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Ausgabe 2017 | 6,80 €

magazin Deine kommunale Welt

5 PRAXISTIPPS aus der Kommune für die Kommune

MARTIN SCHULZ Der Kanzlerkandidat im Interview

CHRISTIAN LINDNER IM GESPRÄCH

DIGITALE VORDENKER   Warum die Digitalisierung für Kommunen enorme Vorteile bringt

EXKLUSIV

EFFIZIENT

PROGRESSIV

MODERN

KGSt-Vorstand zur Digitalisierung

Einblicke in modernes Friedhofsmanagement

Wieso PPP vorteilhaft für Kommunen ist

Künstliche Intelligenz & Kommunen


KOMMUNE 4.0 – FLUCH ODER SEGEN? Liebe Leserinnen und Leser, der Erfolg der ersten Ausgabe von „K1 – Das Magazin“ hat unsere Erwartungen übertroffen. Der Zuspruch, den wir per Mail oder in persönlichen Gesprächen erfahren haben, motivierte uns, erneut ein Magazin zu kommunalen Themen aufzulegen. Unsere Gesellschaft entwickelt sich ständig weiter. Sie muss sich neuen Fragen stellen und der Zukunft gegenüber offen sein – gerade im Hinblick auf die unausweichliche Digitalisierung in allen Lebensbereichen. Das trifft natürlich auch für Kommunen zu, der kleinsten räumlich-administrativen bzw. politisch-geografischen Verwaltungseinheit. Von den Gemeinden, Städten und Landkreisen gehen wichtige Impulse für das gesamte öffentliche Leben aus. Gemeinsam mit Fachleuten und Persönlichkeiten wie dem Bundesvorsitzenden der FDP Christian Lindner, dem Kanzlerkandidaten der SPD Martin Schulz oder dem Vorsitzenden der KGSt Rainer Christian Beutel versuchen wir Antworten zu aktuellen Themen zu finden und möchten darüber hinaus Denkanstöße vermitteln. In dieser Ausgabe beleuchten wir das Thema „Kommune 4.0“, zeigen erstaunliche Statistiken aus dem öffentlichen Sektor, beschreiben in Praxisberichten modernes, digitales Friedhofsmanagement und schildern funktionierenden Bürokratieabbau mittels Softwareunterstützung. Ferner betrachten wir aus verschiedensten Blickwinkeln die Entwicklung in puncto Digitalisierung und hinterfragen, was eine Kommune heute bieten muss, damit ihre Bürger gut leben können. Praktische Anregungen, um sich im Büroalltag fit zu halten, runden schließlich unterhaltsam den Inhalt ab. „K1 – das Magazin“ gibt Ihnen also wieder einen informativen Überblick über zahlreiche kommunale Aspekte. Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen und Blättern. Ihr Dr. Tino Wagner

Herausgeber mps public solutions gmbh, Dr. Tino Wagner, Maria Trost 1, 56070 Koblenz, t +49 261 98824-0, f +49 261 98824-101, www.mps-solutions.de Auflage: 10.000 Exemplare; Erscheinungsweise: jährlich Redaktion, Lektorat, Koordination, Satz / Layout, Produktion: Dominic Multerer GmbH, Von-Kirn-Straße 11, 56182 Urbar, www.dominic-multerer.de; CvD: Dominic Multerer Das Magazin und alle enthaltenen Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Abdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Herausgebers oder der Redaktion. Dies gilt auch für die gewerbliche Vervielfätigung per Kopie und die Aufnahme in elektronische Datenbanken. Für unverlangt eingesandte Manuskripte, Fotos, Illustrationen und Datenträger übernimmt die Redaktion keine Gewähr. Bildnachweise © Stefan Veres / Agentur dominic-multerer.de (Titelbild, S. 3, 4/5, 10/11, 12/13, 14/15, 16, 38/39, 41, 42/43); © RB Consulting (S. 7), © oneinchpunch / fotolia (S. 8/9); © FC Köln (S. 21); © Annette Hauschild (S. 22); © Jamrooferpix / fotolia (S. 23, 25); © SPD/Susie Knoll (S. 26); © SPD/Quelle: Photothek (S. 28); © vodafone (S. 30); © Deutsche Bank (S. 31); © Cybrain / fotolia (S. 32); © psdesign1 / fotolia (S. 32); © Denise Krentz (S. 37); © DiG/Trialon (S. 46); © Jörg Gläscher (S. 48); S. 49 © Sergey / fotolia (S. 49); © DJ Plewka / fotolia (S. 19); © Regionalenergie Osttirol (S. 19); © BildPix.de / fotolia (S. 18); © JFL Photography / fotolia (S. 18)

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Wie gelingt eine effizientere Vorgangsbearbeitung quer durch die Verwaltung?

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Mit weniger Personal immer mehr Aufgaben bewältigen

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Wie geht das?

Christian Lindner

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Der Bundesvorsitzende der FDP zum Thema Kommune 4.0

Bürokratieabbau im Bau- und Betriebshof Offene Fragen – unterschiedliche Antworten

Neven Subotić fragt … Hajo Schumacher antwortet

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Bürgerfreundliches und effizientes Friedhofsmanagement durch Digitalisierung

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Drei Blickwinkel auf kommunale Entwicklungspolitik Dirk Niebel (Bundeminister a.D.), HansDieter Holtzmann (Leitung öffentlicher Sektor Deutsche Bank) und Dr. Anette Schuhmacher (Leitung Bereich Regulatory Media & State Aid Vodafone) sprechen.

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Herausforderungen der Kommunen sind ohne Aufgabenkritik nicht zu meistern Eine Kolumne von Bundeswirtschaftsminister a.D. Rainer Brüderle


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Kommunen müssen strategischer denken Rainer Christian Beutel über kommunale Strategien und nötige Entwicklungen

26 Gut leben in Kommunen Fragen an Martin Schulz, den Kanzlerkandidaten der SPD

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Die Künstliche Intelligenz kommt Wie werden sich Kommunen verändern?

Public-Private-Partnership Eine Win-win-Situation in Zeiten der Digitalisierung

5 Praxistipps … … vom Leiter der Stabsstelle e-Government in Hanau

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Mit viel Schwung durch den kommunalen Büroalltag

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Was tun Sie heute für die Transparenz Ihres Haushalts? Und was ist geplant? Offene Fragen – unterschiedliche Antworten

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Sahra Wagenknecht im Gespräch

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Die kommunale Welt in Zahlen

Eine gute Kommune muss gute Dienste leisten

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Softwarepower für Kommunen!

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Bauhof, Friedhof,

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HERAUSFORDERUNGEN DER KOMMUNEN SIND OHNE AUFGABENKRITIK NICHT ZU MEISTERN Eine Kolumne von Bundeswirtschaftsminister a.D. Rainer Brüderle

Die Aufgaben für die Kommunen in Deutschland werden in den kommenden Jahren eher zu- als abnehmen. Als Stichworte seien dazu nur der Demografische Wandel, die Digitalisierung, die Integration geflüchteter Menschen, der Erhalt einer leistungsfähigen Infrastruktur und die Sicherung der öffentlichen Daseinsvorsorge genannt. Jede Aufgabe für sich ist schon eine große Herausforderung. In der Summe werden sie aber die Kommunen überfordern, wenn die Politik vor Ort nicht die richtigen Prioritäten setzt und Machbares von Wünschenswertem trennt. Dazu ist in eine schonungslose Aufgabenkritik in vielen Kommunen notwendig, um sich die finanziellen Freiräume zu erschließen, die zum Beispiel beim Ausbau einer leistungsfähigen digitalen Infrastruktur dringend notwendig sind. Leider herrscht aber in vielen Städten und Gemeinden noch ein politischer Geist der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts, der in letzter Zeit durch die „Re-Kommunalisierungsbewegung“ fröhliche Urstände feiert. Also ein Glaube, der Staat könne und müsse alles leisten. In unserer Sozialen Marktwirtschaft soll er das aber nicht. Und ehrlich gesagt, er kann es auch vielfach einfach nicht. Was er aber bestens kann, ist Markt zu organisieren, Rahmen zu setzen und ihn mit einer guten Verwaltungsinfrastruktur zu unterstützen. Da sind die deutschen Kommunen nicht nur in Europa ein leistungsfähiges Vorbild. Für sie gilt es jetzt, Vorreiter bei der Digitalisierung zu sein. Kommunen, die hier vorne sind, werden zukünftig auch wirtschaftlich und finanziell im Vorteil sein, weil sie damit Unternehmen und Dienstleistungen ein attraktives Angebot machen. Ein gutes Beispiel für eine gelingende Aufgabenkritik ist – im Zusammenhang mit dem demografischen Wandel – die Pflege älterer Menschen in den Städten und Gemeinden. Hier gibt es durch die Pflegeversicherung einen funktionierenden Markt. Die Kommunen sollen dafür sorgen, dass regional ein breit gefächertes pflegerisches Angebot bereitsteht und somit die pflegebedürftigen Menschen und ihre pflegenden Angehörigen das für sie passende Angebot tatsächlich auswählen können. Aufgabe der Kommunen darf dabei weder die Bedarfssteuerung der Angebote noch die Fallsteuerung der pflegebedürftigen Menschen sein. Es ist kein Risiko der Kommunen, wenn ein Dienstleister einen Pflegedienst, eine Tagespflege, eine Wohngemeinschaft oder ein Pflegeheim anbietet. Die Kommune ging und geht hier keine Auslastungsgarantie ein; das Risiko für ein bedarfsgerechtes Angebot war und bleibt beim Träger. Aufgabe der Kommunen muss es sein, Versorgungslücken zu erkennen und diese zum Wohle der Pflegebedürftigen zu schließen. Als Anbieter dieser fehlenden Leistungen müssen sie deshalb nicht auftreten. Angesichts kaputter Schultoiletten, tiefer Schlaglöcher in kommunalen Straßen oder monatelanger Wartezeiten bei Behördengängen zweifeln immer mehr Bürgerinnen und Bürger an der Handlungsfähigkeit ihrer Kommune und der Politik insgesamt. Eine grundlegende Aufgabenkritik in den Kommunen kann diese Handlungsfähigkeit wiederher­ stellen und ist dann auch ein Beitrag für die Rückgewinnung von Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Politik und in die Demokratie.

Rainer Brüderle war von 1987 bis 1998 Wirtschaftsminister des Landes Rheinland-Pfalz, von 1998 bis 2009 stellvertretender Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion sowie von 1995 bis 2011 stellvertretender Bundesvorsitzender der FDP. Von Oktober 2009 bis Mai 2011 war er Bundesminister für Wirtschaft und Technologie sowie von Mai 2011 bis Oktober 2013 Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion. Von 1983 bis 2011 war er zudem FDP-Landesvorsitzender in Rheinland-Pfalz. Er ist derzeit Vorstandsvorsitzender des Steuerzahlerbundes Rheinland-Pfalz und Präsident des bpa Arbeitgeberverbands.

Foto: RB Consulting

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Wie gelingt eine effizientere

VORGANGSBEARBEITUNG quer durch die Verwaltung?

Die Anforderungen an öffentliche Verwaltungen sind in den letzten Jahren enorm gestiegen. Einerseits sollen Vorgänge zeitsparend, verbindlich und fachübergreifend bearbeitet werden. Andererseits wird ein hohes Maß an Serviceorientierung gewünscht. Ein Praxisbericht. Anders als noch vor etlichen Jahren werden mittlerweile an ein effektives und effizientes Prozessmanagement und an die Bearbeitung von Vorgängen wesentlich höhere Anforderungen gestellt. Dazu gehören eine hohe Auskunfts- und Informationsbereitschaft sowie eine hürdenfreie und fristgerechte Bearbeitung. Durch den Einsatz intelligenter Software wird eine Verwaltung diesen Anforderungen gerecht. mpsINPRO ermöglicht das.

Auch die weitere Abwicklung geschieht innerhalb von mpsINPRO vollständig digital. Es ist ein geschlossenes System. Bei der Implementierung der Software plante man die Einbindung der Feuerwehr mit einigen Lizenzen bereits ein. Durch die digitale Behördenbeteiligung können sogar Prozessschritte außerhalb der eigenen Verwaltung abgebildet werden. Fachämter sollten übergreifend barrierefrei und effizient arbeiten

Bauaufsichtsprozesse können effizienter gemacht werden Die nordrhein-westfälische Stadt Bochum mit gut 365.000 Einwohnern setzt mpsINPRO für die Aktenführung bei der Bauaufsicht ein. Vor über 17 Jahren erkannte man, dass ein System benötigt wird, damit bei der Vielzahl von Anfragen und Vorgängen der Überblick gewahrt bleibt. Man entschied sich für mpsINPRO. Von 2004 an werden in Bochum alle Bauanträge in elektronischen Akten erfasst. Seit ihrem Ersteinsatz wurde die Softwarelösung stetig ausgebaut. Heute werden eingehende Anträge und deren Anlagen eingescannt. Die zu beteiligenden Behörden werden mithilfe der elektronischen Antragskonferenz digital beteiligt.

Es ist ein geschlossener Prozess, der transparent und automatisiert seinen Weg durch die Verwaltung nimmt.

Der Bauantrag mit rund 2.100 Vorgängen pro Jahr ist das Hauptverfahren, was mit mpsINPRO abgewickelt wird. Hinzu kommen Anträge auf Baulasten oder Statik. Auch die Rechnungserstellung wird darüber generiert. Jährlich werden so ca. 6.500 Vorgänge mit über 30.000 TextDokumenten erstellt


„mpsINPRO sichert Zeitersparnis, Übersichtlichkeit und garantiert Verfügbarkeit. Ebenfalls zeigt es auf, dass die integrierte Gesamtlösung gegenüber verteilten Insellösungen vorteilhaft ist. Eine Software wie mpsINPRO ist nicht eine Frage des ,nice to have‘, sondern absolut erforderlich – für jeden Verwaltungsvorgang!“ Frank Leonhardt, Stadt Dresden

und zusätzlich rund 40.000 neue PDF-Dokumente mit INPRO verwaltet. Rückblickend beurteilt Herr Möllers vom Stadtplanungs- und Bauordnungsamt der Stadt Bochum die Software als „durchweg positiv. Wichtig ist, dass man eine Idee hat, wie man seine Verwaltung effizienter machen möchte. Die Software ist ,nur‘ das Mittel“. Landeshauptstadt setzt auf Effizienzsteigerung mit mpsINPRO Die 544.000 Einwohner große sächsische Landeshauptstadt Dresden setzt den Prozessmanagementbaukasten seit 2002 ein. Er ist Grundlage für die tägliche Arbeit der rund 70 Mitarbeiter der Bauaufsicht. Ferner verwenden weitere Fachämter für Recherchen die Datenbank des Systems. Von der Auskunft

bis zur Baugenehmigung – alle der gut 8.000 bauaufsichtlichen Vorgänge pro Jahr werden mit mpsINPRO bearbeitet. Die Software hat die Abläufe besser strukturiert und damit erhebliche Potenziale zur Effizienzsteigerung erschlossen. Kooperationskreis fördert Austausch zwischen Anwendern und Hersteller Ein besonderer Austausch findet regelmäßig im sog. INPROKooperationskreis statt. Das ist ein Zusammenschluss von verschiedenen Produktanwendern und Herstellern. Gemeinsam mit den IT-Experten von mps wird so an der Verbesserung von Produkten gearbeitet. Die Arbeit in Kommunen im Bereich der Bauordnungs-, Umwelt- oder Ordnungsämter wird also durch intelligente Software nicht nur effizienter und effektiver, sie ist ebenso ein Schritt in die digitale Zukunft.

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CHRISTIAN LINDNER Der Bundesvorsitzende der FDP zum Thema Kommune 4.0

Er ist der jüngste Vorsitzende in der Parteigeschichte, war Sprecher für Technologie und setzt sich jetzt für Bildung, Wirtschaft und Digitalisierung ein. Christian Lindner spricht offen über die Entwicklung der Digitalisierung in den Kommunen. Herr Lindner, Sie haben für sich und die FDP die Schwerpunktthemen Bildung, Wirtschaft und Digitalisierung ausgerufen. Was ist Ihnen dabei wichtig aus dem Blickwinkel der Digitalisierung?

