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58 | BOOTE _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _

Es ist wie so oft im Leben: Der Zufall entscheidet. Als der Italiener Angelo Bonati im Frühjahr 2006 mit einem Dingi die Buchten von Antigua erkundete, fiel ihm ein altes Wrack auf. Es war nur notdürftig längsseits an einer alten Schlepperwerkstatt festgemacht. Der geübte Blick des Freundes klassischer Yachten glaubte, in dem Haufen rottenden Holzes mit dem langen, durchgehenden Kiel, den geAnzeige

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schwungenen Linien und den nur zu erahnenden, wohlproportionierten Formen eine Yacht von der FiveWerft aus Fairlie in Schottland entdeckt zu haben. Der britische Schiffbauer ist berühmt für seine Künste. Das Erfolgsrezept der kleinen Bootsschmiede: Erst wenn ein Schiff auch schön ist, ist es vollendet. Und tatsächlich, bei näherem Hinsehen entpuppte sich die Yacht als die im Jahr 1937 mit der Konstruktionsnummer 822 vom Stapel gelaufene „Eilean“, die schottische Bezeichnung für eine kleine Insel. Eine Sensation in der Klassikyacht-Szene bahnte sich an. Denn die Entwürfe für die einst so stolze 22-Meter-Yacht fertigte der bekannte, damals 80-jährige William Five III höchstselbst, zusammen mit seinem Neffen Robert Balderton Five. Das Lloyd-Register von 1938 weist beide als Konstrukteure des Schiffes aus. Der stilisierte Drachenkopf am Bug des Schiffswracks, Merkmal einer jeden von William Five III gebauten Yacht, brachte dem Segelenthusiasten schließlich letzte Gewissheit. Doch die ehemals so stolze Yacht befindet sich in erbärmlichem Zustand. Die

Masten: nicht mehr vorhanden. Das Dollbord: gebrochen. Die Reling: demontiert. Die Decksausstattung: unbrauchbar. Auch die Inneneinrichtung fehlt so gut wie vollständig. Was die Termiten noch nicht verzehrt hatten, hatte der letzte Eigner ausgebaut. Trotzdem steht für Bonati schnell fest, dass er die „Eilean“ rettet – retten muss. Ein Anruf bei Johann Rupert genügt, dem Chef der RichemontGruppe, zu der Bonatis Edeluhrenschmiede Panerai seit elf Jahren gehört. Der Fan schwimmender Oldtimer hat nun grünes Licht für eine zügige Restaurierung der schwimmenden Legende, auf der in den 80ern die englische Rockband Duran Duran das Video zu „Rio“ gedreht und die Rolling Stones wilde Partys gefeiert hatten. In den zurückliegenden Jahren war es allerdings zusehends bergab gegangen mit der Bermuda-Ketsch, einem Boot also, das an zwei Masten jeweils ein dreieckiges Hauptsegel trägt. Bonati klotzte, statt zu kleckern: Doch wie überführt man ein instabiles, beschädigtes Wrack nach Italien? Wie transportiert man ein solches Schiff, ohne dass es dabei endgültig zerstört wird? Von Antigua ließ Bonati den Rumpf – mit Luftballons gefüllt – nach Martinique schleppen. Dort wartete bereits ein Frachtschiff, dass die „Eilean“ huckepack 4000 Meilen weit bis zum Voltri-Hafen von Genua transportierte. Von da

Ein Bild aus der Zeit, als die alte „Eilean“ noch intakt war. Bald wird sie wieder so aussehen

Schottische „Insel“ wiederentdeckt Ein italienischer Geschäftsmann fand vor Antigua die „Eilean“, eine abgewrackte, aber berühmte Yacht. Er restaurierte sie. 2009 soll das Schiff endlich wieder segeln

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war es, wieder im Schlepp, nur noch ein Katzensprung bis nach Viareggio. Denn nur bei der dort ansässigen, auf Oldtimer spezialisierten Del-Carlo-Werft schien es dem stolzen Vertreter des neuen Yachteigners Panerai möglich, ein so berühmtes, wertvolles Schiff fachgerecht restaurieren zu lassen. Die zehn Mitarbeiter der 1963 ge-

