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 Marktbericht

04-2010

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Die Weltwirtschaft  China bleibt bei Aufwertungsfrage hart Im Währungsstreit mit den USA schließt China eine baldige Aufwertung der eigenen Währung Yuan aus. Zunächst wird die Regierung wohl erst einmal abwarten, ob sich die chinesische Exportwirtschaft weiter von der weltweiten Rezession erholt und ob die Firmen mit einem stärkeren Yuan zurechtkommen würden, so erwarten es die Finanzmarktexperten. Von diesen Argumenten ungeachtet beharren die USA auf eine Aufwertung der chinesischen Währung und fordern, dass der Wert des Yuan am Markt gebildet werden müsse. In amerikanischen US-Berichten stuft man hinter vorgehaltener Hand China als Währungsmanipulator ein, was offiziell dazu führen könnte, den Aufwertungsdruck auf das bevölkerungsreichste Land der Erde zu erhöhen. China weist Vorwürfe aus den USA zurück, mit einem künstlich niedrig gehaltenen Wechselkurs seine Ausfuhren zulasten amerikanischer Firmen zu begünstigen. Laut einiger Ökonomen ist der Chinafaktor aktuell nicht zu unterschätzen. Das Land meldete Wachstumszahlen von knapp zwölf Prozent im ersten Quartal und zudem wurde bekannt gegeben, dass die Ölnachfrage allein im März 2010 um ebenfalls zwölf Prozent angestiegen sei. Ferner wurde im selben Monat auch mehr Metall als im Vormonat importiert. Es hat den Anschein, als ob das Reich der Mitte ohne irgendwelche Verlangsamungen wächst, was auch die Kurse an den Aktienbörsen in den USA antreibt und einige Firmen darauf hoffen lässt, weiterhin an dieser enormen Wachstumsstory teilhaben zu können. Von Seiten Chinas wurde allerdings auch erkannt, dass es zu Anzeichen von Überhitzung in der Wirtschaft kommen könnte. So hat man zum dritten Mal in diesem Jahr die Mindestreserve-Anforderung für Banken erhöht und damit die Geldpolitik aus Angst vor einer wirtschaftlichen Überhitzung weiter gestrafft. Ebenfalls müssen die Geschäftsbanken der Volksrepublik ab dem 10.05.10 eine um 0,5 Prozentpunkte höhere Mindesteinlage bei der Notenbank halten. Die Banken müssen nun mehr Geld bei der Zentralbank hinterlegen und können damit weniger Kredite vergeben, was wiederum die Investitionen dämpfen sollte. Mit der neuen Anforderung entzieht die Zentralbank dem Bankensystem umgerechnet rund 33 Milliarden Euro.

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Dieser Schritt könnte ebenso Dampf aus der Wirtschaft nehmen wie die Verteuerung der Lebenshaltungskosten sowie die starken Preiserhöhungen im Immobiliensektor. Aber nicht nur in China, sondern rund um den Globus wurden zuletzt positive und zum Teil besser als erwartete Konjunkturdaten veröffentlicht, die auf eine Erholung der globalen Wirtschaft hindeuten. Diese Entwicklung wird zugleich als Indikator für eine steigende Rohstoffnachfrage gesehen. Während in den USA und in Europa die aktuelle Niedrigzinspolitik noch beibehalten wird, schließt man andernorts, wie z.B. in Kanada, Zinserhöhungen nicht mehr kategorisch aus. Für Kanadas Wirtschaft spielt die Rohstoffproduktion eine vergleichsweise große Rolle und die erwartete Zinserhöhung kann wiederum als ein positives Signal in der Wirtschaft gedeutet werden. Australien, ein weiteres rohstoffreiches Land, hat jüngst zum zweiten Mal innerhalb kürzester Zeit die Zinsen angehoben. Der stärkste Treiber der weltweiten Rohstoffpreiserholung bleibt bislang aber China. Der Ifo-Weltwirtschaftsklima Index bestätigt die weltweite Verbesserung insbesondere im 1. Quartal 2010, denn der Indikator entwickelte sich wieder über seinem langfristigen Durchschnitt. Das Wirtschaftsklima hat sich vor allem in Asien kräftig verbessert. Aber auch in Nordamerika, Westeuropa und anderen Weltregionen ist es positiver als noch im 4. Quartal 2009.

