Issuu on Google+

SEITE A6

D I E W E LT

S A M S TAG , 16 . A P R I L 2 011

BOOT

Eigenheim mit Außenborder Ursprünglich waren die Nautilus-Hausboote als Lofts und Wohnungen für die Innenstadt geplant

T

MATTHIAS J.MÜNCHEBERG

I

n der Luft vielleicht noch nicht: Wolkenkuckucksheime sind derzeit reine Zukunftsvisionen. Aber wer mag sonst behaupten, dass Häuser auf dem Land anders aussehen müssten als auf dem Wasser? Immer vorausgesetzt, dass der Keller nicht nur geflutet wird, sondern das Gebäude einen Ponton erhält? So wie bei Andreas Hoffmann. Dessen Entwürfe waren ursprünglich nicht fürs Wasser, sondern fürs Land vorgesehen. Nun sind es kleine Villen und Appartements, die dank eigens angefertigter Schwimmkörper im kühlen Nass dümpeln. Doch was heißt hier dümpeln? Grundsätzlich sind sie mit Motoren versehen und können sich auf Seen selbstständig fortbewegen. Das hat Gründe. „Nicht überall sind fest liegende Hausboote erwünscht“, sagt der Architekt. Mit entsprechenden Antrieben handele es sich rein rechtlich dagegen um Sportboote. So wie etwa sein „Ei-Home“. Wobei es eine gefährliche Sache ist, dieses so zu nennen. Denn unabhängig von der Größe sind Unternehmen bei Namensähnlichkeiten sehr empfindlich. Vergangenen Herbst erwirkte Apple etwa eine

einstweilige Verfügung gegen den Anbieter eines „ei-POTT“. Der Eierbecher lag dem Computerriesen lautmalerisch zu nahe am eigenen „iPod“. Doch noch macht sich Hoffmann bezüglich der Namensgebung seiner sogenannten Floating Lofts wenig Sorgen. Alles ist im Aufbau, der Vertrieb bewegt sich aktuell auf einem Niveau, wo man nicht unbedingt ins Visier der Großkonzerne gerät. Und außerdem: „Der neue Schwimmhaus-Typ hat nichts mit dem Hersteller mit dem Apfellogo zu tun“, sagt der 44-Jährige. Vielmehr ergäben die Grundrisse ein eiförmiges Oval. Das nach oben übrigens recht hoch baut. Fünfeinhalb bis sechs Meter Höhe erreicht die Zweistockwohnung. „Je nach gewünschter Raumhöhe“, sagt Hoffmann. Mit zwei Außenbordern und dem Sportbootführerschein Binnen (Motor) lässt es sich bequem an verschiedene Liegeplätze eines Wasserreviers schippern. Schwierig wird es nur unter Brücken. „Aber wir konzipieren das Ei-Home so, dass die obere Etage komplett abgenommen werden kann“, sagt Hoffmann. Die muss danach Architekt Andreas Hoffmann mit dem Modell „Nautilus“

NAUTILUS; MÜNCHEBERG

Der Architekt Andreas Hoffmann entwirft elegante Wasservillen und bringt ihnen intelligente Tricks und Kniffe bei

Bis zu sechs Meter hoch kann das „Ei-Home“ sein. Das kommt je auf die vom Kunden gewünschte Deckenhöhe an

BIS ZU 80 QUADRATMETER WOHNFLÄCHE Sämtliche Objekte der Firma Nautilus Hausboote können mit Wind- und Solarenergie betrieben werden. Beim Reisehausboot „Nautilus“ passen zwölf Quadratmeter Sonnenpaneele an die Außenfläche, beim „Ei-Home“ sind es sogar 40 Quadratmeter, die auf dem Dach Platz finden. Die Hausboote der Firma sind als Passivenergiehäuser konzipiert, die mehr Strom produzieren, als sie selbst benötigen. Die „Nautilus“ wird es mit Elektromotoren geben, das „Ei-Home“

