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Ausgabe 20

03 | 2015

http://www.museum.de

MAGAZIN M USEUM.DE

Technisches Museum Wien


2014 AI T von der net h ic ausgeze

Mila-wall Acoustic. Bessere Akustik. Bessere Optik.

Gerade, wenn mehrere Besuchergruppen durch eine Ausstellung geführt werden, kommt es oft zu störenden Nebengeräuschen, die die Gruppen gegenseitig beeinträchtigen. Gut, dass es jetzt die neue Mila-wall Acoustic gibt. Die Stellwand wurde in Zusammenarbeit mit dem renommierten Fraunhofer-Institut IBP entwickelt, sieht so ansprechend aus wie eine Mila-wall, dämpft aber den Nachhall im Raum spürbar – und das wissenschaftlich belegbar.

acoustic.mila-wall.de


In diesem Heft

Seite

Kunsthalle Emden

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Burg Hohenzollern: Lebendige Geschichte mit majestätischer Aussicht

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Ei, Vaduz Liechtensteinisches Landesmuseum

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Liebesbriefe an die Welt Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen ehrt Günther Uecker

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Museum für Naturkunde Berlin

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Eau de Cologne Duftmuseum im Farina-Haus

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Technisches Museum Wien

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Das Sankt-Pauli-Museum – einzigartig, bunt und kreativ

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Augenschmaus und Ohrensaus

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Nationales Militärmuseum der Niederlande 92 Endlich: Gütesiegel für kleinere Museen

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infach schön.

Wien-Reisende haben ganz sicher den Wunsch, die Kultur am Ort zu genießen. Das bringt die dort ansässigen Museen in eine komfortable Situation, denn sie müssen nicht mit den Showacts konkurrieren, von denen man in der Museumswelt so oft spricht. In direkter Nachbarschaft zum Technikmuseum Wien befindet sich das Schloss Schönbrunn. Für jede dieser Perlen Wiens sollte man einen Besuchstag einplanen. Bei meiner Ankunft am Technikmuseum gab es für mich einen beeindruckenden Blick auf das Jugendstilgebäude. Ein vieldiskutiertes Thema unter Fachleuten ist, welchen Stellenwert die Architektur im Vergleich zur Ausstellung haben darf. Oft schon hat ein aufwendiger Neubau dazu geführt, dass finanzielle Mittel für

die Ausstellungen eingeschränkt wurden. Im Technikmuseum Wien werden seit über 100 Jahren Sammlungsobjekte aus der Vergangenheit und Gegenwart gezeigt. Im lichtdurchfluteten Kuppelbau mit seinen verzierten Stahlträgern hat man fast überall einen etagenübergreifenden Blick durch das Museum. Ein angenehmes Grundgeräusch, ausgehend von interessierten Kindern, ist wahrnehmbar – und ich behaupte, es ist das beste Mittel gegen Staub. Nahe der Glaskuppel stehe ich vor einer großen klimatisierten Glasvitrine mit einem original erhaltenen Gleitflieger Otto Lilienthals. Fast könnte man meinen, der Erfinder habe seine Konstruktion dort zwischen zwei Testflügen nur abgestellt. Tief beeindruckt und eher aus dem Reflex frage ich die gastfreundliche Museumsdirektorin Frau Dr. Zuna-Kratky, ob der ausgestellte Gleiter wirklich echt ist. Sie lacht. Das war wohl ein Kompliment! Herzlichst Ihr Uwe Strauch

Dr. Gabriele Zuna-Kratky, Direktorin des Technischen Museums Wien, und Uwe Strauch (Gründer museum.de) vor dem Jagd-Flugzeug Aviatik-Berg D I. Das Flugzeug aus dem 1. Weltkrieg wurde Ende 1916 bei der Wiener Firma Aviatik entwickelt. Titelseite: Eingangshalle des Museums mit Lichtbäumen. Fotos: © Technisches Museum Wien MAGAZIN MUSEUM.DE

Ausgabe Nr. 20

Herausgeber

Kurfürstenstr. 9

Telefon 02801-9882072

museum@mailmuseum.de

Druck: Strube Druck & Medien

März 2015

Uwe Strauch, Dipl.-Inf. TU

46509 Xanten

Telefax 02801-9882073

www.museum.de

Vers.: Dialogzentrum Rhein-Ruhr

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Kunsthalle Emden Stiftung Henri und Eske Nannen und Schenkung Otto van de Loo. Autor: Dr. Wolfgang Roddewig

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Die Stiftung Die Kunsthalle Emden wurde 1986 von STERN-Gründer Henri Nannen und seiner späteren Ehefrau Eske in ihrer Heimatstadt Emden erbaut. Der passionierte Sammler

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Nannen gab nicht nur seine Kunstsammlung mit dem Schwerpunkt Klassische Moderne in seine Stiftung, sondern wendete auch nahezu sein gesamtes persönliches Vermögen für den Bau des Museums auf. Der Publikumsmagnet hat sich seither

zu einem Museum von internationaler Beachtung entwickelt und ist vielfach ausgezeichnet worden. Gut zehn Jahre später gab die hochkarätige Kunst-Schenkung des Münchner


ca. 1500 Kunstwerke und hat sich seit Henri Nannens Tod im Jahre 1997 mehr als verdreifacht.   Architektur Die Kunsthalle entwickelte sich seit 1986 in vier Bauabschnitten zu einem auch international erfolgreichen Ausstellungshaus, das alle modernen museologischen Standards erfüllt. Mitten im grünen Herzen der Stadt am Emder Stadtgraben gelegen, fügt sich die Kunsthalle repräsentativ in ihre Umgebung ein. Die Kunsthalle Emden wird über die als Skulpturenpark angelegte Grünfläche „Hahnsche Insel“ direkt an die Innenstadt angebunden. Das gläserne Foyer mit seiner transparenten hohen Halle wird zum „Schaufenster“ für die Stadt. Und welches Museum hat schon einen eigenen Bootsanleger? Das Architektenpaar Friedrich und Ingeborg Spengelin aus Hannover, das bereits für den Entwurf der 1986 eröffneten Kunsthalle in Emden verantwortlich zeichnete, konzipierte auch die stimmige Erweiterung des architektonischen Ensembles für die Schenkung von Otto van de Loo, die im Jahr 2000 fertig gestellt wurde. Mit der im April 2006 begonnenen Modernisierung des älteren Gebäudes wurde diese Erweiterung Ende 2007 vervollständigt, so daß nun eine Ausstellungsfläche von 1600 m² zur Verfügung steht. Das Foyer, das Atrium, die Leselounge und die erneuerten Räume des Erstbaus von 1986 bieten den idealen Rahmen für das individuelle Kunsterlebnis. Die Treppenanlage am Bootsanleger, die Veranda des Café-Bistro Henri´s sowie die auch mit Licht gestalteten Aussenanlagen bieten sich an zum Entspannen und Reflektieren über die Kunst.   Technik

Galeristen Otto van den Loo den Anstoß zum Ausbau der Kunsthalle. Sie erweiterte kongenial die Sammlung des Hauses in die Zeit nach 1945. Schenkungen und Dauerleihgaben aus Privatbesitz tragen kontinuierlich dazu bei, die Samm-

lung des Museums zu vergrößern. So bietet sie heute einen hervorragenden Überblick über die expressiv-gestische Malerei in Europa vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis in die unmittelbare Gegenwart. Heute umfasst die Sammlung

Die Kunsthalle Emden erfüllt die hohen technischen Anforderungen für Museen nach internationalem Maßstab. Dies wird dadurch erreicht, daß die Klima- und Haustechnik sich immer auf dem neuesten Stand befindet. Das innovative Energiekonzept beinhaltet unter anderem ein Wandtemperierungs-System, die Nutzung von Geothermie mittels Erdwärmesonden zum Heizen und Kühlen sowie eine energiesparende Innenraumgestaltung. Licht wurde dabei immer als Teil des Ganzen gesehen. Dazu gehört auch die Konver-

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sion des alten Beleuchtungssystems mit Halogen-Glühlampen auf ein wirtschaftliches LED-Licht, das auch allen konservatorischen Bedingungen gerecht wird. ERCO Leuchten setzen zum einen im Innenraum die Kunst optimal ins Licht, zum anderen prägt die Beleuchtung auch das gesamte Gebäudeensemble in der Nachtanmutung. Der Einsatz eines DALI-Lichtsteuersystems ermöglicht unterschiedliche Lichtszenarien, die auf Wunsch auch farbiges Licht auf die weißen Putzflächen von Windfang und Foyerwänden spielen: So arbeiten sie effektvoll den Kontrast von traditioneller Backsteinarchitektur und einladender Transparenz des verglasten Eingangsbaukörpers heraus. Beleuchtung mit LED Schon von Beginn an war die Kunsthalle Emden mit ERCO-Leuchten ausgerüstet. Eine umfangreiche Ergänzung der Beleuchtung war dann anläßlich des Umbaus 2007 notwendig. Da die Ausstellungsräume sich in Größe und Proportionen unterscheiden und die Beleuchtung auch sowohl den unterschiedlichen Exponaten der ständigen Sammlung als auch wechselnden Ausstellungen gerecht werden musste, wurden unterschiedliche Lichtwerkzeuge ausgewählt. Da außerdem in Teilbereichen Tageslicht aus den Ober-und Seitenfenstern einfällt, musste auf eine ausgewogene Verteilung des Tages- und Kunstlichts geachtet werden. Für die Akzentbeleuchtung wurden seinerzeit Optec- und Jilly-Strahler unterschiedlicher Wattagen eingesetzt, bestückt mit Halogen-Niedervoltlampen. Für die Wandbeleuchtung wurden Optec-Wandfluter mit QT32 150W-Lampen verwendet, die alle mit einem dichroitischen UV-Filter versehen waren.

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Aufgrund einer EU-Richtlinie („Glühlampenverbot“) dürfen diese Lampen nicht mehr in den Handel gebracht werden, sind somit also nicht mehr verfügbar, so daß hier Handlungsbedarf bestand, eine energetische Sanierung durchzuführen. Nach umfangreichen Bemusterungen und wirtschaftlichen Analysen ist die Entscheidung für ERCO Light Board Strahler gefallen. Für die Räume mit Raumhöhen bis 3m wurden LED 12W-Strahler in der Lichtfarbe warmweiss verwendet, für die höheren Räume die 24W-Version. Eine Entscheidung für die Ausstrahlungswinkel musste im Gegensatz zu Halogen-Strahlern nicht im Vorfeld getroffen werden, da alle LED-Leuchten wahlweise mit unterschiedlichen Spherolitlinsen ausgerüstet werden können. Die LED-Leuchten funktionieren nach dem Prinzip des „projizierten Lichts“, d.h. mit Hilfe der werkzeuglos zu wechselnden Linse kann vor Ort auf die unterschiedlichen Aus-

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fand Henri Nannen eine Gleichgesinnte, die seine Kunstbegeisterung teilte und das Organisationstalent mitbrachte, um die gemeinsame Heimatstadt Emden für die Kunst zu gewinnen.. So ist die Kunsthalle Emden nicht nur ein Leuchtturmprojekt in Ostfriesland, sondern auch im internationalen Kunstbetrieb.

Weitere Informationen zum Projekt und zu den eingesetzten Produkten sind unter www.erco.com oder unter der nachfolgenden Adresse erhältlich: Dr.-Ing. Wolfgang Roddewig Leiter Segment Museum Reichenberger Str. 113a, 10999 Berlin Tel. 030-769 967 14 email w.roddewig@erco.com Projektfotos: Rudi Meisel (S.4) und Dirk Vogel für ERCO GmbH

stellungsanforderungen reagiert werden. Überwiegend wurden Wallwash-Linsen eingesetzt für eine homogene Wandflutung. Da LED-Strahler auch keine für die Kunstwerke schädliche UV-Strahlung erzeugen, konnten auch die Kosten für zusätzliche dichroitische UV-Filter gespart werden. Fazit Die Kunsthalle Emden hat sich für die Zukunft gerüstet: die Aussenraumbeleuchtung erklärt die verschiedenen Funktionen des Gebäudeemsembles, die Innenbeleuchtung erfüllt alle Anforderungen an internationale museale Erfordernisse. Eine wirtschaftliche LED-Beleuchtung trägt zur Reduzierung der Betriebskosten bei. Dr.-Ing. Wolfgang Roddewig, Leiter Segment Museum, ERCO Leuchten GmbH

Das Ergebnis ist das Werk aller engagierter Mitarbeiter des Kunstmuseums. Treibende Kraft des Museums ist jedoch die gebürtige Emderin Eske Nannen. Mit ihr

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Burg Hohenzollern: Lebendige Geschichte mit majestätischer Aussicht Autor: Roland Beck

Schwäbische Grafen und Fürsten sowie die preußischen Könige und auch die deutschen Kaiser haben hier ihre Wurzeln: auf der Burg Hohenzollern – gelegen im Herzen Baden-Württembergs genau zwischen Bodensee und Stuttgart.

Die Legende der Weißen Frau

In diese Zeit fällt auch die Legende der „Weißen Frau“. Friedrich XII. hatte unterhalb seiner Burg eine Geliebte, 1889 im Auftrag von Kaiser Wilhelm II. angefertigt und heute in der Schatzdie „treue Maid aus dem kammer der Burg Hohenzollern ausgestellt: die preußische Königskrone. Steinlachtal“. Während der Belagerung wollte sie ihm helfen und mit LebensmitAuf 855 Metern Höhe thront die stolze aufgrund von diversen Fundamentresten teln versorgen. Um die Belagerer unbeFestung auf dem Zollerberg und bietet und romanischen Bildwerken auf das 11. helligt passieren zu können, zog sie sich einen majestätischen Rundblick mit bis Jahrhundert festlegen. Außerdem datiert ein weißes Gewand über und wandelte zu 100 Kilometern Fernsicht. Bei klarem die erste namentliche Erwähnung des bei Nacht gespensterhaft an den Feinden Wetter ist von den Bastionen aus im Süd- Zollerngeschlechts („Wezil et Burchar- vorbei. Diese hielten sie tatsächlich für westen deutlich der Feldberg im Schwarz- dus de Zolorin“) aus dem Jahre 1061. eine Geistergestalt, nämlich für die der wald zu erkennen. Der Name Zoller lei- Lange Zeit leistete die Festung bei krie- Gräfin Kunigunde zu Orlamünde, welche tet sich vermutlich ab vom lateinischen gerischen Auseinandersetzungen gute nachweislich im 14. Jahrhundert gelebt „mons solarius“ (= Sonnenberg), wie Dienste. War der damals kahle Zollerberg hatte. Nach dem frühen Tod ihres Mandie Römer den schwäbischen Kegelberg doch auch ein idealer Standort für eine nes beschloss die zweifache Mutter, Graf nannten. Offenbar hatten sie ihn zu ihrer militärische Anlage. Kein Feind konnte Albrecht den Schönen aus dem Hause Zeit noch als Kultstätte, als Sonnenanbe- sich ungesehen nähern. Im 15. Jahrhun- Hohenzollern zu heiraten. Dieser enttungsstätte genutzt. Mit einem Vulkan dert allerdings fiel Graf Friedrich XII. von gegnete ihr jedoch, dass diesem Vorhahat der Zollerberg entgegen heute noch Zollern durch sein „unruebiges“ Verhal- ben zwei Augenpaare im Wege stünden. kursierenden Gerüchten gar nichts zu ten bei den umliegenden schwäbischen Kunigunde bezog diese Äußerung auf tun. Als Zeugenberg, der sich durch Erd- Reichsstädten arg in Missgunst. Unter ihre beiden Kinder aus erster Ehe und bewegungen und geologische Reliefum- der Führung von Gräfin Henriette von brachte diese eigenhändig um. Entsetzt kehr kegelförmig ausgebildet hat, ist er Württemberg belagerte das schwäbische wandte sich daraufhin Graf Albrecht von dem Trauf der Schwäbischen Alb vorge- Bündnis die Zollernburg zehn Monate ihr ab. Hatte er mit den zwei Augenpaalang. Ausgehungert gab die Burgbesat- ren doch seine Eltern gemeint. Aus ihrem lagert und besteht ebenso aus Jurakalk. zung 1423 auf und fiel in württembergi- Liebeswahn erwacht, erkannte Kunigunde, welch grausame Tat sie begangen sche Gefangenschaft. Die erste Burg Hohenzollern Die Burg selbst wurde niedergebrannt hatte. Um Buße zu tun, gründete sie ein Glanzvolle und dunkle Zeiten zeichnen und niedergerissen. Der Legende nach Kloster und trug fortan die weiße Orden Lebenslauf des imposanten Bauwer- habe Gräfin Henriette ihrem Widersa- denstracht der Zisterzienserinnen. Aber kes. Vor rund 1000 Jahren wurde die erste cher noch angeboten, sie entweder zu selbst nach ihrem Ableben fand sie keine Burg auf dem Zollerberg errichtet. Auch ehelichen oder den Rest seines Lebens Ruhe und wandelt seither als die Weiße wenn das Gebäude erst 1267 erstmalig im Kerker zu fristen. Graf Friedrich XII. Frau durch die Gemäuer der Hohenzolerwähnt wird, lässt sich die Entstehung soll sich für Letzteres entschieden haben. lern – so sagt es die Legende.