Tempo. Denn gerade bei der Digitalisierung gilt das Prinzip „the winner takes it all“ ganz besonders. Wer an der Spitze ist, wird immer stärker. Deutschland verliert hier allerdings seit Jahren Zeit und Anschluss.

Neben dem demografischen Wandel und der Globalisierung ist die Digitalisierung ein prägender Faktor für die Arbeitswelt, die Wirtschaft, unsere Gesellschaft und unseren Alltag. Die Digitalisierung kann für uns alle das Leben besser machen. Denken Sie etwa an selbstfahrende Autos, die Unfälle verhindern, 3-D-Drucker, die ihre eigenen Ersatzteile produzieren können, oder ferngesteuerte Operationen, die über große Distanzen hinweg Leben retten. Der technologische Fortschritt bringt gewaltige Chancen. Um diese auch für uns zu nutzen, braucht Deutschland jedoch mehr

Als ehemaliger Sprecher für Technologie haben Sie sicher eine Meinung zum Entwicklungsstand der digitalen Technologie in Deutschland. Wie ist Ihrer Ansicht nach Deutschland in diesem Bereich aufgestellt und wie beurteilten Sie das Bild auf kommunaler Ebene? Stichworte z.B.: Breitband, Software in Kommunen, IT-Standort. Offen gesagt ist Deutschland in vielen Bereichen ein digitales Entwicklungsland. Drei Beispiele: Unsere Bildungspolitik steckt noch immer in der Kreidezeit fest. Moderne Tech-


Interview_Dominic Multerer

Über Christian Lindner Christian Lindner, Jahrgang 1979, wurde zwar in Wuppertal geboren, wuchs aber in Wermelskirchen (nordöstlich von Köln) auf. Nach dem Abitur 1998 leistete Linder Zivildienst. Von 1999 bis 2006 studierte Lindner Politikwissenschaft sowie Staatsrecht und Philosophie. In diesen Jahren war er auch als selbstständiger Unternehmensberater tätig und gründete selbst zwei Unternehmen. Sein Studium schloss er als Magister Artium (M.A.) mit einer Arbeit über Steuer­ wettbewerb und Finanzausgleich ab. Während des Studiums entschied sich Lindner für eine Reserveoffizierslaufbahn bei der Luftwaffe und wurde 2011 zum Hauptmann der Reserve ernannt. Bereits mit 18 trat Lindner der FDP bei, war Landesvorsitzender der Liberalen Schüler NRW und ist seit 1998 Mitglied des NRW-Landesvorstands der FDP. Mit dem Einzug der FDP in den Landtag von NRW nach den Wahlen 2000 wurde er jüngster Abgeordneter in der Geschichte des Landtags. Lindner war erst Sprecher für Generationen, Familie und Integration, von 2005 bis 2009 zudem stellvertretender Vorsitzender der FDP-Fraktion im Landtag und dann Sprecher für die Bereiche Innovation, Wissenschaft und Technologie. Dem FDP-Bundesvorstand gehörte er von 2007 bis Dezember 2011 an und kam mit der Bundestagswahl 2009 in den Deutschen Bundestag. Bei der Bundestagswahl 2013 verpasste die FDP den Einzug in den Bundestag. Als Konsequenz trat FDP-Chef Philipp Rösler zurück. Christian Lindner wurde daraufhin zum Vorsitzenden der FDP – dem jüngsten in der Parteigeschichte – gewählt und in diesem Amt 2015 bestätigt.

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nik wie Whiteboards, IT-gestütztes Lernen oder WLAN-Zugänge bekommen viele Schülerinnen und Schüler nur bei Klassenfahrten ins Ausland zu Gesicht. Zweitens sind in unserer Verwaltung Papier und Stempelkissen nach wie vor deutlich stärker verbreitet als digitale

Servicean­gebote oder Apps für mobile öffentliche Dienstleistungen. Das gilt für viele Kommunen genauso wie für das Land. So hat sich etwa die rot-grüne Landesregierung von Nordrhein-Westfalen vorgenommen, die Verwaltungsabläufe in Landes­ behörden erst bis zum Jahr 2031 –

„[...] bei der Digitalisierung gilt das Prinzip ‚the winner takes it all‘ ganz besonders.“

also in 14 Jahren! – zu digitalisieren. Wer so ambitionslos ist, wird abgehängt. Und drittens laufen wir beim Ausbau der digitalen Infrastrukturen der internationalen Entwicklung hoffnungslos hinterher. In Nordrhein-Westfalen liegt der Versorgungsgrad mit schnellen Internet-


verbindungen in über 40 Kommunen noch im einstelligen Prozentbereich. Hier muss man von echten „weißen Flecken“ sprechen, die von der digitalen Entwicklung abgehängt sind. Was wäre Ihr Vorschlag? Wir brauchen endlich eine hohe Priorität für den schnellen Ausbau hochleistungs- und somit gigabit­ fähiger Netze. Der Staat steht hier in der Verantwortung zur Gestaltung.

Deshalb plädiere ich für einen kraftvollen Impuls zum Ausbau der digitalen Infrastrukturen. Dafür sollte eine kurzfristige Privatisierungsund Investitions-Offensive ergriffen werden: durch einen Verkauf des Bundesanteils an der Deutschen Post AG. Die Beteiligung des Bundes an der Deutschen Post als größtem und marktbeherrschendem Akteur auf dem Briefmarkt ist ohnehin ein Anachronismus. Der Bund bestimmt als Gesetzgeber die Regeln, profitiert

als Unternehmer jedoch unmittelbar davon. Er tritt also als Schiedsrichter auf, der gleichzeitig Spielführer einer Mannschaft ist. In einer Sozialen Marktwirtschaft haben solche Konstruktionen langfristig nichts verloren. Trennt sich der Bund von seiner Beteiligung an der Post, wäre die Beförderung des fairen Wett­ bewerbs also ein guter Nebeneffekt zu den Investitionsmitteln, die damit freigemacht würden. Über welches Volumen sprechen wir da? Zu rechnen wäre aktuell mit einem Erlös von gut acht Milliarden Euro. Diese könnten unmittelbar in den Glasfaserausbau insbesondere im ländlichen Raum investiert werden und somit den wettbewerbsgetriebenen Ausbau in Ballungsräumen ergänzen und beschleunigen. Diesen Schub benötigen wir sofort. Denn während Verkehrsminister Dobrindt höhere Investitionen im Rahmen der „Netzallianz“ nur andeutet – und das auch wohlweislich erst für die Zeit nach der Bundestagswahl – vergrößern die Spitzenreiter ihren Abstand zu Deutschland. Wir müssen jetzt den Mut und die Konsequenz für eine Privatisierung der Post aufbringen. Stärken wir den Wettbewerb und investieren wir in Zukunft und in Glasfaser, anstatt die digitale Gesellschaft weiterhin in PostkutschenGeschwindigkeit zu gestalten. Wieso muss die Verwaltung einfacher, schneller, bürgernaher werden? Das eine bedingt ja das andere. Die Digitalisierung von Prozessen bietet enorme Chancen. Wir wollen eine moderne und bürgerfreundliche Verwaltung im digitalen Zeitalter. Sie soll es den Bürgerinnen und Bürgern einfach machen – durch den Einsatz nutzerfreundlicher Online-Tools, transparente Zuständigkeiten, kurze Wege, eindeutige und verständliche Entscheidungen. Lange Wartezeiten, unbesetzte Schalter und unfreundliche Öffnungszeiten und unklare Zuständigkeiten in Bürgerämtern und Behörden müssen der Vergangenheit angehören. Unsere Vision ist ein Bürgeramt, in dem man alles von zu Hause erledigen kann. Eine moderne Verwaltung sollte alle Chancen der Digitalisierung nutzen und exzellenten Service durch einfache Antragstellung, hohen Nutzungskomfort,

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elektronischen Datenaustausch, konsequente Verfahrensbeschleunigung und elektronische Zahlungsmöglichkeiten bieten. Das ist nicht nur eine Chance für die Bürgerinnen und Bürger, sondern auch für die Verwaltung selbst. Die Prozesse können vereinfacht werden und die Effizienz steigt. Ihr Tipp für Bürgermeister und Amtsleiter zum Thema Digitalisierung? Die Digitalisierung macht ja vor den Kommunen so oder so nicht halt. Deshalb sollte man sich nicht vor ihr fürchten, sondern sie aktiv gestalten. Denken Sie an Möglichkeiten wie die einfache und schnelle Online-Anmeldung einer Neugründung oder die Beschleunigung von Genehmigungsverfahren durch papierlose Prozesse bis zur stärkeren Partizipation der Bürgerinnen und Bürger durch nutzerfreundliche E-GovernmentAngebote. Mein Ziel ist eine digitale Verwaltung mit ansprechenden Online-Angeboten und Apps, sodass Bürgerinnen und Bürger ihre Anliegen elektronisch erledigen können. Der persönliche Besuch im Amt muss zum Ausnahmefall werden. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass auch in jeder Gemeinde schnelle Internet-Verbindungen und offene WLAN-Zugänge zur Verfügung stehen. Hier müssen Bund und Länder die Kommunen noch besser unterstützen. Wo liegen für Sie die Vorteile der Industrie 4.0 und schlussendlich in einer Kommune 4.0? Eine aktuelle Studie des Branchenverbandes Bitkom hat gezeigt, dass drei Viertel der deutschen Unternehmen eine Digitalstrategie entwickelt haben. Das ist einerseits positiv, denn der Wert hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Andererseits ist es auch ein Problem, wenn ein Viertel der Unternehmen noch keine Digitalstrategie verfolgt. Denn Erfolg in der digitalen Zukunft kann nicht politisch verordnet werden, die Unternehmen sind ein maßgeblicher Treiber. Der potenzielle Nutzen dieses Erfolgs darf dabei weder für jeden einzelnen Betrieb noch für die Volkswirtschaft insgesamt unterschätzt werden. Die Strategieberatung Accenture geht davon aus, dass die deutsche Wirtschaft bis 2020 um 80 Mrd. Euro oder 2,5 Prozentpunkte zusätzlich wachsen könnte, wenn die

richtigen digitalen Schalter umgelegt werden. In Deutschland besteht aus Sicht der Experten der größte Handlungsbedarf beim Schalter „Digital Skills“. Das heißt: Wir benötigen deutlich mehr Investitionen in die Vermittlung von digitalen Kompetenzen in den Schulen, in Aus- und Weiterbildung und in den Hochschulen. Diese nationale Kernaufgabe muss dabei von Bund, Ländern und Kommunen gemeinsam gestemmt werden. Wie kann das gelingen? Bei der Digitalisierung in Kreisen, Städten und Gemeinden ist das Bild ähnlich wie bei Unternehmen. Eine PwC-Studie zeigt, dass sich die deutschen Städte zwar in die richtige Richtung bewegen, Städte etwa in Asien allerdings deutlich schneller vorangehen. Meine Vermutung ist, dass wir mehr digitale Leuchttürme benötigen, die anderen Kommunen zeigen, wie sehr sich voller Einsatz für die digitale Entwicklung lohnen kann. Deshalb hat die FDP-Fraktion im Landtag von Nordrhein-Westfalen die Landesregierung auch aufgefordert, sich beim Bitkom-Wettbewerb für eine Digitale Modellstadt voll einzubringen. Denn von einer solchen Modellstadt könnte ein echter Impuls für das ganze Land ausgehen. Wie wird die voranschreitende Technik bei stärkerer, direkter Bürgerbeteiligung bzw. -einflussnahme besonders die kommunale Politik verändern? Was sollte die Verwaltung (Kommune) machen, um sich darauf einzustellen? Viele politische Fragestellungen könnten besser und schneller vor Ort entschieden werden. Für die Legitimation ist es natürlich von Bedeutung, dass sich möglichst viele Bürgerinnen und Bürger an solchen Entscheidungen auch beteiligen. Ein Beispiel: Die Frage, ob und wie viele verkaufsoffene Sonntage stattfinden, wird in Nordrhein-Westfalen durch Landesgesetz geregelt. Ich frage mich, warum in Düsseldorf entschieden werden muss, ob die Geschäfte in Velbert, Münster oder Wuppertal geöffnet sind. Das könnten die Bürgerinnen und Bürger gemeinsam mit Beschäftigen, Einzelhandel und Verwaltung doch vor Ort viel besser diskutieren und festlegen. Mit einer einfachen digitalen Partizipationsplattform wäre das ein klassischer

Fall, wie durch ein E-GovernmentAngebot Beteiligung ausgebaut wird und wie Entscheidungen wieder stärker dort gefällt werden, wo sie die Menschen auch unmittelbar betreffen. Wird die voranschreitende Digitalisierung mehr „Gewinner“ als „Verlierer“ unter den Kommunen hervorbringen? Wer den Fortschritt für sich nutzt, der kann nur gewinnen. Wenn wir also die politischen Rahmenbedingungen in Bund, Ländern und Kommunen so modernisieren, dass neue Technologien und Entwicklungen wieder stärker von dort aus angetrieben werden,


können wir noch viel umfangreicher von der Digitalisierung profitieren. Ich bin zuversichtlich, dass uns das mit einer mutigen und auf Zukunftschancen ausgerichteten Politik gelingt.

„Wir benötigen mehr digitale Leuchttürme, die anderen Kommunen zeigen, wie sehr sich voller Einsatz für die digitale Entwicklung lohnen kann.“

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Mit weniger Personal

IMMER MEHR AUFGABEN bewältigen – wie geht das?

Ein Gastbeitrag von Dominic Multerer Dominic Multerer, Jahrgang 1991, gehört zur Elite der Marketing- und Vertriebsprofis. Er ist Unternehmer, Marketeer und 5 Sterne Redner. Ferner ist er Autor von Büchern und Verfasser zahlreicher Fachbeiträge – die bis nach China reichen. Das Handelsblatt kürte ihn mit 16 Jahren zu Deutschlands jüngstem Marketingchef. Er ist Hochschuldozent an der Privathochschule EMS Mainz, machte branchenübergreifend mehrere Mittelständler zum wahrgenommenen Marktführer und unterstützt Konzerne in Marketing-, Vertriebs- und Digitalisierungsfragen. Zu seinen Referenzen zählen: DÜRKOP, GABAL Verlag, Deutsche Bahn, EVONIK, STAHLWILLE, BP, Goodyear & mehr. www.dominic-multerer.de


Die Digitalisierung rollt auf die Kommunen zu und kann als Instrument zur Effizienzsteigerung verstanden werden. Wer kann sich heute noch vorstellen, dass Flugreisen ohne E-Ticket möglich sind? In den letzten zehn Jahren hat sich das zum Standard entwickelt. Wussten Sie, dass 50 % aller Geschäftsreisenden ab dem Jahr 2020 der sogenannten „Generation Y“ angehören werden? Sie ist mit dem Internet groß geworden und hat ein völlig anderes Nutzer- und Konsumverhalten. Reflektieren Sie daher kurz: Was können Sie online bei Ihrer Verwaltung erledigen oder bezahlen? Sehr wahrscheinlich wird Ihre Antwort „nichts“ oder „wenig“ lauten.

