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Konzerte Wissenschaft Museen

Magazin zur Mozartwoche Salzburg. August 2017


Pappas ist stolzer Partner der Mozartwoche 2018

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EditoriAl

Für mehr Wertschätzung und gegenseitige Akzeptanz – Mozart zeigt Wege auf „Toleranz ist ein Wort, das ich nicht mag“, so der libanesische Autor Amin Maalouf 2004 in einem Standard-Interview, und weiter: „Respekt ist das Wort, das ich vorziehe. Aber immer ein gegenseitiger Respekt, gegenseitige Akzeptanz. Eine klare Festlegung der Regeln des Vertrags. Jeder braucht die vollen Rechte. Eine Gesellschaft, die mir nicht alle Rechte zugesteht, kann von mir keinen Respekt, keine Loyalität verlangen...“ Lassen sich diese Worte nicht nahezu spiegelgleich auf Mozarts Denken und Handeln übertragen? War es nicht Mozart, der auf vielfältigste Weise über bloße Toleranz hinaus Respekt und gegenseitige Akzeptanz eingefordert hat? Ihm, dem die demütigenden Grenzen seines eigenen Standes immer wieder aufgezeigt wurden, dessen Dienst- und Abhängigkeitsverhältnis (wenn auch schlussendlich zu seiner Genugtuung) respektlos, ja geradezu entwürdigend geendet hat. Mozarts und auch Maaloufs Schrei nach Respekt und gegenseitiger Akzeptanz ist zeitlos – heute in einer Zeit des Populismus, des Extremen, ja des (täglichen) Terrors, genauso aktuell wie 1782, dem Entstehungsjahr von Mozarts „Entführung aus dem Serail“ (und nur wenige Jahre vor Beginn der französischen Revolution) oder 1990, dem Ende des Libanesischen Bürgerkriegs. Wirklich genauso aktuell, oder hat sich nicht doch – zumindest in unseren Breiten – das eine oder andere zum Besseren gewandelt? Im Kleinen ja, in der Art, wie wir – und dazu gehört auch die Stiftung Mozarteum Salzburg – unsere Beziehungen pflegen und sie verbessern. Im Großen nein. Nichts soll und wird uns davon abhalten, unsere kulturelle Beziehungspflege weiter zu verbessern, auszudehnen und zu verbreiten. Nur so können wir Zeichen setzen! Dass das im Namen Mozarts geschieht, ist Herausforderung und Freude zugleich, für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stiftung Mozarteum, genauso für alle Künstlerinnen und Künstler, die teilweise seit Jahrzehnten auf das Engste mit der Stiftung Mozarteum und der Mozartwoche verbunden sind. In diesen Kreis sind auch Sie als Leser von MOZART 52 einzubeziehen, alle Mitglieder, Förderer und Mäzene, die der Stiftung Mozarteum seit Jahren ihr Vertrauen schenken, alle Mozartgemeinden und Kulturinstitutionen, die – jeder und jede auf seine Weise – zeigen, wie vielfältig Mozart erlebt und vermittelt werden kann. Was uns alle verbindet: nicht nur Mozarts Musik, sondern auch und ganz besonders sein humanitärer Geist, der auf gegenseitigen Respekt und gegenseitige Akzeptanz baut.

For more appreciation and mutual acceptance – Mozart shows us ways... “Tolerance is a word I do not like”, said Lebanese writer Amin Maalouf in an interview with the Standard newspaper in 2004; he added: “Respect is the word I prefer. But always mutual respect, mutual acceptance. Establishing clear rules for the contract. Each side needs full rights. A society that does not grant me full rights can demand from me no respect, no loyalty...” Do not these words reflect almost exactly how Mozart thought and acted? Was it not Mozart who – in diverse ways – called for respect and mutual acceptance, far beyond mere tolerance? Mozart, who was repeatedly made to feel the humiliating limits of his own status, and whose dependent employment situation ended without respect, indeed degradingly – although ultimately quite gratifyingly. Mozart’s and Maalouf’s call for respect and mutual acceptance is timeless – today, in an age of populism, of extremism, even (daily) terrorism, it is just as relevant as it was in 1782, when Mozart wrote Die Entführung aus dem Serail (and only a few years before the start of the French Revolution) or in 1990, the end of the Lebanese civil war. Really just as relevant, or haven’t some things – at least in our part of the world – changed for the better? On the small scale, yes, in the sense that we – and this includes the Salzburg Mozarteum Foundation – cultivate and improve our ties and relationships. On the large scale, no. Nothing – but nothing – will deter us from continuing in our efforts to cultivate and expand our cultural ties. This is the only way to generate positive accents. For all Mozarteum Foundation colleagues and artists – some of whom have been closely associated for decades with the Foundation and the Mozart Week – the fact that these efforts are made in the name of Mozart is both a joy and a challenge. You, as a reader of MOZART 52, are part of this circle, together with all members, sponsors and patrons who have remained loyal to the Salzburg Mozarteum Foundation for years, all Mozart associations and cultural institutions which – each in their own way – demonstrate the multifarious ways of experiencing and imparting Mozart. What brings us all together is not only Mozart’s music, but in particular his humanitarian spirit, based as it is on mutual respect and acceptance. Johannes Honsig-Erlenburg Präsident der Stiftung Mozarteum Salzburg / President of the Salzburg Mozarteum Foundation


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VORWORT

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DAS EMANZIPIERTE ICH

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Andrea Moses inszeniert „Die Entführung aus dem Serail“

„DIE ANGST WEGLACHEN“

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René Jacobs und „Die Entführung aus dem Serail“

BASSA IN SALZBURG

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Peter Lohmeyer im Gespräch

DREI OPERNCHEFS

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Die Wiener Philharmoniker bei der Mozartwoche 2018

MIT MOZART AUFWACHSEN

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Alain Altinoglu im Gespräch

„100 MANN ZUM UNISONO BRINGEN“

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Kristiina Poska im Gespräch

IN MUSIK ÜBERSETZT: MOZART!

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Rolando Villazón

„MIT KINDLICHER FREUDE“

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Porträt Jörg Widmann

MOZARTS LONDONER BACH

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Mozarteumorchester Salzburg und Riccardo Minasi

DARAUS LÄSST SICH LERNEN!

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Klaviermusik bei der Mozartwoche 2018

EIN FILIGRANES, LEICHTES KLEID

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Marlis Petersen im Gespräch

DIE HOHE KUNST DES KONZERTIERENS

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Sir John Eliot Gardiner

BACH? REINER MOZART!

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Schumann Quartett und B’Rock

MUSIK IM KOPF UND IM HERZEN

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Saisonkonzerte 2017/18

BESTÄNDIGE ZEIT

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Dialoge 2017

REISE NACH MEDELLÍN

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UNWÄGBARKEITEN

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Der Nachlass der Mozart-Söhne

„ETWELCHE ANECTODEN...“

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Nannerl-Brief aus dem Jahr 1799

MOZART IN TOKIO

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Ausstellung und Konzerte

KALENDARISCHE ÜBERSISCHT

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Mozartwoche 2018

IMPRESSUM

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Partner in Education der Stiftung Mozarteum Salzburg


liebe leserinnen und leser, liebe Musikfreunde, es freut mich sehr, Sie als Intendantin der Mozartwoche 2018 durch dieses besondere Festival begleiten zu dürfen. An keinem Ort ist der Geist Mozarts so lebendig wie in seiner Geburtsstadt Salzburg. Hier erinnern zahlreiche Straßen, Plätze und Häuser an ihn und hier hat sich seit Jahrzehnten mit der Mozartwoche das in seiner Form weltweit einzigartige Mozart-Festival rund um seinen Geburtstag etabliert. Im Rahmen der Mozartwoche geht es mir darum, die unterschiedlichen Seiten von Mozarts Persönlichkeit aufzuzeigen, ebenso auf bisher weniger Beachtetes hinzuweisen. Und zwar nicht allein durch exemplarische Aufführungen seiner Werke, sondern auch durch seine Instrumente und seine Briefe, die eine ganz persönliche Form der Mitteilung sind. Alle diese Möglichkeiten stehen der Stiftung Mozarteum zur Verfügung – ein einmaliger Schatz. 1781 hat sich Mozart von seinem Vater gelöst, Salzburg verlassen und ist nach Wien gezogen. Dort hat er umgehend mit seinem pianistischen Können Furore gemacht, aber auch, 1782, mit einer neuen Oper: dem Singspiel „Die Entführung aus dem Serail“. Mit diesem Werk werden wir die Mozartwoche 2018 eröffnen. 1782 ist auch das Jahr, in dem Mozart Constanze Weber heiratet, im Salon Baron van Swietens die Partituren Johann Sebastian Bachs kennenlernt und sich mit dem Komponieren von Fugen beschäftigt. Dieser biographische Ausschnitt aus Mozarts Leben steht im Mittelpunkt der Mozartwoche 2018. Im Haus für Mozart kommt eine Neuinszenierung der „Entführung aus dem Serail“ unter der musikalischen Leitung von René Jacobs zur Aufführung, Regie führt Andrea Moses. Es ist eine doppelte Premiere, denn René Jacobs hat bisher keine szenische Aufführung der „Entführung“ dirigiert und Andrea Moses gibt mit dieser Produktion ihr Salzburger Regie-Debüt. Mit der „Entführung aus dem Serail“ verbindet Mozart nicht nur auf neuartige Weise Elemente der Opera seria und der Opera buffa, sondern zeigt mit der Figur des Bassa Selim einen Herrscher, der ebenfalls neue Wege beschreitet. Denn am Ende gibt er dem Sohn seines Erzfeindes die Freiheit. Vergebung statt Vergeltung. Eine Rede der Schriftstellerin Eva Menasse zum „Auftakt“ der Mozartwoche und ein Round Table-Gespräch mit dem Philosophen und Publizisten Richard David Precht werden dieses Thema begleiten. Es gehört zur Tradition der Mozartwoche, das Werk des Genius Loci aus immer wieder anderen Blickwinkeln zu präsentieren, neue, bisher unbekannte Verbindungen und Perspektiven aufzuzeigen, aber auch dem Neuen gebührend Platz einzuräumen. Etwa, wenn bei der Mozartwoche 2018 die drei Konzerte der Wiener Philharmoniker von drei Dirigenten geleitet werden, von denen zwei ihr Debüt mit diesem Orchester geben und die neben Mozart Werke aufführen, die auf ihre persönliche Biographie hinweisen. So bringt der junge Franzose Alain Altinoglu, Musikdirektor der Brüsseler Oper, Georges Bizets Mozart-nahe einzige Symphonie mit, der Musikdirektor von Glyndebourne, Robin Ticciati, das Elgar-Violinkonzert und Valery Gergiev, Intendant des St. Petersburger Mariinsky-Theaters, erinnert mit „Mozartiana“ von Tschaikowsky an dessen 125. Todestag. Wie unterschiedlich Mozart interpretiert werden kann, werden neben den großen Orchestern auch zahlreiche Pianisten zeigen – wie Sir András Schiff, Daniel Barenboim, Robert Levin, Piotr Anderszewski in diesem Jahr erstmalig im Konzert mit den Wiener Philharmonikern, Kit Armstrong oder der Mozartwoche-Debütant David Fray. Erstmals bei der Mozartwoche vertreten sind auch die weltweit gefeierte Sopranistin Marlis Petersen und das junge Schumann Quartett. Rolando Villazón nimmt in diesem Jahr seine Tätigkeit als Mozart-Botschafter der Stiftung Mozarteum Salzburg auf. In seinem Konzert beschäftigt er sich mit der Beziehung zwischen Constanze und Wolfgang Amadé Mozart. Dabei widmet er sich auch dem Briefwechsel zwischen den beiden und zeigt damit, was Mozart zu dieser Zeit persönlich beschäftigt und geprägt hat. Im Rahmen des neuen Formats „Porträt“ wird uns Jörg Widmann auf vielseitige Weise durch die Mozartwoche begleiten. Er wird sich als Komponist, Dirigent und Klarinettenvirtuose präsentieren. Wir stellen die österreichische Erstaufführung seines Klarinettenquintetts dem Mozarts gegenüber und werden beim Hören erleben, wie sehr Mozart bis heute richtungsweisend ist. Dieser Dialog verspricht eine spannende Auseinandersetzung mit Mozarts Werk im Spiegel einer zeitgenössischen Komposition. Ich wünsche Ihnen eine an Entdeckungen reiche Mozartwoche 2018, die uns Mozarts Vielfalt, Einzigartigkeit und seinen Einfluss bis in die Gegenwart noch deutlicher erkennen lassen soll. Wir freuen uns auf Ihren Besuch und wünschen Ihnen viel Vergnügen beim Lesen und bei zahlreichen Künstlerbegegnungen in diesem Magazin!

Maren Hofmeister


dear readers, dear music-lovers, It gives me great pleasure, as the artistic director of the Mozart Week 2018, to accompany you through this very special festival. Nowhere is the spirit of Mozart so alive as in his native town of Salzburg, where he is remembered in the names of streets, squares and houses. The Mozart Week, held around his birthday, has for decades been established as a unique form of Mozart festival. My aim for the Mozart Week is to demonstrate the diverse aspects of Mozart’s personality, focusing on points that have hitherto been accorded less attention – illustrating these not only through performances of his works, but also through his instruments and his letters, which are a very personal form of expression. The Salzburg Mozarteum Foundation has all these possibilities to hand – an unparalleled treasure-trove. In 1781, Mozart cut loose from his father, left Salzburg and moved to Vienna, where he soon caused a sensation with his skill as a pianist, as well as, in 1782, with a new opera: the Singspiel Die Entführung aus dem Serail. This work will open the 2018 Mozart Week. 1782 was also the year in which Mozart married Constanze Weber, encountered the manuscripts of Johann Sebastian Bach in Baron van Swieten’s salon and set himself to composing fugues. This period of Mozart’s life is the focus of the 2018 Mozart Week programme. René Jacobs will conduct a new production of Die Entführung aus dem Serail in the Haus für Mozart, with Andrea Moses as stage director. This is a double première, since Jacobs has not yet conducted a stage performance of the Entführung, and the production will be Andrea Moses’s Salzburg début as director. In the Entführung, Mozart not only presented a novel combination of elements from both opera seria and opera buffa, but also, with the character of the Pasha Selim, a ruler who trod equally new territory – for in the end he sets free his arch-enemy’s son. Forgiveness, not retribution. This theme will also be the subject of an address by writer Eva Menasse as part of the “prelude” to the Mozart Week, and a round-table discussion with philosopher and journalist Richard David Precht. It is a tradition of the Mozart Week to present the composer’s work from a variety of viewpoints, highlighting previously unknown links and perspectives, while allowing due scope for innovation. For instance, in 2018 the three Vienna Philharmonic concerts will see three different conductors on the podium, two of them for the first time, juxtaposing Mozart with works from their own personal repertoire. French conductor Alain Altinoglu, music director of La Monnaie in Brussels, brings with him Georges Bizet’s sole, Mozartian symphony; Robin Ticciati, music director of Glyndebourne, conducts Elgar’s violin concerto; and Valery Gergiev, artistic director of the St. Petersburg Mariinsky Theatre, marks the 125th anniversary of Tchaikovsky’s death with a performance of his Mozartiana. The sheer diversity of Mozart interpretation will be displayed not only by the orchestral concerts, but also by numerous pianists including Sir András Schiff, Daniel Barenboim, Robert Levin, Piotr Anderszewski (now performing for the first time with the Vienna Philharmonic), Kit Armstrong and David Fray (making his Mozart Week début). Other Mozart Week “firsts” are the celebrated soprano Marlis Petersen and the young Schumann Quartet. This year, Rolando Villazón takes up his function as Mozart Ambassador. His concert with young musicians will focus on the relationship between Constanze and Wolfgang Amadé, and particularly on their correspondence, which shows Mozart’s personal and musical concerns during these formative years. In our new format, Portrait, Jörg Widmann – composer, conductor and clarinet virtuoso – will guide audiences through the Mozart Week. The juxtaposition of the Austrian première of his Clarinet Quintet with that of Mozart will demonstrate just how far-reaching Mozart’s influence remains. This dialogue promises a fascinating exploration of Mozart’s work as reflected in a contemporary composition. My best wishes to you for an exciting festival of discoveries highlighting Mozart’s versatility, uniqueness and continuing influence. We look forward to welcoming you at the Mozart Week, and hope you will enjoy reading about the artists. Sincerely,

Maren Hofmeister


© Martin Walz


Andrea Moses, geboren in Dresden, studierte Regie und Schauspiel an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin und an der Russischen Akademie für Theaterkunst (GITIS) in Moskau. „... gesellschaftlich ge- und verformte Menschenkinder“, sieht sie in den Figuren der „Entführung aus dem Serail“, die sie bei der Mozartwoche 2018 inszenieren wird.

dAS EMANzipiErtE icH Andrea Moses inszeniert „die Entführung aus dem Serail“ von Mozart.

Für Norbert Elias ist der Einfluss der Gesellschaft auf das Werden und Sein des Individuums ganz wesentlich. Dieser Zusammenhang zwischen der Sozio- und Psychogenese des Menschen zieht sich durch sämtliche Schriften des 1990 verstorbenen Soziologen: von Über den Prozess der Zivilisation aus dem Jahr 1939 bis zu Die Gesellschaft der Individuen von 1987. Auch auf Mozart hat Elias diese Sicht übertragen. In seiner Skizze Mozart – Zur Soziologie eines Genies zeichnet er das Porträt eines Komponisten, der in seinem Schaffen gegen den höfischaristokratischen Geschmack seiner Zeit klar aufbegehrte: allen voran in der Entführung aus dem Serail. In dem Singspiel von 1781/82 hört Elias eine „Verschiebung der Machtbalance“, weil ein „gleichberechtigter Dialog“ zwischen den Stimmen und dem Orchester erwachse. „Mozart verstörte die höfische Gesellschaft, die in der Oper gewohnt war, mit den menschlichen Stimmen mitzufühlen und nicht mit dem gleichzeitigen Orchester.“ Deswe-

gen habe der Auftraggeber, Kaiser Joseph II., moniert, die Partitur enthalte „zu viele Noten“. Für Elias war Mozart der erste Komponist, der sich in Wien als wahrlich freier, selbstständiger Künstler zu behaupten versucht habe. Er sei gescheitert, weil sich erst in der nächsten Generation, der von Beethoven also, die sozialen Verhältnisse geändert hätten. Genau hier setzt Andrea Moses an. Für die Regisseurin, bekannt für ihre genaue Analyse musikalischer wie soziopsychologischer Vorgänge und ihre gleichzeitig politische Herangehensweise, erscheint Mozart „immer wie ein Zeitgenosse“. Damit meint die gebürtige Dresdnerin nicht zuletzt die „Zeitlosigkeit der zwischenmenschlichen Konflikte“ in dessen Schaffen. In diesem Sinn erblickt sie in Mozart einen Aufklärer, der „bürgerliche Tugenden“ mobilisiert habe. Ähnlich wie in den Ausführungen von Elias spielt dabei Kaiser Joseph II., Auftraggeber der Entführung, eine zentrale Rolle.

Für Moses fungiert „Mozarts Aufklärungswille“ auch als Spiegel für den Kaiser, womit sie auf die „Wiener HofProblematik“ anspielt. „Mozart stand im Spagat zwischen Gefallen-Wollen und seinem Anspruch der Fürstenerziehung“, so Andrea Moses, und diese Erziehung habe ebenso die konkrete Politik berührt. Und dann ist da die damalige Flut von sogenannten „Türkenopern“, zu der gemeinhin auch die Entführung gezählt wird: Mit ihr wurde des dreimaligen Triumphes über die Türken vor den Toren Wiens gedacht, nämlich 1529, 1683 und zuletzt 1716. Tatsächlich sollte ursprünglich mit dem „Türkenkrieg“ ab 1788 der Machtbereich des Sultans bis hinter den Bosporus zurückgedrängt werden. „Mozart wird hier deutlich und setzt dagegen die morgenländische Philosophie in Szene, die nicht vordergründig auf Rache und Vergeltung aus ist“, folgert Moses. Das alles geschehe aber eher unterschwellig, denn: Schlagbegriffe wie „Morgenland“ oder „Abendland“ sind in Mozarts Entführung eher

DIE ENTFÜHRUNG AUS DEM SERAIL

Marco Frei

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Lilac ©

Leopold Neumayr ©

Tatjana Dachsel ©

Fr 26. JÄNNEr #02 PREMIERE di 30. JÄNNEr #13 Fr 2. FEBrUAr #23 jeweils 19.30, Haus für Mozart MOZART DIE ENTFÜHRUNG AUS DEM SERAIL KV 384 Deutsches Singspiel in drei Aufzügen, mit englischen Übertiteln

RENÉ JACOBS DIRIGENT ANDREA MOSES REGIE JAN PAPPELBAUM BÜHNE SVENJA GASSEN KOSTÜME OLAF FREESE LICHT ALOIS GLASSNER CHOREINSTUDIERUNG PETER LOHMEYER BASSA SELIM ROBIN JOHANNSEN KONSTANZE SUNHAE IM BLONDE SEBASTIAN KOHLHEPP BELMONTE JULIAN PRÉGARDIEN PEDRILLO DAVID STEFFENS OSMIN AKADEMIE FÜR ALTE MUSIK BERLIN SALZBURGER BACHCHOR

DIE ENTFÜHRUNG AUS DEM SERAIL

Einführungsvorträge jeweils 18.30 Großes Festspielhaus

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„poetische Fiktionen denn konkret-historisch-gesellschaftliche Ortsbestimmungen“. Zwar sei die Entführung durchaus ein „Stück über Europäer in der Türkei, die in die Hand eines Moslems geraten sind, der vor seiner Konvertierung Christ war“: also in Bassa Selims Hand. Aber: Auch er ist für Moses zuvorderst Teil eines „Figurenensembles“, in der „jede erdachte Figur ihren Part“ spiele. „Meine zentrale Aufgabe ist es, dieses künstlerische Miteinander, ein fingiertes Gegeneinander, für den Zuschauer einsichtsvoll und überraschend zu organisieren.“ So scheint sich in diesem „Figurenensemble“ Bassa Selim, der in seinem Landhaus die Braut Belmontes, also Konstanze, festhält, am wenigsten wohl zu fühlen, so Moses. In seinem Handeln erblickt sie auch den Versuch, die eigene Geschichte aufzuarbeiten: die „schlechten Erinnerungen an sein erstes Leben in der abendländischen Gesellschaft“ zu tilgen, die ihn ins Morgenland zwangen. „Dafür erfindet man Kunst, um Vergangenes aufzuarbeiten.“ Es sind „Warn-Bilder, Karikaturen, Grotesken, tragische Masken, psychologische Konterfeis“, kurz: „gesellschaftlich ge- und verformte Menschenkinder“, die für Moses auf der Bühne entstehen. Das gilt auch für Osmin, den Aufseher Bassas, der gerne als „wütender Christenfresser“ gezeichnet wird. Für Moses ist er theaterhistorisch „der ‚Schwarze‘, der ‚Teufel‘ oder ‚Harlekin‘: der ‚Agent provocateur‘, losgelassen auf das Publikum, um es wirklich in Angst und Schrecken zu versetzen, zum Vergnügen aller.“ Bei Mozart sei Osmin insofern eine Karikatur, als er die „falsche Furcht vor dem Fremden“ denunziere. Osmin als Zerrbild des nichtaufgeklärten Menschen: Auch hierin äußert sich das Subversive in Mozarts Entführung. „Mozart gestaltet in den Buffo-Szenen Charaktere, die er als so intellektuell eingeschränkt


Marco Borggrece ©

Julia Wesely ©

Die Protagonisten in Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“ in der Regie von Andrea Moses und unter der musikalischen Leitung von René Jacobs mit der Akademie für Alte Musik Berlin und dem Salzburger Bachchor im Haus für Mozart (v.l.n.r): robin Johannsen (Konstanze), peter lohmeyer (Bassa Selim), Sunhae im (Blonde), Sebastian Kohlhepp (Belmonte), Julian prégardien (Pedrillo) und david Steffens (Osmin). Interviews mit René Jacobs und Peter Lohmeyer finden Sie auf den folgenden Seiten.

Deswegen steht Andrea Moses auch allen Deutungen skeptisch gegenüber, die aus Osmin einen Islamisten machen. Natürlich muss eine „verbindlich-politische Interpretation“ entwickelt werden, indem man den Stoff „in Bezug zu den Konflikten unserer Gegenwart“ setzt, sagt sie, aber: „Das passiert nicht durch eine schlichte Aktualisierung in den ästhetischen Mitteln.“ Deswegen wendet sich Moses vielmehr den Personen selbst zu, zumal der persönlichen Vergangenheit der Hauptfigur, die die Handlung auslöst.

sönliche und folgenreiche Kränkung durch den Vater des Belmonte, von wesentlicher Bedeutung: da das Private politisch und das Politische privat ist. Wir betreiben eine Art Ursachenforschung. Dadurch erscheint der hochaktuelle Aspekt der konkurrierenden Religionen eher wie eine Art Maskierung persönlicher Absichten oder der ‚clash of cultures‘ überhaupt als unreflektierte Ersatzhandlung. Tiefe, lebenlange Verletzung und empfundener Verrat sind die treibenden Motive.“ Letztlich gilt dies ebenso für die anderen Figuren, so auch für Osmin. „Auch er handelt nicht nur aus seinem kulturellen Gewordensein heraus, sondern immer in Wechselwirkung mit den anderen. Ich suche den eher behutsamen Umgang mit den Figuren“, eine Synthese von Sozio- und Psychogenese also, im Grunde ähnlich wie dies Elias in seinen Schriften skizziert.

In dieser Synthese spielen für Moses die Solisten freilich eine ganz zentrale Rolle. Zwar hat sie mit den Sängern „Für unsere Erzählung ist die Vorge- der jetzigen Besetzung in Salzburg noch schichte des Bassa Selim, seine per- nicht direkt gearbeitet, kennt diese

aber alle aus verschiedenen Aufführungen, Konzerten oder persönlichen Begegnungen: „eine großartige Besetzung.“ Überdies haben Sebastian Kohlhepp (Belmonte) sowie David Steffens (Osmin) in Repertoireaufführungen von Produktionen mitgewirkt, die von Moses für die Oper Stuttgart inszeniert worden waren. „Eine indirekte Begegnung, über die ich mich sehr freue, da sie uns schon eine Art Basis für die Zusammenarbeit an der Entführung verspricht. Und natürlich bin ich sehr gespannt auf Peter Lohmeyer als Bassa Selim!“ Eine ganz wesentliche Rolle spielt für Andrea Moses nicht zuletzt die Zusammenarbeit mit René Jacobs. Als Pionier der historischen Aufführungspraxis ist Jacobs bekannt für eher rasche Tempi sowie eine Artikulation und Phrasierung, die dem Geist des Tanzes verbunden ist: ganz anders eben als romantisierende Sichtweisen, die im späten 19. Jahrhundert bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts das vorherrschende Ideal der Interpretation darstellten. Jacobs kennt die zentralen Quellen aus der Zeit Mozarts, die für die Exegese der Interpretation

DIE ENTFÜHRUNG AUS DEM SERAIL

darstellt, dass sie nur recht eindimensional die Welt anschauen und deshalb Abbilder aller möglichen radikalen Denkgewohnheiten werden“, erklärt Moses. „Was damals helles Lachen ermöglichte, als Feier des Triumphes der einen über die andere Kultur, und so auch die Funktion hatte, die wiederkehrenden Ängste vor dem Fremden zu bewältigen, kann bei unserer heutigen Weltlage natürlich nicht mehr so einfach gezeigt und abgerufen werden.“

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Wolfgang Lienbacher (2) ©

Erste Bauprobe in Salzburg im Frühjahr 2017 für „Die Entführung aus dem Serail“ bei der Mozartwoche 2018 mit dem Leading Team, Mitarbeitern und Bühnentechnikern. Links: Dirigent rené Jacobs mit Regisseurin Andrea Moses; rechts: Intendantin Maren Hofmeister und rené Jacobs.

von fundamentaler Bedeutung sind: nicht nur Briefe und Probenberichte, sondern auch die gewichtige Violinschule von Leopold Mozart.

deshalb ein sehr guter und hochgeschätzter Partner für Moses, die in ihren Regiearbeiten stets von der Musik ausgeht. „Aktuelle Probleme werden in der Politik gelöst – oder nicht. In seiner genauen und konzentrierten Wir können und sollen im Theater helBehandlung der Musik ist René Jacobs fen, über Politik nachzudenken; also

Gedanken freisetzen, Phantasie und bürgerliche Tugenden mobilisieren, Was-wäre-wenn-Fragen zulassen, Hoffnung, auf Vernunft gegründet, stärken.“ Die Musik Mozarts kann dies zum Klingen bringen: auch als Stimme für das emanzipierte Ich.