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Für Besucher aus aller Welt ein touristischer Anziehungspunkt, für die Einheimischen das Heimatsymbol schlechthin: die Burg Hohenzollern. Majestätisch thront sie über der nach ihr benannten Region Zollernalb.

Zum Thema Sagen und Legenden ziert ein Gedicht als Wandgemälde die Bibliothek der Burg Hohenzollern: „Wo die Muße sinnend Stille steht, wo die Forschung zögernd weiter geht, da hebt das Reich der Sage an, hat ihre Pforten aufgetan. Blendend fällt ihr buntes Zauberlicht, auf des Zweiflers blasses Angesicht. Sie lebt auch ohne Zeugenschaft in Volkesmund mit Glaubenskraft.“ Dass eine Legende meist einen wahren Kern beinhaltet, zeigt auch die Tatsache, dass im Jahr 2002 bislang unbekannte Räume in den Kellergewölben der Burg Hohenzollern entdeckt wurden, die mit einem geheimen Gang verbunden sind, der bis zu einer versteckten Ausfallpforte in der Außenmauer führt. Diesen Geheimgang nutzte offenbar die „treue Maid aus dem Steinlachtal“, um Einlass in die Burg zu finden. Denn Überlieferungen zufolge konnten die damaligen Belagerer

nicht erkennen, wo und wie die weiße Gestalt in die Festung gelangte. Sie sei immer unterhalb der Burgmauer plötzlich verschwunden.

Tribut. Letztendlich bot die Burg Anfang des 19. Jahrhunderts nur den Anblick einer Ruine. Die dritte Burg Hohenzollern

Die zweite Burg Hohenzollern Im Jahr 1454 legte Graf Jost Niklas, der Neffe Friedrichs XII., auf den Fundamenten der zerstörten Anlage den Grundstein für die zweite Burg Hohenzollern. Im Hinblick auf den 30-jährigen Krieg ließ Graf Johann Georg von Hohenzollern Anfang des 17. Jahrhunderts die Burg durch einen Kranz von Basteien zusätzlich befestigen. Die Festung galt nun als uneinnehmbar. Tatsächlich versuchten auch die schwedischen Truppen vergeblich, sie einzunehmen. Im 18. Jahrhundert schien das Interesse an dem mächtigen Bollwerk jedoch deutlich nachgelassen zu haben. Die Burg stand lange Zeit leer. Witterungseinflüsse, Blitzschlag und Erdbeben forderten ihren

Das traurige Schicksal des altehrwürdigen Gemäuers wendete sich am 16. Juli 1819. Kronprinz Friedrich Wilhelm, der spätere König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen, besuchte auf einer Reise das ruinöse Felsenschloss. Begeistert von der Lage und der Aussicht beschloss der junge Thronfolger, den Stammsitz seiner Familie wieder aufbauen zu lassen. Es sollten noch einige Jahre ins Land ziehen, aber schließlich ging sein Traum in Erfüllung. Friedrich August Stüler, ein Schüler des berühmten Karl Friedrich Schinkel, wurde als Architekt beauftragt. Die revolutionären Ereignisse 1848/49 brachten den Wiederaufbau kurzfristig ins Stocken, doch am 3. Oktober 1867 wurde die dritte Burg

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Der Blaue Salon zählt zu den schönsten Räumen der Burg. Seine Wände sind mit Blattgold verziert, die Sitzmöbel mit königsblauem Samt bezogen.

Hohenzollern letztendlich offiziell eingeweiht. Allerdings erlebte Friedrich Wilhelm IV. diesen Freudentag nicht mehr. Er starb sechs Jahre zuvor. Seinem Bruder und Thronfolger Wilhelm I., dem späteren deutschen Kaiser, oblag zusammen mit seiner Gemahlin Augusta die feierliche Zeremonie. An die Monarchin erinnert heute noch die in Blattgold aufgebrachte Initiale „A“ an den Wänden des Blauen Salons, eines der schönsten Burgräume. Auch wenn sich die dritte Burg im neugotischen Stil schöner und größer als die beiden Vorgängerbauten präsentierte und mit einer Aufgangsanlage ausgestattet wurde, die als Meisterleistung der Festungsbaukunst galt, war ein militärischer Nutzen kaum noch gegeben. Zu schnell war zeitgleich die Waffentechnik fortgeschritten. Ebenso wenig wurde die Burg als Wohnsitz konzipiert. Hatten doch die preußischen Könige ihre Residenz in Berlin und die schwäbischen Hohenzollern mittlerweile im nahe gelegenen Schloss Sigmaringen. Dennoch kam der dritten Zollernburg eine wichtige Bedeutung zu: ein epochales Denkmal, das weithin sichtbar die Geschichte und Bedeutung der Hohenzollern-Dynastie repräsentiert,

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nach der noch heute die gesamte Region, der Landkreis und zahlreiche Institutionen benannt sind. Bereits schon während der Bauzeit betätigten sich die auf der Burg stationierten preußischen Soldaten als Fremdenführer für neugierige Zaungäste. Kurz vor 1900 wurden die ersten offiziellen Eintrittskarten und Postkarten verkauft und eine kleine Burgschenke in den Kellerräumen eingerichtet. 1952 ließ dann der damalige Chef des Hauses, Prinz Louis Ferdinand von Preußen, die Burg zum Museum ausbauen, indem er sie mit künstlerisch wertvollen und historisch bedeutsamen Gegenständen zur Geschichte Preußens ausstattete. Neben Gemälden namhafter Maler (Anton von Werner, Franz von Lenbach, Philipp Alexius Laszlo) gehören dazu insbesondere Gold- und Silberschmiedearbeiten des 17. bis 19. Jahrhunderts. Die Burg heute Nach wie vor befindet sich die Burg Hohenzollern in Privatbesitz der preußischen Linie und des schwäbischen Fürstenhauses der Hohenzollern. Der heutige Chef des Hauses ist Georg Friedrich Prinz von

Preußen, der Ur-ur-Enkel des letzten deutschen Kaisers. Und der Tradition folgend wird immer noch hoch oben auf dem Fahnenturm die Burgherrenstandarte gehisst, wenn der Hausherr auf der Burg weilt.


Der Grafensaal beeindruckt vor allem durch seine Größe und die sechs Kronleuchter. Noch heute dient er ab und an als Festsaal. Unter anderem finden hier die jährlichen Wohltätigkeitskonzerte zugunsten der Prinzessin Kira-Stiftung statt.

Prinz Georg Friedrich reist meist in Begleitung seiner Frau Prinzessin Sophie und den Zwillingssöhnen Carl Friedrich und Louis Ferdinand an. Mit großem Engagement kümmern sich Prinz Georg Friedrich

und Prinzesin Sophie auch um die nach seiner Großmutter und Gründerin benannte Prinzessin Kira von Preußen-Stiftung. Die Einrichtung ist auf der Burg Hohenzollern beheimatet und ermöglicht seit 1952 sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen kostenlose Ferienaufenthalte auf der Burg. Seit einigen Jahren findet im Rahmen der Kira-Stiftung auch ein Friedensprojekt zwischen palästinensischen und israelischen Jugendlichen statt.

aus aller Welt. Dementsprechend bietet die Burg auch Führungen in eben diesen Sprachen an.

Als private Einrichtung finanziert sich die Burg Hohenzollern selbst, ohne staatliche Hilfe. Die dazu nötigen Mittel bestreitet die Burgverwaltung aus den Einnahmen des Museumsbetriebes, den Veranstaltungen und der burgeigenen Gastronomie. Rund 300.000 Besucher zieht es jährlich hinauf auf den Hohenzollern. Im Burghof sind alle möglichen Sprachen zu hören. Deutsch und Schwäbisch mischen sich unter anderem mit Englisch, Japanisch, Spanisch, Italienisch, Chinesisch, Französisch und Russisch – die Gäste kommen

Während der Führung durch die Schauräume erfährt der Besucher Wissenswertes und Unterhaltsames aus dem Leben der Hoheiten und Majestäten. Vor allem zu Friedrich dem Großen, auch bekannt als der Alte Fritz. Selbst wenn der bekannteste aller Preußenkönige zu Lebzeiten nie auf der Burg Hohenzollern weilte, ist er dort heute allerorts anzutreffen und bietet mit seinen Anekdoten reichlich kurzweiligen Erzählstoff. Etwa die Geschichte, wie er mit einer List seine Untertanen dazu brachte, die Kartoffel als Grundnahrungsmittel zu akzeptieren, welches wiederum der Komiker Heinz Erhardt in einem Gedicht thematisierte: „Vom Alten Fritz, dem Preußenkönig, weiß man zwar viel, doch viel zu wenig. So ist’s zum Beispiel kaum bekannt, dass er die Bratkartoffel erfand. Drum nennt man sie, das ist kein Witz: Pommes Fritz.“

Der Goldene Hirsch aus dem Jahre 1696 diente einst als Trinkgefäß und ist heute eines der kuriosen Schmuckstücke in Schatzkammer der Burg Hohenzollern.

Neben dem prachtvollen Grafensaal und dem Blauen Salon beeindruckt vor allem die Schatzkammer mit glänzenden Ritter-

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rüstungen, der preußischen Königskrone, dem silberbestickten Kleid von Königin Luise oder der berühmten Schnupftabaksdose, die Friedrich dem Großen einst das Leben rettete. Neuerdings gibt es auch über 40 Tage im Jahr, an denen die Schauräume durchgängig geöffnet sind und nach Belieben erkundet werden können. Das Burgführer-Personal steht hierbei in den Räumen natürlich auch Rede und Antwort. Die Termine des „Königlichen Flanierens“ sind auf der Burg-Homepage abrufbar. Damit auch den kleinen Prinzessinnen und Ritter der Burgbesuch so richtig Spaß macht, bekommen sie für die Dauer der Führung neben den obligatorischen Filzpantoffeln auch einen roten Königsmantel. Außerdem bietet die Burg spezielle Kinderführungen und Ferienprogramme an. Dabei geht es dann mit der „Gräfin zu Kronenglanz und Purzelbaum“, mit „Ritter Ingbert von Gutburg“ oder dem lustigen Weltenbummler „Caspar Wieselflink“ auf spannende Entdeckungsreisen durch das alte Gemäuer. Veranstaltungen Zahlreiche Veranstaltungen sind fester Bestandteil im Burgkalender. Das Frühlingserwachen zu Ostern ist vor allem etwas fürs Auge. Denn da werden die Innenräume – und so es die Witterung zulässt, auch die Außenanlage – mit farbenprächtigen mit Blumen dekoriert sein. Am Muttertag im Mai haben die Mamis freien Eintritt und die Burg kümmert sich mit Spiel und Spaß um die Kleinen. Ebenso gibt es beim Schlosserlebnistag im Juni ein buntes Familienprogramm. Zum Open Air-Theater wird traditionell immer ein Klassiker von Shakespeare geboten, und zwar in der englischen Originalsprache. Seit vielen Jahren hat sich im Juli auch das zweitägige Open-Air-Kino im Burghof etabliert. Die Sternschnuppen-Nächte im August sind eine Veranstaltung, die es nirgendwo sonst gibt. Dabei werden der Burghof und der Burggarten extravagant illuminiert und bei sphärischer Musik ziehen ausgefallene Straßenkünstler die Gäste in ihren Bann. Und wer Sternschnuppen zählen will, der kann es sich auf der dunklen Burgbastei mit einem

Dreh- und Angelpunkt, der Burghof. Hier öffnen sich Tür und Tor zu den Besichtigungsräumen, zu den beiden Kapellen, den Kasematten und zum Burg-Restaurant. Und hier steht auch die wohl am meisten fotografierte Kanone Deutschlands.

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Cocktail bequem machen. Beim Falkner-Wochenende im September erobern pfeilschnelle Falken, imposante Uhus und majestätische Adler die Burg. Zum Goldenen Herbst im Oktober serviert die Burg „alles Gute aus dem Ländle“ – sowohl musikalisch, theatralisch und vor allem auch kulinarisch. Die letzte Veranstaltung im Jahreszyklus ist der Königliche Weihnachtsmarkt, der immer am ersten und zweiten Adventswochenende jeweils freitags bis sonntags stattfindet. Durch das romantische Ambiente, das stilvolle Rahmenprogramm und das entsprechenden Angebot der Aussteller gilt der Burg-Weihnachtsmarkt als einer der schönsten im Land. Café-Restaurant Der König der Lüfte residiert einmal im Jahr auf der Burg – zum Falkner-Wochenende im September.

Oben: Ein Leckerbissen für Cineasten: Spannende Filmnächte bietet die Burg beim Open-Air-Kino im Juli. Schwäbische Klänge, Volkstanz und kulinarischen Genüsse beim Goldenen Herbst im Oktober. Fotos: © Roland Beck

Regionale Spezialitäten sind die Leidenschaft des Chefkochs des burgeigenen Café-Restaurants. Deshalb verarbeitet er hauptsächlich Zutaten, die aus der unmittelbaren Umgebung stammen. Zu empfehlen sind vor allem die in Rotwein und Wurzelsud geschmorten Rinderbäckle sowie der hausgemachte Kartoffelsalat. Die Kuchen und Torten stammen übrigens aus der Backstube der örtlichen Hofkonditorei und auf der Getränkekarte stehen Säfte, die aus den Früchten der Streuobstwiesen unterhalb der Burg gemostet werden. Im gemütlichen Ambiente der Zollernstube werden zu den Burg-Öffnungszeiten die Tagesgäste bewirtet. Für Gruppen, Feste und Gesellschaften öffnet das Restaurant auch gerne außerhalb der Öffnungszeit das große Berliner Zimmer. Zudem bewirtschaftet das Restaurant in den warmen Monaten im Burggarten einen der schönsten und höchstgelegenen Biergärten der Region mit einer kleinen Speisekarte. Gerne darf hier aber auch selbst mitgebrachtes Vesper verzehrt werden. Höhepunkte 2015: 4.-12. April: Frühlingserwachen 10. Mai: Muttertag 21. Juni: Schlosserlebnistag 30. Juni: Open-Air-Theater in Englisch 3.+4. Juli: Open-Air-Kino 7.+8. August: Sternschnuppen-Nächte 19.+20. Sept.: Falkner-Wochenende 10.+11. Oktober: Goldener Herbst 1.+2. Adv.-Wochenende: Weihnachtsmarkt Burg Hohenzollern D-72379 Burg Hohenzollern Tel.: +49 (0) 7471 2428 info@burg-hohenzollern.com www.burg-hohenzollern.com

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Museumsp채dagogik Vermitteln & Kuratieren

Berufsbegleitender Lehrgang: Museum in der Vermittlungs- und kuratorischen Praxis Vier Module im Zeitraum von Oktober 2015 bis Herbst 2016 In Kooperation mit den Staatlichen Museen zu Berlin | Bildung und Vermittlung

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Magazin Museum I 2015 .indd 1

05.02.2015 15:02:51

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Ei, Vaduz Autorin: Annette Stassen

Dass das Liechtensteinische Landesmuseum eine der facettenreichsten Ostereiersammlungen der Welt beherbergt, hat es einem leidenschaftlichen Sammler zu verdanken. Inspiriert von Kindheits- und Jugenderinnerungen, fasziniert von heimatlichem Brauchtum und russischer Kunst, hat Adulf Peter Goop 端ber Jahrzehnte einen einzigartigen Schatz zusammengetragen.