Europa  Zinspolitik in Europa Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihren Leitzins, wie von den Finanzmärkten erwartet worden war, unverändert bei einem Prozent belassen. Marktbeobachter hatten bereits im Vorfeld mit dieser Entscheidung gerechnet und gehen aufgrund des niedrigen Inflationsdrucks und der anhaltenden Wachstumsschwäche auch in den kommenden Monaten von unveränderten Zinsen aus.

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Im Fokus der Begründung für diese Entscheidung dürfte dieses Mal jedoch weniger die Zinspolitik stehen, sondern vielmehr die Details der angekündigten Reform des Sicherheitrahmens der EZB. Die EZB wird wie angekündigt länger als geplant Sicherheiten mit niedrigen Ratings als Pfand für Zentralbankgeld akzeptieren. Diese Maßnahme hilft vor allem dem von der Schuldenkrise gebeutelten Griechenland. Die EZB musste für ihre Kehrtwende in dieser Frage bereits viel Kritik einstecken. Die labile Konjunktur würde eigentlich niedrige Zinsen erfordern, aber niedrige Zinsen ermuntern die Akteure auf den Finanzmärkten zu riskanten Trades. Und das ist etwas, was man vor dem Hintergrund der aktuellen Situation unbedingt vermeiden möchte. Auch die Bank of England hat die Leitzinsen in Großbritannien unverändert belassen (seit April 2009 auf 0,5 Prozent). Von Seiten der amerikanischen Notenbank gab es erwartungsgemäß auch keinen Zinsschritt, den derzeit auch keiner erwartet. Aber jeder hofft doch auf ein Anzeichen, wann eine Zinserhöhung des Fed wieder möglich sein könnte. Die Herabstufungen der Kreditwürdigkeit Griechenlands, Portugals und Spaniens haben für Abschläge an den Finanzmärkten gesorgt, die neben den fundamentalen Auswirkungen einer potentiellen Staatspleite und den ökonomischen Konsequenzen für die Eurozone auch deutlichen Einfluss auf die NE-Metallpreise haben werden. So wurden Kupfer, Aluminium und andere Metalle vom festeren US-Dollar unter Druck gesetzt. Dieser verteuerte sich am 01.05.2010 zum Euro auf 1,32. Viele Anleger machen allerdings nach den jüngsten Kursgewinnen in einzelnen Sektoren wieder Kasse. Man hofft nun auf eine positive Wirkung des Hilfspaketes, so dass neue Griechenland-Unsicherheiten ausbleiben und die weltweiten Aktienmärkte wieder zur Ruhe kommen.

 Griechenland Krise Das hochverschuldete Griechenland hat sich mit einem weiteren drastischen Sparprogramm die überlebenswichtigen Milliarden von EU und IWF gesichert. EUKommission, IWF und Europäische Zentralbank einigten sich nach tagelangen Verhandlungen mit der griechischen Regierung in Athen auf ein Hilfsprogramm mit zahlreichen Einschnitten für die griechischen Bürger. Das im Gegenzug geschnürte Hilfspaket im Volumen von 100 bis 120 Milliarden Euro wurde von den Finanzministern der 16 Euro-Staaten bei einem Sonder-Gipfel abgesegnet und steht in Deutschland in der ersten Maiwoche zur Abstimmung im Bundestag und Bundesrat. Es wurde errechnet, dass Deutschland mit der Billigung des Hilfspakets während der dreijährigen Laufzeit des Programms voraussichtlich rund 25 Milliarden Euro nach Athen überweisen muss.