DIE ENTFÜHRUNG AUS DEM SERAIL

SUMMARY

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Norbert Elias regarded Mozart as the first composer who attempted to make his way in Vienna as a freelance, truly independent musician. He failed because it was not until the next generation – that of Beethoven – that social conditions had changed. This is the starting-point for Dresdenborn stage director Andrea Moses – well-known for her decisive musical, socio-psychological and political approach – who always considers Mozart “as a contemporary”. Here she refers not least to the “timelessness of the interpersonal conflicts” in his work. In her production of Mozart’s Die Entführung aus dem Serail, Moses turns her attention primarily to the characters themselves, in particular to the personal background of the main protagonist who triggers the action. “For our narrative, the previous history of the Pasha Selim, the momentous personal wrong done to him by Belmonte’s father, is fundamental – the private is political, the political private. We are carrying out a kind of root cause analysis. This makes the highly topical aspect of the rival religions seem more like a masking of personal intentions, or the very clash of cultures as an unconsidered substitute action. The motivations are a profound lifelong feeling of injury and betrayal.” This ultimately applies also to the other characters, including Osmin. “He, too, acts not only out of what his culture has made him, but always interacting with the others. I try to aim at a more circumspect treatment of the characters” – a synthesis of socio- and psychogenesis. Moses holds that “current problems are solved in politics – or not; in the theatre we can and should encourage thinking about politics, in order to liberate ideas and mobilise imagination and civil virtues, to allow thought experiments and support hope grounded on rationality.” The theatre as a platform for the emancipated self.


„diE ANGSt WEGlAcHEN“ René Jacobs und sein erstes Dirigat einer szenischen Produktion von Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“

»... BIS ZUM HOHEN E – ICH FINDE, DAS MUSS WIE EINE BOMBE KLINGEN.«

rENé JAcoBS iM GESprÄcH mit Walter Weidringer

Vokal in dieser Tiefe, sehr viele Sänger ändern daher die Reihenfolge der Wörter und singen dann statt: „Denn nun hab’ ich vor euch Ruh’!“ lieber: „Denn nun hab ich Ruh’ vor euch!“ Natürlich ist das acht Takte lang ausgehaltene tiefe D ein Symbol für diese Ruhe, weshalb man das nicht voneinander trennen kann. Glücklicherweise haben wir auch für unsere Bühnenproduktion in Salzburg einen Osmin gefunden, der den Ton auf dem richtigen Vokal singen kann: David Steffens. Neben Konstanze und osmin muss aber auch Belmonte koloraturfähig und wendig sein. Absolut, deshalb werden bei ihm ja oft Arien gestrichen. Seine erste, bekannteste verlangt noch nicht viel Koloratur, aber es wird dann schrittweise mehr, die so genannte „Baumeister“-Arie („Ich baue ganz auf deine Stärke“) ist am schwierigsten. Dieser Unterschied ist von Mozart so gewollt: Konstanze hat Koloraturen

von Anfang an, aber Belmonte wächst in seiner Liebe, die Musik zeichnet ihn mit steigendem Mut, wie wir es bei Sebastian Kohlhepp erleben werden. Bei Konstanze sind die wahnwitzigen Koloraturen eher ein Symbol für ihren Kampf mit sich selbst, weil sie nicht zugeben will, dass sie doch eine Zuneigung zu Bassa Selim hegt. Sie ist in Spanien als braves katholisches Mädchen erzogen worden, sie will und darf sich ihre Liebe zu ihm nicht eingestehen. Ähnelt das der Fiordiligi und ihrer „Felsen“-Arie, „come scoglio“? Die beiden sind vergleichbar, aber Fiordiligi nimmt eine Pose ein, weshalb auch diese großen Sprünge in ihrer Gesangslinie erscheinen. Konstanze posiert weniger, ihre Gefühle sind unmittelbarer. Ich habe dafür eine sehr pure Stimme gesucht und sie bei Robin Johannsen gefunden. Ausschlaggebend war für mich die „Martern“-Arie: Natürlich sind da viele Koloraturen verlangt, aber sie muss

RENÉ JACOBS

Herr Jacobs, Mozarts „die Entführung aus dem Serail“, bei ihrer Uraufführung 1782 am Wiener Burgtheater ein großer Erfolg, steht heute ein bisschen im Schatten, einerseits zwischen „idomeneo“ und den da-ponte-opern, andererseits als Singspiel neben der „zauberflöte“. Sie haben sich zeit mit dem Stück gelassen – warum? Es stimmt, dass ich lange gewartet habe. Das Grundproblem ist, dass die „Entführung“ schwer zu besetzen ist. Mozart verlangt extreme Virtuosität vor allem von Konstanze und Osmin. Vor meiner CD-Aufnahme haben mir zehn Sänger für den Osmin vorgesungen, einige sehr gut, und alle hatten auch das tiefe D – aber nicht auf dem richtigen Vokal. Zwar bin ich nicht jemand, der findet, dass die extremen Noten auch extrem wichtig sind, denn das Wichtigste ist und bleibt die Interpretation. Aber man muss dieses tiefe D haben – und Mozart will den Ton auf das Wort „Ruh’“. Das U ist jedoch nicht gerade der einfachste

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rené Jacobs ist von der Musikkritik mit Preisen überhäuft worden, in Europa ebenso wie in den USA. Besucher der Mozartwoche haben ihn hier seit 2009, als er erstmals im Großen Saal der Stiftung Mozarteum das Freiburger Barockorchester (und den RIAS Kammerchor) leitete, kennen- und schätzen gelernt. Zur Mozartwoche 2010 kehrte er mit den Freiburgern und dem Countertenor Andreas Scholl zurück, 2011 folgte eine konzertante „Zauberflöte“ (mit Sunhae Im als Papagena), 2012 leitete er die Camerata Salzburg und Jörg Widmann; bei der Mozartwoche 2014 war er zuletzt mit dem Freiburger Barockorchester und herausragenden Solisten in einem großen Chor-Orchesterkonzert zu erleben.

auch sehr instrumental singen können. Es gibt dieses Concertino mit vier Soloinstrumenten, und sie ist gleichsam das fünfte. Mozart schreibt da fast eine Cadenza a cinque, die an die c-Moll-Messe erinnert: Dieser Moment bekommt etwas Religiöses. Ich wollte eine pure Stimme, die nicht forciert, der die hohen D leicht fallen. Es gibt zwar ein Publikum, das den Kampf um gewisse Töne aufregend findet, aber Mozart hat das eingestandenermaßen „für die geläufige Gurgel“ von Caterina Cavalieri geschrieben und sie nicht überfordert damit.

Ich bin nicht sicher, dass die Blonde leichter sein muss als die Konstanze. Auf der CD-Einspielung ist es fast umgekehrt, in Salzburg macht es Sunhae Im, mit der ich schon lange zusammenarbeite. Sie hat als echte Soubrette begonnen, aber mittlerweile wird ihre Stimme immer lyrischer, sie hat bereits Ilia in Mozarts „Idomeneo“ mit mir gemacht. Sie muss ein einziges Mal höher hinauf als die Konstanze, bis zum hohen E – ich finde, das muss wie eine Bombe klingen, wie etwas, das nicht mehr nur schön ist! –, und einmal sogar bis zum tiefen A hinunter. Das ist in einer komödiantischen Arie, in der sie den OsWie unterscheidet sich davon Blon- min übertrumpfen will: „Du singst de, die oft leichter besetzt wird als tief? Ich kann genau so tief hinundie Konstanze? Wenn Sie jetzt von ter!“ – Das ist buffonesk. dieser eine leichte, reine Höhe fordern, was bedeutet das für die ande- Aus dieser Figur spricht außerdem etwas Emanzipatorisches. re partie?

Ja – wobei die Frage offen bleibt, ob sie wirklich Engländerin ist: Sie sagt es von sich, aber Mozart schreibt zum Beispiel in einem Brief über sich, er sei ein „Erz Engelländer“! Ich bin deshalb nicht sicher, ob es bei Blonde wirklich wörtlich oder doch nur metaphorisch gemeint ist. Jedenfalls ist sie sehr emanzipiert. ist pedrillo daneben ein reiner Spieltenor? Ich habe ein bisschen Probleme mit dieser Fachbezeichnung, die wie die anderen erst im frühen 20. Jahrhundert definiert worden ist. Er muss sehr gut singen können. Oft gibt man sich mit einem Sänger zufrieden, der ein weniger angenehmes Timbre hat. Wieder geht es um hohe Noten: In diesem Fall fixiert man sich auf das eine hohe H in seiner Arie „Frisch zum Kampfe“. Dabei ist er ein echter Angstha-

RENÉ JACOBS

SUMMARY

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“Laughing away fear” It has taken René Jacobs a long time to embark on a performance of Die Entführung; it is hard, he says, to find the right combination of singers. Konstanze and Osmin, in particular, demand extreme virtuosity. He has found the ideal pure soprano in Robin Johannsen, who effortlessly matches the instrumental concertino in the “Martern” aria. His Osmin, David Steffens, can hold the eight-measure low D on the syllable “Ruh”. Sebastian Kohlhepp as Belmonte, on the other hand, has to demonstrate in his music the dramatic development of how love enables his courage to grow. The spirited Blonde, sung by Sunhae Im, requires a wide range – both vocally, from high E to low A, and from dramatic to burlesque. Pedrillo – a coward at heart, though he tries to demonstrate his fearlessness – must also be a very good singer, but since he has the most dialogue, he needs a pleasant speaking voice. Here Julian Prégardien offers the full expressive range. The only non-singing role is that of Pasha Selim, who embodies the basic themes of the opera: tolerance and forgiveness. He is solitary, has suffered much, his love for Konstanze is unrequited – and he cannot, as the others do, give musical expression to his feelings. Possibly he speaks all the more honestly; director Andrea Moses will certainly take the opportunity to bring out a distinctive contrast. The orchestra includes Turkish instruments – triangle, cymbals, bass drum – and here, in addition, the Turkish crescent, which belonged in the Turkish military band. Turkish themes had become popular since the Ottoman siege of Vienna over a century previously. Mozart deliberately made Osmin a caricature, designed to “laugh away” people’s lingering fears of the exotic menace. The dialogues will be slightly modernised and provided with a background of hammerklavier or Turkish instruments. The actual abduction, the climax of the action where the janissaries are called in, takes place in a long, very humorous spoken scene which is often severely abridged. It will be adapted for the present stage production.


Ben Wright

Molina Visuals ©

im orchester spielen besondere türkische instrumente: triangel, tschinellen, große trommel. Birgt das spezielle probleme? Die Instrumente sind alle verfügbar. Ich werde sogar eines zusätzlich benutzen, das Mozart eigentlich nicht vorschreibt, aber in der Aufführungsgeschichte sehr bald eine Rolle gespielt hat: den Schellenbaum. Er war Teil dessen, was Mozart „türkische Musik“ nennt, ein Instrument der osmanischen Militärkapellen. Er hat teilweise die Triangeln ersetzt, die in der Partitur ohne genaue Zahl, aber jedenfalls im Plural verlangt sind – vielleicht drei oder fünf? Mit einem Schellenbaum beantwortet sich diese Frage von selbst. Was bedeutet die damalige popularität türkischer Sujets?

RENÉ JACOBS

Er bekommt also Angst vor der eigenen courage? Ja! „Hab’ ich das geschafft?“, fragt er sich perplex. Es ist kein heroischer Ton! Und man muss bei seiner Rolle besonders aufpassen, wenn man, so wie wir, die Dialoge ernst nimmt und sie auch verwenden wird. Wir werden zwar einige Striche machen, aber nicht so viele. Pedrillo hat den meisten Dialogtext: Dazu braucht er auch eine angenehme Sprechstimme. Julian Prégardien ist kein Opernroutinier, sondern ein wunderbarer Liedsänger und wie sein Vater auch ein hervorragender Evangelist: Er kann musikalisch sprechen und erzählen. Ich finde seine Stimme sehr ange- Vielleicht wollte Mozart neben Osmin nehm im Gesang wie im Dialog. nicht eine Art von Sarastro stellen, vielleicht wollte er einen besonderen Und dann ist da noch die rätselhafte Abstand zwischen ihn und Konstanze Figur des Bassa Selim. Warum hat setzen, die Frau, die Bassa Selim letztsich Mozart diesen charakter musi- lich vergeblich liebt. Sicher ist: Er kalisch sozusagen selbst aus der Hand fühlt sich alleine, ist sehr einsam; er genommen? kann das alles, was er in seiner Seele Das ist die große Frage! Der Schau- fühlt, – und er hat viel gelitten! –, spieler, der diese Rolle bei der Urauf- nicht wie die anderen musikalisch führung gespielt hat, war eigentlich ausdrücken. Aber möglicherweise auch Sänger, vor allem in Singspielen. kann er auf eine ehrlichere Weise spreEr hat zwischen Gesangs- und Sprech- chen. Denn Musik und Gesang sind rollen gewechselt. Es war also eine zwar sehr schön, aber können immer bewusste Wahl Mozarts, ihn nicht sin- das Gesagte auf eine vielleicht zu gen zu lassen. Man muss wissen, dass schöne Art verpacken... Ich weiß es es im Singspiel immer auch reine auch nicht, ich habe keine echte AntSprechrollen gab. Hier ist er aber eine wort darauf, aber ich weiß, dass es Hauptpartie. Wenn Toleranz und Ver- unserer Regisseurin Andrea Moses zeihen die zugrundeliegenden Themen die Möglichkeit bietet, einen besondes Stückes sind, dann spricht Bassa deren Kontrast zu setzen und damit Selim sie aus und praktiziert sie auch. zu spielen.

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se, will es aber nicht zugeben. Deshalb möchte er seine Furchtlosigkeit zeigen – und erschrickt fürchterlich, als plötzlich und sozusagen nicht angekündigt im Orchester die Trompeten spielen. Durch ihren Klang wird er zum hohen H angestachelt, aber er kommt ganz schnell wieder herunter (lacht). Das muss man, wie das hohe E der Blonde, als etwas Lustiges präsentieren.

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Man wollte das Publikum durch lauten Klang überraschen und teilweise erschrecken. Was übrig geblieben ist und was Mozart benutzt hat, waren echte erbeutete Instrumente der Janitscharenkapellen. Wien ist ein Jahrhundert vor der „Entführung“ im Zuge der zweiten Türkenbelagerung fast eingenommen worden. Die Beliebtheit der türkischen Opern hat damit zu tun, die Angst gegen die exotische Bedrohung wegzulachen. Warum ist Osmin eine Karikatur? Es gibt Regisseure, die etwas anderes aus ihm machen wollen, aber ich glaube, man tut dem Stück damit unrecht. Mozart hat selbst geschrieben,

er wolle den Osmin ins Komische ziehen. Einer, der singt: „erst geköpft, dann gehangen“, ist eine komische Figur. Der Vorgang ist sehr aktuell, man denke nur an die gewaltsamen Reaktionen im Zuge der MohammedKarikaturen der Gegenwart: Heute wäre es wahrscheinlich ziemlich gefährlich, eine komische Oper darüber zu schreiben. Haben Sie in zusammenarbeit mit Andrea Moses für die vielen dialoge spezielle Vorstellungen? Wir werden sie etwas modernisieren und auch „musikalisieren“: mit Hammerklavier im Hintergrund oder auch

türkischen Instrumenten. Wenn die tatsächliche Entführung über die Bühne geht, passiert das im Dialog. Mozart hat diese Szene zu komponieren begonnen und sich dann dagegen entschieden: Er wollte diese „ActionSzene“ doch lieber nur im Dialog lassen. Gerade dieser Dialog wird aber oft extrem zusammengestrichen – wodurch der eigentliche Höhepunkt der ganzen Handlung in den Hintergrund tritt. In Wirklichkeit ist das eine lange, aber sehr lustige Sprechszene, wo auch die Polizei gerufen wird, die Janitscharen. Das werden wir vom Hörspiel der Aufnahme für unsere Produktion adaptieren.

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Uwe Ahrens ©

RENÉ JACOBS

1982 in Ost-Berlin gegründet, gehört die Akademie für Alte Musik Berlin heute zur Weltspitze der Kammerorchester und erhielt vielfache Auszeichnungen. Mit René Jacobs verbindet das Ensemble seit rund 25 Jahren eine enge künstlerische Partnerschaft, aus der zahlreiche gefeierte Opern- und Oratorienproduktionen hervorgegangen sind.


BASSA iN SAlzBUrG

Peter Lohmeyer wäre fast Fußballprofi geworden. Weithin bekannt ist der Schauspieler durch Fernsehen und Kino. Schon seit seinem ersten Kinoerfolg 1989 in Dominik Grafs „Spieler“ sammelt er Auszeichnungen für seine schauspielerische Leistung. In diesem Jahr ist er im Salzburger „Jedermann“ zum fünften Mal der Tod. Aber auch sein ausgeprägtes soziales Engagement ist beachtlich: Peter Lohmeyer unterstützt als Botschafter die Initiative „Respekt! Kein Platz für Rassismus“, er ist einer der Schirmherren des gemeinnützigen Vereins Placebo Kickers Hamburg e.V. oder unterstützt Aktionen zugunsten der SOS Kinderdörfer. Bei der Mozartwoche 2018 ist er als Bassa Selim in Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“ zu erleben und wird außerdem das Konzert des Mozart Kinderorchesters moderieren.

»KULTUR IST FORTSCHRITT, DIE BEWAHRUNG VOR DER KATASTROPHE«

pEtEr loHMEyEr iM GESprÄcH mit Teresa Pieschacón Raphael

So ,schnoddrig‘ Sie das erzählen… erst einmal wollten Sie es hinter sich lassen? Ja, das ist wahr. Aber heute habe ich diese wunderbare Musik wiedergefunden. Und ich liebe sie, die Kirchen-

musik. Wenn jemand an der Orgel spielt, dann ist das mein Liebstes. Den Gottesdienst brauche ich nicht dazu. Es ist fast wie eine Meditation, ich liebe das.

sam, besonders durch Tom Hulce, der den Mozart gespielt hat. Man fragte sich: Mein Gott, was ist Mozart wirklich für ein Mensch gewesen? Ich war fasziniert.

Haben Sie als Kind auch gesungen? Wie bereiten Sie sich auf die rolle Weniger, ich hatte immer den falschen des Bassa Selim in Mozarts „die Entführung aus dem Serail“ vor? Ton (lacht). Ich habe den Bassa Selim bereits in Haben Sie ein besonderes Mozart- einer Produktion in Lyon gespielt, die Erlebnis? ich sehr mochte. Es war eine für mich Das Einzige, das mir spontan einfällt, sehr aufregende Produktion, noch daaußer dem Umstand, dass man natür- zu während der Europameisterschaft. lich immer wieder Mozart hört und ge- Dort in Lyon kam ich mit dem Bass hört hat, im Konzert oder in der Oper, David Steffens, der den Osmin sang ist der Film von Miloš Forman. Bei und auch bei der Mozartwoche in der ihm muss ich mich wirklich bedan- Rolle zu hören sein wird, in Kontakt. ken. Als Schauspieler nähert man Ein Gespräch mit der Regisseurin Ansich auch über Geschichten einer drea Moses hat gezeigt, dass sie einen bestimmten Figur, über die Historie, ganz anderen Ansatz hat als der Remehr noch als über die Musik. Da gisseur in Lyon. Und sowieso ein anwurde ich nochmal auf eine andere derer Dirigent, von dem man weiß, Art und Weise auf Mozart aufmerk- dass er eine Mozart-Koryphäe ist –

PETER LOHMEYER

Musik hat Sie von Anfang an begleitet, Sie haben sie quasi ,mit der Muttermilch aufgesogen‘? Ja. Das ist richtig. Meine Mutter war nicht nur Lehrerin, sondern auch Organistin. Wir Kinder waren zu dritt, wuchsen in Wetter an der Ruhr auf. Da hat mein Vater gepredigt und meine Mutter die Orgel gespielt – und dann hieß es: wohin mit den Kindern? Die kamen natürlich unter die Orgel, den Blasebalg betätigen. Weil es keine große musikalische Erziehung gab, war die Blockflöte angesagt, aber man wurde natürlich mit Bach-Kantaten links und rechts beschallt.

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Fr 26. JÄNNEr #02 PREMIERE di 30. JÄNNEr #13 Fr 2. FEBrUAr #23 jeweils 19.30, Haus für Mozart MOZART DIE ENTFÜHRUNG AUS DEM SERAIL KV 384 Details siehe Seite 8

Mozart Marsch C-Dur KV 408/1 Aus Flötenkonzert G-Dur KV 313: 1. Satz Jörg Widmann Aus „Dubairische Tänze“ für Ensemble: „Wiegenlied“ Mozart Symphonie G-Dur KV 124 Marsch D-Dur KV 335/1

© Leopold Neumayr

So 4. FEBrUAr 11.00 #27 Stiftung Mozarteum, Großer Saal MOZART KINDERORCHESTER PETER MANNING DIRIGENT NATHAN RINALDY FLÖTE PETER LOHMEYER MODERATION


„Die Investition in Kultur, in Bildung, in Schulen und so weiter kann die Dummheit verhindern, sich in Kriege zu stürzen, fördert Menschen, die andere fördern“, ist Peter Lohmeyer überzeugt.

René Jacobs. Mir ist klar: Da steht mir darum geht, Schöngeistiges zu kreiejetzt eine spannende Arbeit bevor. ren, sondern dass Kultur auch etwas mit der Seele des Menschen macht. Bassa Selim ist so etwas wie eine un- Kultur ist Bildung. Kultur ist Fortschritt, religiöse instanz. Er appelliert an die ist für mich die Bewahrung vor der Humanität der Menschen, an die to- Katastrophe. leranz. Sein Gegenspieler osmin aber verachtet den Bassa, weil er ihn Was kann der Schauspieler vom Mufür zu schwach hält. Gibt es für Sie siker lernen und umgekehrt? so etwas wie den idealen Fürsten? Ich bin ja selbest auch als Musiker Den müsste man sich basteln. Es gab unterwegs und bin immer noch mit immer Fürsten, die viel für die Kultur der Band „Club der toten Dichter“ getan haben, und diese wären für mich auf Tour mit Bukowski-Lyrik. Da stedie idealen. Denn ohne Kultur verroht he ich dann auch auf der Bühne und der Mensch. Aber heute kann ich Ih- singe. Im Orchester, in einer Band nen kein Beispiel für einen solchen oder im Ensemble funktioniert man Fürsten geben. zusammen. Man gibt sich Kraft, man gibt sich Rhythmus, man gibt sich ein Vielleicht braucht es keinen explizit Timing – das ist das Schöne. Gleichgebildeten Fürsten, vielleicht ist es zeitig hat der Musiker ein Instrument wichtiger, dass Kulturinstitutionen in der Hand. Die Beherrschung eines subventioniert werden. Musikinstrumentes flößt mir bis heuDie Investition in die Kultur, in Bil- te wirklich Respekt ein. Ich finde es dung, in Schulen und so weiter kann großartig, wie man sich darin verliedie Dummheit verhindern, sich in ren kann, mit sich und dem InstruKriege zu stürzen, fördert Menschen, ment ist. Ich versuche immer noch, die andere fördern. Das wird bei allen Klavier zu lernen. Als Schauspieler bin Diskussionen um Kulturbudgets im- ich, nur mit meiner Stimme, mein mer unterschätzt – dass es nicht nur eigenes Instrument.

So ergeht es ja auch dem opernsänger. Tja, wenn ich so neben dem Opernsänger stehe, dann denke ich mir oft, ich bin ein Nichts. Die kommen so gut vorbereitet, die haben ein solches Timing, die achten auf ihre Stimme, die sind so diszipliniert. Wir leben im Vergleich ein Lotterleben. Wir Schauspieler haben andere Wege. Für mich als Schauspieler gibt es keine Wiederholung. Ich nehme alles Emotionale mit auf die Bühne. Schlechte Laune, gute Laune, wie es mir grad so geht. Aber stellen Sie sich vor, wenn ein Opernsänger das machen würde. Gelernt habe ich bei den Sängern die Disziplin, die man aufbringen muss, darf und kann. Und dann die Schönheit dieser Kunst, die Kreativität. Dieser Klang der Stimme, im Schoße der Sopranistin liegend! Ich dachte mir: Jetzt kann ich also nur noch heulen! So schön war das. Ich will gar nicht darüber nachdenken, ob ich das als Schauspieler erreichen kann. In Lyon hat mir Michael Laurenz, der den Pedrillo gesungen hat, kleine Gesangsübungen mitgegeben. Wie großzügig! Sänger kommen mir vor wie Zehn-

In Salzburg, everyone knows him, especially since 2013, when he played Death in Hugo von Hofmannsthal’s Everyman on the Cathedral Square. But only few people know that the celebrated film and TV actor Peter Lohmeyer has a great love of music. Son of a teacher and organist, he says: “As children, we used to work the bellows while my mother played the organ and my father preached”. He discovered a love for Mozart’s music in the 1980s, when he saw Miloš Forman’s film Amadeus. As an actor, you approach the figure of Mozart “even more through history than through music. Here I became aware of Mozart in a different way. I wondered: goodness, what kind of person was Mozart really?? I was fascinated.” At the 2018 Mozart Week, he is looking forward to playing the speaking role of Pasha Selim in Mozart’s Die Entführung aus dem Serail, bringing his experience from a previous production in Lyon. Besides playing Bassa Selim, he will moderate the Mozart Children’s Orchestra concert. “Music is incredibly important for each of us”, he says, “even if we’re not yet aware of it. An unborn child is already aware of so much. This is why we can’t start early enough making music part of a child’s life. This was my own experience, and I appreciate all the more being able to moderate the Children’s Orchestra concert.”

PETER LOHMEYER

SUMMARY

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© Günter Freund

„Selbst wenn das Kind noch nicht auf der Welt ist, nimmt es so viel wahr. Darum kann man gar nicht früh genug anfangen, Kinder mit Musik zu begleiten“, sagt Peter Lohmeyer, selbst Vater, und freut sich darauf, nicht nur als Bassa Selim in „Die Entführung aus dem Serail“ mitzuwirken, sondern auch das Konzert des Mozart Kinderorchesters in der Mozartwoche 2018 zu moderieren.

kämpfer, man kann sagen, sie laufen im Prinzip jeden Abend einen Marathon. Und ich komme mir vor wie jemand, der gerade mal ein Sportabzeichen gemacht hat.

spiele bin ich auch der Oper näher gekommen. Ich bin oft in Generalproben, habe „Il Trovatore“ mit Anna Netrebko gesehen, verzaubernd war das. Salzburg hat so viel Geschichte, die man untersuchen, erfahren kann. Ich bin bei mehreren Gelegenheiten dem Erzbischof von Salzburg, Franz Lackner, begegnet. Wir haben im Zusammenhang mit einer Aufführung des „Jedermann“ in einer öffentlichen Runde mit dem Teufel über den Tod und die Leidenschaft gesprochen. Ich stelle es mir hoch spannend vor, jetzt mit dem Erzbischof auch über eine Figur wie den Bassa zu sprechen. Schon deshalb habe ich große Lust auf meinen Bassa in Salzburg.

PETER LOHMEYER

dabei haben Sie mit dem text auch das Wort! im ganzen Stück treten Sie etwa sechsmal auf. in allen drei Aufzügen jeweilis zwei Mal. Einmal sogar allein. Das Wort hat selbstverständlich genauso der Opernsänger, auch, wenn er sich eben viel sicherer im Gesang fühlt. Es ist natürlich nicht so, dass ich mich vor lauter Respekt nicht behaupten könnte. Schließlich machen wir beide doch das gleiche: Wir spielen und erzählen Geschichten. Das ist Neben dem Bassa Selim werden Sie wahnsinnig spannend. bei der Mozartwoche 2018 auch das Seit 2013 sind Sie bei den Salzbur- Konzert mit dem Mozart Kinderorger Festspielen im „Jedermann“ als chester moderieren. Sie selbst haben tod zu sehen. Kinder. Wie wichtig ist Musik für die Ja, das ist ganz herrlich, durch die Fest- Entwicklung?

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Musik ist unglaublich wichtig für jeden Menschen, auch wenn er noch nichts davon weiß. Selbst wenn das Kind noch nicht auf der Welt ist, nimmt es so viel wahr. Darum kann man gar nicht früh genug anfangen, Kinder mit Musik, ich sag mal, zu begleiten. Ich habe es ja am eigenen Leib erlebt. Umso schöner ist es für mich, das Konzert des Mozart Kinderorchesters zu moderieren. Märsche von Mozart stehen auf dem programm, ein Satz aus seinem Flötenkonzert und sogar die Symphonie KV 124, die er mit 16 Jahren komponierte. Und Werke von Jörg Widmann. Wie werden Sie alles angehen? Das Konzept ist toll: Kinder spielen für Kinder... für Erwachsene... für alle! Das finde ich wunderbar. Noch bin ich am Überlegen, wie ich auf jedes Werk eingehen werde. Aber ich bin sicher, dass mir einiges einfallen wird. Ich habe ja noch etwas Zeit.


drEi opErNcHEFS NicHt NUr Für MozArt die philharmonischen dirigenten bei der Mozartwoche 2018

Dirigieren wird dieses Werk ein Dirigent, der nicht nur den Wiener Philharmonikern seit Jahren durch zahlreiche Auftritte in Wien und auf Tourneen eng verbunden ist, sondern schon durch seine Herkunft eine spezifische Affinität zu diesem Repertoire hat und der schon im Jubiläumsjahr 2006 bei der Mozartwoche mit den Wiener Philharmonikern zu erleben war: Valery Gergiev. Geboren in Moskau, hat er bei dem legendären Dirigentenlehrer Ilya Musin studiert, wurde 1976 Hauptpreisträger des Karajan-Wettbewerbs, Assistent von Yuri Temirkanow am dortigen Kirow Theater, zu dessen Leiter er bald bestellt wurde und das unter seinem früheren Namen, Mariinsky Theater, wieder zu einem der weltweit führenden Musiktheater wurde. Nach Chefpositionen in Rotterdam und London steht er außerdem als Nachfolger Lorin Maazels an der Spitze der Münchner Philharmoniker, mit denen er sich gegenwärtig vor allem auf Symphonien von Bruckner und Schostakowitsch konzentriert.

