörer offenbart sich an der Station „Zeichnungen von Hans Leip“ in der Messe des Schiffes: Hier hängt eine Zeichnung des deutschen Schriftsteller Hans Leip (1893 bis 1983) an der Wand, der einst auf der SEEFALKE mitfuhr und ein Gedicht mit Skizze hinterließ. Dass er der Autor des Liedtextes „Lili Marleen“ war, den Norbert Schultze vertonte und unter anderem Lale Andersen interpretierte, wissen nur wenige. Die Macher des Audioguides Prof. Dr. Sunhild Kleingärtner, Geschäftsführende Direktorin des DSM und Professorin für Schifffahrtsgeschichte und Maritime Archäologie an der Universität Bremen, freut sich über die vielen spannenden Hörstationen auf ihrem Museumsschiff, die mit der Unterstützung durch die Wirtschaftsförderung Bremen GmbH umgesetzt werden konnte. Im Wintersemester 2014/2015 initiierte sie das Projekt im Rahmen der Neukonzeption des Museums. Dafür lud sie sieben Studentinnen des Masterstudiengangs „Museum und Ausstellung“ an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg ins DSM ein, um im Rahmen ihres Praxissemesters die 15 Hörstationen für den Hochseeschlepper zu entwickeln. „Für uns „Landratten“ war Zeichnung von Hans Leip in der Messe. Unten: Blick in eine Kajüte mit altem Radio. Fotos: © DSM

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Blick in die Nasszelle. Foto: © DSM. Fotos Stationen: Imke Engelbrecht

es eine sehr reizvolle Herausforderung, dass wir uns während unseres Praxissemesters mit der Geschichte eines so alten Schiffes auseinandersetzen konnten“, sagt Kirsten Darby, eine der Studentinnen, die das Projekt in die Tat umsetzten. „Mit den Recherchen über die SEEFALKE erhielten wir einen Einblick in die Infrastruktur des DSM: Wir stöberten in der Bibliothek und im Archiv des Museums, studierten technische Pläne und Berichte über die SEEFALKE sowie vorhandenes Fotomaterial.“ Die Hörgeschichten sind das Ergebnis auch von Zeitzeugeninterviews. Insbesondere der Zeitzeugenaufruf über die Nordsee-Zeitung stieß auf eine große Resonanz und das dabei entstandene Material verleiht vielen der Geschichten einen authentischen Charme. Die Produktion der Tonspuren inklusive Regie übernahm die Medienfirma Hill Media in Bremen. Nach den Vorgaben der Studentinnen, die sowohl den gesprochenen Text wie auch die Vorschläge für die Geräusche lieferten, er-

weckte die Medienfirma die Geschichten der SEEFALKE zum Leben. Bereitgestellt auf museum.de Ein Plus stellt die Bereitstellung der Audiospuren auf der Internetplattform museum.de. dar. Besucherinnen und Besucher können auf dem Schiff mit ihrem eigenen Smartphone an prägnanten Punkten QRCodes scannen und so unterschiedliche Eindrücke über das Leben an Bord abrufen und nachempfinden. Dafür laden sie einfach einen kostenfreien QR-Code-Reader aus dem App Store oder Google Play Store auf das eigene Smartphone oder Tablet herunter. Zwei weitere Abrufungen sind zudem möglich: Per Eingabe im Internet unter: www.museum.de/audioguide/47 und Angabe der Station a bis o. Optimal nutzbar ist der Audioguide mit der App von museum.de, die im App Store oder Google Play Store kostenfrei auf das eigene Smartphone und Tablet heruntergeladen werden

kann. Weiterhin geplant ist das Abrufen der Audios über so genannte iBeacons: Wenn Besucherinnen und Besucher die Bluetooth-Funktion ihres Smartphones aktiviert haben, öffnet sich automatisch die Tonspur zur jeweiligen Hörstation auf der SEEFALKE. Voraussetzung dafür ist die museum.de-App. Alle Hörstationen sind nachlesbar unter: museum.de/audioguides. „Wir hoffen, dass die Hörstationen einen vielseitigen Eindruck von dem Leben an Bord bieten. Sowohl für Technikaffine wie auch für Laien ist etwas Interessantes dabei“, sagt Darby, „aber wir wollen auch dazu verleiten, die Ausstellungen im DSM zu besuchen. Dort hat uns nämlich die Museumspädagogik die Welt der Schifffahrt lebendig gemacht.“ Deutsches Schiffahrtsmuseum Hans-Scharoun-Platz 1 D-27568 Bremerhaven www.dsm.museum

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Die Phantasie der Nachkriegszeit Konzept „Bürgerausstellung“ des Nürnberger Spielzeugmuseums. Autoren: Impuls-Design & Spielzeugmuseum Nürnberg

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Eine „Bürgerausstellung“ ist etwas Neues – insbesondere, wenn man beleuchtet, wie diese avantgardistische und aufwändige Ausstellungform wissenschaftlich konzipiert und realisiert und wie sie gestalterisch umgesetzt ist. Das Spielzeugmuseum Nürnberg hatte anlässlich „70 Jahre Kriegsende“ Menschen in ganz Deutschland dazu aufgerufen, inhaltlich am Projekt mitzuwirken. Gesucht wurden Objekte, nämlich selbstgemachtes Spielzeug aus den Jahren zwischen 1943 und 1950. Gesucht wurden dazu passende historische Fotografien der damaligen Kriegs- und Nachkriegskinder – auf den Fotos idealerweise im Kontext ihrer selbstgemachten Spielsachen. Und gesucht wurden die persönlichen Erinnerungen an den Umgang mit dem Notspielzeug.

während des Krieges in der Nürnberg Altstadt. Am 3. Oktober 1944 bekam mein Stiefvater Urlaub. Gerade, als er am Bahnhof in Nürnberg ankam, war Luftalarm und er musste dort in einen Bunker. Der Angriff war heftig. Als wir wieder aus dem Bunker konnten, lagen große Teile der Nürnberger Altstadt in Schutt und Asche. Mein Stiefvater war in der Zwischenzeit bereits vom Bahnhof gekommen. Er stand mitten auf den Trümmern unseres Hauses und hatte

Initiatorin und Konzeptgeberin der „Bürgerausstellung“ ist die Leiterin des Museums, Dr. Karin Falkenberg, die mit ihrem Team die Ausstellung als inhaltliche Partizipation erarbeitet und realisiert hat. Die Agentur Impuls-Design aus Erlangen spürt dieser Thematik in der Gestaltung kongenial nach und präsentiert eine optisch-intensive, stark emotionale Umsetzung auf allen Ebenen. Die Ausstellung tritt wissenschaftlich klar durchkomponiert auf: Die selbstgemachten Notspielsachen, kombiniert mit Informationen zum jeweiligen bastelnden Erwachsenen und den Kindern. Denn für sie waren die kleinen, oft aus Kriegsschrott hergestellten Spielzeugschätze schließlich gemacht worden. Die Ausstellung wirkt berührend, insbesondere aufgrund der persönlichen Geschichten, die eigens erhoben wurden. Hier ein Beispiel: „Das rote Feuerwehrauto hat mein Stiefvater während seiner Militärzeit für mich gebaut. Er hat mir dieses wunderschöne Gefährt zu Weihnachten 1943 geschenkt. Warum es heute so kaputt aussieht, hat einen Grund: Meine Mutter und ich wohnten

mein rotes Feuerwehrauto in der Hand. Das war das einzige, was er aus den Resten unseres Hauses noch ausgraben konnte.“ (Auszug aus dem Ausstellungskatalog „Notspielzeug – Die Phantasie der Nachkriegsjahre“, Schriftenreihe der Museen der Stadt Nürnberg, Bd. 10, erschienen im Michael Imhof Verlag). Durch und durch gefühlvoll und historisch stimmig ist die Umsetzung des Themas durch Matthias Kutsch, Agentur Impuls-Design, und sein Team – und das bei nicht ganz einfachen örtlichen Voraussetzungen: Der Ausstellungsraum hat eine unaufregend-schuhschachtelförmige Architektur und ist mit wuchtigen Bestandsvitrinen ausgestattet. Spielzeug „versinkt optisch“ nahezu darin.

Foto: © Museen der Stadt Nürnberg/Spielzeugmuseum

Für die Notspielzeug-Ausstellung wurden diese überdimensionierten Bestandsvitrinen durch Leichtbauwände von innen bis nach außen geteilt: Jedes Exponat erhält dadurch eine wirkungsvolle Intimität, die seiner individuellen Bedeutung gerecht wird. Der Raum wird durch die eigens eingebauten, fast deckenhohen Zwischenwände dynamisch

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und erzeugt Spannung. Und zugleich zitieren diese Einbauten die reale Wohnsituation der Nachkriegszeit, als in viele Räume Zwischenwände eingezogen wurden, um für zwölf Millionen Flüchtlinge Unterkunft zu schaffen. Dachlatten, Hartfaserplatten und grau-brauner Filz kommen in der Gestaltung zum Einsatz – die schlichten Materialien der Nachkriegszeit. Wirkungsstarke Ausschnitte aus den historischen Fotografien der Kinder, durch Direktdruckverfahren überdimensional auf die Hartfaserplatten aufgebracht, verstärken die Emotionalität in dem 110 Quadratmeter großen Ausstellungsraum. Alle Überschriften sind mit Kreide handschriftlich aufgebracht – Kinderschrift zitierend und dadurch ein Hingucker über jeder Vitrine; die Fakten und die persönlichen Geschichten wurden in Schreibmaschinenschrift geschrieben. Inhaltlich wie gestalterisch hat die Ausstellung einen innigen, warmen und zugleich frisch-fröhlichen Charakter. Sie zeigt den Kinderalltag der Nachkriegszeit mit selbstgebastelten Spielzeugschätzen als ein klares Gegenbild zur

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vermeintlichen Tristesse jener Notjahre. Zur Eröffnung der Ausstellung kamen viele der Leihgeber und erzählten begeistert persönlich ihre Geschichten neben ihren Exponaten. Die „Bürgerausstellung“ als Konzept des Spielzeugmuseums und seiner Bündnispartner nimmt den oft bemühten Begriff Partizipation ernst und setzt ihn hier inhaltlich und gestalterisch konsequent um.

Daten & Fakten Ort: Nürnberg Laufzeit: 25.6.2015 – 1.2.2016 Ausstellungsfläche: 110 m2 Auftraggeber: Spielzeugmuseum Nürnberg Frau Dr. Karin Falkenberg Projektleitung: Matthias Kutsch Agentur: Impuls-Design GmbH & Co. KG Gerberei 19 91054 Erlangen www.impuls-design.de


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Der neue Kapitelsaal St. Viktor Dom Xanten Autor: Peter Kummer

Der Kanoniker Balthasar Vulturius (lateinisch für niederrheinisch Gyer oder Geier) hatte wohl nicht jenes große Ansehen unter Seinesgleichen genossen wie sein Bruder Friedrich. Dieser nämlich wurde im Kreuzgang des Xantener Doms auf einem Epitaph noch mit dem Wortspiel verewigt „Ihrem Charakter nach sind es viele. Ich bin nur dem Namen nach ein Geier.“ Bruder Balthasar wird dagegen durch den Kanoniker Pels mit der Bemerkung „Er war dem Namen und dessen Bedeutung nach ein Geier“ charakterisiert. Offenbar war der Stiftsherr materiellen Gütern mehr als andere sehr zugetan, was 200 Jahre später zu diesem beißenden Spott führte. Dank seiner herausragenden Stellung in der Immunität hatte er sein geregeltes Auskommen. Und sie garantierte ihm erheblichen Einfluss, denn er gehörte dem erlauchten Kreis der Herren an, die vom repräsentativen Kapitelsaal aus die Geschicke des Stifts führten. Doch dann war es mit der Herrlichkeit des Raums vorbei, er fristete lange Zeit ein Mauerblümchendasein. Nun ist er wieder saniert und modernisiert und sieht ähnlich schmuck aus wie sein historisches Vorbild aus dem 16./17. Jahrhundert. Foto: © Uwe Strauch. Kamera: Sigma dp2 Quattro

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Um in den erlauchten Kreis der Stiftsherren aufgenommen zu werden, mussten Kanoniker mehrere Bedingungen erfüllen. Sie mussten ehelich sein, ohne Behinderung und mindestens 18 Jahre alt sein. Aber selbst das garantierte nicht automatisch den Zugang zu Einfluss und Pfründe, denn die Zahl der Mitglieder war auf 45-48 begrenzt. Die Zusammensetzung änderte sich nur durch Tod eines Kanonikers oder sein Verzicht auf das Amt. Mit seiner Aufnahme erhielt er Bezüge in Form von Naturalien und Geld. Nur Begüterte konnten sich um ein Kanonikat bewerben, da er in den ersten vier Jahren noch auf die Einnahmen verzichten musste. Das Amt galt als gute Versorgung für adlige Nachgeborene und Söhne großbürgerlicher Familien bzw. sorgte bei hohen Beamten in der Kirchenhierarchie für zusätzliche Einnahmen. Kanoniker waren der Gerichtsgewalt des Stifts unterworfen. Ihre Anwesenheit war Pflicht, von der sie nur in Ausnahmen wie Studium, Verwandtenbesuch, Bildungsreisen und Pilgerfahrten befreit waren. Auf eine Ehe mussten sie verzichten.