Die Welt verändert sich durch neue Technologien und durch digitale Vernetzung immer rasanter. Es gibt unzählige Funktionsapps, Smarthome oder Sprachsteuerungen. Was bedeuten diese Neuerungen? Auch Kommunen müssen auf diese Umbrüche Antworten liefern, denn sie sind Teil der Gesellschaft. Die Digitalisierung ist eng mit der Industrie 4.0 verbunden. Industrielle Revolutionen hat es schon immer gegeben: von der Dampfmaschine bis hin zu Fabrikrobotern. Bei der Digitalisierung dreht sich alles um Ressourceneffizienz, Schnelligkeit und Vereinfachung. Der Kostendruck ist ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung. Zum Beispiel könnte der Versandriese Amazon ohne den Einsatz von Robotern sein Produkt „amazon Prime“ – also das Zustellen von Waren innerhalb von 24 Stunden – nicht anbieten. Von der Bestellung hin bis zur Auslieferung ist eine Amazon-Prime-Lieferung ein vollautomatisierter Prozess. Wie schnell sich Dinge verändern, verdeutlicht ein Blick zurück auf das Jahr 1990. Was gab es damals noch nicht? Selbst Handys waren zu diesem Zeitpunkt noch ein Luxus – und Smartphones undenkbar. Das Internet, um 1990 noch eine Nerd-Einrichtung, wurde zu einem Medium ausgebaut, ohne das heute gar nichts mehr geht. Diese Entwicklungen beeinflussen im erheblichen

Maße unser Verhalten. In der Verwaltung jedoch hat sich im Vergleich zum gesellschaftlichen und industriellen Wandel wenig getan, das von der Öffentlichkeit wahrgenommen werden könnte. Da die Kommune ein Teil des öffentlichen Lebens ist, wachsen mit den Veränderungen auch die Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger an die Verwaltung. Im Hinblick auf die Digitalisierung geht es um innovative Zukunftsgestaltung in Kommunen, und das oft bei eingeschränktem Personalbestand und knappen finanziellen Rahmenbedingungen. Verwaltung wird also zunehmend mehr Aufgaben mit stetig weniger Menschen erfüllen müssen. Genau wie die Industrie 4.0 wird auch die Kommune 4.0 von Digitalisierung geprägt sein, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Nur so können die zu erbringenden Leistungen und Services im Kontext einer sich permanent verändernden Gesellschaft künftig garantiert werden. Ein Beispiel dazu – Beantragung einer Mülltonne: Das geschieht direkt im Amt oder per Mail bzw. Brief. Die verschiedensten Kommunikationsformen müssen trotz Computer händisch bearbeitet und eingegeben werden. Bei einem automatisierten Vorgang geht der Antragsteller auf die Website seiner Gemeinde und stellt online den Antrag, der automatisch im System abgespeichert und zugeordnet wird. Schließlich erscheint der Auftrag zur Auslieferung bei der dafür zuständigen Person auf dem Display. Der Empfang wird per digitaler Unterschrift bestätigt, abgeschlossen und gespeichert. Das geht schnell und zu jeder Zeit ist der Status einzusehen – auch vom Antragsteller. Angesichts der vielfach angespannten Haushaltsbudgets ist eine Ad-hoc-Volldigitalisierung natürlich zunächst utopisch. Mit Modulen ist es jedoch realistisch, schrittweise in Richtung Kommune 4.0 zu gehen. Unter dem Strich sind zwei Aspekte wesentlich, warum Verwaltung zur Kommune 4.0 wird. Zum einen muss die Verwaltung eine Vereinfachung anstreben. Prozesse müssen automatisiert werden, denn künftig werden von zehn Mitarbeitern nur noch fünf das gleiche Arbeitsaufkommen erfüllen müssen. Zum anderen verändert sich das Verständnis von Bürgernähe. Was die Menschen heute täglich online erledigen, werden sie in Zukunft auch von ihrer Kommune erwarten.

Kostenfreies Webinar „Effizienzsteigerung in Kommunen durch Prozessmanagement“ Sie interessieren sich dafür, wie Sie fachbereichsübergreifend komplexe Prozesse vereinfachen können und gleichzeitig Ihrer großen Hürde, mit weniger Personal immer mehr Aufgaben bewältigen zu müssen, näherkommen? Melden Sie sich unter info@dominic-multerer.de und erhalten Sie kostenfreien Zugang zum einem Webinar, das Ihnen mit praktischen Beispielen aus Kämmerer-, Bau-, Friedhofs- und anderen Fachbereichen zeigt, wie Sie Kosten reduzieren, effektiver Ressourcen nutzen und die Digitalisierung vorantreiben.

Speaker Keynoteauf dem um 2017 KGSt-For

Dominic Multerer Klartext Sagen, was Sache ist. Machen, was weiterbringt. www.dominic-multerer.de

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„BÜROKRATIEABBAU IM BAU- & BETRIEBSHOF, ...

Alexander Buttgereit, Abteilungsleiter Tiefbauamt, Stadt Münster

Der Kreis Borken hat bereits vor ca. 20 Jahren das klassische Arbeitszeitmodell auf seinem Bauhof dahingehend geändert, dass die tägliche Arbeitszeit so verlängert wurde, dass im Gegenzug die Beschäftigten jeden zweiten Freitag komplett frei haben. Durch dieses Arbeitszeitmodell war es möglich, die Maschinenlaufzeiten und vor allem die Rüstzeiten spürbar zu reduzieren. Insbesondere konnte so auch ein Zweischichtbetrieb für die Mähzeiten im Jahr problemlos realisiert werden. Eine erhöhte Wirtschaftlichkeit bei gleichzeitig hoher Akzeptanz und Motivation der Beschäftigten waren und sind der Erfolg.

Michael Tacke, Stadtrat für Bauen, Stadtplanung, Stadtentwicklung und Umwelt, Salzgitter

Die Regionalenergie Osttirol ist eine aus 115 Mitgliedern bestehende Genossenschaft. Das Unternehmen zur Wärmeversorgung wurde 1996 gegründet. Derzeit werden 236 gewerbliche und private Kunden im Bezirk versorgt. In 14 Osttiroler Gemeinden unterhält die Regionalenergie Osttirol selbst oder in Kooperation 18 Heizwerke und fünf Holz- oder Hackgutlager. Aufgrund der versorgungssichernden Bedeutung des Unternehmens wird auf verschiedenen Ebenen und in diversen Projekten mit den Kommunen in Osttirol zusammengearbeitet. Die offene Eigentümerstruktur bedingt per se Transparenz, nicht nur in finanzieller Hinsicht, sondern die gesamte Organisation betreffend. Die Frage eines Abbaus der Bürokratie stellt sich für die Regionalenergie Osttirol insofern nicht, als der genossenschaftliche – also eigenverantwortliche – Gedanke flache Hierarchien beinhaltet. Im Rahmen der gesetzlichen Gegebenheiten kann dadurch schnell, flexibel und lösungsorientiert gehandelt werden. Der Einsatz von Software unterstützt dieses Bestreben zusätzlich.


... WIE MEISTERN SIE DAS?“ Offene Frage – unterschiedliche Antworten

Die Stadt Münster hat ein relativ gutes Straßennetz mit verhältnismäßig geringen Kosten. Das Tiefbauamt kümmert sich u.a. um die Erhaltung der Straßen, Brücken und Ampeln. Um den Wert des Straßenvermögens zu erhalten, begann das Tiefbauamt bereits in den 1980ern, ein Erhaltungsmanagement einzuführen. In diesem System sollen administrative Abläufe und bautechnische Qualitäten optimiert werden. Seit 1996 werden dv-technische Hilfsmittel zur Straßenkontrolle und am Bauhof eingesetzt. Damit gehörte Münster zu den Pionieren auf diesem Gebiet. Heute wird mit Tablets und dem System LOGOwork© der komplette Workflow der Straßenkontrolle, der Unterhaltung, Instandhaltung und Instandsetzung abgebildet und GPS-gestützt gerichtsfest dokumentiert. Auch die Aufgrabungen und Sondernutzungen stehen den Kollegen tagesaktuell vor Ort zur Verfügung. Die Zettelwirtschaft im Betriebsdienst ist damit auf ein Minimum reduziert. Als Nächstes wird das System für die Brücken und Ampeln erweitert.

Peter Sonntag, Leiter Kreisbetrieb Borken

Bürokratieabbau wird auch beim SRB in Salzgitter praktiziert. Durch entsprechende Software-Unterstützung in vielen betrieblichen Bereichen sind früher notwendige manuelle Aufzeichnungen auf Papier entbehrlich. Sämtliche Winterdienstfahrzeuge sind mit GPS ausgestattet. Die Fahrer brauchen die gefahrenen Touren nicht mehr händisch zu dokumentieren und darüber hinaus kann jederzeit lückenlos belegt werden, wann und wo die Einsätze erfolgt sind. Der SRB führt derzeit ein digitales Baumkataster ein. Die Baumkontrollen erfolgen vor Ort mit Laptop. Alle Eingaben gehen in eine Datenbank. Aus dem EDV-Verfahren werden dann die Aufträge zur Pflege und die erforderlichen Kontrollen der Bäume erzeugt. Darüber hinaus werden sämtliche Leistungen in der Grün- und Friedhofspflege vor Ort von den Mitarbeitern in sog. Handheldgeräte eingepflegt. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Digitalisierung sind dies kleine Schritte, aber der SRB wird sich dem Thema weiter widmen.

Manfred Gaschnig B.Sc., Geschäftsführer der Regionalenergie Osttirol, Lienz (Österreich)

Foto: Regionalenergie Osttirol

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NEVEN SUBOTIĆ FRAGT ... Neven Subotić ist Profifußballer (Borussia Dortmund, 1. FC Köln) und Stiftungsgründer. Er ist nicht nur leidenschaftlicher Fußballer, sondern auch überzeugter Helfer für Menschen – besonders Kinder – in Not.

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Wie oft hörst du dir die Gegenseite einer Meinung, einer Geschichte oder eines Konflikts an? Wie oft hinterfragst du Sachen, die eigentlich eindeutig scheinen? In wie vielen Sprachen kannst du jemanden begrüßen? Wie viel weißt du über andere Kulturen als deine eigene? Wer gehört „gefühlt“ zu deinen Mitmenschen?

Über Neven Subotić Geburtsjahr: 1988 Geburtsort: Banja Luka / Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien (heutiges Bosnien und Herzegowina)

Werdegang:

Siehst du dich als Akteur allein im Rahmen deiner Familie, Gemeinde – oder auch darüber hinaus als Teil einer Nation und einer Welt?

6.

Wie engagierst du dich für eine bessere Welt außerhalb deines eigenen familiären Rahmens?

7.

Welche kleinen Sachen in deinem Leben schätzt du, die in vielen Ländern nicht selbstverständlich sind?

8.

Quelle: FC Köln

Wie oft denkst du dir: „Die Welt muss besser werden“ – und wie oft handelst du dann tatsächlich, um die Welt besser zu machen?

1990 flüchtete die Familie Subotić vor dem Bürgerkrieg nach Deutschland. Sie erfuhr viel Unterstützung und gab das durch soziales Engagement an die Gemeinschaft zurück. Diese Jahre waren prägend. Nach 10 Jahren lief die Duldung in Deutschland aus. Die Familie ging nach Salt Lake City (USA). Seit 2006 ist Neven Subotić aufgrund seiner professionellen Tätigkeit als Fußballer wieder in Deutschland. Er spielte für Mainz 05 und Borussia Dortmund. Mit der Rückrunde 2016 / 2017 spielt Neven für den 1. FC Köln. Das soziale Engagement hat Subotić beibehalten. Er ist Botschafter des Vereins „Kinderlachen“, der sich um arme und kranke Kinder kümmert. Ferner gründete der Profifußballer 2013 die „Neven Subotić Stiftung“, die weltweit Projekte für Kinder in Not unterstützt. Seit der Gründung hat die Stiftung 30.000 Menschen den Zugang zu sauberem Trinkwasser gesichert, Sanitäranlagen sowie Brunnen gebaut und Hygiene-Trainings durchgeführt.

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... HAJO SCHUMACHER ANTWORTET Der bekannte Journalist und Autor stellt sich mutig den Fragen von Neven Subotić. Vielen ist Schumacher durch die wöchentliche Talkshow „Links-Rechts“ auf N24 (2006-2009) bekannt oder durch zahlreiche Auftritte im TV.

1. 2. Foto: Annette Hauschild

Über Hajo Schuhmacher Geburtsjahr: 1964 Geburtsort: Münster in Westfalen Werdegang: Schumacher studierte Journalistik, Politikwissenschaft und Psychologie. Er arbeitete von 1990 bis 2000 beim Spiegel. Von 2000 bis 2002 war er Chefredakteur der Zeitschrift „Max“. 2006 promovierte der Journalist mit der Dissertation „Führungsstrategien der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel im innerparteilichen Machtgeflecht 2000–2004“ an der Universität Duisburg-Essen zum Dr. phil. Der Journalist ist regelmäßig für diverse TV-Sender tätig. Schumacher wurde mit dem „Deutschen Reporterpreis 2013“ für das Beste Interview 2013 ausgezeichnet.

In seinem neuen Buch „Solange du deine Füße auf meinen Tisch legst: Mein schrecklich lustiges Leben als Vater“ beschreibt Hajo Schumacher das Vaterdasein zwischen Helikopter-Anflügen und der anarchischen Lust, ganz anders als andere Eltern sein zu wollen. Amüsant skizziert er das tägliche Glücksdrama zwischen Dürfen, Können und Müssen, ob es um Lego oder Computerspiele geht, um Allergien oder Elternabende. Sein Fazit: Erziehen ist keine Einbahnstraße. Irgendwann kommt alles zurück.

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Foto: GABO

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Privat ziemlich oft, dienstlich zu selten. Leider pausenlos. Eine Kartoffel zum Beispiel ist für mich der Anlass, nach fairem Lohn für den Erntehelfer zu fragen, nach dem Einsatz von Düngemitteln und Unkrautvernichtern, nach Nitrat im Grundwasser, nach der Bedenklichkeit von Kohlehydraten und schließlich danach, ob ich die Schalen heimlich in den Hausmüll statt in die braune Tonne werfen darf. Das ist etwas anstrengend, aber eine journalistische Berufskrankheit. Puuh, wenn ich in meinem Gedächtnis krame, komme ich vielleicht auf ein Dutzend, „Tashi delek“ zum Beispiel. Über andere Kulturen kann ich mir eine Menge anlesen oder anhören, aber wirklich hineinfühlen kann ich mich nicht. Um ehrlich zu sein: Ich weiß über meine eigene Kultur noch viel zu wenig. An schlechten Tagen niemand, an guten Tagen die ganze Welt, an normalen Tagen jeder, dem ich begegne. Aber ja. Jeder Atemzug, jeder Schritt, vielleicht sogar jeder Gedanke hat Folgen. Ich versuche, die Welt ein wenig besser zu hinterlassen, als ich sie vorgefunden habe. Das beginnt schon damit, die Kinder zu guten Menschen zu erziehen und ihnen eine gute Mischung aus Empathie, Pragmatismus, Konsequenz und Resilienz mitzugeben. Ich unterstütze und spende für etwa ein Dutzend Organisationen, ob Amnesty International, Reporter und Ärzte ohne Grenzen, aber auch mutige journalistische Initiativen wie die Krautreporter, perspective daily oder Correctiv sowie Aktionen in meinem nächsten Umfeld, auf die ich aber nicht weiter eingehen möchte. Dass im Winter die Heizung funktioniert und das Dach dicht ist, dass ich nicht jede Sekunde daran denken muss, wie ich mich und meine Familie durchbringe, dass ich schreiben und lesen kann, was ich will, dass ich so viele Freiheiten habe wie fast nirgendwo sonst auf der Welt. Jeden Tag denke ich das, jede Woche handele ich danach.


Bürgerfreundliches und effizientes

FRIEDHOFSMANAGEMENT durch Digitalisierung

Der Öffentlichkeit ist kaum bekannt, wie vielfältig, kosten- und personalintensiv die Verwaltung eines Friedhofs ist. Angesichts wachsender Aufgaben und angespannter Haushaltslagen bringt das die Kommunen an ihre Kapazitätsgrenzen. Die Digitalisierung bietet vor diesem Hintergrund Lösungsmöglichkeiten, die trotz Reduzierung von Kosten den Service am Bürger steigern. Reutlingen, Tuttlingen und Basel zeigen beispielhaft, wie die Digitalisierung eines Friedhofs aussieht und welche Vorteile dieser Schritt mit sich bringt. Ferner trägt sie zum Abbau der Bürokratie entscheidend bei.