Valery Gergiev leitet das dritte „Philharmonische“ am zweiten Samstag der Mozartwoche 2018; Solist ist der Klarinettist Jörg Widmann (Mozart, Klarinettenkonzert A-Dur KV 622).

Die „Mozartiana“-Suite ist nicht das einzige Werk von Tschaikowsky, das Gergiev bei der Mozartwoche 2018 dirigieren wird. Auf dem Programm hat er noch dessen populäre Streicherserenade, mit der Tschaikowsky beweist, wie sehr er sich in seinem Schaffen auch von der deutschen Romantik und der Eleganz französischer Ballettmusiken anregen ließ. Der übrige Teil dieses GergievAbends gehört Mozart: der Ouvertüre zu „La clemenza di Tito“, hinter der sich in Wahrheit eine kleine Symphonie verbirgt und deren beide ersten Takte ident sind mit dem Anfang der Ouvertüre zu „Così fan tutte“, und dem Klarinettenkonzert KV 622. Dafür hat man mit Jörg Widmann einen der weltweit besten Interpreten für dieses Instrument und nicht zuletzt dieses A-Dur-Konzerts eingeladen. Aber nicht nur Gergiev, auch die Dirigenten der beiden anderen Konzerte der Wiener Philharmoniker dieser Mo-

WIENER PHILHARMONIKER

Tschaikowsky, Bizet und Elgar bei einer „Mozartwoche“? Das wirkt auf den ersten Blick wie Zufall, tatsächlich steckt dahinter eine überlegte Dramaturgie: zum einen die Auswahl der Dirigenten für diese drei Konzerte der Wiener Philharmoniker, zum anderen ein besonderes Jubiläum, denn 2018 wird an den 125. Todestag von Pjotr I. Tschaikowsky, einen der glühendsten Verehrer Mozarts unter den Komponisten, erinnert. Da versteht es sich von selbst, dass er im Rahmen dieser Salzburger „Philharmonischen“ auch mit jenem Werk zu Wort kommt, in dem sich diese Begeisterung bereits im Titel dokumentiert: seiner in Aachen komponierten, noch im selben Jahr, 1887, unter seiner Leitung in Moskau uraufgeführten vierten Orchestersuite, der er den Namen „Mozartiana“ gab. Schließlich basieren die vier Sätze auf Stücken von Mozart, die Tschaikowsky in der ihm eigenen Art instrumentiert hat. Aber auch eine doppelte Bearbeitung findet sich in diesem Werk. Für den dritten Satz dieser Orchestersuite ließ sich Tschaikowsky nicht von der Originalgestalt von Mozarts berühmtem „Ave verum“ inspirieren, sondern von dessen Transkription durch Franz Liszt.

© Medici TV

Walter Dobner

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In ihrem ersten von drei Konzerten bei der Mozartwoche 2018 werden die Wiener Philharmoniker von dem jungen britischen Dirigenten robin ticciati (li.) – seit 2009/10 Chefdirigent des Scottish Chamber Orchestra und seit Sommer 2014 Musikdirektor der Glyndebourne Festival Opera, mit Beginn der Spielzeit 2017/18 Chefdirigent und Künstlerischer Leiter des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin – geleitet. Solist an seiner Seite ist der Geiger renaud capuçon (re. Seite).

zartwoche haben wichtige Positionen in der europäischen Opernwelt inne: Alain Altinoglu ist Musikchef der Brüsseler Oper, des Théâtre Royal de la Monnaie, der andere, Robin Ticciati, Musikdirektor der Glyndebourne Festival Opera. Beide zählen, wie man gerne sagt, zu den großen Talenten, sind aber, wie ihr bisheriger Lebenslauf zeigt, mehr. Nämlich hochbegabte Musiker, die nicht den Fehler vieler anderer machen, sich schon in jungen Jahren so zu verausgaben, dass sie damit die eigenen Chancen untergraben, sondern sich gezielt auf einige Aufgaben konzentrieren.

SA 27. JÄNNEr 19.30 #05 Großes Festspielhaus WIENER PHILHARMONIKER ROBIN TICCIATI DIRIGENT RENAUD CAPUÇON VIOLINE Edward Elgar Violinkonzert h-Moll op. 61 Mozart Symphonie C-Dur KV 551 „Jupiter-Symphonie“ Einführungsvortrag 18.30, Großes Festspielhaus

Mi 31. JÄNNEr 19.30 #17 Großes Festspielhaus WIENER PHILHARMONIKER ALAIN ALTINOGLU DIRIGENT PIOTR ANDERSZEWSKI KLAVIER Mozart Symphonie D-Dur KV 297 „Pariser“ Klavierkonzert B-Dur KV 595 Georges Bizet Symphonie Nr. 1 C-Dur Einführungsvortrag 18.30, Großes Festspielhaus

WIENER PHILHARMONIKER

SA 3. FEBrUAr 19.30 #26 Großes Festspielhaus WIENER PHILHARMONIKER VALERY GERGIEV DIRIGENT JÖRG WIDMANN KLARINETTE

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Mozart Aus „La clemenza di Tito“ KV 621: Ouvertüre pjotr i. tschaikowsky Orchestersuite Nr. 4 G-Dur op. 61 „Mozartiana“ Mozart Klarinettenkonzert A-Dur KV 622 pjotr i. tschaikowsky Serenade C-Dur op. 48 Einführungsvortrag 18.30, Großes Festspielhaus

Werfen wird dazu einen Blick auf ihre bisherige Karriere. Altinoglu wurde 1975 in Paris geboren, studierte am Conservatoire National Supérieur, an dem er seit 2014 unterrichtet. Seit 2016 ist er Directeur Musical – so sein offizieller Titel – der Brüsseler Oper, mittlerweile an zahlreichen wichtigen europäischen und amerikanischen Opernhäusern aufgetreten, war Gast bei den Festspielen in Salzburg, in Bayreuth, Orange oder Aix-en-Provence. Zu den bedeutendsten Orchestern, mit denen Altinoglu, der erst kürzlich an der Wiener Staatsoper eine Neuproduktion von Debussys „Pelléas et Mélisande“ dirigierte, zählen die Klangkörper aus Chicago, Philadelphia, die Staatskapellen von Dresden und Berlin, die Bamberger und die Wiener Symphoniker. Außerdem besitzt Altinoglu, der auch ein ausgezeichneter Pianist ist und mit Vorliebe seine Frau, die Mezzosopranistin Nora Gubisch begleitet, ein ausgeprägtes Faible für den Liedgesang. Bei einer solchen Biographie ergibt sich das Programm für sein Debüt am Pult der Wiener Philharmoniker, die er durch seine Tätigkeit an der Wiener Staatsoper als Opernorchester bestens kennt, von selbst: französische Musik und eines der großen Mozart-Klavierkonzerte mit einem gleichgestimmten Solisten. Und so ist es auch: Alain Altinoglu begleitet bei Mozarts letztem Klavierkonzert, dem B-Dur-Konzert KV 595, mit Piotr Anderszewski einen der herausragenden Pianisten unserer Zeit, eröffnet den Abend mit Mozarts dreisätziger „Pariser“ Symphonie KV 297 und schließt mit Bizets einziger Symphonie, dem in nur einem Monat entstandenen Geniestreich eines damals erst 17-Jährigen, die


© Darmigny

80 Jahre auf ihre Uraufführung warten war er drei Jahre als Erster Gastdirimusste. gent verbunden. Mit Mozarts „Le nozze di Figaro“ war er bei den SalzburDen Reigen der traditionell drei Kon- ger Festspielen zu Gast, mit Tschaizerte der Wiener Philharmoniker der kowskys „Eugen Onegin“ am Royal Mozartwoche beginnt der jüngste der Opera House in London, mit HumDirigenten, der 1983 in London gebo- perdincks „Hänsel und Gretel“ an der rene Robin Ticciati, der bereits 2007 New Yorker „Met“. Neben Glyndebei der Mozartwoche erstmals auftrat. bourne, wo Robin Ticciati bisher MoTrotzdem ist es für ihn ein Debüt. zart, Strauss, Ravel oder Britten diriNoch nie stand er am Pult der Wiener gierte, ist er auch Musikdirektor des Philharmoniker oder leitete sie in Scottish Chamber Orchestra. Hier ihrer anderen Eigenschaft – als Or- legte er in der vergangenen Saison den chester der Wiener Staatsoper. Tic- Schwerpunkt auf Bruckner, Strauss ciati ist ausgebildeter Geiger, Pianist und Mozart. und – wie Sir Simon Rattle – Schlagwerker. Er und Sir Colin Davis waren Dessen symphonisches Resümee, die auch seine wichtigsten Förderer. Gleich „Jupiter“-Symphonie KV 551, steht seinem um fast ein Jahrzehnt älteren am Schluss von Ticciatis erstem AufKollegen Altinoglu gastierte auch Tic- tritt mit den Wiener Philharmonikern. ciati bei zahlreichen bedeutenden So wie Valery Gergiev und Alain AltiKlangkörpern, darunter dem Sympho- noglu führt aber auch Ticciati, der nieorchester des Bayerischen Rund- sich schon im Alter von 15 Jahren für funks, der Staatskapelle Dresden, dem den Dirigentenberuf entschied, „HeiConcertgebouw Orkest Amsterdam, matliches“ im Gepäck: das melodiender Tschechischen Philharmonie oder selige Violinkonzert von Edward Elgar, den Bamberger Symphonikern. Ihnen das dieser für Fritz Kreisler kompo-

niert hatte, der es mit dem Komponisten 1910 in London zu einer triumphalen Uraufführung führte. Das riesige Auditorium tobte „vor Begeisterung und Glückseligkeit“, kann man in einer Kritik zu diesem Konzert in der Queen’s Hall lesen. Diesmal wird den Solopart Renaud Capuçon, einer der führenden Geiger seiner Generation und längst Stammgast der Mozartwoche, spielen. Mehr über den Dirigenten des dritten Konzerts der Wiener Philharmoniker bei der Mozartwoche 2018, Alain Altinoglu, lesen Sie auf den folgenden Seiten.

Mozart: débuts and unusual combinations No less than three music directors of distinguished European institutions will conduct the traditional three Vienna Philharmonic concerts at the 2018 Mozart Week: Valery Gergiev, intendant of the old-established Mariinsky Theatre in St. Petersburg, Alain Altinoglu, directeur musical of the Théâtre Royal de la Monnaie in Brussels, and Robin Ticciati, music director of Glyndebourne Festival Opera. Appropriately, each of them will include in his programme – besides Mozart – works from his own country. Gergiev brings two pieces by Tchaikovsky: his Mozartiana Suite no. 4 and the Serenade for Strings – which remind us that 2018 sees the 125th anniversary of Tchaikovsky’s death in St. Petersburg. Gergiev will also conduct Mozart’s Overture to La clemenza di Tito and his Clarinet Concerto, with Jörg Widmann as soloist. For his Mozart Week début, Alain Altinoglu brings Georges Bizet’s only Symphony, with Mozart’s Paris Symphony K. 297 as a further link to France, and his last Piano Concerto K. 595, with soloist Piotr Anderszewski. Robin Ticciati, conducting the Vienna Philharmonic for the first time, combines Mozart’s last symphony, the Jupiter K. 551, with one of the most melodious English romantic concertos, Elgar’s Violin Concerto, performed by Renaud Capuçon.

WIENER PHILHARMONIKER

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„Mit diesem Dirigenten würden wir gerne viel, viel öfter arbeiten.“ Diese Botschaft ließen die Musiker der Wiener Staatsoper ihrem Intendanten zukommen. ,Dieser Dirigent‘ – das ist Alain Altinoglu, der nicht nur im Haus am Ring in Wien für Furore sorgt.

„iN FrANKrEicH WÄcHSt MAN oHNEHiN Mit MozArt AUF“

Alain Altinoglu wurde 1975 in paris geboren und studierte am pariser conservatoire, wo er gegenwärtig die dirigierklasse unterrichtet. Er ist Musikdirektor des théâtre de la Monnaie in Brüssel und an den großen opernhäusern weltweit zu Gast. „Wenn ich mit einem orchester arbeite, komme ich natürlich mit meinen ideen zum jeweiligen Stück, mit Klangvorstellungen und Nuancen, die ich hören möchte. Aber ich versuche immer auch, auf die Besonderheit des orchesters einzugehen.“ Bei der Mozartwoche 2018 leitet er die Wiener philharmoniker; Solist am Klavier ist dabei piotr Anderszewski.

»HEUTE KANN ICH NICHT OHNE MOZART LEBEN.« AlAiN AltiNoGlU iM GESprÄcH mit Teresa Pieschacón Raphael

ALAIN ALTINOGLU

Herr Altinoglu: Wie wird ihr Name eigentlich ausgesprochen? (Lacht) Mit Betonung auf dem U. Ich habe armenische Wurzeln, wir hießen zunächst Altounian, aber unser Name wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu Altinoglu. Meine ganze Familie war zwar in Istanbul ansässig, aber ich bin ein hundertprozentiger Armenier.

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Sie wurden in paris geboren. Meine Eltern kamen in den 1970erJahren nach Frankreich. Sie verließen die Türkei, weil es dort für ein armenisches Paar nicht einfach war. Meine Mutter war Klavierlehrerin, sie hatte noch eine Ausbildung bei einem Schüler von Franz Liszt erhalten, war sozusagen von der „deutschen Schule“ geprägt. Sie wollte ihre Studien am Pariser Konservatorium beenden und so kamen meine Eltern dorthin. Mein

Vater, ein Mathematiker und Ingenieur, fand eine Arbeit in Paris. Musik war immer Teil unseres Familienlebens. Mein Vater dirigierte sonntags den Kirchenchor, meine Mutter spielte Orgel; sie starb leider, als ich zwölf Jahre alt war. Sie sind ausgebildeter pianist. Haben Sie die mathematische Begabung ihres Vaters geerbt? Na ja… (lacht) Es gibt tatsächlich viele Parallelen zwischen Musik und Mathematik, allein die Intervalltheorien des Pythagoras... Dennoch gab es Komponisten, die schlecht in Mathematik waren. Beethoven etwa, glaube ich jedenfalls. Bei Mozart fand man in seinem Nachlass Mathematik-Bücher und eine ,Anleitung zum Componieren von Walzern vermittels zweier Würfel‘...

Sie begannen ihre laufbahn als Korrepetitor. Ja, bereits mit 16 Jahren schnupperte ich in diese Theaterwelt. Ich liebte sie sofort und wollte nie mehr weg. Als ich 18 war, begleitete ich Gesangsklassen, zum Beispiel die von Régine Crespin, am Klavier. Ich hatte sehr junge Sänger, die lernen mussten, Partituren zu lesen, zu phrasieren, die Stile der Komponisten kennenzulernen. Dabei habe ich für mich als Dirigent unheimlich viel gelernt. Wann traten Sie zum ersten Mal mit den Wiener philharmonikern auf? 2011 mit Charles Gounods „Romeo und Juliette“, mein erstes Operndirigat an der Staatsoper in Wien. Gemäß den derzeitigen philharmonischen Statuten kann nur ein Mitglied des Orchesters der Wiener Staatsoper Mit-


Š Marco Borggreve


© Simon Fowler / Warner

Mozarts Klavierkonzert B-Dur KV 595 in dem von Alain Altinoglu geleiteten Konzert mit den Wiener Philharmonikern bei der Mozartwoche 2018 gestaltet piotr Anderszewski als Solist.

Mi 31. JÄNNEr 19.30 #17 Großes Festspielhaus WIENER PHILHARMONIKER ALAIN ALTINOGLU DIRIGENT PIOTR ANDERSZEWSKI KLAVIER Mozart Symphonie D-Dur KV 297 „Pariser“ Klavierkonzert B-Dur KV 595 Georges Bizet Symphonie Nr. 1 C-Dur Einführungsvortrag 18.30 Großes Festspielhaus

glied bei den Wiener Philharmonikern Oper. Es war allerdings spannend, das werden. Ohne Wiener Staatsoper gä- große Opernhaus zu erleben, das der be es also die Wiener Philharmoniker Sultan dort hingestellt hat. in dieser Form nicht. Kam der Sultan überhaupt? Eine weitere produktion mit dem or- Nein, leider nicht. Es heißt, er liebt die chester der Wiener Staatsoper war Oper; vielleicht schaut er sie sich auch Mozarts „le nozze di Figaro“, mit der eher auf DVD an. Sie auf tournee im oman auftraten. zurück zu den Wiener philharmoniWie waren die reaktionen? Wir waren natürlich sehr neugierig, kern: Wie ist es, als junger dirigent weil es ja um Liebe und Begierde geht. vor so einem traditionsträchtigen orWir wurden gebeten, keine religiösen chester zu stehen? Symbole auf die Bühne zu setzen, al- Anfangs spannungsgeladen. Nach der so keine Kreuze. Unser Publikum be- ersten Dirigierbewegung dachte ich: stand dann aber leider nicht aus Mos- Wie werde ich das mit diesem Orcheslems, sondern aus Migranten – Aus- ter bloß schaffen ? Warum bin ich übertraliern, Engländern. Die kannten die haupt hier? Sie können eigentlich auch

ALAIN ALTINOGLU

SUMMARY

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Conductor Alain Altinoglu is a cosmopolitan in the true sense of the word, in both origin and training. He was born in Paris, of Armenian parents who came to France from Istanbul in the 1970s. “My mother was a piano teacher; she trained with a pupil of Franz Liszt’s and so she was influenced by the ‘German school’, so to speak … My father conducted the church choir on Sundays, and my mother played the organ.” Altinoglu began his career as a répétiteur at the Paris Conservatoire – possibly not what might be expected for a young musician with higher ambitions. Today he is Directeur Musical of the Théâtre Royal de la Monnaie in Brussels, and a regular guest conductor with the world’s leading orchestras. “As a répétiteur I learned an infinite amount for my conducting career”, he says. He has collaborated closely with the Vienna Philharmonic; their first encounter was in 2011, in Gounod’s Roméo et Juliette at the Vienna State Opera: “At the start, I was really in suspense. After the first gesture I thought, oh dear, however am I going to manage this with the orchestra? And: what am I doing here? Because they can play perfectly well without a conductor... At the second beat, it was all a bit easier. Then it was such a wonderful feeling when I realised that I was beginning to get the sound, the colours I imagined. Since then, we’ve had a very close relationship.” He loves the orchestra’s unique, sublime sound. “It’s strange. Sometimes I chat with the really young violinists, and I ask them how they do it. Sometimes they don’t even know – they learn it from their stand partner or from the conductor. I think the strings are the decisive factor in this typical Viennese sound. And we have instruments that aren’t used anywhere else – the Viennese horn, the oboe, the clarinet that has a rather darker, fuller sound. Their own special timpani and drums…”. He is looking forward especially to his performance with pianist Piotr Anderszewski: “His sister Dorota was my concert-master in the Orchestre National de Montpellier.” Mozart’s music is of existential importance for Altinoglu: “Today I can’t live without Mozart. I’ve always been fascinated by the sheer purity his music radiates. In France you grow up with Mozart, and many French composers were influenced by his music.”


nicht. Ich versuche, einen Weg zwischen der Tradition der historischen Aufführungspraxis eines Harnoncourt, mit der ich aufwuchs, und meiner eigenen Anschauung zu finden. Ganz ohne Vibrato geht es natürlich nicht, doch ich bin nicht dogmatisch. Ich versuche, die Umstände, unter denen Was macht den spezifischen Klang Mozarts Symphonie entstanden ist, dieses orchesters aus? wiederherzustellen. Die Wiener Philharmoniker haben wirklich einen wunderschönen Sound, ein- Sie entstand bei Mozarts drittem Aufzigartig. Es ist seltsam: Manchmal enthalt in paris. spreche ich mit den ganz jungen Gei- Mozart wurde vom Leiter des Concert gern und frage sie, wie sie das ma- spirituel, der wichtigsten Konzertreichen. Sie wissen es selbst nicht ge- he von Paris, beauftragt, eine Symphonau, sie lernen es vom Nachbarn, vom nie zu komponieren. Er war 22 Jahre Dirigenten, vom Konzermeister! Ich alt. Doch der zweite Satz war dem dadenke, die Streicher sind maßgeblich maligen Leiter des Concert spirituel, für den typischen Klang der Wiener Joseph Legros, zu kompliziert. Und Philharmoniker. Und wir haben Instru- Mozart komponiert ihn neu. mente, die es woanders nicht gibt, wie das Wiener Horn, die Oboe oder die Und doch war Mozart sich nicht Klarinette, die einen etwas dunkle- sicher. Am 12. Juni 1778 spielte er ren, voluminösen Klang hat. Die ganz zwei Bekannten in paris alles am Klavier vor. eigenen Pauken und Trommeln… Ihnen gefiel es. Es gibt da diesen herr…die ausschließlich und nur in Wien lichen Brief, wo er über die Franzomit ziegenfell bespannt werden… sen spricht und dass es ihm eigentlich Ja, das macht den Klang sehr speziell. egal ist. Aber es hat auch mit der Sprache zu tun. Österreicher sind da anders als Mozart spricht von „den wenigen geDeutsche, sie sprechen zwar die glei- scheiden franzosen“, die ihn versteche Sprache, aber es ist eine andere hen werden. Er habe „aber doch hoffIntonation. Dann haben die Wiener nung daß die Esel auch etwas darin Philharmoniker natürlich mit so vie- finden, daß ihnen gefallen kann“. len, so großen Dirigenten gespielt, Ja, das ist doch herrlich! Damals hat mit Karajan, mit Böhm, mit Harnon- man sich doch sehr viel ehrlicher ausgedrückt, denke ich manchmal. court… die alle Werke von Mozart dirigiert haben, darunter die „pariser Symphonie“ d-dur KV 297, die bei der Mozartwoche 2018 erklingt. Ja, ich weiß. Heute, im Jahr 2017, kann man natürlich nicht jemanden imitieren, das kann man sowieso

Was bedeutet ihnen Mozarts Musik ? Wenn man Klavierspielen lernt, ist Mozart natürlich einer der ersten Komponisten, die man angeht. All seine Sonaten sind eine Art Basis. Heute kann ich nicht ohne Mozart leben. Die Reinheit, die seine Musik aus-

strahlt, hat mich immer schon fasziniert. In Frankreich wächst man ohnehin mit Mozart auf. Viele französische Komponisten waren von ihm beeinflusst: Gounod, Debussy, SaintSaëns... Wohl auch Georges Bizet, dessen einzige Symphonie Sie bei der Mozartwoche 2018 aufführen werden. Ja. Bizet war jung, als er sie komponierte, vielleicht 17 Jahre alt. Sie wurde zu seinen Lebzeiten nie gespielt. Die Instrumentation ist sehr mozartisch, gleichzeitig hat sie auch einen französischen Touch im zweiten Satz, wenn die Oboe zu einer wunderbaren Melodie ansetzt. Vor allem ist es aber auch sehr lebendige Musik, jung und frisch – das ist die Verbindung zu Mozart. Solist in Mozarts Klavierkonzert B-dur KV 595 wird piotr Anderszewski sein. Ich kenne Piotr noch nicht persönlich. Seine Schwester Dorota war meine Konzertmeisterin im Opéra Orchestre national de Montpellier. Ich kenne natürlich seine Aufnahmen. Er ist ein ganz besonderer Musiker und Mensch. Was ich an seinem Spiel so mag, ist sein kontrapunktischer Stil, wie er jede Linie definiert und das Pedal einsetzt, die Transparenz seines Spiels. Das ist wunderbar. Bei der Mozartwoche 2018 wird mit Kristiina poska eine dirigentin auftreten. Was denken Sie über Frauen am pult? Frauen sind für das Dirigieren genauso gut geeignet wie Männer. Die Akzeptanz hängt allerdings ein bisschen davon ab, wo sie leben, die Gesellschaft und ihr Bewusstsein entscheiden darüber, ob eine Frau akzeptiert wird oder nicht.

ALAIN ALTINOGLU

ohne Dirigenten spielen... Beim zweiten Schlag war alles schon einfacher. Es war ein wunderbares Gefühl, als ich merkte, wie es mir gelang, die Klänge, die Farben umzusetzen, die mir vorschwebten. Seitdem haben wir eine sehr enge Beziehung.

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„EiNE BErocKtE UNd 100 MANN zUM UNiSoNo BriNGEN...“

dass sie „oft Umwege gegangen“ ist, wie sie selber sagt, möchte man der estnischen dirigentin Kristiina poska fast nicht glauben. Jedenfalls scheint kaum eine andere orchesterleiterin derzeit so trittsicher die richtigen Karriereschritte zu setzen wie die Mozartwoche-debütantin. im interview spricht sie über ihren Weg im männerdominierten dirigentenbusiness, die liebe zu Mozart – und ihre Vorfreude auf das gemeinsame Mozartwoche-Konzert mit rolando Villazón. der Mozart-Botschafter der Stiftung Mozarteum Salzburg und ab 2019 intendant der Mozartwoche wird am 4. Februar aus Mozarts Briefen rezitieren.

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»EIN NATÜRLICHER WEG, FREI VON ÄNGSTEN UND VORURTEILEN.«

KRISTIINA POSKA

KriStiiNA poSKA iM GESprÄcH mit Teresa Pieschacón Raphael

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„Eine Berockte und 100 Mann zum Unisono bringen – das wär’ a Gaudi“, spottete einst richard Strauss über Frauen am pult. Sie sprechen nicht so gerne über das thema... Es war für mich nie ein Thema! Als ich mit dem Dirigieren anfing, habe ich gar nicht darüber nachgedacht, ob es eventuell ungewöhnlich ist. Mir wurden keine Steine in den Weg gelegt, weder von Professoren noch von anderen. Im Gegenteil, ich hatte immer viele Unterstützer. Doch als ich dann die ersten öffentlichen Auftritte hatte, sah ich, dass es für die Medien ein Thema war. Natürlich will keine Frau auf ihr Geschlecht reduziert werden. Sie will wegen ihrer musikalischen Leistung anerkannt werden. Wie man das auch bei Männern tut. Ich merke, dass die Diskussionen um

das Thema oft in die Richtung gehen, dass Männer und Frauen als Gegenpole oder Konkurrenz angesehen werden. Wir müssen aber endlich verstehen, dass wir – Frauen und Männer – uns gegenseitig bereichern und ergänzen. Und dass wir gemeinsam stärker sind. Das Potential, das darin steckt, wird oft verkannt. Es gibt aber auch genügend Menschen, die es erkannt haben, und ein natürlicher Weg, der frei von Ängsten und Vorurteilen ist, wird sich durchsetzen; früher oder später. Da bin ich ganz sicher. Es betrifft nicht nur diese Branche, es geht darum, wie wir ganz allgemein miteinander umgehen.

diesen Preis, aber so komisch es auch klingt, mir geht es nicht um das Gewinnen. Das blende ich immer aus. Ich möchte mich entwickeln, Erfahrungen sammeln. Nur so kann man ein guter Musiker werden. Mein Wettbewerbsprinzip war immer: Sei jeden Tag etwas besser, als du gestern warst. Wir können uns so und so nur an uns selbst messen, alles andere ist eine Illusion.

ihre Eltern sind Sportler. da geht es sehr stark um Wettbewerb, um weiter, schneller, höher. (Lacht) Ja, ich kenne das sehr genau. Meine Mutter ist Schwimmtrainerin und ich habe in meiner Jugend auch 2013 gewannen Sie – sorry, als erste selbst an Wettkämpfen teilgenommen. Frau – den deutschen dirigentenpreis. Ich kenne diese Momente sehr gut, in (Lacht) Ich freue mich natürlich über denen man die Leistung abrufen muss,


© Kaupo Kikkas


© Kaupo Kikkas

So 4. FEBrUAr 18.00 #28 Stiftung Mozarteum, Großer Saal MOZARTEUMORCHESTER SALZBURG KRISTIINA POSKA DIRIGENTIN ROLANDO VILLAZÓN TENOR REGULA MÜHLEMANN SOPRAN SIOBHAN STAGG SOPRAN Rolando Villazón führt durch das Programm. Er wird aus den Briefen Wolfgang Amadés an seine Frau Constanze lesen und erzählt über die ganz persönliche Beziehung der beiden.

