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Berufswahl Politiker

49% haben besondere Achtung vor Polizisten.

6% sprechen Politikern ihre Achtung aus.

76% der Deutschen schätzen den Arztberuf.

Eine Frage der Statistik Bei der Allensbacher Studie zum Berufsprestige landen Politiker immer weit hinten - doch was steckt hinter der Befragung, die ganze Berufsgruppen stigmatisiert?

Pixelio/ Tim Reckmann; stock.xchng/ Kurhan; stock.xchng/ smilin

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von Judith Kunde Fabian ist jung, intelligent und voller Tatendrang – trotzdem will er Politiker werden. So würde es zumindest die breite Masse der Bevölkerung ausdrücken, die Politiker nicht mag. Wie hoch oder niedrig das Ansehen von Politikern und anderen Berufsgruppen ist, will das Institut für Demoskopie in Allensbach regelmäßig mit einer Erhebung herausfinden. Doch schafft es das wirklich? Denn die Methodik der Studie wirft einige Fragen auf. Seit 1966 legen die Forscher der Allensbacher-Berufsprestige-Skala den Befrageten eine Liste mit 18 bis 22 Berufen vor. Aus welchen Gründen aus tausenden von Berufen genau diese Tätigkeiten ausgewählt wurden und andere nicht, ist fraglich und nicht mal für das Demoskopieinstitut noch nachvollziehbar. Die Allensbacher selbst sagten gegebnüber dem humanistischen Pressedienst: „Das war 1966! Die Arbeitsgruppe besteht heute nicht mehr.“ Fakt ist, dass zwar niemand genau weiß, warum die Berufsgruppen

auf der Liste sind - verändert hat man an der Zusammenstellung bis heute kaum etwas. Denn schließlich will die Studie vor allem den Wandel des Ansehens über die Jahre dokumentieren. „Könnten Sie bitte die fünf Berufe auswählen, die Sie am meisten schätzen, vor denen Sie am meisten Achtung haben?“ lautet die Aufforderung an die Studienteilnehmer. Dann werden fünf Kreuze auf circa 20 Berufe verteilt. Eine Gewichtung, welcher Beruf wie sehr geschätzt wird und was die Teilnehmer von den restlichen Berufen auf der Liste halten, ist nicht vorgesehen. Somit ist die Aussagekraft der Allensbacher-Berufsprestige Skala eine sehr begrenzte. Damit lassen sich vielleicht auch die deutschen Buchverkäufer trösten, deren Ansehen wohl nicht so schlecht ist, wie es zunächst scheint. Zwar standen sie 2008 am Ende der Liste. Viel wahrscheinlicher, als dass die Deutschen ihre Buchhändler nicht leiden können, ist, dass sie schlicht zu den weniger

prominenten und spektakulären Berufen gehören. In der Folge wurden sie seltener angekreuzt. Wenig erstaunlich auch, dass bei 76% der Befragten eines der Kreuze für den Arztberuf draufgeht: einem Beruf, der hohe Qualifikation erfordert und darauf ausgelegt ist, Menschen zu helfen. Dass Politiker seit Anbeginn der Befragung Schlusslichter der Skala sind, ist ebenso schnell erklärt. Nur wenig Befragte wollen einer Berufsgruppe, die so oft in Skandale verwickelt ist, explizit ihre Wertschätzung aussprechen. Eine wissenschaftlich fundierte Aussage darüber, wie sehr Berufsgruppen angesehen sindoder nicht, kann man aus der Methodik der Allensbach Studie jedoch nicht ableiten. Deswegen sollte Fabian, der gerne Politiker werden möchte, das vermeintlich schlechte Berufsprestige nicht zum entscheidenden Kriterium seiner Wahl machen. Viel mehr sollte er sich das Sprichwort zu Herzen nehmen: „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.“



Text kunde berufspolitiker