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Hunderte russische Soldaten in Schellenberg! Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Sollte der nun schon über fünf Jahre wütende Weltkrieg Liechtenstein in der Nacht vom 2. Mai 1945 doch noch einholen? Beinahe so rasch, wie sie entstanden war, legte sich die Aufregung um die Fremden. Friedfertig waren ihre Absichten: Sie baten um Asyl. Ehemalige Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter, weißrussische Emigranten und Überläufer aus der Roten Armee hatten in der 1. Russischen Nationalarmee mit der deutschen Wehrmacht kollaboriert im Glauben, diese werde sie im Kampf gegen den Diktator Stalin in der eigenen Heimat unterstützen. Nun war der Krieg für Nazideutschland verloren; einer Gefangennahme durch alliierte Truppen würden die Auslieferung, Hinrichtung oder der fast sichere Tod im Gulag folgen. Nach dem ersten Schrecken reagierte man in Liechtenstein pragmatisch: Die Soldaten wurden entwaffnet und interniert; mit der Organisation der Verpflegung wurde ein junger Pfadfinderführer betraut. Ihr Schicksal berührte den gerade 24-jährigen Adulf Peter Goop. Nachdem ein Offizier ihm von Ritus, Bräuchen und Bedeutung des bevorstehenden orthodoxen Osterfestes erzählt hatte, regte er an, den Soldaten solle mit einem kleinen Fest und einem gefärbten Ei als Ostergabe und Erinnerung an die Heimat ein wenig Trost gespendet werden.

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In einer kleinen bäuerlichen Gemeinde aufgewachsen, war ihm die identitätsstiftende und gemeinschaftsbildende Kraft heimatlichen Brauchtums wohlvertraut; „arm, aber warm“ sei seine Kindheit in Schellenberg gewesen. Der Austausch mit den Offizieren, nicht zuletzt wohl auch die Erinnerung an ihre Rührung über die Ostergabe der Liechtensteiner Bevölkerung weckten in Goop das Bewusstsein eigener Wurzeln wie auch das Interesse an russischer Kultur. Als er in späteren Jahren zu Wohlstand kam, hatte er bereits begonnen, die liechtensteinische Kulturgeschichte zu erforschen, darüber zu publizieren, das heimatliche Brauchtum zu fördern – und Kunst zu sammeln. Erwerb und Studium einer Büchersammlung von Werken der


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großen russischen Romanciers, Reisen nach Russland, aber auch die persönliche Freundschaft mit dem ukrainischen Maler Ivan Miassojedoff, der als Eugen Zotow im liechtensteinischen Exil lebte, hatten Goops Sammelleidenschaft auch auf Russland gelenkt. Als der 89-Jährige im Juni 2010 den Schenkungsvertrag unterzeichnete, mit dem er nahezu 4.000 Kunstwerke dem Land Liechtenstein übereignete, umfasste seine sorgfältig archivierte Sammlung Veduten und Landschaftsgrafiken, Zeichnungen und Gemälde Zotows und Ostereier aus über 30 Ländern – eine volkskundliche wie kulturgeschichtliche Fundgrube. Freundschaftsgabe, Luxusgut Zum höchsten Fest im christlichen Kirchenjahr werden in Europa nachweisbar mindestens seit dem frühen 13. Jahrhundert natürliche und handwerklich hergestellte Eier verschenkt: tönern glasiert, gefärbt, bemalt und beschriftet, geätzt und gebatikt, aus Holz geschnitzt, aus Metall, Pappe oder Stein gefertigt – Material und Techniken variieren wie die Bedeutung verwendeter Farben und Symbole. Im Liechtensteiner Brauchtum war das österliche Eiergeschenk als Freundschaftsoder Liebesgabe spätestens seit dem 19. Jahrhundert verankert. Goop selbst sei, so erzählte er einmal, als junger Mann gera-

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dezu selig gewesen, als ihm ein Mädchen beim österlichen Kirchgang ein rot bemaltes Ei zugesteckt habe. Auch in Russland schenkt man sich seit alters her Eier zum Auferstehungsfest. Wenn im 17. Jahrhundert nach dem Gottesdienst Zar und höchster Geistlicher den Osterkuss getauscht hatten, verschenkte der Kaiser allein bis zu 37.000 Ostereier an geladene Bojaren: Hühner-, Gänse- oder gedrechselte Holzeier, von Ikonenmalern und Graveuren der Rüstkammer im Kreml und Mönchen aus dem Dreifaltigkeitskloster von Sergijew Possad kunstvoll verziert. In den Kunsthandwerkstätten wurden Motive und Ornamente immer vielfältiger, die Materialien immer kostbarer. So wurden seit dem 18. Jahrhundert in den staatlichen und privaten Manufakturen Kristallglas-, Emaille-, Silber- und goldene Eier angefertigt, und um die Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden in der neu gegründeten Kaiserlichen Porzellanmanufaktur in St. Petersburg erstmals Eier aus Porzellan. Die Welt im Kästchen In der russischen Herrscherfamilie und dem ihr nacheifernden Industriebürgertum im 19. Jahrhundert wurde die Ostergabe zum Luxusgut; man schenkte einander Gold-, Silber- oder Porzellaneier, aufwendig mit Edelsteinen dekoriert. Als Alexander III auf der Allrussischen Ausstellung 1882 auf den bereits aufstrebenden Juwelier Peter Carl Fabergé aufmerksam wurde, gab er ein Schmuckei für seine Gattin in Auftrag. Vom Ergebnis, dem Hennen-Ei – die weiß emaillierte Schale barg ein Dotter aus Gold, dieses wiederum ein Kästchen in Gestalt einer goldenen Henne mit Rubin-Augen, darin eine kleine Zarenkrone mit Rubineiern – war man derart begeistert, dass bis 1894 jährlich ein neues Ei bei Fabergé bestellt wurde, von Nikolaus II ab 1895 bis 1917 jeweils zwei. Die „imperialen Überraschungseier“, vom Hofjuwelier Fabergé aus edelsten Materialien phantasievoll und ideenreich in höchster Juwelierskunst gefertigt, wurden zum Prestigeobjekt; so entstanden neben den kaiserlichen auch Auftragsarbeiten für vermögende Aristokraten und Industrielle. Scheinbar unbeeindruckt von einer sich in West- und Mitteleuropa entwickelnden, schon auf den Jugendstil deutenden reduzierteren Formensprache, war man in Russland hingerissen von der historisierenden Opulenz der detailreichen

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Prunkstücke. „Un genie incomparable“ nennt die Kaiserinmutter Fabergé, der in, um, unter und auf den Behältnissen ganze Miniaturwelten erschafft: Portraits der Zarenkinder, die Szene der Thronbesteigung, eine Palastreplik mit Gartenanlagen, die transsibirische Eisenbahn samt Streckenkarte und Modell, Tiere, Schiffe, Statuen und Tempel … Mit der Februarrevolution 1917 endet das Zarenreich und mit ihm die Glanzzeit des Hauses Fabergé. Fabergé verkauft sein Unternehmen und flieht bis nach Lausanne. Ein einziges der prachtvollen Schmuckeier nimmt die Zarenmutter mit auf ihre Flucht nach Dänemark; alle anderen werden beschlagnahmt und schließlich an westliche Kunsthändler verkauft. Ich schenke Dir ein Osterei … Verschiedene Preziosen aus der Werkstatt des legendären St. Petersburger Juweliers konnte Jahrzehnte später Adulf Peter Goop erwerben; mit einer Auswahl bunt bemalter Ostereier aus Liechtenstein wurden sie in der ersten Ausstellung nach der Schenkung unter dem Titel Das Osterei – Liebespfand und Kunstobjekt im Liechtensteinischen Landesmuseum präsentiert. Als von unschätzbarem

Wert gilt das Apfelblüten-Ei aus dem Jahr 1901, eines der größten „Überraschungseier“-Schmuckkästchen. Im Auftrag des Goldminenbesitzers Alexander Kelch aus russischer Jade (Nephrit), zweifarbigem Gold, Emaille und Diamanten als Geschenk für seine Frau angefertigt, zeigt es als einziges der sieben Kelch-Eier japanische Einflüsse – eine Rarität. Lackiert, graviert und emailliert, mit Perlen, Edelsteinen oder Elfenbein verziert, sind die Exponate so prächtig wie eindrucksvoll. Um ihre Einzigartigkeit und Vielfalt zur Geltung zu bringen, wählten die Ausstellungsgestalter eine Installation aus Roblons XPO-led-Serie. Kaum wahrnehmbar fügen sich die Leisten in die Kanten der Wandvitrinen; während die edlen Objekte vor schädlicher UV-Strahlung und Wärme geschützt sind, lassen LED-Leuchten der neuesten Generation mit extrem guten Farbwiedergabewerten auch kleinste Details erstrahlen.

Das Interessante am Licht sieht man nicht

Im Sinne des Schenkenden ist seine umfangreiche Sammlung in wechselnden und Dauerausstellungen der Öffentlichkeit zugänglich. Ab Anfang April wird eine Auswahl der wichtigsten Eier im dann neu eröffneten Zweigmuseum des Landesmuseums in Vaduz, dem Museum Schatzkammer, zu sehen sein.

Ausstellungsgestaltung und Lichtplanung: Atelier Silvia Ruppen, www.silvia-ruppen. li, Thomas Müssner, Liechtensteinisches Landesmuseum, www.landesmuseum.li Lichtlösung von Roblon: XPO-led-Serie © Photos at Liechtenstein National Museum by Sven Beham

Spitzentechnologie von Roblon lässt sich diskret integrieren und leicht bedienen.

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Spielraum: grenzenlos

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Der Mann versteht sein Handwerk: Die Latzhose voller Farbkleckse, sitzt er da und betrachtet die geöffneten Hände. Wäre da nicht der Name, würde man ihn für einen nachdenklichen Anstreicher halten. U e c k e r steht da kreisförmig auf dem Hosenlatz. Mit diesem Foto begrüßt die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen ihre Besucher am Grabbeplatz zur großen Uecker-Ausstellung. Schlichte Geste, große Wirkung! Längst überfällig, aber noch rechtzeitig zum 85. Geburtstag des weltberühmten Nagelkünstlers am 13. März, ehrt die Kunstsammlung NRW den Maler und Objektkünstler Günther Uecker mit einer großen Schau. Es ist die erste Einzelausstellung des Künstlers in seiner Wahlheimat Düsseldorf. Mehr als 60 Exponate aus fünf Jahrzehnten seines Schaffens, von der großen Rauminstallation bis zur kleinen Zeichnung, sind vom 7. Februar bis 10. Mai in Düsseldorf zu sehen. „Ein Künstler ist ein Erfinder ...“ Uecker ist längst zu einer kunsthistorischen Marke geworden. Ein Gesamtphänomen, das sich nicht auf einen Nenner bringen lässt: Uecker, das ist der Zeitgeist der 1960er Jahre. Das ist die Stunde Null und der neue Idealismus der Künstlergruppe ZERO, welcher Uecker neben Heinz Mack und Otto Piene angehörte. Uecker, das sind Kunstaktionen im öffentlichen Raum, im Kaufhaus, auf der Straße oder in der libyschen Wüste. Uecker, das ist monochrome Malerei, das ist radikale, konkrete, kinetische Kunst und das ist das Spiel mit dem Licht. Uecker, das ist die Reihung, der Kreis und die Schrift. Uecker, das ist Reisen als Konzept, das ist der politische Mensch, der Bühnenbildner und Klangkünstler. Uecker, das ist Poesie und nicht zuletzt und immer wieder: der Nagel. Wie diesem Urphänomen Uecker beikommen? Die Kuratorinnen der Ausstellung, Dr. Marion Ackermann, Direktorin der Kunstsammlung NRW, und Stefanie Jansen, verzichteten auf den Anspruch einer Retrospektive. Zu mannigfaltig, zu unüberschaubar das Werk. Stattdessen zielten sie auf radikale Verdichtung, suchten nach dem Substrat und befragten das pulsierende Ouevre des Kunstschaffenden Uecker aus der Perspektive der Gegenwart. Uecker als Essenz sozusagen. Rechts: Günther Uecker im Aufbau der Ausstellung Foto: Andreas Endermann © Kunstsammlung NRW

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Liebesbriefe an die Welt Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen ehrt Günther Uecker mit einer großen Einzelausstellung (07.02. bis 10.05.2015). Autorin: Anja Röhrig

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Ausstellungseröffnung: Günther Uecker signiert für zahlreiche Gäste

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„Die Quelle der Kunst liegt außerhalb der Kunst“ Den Auftakt bilden gleich zwei exemplarische Werke Ueckers im Foyer des K 20: der legendäre New York Dancer (1965) und das vernagelte Boot Chichicastenango (1980). Hier der totale Aufbruch, die unaufhaltsame Energie der Stadt New York, dort das Ende jeder Bewegung: Chichicastenango so heißt der guatamaltekische Wallfahrtsort, wo tausende aufständische Landarbeiter, Fischer und Priester im Bürgerkrieg ermordet wurden. Die beiden Werke symbolisieren Uecker in Reinkultur: Ein Künstler, ein Mensch, der sich von der Welt befragen lässt und nach „geistiger Erkenntnis“ sucht. Mit dieser Haltung streifte Uecker seit den 1960er Jahren durch die Welt. Er ist ein Vielreisender, ein künstlerischer Nomade, lange vor dem Zeitalter der Globalisierung. Ausgedehnte Reisen führen ihn durch Afrika, Südamerika, Europa und Asien, nicht selten auch in Krisengebiete, wo er künstlerische Antworten sucht, etwa auf die nukleare Katastrophe in Tschernobyl oder den Balkankrieg in den 1990er Jahren. Als „Wanderer zwischen den Welten“ nimmt er geradezu seismographisch Welterfahrung auf und setzt sie ins Bild. „Die Kunst kann den Menschen nicht retten ... aber mit den Mitteln der Kunst wird ein Dialog möglich, welcher zu einem den Menschen bewahrenden Handeln aufruft.“ Zentrale Auszüge aus Ueckers Werke sind in der Grabbe Halle des K 20 zu besichtigen: etwa die Installation Brief an Peking (1994), die Verletzungswörter (1992/2015) oder die Sandmühle (1970), die in ihrer meditativen Stille gleich neben dem „Terrororchester“ (1968/1982) ihre Kreise zieht. Das Repertoire des Terrororchesters, das hier mit fast 30 Objekten aufwartet, umfasst neben Rütteleimer und Kreischfass auch Originalaufnahmen aus den Schützengräben Stalingrads. Die Erfahrungen des 2. Weltkriegs sind Ausgangs- und Referenzpunkt für den politischen Menschen Uecker, der sich immer wieder einmischt Links: Günther Uecker, New York Dancer III, 1965 Rechts: Installationsansicht der Ausstellung Fotos: © Nic Tenwiggenhorn, © VG Bild-Kunst, Bonn 2014, © Kunstsammlung NRW

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Foto: Nic Tenwiggenhorn, Š Kunstsammlung NRW

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und wie kein zweiter Künstler der Gegenwart, Humanität einfordert. Wer die Stalingrad-Aufnahmen hört, wird – trotz des bombastischen Krachs – innerlich ganz still.

Uecker einen Hauch von dramatischem Rot, kaum erkennbar zwischen den Nägeln, mehr verweht, als gemalt.

Ganz anders der ausstellerische Duktus in der Klee Halle. Statt Licht und Weite, zielt der Raum in die Tiefe: erdbraune Wände und gedämpftes Licht lassen an einen Andachtsraum denken. An den Seitenwänden hängen rund 25 der berühmten Nagelfelder, zum Teil sind sie zum ersten Mal zu sehen, da viele aus Privatsammlungen stammen. „Meine Nagelbilder sind mei-

In der Mitte der Klee-Halle schiebt sich ein gewaltiger Holzriegel zwischen die Nagelbilder. Darin sind Nischen untergebracht, die das Vielgestaltige des Ueckerschen Werkes unter den Schlagwörtern Aktion, Dialog, Werkstatt und Internationale Avantgarde bündeln. Dabei gelingt der Kunstsammlung so nebenbei eine kleine Entdeckung. Denn die

„Ich stelle ein Bild in die Welt ...“

Uecker-Nagel (2013), am Schadowplatz. Anhand einer eigens angefertigten Stadtkarte können die Besucher diese Kunstobjekte aufsuchen. Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen erweitert damit ihren Raum bis in die Stadt aus. Das erinnert ein klein wenig an Ueckers Kunstaktion die Weiße Zone, die am 5. Juli 1961 vor der Galerie Schmela in Düsseldorf stattfand. Dabei ließ er die Zuschauer in einen Kreis noch feuchter, weißer Farbe treten, den er aufgemalt hatte und sie trugen die Farbe („den weißen Raum der Stille“) beim Gehen in die Stadt hinaus. „Museen können bewohnbare Orte sein“ Die Befragung aus der Perspektive der Gegenwart ist der angemessene Umgang mit dem pulsierenden Werk Ueckers. Das wird auch deutlich etwa, wenn die Ausstellungsmacher an das Projekt Uecker-Zeitung anknüpfen. Uecker hat seine Kunst immer wieder selbst auf den Prüfstand gestellt und dafür nutzte er das Medium Zeitung. Die erste Ausgabe 0, in Anlehnung an die Gruppe ZERO, erschien 1968. Quasi als Hommage an Uecker liegt nun in den Ausstellungshallen zur kostenlosen Mitnahme die 11. Ausgabe der Uecker-Zeitung aus. Darin kommen junge Kunstkuratoren aus aller Welt zu Wort und erzählen, was sie und ihr Land mit Ueckers Werk verbinden. Damit wird die Befragung des Ueckerschen Werkes aus der Perspektive der Gegenwart gekonnt um die internationale Dimension verlängert.