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Einige Investoren bezweifeln, dass das von der Euro-Zone und dem Internationalem Währungsfonds (IWF) bereitgestellte Hilfspaket ausreicht, um den Mittelmeerstaat vor der Pleite zu bewahren. Vielmehr haben sie Ängste, dass Griechenland einen Domino-Effekt in Europa auslöst und die europäische Gemeinschaftswährung Euro weiter unter Druck gerät. Damit es nicht zu dem befürchteten Domino-Effekt kommt, gehen die anderen “gefährdeten“ Staaten in die Offensive. Anders als Griechenland will Spanien seine Haushaltsprobleme ohne fremde Hilfe meistern. Im vorigen Jahr hatte Spanien mit einem Defizit von 11,4 Prozent eines der größten Haushaltslöcher der Euro-Länder. Im Sog der Schuldenkrise Griechenlands ist auch Spanien wegen seiner Haushaltsprobleme an den Märkten unter Druck geraten und zuletzt senkte die Agentur S&P das Rating des Landes um eine Bewertungsstufe herab. Die Bonitätswächter befürchten, dass eine längere Phase wirtschaftlicher Schwäche den Defizitabbau erschweren wird. Das noch immer in der Rezession steckende Land will sein ausuferndes Defizit bis 2013 unter die Maastricht-Marke von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) drücken – ein mehr als sportliches Ziel. In Portugal, das ähnlich wie Spanien mit großen Schuldenproblemen kämpft, lag das Defizit im März mit 10,5 Prozent auch nur leicht über dem Eurozonen-Durchschnitt. Die Risikoaufschläge für portugiesische Anleihen waren im Zuge der allgemeinen Entwicklung Ende April auf Rekordwerte gestiegen, aber danach wieder zurückgegangen, denn auch Portugal bekräftigt, seinen Sparkurs im Kampf gegen das überhöhte Defizit zu verschärfen.

 Gute Wirtschaftsaussichten in Europa Aber neben der Griechenland-Misere gibt es auch positives aus Europa zu berichten. So ist der Ifo-Klimaindikator für Europa im ersten Quartal dieses Jahres zum vierten Mal in Folge gestiegen. Nicht nur das Urteil zur aktuellen Situation, sondern auch die Erwartungen für die kommenden sechs Monate hellten sich auf. Die Zeichen deuten eindeutig darauf hin, dass sich die konjunkturelle Erholung fortsetzen wird. Das Wirtschaftsklima hat sich insbesondere in Deutschland, Italien sowie in Österreich und in den Benelux-Ländern verbessert. Verschlechtert hat es sich in Frankreich, Portugal, Slowenien, Griechenland und Zypern. In den beiden zuletzt genannten Ländern haben sich als einzige Länder im Euroraum die Perspektiven für die nächsten sechs Monate sogar verschlechtert. In allen anderen Ländern sind die Erwartungen optimistisch.

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Deutschland  Verbraucherlaune der Deutschen steigt Die Stimmung der deutschen Verbraucher verbessert sich Dank anziehender Konjunktur und der Aussicht auf steigende Einkommen. Das Barometer für das GfKKonsumklima kletterte auf 3,8 von revidiert 3,4 Punkten im Vormonat und erreichte damit den höchsten Stand seit November 2009. Damit scheint der Abwärtstrend des Konsumklimas im Frühjahr 2010 gestoppt. Begründet wird dies durch den steigenden Optimismus, denn die Bürger schätzen ihre eigene finanzielle Lage merklich besser ein als noch zuvor. Dieser Teilindikator stieg auf den höchsten Wert seit knapp neun Jahren. Wegen hoher Energiepreise, die auch aktuell weiter steigen, hielten sich die Konsumenten aber bei Großkäufen zurück. Vor allem das Ausbleiben "eines krisenbedingten Beschäftigungseinbruchs" sorgt für weniger Angst vor der Arbeitslosigkeit. Die führenden Wirtschaftsforscher gehen in ihrem Frühjahrsgutachten davon aus, dass die Zahl der Arbeitslosen in diesem Jahr um durchschnittlich rund 40.000 auf 3,382 Millionen sinkt. Unterm Strich kann dies für die deutsche Wirtschaft bedeuten, dass der Privatkonsum 2010 demnach stabil bleiben und der Export die wesentlichen Wachstumsimpulse liefern wird. Dem Handelsblatt zufolge lässt sich der wirtschaftliche Aufschwung durch die starken Quartalsgewinne der Unternehmen im ersten Quartal 2010 belegen. Zudem steigt auch die Zuversicht der Konzerne aus fast allen Branchen für das Gesamtjahr, selbst auch bei konjunkturempfindlichen Unternehmen wie den Stahlherstellern ThyssenKrupp und Salzgitter und dem Mischkonzern Siemens.