Foto: © Uwe Strauch

Die Kanoniker

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Der Kanoniker Balthasar Vulturius (lateinisch für niederrheinisch Gyer oder Geier) hatte wohl nicht jenes große Ansehen unter Seinesgleichen genossen wie sein Bruder Friedrich. Dieser nämlich wurde im Kreuzgang des Xantener Doms auf einem Epitaph noch mit dem Wortspiel verewigt „Ihrem Charakter nach sind es viele. Ich bin nur dem Namen nach ein Geier.“ Bruder Balthasar wird dagegen durch den Kanoniker Pels mit der Bemerkung „Er war dem Namen und dessen Bedeutung nach ein Geier“ charakterisiert. Offenbar war der Stiftsherr materiellen Gütern mehr als andere sehr zugetan, was 200 Jahre später zu diesem beißenden Spott führte. Dank seiner herausragenden Stellung in der Immunität hatte er sein geregeltes Auskommen. Und sie garantierte ihm erheblichen Einfluss, denn er gehörte dem erlauchten Kreis der Herren an, die vom repräsentativen Kapitelsaal aus die Geschicke des Stifts führten. Doch dann war es mit der Herrlichkeit des Raums vorbei, er fristete lange Zeit ein Mauerblümchendasein. Nun ist er wieder saniert und modernisiert und sieht ähnlich schmuck aus wie sein historisches Vorbild aus dem 16./17. Jahrhundert. Im Saal trafen die Stiftsherren ihre Entscheidungen zum Beispiel über die Finanzierung der Dombauprojekte, hier sprachen sie Recht innerhalb der Immunität. Und hier trafen sich die Herren, wenn einer der Ihrigen auf eine längere Reise gehen wollte. Um von der Anwesenheitspflicht entbunden zu werden, musste er seinen Mit-Kanonikern ein Fest spendieren. „Das war eine gesittete Veranstaltung mit strengem Reglement“, betont Paul Ley, ein pensionierter Lateinlehrer, der sich sehr mit der Geschichte der Kanoniker auseinandergesetzt hat. „Die Kanoniker waren vielfach gefragte Menschen und intellektuelle Hochkaräter.“ Wer dieser Runde angehörte, hatte es oft bis oben geschafft. Der Kapitelsaal war im Laufe seiner Geschichte ständigen baulichen und Nutzungsänderungen unterworfen. Eine Zwischendecke war zwischenzeitlich eingezogen, eine zweite Reihe Fenster ins Mauerwerk gebrochen, der Wandanstrich veränderte sich mehrfach, der Boden wurde je nach Bedarf angehoben und gesenkt. Lange Zeit diente er, im Zuge des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg lieblos wiederaufgebaut, als Sakristei. „Hier standen Schränke und Anrichten. Dann war er Stuhllager, Depot für Musikinstrumente und ein kleines Museum. Kein schöner Zustand, nichts kam zur

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Geltung“, erläutert der Leiter der Dombauhütte, Johannes Schubert. Der Fußboden aus den 60er Jahren stammte noch aus Ziegelsteinen. Schubert: „ Das große Problem war, dass sie auf einem Sandbett verlegt waren, das aber mit der Zeit eingesunken war.“ Damit war der ganze Fliesenbelag angebrochen und instabil. Eben dieser Boden stellte die Sanierer vor eine der größten Herausforderungen. Denn ursprünglich hatten Tausende bunter Kacheln in Schwarz und Weiß, Rotbraun und Grün den Bodenbelag gebildet. Wie haben die Fliesen genau ausgesehen? Wo bekommt man sie heute, nach historischem Vorbild hergestellt, her? Der Zufall half weiter. Oder die Voraussicht von Carl Cuno. Der Baumeister aus der Mitte des 19. Jahrhunderts sparte bei der seinerzeitigen Domrestaurierung die Ausgaben für einen teuren neuen Bodenbelag, doch ließ einen Teil einer Archivkammer mit gut erhaltenen Fliesen auslegen. So überlieferte er der Nachwelt das ursprüngliche Aussehen des Kapitelsaals. Das Nachbrennen der Renaissance-Kacheln übernahm ein Fachunternehmen in Höhr-Grenzhausen. Alles musste stimmen, vom richtigen Farbton bis zur Brenntemperatur. „Durch den kulturellen Zwang konnten wir den Raum nicht mit einfacher Industrieware auslegen“, betont Steinmetzmeister Schubert. Das Ergebnis überzeugte die Xantener Restauratoren: „Man konnte in dem Familienbetrieb mit einem Blick sofort sagen, welche Glasur damals angewendet wurde. Vergleicht man die Reste des Originalbodens und den Nachbrand, wird das hohe Einfühlungsvermögen in die Technik des 16. Jahrhunderts deutlich sichtbar“, schwärmt Knapp. Seit 2012 holten die Mitarbeiter der Dombauhütte aus baugeschichtlicher Sicht so manche Überraschung ans Tageslicht. „Wir wussten nicht, was uns erwartet. Vieles musste erst einmal freigelegt werden, um Modernisierungsbedarf zu erkennen“, erinnert sich Torsten Knapp. „Es war großes Glück, dass wir schadhafte Putzflächen entfernen mussten und dadurch die Wandstruktur zum Vorschein kam. Unter dem Mikroskop kamen Farbpigmente in den Mauerresten zum Vorschein, das hat uns enorm weitergeholfen“, sagt der Steinmetz und Restaurator. Die Arbeiten im Kapitelsaal sind in eine Chronik eingemündet mit vier Hauptbauphasen, zwei romanischen und zwei gotischen. Die ältesten Mauerteile werden auf Mitte des 11. Jahrhunderts datiert. Aus dieser Zeit stammen auch Farbreste an der Fensterlaibung an der Nordseite.

Fotos: © Dombauhütte Xanten

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Schubert: „Das Besondere ist nicht das Rot, sondern dass wir überhaupt diesen Farbrest gefunden haben. Damit hatten wir nicht gerechnet. Es ist der älteste Farbfund in diesem Mauerwerk.“ Acht Kreuzgerippengewölbe tragen die tonnenschwere Last der Decke. Den Abschluss bilden vergoldete Schlußsteine, die einst ein Kanoniker in Wesel fertigen ließ und die zwischenzeitlich verschwunden waren. Der Saal war nicht immer so hoch. Eine Zeitlang hatten die Bauherren eine hölzerne Zwischendecke einziehen lassen. In Parterre diskutierten die Kanoniker, eine Etage höher befand sich ihr Dormitarium, ihr Schlafraum. 1360 verschwand die Zwischendecke, der Raum wurde eingeschossig, denn die Stiftsherren verspürten den Wunsch einem eigenen Häuschen rund um den Dom herum. Auch wenn der Kapitelsaal den Glanz früherer Jahrhunderte widerspiegelt, am Einbau moderner Technik führte bei der Sanierung kein Weg vorbei. „Die Fußbodenheizung funktionierte nicht mehr richtig, verschiedene Stromkreise waren teilweise nicht mehr intakt“, erinnert sich Schubert. „Das war alles noch ein Nachkriegsprovisorium.“ Es ist Geschichte. Inzwischen verfügt der Saal sogar über einen Zugang zum Internet, die Steckdosen und Anschlüsse sind in Bodentanks eingelassen, die sich unter den Fliesen verbergen. Es sind wichtige Voraussetzungen, damit der Saal nach seiner Eröffnung Ende August auch für Veranstaltungen neben liturgische Feiern und kleineren Gottesdiensten genutzt werden kann wie den Neujahrsempfang der St. Viktor Kirchengemeinde oder Gedenkfeiern.

Einweihung des Kapitelsaals durch Weihbischof Theising am 30.8.2015. Unten links: Johannes Schubert, Leiter Dombauhütte Xanten. Unten rechts: Torsten Knapp, Restaurator Dombauhütte Xanten. Fotos: © Helge Boele. Fotos linke Seite und Detail oben: © Uwe Strauch, Kamera Sigma dp2 Quattro.

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Foto Š Uwe Strauch Sigma dp2 Quattro

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Foto Š Uwe Strauch Sigma dp2 Quattro

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Blick in die Werkstatt der Dombauhütte Xanten. Foto © Uwe Strauch, Kamera: Sigma dp2 Quattro

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Freie Sicht auf große Meister – Die Fähigkeit der optimalen Kunstverglasung Autorin: Alexandra Mark

Nichts ist wichtiger, als die Schätze einer Ausstellung oder Kunstgalerie ins rechte Licht zu rücken, damit sie optimal zur Geltung kommen. Dabei müssen Kuratoren und Galeristen stets eine Lösung für den Konflikt zwischen dem besten Schutz für das Kunstwerk und der besten Präsentation für den Besucher und Kunden finden. Für genau diese Situationen bietet der Spezialglashersteller SCHOTT eine Reihe von speziellen Gläsern und Verglasungen an, die sich durch besondere Eigenschaften von Reflexionsschutz bis hin zu Schutz vor Zerstörung durch Umwelt und Mensch auszeichnen. Auf der diesjährigen Exponatec in Köln widmet sich der Stand des Mainzer Unternehmens diesen einzigartigen Lösungen (Halle 3.2 Stand B 059). Um Kunstgegenstände direkt und optimal zu schützen, hat SCHOTT vor kurzem die neue federleichte Bilderverglasung MIROGARD® Protect Ultra auf den Markt gebracht. Das Verbundglas ist mit 6,5 kg/m2 ein absolutes Leichtgewicht und mit einer minimalen Dicke von 2,95 mm schnell und einfach in jede Standard-Rahmenlösung zu verbauen. Ein weiterer Vorteil ist ein UV-Schutz von 99,9 % und Splitterschutz, der den großen Meister in jeder Situation schützt. Dank einer besonderen Beschichtung wird das Hightech-Bilderglas nahezu unsichtbar und ermöglicht einen brillanten Farbwiedergabeindex von Ra = 100 ohne störende Reflexionen, die auf unter 1% minimiert werden. Neu: MIROGARD® DARO – Reinigung ganz einfach Es gibt immer wieder Situationen, in denen Kunstobjekte besonders stark lästigen Einflüssen wie Staub und Schmutz oder aber auch Fingerabdrücken von neugierigen Betrachtern ausgesetzt sind. Auch hierfür bietet SCHOTT eine Lösung:

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Die neue MIROGARD® DARO Bilderverglasung mit einer Dauerhaften Anti-Reflektiven Beschichtung mit Oleophoben Eigenschaften. Ab sofort lässt sich das

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Der Unterschied ist ganz deutlich sichtbar: Im Vergleich zu normalem Floatglas (rechts) haben Speigelungen bei MIROGARD® Protect Ultra (links) keine Chance. Gemälde: Gustav Klimt, 1862 – 1918. „Der Kuß“ (1907/08) Standort: Galerie in Österreich, Wien. © ARTOTHEK

Glas nur mit Hilfe eines trockenen, weichen Tuches ganz einfach und schnell reinigen. Auch für Kunstobjekte, die nicht in einen Rahmen gefasst werden können, hat SCHOTT eine sichere Verglasungslösung. Den Blick aufs Wesentliche öffnen Das entspiegelte Glas AMIRAN® sorgt für klare Durchsicht – selbst bei extremen Helligkeitsunterschieden. AMIRAN® Sicherheitsscheiben schützen kostbare Kunstgegenstände zuverlässig vor Vandalismus und eliminieren zudem nahezu alle störenden Reflexionen. Durch die Hightech-Beschichtung hat das Glas eine ausgezeichnete Transmission, denn es lässt

Verglasung von multimedialer Kunst Das semitransparente Verwandlungsglas MIRONA® von SCHOTT bietet eine innovative Lösung, um Exponate effektvoll zu inszenieren. Eher ein Gesamtkunstwerk als ein klassischer Schaukasten ist die 21 m lange und 2,80 m hohe Vitrine im Buch- und Schrift in Leipzig. Die Vitrine zu den „Meilensteinen der medialen Erfindungen“ hat den Effekt, Objekte und Medienbilder nur dort sichtbar zu machen, wo sie temporär beleuchtet werden. An diesen Stellen kann der Betrachter durch die spiegelnde Oberfläche durchschauen, an nicht beleuchteten Stellen wird sein Spiegelbild selbst zum Teil der Inszenierung.


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Tatort Museum – Keine Chance für Fingerabdrücke! Störende Fingerabdrücke und lästiger Schmutz können den Kunstgenuss erheblich trüben. Wir bei SCHOTT haben dafür eine Lösung. MIROGARD® DARO – eine Bilderverglasung mit einer speziellen Beschichtung, die dauerhaft anti-reflektive und oleophobe Eigenschaften verbindet. Dadurch sind Fingerabdrücke deutlich weniger sichtbar und das Glas kann ganz einfach mit einem feuchten, weichen Tuch gereinigt werden. Und damit bleibt mehr Zeit, sich der wahren Kunst zu widmen. Was ist Ihr nächster Meilenstein? www.schott.com/mirogard-daro Exponatec Halle 3.2, Stand B 059

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Stiftung Domäne Dahlem Landgut und Museum Vom Acker bis zum Teller - Das Culinarium, Deutschlands erste Dauerausstellung zur Kulturgeschichte der Ernährung. Autoren: Dr. Peter Lummel, Dr. Thomas Steller Ernährung – kaum ein anderes Thema ist für die Menschen derart körperlich präsent, wird so viel besprochen und zugleich so selbstverständlich hingenommen wie das tägliche Essen und Trinken. Die Beschaffung und die Zubereitung von Nahrungsmitteln nehmen viel Platz in unserem Leben ein. Sie sind essenzielle Elemente unseres alltäglichen Lebens und Überlebens. Was auf den Teller kommt bzw. in aller Munde ist, wird von Alter und Geschlecht, von genetischen Prägungen und dem Elternhaus, von persönlichen Vorlieben und dem Geldbeutel, aber auch von einer Vielzahl weiterer Faktoren beeinflusst. Dazu zählen politische und

Essen im geteilten Deutschland mit Sitzecken und über 60 Werbefilmen aus der Bundesrepublik und der DDR Oben rechts: Außenansicht des Culinariums. Die Ausstellung ist im historischen Pferdestallgebäude aus dem Jahr 1830 auf 3 Stockwerken untergebracht. Fotografin: Karin Wendlandt

gesamtwirtschaftliche Verhältnisse, die Leistungsfähigkeit der Land- und Lebensmittelwirtschaft, Mentalitäten, Religionen, regionale Esskulturen und zeitlich bedingte Trends. Bildungsorientierung wartsnutzen

für

Gegen-

Wie kann ein so vielschichtiges und zugleich so alltägliches Thema wie die menschliche Ernährung im musealen Rahmen präsentiert werden? Wie können so unterschiedliche Zielgruppen wie Fachleute, Familien und Schulklassen, Berliner und Gäste aus dem In- und Ausland dazu ermuntert werden, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen? Die Domäne Dahlem eignet sich als Ausstellungsort besonders gut, wurde hier doch seit mehr als 800 Jahren kontinuierlich Landwirtschaft betrieben, heute im Kontext eines bildungsorientierten Freilandmuseums mit Biobauernhof. Das Ausstellungskon-

zept wurde bereits im Vorfeld mehrfach ausgezeichnet, u.a. durch das Bundesbildungsministerium und die Universität Kassel. Im Erdgeschoss des Culinariums, dem behutsam restaurierten Pferdestall, findet sich das historische Pflaster aus dem Jahr 1830. Dort, wo früher die Pferde der Milchkutscher standen und heute der letzte blau-weiße Milchwagen aus dem Jahr 1933 der Domäne Dahlem zu sehen ist sowie in den beiden darüber liegenden Etagen sind über 800 qm Wissens- und Erlebnisräume zum Thema Ernährung entstanden. Die Darstellung landwirtschaftlicher Produktion und die Ernährungsfrage werden miteinander verzahnt und als Kulturgeschichte der Ernährung von 1850 bis heute präsentiert. Der Blick in eine aus den 1960er-Jahren stammende Fleischtheke vermittelt idealtypisch zwei Schweineleben der heutigen Zeit – das des Bioschweins und das des konventionell gezogenen Schweins. Bei

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Mitmachstation Reifeprüfung mit Kindern. Durch das Drücken der Monatstasten leuchten die Obst- und Gemüsesorten auf, die passend in Deutschland geerntet werden können. Rechts: Erster Einkaufswagen Deutschlands von der Fa. Wanzl, 1952.

einer Haltungsform liegt das Hauptaugenmerk auf Qualität, bei der anderen auf einer möglichst kostengünstigen Produktion und einem entsprechend niedrigen Verkaufspreis. Transparenz zu schaffen und zum Nachdenken und Austausch über Konsumentscheidungen anzuregen ist ein Anliegen dieser Ausstellung. Ständige Innovation ist ein wesentlicher Teil der Ernährungsgeschichte. Das »Treppenhaus der Innovationen« und das inszenierte Supermarktregal zeigen markante Entwicklungsschritte. Verschränkt mit der historischen Perspektive stellt das Culinarium aktuelle und zukunftweisende Fragen, z.B. nach gesunder Ernährung und bioethisch vertretbarem Konsum. Die daran anknüp-

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fende Vermittlungsaufgabe erfordert einen differenzierten Blick auf das komplexe Thema und neue Zugangswege.

tät des Angebots in der heutigen weltweit vernetzten Land- und Warenwirtschaft und über ihre Rolle als Verbraucher nachzudenken.

