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BOOT

WassersportNews DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

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Bus-Shuttle zur Hanseboot Für Besucher der vom 25. Oktober bis 2. November in Hamburg laufenden 49. Internationalen Wassersportausstellung hanseboot gibt es einen täglichen Bus-Shuttle der BVB ab Berlin. Der Shuttle fährt die Haltestellen Grenzallee, Bahnhof Südkreuz, Hildegard-KnefPlatz, ZOB am Funkturm, U-Bahnhof Tegel und Ecke Karolinen-/ Schloßstraße an. Der Preis für Hinund Rückfahrt inklusive hansebootEintrittskarte kostet 41 Euro. Informationen und Reservierung unter Tel. 030/68 38 91 80. mjm

Sonnabend, 11. Oktober 2008 | Berliner Morgenpost

Goldsegler im Heimathafen Heute werden die Paralympics-Medaillengewinner im heimischen Yacht-Club Berlin-Grünau empfangen

13 400 Boote auf Finowkanal Auf dem Finowkanal – Deutschlands ältester schiffbarer künstlicher Wasserstraße – sind in der Sommersaison 2008 rund 13 400 Boote geschleust worden. Damit sei trotz des ungünstigen Wetters die Anzahl von 13 800 Sport- und Paddelbooten sowie Fahrgastschiffen aus dem vergangenen Jahr fast erreicht worden, berichtet das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Eberswalde. Die Bilanz bezieht sich auf die Saison vom 1. Mai bis 30. September. dpa

Berliner Morgenpost: Wie wird beim pa-

ralympischen Segeln – bei verschiedenen Behinderungen – eine faire Vergleichbarkeit erzielt? Jens Kroker: Klassifizierung im Segeln basiert auf den vier Faktoren Körperstabilität, Handfunktionen, Mobilität und Sehvermögen. Die Athleten werden nach einem Punktesystem eingeteilt, wobei sieben Punkte die größte Funktionsfähigkeit darstellen. Ein Team aus drei Seglern, wie unsere Sonar-Crew, darf 14 Punkte nicht überschreiten.

Sportboot-Ausrüstungspflicht Wie die Kreuzer-Abteilung des Deutschen Segler-Verbandes mitteilt, sind die Vorschriften zur Ausund Nachrüstungspflicht mit Fäkalientanks auf der Ostsee bereits wirksam. Alle Sportboote, die die Ostsee, die Nordsee oder das Mittelmeer befahren und eine Toilette an Bord haben, müssen nun mit einem Tank sowie einer Landentsorgungsvorrichtung ausgerüstet sein. Befreit sind Schiffe, die vor 2003 gebaut wurden und kürzer als 11,50 Meter sind, sowie Yachten, die vor 1980 gebaut wurden. mjm

Beim Training auf dem Müggelsee holte sich die Kroker-Crew den letzten Schliff, der sie schließlich zum Gewinn der Goldmedaille befähigte. Das gückliche Team: Siegmund Mainka, Trainer Christian Bittner, Jens Kroker, der technische Betreuer Christian Bauer und Robert Prem (von links) FOTOS: M.MÜNCHEBERG

Im Behindertensport kommen Kielboote zum Einsatz

Polnischer Segler gerettet Ein polnischer Einhandsegler ist vor der Nordseeinsel Juist mit seiner Yacht untergegangen und aus einer Rettungsinsel geborgen worden. Der Mann war auf dem Weg vom Mittelmeer nach Cuxhaven in flaches Wasser geraten, wo der Bootskiel abriss. Wasser strömte in den Rumpf, die Yacht sank, teilt die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger mit. Skipper Jerzy B. kam mit einem Seenotkreuzer ins Krankenhaus, das Wrack seiner Yacht liegt am Unglücksort. AP