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Gedämpfte Euphorie in Deutschland Die Hauptaussage des Frühjahrsgutachten der führenden deutschen Wirtschaftsinstitute ist einfach zusammenzufassen: Der Aufschwung in Deutschland setzt sich fort, doch nur mit einer geringen Dynamik. Der wichtigste Motor für die Konjunkturforscher ist der Export, wie auch schon die Daten aus diesem Jahr belegen. Sie rechnen mit einer Exportzunahme in diesem Jahr von rund 7%. Die besseren Absatzaussichten im Ausland dürften auch die Investitionsbereitschaft der Unternehmen stärken und es ist in diesem Jahr mit einem Plus von 2,2% in den Ausrüstungsinvestitionen zu rechnen (nach einem Minus von 20% in 2009). Die Konsumausgaben scheinen sich auch zu erholen, werden aber im Jahresdurchschnitt 2010 das Vorjahresniveau nicht groß überschreiten. Das größte Problem sehen die Ökonomen der Institute in den rasant wachsenden Staatsschulden, deren Anteil am Bruttoinlandsprodukt in 2011 auf 79 % steigen dürfte. Daher wird die Bundesregierung von den so genannten „Fünf Weisen“ aufgefordert, im nächsten Jahr einen Konsolidierungskurs einzuschlagen und auf der Ausgabenseite besonders bei den Subventionen und den Personal- und Sachausgaben zu sparen. Vage bleibt die Aussage der Wirtschaftsforscher zu der Frage, ob Steuersenkungen mit dem Sanierungskurs zu vereinbaren sind.

NE-Metalle  Aluminium Nur ein trügerischer Aufwind beim Leichtmetall? Die Krise des letzten Jahres auf den Metallmärkten scheint vergessen, doch obwohl sich die Preise an der Londoner Metallbörse fest präsentieren, weisen Marktteilnehmer auf die fehlende fundamentale Rechtfertigung des zuletzt erreichten Preisniveaus hin. Bei Aluminium wird die globale Nachfrage in diesem Jahr noch maßgeblich durch den Konsumenten China unterstützt. Doch man kann einen baldigen Rückgang der Importe erwarten. Zum anderen wird auch die Aluminiumproduktion deutlich ausgeweitet. Weiterhin ist es problematisch, dass sich außerhalb Chinas die

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Nachfrage nur langsam erholt und in Teilen, wie z. B. der Automobilindustrie, eine Nachfragesteigerung künstlich durch staatliche Förderprogramme herbeigeführt worden ist. Es stellt sich vielmehr die Frage, wie nachhaltig ist das erzielte Preisniveau? Mit Notierungen oberhalb der 2.400 USD notierte Aluminium so hoch wie zuletzt vor eineinhalb Jahren. Dieses Niveau wurde am 13.04.10 erstmalig erreicht, als die Notierung von 2.398 USD auf 2.423 USD stieg. Bis zum 16.04.10 verbesserten sie sich sogar bis auf 2.482 USD, bevor die 2.400-USD-Linie dann am 22.04.10 wieder nach unten durchbrochen wurde und der LME-Kurs bis zum 29.04.10 auf 2.174 USD zurückging. In den Lagerhäusern der LME stagnieren die Vorräte mit aktuell 4.535.450 t seit Monaten nahe dem Rekordhoch. In den Lägern der Börse Shanghai haben sie zuletzt Woche für Woche neue Höchststände markiert. Insgesamt hat sich Im Berichtsmonat April 2010 das Angebot an der LME nur geringfügig um rund 64.000 t nach unten verändert. Zur Ausweitung des globalen Angebots tragen weiterhin neue Raffinerien bei, die kürzlich in Betrieb genommen wurden bzw. deren Inbetriebnahme noch bevorsteht. Vor allem im Mittleren Osten wird in den VAE und Katar die Produktion aufgrund niedrigerer Stromkosten und der Nähe zum Hauptabnehmer China derzeit kräftig ausgebaut. In den VAE ist der Betrieb in der weltweit größten Aluminiumraffinerie mit einer Kapazität von 1,4 Mio. Tonnen p.a. aufgenommen worden. Demgegenüber stehen mögliche Schließungen von Raffinerien in Europa, vor allem aufgrund steigender Stromkosten. Gemäß Angaben des europäischen Aluminiumverbandes könnten bis 2013 zwei Drittel der Kapazitäten stillgelegt werden. In Europa sind im letzten Jahr ungefähr 4 Mio. Tonnen Aluminium produziert worden. Kurzfristig dürfte dies jedoch kaum Auswirkungen auf das Angebot haben. Die Angaben zeigen, der Aluminiummarkt bleibt gut versorgt und der hohe Preis kann fundamental von dieser Seite nicht gerechtfertigt werden. Von Seiten der Marktteilnehmer geht man daher von einer Korrektur auf durchschnittlich 2.050 USD je Tonne im dritten Quartal aus. Anschließend dürfte sich der Preis wieder erholen. Gestützt werden die Aluminiumpreise durch positive Konjunkturdaten und dem unvermindert hohen Optimismus der spekulativen Finanzanleger, hier insbesondere durch die weiterhin hohe Importdynamik Chinas.

