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 Marktbericht

07-2009

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Die Weltwirtschaft Viele Ökonomen sind inzwischen der Ansicht, dass die Rezession an ihrem Tiefpunkt angelangt ist. Die Thesen sprechen davon, dass es keinen einheitlichen und gradlinigen Aufwärtspfad der gesamten Wirtschaft geben wird, jedoch hat sich global die konjunkturelle Schockstarre gelöst. Die jüngsten Konjunkturdaten stützen die positiven Erwartungen, z. B. wie der Anstieg der Auftragseingänge der deutschen Industrie und der Industrieproduktion sowie ein beschleunigtes Wachstum in Asien. Die Experten warnen jedoch gleichzeitig vor zu viel Optimismus und schließen auch mögliche kurzfristige Rückschläge in den Volkswirtschaften nicht aus.

US-Regierung ist zuversichtlich für die Konjunkturentwicklung Obwohl die US-Wirtschaft nach den Worten von Präsident Barack Obama im zweiten Quartal weiter geschrumpft ist, hat die US-Regierung sich zuversichtlich über die weitere Entwicklung der Konjunktur in den kommenden Quartalen geäußert. Es gibt einige Zeichen für einen Aufschwung, doch ist der Punkt noch nicht erreicht, um von einem anhaltenden Wirtschaftswachstum zu sprechen. Im ersten Quartal war die USWirtschaft nicht so stark eingebrochen wie zunächst erwartet. Von Januar bis März sank das BIP der weltgrößten Volkswirtschaft mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 5,5 Prozent und nicht wie angenommen von 5,7 Prozent. Nach Einschätzung der US-Notenbank Fed wird die Arbeitslosenquote in diesem Jahr in den USA auf einen Wert zwischen 9,7 und 10,1 Prozent steigen. Noch im April war die Fed davon ausgegangen, dass die Marke von zehn Prozent nicht übersprungen wird. Die Rückführung der Arbeitslosigkeit ist eines der größten Probleme und auch Ziele der amerikanischen Wirtschaft, insbesondere da diese im direkten Zusammenhang mit dem Konsumklima und der Binnennachfrage steht. Bei früheren Rezessionen konnte die US-Wirtschaft stets auf die Konsumenten zählen. Im zweiten Quartal ist der private Konsum um 1,2 Prozent zurückgegangen.

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Von daher muss man noch von einem sehr verhaltenen Optimismus in der amerikanischen Wirtschaft sprechen.

 Die Hoffnung trägt China Die internationalen Anleger und Analysten wetten schon seit Monaten intensiv darauf, dass sich die chinesische Wirtschaft rasant von ihrer Schwäche erholt und zur Konjunkturlokomotive für die Weltwirtschaft wird. Dazu sollen vor allem die extrem lockere Geldpolitik des Landes und das sehr große Ausgabenprogramm zur Ankurbelung der Wirtschaft von mehr als 500 Milliarden Dollar beitragen. Ein anderer Punkt, mit dem insbesondere die Anleger beschäftigt sind, ist die rasante Zunahme der chinesischen Währungsreserven. Nach jüngsten Angaben der chinesischen Zentralbank haben sie nach einer Zunahme um 187 Milliarden Dollar im zweiten Quartal die gigantische Summe von 2.132 Milliarden US-Dollar erreicht. China versucht, dem Zufluss spekulativer Gelder entgegen zu wirken, indem es chinesischen Firmen erlaubt, im Ausland erzielte Gewinne dort zu belassen. Gleichzeitig werden die auflaufenden Währungsreserven nicht mehr so stark wie in der Vergangenheit in amerikanische Staatsanleihen investiert. Stattdessen lautet die Strategie der Regierung, weltweit Unternehmen zu übernehmen oder Rohstoffe zu horten. Schon alleine im ersten Quartal importierte das Land gewaltige Mengen an Eisenerz, Industriemetallen und anderen Rohstoffen. Teilnehmer der Rohstoffmärkte befürchten, sollten noch mehr Gelder in diese engen Märkte fließen, dürften sie unweigerlich wieder die Preise für Rohstoffe nach oben treiben und auf diese Weise das Preisgefüge weltweit in Bewegung bringen und die Märkte extrem beeinflussen. Laut der Veröffentlichung der Zentralbank in Peking sind die chinesischen Zahlen für das Bruttoinlandsprodukt im 2. Quartal 2009 aufs Jahr hochgerechnet und saisonbereinigt zum Vorquartal um 14,9 Prozent gestiegen. Damit ist die Wachstumsdynamik noch stärker als von vielen erwartet. Die kräftige Steigerung ist vielmehr ein deutliches Signal dafür, dass China den konjunkturellen Wendepunkt wohl endgültig geschafft hat und das Wachstumstempo auch im nächsten Quartal voraussichtlich ähnlich hoch bleiben wird. Das Reich der Mitte hat den Einbruch im Exportgeschäft durch einen Aufschwung auf dem Binnenmarkt aufgefangen, der durch milliardenschwere Konjunkturprogramme angeschoben wurde. China wird damit immer stärker zum Hoffnungsträger für die lahmende Weltwirtschaft. Das sehen mittlerweile auch die USA so, denn auf dem chinesisch-amerikanischen Dialogforum in Washington ermutigte US-Finanzminister Timothy Geithner die Volksrepublik China ausdrücklich, den Konsum der weit mehr als einer Milliarde Chinesen weiter anzuregen. Wohl nicht ganz ohne Eigennutz für die amerikanische Wirtschaft.

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Quelle: FAZ

Europa  Inflation in der Euro-Zone sinkt unter Null Seit Einführung der gemeinsamen Währung ist die jährliche Teuerungsrate im Eurogebiet unter Null gefallen. Sie betrug im Juni minus 0,1 Prozent nach 0,0 Prozent im Vormonat. Damit bestätigte die europäische Statistikbehörde Eurostat eine erste eigene Schätzung von Ende Juni. Es sanken vor allem die Preise für Benzin, Heizöl, und auch für Grundnahrungsmittel wie Milch und Käse sowie für audiovisuelle Geräte. In der gesamten EU sank die Teuerungsrate um 0,2 Punkte auf 0,6 Prozent.

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Zur Erinnerung: Vor einem Jahr hatte die Rate im Eurogebiet 4,0 Prozent betragen, in der EU 4,3 Prozent. Damals hat wahrscheinlich kaum einer diese Wende erwartet. Die Teuerung liegt damit deutlich unter der Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB), doch die Notenbank sieht die Preisstabilität bei einer Jahresrate von knapp unter zwei Prozent als gewährleistet an.

 Kreditklemme? Einem Bericht des Handelsblatts zufolge sind die Möglichkeiten der Bundesregierung, die Kreditvergabe der Banken an deutsche Unternehmen anzukurbeln, begrenzt. Die Experten erwarten, obwohl die Europäische Zentralbank die Banken mit Liquidität überschwemmt, spätestens im Herbst eine drohende Kreditklemme. Mittel- bis langfristige Finanzierungen sind bereits jetzt für Unternehmen, und nicht nur den Mittelstand, ein Problem. Das ist Angaben zu Folge der bedeutendste Rückgang seit dem Jahre 2003. Die Rezession führt offenbar verstärkt zu einer rückläufigen Kreditvergabe der Banken an Unternehmen. Im Euro-Land sank das Volumen der Unternehmenskredite von Mai bis Juni 2009 um rund 35 Mrd. Euro auf 4.788 Mrd. Euro, so gab die Europäische Zentralbank bekannt. Auch die Geldmenge M3 verzeichnet seit Monaten rückläufige Wachstumsraten. Für viele Banker ist ein Rückgang der Kredite in der Rezession schwer zu vermeiden, jedoch sagen sie auch, dass weder von einer generellen Kreditklemme die Rede sein könne, noch von einer generellen Verweigerung der Banken. Nicht von der Hand zu weisen ist, dass die deutschen Großunternehmen häufiger über eine zurückhaltende Kreditvergabe als kleine Unternehmen klagen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Ifo-Instituts unter knapp 1.100 Gesellschaften. Demnach konstatierten im Juni 2009 immerhin 50,9 Prozent der Großunternehmen eine restriktive Kreditvergabe der Banken gegenüber 17,3 Prozent im August 2008. Von den kleinen Unternehmen beklagten im Juni 2009 knapp 40 Prozent eine restriktive Kreditvergabe gegenüber 30,6 Prozent im August vergangenen Jahres.

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Deutschland  Geschäftsklima: Die Konjunktur springt wieder an Den vierten Monat infolge ist die Stimmung bei den Unternehmen der deutschen Wirtschaft wieder positiv und signalisiert damit eine Konjunkturwende. Wie das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) mitteilte, stieg der Geschäftsklimaindex im Juli um 1,4 auf 87,3 Punkte. Mit einer weiteren Verbesserung des Ifo-Index hatten die Experten bereits gerechnet, waren aber im Durchschnitt von einem weniger deutlichen Anstieg ausgegangen. Doch es gibt auch Warnungen von Seiten der Ifo-Experten, Euphorie zu zeigen, denn die Wirtschaft werde nicht automatisch in einen Aufschwung münden. Die Lage ist immer noch ernst und es gibt weiter große Risiken für die Konjunktur, insbesondere durch eine steigende Arbeitslosenzahl und die restriktive Kreditvergabe der Banken. Die deutschen Unternehmen scheinen aber nach dem Konjunktureinbruch wieder Boden unter den Füßen zu haben. Auch von der Industrie kommen erfreuliche Nachrichten, denn die hat zuletzt drei Monate in Folge steigende Aufträge verbucht. Produktion und Exporte legten ebenfalls zu. Zu Jahresbeginn war das Bruttoinlandsprodukt mit 3,8 Prozent so stark eingebrochen wie noch nie seit Einführung dieser Statistik 1970. Für das Frühjahrsquartal Januar bis März 2009 sagen befragte Konjunkturforscher im Schnitt ein Minus von 0,4 Prozent voraus.

 Verbraucherpreise: Negative Inflationsrate Ganz im Trend der EU sind auch die deutschen Verbraucherpreise im Juli erstmals seit mehr als 22 Jahren gefallen. Nach ersten Schätzungen auf Basis von Daten aus sechs Bundesländer gab das Statistische Bundesamt bekannt, dass das Preisniveau um 0,6 Prozent niedriger als vor einem Jahr lag. Gemessen am Vormonat sanken die Preise demnach um 0,1 Prozent. Details will das Statistische Bundesamt am 11. August nennen. Der Rückgang fiel demnach doppelt so stark aus wie von Analysten vorhergesagt und die Inflationsrate trägt damit zum ersten Mal seit 1987 wieder ein negatives Vorzeichen. Ein Rückblick in den März 1987 zeigt, damals waren die Preise im Jahresvergleich um 0,3 Prozent zurückgegangen und zwischen April 1986 und April

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1987 hatte die Inflationsrate jeden Monat zwischen null Prozent und minus 1,0 Prozent gelegen. Eine Deflation - also einen Preisverfall auf breiter Front und über einen längeren Zeitraum - befürchten die meisten Experten aber nicht. Rechnet man die Energie und Lebensmittel heraus, steigen die Preise in Summe sogar merklich. Ab Herbst erwarten Analysten wieder moderate Preissteigerungen und für 2009 insgesamt gehen die Analysten von einer Inflationsrate von 0,4 Prozent aus, für 2010 erwarten sie 1,5 Prozent.