Ernährung erlebbar machen Wie isst Berlin? Die Ausstellung macht sich das Potenzial von Hands-on-Stationen wie sie aus Science Centern bekannt sind für die Vermittlung kulturhistorischer Fragestellungen zunutze. Per Knopfdruck kann an einem simulierten Obst- und Gemüseregal festgestellt werden, welche Früchte in einem bestimmten Monat in Deutschland tatsächlich reif sind. Die Besucher sollen dazu angeregt werden, über ein so vielschichtiges Thema wie die verschwindende Saisonali-

Globale Phänomene werden im Culinarium aus lokaler Perspektive betrachtet. Das frühe Fast Food von Aschinger im späten 19. Jahrhundert, die opulente Erlebnisgastronomie im Haus Vaterland aus den 1920er Jahren oder der Siegeszug der Pizza nach 1950 stehen exemplarisch für allgemeine Entwicklungen der Esskultur. Die Weltkarte des »Schnellen Essens« macht dies anschaulich. Sie zeigt wechselseitige


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Oben, Re. Oben: Mitmachstation Tischgespräche. Aus flüsternden Tassen können die Besucher Tischgesprächen aus unterschiedlichen Zeiten lauschen. Rechts: FastFood-Ikonen Hamburger mit Pommes: Gehäkelte Skulptur von Patricia Waller, 2003. Alle Fotos: © Stiftung Domäne Dahlem

kulinarische Einflüsse auf und weist auf den Wissenstransfer durch Kulturkontakte hin. Daneben sind Eat-Art-Skulpturen der Künstlerin Patricia Waller (geboren 1962) zu sehen. Vom Markt zum Supermarkt Ein grundsätzlicher Wandel in der Alltagskultur vollzieht sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch die Umstellung auf Selbstbedienungsläden. Der in der Ausstellung präsentierte erste deutsche Einkaufswagen aus dem Jahr 1952 steht ebenso für neue Einkaufsformen wie die moderne Architektur von Supermärkten. Eine reiche Sammlung von Fotografien aus der Sammlung der Domäne Dahlem, u.a. von Hans Haase, Karl-Heinz Kraemer und Volkmar Thie, zeigen diese Entwicklungen. Zusammen mit über 80 Filmen, die überwiegend aus dem Fundus des Historischen Filmarchivs Inge und Heinz Buschkos stammen, ermöglichen sie eine multimediale und umso eindringlichere Darstellung. Auch ein früher Film der Firma Weck zur Konservierung ist zu sehen. Das daneben gezeigte Einweckglas mit eingekochten, mittlerweile bräunlichen Spargelstangen erzählt von den Herausforderungen in Mangelzeiten. Der Spargel wurde von einer Berliner Familie 1916 »eingeweckt« und als Symbol der Hoffnung auf bessere Zeiten sowohl während des Ersten als

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KinderDomäne im Dachgeschoss. Auf dem Bonbonfahrrad wird um die Wette geradelt, wer als erstes die Kalorien für einen Bonbon geschafft hat. Foto: © „Deutschland - Land der Ideen/Matthias Heyde“.

auch während des Zweiten Weltkriegs sowie in den Mangeljahren nach 1945 nie angetastet. Ein einziges Glas Spargel gibt Auskunft über die technischen Erfolge, Nahrungsmittel haltbar zu machen, aber auch über die wechselvolle Geschichte des 20. Jahrhunderts, in der Hunger für viele Deutsche noch zum Alltag gehörte. Die KinderDomäne Neben den Mitmachstationen durchzieht eine »Kinderspur« das gesamte Culinari-

um. In konsequenter Bildungsorientierung ist im Dachgeschoss die KinderDomäne als Erlebnis- und Mitmachparcours für Kinder eingerichtet. Experimentierstationen wie das »Bonbon-Rad« vermitteln ernährungsphysiologisches Wissen durch sinnliche Erfahrung. Zwei Kinder können dort um die Wette fahren. Dabei merken Sie wie lange es dauert, bis sie die Kalorienzahl verbraucht haben, die das Bonbon enthält, das die Mitmachstation „ausspuckt“. In der KinderDomäne stehen Ausprobieren, Mitmachen und Erfahren


Lagersysteme für Kulturbetriebe Wir freuen uns auf Ihren Besuch auf der Exponatec Köln. 18. bis 20.11.2015, Halle 3.2, Gang A, Stand 070.

Spargelglas 1916. Das nie geöffnete Spargelglas war für eine Berliner Familie in den Notzeiten der beiden Weltkriege und in den darauffolgenden Jahren ein Symbol des Überlebens.

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sowie das spielerische Entdecken, Staunen und Kombinieren im Vordergrund. Bereichert und begleitet wird dies durch ein geschultes Team, das ehrenamtlich arbeitet. Dadurch werden zusätzliche Angebote realisierbar und die Möglichkeiten der Teilhabe der Öffentlichkeit an der Domäne Dahlem erweitert.

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Literatur erleben – der Tschechow-Salon in Badenweiler Autor: Kurt Ranger, Ranger Design, Stuttgart

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Raum und Wirkung Großzügig wurden die neuen Räume gestaltet. Großflächige Informationstafeln und Bilder prägen den Raumeindruck.

Interviews und Interaktion Sechs Gesprächspartner beantworten Fragen zu Anton Tschechows Werk, Wirkung und Bedeutung. Tschechows Dramen gehören auf internationalen Bühnen zum vielgespielten Repertoire.

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Kultur und Erinnerung Die Erinnerungskultur an Anton Tschechow in Badenweiler und die dafür geschaffenen, zerstörten und neugeschöpften Denkmale sind ein Gradmesser der deutsch-russischen Beziehungen.

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Struktur und Ăœberblick Lineare Informationsstrukturen ordnen Zeiträume und Literaten, machen Parallelen und Beziehungen sichtbar.

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Literatur und Leselust Vielleicht macht ein literarisches Museum Lust aufs Lesen? Angebote zum Hören, Schauen und Lesen an einem literarischen Ort können die Beschäftigung mit Literatur fördern.

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Begegnungen mit Anton Tschechow und anderen Literaten Am 17. Juli 2015, dem 155. Geburtstag von Anton Tschechow, eröffnete das Literarische Museum Badenweiler, der „Tschechow-Salon“. Das Stuttgarter Gestaltungsbüro Ranger Design erhielt vor zwei Jahren den Auftrag für die Neukonzeption, Gestaltung und Projektleitung des Museums. Auftraggeber war die Gemeinde Badenweiler, gefördert von der Arbeitsstelle für literarische Museen, Archive und Gedenkstätten in Baden-Württemberg. Das Museum, ursprünglich 1998 im Kurhaus eröffnet, befindet sich jetzt in zentraler Lage im Untergeschoss des Rathauses, in der historischen Mitte Badenweilers und direkt gegenüber dem Thermalbad „Cassiopeia Therme“ am AntonTschechow-Platz. Leitidee der Neukonzeption war, ein zeitgemäßes Museum zu gestalten, das seinen Besuchern literarische Begegnungen ermöglicht und erklärt, warum Badenweiler ein literarisch bedeutsamer Ort wurde und ist. In enger Zusammenarbeit mit dem fachlichen Beirat, unter inhaltlicher Federführung von Heinz Setzer, dem Museumsleiter, wurden im Dialog Inhalte und Konzeption entwickelt: Inhalt und Gestaltung wurden als Einheit verstanden, der Besucher steht im Zentrum der Überlegungen.

Exponatec Cologne 2015 Köln, 18. - 20. November 2015 Besuchen Sie uns auf unserem Stand in der Halle 3.2 Gang B Nr: 051 Wir freuen uns auf Sie!

Der Tschechow-Salon in Badenweiler ist das einzige Literaturmuseum in Westeuropa, das den Namen des 1904 in Badenweiler verstorbenen russischen Dichters trägt. Ziel war es, dem Leben und Werk dieses herausragenden Dichters der russischen Literatur Raum zu verleihen. Ein Bereich widmet sich Anton Tschechow. Er thematisiert sein Leben und den Tod in Badenweiler, sein literarisches Werk und dessen Rezeption bis in die Gegenwart ebenso wie auch die lebendige Tschechow-Gedenkkultur in Badenweiler und ihre Bedeutung für die deutsch-russischen Beziehungen. Die andere Hälfte des Museums widmet sich den weiteren Schriftstellern, die mit Badenweiler durch Leben und Werk verbunden sind. In der Chronologie ihrer Kontakte mit Badenweiler sind dies Johann Peter Hebel, Justinus Kerner, Margaretha Spörlin, Heinrich Hoffmann, Stephen Crane, Karl Jaspers, Konstantin Stanislawski, Hermann Hesse, Hermann Stegemann, Hermann Broch,

René Schickele, Annette Kolb, Emil Strauß, Kasimir Edschmid, Elly HeussKnapp, Jawaharlal Nehru, Elisabeth Walter, Martin Heidegger, Ingeborg Hecht-Studniczka, Gustav Faber, Gabriele Wohmann, Rüdiger Safranski und Martin Walser. Im Museumsraum begegnet der Besucher vielfältigen Exponaten, Texten, Bildern und Inszenierungen. Er kann schauen, lesen, in einen inneren Dialog treten. Medieninstallationen machen Literatur hörbar. An einer Hörbar können an 10 Stationen Auszüge aus Werken der mit Badenweiler verbundenen Autoren angehört werden. Zwei Bildschirme zeigen für das Museum aufgenommene Interviews, in denen sich Literaten, Wissenschaftler und Theaterschaffende aus Russland und Deutschland über Anton Tschechow und seine Wirkung äußern.

Ranger Design ist ein interdisziplinär arbeitendes Gestaltungsbüro mit Schwerpunkt in der Ausstellungsgestaltung. Der ganzheitliche Ansatz umfasst die dialogische Entwicklung von Ausstellungskonzeptionen, deren Szenografie, Inszenierung, Grafik und Medien. Des Weiteren liegt das Leistungsspektrum von Ranger Design in der Entwicklung von Corporate DesignKonzepten bis hin zu Werbekampagnen.

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Kunst, Technik und Politik im 19. Jahrhundert. MUSEUM LA8, Baden-Baden. ´ ´ Autorin: Kristina Helena Pavicevic

Die Preussen im Westen Vom 19. September 2015 bis 28. Februar 2016 zeigt das Museum LA8 in Baden-Baden die Ausstellung „Die Preußen im Westen. Kunst, Technik und Politik im 19. Jahrhundert“. Die Gründung der preußischen Rheinprovinz nach dem Wiener Kongress 1815 war ein politisches, aber auch ein ästhetisches Ereignis. Die romantische Burgenlandschaft des Rheintals, die Vollendung des Kölner Doms, die Wiederentdeckung der Porta Nigra als historisches Monument in Trier, der Aufstieg von Baden-Baden zur Sommerresidenz der Könige und Diplomaten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts – vieles wäre ohne den Einfluss der Preußen im Westen nicht zustande gekommen oder ganz anders verlaufen. Um und in Baden-Baden zeugen Denkmäler, die Freskenmalereien der Trinkhalle und nicht zuletzt repräsentative Architekturen wie der alte Bahnhof direkt oder indirekt vom preußischen Stilwillen. Die Hohenzollernprinzen ließen rheiniOben: Andreas Achenbach: Große Marine mit Leuchtturm, 1836, Oel auf Leinwand, Privatsammlung Mitte: Caspar Scheuren: Ansicht des Rittersaals in Stolzenfels, um 1843/47, Aquarell, Landesbibliothekszentrum Koblenz Unten: Tony Avenarius: Historischer Festzug veranstaltet bei der Feier der Vollendung des Koelner Domes am 16. October 1880, 1881, StadtMuseum Bonn, Sammlung Verein Alt-Bonn Rechts: Jakob Goetzenberger: Die Belagerung der Burg Windeck und die weisse Henne, 1844/45, Oel auf Leinwand, Kurpfaelzisches Museum der Stadt Heidelberg

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sche Ruinen restaurieren und damit zugleich eine vermeintlich urdeutsche Vergangenheit. Die Ästhetisierung der Landschaft diente zugleich der Politisierung des Rheins. Bauwerke, aber auch Mitglieder des Königshauses erhielten historistische Verkleidungen – wie beispielsweise König Friedrich Wilhelm IV. und seine Festgäste 1842 bei der festlichen Einweihung von Schloss Stolzenfels bei Koblenz. Über die traditionelle höfische Repräsentation hinaus pflegten die Hohenzollern die festliche Maskerade. Das Kostüm wurde zum heimlichen Paradigma ihres Regierungsstils. Normalerweise verhüllt die Verkleidung, was sie bedeckt. Neuartig an der preuOben: Christian Sell: Winterlicher Feldzug (Szene aus dem Deutsch-Franzoesischen Krieg), 1876, Oel auf Holz, Dr. Axe Stiftung Unten: Reiterdenkmal Wilhelm I. von Preussen, Schwiegervater des Grossherzogs von Baden, 1882, Zinkguss, Koelnisches Stadtmusem. Foto: Thomas Viering Rechts: Preussischer Unteroffiziershelm, 1891 bis 1918, Leder mit Messingbeschlaegen, Museum Zitadelle Juelich

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Carl Georg Enslen: Innenansicht des vollendet gedachten Koelner Domes nach Westen, 1839, Oel auf Leinwand, Schweizerisches Nationalmuseum/Landesmuseum Z端rich

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ßischen Kostümierung aber war, dass sie hinter ihren architektonischen, textilen und geopolitischen Maskeraden erst die historische Substanz erschuf, auf der sie ihre Herrschaft gründete. In der politisierten Romantik der Hohenzollern zielte Sehnsucht nicht auf künstlerische Reflexion und melancholische Naturbetrachtung, sondern auf dynastische Legitimation und territoriale Beherrschung. Die Ausstellung lässt einen bildpolitischen Gestaltungsanspruch lebendig werden, der Kunst, Technik und Geschichte umfasste und vieles entstehen ließ, das jenseits der tagespolitischen Absicht bis heute künstlerische Geltung hat. Zu sehen sind großartige Gemälde von Andreas Achenbach, Carl Georg Enslen, Christian Sell, Friedrich Hiddemann, Fritz von Wille, Aquarelle des rheinischen Romantikers Carl Scheuren, Ausstattungsentwürfe und Mobiliar aus Schloss Stolzenfels, Denkmalentwürfe und –miniaturen und nicht zuletzt Modelle der Schlösser Stolzenfels und Sooneck. Als Besonderheit zeigt die Ausstellung zwei mittelalterliche Fenster, die in Schloss Stolzenfels einen historischen Bezug zu den dynastischen Wurzeln herstellten und damit den Herrschaftsanspruch unterstrichen. Prächtig ornamentierte Kleidung, prunkvolle Fassaden und geschmackvoll in die Landschaft platzierte Aussichtspunkte sollten nicht nur schmücken und erfreuen, sondern selbst Sinn erzeugen. Dass der preußische Stil bis zu den schmucken Uniformen und Pickelhauben der Soldaten reichte, fand seinen ironischen Widerhall in den Verkleidungen des rheinischen Karnevals, etwa beim parodistischen Exerzieren der „Roten Funken“. Auch der kritische Blick von außen in den Preußen-Karikaturen von Honoré Daumier zeigt die Pickelhaube als Verkleidung (eines Wolfs). Während sich der preußische Einfluss im Rheinland in Bauten und Verwaltungsstrukturen in den Jahrzehnten nach 1815 deutlich manifestierte, wurde das Großherzogtum Baden erst nach den revolutionären Konflikten 1848/49 zum politischen und dynastischen Partner der Hohenzollern. Die Burgen und restaurierten Ruinen am Rhein stehen bis heute für die Deutung von Natur als romantische Landschaft durch die Preußen, allen voran Friedrich Wilhelm IV., den „Romantiker auf dem Thron“. Seiner Schwägerin, der humanitär und pazifistisch gesonnenen, späteren Kaiserin Augusta, setzte Baden-Baden 1892 ein Denkmal. Augusta war seit 1856 die Schwiegermutter des badischen Großherzogs Friedrich I. Vierzig Jahre besuchten Augusta und ihr Gemahl Wilhelm I. Baden-Baden zur sommerlichen Erholung. Das Hotel Maison Messmer, das kaiserliche Sommerdomizil, wurde zum informalen Zentrum internationaler Spitzendiplomatie und machte Baden-Baden zur Sommerhauptstadt Europas. Die Baden-Badener konnten Wilhelm I. als Spaziergänger in der Lichtentaler Allee begegnen, was einmal fast zu einem tödlichen Zwischenfall geführt hätte, dem Attentat von 1861 auf den späteren König und Kaiser Wilhelm I. in Baden-Baden.

