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Das Geschäft mit Liebessuchenden

2011 waren laut Statista 7,3 Millionen Deutsche in Online-Singlebörsen registriert. Einziger Gewinner dabei: Die Plattformen selbst mit 203 Millionen Euro Jahresumsatz. Unter den Benutzern haben hingegen nur zwei Prozent ihre große Liebe gefunden.


Anna91, Studentin, SUCHT . . .

Viele erhoffen sich, die Liebe im Internet zu finden. Dating-Portale bereichern sich daran.

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r hat graues Haar, ist charismatisch, Typ George Clooney. Sie ist blond, Akademikerin, ganz hübsch. Im echten Leben wären beide eine glatte Zehn. Im TV-Spot werben beide für eine Welt außerhalb der Realität, einen Traumkosmos. Es handelt sich bei der Werbung um eine Online-Datingplattform, die einem verspricht, die wahre, die einzige Liebe zu vermitteln. Dahinter steckt ein Unternehmen, welches versucht mit Tricks, registrierte Nutzer an sich zu binden. So sind beispielsweise Premium-Abos der einzige Weg, Nachrichten von anderen Nutzern lesen zu können. Diese können schnell teuer werden: 100 bis 300 Euro für ein halbes Jahr Mitgliedschaft. Das ist natürlich keine Garantie dafür, dass man auch fündig wird. Will man sicherlich auch nicht seitens

der Single-Börsen. Schließlich würde man mit jeder Vermittlung hoffnungsvolle, lukrative Kunden verlieren.

„Man wird im echten Leben einfach nicht oft angesprochen.“ Diese sehen die Plattformen als Chance: „Ich nutze Online-Dating, da das wahre Leben in sozialen Netzwerken stattfindet“, sagt Anna Ostermann, 22. Sie hat sich bei friendscout24 angemeldet, um einen festen Partner zu finden, am besten die Liebe ihres Lebens. „Man wird im echten Leben einfach nicht oft angesprochen wird.“

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ass man als Nutzer allerdings vorsichtig sein sollte, zeigen Einträge in Internetforen. Diese bieten eine Plattform für enttäuschte oder genervte

Nutzer der Portale.Die Seriosität der Online-Singlebörsen ist nicht immer gewährleistet.

Die Profile werden nach der Kündigung einfach nicht vom Anbieter gelöscht. Diverse Nutzerprofile, die laut Angaben der Partnersuchenden nicht mehr auf der Seite registriert sind, sind nachwievor online. Die Profile werden nach der Kündigung einfach nicht vom Anbieter gelöscht. So kann man auch das augenscheinlich ausgewogene Verhältnis zwischen den Geschlechtern erklären: 52 Prozent Frauen und 48 Prozent Männer, laut eigener Angaben der Portale. Klingt ganz gut, wenn man das liest. Dabei neigen die Plattformen dazu zu vertuschen, dass in Wahrheit der männliche Anteil zu 70 Prozent überwiegt. Diese Lüge deckte laut FAZ die Universität St. Gallen vor kurzem auf.

Meist kommt bei kleinen Plattformen hinzu, dass das Impressum nur teilweise angibt, wer für die Seite verantwortlich ist. Die Betreiber der Seiten haben oftmals ihren Sitz in fernen Ländern. Was passiert dann mit den preisgegebenen Daten oder schlimmer noch: mit dem überwiesenen Geld? Transparenz sieht anders aus.

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lso alles eine Lüge? Der Weg zu echter Liebe ist wohl leichter im wahren Leben. Hier muss man nicht befürchten für viel Geld auf Fake-Profile zu stoßen, sondern auf existierende Personen. Damit das Ausnutzen der Liebessuchenden endlich sein Ende findet, sollte der Verbraucherschutz aktiv werden. Es wird Zeit für Auflagen für Online-Datingportale. Text und Bilder Monika Zureck


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