Günther Günther Uecker, Briefe an einen Unbekannten, Präsentation im „Labor“ im K20, 07.02. – 28.06.2015, © VG Bild-Kunst, Bonn 2015, Foto: Herbert Koller, © Kunstsammlung NRW

ne Autobiografie,“ sagt Günther Uecker. Wer die Nagelfelder entlangschreitet, kann in ihnen lesen, wie in einem Tagebuch: Feine Psychophysiogramme, die durch die chronologische Hängung der Kunstsammlung NRW erst lesbar werden als das, was sie eigentlich sind: „Zeugnisse innerer Befindlichkeit“ (Uecker). Deutlich bei der Hommage an Yves Klein (1962): Eine Reaktion auf den plötzlichen Herztod seines Schwagers, den Künstler Yves Klein. Auf hellem Grund erlaubt sich

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Werkstatt leuchtet einen bislang blinden Fleck in der Rezeption des Ueckerschen Schaffens aus: seine Wahlheimat Düsseldorf. Die Stadt, in der er seit 1953 wohnt und die seine „Werk-Stadt“ ist, der Ort von dem er immer wieder aufbrechen kann, um „das Erfinden der Welt ins Bild zu setzen“. Düsseldorf beherbergt viele Uecker-Werke: etwa die Lichtskulptur (1976) in der Tonhalle oder – das jüngste Werk – den

Die Essenz des Ueckerschen Schaffens wäre jedoch unvollständig, ohne den Hinweis auf Uecker den Poeten und Schriftkünstler. Der Brief an Peking, die Verletzungswörter zeugen davon, ebenso seine neue Arbeit: Briefe an einen Unbekannten, die er eigens für das LABOR der Kunstsammlung geschaffen hat. Die Besucher dürfen ihre Reflexionen zum Ausstellungsbesuch aufschreiben und sie danach an Seilen im Raum aufhängen. Letzten Endes, so Uecker in der Pressekonferenz zur Ausstellung, sind alle meine Werke „Liebesbriefe an die Welt“. Im LABOR des K 20 darf jeder ein bisschen Uecker sein. Der Katalog zur Ausstellung erscheint im März. Da umfassendes Begleitprogramm zur Ausstellung finden Sie unter: www.kunstsammlung.de


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Autorin: Dr. Gesine Steiner

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„Wir erforschen die Erde und das Leben im Dialog mit den Menschen“. Mit diesem Satz beschreibt das Museum für Naturkunde, Leibniz-Institut für Evolutions-.und Biodiversitätsforschung, seine Mission. Als integriertes Forschungsmuseum gilt es, exzellente Wissenschaft zu betreiben, die Erfassung und Erschließung sowie den Ausbau von Sammlungen voranzutreiben und als Brücke zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zu dienen. Doch was kann ein Naturkundemuseum dem medienverwöhnten Bürger heute noch bieten? Zum einen Forschung - das schafft Vertrauen. Zum anderen Originalobjekte - das erlaubt eine Verifikation durch den Bürger, aber auch durch den Wissenschaftler. Man kann verschiedene Perspektiven, verschiedene Zugänge zu diesen Objekten finden. Solche Teilhabe eröffnet Möglichkeiten der Weiterbildung. Und es muss ein Beitrag dafür geleistet werden, die Biodiversität auch für unsere Kinder und Enkel noch lebendig, relevant und beforschbar zu erhalten.

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Mit den 2007 eröffneten vier neuen Dauerausstellungssälen konnte die Institution dem Anspruch gerecht werden, als Kommunikationszentrum zwischen Wissenschaft und Bevölkerung aufzutreten. Über 40 hausinterne Wissenschaftler haben an der Konzeption und Umsetzung der neuen Ausstellungen mitgewirkt und damit sichergestellt, dass die Vielfalt der Forschungsthemen auch in den Ausstellungen zu finden ist. Weitere Bau- und Ausstellungsplanungen schließen sich hier an. Bisher sind lediglich 10% des Hauses renoviert und ein Viertel der möglichen Ausstellungsflächen bespielt. Seit dem Jahre 2012 befindet sich das Museum für Naturkunde Berlin in einem 2. Bauabschnitt, in dem wiederum Teile der Ausstellungen, aber auch das zweite historische Treppenhaus und Sammlungsräume saniert werden.

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Evolution in Aktion Die Ausstellungen ziehen jährlich etwa eine halbe Million Gäste in ihren Bann. Highlights sind die Wand der Artenvielfalt mit über 3000 Objekten – vom Kiwi bis zum Nebelparder – und natürlich der Lichthof. Hier können das größte aufgestellte original Dinosaurierskelett der Welt – ein 13 Meter hoher Brachiosaurus brancai – und das besterhaltene von zehn bisher gefundenen Exemplaren des Urvogels Archaeopteryx lithographica bewundert werden. Die Besucher treten eine Reise in die Zeit vor 150 Millionen Jahren an. Ausgehend von den Funden einer der bedeutendsten paläontologischen Expeditionen, der Tendaguru-Expedition, werden die Fossilien von Tie-

ren und Pflanzen gezeigt, die im oberen Jura die Erde bevölkerten. Die Präsentation dieser Organismen in ihren natürlichen Lebensräumen auf dem Land, im Wasser und in der Luft ermöglicht den Besuchern eine gänzlich neue Sicht auf diese Periode der Erdgeschichte. Mit Hilfe von so genannten Juraskopen, einer multimedialen Installation, kann man den Weg der wissenschaftlichen Rekonstruktion der Saurier bis zur bewegten Animationen nachvollziehen. Im Jahre 2010 feierte das Museum für Naturkunde Berlin seinen 200. Geburtstag. Pünktlich dazu wurde der Ostflügel des Museums als hochmoderner Sammlungstrakt für wissenschaftliche Nass-Sammlungen eröffnet. 257 000 Gläser, eine Million konservierte Tiere, 80 Tonnen Alkohol – normalerweise ist solch ein Sammlungstrakt nur für Wissenschaftler zugänglich. Doch hier

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wurde das Erdgeschoß in den Ausstellungsrundgang integriert. Ehrfürchtiges Staunen erfasst die Besucher beim Anblick der bleichen Fische und Reptilien, die hier für die Wissenschaftler und nachfolgende Generationen als Archiv des Lebens aufbewahrt werden. Auch die älteren Teile der Ausstellung haben viel Attraktives zu bieten, z.B. den historischen Mineraliensaal mit über 4000 Objekten. Die Ausstellung „Highlights der Präparationskunst“, zeigt auf anschauliche Weise die vielfältigen Techniken der Erhaltungsmöglichkeiten von Naturobjekten, wie sie nicht nur für die Ausstellungen, sondern auch für die Objekte in der Forschungssammlung zum Einsatz kommen. Hier können der berühmte Eisbär `Knut` und Gorilla `Bobby` aus dem Berliner Zoo besucht werden, aber auch historische Insektenmodelle oder hauseigene prämierte Objekte von den Weltmeisterschaften der Taxidermisten. Schließlich können die Besucher im Humboldt-Exploratorium eigene Schritte in die Welt der Wissenschaft wagen oder mit ihren Kindern unvergessliche Geburtstagsfeste feiern.

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Die Verknüpfung von Sammlung, Forschung und Öffentlichkeitsarbeit trägt dazu bei, unsere Gesellschaft als Wissensgesellschaft zu gestalten. Dass dies auch durch die Politik hoch geschätzt wird, zeigte zum Beispiel die Eröffnung des UN-Jahres zur Biologischen Vielfalt durch Kanzlerin Merkel im Museum für Naturkunde Berlin. Geschichte der Sammlungen Hervorgegangen ist das Museum für Naturkunde aus drei Museen, die 1810 gleichzeitig mit der Gründung der Berliner Universität Unter den Linden eingerichtet wurden: das Anatomisch-Zootomische, das Mineralogische (ab 1814) und das Zoologische Museum. Den Grundstock der zoologischen Sammlungen bildeten wertvolle Korallen, Kollektionen von Krebsen, brasilianische Vögel des Grafen Johann Centurius von Hoffmannsegg sowie Vögel des Sibirienreisenden Peter Simon Pallas. Das Mineralogische Museum war Nachfolger des Königlichen Mineralienkabinetts und zählte neben den Mineralen auch

paläontologische Objekte des Freiherrn von Schlotheim, Leopold von Buchs und Alexander von Humboldts zu seinen Schätzen. Um 1880 füllten die Objekte der Sammlungen zwei Drittel des Hauptgebäudes der Universität. Deshalb entschloss man sich wenig später zum Bau eines neuen Museumsgebäudes, das 1889 eröffnet wurde. Den gewaltigsten Zuwachs erfuhren die Museumsbestände jedoch in den Jahren 1875 bis 1910. Große Expeditionen, Schenkungen und Ankäufe vergrößerten den Grundstock immens. Zu den bedeutenden Forschungsreisen jener Zeit zählen die `Gazelle`-Expedition, die `Valdivia`-Tiefsee-Expedition und die Tendaguru-Expedition. Relevante Forschungssammlungen Heute beherbergt das Museum für Naturkunde z.B. 120 000 Aufnahmen von Tierstimmen, 250 000 Mineralstufen, fast 3 Millionen Fossilien, 15 Millionen Insekten und 257 000 Gläser mit in Ethanol konservierten Tieren. Darunter sind fast 180 000 Holotypen von Tieren, das heißt die Erstbeschreibungen ihrer


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Art. Diese Sammlungen sind Grundlage für die Spitzenforschung der ca. 70 Wissenschaftler und 30 Doktoranden. Weltweit gibt es ca. 3 Milliarden katalogisierte naturkundliche Objekte. Davon sind 112 Millionen Objekte in 303 deutschen Museen. Ein Viertel davon, nämlich 30 Millionen Objekte, beherbergt die Berliner Sammlung. Zunehmend wird gefragt, weshalb Museen große Sammlungen besitzen, in welchem Zustand sie sind und wie diese Sammlungen entwickelt werden können, um Zugang zu Wissen

zu ermöglichen. Als Hybridorganisationen - d.h. aktive Forschungsinstitute, die mit einer Sammlung für eine Öffentlichkeit arbeiten - haben Museen eine äußerst wichtige Rolle in der Wissenschaftslandschaft, wenn es um die Vermittlung von Wissen geht. Es kommt nicht darauf an, wie viele Sammlungsobjekte in einem Museum vorhanden sind, sondern was aus diesem Fundus erwächst und wie sie für die nachfolgenden Generationen lebendig, relevant und zukunftsfähig erhalten werden.

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PANDA Sonderausstellung im Museum für Naturkunde Berlin vom 13.1. bis 31.7.2015 - mit den Superstars Yan Yan und Bao Bao - in Kooperation mit dem WWF Deutschland, dem Zoo Berlin und dem Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) Mit PANDA präsentiert das Museum für Naturkunde Berlin, Leibniz-Institut für Biodiversitäts- und Evolutionsforschung, ein Projekt, das gemeinsam mit dem Zoologischen Garten Berlin, dem WWF Deutschland und dem Leibniz-Institut für Zoo und Wildtierforschung entwickelt wurde. Pandas sind Sinnbild des internationalen Artenschutzes und rücken so eine der wichtigsten Herausforderungen unserer Zeit in den Mittelpunkt: Wie können Mensch und Natur, Ökonomie und Ökologie in Zukunft zusammengedacht und weiter zusammengebracht werden. Als vor zwanzig Jahren Yan Yan im Berliner Zoo einzog, standen die Menschen Schlange, um die Pandabärin aus China willkommen zu heißen. Yan Yan war

der neue Shooting Star des Zoos und die Hoffnung auf den lang ersehnten Panda Nachwuchs - aus dem aber leider nichts wurde. Am 26. März 2007 starb Yan Yan. Berlin und ganz Deutschland trauerten. Nach ihrem Tod gelangte Yan Yan zur Verwahrung an das Museum für Naturkunde Berlin. Jetzt, vor ihrer Heimreise nach China, wurde die Bärin in den Werkstätten des Museums präpariert und ist nun für sechs Monate in Berlin zu sehen - vereint mit Bao Bao, dem Bären, mit dem sie das Gehege teilte. Er kam 1980 als Staatsgeschenk an Bundeskanzler Helmut Schmidt nach Berlin. Auch Bao Bao wurde von den Präparatoren des Museums für Naturkunde Berlin kürzlich als Dermoplastik präpariert. Insgesamt sechs Pandabären, die bei-

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den Originalskelette von Bao Bao und Yan Yan und wertvolles Sammlungsmaterial aus Berlin und Paris sind in der Ausstellung zu sehen. 30 spannende, teils überraschende Geschichten rund um den Großen Panda erwarten die Besucher: Der Bambusbär als Botschafter für den Umweltschutz und als aktuelles Forschungsobjekt, als Superstar und Sexmuffel, als Diplomat und Werbeträger. Aber auch Themen wie Entdeckung, Anatomie, Jagd und Lebensweise werden auf kurzweilige, ansprechende Art dargestellt. Historisches Bild- und Filmmaterial verdeutlicht den Hype, den die ersten Pandas in der westlichen Welt und in Berlin auslösten. Unerwartete Einblicke in das Leben der seltenen Tiere in freier Wildbahn eröffnen dem Besucher Original-Aufnahmen aus sogenannten „Fotofallen“ des WWF. Besucher der Ausstellung können auch lebende Pandas beobachten – eine WebCam überträgt in Echtzeit Bilder aus einer Zuchtstation in China. Sowohl die Ausstellung PANDA als auch das dazugehörige Buch sind ein Ergebnis einer engen institutsübergreifenden Zusammenarbeit, die zeigt, welche einmalige Kompetenz und welches zukunfts-

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weisende Engagement sich um das Thema Natur in Berlin vereint. Panda - Das Buch zur Sonderausstellung im Museum für Naturkunde Berlin Herausgeber: Dr. Ferdinand Damaschun, Museum für Naturkunde Berlin, 88 Sei-

ten mit vielen Abbildungen, für 12,95 € im Museumsshop zu erhalten, ISBN: 978-39815029-6-1 Museum für Naturkunde Invalidenstraße 43, 10115 Berlin www.naturkundemuseum-berlin.de


Denn der Wert des Besuchs liegt über dem des Eintrittspreises ...

Über Ticket & Wert Eine gut gestaltete Eintrittskarte dokumentiert gegenüber den Besuchern auf natürliche Weise, dass der Wert des Besuchs über dem des Eintrittspreises liegt. Denn der Aufwand, das Engagement und der Wissensfundus, mit dem heute Museen, Science Center, Welterbestätten und viele kulturelle Sehenswürdigkeiten von Rang ihre Besucher in den Bann ziehen, ist im wahrsten Sinne des Wortes unbezahlbar. Viele Institutionen setzen deshalb auf hervorragend gestaltete Eintrittskarten, selbstverständlich ausgestattet mit allen notwendigen Sicherheitsattributen. So werden Eintrittskarten zu einem akzeptierten Mittel des Marketings, ob als Sammlerobjekt, als Hinweis auf kommende Ausstellungen oder mit einem Zweitnutzen für Sponsoren oder z.B. gastronomische Einrichtungen. Beckerbillett GmbH · Tel. +49 (0) 40-399 202-0 dtp@beckerbillett.de · www.beckerbillett.de


Geburtshaus des Eau de Cologne – Farina-Haus in Köln. Foto: © Farina

EAU DE COLOGNE DUFTMUSEUM IM FARINA-HAUS Autorin: Maria A. Muñoz Orantes 300-jähriges Jubiläum, 2009. Foto: © R. Zeppenfeld

Der berühmteste Duft der Welt. Jeder kennt es, der Name wurde in fast alle Sprachen übersetzt und hat Eingang in den allgemeinen Sprachschatz vieler Kulturen gefunden: Eau de Cologne; Acqua di Colonia; Kolonya, Água-decolônia ... – weltweit ein geschätzter Duft bei Parfumliebhabern, auch in

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der Welt der Düfte hat er seinen festen Platz. Seit mehr als 300 Jahren erfreuen sich Damen und Herren an dem leichten, zitrushaltigen, „grünen“ Duft. Und obwohl der Name dieses Duftes schon einen Teil seiner Geschichte verrät, ist vielen nicht bewusst, dass das buchstäbliche Wasser

aus Köln seinen Ursprung tatsächlich in der rheinischen Metropole hat. Ein junger Italiener kam Anfang des 18. Jahrhunderts nach Köln - in der Nase noch den Duft der Früchte, Blüten und Kräuter seiner Heimat - und kreierte einen Duft, der heute Synonym für eine ganze Duftgattung ist.