Die Stadt Tuttlingen im Süden Baden-Württembergs mit rund 35.000 Einwohnern hat einen Hauptfriedhof und drei Stadtteilfriedhöfe. Insgesamt betreut die Verwaltung gut 7.500 Grabstätten mit über 10.000 Verstorbenen. Zwar hatte die Verwaltung vor dem Jahr 2016 schon Softwareunterstützung, jedoch mussten die Gräber per Hand in einen Plan eingetragen und den dazugehörigen Daten zugeordnet werden. Das war aufwendig und nahm viel Zeit in Anspruch. Zwar arbeitete die Friedhofsverwaltung schon mit mpsFIM, wollte es aber mit dem eigenen GIS-System kombinieren. Dazu erkundigte man sich nach den Möglichkeiten bei mps. Diese entwickelten eine Schnittstelle, um mit beiden Programmen gleichzeitig zu arbeiten. Als vorteilhaft erwies sich, dass GIS bereits seit Jahren in anderen Fachbereichen der Tuttlinger Verwaltung eingesetzt wird.

schnell als gute Investition zeigte. Jetzt, da die gesamten Daten erfasst und transferiert sind, werden alle neuen Informationen oder Veränderungen in FIM angelegt und automatisch in GIS angezeigt, inklusive Belegungsstatus. Die Laufzeiten der Grabstätten sind für einen sofortigen Überblick farbig markiert. Die Digitalisierung der Ablaufprozesse brachte eine signifikante Zeitersparnis. Wurde vor 2016 ca. eine Stunde pro Woche für die Pflege der Daten aufgewandt, sind es heute nur noch rund zwei Stunden im Monat. Das betrifft im Wesentlichen die Anlage neuer Grabstätten. Neben der Zeitersparnis von mehreren Stunden sind nun außerdem die Pläne immer auf einem tagesaktuellen Stand. Nachts führt die Software automatisch ein Update durch, bei dem die neuen Daten aus FIM in GIS transferiert werden.

Um das digitale Management zu nutzen, mussten jedoch sämtliche Friedhofsdaten auf GIS mit FIM-Verbindung übertragen werden. Das war zunächst ein großer Aufwand, der sich aber

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Jetzt ist es möglich, beispielsweise einem Angehörigen den genauen Lageplan einer Grabstätte auszuhändigen, die dann schnell und bequem gefunden werden kann. Auch für die Mitarbeiter ist das Verwalten des Friedhofs wesentlich angenehmer geworden. Die Digitalisierung spart nicht nur Zeit, Prozesse lassen sich dadurch vereinfachen und der Service am Bürger wird gesteigert. Die 117.000 Einwohner große Stadt Reutlingen – jüngste Großstadt Baden-Württembergs – macht ebenfalls vor, wie modernes Friedhofsmanagement funktionieren kann. Sie hat insgesamt 14 Friedhöfe mit einer Gesamtfläche von 14 ha, auf der sich ca. 23.000 Grabstätten befinden. Pro Jahr werden ungefähr 1.200 Bestattungen durchgeführt. Alle Friedhöfe Reutlingens sind inzwischen digitalisiert. Das bedeutet: Jede Grabstätte ist über mpsFIM abrufbar und kann punktgenau angezeigt werden. Die Verstorbenensuche ist für Mitarbeiter des Friedhofs, die Bestatter sowie die Angehörigen über FIM@WEB einfach und problemlos möglich. So kann beispielsweise zum einen ein Plan für Friedhofsmitarbeiter ausgedruckt werden, in dem eine bestimmte Grabstätte genau ausgewiesen ist, zum anderen können dem Bürger exakte Grabauskünfte mitgeteilt werden.

Zusätzlich ist durch eine Schnittstelle ein Teil der Bestattungsunternehmer an die Software der Friedhofsverwaltung angebunden. Praktisch sieht das so aus: Die Bestatter übermitteln die Daten aus ihrer Software an die FIM@WEB-Schnittstelle, die dann ins System übertragen werden. Diese Informationen liegen dem Sachbearbeiter größtenteils dann zur weiteren Bearbeitung vor. Die Zeitersparnis liegt hier in der wegfallenden doppelten Datenerfassung. Ferner besteht ebenso die Möglichkeit, per Zugangsdaten Informationen direkt in mpsFIM einzupflegen. Jedoch geht es noch nicht ganz ohne Papier in der Verwaltung, da für die Bestattung die Originalunterschrift der Angehörigen benötigt wird. Wenn die digitale Signatur offiziell wird, werden weitere analoge Arbeitsschritte wegfallen. Neben der Zeitersparnis durch die Vereinfachung von Arbeitsprozessen und einem optimalen Maß an Transparenz hat auch in Reutlingen die Digitalisierung die Bürgerfreundlichkeit erhöht. Auskünfte können online rund um die Uhr und auch am Wochenende abgerufen werden. Außerdem zeigte sich, dass der Trauerfeierkalender rege angefragt wird.

14 23.000 1200

ALLES IST DIGITALISIERT

Friedhöfe mit

Bestattungen

„Die Digitalisierung macht unsere Prozesse schneller, einfacher und spart bares Geld!“

Grabstätten und

Eckdaten der Stadt Reutlingen

Seit 1999 entwickelte sich die Zusammenarbeit mit dem Koblenzer Softwarespezialist mps sehr intensiv. In vielen Bereichen ist die Stadt Reutlingen an Pilotprojekten beteiligt und unterstützt die Weiterentwicklungen sowie Neuerungen auf dem Feld der Digitalisierung. So wird gerade die App für die Grabmalkontrolle auf iPhones und iPads eingeführt und getestet. Ihr Vorteil liegt darin, dass der Mitarbeiter vor Ort eine Grabstätte anhand einer digitalen Checkliste inspizieren kann.


Die Daten werden sofort bei der Eingabe in das System übertragen. Kein Papieraufwand ist mehr nötig. Reutlingen ist neben einigen wenigen Städten in diesem Punkt Vorreiter. Die am Rhein gelegene Schweizer Stadt Basel befasste sich schon weit vor der Millenniumswende mit dem Thema Digitalisierung. Im Jahr 2000 löste mpsFIM bei der Friedhofsverwaltung das Vorgängersystem ab. Basel mit rund 175.000 Einwohnern hat fünf Friedhöfe. Der größte umfasst auf einer Fläche von 56 ha rund 37.000 Grabstätten. Eine Viertel Million Verstorbene werden in Basel verwaltet. Pro Kalenderjahr kommen rund 2.000 neue Sterbefälle hinzu. Unter anderem setzt die Baseler Administration des Friedhofs mpsFIM auch für Grabpflegeaufträge ein. Anders als in Deutschland nimmt in der Schweiz die Friedhofsverwaltung Aufträge entgegen und vergibt diese an einen Dienstleister, der der Stadtgärtnerei unterstellt ist. Rund 14.000 derartige Verträge werden so über die Software betreut. Dazu gehören Kündigungen, Änderungen, Spezialwünsche, das Grabnutzungsrecht (Familiengräber) und sonstige Anträge. Ebenso werden die anfallenden Rechnungen, gut 27.000 Stück p.a., sowie Mahnungen mittels mpsFIM erstellt.

„Die Software hat viele Prozesse sehr vereinfacht.“ Neben Informationen über eine Grabstätte kann ebenfalls ein Angebot für einen Bestattungsort, inkl. Auskünften zum Nutzungsrecht, schnell und unkompliziert formuliert werden. Vieles ist möglich – je nach Anfrage und Bedarf. Die Software wurde vor einiger Zeit um ein Modul zur Verwaltung des Trauerfeierkalenders erweitert. Zum Hintergrund: Es gab in Basel eine Gratiszeitung, in der auch der Trauerfeierkalender veröffentlicht wurde. Das Interesse der Bevölkerung daran war groß, wie die Verwaltung durch Anfragen feststellte. Gleichzeitig bekundeten andere Medien wiederum, dass sie auf diese Trauerdaten Zugriff haben möchten. Für die Stadt Basel hätte das eine zusätzliche Arbeitsbelastung bedeutet, um diesen Service allein fünf verschiedenen Zeitungen anzubieten. Die Administration wandte sich mit der Frage an mps, ob es eine Möglichkeit gibt, mpsFIM durch ein Modul zur Verwaltung des Trauerfeierkalenders zu erweitern – bzw. diesen eigenverantwortlich auf der stadteigenen Homepage zu publizieren. Gemeinsam wurde unter Einbindung von mpsFIM eine Lösung für das Problem erarbeitet. Seitdem veröffentlicht die Stadt Basel die Trauerdaten eigenständig. Die Medien können ebenfalls darauf zurückgreifen. Aufgrund der guten Erfahrungen befinden sich in Basel weitere digitale und webbasierte Projekte in Planung. Diese drei unterschiedlichen Praxisbeispiele zeigen: Die Anforderungen an kommunale Friedhöfe sind enorm gewachsen. Ohne IT-Unterstützung ist ein zukunftsorientiertes Friedhofsmanagement im Sinne von Digitalisierung und Bürgerfreundlichkeit unmöglich geworden.

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Interview_Dominic Multerer

Über Martin Schulz Martin Schulz, Jahrgang 1955, wurde als jüngstes von fünf Kindern in Hehlrath, heute Eschweiler (NRW), geboren. Sein Vater war Polizeibeamter im mittleren Dienst und seine Mutter Hausfrau. Nach der Grundschule besuchte Schulz das Gymnasium in Würselen, musste es aber mit dem Abschluss zur mittleren Reife 1974 verlassen. Er machte eine kaufmännische Ausbildung zum Buchhändler, arbeitete bei verschiedenen Verlagen und Buchhandlungen und machte sich gemeinsam mit seiner Schwester schließlich 1982 mit einer eigenen Buchhandlung selbstständig. Schulz ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Kommunalpolitisch wurde Martin Schulz im Alter von 19 Jahren bei den Jusos in Würselen aktiv. 1984 kam er in den Stadtrat und wurde drei Jahre später zum ehrenamtlichen Bürgermeister von Würselen gewählt, was er bis 1998 blieb. Ferner war der Sozialdemokrat von 1996 bis 2010 Kreisvorsitzender der SPD Aachen. Die Bühne der Europapolitik betrat Schulz durch die Europawahl 1994. Von 2000 bis 2004 bekleidete er das Amt des Vorsitzenden der deutschen SPD-Landesgruppe. Der Politiker wurde einer breiten Mehrheit 2003 bekannt, und zwar durch den verbalen Schlagabtausch mit dem damaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi im Europäischen Parlament. Von der Europawahl 2004 bis zum Januar 2012 war der Nordrheinwestfale Vorsitzender der Sozialistischen Fraktion im Europaparlament. Schulz, der fließend fünf Sprachen spricht, wurde 2009 Europabeauftragter der SPD zur Koordinierung und Verbesserung der Parteiarbeit mit der EU-Politikebene. Das Amt des Präsidenten des Europaparlaments erlangte Schulz durch die Wahl im Januar 2012 – 2014 wurde er in diesem Amt bestätigt. Martin Schulz bekleidete neben den offiziellen Funktionen zahlreiche weitere Ämter. Im November 2016 kündigte der Sozialdemokrat an, nicht mehr als Präsident des Europaparlaments zu kandidieren und stattdessen in die Bundespolitik zu wechseln. Am 29. Januar 2017 nominierte der SPD-Parteivorstand Martin Schulz einstimmig als Kanzlerkandidat für die Bundestagswahl am 24. September 2017.


GUT LEBEN IN KOMMUNEN Fragen an Martin Schulz, den Kanzlerkandidaten der SPD

Martin Schulz war vier Jahre lang Präsident des Europäischen Parlaments. Er genießt hohes internationales Ansehen. Jetzt ist er Spitzenkandidat der SPD im Bundestagswahlkampf. „Gut leben in Kommunen“ steht auf der Agenda seiner Partei. Martin Schulz schildert dazu seine Sicht als ehemaliger Bürgermeister und erfahrener internationaler Politiker. Von 1987 bis 1998 waren Sie Bürgermeister. Was waren Ihre wichtigsten Erfahrungen? Wenn man elf Jahre lang Bürgermeister einer Stadt mit 40.000 Einwohnern war, dann weiß man, was beim Arbeitsamt, bei der Polizei, in den Schulen und Altenheimen, bei den Mittelständlern und kleinen Ladenbesitzern, im Sportclub der lokalen Kulturszene und bei der freiwilligen Feuerwehr los ist. Jedes Problem landet am Ende im Rathaus. Und meine Erfahrung ist, dass du dich mit jedem einzelnen Menschen und seinen Sorgen und Problemen beschäftigen musst. Deshalb sollten wir auch Hochachtung vor all denen haben, die sich auf kommunaler Ebene engagieren und dort großartige Arbeit leisten. Das sind die Leute, die den Alltag in unserem Staat organisieren. Wenn man Europapolitik betreibt, spielen dabei auch kommunalpolitische Aspekte eine Rolle oder sind Sie der Ansicht, dass das „große Ganze“ in so einem Fall wichtiger ist?

Ich habe auch im Europaparlament immer versucht, die europäische Politik aus der Perspektive eines Kommunalpolitikers zu betrachten. Ich kenne sowohl Stärken als auch Schwächen der EU. Ich war immer ein großer Anhänger des Subsidiaritätsprinzips. Aber ich weiß, dass manche in Brüssel das anders sehen. Deshalb sollte sich die EU stärker auf Themen beschränken, die nur europäisch gelöst werden können. Was kommunal, regional oder national gelöst werden kann, sollte dort auch entschieden werden. Was ist der größte Unterschied zwischen der Europapolitik und Kommunalpolitik? Ganz praktisch: Wenn ich als Bürgermeister durch Würselen gelaufen bin, wurde ich an jeder Ecke von jemandem angesprochen, der sagte: „Martin, ich habe dieses oder jenes Problem, darum musst du dich kümmern.“ Das kennt vermutlich jeder Kommunalpolitiker. In Brüssel war das naturgemäß etwas anders. Ich war sehr gern Präsident des Europäischen Parlaments. Ich will auch

als Bundeskanzler ein europäischer Deutscher bleiben, weil ein starkes Europa im besten deutschen Interesse ist. Aber was ich als Bürgermeister gelernt habe, ist genauso wichtig: Im Mittelpunkt allen politischen Handelns muss der einzelne Mensch stehen. Das gilt für die Europa­ politik, genauso für die Bundes- und Landespolitik, und eben auch für die Kommunen. Auf der Homepage der SPD findet sich der Punkt „Gut leben in Kommunen“. Was sind für Sie als Kanzlerkandidat wesentliche Aspekte, um in Kommunen gut leben zu können? Und wie wichtig ist das Thema durch den wachsenden Wettbewerb zwischen Kommunen? Kommunen können ja sehr unterschiedlich sein. Wir wollen, dass die Menschen in den Metropolen und Ballungsräumen genauso eine Perspektive haben wie die Menschen in den Regionen und ländlichen Räumen. Mir ist sehr wichtig, dass, wer auf dem Land lebt, nicht den Eindruck bekommen darf, er sei irgendwie Bürger zweiter Klasse.

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Da ist noch eine Menge Arbeit vor uns, wenn ich an die medizinische Versorgung denke, an zu wenig Kitas und Schulen. Wir brauchen auch auf dem Land endlich schnelles Internet und ausreichend Arbeitsstellen, zu denen ich auch mit dem Bus hinkommen muss. In Ballungsräumen und großen Städten ist hingegen bezahlbarer Wohnraum knapp. Die Herausforderungen können also ganz unterschiedlich sein. Klar ist: Die kommunalen Interessen gehören in das Zentrum auch der Bundespolitik.

aber wenn wir nicht investieren in Infrastruktur, in Bildung wie auch in Pflege und medizinische Versorgung, setzen wir das aufs Spiel.

Welche Chancen sehen Sie für Kommunen in den kommenden 5 bis 10 Jahren, um den eigenen Standort attraktiv zu machen? Welche Rolle spielt dabei z.B. die Digitalisierung?

geben, dafür bin ich zu lange aus dem operativen Geschäft raus. Mir ist ein anderer Punkt wichtiger: der Wert der Städtepartnerschaften. Ich komme ja bekanntlich aus Würselen, das liegt direkt an der Grenze zu Belgien und den Niederlanden. Meine Freunde und ich waren als junge Leute ganz

Für all das, was ich gerade beschrieben habe, braucht man Geld. Die Kommunen müssen investieren können und deshalb müssen wir sie weiter finanziell entlasten. Schnelles Internet in den Kommunen ist ja nicht nur für den Privatgebrauch wichtig, sondern eben auch, damit Firmen effektiv arbeiten können. Ich glaube, unsere Kommunen sind attraktiv,

Vor dem Hintergrund Ihrer internationalen Erfahrung, haben Sie abschließend einen Tipp für das Management aber auch die Mitarbeiter einer Verwaltung, worauf in den kommenden Jahren geachtet werden sollte? Ich will mir nicht anmaßen, Verwaltungsprofis Management-Tipps zu

selbstverständlich in beiden Ländern unterwegs. Und dennoch habe ich gelernt, dass Städtepartnerschaften unglaublich wichtig sind. Denn sie ermöglichen persönliche Begegnungen zwischen Menschen, die sich sonst nie kennenlernen würden. Und das ist durch nichts zu ersetzen. Von den persönlichen Begegnungen lebt Europa. Und deshalb werbe ich immer dafür, Städtepartnerschaften nie zum Ritual werden zu lassen.