Mehr sehen durch Hören. r s auf de

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LOGNE O C C E T EXPONA 2015 .11. .11. - 20 vom 18

Der Audioguide. Touch HD Classic

Kulturhaus LA8 - Museum für Kunst und Technik des 19. Jahrhunderts Lichtentaler Allee 8, 76530 Baden-Baden www.la8.de

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www.audioguide.de


Hundebrücke am Deilbach. © Ruhr Museum, Foto: Rainer Rothenberg

Deilbach Digital – Mit der App durchs Tal Besucher können die Kulturlandschaft Deilbachtal in Essen jetzt mit dem Audioguide der museum.de-App erkunden. Autor: Philipp Bänfer

Keine festen Öffnungszeiten, kein Eintritt, keine Kasse mit Audioguideausgabe – der Besuch der Kulturlandschaft Deilbachtal ist ein „Museumsbesuch“ der etwas anderen Art. In der Außenstelle des Ruhr Museums können die Besucher den Spuren des Transformationsprozesses von einer bäuerlichen über eine industrielle zu einer postindustriellen Landschaft folgen. Ein rund 5,5 Kilometer langer Wanderweg führt auf teils unbefestigten Waldwegen, Wiesen und Straßen entlang des Deilbachs vorbei an einem Dutzend agrarischer und frühindustrieller Denkmäler. Ab Oktober 2015 können die Besucher sich mit der neuen museum.de-App und dem integrierten Audioguide durch das Tal führen lassen – beides ebenfalls kostenlos. Die Kulturlandschaft Deilbachtal liegt im Essener Süden in einem Seitental

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der Ruhr. Mit ihrer fünfhundertjährigen durchgängigen Geschichte ist sie einer der interessantesten Natur- und Kulturräume des Ruhrgebiets. Als frühindustrielle Denkmallandschaft beschreibt sie die Ursprünge der Eisen- und Metallindustrie der Region. Das Besondere: ein kleinräumiges Ensemble von Boden- und Geschichtsdenkmälern ist an Ort und Stelle erhalten. Anders als in einem Freilichtmuseum präsentieren sich die Denkmäler in ihrer originalen Konstellation und werden nicht in einem künstlich geschaffenen Raum zueinander in Beziehung gesetzt. Die agrarischen und frühindustriellen Denkmäler sind im Deilbachtal mit einer Naturlandschaft verbunden, deren Struktur und Bodenschätze die Voraussetzung für wirtschaftliche Aktivitäten bot und gleichzeitig durch diese geprägt wurde. Bisher erkundete man das Deilbachtal nur alleine ohne jegliche Informationen

oder im Rahmen einer Wanderung mit einem Gästeführer. Dank der Initiative von museum.de erweitert sich das Vermittlungsangebot des Ruhr Museums deutlich. Mit der aktuellen App werden jetzt auch Individual- und Spontanbesucher der Kulturlandschaft erreicht. Jeder, der im Besitz eines Smartphones ist, lädt sich einfach die App und den integrierten Audioguide herunter und begibt sich jederzeit und kostenlos auf einen spannenden Streifzug durch die Essener Geschichte. Der Audioguide für das Deilbachtal ist dabei bewusst auch als digitaler Wanderführer konzipiert worden, so dass die Besucher nicht nur umfassende Hintergrundinformationen zur Geschichte des Deilbachtals erhalten, sondern mit Hilfe von Karten und Wegbeschreibungen von Station zu Station geleitet werden. Historische und aktuelle Fotos bieten einen vertiefenden Eindruck zu den Denkmä-

lern. Gehörlose können sich neben dem Bildmaterial eine Textversion der Audiospuren anzeigen lassen. Damit erweist sich die museum.de-App in ihrer jetzigen Version bereits als ideale Möglichkeit für Museen, auch (Landschafts-) Räume zu bespielen, die nicht über die klassische Infrastruktur eines Museumsgebäudes verfügen. Der von museum.de geplante vollautomatische Start der Stationen über sogenannte „iBeacons“ und vor allem über eine GPS-Ortung rundet schließlich das Angebot für Orte wie diesen Wanderweg, wo auch die Anbringung von Hinweisschildern nicht praktikabel ist, sinnvoll ab. Neben all der spannenden digitalen Technik gilt für jeden Ausflug aber nach wie vor: Festes Schuhwerk und wetterfeste Kleidung nicht vergessen.

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00 Willkommen in der Kulturlandschaft Deilbachtal

12 Bergische Kleinbahn

03 Steinbruch

01 Kupferhammer

06 Stauwehranlage Kohlekraftwerk

04 Deilthaler Eisenbahn

02 Auenpark „Abgestellt“

Streckenplan: Amt für Geoinformation, Vermessung und Kataster der Stadt Essen

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09 Schornsteinfragment Zeche Victoria

08 Betriebsgeb채ude Zeche Victoria

10 Deilmannscher Bauernhof

07 Hundebr체cke

11 Deiler M체hle

05 Deiler Eisenhammer

Bitte installieren Sie die App museum.de und nutzen Sie den dort integrierten QR-Code-Scanner.

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© Ruhr Museum, Foto: Rainer Rothenberg

Einige Stationen des Audioguides: • Deiler Eisenhammer • Hundebrücke • Deiler Mühle Deiler Eisenhammer [Station 05] Der Deiler Eisenhammer ist der letzte auf Essener Stadtgebiet am originalen Standort erhaltene Eisenhammer. Das Kulturdenkmal besteht aus Hammergebäude, Meisterhaus und einem Arbeiterhaus mit zwei Baueinheiten. Zusammen mit dem Halbachhammer im Nachtigallental, gehörte der Eisenhammer zu den ersten Beispielen der Industriekultur in Europa. Das Wasser des Deilbachs diente dem Antrieb des Hammers. Das technische Inventar des Deiler Eisenhammers bestand aus zwei unterschlächtigen Wasserrädern,

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die die Hammeranlage und den Zweikammerblasebalg für die Seitenwindfeuer antrieben. Die beiden Schwanzhämmer dienten der Herstellung von Achsen, Beschlägen, Pflügen, Steinbruch- und Bergbauwerkzeugen. Der Betrieb des Deiler Eisenhammers wurde schon 1917 aus Rentabilitätsgründen eingestellt. In den Jahren 1936/37 wurde er unter Beteiligung des damaligen Ruhrlandmuseums als „technisches Kulturdenkmal“ betriebsfertig wiederhergestellt und im Schaubetrieb der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.


Zeche Victoria

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Deilmannscher Bauernhof 10 Deiler Deiler 11 Mühle Eisenhammer

Bergische Steinbruch Kleinbahn 3 Deilthaler 12 Eisenbahn Stauwehranlage 4 5 Kohlekraftwerk 6 mer

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Betriebsgebäud Zeche Victoria Hundebrücke 8

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© Ruhr Museum, Foto: Dirk Thomas

Hundebrücke [Station 07] Die architektonisch reizvolle Hundebrücke besteht aus zwei Teilen und einer Rampenanlage auf der nördlichen Bachseite. Der erste Teil der Brücke überspannt in drei Bögen den Deilbach und ist aus Ruhrsandstein erbaut. Daran schließt sich der zweite Teil der Brücke an, der die Trasse der ehemaligen Prinz-Wilhelm-Bahn quert. Die sich anschließende Rampenanlage diente auf der einen Seite der Beladung der Eisenbahn, auf der anderen Seite der Beladung von Pferdefuhrwerken. Die Hundebrücke wurde im

Jahr 1880 von dem Steinbruchbetreiber Hermann Baumotte erbaut und zählt zu den ältesten erhaltenen Brückenkonstruktionen der Industrialisierung in der Region. Der ungewöhnlich anmutende Name des denkmalgeschützten Objekts erklärt sich durch die Funktion der Brücke. Hunde oder Hunte sind kleine, über Schienen gezogene oder geschobene Transportwagen, mit denen Steine oder Kohle transportiert wurden. Über die Hundebrücke wurden mit sogenannten Hunden die in den Steinbrüchen abgebauten Steine auf die andere Bachseite zur Verladestation an der Prinz-Wilhelm-Bahn gefahren.

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© Ruhr Museum, Foto: Rainer Rothenberg

Schornsteinfragment Zeche Victoria

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Deilmannscher Bauernhof 10 Deiler Deiler 11 Mühle Eisenhammer

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Deiler Mühle [Station 11]

Besuchs-Empfehlung

Unmittelbar neben dem Deilmannschen Bauernhof liegt die ehemals zum Hof gehörende Deiler Mühle. Die erste urkundliche Erwähnung stammt von 1522, aber anzunehmen ist, dass die Mühle wesentlich älter ist. Gemahlen wurde hauptsächlich Korn. Ab dem 17. Jahrhundert wurde aber auch Öl geschlagen. Das Mühleninventar dokumentiert in seltener Geschlossenheit und Originalität die Wassermühlentechnik zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Alle maschinellen Einrichtungen der Deiler Mühle, die sich über die drei Geschosse und das Dachgeschoss des Gebäudes verteilen, wurden mittels Wasserkraft durch ein „Ponchellet-Rad“, einer Weiterentwicklung des unterschlächtigen Wasserrades, angetrieben. Die Versorgung mit Wasserkraft musste mit dem Deiler Eisenhammer geteilt werden. Dafür wurde der Bach in der Höhe der Hundebrücke gestaut und ein Stauteich angelegt. So konnte auch das ungünstige Gefälle des Deilbachs ausgeglichen werden.

Im Kutschenhaus des Kupferhammers bietet das Ruhr Museum eine Ausstellung zur Geschichte des Deilbachtals an. Die Ausstellung kann im Rahmen von Führungen besucht werden. Zudem werden im Deilbachtal regelmäßig museumspädagogische Aktionen angeboten, auch in Verbindung mit anderen Außenstellen wie dem Geologischen Wanderweg am Baldeneysee oder dem Mineralien-Museum Kupferdreh, die das Ruhr Museum im Essener Süden betreibt. Für Anhänger des klassisch Analogen empfehlen wir auch den im Klartext-Verlag erschienen „Wanderführer durch die Kulturlandschaft Deilbachtal“.

Betriebsgebäude Zeche Victoria Hundebrücke 8

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Kulturlandschaft Deilbachtal Ausstellung im Kutschenhaus des Kupferhammers Nierenhofer Str. 8-10 45257 Essen http://www.museum.de/de/museen/kulturlandschaft-deilbachtal


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New Building for the Whitney Museum of American Art One of the most significant cultural projects in New York City in this decade, the Whitney Museum of American Art‘s new building, located on Gansevoort Street between the elevated High Line park and the Hudson River in downtown Manhattan‘s Meatpacking District, opened on May 2015. Designed by Pritzker Prize-winning architect Renzo Piano and conceived as a laboratory for artists, the building affirms the Whitney‘s role as the leading museum of modern and contemporary art of the United States. The new building‘s indoor and outdoor galleries will approximately double the Whitney‘s exhibition space and provide extraordinary possibilities for artists, curators, and audiences. lt will enable the Whitney to expand its pioneering special exhibitions-including the Mu-

seum‘s signature Whitney Biennial-and to present all of its exhibitions in the context of the Museum‘s most extensive installation of its unsurpassed collection of twentieth- and twenty-first-century American art. The building includes several firsts for the Whitney-dedicated space for education programs in the Laurie M. Tisch Education Center; the multi-use, 170-seat Susan and John Hess Family Theater; and the Sondra Gilman Study Center for works on paper-as weil as the flexible Kaufman Gallery for film, video, and performance; the state-of-the-art Bucksbaum, Learsy, Scanlan Conservation Center; and the Frances Mulhall Achilles Library. With striking views of the Hudson River and into the city, the new building is designed to engage a lively and diverse local, national, and international audience in one of New York‘s most vibrant neighborhoods.

Photograph © Nic Lehoux

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„We are creating an environment in which visitors will be encouraged to connect deeply with art through an irreplaceable first-hand experience,“ stated Adam D. Weinberg, the Whitney‘s Alice Pratt Brown Director. „This building will be a place of focused engagement, a site for discovery and risk-taking. Here the most important, challenging, and courageous artists of our time will have a constant presence. I am thrilled that we are now realizing this long-held dream for the Whitney.“ „Our expansive new permanent collection galleries will be a game changer for the Whitney. They will afford a level of space unprecedented in our history to display iconic works and present provocative new narratives of art in the United States,“ stated Donna De Salvo, Chief Curator and Deputy Director for Programs. „The adjacent terraces are outdoor galleries with astonishing views over the rooftops of New York and will function as urban stages. Our new building will also be a perfect harne for our dynamic program of temporary exhibitions, screenings, and performances that will continue to embrace the art of the present, but now against the backdrop of more than one hundred years of history.“ Building Highlights Designed by Renzo Piano Building Workshop in collaboration with Cooper Robertson, the building takes a strong and

Photograph © Nic Lehoux

strikingly asymmetrical form-one that responds to the industrial character of the neighboring loft buildings and overhead railway while asserting a contemporary, sculptural presence. The 220,000-square-foot (20,500 m2), nine-story building includes approximately 50,000 square feet (4600 m2) of indoor exhibition space. „The design of this building emerged from many years of conversations with the Whitney, which took us back to the Museum‘s origins,“ Renzo Piano commented. „We spoke about the roots of the Whitney in downtown New York, and about this opportunity to enjoy the open space by the Hudson River. Museum experience is about art, and it is also about being connected to this downtown community and to this absolutely extraordinary physical setting.“ A dramatically cantilevered entrance along Gansevoort Street shelters an 8,500-square-foot (600 m2) public plaza, the Pamella and Daniel DeVos Family Largo, destined to become a popular gathering space, steps away from the southern entrance to the High Line. Piet Oudolf, the influential Dutch horticulturalist who was part of the team responsible for the High Line, collaborated with Renzo Piano and Mathews Nielsen on the overall landscape design, which incorporates the untamed quality of the High Line to create a harmonious balance of visual elements with the Museum‘s surroundings.