Prunkvolle Feste, Damen in Reifröcken und Herren in weiß gepuderten Perücken: wir schreiben die Zeit des Rokoko. Düfte waren teuer, daher nur den oberen Gesellschaftsschichten vorbehalten. Schwere Moschus- und Zibethdüfte drangen aus den luxuriösen Kleidern der adeligen und wohlhabenden. Köln war

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Oben: Werbung 1959 Italien Mitte: Johann Maria Farina, 1685 – 1766 Unten: Firmentableau, 1863 Rechts: Historischer Flakon Rosoli, 18. Jahrhundert. Fotos: Š Farina


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Oben: Essenzkammer. Unten: Historische Kostümführung im Duftmuseum. Rechte Seite: Werbung aus dem Jahr 1952. Fotos: © Farina

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damals eine freie Reichsstadt, Französisch war die Sprache des Handels und der Höfe. Am 13. Juli 1709 gründete die Familie Farina die Firma „Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz“ in Köln. Johann Maria Farina schuf einen sensationellen Duft, den er zu Ehren seiner Wahlheimatstadt Eau de Cologne nannte. Farinas Duft war anders, als die Düfte die man zur Zeit des Rokoko nutzte. Kannte man bis dahin nur schwüle, schwere, den Körpergeruch überdeckende Düfte, so empfand man Farinas Duftwasser aus Zitrusfrüchten, wie etwa Bergamotte und Pampelmuse, Orange, Cedrat und Petitgrain, als völlig neu. Farina beschrieb sein Eau de Cologne mit den Worten: „Mein Duft erinnert an einen italienischen Frühlingsmorgen nach dem Regen, an Orangen, Pampelmusen, Zitronen, Bergamotte, Cedrat, Limetten und die Blüten und Kräuter meiner Heimat“. Dieser für die Rokoko-Zeit neue Duft, konnte Farina nur herstellen, da er aus Italien die Kenntnisse, sauberen Alkohol zu destillieren, mitbrachte. War davor nur der mit Fuselölen leicht verunreinigte Alkohol gebräuchlich, der bei den schweren, schwülen Düften eine geringere Rolle spielte, so war bei den leichteren Zitrusund Bergamott-Noten ein reinerer Alkohol erforderlich. Ende des 17. Jahrhunderts entstand durch gelungene Kreuzung der Zitron-

Silberflakons, 1870-1925. Fotos: © R. Zeppenfeld

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at-Zitrone und der Bitterorange eine neue Zitrusart. Ihrem Birnenförmigen Aussehen nach, wurde sie nach der türkischen Birne benannt: Bergamotte. Farina war der erste der die Früchte der Bergamotte für sein Parfum verwendete. Heute wissen wir, dass die Bergamotte mehr als 350 verschiedene chemische Inhaltsstoffe beinhaltet, was einzigartig ist und fast schon ein Parfum für sich darstellt. Der edle Zitrusduft wurde eine Sensation und so belieferte Farina bald die meisten Fürsten- und Königshäuser in Europa. Von Kaiser Napoleon I. heißt es, er habe zur Erfrischung eine Rosolie – der seinerzeit übliche längliche Flakon – am Tag verbraucht. Eine kostspielige Erfrischung, kostete ein Flakon damals in etwa den halben Jahreslohn eines niederen Beamten, was einem Reichstaler entsprach. Johann Maria Farina, auch das war neu, stellte einen immer gleichen Duft her. Die Essenzen waren bei jeder Ernte und bei jedem Wechsel des Herkunftsfeldes unterschiedlich und es bedurfte einer guten “Nase“, um die Essenzen so zu verschneiden, zu verblenden, dass der Duft für die Kunden immer gleich blieb. Sein Nachfolger wurde geschult, trainiert und in alle Geheimnisse des Familienunternehmens eingeweiht. Nahtlos reihte sich ein „Johann Maria Farina“ an den anderen - der Duft ist bis heute gleich geblieben. Das Mittelalter und die frühe Neuzeit kannten noch keine Marken, da Produkte mehr allgemein und gleicher Qualität waren, Hauptunterscheidungsmerkmal war die Herkunft des Produktes, nicht aber der Hersteller.

Hollywoodschauspieler Danny Glover im Duftmuseum, 2015. Foto: © Fischer/ Nischk

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Durch die Einzigartigkeit des Duftes von Farina, entstand aber die Notwendigkeit dieses unterscheidungskräftig zu benennen, um es von anderen Düften zu unterscheiden. Hier beginnt die Markenbildung und der Markenname Eau de Cologne. Sprach man im 18. Jahrhundert von Eau de Cologne, meinte man nur Farinas Duft.

dort sein Eau de Cologne. Es dauerte viele Prozesse bis letztendlich 1881 Mülhens und den anderen Plagiatoren, gerichtlich verboten wurde, den Namen Farina als Firmennamen zu verwenden. Die meisten stellten als Konsequenz die Herstellung ihrer Plagiate ein, nur wenige gründeten ihre eigenen Firmen, wie etwa die Familie

Mit der Französischen Revolution und der Besetzung Kölns durch die Franzosen 1794 wurde die Religions-, und Gewerbefreiheit in Köln eingeführt, die Zünfte wurden aufgelöst. Da Eau de Cologne Gewinn versprach und es noch keinen Markenschutz gab, konnte sich das Farina-Haus vor Nachahmern und Plagiatoren kaum retten. Doch das edle Eau de Cologne, konnte man nicht einfach nachahmen. Man hätte die Kenntnisse eines Parfumeurs gebraucht, um eine so komplexe Duftkreation zu plagiieren. So nahm man preiswerten, niedrigprozentigen Alkohol und versetze ihn mit einer niedrigen Konzentration an billiger Essenz. Der Duft und die Qualität der Plagiate unterschied sich von Farinas Duft, doch wer das Original nicht kannte, erkannte die Fälschung nicht, denn die Nachahmer kauften Pseudo-Farinas ihre Namensrechte ab und gründeten ihre eigenen Firmen. Die Inflation an Farinas stieg explosionsartig. In zahlreichen Prozessen wurden diese Verträge für nichtig erklärt und die Pseudo-Farina-Firmen gelöscht, doch es gab immer neue Farinas aus Italien, die bereit waren ihre Namensrechte zu verkaufen. Und so kam auch Wilhelm Mülhens, tätig in Spekulationsgeschäften, nach Köln und kaufte einem Farina aus Bonn den Namen ab und verkaufte den Namen “Farina“ an mehr als 30 Personen weiter. Er selbst gründete 1803 die Firma “Franz Maria Farina“ und verkaufte

Mülhens: Sie gründeten die Firma „Eau de Cologne- und Parfümerie-Fabrik Glockengasse No. 4711 gegenüber der Pferdepost von Ferd. Mülhens“ und verkauften nun ihre eigenen Düfte. Das Eau de Cologne aus dem Hause Farina, ist also nicht zu verwechseln mit 4711 Kölnisch Wasser, das rund 100 Jahre später entstand. Mit seiner über 300-jährigen Historie ist Farina nicht nur Kölns ältestes Unternehmen, sondern auch das älteste Parfumhaus weltweit. Im Rheinisch-Westfälischen Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) werden alle Geschäftsbücher, alle Einkäufe, Verkäufe und Korrespondenzen und Unterlagen über mehr als 2000 geführten Prozessen verwahrt. Dieser einzigartige Archivbestand, beginnend 1709, ist Referenz und Quelle für viele Wissenschaftler. Im historischen Farina-Haus, in den Produktionsräumen des 18. Jahrhunderts, befindet sich heute das Duftmuseum. Es sind die Originalräume in denen schon Johann Maria Farina sein Eau de Cologne herstellte. Hier erleben Besucher 300 Jahre Duftgeschichte, und erriechen Duftessenzen, die die Grundlage zur Parfumherstellung sind. Duftmuseum im Farina-Haus Obenmarspforten 21, 50667 Köln http://www.Farina1709.com


Oben: In den Originalräumen, in denen das Eau de Cologne vor 300 Jahren hergestellt wurde, befindet sich das Duftmuseum. Links: 800 Essenzen und Duftstoffe beherbergt das Duftmuseum. Fotos: © Farina

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Das historische Museumsgebäude mit neuer Eingangshalle. Foto: © Technisches Museum Wien (TMW)

Das Technische Museum Wien ist eines der großen Technikmuseen Europas und blickt auf eine mehr als hundertjährige Geschichte zurück. Anlässlich des 60-jährigen Regierungsjubiläums von Kaiser Franz Joseph I. im Jahre 1908 wurde der Beschluss zur Gründung eines Technischen Museums für Industrie und Gewerbe gefasst. Am 20. Juni 1909 erfolgte die Grundsteinlegung, die Eröffnung des prachtvollen Baus mit seinen charakteristischen Glaskuppeln fand noch während des Ersten Weltkrieges am 6. Mai 1918 statt. Das Technische Museum Wien bietet heute auf einer Ausstellungsfläche von ca. 22.000 m² Spielraum für außergewöhnliche Einblicke in die Welt der Technik. Es wird durch einzigartige Exponate von der Vergangenheit bis in die Gegenwart zum Schauplatz spannender technischer Entwicklungen, die im Kontext mit dem Menschen multimedial präsentiert werden. Der Fokus liegt auf dem individuellen Zugang zur Technik und dem persönlichen interaktiven Erlebnis. Die lange Sammlungstradition, welche das Technische Museum Wien mit vergleichbaren Technikmuseen Europas teilt, basiert auf verschiedenen technischen Sammlungen. Dazu gehören etwa das „physikalische Kabinett“ der Habsburger aus dem 18. Jahrhundert, das „k.k. Gewerbehygienische Museum“ oder die „patriotische Kriegsmetallsammlung“.

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Die Museumssammlung, die durch den Auftrag zum Sammeln und Bewahren ständig erweitert wird, umfasst mehrere 100.000 Objekte. Manche sind nur ein paar Zentimeter groß, andere dominieren einen ganzen Raum – und alle gehören sie zur facettenreichen Welt der Technik. Häufig handelt es sich auch um Objektreihen, die Herstellungsprozesse veranschaulichen und Zusammenhänge besser begreifbar machen. Das buchstäbliche Be-greifen ist den Verantwortlichen im Museum dabei besonders wichtig: Technik ist nicht nur kühl und rational, Technik betrifft uns alle und ist deshalb auch mit emotionalen Erlebnissen verbunden. Insgesamt bietet das Museum seinen Besuchern weit über 200 interaktive Stationen, an denen nach Herzenslust experimentiert werden kann. Obwohl das Museum stolz auf eine mehr als 100-jährige Geschichte zurückblickt, ist es kein Ort der Vergangenheit. Die Technik entwickelt sich ununterbrochen weiter und so lokalisiert sich das Museum an der Schnittstelle zwischen Vergangenheit und Zukunft. Die Schausammlung des Museums besteht aus den Bereichen: „Natur und Erkenntnis“, „Energie“, „Schwerindustrie“, „Mobilität“, „In Bewegung“, „Musik“, den „medien. welten“, der Abteilung „Alltag – eine Gebrauchsanweisung“ und den Kinderbereichen „mini“ und „mini mobil“.


Technisches Museum Wien

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Museumsbereich Mobilität/Historische Schifffahrt. Foto: © TMW

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Oben: Ausstellung IN ARBEIT, Blick auf den LD- Tiegel. Links: Der LD- Tiegel von 1952 im Bereich Schwerindustrie. Fotos: © Uwe Strauch

Die Vergangenheit lebendig halten. In Bibliotheken und Archiven auf der ganzen Welt werden wertvolle Bücher, Zeitungen, Verträge und Manuskripte mit unseren HightechScannern und Softwarelösungen erfasst, aufbereitet und der Forschung und Wissenschaft digital zur Verfügung gestellt. Seit 1961 halten digitale und analoge Speichersysteme von Zeutschel so die Vergangenheit lebendig. Mit einem OS 15000 Advanced Plus Scanner lassen sich auch sehr empfindliche Dokumente wie die von Abraham Lincoln unterzeichnete Emancipation Proclamation schonend und in bester Qualität digitalisieren. Schreiben Sie uns, wenn Sie mehr darüber wissen

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Museumsbereich Mobilität, Luftraum mit Kleinflugzeug Diamond DA42 und ÖAMTC Rettungshubschrauber. Foto: © TMW

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Details der Jugendstil-Architektur mit Lastkran. Foto: © TMW

Ergänzt werden diese Bereiche durch ein Schaubergwerk und eine Hochspannungsanlage, die täglich zu erleben sind. Das originalgetreue Bergwerk, ein Nachbau der Gabrielen-Zeche des Ostrauer-Karwiner-Steinkohlebeckens, welches schon bei der Eröffnung im Jahre 1918 besichtigt werden konnte, wurde in den 1990er Jahren durch einen Braunkohle-Untertage-Abbau ergänzt. Die Hochspannungsvorführung entführt die BesucherInnen in die Welt der Ladungen und Ströme. Die hochfrequen-

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ten elektromagnetischen Felder des Tesla-Transformators bewirken ein Feuerwerk an Blitzen und geheimnisvolles Aufleuchten von Glühbirnen. Die hauseigene Bibliothek und das Archiv stehen mit ihren reichhaltigen Beständen Interessierten täglich zur Verfügung. Die rund 100.000 Bände (Zeitschriften und Bücher) bilden eine wichtige Informationsquelle für technikhistorische Forschungen. Seit November 2014 laden zwei neu

gestaltete Ausstellungsbereiche zur Besichtigung und Interaktion ein: „Mobilität“ und „In Bewegung“ zeigen das Thema Mobilität von unterschiedlichen Blickpunkten und vermitteln die Bandbreite und Zusammenhänge von Verkehr, Mobilität und Bewegung. Mithilfe von historischen und aktuellen Objekten und Innovationen Technikgeschichte zu erzählen und Zusammenhänge darzustellen, ist die ureigene Aufgabe des Museums. Gleichzeitig ist es die Kernkompetenz, Erlebnisse zu schaffen, die die BesucherInnen einladen, Hand an-


Führung durch den Bereich Mobilität, im Hintergrund der Lilienthal-Gleiter. Foto: © Uwe Strauch

zulegen, Phänomene zu entdecken und spielerisch zu lernen. Mobilität Auf 3.000 m² erstrahlen die Highlights des Museums in neuem Licht. Der Dauerausstellungsbereich „Mobilität“ wurde rundum erneuert und erweitert. Das Kuratorenteam zeigt auf mehr als 3.000 m² nicht nur die Vielfalt rund um die Verkehrsgeschichte, sondern lädt ein, aus der Gegenwart heraus Fragen an die Zukunft zu stellen. Die neue Ab-

teilung rückt Highlightobjekte, wie die Pferdeeisenbahn „Hannibal“, den berühmten Lilienthalgleiter, das legendäre Rennauto Mercedes W 196 „Silberpfeil“ und das Elektroauto „Lohner Porsche“ sowie die einzigartige Sammlung von Schiffsmodellen, in neues Licht und schafft erfrischende und überraschende Kontexte. Gleichzeitig wurde die Ausstellung um viele neue Sammlungsobjekte erweitert und bringt Gegenwart und Zukunftsaspekte ins Museum. Eine moderne

Schubumkehr oder ein Winglet zeigen Innovationen aus der Luftfahrt. Ein neues Flugzeug, die sparsame DA42, oder ein Camcopter S-100 schmücken den Luftraum und geben der Abteilung ein frisches Gesicht. Neue Fahrzeuge, wie ein strombetriebener Tesla-Roadster oder Renault Zoe zeigen moderne Antriebsarten. Auch moderne Entwicklungen im Schienenverkehr und der Verkehrsplanung dürfen nicht fehlen. Am Anfang der neuen Ausstellung stehen jedoch Menschen und ihre emotionalen Bedürfnisse und Wünsche an Mobilität.

