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MARKTBERICHT 06.2012

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DIE WELTWIRTSCHAFT  Schwache Weltwirtschaft und ein Lichtblick aus Fernost Die Eurozone ist das bestimmende Thema für die weltweite Konjunktur, daran gibt es keinen Zweifel, auch wenn aus anderen Regionen außerhalb Europas durchaus positive Zeichen kommen. So hat die US-Fed im Juni die sog. "Operation Twist“ um 267 Milliarden USD aufgestockt und um ein halbes Jahr verlängert, denn im Juni lief das vorherige Programm in Höhe von 400 Milliarden USD aus und die amerikanische Notenbank Fed sieht hier weiter Handlungsbedarf. Die Reaktion des Marktes viel allerdings enttäuschend aus, da einige Marktteilnehmer im Vorfeld der Sitzung mit einem Aufkauf von Staatsanleihen durch die Fed gerechnet hatten. Die Zentralbanken weltweit werden aber weiter eine sehr lockere Geldpolitik betreiben, bei der sich Rohstoffe als Sachwerte seitens der Anleger zunehmender Beliebtheit erfreuen werden. Eine Fülle negativer Wirtschaftsdaten rund um den Globus wecken an den Finanzmärkten Sorgen über die weitere Entwicklung der Weltkonjunktur. Neben den Industrienationen scheint die Krise inzwischen auch auf bisher starke und widerstandsfähige Schwellenländer auszustrahlen. Die Finanzmärkte reagieren global mit Kursrückgängen für viele Aktien und Rohstoffe und einer steigenden Nachfrage nach Staatsanleihen aus Ländern wie den Vereinigten Staaten, Deutschland und der Schweiz, die als sichere Häfen gelten. Der Aufstieg der sogenannten Schwellenländer ist kein Phänomen, vielmehr wird von Ökonomen erwartet, dass diese Länder die „Schwelle“ unlängst übertreten haben und sie als Aufsteiger betrachtet werden müssen. So erwartet z. B. die Weltbank, dass China 2025 die Vereinigten Staaten als größte Ökonomie der Welt überholen und bis dahin Indien vor China mit mehr als 1,3 Mrd. Menschen zum bevölkerungsreichsten Markt werden wird. China und Indien als Motoren des globalen Wachstums werden das derzeitige Gleichgewicht der Welt verändern. Bei der Interpretation der schlechten Wirtschaftsdaten aus den USA wird auf die Schatten, die von Europa aus auf die amerikanische Wirtschaft fallen, verwiesen. Wobei die Vereinigten Staaten noch lange nicht vor einer Rezession stehen. Die amerikanischen Industrieunternehmen berichteten auch im Mai von steigenden Aufträgen.

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Selbst der Anstieg der Arbeitslosenquote von 8,1 auf 8,2 Prozent kann auch als gutes Zeichen interpretiert werden. Aus Fernost kommt ein Lichtblick für die Weltwirtschaft. China meldet überraschend gute Außenhandelszahlen. Was für internationale Unternehmen und Anleger bedeutsam ist, denn das Land ist als zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde der wichtigste Exporteur, der reichste Devisenbesitzer und gleichzeitig auch Amerikas größter Gläubiger. Die Zollverwaltung in Peking gab bekannt, dass der Export im Mai im Vorjahresvergleich um 15,3 Prozent anstieg und der Import nahm um 12,7 Prozent zu. Diese Werte überstiegen die Vormonatswerte und auch die Erwartungen der Analysten. Der Warenaustausch mit der EU wuchs zwar nur moderat, aber für Aufwind sorgte hier die überraschend hohe Nachfrage aus den Vereinigten Staaten, Chinas zweitwichtigstem Handelspartner nach der EU. Die Inflation in China war im Mai mit 3,0 Prozent geringer als im April und auch geringer als von den Experten prognostiziert. Weil die Teuerung weitgehend unter Kontrolle scheint, konnte die Zentralbank Chinas Anfang Juni die Zinsen senken, um die heimische Wirtschaft anzukurbeln. Die Banken sagen eine weitere Lockerung der Geldpolitik voraus, da es im Mai auch sehr enttäuschende Daten gab, denn nach Zahlen des Statistikamts wuchs die Industrieproduktion zum zweiten Mal hintereinander um weniger als 10 Prozent; eine so niedrige Rate hatte es drei Jahre lang nicht gegeben. Für die Weltwirtschaft wird es daher neben der Entwicklung Europas entscheidend sein, wie sich sowohl die Schwellenländer als auch die USA und China in dem konjunkturellen Umfeld entwickeln.