Die Berliner Paralympics-Goldmedaillengewinner-Crew in Aktion

Am 25. und 26. Oktober jeweils ab 10 Uhr veranstaltet der Segel-Club „Ahoi“ zum Abschluss der Saison auf dem Wannsee und der Großen Breite die Regatta „Rolling Home“. Ausgeschrieben ist die Regatta für die Bootsklassen Trias, H-Boot und Nordisches Folkeboot. In den vergangenen Jahren nahmen an der Regatta bis zu 86 Schiffe unter anderem aus Finnland, Schweden, Dänemark und Österreich sowie dem gesamten Bundesgebiet teil. In den sportlich anspruchsvoll zu segelnden Kielbootklassen geht es um die letzten Ranglistenpunkte der Saison 2008 und Punkte für die Teilnahme an den Internationalen Deutschen Meisterschaften und Weltmeisterschaften. Vor allem für die Nordischen Folkeboote ist die „Rolling Home“ bereits eine Qualifikationsregatta und Revierübung für die Deutsche Meisterschaft, die 2009 auf dem Wannsee stattfinden wird. Infos: www.scahoi-berlin.de BM

Segeln ist seit dem Jahr 2000 paralympisch. Gesegelt wird nach den Bestimmungen des Internationalen Behinderten-Seglerverbandes (IFDS). Der Sport ist für alle Athleten mit einer körperlichen Behinderung zugänglich, es nehmen Amputierte, Cerebralparetiker, Blinde oder Rückenmarkverletzte teil. Bei Cerebralparetikern handelt es sich um Menschen, die an einer

Beeinträchtigung des Bewegungsablaufs und mangelnder Muskelkontrolle leiden. Für Wettbewerbe bei den Paralympics werden wegen der höheren Stabilität ausschließlich Kielboote verwandt. Neben der Sonar mit 23,23 Quadratmeter Segelfläche kommen Einmannboote („MiniZwölfer“) und SKUD zum Einsatz.

Ihr Vorschoter Siegmund Mainka hat erst vor zwei Jahren mit dem Segeln begonnen. Hatten Sie in Peking einfach nur Glück? Nein. Wir haben uns professionell auf die Paralympics vorbereitet, unter anderem durch Teilnahme an Wettkämpfen in den USA, wo wir uns mit internationaler Konkurrenz messen konnten, einem Testwettbewerb vor Qingdao, um das Revier kennenzulernen, und Strömungstrainings in Wilhelmshaven, um uns auf das schwierige Strömungsrevier im Gelben Meer vorbereiten zu können. Alle drei Wo-

Einmal um die Welt und vier Mal über den Äquator Das Volvo Ocean Race wird dieses Jahr in der zehnten Ausgabe ausgetragen – Deutsche mit Chancen dabei T Von Sandra-Valeska Bruhns

Rolling Home auf dem Wannsee

„Wir sind überglücklich“, jubelte Jens Kroker nach der letzten, alles entscheidenden Segelregatta in der chinesischen Fushan-Bucht. Vier Sonar-Teams waren zuvor mit jeweils nur einem Punkt Unterschied in die elfte Wettfahrt gestartet. Sie musste die Entscheidung um die Goldmedaille bringen. Der bis dahin eigentlich führenden Crew um den französischen Steuermann Bruno Jourdren riss in der letzten, entscheidenden Wettfahrt beim Runden einer Wendemarke die Fock. „Damit war der Weg zur Goldmedaille frei für uns“, freut sich Skipper Kroker. Die Sonar ist ein sieben Meter langes Kielboot, das bei sogenannten Handicap-Regatten zu dritt gesegelt wird. Die Crewmitglieder teilen ein gemeinsames Schicksal: Kroker fehlt die linke Hand, seine Vorschoter Siegmund Mainka und Robert Prem sind beinamputiert bzw. querschnittsgelähmten. Im Friedrichshagener Yacht-Club Berlin-Grünau wird der Crew heute ein festlicher Empfang bereitet. Mit Jens Kroker sprach Matthias J. Müncheberg.