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Bereich Alltag, Galerie mit „Gedankenblasen“. Foto: © Uwe Strauch

In Bewegung Die Mitmachausstellung lädt zum Ausprobieren und Entdecken ein. Wer ist nicht gerne „in Bewegung“? Die zweite neue Abteilung widmet sich auf mehr als 500 m² interaktiv und spielerisch den Grundlagen unserer Fortbewegung. Ausgerichtet ist die neue Erlebnisausstellung für kleine und große BesucherInnen und lädt ein, das Phänomen Fortbewegung von unterschiedlichsten Blickwinkeln zu erfahren. Noch nie dagewesene Stationen stehen im Mittelpunkt: Eine LKW-Achse und ein Radsatz eines Schienenfahrzeuges können in Bewegung gesetzt werden, in der Speedbox wird unsere Wahrnehmung auf die Probe gestellt und am Wackelparcours können wir unsere Geschicklichkeit testen. Die BesucherInnen können eine Rohrpost verschicken oder am interaktiven Rollstuhlsimulator erfahren, den Alltag in einem Rollstuhl zu meistern. Das Thema Sicherheit wird mithilfe eines Risikospiels gezeigt. Gerahmt werden die rund 30 interaktiven Stationen von Objekten und ihren Geschichten aus der Museumssammlung sowie von Hintergrundinformationen und thematischen Abstechern in die Tierwelt und Natur. Zudem wurde ein Begleitheft entwickelt, das die Themen

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der Ausstellung ergänzt und einlädt, daheim weiter zu experimentieren. Am Anfang und Ende des Ausstellungsbesuchs hat man übrigens auf der silbernen Museumsrutsche die Möglichkeit, seine eigene Rutschgeschwindigkeit zu ermitteln! Vermittlungsarbeit Museum Wien

im Technischen

Kinder und Jugendliche erkunden ihren Lebensraum von sich aus neugierig und aktiv. Sie beobachten ihre „Welt“ und probieren Dinge aus und haben sichtlich Spaß daran. Sie lernen auf spielerische Weise sich in ihrer Welt zurechtzufinden. Die Wissensvermittler/innen des Technischen Museums Wien begleiten Kinder, indem sie versuchen ihre Neugierde zu wecken und stets an das Vorwissen der Kinder anknüpfen. Bei Impulsführungen durch einen Ausstellungsbereich, Pädagog/innenführungen, Vorführungen der Experimentierstationen oder bei Workshops können Kinder und Jugendliche Erfahrungen sammeln und diese dann mit den Vermittler/innen erörtern. Naturwissenschaftliche Phänomene sind Teil der Erfahrungswelt von Kindern und am besten durch „begreifen“ zu verstehen. Hier bietet das Museum mit einer Vielzahl an interaktiven Objekten, sei es ein „Energiefahrrad“, ein „Flaschen-

zug“ oder ein „Rollvergleich“, die beste Möglichkeit zum Forschen und Experimentieren. Zum Verständnis der manchmal komplexen technischen Inhalte werden einige der historischen Museumsobjekte durch Hands-on-Objekte zur Veranschaulichung ergänzt. Vermittlungsprogramme für spezielle Zielgruppen ergänzen das Angebot: Es gibt z.B. ein Museumsprogramm zum Thema Fliegen für Kinder nichtdeutscher Erstsprache, welches in Türkisch, Serbisch, Bosnisch, Kroatisch, Russisch und Hocharabisch abgehalten wird. Weiters werden spezielle Programme für Menschen mit Behinderungen oder für Senioren angeboten. Da sich das Technische Museum Wien als außerschulischer Lernort versteht, liegt ein Fokus der Vermittlungsarbeit

Rechte Seite: Oben: Interaktiver Bereich IN BEWEGUNG. F.: © TMW Mitte Links: Rund 60% der Museumsbesucher/innen sind Kinder und Jugendliche. Foto: © TMW Mitte Rechts: Der Rollvergleich zwischen Schiene und Straße im Bereich IN BEWEGUNG. Foto: © TMW/Daniel Zupanc Unten Links: Das MINI MOBIL, Aktionsbereich für 2-8 Jährige. Foto: © APA/Juhasz Unten Rechts: Rollstuhlsimulator im Bereich IN BEWEGUNG. Foto: © TMW/Daniel Zupanc


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Rarität aus dem K.k-Fabriksproduktenkabinett - Musterpalette Glasaugen von Anton Schwefel um 1820. Unten: Bereich Musik: Giraffenflügel, Wien um 1835. Fotos: © TMW

auf den Angeboten für Kindergärten und Schulen, dazu gehören auch Weiterbildungsprogramme für Pädagog/ innen. Ein sehr beliebtes Tool ist der Rätselrallye-Generator, einer der zentralen Interaktionsmöglichkeiten auf der Museums-Website. Dieses Webtool ermöglicht Lehrer/innen, Eltern, aber auch allen anderen BesucherInnen des Technischen Museums eine eigene Rätselrallye zusammenzustellen und diese kostenlos zu verwenden. Für rund 200 Objekte und Stationen im Museum wurden vielfältige Fragenkomplexe erstellt, die erstaunliche Einblicke in die Welt der Technik bieten. Dabei kann aus über 640 Fragen und Aufgaben ausgewählt werden. Spannende Aktionsaufgaben, Interviews, Such- und Verständnisaufgaben machen die Rätselrallye des Museums zu einem abwechslungsreichen Wissensquiz für Groß und Klein. Technisches Museum Wien Mariahilfer Straße 212, 1140 Wien Telefon: +43 1 89998-0 museumsbox@tmw.at www.technischesmuseum.at

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Das Sankt Pauli Museum – einzigartig, bunt und kreativ Autorin: Sabrina Hirche

1900 Postkarte Peter Muus Theater lebender Bilder Spielbudenplatz. Heute: Schmidts Tivoli

Aus einer Sammelleidenschaft des Fotografen Günter Zint wurde ein Museum; doch dahin war es ein weiter Weg. Der ursprünglich aus Fulda stammende Günter Zint ließ sich in den 1960er Jahren in Hamburg nieder und ist durch die Bebilderung der verdeckten Reportagen

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des investigativen Journalisten Günter Wallraff bekannt geworden. Zum Ende der 60er Jahre gründete er die bis heute existierende Zeitschrift St. Pauli-Nachrichten, die sich damals noch linkspolitisch orientierten Berichten widmete. Zint verkaufte sie wenige Jahre später, womit auch ein Wandel des Inhalts einherging. Hernach konzentrierte er sich weiter auf die Fotografie des Stadtteils und der darin lebenden und arbeitenden Menschen. Dabei war es ihm immer wichtig, weniger als gängiger Pressefotograf denn als Gebrauchsfotograf gesehen zu werden. Dass er den besonderen Blick und eine deutliche Leidenschaft für St. Pauli und die St. Paulianer hat, ist seinen Fotografien wunderbar anzusehen. Günter Zint sammelte in jenen Tagen nicht nur Bilder des Stadtteils, sondern begann auch Exponate zusammenzutra-

gen. Schloss hier oder da ein Etablissement, sicherte Zint das ein oder andere Stück, nur, damit es nicht verloren ging. Die immer größer werdende Sammlung umfasste bald so viele Ausstellungsobjekte, dass er seit den frühen achtziger Jahren begann, sich auf die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten für diese zu machen – ein St. Pauli Museum schwebte ihm vor. Doch es sollte nicht staubig und trocken sein. Es sollte wie der Stadtteil selbst, lebendig die Geschichte dieses weltberühmten Fleckchens Erde wiedergeben. Doch dass sich ein solches nicht ohne weiteres finanzieren lässt, mussten Günter Zint und seine Mitstreiter schon bald erfahren. Von 1988 an begann so eine Odyssee, die das Museum schon fast zu einer Wanderausstellung machte – jedoch nur im zugehörigen Stadtteil.


Nach Stationen am Spielbudenplatz und in diversen Nebenstraßen der Reeperbahn, fanden sich im Jahr 2010 endlich geeignete und würdige Räumlichkeiten an der Davidstraße unweit der weltberühmten Wache. An dieser zentralen Stelle wird das Museum bis heute vom 2005 gegründeten St. Pauli Museum e.V. betrieben und zeigt auf einer Ausstellungsfläche von 160 Quadratmetern wie auf St. Pauli aus Geschichten Geschichte wurde. Geführt wird es von einem Vorstandsteam bestehend aus fünf dem Stadtteil verbundenen Mitgliedern. Günter Zint ist heute Ehrenmitglied des Museums. Aus Geschichten wird Geschichte Anders als andere Museen wollte das Sankt Pauli Museum gar nicht unbedingt sein, vielmehr ergab sich dieser Umstand aus der Geschichte des Stadtteils, den damit verbundenen Themen und der Leidenschaft des für Ausstellung und Drumherum verantwortlichen, ehrenamtlich arbeitenden Vorstands des Museums, der aus Anwohnern im Stadtteil besteht. Im Sankt Pauli Museum will man nicht plakativ barbusige Damen oder spannernde Freier zur Schau stellen, auch wenn diese natürlich ebenso zu St. Pauli gehören. Das Museum möchte Besuchern zeigen, wie der Stadtteil entstanden ist, welchen Wandel er durchlebt hat, aber es auch aktuell immer wieder tut. St. Pauli fasziniert und begeistert feierwütige Jungscharen an den Wochenenden. St. Pauli ist aber auch Wohnraum für hier geborene und Zugezogene. St. Pauli transformiert sich ständig und so widmete sich eine Ausstellungsreihe im Jahr 2014 diesem Thema in allen Facetten. Mit Collagen, aber auch mit schauspielerischen Darbietungen und Lesungen zeigte das Sankt Pauli Museum, wie sich der Stadtteil verändert hat. Man beschäftigte sich mit den Oben: Die Außenansicht des Star Club, der faktisch nur wenige Jahre wirkte. Wirtschaftlich musste der wohl bekannteste Club Deutschlands schließen. Danach zog dort das Salambo - St. Pauls erste Live-Sex-Bühne unter der Leitung von René Durant ein. Bis das Gebäude dann 1983 komplett abbrannte. Heute befindet sich dort im Durchgang ein Gedenkstein für den Starclub, der allerdings wegen etlicher Schreibfehler die zweite Version ist. Rechts: 90er Jahre. Die Große Freiheit 36 als Konzertlocation existiert bereits einige Jahre. Das Dollhouse feierte Ende der 90er Jahre fröhliche Umsätze. Man ging neuerdings mit Geschäftspartnern in diese Striplocation, die aufgrund der Qualität ihrer Tänzerinnen Furore machte.

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Oben: Evi zeigt für einen Heiermann (5,--DM) im Express-Imbiss auf der Freiheit jedem zahlenden Gast ihre Brüste. Unten: Marianne. Sie arbeitete in Dieters Puff und war stets ein beliebtes Fotomotiv von Günter Zint. Dieters Puff bot allgemein viel Kamerafutter. Neben dem sagenhaften Spruch „Es gibt kein schlechtes Geschäfts aber faule Weiber“ prangte auch der Satz „Es ist nicht statthaft die Sittenpolizei als Lochstreife zu bezeichnen“ an der Wand des Etablissements.

Fragen, wie aus den Revuetheatern und Tanzcafés der 50er und 60er Jahre die Partymeile Reeperbahn entstand. Oder wie ein Hausbesetzer oder Seemann heute noch auf dem im Volksmund genannten „Kiez“ wahrgenommen wird. Damit die Zeiten der von Autonomen besetzten Häuser in der Hafenstraße in den 80er Jahren nicht vergessen wird und wie von Politik und Anwohnern damit umgegangen wurde – auch das ist St. Pauli und gehört in ein Museum. Ob es Parallelen zu aktuell brisanten Themen wie dem Abriss der wohl bekanntesten Tankstelle und vor allem den dazugehörigen Wohnhäusern gab, diesem Thema widmete sich die Ausstellung „#2112“. Der Vorteil des kleinen Museums ist definitiv der übersichtliche fünfköpfige Vorstand, der ad hoc auf solche Geschichten reagieren kann und den Besuchern, aber auch den St. Paulianern selbst, ein Forum bietet, um

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Ein Autohändler möchte mit seiner Nobelkarosse auf der Großen Freiheit Eindruck schinden und lässt Stripperin einsteigen. (80iger Jahre)

70iger Jahre, beide Fotos: Zuhälter zeigt sein von vielen Schlägereien gemartertes Gebiss.

Turbo Rudi erledigt auf der Strasse Schriftverkehr für Obdachlose

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Dominca Niehoff - Deutschlands berühmteste Hure, tat sich insbesondere durch ihr soziales Engagement für ihren Kampf gegen die Luden hervor. Bei ihren zahlreichen TV-Auftritten gab sie u.a. ab und zu ihren Song „Alle meine Freier“ zum Besten. Sie verstarb schwer krank im Jahr 2009.

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diese Themen zu bewältigen, bevor sie zur Geschichte werden. Neben den Dauer- und immer wechselnden Sonderausstellungen, finden im Sankt Pauli Museum auch Konzerte, Lesungen oder andere künstlerische Darbietungen statt. So beging der Zeichner Ralph Kretschmann die Vernissage zu seinem erotischen Comic im Museum, das dafür die ideale Bühne bot. Musikalische Highlights der letzten Jahre waren die Konzerte der Lokalmatadore „Kapelle Herrenweide“, die ihren Namen von ebendieser kleinen und unbekannten Nebenstraße auf St. Pauli hat oder auch die etwas andere Beatles-Coverband „Die Koschmiders“, mit dem Namenspaten Bruno Koschmider. Auf St. Pauli weiß man, dass hier dem Mann ein Denkmal gesetzt wird, der die berühmten Pilzköpfe seinerzeit nach Hamburg holte. An kaum einem anderen Ort erklingen die bekannten Songs der Fab Four authentischer als im Museum, unweit der ersten Wirkungsstätte, in der sie ihre Weltkarriere starteten. Aus persönlichen Gründen eng mit dem Stadtteil verknüpft und als guter Freund


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des Museum-Gründers, stellte sich auch Gunter Gabriel gerne auf die Kleinkunstbühne des Sankt Pauli Museums, um ein Charity-Konzert zu spielen und aus seiner eigenen Geschichte zu erzählen. Das Sankt Pauli Museum ist anders Aus Geschichten wird Geschichte – so lautet der Leitspruch des Sankt Pauli Museums. Doch Geschichten können nur da entstehen, wo sich Leben tummelt. Mit der Sankt Pauli Museum-Bar, die seit 2013 von ansässigen Gastronomen betrieben wird, hat sich eine neue Institution im Viertel manifestieren können. Denn die Bar ist in ihrer Art einzigartig. So können sich Gäste schon zu Beginn ihres Museumsbesuchs ein kühles Astra auf die Hand holen und mit diesem durch die Ausstellung schlendern, die bis in die späten Abendstunden zu besuchen ist. Für viele Anwohner dient die Bar als Nachbarschaftstreffpunkt. Ähnlich einer Dorfschänke kommt man hier zusammen ohne verabredet zu sein und klönt über den Tag oder über Neuigkeiten aus dem Viertel. Dabei kann es gut sein, dass plötzlich die schrille DragOben: Olivia Jones. Foto: © Sabrina Hirche

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queen Olivia Jones oder einer ihrer Mitarbeiter, Burlesque-Star Eve Champagne oder der quietschbunte Sven Florijan, mit einer Touristengruppe neben einem an der Bar auftauchen und anstoßen. Die Gewinne aus dem Barbetrieb fließen ebenfalls in den Museumsbetrieb. Einen außergewöhnlichen Ort für seine betriebliche Weihnachtsfeier oder einen anderen besonderen Anlass findet man ebenfalls im Museum. Durch die flexible Gestaltung des Ausstellungsraumes ist es möglich, das Sankt Pauli Museum zu mieten. Manch einer behauptet, dass der weltberühmte Stadtteil St. Pauli im Grunde genommen einem Dorf gleiche. Sicher ist, dass man sich gegenseitig hilft und aus dieser Hilfsbereitschaft ist auch das einzigartige Nachbarschaftsprojekt „Antikältehilfe für Obdachlose „ entstanden, das zweimal im Jahr Essen und Sachspenden an Bedürftige ausgibt. Gesammelt werden die Kleider, Schlafsäcke und Hygieneutensilien im Museum, das an besagten Tagen auch Anlaufpunkt für diejenigen ist, die es weniger gut getroffen hat. So vielfältig wie der Stadtteil selbst ist

Vorstand: Christian Feder, Jürgen Henke, Sabrina Hirche, Marc Müller, Julia Staron

auch das Sankt Pauli Museum. Es Ist bunt, lebendig, kreativ und erfindet Teile von sich immer wieder neu. Im Jahr 2015 wird der junge Künstler Bobbie Serrano dem geneigten Besucher seine Interpretationen von bekannten Kiezgrößen darbieten. Synchronsprecher und Türsteher Viktor Hacker lässt das Publikum an seinen Erlebnissen aus der