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EUROPA  Große Sorgen vor einem Teufelskreis Die Euro-Zone kommt aus den negativen Schlagzeilen nicht heraus. Zwar wird es in Griechenland eine konservativ geführte Koalition pro Euro geben, doch die neue griechische Regierung hat zwei Jahre mehr Zeit verlangt, um das Haushaltsdefizit unter 3 % zu drücken. Die Spekulationen über einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone halten daher an den Finanzmärkten weiter an. Die Bankenkrise in Spanien, Hilfspakte für Zypern (das fünfte EU-Land, dass Hilfe benötigt) und demnächst vielleicht auch Italien? Ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone ist kein unwahrscheinliches Szenario mehr. Während in Deutschland das Wachstum positiv verläuft und der Staat aufgrund der Schuldenproblematik der anderen Länder sich zuletzt äußerst günstig refinanzieren konnte, leiden besonders Spanien und Italien unter den sehr hohen Zinssätzen. Aufgrund der steigenden Staatsschulden fordern die Kapitalmärkte höhere Risikoprämien von Italien und Spanien. Die hohen Zinsen wiederum drückten die Investitionen und das Bruttoinlandsprodukt nach unten. Als Ergebnis steigt die Schuldenquote und die Kapitalmärkte fordern höhere Zinsen. Nur durch politische Maßnahmen kann dieser Teufelskreis durchbrochen werden. Als wachstumsfördernde Maßnahme wurde auf dem EU-Gipfel ein Wachstumspaket von 130 Mrd. EUR beschlossen. Dieser Betrag entspricht ca. einem Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung der EU. Auch das Thema Vergemeinschaftung von Schulden und Risiken in Europa ist noch nicht vom Tisch. Weil sich die europäischen Politiker derzeit im Kreis drehen, sehen sich die Notenbanken gefordert, zu handeln. So hat die US-Notenbank die „operation twist“ verlängert und von der Europäischen Zentralbank wird eine Zinssenkung erwartet. Aber das Risiko besteht, sollte die Konjunktur mal wieder Tritt gefasst haben, anschließend den geldpolitischen Hebel wieder umzudrehen.

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Wenn es den europäischen Ländern gelingt, die Vertrauenskrise in die Euro-Währung zu überwinden und ernsthafte erste Schritte in Richtung einer tieferen finanzpolitischen Integration zu gehen, so kann auch das Vertrauen der Investoren in den Euro zurückkehren, auch wenn die europäische Zentralbank die Zinsen nochmals senken würde.

DEUTSCHLAND  Angekommen in der Krise Europas Der wichtige Ifo-Konjunkturindex, für dessen Ermittlung rund 7000 Unternehmen befragt werden, ist im Juni 2012 zum zweiten Mal in Folge deutlich von 106,9 auf nun 105,3 Punkte gefallen. Er rutschte damit auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren. Die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage konnte sich hingegen leicht von 113,2 auf 113,9 Zähler verbessern, jedoch haben sich die Erwartungen für das kommende halbe Jahr deutlich von 100,8 auf 97,3 Punkte eingetrübt. Die Eurokrise sorgt auch bei den deutschen Unternehmen für Befürchtungen, denn mit zunehmenden Beeinträchtigungen bekommen sie die Nachfrageschwäche aus vielen europäischen Staaten zunehmend zu spüren. Trotz der Symptome einer Krise bleiben die Perspektiven für die deutsche Wirtschaft noch positiv. Zu verdanken ist dies dem Außenwert der europäischen Einheitswährung, denn dank des schwachen Euros ist die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Exporteure, bedingt durch die Exporte in den US-Dollar-Raum, besser geworden. Dieser Wirtschaftszweig konnte sich somit positiv entwickeln, wenn nur die Nachfrage auch außerhalb Europas nicht nachlassen würde. Deutschland stehen schwere Zeiten bevor, und dies nicht nur beim Wachstum, sondern auch auf dem Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosigkeit ist in Deutschland im Mai zwar weiter zurückgegangen, doch die Zahl der offenen Stellen wird immer geringer. Ferner sind im April 2012 die Industrieproduktion im Vergleich zum Vormonat um 2,2 % und die Auftragseingänge um 1,9 % eingebrochen. Die Bestellungen aus dem Inland sind um 0,4 % gefallen.