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DIRK NIEBEL: Entwicklungspolitik ist auf das Engagement aller gesellschaftlichen Kräfte angewiesen. Der Staat allein kann die globalen Herausforderungen nicht bewältigen, egal ob Armut und Hunger, Verletzung von Menschenrechten, Kriege und Konflikte oder die Bedrohung des Weltklimas. Das starke Engagement der Zivil­ gesellschaft wird gebraucht. Lange Zeit war der entwicklungspolitische Mainstream etwas abgehoben. Bilaterale Zusammenarbeit wurde als Projektitis abgetan. Das hat sich geändert. Für mich kann die Entwicklungspolitik gar nicht nah genug am Menschen dran sein. Das entwicklungspolitische Engagement ist in Deutschland außergewöhnlich groß – größer als vermutet. Über eine Million Bürgerinnen und Bürger engagieren sich für Entwicklung. Bürgerschaftliches Engagement kann nicht von oben verordnet werden – es entsteht aus der Gesellschaft selbst. Um dies zu unterstützen, habe ich mit der „Engagement Global“ eine Ansprech- und Beratungsstelle für Bürgerengagement gegründet. An der Schnittstelle zwischen Staat und Zivilgesellschaft spielen dabei die Kommunen wegen ihrer Nähe zum Bürger eine

zentrale Rolle. Sie machen das Thema Entwicklungspolitik lokal verständlich, erfahrbar und schaffen entsprechendes Bewusstsein in der Bevölkerung. Kommunen tragen daher Verantwortung, z.B. beim lokalen Klimaschutz als Vorbild zu wirken. Aber auch im Ausland sind die deutschen Kommunen aktiv. Sie können langfristige partnerschaftliche Beziehungen zu Kommunen in Entwicklungsländern aufbauen. Sie bringen dabei ihr besonderes Know-how in puncto kommunale Selbstverwaltung oder Gesundheitsversorgung ein. Von diesem Austausch profitieren beide Seiten! Deutschlandweit sind rund 170 Städte, Gemeinden und Landkreise formalisierte Partnerschaften mit Kommunen in Entwicklungsländern eingegangen. Das ist unverzichtbar in der Entwicklungspolitik. Wir brauchen noch mehr kommunales Engagement für eine nachhaltige Entwicklung weltweit.

Dirk Niebel, Jahrgang 1963, wurde 1998 in den Bundestag gewählt, von 2005 bis 2009 war er Generalsekretär der FDP, von 2009 bis 2013 Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. 20032013 gehörte Niebel dem Bundesvorstand der FDP an. Der Diplom-Verwaltungswirt (FH) verantwortet heute die internationale Strategieentwicklung und Regierungsbeziehungen beim Rüstungs- und Automobilzulieferunternehmen Rheinmetall.

Foto: Privat


HANS-DIETER HOLTZMANN: Die deutschen Kommunen stehen vor vielfältigen Herausforderungen. Das Niedrigzinsumfeld führt in Kombination mit derzeit hoher Liquidität im Markt zu einem Überangebot an kurzfristigen Kreditmitteln für Kommunen. Aufgrund des „Strafzinses“ der EZB für Einlagen sieht man teilweise sogar negative Zinsofferten ausländischer und auch deutscher Banken. Dies klingt erst einmal positiv für die Kommunen, birgt jedoch die Gefahr, dass der Kapitalaufwand steigt und

Dr. Hans-Dieter Holtzmann leitet den Öffentlichen Sektor Deutschland im Bereich Corporate & Investment Banking der Deutschen Bank. Er verfügt über umfangreiche Erfahrung mit öffentlichen Institutionen, Parteien, Verbänden sowie politiknahen Firmenkunden. So leitete er zuletzt die EUVertretung der Bank in Brüssel und koordinierte zuvor die Hauptstadtaktivitäten der Bank in Berlin.

ein plötzlicher Rückzug der Geldgeber einsetzt, sobald die Zinsen wieder ansteigen und manches ausländische Institut den deutschen Kommunalmarkt auch wieder verlassen dürfte. Entscheidend wird dann zudem sein, wie stark die finalen regulatorischen Vorgaben aus Basel III die Kreditvergabe von Banken beschränken. So ist zu erwarten, dass das klassische Kreditgeschäft mit niedrigen Margen deutlich reduziert wird. Gleichzeitig wird die Bedeutung von Zusatzgeschäft neben dem klassischen Kredit weiter an Bedeutung gewinnen und die Bereitschaft der Banken zur Kreditvergabe beeinflussen. Das Niedrigzinsumfeld bringt für Kommunen auch Herausforderungen auf der Anlageseite. Kommunalen Stiftungen stellen sich hier Fragen nach dem nominalen Kapitalerhalt, um den Stiftungszweck erfüllen zu können. Weitere Herausforderungen für Kommunen sind der Umgang mit Pensionsverbindlichkeiten, die Vorbereitung auf den neuen geplanten Kostenrechnungsstandard EPSAS sowie die Frage finanzieller Unterstützung kommunaler Beteiligungen bei den enormen investiven Herausforderungen, etwa aus der Energieund digitalen Wende. Für die Auswahl der zweckmäßigsten Finanzierungsalterna­ tiven wird ein enger Dialog mit der Finanzindustrie noch wichtiger werden.

KOMMUNALE ENTWICKLUNGSPOLITIK 3 Blickwinkel

DR. ANNETTE SCHUHMACHER: „Die Vorbereitung auf die digitale Zukunft ist besonders in ländlichen Regionen wichtig.“ Infrastrukturen für die Gigabitgesellschaft als Herausforderungen der Kommunen Eine rasant fortschreitende Digitalisierung aller Lebensbereiche setzt hochleistungsfähige Breitbandinfrastrukturen voraus. Denn: Weder für die deutsche Wirtschaft noch für unseren künftigen Alltag sind 50 Megabit genug. Wenn wir unseren

Nach dem Studium der Rechtswissenschaft in Augsburg und Santiago de Chile wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Öffentliches Recht, Rechtstheorie, Medien- und Telekommunikationsrecht an der Universität Augsburg und Promotion. 2001 Justiziarin bei Kabel Deutschland. Ab 2005 für die Abteilung Regulierung & Public Affairs von Kabel Deutschland verantwortlich. Seit 2015 Leitung des Bereichs Regulatory Media & State Aid von Vodafone.

Wohlstand und unsere Position als führende Industrienation sichern wollen, müssen wir handeln. Statt Kupferkabel zu fördern, würde ich mir von der Politik mehr Weitsicht in der Förderpolitik wünschen, damit Deutschland der digitalen Zukunft nicht hinterherläuft. Das gilt umso mehr für ländliche Gebiete, in denen sich der Ausbau für Telekommunikationsanbieter einfach nicht rechnet. Die Kommunen stehen daher vor der Herausforderung, selbst die notwendigen Voraussetzungen für wettbewerbsfähige Infrastrukturen zu schaffen, um sich fit für die Gigabitgesellschaft zu machen. Neben dem richtigen Förderkonzept durch Bund und Länder kann auch eine Kooperationsmöglichkeit in Form eines Betreibermodells die Lösung sein: Die Gemeinde wird durch den Bau des Glasfasernetzes zum Eigentümer der Netzinfrastruktur und verpachtet das Netz an Vodafone. Vodafone sorgt wiederum für die Anbindung des regionalen Netzes an die nächste Kabelglasfaserzuleitung und betreibt das Netz inklusive Instandhaltung und der Schnittstelle zum Kunden. Damit schaffen Land, Kommune und Vodafone gemeinsam ein perfektes Highspeed-Netz in Festnetz und Mobilfunk für die Region. Und prägen so den Weg in die Gigabitgesellschaft, anstatt von ihr abgehängt zu werden.

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In Zeiten der Digitalisierung:

PUBLIC-PRIVATEPARTNERSHIP ... ... ist eine Win-win-Situation Beispiel: Ohne Web, E-Mail oder andere elektronische Kommunikationsmöglichkeiten geht gewerblich oder privat gar nichts mehr. Zwar ist der Internetzugang mit dem Grundsatzurteil vom Januar 2013 des BGH verbrieftes Recht. Der Zugang allein ist schon heute nicht mehr ausreichend. Um den Anforderungen bei der Datennutzung gerecht zu werden, ist ein leistungsstarkes Netz genauso nötig. Breitbandiges Internet ist der Schlüssel dazu. Für viele Kommunen ist genau das aber eine große finanzielle Herausforderung. Public-Private-Partnership (PPP) bietet sich als Lösung an. Immer mehr Daten und Informationen werden über das Internet verschickt, ausgetauscht und gespeichert wie Informationen für Maschinen, Verwaltungsvorgänge, Telefongespräche, TV, E-Mails oder die Kommunikation im Allgemeinen. Der Ausbau von Industrie und Kommune 4.0 wird das weiter verstärken. Neben der Wirtschaft muss sich auch das kommunale Leben auf ein leistungsstarkes Internet im Zuge der voranschreitenden Digitalisierung verlassen können. Es geht um die Bewältigung künftiger Aufgaben, Standortsicherung und internationale, nationale sowie regionale Wettbewerbsvorteile. Die amtierende Bundesregierung will bis 2018 durch den Ausbau des Breitbandes jedem Haushalt und jedem Unternehmen einen 50-Megabit-Anschluss garantieren. Viele Kommunen stellt das vor eine Mammutaufgabe: die Umstellung von Kupfer- auf Glasfaserkabel, die für diese Technologie Voraussetzung ist. Eine Möglichkeit, den Ausbau zu beschleunigen, bietet sich durch Public-Private-Partnership – eine Kooperation von privaten Unternehmen und der öffentlichen Hand. Durch solche

Kooperationen werden Aufgaben oder Projekte, die eigentlich Aufgabe des Staates wären, von privaten Unternehmen übernommen. Das können beispielsweise der Bau von Schulen, Straßen oder die Schaffung breitbandiger Internetinfrastruktur sein. Jedoch wird dabei die kritische Frage gestellt, ob Unternehmen und Kommunen überhaupt sinnvoll miteinander kooperieren können. Einerseits soll der Staat das Gemeinwohl im Blick haben. Dem steht andererseits das Profitstreben der Privatwirtschaft gegenüber. Der Vorteil einer solchen Zusammenarbeit liegt in der Aufgaben- sowie Arbeitsteilung. Der private Partner übernimmt die Verantwortung zur effizienten Erbringung einer Leistung, während die Kommune Sorge dafür trägt, dass gemeinwohlorientierte Ziele verfolgt werden. Ferner hat die Kommune einen oder nur ein paar Ansprechpartner, wohingegen sich der private Partner um die vielen Schnittstellen und Akteure wie Subunternehmer, Ingenieure oder Anwälte kümmert.


BREITBAND BILDET DIE GRUNDLAGE FÜR DIE ZUKUNFT Der Landkreis Cochem-Zell ging eine solche Public-PrivatePartnership ein. Er ist ein Beispiel dafür, wie die öffentliche Hand und privates Unternehmertum die Herausforderung „Glasfaserkabel für Breitbandinternet“ gemeinsam lösten. In einem bundesweit einmaligen Projekt unterzeichneten der Landkreis Cochem-Zell, das saarländische Telekommunikationsunternehmen inexio, die fünf Verbandsgemeinden des Landkreises, die RWE Deutschland AG (jetzt innogy SE), die Energieversorgung Mittelrhein GmbH und die mps public solutions gmbh aus Koblenz Ende 2012 einen Vertrag zur Gründung der Breitbandinfrastruktur-Gesellschaft Cochem-Zell mbH (BIG). Um die Attraktivität der Region als Wirtschaftsstandort und als Wohnort zu steigern, wurde ein Glasfasernetz für alle 92 kreisangehörigen Gemeinden mit einer Gesamtstrecke von über 340 km errichtet. Voraussetzung für das Gelingen des Projektes war der Gemeinsinn aller Beteiligten. Die BIG übernahm die Koordination, damit die Breitbandversorgung im ländlich geprägten Landkreis flächendeckend sichergestellt wurde. Aber warum engagiert sich ein Unternehmen wie mps public solutions gmbh in solchen Partnerschaften? Viele Firmen investieren verstärkt in die Digitalisierung, um diese voranzutreiben. E-Government steht dabei für Unternehmen und Kommunen gleichermaßen im Fokus. Jedoch ist für den Aufbau bzw. den Ausbau des E-Government eine wirtschaftliche Kundendichte Voraussetzung. Ohne Breitband geht es nicht. Nicht nur Städte, sondern auch ländliche Regionen benötigen daher ein leistungsstarkes Internet. Ebenso wichtig: Ein effizientes Internet bildet die Grundlage für eine thematische Sensibilisierung der Bevölkerung, damit Kommunen sinnvoll und für alle Bürger in die Digitalisierung investieren können. Das ist ein wichtiger Aspekt, der zunehmend über die Zukunft einer

Kommune als Standort – sei es wirtschaftlich oder als Lebensraum – entscheidet. Für Firmen hingegen ist die Digitalisierung von unternehmerischer Bedeutung. Bei ihnen gilt, von Anfang an mitzumischen und daraus resultierende Themen für sich zu besetzen. Das Projekt der BIG in Cochem-Zell profitierte zudem durch die Partnerschaft mit der damaligen RWE – heute innogy SE. Zum einen beteiligte sich der Konzern finanziell an dem Ausbau, zum anderen gehören ihm Leerrohre in der Region. Diese wurden für die Verlegung der Glasfaserkabel genutzt. Aufwendige Erdarbeiten konnten dadurch reduziert werden, was sich schließlich positiv auf die Investitionssumme auswirkte. Es gibt mittlerweile weitere Beispiele für Kooperationen: Das zur Verbandsgemeinde Pellenz gehörende Kruft im Landkreis MayenKoblenz hat ebenfalls mithilfe der innogy SE den Schritt zum 100 Mbit / sec-schnellen Internet getan. Bürgermeister Rudolf Schmeichel kommentierte die Entscheidung so:

„Der schnelle Internetanschluss ist heute ein K.o.-Kriterium, wenn es um die Ansiedlung eines Unternehmens oder den Kauf einer privaten Immobilie geht. Es werden Standortvorteile geschaffen.“ Um den zügigen Internetausbau flächendeckend zu forcieren, ging im Januar diesen Jahres der Netzbetreiber innogy SE auch mit der Deutschen Telekom eine Kooperation ein. Leistungsstarkes Internet ist inzwischen unabdingbar, damit Deutschland insgesamt im internationalen Wettbewerb besteht. Bei Public-Private-Partnership geht es dabei im Wesentlichen immer um die Kernfrage, mit welchen strategischen Partnern es gelingen kann, die Herausforderungen am Standort – gleich ob Stadt oder Gemeinde – umzusetzen.