On the first floor, the John R. Eckei, Jr. Foundation Gallery will be accessible to the public free-of-charge. At approximately 18,000 square feet (1675 m2), the expansive fifth-floor Neil Bluhm Family Galleries-the largest column-free museum exhibition space in New York-were designed to give artists and curators extraordinary freedom. The sixth-floor galleries and the seventh-floor Robert W. Wilson Galleries will be devoted to the permanent collection; the sky-lit Hurst Family Galleries on the eighth floor will feature special exhibitions. Approximately 13,000 square feet (1200 m2) of outdoor galleries on the building‘s cascading terraces offer dynamic exterior exhibition and performance spaces,which extend the gallery experience outside. The building also features Untitled, the Andrea and James Gordon restaurant, on the ground floor, and the eighth-floor Studio Cafe, both operated by Danny Meyer‘s Union Square Hospitality Group and helmed by Executive Chef Michael Anthony of Gramercy Tavern and Chef de Cuisine Suzanne Cupps. Untitled features Chef Anthony‘s deeply seasonal style of contemporary American cooking in a light­filled, airy space adjacent to the High Line. lt will be open daily for lunch and dinner. The Studio Cafe features toasts, soups, salads, and other light fare for museum-goers. During the warmer months, the cafe will offer outdoor seating with sweeping views of the city.


Photograph Š Nic Lehoux

bit American art of our time and serve a wide variety of audiences in celebration of the complexity and diversity of art and culture in the United States. Through this mission and a steadfast commitment to

About the Whitney The Whitney Museum of American Art, founded in 1930 by the artist and philanthropist Gertrude Vanderbilt Whitney (1875-1942), houses the foremost collection of American art from the twentieth and twenty-first centuries. Mrs. Whitney, an early and ardent supporter of modern American art, nurtured groundbreaking artists at a time when audiences were still largely preoccupied with the Old Masters. From her vision arose the Whitney Museum of American Art, which has been championing the most innovative art of the United States for more than eighty years. The core of the Whitney‘s mission is to collect, preserve, interpret, and exhi-

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artists themselves, the Whitney has long been a powerful force in support of modern and contemporary art and continues to help define what is innovative and influential in American art today.


Stella retrospective presents many challenges,” remarks Michael Auping, “given Frank’s need from the beginning of his career to immediately and continually make new work in response to previous series. And he has never been timid about making large, even monumental, works. The result has been an enormous body of work represented by many different series. Our goal has been to summarize without losing the raw texture of his many innovations.” “It’s not merely the length of his career, it is the intensity of his work and his ability to reinvent himself as an artist over and over again over six decades that make his contribution so important,” said Adam D. Weinberg. “Frank is a radical innovator who has, from the beginning, absorbed the lessons of art history and then remade the world on his own artistic terms. He is a singular American master and we are thrilled to be celebrating his astonishing accomplishment.” Throughout his career, Stella has challenged the boundaries of painting and accepted notions of style. Though his early work allied him with the emerging minimalist approach, Stella’s style has evolved to become more complex and dynamic over the years as he has continued his investigation into the nature of abstract painting. The Whitney to Debut Frank Stella: A Retrospective, opening October 30 The most comprehensive career retrospective in the U.S. to date of the work of Frank Stella, co-organized by the Whitney Museum of American Art and the Modern Art Museum of Fort Worth, will debut at the Whitney this fall. Frank Stella: A Retrospectivebrings together the artist’s best-known works installed alongside lesser known examples to reveal the extraordinary scope and diversity of his nearly sixty-year career. Approximately 100 works, including icons of major museum and private collections, will be shown. Along with paintings, reliefs, sculptures, and prints, a selection of drawings and maquettes have been included to shed light on Stella’s conceptual and material process. Frank Stella: A Retrospectiveis organized by Michael Auping, Chief Curator, Modern Art Museum of Fort Worth, Above: Frank Stella, Marrakech, 1964. Fluorescent alkyd on canvas. (195.6 x 195.6 x 7.6 cm). © 2015 Frank Stella/Artists Rights Society (ARS), New York.

in association with Adam D. Weinberg, Alice Pratt Brown Director, Whitney Museum of American Art, New York, with the involvement of Carrie Springer, Assistant Curator, Whitney Museum of American Art, New York. The exhibition will be on view at the Whitney from October 30, 2015 through February 7, 2016, and at the Modern Art Museum of Fort Worth from April 17 through September 4, 2016; it will subsequently travel to the deYoung Museum, San Francisco.This will be the inaugural special exhibition and the first career retrospective devoted to a living artist in the Whitney’s new downtown home on Gansevoort Street. It will fill the entire 18,000-square-foot fifth floor—the Museum’s largest gallery for temporary exhibitions. Selldorf Architectsis doing the exhibition design for the Whitney installation. This is the first comprehensive Stella exhibition to be assembled in the United States since the 1987 retrospective at The Museum of Modern Art, New York. “A

Adam Weinberg and Marla Price, Director of the Modern Art Museum of Fort Worth, note in the directors’ foreword to the catalogue, “Abstract art constitutes the major, and in many ways, defining artistic statement of the twentieth century and it remains a strong presence in this century. Many artists have played a role in its development, but there are a few who stand out in terms of both their innovations and perseverance. Frank Stella is one of those. As institutions devoted to the history and continued development of contemporary art, we are honored to present this tribute to one of the greatest abstract painters of our time.” The exhibition begins with rarely seen early works, such as East Broadway (1958), from the collection of Addison Gallery of American Art, which show Stella’s absorption of Abstract Expressionism and predilections for colors and composition that would appear throughout the artist’s career. Stella’s highly acclaimed Black Paintingsfol-

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low. Their black stripes executed with enamel house paint were a critical step in the transition from Abstract Expressionism to Minimalism. The exhibition includes such major works as Die Fahne hoch!(1959), a masterpiece from the Whitney’s own collection, and The Marriage of Reason and Squalor II(1959) from The Museum of Modern Art’s collection. A selection of the artist’s Aluminum and Copper Paintingsof 1960–61, featuring metallic paint and shaped canvases, further establish Stella’s key role in the development of American Minimalism. Even with his early success, Stella continued to experiment in order to advance the language of abstraction. The chronological presentation of Stella’s work tracks the artist’s exploration of the relationship between color, structure, and abstract illusionism, beginning with his Benjamin Mooreseries and Concentric Square Paintingsof the early 1960s and 70s—including the masterpiece Jasper’s Dilemma (1962). In his Dartmouth, Notched V, and Running Vpaintings, Stella combines often shocking color with complex shaped canvases that mirror the increasingly dynamic movement of his painted bands. These were followed by the even more radically shapedIrregular Polygon Paintings, such as

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Chocorua IV (1966) from theHood Museum, with internally contrasting geometric forms painted in vibrant fluorescent hues; and the monumental Protractor Paintings, such as Harran II (1967) from the Guggenheim‘s collection, composed of curvilinear forms with complex chromatic variations. The Polish Village series marks the beginning of Stella’s work in collage. He begins to increasingly incorporate various materials into large scale constructions in order to further probe questions of surface, line, and geometry. In Bechhofen (1972), from the San Francisco Museum of Modern Art, the interlocking geometric planes of unpainted wood stretch the purely pictorial into literal space. The work of the mid-1970s and 1980s constitutes yet another form of expressive abstraction and illustrates Stella’s absolute insistence on extending his paintings into the viewer’s space. During his tenure as the Charles Eliot Norton Professor in Poetry at Harvard University (1983-4), Stella said that “what painting wants more than anything else is working space—space to grow with and expand into, pictorial space that is capable of direction and movement, pictorial space that encourages unlimited orientation

and extension. Painting does not want to be confined by boundaries of edge and surface.” Works from the artist’s Brazilian; Exotic Bird; Indian Bird; Circuit; and Cones and Pillarsseries, including St. Michael’s Counterguard (1984) from the Los Angeles County Museum of Art, address Above: Frank Stella, Chocorua IV, 1966. Fluorescent alkyd and epoxy paint on canvas (304.8 x 325.1 x 10.2 cm). © 2015 Frank Stella/Artists Rights Society (ARS), New York. Down below: Frank Stella, Harran II, 1967. Polymer and fluorescent polymer paint on canvas (304.8 x 609.6 cm). © 2015 Frank Stella/Artists Rights Society (ARS), New York.


this interest. In these works, sheets of cut metal project out from the picture plane, creating gestures that are further activated with drawing and the addition of various reflective materials. The radical physical and material nature of theseworks was quite influential to a younger generation of painters in the 1980s. In the last thirty years, much of Stella’s work has been related in spirit to literature and music. The large-scale painted metallic reliefs in the Moby Dickseries (1985–97), titled after each of the chapters of Melville’s novel, exemplify Stella’s idea of “working space.” The complexity of this series, made primarily in metallic relief with fabricated, cast, and found parts; prints; and freestanding sculpture, is a tour deforce. Extraordinary abstractions such as Loomings (S-7, 3X—1st version) (1986) from the Walker Art Center and The Grand Armada (IRS-6, IX) (1989) from the Fondation Beyeler, Riehen/Basel, suggest visual elements, such as waves and fins, which recur in Melville’s narrative. Since the 1990s Stella has explored this concept in increasingly complex two-and three-dimensional works of various materials, such as the large-scale aluminumand steel sculpture Raft of the Medusa(Part I) (1990) from the collection of The Glass House, and the mural-size painting Earthquake in Chile (1999), part of the artist’s Heinrich von Kleist series (1996–2008), which take as their point of departure the writings of the early nineteenth-century German author. Paintings from Stella’s Imaginary Placesseries (1994–2004), extraordinary metal reliefs from his Baliseries (2002–2009), as well as the lightweight and dynamic sculpture from his Scarlatti Sonata Kirkpatricseries (2006–present), whose delicacy and intricacy suggest the musical compositions of the Baroque master, represent the final segment of the exhibition. In many of these works Stella has used computer generated images and modeling to extend the complexity, layers, and allusions of his material process well beyond traditional media for painting and sculpture. Frank Stella: A Retrospective underscores the important role Stella’s work plays within the art historical framework of the last half century. It provides a rare opportunity for viewers to discover the visual and conceptual connections within the extraordinarily expansive and generative body of work of an artist restless with new ideas.

Frank Stella, Gobba, zoppa e collotorto, 1985. Oil, urethane enamel, fluorescent alkyd, acrylic, and printing ink on etched magnesium and aluminum. (348 x 305 x 87.5 cm). © 2015 Frank Stella/Artists Rights Society (ARS), New York.

About Frank Stella Born in Malden, Massachusetts, in 1936, Stella attended Phillips Academy, Andover,and then Princeton University, where he studied art history and painting. In college, he produced a number of sophisticated paintings that demonstrated his understanding of the various vocabularies that had brought abstract painting into international prominence. After graduating in 1958, Stella moved to New York and achieved almost immediate fame with his Black Paintings (1958–60), which were included in The Museum of Modern Art’s seminal exhibition Sixteen Americansin 1959–60. The Leo Castelli Gallery in New York held Stella’s first one-person show in 1962. The Museum of Modern Art, under William Rubin’s stewardship, presented his first retrospective only a few years later, in 1970, when Stella was only thirty-four years old. A second retrospective

was held at MoMA in 1987. Since then, Stella has been the subject of countless exhibitions throughout the world, including a major retrospective in Wolfsburg in 2012. Frank Stella: A Retrospectiveis the first survey of the artist’s career in the U.S. since 1987. He was appointed the Charles Eliot Norton Professor of Poetry at Harvard University in 1983. “Working Space,” his provocative lecture series (later published as a book), addresses the issue of pictorial space in postmodern art. Stella has been the recipient of numerous awards and honors, including the 2009 National Medal of Arts and the 2011 Lifetime Achievement in Contemporary Sculpture Award from the International Sculpture Center, as well as the Isabella and Theodor Dalenson Lifetime Achievement Award from Americans for the Arts (2011) and the National Artist Award at the Anderson Ranch Arts Center in Aspen (2015).

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Museo Chileno de Arte Precolombino, Santiago de Chile, Chile

Die ganze Welt liebt GLASBAU HAHN Vitrinen

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Schwebend wirkt eine 14 m lange Vitrine mit zentral so sicherem Stand, dass an beiden Seiten ein etwa 3 m frei schwebender Glasraum getragen wird. Eine zweite Vitrine mit 9 m Länge und beidseitig etwa 2,5 m schwebendem Bereich zeigt ebenfalls diese beeindruckende Glaskonstruktion. Echte Schätze der pre-kolumbianischen Kunst werden in frei stehenden, bis zu 4m hohen Vitrinen gezeigt. Alle Fotos ohne Quellennachweis: © GLASBAU HAHN GmbH

Weltweit werden die wichtigsten Kulturschätze in HAHN Vitrinen präsentiert. Das Vertrauen unserer Kunden in Sicherheit, Service, Design und innovative Klimatisierungs- und Reinlufttechnik begründet unseren Ruf als internationaler Marktführer im Vitrinenbau. Handwerkliche Tradition, neuzeitliche Fertigungsmethoden, sowie die Erfahrung und Zuverlässigkeit unserer Mitarbeiter, sind die Grundlagen für den Erfolg unserer Produkte. Seit mehr als 180 Jahren ist bis heute in 5. Generation die Erfüllung höchster

konservatorischer Ansprüche in HAHN Vitrinen gesichert. Als Traditionsunternehmen stehen wir weiterhin für Zuverlässigkeit und sind gleichzeitig technischer Vorreiter: In puncto Emissionsreduzierung und Objektschutz liefert GLASBAU HAHN zertifizierte Sicherheit in allen Vitrinen.

Ebenfalls im internationalen Messe Kontext sind unsere Produkte weltweit erlebbar. Die nächste Messe findet in Köln statt: EXPONATEC Halle 3.2 Gang A – 058, 18.-20. November 2015

Neben dem Produktionsstandort in Frankfurt garantieren unsere mehr als 25 internationalen Partner eine direkte Kommunikation sowie einen effizienten Kundenservice vor Ort.