KRISTIINA POSKA

Mozart Arie des Don Ottavio „Il mio tesoro“ Nr. 21 aus „Don Giovanni“ KV 527 Rezitativ und Rondo für Sopran und Orchester „Mia speranza adorata“ – „Ah, non sai, qual pena“ KV 416 Arie für Sopran und Orchester „Vorrei spiegarvi, oh Dio!“ KV 418 Arie der Konstanze „Martern aller Arten“ Nr. 11 aus „Die Entführung aus dem Serail“ KV 384 Arie für Tenor und Orchester „Con ossequio, con rispetto“ KV 210 Rezitativ und Arie für Sopran und Orchester „Bella mia fiamma addio“ – „Resta, oh cara“ KV 528 Arie für Sopran „Et incarnatus est“ aus Missa c-Moll KV 427 Duett Papageno – Papagena „Pa-pa-pa“ aus „Die Zauberflöte“ KV 620

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kontrolliert wird. Um ehrlich zu sein – ich habe es gehasst. Schon deshalb hätte ich nicht Sportlerin werden können. Im Sport ist Wettbewerb zwar unvermeidlich, aber ich finde es schade, wie sehr dieses Prinzip auch auf andere Bereiche, auch auf die Musik, übertragen wird, wo es gar nicht nötig ist. In unserer Gesellschaft, die sehr auf Konkurrenzdenken aufgebaut ist, werden wir durch das ständige Vergleichen mit anderen oft von dem Fokus und dem Kern der Sache weggeführt. Wir wollen dadurch immer wie andere oder besser als jemand anderer sein, dabei liegt die Lösung bei uns selbst – etwas Gutes entsteht immer nur dann, wenn wir wirklich wir selbst sind. Wie soll man überhaupt die leistung eines dirigenten messen? Ich glaube, es gibt keine eindeutige Antwort darauf, was einen guten Dirigenten ausmacht. Natürlich gibt es einen objektiven Teil, der die Technik betrifft, die Beherrschung des Handwerks etwa. Aber das alleine macht noch keinen guten Dirigenten aus. Das ist die Voraussetzung, aber interessant wird erst, was danach kommt.

Um eine Leistung des Dirigenten messen zu können, braucht man einen sehr guten Unterscheidungssinn, was von der Musik, was vom Orchester und was von dem Dirigenten kommt. Das ist oft aber gar nicht so einfach, weil vieles sich auch gegenseitig bedingt. In Wettbewerben spielt oft auch Geschmack eine Rolle, da sind manchmal objektive Kriterien nicht so wichtig. Worauf wird denn dann geschaut? Ich weiß es wirklich nicht. Ein Freund von mir sagt, dass es immer auf den Zeitgeist ankommt, es einen bestimmten Dirigenten-Typus gibt, der gefördert wird. Das mag ab und zu sogar zutreffen, aber so zu denken ist gefährlich. Denn die Konsequenz wäre, dass man andere imitieren müsste. Das aber führt künstlerisch in eine Sackgasse. Dieses Wissen war schon immer in mir. Deshalb bin ich auch oft Umwege gegangen – weil ich wusste, dass die Dirigiersprache nur aus mir kommen kann und muss. Manche übernehmen äußerlich die Bewegungen von berühmten Dirigenten. Für mich ist das kein Weg. Um die äußeren Bewegungen geht es sowieso nicht,

SUMMARY

“A skirt getting a 100-man band to play unisono – what a joke!”, scoffed Richard Strauss. Today no-one scoffs at a woman on the podium, although she remains the exception. The heroic myth of the maestro, the magician, the tailcoated god, was too firmly established – particularly in Germany and Austria, the motherlands of the classical repertoire. One of the few women who have recently succeeded in defying this challenge is Estonian musician Kristiina Poska. “When I started conducting”, she says, “I never even thought about whether it might possibly be unusual… No-one tried to make it hard for me – not professors nor anyone. On the contrary, I always had plenty of support. But then, when I had my first public performances, I saw it made a stir in the media.” She did not let this worry her, however, and continued to pursue her career, first studying choral conducting at the Estonian Academy of Music in Tallinn, and from 2004 orchestral conducting at the Hanns Eisler School of Berlin. She will never forget the first time she stood before an orchestra: “The feeling was just indescribable, like a tsunami, a gigantic wave of energy that almost blew me away. Since then, I’ve been hooked; there’s nothing else I want to do, only to live in this sound and be a part of this miracle!” From 2006 to 2011 Kristiina Poska was principal conductor of the “Cappella academica” of the Humboldt University symphony orchestra, with which she gave regular guest performances in the Berlin Konzerthaus. After frequent appearances at the Komische Oper in Berlin, she was appointed First Kapellmeister there from 2012/13. In 2013 she was also the first woman to receive the German Conductors’ Award. She is now freelancing. A very special relationship links her with Mozart’s music: “Mozart is like a kind of drug. The effect doesn’t seem so great at first, but the deeper you immerse yourself in his world, the stronger the effect.” At the 2018 Mozart Week, she will accompany a concert of arias, at which Rolando Villazón – the Salzburg Mozarteum Foundation’s official Mozart ambassador and as from 2019 artistic director of Mozart Week – will read from Mozart’s letters.


Weg überhaupt. Meine glücklichsten und erfülltesten musikalischen Momente habe ich Mozart zu verdanken, besonders in seinen Opern. Seine Musik ist buchstäblich reinigend, sie gibt Energie, spendet Glückshormone, ist eine Art Heilung. Nun debütieren Sie bei der Mozartwoche 2018 mit dem Mozarteumorchester Salzburg und einem Arienabend, bei dem rolando Villazón als Mozart-Botschafter der Stiftung Mozarteum aus Briefen Mozarts rezitieren wird. Aber auch singen wird. Wir kennen uns seit einigen Jahren, haben an der Wiener Volksoper Donizettis „Viva la Mamma“ produziert, in der Rolando Regie führte. Rolando ist eine Inspiration! Alles blüht auf rings um ihn, egal wo er hingeht. Dadurch war die Arbeit mit ihm eine Freude und eine sehr bereichernde Erfahrung. Man braucht viel Phantasie, um mit seiner Welt mitgehen zu können. Bei ihm sind Humor, Begabung, Wissen und Intelligenz auf höchstem Niveau vertreten und auf beste Weise kombiniert. Und vor allem ist er ein Künstler, der etwas zu sagen hat. Mit dabei sind auch die Sopranistinnen regula Mühlemann und Siobhan Stagg. Staggs debüt als Blonde in Mozarts „Entführung aus dem Serail“ im April 2015 an der Hamburger Staatsoper haben Sie begleitet. Siobhan ist damals in Hamburg, soweit ich mich erinnere, kurzfristig eingesprungen. Sie hatte die Rolle zwar schon vorbereitet, aber nie gesungen. Wir alle konnten es einfach nicht glauben, weil sie so unglaublich schnell und überzeugend war. Sie hat diese Leichtigkeit und Flexibilität, verbunden mit starkem Ausdrucksvermögen – genau das, was Mozart braucht. Welche Eigenschaften hat für Sie der perfekte Mozart-Sänger? Der perfekte Mozart-Sänger ist leidenschaftlich, feinfühlig, versteht seine Stimme als Mittel, die der Musik dient, die Botschaft überbringt, und nicht umgekehrt. Und – wer Drama liebt!

KRISTIINA POSKA

die sind nur insofern wichtig, dass die tig, weil es ohne Nachwuchs keine ZuMusiker dich verstehen. Dirigieren ist kunft gibt, aber man darf der Kraft aber ein innerer Weg. der Musik auch einfach vertrauen. Ich bin, was die Zukunft der klassischen Vor allen dingen ändert sich ja auch Musik betrifft, sehr optimistisch, eben die Sprache der dirigenten im laufe weil ich an diese Kraft glaube. der Jahre. Nehmen wir zum Beispiel Es wird heute auf die Erkenntnisse Sergiu celibidache… Da läuft auch sehr viel subtil. Vieles der Hirnforscher gesetzt, denen zuhat mit den Bewusstseinsstufen zu tun, folge es „zeitfenster“ in der Entwickdie man im Leben durchläuft. Das ist lung eines Kindes gibt, die es zu nutbei diesem Beruf das Interessanteste zen gilt. Eltern haben oft Angst, etüberhaupt. Zu Beginn seiner Laufbahn was zu verpassen. war Celibidache stürmisch, dirigierte Ja. Instrumentalisten müssen natürmit wilden Bewegungen. Im hohen lich früh anfangen, weil so viel an Alter nahm er die Tempi wesentlich Technik erst einmal angeeignet werlangsamer. Wahrscheinlich hätte er in den muss. Es ist aber sicher mehr jungen Jahren mit seinem Altersstil gar möglich, als man allgemein glaubt. Es kein Ergebnis erzielt. Man muss Er- gibt auch Dirigenten, die erst sehr fahrungen sammeln, man merkt, was spät angefangen haben. funktioniert und was nicht. Bei älteren Dirigenten hat man oft das Gefühl, Wann standen Sie zum ersten Mal vor dass die Musik zu ihnen fließt, sie einem orchester? müssen kaum etwas dafür tun. Junge Ich habe Chorleitung an der EstniDirigenten müssen aber sehr viel von schen Musikakademie in Tallinn stusich geben, um ein Ergebnis zu errei- diert. Mein Professor war auch Orchen. Es hat vielleicht auch mit Res- chesterdirigent und ich durfte einmal pekt zu tun, den man sich im Laufe vor seinem Orchester stehen. Mein der Jahre erringt, aber sicherlich nicht erstes Stück war der erste Satz von nur. Ich glaube, das Wesentliche ist Mozarts Symphonie A-Dur KV 201. das, was in einem innerlich passiert Das war ein unbeschreibliches Gefühl, und was innerlich da ist. Das beein- wie ein Tsunami, eine riesige Energieflusst den Klang am meisten. Bei mei- welle, die mich wegblasen wollte. ner ersten Opernproduktion in Kob- Seitdem bin ich abhängig, will nichts lenz hat mir der langjährige Konzert- anderes mehr machen, nur in diesem meister allerdings gesagt: Musiker spie- Klang leben, unbedingt ein Teil dieses len gut, wenn sie Angst vor dem Diri- Wunders sein! genten haben, oder ihn lieben. Was bedeutet ihnen Mozarts Musik? Wie kamen Sie zur Musik? Mozart ist wie eine Art Droge. Am Mein Elternhaus hatte wenig mit klas- Anfang scheint die Wirkung nicht so sischer Musik zu tun. Mein Großvater groß, doch je mehr man in seine Welt aber spielte Klavier, war sehr begabt eintaucht, umso stärker wird die Wirund liebte die Oper. Als ich ihn am kung. Je mehr man Mozart gespeichert Klavier erlebte, habe ich mir damals hat, umso weniger braucht man, um gesagt: „So will ich auch spielen!“ Mit den Kick zu bekommen. Wenn man sechs Jahren bat ich meine Mutter, ihn in seine Bestandteile zerlegt, denkt mich an einer Musikschule anzumel- man, dass seine Musik sehr simpel den. Mit symphonischem und Opern- und einfach ist. Aber dieser Schein repertoire bin ich erst nach der Pu- trügt natürlich. Als ich zum ersten Mal bertät in Berührung gekommen. Ich zum Beispiel Schostakowitsch hörte, bin ein gutes Beispiel dafür, dass al- war das wie eine Wucht. Man ist erlein die Wirkung von klassischer Mu- schlagen. Auch bei Beethoven ist es sik die Faszination, die Begabung ent- so. Bei Mozart war es eine Liebe, die fachen kann. Die vielen Education-Pro- sich erst einmal entfalten musste, aber gramme sind natürlich extrem wich- es war musikalisch der allerschönste

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diE MENScHlicHE SEElE iN MUSiK üBErSEtzt: MozArt!

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© Wolfgang Lienbacher / ISM

ROLANDO VILLAZÓN

Rolando Villazón


In seinem Konzert bei der Mozartwoche 2018 wird rolando Villazón auch aus Briefen Mozarts an seine Frau Constanze lesen: „Mozart zu hören führt uns zur rätselhaft-klaren Seele der Musik selbst und öffnet Türen, Wunden und Pfade in unserer eigenen komplizierten Menschenseele. Seine Briefe zu lesen und so über sein Leben zu erfahren, lässt uns einen großartigen Gefährten und wundervollen Freund im Geiste finden.“ Re.: Aus einem Brief Mozarts an seine Schwester, Wien am 21. August 1773. Bauer/Deutsch, Nr. 291

Meine Reise mit Mozart begann eigentlich 2011, als ich meinen ersten Don Ottavio sang. Bei der Vorbereitung der Rolle hatte ich nicht nur die wunderbare Partitur im Blick, sondern begann, Mozarts Briefe zu lesen und bald zu verschlingen. Im ungefilterten Fluss seiner Gedanken gibt Mozart einen einzigartigen Blick in seine Seele frei und wir entdecken, dass er in der Tat all diese Dinge ist, und mehr: ein Genie, ein tiefernster Musiker und Denker, eine verspielte Seele. Mozart ist ein Mann der Aufklärung; Mozart ist auch ein liebenswerter Spaßvogel. Mozart ist tiefsinnig, reif und intelligent. Mozart ist zugleich verspielt, witzig und kindisch. Mozart ist so groß wie seine Unsterblichkeit und so nah bei uns wie die Liebe, die er für die Menschen empfand. „Liebe! Liebe! Liebe! ist die Seele des Genies“, schrieb Gottfried von Jacquin in Mozarts Stammbuch. Mozart ist Mozart – und er ist auch Trazom. Seit 1956 setzt die Mozartwoche mit international herausragenden Musikern Maßstäbe der Mozart-Interpretation und wurde so zum renommiertesten Mozart-Festival der Welt. Mozart, der Visionär, der seine eigene musikalische Sprache schuf, blickte gleichzeitig immer auch zurück mit dem Ziel, eine ideale Synthese von Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft zu finden. Auf eben diesen Geist wird sich die Mozartwoche wieder besinnen und sich dabei auf Mozart – und nur auf Mozart – konzentrieren. In den kommenden Jahren wollen wir die vielen Facetten Mozarts entdecken und sie in einem Fest für einen Menschenfreund ohnegleichen vereinen. Ein Fest, das uns die schönsten Mozart-Aufführungen unserer Zeit beschert und es uns zugleich erlaubt, uns mit Mozarts spielerischer Seite zu beschäftigen. Dieses Fest wird auch die Stadt Salzburg mit einschließen und alle einladen, dabei zu sein.

Exploring the streets of Salzburg presents the visitor with two distinct, seemingly contradictory images of the city’s most famous son: there is the grand, serious, authoritative statue on the Mozartplatz, larger than life – a monument to his towering genius. There are the two extraordinary museums: the house where he was born and the house where he lived, both treasure troves of instruments, letters, books and portraits of the master. And then there is the playful, mischievous Mozart who can be found anywhere, from Mozart-puppets to the famed Mozartkugeln. My journey with Mozart really began in 2011, when I sang my first Don Ottavio. In preparing the role, I looked not only at the magnificent score itself, but began reading and then devouring Mozart’s letters. Through his letters, through the unfiltered flow of his thoughts, Mozart gives us a unique insight into his soul, and we discover that he is in fact all of these things, and more – a genius, a deeply serious musician and thinker, a ludic soul. Mozart is a man of the Enlightenment; Mozart is also an endearing jester. Mozart is profound, mature and intelligent; Mozart is also playful, witty and childish. Mozart is as tall as his immortality and as close to us as the love he felt for humanity. “The soul of the genius is love, love, love”, wrote Gottfried von Jacquin in Mozart’s album. Mozart is Mozart – and he is also Trazom. Since 1956, the Mozart Week has set standards for Mozart interpretation by the world’s greatest musicians, to become the most renowned Mozart festival in the world. Inasmuch as he turned out to be a visionary, creating his own musical language, Mozart was fundamentally classical, constantly looking back to form an ideal synthesis of present, past and future. It is in that same spirit that the Mozart Week will refocus, concentrating on Mozart, and Mozart only. Over the coming years, we want to explore all the facets of Mozart and bring them together in a celebration of one of humanity’s dearest friends. A celebration which both brings us the finest Mozart performances of our time and allows us to engage with Mozart’s playful side. A celebration, too, that includes and engages the city of Salzburg and invites everyone to join in the festivities.

Discovering Mozart has been one of the most rewarding Die Entdeckung Mozarts war eine der lohnendsten Erfah- experiences of my life. Sharing this experience with more rungen meines Lebens. Es wird mir eine große Ehre und people, always at the service of the great master himself, Freude sein, diese Erfahrung mit anderen Menschen zu tei- will be an immense honour and joy. len, stets im Dienste des großen Meisters selbst.

ROLANDO VILLAZÓN

Wer sich auf Erkundungstour durch Salzburgs Straßen begibt, dem begegnen zwei unterschiedliche, scheinbar widersprüchliche Bilder des berühmtesten Sohnes der Stadt: Da ist die stattliche, würdevolle, Respekt einflößende Statue am Mozartplatz – ein überlebensgroßes Denkmal an sein herausragendes Genie. Da sind die beiden außergewöhnlichen Museen: sein Geburtshaus und sein Wohnhaus, beide wahre Fundgruben für Instrumente, Briefe, Bücher und Porträts des Meisters. Und dann ist da der verspielte, schelmische Mozart, den man überall findet, von Mozartpuppen bis zu den berühmten Mozartkugeln.

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Š Marco Borggreve

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„Mit KiNdlicHEr FrEUdE UNd NEUGiErdE“ Der Klarinettist, Komponist und Dirigent Jörg Widmann im Porträt bei der Mozartwoche 2018

»MOZART – OHNE WORTE«

Herr Widmann, bei der Mozartwoche 2018 sind sie in ihrer tripel-rolle als instrumentalist, Komponist und dirigent zu erleben – eine Besonderheit im heutigen Musikleben. Zu Mozarts oder zu Mendelssohns Zeiten wäre es nicht der Erwähnung wert gewesen, dass ein Komponist auch Solist ist und dirigiert. Es sind verschiedene Handwerke, aber Ausdruck ein und desselben, nämlich der Seele und ihrem Glück, Musik machen zu dürfen. Bei meinen ersten Kompositionen, zum Beispiel im Falle einer Schauspielmusik für Dieter Dorn und sein Ensemble an den Münchner Kammerspielen, bin ich auch ins kalte Wasser geworfen worden. Ich hatte damals nicht den Eindruck, das zu können, aber Dorn hat mich sehr ermutigt – und ich habe es durch das Machen gelernt. Beim Dirigieren war es Gerard Mortier, der mir bei „Am Anfang“, meinem Stück für die Bastille-Oper mit Anselm Kiefer, schon während der Komposition sagte, er wünsche sich mich auch am Pult. Ich war überrascht, der Gedanke lag mir damals fern, aber es wurde ganz schön. Dann hat mich Mariss Jansons gebeten, eine Probe für mein „Con brio“ mit dem Symphonieorchester des

Bayerischen Rundfunks zu leiten. So Schreiben Sie selbst für die Klarinetging das los – heute ist es ein selbstver- te anders als Komponisten, die das ständlicher Teil meines Musizierens. instrument nicht spielen können? Wolfgang Rihm hat bisher zwölf StüGibt es bei diesen vielfältigen musi- cke für mich geschrieben und mir zukalischen tätigkeiten für Sie manch- vor und seither genau zugehört. Das mal tage ohne Klarinette? heißt aber nicht, dass er nur das geSehr wenige! Vielleicht, wenn ich in macht hat, was für mich spezifisch ist, der Endphase einer Komposition bin. sondern er hat mich auch herausgeAber ich nehme das Instrument sehr fordert. In den „Vier Malen“ ist der ersernst – und wenn es manchmal nur te Ton so absurd hoch und zugleich 20 Minuten sein mögen, die den An- leise, dass ich zunächst nicht wusste, satz pflegen. Mir fehlt sonst etwas. Man wie das gelingen könnte. Und für „Muentwickelt sich ja immer weiter und sik für Klarinette und Orchester“ mussich will auch in den klassischen Stü- te ich meine Technik umstellen, um cken nicht bloß etwas einmal Gefun- das Stück physisch überhaupt durchdenes ein Leben lang perpetuieren. zustehen. Dabei habe ich auch viel Gerade bei den großen Mozart-Stü- über meine Romantikinterpretationen cken entdeckt man immer wieder et- gelernt, etwa von Schumann, wo ganz was Neues. Außerdem spiele ich oft ähnliche konditionelle Hürden besteUraufführungen, es interessiert mich hen. Das beeinflusst sich alles gegeneinfach, auch, wenn die Herausforde- seitig. Bei meinem eigenen Komporungen von Mal zu Mal enorm sein nieren für Klarinette hatte ich Ende mögen. Ich halte es für einen Künst- der 1990er-Jahre den Verdacht, ich ler unerlässlich, sich nicht mit dem würde vielleicht nur das aufschreiben, Bekannten zufriedenzugeben. Deshalb was mir gut liegt. Es stimmt schon, bewundere ich am meisten diejenigen, wann immer ich einen Klarinettenton die sich ständig neu erfunden haben: notiere, greife ich ihn natürlich im in der Malerei zum Beispiel Pablo Pi- Geiste. Ich habe deshalb in einigen casso, in der Musik Strawinsky oder Stücken versucht, das Instrument auch Miles Davis. komplett neu zu denken. Heute ist es

JÖRG WIDMANN

JörG WidMANN iM GESprÄcH mit Walter Weidringer

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„Komponieren ist bei mir undenkbar ohne die Erfahrung des Spielens, ich bin jemand, der physisch Töne produziert“, sagt Jörg Widmann. Als er sich in seiner Kindheit für die Klarinette entschied, spielten das Klarinettenkonzert und das Quintett von Mozart eine entscheidende Rolle. Niemand habe den Geist der Klarinette so genau verstanden wie Mozart, meint Widmann. „Als Künstler, als Komponist sage ich ganz offen, da müssen wir alle unsere Schreibgeräte aus der Hand legen, wenn es um dieses Genie von diesem Kerl geht.“

JÖRG WIDMANN

ein lustvolles Verhältnis: Ich schreibe für alle Instrumente gerne, die Klarinette wird immer speziell bleiben, aber ich versuche, die Grenzen des Möglichen auszuloten und wenn möglich zu versetzen. Die technischen Schwierigkeiten sind aber nicht dazu da, um Rekorde aufzustellen, sondern um den Klang zu erweitern. Unsere Welt ist so farbenreich und vielfältig, warum sollte das in der Kunst nicht so sein, warum sollten wir uns zum Beispiel auf 12 Töne pro Oktave beschränken?

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Klang. Und trotzdem kommt man nie zu einem letzten Schluss. Nachdenken und Musizieren gehen weiter. Das mag eine lustvolle Grundlage und zugleich eine Hypothek sein, wenn ich selber eines schreibe. Das Stück spiegelt jedenfalls meine ganz besondere Beziehung zum Hagen Quartett wider. Vor einem Jahr in Japan zeigten sie mir eine spezielle Tremolotechnik, bei der der Bogen eigentlich gar nicht bewegt wird, der Klang gleichsam von selbst entsteht – das wollte ich sofort verarbeiten. Meine Musik hat sehr oft mit den Ausführenden zu tun, also mit den Menschen, für die ich schreibe. Ich möchte nicht kokett klingen, aber es beschäftigt mich, dass die meisten Komponisten bald nach ihren Klarinettenquintetten gestorben sind... Bei Max Reger war es überhaupt das letzte Stück. Ich bin überzeugt, das war auch der Grund, warum Wolfgang Rihm das für uns komponierte Werk nicht einfach „Klarinettenquintett“ genannt hat, sondern „Vier Studien zu einem Klarinettenquintett“: Es handelt sich tatsächlich um etwas Heiliges und Bedrohliches zugleich.

ist ihnen die Suche nach dem Neuen als Komponist wichtig? Das war für mich immer ein Antrieb, aber nicht im Sinne wissenschaftlicher Forschung, sondern aus der Sicht eines staunenden Kindes. Ein Kind würde am Klavier niemals einen C-Dur-Akkord spielen, sondern irgendwelche Cluster, und diese x-Mal wiederholen (lacht)... Dieses Kindliche spüre ich in mir nach wie vor. Zum Beispiel unlängst in Mendelssohns „Reformationssymphonie“, wo wir einen Zusammenklang von Hörnern und Kontrabässen gefunden haben, der mich völlig begeistert hat. Insofern ist das Neue etwas Wichtiges, aber es darf nicht Selbstzweck sein. Wir leben in einer Zeit, in der uns oft die Werbung das Neue als Wert an sich verkaufen will. Das Neue ist aber zunächst einmal wertfrei – und der Fortschritt durchaus zwiespältig, wenn man beispielsweise an Waffentechnik denkt. Gleichzeitig suche ich, wie schon gesagt, auch in altbekannten Stücken immer noch etwas Neues – mit kindlicher Freude und Neugierde. im Konzert mit der camerata Salzburg steht die Sesto-Arie „parto, parto“ aus Mozarts „la Kann man sich diese Neugierde besser erhalten, wenn man weni- clemenza di tito“ auf dem programm. ger zeitgenössische Musik hört oder mehr? Wie viel zeit haben Sie Mich fasziniert die Arbeit mit Sängerinnen ganz überhaupt für Musik, die Sie nicht selbst machen? besonders, wie ihre Stimmfarben mit der KlariWir leben in einer Welt, die so viel Musik gespeichert hat wie nie nettenfarbe verschmelzen, wie ein Dialog entzuvor. Die Frage ist, ob alles eine Bereicherung ist, oder ob das stehen kann. Gerade zwischen diesen beiden Überangebot den Menschen nicht überfordert und ihn vor die riesi- scheint mir eine natürliche Verwandtschaft zu ge Aufgabe des Wählens stellt. Im Prinzip darf man heute auch als bestehen – obwohl das vermutlich jeder InstruKomponist alles oder alles wieder, Dogmen und Denkverbote sind mentalist behaupten wird, weil wir natürlich alnur noch in Spurenelementen vorhanden. Aber eine Freiheit, die le versuchen, dem Klangideal der Stimme nachnicht absolutes Laissez-faire bedeutet, sondern mich als Komponis- zueifern. Ein Non-vibrato-Ton im Pianissimo lässt ten zu viel mehr Entscheidungen und zum Auswählen zwingt, was sich zwischen Klarinette und Frauenstimme oft ich in welchem Stück zulasse und wo ich hingehen möchte. kaum mehr unterscheiden, viele Sängerinnen haben mir das bestätigt. Diese hinreißende SestoNun haben Sie ihr lange geplantes Klarinettenquintett, das bei der Arie ist allerdings weniger auf Verschmelzung Mozartwoche 2018 erstmals in österreich erklingen wird, voll- hin angelegt als auf Umspielung, Umrankung. endet – ist das die eigentliche Königsgattung für den Komponisten Diese Dreiklangsbrechungen sind etwas Herrliund Klarinettisten Jörg Widmann? ches: Mozart – ohne Worte! Es ist definitiv eine der großen Gattungen. Ich wollte schon 2009 eines schreiben, habe aber damals gemerkt, ja sogar physisch ge- carl Maria von Webers concertino op. 26 liegt spürt, dass ich noch nicht so weit, noch nicht reif dafür war. Natür- ihnen besonders am Herzen? lich besteht mein Leben zu einem nicht geringen Teil aus dem Spie- Ein perfektes Stück! In zwölf Minuten – das muss len der großen Quintette von Mozart, Brahms und auch Weber, den man erst einmal schaffen! – wird alles gesagt. ich besonders verehre. Es gibt wohl keine Stelle in diesen Quintet- Webers Farbmischungen sind einzigartig. Es gibt ten, über die ich nicht mit verschiedenen Streichquartetten disku- da eine Stelle, die nur für geteilte Bratschen in tiert und mit ihnen Varianten ausprobiert hätte, in den Tempi, im tiefer Lage instrumentiert ist, und die Klarinet-


© Marco Borggreve

So 28. JÄNNEr 15.00 #07 Stiftung Mozarteum, Wiener Saal SCHUMANN QUARTETT Mozart Streichquartett d-Moll KV 173 Duo G-Dur für Violine und Viola KV 423 Jörg Widmann Auswahl aus den 24 Duos für Violine und Violoncello Mozart Fünf Fugen aus dem „Wohltemperierten Klavier“ Teil II von J. S. Bach. Bearbeitung für Streichquartett von Mozart KV 405 Streichquartett G-Dur KV 387

do 1. FEBrUAr 11.00 #18 Stiftung Mozarteum, Großer Saal HAGEN QUARTETT JÖRG WIDMANN KLARINETTE Jörg Widmann Klarinettenquintett Österreichische Erstaufführung Mozart Klarinettenquintett A-Dur KV 581 Fr 2. FEBrUAr 11.00 #21 Stiftung Mozarteum, Großer Saal CAMERATA SALZBURG JÖRG WIDMANN LEITUNG, KLARINETTE OLIVIA VERMEULEN MEZZOSOPRAN Jörg Widmann „Con brio“. Konzertouvertüre für Orchester carl Maria von Weber Klarinettenconcertino Es-Dur op. 26 Jörg Widmann „180 beats per minute“ Mozart Arie „Parto, parto“, Nr. 9 aus „La clemenza di Tito“ KV 621 mit obligater Klarinette