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Ein Einbruch der Nachfrage aus dem Ausland nach deutschen Gütern und Dienstleistungen um 3,6 % zeigt, dass sich Deutschland inzwischen nicht mehr der zunehmenden Krise entziehen kann. Die Exportnation Deutschland wird sich nicht mehr von der weltwirtschaftlichen Entwicklung abkoppeln können. Das Wachstum in der Euro-Zone ist im 1. Quartal 2012 zum Erliegen gekommen und die Schwellenländer Brasilien, Indien sowie auch China verlieren stark an Dynamik. Nahezu alle volkswirtschaftlichen Indikatoren zeigen inzwischen nach unten. Die Euro-Schuldenkrise macht sich nun auch bei den Konjunkturerwartungen der Börsen-Experten und auch bei den Konjunkturforschern bemerkbar. So ist neben dem Ifo-Index auch das ZEW-Barometer für die Konjunkturerwartungen in den kommenden sechs Monaten drastisch um 27,7 Punkte auf minus 16,9 Zähler gefallen. Das ZEW teilte mit, dass dies der zweite Rückgang des Stimmungsbarometers nach zuvor fünf Anstiegen in Folge und mithin der stärkste Rückgang des Indikators seit Oktober 1998 war. Die derzeitigen Konjunkturdaten aus Deutschland werden auf Dauer auch nicht ausreichen, den Metallmarkt zufrieden zu stellen.

NE-METALLE ALUMINIUM  Analysten fürchten Rohstoffabschwung Kommt der jahrelange Boom, angetrieben von China, zu einem Ende? Die Rohstoffpreise sind unter Druck. Investoren ziehen sich zurück, Banken verdienen weniger mit ihren Rohstoffsparten und die Verluste der Rohstoffkonzerne nehmen zu. Die Industriemetalle mussten im Berichtszeitraum Juni 2012 weitere Kursverluste hinnehmen. Derzeit überwiegen am Markt die Sorgen über die globale Konjunktur, die nach den jüngsten US-Daten und Indikatoren aus China und Europa noch verstärkt wurden. Die Kursrückgänge lassen zudem die Unternehmen die Pläne für die Produktionsexpansion überprüfen.