Nacht vor Hamburgs Clubtüren in seiner Türsteherlesung teilhaben und es sind weitere spannende Sonderausstellungen zur Geschichte und zu den Geschichten St. Paulis geplant. Sankt Pauli Museum e.V. Davidstraße 17, 20359 Hamburg http://www.sankt-pauli-museum.de

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Augenschmaus und Ohrensaus Autorin: Annette Harms

Annette Harms: Erst kommt bedächtige Neugier und dann machen alle mit. Alle Fotos: © Kindermuseum

„Das soll hier ein Museum sein?“ Der Zwerg, der das fragt, geht mir knapp bis zur Hüfte, trägt eine knallgelbe Sicherheitsweste und muss schätzungsweise noch 100 mal schlafen, bis er seinen ersten, aufregenden Schultag erlebt. So eine Frage erschüttert die Museumsdirektorin, also mich, immer wieder bis ins Mark, denn selbstverständlich ist dies ein Museum, als solches Mitglied im „Bundesverband Deutscher Kindermuseen“ und von der Stadt Wuppertal hochoffiziell als institutionell förderwürdig anerkannt. Also stellt die Museumsdirektorin eine Gegenfrage: „Wie hattest Du Dir denn das Museum vorgestellt?“ Antwort: „So mit Dinos. Und viel größer.“ Der Knabe hat recht - das einzig Große in diesem Museum ist mit fast 1,90 m die Direktorin selbst - ansonsten haben wir

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hier gerade einmal 80 qm Ausstellungsfläche. Jetzt gilt es wachsam zu sein und dem kollektiven Misstrauen nicht weiter Raum zu geben: „Dafür haben wir hier einen Elefanten, eine Giraffe, die größer ist als, ich und ein Krokodil.“ Der Blick der Kinder spricht Bände und ich beeile mich, sie schnell vom kleinen Flürchen in die ersten beiden Ausstellungsräume zu bugsieren. Nun braucht es nicht mehr viel Überredungskunst, denn über 800 knallbunte Postkarten aus aller Welt, gemalt von Kindern zwischen 4 und 18 Jahren, bilden ein dekoratives Spalier bis hin zu dem bereitgestellten Stuhlkreis. „Wer von Euch malt gerne?“ Hände schnellen hoch – ein paar Jungs starren auf ihre Schuhe. Jetzt kommt mein Laserpointer ins Spiel,

zugegeben eine kleine technische Spitzfindigkeit, mit der ich dem Fehlen von musealen „En vogues“ wie Audioguides entgegenzutreten versuche....... Blödsinn, nach einschlägigen Fortbildungen und Besuchen in anderen Museen fühle ich mich mittlerweile darin bestätigt, hier so herrlich altmodisch zu bleiben. Nur die Malerei, die Musik, die Kinder und ich. Sonst nix dazwischen, abgesehen vom Laserpointer also kein Schnick und kein Schnack - nur Schabernack. Genau davon lebt das „KINDERMUSEUM“ nämlich, von dem direkten Miteinander, dem Dialog zwischen meinen KundInnen und mir, den Späßen, die wir teilen und dem gemeinsamen Entdecken von immer wieder Neuem, auch für mich, auch noch nach sieben Jahren. Gemeinsam mit den Kindern gehe ich


nun also auf Entdeckungsreise und wir suchen uns ein paar Lieblingsbilder heraus, die wir näher unter die Lupe, bzw. den Pointer nehmen. Dann dürfen Sie sich wünschen, was ich mit weißen Ölkreiden auf mein weißes Papier malen soll, und dort, wo voher nur ein Totenkopf erahnt werden konnte, erscheint er – schluppsdiwupps! - , sobald ich schwarzblaue Wasserfarbe darüber pinsele. Das begeistert Jungs wie Mädels gleicher-

damaligen Besitzerin der oben genannten Villa. Das Projekt wuchs und wuchs und mit ihm seine Schüler, nach vielen Jahren musste die Schule geschlossen werden und M. Beckmannshagen beschloss, die fertiggestellten Instrumente in der Parterrewohnung ihrer Villa auszustellen. Dort bot sie begleitete Führungen an, um Kinder und PädagogInnen gleichermaßen dazu anzuregen, selber kreativ zu werden. Das war 1986, und nachdem Margret

Freunde und nicht zuletzt meine Schwiegermutter nebst Schwester hinter den Verkaufs- und Basteltischen, und die beiden Sanis, die die Hüpfburg im Auge behalten sollten, lehnten auch jede Bezahlung ab :“Das war doch so lustig hier mit den vielen Kids!“ Zwei Jahre zuvor waren noch mit Spendengeldern sämtliche Räume samt Ausstattung modernisiert worden, um das „KINDERMUSEUM“ auf einen zeitgemäßen Stand zu bringen.

maßen und eines der Etappenziele, die ich mir jedes Mal stecke, ist damit erreicht. Sehe ich nun den einen oder die andere durch die schmalen Schlitze linsen, dort, wo die Rolltüren den Blick auf die Musikzimmer verstellen, wird es Zeit, die Sparte zu wechseln und den sogenannten „Teufelsbass“ ins Spiel bzw. zum klingen zu bringen. Die Geschichte dazu ist rasch erzählt: In unmittelbarer Nachbarschaft des Museums, das damals nur eine bewohnte Jugendstilvilla war, gab es vor 40 Jahren eine Förderschule. Aus einer Eigeninitiative der damals 10bis 16-Jährigen Schüler entstand in Gruppenarbeit ein Projekt, das aus Sperrmüllutensilien Musikinstrumente entwickelte. Dies geschah unter liebevoller und geduldiger Begleitung von Margret Beckmannshagen, der Werkkunstlehrerin und

Beckmannshagen aus gesundheitlichen Gründen kürzer treten musste, übernahm die Leitung Klaus Alter, der dafür vom Land als Grundschullehrer freigestellt wurde. Nach seiner Pensionierung vor sieben Jahren übernahm ich das Museum, jedoch als „geringfügig Beschäftigte“, anders hätte es sich bis heute nicht finanzieren lassen. Innerhalb kürzester Zeit musste ich als studierte Kunstpädagogin nun lernen, was es bedeutet, ein „Non-Profit-Unternehmen“ zu leiten, Spendengelder zu akquirieren, Kontakte zu knüpfen, kurz, das gesamte operative Geschäft zu stemmen. Ohne die Hilfe mancher ehrenamtlicher MitarbeiterInnen hätte ich das nie geschafft. So standen bei meinem bisher größten Projekt, dem Jubiläumsfest zum 25-jährigen Bestehen, etliche NachbarInnen,

Nach wie vor ist es ist im sprichwörtlichen Sinne schlicht und ergreifend schön und die Frage “Dürfen wir unsere Schuhe ausziehen?“ beweist: Offensichtlich fühlen sich die Kinder in den überschaubaren Räumen sofort wohl.

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Zurück zum Teufelsbass: Nachdem jedes Kind dem Instrument seinen eigenen, lustigen Ton entlockt hat, geht es in die Musikzimmer. Erst wird entdeckt und dann darf alles nach Herzenslust ausprobiert werden. Die Welt ist Klang. Manchmal ist die Welt aber auch Krach. Und die Grenzen zwischen beidem sind fließend. Dann wird es wieder still, und im Sitzkreis fische ich aus meiner roten Zauberkiste nach und nach Klopapierrolle, Astgabel, Flusskiesel, Joghurtbecher

und vieles mehr, lauter hervorragende Musikinstrumente, wie sich herausstellt. Dann wird es wieder „tierisch laut“ : „Wo ist die längste Trompete der Welt?“- der Elefantenschlauchschwanz ist schnell gefunden, ein Trompetenmundstück draufgesteckt und der erste „Mundpups“ wird durch den Schlauch geschickt - ein großer Spaß ist das. Nach einer gemeinsamen Trommelwirbelreise auf Kindercajones gibt es das große Finale: Ein gemeinsames Orchesterspiel nach

ganz eigenen Regeln, mit Schlagzeug, Xylophon und natürlich einem Dirigenten an der Spitze, der darf auch ruhig den einen oder anderen Wackelzahn haben. „Alter Schwede, haben wir`s krachen lassen!“ - da brauche ich am Ende nicht mehr fragen, ob es allen Spaß gemacht hat. Und dass sie dabei noch jede Menge gelernt haben, ist den alten Schweden gar nicht aufgefallen....

KINDERMUSEUM e.V. Leitung: Annette Harms Beyeröhde 1, 42389 Wuppertal Tel:.0202-605278 www.kindermuseum-wuppertal.de kindermuseum-wuppertal@alice.de Telefonische Sprechzeiten: MO - FR.: 10..00 bis 12.00 Uhr Das 90-minütige Mitmachprogramm (Zielgruppe: Kinder ab 4 – Jahren bis Ende Grundschulalter, auch „Offener Ganztag“ / Ferienprogramme) kann nur nach vorheriger Terminabsprache gebucht werden. Ebenso werden Kindergeburtstage und Fortbildungen angeboten. Das „KINDERMUSEUM“ ist ein gemeinnütziger Verein, neue Mitglieder sind herzlich willkommen.

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Aristoteles: „Der Zweck des Krieges ist Frieden“ Foto Hintergrund: © Uwe Strauch, Re. © NMM/Anne Reitsma

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Nationales Militärmuseum Im Dezember 2014 wurde das Nationale Militärmuseum der Niederlande eröffnet

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Foto: Š Uwe Strauch

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Im Nationalen Militärmuseum (NMM) dreht sich alles um die Bedeutung der Armee für die Niederlande in der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft. Diese Bedeutung wird mit Hilfe von Geschichten, Aktivitäten und gegenwartsbezogenen Ausstellungen, die einem im Gedächtnis bleiben, näher beleuchtet. Außer sechs Themenbereichen, in denen den Besuchern die Geschichte des Heeres und der Luftwaffe mit modernen Museumsausstellungen nähergebracht wird, gibt es eine riesige Ausstellungshalle, in der zahlreiche

beeindruckende Stücke aus der Sammlung - unter anderem Flugzeuge, Panzer, Panzerwagen und Hubschrauber - zu besichtigen sind. Das Museum ist am 11. Dezember 2014 vom niederländischen König Willem-Alexander eröffnet worden und hat seitdem über 100.000 Besucher begrüßen dürfen. Es befindet sich auf dem ehemaligen Militärflugplatz Soesterberg. Auf diesem Gelände, das mittlerweile zu einem 850 Hektar großen wunderschönen Naturund Freizeitgebiet entwickelt worden ist, nimmt das beeindruckende Muse-

umsgebäude einen prominenten Platz ein. Das spektakuläre 110 x 250 Meter große Dach ist von der Konstruktion von Bailey-Brücken inspiriert. Die 13 Meter hohen Außenwände unter dieser vier Meter hohen Dachkonstruktion sind größtenteils verglast, wodurch nicht nur der Lichteinfall optimal ist, sondern den Besuchern auch ein Gefühl der Weite vermittelt wird und sie die draußen ausgestellten Museumsstücke ebenfalls sehen können.

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Drs. Hedwig Saam, Direktorin vom Nationalen Militärmuseum der Niederlande, und Uwe Strauch (Gründer museum.de). Fotos © Uwe Strauch, Oben © NMM

Hedwig Saam, Direktorin vom Nationalen Miliärmuseum der Niederlande: „Das NMM zeigt, wie die niederländische Armee mit der Gesellschaft verbunden ist. Wer das Museum besucht, lernt, dass die Niederlande ihre Identität, Landschaft und freie Gesellschaft dem Einsatz ihres Heeres und ihrer Luftwaffe früher und heute zu verdanken haben. Im Grunde wird in diesem Museum ein Teil der niederländischen Geschichte erzählt, der unlöslich mit Krieg und Kämpfen verbunden ist. Dabei wird weder eine nationalistische Einstellung vertreten, noch wird Gewalt verherr-

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licht. Ganz im Gegenteil: das Museum zeigt alle Aspekte dieser Geschichte, einschließlich der unangenehmen und schmerzlichen. Es zeigt auf, dass Frieden ein kostbares und zerbrechliches Gut ist, das es ständig zu schützen gilt. Für die Niederlande ist das NMM ein einzigartiges Museum. Es ist ein nationales Museum mit internationalem Flair, das fest in der Region verwurzelt ist. Das NMM befindet sich nämlich auf einem ehemaligen Luftstützpunkt, der nun als Naturschutzpark der Öffentlichkeit zu-

gänglich gemacht worden ist. Mitten in dieser Landschaft liegt das militärische Erbe, wie die Bunker, Startbahnen und Aussichtstürme, und wartet darauf, von den Museumsbesuchern entdeckt zu werden. In den nächsten Jahren wird sich das NMM mit einer vielfältigen Programmgestaltung zu einem Ort entwickeln, an dem überraschende Ausstellungen und aktuelle Themen und Diskussionen über Krieg und Frieden angeboten werden.“


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Fotos: Li. © NMM/Anne Reitsma, Re: © Uwe Strauch


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Themenraum Armee Hier wird den Besuchern erläutert, wie die niederländische Armee organisiert ist, was ihre Aufgaben sind, wie sie funktioniert und was die Militärkultur kennzeichnet. Außerdem wird auf die Karrieremöglichkeiten bei der Armee eingegangen und erfahren die Besucher, wie der Alltag eines Soldaten aussieht. Anhand von Darstellungen uniformierter Militärangehöriger, die für die Aufgaben der einzelnen Teilstreitkräfte Symbol stehen, werden die verschiedenen speziellen Aufgaben der Teilstreitkräfte illustriert. Zu sehen sind ein Soldat, ein Flieger, ein Matrose und ein Angehöriger der Königlichen Marechaussee (Grenzschutz und Militärpolizei).

Persönliche Geschichten In den verschiedenen Sälen des Nationalen Militärmuseums wird man mitten in die 5000 Jahre alte Geschichte der niederländischen Armee hineinversetzt. Durch Filme, Töne, Computerspiele und interaktive Installationen erleben die Besucher das Leben der Soldaten geradezu hautnah mit. In einem der Säle erzählen Soldaten auf oftmals ergreifende und bewegende Art und Weise von ihren eigenen Erlebnissen. Die Besucher erfahren nach und nach, welche strategischen und menschlichen Entscheidungen Soldaten treffen müssen.

Krieg und operationelle Aufgaben Hier wird erläutert, wie die niederländische Armee Krieg geführt hat und für welche nationalen Aufgaben sie eingesetzt wurde. In einem audiovisuellen 360-Grad-Erlebnis werden die Besucher geradezu mitten in den Kampf hinein versetzt und erleben ihn hautnah mit: ein überwältigendes Erlebnis. Außerhalb der Kuppel wird auf die Kriege bis 1900, den Zweiten Weltkrieg, die Entkolonisierung nach 1945, den Kalten Krieg und die aktuellen Friedensmissionen eingegangen.