Symphonie g-Moll KV 550 Zweite Fassung mit Klarinetten

te spielt noch tiefer dazu, die tiefsten Töne: Diese Farbe gibt es bei den anderen Komponisten dieser Zeit sonst nirgends, auch bei Beethoven nicht – einzigartig! Berlioz sagt den jungen Komponisten in seiner Instrumentationslehre sinngemäß: Wollt ihr wissen, wie man für die Geige schreibt? Weber! Für das Horn? Weber! Und im Klarinettenkapitel ruft er über die „Freischütz“-Ouvertüre aus: „O Weber!“ –

Und das vollkommen zurecht! Die Tragik, mit der das Stück beginnt: das sind eigentlich Schreie. Die langsame Einleitung besitzt eine Tiefe, die Weber generell, ähnlich Mendelssohn, in der Vergangenheit immer wieder abgesprochen wurde. Bei Mendelssohn entdeckt man das mittlerweile neu, bei Weber hat sich allerdings das Klischee des brillanten, aber etwas belanglosen Komponisten leider noch gehal-

SA 3. FEBrUAr 19.30 #26 Großes Festspielhaus WIENER PHILHARMONIKER VALERY GERGIEV DIRIGENT JÖRG WIDMANN KLARINETTE Mozart Aus „La clemenza di Tito“ KV 621: Ouvertüre pjotr i. tschaikowsky Orchestersuite Nr. 4 G-Dur op. 61 „Mozartiana“ Mozart Klarinettenkonzert A-Dur KV 622 pjotr i. tschaikowsky Serenade C-Dur op. 48 Einführungsvortrag 18.30 Großes Festspielhaus

So 4. FEBrUAr 11.00 #27 Stiftung Mozarteum, Großer Saal MOZART KINDERORCHESTER PETER MANNING DIRIGENT NATHAN RINALDY FLÖTE PETER LOHMEYER MODERATION Mozart Marsch C-Dur KV 408/1 Aus Flötenkonzert G-Dur KV 313: 1. Satz Jörg Widmann Aus „Dubairische Tänze“ für Ensemble: „Wiegenlied“ Mozart Symphonie G-Dur KV 124 Marsch D-Dur KV 335/1

ten. Ich spüre in dieser Musik eine abgründige Seelentiefe. Das Hauptthema ist von einer ganz persönlichen Schlichtheit. Für mich ist es eine mirakulöse Verbindung von Mozartischen Elementen und Naivität im schönsten Sinn auf der einen Seite und Wagner auf der anderen. Wagner hat ihn ja hoch verehrt und Musik zu Webers Beisetzung in Dresden komponiert. In der „Freischütz“-Ouvertüre gibt es

JÖRG WIDMANN

JörG WidMANN iM portrÄt BEi dEr MozArtWocHE 2018

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© Harald Hoffmann

Mit dem Hagen Quartett stehen Jörg Widmann besondere Mozart-Kenner zur Seite; gemeinsam spielen sie bei der Mozartwoche 2018 die österreichische Erstaufführung von Widmanns Klarinettenquintett, dazu das Werk Mozarts, von dem es inspiriert ist: sein Klarinettenquintett KV 581, geschrieben 1789 für seinen Freund, den Klarinettisten Anton Stadler.

eine harmonische Wendung, die man glatt für Wagner halten würde. Gleichzeitig ist Weber in seiner Formensprache und seiner Phrasenbildung ganz Mozartisch klassisch. Da stoßen zwei Jahrhunderte, zwei Stile aufeinander, die er auf völlig natürliche Weise vereint – und diese Mischung fasziniert mich. ihr „con brio“ ist hingegen als Beethoven-Kommentar entstanden. Ja, diese Ouvertüre wäre ohne die 7. und die 8. Symphonie von Beethoven nicht denkbar, vollzieht sich aber in völlig heutiger Klanglichkeit. Beethoven hat unter allen Komponisten vermutlich die höchste Anzahl von Sfor-

zati vorgeschrieben. In diesem Stück geht es vor allem um Fanfaren und Signale: Die Pauke – beinahe das geheime Soloinstrument, das fast durchgehend mit allerlei unkonventionellen Spieltechniken beschäftigt ist – beginnt mit einem rhythmischen Motiv, das sich gleich einbremst, ein TuttiF-Dur-Akkord antwortet, dem sofort ein atemähnlicher Geräuschklang folgt... Es sind bewusst heterogene Teile, alle mit Signalwirkung, tonale Elemente mischen sich in allen Instrumentengruppen mit den avanciertesten Techniken. Ironie und Humor spielen eine wichtige Rolle, und Beethovens speziell grimmigem Humor versucht dieses Stück, auf hoffentlich meine eigene

Weise, nachzuspüren. Die Ouvertüre ist virtuos und technisch herausfordernd, endet aber nicht etwa mit einem schmetternden Exzess, sondern ganz bewusst leise, mit einem unwirklichen Verklingen. Und Sie kehren zum Herzen des repertoires zurück, Mozarts Klarinettenkonzert. Ich habe es in Salzburg lange nicht mehr gespielt und freue mich sehr auf die Wiederbegegnung mit den Wiener Philharmonikern, für die ich ja einmal die Mozart-Hommage „Armonica“ komponiert habe, um dieses unendlich schöne, ja heilige Stück zusammen musizieren zu können.

JÖRG WIDMANN

SUMMARY

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Jörg Widmann is clarinettist, composer and conductor – an unusual triple role in today’s music world, although, he says, in Mozart’s or Mendelssohn’s day, it wouldn’t even have been remarked upon. As a composer, he enjoys writing for all instruments, but of course especially for the clarinet, for which he explores the boundaries of possibility, seeking to expand the sound and the tone colour. Widmann plays and listens to a great deal of music by his contemporaries. As a performer, he approaches all music “with childlike curiosity”, open to new insights. Widmann’s compositions are written with specific performers in mind, and his longplanned clarinet quintet reflects his special relationship with the Hagen Quartet. They showed him a new kind of sound using a tremolo technique, on the basis of which he was planning a whole movement. He is fascinated by working with singers because he feels there is a natural affinity between the tone of the clarinet and that of the human voice, so that they merge in dialogue. In Sextus’ aria, however, the clarinet entwines the voice with eloquent arpeggios. Weber’s Concertino op 26 is Widmann’s idea of a perfect composition: natural simplicity yet great depth of expression, combining two centuries – classical forms and phrasing with unprecedented colour and harmony. Widmann’s Con brio overture is a modern response to Beethoven’s 7th and 8th symphonies. It contains humour and irony, ending not in a resounding flourish, but dying away into unreality. With Mozart’s Clarinet Concerto, he returns to the heart of the repertoire, looking forward to a reunion with the Vienna Philharmonic, for whom he once composed Armonica, a homage to Mozart.


MozArtS loNdoNEr BAcH UNd EiN diriGENt Für AllE JAHrESzEitEN Das Konzert des Mozarteumorchesters Salzburg unter seinem neuen, leidenschaftlichen Chefdirigenten Riccardo Minasi bei der Mozartwoche 2018

Gottfried Franz Kasparek

Im April 1764 musizierten die beiden erstmals gemeinsam in London – ein anerkannter Meister von 29 Jahren und ein 8-jähriges Wunderkind. Vater Leopold empfahl die Symphonien Bachs dem Sohn zur Nachahmung, weitere Begegnungen fanden statt, wahrscheinlich entwickelte sich eine Art Unterrichtsverhältnis. Mozart übernahm von Bach das sogenannte „singende Allegro“, dessen Abstammung in der italienischen Oper zu suchen ist. Hört man Symphonien und Konzerte Johann Christians und solche des jungen Mozart im Vergleich, sind die Ähnlichkeiten verblüffend. Man mag dem Knaben schon damals eine besondere Begabung für hitverdächtige Melodien zuschreiben, in Form und Harmonik könnten die Stücke vom selben Komponisten stammen. Die beiden trafen einander 1778 in Paris als gute Freun-

de wieder, doch schon im Jänner 1782 starb Johann Christian, über dessen Londoner Grab sich heute ein Tennisplatz befindet. Mozart gab seiner Trauer in einem Brief an den Vater Ausdruck: „... sie werden wohl schon wissen daß der Engländer Bach gestorben ist? – schade für die Musikalische Welt!“ Die Werke des „Engländers“ Bach für Doppelorchester blieben bis in das 19. Jahrhundert populär. Zwei Streichergruppen sitzen einander gegenüber. In der ersten befinden sich Oboen und Hörner, in der zweiten die Flöten. Das Fagott ist auf beiden Seiten vertreten. Mozart hat in seiner „Serenata notturna“ Ähnliches probiert. Der Begriff „Sinfonia concertante“ für ein symphonisch durchgestaltetes Konzert für mehr als ein Soloinstrument ist heute fast nur noch durch Mozarts und Joseph Haydns Gattungsbeispiele ein Begriff, aber auch in diesem Falle zählte Johann Christian Bach zu den Vorläufern und Kollegen, denn er schrieb mindestens 17 davon. Alle diese Stücke sind Meisterwerke. Im Konzert des Mozarteumorchesters Salzburg unter seinem neuen, leidenschaftlichen Chefdirigenten Riccardo Minasi bei der Mozartwoche 2018 begegnen wir neben dem erfolgreichen

Salzburger Cembalisten und „Hammerflügler“ Florian Birsak drei Musikern aus dem Orchester, die jeder und jede für sich auch solistische Karriere machen. Konzertmeister Frank Stadler ist nicht nur Primarius seines renommierten Streichquartetts, sondern mit Konzerten von Bach bis zur Moderne international unterwegs. Solocellist Florian Simma ist Kollege auch im Quartett und ein ebenso begnadeter Kam-

MOZARTS LONDONER BACH

Werke des jüngsten Sohns von Johann Sebastian Bach solchen Wolfgang Amadeus Mozarts gegenüber zu stellen, ist sinnvoll und erhellend. War Johann Christian, der „Londoner Bach“ mit italienischer Erfahrung, der einzige Opernmaestro und Katholik der Familie, ein Mann voller Lebenslust und „Starkomponist“ seiner Zeit, doch einer der wesentlichsten Impulsgeber des Knaben Mozart.

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© Marco Borggreve

Fr 2. FEBrUAr 19.30 #20 Stiftung Mozarteum, Großer Saal MOZARTEUMORCHESTER SALZBURG RICCARDO MINASI DIRIGENT ANTJE WEITHAAS VIOLINE FLORIAN BIRSAK HAMMERKLAVIER FRANK STADLER KONZERTMEISTER UND VIOLINE FLORIAN SIMMA VIOLONCELLO, ISABELLA UNTERER OBOE Johann christian Bach Symphonie Es-Dur op. 18/1 – W C26 Sinfonia concertante B-Dur W C48 Mozart Violinkonzert A-Dur KV 219 Symphonie D-Dur KV 385 „Haffner“ Einführungsvortrag 18.30, Stiftung Mozarteum

MOZARTS LONDONER BACH

SUMMARY

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Mozart’s London Bach and a conductor for all seasons Johann Christian, the “London Bach”, was one of the major influences on the young Mozart. In April 1764, aged 29, he performed in London together with the 8-year-old prodigy, whose father Leopold recommended J.C. Bach’s symphonies and concertos as models of composition. Mozart combined his talent for writing catchy melodies with the formal and harmonic style of the friend he met again in Paris in 1778. Thus the juxtaposition of works by the two composers promises an enlightening experience. J.C. Bach’s works for two orchestras remained popular well into the 19th century. The “sinfonia concertante” is little known today, apart from the two works by Mozart and Haydn – but J.C. Bach wrote at least 17, all of them masterpieces. In the Salzburg Mozarteum Orchestra’s concert under their new principal conductor Riccardo Minasi, the B flat major work will be performed by Florian Birsak and three prominent musicians from the Orchestra. After the interval, distinguished German violinist Antje Weithaas will perform Mozart’s Concerto K. 219, and the concert concludes with the “Haffner” Symphony K. 385. Minasi likes to include in his programmes “works the Orchestra has never played before” – which probably applies to those of J.C. Bach. Minasi, himself a violinist, has performed with numerous high-ranking period-performance ensembles; he co-founded the ensemble “Il pomo d’oro”, and is Artist in Residence with the Ensemble Resonanz in the new Hamburg Elbphilharmonie. His opera repertoire includes Don Giovanni and Carmen, and as a musicologist he collaborated on the critical edition of Bellini’s Norma, which formed the basis of the superb Salzburg production with Cecilia Bartoli. “I can say without exaggeration that my encounter with the Mozarteum Orchestra was a veritable flash of lightning”, said Minasi. It was vital to find a principal conductor with firm grounding in baroque music, the Vienna Classical school, and above all, Mozart – but with interests extending to the present day. Minasi’s subtly dramatic programmes show a mastery of the literature of the past 400 years. His Mozart Week programme illustrates how J.C. Bach opened doors through which Mozart was able to progress into the future.


© Hermann Posch

mermusiker wie Solooboistin Isabella Unterer. Nach der Pause wird Antje Weithaas Mozarts Violinkonzert KV 219 spielen; den Abend krönen wird die „Haffner-Symphonie“. Riccardo Minasi, ein Musiker mit großem Herz und blitzendem Verstand, liebt es, Stücke auf das Programm zu setzen, „die das Orchester bisher nie gespielt hat“, was auf die Werke von Johann Christian Bach zutreffen dürfte. Zwar nennt die Diskographie des charismatischen, 1978 geborenen Dirigenten und Geigers aus Rom bislang nur Barockes und Klassisches, doch schon im ersten Salzburger Konzert verblüffte er mit der mitreißenden Selbstverständlichkeit, mit der er neben Händel auch Respighi, Nielsen und Pärt musizierte. Die „Jahreszeiten“ waren nicht die von Vivaldi, sondern die von Verdi. Und des Öfteren griff er selber zur Violine. Der Geiger Minasi wirkte in verschiedenen hochkarätigen Ori-

ginalklang-Ensembles mit, „Il pomo d’oro“ hat er gegründet, beim Ensemble Resonanz ist er Artist in Residence in der neuen Hamburger Elbphilharmonie. Der Dirigent Minasi freut sich zum Beispiel auf Berlioz, Tschaikowsky, Richard Strauss und eine Symphonie des Afroamerikaners William Grant Still. Sein Opernrepertoire beinhaltet Mozarts „Don Giovanni“ ebenso wie Bizets „Carmen“. Dass Minasi gar nicht so nebenbei auch musikwissenschaftlich tätig ist, zum Beispiel als Herausgeber der neuen kritischen Ausgabe von Vincenzo Bellinis Oper „Norma“, passt in das Bild eines umfassenden Musikers. Auf dieser Ausgabe fußte die Maßstäbe setzende Salzburger Produktion mit Cecilia Bartoli. „Ich kann ohne Übertreibung sagen, dass die Begegnung zwischen dem Mozarteumorchester und mir ein wahrhaftiger Blitzstrahl war“, so Riccardo Minasi über seine neue Berufung. Es

war wichtig, einen Chef für das Orchester zu finden, der mit dem Wissen um die Barockmusik gesegnet ist, die Wiener Klassik und vor allem natürlich Wolfgang Amadeus Mozart als Zentralgestirn des Salzburger Musiklebens begreift – dessen Interessen aber bis zur Gegenwart reichen. Minasis Programme verblüffen durch ihr dramaturgisches Feingefühl und einen souveränen Blick auf die Literatur der letzten 400 Jahre. Um den Kreis zu schließen: die Konfrontation zweier wenig bekannter Stücke des „Engländers Bach“ mit zwei viel gespielten Werken Mozarts ergibt keine solche, sondern öffnet eine außerordentlich reizvolle Perspektive. Die „Großen“ in der Musikgeschichte waren nie allein, sie waren ohne Vorläufer und Zeitgenossen kaum denkbar. Auch Mozart macht da keine Ausnahme. Johann Christian Bach hat Tore geöffnet, durch die Mozart in die Zukunft gehen konnte.

MOZARTS LONDONER BACH

Im Konzert des Mozarteumorchesters Salzburg unter seinem neuen Chefdirigenten riccardo Minasi (Seite 37) bei der Mozartwoche 2018 begegnen wir neben – (von li. nach re.) dem Cembalisten Florian Birsak drei Musikern aus dem Orchester, die jeder für sich auch solistisch Karriere machen: Konzertmeister Frank Stadler, Solocellist Florian Simma und Solooboistin isabella Unterer. Li. Seite: Antje Weithaas wird Mozarts Violinkonzert KV 219 spielen.

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David Fray, ein ganz besonderer Pianist, der durch zauberhaft leise Töne, eine staunenswerte Anschlagkultur und sein ebenso ernsthaftes wie bescheidenes Auftreten überzeugt.

„dArAUS lÄSSt SicH lErNEN!“

die Klaviermusik während der Mozartwoche 2018 mit Werken von Mozart und Bach erzählt vom Staunen des einen Genies über das andere.

KLAVIERMUSIK

Von Janis El-Bira

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Eine gewisse Überheblichkeit zählt zum Vorrecht der Jugend. Doppelt gilt das bei jemandem, der eigentlich zeitlebens jung war, und dem gleichzeitig die Erzeugnisse der halben Musikwelt wie die klotzigen Steine beim Solitair-Spiel erschienen sein müssen, die er mühelos überspringen konnte. Da steigt die Überheblichkeit gerne einmal empor – und wenn schon nicht gleich in den Kopf, so doch zumindest in die Kehle, wo sie schöne, süffisante Sätze formt. Sätze wie diesen: „Das ist doch einmal etwas, woraus sich was lernen lässt!“ Wolfgang Amadé Mozart soll das ausgerufen haben, 1789, da war er gerade 33 Jahre alt, noch immer jung also, und doch bloß zwei Jahre von seinem frühen Tod entfernt. Anlass seines Erstaunens, dass es überhaupt noch irgendetwas gab, woraus er, der Götterknabe, „etwas lernen“ könne, war ein Besuch in Leipzig. Dort hatte Kantor Johann Friedrich Doles seine Thomaner für den Ehrengast eine Bach’sche Motette singen lassen und Mozart hielt es der Legende nach kaum auf der Kirchenbank. „Was ist das?“, soll er nach der Darbietung mit einiger Erregung gefragt haben und ließ sich sofort die Stimmen aushändigen. Mehrere Stunden lang habe er die Einzelpartien, zu

denen nicht einmal eine Partitur erhalten war, studiert, bevor der berühmte Satz fiel: Hier also ließ sich etwas lernen – selbst für ihn, der alle Lehrer seines Lebens stets bleich vor Staunen hatte werden lassen.

2018 zu hören sein wird. Wenn etwa der amerikanische Mozart-Spezialist Robert Levin am 3. Februar dessen Klaviersonaten spielt, dann kann man vor allem den aus seinen Adoleszenzjahren stammenden Sonaten KV 279 und KV 281 die Folgen einer frühen Mozarts Begegnung mit dem Werk Jo- Bachschen Prägung anhören: Allerhann Sebastian Bachs gilt als stilprä- dings ist es hier nicht Übervater Jogend für die reifen Jahre des Salzbur- hann Sebastian, der Pate stand, songers. Ohne Bach – und fast gleichwer- dern dessen jüngster Sohn Johann tig: Georg Friedrich Händel – wäre Christian. Mozart war ihm 1764 durch dem Spätwerk Mozarts nicht jene seinen Vater Leopold im Alter von acht vollendete Synthese geglückt, für die Jahren in London vorgestellt worden; es gerühmt wird: Die von Bach „ge- er wurde für das Wunderkind schnell lernte“ Kontrapunktik wird unter Mo- zu einem Vorbild. Nun, zehn Jahre zarts Händen fernab aller Mechanik später, wollte Mozart ihn mit ebenschwebend leicht, beginnt zu singen diesen Sonaten musikalisch im Sinne und gewinnt an unmittelbarer Dring- einer stilistischen Aneignung würdilichkeit, ohne etwas von ihrer Kom- gen. Indes hört man hier bereits, wie plexität einzubüßen. Das Finale der stark sich auch der kaum erwachsene „Jupiter“-Symphonie KV 551, in dem Mozart längst weiterentwickelt hatte Mozart fünf Themen kontrapunktisch und die Formstrenge des einstigen verschränkt, ist vielleicht das be- Idols nun in leichthändig geworfene rühmteste Beispiel dieser Schaffens- Vorschläge und Triller auflöst. phase. Dass es von diesem freien stilistischen Wie sehr Bach und auch seine kom- Imitat bis zum ironisch-ehrerbietigen ponierenden Söhne aber nicht nur in Zitieren beim reifen Mozart nur noch diesen letzten Lebensjahren in Mozarts ein kleiner Schritt ist, zeigt am deutmusikalischem Einzugsradius standen, lichsten vielleicht das Konzert des Modavon erzählt insbesondere die Klavier- zartwoche-Debütanten David Fray am musik, die während der Mozartwoche 2. Februar: Schon die ersten Takte,


bei der Mozartwoche 2018 SA 27. JÄNNEr 11.00 #03 So 28. JÄNNEr 11.00 #06 Stiftung Mozarteum, Großer Saal CAPPELLA ANDREA BARCA SIR ANDRÁS SCHIFF LEITUNG UND KLAVIER SCHAGHAJEGH NOSRATI KLAVIER Johann Sebastian Bach Konzerte c-Moll für zwei Klaviere und Streichorchester BWV 1060 und 1062 Mozart Adagio und Fuge c-Moll KV 546 Johann Sebastian Bach Aus „Musikalisches Opfer“ BWV 1079: Nr. 2 Ricercar a sei Mozart Klavierkonzert c-Moll KV 491 Mo 29. JÄNNEr 11.00 #09 Stiftung Mozarteum, Großer Saal DANIEL BARENBOIM KLAVIER Werke von claude debussy u. a. Mo 29. JÄNNEr 15.00 #10 Mozart-Wohnhaus, Tanzmeistersaal FLORIAN BIRSAK MOZARTS WALTER-FLÜGEL U. A. ULRICH LEISINGER MODERATION Fragmente von Mozart, Präludien und Fugen von Johann Sebastian Bach, Johann Christian Bach, Wilhelm Friedemann Bach, Georg Friedrich Händel, Johann E. Eberlin u. a.

Mi 31. JÄNNEr 19.30 #17 Großes Festspielhaus WIENER PHILHARMONIKER ALAIN ALTINOGLU DIRIGENT PIOTR ANDERSZEWSKI KLAVIER Mozart Symphonie D-Dur KV 297 „Pariser“ Klavierkonzert B-Dur KV 595 Georges Bizet Symphonie Nr. 1 C-Dur Einführungsvortrag 18.30, Großes Festspielhaus

do 1. FEBrUAr 15.00 #19 Stiftung Mozarteum, Wiener Saal ROBERT LEVIN MOZARTS WALTER-FLÜGEL Mozart Sonaten für Klavier A-Dur KV 331, D-Dur KV 311, B-Dur KV 400 (Fragment), F-Dur KV 280, C-Dur KV 330 Fr 2. FEBrUAr 15.00 #22 Stiftung Mozarteum, Großer Saal DAVID FRAY KLAVIER Mozart Fantasie c-Moll KV 475 und Sonate c-Moll KV 457 Rondo a-Moll für Klavier KV 511 Johann Sebastian Bach Partita Nr. 2 c-Moll für Klavier BWV 826 SA 3. FEBrUAr 15.00 #25 Stiftung Mozarteum, Wiener Saal ROBERT LEVIN MOZARTS WALTER-FLÜGEL Mozart Sonaten für Klavier C-Dur KV 279, a-Moll KV 310, F-Dur KV 533/494, B-Dur KV 281, D-Dur KV 576

© Stéphanie Slama

KlAViErMUSiK


© Ian Balam

© Dieter Mayr

KLAVIERMUSIK

(Von li. nach re.) Sir András Schiff wird gemeinsam mit Schaghajegh Nosrati und seiner Cappella Andrea Barca in zwei Konzerten zu erleben sein; auf dem Programm stehen Werke von Johann Sebastian Bach und Mozart. Wie unterschiedlich Mozart interpretiert werden kann, werden bei der Mozartwoche 2018 auch robert levin, daniel Barenboim, piotr Anderszewski, der Mozartwoche-Debütant David Fray oder Kit Armstrong und Florian Birsak zeigen.

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die an diesem Abend erklingen werden, tragen den „stile antico“ Bachs – diesmal den des Vaters – wie ein Museumsstück vor sich her. Die eröffnende Klavierfantasie c-Moll KV 475 entlehnt zwar ihren Anfang bei jenem Thema, das Johann Sebastian Bach von Friedrich dem Großen „geschenkt“ und zur Grundlage seines „Musikalischen Opfers“ wurde – was Mozart daraus im Anschluss jedoch macht, ist etwas völlig Neues und Anderes. Im Konzert führt der Weg von hier über Mozarts Rondo a-Moll KV 511 hin zu Bachs Partita Nr. 2 c-Moll (BWV 826). Für den 1981 geborenen Franzosen Fray, der seit langem zu den kompromisslosesten und ernsthaftesten Vertretern einer jungen Generation von Star-Pianisten zählt, ist das eine durchaus logische Engführung seiner pianistischen Schwerpunkte aus den vergangenen Jahren. Schon seine 2007 veröffentlichte Einspielung der Klavierkonzerte Bachs gilt heute nicht wenigen als moderner Goldstandard dieses unendlich oft aufgenommenen Repertoires. Mühsam und für Pianistenverhältnisse relativ spät habe er sich den Leipziger Meister zuvor erarbeiten müssen, sagt Fray. „Bach kann man nicht spielen, wenn man immer

nur unterwegs ist“, erklärte der hypersensitive Querdenker vor einigen Jahren in einem Interview und machte damit deutlich, weshalb er sich dem großen pianistischen Wanderzirkus am liebsten gänzlich entziehen würde. Mit derselben radikalen Entschlossenheit hat Fray sich in den letzten Jahren nun auch Mozart zugewandt und unter anderem dessen Klavierkonzerte KV 482 und KV 503 eingespielt. In einem den Aufnahmeprozess begleitenden Dokumentarfilm kann man dabei zusehen, wie Fray noch über kleinste Vortragsdetails und Dynamikverschiebungen im Nachkommastellenbereich mit dem Dirigenten Jaap van Zweden in ausufernde Verhandlungen tritt. Fray ist keiner, der die Musik abarbeitet, um dann zum nächsten Auftritt oder einer neuen CD-Produktion weiter zu ziehen. Stattdessen nimmt er sich Zeit und umkreist damit den Klassikbetrieb eher, als dass er ihn auf der Überholspur durchrasen würde. „Ich habe nicht das Gefühl, dass Kultur heute mit der Intensität und Wichtigkeit behandelt wird, die sie verdient“, hat er einmal in einem Zeitungsinterview verlauten lassen. Mit Sätzen wie diesem eckt er an. Verglei-

che mit dem notorisch idiosynkratischen Glenn Gould finden sich bereits allerorten, wenn von David Fray die Rede ist. Dabei hatte Gould bekanntlich sehr viel für Bach, aber kaum etwas für Mozart übrig. Fray dagegen wird sich bei der Mozartwoche auf beide einlassen und zeigen, wie Bach und Mozart sich einander anverwandeln, wenn man sie nebeneinander hört. Einen ähnlichen Weg schlägt auch das Konzert zu Mozarts Geburtstag am 27. Jänner ein, das zugleich als pianistisches Generationentreffen aufwartet. Sir András Schiff und die junge Pianistin Schaghajegh Nosrati werden gemeinsam mit der Cappella Andrea Barca Bachs Konzerte für zwei Klaviere BWV 1060 und 1062 musizieren. Dazwischen leitet Schiff eines jener Mozart-Werke, die am deutlichsten auf die Bach-Familie rekurrieren: Adagio und Fuge c-Moll KV 546. Hier wiederum waren es die Bach-Söhne Carl Philipp Emanuel und Wilhelm Friedemann, die indirekt ihren Einfluss geltend machten. Der Wiener Baron und Mozart-Freund Gottfried van Swieten hatte 1777 Handschriften jener Bachs von seiner diplomati-


© Sheila Rock/VirginClassics

© Silvia Lelli

© Clive Barda

schen Tätigkeit in Berlin mitgebracht und damit auch Mozarts Interesse geweckt. Mozart arrangierte in der Folge eine seiner eigenen Klavierfugen für Streichorchester neu und setzte im Stile der „Berliner Bachs“ ein Adagio an den Anfang, barock in der Anlage, aber doch unverkennbar Mozart im unmittelbaren, dramatischen Gestus.

Von der anschließenden Fuge soll vor allem seine Frau Constanze begeistert gewesen sein, war sie doch zu dieser Zeit den Quellen nach geradezu besessen von musikalischen Fugen im Allgemeinen. Wer ihr in dieser Leidenschaft folgen möchte, findet dazu in der „Fugenwerkstatt“ am 29. Jänner hinreichende Gelegenheit: An Mozarts

originalem Walter-Flügel werden der Pianist Florian Birsak und der Musikwissenschaftler Ulrich Leisinger tief in das Fugengeflecht von Mozarts Klavierwerk einsteigen und dabei die Wege aufzeigen, die musikalisch und biographisch von Bach zu Mozart führten. Keine Frage: Auch das ist etwas, „woraus sich was lernen lässt“.