Der Rumpf des alten Schiffes wurde komplett erneuert, nichts erinnert mehr an den vorigen, verwahrlosten Zustand

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MATTHIAS MÜNCHEBERG (3)

Von Matthias J. Müncheberg

W E LT A M S O N N TAG N R . 3 2

gründeten „Cantiere Navale Francesco Del Carlo“, so der korrekte Name der kleinen Werft, nahmen ihre Arbeit auf. Schnell stellten die Handwerker der Del-Carlo-Werft aber fest, dass der Bootskörper des klassischen 22-Meter-Schiffes komplett entkernt werden musste. Die Folge: Die Kosten für die Restaurierung stiegen, und es musste mehr Zeit für die Arbeit am Schiffskörper einkalkuliert werden. Erst danach begann Schritt für Schritt der Wiederaufbau der wertvollen Yacht. Bei einem Werftbesuch schließlich waren ein Großteil der alten Planken aus Teak bereits wieder auf den neu angefertigten Spanten, einem Trägergerüst aus Metall, verschraubt. Verbundbauweise nennt das der Fachmann. Deckshaus und Oberlichter waren angepasst, das Ruder wartete auf den Einbau. Guido Del Carlo, Sohn des Firmengründers Francesco, arbeitete am 24 Meter langen Mast, der wie alle fehlenden Teile vor Ort von den Bootsbauern in Viareggio selbst angefertigt wurde. Angelo Bonati hat ein ehrgeiziges Ziel: Bereits im April des nächsten Jahres soll die „Eilean“ an der Antigua Classic Week sowie nur etwas später an der Regatta von Nantucket teilnehmen. Nach einer Atlantiküberquerung plant der Firmenchef dann selbst von Juni bis September im Mittelmeer an der Panerai Classic Yachts Challenge vor Antibes, Porto S. Stefano, Mahon, Imperia und Cannes teilzunehmen. „Die ,Eilean‘ soll mindestens sechs bis sieben Monate im Jahr auf See unterwegs sein“, wünscht sich Bonati. Dann solle sie sein kleines Florentiner Uhrenunternehmen bei der nach seinem Geschäft benannten Regattaserie würdig vertreten. „Am besten belegt sie dabei einen der vorderen Plätze“, sagt der 57-Jährige erwartungsvoll. Ob er das Schiff durch Zufall gefunden habe? An einen schlichten Glücksfall glaubt der aus Mailand stammende Geschäftsmann nicht. Die „Eilean“ habe ihn gefunden, nicht umgekehrt, behauptet Bonati. Liebhaber alter, wertvoller Schiffe denken eben so.

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Meldungen AUDI MEDCUP

Jochen Schümann segelt auf Platz drei Die Hamburger Yacht „Platoon“ hat in der Mittelmeer-Regatta Copa del Rey vor Palma de Mallorca Platz drei in ihrer Klasse belegt. Damit segelt die Mannschaft um Steuermann Jochen Schümann und Skipper Harm Müller-Spreer weiter im Aufwind. Die mit Teilen der aufgelösten deutschen America’sCup-Mannschaft startende Crew ist im MedCup ab 25. August im spanischen Cartagena wieder im dpa Einsatz. Anzeige

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BALTIC SPRINT CUP

Sieg für „Summer Wine“ und „Danbury“ Die Gesamtsieger des vierten Baltic Sprint Cups der Hochseesegler kommen aus Schweden und Großbritannien. Nach vier Etappen in fünf Ostseeanrainerstaaten schlug das schwedische Team um Stefan Qviberg auf „Summer Wine“ in einem packenden Finale der CruiserDivision die deutschen Verfolger „Chaos quarante“ von Thomas Nielsen aus Eckernförde und Wolfgang Ueckers „Flying Circus“ aus Lübeck. Die letzte Etappe führte vom polnischen Gdansk ins dänische Rönne auf der Insel Bornholm. Bei den Racern gab es einen britischen Doppelsieg der „Danebury“ unter US-Skipper Mike Castania vor David Aishers „Yeoman XXXII“. Als bester Deutscher wurde Christopher Wuttke aus Bückeburg mit seiner „guts ’n glory“ dpa Dritter.

2008 schottische insel wiederentdeckt  

die fife-yacht eilean I

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