“Neben Strom- und Gasnetzen spielt für innogy in ausgewählten Regionen die Verlegung von Breitbandnetzen eine wichtige Rolle. Hierdurch wird das eigene Produktportfolio erweitert und die Infrastruktur von Kommunen vornehmlich in ländlichen Regionen für die Zukunft fit gemacht – eine beispielhafte Win-win-Situation für Unternehmen sowie Städte und Gemeinden mit ihren Bürgern und Betrieben.“ Hildegard Müller, Vorstand Netz&Infrastruktur innogy SE

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5 PRAXIS-TIPPS ... ... vom Leiter der Stabsstelle e-Government in Hanau

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, von Fachkräftemangel oder allgemeinen strukturellen Veränderungen ist das Thema Digitalisierung für Kommunen unumgänglich. Diese und weitere Herausforderungen werden sich in den kommenden Jahren noch verschärfen. Die öffentliche Verwaltung wird also einen Zuwachs an Arbeit erfahren, der heute schon nur bedingt in einigen Bereichen erfüllt werden kann, und das mit erwartungsgemäß weniger Personal. Ob Finanzströme, Stadtwerke, Ämter und Fachbereiche, Friedhof oder Bürgerportal – sämtliche Arbeitsprozesse dieser Organisationseinheiten werden künftig digitalisiert. Es ist nicht länger eine Frage der Einstellung, sondern eine Notwendigkeit. Wer sich heute mit diesem Thema schon befasst, ist eindeutig im Vorteil. Dr. RalfRainer Piesold, Leiter der Hanauer Stabsstelle e-Government und digitale Infrastruktur, beschäftigt sich schon lange mit dem Thema e-Government bzw. der Grundlage dafür – der Digitalisierung. Aus seiner Erfahrung hat er fünf Punkte zusammenge­tragen, die für Städte und Gemeinden auf dem Weg zur Kommune 4.0 elementar sind. „Die Zukunft der Verwaltung ist digital“, so Dr. Piesold.

„Die Zukunft der Verwaltung ist digital.“

Foto: Privat

Dr. Ralf-Rainer Piesold studierte Wirtschaftsinformatik, Controlling und Wirtschaftspädagogik. Bevor er 2016 Leiter der Stabsstelle e-Government und digitale Infrastruktur der BeteiligungsHolding Hanau GmbH wurde, war er Lehrbeauftragter an der Frankfurter University of Applied Science. Ferner dozierte Dr. Piesold an der Hessischen Hochschule für Polizei und Verwaltung sowie an der Fachhochschule Frankfurt. Er war hauptamtlicher Stadtrat (Beigeordneter) in Hanau und Mitglied des Expertenkreises der Projekt­gruppe IWKS am Fraunhofer ISC.


Klare Zielsetzung Deutschlands Industrie befindet sich weltweit in der Spitzengruppe in puncto Digitalisierung. Die Verwaltungen hingegen sind im EU-Vergleich nur Mittelmaß (Platz 15). Digitalisierung ist ein Mittel zur Effizienzsteigerung. Jede Gemeinde hat sich daher mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Grundlage ist eine digitale Strategie. Wenn der Verwaltung also klar ist, welche Ziele erreicht werden sollen (z.B. Prozessveränderung), dann kann darauf hingearbeitet werden.

Schaffung digitaler Bildung Sie müssen in Ihrer Verwaltung digitales Know-how aufbauen – Stück für Stück. In vielen Verwaltungen herrscht der Glaube, dass man mit Mails „modern“ sei. Dabei ist E-Mail auch fast wieder retro. Modern ist man aber erst mit der Volldigitalisierung der Prozesse innerhalb des Rathauses und zu den Bürgerinnen und Bürgern sowie den Unternehmen. Ohne Verständnis für die digitale Welt kann man keinen Wandel schaffen. Deshalb muss man seine Mitarbeiter ausbilden und Experten mit ins Boot holen oder mit Unternehmen zusammenarbeiten. Privat können wir alle Facebook bedienen und online Urlaube buchen, aber um zu verstehen, dass eine Kommune ebenfalls einen digitalen Service braucht, dazu braucht es bei den Mitarbeitern eine digitale Bildung und in der Kommune eine digitale Kultur.

Breitband nutzen Eine gute Internetverbindung ist die Grundlage für digitale Entwicklungsschritte Ihrer Kommune. Richtig ist, dass das Breitbandangebot in Deutschland von 39 % auf 66 % angestiegen ist und weiter steigen wird. Oft wird jedoch vergessen, wie man die vorhandene Infrastruktur richtig nutzt. Neben der reinen Kabelverlegung ist es natürlich erforderlich, die Datenstrukturen, z.B. für open data oder Geoinformationssysteme, kontinuierlich zu verbessern oder manchmal auch erst zu erschaffen.

Erhöhung des Drucks Die Kommunalpolitik vor Ort muss den Druck auf die Verantwortlichen in den Verwaltungen erhöhen. Wenn den Kommunalpolitikern die Einsicht in die Notwendigkeit der Digitalisierung fehlt, wird es nur schwer vorangehen. Auch von den digitalaffinen Teilen der Bevölkerung sollte mehr Druck ausgehen, um den Bedarf an E-Government zu unterstreichen. Bisher gibt es viele Insellösungen, deren Qualität sehr unterschiedlich ist. Dabei werden häufig sehr unterschiedliche Standards geschaffen. Aber: Eine einheitliche Koordinierung als eine der Folgen des wachsenden Bedarfs würde zu einem bundesweiten Standard führen, der wiederum die Digitalisierung beschleunigt.

Schaffung von Akzeptanz Nur wenn der Mitarbeiter der Verwaltung und der Bürger den Nutzen der Digitalisierung in der Kommune spürbar sieht, wird sich die Einstellung zu diesem Thema allgemein positiv verändern und den Transformationsprozess beschleunigen. Generell muss man klar den Nutzen kommunizieren und damit seinen Standort zum digitalen Vorreiter machen. Je mehr Menschen einen solchen Wandel mitgestalten und akzeptieren, desto größer wird der Wettbewerbsvorteil für die Kommune! Die Schaffung von Akzeptanz gegenüber der Digitalisierung beeinflusst alle vorher genannten Punkte und sorgt dafür, dass Deutschland auch bei Kommune 4.0 in die Spitze aufsteigt.

„Glauben Sie immer noch, Digitalisierung sei eine Einbahnstraße?“

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KOMMUNEN MÜSSEN STRATEGISCHER DENKEN

Rainer Christian Beutel, Vorstand der KGSt (Kommunale Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement) über kommunale Strategien und nötige Entwicklungen. Wo liegen bei der KGSt aus heutiger Sicht und auch im Hinblick auf die Zukunft die Hauptherausforderungen im höheren Management der Verwaltung? Es gibt mehrere Aspekte, denen sich die Verwaltung stellen muss. Jedoch sind es drei wesentliche Punkte, die ich hervorheben möchte: der Nachwuchs und dessen Ausbildung, dann ein verändertes Denken und Arbeiten in Netzwerken in Bezug auf Personal, Inhalt und Digitalisierung und zuletzt strategische Planungen, für die Zeitfenster geschaffen werden müssen - trotz des Drucks im operativen Geschäft. Wie viel Prozent der Kommunen verfolgen eine Strategie? Nach meiner Beobachtung ist folgende Verteilung festzustellen: Nur ganz wenige Kommunen haben eine komplette Strategie, 25 Prozent verfolgen eine breiter angelegte Strategie und sehr häufig vertreten Städte, Kreise und Gemeinden nur fachspezifische Strategien.

„Nur ganz wenige Kommunen haben eine komplette Strategie.“ Ist den Verantwortlichen in Städten, Kreisen und Gemeinden bewusst, dass der Haushaltsplan und damit die Finanzen auch Teil der kommunalpolitischen Strategie sind - sprich die Zukunft einer Kommune wesentlich bestimmt?

Der Wechsel von der Kameralistik als Finanzmethodik hin zum kaufmännischen Rechnungswesen sollte diese Richtung fördern. Die meisten Kommunen sind bisher jedoch nur ein Stück des Weges und nur in den wenigen Fällen den ganzen gegangen. Die Idee „Doppik“ beinhaltet nicht nur Faktoren wie die Berücksichtigung von Werteverzehr oder Pensionsrückstellungen, sondern es sollten ebenso kommunale Ziele und messbare Kennzahlen implementiert werden. Das ist auch in den Landesgesetzen verankert. Ein Beispiel: Eine Kommune ist u.a. verantwortlich für die Bildung und Jugendhilfe. Es wird festgestellt, dass sieben Prozent der Jugendlichen ohne Schulabschluss sind. Dann könnte ein Ziel sein, diesen Prozentsatz mit definierten Maßnahmen um drei Prozentpunkte zu senken.

Über Christian Beutel Rainer Christian Beutel leitet seit 2007 die KGSt in Köln. Von 2002 bis 2007 war er Gründungspräsident der Gemeindeprüfungsanstalt NRW. Von 1983 bis 2002 arbeitete er als Stadtkämmerer, Erster Beigeordneter, Stadtdirektor und hauptamtlicher Bürgermeister für die Kreisstädte Borken und Coesfeld. Von 1979 bis 1983 war er Leiter des Rechtsamtes und persönlicher Referent des Oberkreisdirektors des Kreises Borken.


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Wird das konsequent gemacht? Wie lautet die Empfehlung der KGSt? Wir als KGSt haben dazu in allen Bereichen Grundlagen geschaffen, schreiben Gutachten, ziehen Kennzahlenvergleiche und publizieren diese Hilfestellung zur Verdeutlichung der Idee der „Doppik“ schon seit Jahren regelmäßig. Ein Problem bei der konsequenten Umsetzung ist die Zeit, die sich eine Verwaltung nehmen muss, um ihre Mitarbeiter entsprechend zu schulen bzw. ihre Ausbildung bei den angehenden Verwaltungsfachkräften danach auszurichten. Das fließt in den schon angesprochenen Punkt „Strategie“ ein. Eine Verwaltung muss sich zunächst fragen: „Wo will ich hin?“ Um das zu verdeutlichen, nenne ich wieder ein Beispiel. In den letzten Jahren sind die erzieherischen Hilfen bei sogenannten Problemfamilien dramatisch angestiegen. Das hat neben einer Kostendimension auch inhaltliche

Aspekte - was geschieht mit den jungen Menschen, die aus diesen Familien kommen? Wenn wir davon ausgehen, dass eine gute Pflegefamilie für die Bildungs- und Persönlichkeitsentwicklung dieser Jugendlichen förderlicher ist als Heime, wo sie in großen Gruppen betreut werden, und dass in Heimen der Unterhalt 5-mal teurer ist als die Unterbringung in Pflegefamilien, dann ist es sehr wichtig, sich um mehr qualifizierte Pflegefamilien zu bemühen. Erfreulicherweise hat sich jedenfalls das Selbstverständnis der Kommunen als Eingriffs- und Ordnungsbehörde, wie es noch bis in die 1990er Jahre verbreitet war, über die Dienstleistungskommune hin zur Bürgerkommune weiterentwickelt. Natürlich kann nicht jede Kommune alles gleichzeitig umstellen. Hier vermitteln wir spezifische Erfahrungen von Kommunen, die diesen Schritt schon getan haben. Städte und Gemeinden, die in diesen Bereichen noch vor Herausforderungen stehen, können so ihre


Umstellungsprozesse erleichtern. Die KGSt organisiert Netzwerke nicht nur zu diesem Thema, die die Kommunen im Bedarfsfall nutzen können. Um die kommunalen Finanzen effektiv zu planen und damit effizient zu machen bzw. Ziele zu erreichen, ist moderne Software bzw. IT-Unterstützung mittlerweile unabdingbar. Wie sieht der Status in den Kommunen aus? Gibt es noch Nachholbedarf?

In den letzten Jahren gab es flächendeckend große Fortschritte, aber wir sind noch nicht dort, wo der öffentliche Sektor stehen sollte. Was früher utopisch war, wie für den Bürger online frei zugängliche Auskünfte über einen Bebauungsplan zur Verfügung zu stellen, ist heute nahezu überall State of the Art. Wobei die Implementierung moderner IT-Technologie und Software nicht von der Größe der Kommune abhängt, also davon, ob eine Großstadt oder eine kleine Stadt im ländlichen Raum sie anschaffen will. Es gibt überall Vorreiter, wie es auch Kommunen gibt, die sich leider nur zögerlich umstellen.

„Es gibt auf jeden Fall großen Nachholbedarf.“ Fakt ist, es gibt auf jeden Fall Nachholbedarf, aber dieser ist in der kommunalen Landschaft sehr unterschiedlich. Die meisten Gemeinden ab 10.000 Einwohner haben bereits ein gutes Datenmanagement im Bereich des Haushaltswesens sowie die Möglichkeit, dass der Bürger bestimmte Anliegen online erledigen kann. Ein absoluter Engpass zeigt sich noch immer bei der Durchsetzung des elektronischen Personalausweises. Ohne diesen fehlt die Online-Identifikationsmöglichkeit. Die Durchsetzung geschieht langsamer, als es ursprünglich geplant war. Wäre das in der Breite gegeben, so gäbe es auch größere Portfolios an Online-Leistungen im öffentlichen Sektor. Wie wichtig ist die Rolle von Innovationsbringern also IT-Dienstleistern? Zunächst geht es um die Inhalte und dann kann man über die Instrumente nachdenken, die man zur Realisierung braucht. Ohne Frage: Sind die Inhalte definiert, werden die Instrumente zur Umsetzung gebraucht. Ein IT-Dienstleister kann durchaus als Impulsgeber auftreten, denn oftmals - wie in allen Bereichen des Lebens - kommen Ideen durch die Veranschaulichung von Möglichkeiten. Erst wenn man weiß, was technisch realisierbar ist, können Inhalte entsprechend formuliert werden. Was kann eine Kommune von Industrie 4.0 lernen? Generell gesehen steht eine Verwaltung wegen der sehr unterschiedlichen Altersstrukturen in der Bürgerschaft vor der Herausforderung, ihre Leistungen allen Bürgern zugänglich zu machen. Das bedeutet, sie muss hybrid also analog wie digital - agieren. Das trifft auch auf Unternehmen in der freien Wirtschaft zu. Insofern gibt es Parallelen. Beim Thema Digitalisierung ist jedoch zu beachten, dass diese nicht in jedem Fall eine ideale Lösung ist.

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Ein Prozess, der bereits analog Schwierigkeiten bereitet, wird nicht durch das Digitalisieren automatisch besser. Zuerst müssen die Inhalte sinnvoll gestaltet werden, ehe man sie transformiert. Wie in der Wirtschaft ist auf dem Weg zur Kommune 4.0 auch im öffentlichen Sektor eine Sensibilisierung für dieses wichtige Thema nötig.

Es ist, wie gesagt, sehr stark personenabhängig. Sind die Verantwortlichen offen für das Thema Digitalisierung und haben entsprechende Mitarbeiter eingebunden, die sich fachlich auskennen, dann ist das Vorantreiben von digitalen Prozessen keine Frage von Alter oder „digital native“.

Kommunen können mit eigenen Ressourcen vieles selber realisieren. Die KGSt hilft dabei, wie unsere Homepage zeigt. In unserer Prozessbibliothek befinden sich „Blaupausen“ unter Einbeziehung des Aspekts der Digitalisierung für z.B. ausländerrechtliche Themenstellungen, Baugenehmigungsverfahren oder die Zur VerfügungStellung von Kitaplätzen. Daneben ist die Unterstützung von externen IT-Dienstleistern wichtig - eben in den Bereichen, wo das eigene Know-how nicht ausreicht. Das sollte dann aber nicht an den Finanzen scheitern. Denn ein solider fachmännischer Support gewährleistet reibungslose Arbeitsprozesse und minimiert das Fehlerrisiko - abgesehen von der Zeitersparnis.

Was geschieht mit den Kommunen, die noch nicht so weit in der Umstellung sind?

Lassen sich Trends beobachten, wie Städte, Kreise und Gemeinden mit dem Thema „Digitalisierung“ umgehen?

Wie beurteilen Sie die Aussage: „Die Digitalisierung stockt, weil der Haushalt belastet ist“?

Nein, denn das ist weniger fachbezogen oder von der Größenordnung abhängig als von den verantwortlichen Personen. Je nach Wissensstand, Vorlieben oder Notwendigkeiten werden Prozesse vorangetrieben. Jedoch muss

Die Aussage trifft zwar zu, jedoch kann die Verwaltung hier nur bedingt eingreifen. Entscheidungen über die Finanzmittel bzw. die finanzielle Ausstattung bestimmter Projekte erfolgen durch den Stadtrat oder Kreistag.