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Die pessimistischen Konjunkturaussichten sowie das verlangsamte Wirtschaftswachstum in China sorgen dafür, dass die Euphorie in Sachen Rohstoffanlagen deutlich schwinden. China hat mit seinem enormen Ressourcenbedarf für eine große Nachfrage gesorgt, die Preise kletterten und Anleger konnten hohe Gewinne erzielen. Stand Juni 2012 büßte Aluminium rund 25 Prozent auf Jahressicht an Wert ein. Es gibt Meinungen, wonach die Korrektur angesichts der weiterhin recht robusten weltweiten Nachfrage etwas zu kräftig ausgefallen ist und die Preise daher kurzfristig wieder zulegen könnten, doch sehr realistisch erscheint dieses Szenario aufgrund der Fundamentaldaten jedoch nicht. Aluminium ist am 22.06.12 zum ersten Mal seit zwei Jahren unter die Marke von 1.900 USD gefallen. Der anhaltend hohe Angebotsüberschuss, der nach neuesten Erhebungen bei rund 624.000 t in den ersten vier Monaten des Jahres liegt und der fallende Ölpreis dürften einer merklichen Preiserholung entgegenstehen. Der Berichtsmonat begann direkt unter der Widerstandslinie von 2.000 USD und Aluminium startete den Monat mit 1.997 USD. Lagen die Notierungen am 11.06.12 noch bei 1.978 USD, verlor der Markt bis zum 21.06.12 bis auf 1.907 USD, bevor dann auch diese Linie einen Handelstag später mit 1.881 USD unterschritten wurde. Weitere Verluste führten am 28.06.12 zu einem Wert von 1.860 USD. Nicht nur das große Produktionsangebot belastet, auch die hohen Lagerbestände, die derzeit ein mehr als doppelt so hohes Niveau aufweisen wie der 5-Jahres-Durchschnitt, sind kein Indiz für steigende Kurse. Auf hohem Niveau wurde der Lagerbestand an der London Metal Exchange (LME) auf 4.844.725 t zum Berichtsmonatsende zurückgeführt. Am 01.06.12 lag der Vorrat bei 4.918.925 t. In dieser Größenordnung hatte der Rückgang keine Auswirkungen auf die Preisentwicklung. Im 1. Quartal dieses Jahres brachen die Gewinne großer Aluproduzenten wie der russischen Rusal oder der amerikanischen Alcoa ein. Die Konzerne sehen ein weltweites Abkühlen der Nachfrage nach dem Metall. Alcoa ist nun zwar dabei, die Produktion zu drosseln, doch schon während des vergangenen Preisbooms hatten viele Hersteller mit hohen Kapazitäten zu kämpfen. Angesichts dessen dürfte es Monate dauern, bis sich die Aluminiumpreise wieder stabilisieren.

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So erklärte Rusal in diesem Jahr die Aluminiumproduktion um 250.000 – 300.000 Tonnen zu kürzen, um den Aluminiumpreis zu stützen. Darüber hinaus gab das Unternehmen bekannt, dass die weltweiten Produktionskürzungen bereits ca. 1,3 Mio. Tonnen betragen. Unabhängig davon, welche Argumentation man anführt, der Aluminiummarkt wird auf jeden Fall volatil bleiben, denn Industriemetalle wie Kupfer, Aluminium, Nickel oder Zink hängen in allen Belangen mit der konjunkturellen Entwicklung in den großen Wirtschaftsblöcken der Erde zusammen. Die Zeichen deuten auf einen weiteren Preisrückgang hin, denn die Stimmung an den Finanzmärkten bleibt sehr bedrückt. Das Wirtschaftswachstum dürfte sich weiter verlangsamen, der US-Dollar tendiert weiter zur Stärke und eine baldige Lösung der "Eurokrise“ zeichnet sich nicht ab. Dennoch glauben Marktteilnehmer, dass sich die fundamentale Angebots-/Nachfragesituation in einem besseren Zustand befindet als vom Markt dargestellt ist und die Aluminium- und die NEMetallpreise insgesamt spätestens im Spätsommer den Boden erreichen werden.

KUPFER  Eurokrise lastet auf dem Kupferpreis Die Kupferpreise sind zuletzt unter Druck geraten, da die Nachfrage nach dem roten Metall in China nicht so stark gewachsen ist, wie Analysten erwarteten. Zudem haben Zweifel an einer baldigen Eindämmung der Eurokrise die Anleger vom Rohstoffmarkt ferngehalten. Die Notierungen für das Industriemetall sind in Summe zwar nicht gefallen, doch eine turbulente Zeit prägte den Juni 2012. Am 01.06.12 startete Kupfer an der LME mit 7.405 USD, am 30.05.12 lag die Notierung noch bei 7.745 USD. Verluste führten an der LME im weiteren Verlauf zu einer Notierung von 7.290 USD (11.06.12), auch da zu diesem Zeitpunkt der Ausgang der Neuwahl in Griechenland noch nicht feststand. Bis zum Monatsende wurde das Niveau vom Monatsanfang mit 7.415 USD jedoch wieder erreicht – aber auch nicht mehr. An den Metallmärkten lagen während des Berichtszeitraums Juni 2012 zeitweise die Nerven blank. Kupfer ist in den zurückliegenden zwei Monaten um rund 15 Prozent gesunken.

