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MARKTBERICHT MARKTBERICHT 01.2013 05.2014

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DIE WELTWIRTSCHAFT  Bessere Stimmung in China … Die chinesische Regierung meldet ermutigende Industriedaten und sendet somit Erholungssignale und es hat den Anschein, dass sich die zweitgrößte Volkswirtschaft auf der Erde ökonomisch wieder etwas gefangen hat. Wirtschaftszahlen zufolge ist die Stimmung in der Industrie deutlich besser als zuletzt von vielen befürchtet worden war. Insbesondere deutet der vorläufige Einkaufsmanagerindex der Bank HSBC darauf hin. Der Index liegt zwar weiterhin unterhalb der Schwelle von 50 Punkten, die wachsende Geschäftsaktivitäten anzeigt, aber der für den Monat Mai ausgewiesene Wert von 49,7 Zählern übertraf nicht nur den Stand vom April, sondern war auch viel höher als erwartet. Chinas Produktion hat im Mai das schnellste Wachstum der vergangenen fünf Monate hingelegt und der monatliche Index des verarbeitenden Gewerbes stieg von 50,4 im April auf den Wert von 50,8. Dies ist zwar auch nur ein kleiner Sprung, aber ein ermutigendes Signal. Die ersten Zeichen einer Stabilisierung gingen vor allem auf ein „MiniKonjunkturprogramm“ der Regierung und auf geringere Fremdfinanzierungskosten zurück, so Experten aus Hongkong. Chinas Führung versucht den einheimischen Konsum und ein nachhaltigeres Wachstum anzukurbeln, um die Wirtschaft weniger vom Export und Investitionen in die Infrastruktur abhängig zu machen. Bereits in den vergangenen Monaten kündigte die chinesische Regierung an, bei einigen Infrastrukturausgaben, wie z. B. dringend benötigte Bahnstrecken, aufs Tempo zu drücken. Noch vor kurzem versprach sie auch mehr Geld für Steuernachlässe bereitzustellen. Auch im Export sieht man in China Zeichen der Verbesserung. Lieferungen ins Ausland stiegen im April auf Jahresbasis moderat um 0,9 Prozent, im März waren sie noch um 6,6 Prozent gesunken. Die Regierung in Peking erwartet nach 7,7 Prozent in den beiden Vorjahren für 2014 eine Zunahme des Wirtschaftswachstums von 7,5 Prozent. Die UBS Bank begründete ihre Revision vor allem mit der schwachen Entwicklung der Bauwirtschaft in China, die einen entscheidenden Beitrag zum BIP liefert.

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… schlechte Nachrichten aus den USA Mit der ersten Bewertung zum Wirtschaftswachstum hatte sich das USHandelsministerium kräftig verschätzt: Statt ein leichtes Plus zu verbuchen, ist die amerikanische Wirtschaft zuletzt deutlich geschrumpft. Die Wirtschaft der USA ist im Winter noch stärker eingebrochen als zunächst gedacht. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte in den Monaten Januar bis März auf das Jahr hochgerechnet um 1,0 Prozent, wie aus den Daten des Handelsministeriums hervorgeht. So schwach waren die Daten zuletzt vor drei Jahren. So hatte Ende 2013 die amerikanische Wirtschaft noch unter Volldampf gestanden und war um 2,6 Prozent gewachsen. Für die negativen Daten dürfte es mehr als eine Ursache geben. Ein Grund für den Einbruch ist sicherlich in der Kältewelle zu sehen, die Teile des öffentlichen Lebens lähmte und besonders der Baubranche zusetzte. Weiterhin hat die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) zu Jahresbeginn damit begonnen, ihre milliardenschweren Geldspritzen niedriger einzuteilen. Das immer noch 45 Milliarden Dollar starke Wertpapierankaufprogramm zum Ankurbeln der US-Wirtschaft soll dieses Jahr auslaufen. In einer Umfrage des Wall Street Journal für den Zeitraum April bis Juni 2014 erwarten die befragten Analysten im Mittel ein Wachstum von 3,3 Prozent, wobei manche Analysten auch ein Wachstum von auf ein Jahr hochgerechnet 4 Prozent oder mehr nicht ausschließen. „Rückprall“ nennen Volkswirte das, weil das erste Quartal als Ausrutscher gesehen wird, zum Teil dem extremen Winterwetter geschuldet, zum Teil dem weit vorauseilenden Lageraufbau im zweiten Halbjahr 2013. Ob es sich nicht wirklich um einen Rückschlag handelt, wird man in den nächsten Monaten erkennen.