“Things can be learned from this!” Without the works of Johann Sebastian Bach and his sons, Mozart’s later work might never have attained the perfect synthesis for which it is famed – possibly the best-known example being the counterpoint in the finale of his “Jupiter” Symphony K. 551. Mozart’s keyboard music in particular owes much to Bach’s youngest son, Johann Christian, who met the 8-year-old prodigy in London in 1764, and whose style became a model for Mozart’s development. The piano sonatas K. 279 and K. 281 are especially clear illustrations. The C minor Fantasia K. 475, which begins with a theme borrowed from J.S. Bach’s Musical Offering, demonstrates Mozart’s capacity for imaginative innovation. David Fray’s thoughtfully planned programme continues with the A minor Rondo K. 511 and Bach’s C minor Partita no. 2 (BWV 826) – a juxtaposition that offers insights into the similarities between the two composers. The C minor Adagio and Fugue K. 546 shows the indirect influence of Carl Philipp Emanuel and Wilhelm Friedemann Bach, whose manuscripts were brought to Mozart’s notice by his friend Gottfried van Swieten. Constanze Mozart, a great admirer of fugues, was delighted with this one. For like-minded enthusiasts, a “fugue workshop” is planned on 29 January, tracing a musical and biographical line from Bach to Mozart.

KLAVIERMUSIK

SUMMARY

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BLINDTEXT

© Yiorgos Mavropoulos

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EiN FiliGrANES, lEicHtES KlEid Mit KlArEN KoNtUrEN, HEll UNd HAltBAr An medialer Selbstvermarktung ist die Sopranistin Marlis Petersen nicht interessiert. Dennoch kennt jeder sie an der Metropolitan Opera in New York, der Wiener Staatsoper sowie bei den Salzburger Festspielen. Dreimal wurde sie – als einzige Sängerin derzeit – von Opernkritikern des renommierten Magazins „Opernwelt“ zur „Sängerin des Jahres“ gekürt. Zur Mozartwoche 2018 bringt sie Arien von Mozart und Lieder von Strauss mit.

»MOZART WAR EIN HELD DER MUSIKALISCHEN BEZIEHUNGEN« MArliS pEtErSEN iM GESprÄcH mit Teresa Pieschacón Rafael

kleid“, sagte einst Mozart und begann erst zu komponieren, nachdem er den Sänger hatte singen hören. Mozart kann Sie nicht mehr hören, aber: Wenn Sie von ihrer Stimme ausgehen – wie würde das Kleid aussehen, das Mozart für Sie macht?  Ich glaube, Mozart hört mich doch... Ich habe sehr oft das Gefühl, dass sein Geist bei mir ist. Das Kleid, das er mir machen würde ist ein filigranes, leichtes mit klaren Konturen, hell und haltbar. Ein Kleid, das Zeiten übersteht.

Mozarts opern-Welt ist eine Welt der zweideutigkeiten: ironie, perfidie, Sarkasmus stehen neben Momenten aufrichtiger liebe und Sehnsucht. Wie schafft man die Balance? Mozart war ein Held der musikalischen Beziehungen seiner Figuren. Keiner konnte all das, was Sie beschreiben, so in musikalische Szene „...die aria einem sänger so accurat setzen wir er. Man könnte meinen, er angemessen sey, wie ein gutgemachts hat alles erlebt und müsste eigentlich

schon siebzig Jahre alt sein… so sehr gelang es ihm, das Zwischenmenschliche in Musik zu setzen. Für mich ist es eine große Aufgabe und wilde Freude, in die Emotionen seiner Figuren zu schlüpfen. Ich denke, wenn man sich auf diese Gefühlswelt einlässt, trägt seine Musik einen wie auf einer Welle. die Schwierigkeit bei den Mozart-Figuren könnte sein: zu realistisch aufgefasst könnten sie vulgär geraten, zu idealistisch aufgefasst vielleicht zu rokoko-marionettenhaft. Was können Sie als Sängerin tun, um seine Figuren menschlich wahrhaftig erstehen zu lassen? Man muss über das „Sängertum“ hinauswachsen, einfach Mensch sein und sich auf die wahrhaftige Gefühlstiefe einlassen. Es bedarf einer gewissen Erfahrung, Musik, Gefühl, Gesangstechnik und Spiel so zu verweben, dass eine Wahrhaftigkeit für den Hörer zu spüren ist. Kommt alles

MARLIS PETERSEN

2006 gastierten Sie erstmals bei den Salzburger Festspielen als Elisa in „il re pastore“, zwei Jahre später als Susanna in „le nozze di Figaro“. Wann sind Sie Mozart zum ersten Mal begegnet, was bedeutet ihnen seine Musik? Mozarts Werk ist zentral für meine gesamte Entwicklung als Sängerin. Er ist der Komponist, von dem ich stimmlich herkomme und zu dem ich auch immer wieder hin will. Er ist Inspiration und Korrektiv, für mich der Maßstab aller Musik. Als ich mit 16 Jahren im Kirchenchor meiner Heimatstadt in Baden-Württemberg sang, stand Mozart immer auf dem Programm. Die Motette „Exsultate, jubilate“ KV 165, aber auch die c-MollMesse und das Requiem sind Begegnungen der ersten Stunde. Die erste Opernrolle war dann das Blondchen in meinem Engagement in Nürnberg.

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Der Schwerpunkt des Repertoires von Marlis petersen liegt im klassischen Koloraturfach, doch hat sie sich auch als Interpretin zeitgenössischer Musik einen Namen gemacht. Ihre musikalischen Partner im Konzert der Mozartwoche 2018 sind (re. Seite, von li. nach re.) camillo radicke und Florian Mayer.

© Yiorgos Mavropoulos

zusammen, sind das absolute Höhepunkte für den Zuhörer und für den Sänger!

SA 3. FEBrUAr 11.00 #24 Stiftung Mozarteum, Großer Saal MARLIS PETERSEN SOPRAN CAMILLO RADICKE KLAVIER FLORIAN MAYER VIOLINE Mozart „Ridente la calma“ KV 152 „Dans un bois solitaire“ KV 308 „Als Luise die Briefe ihres ungetreuen Liebhabers verbrannte“ KV 520 „Abendempfindung an Laura“ KV 523 Aus der Sonate C-Dur für Klavier und Violine KV 303: 2. Satz Arie des Aminta „L’amerò, sarò costante“ Nr. 10 aus „Il re pastore“ KV 208 Aus der Sonate C-Dur für Klavier und Violine KV 296: 2. Satz „Schon lacht der holde Frühling“ KV 580 Richard Strauss Daphne-Etüde G-Dur o.op. 141 – TrV 272b Allegretto E-Dur TrV 295 „Rote Rosen“ o.op.76 – TrV 119 „Die Zeitlose“ aus „Letzte Blätter“ op.10/7 – TrV 141/7 Aus „Stimmungsbilder“ op. 9 – TrV 127: 4. Satz „Träumerei“ „Die erwachte Rose“ o.op. 66 – TrV 90 „Die Verschwiegenen“ aus „Letzte Blätter“ op.10/6 – TrV 141/6 Aus „Stimmungsbilder“ op. 9 – TrV 127: 2. Satz „An einsamer Quelle“ „Die Georgine“ aus „Letzte Blätter“ op.10/4 – TrV 141/6 „Morgen“ aus „Vier Lieder“ op.27/4 – TrV 296 „Kling!“ aus „Fünf Lieder“ op.48/3 – TrV 195

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„Mozart ist für Kinder zu leicht und für Erwachsene zu schwer“ – so das bekannte Bonmot des großen pianisten Artur Schnabel. Was meinen Sie? Es könnte auch umgekehrt sein. Musik generell ist ja sehr Geschmackssache und es ist auch immer eine Frage, wann man welcher Musik begegnet und wie die sich im Leben manifestiert. Manche mögen Mozart nie, andere können ohne ihn nicht leben. Für mich ist es eine Frage der Beschäftigung mit der Sache und des individuellen Charakters sowie der Bedingungen des Aufwachsens. „über Mozart kann ich nicht schreiben, ich kann ihn nur anbeten“, sagte richard Strauss, als man ihn bat, ein Konzertprogramm zu einem Jubiläum Mozarts zu schreiben. dabei kannte er sein Werk sehr gut, hatte den „idomeneo“ bearbeitet, sich in seiner Jugend, aber dann auch im Alter sehr mit dem ‚Wunder Mozart‘ beschäftigt. Wieviel Mozart ist in der Musik von richard Strauss? Das ist eine sehr gute Frage. Richard Strauss hat eine unverkennbare Stilistik in seiner Musik. Mozart in seiner Musik hörbar zu finden bedarf sicher der Recherche von Spezialisten. Was ich aber von mir aus sagen kann ist, dass Strauss eine Gesanglichkeit in seiner Musik hat, die Mozartisch ist. So kann ich alle Strauss-


© Daniela Laske

MARLIS PETERSEN

Lieder oder Opern mit einer Mozart-Stimme SUMMARY angehen, mit Klarheit und Struktur und klassischem Stil. Soprano Marlis Petersen has no time for pretentious self-promotion in the media, preferring to let others judge her performance. The Wie gehen Sie bei der Auswahl ihres reper- renowned magazine Opernwelt has declared her “Singer of the toires vor? Year” no less than three times – a unique distinction. Leading criIch höre immer sehr deutlich, welches Stück tics were fascinated by her interpretation of Lulu, in Alban Berg’s mich ruft. Das hat bei der Oper erst einmal opera of that name – a role in which she made her début at the mehr mit der Handlung und der Figur zu tun als Vienna State Opera and the Met in New York, and in which she trimit der Musik. Da ich eine leidenschaftliche umphed at the Bavarian State Opera in Munich. They were equally Schauspielerin bin, ist der Bezug zur Rolle und fascinated by her rendering of Medea, written specially for her by die Lust zur Interpretation der ausschlagge- Aribert Reimann, a composer known particularly for his vocal bende Beweggrund. Dabei ist es höchst wichtig, works. This was a great honour for Petersen, who grew up in the dass man sich entlang seiner stimmlichen Swabian town of Tuttlingen “with not much classical music”, and Möglichkeiten bewegt und die Schritte langsam who performed as singer and keyboarder in a cover band to finance und umsichtig geht. Dafür ist Mozart ein wunder- her study of Music Education and Piano in Stuttgart. Her name has bares Korrektiv: Wenn ich nach einem Ausflug been familiar in Salzburg for over a decade. 2006 saw her first role ins Belcanto- oder in ein dramatischeres Fach at the Salzburg Festival: that of Elisa in Il re pastore, and two years hinterher immer noch sauber und fein Mozart later she sang Susanna in Le nozze di Figaro. “Mozart’s music is singen kann, bin ich auf dem richtigen Weg! central to my entire development as a singer”, she says. “He is the composer my voice started from, and I keep returning to him. For Sind Sie gerne in Salzburg? me, he is inspiration und correction – the measure of all music.” Ja! Was ich an Salzburg so mag ist, dass man in She is looking forward to making her début at the 2018 Mozart kürzester Zeit alle die Menschen wiedertrifft, Week with Mozart arias and Strauss lieder: “What I really like about die man schon ewig nicht mehr gesehen hat. Salzburg is that within a very short time you meet all the people Die Stimmung in der Stadt ist quirlig und ange- you haven’t seen for ages. They’re all heaped together here, and reichert mit Musik aus allen Fenstern. Es ist ein there’s a lively atmosphere in the town, with music coming out of bisschen wie eine fünfte Jahreszeit. all the windows. It’s a bit like a fifth season.”

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diE HoHE KUNSt dES KoNzErtiErENS Sir John Eliot Gardiner und The English Baroque Soloists widmen sich Mozart Monika Mertl

SIR JOHN ELIOT GARDINER

Mozarts „Sinfonia concertante“ aus dem Jahr 1779 ist ein exklusives Stück symphonischer Kammermusik, indem es die vom barocken Concerto grosso hergeleitete Kunst des Konzertierens in besonders raffinierter Weise herausfordert. Sie bildet das Zentrum eines Mozart-Programms, mit dem Sir John Eliot Gardiner, der in allen Epochen und Stilrichtungen vielfältig Tätige, wieder einmal zu seinem Ausgangspunkt in der Originalklang-Praxis, am Pult der English Baroque Soloists, zurückkehrt. Mit dieser Spezialistentruppe, hervorgegangen aus seinem 1968 gegründeten Monteverdi-Ensemble, hat Gardiner Interpretationsgeschichte geschrieben, als er im Jahr 2000 die denkwürdige „Pilgerreise“ durch Bachs sämtliche Kirchenkantaten unternahm. Seine nie versiegende Faszination für den Kosmos von Bachs Musik hat er zuletzt auch in dem viel beachteten Buch „Musik für die Himmelsburg“ dokumentiert. Im Zuge des Kantatenprojekts hat er überdies sein eigenes Plattenlabel namens „Soli Deo Gloria“ gegründet, das von seiner nunmehrigen Frau Isabella de Sabata gemanagt wird.

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Dass Sir John Eliot Gardiner mit seinem aufführungspraktischen Ansatz bereits als Pionier der zweiten Generation gelten muss, belegt der Umstand, dass seine vormalige langjährige Gattin und Mutter seiner drei Töchter, die Geigerin Elizabeth Wilcock, an der Universität Mozarteum bei Nikolaus Harnoncourt studiert und in dessen 1953 gegründetem Concentus Musicus mitgewirkt hatte, ehe sie ih-

re Fähigkeiten als Konzertmeisterin in sei, das im Verein mit KV 550 (g-Moll) und KV 551 („Jupiter“) den gewaltiGardiners Ensemble einbrachte. gen Schlussstein in Mozarts symphoGardiners Leidenschaft für Mozart zeig- nischem Schaffen bildet. Sir John Elite sich bislang in exemplarischen Inter- ot Gardiner, stark geerdet durch seipretationen aller wesentlichen Opern ne Leidenschaft, die neben der Musik sowie im Bereich der Klavierkonzerte, dem von seinem Großonkel geerbten wo in Zusammenarbeit mit Robert Le- landwirtschaftlichen Anwesen im engvin eine integrale Werkschau von sin- lischen North Dorset gilt, neigt nicht gulärem Rang entstand. Mit dem Pro- zu derart philosophischen Hintergramm seines Konzerts bei der Mozart- grundüberlegungen. Er pflegt Partituwoche 2018 stößt er nun in verschie- ren auf ganz andere Weise zu befragen dene Perioden von Mozarts sympho- und wird seine Sicht der Dinge in genischem Schaffen vor und spannt den wiss ebenso überzeugendem „OriginalBogen bis zur großen Es-Dur-Sympho- klang“ präsentieren. nie KV 543 aus dem Jahr 1788. Harnoncourt kam am Ende seines Le- Für die deutsche Ausnahme-Geigerin bens zu dem Schluss, dass dieses Werk Isabelle Faust, Solistin in der „Sinfonia als Fundament eines dreiteiligen „Ins- concertante“, ist Bachs Œuvre ebentrumental-Oratoriums“ zu verstehen falls die Grundlage, aus der sich ihr

SUMMARY Mozart’s Sinfonia concertante (1779) is an exclusive piece of symphonic chamber music – a particularly sophisticated challenge to the art of concertoplaying, which originated in the baroque concerto grosso. The work is at the centre of a Mozart programme with which the versatile Sir John Eliot Gardiner returns once more to his starting-point in original performance practice. Gardiner’s love of Mozart has hitherto been manifest in his exemplary interpretations of all the principal operas as well as in the piano concertos, a complete series of which he performed with Robert Levin. Here he advances into different periods of Mozart’s symphonic œuvre, right up to the E flat major Symphony K. 543. Violin soloist is Isabelle Faust, who found her way to Mozart through the violin concertos of Joseph Haydn. She, too, has made a study of historical performance practice; her recently released recording of all the Mozart violin concertos is accompanied by Il Giardino Armonico. Her viola partner is Antoine Tamestit, whose recent CD of the Sinfonia concertante with his long-established chambermusic partner Frank Peter Zimmermann and the Bavarian Radio Chamber Orchestra was recorded without a conductor – free spirits in the sheer pleasure of music-making.


So 28. JÄNNEr 19.30 #08 Großes Festspielhaus ENGLISH BAROQUE SOLOISTS SIR JOHN ELIOT GARDINER DIRIGENT ISABELLE FAUST VIOLINE ANTOINE TAMESTIT VIOLA

© Sim Canetty-Clarke

Mozart Symphonie C-Dur KV 102 „Sinfonia concertante“ Es-Dur für Violine, Viola und Orchester KV 364 Symphonie G-Dur KV 318 Symphonie Es-Dur KV 543 Einführungsvortrag 18.30, Großes Festspielhaus

Sir John Eliot Gardiner ist Gründer und Künstlerischer Leiter des Monteverdi Choir, des Orchestre Révolutionnaire et Romantique sowie der English Baroque Soloists – mit diesem Ensemble wird er bei der Mozartwoche 2018, gemeinsam mit den Solisten Isabelle Faust und Antoine Tamestit, mit einem „reinen“ MozartProgramm im Großen Festspielhaus zu erleben sein.

Ihre professionelle Laufbahn begann die aus Esslingen gebürtige Künstlerin, die schon als Kind im FamilienStreichquartett erfolgreich war, als sie mit fünfzehn Jahren die eigene Begabung testen wollte – und beim Leopold Mozart-Wettbewerb in Augsburg als Siegerin hervorging. Seither versucht sie beharrlich, jedem Kompo-

nisten auf die individuellen Schliche zu kommen. Ihr Weg zu Mozart führte unter anderem über die Beschäftigung mit sämtlichen Violinkonzerten von Joseph Haydn. Die Auseinandersetzung mit der historischen Aufführungspraxis hat sie künstlerisch geprägt: „Wenn man auf einer Barockgeige spielt, mit einem alten Bogen und Darmsaiten, bekommt man schnell ein Ohr dafür“, sagt sie. „Wer diesen Weg einmal eingeschlagen hat, für den gibt es schwerlich ein Zurück.“ Für die Aufnahme von Schumanns Violinkonzert mit dem Freiburger Barockorchester hat Isabelle Faust daher auch ihrerseits Darmsaiten aufgezogen und einen leichteren TourteBogen verwendet. Und die kürzlich veröffentlichte Gesamteinspielung von Mozarts Violinkonzerten hat sie ge-

meinsam mit Il Giardino Armonico unternommen. Fausts Solopartner bei der Mozartwoche 2018 ist mit Antoine Tamestit ein Meister der Bratsche, für die sich der französische Künstler schon als neunjähriges Kind entschieden hatte. Auch er musiziert auf einer Stradivari, der sogenannten „Mahler“. Wie vollendet er sein Instrument zum Singen bringen kann, beweist er nicht zuletzt mit berühmten Belcantoarien von Bellini und Donizetti, die er im Solorepertoire führt. Mozarts „Sinfonia concertante“ hat Tamestit vor kurzem mit seinem bewährten KammermusikPartner Frank Peter Zimmermann für CD aufgenommen, mit dem Kammerorchester des Bayerischen Rundfunks – ganz ohne Dirigenten – im lustvollen Konzertieren freier Geister.

SIR JOHN ELIOT GARDINER

Musizieren speist; seine Sonaten und Partiten bilden einen fixen Bestandteil ihres bis in die Avantgarde, zu Morton Feldmans „Coptic Light“ und Karl Amadeus Hartmanns „Concerto funèbre“, reichenden Konzertrepertoires. Der besonders helle, leuchtende Klang ihrer Stradivari „Dornröschen“, den Faust mit „Vanille und Gold“ umschreibt, entfaltet sich allerdings auf ideale Weise in der Musik der Wiener Klassik.

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BAcH? rEiNEr MozArt! Mysterium, Gotteslob und Musik aus vielen Fugen in Konzerten mit dem Schumann Quartett und Kit Armstrong sowie B’Rock und Anna Lucia Richter

Š Kaupo Kikkas

Rainer Lepuschitz

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„Er ist sehr schnell zu sich gekommen“, beobachtet der Quartettgeiger Mozarts „selbstbewusste“ Loslösung von Bach. Der Weg führt also schnell von der Aneignung zur kreativen Umsetzung. Auch dann, wenn Johann Sebastian Bach nur indirekt vorkommt, wie in Mozarts Streichquartett G-Dur KV 387, mit dem das Schumann-Quartett sein Debütkonzert in der Mozart-Stadt und bei der Mozartwoche beschließen wird. Das Finale beginnt tatsächlich wie eine Fuge von Bach, ein „Contrapunctus“, „aber dann verbindet Mozart das barocke Fugato mit der Sonatenrondoform aus seiner Welt, verbindet die Musik also mit sich selbst“. Auf diese Weise ist es „vielleicht zu einem inneren Dialog mit Bach gekommen“, so Ken Schumann. Der natürlich weiß, dass Mozart erst in seinen selbständigen Wiener Jahren als Erwachsener mit Bach und Händel konfrontiert wurde, als er in der Bibliothek des Diplomaten und Musikmäzens Gottfried van Swieten Partituren studieren konnte – und Aufträge von Gottfried van Swieten für Bearbeitungen von Oratorien und Passionen nicht nur Händels und Johann Sebastian Bachs, sondern auch dessen Sohn Carl Philipp Emanuel Bachs erhielt und durchführte. Aufgewachsen war Mozart in Salzburg noch mit ganz anderen Fugen, von dem Hof- und Domkapellmeister Johann Ernst Eberlin, die für ihn rückblickend „gar zu geringe sind, und wahrhaftig nicht einen Platz zwischen händl und Bach verdienen“, wie Mozart in einem Brief an seine Schwester Maria Anna („Nannerl“) anmerkte, „allen Respect für seinen 4stimmigen satz. aber seine klavierfugen sind lauter in die länge gezogenen versettl“. Mozart selbst war 1782,

als er diese Zeilen schrieb, keineswegs mehr mit „Versettln“ beschäftigt, sondern mit den Fugen aus dem „Wohltemperierten Clavier“, aus dessen zweitem Band er dann fünf für Streichquartett bearbeitete. „Sehr gut zu spielen“, freuen sich Ken Schumann, seine Brüder Erik und Mark sowie die Bratschistin Liisa Randalu auf ihr Salzburger Mozartwoche-Konzert, „ohne Ehrfurcht verändert Mozart an manchen Stellen den Rhythmus, das Metrum, er stellt andere melodische Verbindungen her. Das zeigt uns, wie selbstbewusst er mit Bachs Musik umgegangen ist. Für ihn war das ein ganz natürlicher schöpferischer Prozess, der sich da manifestiert hat.“ Das Schumann Quartett wird in diesem Konzert Mozart vor und nach der Begegnung mit Bachs Musik zeigen und die fünf „wohltemperierten“ Fugen mit einem frühen Salzburger Streichquartett (d-Moll KV 173), in dem sich auch schon eine erstaunliche, ahnungsvoll barocke Fuge befindet, sowie dem reifen G-Dur-Quartett von 1782 in Beziehung setzen. Aus demselben Jahr stammt auch das Klavierkonzert A-Dur KV 414, mit dem das Schumann Quartett ebenfalls bei der Mozartwoche zu hören sein wird. Denn wenige Abende nach dem Debütkonzert werden das Brüdertrio und die Bratschistin Randalu erstmals überhaupt Mozart-Klavierkonzerte (KV 414, 449) begleiten – in Fassungen, in denen das Orchester durch ein Streichquartett ersetzt wird. Am Flügel: Kit Armstrong. „Wir kennen einander schon länger, es ist nun höchste Zeit, dass wir auch gemeinsam musizieren“, so Ken Schumann. Erste Proben mit Armstrong gab es schon – und für die vier Streicher die Erkenntnis einer „Herausforderung, als Streichquartett vor allem die Bläserstimmen in Mozarts Klavierkonzerten klanglich

BACH? REINER MOZART!

Das Schumann Quartett spielt bei der Mozartwoche 2018 fünf Fugen aus dem „Wohltemperierten Klavier“. „Das ist reiner Mozart“, stellt der zweite Geiger Ken Schumann über die Bearbeitungen für Streichquartett fest, die der klassische Komponist von den Klavierstücken des Barockmeisters angefertigt hat.

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© Mirjam Devriendt

Das B’rock orchestra wurde 2005 in Gent gegründet. Für die Konzertprogramme werden Werke berühmter BarockKomponisten mit weniger bekanntem Repertoire des 17. und 18. Jahrhunderts kombiniert. Außerdem treffen Alte und zeitgenössische Musik zur wechselseitigen Bereicherung aufeinander. B’Rock bewegt sich auch im Cross Over-Bereich und steht für gelungene Aufführungen Alter Musik im Zusammenklang mit Video und Visual Art.

So 28. JÄNNEr 15.00 #07 Stiftung Mozarteum, Wiener Saal SCHUMANN QUARTETT Mozart Streichquartett d-Moll KV 173 Duo G-Dur für Violine und Viola KV 423 Jörg Widmann Auswahl aus den 24 Duos für Violine und Violoncello Mozart Fünf Fugen aus dem „Wohltemperierten Klavier“ Teil II von J. S. Bach. Bearbeitung für Streichquartett von Mozart KV 405 Streichquartett G-Dur KV 387

Mo 29. JÄNNEr 19.30 #11 Stiftung Mozarteum, Großer Saal B’ROCK ORCHESTRA ANNA LUCIA RICHTER SOPRAN

di 30. JÄNNEr 11.00 #12 Stiftung Mozarteum, Großer Saal SCHUMANN QUARTETT KIT ARMSTRONG KLAVIER

Johann Sebastian Bach Orchestersuite Nr. 3 D-Dur BWV 1068 „Jauchzet Gott in allen Landen“. Kantate für Sopran und Orchester BWV 51 Mozart „Exsultate, jubilate“. Motette für Sopran und Orchester KV 165 Symphonie B-Dur KV 319

Mozart Klavierkonzert A-Dur KV 414 carl philipp Emanuel Bach Klavierkonzert a-Moll Wq 26 – H 430 Mozart Klavierkonzert Es-Dur KV 449

Einführungsvortrag 18.30 Stiftung Mozarteum

BACH? REINER MOZART!

zu füllen. Bestimmte Gesten und Verläufe, die Mozart für die Bläser komponiert hat, kann man als Streicher nicht einfach ersetzen. Da muss man einen musikalischen Ausdruck erzeugen, um eine Entsprechung zu finden.“

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(Fassungen für Klavier und Streichquartett)

Für das Schumann Quartett bedeutet die Beschäftigung mit Mozarts Klavierkonzerten einen weiteren wichtigen Schritt in der Beziehung zu dem Komponisten: „Seine Klavierkonzerte hat Mozart ganz für sich geschrieben, das sind besonders persönliche Werke. Vielleicht kommt man ihm und seiner musikalischen Persönlichkeit deshalb noch näher, wenn man diese Werke musiziert“, meint Ken Schumann. Für ihn und seine Quartettkollegen sei es natürlich auch „eine besondere Herausforderung, erstmals in der Stadt zu spielen, in der Mozart geboren wurde, auch wenn wir wissen, dass sein Verhältnis zu dieser Stadt nicht das

Allerbeste war“. Aber Salzburg hat ein gutes Verhältnis zu Mozart, „wir freuen uns, für dieses Publikum zu spielen und hoffen, dass es unsere Liebe zu Mozart spüren wird.“

genommen.“ In eine Musik, die allerdings „schon bei ihm war, als er geboren wurde. Das hat etwas Göttliches an sich.“ Für Ken Schumann ist das „ein Mysterium“.

Auch an diesem zweiten Abend darf natürlich der Name Bach nicht fehlen. „Carl Philipp Emanuel Bach hat sein Klavierkonzert a-Moll in jenem Jahr 1750 komponiert, in dem sein Vater gestorben ist.“ Dieser Aspekt wird für Ken Schumann der Aufführung des stürmischen und tiefempfindsamen Werkes noch einen ganz speziellen Charakter verleihen. Wird man in der direkten Gegenüberstellung in Mozarts Klavierkonzerten auch Spuren von Carl Philipp Emanuel Bachs Musik entdecken können? „Mozart war so wahnsinnig offen, er hat von vielen Künstlern und Menschen etwas gelernt und so manches davon auf seine einzigartige Weise in seine Musik auf-

Das Schumann Quartett nimmt noch im Jahr 2017 seine mittlerweile vierte CD auf, es ist eine Kombination von Werken des berühmten Namensvetters Robert Schumann und des deutschen zeitgenössischen Komponisten Aribert Reimann, dessen Fassung von Schumanns „Sechs Gesänge“ gemeinsam mit der Sängerin Anna Lucia Richter eingespielt wird. Bei der Mozartwoche 2018 wird die deutsche Sopranistin in einem Konzert gemeinsam mit dem belgischen Originalklangorchester B’Rock Lobgesänge von Johann Sebastian Bach und Mozart gegenüberstellen: die Kantate „Jauchzet Gott in allen Landen“ und die Motette „Exsultate, jubilate“. Ein Aufbruch


© Neda Navaee

© Nafez Rerhuf

Die Sopranistin Anna lucia richter entstammt einer großen Musikerfamilie. Bei aller Liebe zur Oper und großen Oratorien: Vor allem liebt Richter die kleine Form des Liedes. Bei der Mozartwoche 2018 ist sie mit dem B’Rock Orchestra zu Gast.