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Das Industriemetall wird als Rohstoff in zahlreichen Branchen verwendet (Elektro, Bau, Auto, Energiewirtschaft) und reagiert sensibel auf Wirtschaftsschwankungen. Eine weitere Abkühlung der Weltkonjunktur, ausgelöst durch zuletzt schwache Daten aus China und einer Verschärfung der Schuldenkrise, könnte den Preis von derzeit rund 7.400 Dollar je Tonne durchaus unter 7.000 Dollar drücken. Kurzfristig hatte zum 21.06.12 die Hoffnung auf eine Belebung der USKonjunktur den Kupferpreis angeschoben. Das Industriemetall verteuerte sich zu diesem Zeitpunkt an der Londoner Metallbörse auf 7.545 USD. Die positiv ausgefallenen Konjunkturdaten wirkten noch nach, da die USAuftragseingänge für langlebige Güter besser als erwartet ausgefallen waren. Zudem waren die aktuell laufenden Hausverkäufe im Mai auf den höchsten Stand seit zwei Jahren gestiegen. 2011 verbraucht China rund 7,6 der weltweit 20 Millionen verarbeiteten Tonnen Kupfer. Die Chinesen haben inzwischen ihre Lagerbestände abgebaut und der Netto-Importeur überlegt anscheinend nun, die Exporte zu stoppen. Die Chance für Kupfer liegt darin, dass die Chinesen in absehbarer Zeit ihre Läger wieder auffüllen müssen, was dem derzeit niedrigen Preis helfen könnte. Die Kupferlagerbestände haben zuletzt an der LME den höchsten Stand seit dem 27.04.12 erreicht, nachdem sie Mitte Mai auf den tiefsten Stand seit Oktober 2008 gefallen waren. Allein am 21.06.12 erhöhten sie sich um 16.950 t auf 252.150 t. Bis zum Monatsente legten die LMEBestände an Kupfer nochmals bis auf 256.100 t zu. Befürworter des Kupfermarktes rechnen damit, dass der Preis trotz der jüngsten Korrektur in diesem Jahr wieder über 8.000 Dollar liegen wird. Besonders wird langfristig der Bedarf vor allem in den Schwellenländern steigen, denn Kupfer ist vor allem in den wachstumsstarken Regionen beim Aufbau einer Infrastruktur gefragt. Mit einem erneuten Wachstum des Häusermarktes könnte hier eine weitere Stütze in der Nachfrage entstehen Der Infrastrukturboom in den Schwellenländern trifft auf zunehmende Angebotsprobleme bei den Kupferminen. Vor allem treibt die Minenbetreiber der abnehmende Gehalt des Roten Metalls im Gestein um, denn die Produktionskosten steigen dadurch. In den vergangenen Jahren wurden zudem keine neuen, größeren Vorkommen gefunden.

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Neben strukturellen Problemen auf der Angebotsseite deuten die Daten auch auf eine anhaltend robuste Nachfrage hin. Rein fundamental betrachtet sollte der Kupferpreis von allen Industriemetallen am besten unterstützt sein.

NICKEL  Im Sog der Krisen Der Nickelmarkt konnte sich erwartungsgemäß nicht von allgemeinen Entwicklung auf dem NE-Metallmarkt abkoppeln.

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Die Notierungen fielen, wenn gleich die Verluste in Summe nicht so hoch waren. Auffällig war zu Beginn ein recht schwacher Markt mit einer Notierung am 07.06.12 bei 16.000 USD und dann ein fester Markt mit der Monatshöchstnotierung von 17.000 USD am 21.06.12. Die wichtige Unterstützungslinie wurde dann aber nachhaltig verlassen und schwache 16.250 USD beendeten den Monat Juni 2012. Die International Nickel Study Group (INSG) hat ihre Herbstprognose für einen Angebotsüberschuss am globalen Nickelmarkt in diesem Jahr auf 50.000 t nach unten revidiert. Sie führt dies auf eine bislang hohe Produktion von Edelstahl zurück. Der bisherige Rekordwert der weltweiten Edelstahlproduktion von 32,1 Mio. Tonnen aus dem letzten Jahr könnte dieses Jahr sogar noch übertroffen werden. Das auf die Stahlanalyse spezialisierte britische Research-Institut MEPS erwartet für dieses Jahr einen Anstieg der Edelstahlproduktion um 6% auf 34 Mio. Tonnen. Dies sollte die Nachfrage nach Nickel hoch halten. Wird bei den zahlreichen neuen Nickelprojekten die Produktion allerdings schneller ausgeweitet als bislang erwartet, so sieht die INSG für ihre Prognose Aufwärtsrisiken. Das Thema Konsolidierung auf dem Edelstahlmarkt drängt sich wieder auf. Auf China entfallen rund 45% der weltweiten Stahlproduktion und somit ist das Land zugleich auch der größte Verbraucher von Nickel noch vor Europa, Amerika und Japan. Den steigenden Bedarf hat China in den vergangenen Jahren jedoch vermehrt mit im eigenen Land hergestelltem, sogenanntem «nickel pig iron» (NPI) befriedigt, was inzwischen mehr als die Hälfte des gesamten chinesischen Nickelverbrauchs von knapp 500.000 t ausmacht.