 Konsumklima: Verbraucher weiter in Kauflaune Die Stimmung unter den deutschen Verbrauchern hat sich weiter unerwartet kräftig aufgehellt und von Konsumflaute scheint keine Spur. Die sich abschwächende Talfahrt der deutschen Wirtschaft habe zu einem Anstieg der Konjunkturerwartungen bei den Bürgern geführt, teilte die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) mit. Zudem sorgten der nachlassende Preisdruck für viele Güter und das Konjunkturpaket II für einen Anstieg von Einkommenserwartungen und Anschaffungsneigung. Vor diesem Hintergrund kletterte der GfK-Konsumklimaindex für August auf 3,5 Punkte, nach einem revidierten Wert von 3,0 im Juli. Dies ist mehr, als befragte Ökonomen erwartet hatten; für August einen Anstieg auf plus 3,0 Zähler. Damit bleibt der private Konsum derzeit wesentliche Stütze der Konjunktur und die stabilen Preise erhöhten dem Gfk-Konsumklimaindex zufolge auch die Bereitschaft zu größeren Anschaffungen. Sparen steht deshalb bei den deutschen Konsumenten nicht sehr hoch im Kurs. Doch dies könnte sich auch schnell ändern.

 Arbeitsmarkt: Das dicke Ende kommt noch Der Arbeitsmarkt hält der Wirtschaftskrise derzeit besser stand als erwartet. Wegen der massiv genutzten Kurzarbeit, derzeit arbeiten bis zu 1,4 Millionen Beschäftigte kurz, stieg die Zahl der Erwerbslosen im Juli nur halb so stark wie befürchtet. Experten rechnen aber im Herbst mit einer Entlassungswelle, falls sich die Auftragslage der Unternehmen bis dahin nicht spürbar bessert. Die Arbeitslosenzahl stieg von Juni auf Juli um 52.000 auf 3,462 Millionen, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) mitteilte. Experten hatten allerdings eine Zunahme um 100.000 erwartet. Die Rezession scheint erste Spuren zu hinterlassen, aber insgesamt sind die Auswirkungen der Wirtschaftskrise eher moderat. Als Grund wird die Kurzarbeit genannt.

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In der zweiten Jahreshälfte 2009 wollen 25% der deutschen Unternehmen Personal abbauen, so das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Ifo-Instituts. In der Industrie planen 34% der befragten Unternehmen eine Verschlankung ihres Personalstamms. Von den Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern wollen der Umfrage zufolge knapp 65% Mitarbeiter entlassen. Auch die Kurzarbeit wollen 11% der Unternehmen, in denen sie bereits läuft, fortführen. Bei 10% der Unternehmen soll sie neu eingeführt werden. Die Verlängerung der Kurzarbeit auf 24 Monate wird nach Meinung von 27% der betroffenen Unternehmen nicht ausreichen, um einen Personalabbau zu verhindern. Vor dem Hintergrund dieser Daten kann befürchtet werden, dass die Marke von vier Millionen Arbeitslosen Anfang 2010 überschritten wird.

NE-Metalle Aluminium Aluminiumpreis im Aufwind Der Aluminiumpreis zeigte im Berichtsmonat Juli eine deutliche Preisbelebung und konnte seit Anfang des Monats gut zulegen und sogar ein neues Neunmonatshoch erreichen. Als am 18.07.09 die Notierung im Vergleich zum 01.07.09 um mehr als 100 USD auf 1.718 USD stieg, bekamen die Haussiers am Markt Auftrieb, so dass dieser bis zum 25.07.09 dann nochmals zulegen konnte, denn die Börsennotierung in London verbesserte sich auf 1.805 USD. Den Auftrieb dürfte der Aluminiumpreis größtenteils den positiven ökonomischen Daten aus der Industrie verdanken, wo die meisten Stimmen von einer baldigen Erholung der Konjunktur sprechen. Den Aluminiumherstellern setzt eine schwache Nachfrage aus der Bauindustrie sowie der zurückgegangene Absatz auf dem Fahrzeugmarkt zu. Von Seiten der Verpackungsindustrie zeigt sich eine stabile Nachfrage. Etwas erstaunlich ist jedoch, dass der jüngste Preisanstieg trotz der massiven Ausweitung der LME-Lagerbestände, die sich seit Anfang September 2008 auf einen Rekord von über 4,5 Mio. Tonnen vervierfachten, und der Wiederinbetriebnahme stillgelegter Produktionskapazitäten in China stattgefunden hat. Trotz des Preisanstiegs entwickelte sich der Aluminiumpreis in den vergangenen Wochen im Vergleich mit anderen Metallen nur unterdurchschnittlich. Der Grund liegt in dem fundamentalen Faktor der Lagerhausbestände in den Lägern der Londoner

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Metallbörse, denn die Lagerbestände der Terminbörsen befinden sich mit knapp 4,5 Millionen Tonnen auf dem höchsten Stand seit Jahrzehnten. Die meisten Marktteilnehmer glauben nicht, dass der Anstieg der LMELagerbestände auf zuletzt 4.543.300 t (30.07.09) auf einen hohen Produktionsüberschuss zurückzuführen, sondern in erster Linie auf die Umklassifizierung des zuvor außerhalb der LME-Lagerhäuser gelagerten Materials begründet ist. Die in der LME eingelagerten Bestände werden von den meisten Finanzinstituten als Sicherheit akzeptiert, wenn sie einen Lagerschein (LME-Warrant) haben. Dass dies eine wichtige Rolle beim Lageraufbau spielt, zeigen Berichte, wonach bis zu 70% der gesamten LME-Lagerbestände in den langfristigen Finanzierungsgeschäften gebunden sein sollten. Auch die Tatsache, dass die Lagerbestände außerhalb des LME-Systems zuletzt nicht mehr gestiegen sind, unterstützt diese Meinung. Sollten sich die Preise weiter erholen, wird auch der Anreiz steigen, die Schmelzkapazitäten auszuweiten, was in Kombination mit den hohen Lagerbeständen zu einem Überangebot führen und den Preis negativ beeinflussen könnte. Die weitere Entwicklung ist an die tatsächliche konjunkturelle Entwicklung und das Verhalten der Aluminiumproduzenten gekoppelt. Nach Informationen des Internationalen Aluminiuminstituts ist die Produktion in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres im Vergleich mit dem Vorjahr um 7,7 Prozent auf 9,86 Millionen Tonnen gefallen. Im Mai wurden noch 1,97 Millionen Tonnen produziert, nachdem im August des vergangenen Jahres eine Spitzenmenge von knapp 2,2 Millionen Tonnen erzeugt worden war. Kurzfristig wird sich der Bullenmarkt weiter behaupten können, schon alleine, weil der NE-Metallsektor auch für Investoren und Anleger wieder interessant erscheint. Problematisch für einen anhaltend positiven Preistrend bei Aluminium könnten jedoch die sinkende chinesische Nachfrage und die hohen Lagerbestände sein.

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Quelle: FAZ

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NE-Metalle  Kupfer Trotz Höhenflug mit großem Korrekturpotential Der als Leitmetall für die Konjunktur bezeichnete Rohstoff Kupfer hat sich vom Preistief Ende 2008 bis Anfang Juni nahezu verdoppelt. Die Preisentwicklungen der ersten zwei Juli-Wochen stoppten den Aufwärtstrend jedoch erst einmal und führten zu einer leichten Korrektur nach unten. Viele Marktteilnehmer tendieren daher aktuell zum Abschluss von Kontrakten mit kurzen Laufzeiten. Als Stütze für den Preis wirkte die Bekanntgabe von BHP Billiton, man werde eine der beiden wichtigen Zerkleinerungsanlagen auf der größten Kupfermine der Welt, Escondida, für 45 Tage schließen, um defekte Teile auszutauschen. Ebenso seien außerdem Probleme bei der drittgrößten Kupfermine in Chile, Collahuasi, gemeldet worden, nachdem eine Explosion im Kontrollzentrum das Transportband funktionsunfähig gemacht hat. Zwar werden die Auswirkungen auf die Produktion und somit auf der Angebotsseite des Marktes zu spüren sein, doch sehen dies einige Analysten lediglich als Begründung, den Kupferpreis steigen zu lassen, denn sie führen den Preisanstieg in erster Linie auf spekulative Kräfte zurück. Laut LMEStatistik verfügt derzeit ein Marktteilnehmer über mehr als 50% aller LMELagerbestände. Dies erklärt auch, warum die Preise noch nicht auf den jüngsten Anstieg der LME-Kupferlagerbestände reagiert haben. Aktuell wirken sich zahlreiche "weiche Faktoren" günstig auf das Metallumfeld bei Kupfer aus. Neben der Verbesserung der wichtigsten Konjunkturindikatoren zählen hierzu auch die Erholung an den globalen Aktienmärkten, der Abwertungstrend des US-Dollars, das wiederauflebende Interesse der Investoren sowie die zwischenzeitliche Rallye an den Energiemärkten, welche wiederum mit künftig steigenden Produktionskosten assoziiert wird. In der Zeit vom 03.07. bis 15.07.09 bewegte sich das rote Metall um 5.000 USD, bevor dann am 16.07.09 die Preiserhöhung mit 5.215 USD begann und am 27.07.09 mit 5.515 USD, dem höchsten Stand seit Anfang Oktober 2008, endete. Seit Beginn des Jahres beläuft sich der Preiszuwachs am Kupfermarkt damit auf rund 2.650 USD.

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Im Mittelpunkt der beeindruckenden Preiserholung steht schon seit einigen Monaten die außergewöhnlich hohe Importnachfrage aus China. Im Falle von Kupfer hat die in ihrer Höhe bislang unerreichte und einmalige Einkaufstour Chinas nicht nur die kompletten Marktüberschüsse aus anderen Teilen der Welt absorbiert, sondern darüber hinaus auch die an der LME registrierten Lagerbestände wieder bedenklich abschmelzen lassen. Innerhalb der letzten fünf Monate haben sich die Kupferbestände in den Lägern der LME halbiert und weitere 3% sollen bereits zur Auslieferung vorgemerkt sein. Die Reichweite der LME-Kupferbestände, gemessen am Weltverbrauch, reicht nunmehr rund fünf Tage. Das zunehmende physische Interesse zeigte sich am 14.07.09 besonders stark, als die LME-Vorräte bei 256.900 t lagen und sich bis dahin um 8.825 t zum Monatsbeginn reduzierten. Doch wie schon erwähnt drehte sich der Trend des Lagerabbaus um und bis zum 30.07.09 konnte der LME-Bestand auf 278.050 t steigen. Insgesamt lag somit der Zugang im Juli bei 12.772 t. Analysten erhöhen ihre Prognosen bezüglich LME-Kupfer bereits und die Bären scheinen derzeit bei Kupfer in der Minderzahl zu sein. Die Erwartung einer kurz- bis mittelfristigen Korrektur der Kupferpreise wird jedoch weiterhin von den Marktteilnehmern bestätigt. So kann man sich auf einen spannenden und vielleicht auch volatilen Spätsommer einstellen.

Nickel Korrektur nach Höhenflug und 9-Monatshoch Die hohe Nachfrage aus China lässt die Nachfrage nach Basismetallpreisen weiterhin steigen. Entgegen den Erwartungen hat China seine Metallimporte erhöht; bei Nickel stiegen die Einfuhren im Juni um 60% im Vergleich zum Mai. Trotzdem erwarten Analysten eine baldige Preiskorrektur bei Nickel. Im Juli dürfte die chinesische Nachfrage den Erwartungen zufolge deutlich zurückgehen. Der LMEIndustriemetallindex erreichte im Juli ein neues Jahreshoch. Der Nickelpreis befindet sich seit Anfang Mai in einem kontinuierlichen Aufwärtstrend, der zwischenzeitlich von nur zwei kurzen Korrekturphasen unterbrochen wurde. Von Anfang Juli an hat Nickel in dieser Phase über 10 Prozent an Wert verloren. So fiel die LME-Notierung am 07.07.09 auf 16.225 USD und am 10.07.09 auf 14.600 USD. Aber man darf nicht vergessen, von welchem Niveau der Markt kommt. Seit Anfang Juni befindet sich der Nickelpreis in einem Aufwärtskanal, der Zuwachs seit Jahresbeginn liegt damit bei etwa 36 Prozent.