GLASBAU HAHN GmbH Hanauer Landstraße 211 60314 Frankfurt am Main info@ glasbau-hahn.de www.glasbau-hahn.de

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Nara National Museum, Galleries for changing exhibits, Nara, Japan

Tokyo National Museum, Toyokan Gallery, Tokyo, Japan

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© Royal Ontario Museum, Toronto, Canada

Royal Ontario Museum, Toronto, Canada

La Caixa Forum, “Animales y Faraones”, Barcelona, Spain

© Pepo Segura

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Natural History Museum, Treasures Gallery, London, UK Diese elegante, zeitgenössische Wunderkammer ist ein Novum für die 70 Millionen Arten umfassende Sammlung des Museums, das naturhistorische Artefakte, Kunstwerke und Kulturgüter auf ästhetisch und technisch höchstem Niveau präsentiert. © Treasures Gallery at Natural History Museum, London

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Victoria and Albert Museum, William and Judith Bollinger Jewellery Gallery, London, UK 142


Natural History Museum of Los Angeles County Los Angeles, USA


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Das Münzkabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden Eine neue Schatzkammer für das Dresdner Residenzschloss Eine der international bedeutendsten Universalsammlungen von Münzen und Medaillen ist an ihren Ursprungsort zurückgekehrt. Im Georgenbau des Dresdner Residenzschlosses empfängt das Museum seit Juni die Besucherinnen und Besucher mit einer einzigartigen Präsentation. So wie das Grüne Gewölbe oder die Rüstkammer wird künftig auch das Münzkabinett die Gäste in seinen Bann ziehen. Seit dem Ende des 2. Weltkriegs war das Münzkabinett mit einer kleinen Dauerausstellung im Albertinum untergebracht, was dem Umstand geschuldet war, dass dort auch noch mehrere andere Museen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden eine Heimstatt in der kriegszerstörten Stadt finden mussten. Das Münzkabinett zog 2004 wieder aus, bevor das Albertinum grundlegend saniert und mit der Galerie Neue Meister und der Skulpturensammlung in ein Haus für die Kunst von der Romantik bis zur Gegenwart verwandelt wurde. Seit über 10 Jahren also musste sich das Museum auf kleine temporäre Präsentationen beschränken. Im Juni 2015 begann nun ein neuer Abschnitt in der großen Geschichte der Sammlung: Als Schatzkammer inszeniert ist das Münzkabinett eine weitere große Attraktion im Dresdner Residenzschloss. Im zweiten Obergeschoß des Georgenbaus präsentiert die neue Dauerausstellung als eigenständiges Museum mit 3.300 Objekten auf 350 m² in vier Räumen den Universalcharakter der Sammlung. Ein weiterer Raum ist für Sonderausstellungen vorgesehen. Zusätzliche Informatio-

Polen, König Sigismund III. Wasa (1587–1632), 100 Dukaten 1621, Münzstätte Bromberg (Bydgoszcz). Die schwerste Goldmünze im Bestand des Münzkabinetts Dresden im Gewicht von 348,37 g wurde nicht für den Geldverkehr, sondern als Auszeichnung oder Geschenk geprägt. Sie erinnert an den Sieg König Sigismunds III. über Sultan Osman II. in der Schlacht bei Chocim 1621 und wird bereits im ältesten Goldinventar der Dresdener Sammlung, erstellt unter Kurfürst Johann Georg II., erwähnt. © Münzkabinett, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Roger Paul

nen bietet ein interaktiver Katalog, der es auch ermöglicht, Münzen von Vor- und Rückseite zu betrachten, heranzuzoomen und die Geschichte hinter der Münze zu erfahren. Die Neueröffnung markiert einen weiteren Meilenstein auf dem Weg zur Vollendung des Dresdner Schlosses als Residenz der Kunst und Wissenschaft. Möglich ist dies durch das kontinuierliche Engagement des Freistaates Sachsen und des Bundes. Zudem wissen die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden für die Neueröffnung ihren langjährigen Partner, die Sparkassen-Finanzgruppe, an ihrer Seite. Geschichte Das Münzkabinett geht als eines der ältesten Museen Dresdens auf Herzog Georg den Bärtigen (1500–1539) zurück, der aufgrund der Silberfunde im Erzgebirge zu großem Reichtum gelangte und ebenfalls den Beinamen „Georg der Reiche“ trug. Anfangs war die Sammlung in dem nach ihm benannten Georgenbau, einem Teil des Residenzschlosses, untergebracht. Nun kehrt sie nach langer Zeit wieder dorthin zurück. Über Jahrhunderte hinweg wurde das Münzkabinett von den sächsischen Kurfürsten und Königen durch Ankäufe und Schenkungen erweitert, besonders unter August dem Starken und seinem Sohn August III. Schon Anfang des 18. Jahrhunderts zählte es zu

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den berühmtesten seiner Art in Europa. In der Blütezeit des Barock hatte sich der Universalcharakter der Sammlung herausgebildet. Seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entwickelte sich das Museum auch zu einem wissenschaftlichen Forschungszentrum in Deutschland. Das Dresdner Münzkabinett gehört neben den Kabinetten in Berlin und München zu den drei großen Universalsammlungen Deutschlands. Das weite Spektrum des Dresdner Münzkabinetts reicht von der Antike bis zur Gegenwart. Der in nahezu fünf Jahrhunderten gewachsene, circa 300.000 Objekte umfassende Bestand gliedert sich in Münzen aller Länder seit dem 6. vorchristlichen Jahrhundert bis zur Gegenwart, historische und moderne Medaillen, Orden und Ehrenzeichen, Banknoten und historische Wertpapiere, Münz- und Medaillenstempel, Petschafte, Modelle, prämonetäre Zahlungsmittel sowie münztechnische Maschinen und Geräte. Hervorzuheben ist die weltweit größte Sammlung an sächsischen Münzen und Medaillen. Jede Münze, jede Medaille, jedes historische Wertpapier ist mit einem Stück Welt- und Kulturgeschichte verknüpft und damit wertvoller Zeuge eines historischen Ereignisses. Sei es die Medaille, die anlässlich der Geburt des einzigen legitimen Nachfolgers Augusts des Starken geprägt wurde, seien es Medaillen, die Könige nach dem siegreichen Ende von militärischen Auseinandersetzungen als Prachteditionen in Gold und Silber herausgeben ließen, um sie verdienten Persönlichkeiten zu verleihen. Oder Münzen aus archaischer Zeit, die zum Handel benutzt wurden. Auftaktraum: Bergbau und Münzprägung in Sachsen Die Wettiner gehörten seit dem Ende des 15. bis zum 19. Jahrhundert zu den einflussreichsten deutschen Fürstenhäusern. Großen Anteil an dieser Machtposition und der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes hatten die reichen Silbererzvorkommen, deren erste Entdeckung im Freiberger Revier um 1168/1170 erfolgte. Am Anfang des meißnisch-sächsischen

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Bergbaus stand Otto der Reiche, der als Markgraf von Meißen einerseits über das Bergregal und somit über die Bodenschätze seines Landes verfügte, andererseits das Münzrecht besaß. Für das von den Bergleuten geförderte Silber bestand eine Abgabepflicht an die Landesherren. Silber war der Rohstoff zur Prägung von Münzen. Nach dem Rückgang der Silberförderung um 1350 ertönte mit der Entdeckung von Silbererzen am Schneeberg 1470 das Große Berggeschrei im oberen Erzgebirge. Bergstädte wurden gegründet und mehrere Münzstätten zur Ausprägung der großen Silbermengen eingerichtet. Zwischen 1524 und 1870 lieferte der Bergbau, der mit der Einrichtung der Bergakademie Freiberg in der Mitte des 18. Jahrhunderts zu einer wissenschaftlichen Disziplin erhoben wurde, etwa 2716 t Silber. Dieser Reichtum sowie eine solide Münzpolitik ließ Sachsen zu einer tragenden Säule des deutschen Münzwesens werden. Seit dem Ende des 16. Jahrhunderts hielten bergmännische Themen Einzug in die Festkultur am kursächsischen Hof und dienten der dynastischen Demonstration von politischer und ökonomischer Stärke.

Oben: Sachsen-Weißenfels, Herzog Johann Adolf I. (1680–1697), 1 ½ Taler (Klippe) 1685, Silber, Ø 69,7 x 69,9 mm, 43,56 g © Münzkabinett, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Katharina Rothe Unten: Lydia, König Alyattes, 1/3 Stater (Trite), um 600 v.Chr., Mzst. Sardes, Elektron, Ø 13,5 mm. Das älteste Objekt im Dresdner Schloss ist über 2.500 Jahre alt und stammt aus Lydien, einem Königreich auf dem Gebiet der heutigen Türkei. Die ersten Münzen bestanden aus Elektron, einer natürlich vorkommenden Gold-Silber-Legierung. Erst König Kroisos, der Sohn und Nachfolger des Alyattes, ließ reine Gold- und Silbermünzen prägen. © Münzkabinett, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Roger Paul Rechte Seite: Oben: Auftaktraum. Unten: Kabinettraum. © Münzkabinett, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Fotos: Christian Krass

Kabinettraum: Der Kosmos des Geldes Geld war und ist Tauschmittel und Wertmesser innerhalb eines bestimmten Wirtschaftgebietes. Münzen sind seit dem 7. Jahrhundert v. Chr. die bedeutendste Form des Geldes. Für das Gewicht der zumeist runden Metallstücke und ihren Feingehalt bürgt der Staat durch Bild und Aufschrift. Das Recht, Münzen zu prägen und Geld auszugeben, ist ein staatliches Monopol. Neben der ökonomischen Aufgabe übernehmen Münzen aber auch eine kommunikative Funktion. Als Zahlungsmittel


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erreichen sie aufgrund ihrer Handlichkeit einen weit gestreuten Empfängerkreis, so dass sie mittels der Kombination von Bild und Schrift für die Verbreitung von Botschaften gerade in vergangenen Zeiten einen wichtigen Beitrag leisteten. Münzbilder haben mitunter propagandistischen Charakter, indem sie die für die Prägung Verantwortlichen in ein positives Licht rücken und deren Leistungen herausstellen. Beiden zentralen Aspekten der Münzen – Geldfunktion und Kommunikationsmittel – trägt die Ausstellung Rechnung. Ausgehend vom universellen Charakter der Sammlung des Dresdner Münzkabinetts – sie verwahrt Münzen aus allen Zeiten und Ländern – wird in chronologischer Abfolge die Münzgeschichte vom Altertum bis zur Gegenwart vor allem im deutschen, aber auch im europäischen und weltweiten Kontext erlebbar. Der Bogen spannt sich über einen Zeitraum von mehr als 2500 Jahren, von der antiken griechischen Drachme bis zum Euro der Gegenwart.

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Kabinettraum: Medaillen und Orden Als reliefplastisches Kleinkunstwerk verbreitete sich die Medaille, eine Schöpfung der italienischen Renaissance, zu Beginn der Neuzeit in zahlreichen Ländern Europas. Von dem italienischen Wort „medaglia“ abgeleitet, wird damit ein meist aus Metall bestehendes handliches Erinnerungsstück mit bildlichen Darstellungen und anlassbedingten Aufschriften bezeichnet. Die Medaillenkunst folgt in der Formensprache der Entwicklung der Kunststile in den bildenden Künsten. Im Verlauf der Jahrhunderte hat es von der Renaissance bis zur Gegenwart in jeder Epoche Blütezeiten und Zentren der Kunstgattung gegeben. Der Anspruch als Medium für fürstliche Repräsentation wird besonders im Barock mit der als „metallene Chronik“ verewigten Regierungsgeschichte der Herrscher sichtbar. Dass die Medaille bis heute eine höchst lebendige und auch der Moderne entsprechende Kunstäußerung geblieben ist,

beweisen die Beiträge zeitgenössischer Künstler aus dem In- und Ausland. Die Auswahl der ausgestellten Orden und Verdienstmedaillen zeugt von der Vielfalt und Qualität eines weiteren Sammlungsbereiches des Münzkabinetts.

Oben: Ausstellungsansicht „Wettstreit in Erz“ vom 7. Juni 2015 bis 17. Januar 2016 im Silberwaffensaal, Georgenbau im Residenzschloss, © Münzkabinett, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Christian Krass Rechte Seite: Weströmisches Reich, Kaiserin Galla Placidia (421– 450), Solidus, Münzstätte Ravenna, Gold, Ø 21,5 mm, 4,41 g, © Münzkabinett, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Jens Dornheim Meister der Kardinal-Albrecht Gruppe: Herzog Georg der Bärtige (1500-1539), Medaille 1537, Gold, gegossen und geglättet, Ø 42,3 mm, 48,43 g, © Münzkabinett, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Mirko Schöder Friedrich Wilhelm Hörnlein: Ehrendenkmünze der Landeshauptstadt Dresden, o. J. (1944), Silber vergoldet, Ø 72,3 mm, 140,26 g, © Münzkabinett, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Nora Henneck


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Königlich Sächsischer Militär-St.-Heinrichs-Orden (gestiftet 1736), Großkreuz (1807-1815), Gold, Emaille, 110,0 x 72,0 mm, © Münzkabinett, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Nora Henneck

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Rechte Seite: Unternehmen Bernhard, in Deutschland hergestellte Fälschung einer britischen 5-Pfund-Note 1935 der Bank of England aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges, 133,0 x 210,0 mm.

Oben: Festung Landau, Graf Ezéchiel de Mélac, 4 Livres 4 Sous 1702 (Belagerungsmünze aus Tafelsilber), 64,7 x 56,3 mm; 25,52 g. Der französische General de Mélac ließ 1702 in der durch Belagerung eingeschlossenen Festung Landau sein eigenes Tafelsilber für die Herstellung von Notmünzen zur Bezahlung seiner Soldaten zerschneiden. Den unregelmäßig geformten Geldstücken wurden ein Wappen, die Wertangabe sowie Ort und Jahr aufgeprägt. Dieses sechseckige Exemplar zeigt an einer Seite noch den Rand des verwendeten Silbergeschirrs. © Münzkabinett, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Mirko Schöder

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Elbsaal: „Rund ums Geld“

Unternehmen Bernhard

Im Elbsaal werden acht verschiedene Themen „Rund ums Geld“ jeweils in einer eigenen Vitrine auf anschauliche Weise präsentiert. Diese Inszenierung soll die ansonsten überwiegend chronologisch orientierte Gestaltungsweise der Exposition aufbrechen. Behandelt werden interessante Kapitel wie Münze und Material, außergewöhnliche Geldformen oder originelle Münznamen. Unter dem Titel „Vom Taler zum Dollar“ wird der Siegeszug der seit mehr als einem halben Jahrtausend existierenden, weltweit erfolgreichsten Währung veranschaulicht. Präsentiert werden außerdem Waagen und Gewichte, Fälschungen, Rechenpfennige und Spielmarken, weiterhin in Brauch und Aberglauben verwendete sowie zu Schmuck verarbeitete Münzen.