Der Pianist Kit Armstrong ist ein Ausnahmetalent. In den vergangenen zwei Jahren spielte er bei der Mozartwoche, gemeinsam mit Renaud Capuçon, alle Violinsonaten Mozarts; 2018 kehrt er mit dem Schumann Quartett zurück.

Bach? Pure Mozart! mit „großer Klarheit“ in „glänzende The Schumann Quartet performs five fugues from J.S. Bach’s Well-tempered Höhen“, wo die Zeitung „Der Standard“ Clavier. “This is pure Mozart”, says violinist Ken Schumann, talking about Anna Lucia Richters Stimme ortete. Mozart’s arrangement for string quartet. It was not until Mozart was working independently in Vienna that he came across the music of J.S. Bach and G.F. Und das „wunderbar warm klingende Handel in the library of Gottfried van Swieten, who commissioned him to B’Rock Orchestra“ (FAZ) wird bei der make arrangements of Oratorios and Passions. The Quartet’s programme preMozartwoche 2018 zwischen der fran- sents Mozart before and after his study of Bach: the early Salzburg D minor zösischen Bach-Ader in der Orchester- quartet K. 173, with an anticipatory baroque fugue, and the mature G major suite D-Dur und jener B-Dur-Sympho- K. 387, in which the Finale begins like a Bach fugue, but is then combined nie Mozarts vermitteln, in der unver- with Mozart’s own familiar sonata rondo form, “in an inner dialogue with mittelt das Viertonthema auftaucht, Bach”. Together with American pianist Kit Armstrong, the Schumann Quartet aus dem dann Jahre später das Fugato- offers a further illustration of Mozart’s musical relationship with the Bach family, finale der „Jupiter-Symphonie“ aufge- in arrangements for piano and string quartet of piano concertos by Mozart türmt wird. and C.P.E. Bach. Here the string-players have to find a mode of expression corresponding to Mozart’s writing for the winds. “Mozart wrote the piano concertos for himself”, says Ken Schumann, “so perhaps we can come closer to his musical personality through playing these works.” Will traces of C.P.E. Bach’s music be discernible in Mozart’s works, in the direct juxtaposition of the concertos? “Mozart was so incredibly open-minded – he learned from many people and musicians, and in his unique way he absorbed it into [...] a music that was his from birth.” In 2017, the Quartet is to record a CD with soprano Anna Lucia Richter, who will perform a further Bach/Mozart programme at the Mozart Week with the Belgian B’Rock orchestra, an ensemble famed for its historically informed performance practice.

BACH? REINER MOZART!

SUMMARY

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MUSiK iM KopF UNd iM HErzEN die Saisonkonzerte 2017/18 der Stiftung Mozarteum präsentieren große Namen und neugierig machende Newcomer mit Musik quer durch die Epochen, wobei Werke von robert Schumann den roten Faden bilden. die neue Konzertreihe „after work“ verspricht ungewöhnliche wie ungezwungene Begegnungen mit Klängen ohne Grenzen.

Walter Weidringer

„Klimpere nie! Spiele immer frisch zu, und nie ein Stück halb! – ... Bemühe dich, und wenn du auch nur wenig Stimme hast, ohne Hülfe des Instrumentes vom Blatt zu singen; die Schärfe deines Gehörs wird dadurch immer zunehmen. Hast du aber eine klangvolle Stimme, so säume keinen Augenblick sie auszubilden, betrachte sie als das schönste Geschenk, das dir der Himmel verliehen! – ... Versäume aber keine Gelegenheit, wo du mit Anderen zusammen musiciren kannst, in Duo’s, Trio’s etc. Dies macht dein

Spiel fließend, schwungvoll. Auch Sän- zende Miteinander nach Noten in gern accompagnire oft.“ lockerer Atmosphäre? Wir sind als Menschen ärmer geworden, seit Fern170 Jahre werden sie alt, die „Musika- sehen, Radio, CD und Internet das Klalischen Haus- und Lebensregeln“, mit vier und andere Instrumente in den denen Robert Schumann in aphoristi- eigenen vier Wänden so rigoros verscher Knappheit und mit manchem drängt haben. Und wir fühlen das ManAugenzwinkern den Weg in der Welt ko, selbst wenn wir es nicht genau beder Kunst weist. Sie gelten noch im- nennen können. mer – obwohl sich unser Umgang mit Musik seither enorm gewandelt hat. Da kommt die Reihe „after work“ geUnter wie vielen Dächern lebt noch rade recht: ein neues, zeitgemäßes Andie Hausmusik, das Gemeinschaftser- gebot für alle, die sich in zwangloser lebnis des Musizierens, das wertschät- Atmosphäre vom Arbeitstag lösen und

KONZERTSAISON 2017/18

SUMMARY

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Music for the head and the heart. The Mozarteum Foundation’s 2017/18 season’s concerts once again span the centuries, with a focus on Schumann. Distinguished musicians perform a wide range of works, from Bach to world premières. It is 170 years since Schumann published his Rules & Maxims for Young Musicians, urging them to make music with others as often as possible. This still applies – but our treatment of music has changed enormously since then. Domestic music-making has largely been ousted by radio, CD and internet, leaving a serious gap in our lives. The new concert series “after work” promises interesting encounters with musicians and programmes “off the beaten track”, in an informal atmosphere. The bar opens at 5.30 pm; music starts in the Wiener Saal an hour later, with performers and instruments from far and wide. Schumann’s chamber music is a basic element of the concerts, ranging from piano and string works to lieder. The programmes branch out into chamber works by Bach, Beethoven, Mendelssohn and Brahms. The second focus is of course Mozart, with string quartets and piano music, combined with performances of works by a broad spectrum of composers. Guests include the Salzburg Bach Choir, Il Giardino Armonico with Giovanni Antonini, and the Academia Filarmónica Iberoamericana. The inclusion of rarely-heard works follows Schumann’s advice to “honour the old highly; bring, however, also to the new a warm heart” – for, as he says, “the laws of morality are also those of art”.


SEptEMBEr 2017 DI 19. ● Thomas Enhco, Vassiléna Serafimova DO 28. ● Maria João Pires, Lilit Grigoryan

sich der Musik öffnen wollen – ungewöhnlicher, aufregender Musik, die sich weder von Zeiten noch Stilen einschränken lässt, im Moment erfunden wurde oder schon lange existiert, in jedem Fall aber zu unserer Zeit gehört. Unmittelbarkeit und eine vergleichsweise intime Stimmung können da einiges von dem zurückbringen, was im reglementierten, herkömmlichen Konzertalltag verloren gegangen scheint. Um 17.30 Uhr schon gehen die Türen auf und empfängt die Bar – bei schönem Wetter im Garten – die Gäste, eine Stunde später erfüllt Musik den Wiener Saal: das Mozarteum als Ort der Offenheit und der Begegnung, menschlich ebenso wie musikalisch. Thomas Enhco und Vassiléna Serafimova an Klavier und Marimba nennen ihr Programm „Funambules“ und balancieren wie französische Seiltänzer zwischen Mozart und Piazzolla, ohne je das Gleichgewicht zu verlieren. Ausdrücklich musikalischen „Neubau“ errichten die „progressive strings vienna“, also Matthias Bartolomey am Cello und Klemens Bittmann mit Violine und Mandola, einer Mandolinenart: Ihre feurigen Eigenkompositionen haben noch Nikolaus Harnoncourt begeistert und finden über originelle Videos via Social Media ein rasant wachsendes Publikum. Das David Orlowsky Trio mit dem Namensgeber an der Klarinette, dem Gitarristen Jens-Uwe Popp und dem Kontrabassisten Florian Dohrmann wagt eine musikalische Reise quer durch Europa, vom Pariser Marais in die Ukraine nach Odessa. Und Ksenija Sidorova erkundet improvisatorisch durchpulste Welten von lettischer Folklore bis zur Klassik – alles „nur“ mit ihrem Akkordeon: „Eingepackt sieht es aus wie ein Fernsehgerät“, sagt sie, „aber es ist ein zartes Geschöpf, das auf das Wetter reagiert und jegliche Emotion ausdrücken kann.“

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03. 12. 17. 24.

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oKtoBEr 2017 Quatuor Modigliani, Sabine Meyer BartolomeyBittmann Azahar Ensemble Trio Jean Paul

NoVEMBEr 2017 DI 07. ● Il Giardino Armonico, Giovanni Antonini DI 14. ● Meyer aus Berlin, Ich möchte... (1918) Dennis James DI 21.● Quatuor Arod dEzEMBEr 2017 SO 03. ● Mozart Requiem – „Dialoge“ 2017 Mozarteumorchester, Salzburger Bachchor, Pablo Heras-Casado, Eriksmoen, Selinger, Sonn, Winckhler DI 12. ● Mozarteum Quartett FEBrUAr 2018 DI 27. ● Stadler Quartett MÄrz 2018 DO 08. ● Chiaroscuro Quartet DI 13. ● Alexander Janiczek, Alexander Lonquich DI 20. ● Iberacademy, Roberto González-Monjas Fatma Said April 2018 DI 10. ● Lucas & Arthur Jussen DO 19. ● Salzburger Bachchor, Alois Glaßner, Wolfgang Kogert DI 24. ● Mariam Batsashvili MAi 2018 DI 08. ● Mark Padmore, Till Fellner DI 15. ● David Orlowsky Trio DI 29. ● The Student Prince (1927), Dennis James JUNi 2018 DO 07. ● Khatia und Gvantsa Buniatishvili DI 12. ● Ksenija Sidorova ● ● ● ●

Kammermusik im Großen Saal Kammermusik im Wiener Saal after work im Wiener Saal Orgel & Film im Großen Saal


© SL Chai

© Kaupo Kikkas

© Sebastien Vincent © Stephan Doleschal

Mit ihrem Programm „Funambules“ eröffnen Vassiléna Serafimova (Marimba) und thomas Enhco (Klavier) die Konzertsaison 2017/18. Weitere Gäste der neuen Konzertreihe „after work“ sind das david orlowsky trio mit „Paris – Odessa“ (oben, re.), BartolomeyBittmann mit „Neubau“ (unten, li.) sowie die Akkordeonistin Ksenija Sidorova mit „Wind Dance“.

KONZERTSAISON 2017/18

Sie alle beherzigen jedenfalls Schumanns Gebot, „nichts Modisches“ zu spielen, sondern schürfen bei ihren verblüffenden stilistischen Querverbindungen tiefer – denn, so Schumann: „Die Zeit ist kostbar. Man müßte hundert Menschenleben haben, wenn man nur alles Gute, was da ist, kennen lernen wollte.“

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Zum viel geliebten Guten zählt Schumanns eigene Musik – und so bildet diese nicht zufällig eine Art von musikalischem Rückgrat durch die Saisonkonzerte 2017/18 mit großer Kammermusik. Aus der Klavierliteratur sind es etwa die poetischen „Waldszenen“ sowie als Rarität die „Bilder aus Osten“, zu denen sich Schumann von einer berühmten persischen Gedichtsammlung anregen ließ, den Makamen des Hariri (um 1100) – auch dies ein Brückenschlag der besonderen Art, den Maria João Pires und Lilit Grigoryan unternehmen. Mit Schumanns unvollendeten „Etüden in Form freier Variationen“ (über den langsamen Satz von Beethovens 7. Symphonie) und seiner großen Violinsonate op. 121 bringen Alexander Janiczek und Alexander Lonquich Mozarts Costa-Violine und den Graf-Flügel zum Klingen. Hinzu kommen, gespielt vom Quatuor

Modigliani, Schumanns Streichquartett op. 41/3 – Felix Mendelssohn gewidmet, enthält es direkte oder indirekte Anspielungen auf Beethoven und Bach – sowie sein Liederzyklus „Dichterliebe“: In sechzehn Miniaturen erfahren wir von den Höhen und Tiefen einer enttäuschten Liebe, die der Dichter schließlich wörtlich „begraben“ muss. Schumann übersetzt diese seelischen Momentaufnahmen mit sicherem Gespür für Heinrich Heines doppelbödig-bittere Ironie und nuancenreiche Symbolik in Musik; Tenor Marc Padmore und Till Fellner am Klavier machen diese „alten, bösen Lieder“ lebendig. Von Schumann aus verzweigen sich die Nervenlinien des Programms. Die schon genannten Komponisten Bach, Beethoven und Mendelssohn sind darin vertreten, prominenter freilich noch Schumanns junger Hausfreund Johannes Brahms: mit seinem Streichquartett op. 51/2, dem traumhaften Klarinettenquintett op. 115, bei dem sich Sabine Meyer zu den Modiglianis gesellt, und mit dem Streichquartett op. 36, das aus unscheinbarem Beginn eine enorme Entwicklung durchmacht. Mozart ist neben Schumann die natürliche zweite thematische Säule –

mit drei der „Haydn“-Quartette und dem letzten der „Preußischen“. In Sachen Klavier sind außerdem zwei aufregend musizierende Geschwisterpaare zu erleben: Lucas und Arthur Jussen spielen zu zwei und zu vier Händen Mozart und setzen ihn mit Schubert, Poulenc, Ravel und Fazil Say fort; sie bilden damit das Pendant zu den Schwestern Khatia und Gvantsa Buniatishvili, die ihre Impulsivität an Rachmaninoff, Milhaud, Gershwin und Ravel beweisen. Ein Abend mit dem Salzburger Bachchor und Musik des 20. Jahrhunderts feiert „das schönste Geschenk, das dir der Himmel verliehen“; er bereichert die Saison ebenso wie Gastspiele von Il Giardino Armonico und Giovanni Antonini, der Academia Filarmónica Iberoamericana sowie Musik von Haydn, Schubert, Liszt, Wolf, Debussy und Kurtág. Sowohl für Uraufführungen von Herbert Grassl und Benjamin Attahir als auch für Raritäten von Reicha, Turina oder Nielsen gilt Schumanns Rat: „Ehre das Alte hoch, bringe aber auch dem Neuen ein warmes Herz entgegen. Gegen dir unbekannte Namen hege kein Vorurtheil.“ Denn: „Die Gesetze der Moral sind auch die der Kunst.“


AUF dEr SUcHE NAcH dEr BEStÄNdiGEN zEit Seit gut zehn Jahren sucht Miroslav Srnka nach „Kontinuität“. Es geht ihm um „eine ausgearbeitete Kontinuität, die imstande sein sollte, Komplexität und Schlichtheit zu verbinden“. Vieles ergibt sich durch solche scheinbaren Paradoxien: die große Linie aus kleinsten Partikeln; Konstanten und Variablen; Wiederholungen intensivieren durch Verschiebungen in Betonung oder Metrum, das ist in den dichtesten Orchesterstrukturen zu hören. Miroslav Srnka steht im Zentrum der „Dialoge“ 2017.

Malte Krasting

Natur auf der einen, Wissenschaft und Technik auf der anderen Seite sind wie zwei Pole seiner Auseinandersetzung mit der Welt. Gegensätze locken ihn, Widersprüchliches findet er reizvoll. So zielstrebig er seine Anliegen verfolgt, so verspielt entdeckt er Nebenpfade. Er ist neugierig auf neurobiologische Forschungserkenntnisse ebenso wie auf nützliche Funktionen seines Notebooks, interessiert sich für Planeten und für Pfeffermin-

ze. Für seine Arbeit nutzt er alles, was der Stand der Dinge hergibt.

Miroslav Srnka ist dieses Jahr 42 Jahre alt geworden. Das ist selbst für Weggefährten, die ihn schon lange kennen, immer wieder verblüffend, denn nicht nur seine schlanke Statur suggeriert Jugendlichkeit, auch sein wacher Blick scheint eher einem Studenten anzugehören als einem arrivierten Vertreter seiner Zunft. Tatsächlich ist er ein Lernender, schon immer, bis heute. In Prag geboren und aufgewachsen, hat er seine Studien der Musikwissenschaft und der Komposition (bei Milan Slavický) auch in seiner Heimatstadt abgeschlossen, ist aber mehrmals für Studienaufenthalte ins Ausland gegangen, hat in Berlin gelebt und am Conservatoire National Supérieur de Musique in Paris ein Volontariat absolviert. Er hat als Lektor und Verlagsleiter gearbeitet, bis das Komponieren keinen Raum mehr

© Vojteˇch Havlík

Die verschiedene Geschwindigkeit des Gehens und Fahrens spiegelt sich bis in die Mikrostruktur seiner Musik, in der kleinste motivische, oft fast gestalthafte Elemente wie Objekte eine Topografie der Zeit bilden – und zugleich überlagert sind von weiten, in Wellen geschwungenen Bögen.

dafür ließ. Denn, wie er sagt: Musik zu schreiben ist für ihn keine freie Entscheidung, sondern Notwendigkeit; und aus der Erkenntnis, dass er es ohne das Komponieren nicht aushält, hat er die Konsequenz gezogen, diesem Bedürfnis gegenüber alles übrige zurückzustellen. (Vielleicht mit Ausnahme seiner beiden Kinder, die jetzt 12 und 15 sind.)

DIALOGE 2017

Auf zwei Arten ist der Komponist Miroslav Srnka bevorzugt unterwegs. Zum einen zu Fuß: Im Gehen – also in der Fortbewegungsgeschwindigkeit, auf die unser Körper von Natur aus optimal eingestellt ist – formen sich seine Gedanken. Beim Gehen wird das Nachdenken für ihn buchstäblich zum Spaziergang. Am liebsten tut er es dort, wo Wasser ist, am Flussufer, wo Bewegung und Begrenzung zusammenkommen, am Rande von allem. Zum anderen im Auto: Da fährt er gerne stundenlang, empfindet eine Beruhigung im Wissen, für diese Zeit an diesen Ort gebunden zu sein und doch schnell voranzukommen; eine Zeit, in der man sich auf etwas einlassen kann: konzentriert ein Werk hören, sei es Musik oder Literatur, neue Anregungen in sich hineinsaugen, Repertoire tanken.

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Verbindungen, auch wenn sie unbe- Musiktheater, ein großes erzählerisches Abenteuer: die Oper „South Pole“ über wusst passieren.“ Amundsens und Scotts Wettlauf zum Miroslav Srnkas Werdegang verläuft Südpol. Die Uraufführung im Jänner stetig, aber mit Umwegen, auch auf 2016 wurde zum Ereignis, die vier Jahüberwachsenen Pfaden. Seine Musik re Arbeit daran aber auch zur Bewähist bei den einschlägigen Neue-Musik- rungs- und Belastungsprobe. Das Foto Festivals und in bedeutenden Konzert- des Komponisten beim Schlussapreihen aufgeführt worden, in Witten plaus, wie er ungläubig die Hände vor etwa oder bei „musica viva“ in Mün- das Gesicht schlägt – in einer Michen. Andernorts wirkte er als Com- schung aus Erschütterung und Erposer in Residence. Die Erfahrung um leichterung –, ist unzählige Male im eine erste Kammeroper („Wall“ nach Internet geteilt worden. Dieser Moeinem Text von Jonathan Safran Foer) ment wirkt immer noch nach – aber entfremdet ihn dem Opernbetrieb auf in ganz positivem Sinne: Welche neue einige Zeit; 2009 setzt der Förder- Oper dieser Dimension wird schon preis der Ernst von Siemens Musik- im zweiten Jahr von einem anderen stiftung eine Zäsur. Parallel dazu er- großen Haus neuerlich inszeniert, ohmöglicht ihm ein Stipendium, sich ne jede Koproduktionsverpflichtung? ausführlich mit dem Musiktheater zu Auch in Darmstadt, dem Mekka der beschäftigen, bringt ihn mit dem Neuen Musik, hat „South Pole“ seine australischen Dramatiker Tom Hollo- Prüfung bestanden. Miroslav Srnka way zusammen, und die Kammeroper steht nun mitten im Blickfeld der zeit„Make No Noise“ entsteht – 2011 ur- genössischen Musik: unabhängig, keiaufgeführt bei den Festspielen der nem Lager zugehörig, der Kinderoper Bayerischen Staatsoper, im vergange- ebenso zugewandt wie unbequemen nen Jahr zum zweiten Mal inszeniert (und unermesslich schwierigen) „Exerbei den Bregenzer Festspielen. „Make zitien“ in Virtuosität. No Noise“ wiederum ist Auslöser für den bislang größten Auftrag, den Mi- Für Miroslav Srnka ist Komponieren roslav Srnka erhalten hat, Kulminati- „das Hören von dem noch nicht Erklunon seiner bisherigen kompositorischen genen“. Auf dem Weg dorthin nimmt Forschungen zu Klang, Stimme und er bisweilen Vektorbeschreibungen der Struktur – und ein Stück spannendes Bézier-Kurven zu Hilfe, aber nur, um

© Vojteˇch Havlík

DIALOGE 2017

Die Beschäftigung mit den großen tschechischen Komponisten hat Spuren hinterlassen, und die Frage, wo sich ein Künstler verwurzelt sieht, stellt sich umso eher, je kleiner, enger umrissen die Nation ist, aus der man stammt. „Als ich zum Studium nach Paris ging, haben Kollegen dort oft gesagt, meine Musik klinge irgendwie böhmisch. Als ich nach Prag zurückgekehrt bin, meinten meine Freunde, meine Stücke hätten so etwas Französisches an sich. Trotzdem ist die Musik meiner Heimat Teil meiner geistigen Muttermilch. Ich bin fast ausschließlich mit dem tschechischen Repertoire aufgewachsen, ohne zu wissen, dass es überhaupt etwas anderes, gar Zeitgenössisches gibt. Das hat mit Sicherheit bestimmte Muster in meinem musikalischen Denken beeinflusst – die Musik von Antonín Dvorˇák und Leoš Janácˇek vor allem. Aber ich versuche in keiner Weise, ‚tschechische‘ Musik zu schreiben. Wenn überhaupt, fühle ich mich persönlich als Europäer. Einmal hat jemand geschrieben, dass in einem Stück von mir Klarinetten in böhmischen Terzen spielen. Das hat mich auf die Palme gebracht. Aber wenn meine Vokalmusik mit Janácˇek in Beziehung gesetzt wird, kann ich nur sagen: vielleicht ist da etwas dran, und es gibt


© Nice Kim / iStock

Vogelschwärme als Inspiration für eine sich in Formen und Gesten bewegende 3D-Polyphonie

mit ihnen organische Bewegungen in Musik zu übersetzen; dieser Entstehungsprozess selbst verschwindet wieder hinter der Werkgestalt. Oft tritt die Herausforderung hinzu, mit Musik außermusikalischen Phänomenen auf die Spur zu kommen. In „Make No Noise“ war das die Frage nach Hören und Taubheit, in „South Pole“ extreme Kälte und ihre Folgen. Zum Beispiel ruft dort der Sound von 40 arpeggierten Eierschneidern das schauerlich-wohlige Gefühl des allmählichen Erstarrens im Eis hervor; und an anderer Stelle lässt ein völlig unerwarteter C-Dur-Akkord dem Hörer das Blut in den Adern gefrieren.

„In allem, was die Menschen zu faszinieren scheint, gibt es die Verbindung von überraschender Schlichtheit und zugleich einer unüberschaubaren Menge von Ansichten darüber... sie zeigen alle wie Pfeile auf ein Zentrum: In einem Stück können viele Wege enthalten sein.“ Auf die Frage, woran man seine Musik erkennen kann, zitiert er zunächst andere: „Viele beschreiben, dass man sich beim Hören meiner Musik wie in einem 3D-Klangraum bewegt: ein imaginärer Raum, in dem sich das Oben und Unten um eine Tiefendimension erweitert. Nahes und Fernes fliegt an uns vorbei. Das entspricht auch meiner Absicht – aber das zu ent-

decken ist ein unendlicher Prozess.“ Als Komponist findet er, dass eigentlich ein Instrument fehlt: eines, das die Lücke zwischen der menschlichen Stimme und dem Instrument, das der Stimme am nächsten ist (welches man auch immer dafür hält), überbrücken würde. Manche Dinge existieren in der Phantasie – in der Realität versucht man, sich ihnen so weit wie möglich anzunähern. So ist es auch mit dem Vorankommen. Im Traum, erzählt Miroslav Srnka, gibt es eine weitere Fortbewegungsart. Da schwebt er – 30 Zentimeter über dem Boden, mit jedem Schritt mühelos zwölf Meter weit.

Das detaillierte Programm der Dialoge (30. November bis 3. Dezember 2017) wird am 12. September veröffentlicht: www.mozarteum.at

Czech composer Miroslav Srnka’s prime concern is his search for a well-planned continuity capable of combining complexity and simplicity. Much may be achieved through apparent paradox: the wide stretch of tiniest particles, constants and variables, repetition intensified through shifts in emphasis or metre – all this may be heard in the densest orchestral structures. Srnka is interested in nature, in science and technology; he is single-minded in pursuit of his goals, but curiosity can lead him to digress, and his observations of the world find their way into his work. Srnka was born in 1975 in Prague, where he studied musicology and composition, with study trips to Berlin and Paris. He sees his main influences as Dvorˇák and Janácˇek, but does not try to write “Czech” music. His instrumental work has been performed by leading interpreters at New Music festivals and in prominent concert series. His operas – notably the acclaimed South Pole – reflect his compositional research into sound, voice and structure. “Listening to my music, many feel as though they are moving in a 3D sound-space”, he says. “This is my intention – but of course, discovering it is an endless process.”

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© National Geographic Creative / Alamy


Das Blumenfest von Medellín – Feria de las Flores – findet jedes Jahr in den ersten Augustwochen statt und dauert 10 Tage; zahlreiche Veranstaltungen, Paraden und Umzüge sind Bestandteil dieser Festtage. Kolumbien ist nach den Niederlanden der wichtigste Lieferant von Schnittblumen auf dem Weltmarkt.

EiNE rEiSE NAcH MEdEllíN Christoph Großpietsch

Seit 2016 verbindet die Stiftung Mozarteum Salzburg eine Partnerschaft mit der Academia Iberoamericana in Medellín, einem Musikprojekt, in das sie die in ihrem erfolgreichen Kuba-Projekt gewonnen Erfahrungen einbringen kann. Der Austausch von Lehrenden und Studierenden, die Einbindung südamerikanischer Teilnehmer in die Internationale Sommerakademie in Salzburg, Know-how-Transfer im Bereich Kulturmanagement, vor allem aber auch eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Werk Mozarts in Kolumbien sind Ziele dieser Kooperation. Die Hilti Foundation, seit 2014 „Partner in Education“ der Stiftung Mozarteum, unterstützt die Akademie in Kolumbien im Rahmen ihres Förderschwerpunktes „Sozialer Wandel durch Musik“ seit 2011 und ist auch maßgeblich an der Idee der „Academia Filarmónica Iberoamericana“ beteiligt. Christoph Großpietsch, Musikwissenschaftler bei der Stiftung Mozarteum, reiste im Mai 2017 als Gastlektor nach Medellín.

Nein, ich war noch nicht da, ich bin zum ersten Mal in Medellín. 1616 als Kolonialstadt der Spanier gegründet, sind die Wurzeln der Stadt heute nur

noch schwer zu erkennen, gerade im schicken El Poblado, einem von Hochhäusern, Einkaufszentren und Verkehr durchzogenen Stadtteil, einst Zentrum der Spanier.

Verkehr ist im Zentrum gerade noch erträglich, in den Außenbezirken während der Stoßzeiten unerträglich. Als Megastadt verschluckt sie, schwarzen Löchern gleich, innerhalb kürzester Zeit all die vielen vor Armut oder vor An der Einfahrt zur Universität EAFIT Gewalt fliehenden Menschen aus den finde ich in übergroßen Lettern den Landgebieten, die in die Stadt drängen. Satz: „No pelliés, que seguro vas a perder. Podés perder tu plata, tu familia, Die Luft kratzt im Rachen und knattu libertad y hasta tu vida.“ Ein Aufruf ternde Kleinlaster, aber auch 40-Tonzum Frieden in einem jahrzehntelang nen-Züge wälzen sich auf den Ausfallvon Gewalt geprägten Land, in dem straßen durch das Tal des kanalisierauch die Bildungschancen der Jugend ten Medellín-Flusses. Krankenwagen zugrunde gingen. Noch erweist sich der am Straßenrand zeugen von dauernFriedensweg als steinig, aber die Aus- den Unfällen. Eine Lawine von stinsichten auf Stabilität sind heute so kenden Mopeds schiebt sich durch gut wie noch nie. Das Land ist reich, jede noch so kleine Lücke. Von links nicht nur an Bodenschätzen, Kaffee kommend, rechts überholend, quer und Kakao, Medellín ist inzwischen an zur Fahrtrichtung, alles ist möglich. zweiter Stelle der nationalen Indus- Entkernte indische Lastwagen, „Shiva“ trieproduktion und an erster Stelle in genannt, werden als Event- und TouSüdamerika in Bezug auf die Textil- ristenbusse auf diese Stadtautobahherstellung gereiht. Ein weiteres wich- nen gebracht. Straßenhändler bieten, tiges Standbein ist der Export von in „Star-Trek-Manier“ auf die MittelSchnittblumen. fahrbahn gebeamt, asiatische Strohhüte, Gesellschaftsspiele und Puzzles Medellín, die Fortschrittliche, die Or- für ein spielvernarrtes Volk oder Kehrchideenstadt, ist Moloch zugleich. Der besen und das Beste für den Haushalt

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Mehr als einmal wurde ich gefragt, ob ich zum ersten Mal in Medellín sei. Dahinter steht die unausgesprochene Erwartung, ich möge mich zu denen zählen, denen klar ist, dass man, will man von Lateinamerika sprechen, Medellín kennen muss – der Einzigartigkeit dieser Stadt wegen. Es gibt dort eine Seilbahn, die sich von der geschäftigen City über die Armenviertel bis zum grünen Gipfel „emporschraubt“. Auch die Stadt selbst ist in den letzten Jahren wie ein Phönix aus der Asche emporgestiegen. Einst eine der gefährlichsten Drogenstädte der Welt, Heimat des Escobar-Clans, heute eine facettenreiche Metropole, eine Stadt, die es lohnt, besucht zu werden. Man ist stolz auf Medellín, auf eine für Lateinamerika exquisite Modeszene, auf unzählige Hochhäuser, es boomt, es wird gebaut, dass einem schwindelig wird. Unmerklich wird sogar die eigene Geschichte überbaut.