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Es bleibt die spannende Frage, ob die Korrektur nur kurzfristig gewesen ist und der Nickelpreis seinen Aufwärtstrend wieder aufnehmen kann oder ob es sich hier um eine Trendwende handelt. Die vornehmlich positiven Meldungen aus der Industrie könnten den Aufwärtstrend des Nickelpreises unterstützen, denn die konjunkturelle Entwicklung ist entscheidend für dessen weitere Entwicklung. Insbesondere die Stahlproduktion zeigt sich derzeit wieder stabil und gibt dem Nickelpreis Halt. Es zeigte sich, dass die Korrektur des Preises nicht dauerhaft war, denn seit dem Tief am 10.07.09 hat der Nickelpreis wieder an Wert gewinnen können. Am 23.07.09 konnte sich der Nickelpreis oberhalb der 16.000-USD-Dollar Linie etablieren (16.050 USD) und verbesserte sich am 25.07.09 mit 16.550 USD auf ein neues 9Monatshoch. Innerhalb von drei Monaten legte Nickel in USD knapp 35% zu. Die Analysten waren seit Jahresbeginn für Nickel sehr positiv gestimmt. Für die Marktexperten scheint die Erholung bei Nickel nachhaltiger als bei anderen Industriemetallen zu sein, weil sie ohne strategische Reservekäufe Chinas geschehe und der vorherige Preisrückgang unter 10.000 USD eine massive Untertreibung dargestellt hatte. Für den Preisanstieg sind mehrere Faktoren verantwortlich. Da Nickel im Wesentlichen als Stahllegierung verwendet wird, ist der Nickelpreis stark von der Entwicklung der Nachfrage nach rostfreiem Stahl abhängig. Hier haben die Aufträge der Industrie zuletzt in den USA und in Europa zugenommen. Die Stahlproduktion in Westeuropa, den USA und Asien ist im Juni 2009 im Vergleich zum Vormonat deutlich angestiegen, wie aus aktuellen Daten des Weltstahlverbandes hervorgeht. Der Zuwachs nährt Hoffnungen auf eine Überwindung der Nachfrageflaute. Aber auch die allgemeine Stimmung auf dem Nickelmarkt, getrieben durch Spekulanten, hat einen weiteren positiven Einfluss durch die angekündigten Wiederaufnahmen der Schmelzkapazitäten von Produzenten erfahren. Insbesondere in China sind die georderten Volumina zur Lageraufstockung verwendet worden, aber in Anbetracht der gestiegenen Lagerbestände scheint man davon auszugehen, dass die Schmelzkapazitäten im August wieder leicht rückläufig sein könnten. Der Markt hat einen Punkt erreicht, an dem die Händler und Endverbraucher den Abbau ihrer Lagerbestände beenden und damit beginnen werden, ihre Lager wieder aufzufüllen. Die Lagerbestände haben sich im Juli wie folgt entwickelt: Am 01.07.09 lagerten 96.504 t und bis zum 30.07.09 reduzierte sich der Bestand um 2.862 t auf 93.642 t. Trotz der wieder aufgenommenen Produktion in China und den moderaten Verbesserungen in den USA und in Europa werden nach Ansicht der Marktteilnehmer die Nickelvorräte in den LME Lagerhäusern in der Nähe ihrer Höchststände verbleiben.

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Der Schlüsselfaktor hinter dem jüngsten Preisanstieg bleibt jedoch das wiederkehrende Investoreninteresses an Industriemetallen, da dies als Absicherung gegen Inflationsrisiken ansehen wird. Nickel galt schon in der Vergangenheit als ein Lieblingsmetall der Spekulanten. Daher muss auch die jüngste Preisverbesserung auf Höchststände vor diesem Hintergrund interpretiert werden.

 Zink Zinkmetall konnte kräftig steigen Die Preisentwicklung im Rohstoffbereich war in den vergangenen Wochen volatil und da konnte sich auch Zink nicht von ausnehmen. Das hat einerseits mit der Wirtschafts- und Finanzkrise zu tun, die die physische Nachfrage nach Energie- und vielen anderen Rohstoffen dämpft. Aber auf der anderen Seite ist eine Nachfragesteigerung deutlich zu erkennen, getrieben durch die Konjunkturprogramme der Industrienationen, die vielfach den Bausektor, ein Haupteinsatzgebiet von Zink, betreffen. Die Zinkpreise sind seit Ende Februar 2009 um 61 Prozent gestiegen und konnten dabei von Produktionskürzungen der Bergwerke und Schmelzbetriebe sowie von chinesischen Käufen profitieren. Im Berichtsmonat konnte sich der Preistrend zunächst nicht fortsetzten. Vom 01.07.09 bis zum 15.07.09 fiel die LME-Notierung von 1.523 USD auf 1.480 USD und eine charttechnische Widerstandslinie wurde nach unten durchbrochen. Durch die positiven Nachfrageeffekte und spekulative Interessen von Rohstofffonds verbesserte sich die Zinknotierung an der London Metal Exchange bis zum 27.07.09 auf 1.685 USD. Im Handel wird von einer leichten Belebung des Geschäftes gesprochen, da u. a. langfristige Kontrakte geschlossen wurden und die Nachfrage nach Schrott in einigen Regionen angestiegen ist. Auch hier sieht man positive Signale in der Bauwirtschaft und es wird erwartet, dass sich im weiteren Jahresverlauf ein positiver Nachfrageeffekt einstellt. Die sichtbaren Zinkbestände in den Lagerhäusern der LME lagen zuletzt mit 393.425 t nahezu bei 400.000 t. Im Monatsverlauf reduzierten sich die Vorräte erst von 353.375 t auf 351.150 t (12.07.09), doch der gesamte Lageraufbau im Juli betrug 40.050 t, was zeigt, dass mehr als ausreichend Zink vorhanden ist. Nach jüngsten Informationen der Internationalen Blei- und Zinkstudiengruppe weist der Weltmarkt per April 2009 einen Überschuss von 203.000 t auf. Die weltweite Gesamtproduktion lag bei 3.490.000 t, der Zinkverbrauch belief sich auf 3.287.000 t.

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Analysten zufolge werde der Angebotsüberschuss am Zinkmarkt im Jahr 2010 zurückgehen und möglicherweise einer ausgeglichenen bis defizitären Bilanz zwischen Angebot und Nachfrage in 2011 weichen. Für die Nachfrage rechnen asiatische Produzenten in den Jahren 2009/2010 mit einem Wachstum um bis zu 12 %. Die weitere Preisentwicklung wird auch in den nächsten Monaten maßgeblich von den chinesischen Käufen abhängen, jedoch könnten diese auch mittelfristig zurückgehen, denn wie bei Kupfer gilt auch bei Zink, dass die Chinesen sehr empfindlich auf Preisveränderungen reagieren. Wegen der deutlich gestiegenen Preise und der Tatsache, dass die strategischen und kommerziellen Lagerbestände nun auf erhöhten Niveaus angelangt seien, ist dieser Faktor nicht zu vernachlässigen. Optimisten erwarten, dass sich die Zinkpreise oberhalb von 1.600 USD stabilisieren. Andere Stimmen sehen allerdings den Markt wieder in Nähe der 1.500 USD-Widerstandslinie zurückgehen.

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Informationsservice für den Metallhandel Herausgeber: Müller & Sohn GmbH & Co. KG Metall-Aufbereitungswerk Harkortstraße 22 D-45549 Sprockhövel-Haßlinghausen Telefon: Fax: E-Mail: Internet:

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Redakteurin:

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US-Regierung ist zuversichtlich für die Konjunkturentwicklung Obwohl die US-Wirtschaft nach den Worten von Präsident Barack Obama im zweiten Quartal weiter geschrumpft ist, hat die US-Regierung sich zuversichtlich über die weitere Entwicklung der Konjunktur in den kommenden Quartalen geäußert. Es gibt einige Zeichen für einen Aufschwung, doch ist der Punkt noch nicht erreicht, um von einem anhaltenden Wirtschaftswachstum zu sprechen. Im ersten Quartal war die USWirtschaft nicht so stark eingebrochen wie zunächst erwartet. Von Januar bis März sank das BIP der weltgrößten Volkswirtschaft mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 5,5 Prozent und nicht wie angenommen von 5,7 Prozent. Nach Einschätzung der US-Notenbank Fed wird die Arbeitslosenquote in diesem Jahr in den USA auf einen Wert zwischen 9,7 und 10,1 Prozent steigen. Noch im April war die Fed davon ausgegangen, dass die Marke von zehn Prozent nicht übersprungen wird. Die Rückführung der Arbeitslosigkeit ist eines der größten Probleme und auch Ziele der amerikanischen Wirtschaft, insbesondere da diese im direkten Zusammenhang mit dem Konsumklima und der Binnennachfrage steht. Bei früheren Rezessionen konnte die US-Wirtschaft stets auf die Konsumenten zählen. Im zweiten Quartal ist der private Konsum um 1,2 Prozent zurückgegangen.

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Von daher muss man noch von einem sehr verhaltenen Optimismus in der amerikanischen Wirtschaft sprechen.

 Die Hoffnung trägt China Die internationalen Anleger und Analysten wetten schon seit Monaten intensiv darauf, dass sich die chinesische Wirtschaft rasant von ihrer Schwäche erholt und zur Konjunkturlokomotive für die Weltwirtschaft wird. Dazu sollen vor allem die extrem lockere Geldpolitik des Landes und das sehr große Ausgabenprogramm zur Ankurbelung der Wirtschaft von mehr als 500 Milliarden Dollar beitragen. Ein anderer Punkt, mit dem insbesondere die Anleger beschäftigt sind, ist die rasante Zunahme der chinesischen Währungsreserven. Nach jüngsten Angaben der chinesischen Zentralbank haben sie nach einer Zunahme um 187 Milliarden Dollar im zweiten Quartal die gigantische Summe von 2.132 Milliarden US-Dollar erreicht. China versucht, dem Zufluss spekulativer Gelder entgegen zu wirken, indem es chinesischen Firmen erlaubt, im Ausland erzielte Gewinne dort zu belassen. Gleichzeitig werden die auflaufenden Währungsreserven nicht mehr so stark wie in der Vergangenheit in amerikanische Staatsanleihen investiert. Stattdessen lautet die Strategie der Regierung, weltweit Unternehmen zu übernehmen oder Rohstoffe zu horten. Schon alleine im ersten Quartal importierte das Land gewaltige Mengen an Eisenerz, Industriemetallen und anderen Rohstoffen. Teilnehmer der Rohstoffmärkte befürchten, sollten noch mehr Gelder in diese engen Märkte fließen, dürften sie unweigerlich wieder die Preise für Rohstoffe nach oben treiben und auf diese Weise das Preisgefüge weltweit in Bewegung bringen und die Märkte extrem beeinflussen. Laut der Veröffentlichung der Zentralbank in Peking sind die chinesischen Zahlen für das Bruttoinlandsprodukt im 2. Quartal 2009 aufs Jahr hochgerechnet und saisonbereinigt zum Vorquartal um 14,9 Prozent gestiegen. Damit ist die Wachstumsdynamik noch stärker als von vielen erwartet. Die kräftige Steigerung ist vielmehr ein deutliches Signal dafür, dass China den konjunkturellen Wendepunkt wohl endgültig geschafft hat und das Wachstumstempo auch im nächsten Quartal voraussichtlich ähnlich hoch bleiben wird. Das Reich der Mitte hat den Einbruch im Exportgeschäft durch einen Aufschwung auf dem Binnenmarkt aufgefangen, der durch milliardenschwere Konjunkturprogramme angeschoben wurde. China wird damit immer stärker zum Hoffnungsträger für die lahmende Weltwirtschaft. Das sehen mittlerweile auch die USA so, denn auf dem chinesisch-amerikanischen Dialogforum in Washington ermutigte US-Finanzminister Timothy Geithner die Volksrepublik China ausdrücklich, den Konsum der weit mehr als einer Milliarde Chinesen weiter anzuregen. Wohl nicht ganz ohne Eigennutz für die amerikanische Wirtschaft.

