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BOOT

Sonnabend, 17. Oktober 2009 | Berliner Morgenpost

BOOTENEWS Das Wichtigste in Kürze ------------------------------------------------------

Surfen

Landesmeisterin aus Potsdam Bei der 14. Landesmeisterschaft im Windsurfen hat bei den Frauen überraschend Sonja Hein vom Potsdamer Segelverein gewonnen. Die 19-Jährige wollte „nur aus Neugier“ mal an einer Windsurfregatta teilnehmen – und hatte zum Schluss nur noch die Magdeburgerin Julia Vinken vor und die Werderanerin Gabriele Grahl hinter sich. Der veranstaltende Windsurfverein Werder/Havel konnte mit 65 Startern eine Rekordbeteiligung verzeichnen. Neben Sonja Hein dürfen sich nun auch der Stahnsdorfer Sönke Woith (U19), die Werderaner Claus Luley (Raceboard) und Gregor Meißner (Funboard) sowie Pawel Dittrich (Formula) aus Berlin „Brandenburger Landesmeister“ nennen. mjm

Seenot

Segler aus der Schlei gerettet Zwei junge Segler sind auf der Schlei aus Seenot gerettet worden. Die beiden 15- und 16-Jährigen waren mit ihrer Jolle bei Fleckeby gekentert und nach Einbruch der Dunkelheit nicht zurückgekehrt. Wie die Wasserschutzpolizei mitteilte, hatte sich der Mast im Schlick verfangen, sodass sie das Boot nicht mehr aufrichten konnten. Ein Rettungshubschrauber der Marine fand die beiden mit einer Wärmebildkamera nach mehr als vier Stunden im etwa 14 Grad kalten Wasser auf der gekenterten Jolle. dpa

Folkeboot

Einhand um die Ostsee segeln Der Segler und Buchautor Hans Bastian Hauck hält morgen um 15 Uhr in der Urania in Berlin einen Vortrag. Mithilfe von zahlreichen Fotos wird er über seine Segelreise, die ihn in fünf Monaten allein von Berlin nach St. Petersburg und zurückführte, berichten. Gastfreundschaft, Bürokratie, aber auch Stürme begleiteten Hauck, als er sich mit dem 3000 Seemeilen langen Törn an Bord seines 50 Jahre alten Holz-Folkebootes einen Traum verwirklichte. Der Eintritt kostet sieben, ermäßigt sechs Euro. Nähere Informationen unter www.tadorna.de. mjm

Unfall

Zwei Tote bei Nachtregatta Zwei der erfahrensten australischen Rennsegler, Andrew Short und Sally Gordon, sind bei einer Nachtregatta ums Leben gekommen. Ihre 24,4 Meter lange Yacht „Shockwave V“ war an Felsen vor der Südwestküste Australiens zerschellt. Vermutlich verlor die 18-köpfige Crew die Kontrolle über die Yacht, nachdem sie von einer Serie von über zwei Meter hohen Wellen getroffen und ins Rollen geraten war. BM

Die fünf Jüngstensegler des Teams PYC beim letzten Training mit ihren Optimistenjollen auf dem Wannsee. Wind und Wasser sind schon herbstlich kalt, aber das stört die Jungs nicht

FOTOS: MÜNCHEBERG

Das Segelballett der Jüngsten Am kommenden Freitag startet auf dem Wannsee der schwierig zu segelnde Opti Team Cup. Nur schnell sein reicht hier nicht T VON MATTHIAS J.MÜNCHEBERG