In den Lebensläufen professioneller Segler reihen sich renommierte Regattaveranstaltungen und Cups mit wohlklingenden Namen aneinander – doch wer auf eine Teilnahme am Volvo Ocean Race verweisen kann (früher war es das Whitbread Round The World Race), wird mit Respekt und manchmal Hochachtung betrachtet. Michael Müller, 25, kann sich zudem rühmen, dieses Mal der einzige Deutsche zu sein, der über die volle Distanz von 37 000 Seemeilen (etwa 66 500 Kilometer) an Bord sein wird. Ein Vergnügen ist das aber nicht in jedem Fall. Die Regatta bedeutet für die Crews spartanische Lebensbedingungen an Bord, extreme Temperaturen, heftige Stürme und zermürbende Flauten. Unter diesen Bedingungen müssen die Segler harmonisch, präzise und professionell miteinander arbeiten. „An Bord werde ich auf dem Vorschiff sein, die Segel trimmen und auch steuern“, sagt Michael Müller. „Wir sind nur zehn Segler an Bord, da muss jeder alles können.“ Das gilt auch für die Jüngsten – Müller ist erst 25 Jahre alt, nach den Regeln des Volvo Ocean Race müssen zwei Mitglieder der Crew jünger als 30

sein. Das Maschinenbaustudium des Kielers ruht, seit er ins Segelbusiness einstieg. Direkt nach seiner Teilnahme an der „Daimler Chrysler North Atlantic Challenge“ heuerte er im deutschen America’sCup-Team an, seit 2007 gehört er zur Stammcrew von Puma Racing. Unter den acht Teams, mehr als zwölf werden es wegen der hohen Kosten selten, sieht Müller die beiden mit zwei Booten antretenden Teams von Ericsson und Telefónica als Favoriten, räumt aber auch dem eigenen Team Chancen ein. Seit 1997 wird das Rennen auf Yachten eines Typs ausgetragen, um die Vergleichbarkeit zu erleichtern – wer zuerst ins Ziel kommt, hat auch gewonnen. Gesegelt wird auf Booten vom Typ Volvo Open 70, das sind die schnellsten Einrumpfyachten, die es derzeit gibt. „Ihre Schnelligkeit verdanken sie der gigantischen Segelfläche und dem leichten Neigekiel“, sagt Müller. Kreuzt eine Open 70 gegen den Wind, kann der Schwerpunkt des Kiels nach Luv verschoben werden, also auf die Seite, von der der Wind weht. So erzielt ein leichter Kiel dieselbe aufrichtende Wirkung wie ein schweres, starr montiertes Gewicht unter der Schiffsmitte. Der Deutsche wird auch wegen seiner

technischen Kenntnisse geschätzt. Bei Langstreckenetappen müssen die Segler Reparaturen selbst ausführen können. „Neben einem Mastbruch fürchten wir vor allem immer eine Beschädigung oder einen Bruch der beiden Ruderblätter“, sagt Müller. Am kommenden Sonnabend brechen die Segler zur ersten Etappe auf: 6500 Meilen nach Kapstadt. „Mithilfe des Pas-

satwindes hoffen wir, in zwanzig Tagen da zu sein.“ Schon gestern gab es kleine Wettfahrten vor dem spanischen Alicante, so wie es sie in jedem anderen Etappenhafen auch geben wird – damit auch mal Zuschauer die schnellen Yachten in Aktion sehen können. Diese Hafenrennen kommen außerdem den Sponsoren entgegen, da ihre teuren Schiffe sonst

Seit einer Woche sind die schnellen Yachten des „Volvo Ocean Race“ unterwegs. Im Juni 2009 sollen die Segler in St. Petersburg festmachen FOTO: MATTHIAS WITZANY

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37 000 Seemeilen unter Ausschluss der Öffentlichkeit fahren – allerdings wird viel getan, um bewegte Bilder vom Regattageschehen an Land zu übertragen (siehe Kasten). Ein weiteres Zugeständnis an die Geldgeber: Das Rennen um die Welt, das 1973 vor Southampton erstmals gestartet wurde, führt nun auch in die Heimathäfen der teilnehmenden Teams und damit nicht durchs Südpolarmeer. Dieses Jahr stehen asiatische Häfen wie das indische Kochi, das chinesische Olympiarevier Qingdao und Singapur auf dem Programm, gefolgt von Kapstadt und Rio. Auch Start- und Zielhafen sind – eher untypisch für eine Weltumseglung – nicht identisch. Die Yachten werden Ende Juni 2009 in St. Petersburg erwartet. Viermal werden die Teilnehmer den Äquator überqueren. Gab es in früheren Jahren Berichte von Glatteis an Deck und treibenden Eisbergen im Südpolarmeer, müssen sich die Crews nun auch mit der Äquatorhitze auseinandersetzen. Dort drohen mehr als 50 Grad Wärme im Inneren der Schiffe. Aber nicht überall wird es heiß sein, weiß Michael Müller. „Die Route von Singapur nach Qingdao hat es in sich. Neben Stürmen erwarten uns Temperaturen unter dem Gefrierpunkt.“