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Europa  Inflation in der Euro-Zone sinkt unter Null Seit Einführung der gemeinsamen Währung ist die jährliche Teuerungsrate im Eurogebiet unter Null gefallen. Sie betrug im Juni minus 0,1 Prozent nach 0,0 Prozent im Vormonat. Damit bestätigte die europäische Statistikbehörde Eurostat eine erste eigene Schätzung von Ende Juni. Es sanken vor allem die Preise für Benzin, Heizöl, und auch für Grundnahrungsmittel wie Milch und Käse sowie für audiovisuelle Geräte. In der gesamten EU sank die Teuerungsrate um 0,2 Punkte auf 0,6 Prozent.

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Zur Erinnerung: Vor einem Jahr hatte die Rate im Eurogebiet 4,0 Prozent betragen, in der EU 4,3 Prozent. Damals hat wahrscheinlich kaum einer diese Wende erwartet. Die Teuerung liegt damit deutlich unter der Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB), doch die Notenbank sieht die Preisstabilität bei einer Jahresrate von knapp unter zwei Prozent als gewährleistet an.

 Kreditklemme? Einem Bericht des Handelsblatts zufolge sind die Möglichkeiten der Bundesregierung, die Kreditvergabe der Banken an deutsche Unternehmen anzukurbeln, begrenzt. Die Experten erwarten, obwohl die Europäische Zentralbank die Banken mit Liquidität überschwemmt, spätestens im Herbst eine drohende Kreditklemme. Mittel- bis langfristige Finanzierungen sind bereits jetzt für Unternehmen, und nicht nur den Mittelstand, ein Problem. Das ist Angaben zu Folge der bedeutendste Rückgang seit dem Jahre 2003. Die Rezession führt offenbar verstärkt zu einer rückläufigen Kreditvergabe der Banken an Unternehmen. Im Euro-Land sank das Volumen der Unternehmenskredite von Mai bis Juni 2009 um rund 35 Mrd. Euro auf 4.788 Mrd. Euro, so gab die Europäische Zentralbank bekannt. Auch die Geldmenge M3 verzeichnet seit Monaten rückläufige Wachstumsraten. Für viele Banker ist ein Rückgang der Kredite in der Rezession schwer zu vermeiden, jedoch sagen sie auch, dass weder von einer generellen Kreditklemme die Rede sein könne, noch von einer generellen Verweigerung der Banken. Nicht von der Hand zu weisen ist, dass die deutschen Großunternehmen häufiger über eine zurückhaltende Kreditvergabe als kleine Unternehmen klagen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Ifo-Instituts unter knapp 1.100 Gesellschaften. Demnach konstatierten im Juni 2009 immerhin 50,9 Prozent der Großunternehmen eine restriktive Kreditvergabe der Banken gegenüber 17,3 Prozent im August 2008. Von den kleinen Unternehmen beklagten im Juni 2009 knapp 40 Prozent eine restriktive Kreditvergabe gegenüber 30,6 Prozent im August vergangenen Jahres.

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 Marktbericht

Deutschland  Geschäftsklima: Die Konjunktur springt wieder an Den vierten Monat infolge ist die Stimmung bei den Unternehmen der deutschen Wirtschaft wieder positiv und signalisiert damit eine Konjunkturwende. Wie das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) mitteilte, stieg der Geschäftsklimaindex im Juli um 1,4 auf 87,3 Punkte. Mit einer weiteren Verbesserung des Ifo-Index hatten die Experten bereits gerechnet, waren aber im Durchschnitt von einem weniger deutlichen Anstieg ausgegangen. Doch es gibt auch Warnungen von Seiten der Ifo-Experten, Euphorie zu zeigen, denn die Wirtschaft werde nicht automatisch in einen Aufschwung münden. Die Lage ist immer noch ernst und es gibt weiter große Risiken für die Konjunktur, insbesondere durch eine steigende Arbeitslosenzahl und die restriktive Kreditvergabe der Banken. Die deutschen Unternehmen scheinen aber nach dem Konjunktureinbruch wieder Boden unter den Füßen zu haben. Auch von der Industrie kommen erfreuliche Nachrichten, denn die hat zuletzt drei Monate in Folge steigende Aufträge verbucht. Produktion und Exporte legten ebenfalls zu. Zu Jahresbeginn war das Bruttoinlandsprodukt mit 3,8 Prozent so stark eingebrochen wie noch nie seit Einführung dieser Statistik 1970. Für das Frühjahrsquartal Januar bis März 2009 sagen befragte Konjunkturforscher im Schnitt ein Minus von 0,4 Prozent voraus.

 Verbraucherpreise: Negative Inflationsrate Ganz im Trend der EU sind auch die deutschen Verbraucherpreise im Juli erstmals seit mehr als 22 Jahren gefallen. Nach ersten Schätzungen auf Basis von Daten aus sechs Bundesländer gab das Statistische Bundesamt bekannt, dass das Preisniveau um 0,6 Prozent niedriger als vor einem Jahr lag. Gemessen am Vormonat sanken die Preise demnach um 0,1 Prozent. Details will das Statistische Bundesamt am 11. August nennen. Der Rückgang fiel demnach doppelt so stark aus wie von Analysten vorhergesagt und die Inflationsrate trägt damit zum ersten Mal seit 1987 wieder ein negatives Vorzeichen. Ein Rückblick in den März 1987 zeigt, damals waren die Preise im Jahresvergleich um 0,3 Prozent zurückgegangen und zwischen April 1986 und April

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1987 hatte die Inflationsrate jeden Monat zwischen null Prozent und minus 1,0 Prozent gelegen. Eine Deflation - also einen Preisverfall auf breiter Front und über einen längeren Zeitraum - befürchten die meisten Experten aber nicht. Rechnet man die Energie und Lebensmittel heraus, steigen die Preise in Summe sogar merklich. Ab Herbst erwarten Analysten wieder moderate Preissteigerungen und für 2009 insgesamt gehen die Analysten von einer Inflationsrate von 0,4 Prozent aus, für 2010 erwarten sie 1,5 Prozent.

 Konsumklima: Verbraucher weiter in Kauflaune Die Stimmung unter den deutschen Verbrauchern hat sich weiter unerwartet kräftig aufgehellt und von Konsumflaute scheint keine Spur. Die sich abschwächende Talfahrt der deutschen Wirtschaft habe zu einem Anstieg der Konjunkturerwartungen bei den Bürgern geführt, teilte die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) mit. Zudem sorgten der nachlassende Preisdruck für viele Güter und das Konjunkturpaket II für einen Anstieg von Einkommenserwartungen und Anschaffungsneigung. Vor diesem Hintergrund kletterte der GfK-Konsumklimaindex für August auf 3,5 Punkte, nach einem revidierten Wert von 3,0 im Juli. Dies ist mehr, als befragte Ökonomen erwartet hatten; für August einen Anstieg auf plus 3,0 Zähler. Damit bleibt der private Konsum derzeit wesentliche Stütze der Konjunktur und die stabilen Preise erhöhten dem Gfk-Konsumklimaindex zufolge auch die Bereitschaft zu größeren Anschaffungen. Sparen steht deshalb bei den deutschen Konsumenten nicht sehr hoch im Kurs. Doch dies könnte sich auch schnell ändern.

 Arbeitsmarkt: Das dicke Ende kommt noch Der Arbeitsmarkt hält der Wirtschaftskrise derzeit besser stand als erwartet. Wegen der massiv genutzten Kurzarbeit, derzeit arbeiten bis zu 1,4 Millionen Beschäftigte kurz, stieg die Zahl der Erwerbslosen im Juli nur halb so stark wie befürchtet. Experten rechnen aber im Herbst mit einer Entlassungswelle, falls sich die Auftragslage der Unternehmen bis dahin nicht spürbar bessert. Die Arbeitslosenzahl stieg von Juni auf Juli um 52.000 auf 3,462 Millionen, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) mitteilte. Experten hatten allerdings eine Zunahme um 100.000 erwartet. Die Rezession scheint erste Spuren zu hinterlassen, aber insgesamt sind die Auswirkungen der Wirtschaftskrise eher moderat. Als Grund wird die Kurzarbeit genannt.

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 Marktbericht

In der zweiten Jahreshälfte 2009 wollen 25% der deutschen Unternehmen Personal abbauen, so das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Ifo-Instituts. In der Industrie planen 34% der befragten Unternehmen eine Verschlankung ihres Personalstamms. Von den Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern wollen der Umfrage zufolge knapp 65% Mitarbeiter entlassen. Auch die Kurzarbeit wollen 11% der Unternehmen, in denen sie bereits läuft, fortführen. Bei 10% der Unternehmen soll sie neu eingeführt werden. Die Verlängerung der Kurzarbeit auf 24 Monate wird nach Meinung von 27% der betroffenen Unternehmen nicht ausreichen, um einen Personalabbau zu verhindern. Vor dem Hintergrund dieser Daten kann befürchtet werden, dass die Marke von vier Millionen Arbeitslosen Anfang 2010 überschritten wird.