Der Schein ist ein Beispiel für die unter dem Decknamen „Unternehmen Bernhard“ von der deutschen NS-Regierung veranlasste Fälschung englischer Banknoten während des Zweiten Weltkrieges. Auf Anweisung des Sicherheitsdienstes im Reichssicherheitshauptamt mussten mit erheblichem Aufwand qualifizierte KZ-Häftlinge mit Hilfe von Fachleuten unter Verwendung von Spezialpapier der Papierfabrik Spechthausen (Landkreis Oberbarnim) im Konzentrationslager Sachsenhausen Fälschungen englischer Banknoten zu 5, 10, 20 und 50 Pfund herstellen. Ziel der umfangreichen Maßnahme war die Destabilisierung der Wirtschaft der Alliierten. In der größten bekannten Fälschungsaktion der Geschichte wurden englische Banknoten in Höhe von 132 Millionen Pfund gefälscht.


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Der vernetzte Audioguide verbindet alle Museen und Besucher weltweit. Kostenlos!

• Der Audioguide ist in die kostenlose App museum.de integriert • Platz 1 im App Store und bei Google play bei der Suche nach „museum“ • Museumsmitarbeiter pflegen selbständig die Stammdaten ihres Museums ein und können Nachrichten, Ausstellungstermine, Bildergalerien und Audioguides anlegen. Das Angebot ist kostenlos. • Es können mehrere Audioguides für jedes Museum angelegt werden. z.B. für die Dauerausstellung, Sonderausstellungen, Außenbereich, usw. • 100 Sprachen voreingestellt. Für jede Sprache ist ein zusätzlicher Kindermodus möglich Das Anlegen von Audioguides mit beispielsweise 150 Stationen in 10 Sprachen ist problemlos möglich • Zu jeder Station kann eine Audiodatei und eine parallel ablaufende Diapräsentation angelegt werden • Es entfallen: Hardware- und Softwarekosten, Reparaturen, Pflege, Desinfektion, Akkuprobleme • Der Audioguide funktioniert im Online-Modus und im Offline-Modus • Barrierefrei: unterstützt Auto-Start über iBeacons und GPS. Alternative textuelle Präsentation Verwendung Ihrer eigenen bereits vorhandenen Objekt-Nummern. Generierung von QR-Codes. • Statistische Auswertung aufgerufener Stationen. Anonymisiertes Besuchertracking möglich durch Export der Zugriffseinträge • kostenlose Webinare für die praktische Einarbeitung je ca. eine Stunde Bei Webinaren kommuniziert man live über eine Konferenzschaltung via Internet.

museum.de, Uwe Strauch, Meerturm Xanten, Bahnhofstr. 4, D-46509 Xanten, contact@museum.de, Tel: +49 (0)2801-9882072

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GRIMMWELT Kassel Autorinnen: Petra Bohnenkamp, Annemarie Hürlimann und Nicola Lepp Mit einem modernen, den Brüdern Jacob und Wilhelm Grimm gewidmeten Ausstellungshaus festigt die documenta Stadt Kassel ihre Position als eine der bedeutendsten Kulturstädte Deutschlands. Seit der feierlichen Eröffnung im September, erwartet die Besucherinnen und Besucher dort die märchenhafte, geheimnisvolle, forschende, aufschlussreiche und poetischen Grimmsche Welt der Sprache und Bedeutungen. In vielen Variationen zeigt die Ausstellung die Vielschichtigkeit ihres Werkes. Modern in der Herangehensweise an ein Thema, das Hergebrachte würdigend - diese Elemente verbinden die heutige Grimmwelt und das Schaffen der Brüder Grimm im 19. Jahrhundert. Susanne Völker, Geschäftsführerin der Grimmwelt Kassel: „Fast jeder kennt die Brüder Grimm als Märchensammler. Als Sprach- und Kulturforscher und mit ihrem gesellschaftlichen und politischen Engagement haben sie darüber hinaus ein facettenreiches Werk hinterlassen. Aus unserer Kulturgeschichte sind sie heute nicht mehr wegzudenken. Die Besucherinnen und Besucher der Grimmwelt können sich in zauberhafte Märchenwelten begeben, in die Welt der Sprache eintauchen und anhand wertvoller Objekte, interaktiver Angebote und vielfältiger Kunstwerke die gesamte Bandbreite des Grimmschen Schaffens erleben.“

Stufen in die Welt der Grimms „Stufen“ sind ein sowohl inhaltliches als auch in der architektonischen Form bestimmendes Thema des Grimmwelt: Besucher jeden Alters und mit ganz unterschiedlichen Interessen, Familien mit Kindern,

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junge Erwachsene, Literaturinteressierte, Kunstkenner, Wissenschaftler, Forscher, Touristen finden hier zeitgemäße Zugän-

Architekturbüros kadawittfeldarchitektur setzt sich im Inneren mit Split-Level-Ebenen fort. Mittelpunkt der Grimmwelt ist

Fotos: Lufaufnahme: © Andreas Weber, Links: © Jan Bitter, Unten: © H. Soremski, Rechte Seite: © Jan Bitter

ge zu dem Wirken und dem Nachlass der Brüder Grimm, die weit mehr waren als Märchensammler. Als Sprachforscher, als Gelehrte, als Politiker haben sie ihre Zeit, die erste Hälfte der 19. Jahrhunderts, mitgeprägt und den nachfolgenden Generationen ein großes Erbe hinterlassen. Dies zeigt das Ausstellungshaus in Kassel mit multimedialen Elementen, kindgerechten Erlebniszonen, der Präsentation wertvoller Exponate aus den Kasseler Grimmbeständen - darunter das UNESCO- Weltdokumentenerbe, die Original Handexemplare der Kinder und Hausmärchen der Brüder Grimm -, und ideenreichen Annäherungen an die Gedanken- und Wissenswelt der Sprachgelehrten. Die Grimmwelt Kassel liegt an der südlichen Kante des Weinbergs inmitten einer denkmalgeschützten, reizvollen Parklandschaft. Terrassen, alte steinerne Treppenanlagen und Mauerfragmente prägen die besondere Atmosphäre des Ortes. Das Ausstellungshaus und die umgebende terrassierte Parklandschaft verschmelzen durch Bauweise und Farbgestaltung zu einem Ganzen. Die spektakuläre Treppenarchitektur des renommierten Aachener

der zentrale Auftaktraum, von dem aus sich die einzelnen Ebenen mit ihren unterschiedlichen Themenschwerpunkten erwandern und erforschen lassen. „Das neue Ausstellungshaus führt die Topographie des Geländes als begehbare Skulptur fort und bereichert den Park mit einer öffentlich zugänglichen Treppenanlage, die ihren Abschluss in einer Dachterrasse mit Ausblick in die Umgebung findet. Der Besucher erfährt einen Ort der Zwischentöne schafft und sich der Komplexität der deutschen Sprachwissenschaft und der bedeutenden Grimmschen Märchensammlung widmet“, so Gerhard Wittfeld, von dem für die Architektur zuständigen Büro kadawittfeldarchitektur.


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Eine Expedition in die Welt der Grimms Die Ausstellungsgestaltung von Holzer Kobler Architekturen unternimmt eine Expedition in neue Gestaltungs- und Wissenswelten, die die Besucher in ihren Bann ziehen und faszinieren wird. Analog der Arbeitsweise von Wilhelm und Jacob Grimm wurde aus vielfältigen Fragmenten eine Gesamtkomposition zusammengefügt. „Der Betrachter wird auf diese Weise zu einem Teil der Installation: In seinem Kopf setzen sich die einzelnen Komponenten des Gesehenen neu zu einer fabelhaften Totale zusammen. Das gestalterische System aus papierartigen Wandscheiben vermag die ambivalenten Eigenarten der beiden Grimmschen Hauptwerke - des sehr strukturierten Wörterbuchs und der fantasievollen Märchen – einnehmend darzustellen“, so Simone Haar, Geschäftsführerin von Holzer Kobler Architekturen. Kassel steht für ein mehrstufiges Grimmkonzept Die Grimmwelt Kassel ist nicht der einzige Ort, an dem das Thema vertreten ist. Kassel, das ein zentraler Lebens- und Arbeitsort von Jacob und Wilhelm Grimm war, an dem sie unter anderem mit der Arbeit am Deutschen Wörterbuch begannen, verfolgt ein dezentrales Grimmkonzept: An der Universität Kassel, die eine Grimmprofessur hat, wird geforscht; die der Universität angeschlossene Murhardtsche Landesbibliothek betreut den Buchbestand, der weltweit digital einsehbar ist; die Stadt Kassel bewahrt das Erbe der großen Forscher und Gelehrten. Die Grimmwelt Kassel ist der neue und moderne Ort für die Präsentation und Vermittlung des vielfältigen Grimmschen Schaffens. Hintergrund zu der Ausstellung der Grimmwelt Die Konzeption der Grimmwelt hat sich ihre Struktur von den Grimms selbst abgeschaut: Angelehnt an die alphabetische Ordnung des Deutschen Wörterbuchs von Jacob und Wilhelm Grimm ist die Grimmwelt als Glossar von A bis Z angelegt: 25 Wörterbucheinträge (Lemmata, wie sie im Fachjargon genannt werden), für jeden Buchstaben des Alphabets einen, ordnen den Stoff und gliedern die Ausstellung. Fotos: Links: © Jan Bitter, Rechte Seite: © H.Soremski

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Die Arbeit der Brüder mit und an der Sprache erfahrbar zu machen, ist ein zentrales Anliegen der Grimmwelt. „Dies wird an den Kinder- und Hausmärchen besonders augenfällig. Sie haben sich in die ganze Welt ausgedehnt, die kollektiven und individuellen Einbildungskräfte sind längst von ihren Stoffen und Motiven durchdrungen. Schließlich bietet die Herangehensweise des Glossars die Möglichkeit, immer wieder die Perspektive und den Blickwinkel zu verändern. Zu diesen Perspektiven gehört ganz wesentlich – neben einer wissenschaftsgeschichtlichen, historischen, künstlerischen, interdisziplinären und intermedialen – eine kindliche, die

das Unscheinbare und Nebensächliche zum Gegenstand intensiver Betrachtung erhoben hat. Diese Forschungshaltung der Brüder Grimm hat auch das kuratorische Konzept und inspiriert, das zwischen Wissensvermittlung und sinnlicher Erfahrung changiert“, so die Kuratorinnen Annemarie Hürlimann und Nicola Lepp.

Der Ausstellungsrundgang – Von Zetteln, Ärschlein und Wortarbeit Der Ausstellungsrundgang setzt drei thematische Schwerpunkte. Die Erkundungen beginnen mit dem

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Grimmschen Werk. Der erste Bereich widmet sich der Welt der Sprache und den Texten der berühmten Brüder. Zettel und Organisierung behandeln die Produktionsbedingungen des Werkes, das von Herausgaben älterer mittelalterlicher Texte über Jacob Grimms umfassende Forschungen zur deutschen Grammatik und das schier unübersehbare Projekt eines sprachgeschichtlichen Wörterbuchs bis hin zur Sammlung von Mythen, Sagen, Rechtsaltertümern und eben Märchen reicht. Diese Schaffensfülle lässt sich unter Buch bewundern, der Abteilung, in der neben allen Buchpublikationen und einer Liste aller von ihnen publizierten Aufsätze auch die berühmten Handexemplare der Kinder- und Hausmärchen zu sehen sind. Mit ihnen erfanden die Grimms auch so etwas wie eine neue Literaturgattung, indem insbesondere Wilhelm durch seine umfassenden Eingriffe und Bear-

Fotos: L. o. © Jan Bitter, Unten, Rechts: © H.Soremski

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beitungen von älteren schriftlichen Quellen und mündlich erzählten Texten aus Volksmärchen Kinder- und Hausmärchen machte. Die Bereiche Sprachbauwerk, Ärschlein, Wortarbeit und Treppe gehen mit künstlerischen und performativen Installationen jeweils auf ihre Art der Grimmschen Arbeit mit und an der Sprache nach. Und dass schon bei den Grimms ein Urheberrechtsstreit die Gemüter erhitzte, verrät XY (ungelöst) – das Kuckucksei im Glossar, das dem Mangel an mit X oder Y beginnenden Wörtern im Deutschen und daher auch im Deutschen Wörterbuch geschuldet ist. Im Übergang zum nächsten Ausstellungsbereich wirft die Arbeit des chinesischen Künstlers Ai Weiwei, der für die Grimmwelt Holzwurzeln aus China gebracht hat, Fragen nach dem Ursprungs- und Wurzeldenken der Brüder Grimm auf. Im zweiten Teil setzt die Ausstellung die Bilder und Imaginationen in Szene, wel-

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Fotos: L. Seite © Jan Bitter, Rechte S.: © H.Soremski

che das Werk der Grimms, allen voran die Kinder- und Hausmärchen hervorgebracht haben. In diesem Bereich setzt die Ausstellung weniger auf das historische Exponat, als auf künstlerische und mediale Adaptionen des Grimmschen Werkes. Die Märchen wurden von den

Grimms nicht nur gesammelt und weiterbearbeitet, sondern als Vorlesestoff für die Kinder in der bürgerlichen Familie empfohlen. Eines dieser Märchen, Rumpelstilzchen, wird in im Bereich Erzählenhören in sechskanaligen Videoinstallation von Sprechern in 28 Sprachen erzählt.