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EUROPA  EZB drückt Eurokurs In unserer Berichtszeit hatte am 08.05. der Wechselkurs des Euro 1,3994 Dollar erreicht und die Marke von 1,40 Dollar erschien ganz nah. Doch der Kurs erreichte die Marke nicht ganz, nur wenige Tage später notierte der Euro wieder um schwächere 1,37 Dollar und markierte den niedrigsten Stand seit fünf Wochen. Doch woher kam die Gegenreaktion an den Devisenmärkten? Als die Marke von 1,40 Dollar näher rückte, intervenierten mehrere Mitglieder des Zentralbankrats der Europäischen Zentral Bank (EZB), darunter auch EZB-Chef Mario Draghi, verbal und warnten vor einer zu schnellen Aufwertung der europäischen Einheitswährung. Diese Warnungen schienen allerdings nicht auszureichen, und so legte das EZB Gremium noch einmal nach. Dieses Mal wurde mehr oder weniger eine geldpolitische Lockerung für die Sitzung des Zentralbankrats im Juni angekündigt, sofern sich die wirtschaftlichen Aussichten bis dahin nicht wesentlich verbessern würden. Diese Sprache verstanden die Märkte und rasch entfernte sich der Wechselkurs ein wenig von der Marke von 1,40 Dollar. Ein unerwartet schwacher ZEW-Konjunkturindex sowie Spekulationen über eine eventuelle Zustimmung der Bundesbank zu geldpolitischen Lockerungen der EZB im Juni sorgten dann für weiteren Kursdruck. Der starke Euro wird für Europas Unternehmen im Wettbewerb mit der US-Konkurrenz laut einer Studie immer mehr zum Problem. Der hohe Außenwert der Gemeinschaftswährung ist ein wichtiger Grund für die im transatlantischen Vergleich deutlich schlechtere Umsatz- und Gewinnentwicklung der größten europäischen Konzerne. Mario Draghi hat erneut signalisiert, dass Europas Zentralbank schon bald gegen die niedrige Inflation vorgehen will. Im Juni könnten die Währungshüter dann den Leitzins von derzeit 0,25 Prozent auf nahe null senken. In der Debatte um Strafzinsen für Bankeinlagen bei der Europäischen Zentralbank hat der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, vor möglichen Folgen für die Sparer gewarnt. Das ohnehin schon äußerst niedrige Zinsniveau könnte abermals sinken, wenn Geschäftsbanken für bei der EZB deponiertes Geld einen sogenannten negativen Einlagezins zahlen müssten.

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Auslöser für diese Diskussionen war vor allem die niedrige Inflationsrate in der Euro-Zone, die mit aktuell rund 0,7 Prozent deutlich unter dem Inflationsziel der EZB von knapp unter 2 Prozent liegt. Um die Banken zu einer stärkeren Kreditvergabe an Verbraucher und Unternehmen anzuregen, anstatt große Summen bei der EZB zu parken, wird die Einführung eines entsprechenden negativen Einlagezinses bei der Notenbank diskutiert. Eine solche Entscheidung könnte bereits in der kommenden EZB-Sitzung am 05.06.14 fallen. Experten halten dort außerdem eine weitere Senkung des Leitzinses für möglich. Die EZB will mit noch weiter rückläufigen Zinsen gegen die Nulllinie und anderen geldpolitischen Maßnahmen die Inflationsrate erhöhen und den Wechselkurs des Euro niedrig halten. Davon werden dann vor allem die Krisenländer in der Eurozone profitieren. Auf der wirtschaftlichen Seite wurden positive Daten vermeldet und möglicherweise gibt es im zweiten Quartal 2014 das stärkste Wirtschaftswachstum seit drei Jahren in der Eurozone. So ist der Einkaufsmanagerindex für die Euro-Zone weiterhin auf solidem Expansionskurs. Auch der Dienstleistungssektor konnte auf 53,5 von 53,1 Punkten zulegen. Der Monat Juni 2014 steht an den weltweiten Aktienmärkten ganz im Zeichen der Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank und es wird von den Märkten erwartet, dass die EZB neue Pflöcke für die Geldpolitik einschlagen wird. Die Bewohner der Euro-Zone können sich wohl mittelfristig auf eine höhere Teuerungsrate einstellen.