NE-Metalle Aluminium Aluminiumpreis im Aufwind Der Aluminiumpreis zeigte im Berichtsmonat Juli eine deutliche Preisbelebung und konnte seit Anfang des Monats gut zulegen und sogar ein neues Neunmonatshoch erreichen. Als am 18.07.09 die Notierung im Vergleich zum 01.07.09 um mehr als 100 USD auf 1.718 USD stieg, bekamen die Haussiers am Markt Auftrieb, so dass dieser bis zum 25.07.09 dann nochmals zulegen konnte, denn die Börsennotierung in London verbesserte sich auf 1.805 USD. Den Auftrieb dürfte der Aluminiumpreis größtenteils den positiven ökonomischen Daten aus der Industrie verdanken, wo die meisten Stimmen von einer baldigen Erholung der Konjunktur sprechen. Den Aluminiumherstellern setzt eine schwache Nachfrage aus der Bauindustrie sowie der zurückgegangene Absatz auf dem Fahrzeugmarkt zu. Von Seiten der Verpackungsindustrie zeigt sich eine stabile Nachfrage. Etwas erstaunlich ist jedoch, dass der jüngste Preisanstieg trotz der massiven Ausweitung der LME-Lagerbestände, die sich seit Anfang September 2008 auf einen Rekord von über 4,5 Mio. Tonnen vervierfachten, und der Wiederinbetriebnahme stillgelegter Produktionskapazitäten in China stattgefunden hat. Trotz des Preisanstiegs entwickelte sich der Aluminiumpreis in den vergangenen Wochen im Vergleich mit anderen Metallen nur unterdurchschnittlich. Der Grund liegt in dem fundamentalen Faktor der Lagerhausbestände in den Lägern der Londoner

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Metallbörse, denn die Lagerbestände der Terminbörsen befinden sich mit knapp 4,5 Millionen Tonnen auf dem höchsten Stand seit Jahrzehnten. Die meisten Marktteilnehmer glauben nicht, dass der Anstieg der LMELagerbestände auf zuletzt 4.543.300 t (30.07.09) auf einen hohen Produktionsüberschuss zurückzuführen, sondern in erster Linie auf die Umklassifizierung des zuvor außerhalb der LME-Lagerhäuser gelagerten Materials begründet ist. Die in der LME eingelagerten Bestände werden von den meisten Finanzinstituten als Sicherheit akzeptiert, wenn sie einen Lagerschein (LME-Warrant) haben. Dass dies eine wichtige Rolle beim Lageraufbau spielt, zeigen Berichte, wonach bis zu 70% der gesamten LME-Lagerbestände in den langfristigen Finanzierungsgeschäften gebunden sein sollten. Auch die Tatsache, dass die Lagerbestände außerhalb des LME-Systems zuletzt nicht mehr gestiegen sind, unterstützt diese Meinung. Sollten sich die Preise weiter erholen, wird auch der Anreiz steigen, die Schmelzkapazitäten auszuweiten, was in Kombination mit den hohen Lagerbeständen zu einem Überangebot führen und den Preis negativ beeinflussen könnte. Die weitere Entwicklung ist an die tatsächliche konjunkturelle Entwicklung und das Verhalten der Aluminiumproduzenten gekoppelt. Nach Informationen des Internationalen Aluminiuminstituts ist die Produktion in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres im Vergleich mit dem Vorjahr um 7,7 Prozent auf 9,86 Millionen Tonnen gefallen. Im Mai wurden noch 1,97 Millionen Tonnen produziert, nachdem im August des vergangenen Jahres eine Spitzenmenge von knapp 2,2 Millionen Tonnen erzeugt worden war. Kurzfristig wird sich der Bullenmarkt weiter behaupten können, schon alleine, weil der NE-Metallsektor auch für Investoren und Anleger wieder interessant erscheint. Problematisch für einen anhaltend positiven Preistrend bei Aluminium könnten jedoch die sinkende chinesische Nachfrage und die hohen Lagerbestände sein.

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Quelle: FAZ

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NE-Metalle  Kupfer Trotz Höhenflug mit großem Korrekturpotential Der als Leitmetall für die Konjunktur bezeichnete Rohstoff Kupfer hat sich vom Preistief Ende 2008 bis Anfang Juni nahezu verdoppelt. Die Preisentwicklungen der ersten zwei Juli-Wochen stoppten den Aufwärtstrend jedoch erst einmal und führten zu einer leichten Korrektur nach unten. Viele Marktteilnehmer tendieren daher aktuell zum Abschluss von Kontrakten mit kurzen Laufzeiten. Als Stütze für den Preis wirkte die Bekanntgabe von BHP Billiton, man werde eine der beiden wichtigen Zerkleinerungsanlagen auf der größten Kupfermine der Welt, Escondida, für 45 Tage schließen, um defekte Teile auszutauschen. Ebenso seien außerdem Probleme bei der drittgrößten Kupfermine in Chile, Collahuasi, gemeldet worden, nachdem eine Explosion im Kontrollzentrum das Transportband funktionsunfähig gemacht hat. Zwar werden die Auswirkungen auf die Produktion und somit auf der Angebotsseite des Marktes zu spüren sein, doch sehen dies einige Analysten lediglich als Begründung, den Kupferpreis steigen zu lassen, denn sie führen den Preisanstieg in erster Linie auf spekulative Kräfte zurück. Laut LMEStatistik verfügt derzeit ein Marktteilnehmer über mehr als 50% aller LMELagerbestände. Dies erklärt auch, warum die Preise noch nicht auf den jüngsten Anstieg der LME-Kupferlagerbestände reagiert haben. Aktuell wirken sich zahlreiche "weiche Faktoren" günstig auf das Metallumfeld bei Kupfer aus. Neben der Verbesserung der wichtigsten Konjunkturindikatoren zählen hierzu auch die Erholung an den globalen Aktienmärkten, der Abwertungstrend des US-Dollars, das wiederauflebende Interesse der Investoren sowie die zwischenzeitliche Rallye an den Energiemärkten, welche wiederum mit künftig steigenden Produktionskosten assoziiert wird. In der Zeit vom 03.07. bis 15.07.09 bewegte sich das rote Metall um 5.000 USD, bevor dann am 16.07.09 die Preiserhöhung mit 5.215 USD begann und am 27.07.09 mit 5.515 USD, dem höchsten Stand seit Anfang Oktober 2008, endete. Seit Beginn des Jahres beläuft sich der Preiszuwachs am Kupfermarkt damit auf rund 2.650 USD.

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Im Mittelpunkt der beeindruckenden Preiserholung steht schon seit einigen Monaten die außergewöhnlich hohe Importnachfrage aus China. Im Falle von Kupfer hat die in ihrer Höhe bislang unerreichte und einmalige Einkaufstour Chinas nicht nur die kompletten Marktüberschüsse aus anderen Teilen der Welt absorbiert, sondern darüber hinaus auch die an der LME registrierten Lagerbestände wieder bedenklich abschmelzen lassen. Innerhalb der letzten fünf Monate haben sich die Kupferbestände in den Lägern der LME halbiert und weitere 3% sollen bereits zur Auslieferung vorgemerkt sein. Die Reichweite der LME-Kupferbestände, gemessen am Weltverbrauch, reicht nunmehr rund fünf Tage. Das zunehmende physische Interesse zeigte sich am 14.07.09 besonders stark, als die LME-Vorräte bei 256.900 t lagen und sich bis dahin um 8.825 t zum Monatsbeginn reduzierten. Doch wie schon erwähnt drehte sich der Trend des Lagerabbaus um und bis zum 30.07.09 konnte der LME-Bestand auf 278.050 t steigen. Insgesamt lag somit der Zugang im Juli bei 12.772 t. Analysten erhöhen ihre Prognosen bezüglich LME-Kupfer bereits und die Bären scheinen derzeit bei Kupfer in der Minderzahl zu sein. Die Erwartung einer kurz- bis mittelfristigen Korrektur der Kupferpreise wird jedoch weiterhin von den Marktteilnehmern bestätigt. So kann man sich auf einen spannenden und vielleicht auch volatilen Spätsommer einstellen.

Nickel Korrektur nach Höhenflug und 9-Monatshoch Die hohe Nachfrage aus China lässt die Nachfrage nach Basismetallpreisen weiterhin steigen. Entgegen den Erwartungen hat China seine Metallimporte erhöht; bei Nickel stiegen die Einfuhren im Juni um 60% im Vergleich zum Mai. Trotzdem erwarten Analysten eine baldige Preiskorrektur bei Nickel. Im Juli dürfte die chinesische Nachfrage den Erwartungen zufolge deutlich zurückgehen. Der LMEIndustriemetallindex erreichte im Juli ein neues Jahreshoch. Der Nickelpreis befindet sich seit Anfang Mai in einem kontinuierlichen Aufwärtstrend, der zwischenzeitlich von nur zwei kurzen Korrekturphasen unterbrochen wurde. Von Anfang Juli an hat Nickel in dieser Phase über 10 Prozent an Wert verloren. So fiel die LME-Notierung am 07.07.09 auf 16.225 USD und am 10.07.09 auf 14.600 USD. Aber man darf nicht vergessen, von welchem Niveau der Markt kommt. Seit Anfang Juni befindet sich der Nickelpreis in einem Aufwärtskanal, der Zuwachs seit Jahresbeginn liegt damit bei etwa 36 Prozent.

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Es bleibt die spannende Frage, ob die Korrektur nur kurzfristig gewesen ist und der Nickelpreis seinen Aufwärtstrend wieder aufnehmen kann oder ob es sich hier um eine Trendwende handelt. Die vornehmlich positiven Meldungen aus der Industrie könnten den Aufwärtstrend des Nickelpreises unterstützen, denn die konjunkturelle Entwicklung ist entscheidend für dessen weitere Entwicklung. Insbesondere die Stahlproduktion zeigt sich derzeit wieder stabil und gibt dem Nickelpreis Halt. Es zeigte sich, dass die Korrektur des Preises nicht dauerhaft war, denn seit dem Tief am 10.07.09 hat der Nickelpreis wieder an Wert gewinnen können. Am 23.07.09 konnte sich der Nickelpreis oberhalb der 16.000-USD-Dollar Linie etablieren (16.050 USD) und verbesserte sich am 25.07.09 mit 16.550 USD auf ein neues 9Monatshoch. Innerhalb von drei Monaten legte Nickel in USD knapp 35% zu. Die Analysten waren seit Jahresbeginn für Nickel sehr positiv gestimmt. Für die Marktexperten scheint die Erholung bei Nickel nachhaltiger als bei anderen Industriemetallen zu sein, weil sie ohne strategische Reservekäufe Chinas geschehe und der vorherige Preisrückgang unter 10.000 USD eine massive Untertreibung dargestellt hatte. Für den Preisanstieg sind mehrere Faktoren verantwortlich. Da Nickel im Wesentlichen als Stahllegierung verwendet wird, ist der Nickelpreis stark von der Entwicklung der Nachfrage nach rostfreiem Stahl abhängig. Hier haben die Aufträge der Industrie zuletzt in den USA und in Europa zugenommen. Die Stahlproduktion in Westeuropa, den USA und Asien ist im Juni 2009 im Vergleich zum Vormonat deutlich angestiegen, wie aus aktuellen Daten des Weltstahlverbandes hervorgeht. Der Zuwachs nährt Hoffnungen auf eine Überwindung der Nachfrageflaute. Aber auch die allgemeine Stimmung auf dem Nickelmarkt, getrieben durch Spekulanten, hat einen weiteren positiven Einfluss durch die angekündigten Wiederaufnahmen der Schmelzkapazitäten von Produzenten erfahren. Insbesondere in China sind die georderten Volumina zur Lageraufstockung verwendet worden, aber in Anbetracht der gestiegenen Lagerbestände scheint man davon auszugehen, dass die Schmelzkapazitäten im August wieder leicht rückläufig sein könnten. Der Markt hat einen Punkt erreicht, an dem die Händler und Endverbraucher den Abbau ihrer Lagerbestände beenden und damit beginnen werden, ihre Lager wieder aufzufüllen. Die Lagerbestände haben sich im Juli wie folgt entwickelt: Am 01.07.09 lagerten 96.504 t und bis zum 30.07.09 reduzierte sich der Bestand um 2.862 t auf 93.642 t. Trotz der wieder aufgenommenen Produktion in China und den moderaten Verbesserungen in den USA und in Europa werden nach Ansicht der Marktteilnehmer die Nickelvorräte in den LME Lagerhäusern in der Nähe ihrer Höchststände verbleiben.

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Der Schlüsselfaktor hinter dem jüngsten Preisanstieg bleibt jedoch das wiederkehrende Investoreninteresses an Industriemetallen, da dies als Absicherung gegen Inflationsrisiken ansehen wird. Nickel galt schon in der Vergangenheit als ein Lieblingsmetall der Spekulanten. Daher muss auch die jüngste Preisverbesserung auf Höchststände vor diesem Hintergrund interpretiert werden.