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 Kupfer Preiskorrektur kommt wohl später als erwartet Kupfer notierte im März 2010 kurzzeitig zum ersten Mal seit Anfang August 2008 wieder über der Marke von 8.000 USD je Tonne. Unterstützt wurden die Preise dabei von besser als erwartet ausgefallenen Konjunkturdaten in den USA und China, rückläufigen Lagerbeständen sowie weiterhin sehr positiv gestimmten spekulativen Finanzanlegern. Auch wenn im April die 8.000-USD-Linie nicht mehr erreicht werden konnte, gelten die fundamentalen Unterstützungsfaktoren noch heute. Das Preisniveau im Berichtsmonat April kommt annähernd an den Vormonat heran. So bewegten sich die Notierungen in London lange in einer Range von 7.865 bis 7.955 USD, bevor dann der Preis zum Monatsende immer weiter verlor auf zuletzt 7.375 USD am 30.04.10. Aber den befürchtete Preiseinbruch sollte dies noch nicht darstellen. Unerwartet starke Konjunkturdaten aus den USA, China und der Eurozone hatten die Notierungen für Kupfer an der Londoner Metallbörse bis dato weiter vorangetrieben. Von Seiten der Metallmarktanalysten wird die Gefahr eines starken Preisrückschlags bei Kupfer aktuell als hoch eingeschätzt, da sich der Preis zunehmend von fundamental nachvollziehbaren Niveaus entfernt. Solange die Nachrichtenlage positiv bleibt, dürfte Kupfer gut unterstützt bleiben. Zudem haben der Einkaufsmanagerindex und die bevorstehenden Häuserverkäufe in den USA, dem zweitgrößten Kupferkonsumenten weltweit, positiv überrascht. Weiter festigend wirkten die Lagerhausbestände der Börse Shanghai, die einen Rückgang der Kupferlagerbestände meldete, der offensichtlich als Zeichen der starken asiatischen Nachfrage interpretiert werden kann. Der jüngste Rückgang ist jedoch insbesondere im Vergleich zum massiven Lageraufbau der letzten Monate sehr moderat ausgefallen. Die Kupferbestände in Shanghai hatten sich von ihrem Tief von vor rund einem Jahr zwischenzeitlich verzehnfacht, trotz der weiterhin überraschend hohen Importaktivität Chinas, denn dort sind die Kupfereinfuhren im März nach vorläufigen Schätzungen um 42% gegenüber Februar gestiegen. Die rückläufigen Lagerhausbestände in den Londoner Lägern sollten auch eine fundamental preisfestigende Wirkung haben. Die Vorräte reduzierten sich von 512.450 t am 01.04.10 auf erstmals wieder unter 500.000 t mit 499.300 t am 30.04.10.

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Somit verzeichneten die registrierten LME-Lagerbestände von Kupfer seit Mitte Februar einen Rückgang von rund 56.000 t (18.02.10: 555.075 t). Daher ist die Versorgungslage am globalen Kupfermarkt derzeit alles andere als angespannt, weshalb das erreichte Preisniveau fundamental kaum nachvollziehbar erscheint. Im Zuge des verbesserten Konjunkturbildes und steigender Aktienmärkte hat der Kupferpreis im Berichtsmonat deutlich zugelegt und bereits wieder die 8.000er USDMarke in Angriff genommen, allerdings ohne diese bislang nachhaltig zu überwinden. Das Rekordhoch aus dem Jahr 2008 ist damit nur noch gut 10% entfernt. Aus der Sicht der Analysten basiert der jüngste Preisaufschwung des Roten Metalls gleichwohl noch immer mehr auf der Erwartung einer starken Marktverknappung in der Zukunft als auf der tatsächlichen Ist-Situation. Die Importdaten üben weiterhin einen hohen Einfluss auf die Kupferpreise aus. Bereits im vergangenen Jahr haben sie Kupfer massiv unterstützt und maßgeblich zu dessen Preisanstieg beigetragen. Die Einfuhren dürften kurzfristig weiter hoch bleiben und sich somit positiv auf die Preise auswirken. Eine Preiskorrektur ist noch nicht vom Tisch, jedoch dürfte sich diese zeitlich verlagern und dieser Moment scheint noch nicht gekommen sein. Doch die Marktteilnehmer sind gewarnt.