DEUTSCHLAND  Verschnaufpause für die deutsche Wirtschaft Die Hurrastimmung in der deutschen Wirtschaft hat im Mai einen leichten Dämpfer erhalten, denn nach dem überraschenden Anstieg im April ging das wichtigste Stimmungs-Barometer, der Ifo-Geschäftsklimaindex, von 111,2 auf 110,4 Punkte zurück, so teilte das IfoWirtschaftsforschungsinstitut mit.

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Die befragten Unternehmen beurteilten erstmals wieder ihre aktuelle Lage sowie auch ihre Geschäftsaussichten schlechter als zuletzt. Entscheidender Faktor war die Belastung durch die Ukraine-Krise. Die deutsche Wirtschaft hat enge Verflechtungen mit der russischen Wirtschaft, was die stärkere Sensibilität im Vergleich zu anderen Ländern erklärt. Gleichzeitig bestätigte das Statistische Bundesamt, dass die deutsche Wirtschaft in den ersten drei Monaten des Jahres schneller gewachsen ist. Ohne den gewohnten Rückenwind von den Exporten legte das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal mit 0,8 Prozent so stark zu, wie seit drei Jahren nicht mehr, und nahezu doppelt so stark wie Ende 2013 prognostiziert wurde. Europas größte Volkswirtschaft ist damit einmal mehr die Wachstumslokomotive der Währungsunion, die im ersten Quartal dank des kräftigen deutschen Aufschwungs ein Plus von 0,2 Prozent erreichte. Doch in diesem Tempo dürfte es nicht weitergehen. Bereits im März 2014 schrumpften sowohl die Industrieaufträge als auch Produktion und Exporte. Die Ukraine-Krise und die Konjunkturabkühlung in China dürften dafür mitverantwortlich sein. „Die Frühjahrsbelebung wird etwas schwächer ausfallen als gewohnt“, heißt es auch im Monatsbericht des Bundeswirtschaftsministeriums. Die Regierung rechnet für 2014 mit einem Wachstum von 1,8 Prozent. 2015 sollen es 2,0 Prozent sein. Die deutsche Wirtschaft legt eine Verschnaufpause ein, aber es ist kein Kennzeichen für ein Nachlassen der deutschen Wirtschaftsleistung.

 Steuerschätzung: Rekordeinnahmen Wegen der guten Konjunktur wird die deutsche Staatskasse bis 2018 voraussichtlich 19,3 Milliarden Euro mehr an Steuern einnehmen als bisher eingeplant war. Vor allem die Bundesländer werden von dem Plus profitieren. Allein in diesem Jahr werden die Bürger und Unternehmen dem Finanzministerium fast 640 Milliarden Euro überweisen und Prognosen zufolge dürften es dann 2018 schon 738,5 Milliarden Euro sein. Das Zusatzplus ist allerdings bereits größtenteils in den Haushalten verplant und aus Sicht der schwarz-roten Koalition gibt es derzeit keine Spielräume für rasche Steuerentlastungen der Arbeitnehmer.

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Die Deutschen haben im vergangenen Jahr mit 570,2 Milliarden Euro so viele Steuern gezahlt wie noch nie zuvor. Der Bund alleine verbesserte seine Einnahmen 2013 um 1,4 Prozent auf 259,9 Milliarden Euro. Die Länder kamen mit einem Plus von 3,3 Prozent auf 244,2 Milliarden Euro. Der geringere Anstieg des Bundes ist auch auf die höheren Abgaben an die EU zurückzuführen, an die 31,1 Milliarden Euro und damit 18,2 Prozent mehr abgeführt wurden.