In der Dornenhecke können Kinder und kindliche Erwachsene mit dem Spiegel sprechen, sich zu den sieben Zwergen an den Tisch setzen, mit der Hexe parlieren oder sich von der Großmutter alias dem Wolf fressen lassen, umgeben von lauter märchenhaften Kleinwesen, die die bei-

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Oben: Videoinstallation Hannah Leonie Prinzler, Rumpelstilzchen. Unten: Das Gewebe der Sprache. Fotos: © Jan Bitter

den Künstler Lutz & Guggisberg aus einem aufgeschlitzten Gehäuse quillen lassen. Illuminieren hat aus den seit mehr als hundert Jahren in unzählige Filme transformierten Texten einen neuen Film und eine neue Geschichte gesponnen. Und vom Glück im Märchen erzählen Interviews des Filmemachers Alexander Kluge. Diesem performativen und installativen Bereich der Ausstellung folgt der dritte und letzte, der dem Leben der Brüder Grimm gilt. Er beginnt mit Lebensläufer. Der Bereich erzählt das Leben der berühmten Brüder in ihren eigenen Worten anhand verschiedener autobiografischer Texte, die sie in ihrem Leben verfasst haben. Die Lebensgeschichte ist eng ver-

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bunden mit der besonderen Konstellation der Familie Grimm, die wenig gemein hat mit dem zeitgenössischen Ideal der biedermeierlichen Kleinfamilie aus starkem Vater, liebender Mutter und unschuldigem Kind. Der Mutter gilt ein eigener kleiner Ausstellungsbereich. Und dafür, dass Lebenswege nicht immer geradlinig verlaufen, steht Rotkappe. Von Wilhelm Grimms Hochzeit mit Dorothea Wild erzählt mit Jawort die Reinszenierung eines zeitgenössischen Possentheaterstücks als Puppenspiel, und vom Essen in der Familie und Dorothea Grimms Koch- und Haushaltungskünsten handelt Quitte. Ihres Lebens längste Zeit haben die Grimms in Kassel verbracht. Hier hat der Bruder und Künstler Ludwig Emil Grimm zahlrei-

che Szenen in comicartigen Zeichnungen und Skizzen festgehalten oder erdichtet – oder irgendetwas dazwischen. Hinterlassen haben die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm aus ihrem Leben schließlich mindestens zweierlei: Zunächst Realien in Form ihres Nachlasses von Schriften und Gegenständen aus dem alltäglichen Lebenszusammenhang. Einiges davon hat sich heute in der Grimmwelt eingefunden und wird – als Erinnerung an die schwierige Grenzziehung zwischen Realität und Einbildungskraft – von einer unsinnigen Welt der häuslichen Undinge aus den Märchen attackiert: Besen und Schippe, die sich prügeln, bedrohlichen Messern und sprechenden Spiegeln. Und das ist


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eine zweite Hinterlassenschaft der Brüder Grimm: das umfassende Wissen um die Vergangenheit und die mit diesem Wissen in die Welt und die Gegenwart gekommenen Vorstellungen, Bilder und Träume, die bis heute die unauflösliche Verbindung von Wissen und Fantasie, Erkenntnis und Einbildungskraft behaupten. Mit diesen Phantasiegestalten schließt der Rundgang. Die Ausstellungsregie: In-der-Sprache-Sein

Fotos: © H.Soremski

Die Ausstellung nähert sich der Welt der berühmten Brüder nicht nur aus unterschiedlichen inhaltlichen Perspektiven, sondern auch in verschiedenen ausstellerischen Formaten. Der Argumentation mit historischen Objekten und Autografen treten performative Stationen und mediale und künstlerische Installationen zur Seite, die bis auf die Arbeiten von Ai Weiwei und Ecke Bonk eigens für die Grimmwelt produziert wurden. Zwischen Faktischem und Fiktionalem bewegen sich auch die anderen Ausstellungsformate – von Reportage oder Interview bis hin zum Puppen- und Theaterspiel. Damit knüpft die Ausstellung wiederum an das romantische Erbe der Brüder Grimm an, die zumindest mit den Kinder- und Hausmärchen dem Wunderbaren, das die Aufklärung in den Bereich des Aberwitzigen und Irrationalen verbannt hatte, seinen „Sitz im Leben“, wie Jacob Grimm sich ausdrückte, zurückerobern wollten. Diese Brechung des Realen ins Fantastische wird ebenso spürbar in den Sprachforschungen vor allem Jacob Grimms. Mit der Buchstäblichkeit und Wörtlichkeit der etymologischen Verfahrensweisen im Deutschen Wörterbuch rückt auch die nichtbegriffliche Seite der Sprache in den Blick. Die Ausstellung nimmt dies zum Ausgangspunkt, um den Blick für die konkrete Materialität der Sprache zu schärfen. Nicht nur über die Forschungen der Brüder Grimm soll etwas vermittelt werden, sondern das In-der-Sprache-Sein erfahrbar werden. Die Ausstellung stellt einen Raum zur Verfügung, in dem Erfahrungen mit und in der Sprache gemacht werden können – ihrer Lautlichkeit und ihrem Klang, ihrer Vieldeutigkeit und ihrer unendlichen kreativen Kombinatorik.

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Bibelhaus Erlebnis Museum in Frankfurt am Main Autorin: Silvia Meier

Frankfurt am Main ist eine Stadt, die einiges zu bieten hat, und sie kann mit einer Vielzahl von Superlativen aufwarten: Die Wolkenkratzer ihrer berühmten Skyline gehören zu den höchsten in ganz Europa. Alljährlich ist die Hessenmetropole Veranstaltungsort der größten Buchmesse weltweit. Und das Mainufer ist nicht nur wunderschön, sondern als Museumsufer mit seinen zahlreichen Museen einmalig. Kein Wunder also, dass in dieser rekordträchtigen Umgebung auch das am häufigsten übersetzte Buch aller Zeiten einen ganz besonderen Platz gefunden hat: Wer möchte, kann sich am Frankfurter Museumsufer auf eine spannende Entdeckungsreise durch die Bibel machen.

Wer nun denkt „Ach, die Bibel? Das ist doch nur etwas für Menschen mit religiösem Hintergrund!“, wird im Bibelhaus Erlebnis Museum eines Besseren belehrt. Wie präsent das Buch der Bücher in unserem Alltag ist, erkennt man leicht an bekannten geflügelten Worten: Wenn

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Abschrift des Matthäus-Evangeliums auf Griechisch (13. Jh.)


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Besatzung und Widerstand: die Felsenfestung von Massada

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Im Nomadenzelt

einem die „Haare zu Berge stehen“, wir im „Dunklen tappen“ oder „ein Herz und eine Seele“ sind, zitieren wir oft unbewusst die Bibel.

werden die nomadische Lebensweise und der Alltag, Wirtschaft, Politik, Kultur und Religion zur Zeit des Neuen Testaments lebendig.

Eine Reise in den Orient – und in die Mediengeschichte

Wie lebten Nomaden in biblischer Zeit?

Viele Künstler und Schriftsteller zogen und ziehen aus biblischen Geschichten ihre Inspiration. Einmal nach seiner Lieblingslektüre gefragt, antwortete der Schriftsteller Bertolt Brecht sogar: „Sie werden lachen: die Bibel.“

Im Beduinenzelt erschließt sich die Erzählwelt der hebräischen Bibel fast von selbst, denn hier sitzt man quasi im Wohnzimmer von Abraham und Sara. In diesem Zelt, in dem die Geschichten der Urväter und Urmütter noch mündlich überliefert wurden, wird die Vergangenheit spürbar. Ein antiker Mahlstein symbolisiert den Beginn dieser mündlichen Verbreitung in der nomadischen Erzählkultur: Jeder darf es selbst ausprobieren und das Korn mahlen.

Ein Besuch im Bibelhaus Erlebnis Museum lässt erkennen, was so spannend am biblischen Inhalt ist. Gäste begeben sich auf eine Expedition in die Welt der Bibel und entdecken die jahrtausendealte Geschichte auf neue Weise: erlebnisreich, zum Anfassen und für manchen voller Überraschungen.

In Aktion an der byzantinische Getreidemühle

Man reist in den Alten Orient, erlebt hautnah den Alltag der Menschen im Alten und Neuen Testament. Auf den Spuren der Archäologen geht es auf die Suche nach den Urtexten der Bibel. Papyri, Manuskripte klösterlicher Schreibstuben und jüdische Schriftrollen verweisen zum biblischen Text, wie er bis ins heutige Computerzeitalter weiter übersetzt und verbreitet wird. An einer Druckerpresse wie zu Gutenbergs Zeiten wird schnell klar, warum der Buchdruck die Geschichte der Bibel nachhaltig verändert hat. Gleichzeitig wird die Welt und Umwelt der Bibel beleuchtet. In erlebnisreicher Darstellung

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Am Model des Salomonischen Tempels

Betörende orientalische Düfte und Spezereien aus dem Hohelied Salomos versinnbildlichen den Reichtum und die Sinnlichkeit der orientalischen Kultur. Zeugnisse frühgeschichtlicher Inschriften und ein Miniatur-Nachbau des biblischen Tempels Salomos schlagen den Bogen zur frühen Schreibkultur. Die Quellen der Bibel als antike Handschriften Woher kommt die Bibel eigentlich? Wie wurden ihre Texte weitergegeben? Wie zuverlässig sind die Grundtexte moderner Übersetzungen? Antworten auf diese Fragen findet man auf der Suche nach den Quellen der Bibel: Sie führt in Höhlen am Toten Meer, alte Bibliotheken und antike Klöster. Das über sieben Meter lange Faksimile der großen Jesajarolle aus Qumran wird ergänzt

Antike Ankersteine aus dem See Gennesaret

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Römische Salbfläschchen

durch Schriftrollen vom Toten Meer und einer Installation von typischen Vorratskrügen aus den dortigen Höhlen. Dem gegenüber steht die Welt der antiken Paypri in Ägypten mit dem Faksimile einer der ältesten Handschriften des Neuen Testaments.

der Universität von Kalifornien produzierte zusätzlich einen Simulationsfilm, der die Museumsgäste eindrucksvoll durch die antike Kultstätte führt. Am Tempelberg treffen alle aufeinander und das Bild der damaligen Gesellschaft zeigt sich so vielfältig wie heutzutage. Religiöse und soziale Gruppen treten in

Aber das Bibelhaus kann auch mit Originalen aufwarten. Den Besucher erwartet eine Sammlung mit archäologischen Funden aus Israel, einer Dauerleihgabe der Israelischen Antikenverwaltung, die in dieser Form einmalig ist in Europa. Trinkgefäße, Gewandnadeln und Eisennägel, Schmuck und Münzen führen in die antike Welt. Pfeilspitzen aus dem Jüdischen Krieg und kultisch reines Geschirr geben ein lebendiges Bild der Geschichte und Geschichten aus dem Heiligen Land. Über 300 archäologische Objekte vermitteln einen einzigartigen Eindruck vom Alltag und der Religion der Zeitenwende. Leben vor 2000 Jahren

Nur etwas für Könner: Blasen auf dem Schofar

Auf den Spuren der Zeitgenossen Jesu wandeln Besucherinnen und Besucher wie antike Pilger vor 2000 Jahren. Sie treffen auf unterschiedliche Menschen, lernen ihre religiösen und politischen Vorstellungen kennen, erkunden die Orte und Landschaften, in denen sie lebten. Der Weg führt vom ländlichen Galiläa zum Tempelberg nach Jerusalem, vorbei an den Palästen des Herodes und der Römer. Dort angekommen, zeigt ein Modell die gigantischen Ausmaße der von Herodes erbauten Tempelanlage. Ein Fachinstitut

Erscheinung, zum Beispiel die Pharisäer und Sadduzäer, die Zöllner, Hohepriester und die reiche Oberschicht in Jerusalem. Römische Besatzer treffen auf manchmal heftigen Widerstand. Sie alle kommen an Hörstationen zu Wort und berichten über ihr Leben, ihre Hoffnungen und geben damit einen Eindruck von der Vielstimmigkeit der Epoche. Auch über den beschwerlichen Alltag einfacher Bauern, Handwerker und Fischer am See Gennesaret erfährt man einiges. Und ganz nebenbei lernt man die bes-


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Die Lebenswelt des Neuen Testaments

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Hoher Besucher anlässlich der Ausstellungseröffnung „Luthers Meisterwerk“: Bundespräsident Joachim Gauck und Jürgen Schefzyk, Direktor des Bibelhaus Erlebnis Museums

ten Fangtechniken der Zeit kennen. Ob seetauglich oder nicht: Eine Fahrt in dem originalgetreuen Nachbau eines Fischerbootes aus dem 1. Jahrhundert über den stürmischen See Gennesaret versetzt alle in die Zeit, in der Jesus lebte.

Lebendige Diskussionen am Münztisch

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„Luthers Meisterwerk“ vom 16.9. bis 31.12.2015 Neben der Dauerausstellung werden in Wechselausstellungen unterschiedlichste Themen rund um die Bibel aufgenommen. Im Vorfeld des Reformationsjubiläums 2017 lässt das Bibelhaus schon vom 16. September bis 31. Dezember 2015 mit „Luthers Meisterwerk“ die beispiellose Entstehungs- und Wirkungsgeschichte der Reformation aufleben. Anfang des 16. Jahrhunderts: Martin Luther lebt inkognito auf der Wartburg. In kürzester Zeit übersetzt er dort 1522 das Neue Testament ins Deutsche. „Dem Volk aufs Maul schauend“ verbindet er dabei gehörte Redewendungen mit pragmatisch-poetischer Zielgenauigkeit zu einem mitreißenden Text, den endlich jeder verstehen kann. 3.000 Kopien seines „Septembertestaments“ sind sofort ausverkauft – eine Sensation! Die Ausstellung zeigt, wie „Luthers Meisterwerk“ unser Leben bis heute prägt: mit der originalen Lutherbibel von 1534, mehr als 70 Inkunabeln, Drucken und Autographen – darunter auch die berühmte Gutenbergbibel. Martin Luthers Bibelübersetzung war

der Auslöser der ersten Medienrevolution der Weltgeschichte. Mit seinem „Meisterwerk“ legte der Reformator den Grundstein für die einheitliche deutsche Hochsprache – und damit für die rasante Entwicklung der modernen Wissensgesellschaft und unserer hochtechnisierten Zivilisation. Doch egal ob Dauerausstellung oder Wechselausstellung, für Kinder und Jugendliche oder Erwachsene, Einsteiger, Fortgeschrittene oder gar Experten – das Erlebnismuseum ist sicherlich für jede und jeden ein Gewinn. Wer nun immer noch denken sollte “Ach, die Bibel? Das ist doch nur etwas für Menschen mit religiösem Hintergrund!“ sei herzlich eingeladen zu einem vielschichtigen Blick auf das Buch der Bücher. Und um einen solchen Blick auf und in die Bibel zu wagen, muss man nicht „von Pontius zu Pilatus gehen“, ein Besuch im Bibelhaus tut es auch.

Bibelhaus Erlebnis Museum Metzlerstraße 19 – 60594 Frankfurt/Main Telefon: +49 69 66 42 65 25 Email: info@bibelhaus-frankfurt.de www.bibelhaus-frankfurt.de


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Geschichte(n).Ausstellen Verkümmern Ausstellungen und Museen in Zukunft zu nicht mehr wahrnehmbaren Abstellkammern der Geschichte? Das neu gegründete Expertenteam um Prof. Happel, Prof. Kenkmann und Prof. Nowotsch geht auf gewandelte Formen der Wahrnehmung bei den Besuchern mit einer geänderten Strategie der Vermittlung ein – multiperspektivische Erzählformen wie etwa Narrationen im Generationenblick bzw. sind die Sprache der neuen Zeit. Nicht das Exponat als Objekt, sondern die Erkenntnis seiner thematischen und / oder historischen Qualität und ein Verständnis der damit verbundenen Aussage ist das Ziel der didaktischen und der darstellenden Bemühungen. Heute gilt zunehmend: gute, inhaltsbezogene Inszenierungen sind auch wirksame Vermittlungsstrategien. Besucher erwarten kulturell anspruchsvolle Darstellung und auch Anregung / Möglichkeiten zu aktiver Teilnahme. Dabei darf bei jeder Umsetzung der Aspekt der besseren Wirtschaftlichkeit nie vergessen werden. Das wissenschaftliche Beraterteam bietet: Bestandsaufnahme (auch solitär) Entwicklung und Moderation (hier auch gestalterische Beratung / Bewertung) Projektmanagement (auch solitär) Eingesetzte Mittel dazu sind: Wirkungsforschung / Analyse, Nachbesserungsforschung, Publikumsforschung, Markt / Marketing (Außenbeziehung), Methodisches Management, Medienwirkungs- und Mediennutzungsforschung SNT Media Concept GmbH · Manfred Hendricks · Sellen 2 · 48565 Steinfurt · Tel. 0251 703 872 0 · www.snt-media.com


Magazin Museum.de Nr. 22