Diese werden nachziehen müssen, weil der Druck sicher irgendwann zu stark wird. Die Veränderung wird kommen, sie ist unausweichlich. Um nur einen Punkt deutlich anzusprechen: Städte, Kreise und Gemeinden stehen schon heute im Wettbewerb um Einwohner und Investoren. Kommunen, die sich der Digitalisierung öffnen, sind für diese Zielgruppen wesentlich attraktiver. Wer hier keine Antworten hat, keine Strategie oder versäumt nachzuziehen, hat das Nachsehen, was sich auf alle Bereiche des kommunalen Lebens auswirkt.

„Geordnete Finanzen werden immer ein Thema bleiben.“

man sehen, dass die Entscheider sehr oft 50 plus sind. Die müssen sich in vielen Fällen den entsprechenden Input entweder von den „digital immigrants“ (35 bis 50 Jahre) oder den „digital natives“ (unter 35 Jahre) abholen oder sich von ihnen informieren lassen. Das beeinflusst ebenfalls die Offenheit für digitale Trends. Gibt es in puncto Digitalisierung Unterschiede zwischen Städten und ländlichen Räumen? Denn nicht immer bedeutet Stadt gleich Fortschritt - ländliche Räume können manchmal sehr viel weiter sein als Städte. Ich sprach es vorhin schon an, die Arten von Kommunen sind sehr vielfältig. Dennoch haben die großen Städte wie Dortmund mit über 500.000 Einwohnern den Vorteil, über sehr spezialisierte Mitarbeiter zu verfügen. Kleine Städte mit rund 40.000 Einwohnern haben hingegen den Vorteil, dass sie einen besseren Überblick über die gesamte Verwaltung haben. Entsprechend flexibler können sie reagieren. Ähnlich verhält es sich bei den Landkreisen.

Die Herausforderung der Verwaltungen liegt darin, die politischen Entscheider davon zu überzeugen, dass eine Investition notwendig ist, damit effektiver und flexibler gearbeitet werden kann und damit sich die Serviceleistung für den Bürger erhöht. So wird häufig bei der Investition in Digitalisierungsprozesse diskutiert und gerungen, bei anderen, konkreteren Finanzierungen, wie z.B. Geldern für ein Bürgerhaus, läuft es dagegen problemloser. Das hängt zum einen mit dem Verständnis der Problematik zusammen, da einige Projekte greifbarer und sichtbarer sind als die Digitalisierung von Abläufen. Zum anderen kommt es z.B. auf den Bürgermeister oder Landrat an und darauf, wie er dem Gemeinderat oder Kreistag das Thema verdeutlichen kann. Das wird sich ändern, wenn sich die Entscheidungsinstanzen verjüngen und der Leidensdruck der Kommunen stärker wird. Abschließend ein Blick in die Zukunft: Womit sollen sich Kämmerer, Amtsleiter oder Bürgermeister in den nächsten drei bis fünf Jahren besonders auseinandersetzen? Unter Standortgesichtspunkten auf jeden Fall mit der Verbesserung des Service – gerade im Hinblick auf die


Entwicklung von Einwohnerzahlen oder möglichen Investoren. Ein Beispiel dazu: Wenn eine Kommune das gesamte Kitaangebot digitalisiert, hat sie in diesem Punkt einen klaren Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen, die das nicht machen. Früher interessierten Fragen wie Öffnungszeiten des Rathauses. Heute ist es mehr der Aspekt, wie schnell und wie weit der Bürger online an Leistungen kommt. Geordnete Finanzen werden Thema bleiben. Sie entscheiden, was verwirklicht werden kann und was nicht. Da ist es wenig hilfreich, wenn von politisch verantwortlicher Seite Zahlen und Fakten als Entscheidungsbasis infrage

gestellt werden. Die Lebensqualität von Menschen hängt unmittelbar mit dem Haushaltsbudget zusammen. Ebenso wird die Stellenbesetzung ein wichtiger Aspekt sein. Schon heute ist bekannt, dass viele Positionen nicht mehr besetzt werden können, weil schlichtweg der Nachwuchs fehlt. Lösungen, um Lücken zu schließen, liegen im Bereich der Digitalisierung. Zusammengefasst lässt sich sagen: Wer dieses breite Thema im Hinblick auf Kommune 4.0 schleifen lässt oder ignoriert, wird vor massiven Problemen stehen.

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MIT VIEL SCHWUNG durch den kommunalen Büroalltag Larissa Schilde, deutsche Junioren-Meisterin im KanuRennsport und Sportlerin des Nationalkaders, zeigt sechs Übungen zur Steigerung der körperlichen Fitness am Arbeitsplatz. Einfach und effektiv.

LARISSA SCHILDE Kanutin und Mitglied der deutschen JuniorenNationalmannschaft Seit ihrem achten Lebensjahr ist die 20-jährige Abiturientin im Kanusport aktiv. Sie fährt Einzel-, Zweier- oder Viererkanu. Mit Leidenschaft und Konsequenz meistert sie die Herausforderung, Studium, Trainingslager und zahlreiche Wettkämpfe unter einen Hut zu bringen. Sie startet für das Kanuteam Meddernisch (Metternich).

Ihre größten Erfolge sind: • Seit 2010: Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften • 2011 und 2013: diverse Medaillengewinne im Marathon mit Portage (21 km, wobei nach jedem vierten Kilometer das Kanu über 200 m getragen werden muss) • 2012: 3. Platz im Viererkanu über 500 m bei den Olympic Hope Games • 2014 und 2015: deutsche Junioren-Meisterin und Teilnahme an der Europameisterschaft in Frankreich (2015) und im tschech. Račice (2015) • 2016: 3. Teilnahme in der Leistungsklasse an der U23 Marathon-WM (über 30 km) in Südafrika Seit Anfang 2015 unterstützt mps public solutions gmbh mit Sitz in Koblenz die junge Kanu-Rennsportlerin.

BAUCHMUSKELN MIT BEINSCHERE Für diese Übung suchen Sie sich einen Platz, an dem Sie sich auf den Boden setzen können. Los geht´s: Setzen Sie sich auf den Boden und stützen sich mit beiden Armen hinter dem Körper ab. Beugen Sie den Oberkörper nach hinten (leichte Rückenlage), heben Sie die Beine vom Boden ab und spannen den Bauch an. Versuchen Sie die Halswirbelsäule lang zu lassen – also das Kinn in Richtung Brust ziehen. Atmen Sie dabei frei und vermeiden Sie, die Luft während der Übung anzuhalten.


AUSFALLSCHRITTE MIT GEWICHT Stellen Sie sich hüftbreit hin, der Körper ist aufgerichtet, die Bauchmuskeln werden angespannt und der Blick geht nach vorn. In den Händen - rechts und links - halten Sie ein Gewicht. Das können Wasserflaschen oder auch Akten sein. Setzen Sie schließlich ein Bein mit einem großen Schritt nach hinten. Der Schritt sollte weit genug sein, dass der Winkel zwischen den Beinen etwa 90° beträgt. Das vordere Bein wird gebeugt und das hintere Knie in Richtung Boden geführt (geknickt), bis der Unterschenkel parallel zum Boden verläuft. Wenn der tiefste Punkt erreicht ist, drücken Sie sich mit dem vorderen Bein wieder nach oben und nach vorne. Dabei wird das hintere Bein wieder nach vorn gezogen, bis beide Füße wieder auf gleicher Höhe stehen - Übung mehrfach wiederholen.

ERHÖHTE LIEGESTÜTZE Die können überall durchgeführt werden, selbst wenn Sie nur kurz aufstehen und sich hinter Ihren Stuhl stellen. Die Füße stehen dabei schulterbreit auseinander, sodass Sie einen festen Stand haben. Die Hände halten Sie so wie auf dem Bild oder seitlich, wenn die Möglichkeit besteht. Der Kopf ist leicht gesenkt, sodass die Halswirbelsäule gerade ist. Jetzt spannen Sie Bauch- und Gesäßmuskel an, halten die Spannung fünf Sekunden und lösen diese wieder - eine kurze Pause und Sie wiederholen die Übung ein paar Mal.

ERHÖHTES SEITSTÜTZEN Auch bei dieser einfachen Übung brauchen Sie etwas Platz. Legen Sie sich in der Ausgangsposition auf den Rücken. Ihre Beine sind dabei gestreckt, die Arme können Sie als Stütze seitlich neben dem Körper legen. Ihr Kopf schaut nach oben. Jetzt spannen Sie Bauch, -Gesäßund Rückenmuskeln gleichzeitig an, dass Sie wie ein Brett wirken Spannung halten und lösen. Nehmen Sie die Beine nur nach oben, wenn Sie das als zusätzliche Erschwerung wünschen!

NACKENDEHNUNG 1 Diese Dehnübung können Sie schnell zwischendurch auf Ihrem Bürostuhl machen. Dazu setzen Sie sich hüftbreit und in aufrechter Körperhaltung hin. Ihre Beine stehen parallel zueinander. Jetzt legen Sie Ihre Hände gleichmäßig in den Nacken. Die Arme sind dabei gerade auseinander und nicht vor den Kopf gezogen. Nun üben Sie einen leichten Druck in den Nackenbereich aus und das bei freier Atmung. Achten Sie darauf, kein Hohlkreuz zu machen!

NACKENDEHNUNG 2 Die Ausgangsbasis ist die gleiche wie bei der vorherigen Übung. Setzen Sie sich hüftbreit auf Ihren Bürostuhl. Ihre Beine stehen parallel zueinander. Nun neigen Sie Ihren Kopf möglichst weit zu einer Seite und umfassen dann vorsichtig mit dem Arm Ihren Kopf und ziehen ihn dann leicht zur Seite. Achten Sie auch hier wieder darauf, ein Hohlkreuz zu vermeiden.

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Was sagen unsere Kollegen aus Österreich?

Quelle: Marktgemeinde Matrei in Osttirol

Transparenz stellt gemeinhin ein elementares Prinzip und eine Grundvoraussetzung für das Funktionieren einer Demokratie und eines Rechtsstaats dar. Eine spezifische Ausprägung ist dabei die Haushaltstransparenz, die gerade in Kommunen von grund­ legender Bedeutung ist. In der Marktgemeinde Matrei in Osttirol findet eine umfassende, begleitende und laufende Kontrolle der Gemeindegebarung statt: So erfolgt – zu den in der Gemeindeverwaltung implementierten Controlling-Instrumentarien (mit laufender Haushaltsüberwachung, Zuordnung von Budgetkontrollverantwortung tragenden Personen und mittelfristiger Finanzplanung) – eine laufende Prüfung der Gebarung durch den Überprüfungsausschuss der Marktgemeinde. Sie wird durch Vorlage der jeweiligen Haushaltsvoranschläge (inkl. mittelfristiger Finanzplanung) und Rechnungsabschlüsse sowie monatlicher schriftlicher Mitteilungen der Kontokorrentstände und Auswertungen (z.B. Schuldendienstvorschauen, Einnahmen- und Aus­ gabenlisten, Entwicklung der gemeindeeigenen Abgaben und Steuern sowie Gebührenhaushalte zur Beurteilung der finanziellen Lage) regelmäßig bzw. anlassbezogen z.B. beim Ansuchen von Darlehensaufnahmen ständig durch die Gemeindeaufsicht bei der Bezirkshauptmannschaft (BH) Lienz geprüft. Darüber hinaus erfolgen periodische Gebarungseinschauen durch die Gemeindeaufsichtsbehörden bei der BH Lienz bzw. beim Amt der Tiroler Landesregierung. Damit ist permanent Transparenz nach innen und nach außen gegeben, wobei ,nach innen‘ insbesondere der Gemeinderat bzw. Gemeindevorstand als jeweils zuständige Kollegialorgane und Entscheidungsträger, der Überprüfungsausschuss der Marktgemeinde als primäre interne Kontrollinstanz und darüber hinaus auch die sogenannten „budgetverantwortlichen Personen“ profitieren. All diese Maßnahmen gewährleisten Kostenbewusstsein und Budgetdisziplin. Primäre Zielgruppen nach außen sind die Aufsichtsbehörden auf Bezirks- und Landesebene, Landes- und Bundesrechnungshof, Medien und die Bevölkerung. Schließlich ist zu erwähnen, dass die Marktgemeinde Matrei in Osttirol als einzige in Tirol am bundesweiten Forschungsprojekt ,GemMIS - Gemeinde ManagementInformations System‘ der Donau Universität teilnahm. Das Forschungsprojekt hatte neben der erstmaligen Vermögenserfassung und -bewertung das Ziel, die Gemeindehaushaltsdaten einfach und rasch auszuwerten und in einem Kennzahlen-Bericht (Top-Management-Info) übersichtsmäßig darzustellen. Der Marktgemeinde Matrei steht damit ein (weiteres) Controlling-Instrument zur Verfügung, das die Steuerung des Haushalts unterstützt. Transparenz und aktive kommunale Öffentlichkeitsarbeit als wesentliche Voraussetzungen für eine intakte Beziehung und das Vertrauen zwischen Gemeindepolitik und Gemeindeverwaltung einerseits und Gemeindebürgerinnen und Gemeindebürgern andererseits wird in der Marktgemeinde Matrei aber auch auf allen anderen Ebenen praktiziert.

Dr. Andreas Köll, Bürgermeister der Marktgemeinde Matrei in Osttirol, Mitglied des österr. Bundesrates


WAS TUN SIE HEUTE FÜR DIE TRANSPARENZ IHRES HAUSHALTS? UND WAS IST GEPLANT?

Offene Frage – unterschiedliche Antworten

Bereits die letzten Verfahren zur Aufstellung des Wuppertaler Doppelhaushalts wurden mit unterschiedlichen Bürgerbeteiligungsformaten flankiert begleitet. Für das aktuelle Haushaltsplanverfahren konnten für Wuppertal als eine der europäischen Pilot­ kommunen Mittel aus dem EU-Projekt EMPATIA* generiert werden. Über die Säulen Bürgerbudget, Information und Dialog mit der Politik wurden unterschiedliche Zugänge zur Haushaltsplanung erarbeitet, die eine transparente und dialogorientierte Begleitung des Planungsprozesses schaffen sollen. Die Visualisierung des Haushaltsplans erfolgt in Kooperation mit Open Data Initiative von Wuppertal.

Dr. Johannes Slawig, Stadtdirektor und -kämmerer der Stadt Wuppertal

* Enabling Multichannel Participation through ICT Adaptions

Michael Heil, Bürgermeister Oestrich-Winkel

Der kommunale Haushalt ist für viele Bürgerinnen und Bürger nur schwer verständlich. Wir haben vor einiger Zeit im Rahmen einer Informationsveranstaltung dargestellt, welche Aufgabenbereiche eine Kommune hat und wie diese Aufgaben finanziert werden. Auch Produktbeschreibungen finden sich in unserem Haushaltsplan. Dies ist aber nur ein erster Schritt. Der Haushalt muss transparent und leicht lesbar sein, mittels einer entsprechenden Software werden wir zukünftig die wichtigsten Haushaltsdaten, grafisch aufgearbeitet, auf unserer städtischen Homepage darstellen. So können sich auch ,Laien‘ einen Überblick über die Finanzsituation unserer Stadt verschaffen.