NE-METALLE ALUMINIUM  Aluminium klettert auf Vierwochenhoch Aluminium hat in der Berichtsperiode Mai 2014 insgesamt zugelegt und sogar ein Vierwochenhoch erreicht. Eine Rolle dürfte dabei der Exportstopp Indonesiens für Bauxit spielen, denn in den letzten sechs Monaten stagnierte die Bauxitproduktion bei 4,1 Millionen Tonnen gegenüber noch sechs Millionen Tonnen im September letzten Jahres. Dies dürfte sich längerfristig negativ auf die Aluminiumproduktion auswirken, wie die Analysten schreiben. Dazu kommt, dass im April 2014 die globale Aluminiumproduktion nur noch um 3,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr gewachsen ist, nach 5,07 Prozent im März. Darüber hinaus ist aber auch die Prämie auf LMEAluminium in Europa auf den Rekordwert von 405 US-Dollar je Tonne angestiegen. Der 20-Jahresdurchschnitt für die Prämie liegt nur bei ca. 110 US-Dollar je Tonne. Solange es der LME nicht gelingt, die Auslieferungszeiten aus den LME-Lagerbeständen zu verringern, dürfte sich an dieser Situation nichts ändern. Die Lagervorräte in den lizenzierten Lagerhäusern der Londoner Metallbörse gingen im Mai 2014 um nahezu 145.000 t zurück. Am 1. Mai konnte über 5.334.875 t verfügt werden; am 29.05.14 waren es 5.199.175 t. Das Anziehen der Nachfrage und Produktionskürzungen könnten ab der zweiten Jahreshälfte 2014 zu einem Defizit von 750.000 Tonnen führen, das sich 2015 noch vergrößern dürfte. Auch wenn auf der anderen Seite die Analysten davon ausgehen, dass die Preiserholung bei Aluminium zu einer Wiedereröffnung einiger Produktionsstätten von Aluminium führen

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könnte was wiederum wohl die Preiserholung bei Aluminium begrenzen könnte. Die Notierungen entwickelten sich zunächst uneinheitlich und zeigten in der Zeit vom 08.05 und 13.05.14 eine Schwächephasen, sie erreichten mit 1.757 USD den niedrigsten Preis im Mai. Am 15.05.14 konnte das Leichtmetall 1.794 USD erreichen und am 24.05.14 wurde die Marke von 1.800 USD durchbrochen. Der Berichtsmonat schloss mit 1.835 USD, dem höchsten Wert im Mai 2014. Insgesamt gehen die Marktexperten für Aluminium daher für das Jahr 2014 von einem Angebotsdefizit von rund 950.000 Tonnen und einem Preisanstieg auf ca. 2.000 USD bis zum Jahresende aus. Da der weltweite Konjunkturzyklus in die Expansionsphase eintritt, kann man für die kommenden Jahre eine verbesserte Entwicklung bei Aluminium sehen, auch wenn der Superzyklus für die NE-Metalle insgesamt vorbei ist. Kurz- bis mittelfristig gibt die gestiegene Nachfrage nach dem Leichtmetall Grund zur Hoffnung.

KUPFER  Steht eine Trendwende bevor? Die Meinungen der Experten für den Kupfermarkt gehen aktuell weit auseinander und die skeptischen Analysten sehen einen Preistrend Richtung 6.000 USD. Andere Analysten sehen aufgrund der zu beobachtenden Konjunkturdynamik Kupfer wieder auf einem stabilen Weg Richtung 7.000 USD. Momentan steht das Leitmetall der LME im Plus und mit Notierungen nahe der Schwelle von 7.000 USD kurz davor, im Berichtsmonat Mai den ersten Monatsgewinn in diesem Jahr auszuweisen. Erstmalig notiert das rote Metall mit 6.933 USD (20.05.14), nachdem es am 15.05.14 mit 6.891 USD ein Elfwochenhoch erreicht hatte. Dann folgten Notierungen in einem engen Band, doch die 7.000 USD-Marke konnte nicht geknackt werden. Grund für die gute Performance von Kupfer waren die zuletzt positiven Konjunkturdaten aus den USA und China. Der Kupferpreis profitiert weiterhin von einer guten Nachfrage bei sinkenden Lagerbeständen.

