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WELT am SONNTAG | 39

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Immobilien

Baulärm So viel Miete darf man kürzen Seite 41

Schwankende Exklusivität auf dem Wasser Schwimmende Häuser gibt es heute in relativ lautem Design und in individueller Modulbauweise. Die Bewohner sollten aber seefest sein Von Matthias J. Müncheberg

Sanft plätschern die Wellen gegen den Steg, eine Abendbrise streicht über das Oberdeck, und direkt vor dem Wohnzimmer kann bei einem guten Glas Wein von der Terrasse aus beobachtet werden, wie die glutrote Sonne im Wasser des Sees zu versinken scheint. Fische springen übermütig direkt vor der Haustüre, und überm Dach ziehen Möwen ihre Kreise. So jedenfalls sieht das idealtypische Bild aus. Als ich jedoch am ganzjährig vermieteten SchwimmHaus der Aqua Terra Lausitz GbR auf dem Partwitzer See in der Nähe von Senftenberg ankomme, sieht es ganz und gar nicht nach einem ruhigen Abend auf der Terrasse aus. Ein steifer Wind bläst aus West, die Wellen schlagen unerbittlich gegen die Wohn-Pontons. Hätte ich besser eine Schwimmweste mitgenommen? Das Untergestell ist unsinkbar und solide verankert, versichert mir der Hersteller, also steige ich beherzt in meine unfeste Bleibe für eine Nacht. Eine Behausung auf dem Wasser hat nun einmal kein Fundament. Das Haus schaukelt zwar nicht wirklich, aber man spürt, wie es an den Befestigungen zerrt und alles ein wenig wackelt. Daran jedoch kann man sich gewöhnen, und manchem Wohntyp verschafft dies sogar ein besonders heimeliges Gefühl. Bei dem vor drei Jahren errichteten Referenz-Haus für eine ganze Siedlung von Wasser-Behausungen fällt ansonsten der kompakte, aber gut durchdachte Grundriss auf. Das Haus ist zweigeschossig und stellt den kleinsten Haus-Typ der Serie

STEELTEC 37

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Schwimmvillen der Firma Steeltec 37. Die Modulbauweise ist relativ günstig, dafür treiben Anschlussleitungen für Wasser und Gas den Preis

dar. Flur, Bad und geräumige Wohnküche mit Anschluss an ein großzügig geschnittenes Sonnendeck bilden das Erdgeschoss. Über einen verschließbaren BetonSchwimmsteg kann das Ufer erreicht werden. Der kleine Wohnraum mit Sitzecke und Zugang zum Balkon, der beim Schwimm-Haus wie bei einem Dampfer Oberdeck

heißt, sowie das Schlafzimmer mit großen Fenstern zum See befinden sich im Obergeschoss. In größerer Zahl gibt es die Schwimm-Villen bisher vor allem in den Niederlanden, Dänemark und Nordamerika. In Deutschland tut man sich noch schwer mit dieser neuartigen Wohnform, und das liegt auch an bürokratischen Hür-

den. „Ein Problem ist, dass viele Wasserflächen in Deutschland nicht verkauft, sondern nur als Nutzfläche verpachtet werden können“, sagt Architekt Matthias Beyer. Er hat acht Schwimmhäuser für die Rummelsburger Bucht in Berlin geplant, die kurz vor der Realisierung stehen. Soll das „Grundstück“ beleihbar sein, funktioniert dies in

der Regel über eine Erbpacht. Nur so besteht überhaupt eine Aussicht auf einen Bankkredit. Außerdem seien Floating Lofts etwa um 30 Prozent teurer als ein herkömmliches Einfamilienhaus mit vergleichbarer Ausstattung, schätzt der wasseraffine Architekt. „Problematisch – und dadurch teurer – ist neben der Gründung des

Aufbaues auf einem Ponton vor allem die Technik, das betrifft beispielsweise die Gas- und Wasseranschlüsse“, sagt Beyer. Gerade darin liegt jedoch der Reiz für viele Städter, die das besondere Ambiente schätzen und Wert legen auf eine individuelle, naturnahe Wohnform: das leise Spiel der Wellen und der immer-

währende Ausblick auf das beruhigende Nass direkt vor der Haustür lassen nicht nur WassersportlerHerzen höher schlagen. Dabei sind die Floating Lofts echte Häuser, nicht etwa nur Hausboot-Verschnitte. Die Enge und Muffigkeit, die auf vielen umgebauten Lastkähnen und Schiffen oft herrscht, ist hier ebenso wenig Thema wie die typischen kleinen Schiffsbullaugen, durch die nur wenig Licht einfällt. Weitere Prototypen sind in den letzten Monaten entstanden: Für das maritime Wohnen auf innerstädtischen Kanälen geeignet ist etwa ein 30 bis 40 Tonnen schweres Floating Home mit 105 Quadratmetern Wohnfläche, Terrasse und begehbarem Dach, das sich ein Pärchen aus Berlin für das Wohnen auf einem Seitenarm des Landwehrkanals in Tiergarten bei der Mittschiffs-Werft in Berlin-Köpenick bestellt hat. Für den dauerhaften Auftrieb sorgen acht einzeln austauschbare Schwimmkörper. „Wohnen an und auf dem Wasser hat Zukunft“, sagt Thomas Wilde, Geschäftsführer der Berliner Firma Steeltec 37. Für sein SchwimmMusterhaus „Ar-Che“ wurde er kürzlich mit einem Innovationspreis ausgezeichnet. Auf großstädtischen Seen und Kanälen sieht Wilde allerdings nur selten genügend Platz für Schwimmvillen oder dauerhafte Wohnsitze. Interessenten müssten sich eher aufs platte Land begeben, beispielsweise an die Seen der ehemaligen mitteldeutschen Braunkohlenreviere, von denen viele zurzeit aufgefüllt und erschlossen werden. Fortsetzung auf Seite 41

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