 Zink Zinkmetall konnte kräftig steigen Die Preisentwicklung im Rohstoffbereich war in den vergangenen Wochen volatil und da konnte sich auch Zink nicht von ausnehmen. Das hat einerseits mit der Wirtschafts- und Finanzkrise zu tun, die die physische Nachfrage nach Energie- und vielen anderen Rohstoffen dämpft. Aber auf der anderen Seite ist eine Nachfragesteigerung deutlich zu erkennen, getrieben durch die Konjunkturprogramme der Industrienationen, die vielfach den Bausektor, ein Haupteinsatzgebiet von Zink, betreffen. Die Zinkpreise sind seit Ende Februar 2009 um 61 Prozent gestiegen und konnten dabei von Produktionskürzungen der Bergwerke und Schmelzbetriebe sowie von chinesischen Käufen profitieren. Im Berichtsmonat konnte sich der Preistrend zunächst nicht fortsetzten. Vom 01.07.09 bis zum 15.07.09 fiel die LME-Notierung von 1.523 USD auf 1.480 USD und eine charttechnische Widerstandslinie wurde nach unten durchbrochen. Durch die positiven Nachfrageeffekte und spekulative Interessen von Rohstofffonds verbesserte sich die Zinknotierung an der London Metal Exchange bis zum 27.07.09 auf 1.685 USD. Im Handel wird von einer leichten Belebung des Geschäftes gesprochen, da u. a. langfristige Kontrakte geschlossen wurden und die Nachfrage nach Schrott in einigen Regionen angestiegen ist. Auch hier sieht man positive Signale in der Bauwirtschaft und es wird erwartet, dass sich im weiteren Jahresverlauf ein positiver Nachfrageeffekt einstellt. Die sichtbaren Zinkbestände in den Lagerhäusern der LME lagen zuletzt mit 393.425 t nahezu bei 400.000 t. Im Monatsverlauf reduzierten sich die Vorräte erst von 353.375 t auf 351.150 t (12.07.09), doch der gesamte Lageraufbau im Juli betrug 40.050 t, was zeigt, dass mehr als ausreichend Zink vorhanden ist. Nach jüngsten Informationen der Internationalen Blei- und Zinkstudiengruppe weist der Weltmarkt per April 2009 einen Überschuss von 203.000 t auf. Die weltweite Gesamtproduktion lag bei 3.490.000 t, der Zinkverbrauch belief sich auf 3.287.000 t.

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Analysten zufolge werde der Angebotsüberschuss am Zinkmarkt im Jahr 2010 zurückgehen und möglicherweise einer ausgeglichenen bis defizitären Bilanz zwischen Angebot und Nachfrage in 2011 weichen. Für die Nachfrage rechnen asiatische Produzenten in den Jahren 2009/2010 mit einem Wachstum um bis zu 12 %. Die weitere Preisentwicklung wird auch in den nächsten Monaten maßgeblich von den chinesischen Käufen abhängen, jedoch könnten diese auch mittelfristig zurückgehen, denn wie bei Kupfer gilt auch bei Zink, dass die Chinesen sehr empfindlich auf Preisveränderungen reagieren. Wegen der deutlich gestiegenen Preise und der Tatsache, dass die strategischen und kommerziellen Lagerbestände nun auf erhöhten Niveaus angelangt seien, ist dieser Faktor nicht zu vernachlässigen. Optimisten erwarten, dass sich die Zinkpreise oberhalb von 1.600 USD stabilisieren. Andere Stimmen sehen allerdings den Markt wieder in Nähe der 1.500 USD-Widerstandslinie zurückgehen.

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Informationsservice für den Metallhandel Herausgeber: Müller & Sohn GmbH & Co. KG Metall-Aufbereitungswerk Harkortstraße 22 D-45549 Sprockhövel-Haßlinghausen Telefon: Fax: E-Mail: Internet:

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07-2009

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Die Weltwirtschaft Viele Ökonomen sind inzwischen der Ansicht, dass die Rezession an ihrem Tiefpunkt angelangt ist. Die Thesen sprechen davon, dass es keinen einheitlichen und gradlinigen Aufwärtspfad der gesamten Wirtschaft geben wird, jedoch hat sich global die konjunkturelle Schockstarre gelöst. Die jüngsten Konjunkturdaten stützen die positiven Erwartungen, z. B. wie der Anstieg der Auftragseingänge der deutschen Industrie und der Industrieproduktion sowie ein beschleunigtes Wachstum in Asien. Die Experten warnen jedoch gleichzeitig vor zu viel Optimismus und schließen auch mögliche kurzfristige Rückschläge in den Volkswirtschaften nicht aus.

US-Regierung ist zuversichtlich für die Konjunkturentwicklung Obwohl die US-Wirtschaft nach den Worten von Präsident Barack Obama im zweiten Quartal weiter geschrumpft ist, hat die US-Regierung sich zuversichtlich über die weitere Entwicklung der Konjunktur in den kommenden Quartalen geäußert. Es gibt einige Zeichen für einen Aufschwung, doch ist der Punkt noch nicht erreicht, um von einem anhaltenden Wirtschaftswachstum zu sprechen. Im ersten Quartal war die USWirtschaft nicht so stark eingebrochen wie zunächst erwartet. Von Januar bis März sank das BIP der weltgrößten Volkswirtschaft mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 5,5 Prozent und nicht wie angenommen von 5,7 Prozent. Nach Einschätzung der US-Notenbank Fed wird die Arbeitslosenquote in diesem Jahr in den USA auf einen Wert zwischen 9,7 und 10,1 Prozent steigen. Noch im April war die Fed davon ausgegangen, dass die Marke von zehn Prozent nicht übersprungen wird. Die Rückführung der Arbeitslosigkeit ist eines der größten Probleme und auch Ziele der amerikanischen Wirtschaft, insbesondere da diese im direkten Zusammenhang mit dem Konsumklima und der Binnennachfrage steht. Bei früheren Rezessionen konnte die US-Wirtschaft stets auf die Konsumenten zählen. Im zweiten Quartal ist der private Konsum um 1,2 Prozent zurückgegangen.

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Von daher muss man noch von einem sehr verhaltenen Optimismus in der amerikanischen Wirtschaft sprechen.

 Die Hoffnung trägt China Die internationalen Anleger und Analysten wetten schon seit Monaten intensiv darauf, dass sich die chinesische Wirtschaft rasant von ihrer Schwäche erholt und zur Konjunkturlokomotive für die Weltwirtschaft wird. Dazu sollen vor allem die extrem lockere Geldpolitik des Landes und das sehr große Ausgabenprogramm zur Ankurbelung der Wirtschaft von mehr als 500 Milliarden Dollar beitragen. Ein anderer Punkt, mit dem insbesondere die Anleger beschäftigt sind, ist die rasante Zunahme der chinesischen Währungsreserven. Nach jüngsten Angaben der chinesischen Zentralbank haben sie nach einer Zunahme um 187 Milliarden Dollar im zweiten Quartal die gigantische Summe von 2.132 Milliarden US-Dollar erreicht. China versucht, dem Zufluss spekulativer Gelder entgegen zu wirken, indem es chinesischen Firmen erlaubt, im Ausland erzielte Gewinne dort zu belassen. Gleichzeitig werden die auflaufenden Währungsreserven nicht mehr so stark wie in der Vergangenheit in amerikanische Staatsanleihen investiert. Stattdessen lautet die Strategie der Regierung, weltweit Unternehmen zu übernehmen oder Rohstoffe zu horten. Schon alleine im ersten Quartal importierte das Land gewaltige Mengen an Eisenerz, Industriemetallen und anderen Rohstoffen. Teilnehmer der Rohstoffmärkte befürchten, sollten noch mehr Gelder in diese engen Märkte fließen, dürften sie unweigerlich wieder die Preise für Rohstoffe nach oben treiben und auf diese Weise das Preisgefüge weltweit in Bewegung bringen und die Märkte extrem beeinflussen. Laut der Veröffentlichung der Zentralbank in Peking sind die chinesischen Zahlen für das Bruttoinlandsprodukt im 2. Quartal 2009 aufs Jahr hochgerechnet und saisonbereinigt zum Vorquartal um 14,9 Prozent gestiegen. Damit ist die Wachstumsdynamik noch stärker als von vielen erwartet. Die kräftige Steigerung ist vielmehr ein deutliches Signal dafür, dass China den konjunkturellen Wendepunkt wohl endgültig geschafft hat und das Wachstumstempo auch im nächsten Quartal voraussichtlich ähnlich hoch bleiben wird. Das Reich der Mitte hat den Einbruch im Exportgeschäft durch einen Aufschwung auf dem Binnenmarkt aufgefangen, der durch milliardenschwere Konjunkturprogramme angeschoben wurde. China wird damit immer stärker zum Hoffnungsträger für die lahmende Weltwirtschaft. Das sehen mittlerweile auch die USA so, denn auf dem chinesisch-amerikanischen Dialogforum in Washington ermutigte US-Finanzminister Timothy Geithner die Volksrepublik China ausdrücklich, den Konsum der weit mehr als einer Milliarde Chinesen weiter anzuregen. Wohl nicht ganz ohne Eigennutz für die amerikanische Wirtschaft.

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Quelle: FAZ

Europa  Inflation in der Euro-Zone sinkt unter Null Seit Einführung der gemeinsamen Währung ist die jährliche Teuerungsrate im Eurogebiet unter Null gefallen. Sie betrug im Juni minus 0,1 Prozent nach 0,0 Prozent im Vormonat. Damit bestätigte die europäische Statistikbehörde Eurostat eine erste eigene Schätzung von Ende Juni. Es sanken vor allem die Preise für Benzin, Heizöl, und auch für Grundnahrungsmittel wie Milch und Käse sowie für audiovisuelle Geräte. In der gesamten EU sank die Teuerungsrate um 0,2 Punkte auf 0,6 Prozent.

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Zur Erinnerung: Vor einem Jahr hatte die Rate im Eurogebiet 4,0 Prozent betragen, in der EU 4,3 Prozent. Damals hat wahrscheinlich kaum einer diese Wende erwartet. Die Teuerung liegt damit deutlich unter der Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB), doch die Notenbank sieht die Preisstabilität bei einer Jahresrate von knapp unter zwei Prozent als gewährleistet an.

 Kreditklemme? Einem Bericht des Handelsblatts zufolge sind die Möglichkeiten der Bundesregierung, die Kreditvergabe der Banken an deutsche Unternehmen anzukurbeln, begrenzt. Die Experten erwarten, obwohl die Europäische Zentralbank die Banken mit Liquidität überschwemmt, spätestens im Herbst eine drohende Kreditklemme. Mittel- bis langfristige Finanzierungen sind bereits jetzt für Unternehmen, und nicht nur den Mittelstand, ein Problem. Das ist Angaben zu Folge der bedeutendste Rückgang seit dem Jahre 2003. Die Rezession führt offenbar verstärkt zu einer rückläufigen Kreditvergabe der Banken an Unternehmen. Im Euro-Land sank das Volumen der Unternehmenskredite von Mai bis Juni 2009 um rund 35 Mrd. Euro auf 4.788 Mrd. Euro, so gab die Europäische Zentralbank bekannt. Auch die Geldmenge M3 verzeichnet seit Monaten rückläufige Wachstumsraten. Für viele Banker ist ein Rückgang der Kredite in der Rezession schwer zu vermeiden, jedoch sagen sie auch, dass weder von einer generellen Kreditklemme die Rede sein könne, noch von einer generellen Verweigerung der Banken. Nicht von der Hand zu weisen ist, dass die deutschen Großunternehmen häufiger über eine zurückhaltende Kreditvergabe als kleine Unternehmen klagen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Ifo-Instituts unter knapp 1.100 Gesellschaften. Demnach konstatierten im Juni 2009 immerhin 50,9 Prozent der Großunternehmen eine restriktive Kreditvergabe der Banken gegenüber 17,3 Prozent im August 2008. Von den kleinen Unternehmen beklagten im Juni 2009 knapp 40 Prozent eine restriktive Kreditvergabe gegenüber 30,6 Prozent im August vergangenen Jahres.