chen treffen wir uns zudem im YCBG, um auf dem Müggelsee zu trainieren. Dort kann man – solange er eisfrei ist – bei fast jedem Wetter trainieren. Seen mit guten Windverhältnissen gibt es genug. Warum wählten Sie als Trainingsort ausgerechnet Berlin? Berlin bietet uns in jeder Hinsicht ein perfektes Umfeld. Unser Trainingsteam, das aus Trainer Christian Bittner und dem Betreuer Christian Bauer besteht, hilft mit Rat und Tat und berät uns professionell, um später im Wettkampf mit unseren internationalen Gegnern gut vorbereitet zu sein. Wir spüren im YCBG zu jeder Minute, dass der gesamte Verein hinter uns steht. Die herzliche und zupackende Hilfe der ClubMitglieder war und ist unbeschreiblich Hochleistungssegeln ist eine kostspielige Angelegenheit. Wer bezahlte Ihr Paralympics-Engagement? Wir sind froh, dass wir neben dem Deutschen Behindertensport-Verband, der Sporthilfe und dem Olympiastützpunkt Berlin auch Mittel von Sponsoren erhalten. Leider ist der Stellenwert des paralympischen Sports in der deutschen Wirtschaft und damit auch die Bereitschaft zur finanziellen Unterstützung immer noch sehr gering. In anderen Ländern werden unseren Konkurrenten umfangreiche Budgets zur Verfügung gestellt, die nicht nur die Kosten decken, sondern zudem Gehalt und Altersvorsorge ersetzen. Was kann sich ein Athlet nach einer Goldmedaille in sportlicher Hinsicht überhaupt noch wünschen? Nachdem ich mit wechselnden Teams in den letzten Jahren zweimal Weltmeister wurde und neben der jetzigen Goldmedaille bereits Silber in Sydney gewinnen konnte, sind weitere Steigerungen in der Tat schwer vorstellbar. Die Zusammenarbeit mit Menschen, die trotz starker körperlicher Einschränkungen keine Grenzen kennen und bis in die Haarspitzen von ihrem Sport begeistert sind, hat mich die letzten Jahre menschlich sehr bewegt. Das hilft, viele Probleme in unserer Wohlstandsgesellschaft in eine gesunde Perspektive zu rücken.

Wikingerschiff aus Flensburger Museumswerft Die Museumswerft in Flensburg baut derzeit ein historisches Boot für die rekonstruierte Wikingersiedlung in Haithabu bei Schleswig. „Die Archäologie gibt Anweisungen und wir setzen es um. Wir müssen uns den Stand der Entwicklung und den Umgang mit Werkzeugen von vor 1200 Jahren aneignen“, sagt der Geschäftsführer der Museumswerft, Uwe Kutzner. „Das ist mühsame Arbeit.“ Insgesamt sollen drei Beiboote des historischen Gokstadschiffes gefertigt werden. Die Bootsbauer veranschlagen für eines der etwa 6,50 Meter langen Ruderboote rund 500 Arbeitsstunden. Das erste Boot soll im Dezember fertig sein. Grundlage der Bauzeichnungen ist ein archäologischer Fund aus Norwegen. Dort wurden 1880 zusammen mit dem fast vollständig erhaltenen Gokstadschiff die Reste von drei Beibooten ausgegraben. Die Rekonstruktion sei jedoch nicht einfach, sagt Kutzner. „Manche Interpretation der Archäologen lässt sich in der Seemannspraxis nicht umsetzen.“ Die Rekonstruktion des kleinen Verbindungsbootes soll zur kommenden Saison an der Landebrücke der Wikingersiedlung Haithabu anlegen und zu einer zusätzlichen Attraktion werden. dpa

2008 goldsegler im heimathafen  

die paralympics-gewinner wieder daheim im YCBG

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