Niemand soll den Opti unterschätzen. Gewiss, er ist die kleine Einsteigerjolle für Kinder, eine Art Seifenkiste mit Segel, aber auch damit ist großer Sport möglich – zu sehen vom kommenden Freitag an in Berlin. Nirgends sonst treffen regelmäßig so viele gute Segler der internationalen Opti-Szene aufeinander wie auf dem Wannsee, um in 120 Wettfahrten den Sieger zu küren. Es ist Opti Team Cup, zum 22. Mal. „Es gewinnt das cleverste Team“ Das Besondere an diesem Wettbewerb ist, dass nicht unbedingt der Schnellere gewinnt. Und manch alter Regatta-Hase hätte wohl seine liebe Not mit Regeln und Manövern. Umdenken ist gefragt. Nicht nur, dass die höchstens 15 Jahre alten Jungsegler (die jüngsten unter ihnen sind gerade neun) die Regeln des normalen Matchracing im Schlaf beherrschen müssen. Gewinner der Zweikämpfe Boot gegen Boot ist hier wie beim großen Vorbild America’s Cup, wer den jeweiligen Konkurrenten am wirkungsvollsten am Start behindern, ihn auf der Bahn mit Segeltechnik und Regattataktik bekämpfen und am Ende – natürlich – vor ihm über die Ziellinie fahren kann.

Beim Team Matchrace kommt noch eine Komponente hinzu. „Es gewinnt nicht der beste Einzelsieger, sondern das cleverste Team“, sagt Thomas Läufer, Trainer beim Potsdamer Yacht Club (PYC) und vom 23. bis zum 25.Oktober Schiedsrichter auf dem Wannsee. Im Ziel werden zunächst die Einzelplatzierungen aller Segler einer Gruppe addiert. „Die Mannschaft mit der niedrigsten Punktzahl gewinnt. Sollte es im Ziel zu einem Punktegleichstand kommen, so verliert die Gruppe mit dem ersten Platz – sie hätte den Teamkollegen weiter hinten helfen sollen“, ergänzt Segellehrer Carsten Mügge. Bei einem der letzten Trainings auf dem herbstlich-kalten Wannsee übt er mit den Berliner Jüngstenseglern Frederick Eichhorst, Jonas Nelle, Julian Patrunky und Benedict Seyer sowie dem aus Brandenburg stammenden Moritz Paschen. Zusammen bilden sie das „Team PYC“. Drei weitere deutsche Gruppen gehen an den Start, dazu zwölf ausländische Teams. Teils handelt es sich um komplette Nationalmannschaften, teil sind sie mit Einzel-Weltmeistern besetzt. Doch die fünf Jungs vom PYC ficht das nicht an. Längst haben sie verinnerlicht, was ihnen ihr Trainer Carsten wieder und wieder erklärt

Warum die Optimisten-Jolle das weltweit meistverkaufte Boot ist Die Idee Schon vor 62 Jahren ging es älteren Seglern darum, Kinder von der Straße ins Klubhaus und aufs Wasser zu holen. In Florida entwarf der Konstrukteur Clark Mills genau aus diesem Grund ein 2,30 Meter langes Boot mit einem dreieinhalb Quadratmeter großen Segel. Der Name Optimist heißt die Jolle nicht etwa, weil man viel Optimismus braucht, um sie zu segeln. Im Gegenteil: Der Opti, so wird das Bötchen meist genannt, ist gutmütig und stabil. Kleine Kinder können in ihm lernen, Jugendliche bei Starkwind Regatten fahren. Der Name kommt schlicht von dem Club, in dem Clark Mills und ein Freund zusammen saßen und den Bau der neuen Jolle beschlossen.

hat. Die Kommandos, die er seinen Schützlingen beim Training zuruft, sind indes für Normalsegler gewöhnungsbedürftig: „Lass dich zurückfallen“, fordert er etwa Julian bei einer Proberegatta auf, er solle sich die beiden hinter ihm segelnden Gegner vorknöpfen. Julian weiß, was er zu tun hat: Sofort setzt er sich direkt vor seine Verfolger, um

Team PYC nach dem Training: Moritz, Jonas, Julian, Frederick und Benedict Die Form Mills hatte die Vorgabe, dass seine Jolle nicht mehr als 50 Dollar kosten sollte (heute: ab 1200 Euro). Darum verzichtete er auf einen spitzen Bug, weil das mehr Holz gebraucht hätte. So ist der Opti vorne stumpf geworden, was seiner Karriere nicht geschadet hat.