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 Nickel Nickel überwindet neue Hürden Mit seiner Preisentwicklung weist Nickel unter den Industriemetallen in diesem Jahr bislang mit Abstand die beste Performance auf. Dies ist auch darauf zurückzuführen, dass der Optimismus in der deutschen Stahlindustrie wächst. Die Auftragseingänge im ersten Quartal übertrafen die Erwartungen und die Rohstahlproduktion wird 2010 um 15% höher als im Vorjahr geschätzt. Jedoch bereitet die Situation auf den Rohstoffmärkten Sorgen und die Stahlindustrie und ihre Abnehmer werden in diesem Jahr Preissteigerungen verkraften müssen. Die Preiserhöhungen für die Basisrohstoffe Eisenerz und Kokskohle sowie die Einführung eines neuen kurzfristigeren Preissystems (Bindung 3 Monate) stellen außerdem eine außerordentliche Belastung für die Stahlkonjunktur dar. Der Nickelpreis vollzog in den vergangenen Wochen eine rasante Aufwärtsbewegung, in deren Zuge die Notierung an der Londoner Metallbörse von unter 20.000 USD in der Spitze auf 27.100 USD am 16.04.10 und am 27.04.10 auf 27.300 USD geklettert ist. Die Preise zeigten im April allerdings eine relativ große Bandbreite, denn mit 25.100 USD am 06.04.10 bzw. 25.650 USD am 30.04.10 notierte Nickel deutlich unter dem Monatshöchststand. Gegenüber dem Jahresbeginn hat das Legierungsmetall damit einen Preiszuwachs von knapp 50% (auf Eurobasis sogar 60%) bzw. rund 8.600 USD verzeichnet. Die hohe Dynamik ist bemerkenswerter, da sie nahezu vollständig abgekoppelt vom Gesamtmarktgeschehen stattgefunden hat, denn die Preise für Kupfer und Aluminium sind im selben Zeitraum nur um etwa 4% gestiegen, während sich das ebenfalls zur Stahlherstellung verwendete Zink sogar um gut 6% verbilligte. Ursache für die gänzlich unerwartete Nickelhausse ist aus Sicht der Analysten eine Kombination aus Produktionsausfällen, beschleunigter Nachfrage und erhöhter spekulativer Aktivität. Die LME-registrierten Nickelbestände sind seit ihrem Allzeithoch Anfang Februar um mehr als 20.000 t auf zuletzt 135.774 t gefallen. Dies entspricht immer noch etwa 40 Tagen des Weltverbrauchs, was bedeutet, dass die LME-Läger weiterhin üppig gefüllt sind. Bei den Lagerbeständen zeigte sich im April 2010 eine Trendwende und somit eine Verbesserung der fundamentalen Marktlage, denn am 01.04.10 lag der Vorrat in den LME-Lägern noch bei 143.244 t. Diese Entwicklung hat auch das Stimmungsbild unter den Finanzinvestoren zuletzt stark gewandelt, denn hatten sie bis vor einigen

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Monaten noch Konsens, dass die Preisperspektiven von Nickel aufgrund der Überschuss-Situation zu den schwächsten aller NE-Metalle gehören würden, hat sich die Markteinschätzung inzwischen um 180 Grad gedreht. Entsprechend hat der Nickelmarkt in den vergangenen Wochen einen massiven Zufluss an spekulativem Kapital registriert. Nach Meinung der Analysten hat sich der Nickelpreis überproportional nach oben bewegt und sie sehen das aktuelle Preisniveau auf längere Sicht als nicht nachhaltig an. In den Sommermonaten gehen die Experten in der Mehrzahl von einer deutlichen Korrektur aus. Nach einem Rückgang auf durchschnittlich 21.700 USD je Tonne im dritten Quartal sollte sich der Preis wieder erholen. Ende 2011 würden die Analysten Nickel dann wieder in etwa auf dem heutigen Niveau sehen. In den kommenden Wochen ist mit einer Preisberuhigung zu rechnen, da das Tempo des globalen Aufschwungs tendenziell nachlassen könnte.