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Derzeit nimmt jedoch Indonesien einen immer größeren Einfluss auf den Nickelmarkt, denn man droht mit geplanten Exportbeschränkung von Mineralien (Wertschöpfung im eigenen Land) China von der Zufuhr von Nickelerzen zur NPI-Herstellung abzuschneiden, was vorab bereits zu deutlich erhöhten Importen geführt hat. Anders als bei den hier bereits berichteten Metallen reduzierten sich die Lagervorräte an der Londoner Metallböse im Berichtsmonat auf zuletzt 107.034 t, dies waren rund 5.000 t weniger als am 01.06.12, als der LME-Bestand mit 112.302 t registriert wurde. Dass sich der Preis für Nickel in absehbarer Zeit substanziell erholen wird, ist derzeit nicht zu erwarten. Auch in diesem Jahr gehen Analytiker und die INSG von einem überversorgten Markt aus, zumal die Lager gefüllt sind, die Nachfrage gedämpft bleiben dürfte und neuerlich steigende Produktionskapazitäten erwartet werden. Die Hoffnung auf Stimulierungsmaßnahmen und Zinssenkungen seitens der Zentralbanken könnten jedoch die Kurse trotzdem treiben.

ZINK  Notierungen fallen Zink steht aktuell ebenfalls im Zeichen globaler Konjunktursorgen unter Druck und die Stimmung hat sich hier weiter abgekühlt. Fallende Aktienmärkte, fallende Energiepreise und auch der anhaltend feste Dollar sprechen nach Meinung der Experten für weiterhin sinkende Zinkpreise. Hintergrund sind die jüngsten Sorgen um die lahmende Weltkonjunktur, aber auch die sich verschärfende Euro-Krise. Die Zinknotierungen waren an der LME im Beobachtungszeitraum rückläufig und mussten starke Verluste hinnehmen. Der Start in den Juni mit 1.882 USD war noch recht fest und bis 08.06.12 konnten sich die Notierungen an der LME sogar bis auf 1.904 USD verbessern. In der dann kommenden Phase verlor der Markt bis zum 23.06.12 auf 1.807 und schloss den Monat unter der 1.800-USD-Linie mit 1.767 USD. Die Zinkbestände stiegen so stark wie bei den anderen Industriemetallen an. Der Vorrat lag am 01.06.12 bei 939.250 t und kletterte über 952.050 t am 10.06.12. Mit zuletzt 993.525 t liegen sie nicht mehr weit entfernt von 1. Millionen Tonnen.

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Einem Monatsbericht der International Lead and Zinc Study Group zufolge lag der Überschuss von Blei und Zink unter dem Vorjahresniveau. Insgesamt wird für das Gesamtjahr dennoch mit einem hohen Überschuss bei den beiden Metallen gerechnet. Für das 1. Quartal 2012 errechnete die Expertengruppe für Zink 97.000 t Überschussmetall. Die Euro-Krise und die Entwicklung der Weltkonjunktur bleiben ein großer Unsicherheitsfaktor und werden einer nachhaltigen Erholung bei Zink im Wege stehen. Derzeit gibt es keine Anzeichen für eine Trendumkehr auf dem Zinkmarkt.

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Monatlich

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