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Der Markt ist bisher deutlich enger, als man angenommen hat, wie der Rückgang der Kupferbestände in den Londoner Metalllägern zeigt. Die Bestände sind von 231.000 t am 01.05.14 auf 202.975 t am 13.05.14 gesunken. Mit 169.825 t am 28.05.14 sind die Kupferbestände dann auf das geringste Niveau seit August 2008 zurückgegangen. Der London Metal Exchange zufolge sind die Lagerbestände an der LME seit Jahresbeginn um 49 Prozent gefallen. Die Stimmung gegenüber China hat sich zuletzt deutlich verbessert, da dort derzeit die saisonal höchste Nachfrage verzeichnet wird. Die Nachfrage nach Kupfer ist in den vergangenen Monaten höher gewesen als im vergangenen Jahr, was auf die konjunkturbildenden Maßnahmen insbesondere im Infrastrukturbereich zurückzuführen ist. Insgesamt sind die Markt-teilnehmer optimistisch hinsichtlich der Nachfragenentwicklung in China, was auch die bisherigen Importdaten zeigten. Vielmehr wird am Markt weiter spekuliert, ob die Kupfernachfrage aus China weiter steigen wird, nachdem Ministerpräsident Li erklärt hatte, die Regierung werde Maßnahmen zur Unterstützung der Realwirtschaft ergreifen. Das Reagieren der Märkte auf solche Äußerungen zeigt auch, wie stimmungsgetrieben das Umfeld bei Kupfer ist. Kupfer wird als konjunkturabhängiges Metall in den kommenden Wochen wohl eher profitieren als Kursverluste hinnehmen zu müssen. Eine Trendwende sehen die Bullen im Markt, nicht auch zuletzt wegen der gesunkenen LME-Bestände.

NICKEL  Kein Halten für den Nickelpreis –doch wie lange? Seit Jahresbeginn erlebte der Nickelmarkt eine Steigerung um etwa 50 Prozent und die Ängste der Anleger vor einem Angebotsengpass haben den Preis für Nickel in unserem Berichtszeitraum in die Höhe getrieben. Nachdem der Preis schon am 10.05.14 auf 19.500 USD gestiegen war, legte er gleich nochmals zu und erreichte mit 21.240 USD am 14.05.14 das Niveau vom Februar 2012 und den höchsten Stand im Mai 2014. Neben dem Exportverbot von Erzen in Indonesien und der Unsicherheit, was mit den russischen Lieferungen im Falle von weitreichenden Sanktionen gegen das Land geschieht, waren es dann neue Nachrichten aus Neukaledonien, die den Nickelmarkt aufschrecken ließen und für einen Preisanstieg sorgten.

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Vale, der weltweit zweitgrößte Nickelproduzent der Welt, musste die Produktion in der ehemals als "Goro" bekannten Nickelanlage stilllegen, nachdem es zu einem Austritt einer säurehaltigen Lösung gekommen war. Die Anlage war im zweiten Halbjahr 2010 in Betrieb genommen worden und soll gemäß Unternehmensplanungen in diesem Jahr 40.000 Tonnen Nickel produzieren. Mit einer Gesamtkapazität von 60.000 Tonnen pro Jahr zählt sie zu den größten Nickelminen weltweit. Die vorübergehende Stilllegung der Produktion im Falle eines Lecks ist ein normaler Prozess, der für gewöhnlich nur einige wenige Tage dauert. Die Reaktion auf diese Nachricht zeigt, wie nervös der Markt ist, erscheint aber auch übertrieben. Mittlerweile hat die Preisrally eine höchst spekulative Form angenommen, wie der starke Anstieg der offenen Kontrakte an der LME auf ein Rekordhoch zeigt. Das Korrekturpotenzial nimmt in dieser Phase mit jedem Tag zu. Nach der Hochpreisphase kam es Nickel bei zu einem Preisrutsch um 13 Prozent und der Markt erlebte einen scharfen Einbruch bis auf rund 18.900 USD (16.05.14). Die Gewinnmitnahmen waren daher absehbar. Es bleibt aber anzumerken, dass Nickel auch nach dem aktuellen Kursrutsch immer noch rund 35 Prozent teurer ist als zum Jahreswechsel. Zeitweise wurde ein Anstieg über die Marke von 20.000 USD versucht, was aber scheiterte und neue Gewinnmitnahmen nach sich zog. Insgesamt bleibt das Marktfundament unverändert und ein fairer Marktpreis ist bisher nicht gefunden. Ob dieser nachhaltig in der Region oberhalb der 20.000 USD liegt, ist derzeit noch fraglich. Zu den weiter bestehenden fundamentalen Faktoren gehören die trotz der Gesamtsituation betrachteten, immer noch hohen, LME-Lagerhausvorräte. In Summe konnten diese in unserer Berichtszeit sogar noch zulegen und zuletzt über 163.968 t in den LME-Lägern verfügt werden. Am Markt wird allgemein damit gerechnet, dass die Nachfrage das Angebot in den kommenden sechs bis zwölf Monaten weiterhin deutlich übersteigen wird. Die Nickelpreisbewegungen haben die Gemüter erhitzt und manche Marktteilnehmer sehen kurzfristig weiteres Korrekturpotenzial im Jahresverlauf bis auf 24.000 USD. Der Nickelpreis bleibt weiterhin volatil und zum Berichtsmonatsende verbesserten sich die Notierungen weiter, so das ein Einpendeln der Notierungen oberhalb der 20.000-USDLinie wahrscheinlicher geworden ist.