Der Durchbruch 1957 brachte der dänische Olympiasegler Poul Elvström den Opti nach Europa, was die Verbreitung beschleunigte. Heute ist der Optimist in mehr als 80 Ländern eine anerkannte Segelklasse, es gibt weltweit mehr als eine halbe Million Optis.

ihnen mit dem eigenen Segel den Wind wegzunehmen und sie so langsamer zu machen – damit seine Teamkollegen zu ihm aufschließen und die gegnerischen Boote überholen können. „An der Tonne nie Raum rufen!“, fordert der Segellehrer kurz danach Jonas auf, als der sich aus Gewohnheit lautstark Platz verschaffen will. „Beim Teamrace

sollte man seine Gegner nie wissen lassen, welche Manöver man im nächsten Augenblick umsetzen will“, erklärt Mügge später. Die „hohe Schule des Segelns“ sei das, betont Trainer Thomas Läufer, viele seiner Vereins- und sogar seiner Trainerkollegen kämen zu ihm, um sich bei ihm über die Regeln des Team-Matchracing zu informieren.

Schümanns Angriff auf den America’s Cup Wie der Berliner Erfolgssegler langfristig ein erfolgreiches Team aufbauen will Jochen Schümann arbeitet an seinem Meisterstück: Der dreimalige Olympiasieger und zweifache America’s-Cup-Gewinner will die berühmteste Segeltrophäe der Welt endlich unter deutscher Flagge gewinnen. Weil er dieses Ziel aber nicht allein mit deutschem Material und deutschem Geld erreichen kann, hat der 55-Jährige eine Allianz mit der französischen AC-Kampagne K-Challenge geschmiedet. Sieben Franzosen, vier Deutsche, drei Spanier, zwei Italiener, ein Schweizer, ein Holländer und ein Neuseeländer sollen schon im November vor Nizza bei der neuen Louis-Vuitton-Weltserie auf America’s-Cup-Yachten punkten. Schümann will mit der Bezeichnung All4One an das Motto der Musketiere erinnern: Alle für einen, einer für alle. Gleichzeitig verweist der Name auf Schümanns eigene olympische Karriere, als die Schriftzüge auf seinen Booten oft Zahlenspiele mit Blick auf die Besatzung waren. Sie hießen „Flotter Dreier“, „Extra Drei“ oder eben „All4One“. Dieses Kunstwort stand auf dem Heck der Soling, mit der Schümann vor neun Jahren in Sydney die „bitterste Niederlage meines Lebens“ kassierte. Damals verlor er nicht nur die vierte Goldmedaille, sondern auch die damit verbundene Ehre, zum erfolgreichsten

Olympiasegler aller Zeiten aufzusteigen. Von 2010 an will All4One an vier internationalen Regattaserien teilnehmen: Louis-Vuitton-Weltserie, Audi MedCup, RC44-Championship-Tour, World Match Race Tour. Langfristig soll die Arbeit bei All4One in eine erfolgreiche Teilnahme am America’s Cup münden. Darum gibt es in Schümanns Segelkader auch kein Mitglied ohne AC-Erfahrung, und darum wird seit der vergangenen Woche in der ehemaligen America’s-Cup-Stadt Valencia trainiert.

Nur rund 100 Meter weiter in Valencia befindet sich das ehemalige Hauptquartier der ersten deutschen America’s-Cup-Kampagne: United Internet Team Germany (UITG). Hier endete am 31. März 2008 der Versuch, eine starke deutsche Kampagne in den 33. America’s Cup zu schicken. Der Gerichtsstreit zwischen Alinghi und BMW Oracle Racing, der die Cup-Welt seit 2007 lähmt, hatte auch die deutschen Bemühungen erstickt. Die Sponsoren stiegen aus, die Segler verloren ihre Jobs. Unter ihnen Jochen Schümann.