Dr. Wolfgang G. Müller, Oberbürgermeister der Stadt Lahr im Schwarzwald

Dr. Thomas Wilk, Kreisdirektor, allgemeiner Vertreter des Landrates sowie Kreiskäm­ merer / Kreis Unna

Bereits die letzten zur in Aufstellung des Wuppertaler Doppelhaushalts Die Einbindung der Verfahren Bürgerschaft kommunalpolitische Prozesse gehört in Lahrwurden schon mitJahren unterschiedlichen flankiert Für das aktuseit zum Leitbild Bürgerbeteiligungsformaten des städtischen Handelns. Das schließtbegleitet. beispielsweise Transpaelle Haushaltsplanverfahren konnten für Wuppertal europäischen renz-, Informations- und Beteiligungsmaßnahmen ein.als Seiteine zweider Jahren gibt es inPilot­ Lahr kommunen Mittel aus dem EU-Projekt EMPATIA* werden. Über und die Säulen den ,Stimmtaler‘ - ein Bürgerbeteiligungsprojekt. Es generiert dient u.a. der Förderung FinanBürgerbudget, Information und Dialogdie mit der Politik unterschiedliche Zugänge zierung von Initiativen und Vorhaben, zuvor von derwurden Bürgerschaft vorgeschlagen werzur Haushaltsplanung erarbeitet, diedie eine transparente dialogorientierte Begleitung den. Durch den ,Stimmtaler‘ können Bürgerinnen undund Bürger der Stadt Lahr direkten des Planungsprozesses schaffen sollen. Die Visualisierung des Haushaltsplans erfolgt in Einfluss auf einen Teil des Stadtbudgets nehmen und gleichzeitig tiefere Einblicke Kooperation mit OpenEntscheidungsprozesse Data Initiative von Wuppertal.“ kommunalpolitische gewinnen. Die positiven Rückmeldungen aus der Bürgerschaft zeigen, dass der eingeschlagene Weg richtig und notwendig ist. * Enabling Multichannel Participation through ICT Adaptions

Der Kreis Unna legt schon seit vielen Jahren Wert auf einen detaillierten und durch Erläuterungen verständlichen Haushalt. Der gegenwärtige Aufbau einer wirkungsorientierten Steuerung wird die zu entwickelnde Gesamtstrategie für den Kreis Unna in den Produkthaushalt direkt integrieren. Dadurch werden die Wirkungen des Ressourceneinsatzes deutlicher aufgezeigt, was die Transparenz erheblich erhöht. Die Einführung dieses neuen Systems erfordert eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit von Verwaltung und Politik.

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EINE MODERNE KOMMUNE MUSS GUTE DIENSTE LEISTEN

Sahra Wagenknecht ist MdB und Oppositionsführerin der „Linken“ im Deutschen Bundestag. Die 1969 in Jena geborene Volkswirtin, Publizistin und Politikerin (DIE LINKE) studierte nach der Wende Philosophie und neuere deutsche Literatur in Jena, Berlin, Groningen (NL) und promovierte 2012 mit Auszeichnung zum Dr, rer. pol. in Wirtschaftswissenschaften an der Technischen Universität Chemnitz. Von 1991 bis 1995 und von 2000 bis 2007 war Sahra Wagenknecht im Parteivorstand der PDS, anschließend von 2007 bis 2014 im Vorstand der Partei DIE LINKE, ab 2010 als Stellvertretende Parteivorsitzende. 2007 bis 2010 war sie Mitglied der Programmkommission der Partei DIE LINKE. Von 2004 bis 2009 saß Sahra Wagenknecht im Europaparlament. ...

Foto: @DiG/Trialon

Mein Lieblingsbundesland ...

Die meisten Fehler macht eine Kommune im / beim ...

Das Amt des Bürgermeisters in ländlichen Regionen ist …

... ist das Saarland, weil ich dort glücklich bin, und Nord­rhein-Westfalen, weil dort meine politische Heimat ist.

... wenn sie öffentliches Eigentum verkauft.

... eine ständige Herausforderung, da ländliche Regionen nicht selten arm und strukturschwach sind und von der herrschenden Politik viel zu oft allein gelassen werden.

Meine Lieblingsfloskel ist …

... gibt‘s keine, weil ich Floskeln nicht mag. Wer etwa von sozialer Gerechtigkeit redet, sollte glaubwürdig sagen, was genau er verändern will.

Europa bedeutet für mich ...

... das Versprechen von Frieden, Demokratie und Wohlstand für alle. Die Brüsseler EU mit ihrer abgehobenen Lobbykratie ist nicht Europa, sondern mitverantwortlich für das Erstarken antieuropäischer Kräfte in vielen Ländern.

Ohne Internet wären wir ...

Eine modere, zukunfts­ orientierte Kommune muss ...

... Digitalisierung bedeutet für unser Land erst einmal die Pflicht, alle Haushalte mit schnellen Breitbandanschlüssen zu versorgen, und zweitens die Notwendigkeit, über kürzere Arbeitszeiten bei vollem Lohnausgleich nachzudenken.

... all ihren Einwohnern gute Dienste leisten – von der Kinderbetreuung über Schulen bis zur menschenwürdigen Pflege im Alter. Und sie sollte alle Einwohner mit bezahlbarem Strom, Wasser und Wohnraum versorgen.


DIE KÜNSTLICHE INTELLIGENZ KOMMT: Wie werden sich Kommunen verändern?

Die Digitale Transformation hat in vielen Bereichen unseres Lebens schon Einzug gehalten – Sprachassistenten auf Smartphones oder Einparkhilfen in Autos sind Teil unseres Alltags. Doch nicht nur auf privater Ebene, auch in Wirtschaft und öffentlichen Behörden wie Kommunen spielt Digitalisierung eine immer größere Rolle. Wirtschaft 4.0 oder auch Kommune 4.0 sind die Stichworte. Das Thema künstliche Intelligenz, das unmittelbar mit diesem Komplex in Zusammenhang steht, wird künftig alle Bereiche des Lebens durchdringen. Aber noch ist die Digitalisierung für viele offenbar Zukunftsmusik. Das gilt auch für Kommunen – viele von ihnen stecken gar noch mitten in der Diskussion um den Ausbau des Breitbandnetzes. Wie also soll die Zukunft in Städten und Gemeinden aussehen? Wie lässt sich die unvermeidliche Entwicklung künstlicher Intelligenz in die Gemeindearbeit einbinden? Welche Chancen, welche Auswirkungen wird eine solche Einbindung haben? 48 49


Sven Gábor Janszky, Direktor von 2b AHEAD Think Tank

Zunächst ist es sinnvoll, den Begriff „künstliche Intelligenz“ zu definieren. Als künstliche Intelligenz wird ein Teilbereich der Informatik verstanden, der sich mit der eigenständigen Weiterentwicklung von programmierter Automatisierung befasst. Dabei wird versucht, auf Basis von Algorithmen menschenähnliche Intelligenz nachzubilden. Schon heute können Programme Bilder, Symbole, Handschriften oder auch komplexere Erscheinungsformen wie Stimmen oder Gesichter erkennen und analysieren, um entsprechende Befehle auszuführen. Mit dem digitalen Fingerabdruck oder der Erkennung der Iris werden fälschungssichere Autorisierungen ermöglicht. Einen Schritt weiter geht die Gesichtsidentifizierung. Ist erst einmal eine entsprechende Datenbank hinterlegt, können über die Sensorik Banküberweisungen, Anträge bei der Gemeinde, persönliche Auskünfte oder Zugänge zu sensiblen Daten in verschiedensten Sicherheitsabstu-

Foto: Jörg Gläscher

fungen abgerufen werden. Abwicklungsprozesse beschleunigen sich, Daten lassen sich effektiver zusammenfassen, Kosten werden gesenkt und das alles bei einer sehr geringen Fehlerquote. Künstliche Intelligenz kann aber weitaus mehr. Durch die digitale Vernetzung wird es der Kommune der Zukunft möglich, ihren Bürgern noch individualisiertere und flexiblere Services anzubieten. Das Zukunftsinstitut 2b AHEAD Think Tank setzt sich wissenschaftlich mit dem Thema Zukunft auseinander. Auf Basis unterschiedlichster Untersuchungen geht es davon aus, dass es durch die zunehmende Digitalisierung zu völlig neuen Formen der Bürgerbeteiligung und deren Einbindung kommen wird. Der Direktor von 2b AHEAD Think Tank, Sven Gábor Jánszky, sagt: „Unsere Vorstellungen von Städten und Stadtgrenzen werden sich im Zuge der Digitalisierung vollständig verändern. Die Stadt der Zukunft ist die Community derer, die vernetzt arbei-

ten und leben – unabhängig von der Anschrift.“ Nach Einschätzung des Zukunftsinstituts wird die digitale Vernetzung dazu beitragen, die Lebensqualität in den Kommunen deutlich zu heben. So ist vorstellbar, Ampelanlagen durch Software so zu vernetzen, dass aufgrund von Handydaten die aktuelle Verkehrsdichte analysiert und der Verkehr entsprechend geregelt werden kann. Denkbar sind auch mit RFID-Chips („radio-frequency identification“ - Identifizierung mittels elektromagnetischer Wellen) vernetzte Mülleimer, die den Stadtwerken anzeigen, wann sie zu leeren sind, oder intelligente Straßenlampen, die den Energieverbrauch reduzieren, wenn die Straßen leer sind – und so nebenher die Lichtverschmutzung reduzieren -, zusätzlich aber über Daten aus der Kriminalitätsstatistik erfügen, um dunkle Ecken der Stadt gezielt auszuleuchten.


Das alles ist keine Utopie mehr. Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky beschreibt künstliche Intelligenz so: „Wir reden von Predictable Enterprises, die schon heute Anwendung finden. Wie das funktioniert, verdeutlicht ein Beispiel aus der Wirtschaft. Bei einer Supermarktkette ist eine Software im Einsatz, die es ermöglicht, das Käuferverhalten ‚vorherzusagen‘. Konkret: In der Stadt ‚Musterberg‘ im Supermarkt Ecke Otto-Meyer-Straße wird am kommenden Samstag von Produkt X die Menge Y benötigt. Diese Einschätzung wird auf Basis von verschiedensten Informationen - wie Kundendaten, Wetterbericht, Informationen über Bevölkerung und Fläche der Stadt und sonstigen Ereignissen - erstellt. Es sind die ersten Anfänge von künstlicher Intelligenz. In naher Zukunft werden die Supermarktbetreiber ihre gesamten Prozesse im Bereich Logistik, Lager und Einkauf umstellen bzw. anhand der Prognosen optimieren. Das wird sich ebenso auf die Produktion auswirken, die sich in Echtzeit am Bedarf orientiert.“ Jánszky ist sich sicher: „Solche Programme werden auch in Kommunen zum Einsatz kommen - beispielsweise bei Baustellen, Stadtwerken oder im Öffentlichen Nachverkehr. Städte und Gemeinden von morgen existieren auf Basis einer prognostizierenden Software. Durch sie bekommen Stadtplaner, Gemeinderäte oder allgemein Verantwortliche in

Kommunen exakte Vorschläge zur Problemlösung, die ihre Entscheidungen effektiver machen – wie zum Beispiel die Planung beim Winterdienst. Künstliche Intelligenz würde bestehende Daten mit Echtzeitdaten kombinieren, danach die Bestellungen von Streusalz, allgemeiner Lagerhaltung des Winterdienstes, der Einsatzbereitschaft von Gerätschaften sowie Personal überprüfen, beauftragen, organisieren und koordinieren. Neben einer enormen Kosteneinsparung wären auch die durchzuführenden Arbeiten wesentlich zielgerichteter.“ Für solche komplexen Berechnungen wird es leistungsstarke Computer geben, ähnlich dem „Watson“ von IBM, der innerhalb von Sekunden große Mengen an aggregierten Daten auswertet. Nur werden diese Rechner nicht mehr vor Ort sein. Die Zugriffe, Rechenprozesse bzw. e-Services erfolgen über die Cloud. Sensorische Systeme erteilen die Autorisierung für kommunale Mitarbeiter und Bürger. Wie die Entwicklung letztlich verlaufen wird, ist stark abhängig von den Menschen selber. Die Wirt-

schaft hat gezeigt, dass die Einführung der Digitalisierung erstens nicht „über Nacht“ erfolgte und zweitens, dass die Entscheidungen in diesem Bereich keineswegs von Geschäftsführungen oder Vorständen gefällt wurden. Weil das dafür nötige Knowhow nur bedingt oder gar nicht vorhanden war, wurde die Position des CDO (Chief Digital Officer) geschaffen. Ähnlich wird es im kommunalen Bereich sein: Es wird eine zentrale Funktion geben, die die Digitalisierung verantwortet. Entwicklungen in diese Richtung gibt es schon in zahlreichen Städten wie Stuttgart, Hanau oder Wolfsburg. Ohne Frage wird die künstliche Intelligenz im Leben einer Kommune Einzug halten. Die Kommune 4.0 ist keine Utopie. Es gilt, die Chancen rechtzeitig zu erkennen und zu nutzen.

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WUSSTEN SIE SCHON? Die kommunale Welt in Zahlen Die folgenden Angaben sind öffentlich zugänglichen Statistiken entnommen.

Kassenkredite der Kommunen im Jahr 2004

20,0 Mrd. € 47,0 Mrd. € Kassenkredite der Kommunen im Jahr 2015 Quelle: Statistisches Bundesamt 2016

Anzahl der ehrenamtlich tätigen Personen in Deutschland:

2012

12,21 Mio. ehrenamtlich tätige Personen

12,96 Mio. ehrenamtlich tätige Personen

2015

2014

13,44 Mio. ehrenamtlich tätige Personen

Quelle Statista 2016

STEUER EINNAHMEN (NETTO) der Gemeinden

2014 56,4 Mrd. € 92,8 Mrd. €

2015

Quelle: Statistisches Bundesamt, AK Steuerschätzung 2016

Breitbandverfügbarkeit der Privathaushalte in Deutschland

> 1 Mbit/s > 16 Mbit/s > 50 Mbit/s

99,9 % 85,4 % 68,7 %

Quelle: Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur 2016

Strompreis für 3-Personen-Haushalt mit 3500 kWh/p.a.

2000 / 40,66 € 2007 / 60,21 € 2015 / 84,02 € Quelle: Bundesverband der Energie und Wasserwirtschaft 2016

Vertrauen der Bürger in die einzelnen Politebenen

16%

LANDESREGIERUNG

13 % 49 % 22 % BUNDESREGIERUNG IN KEINE EBENE

Quelle: Forsa Umfrage 2016

GEMEINDE /  STADTVERWALTUNG


VORAUSGEDACHT: Thesen zur Kommune 4.0

2 1 3

„In einigen Jahren werden wir unseren Personalausweis online beantragen.“

„Künstliche Intelligenz wird Einzug in die Kommunal­ verwaltung halten.“

IDENTIFIKATION PER VIDEO-CHAT

KÜNSTLICHE INTELLIGENZEN (KI) WIE IBMS „WATSON“

Einige Unternehmen und Finanz­ dienstleister wenden diese Autorisierungsmöglichkeit bereits an – z.B. zur Kontoeröffnung. In der öffentlichen Verwaltung könnte ebenfalls der Video-Chat Anwendung finden, z.B. dort, wo ein Lichtbildausweis zur Legitimation erforderlich ist, oder bei Autorisierungen.

Schon heute unterstützt künstliche Intelligenz komplexe Entscheidungen - insbesondere unter Zeitdruck - in Wirtschaft und Medizin. KI wäre ebenso in der öffentlichen Verwaltung von Vorteil. Verantwortliche in Kommunen bekämen exakte Vorschläge zur Problemlösung. KI würde Entscheidungen effektiver und sicherer machen.

„Für jede Verwaltungs­anfrage bekommt der Bürger eine Ticketnummer, wie bei einer Bestellung bei Lieferando, Zalando & Co.“

ISSUETRACKINGSYSTEM (ITS)

Der z.B. Online-Handel setzt ITS beim Kunden- und Bestellservice oder beim Beschwerdemanagement ein. Im öffentlichen Sektor könnten Anfragen mit ITS zentralisiert werden, die automatisch an die zuständigen Fachstellen gehen, und der Anfragende kann anhand eines Codes den Vorgang verfolgen.

K1 ist …

… die neue Softwaregeneration der mps)

2017 100%  2018 120 > 40 Testlabs erfolgreich gestartet

ige

Weblösung

Marktstart

Impulsgeber aus Kommunen arbeiten mit an K1

daran beteiligte Entwickler

53


, v i t a v inno nal funktio & einfach zum Mitgestalten 8 1 0 2 t t i ! r n t e n i k e r Markt bedingt vorme un

K1 – Das ist die neue Ära des Finanzwesens www.neues-finanzwesen.de

mps public solutions gmbh Maria Trost 1 56070 Koblenz t +49 261 98824-0 f +49 261 98824-101

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K1magazin 2017: Digitale Vordenker - Warum die Digitalisierung für Kommunen enorme Vorteile bringt  

K1magazin 2017: Digitale Vordenker - Warum die Digitalisierung für Kommunen enorme Vorteile bringt  

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