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Deutschland  Geschäftsklima: Die Konjunktur springt wieder an Den vierten Monat infolge ist die Stimmung bei den Unternehmen der deutschen Wirtschaft wieder positiv und signalisiert damit eine Konjunkturwende. Wie das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) mitteilte, stieg der Geschäftsklimaindex im Juli um 1,4 auf 87,3 Punkte. Mit einer weiteren Verbesserung des Ifo-Index hatten die Experten bereits gerechnet, waren aber im Durchschnitt von einem weniger deutlichen Anstieg ausgegangen. Doch es gibt auch Warnungen von Seiten der Ifo-Experten, Euphorie zu zeigen, denn die Wirtschaft werde nicht automatisch in einen Aufschwung münden. Die Lage ist immer noch ernst und es gibt weiter große Risiken für die Konjunktur, insbesondere durch eine steigende Arbeitslosenzahl und die restriktive Kreditvergabe der Banken. Die deutschen Unternehmen scheinen aber nach dem Konjunktureinbruch wieder Boden unter den Füßen zu haben. Auch von der Industrie kommen erfreuliche Nachrichten, denn die hat zuletzt drei Monate in Folge steigende Aufträge verbucht. Produktion und Exporte legten ebenfalls zu. Zu Jahresbeginn war das Bruttoinlandsprodukt mit 3,8 Prozent so stark eingebrochen wie noch nie seit Einführung dieser Statistik 1970. Für das Frühjahrsquartal Januar bis März 2009 sagen befragte Konjunkturforscher im Schnitt ein Minus von 0,4 Prozent voraus.

 Verbraucherpreise: Negative Inflationsrate Ganz im Trend der EU sind auch die deutschen Verbraucherpreise im Juli erstmals seit mehr als 22 Jahren gefallen. Nach ersten Schätzungen auf Basis von Daten aus sechs Bundesländer gab das Statistische Bundesamt bekannt, dass das Preisniveau um 0,6 Prozent niedriger als vor einem Jahr lag. Gemessen am Vormonat sanken die Preise demnach um 0,1 Prozent. Details will das Statistische Bundesamt am 11. August nennen. Der Rückgang fiel demnach doppelt so stark aus wie von Analysten vorhergesagt und die Inflationsrate trägt damit zum ersten Mal seit 1987 wieder ein negatives Vorzeichen. Ein Rückblick in den März 1987 zeigt, damals waren die Preise im Jahresvergleich um 0,3 Prozent zurückgegangen und zwischen April 1986 und April

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1987 hatte die Inflationsrate jeden Monat zwischen null Prozent und minus 1,0 Prozent gelegen. Eine Deflation - also einen Preisverfall auf breiter Front und über einen längeren Zeitraum - befürchten die meisten Experten aber nicht. Rechnet man die Energie und Lebensmittel heraus, steigen die Preise in Summe sogar merklich. Ab Herbst erwarten Analysten wieder moderate Preissteigerungen und für 2009 insgesamt gehen die Analysten von einer Inflationsrate von 0,4 Prozent aus, für 2010 erwarten sie 1,5 Prozent.

 Konsumklima: Verbraucher weiter in Kauflaune Die Stimmung unter den deutschen Verbrauchern hat sich weiter unerwartet kräftig aufgehellt und von Konsumflaute scheint keine Spur. Die sich abschwächende Talfahrt der deutschen Wirtschaft habe zu einem Anstieg der Konjunkturerwartungen bei den Bürgern geführt, teilte die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) mit. Zudem sorgten der nachlassende Preisdruck für viele Güter und das Konjunkturpaket II für einen Anstieg von Einkommenserwartungen und Anschaffungsneigung. Vor diesem Hintergrund kletterte der GfK-Konsumklimaindex für August auf 3,5 Punkte, nach einem revidierten Wert von 3,0 im Juli. Dies ist mehr, als befragte Ökonomen erwartet hatten; für August einen Anstieg auf plus 3,0 Zähler. Damit bleibt der private Konsum derzeit wesentliche Stütze der Konjunktur und die stabilen Preise erhöhten dem Gfk-Konsumklimaindex zufolge auch die Bereitschaft zu größeren Anschaffungen. Sparen steht deshalb bei den deutschen Konsumenten nicht sehr hoch im Kurs. Doch dies könnte sich auch schnell ändern.

 Arbeitsmarkt: Das dicke Ende kommt noch Der Arbeitsmarkt hält der Wirtschaftskrise derzeit besser stand als erwartet. Wegen der massiv genutzten Kurzarbeit, derzeit arbeiten bis zu 1,4 Millionen Beschäftigte kurz, stieg die Zahl der Erwerbslosen im Juli nur halb so stark wie befürchtet. Experten rechnen aber im Herbst mit einer Entlassungswelle, falls sich die Auftragslage der Unternehmen bis dahin nicht spürbar bessert. Die Arbeitslosenzahl stieg von Juni auf Juli um 52.000 auf 3,462 Millionen, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) mitteilte. Experten hatten allerdings eine Zunahme um 100.000 erwartet. Die Rezession scheint erste Spuren zu hinterlassen, aber insgesamt sind die Auswirkungen der Wirtschaftskrise eher moderat. Als Grund wird die Kurzarbeit genannt.

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 Marktbericht

In der zweiten Jahreshälfte 2009 wollen 25% der deutschen Unternehmen Personal abbauen, so das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Ifo-Instituts. In der Industrie planen 34% der befragten Unternehmen eine Verschlankung ihres Personalstamms. Von den Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern wollen der Umfrage zufolge knapp 65% Mitarbeiter entlassen. Auch die Kurzarbeit wollen 11% der Unternehmen, in denen sie bereits läuft, fortführen. Bei 10% der Unternehmen soll sie neu eingeführt werden. Die Verlängerung der Kurzarbeit auf 24 Monate wird nach Meinung von 27% der betroffenen Unternehmen nicht ausreichen, um einen Personalabbau zu verhindern. Vor dem Hintergrund dieser Daten kann befürchtet werden, dass die Marke von vier Millionen Arbeitslosen Anfang 2010 überschritten wird.

NE-Metalle Aluminium Aluminiumpreis im Aufwind Der Aluminiumpreis zeigte im Berichtsmonat Juli eine deutliche Preisbelebung und konnte seit Anfang des Monats gut zulegen und sogar ein neues Neunmonatshoch erreichen. Als am 18.07.09 die Notierung im Vergleich zum 01.07.09 um mehr als 100 USD auf 1.718 USD stieg, bekamen die Haussiers am Markt Auftrieb, so dass dieser bis zum 25.07.09 dann nochmals zulegen konnte, denn die Börsennotierung in London verbesserte sich auf 1.805 USD. Den Auftrieb dürfte der Aluminiumpreis größtenteils den positiven ökonomischen Daten aus der Industrie verdanken, wo die meisten Stimmen von einer baldigen Erholung der Konjunktur sprechen. Den Aluminiumherstellern setzt eine schwache Nachfrage aus der Bauindustrie sowie der zurückgegangene Absatz auf dem Fahrzeugmarkt zu. Von Seiten der Verpackungsindustrie zeigt sich eine stabile Nachfrage. Etwas erstaunlich ist jedoch, dass der jüngste Preisanstieg trotz der massiven Ausweitung der LME-Lagerbestände, die sich seit Anfang September 2008 auf einen Rekord von über 4,5 Mio. Tonnen vervierfachten, und der Wiederinbetriebnahme stillgelegter Produktionskapazitäten in China stattgefunden hat. Trotz des Preisanstiegs entwickelte sich der Aluminiumpreis in den vergangenen Wochen im Vergleich mit anderen Metallen nur unterdurchschnittlich. Der Grund liegt in dem fundamentalen Faktor der Lagerhausbestände in den Lägern der Londoner

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Metallbörse, denn die Lagerbestände der Terminbörsen befinden sich mit knapp 4,5 Millionen Tonnen auf dem höchsten Stand seit Jahrzehnten. Die meisten Marktteilnehmer glauben nicht, dass der Anstieg der LMELagerbestände auf zuletzt 4.543.300 t (30.07.09) auf einen hohen Produktionsüberschuss zurückzuführen, sondern in erster Linie auf die Umklassifizierung des zuvor außerhalb der LME-Lagerhäuser gelagerten Materials begründet ist. Die in der LME eingelagerten Bestände werden von den meisten Finanzinstituten als Sicherheit akzeptiert, wenn sie einen Lagerschein (LME-Warrant) haben. Dass dies eine wichtige Rolle beim Lageraufbau spielt, zeigen Berichte, wonach bis zu 70% der gesamten LME-Lagerbestände in den langfristigen Finanzierungsgeschäften gebunden sein sollten. Auch die Tatsache, dass die Lagerbestände außerhalb des LME-Systems zuletzt nicht mehr gestiegen sind, unterstützt diese Meinung. Sollten sich die Preise weiter erholen, wird auch der Anreiz steigen, die Schmelzkapazitäten auszuweiten, was in Kombination mit den hohen Lagerbeständen zu einem Überangebot führen und den Preis negativ beeinflussen könnte. Die weitere Entwicklung ist an die tatsächliche konjunkturelle Entwicklung und das Verhalten der Aluminiumproduzenten gekoppelt. Nach Informationen des Internationalen Aluminiuminstituts ist die Produktion in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres im Vergleich mit dem Vorjahr um 7,7 Prozent auf 9,86 Millionen Tonnen gefallen. Im Mai wurden noch 1,97 Millionen Tonnen produziert, nachdem im August des vergangenen Jahres eine Spitzenmenge von knapp 2,2 Millionen Tonnen erzeugt worden war. Kurzfristig wird sich der Bullenmarkt weiter behaupten können, schon alleine, weil der NE-Metallsektor auch für Investoren und Anleger wieder interessant erscheint. Problematisch für einen anhaltend positiven Preistrend bei Aluminium könnten jedoch die sinkende chinesische Nachfrage und die hohen Lagerbestände sein.

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Quelle: FAZ

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NE-Metalle  Kupfer Trotz Höhenflug mit großem Korrekturpotential Der als Leitmetall für die Konjunktur bezeichnete Rohstoff Kupfer hat sich vom Preistief Ende 2008 bis Anfang Juni nahezu verdoppelt. Die Preisentwicklungen der ersten zwei Juli-Wochen stoppten den Aufwärtstrend jedoch erst einmal und führten zu einer leichten Korrektur nach unten. Viele Marktteilnehmer tendieren daher aktuell zum Abschluss von Kontrakten mit kurzen Laufzeiten. Als Stütze für den Preis wirkte die Bekanntgabe von BHP Billiton, man werde eine der beiden wichtigen Zerkleinerungsanlagen auf der größten Kupfermine der Welt, Escondida, für 45 Tage schließen, um defekte Teile auszutauschen. Ebenso seien außerdem Probleme bei der drittgrößten Kupfermine in Chile, Collahuasi, gemeldet worden, nachdem eine Explosion im Kontrollzentrum das Transportband funktionsunfähig gemacht hat. Zwar werden die Auswirkungen auf die Produktion und somit auf der Angebotsseite des Marktes zu spüren sein, doch sehen dies einige Analysten lediglich als Begründung, den Kupferpreis steigen zu lassen, denn sie führen den Preisanstieg in erster Linie auf spekulative Kräfte zurück. Laut LMEStatistik verfügt derzeit ein Marktteilnehmer über mehr als 50% aller LMELagerbestände. Dies erklärt auch, warum die Preise noch nicht auf den jüngsten Anstieg der LME-Kupferlagerbestände reagiert haben. Aktuell wirken sich zahlreiche "weiche Faktoren" günstig auf das Metallumfeld bei Kupfer aus. Neben der Verbesserung der wichtigsten Konjunkturindikatoren zählen hierzu auch die Erholung an den globalen Aktienmärkten, der Abwertungstrend des US-Dollars, das wiederauflebende Interesse der Investoren sowie die zwischenzeitliche Rallye an den Energiemärkten, welche wiederum mit künftig steigenden Produktionskosten assoziiert wird. In der Zeit vom 03.07. bis 15.07.09 bewegte sich das rote Metall um 5.000 USD, bevor dann am 16.07.09 die Preiserhöhung mit 5.215 USD begann und am 27.07.09 mit 5.515 USD, dem höchsten Stand seit Anfang Oktober 2008, endete. Seit Beginn des Jahres beläuft sich der Preiszuwachs am Kupfermarkt damit auf rund 2.650 USD.