ANZEIGE

+

mit zwei konventionellen Außenbordern. Die Maße der „Nautilus“ betragen 12,50 Meter Länge und 4,27 Meter Breite. Letztere kann beim Ausklappen der Seitenstege um einen Meter auf 5,27 Meter vergrößert werden. Das „EiHome“ ist zehn Meter breit und 13 Meter lang und wartet mit einer Wohnfläche von 80 Quadratmetern auf (zuzüglich der Terrassen mit insgesamt 70 Quadratmetern), die der „Nautilus“ beträgt 32 Quadratmeter. Das „EiHome“ kostet je nach gewünschter Ausstattung von 300 000 bis 350 000 Euro, die „Nautilus“ zwischen 200 000 und 250 000 Euro.

ebenfalls auf einen Ponton und wird bis in den nächsten Hafen geschleppt, wo mit einem Kran das Geschoss wieder in die erste Etage gelupft wird. Doch für die große Fahrt ist das „Ei-Home“ ohnehin nicht gedacht, eher als schwimmendes Café oder Restaurant. Im kommenden Jahr will Hoffmann samt Familie nach Frankreich aufbrechen und hat dafür ein neues Hausboot namens „Nautilus“ entworfen. Dieses braucht Brücken nicht zu scheuen, denn es kann sich ducken. Nun ja, vielleicht nicht direkt ducken, aber immerhin lässt sich die obere Deckskabine zusammenfalten. Macht statt einer Höhe von 4,20 nur noch eine von 3,20 Metern, was für viele Brücken ausreicht. Wie die geheimnisvolle Schnecke aus der Familie der Nautiliden weist auch der Nautilus-Entwurf eine organische

Formensprache mit harmonischen Rundungen auf. Besonders wichtig ist dabei dem gelernten Tischler die Verwendung von natürlichen Materialien wie Holz. Bei vielen Wohnungsbau-Projekten und einigen Lofts, die Hoffmann in den letzten Jahren mit seinem Geschäftspartner Ulrich Weuwel betreute, wurden zudem Glas und Stahl verarbeitet. Diese drei Werkstoffe, verbunden mit einer pragmatischen Einfachheit, Panoramafenstern und einem „Schuss Design“ seien so im Laufe der Zeit zu seiner ganz persönlichen architektonischen Formensprache geworden, sagt Hoffmann. Stehhöhe für vier Personen, Schlafplätze für sechs, zwei Nasszellen und Pantryküche – das sind die Merkmale eines jeden Nautilus-Hausbootes. Im unteren Bereich sorgt eine Fußbodenheißung, im Obergeschoss eine Wandheizung für wohlige Wärme. Sogar einen echten Kamin wird es an Bord geben, verspricht der Architekt. Das klingt alles nach heimeliger Wohnstube und kommt auch vor dort. „Die Grundform des Nautilus-Bootes findet sich bereits in einem Loft, das im Köpenicker Kietz realisiert wurde“, sagt der Berliner. Das „EiHome“ war 2008 ebenfalls als ein Entwurf für ein später nicht zustande gekommenes Hochhaus im Südosten der Hauptstadt gedacht gewesen. Sicher, dass man diese Ideen in leicht modifizierter Form auch aufs Wasser übertragen könne, fing Hoffmann an, Modelle seiner Floating Lofts zu basteln, und stieß damit auf reges Interesse. Denn was ihm in puncto Form und Funktionalität eines Schwimm-Hauses vorschwebte, ließ sich – so jedenfalls – bis dahin nicht auf dem Markt finden. Weshalb er nun begann, seine Modelle auch auf Wassersportmessen zu zeigen. Prompt erhielt er den ersten Auftrag für sein „Ei-Home“, das derzeit gebaut und eigentlich am Krossinsee im Südosten Berlins liegen sollte. Doch mittlerweile hat sich der Auftraggeber so in sein Objekt verliebt, dass ihm der Liegeplatz am Rande der Hauptstadt nicht mehr gefällt. „Wir suchen nun verzweifelt eine Stelle näher an der Innenstadt“, sagt Hoffmann. Verzweifelt klingt er dabei aber nicht gerade. Es hätte wohl unangenehmere Einwände seitens des Kunden geben können. Mitarbeit: Björn Engel


2011_ei-home