Alle für einen: Teamchef Jochen Schümann (Mitte) mit Sébastien Col FOTO: ALL4ONE (links) und Stéphane Kandler

Der Bruch, der damals zwischen Schümann und Team Germanys Manager Michael Scheeren entstand, ist bis heute nicht gekittet. Schümann sagte der Morgenpost: „Bei UITG hat man sich entschieden, weiter abzuwarten und nichts zu tun. Wir aber wollen den Anschluss nicht verpassen.“ Team Germany hat indessen Pläne für die Teilnahme an der neuen Louis-Vuitton-Weltserie auf Eis gelegt. United Internets Interesse an einem Cup-Engagement besteht noch und könnte wieder aktuell werden, sobald der bevorstehende America’s Cup entschieden ist. Bis dahin wird sich All4One einen erheblichen Trainingsvorteil verschafft haben, muss aber für das kommende Jahr noch Sponsorengelder einwerben. Team Germany dagegen könnte mit entsprechenden Mitteln des potenziellen Hauptsponsors nach Ende der Streitigkeiten um den America’s Cup mit neu zusammengestellter Crew um Steuermann Karol Jablonski direkt in die 34. Cup-Auflage durchstarten. Nicht ausgeschlossen, dass Schümann und Team Germany dann als Gegner mit unterschiedlichen Philosophien aufeinandertreffen. All4One jedenfalls bringt Leben in die kränkelnde deutsche America’s-Cup-BeweTatjana Pokorny gung.

Frederick, Jonas, Moritz, Julian und Benedict wissen, dass Tricksen, Bluffen und Behindern beim Teamrace erlaubt sind – anders als bei den Fleetraces, wo jeder gegen jeden antritt. Dass trotzdem alles nach strengen Regeln zugeht bei dieser besonderen Art des Gruppen-Zweikampfes, und dass diese Regeln vor allem auch strikt befolgt werden, darüber wachen auf dem Wannsee am kommenden Wochenende auch sieben internationale Schiedsrichter. „Man darf andere behindern“ Doch trotz des komplexen Regelwerks steht den jungen Seglern vor allem der Spaß am Wassersport ins Gesicht geschrieben. „Ich mag das Teamrace, weil man da andere Segler behindern darf “, sagt der zehnjährige Frederick. „Man kann nicht einfach so segeln, wie man denkt“, sagt der ein Jahr jüngere Moritz. Und dass man schon die Regeln kennen müsse. Beim Trainingstag weiß Moritz jedenfalls, was zu tun ist, und fährt souverän vorn, ohne seine Teamkollegen aus den Augen zu verlieren. Moritz hat auch ein Vorbild: Großcousin Matti Paschen, mehrfacher deutscher MatchraceMeister, dazu noch America’s-CupSegler. Was aus dem Opti-Sport alles werden kann.

Die größte Yacht der „hanseboot“ Die Aufbauarbeiten für die Wassersportmesse „hanseboot“ (24. Oktober bis 1. November) in Hamburg laufen auf Hochtouren, denn die ersten großen Schiffe sind eingetroffen. Eine 18,62 Meter lange Yacht vom Typ Brenta 60 der Kieler Werft Knierim ist am Eingang des Messegeländes aufgebaut worden. Auch eine fast 19 Meter lange Yacht vom Typ Swan 60 wird bei der 50. Ausstellung zu sehen sein. Die größte ausgestellte Segelyacht ist die Nordia Performance 70 mit einer Länge von 21,35 Metern. Insgesamt erwartet die Hamburg Messe mehr als 1000 Schiffe. Rund 700 Aussteller aus 30 Ländern haben sich angemeldet. Einerseits regen Luxusyachten zum Träumen an, andererseits ist das Angebot an preisgünstigeren Booten gestiegen. In der Halle B5 können die Besucher das Motto des Volvo Ocean Race „Life at the extreme“ selbst ausprobieren. Wer sich in den Simulator „The Ride“ hineintraut, erlebt, wie es sich anfühlt, bei Sturm durch die Wellenberge des Südpazifiks zu rasen. Die „hanseboot“ ist montags bis freitags von 10 bis 19 Uhr geöffnet, am Wochenende bis 18 Uhr. Die Eintrittspreise variieren zwischen sieben Euro (Montag bis Freitag, nur nachmittags) und 18 Euro für eiBM ne zwei Tage gültige Karte.

2009 das segelballett der jüngsten  

nur schnell zu sein reicht hier nicht aus...

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