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Im Mittelpunkt der beeindruckenden Preiserholung steht schon seit einigen Monaten die außergewöhnlich hohe Importnachfrage aus China. Im Falle von Kupfer hat die in ihrer Höhe bislang unerreichte und einmalige Einkaufstour Chinas nicht nur die kompletten Marktüberschüsse aus anderen Teilen der Welt absorbiert, sondern darüber hinaus auch die an der LME registrierten Lagerbestände wieder bedenklich abschmelzen lassen. Innerhalb der letzten fünf Monate haben sich die Kupferbestände in den Lägern der LME halbiert und weitere 3% sollen bereits zur Auslieferung vorgemerkt sein. Die Reichweite der LME-Kupferbestände, gemessen am Weltverbrauch, reicht nunmehr rund fünf Tage. Das zunehmende physische Interesse zeigte sich am 14.07.09 besonders stark, als die LME-Vorräte bei 256.900 t lagen und sich bis dahin um 8.825 t zum Monatsbeginn reduzierten. Doch wie schon erwähnt drehte sich der Trend des Lagerabbaus um und bis zum 30.07.09 konnte der LME-Bestand auf 278.050 t steigen. Insgesamt lag somit der Zugang im Juli bei 12.772 t. Analysten erhöhen ihre Prognosen bezüglich LME-Kupfer bereits und die Bären scheinen derzeit bei Kupfer in der Minderzahl zu sein. Die Erwartung einer kurz- bis mittelfristigen Korrektur der Kupferpreise wird jedoch weiterhin von den Marktteilnehmern bestätigt. So kann man sich auf einen spannenden und vielleicht auch volatilen Spätsommer einstellen.

Nickel Korrektur nach Höhenflug und 9-Monatshoch Die hohe Nachfrage aus China lässt die Nachfrage nach Basismetallpreisen weiterhin steigen. Entgegen den Erwartungen hat China seine Metallimporte erhöht; bei Nickel stiegen die Einfuhren im Juni um 60% im Vergleich zum Mai. Trotzdem erwarten Analysten eine baldige Preiskorrektur bei Nickel. Im Juli dürfte die chinesische Nachfrage den Erwartungen zufolge deutlich zurückgehen. Der LMEIndustriemetallindex erreichte im Juli ein neues Jahreshoch. Der Nickelpreis befindet sich seit Anfang Mai in einem kontinuierlichen Aufwärtstrend, der zwischenzeitlich von nur zwei kurzen Korrekturphasen unterbrochen wurde. Von Anfang Juli an hat Nickel in dieser Phase über 10 Prozent an Wert verloren. So fiel die LME-Notierung am 07.07.09 auf 16.225 USD und am 10.07.09 auf 14.600 USD. Aber man darf nicht vergessen, von welchem Niveau der Markt kommt. Seit Anfang Juni befindet sich der Nickelpreis in einem Aufwärtskanal, der Zuwachs seit Jahresbeginn liegt damit bei etwa 36 Prozent.

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Es bleibt die spannende Frage, ob die Korrektur nur kurzfristig gewesen ist und der Nickelpreis seinen Aufwärtstrend wieder aufnehmen kann oder ob es sich hier um eine Trendwende handelt. Die vornehmlich positiven Meldungen aus der Industrie könnten den Aufwärtstrend des Nickelpreises unterstützen, denn die konjunkturelle Entwicklung ist entscheidend für dessen weitere Entwicklung. Insbesondere die Stahlproduktion zeigt sich derzeit wieder stabil und gibt dem Nickelpreis Halt. Es zeigte sich, dass die Korrektur des Preises nicht dauerhaft war, denn seit dem Tief am 10.07.09 hat der Nickelpreis wieder an Wert gewinnen können. Am 23.07.09 konnte sich der Nickelpreis oberhalb der 16.000-USD-Dollar Linie etablieren (16.050 USD) und verbesserte sich am 25.07.09 mit 16.550 USD auf ein neues 9Monatshoch. Innerhalb von drei Monaten legte Nickel in USD knapp 35% zu. Die Analysten waren seit Jahresbeginn für Nickel sehr positiv gestimmt. Für die Marktexperten scheint die Erholung bei Nickel nachhaltiger als bei anderen Industriemetallen zu sein, weil sie ohne strategische Reservekäufe Chinas geschehe und der vorherige Preisrückgang unter 10.000 USD eine massive Untertreibung dargestellt hatte. Für den Preisanstieg sind mehrere Faktoren verantwortlich. Da Nickel im Wesentlichen als Stahllegierung verwendet wird, ist der Nickelpreis stark von der Entwicklung der Nachfrage nach rostfreiem Stahl abhängig. Hier haben die Aufträge der Industrie zuletzt in den USA und in Europa zugenommen. Die Stahlproduktion in Westeuropa, den USA und Asien ist im Juni 2009 im Vergleich zum Vormonat deutlich angestiegen, wie aus aktuellen Daten des Weltstahlverbandes hervorgeht. Der Zuwachs nährt Hoffnungen auf eine Überwindung der Nachfrageflaute. Aber auch die allgemeine Stimmung auf dem Nickelmarkt, getrieben durch Spekulanten, hat einen weiteren positiven Einfluss durch die angekündigten Wiederaufnahmen der Schmelzkapazitäten von Produzenten erfahren. Insbesondere in China sind die georderten Volumina zur Lageraufstockung verwendet worden, aber in Anbetracht der gestiegenen Lagerbestände scheint man davon auszugehen, dass die Schmelzkapazitäten im August wieder leicht rückläufig sein könnten. Der Markt hat einen Punkt erreicht, an dem die Händler und Endverbraucher den Abbau ihrer Lagerbestände beenden und damit beginnen werden, ihre Lager wieder aufzufüllen. Die Lagerbestände haben sich im Juli wie folgt entwickelt: Am 01.07.09 lagerten 96.504 t und bis zum 30.07.09 reduzierte sich der Bestand um 2.862 t auf 93.642 t. Trotz der wieder aufgenommenen Produktion in China und den moderaten Verbesserungen in den USA und in Europa werden nach Ansicht der Marktteilnehmer die Nickelvorräte in den LME Lagerhäusern in der Nähe ihrer Höchststände verbleiben.

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Der Schlüsselfaktor hinter dem jüngsten Preisanstieg bleibt jedoch das wiederkehrende Investoreninteresses an Industriemetallen, da dies als Absicherung gegen Inflationsrisiken ansehen wird. Nickel galt schon in der Vergangenheit als ein Lieblingsmetall der Spekulanten. Daher muss auch die jüngste Preisverbesserung auf Höchststände vor diesem Hintergrund interpretiert werden.

 Zink Zinkmetall konnte kräftig steigen Die Preisentwicklung im Rohstoffbereich war in den vergangenen Wochen volatil und da konnte sich auch Zink nicht von ausnehmen. Das hat einerseits mit der Wirtschafts- und Finanzkrise zu tun, die die physische Nachfrage nach Energie- und vielen anderen Rohstoffen dämpft. Aber auf der anderen Seite ist eine Nachfragesteigerung deutlich zu erkennen, getrieben durch die Konjunkturprogramme der Industrienationen, die vielfach den Bausektor, ein Haupteinsatzgebiet von Zink, betreffen. Die Zinkpreise sind seit Ende Februar 2009 um 61 Prozent gestiegen und konnten dabei von Produktionskürzungen der Bergwerke und Schmelzbetriebe sowie von chinesischen Käufen profitieren. Im Berichtsmonat konnte sich der Preistrend zunächst nicht fortsetzten. Vom 01.07.09 bis zum 15.07.09 fiel die LME-Notierung von 1.523 USD auf 1.480 USD und eine charttechnische Widerstandslinie wurde nach unten durchbrochen. Durch die positiven Nachfrageeffekte und spekulative Interessen von Rohstofffonds verbesserte sich die Zinknotierung an der London Metal Exchange bis zum 27.07.09 auf 1.685 USD. Im Handel wird von einer leichten Belebung des Geschäftes gesprochen, da u. a. langfristige Kontrakte geschlossen wurden und die Nachfrage nach Schrott in einigen Regionen angestiegen ist. Auch hier sieht man positive Signale in der Bauwirtschaft und es wird erwartet, dass sich im weiteren Jahresverlauf ein positiver Nachfrageeffekt einstellt. Die sichtbaren Zinkbestände in den Lagerhäusern der LME lagen zuletzt mit 393.425 t nahezu bei 400.000 t. Im Monatsverlauf reduzierten sich die Vorräte erst von 353.375 t auf 351.150 t (12.07.09), doch der gesamte Lageraufbau im Juli betrug 40.050 t, was zeigt, dass mehr als ausreichend Zink vorhanden ist. Nach jüngsten Informationen der Internationalen Blei- und Zinkstudiengruppe weist der Weltmarkt per April 2009 einen Überschuss von 203.000 t auf. Die weltweite Gesamtproduktion lag bei 3.490.000 t, der Zinkverbrauch belief sich auf 3.287.000 t.

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Analysten zufolge werde der Angebotsüberschuss am Zinkmarkt im Jahr 2010 zurückgehen und möglicherweise einer ausgeglichenen bis defizitären Bilanz zwischen Angebot und Nachfrage in 2011 weichen. Für die Nachfrage rechnen asiatische Produzenten in den Jahren 2009/2010 mit einem Wachstum um bis zu 12 %. Die weitere Preisentwicklung wird auch in den nächsten Monaten maßgeblich von den chinesischen Käufen abhängen, jedoch könnten diese auch mittelfristig zurückgehen, denn wie bei Kupfer gilt auch bei Zink, dass die Chinesen sehr empfindlich auf Preisveränderungen reagieren. Wegen der deutlich gestiegenen Preise und der Tatsache, dass die strategischen und kommerziellen Lagerbestände nun auf erhöhten Niveaus angelangt seien, ist dieser Faktor nicht zu vernachlässigen. Optimisten erwarten, dass sich die Zinkpreise oberhalb von 1.600 USD stabilisieren. Andere Stimmen sehen allerdings den Markt wieder in Nähe der 1.500 USD-Widerstandslinie zurückgehen.

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Informationsservice für den Metallhandel Herausgeber: Müller & Sohn GmbH & Co. KG Metall-Aufbereitungswerk Harkortstraße 22 D-45549 Sprockhövel-Haßlinghausen Telefon: Fax: E-Mail: Internet:

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Marktbericht Juli 2009