Fotos: Oben Links © Uwe Strauch alle anderen © NMM/Anne Reitsma

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Sherman-Panzer vom Schießübungsplatz Artillerie Schietkamp in Oldenbroek, wo er viele Jahre lang u.a. für Übungen mit Panzerabwehrwaffen eingesetzt wurde. Fotos: © Uwe Strauch

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Niederländisches Geschütz aus dem späten 19. Jahrhundert (Kasemattengeschütz). Foto: © Uwe Strauch

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„Beim Betrachten der Ausstellung bemerkt keiner die Beleuchtung – nur die Exponate.“

Museumsvitrine beleuchtet von Roblon

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Die Spitfire (Supermarine Spitfire L.F. Mk. IX) hängt an der Decke. Dahinter die V2-Rakete. Fotos: Š Uwe Strauch

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Flugzeuge an der Decke Die niederländische Armee hat eine reiche Geschichte, die im NMM lebendig wird. Am auffälligsten ist dabei die Sammlung von Militärfahr- und -flugzeugen: 19 Flugzeuge und Hubschrauber hängen von der Decke herab. Modernste Panzer stehen Seite an Seite mit einer historischen Feldküche und einem alten Feldlazarett. Wer alle Sinne und seine Fantasie anregen möchte, bekommt dazu im NMM jede Menge Gelegenheit. Und auch Kinder werden sich hier keine Sekunde langweilen. Foto: © Uwe Strauch

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Foto Oben: © NMM/Anne Reitsma. Alle anderen: © Uwe Strauch

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Foto Links: © NMM/Anne Reitsma. Alle anderen: © Uwe Strauch


NATIONAAL MILITAIR MUSEUM Verlengde Paltzerweg 1 3768 MX Soest, Netherlands https://www.nmm.nl

Das Flugboot Dornier-24. Foto: Š Uwe Strauch

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Endlich: Gütesiegel für kleinere Museen Ein kleines Museum bleibt klein, kommt als „Regionales Kulturerbe“ aber groß heraus. Autor: Jörg Werner

Wenn ein kleines Museum in einer kleinen Stadt von mehr Besuchern träumt und einen Wunsch frei hat, dann kommt dabei normalerweise eine „neue“ Dauerausstellung heraus. Das Langbein-Museum in Hirschhorn am Neckar * hatte aber wohl mehrere Wünsche frei: Ein Jahr nach seiner Erneuerung wurde die Dauerausstellung der Langbein-Sammlung jetzt zum „Regionalen Kulturerbe“ des Kreises Bergstrasse befördert. Dieses Beispiel kann den vielen kleinen, häufig übersehenen und unterschätzten Museen Hoffnung machen, mit Hilfe des neuen Labels die verdiente Beachtung im kulturellen Gesamtangebot zu finden. Dazu müssen sie aber erst einmal ihre Stadt oder ihren Kreis dazu bringen, dem Vorbild des Kreises Bergstrasse nachzueifern, sich diese neue, wegbereitende Idee ebenfalls zu eigen machen. In Hirschhorn hat zu diesem Happy-End nicht zuletzt eine Verjüngungskur des Museums beigetragen, das zuletzt in der achtziger Jahren neu gestartet war. Die Investition begrenzter eigener Mittel hat zunächst zu einem moderaten Umbau der Ausstellungsräume geführt. Ein Grobkonzept arbeitete dann Alleinstellungsmerkmale heraus, so dass zusätzliche EU-Fördermittel eingeworben und damit dem Städtchen eine ganz neue Inszenierung der wundersamen Sammlung des „Naturalisten“ Carl Langbein beschert werden konnte. Ein „Heimatmuseum herkömmlicher/alter Art“ sollte dabei nicht heraus kommen. Und trotzdem ist das Langbein Museum mit seiner „Alterthümersammlung“ nicht etwa moderner geworden. Es sieht jetzt sogar viel älter aus, als nach seiner letzten Überarbeitung in den achtziger Jahren. Ein „neues“ Museum – und trotzdem älter als vorher Die „neue“ Szenografie lässt von der Eingangstür an keinen Zweifel aufkommen, dass ein Abstecher in die vergangene Welt Langbeins bevor steht und die Be-

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sucher auch emotional charmiert werden sollen: Samtvolants an den Durchgangstüren, wandhohe Spiegel am Ende der neu geschaffenen Raumachsen, ein Farbprogramm und ein historisches Wanddekor (aufgetragen mit historischen Musterwalzen) sorgen für gefühlte Historizität, unterstreichen das Wundersame an der Sammlung Carl Langbeins und lassen den Besucher vergessen, dass er durch Räume streift, die ursprünglich nicht für Ausstellungszwecke entworfen wurden. Eine Fotostrecke zu dieser Ausstellung sehen Sie unter www.museumsreif.com. Jörg Werner: „Vor allem kleine Museen bergen einen Großteil des Regionalen Kulturerbes und verdienen außerdem besondere AnerFür die inhaltliche Konzeption kennung für ihr ehrenamtliches Engagement.“ Foto: © H. Schröder des Museums haben die Ausstellungsmacher von MUSEUMSREIF den Blick auf aktuelle und hochkarätige Beispiele nicht gescheut. Überrascht haben sie da- Wie einige andere aktuelle museale Präbei festgestellt, dass seit geraumer Zeit sentationen auch setzt die Konzeption von einer „Renaissance der Wunderkam- von MUSEUMSREIF -in enger Zusammenmer“ gesprochen wird und sich der Reiz arbeit mit dem Historischen Verein der solcher Wunder zunehmend in musealen Stadt- auf das „metaphorische Potenzial“ und auch künstlerischen Präsentationen der Exponate, arrangiert auch gern einmal „Objekte, die nicht zusammen gehöwiderspiegelt. ren“ und konzipiert so eine „OrganisatiDie Ausstellungsmacher von MUSE- on der Erinnerung“. UMSREIF sahen sich deshalb bestärkt, Das entspricht ganz dem Credo von MUauch die Präsentation der gesammelten SEUMSREIF, dass nämlich „... eine AusWunder Carl Langbeins in diesem Sin- stellung letztlich im Kopf des Besuchers ne zu konzipieren und zu gestalten. Als entsteht – und dort möglichst lange bleiGastwirt und Multitalent hat Carl Lang- ben soll“. bein (1816-1881), ein wirklich außerge- Ob „Alle Besucher (sollen) auf ihre Weise wöhnlicher Sohn der Stadt, sich selbst dem Dialog der Dinge folgen können, mit als „Naturalist“ und als „als warmer Teil- den Augen und jenseits der Sprache“, das nehmer alles Schönen und Religiösen, muss sich in der Folge erweisen. der Kunst und Wissenschaftsangehöri- Die Juroren des Regionalen Kulturerbes gen“ bezeichnet - kein Spinner, sondern im Kreis Bergstrasse jedenfalls hat dieses ein offener Geist, eine Art Weltbürger. Vorgehen offenbar überzeugt. Trotzdem Seinen Gasthof nannte er konsequen- werden im Museum Audioguides bereit terweise ebenfalls „Zum Naturalisten“ gehalten - als „Plan B“. Damit geht es und brachte in den Fluren und Gäste- aber nicht darum, Geschichte zu lehren, zimmern all seine Sammlerstücke unter, sondern um „Geschichten hinter den Obbevor er sich an den Bau einer Art Rit- jekten“ aus fünf unterschiedlichen Perspektiven hörbar zu machen. terburg als sein Museum machte.


Mit dem Eindruck „Unser Museum“ ist das Logo dieser Ausgabe auch als Aufkleber beigelegt – sozusagen zum Ausprobieren. Oder als „Denkzettel“, dass diese Auszeichnung endlich in Ihrer Region etabliert wird und dass sie insbesondere für die kleinen Museen von großer Bedeutung ist. Städten und Kreisen, welche die Auszeichnung vergeben wollen, überlassen wir auf Anfrage kostenfrei die Nutzung des geschützten Zeichens zur Print- und zur elektronischen Verwendung. Wir übersenden Ihnen dazu die fertige Druckvorlage mit dem Eindruck der Bezeichnung Ihrer Region (an Stelle „Unser Museum“). Textgleiche Emaille-Plaketten als autorisierter Hinweis im Außenbereich auf alle Kulturort können Landkreise und Städte über MUSEUMSREIF! entgeltlich beziehen.

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Nachher: Fit für die Auszeichnung.

Vorher: Langbein Museum Hirschhorn am Neckar. Fotos: © MUSEUMSREIF!

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Ihr Museum wird „Regionales Kulturerbe“ – wie geht das ? Diese Erfolgsgeschichte vermag auch anderen kleineren Museen Mut zu machen, obwohl bisher nur selten versucht wird, der häufig schwierigen Lage dieser zahlreichen Museen mit Zuversicht zu begegnen und eine tragfähige Perspektive für sie zu suchen. Die Gedanken an unverhältnismäßige Investitionen und Folgekosten sowie die Ungewissheit eines Erfolges sind in der Regel die Totschlagargumente. Aber gerade die kleineren Museen sind für die lokale und regionale Identität unerlässlich und bergen in der Regel einen wichtigen Teil des kollektiven Gedächtnisses. Diesen Museen kann jetzt durch die Auszeichnung mit dem Gütesiegel „Regionales Kulturerbe“ die verdiente Aufmerksamkeit im kulturellen Gesamtangebot verschaffen und perspektivisch zu ihrem Überleben beitragen. Wenn das im großen Maßstab mit der Auszeichnung als „Weltkulturerbe“, der Verleihung internationaler Titel oder des Schutzes als Denkmal funktioniert – warum dann nicht auch bei den kleinen Museen? Wenn ein Museum „fit“ ist und –so wie es ist- die Juroren bei der Wahl zum Regionalen Kulturerbe zu überzeugen vermag, dann kann das auch ohne weitere Investitionen funktionieren.

werden. Der Kreis Bergstrasse ist hier sicherlich bereit, seine Erfahrungen mitzuteilen. Für den Fall, dass der fremde Blick auf das Kulturerbe zu keinem positiven Ergebnis führen, kann das Projekt mit nachvollziehbaren Gründen gestoppt werden, ohne dass der Vorwurf zu fürchten ist, dass hier unvertretbare Investitionen unternommen worden sind. Übrigens lassen sich Agenturen wie MUSEUMSREIF! durchaus darauf ein, die Kosten einer solchen Voruntersuchung mit zutragen, wenn im Erfolgsfall eine Beauftragung mit der weiteren Planung und Umsetzung in Aussicht steht. Allein die Erneuerung und konzeptionelle Ausrichtung auf ein Alleinstellungsmerkmal führt aber noch nicht automatisch zu mehr Museumsbesuchern. Dafür ist die werbliche Verbreitung der Botschaft notwendig, dass es jetzt ein spannendes und besonderes Museum zu besuchen gibt. Vor allem kommt es darauf an, das Kulturerbe vor Ort und im Außenbereich mit einem gut erkennbaren Zeichen für Besucher erkennbar zu machen, vergleichbar

Ein Gütesiegel für alle Regionen Dieses Zeichen wird eine Zeit lang brauchen, um sich zu bundesweit zu etablieren und „verstanden“ zu werden. Wenn Alle Kreise und Städte dem Beispiel des Kreises Bergstrasse folgen und sich in Richtung Regionales Kulturerbe auf den Weg machen, könnte es allerdings ein Problem geben: Sollte sich in der Folge Jeder eine eigene Kennzeichnung für „sein“ Kulturerbe ausdenken, dann würde dies die Erkennbarkeit und in der Folge den Wert der Auszeichnung mindern. Im schlimmsten Fall könnte das dazu führen, dass ein Regionales Kulturerbe gar als „hausgemacht“ belächelt wird (Papporden-Effekt). Eine unerlässliche Voraussetzung, damit sich das Qualitätssiegel durchzusetzen vermag, ist deshalb eine einheitliche, kreisübergreifende Kennzeichnung (Logo und Plakette). Nicht erforderlich ist wohl eine qualitative

EXHIBITION

Regionales Kulturerbe: Das Ziel ist der Weg Bestehen Zweifel an der Fitness, birgt das Museum jedoch eine wertvolle Erbschaft der Region, dann schafft eine „Fitness-Kur“ die Voraussetzungen, damit das kulturelle Erbe im Museum nicht als Hinterlassenschaft übersehen wird. Wie in Hirschhorn am Neckar wird es danach als Schatz erkennbar, der sich mit den Schätzen der anderen Bewerber um die Auszeichnung zu messen vermag. Um ein solches Vorhaben anzuschieben, braucht es zunächst ein entschiedenes und couragiertes „Ja“ (zum Beispiel des Bürgermeisters). Dabei sollte das Projekt durch ein Blick von außen (von einer erfahrenen Agentur) zunächst darauf abgeklopft werden, was genau das Potenzial der jeweiligen Sammlung ist. Ist die Suche nach alleinstellenden Merkmalen erfolgreich, könnten ja zum Beispiel EU-Fördermittel eingeworben werden. Ist in der Region das Gütesiegel noch nicht bekannt, muss die Auszeichnung erst einmal eingeführt und Regeln und Zuständigkeit für dessen Verleihung müssen verabschiedet

mit dem Zeichen für Denkmalschutz oder der Plakette des Weltkulturerbes.

Ist Ihr Museum in Form ? Gibt es Zweifel daran, ob Ihr Museum für die Anerkennung als Regionales Kulturerbe in Form ist, bietet MUSEUMSREIF! ein pauschales Leistungspaket an. Das ist für diesen Zweck aufgelegt und will kleineren Museen zu einer tragfähigen Entscheidungsgrundlage verhelfen, ob und in welche Richtung eine Dauerausstellung für die Anerkennung als Regionales Kulturerbe optimiert werden sollte. Zwei Experten von MUSEUMSREIF! – ein Gestalter und eine Konzepterin – machen sich dazu auf den Weg zu Ihnen. Der CHECK umfasst: 1. eine Aufnahme des Ist-Zustandes der Dauerausstellung vor Ort (1/2 Tag); 2. den Dialog mit Ihnen und Ihren Fachleuten vor Ort (1/2 Tag);

3. eine Analyse der Stärken und Schwächen der Ausstellung, die in eine begründete, schriftlich ausgearbeitete Anregung mündet, mit welchen Ideen und Maßnahmen (Konzeption/Gestaltung) erfolgreich Kurs genommen werden könnte auf eine Anerkennung als Regionales Kulturerbe; 4. Die fünf Tagessätze (Reise/Arbeit vor Ort/Ausarbeitung des Handouts) bieten wir kleinen Museen zum pauschalen PREIS von 1.900,- Euro inklusiv 19% MwSt. an (zzgl. Reisekosten ab Zentrale Bielefeld oder Niederlassung Bremen ). Natürlich freuen wir uns, wenn sich aus dieser „Vorarbeit“ in der Folge eine Beauftragung an MUSEUMSREIF! mit einer detaillierteren konzeptionellen und/ oder gestalterischen Planung oder ihrer Realisierung ergibt. Dann halten wir es auch für fair, die Kosten für den Check mit dem Auftragshonorar zu verrechnen.

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Vorher: Langbein Museum Hirschhorn am Neckar.

Normierung der Bedingungen für die Vergabe der Auszeichnung, denn jeder Kreis kann selbst am besten entscheiden, (und das ist gerade eine der Stärken dieser Auszeichnung), was er als sein kulturelles Erbe für vorzeigenswert hält. Was wenig hilfreich wäre, ist eine einschränkende Definition derjenigen „Erbschaften“, für die überhaupt eine Auszeichnung vergeben werden kann. Hier geht die aktuelle Diskussion nämlich in die entgegengesetzte Richtung und befasst sich mit der Idee des „Sozialen Denkmalschutzes“ oder gar der eines „Immateriellen“ Kulturerbes, also mit der Ausweitung des Schutzbereiches. Für das „Regionale Kulturerbe“ wäre ein Ausschluss von „Gebäuden“ –und damit von Museen!- von der Würdigung ausgesprochen kontraproduktiv: Gerade für die zahllosen kleinen Museen und Sammlungen, deren Zukunft zunehmend in Frage steht, kann die Aussicht auf diese Auszeichnung wegweisend und rettend sein. Auf der Tagesordnung kann dagegen die Frage stehen, welche weiteren Folgen denn an die Verleihung des Titels geknüpft werden. Soll es wirklich sein Bewenden haben mit der Überreichung der Urkunde

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Nachher: Fit für die Auszeichnung. Fotos: © MUSEUMSREIF!

und der Aushändigung der Plakette ? Um einen solchen oft langwierigen Prozess anzuschieben, der sich wie so oft an den Äußerlichkeiten der Sache aufhalten könnte, stellt MUSEUMSREIF hier einen Entwurf für ein bundesweites Kennzeichen des Regionalen Kulturerbes vor. Der Entwurf orientiert sich an den drei leitenden und bereits existenten Zeichen „Weltkulturerbe“, „Landkreis“ und „Denkmalsschutz“ und zielt darauf ab, das Regionale Kulturerbe möglichst auf Augenhöhe mit diesen bereits anerkannten Würdigungen zu installieren. Der anliegende Probe-Aufkleber soll Museen motivieren und es einfacher machen, dieses Thema zur anzustoßen und ihre Region (Stadt oder Kreis) darauf aufmerksam zu machen. Bringen Sie Ihre Region dazu, dass sie sich auf den Weg macht, um die Verleihung der Anerkennung regional zu organisieren und zu regeln. In diesem Rahmen ist MUSEUMSREIF! dann ansprechbar, das Zeichen mit dem Namen Ihrer Region zu versehen, die fertige Druckvorlage kostenfrei zur Verfügung zu stellen und der Region zugleich das Nutzungsrecht an dem geschützten Logo zu übertragen. Damit ist die Feder-

führung bei dieser Aktion in sicheren Händen und die Auszeichnung kann verliehen werden, bundesweit erkennbar durch die einheitliche Kennzeichnung. Die Plakette zur Kennzeichnung des Regionalen Kulturerbes im Außenbereich (vergleichbar der des Denkmalschutzes; Maße 12X12 oder 15X15 cm; emailliert) kann über MUSEUMSREIF! bezogen werden. Gern beantworten wir Ihre Fragen zur Auszeichnung „Regionales Kulturerbe“.

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