 Zink Preisgewinne, aber keine Trendwende Auch bei Zink sieht man eine breite Bodenbildung, und wie bei vielen Rohstoffen konnten auch hier die Preise ansteigen. Zudem zeigt sich auch bei Zink ein interessantes Verhalten, denn der US-Dollar dominiert den Markt nicht mehr so stark wie früher. Dies ist ein deutlicher Wandel und zeigt, dass offenbar Kräfte am Werk sind, die in Rohstoffe ungeachtet der Devisenmärkte investieren. Hier scheint ein Trendwechsel stattzufinden. Die Zinknotierungen bewegten sich in einer engen Range und konnten am 07.04.10 mit 2.435 USD erstmals die 2.400-USD-Hürde überspringen. Lange lagen die Preise dann in der Bandbreite um 2.450 USD und am 30.04.10 rutschten die Notierungen bis auf 2.280 USD ab. Der Preis von Zink weist nicht die dynamische Entwicklung wie etwa Kupfer auf und so konnten die Hochstände vom Jahresanfang weiterhin nicht erreicht werden. Die Zinknachfrage wird noch von der schwachen Stahlnachfrage belastet (50% der Zinknachfrage stammen aus der stahlverarbeitenden Industrie), aber bei Stahl zeichnet sich eine deutliche Verbesserung der Nachfrage ab. Zwar wird im Jahr 2010 noch ein Überangebot an Zink vorherrschen, doch für 2011 wird bereits ein Nachfrageüberhang erwartet.

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Zink ist das einzige hier berichtete Metall, bei dem die LME-Lagervorräte im Berichtsmonat April gestiegen sind. Der Bestand in den Börsenlägern wurde um 10.325 t von 542.200 t auf 552.525 t aufgebaut und hat sich von dem allgemeinen Trend des Lagerabbaus abgekoppelt. Die Analysten sprechen mittelfristig von einem höheren Zinkpreis. Allerdings könnten einige Punkte diesen Anstieg verzögern oder bremsen. Faktoren gegen einen höheren Zinkpreis in den kommenden Monaten sind auf der einen Seite die ungemeldeten Zinklagerbestände, die neben den offiziell registrierten Lagerhausbeständen liegen. Diese könnten auf den Markt kommen und zu einer Verzögerung des Preisanstiegs führen. Ein weiter Faktor sind die vermutlich weiteren Wiederaufnahmen von Minenproduktionen, die trotz der hohen LME-Vorräte attraktiv sind. Die Stimmung spricht derzeit für einen weiteren leichten Anstieg des Zinkpreises. Diesen möglichen Trend bestätigen auch die Informationen der International Lead and Zinc Study Group (ILZSG), die für 2010 einen Angebotsüberschuss von 418.000 Tonnen prognostiziert hat. Dieser liegt nur unwesentlich unter dem im Vorjahr verzeichneten Überschuss von 445.000 Tonnen, der den höchsten seit 16 Jahren bedeutete. Die Produktion dürfte in diesem Jahr durch die Inbetriebnahme stillgelegter Kapazitäten und von neuen Projekten deutlich ausgeweitet werden und die Nachfrage weiterhin übertreffen. Für den Metallmarkt insgesamt kann man von einer deutlichen Korrektur der Preise ausgehen. Für Zink im speziellen erwarten die Analysten sogar einen deutlichen Einschnitt der Preise, allerdings erst nach den Sommermonaten. Bis dahin sollte der Höhenflug im Schatten der Leitmetalle weiter anhalten.

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Informationsservice für den Metallhandel Herausgeber: Müller & Sohn GmbH & Co. KG Metall-Aufbereitungswerk Harkortstraße 22 D-45549 Sprockhövel-Haßlinghausen Telefon: Fax: E-Mail: Internet:

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