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ZINK  Angebotsdefizit führt zu Lagerabbau Die meisten Rohstoffpreise treten auf der Stelle, was sich auch nach Ansicht vieler Analysten vorerst auch nicht ändern wird. Auch bei Zink kam nicht viel Bewegung in den Markt, wenn auch die Notierungen dem allgemeinen Trend folgend zulegen konnten. Laut der chinesischen Zollbehörde sind die Importe von nahezu allen Metallen im April wieder gestiegen. Insbesondere die Zahlen für Zink zeigen nach oben, denn seit Jahresbeginn hat China 262,3 Tausend Tonnen Zinkraffinade und 675,6 Tausend Tonnen Zinkkonzentrat importiert und damit 39 Prozent bzw. 17,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Langsam scheint sich das Angebotsdefizit bei Zink bei den Marktteilnehmern durchzusetzen, denn lange hatte es den Anschein, dass im Preis das Angebotsdefizit noch nicht angekommen ist. Wie im Vorjahr erwartet die International Lead and Zinc Study Group auch 2014 ein nicht ausreichendes Angebot. Auch bei Zink sind die LME-Lagerbestände seit Anfang 2013 um rund 40 Prozent auf deutlich weniger als 740.000 Tonnen gefallen und liegen damit nur noch knapp über dem Niveau von März 2011. Am 01.05.14 lagen die Lagerhausbestände der Londoner Metallbörse bei 771.475 t und am 21.05.14 gingen sie auf 739.650 t zurück. Zum Berichtsmonatsende lagen diese mit 719.600 t nahe der nächsten Schwelle zu 700.000 t Vorrat. Der Rückgang der Bestände ist auf eine deutliche Angebotsverknappung zurückzuführen. So hat laut der ILZSG der Weltzinkmarkt im 1. Quartal ein Defizit von 17 Tsd. Tonnen ausgewiesen. Die dafür führenden Faktoren sind in einer robusten Nachfrage gepaart mit einem unzureichenden Anstieg der Metallproduktion zu sehen. Der Zinkpreis hat sich seit dem Jahresbeginn dennoch kaum verändert und bewegt sich in London schon seit einigen Monaten in einer engen Range zwischen 1.950 und 2.100 USD. Die Notierungen konnten mit dem massiven Lagerabbau nicht Schritt halten und legten nicht nachhaltig zu. Zwar wurden am 15.05.14 mit 2.090 USD die Haussiers am Markt beflügelt, doch Ende Mai lag der Preis bei 2.065 USD. Es kann damit gerechnet werden, dass der Zinkpreis, beflügelt von einer Konjunkturerholung in China und dem Lagerabbau, in diesem Jahr auf 2.200 USD im 4. Quartal steigen könnte. Für das Jahr 2015 kann sogar ein noch höherer Durchschnittspreis in Richtung von 2.300 USD gesehen werden. Bei Zink scheint sich somit die Lethargie zu verabschieden.

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IMPRESSUM Herausgeber: Müller & Sohn GmbH & Co. KG Metall-Aufbereitungswerk Harkortstraße 22 D-45549 Sprockhövel-Haßlinghausen

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Redakteurin:

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