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© Christine Rhomberg

Die Instrumente verbleiben nach dem Unterricht in den „La Red“ Musikschulen – sicher ist sicher.

EINE ERFAHRUNG, DIE LEBEN VERÄNDERT Als erste Studierende der „Academia Iberoamericana“ in Medellín waren die Cellistin Tatiana Pérez und die Oboistin Laura Rendón von der Stiftung Mozarteum Salzburg eingeladen, als Gasthörerinnen an der Sommerakademie 2016 in Salzburg teilzunehmen. Anschließend verbrachten sie eine Woche beim Sommerfestival in Luzern. Ihr Dank an die Stiftung Mozarteum zeugt von einer tiefgreifenden Erfahrung.

Uns fehlen die Worte um zu beschreiben, wie glücklich und dankbar wir sind für alles, was wir in Europa gesehen und gelernt haben. Nie hätten wir uns träumen lassen, dass wir dies alles erleben dürfen, und in der Tat gibt es nun sowohl in unserem musikalischen als auch in unserem persönlichen Dasein ein „Davor“ und ein „Danach“.

Tatiana Pérez (li.), Laura Rendón.

Die Qualität des Unterrichts, die Möglichkeit von Lektionen bei – sowohl musikalisch als auch menschlich – hervorragenden Professoren sind ein Privileg, das uns das Rüstzeug dafür gibt, bessere Musiker, aber auch bessere Menschen zu sein. Und es gibt uns den Mut, nicht nur davon zu träumen, eines Tages unsere Ausbildung in Europa fortsetzen zu können.

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Die Konzerte in Salzburg und Luzern besuchen zu können und viele von jenen Musikern live zu erleben, die wir aus den Medien kennen und die wir so sehr bewundern, hat für uns unschätzbaren Wert und wird für immer in unserer Erinnerung bleiben. Wir wollen nun das, was wir erfahren und lernen durften, mit unseren Kollegen in Kolumbien teilen – als Motivation für alle, nicht nur zu träumen, sondern darauf hinzuarbeiten, dass das, was wir erleben durften, eines Tages für sie selbst Realität werden kann.

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Wir hoffen, dass sich diese wunderbare Partnerschaft zwischen der Stiftung Mozarteum und unserer Akademie für beide Seiten fruchtbar entwickeln wird und dass sie schließlich, vor allem durch das Engagement aller unserer Lehrenden und Studierenden, weit über unsere Institution hinaus ausstrahlen wird auf alle jungen Musikerinnen und Musiker in Kolumbien und Lateinamerika. Danke für alles! Laura Rendón und Tatiana Pérez


© Christoph Großpietsch (2)

Der Direktor der „La Red“-Musikschule „Escuela de Música Alfonso López“, Maestro Jorge Hernán Uribe, probt mit einem Kammerorchester aus jungen Musikern.

Nach seinem Meisterkurs in Medellín gibt der Cellist Detlef Mielke, Mitglied des Hyperion Ensembles Salzburg, ein kleines Abschlusskonzert mit jungen „IBERACADEMY“-Stipendiaten.

an. Es ist wie ein Kettenkarussell, in Das Interesse für Musik und Musikgeschichte in Medellín ist überwältigend. dem alles durch die Luft wirbelt. Bei jedem der fünf Vorträge, ob in der Links und rechts ziehen sich die „co- bestens ausgestatteten EAFIT-Privatmunas“, die wild gebauten Ansiedlun- Universität oder der staatlichen Unigen, beiderseits des breiten Flusstals versidad de Antioquia, haben sich Stuan Hängen hinauf. In unmittelbarer denten persönlich bei mir bedankt. Nachbarschaft sind Verwaltungsbauten Hätte ich zwei Stunden gesprochen – in die Höhe geschossen, die meisten sie wären zwei Stunden geblieben. Vieneu, keiner älter als 20 Jahre. Mit Vor- le haben sich in fast allen Vorträgen liebe erwerben Investoren herunter- blicken lassen. Diesen Wissensdurst gekommenen Grund – der deutlich hatte ich nicht erwartet. Die Studenniedrigeren Steuern wegen. Denn de- ten wussten sich auf Englisch gut ausren Höhe orientiert sich an der Be- zudrücken und stellten kenntnisreich wertung der Region, nicht am Kauf- formulierte Fragen. preis. Stadtviertel mutieren rasant und unkontrolliert. Unerschwinglich wird Faszinierend war auch der Abschluss der neu bebaute Grund für die meis- meiner Vortragsreihe in der außergewöhnlichen Atmosphäre des Planetaten. riums von Medellín, wo ich im KuppelIn dieser aufstrebenden Stadt war ich raum vor mehr als 100 Gästen über eingeladen, fünf Vorträge über euro- Haydn und Mozart sprechen durfte. päische Musikgeschichte zu halten, Die Freundschaft der beiden Kompoüber Salzburg, Mozart und das Mozar- nisten, festgemacht an ihrer Musik, teum, über Bach, Haydn und noch- wurde durch junge Musiker in einem mals Mozart. Die Vortragssäle wurden kleinen Live-Konzert lebendig. dem Projekt „Academia Iberoamericana“, kurz „IBERACADEMY“, zur Verfü- Die Voraussetzung dafür, dass Stipengung gestellt, sodass ich als Referent, diaten von „IBERACADEMY“ so weit bestens begleitet durch die fachkun- kommen, ist in der Regel der Besuch dige Assistentin Paula von „IBERA- einer der 27 in den Stadtbezirken anCADEMY“, bequem den Weg in die gesiedelten „La Red“-Musikschulen, verschiedenen Vorlesungssäle finden die als Projekt in Medellín seit über 20 Jahren bestehen und die Basis für konnte.

alles Weitere schaffen. Viele Kinder kommen von den ärmlichen Berghängen, da, wo die Seilbahn sich auf dem Weg zum weiten grünen Gipfel nach oben „geschraubt“ hat, wo es erst einfach, dann bettelarm und danach fast erbärmlich aussieht. Aber hier unten, in der Musikschule Alfonso Lopez Pumarejo in der gleichnamigen „comuna“, lernen sie von einer anderen Welt aus Musik, zu der sie durch das Musikmachen dazugehören.

Im ersten Stock bilden Schüler der Musikschule ein Kammerorchester, das seit zwei Monaten zusammen ist. Die Musiker auf ihren Streichinstrumenten sind sehr jung; im Durchschnitt vielleicht 10 Jahre alt. Wenige Lehrer oder ältere Schüler flankieren mit Bässen. Der Leiter der Musikschule ist auch Dirigent dieses jungen Kammerorchesters. Das erste Stück ist melodisch am Umfang einer Quinte orien-

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Eine ganze Armada an säuberlich nummerierten Dreiviertelgeigen und normalgroßen Violinen wird in der Schule Alfonso Lopez wie ein Schatz gehütet. Einen anderen hütet die Bibliothekarin gegenüber: die für die jungen Musiker passenden Noten. Man hofft auf gutes, auf besseres Notenmaterial, damit alle Schüler davon profitieren.

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© Christine Rhomberg

Li.: Blick auf das Zentrum von Medellín. Re.: Die Seilbahn „Metrocable“, die seit einigen Jahren die Armenviertel an den Hängen mit dem öffentlichen Nahverkehr im Tal verbindet.

tiert. Abwechslung bietet eine jazzige Mini-Einlage durch die „Großen“ am Bass, die Lust auf mehr macht. Dann noch eine „Reprise“; fertig. Und plötzlich, nach geduldigem Üben, entsteht nach Ablauf einer Stunde wie durch ein Wunder aus einfacher Melodik eine klare Struktur im Orchester. Die Schüler sind mit ganzem Herzen dabei. Es geht ihnen gut, sie nehmen die Sache ernst, sind konzentriert. Das ist die Erfahrung, die sie brauchen: Gemeinsam Musik zu machen bringt weiter, bündelt Gemeinschaft und schafft Achtsamkeit.

Vorspielen ein oder lässt sich Empfehlungen für einzuladende Kandidaten geben. Wer von den jungen Musikern der „La Red“-Musikschulen mit ihren rund 5.000 Schülerinnen und Schülern dann noch mit dem Instrument verbunden bleibt, erhält ein Stipendium. Ermöglicht wird das durch eine langjährige Partnerschaft mit der Hilti Foundation aus Liechtenstein.

Die „IBERACADEMY“ hebt Grenzen auf. Dieses ehemals „AFMED“ genannte Projekt der Musikförderung (mit einem „M“ für Medellín) verdient den Namen „IBERACADEMY“, denn es ist Einige Musikschüler schaffen es später im letzten Jahr – auch dies eine Anreweiter. Alejandro Posada, spiritus rec- gung der Hilti Stiftung – von Kolumtor der „IBERACADEMY“, lädt dann zu bien aus auf lateinamerikanische Nach-

barländer, darunter Bolivien und Peru, ausgeweitet worden. Alejandro Posada hat das alles im Blick. Dass Erfolge erzielt werden, bleibt nicht verborgen. Öffentliche Orchesterkonzerte im ganzen Land, in Bolivien, Peru und anderswo spiegeln das Geleistete. Es ist noch viel zu tun, eine junge Generation mit Chancen auf dauerhaften Frieden wächst heran; und hochtalentierte Schüler gibt es in all diesen Ländern. Im März 2018 wird das „IBERACADEMY“-Orchester Europa, Salzburg und die Stiftung Mozarteum besuchen (Konzert am 20. März im Großen Saal) und von seiner umwerfenden Spielfreude, aber auch von musikalischer Meisterschaft eine Probe ablegen. Seien wir gespannt!

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In the Colombian city of Medellín, the Salzburg Mozarteum Foundation collaborates with the Liechtenstein Hilti Foundation in the project “Academia de Medellín”, former AFMED (Academia Filarmonica), founded in 2009, which offers talented young musicians access to advanced music studies, and runs regular orchestral projects. In 2016, the Salzburg Mozarteum Foundation entered into a partnership with the Academia Iberoamericana in Medellín, for a project to train talented young musicians to an international standard. Most of the students have attended one of the 27 La Red [network] music schools in the (often povertystricken) communes of Medellín. This project has existed for over 20 years, and currently includes some 5,000 students, for whom instruments and sheet music are provided. If they pass an audition for the Academy, they receive a grant from the Liechtenstein Hilti Foundation, which has encouraged expansion into neighbouring countries including Bolivia and Peru. Public performances in many places demonstrate the noteworthy achievements of a young generation hoping for lasting peace. In March 2018, the IBERACADEMY orchestra will visit Europe; we look forward to hearing them at the Mozarteum Foundation. An important element is the exchange programme for teachers and students between Colombia and Europe – illustrated by a letter from the first two exchange students, a cellist and an oboist; they took part in the 2016 Summer Academy in Salzburg and the Summer Festival in Lucerne, and delightedly rate their experience as “invaluable”.


EiNBlicKE iN EiNE GEScHicHtE Mit UNWÄGBArKEitEN carl thomas Mozarts zuwendungen für den Dommusikverein und Mozarteum

Till Reininghaus

Der im weit entfernten Mailand lebende Carl Thomas Mozart, der ältere der beiden das Erwachsenenalter erreichenden Söhne Mozarts, vertrat lange Zeit eine auffällig distanzierte, phasenweise auch sehr kritische Haltung dem Dommusikverein und Mozarteum gegenüber. Erst während der Vorbereitungen zur großen, weit über Salzburgs Grenzen hinaus beachteten Mozart-Säkularfeier im September 1856 intensivierte er seine Beziehung zu der Salzburger Institution. Offenbar von der Idee der Feierlichkeiten in Salzburg anlässlich des 100. Geburtstags seines Vaters angetan, entschloss er sich zu einer großzügigen Schenkung: Als Vorlass stiftete er dem Verein Briefe Leopold Mozarts und Teile der Reisekorrespondenz der Mozart-Familie sowie den Hammerflügel von Anton Walter, das einstige Konzertinstrument Wolfgang Amadé Mozarts. Kurz darauf übereignete er der Institution auch noch das dieser ursprünglich nur leihweise überlassene Stammbuch seines berühmten Vaters. Weiteren Ausdruck fand die Hinwendung Carl Thomas Mozarts zum Dom-

Die beiden Söhne von Wolfgang Amadé und Constanze Mozart: Franz Xaver Wolfgang (li.) und Carl Thomas (re.). Gemälde von Hans Hansen, Wien 1800.

musikverein und Mozarteum zudem darin, dass er die Einladung zur Teilnahme an der mehrtägigen MozartSäkularfeier annahm und mit 71 Jahren die beschwerliche Reise von Mailand nach Salzburg antrat. In der Folge wurde Carl Thomas Mozart als einziger noch lebender Angehöriger der MozartFamilie während der Festlichkeiten gefeiert.

NACHLASS DER SÖHNE MOZARTS

Nach dem Tod des jüngeren MozartSohns Franz Xaver Wolfgang Mozart 1844 erhielt der Verein dann erneut zahlreiche originale Mozartiana. Allerdings kamen diese wertvollen Objekte nicht als direktes Vermächtnis des Mozart-Sohns an den Dommusikverein und Mozarteum, sondern als Stiftung von dessen Universalerbin Josephine Baroni-Cavalcabò, die mit die-

ser großzügigen Zuwendung einem nur verbal geäußerten und somit rechtlich unverbindlichen Wunsch Franz Xaver Wolfgang Mozarts entsprach.

© Internationale Stiftung Mozarteum

Die Stiftung Mozarteum Salzburg kann sich heute glücklich schätzen, nicht nur über die weltweit größte Spezialbibliothek zu Leben und Werk Wolfgang Amadé Mozarts zu verfügen, sondern in ihrer Bibliothek, dem Autographentresor und den beiden Museen auch eine in ihrer Qualität und ihrem Umfang einzigartige Sammlung an originalen Mozartiana zu beherbergen. Die Ursprünge dieser wertvollen Sammlung gehen oftmals auf Zuwendungen von Mitgliedern der Mozart-Familie an den 1841 gegründeten Dommusikverein und Mozarteum, der Vorgängerinstitution der Stiftung Mozarteum, zurück: angefangen bei der Witwe Mozarts, Constanze Nissen, die mit der Übergabe des autographen Kyrie-Fragments in Es KV 322 quasi den Grundstein für die spätere Autographensammlung legte.

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Obwohl sich der ältere Mozart-Sohn in dieser Rolle des personifizierten Nachkommens des „Genies“ Mozart nicht wohlfühlte, blieb er seit dieser Zeit dem Dommusikverein und Mozarteum verbunden. Zwischen Frühjahr 1856 und seinem Tod im Oktober 1858 überließ er dem Verein weitere Musikalien von Werken seines Vaters, vor allem aber Notenausgaben des überwiegend zeitgenössischen Opern-Repertoires. Außerdem befanden sich im Vorlass Carl Thomas Mozarts einzelne Autographe Wolfgang Amadé Mozarts. Leider sind sie heute nur noch schwer ihm zuzuordnen und in den Beständen der Stiftung Mozarteum Salzburg nachzuweisen, etwa die Fragmente zum Kyrie in C KV 323 und zur Sinfonia concertante in A für Violine, Viola, Violoncello und Orchester KV 320e. Einzelne autographe Mozart-Fragmente, die der Dommusikverein und Mozarteum von Carl Thomas Mozart erhielt, scheinen zudem verloren. Das späte Interesse Carl Thomas Mozarts für die Belange des Dommusikverein und Mozarteums äußerte sich schließlich auch im wohl abgewägten

NACHLASS DER SÖHNE MOZARTS

SUMMARY

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Today, the Salzburg Mozarteum Foundation boasts not only the worldwide most extensive library relating to Mozart’s life and work, but also a unique collection of Mozart memorabilia, including original manuscripts and instruments. Many of these items were donated by members of the Mozart family to the Cathedral Music Society and Mozarteum [predecessor of the Salzburg Mozarteum Foundation], founded in 1841. Constanze Nissen’s gift of the autograph Kyrie fragment K. 322 formed the basis of the later manuscript collection. After the death in 1844 of Franz Xaver, the Mozarts’ younger son, the Society received further original items. To mark the celebration of the composer’s 100th birthday in 1856, the elder son, Carl Thomas, who lived in Milan, made a generous donation of Leopold Mozart’s letters, some of the family’s travel correspondence and Mozart’s Anton Walter fortepiano. These were later followed by Mozart’s album and quantities of Mozart’s sheet music. Carl Thomas died in 1858, naming the Society in his will as universal heir – which, however, entailed considerable expenses, taxes and obligations to other persons and institutions mentioned in the will. There remained only some almost worthless Italian bonds, some ready money, three instruments not associated with Mozart, and 13 original family paintings, including the famous portrait of Wolfgang by Joseph Lange. Finally, the Society decided to bring only the most valuable instrument, a piano by the Viennese Johann Baptist Streicher, to Salzburg, leaving the others to cover costs in Italy. By the summer of 1859, the Society had taken possession of Carl Thomas’s decimated legacy. The following year, a premature legacy from Franz Xaver’s heir, Josephine BaroniCavalcabò, brought the final Mozart family donations, which now account for the outstanding significance of the Salzburg Mozarteum Foundation collection.

Entschluss des kinderlos gebliebenen Mozart-Sohns, den Verein zum „Universalerben“ einzusetzen. Anders als im Fall seines jüngeren Bruders Franz Xaver Wolfgang Mozart, dessen unverbindliche Willensbekundung zugunsten des Dommusikverein und Mozarteums 1844 zu einigen Komplikationen geführt hatte, schuf Carl Thomas Mozart in seinem Testament somit bewusst klare Verhältnisse. Als er zwei Jahre später, am 31. Oktober 1858, in Mailand starb, konnte der Verein als Universalerbe demnach eigentlich davon ausgehen, dass ihm der Großteil des Nachlasses zufallen würde. Allerdings täuschte diese Annahme insofern, als Carl Thomas Mozart neben dem Salzburger Verein diverse andere Personen und Institutionen in seinem Testament bedacht hatte, die bei der Aufteilung des Erbes in der Rangfolge vor dem Dommusikverein und Mozarteum als Haupterben zu berücksichtigen waren. Darüber hinaus war dem Verein testamentarisch die Pflicht auferlegt worden, die Kosten der „letzten Krankheit“ und der Bestattung Carl Thomas Mozarts zu übernehmen sowie weitere finanzielle Außenstände zum Zeitpunkt des Todes und alle weiteren Kosten zu begleichen, die während der Regelung der Verlassenschaft anfielen. Mit der Annahme des Erbes übernahm der Dommusikverein und Mozarteum somit wider Erwarten umfangreiche finanzielle und organisatorische Verpflichtungen. Sie reduzierten den Umfang des für den Verein bestimmten Erbteils merklich. Nachdem die Ansprüche anderer Erbberechtigter abgegolten waren, blieben der Salzburger Institution deshalb zunächst lediglich einige Wertpapiere, etwas Bar-


© Internationale Stiftung Mozarteum (2)

carl thomas Mozart. Kolorierte Fotografie, um 1850.

Hinzu kam, dass sich auch die weitere Abwicklung der Verlassenschaftsangelegenheit für den Verein keineswegs unproblematisch gestaltete. Als nach langen Verhandlungen die Überführung der originalen Bilder aus der Mozart-Familie und der drei Instrumente nach Salzburg angegangen werden konnte, sah sich der Dommusikverein und Mozarteum wiederum unerwartet mit neuen Kosten konfrontiert. Denn die sich zuspitzende Lage in der Lombardei aufgrund des Italienischen Einigungskriegs hatte im Spätherbst 1858 und im Frühjahr 1859 auch ökonomische Folgen, die unter anderem zum Verfall des Preises der Wertpapiere führten, die dem Verein aus der Erbmasse zugesprochen worden waren und die die Abwicklung der Erbsache hätten absichern sollen. Die Salzburger Institution entschied deshalb, lediglich das wertvollste der Instrumente, ein Flügel des Wiener Klavierbauers Johann Baptist Streicher, nach Salzburg transpor-

Autographe erste Seite von Mozarts Kyrie-Fragment Es-Dur KV 322, welches seine Witwe, Constanze Nissen, an den 1841 gegründeten Dommusikverein und Mozarteum, die Vorgängerinstitution der Stiftung Mozarteum Salzburg, übergeben hat und das, gemeinsam mit anderen Zuwendungen von Mitgliedern der Mozart-Familie, den Grundstein für die spätere Autographensammlung legte.

tieren zu lassen, hingegen die beiden anderen, ein Tafelklavier und eine Physharmonika, zur Deckung der Kosten in Italien zu veräußern. Nach einem aufwändigen Prozess gelangte im Sommer 1859 eine nochmals reduzierte Zahl an Objekten aus dem ohnehin bereits dezimierten Teil des Nachlasses Carl Thomas Mozarts, der dem Dommusikverein und Mozarteum zustand, nach Salzburg: die freilich in ihrem ideellen Wert unschätzbaren originalen Mozart-Bilder und der Streicher-Flügel. Im Folgejahr erhielt der Verein dann letzte Objekte aus dem Nachlass Franz Xaver Wolfgang Mozarts durch einen weiteren Vorlass Josephine Baroni-Cavalcabòs. Damit endete die Reihe der Zuwendungen aus der Mozart-Familie und deren direktem Umfeld, die heute im Wesentlichen die herausragende Bedeutung der Mozartiana-Sammlung der Stiftung Mozarteum Salzburg ausmachen.

NACHLASS DER SÖHNE MOZARTS

geld, drei Instrumente, die jedoch in keine Verbindung zu Wolfgang Amadé Mozart zu bringen sind, sowie – für die weitere Mozart-Pflege in Salzburg von größerer Relevanz – 13 bedeutende originale Bilder aus der Mozart-Familie, darunter das berühmte Porträt Wolfgang Amadé Mozarts von Joseph Lange.

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„EtWElcHE ANEctodEN AUS MEiNES BrUdErS lEBEN“ Ein neu erworbener Brief von Maria Anna Mozart aus dem Jahr 1799

Ulrich Leisinger

NANNERL-BRIEF

Die große Westeuroparareise, welche die Mozart-Familie von 1763 bis 1766 durch Deutschland, die Niederlande, Frankreich, England und die Schweiz führte, hat Wolfgang und seine fünf Jahre ältere Schwester Maria Anna wie kaum ein anderes Geschwisterpaar im 18. Jahrhundert zusammengeschweißt, denn Spielgefährten oder Schulkameraden im landläufigen Sinne gab es auf der langen Reise nicht. Vielmehr war man fast immer von Erwachsenen, die häufig nur fremde und damit zumindest anfangs ungewohnte Sprachen beherrschten, umgeben. Wie eng das Verhältnis zwischen Bruder und Schwester war, belegt noch am Ende der Salzburger Jahre Nannerls fragmentarisch erhaltenes Tagebuch, in dem sich auch Wolfgang immer wieder in kindlich-scherzhafter Weise eintrug und dabei in gespieltem Ernst eigene Missgeschicke und mitunter höchst banale Alltagsereignisse aus Sicht seiner Schwester schilderte.

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Die Erinnerungen von Mozarts Schwester, die sie kurz nach dem Tode ihres Bruders für einen der ersten Jahrgänge von Friedrich von Schlichtegrolls Nekrolog der Deutschen aufsetzte, erweisen sich als die wichtigste Quelle für unser Bild von Mozart als Mensch und Musiker. Geschwisterliche Liebe spricht auch aus den Briefen von Maria Anna Reichsfreiin von Berchtold zu Sonnenburg, wie sie nach ihrer Eheschließung im Jahre 1784 hieß, an Breitkopf & Härtel, mit denen sie seit 1799 über Jahre hinweg die Bestrebungen des Leipziger Verlagshauses bei der Erstellung einer Gesamtausgabe der Werke ihres Bruders

und einer geplanten, aber nie realisierten Biographie nach Kräften unterstützte. Dieser Bestand an Briefen, der mehr als 40 Schriftstücke der Schwester umfasst und bereits am Ende des 19. Jahrhunderts zu großen Teilen veröffentlicht wurde, ist im 20. Jahrhundert nahezu geschlossen an die Stiftung Mozarteum Salzburg gelangt und gehört zu den bedeutendsten Schätzen der Bibliotheca Mozartiana. Einige besonders schöne Stücke waren aber schon im 19. Jahrhundert von den Verlagsleitern dem Bestand entnommen und als Erinnerungsstücke verschenkt worden. Einer dieser Briefe mit Datum vom 24. November 1799 konnte nun bei der Stargardt-Auktion vom 14./15. März 2017 in Berlin von

der Stiftung Mozarteum Salzburg um 50.000 Euro erworben und der Autographensammlung einverleibt werden. Mit dem geradezu kalligraphisch geschriebenen Brief – es handelt sich allem Anschein nach um den dritten in der Korrespondenz mit dem Verlag – sandte Maria Anna ihre Beiträge, die Schlichtegroll für den Nekrolog bereits verwendet hatte, und viele weitere Erinnerungsstücke in Form von Auszügen aus den Reisebriefen, Gedichten und anderen Dokumenten. Zusätzlich notierte sie einige weitere Anekdoten aus der gemeinsamen Kinderzeit, die dann im Jahr 1800 in der Allgemeinen musikalischen Zeitung, die der Verlag herausgab, veröffentlicht

SUMMARY Dependent largely on each other for company, Wolfgang and his sister Maria Anna, five years his senior, became very close during the Mozart family’s protracted journey through Germany, Holland, France, England and Switzerland, which lasted from 1763 until 1766. This relationship is documented by entries in Nannerl’s journal, which is interspersed with childish insertions by Wolfgang, and by letters she wrote after his death to the publishing house of Breitkopf & Härtel in Leipzig, as contributions to a complete edition of the composer’s works and a planned biography (which never materialised). Many of these letters had already been published at the end of the 19th century, and the Salzburg Mozarteum Foundation acquired the almost complete collection in the 20th century – with the exception of a few particularly fine items given away as souvenirs by the publishers. One of these, dated 24 November 1799, was purchased by the Foundation for 50,000 Euros at the Stargardt auction in Berlin on 14/15 March 2017, and is now included in the collection. It describes a bedtime ritual insisted on by Wolfgang, who had composed a tune which he sang with his father before kissing him affectionately and going contentedly to bed. A further anecdote mentions that in London, while Leopold was seriously ill, Wolfgang composed a symphony which Nannerl had to notate; it included not only horns, but also trumpets and timpani, which are nowhere to be found in his earliest works – thus regrettably, this one, like many others, has been lost.


© Internationale Stiftung Mozartezm

Eine von Mozart komponierte Melodie, „...die er täglich, vor dem schlafen gehen, da ihm sein Vater auf einen Sessel stellen musste vorsang...“ (Ausschnitt einer Seite aus den „Nissen-Kollektaneen“)

Nannerl kannte die Melodie, die auf den Phantasietext „Oragna figata fa marina gamina fa“ gesungen wurde, noch nach Jahrzehnten auswendig und überließ Abschriften davon dem Verlag, später auch ihrer Schwägerin Constanze und ihrem zweiten Mann Georg Nikolaus Nissen für dessen Mozart-Biographie, die postum 1828/29 im Druck erschien. Eine Bestätigung findet diese Anekdote übrigens in einem Brief Leopolds, der seinen Sohn am 12. Februar 1778 in väterlicher Strenge zur Weiterreise nach Pa-

ris drängte und ihn dabei zum Gehorsam mahnte, indem er seinen Sohn daran erinnerte, dass „du als Kind, und Knab nicht schlaffen giengst ohne auf dem Sessl stehend mir das oragnia figatafa vorzusingen, mich öfters und am Ende auf das Nasenspitzl zu küssen, und mir zu sagen, daß, wenn ich alt seyn werde, du mich in einem Kapsel, wo ein Glaß vor, vor aller Luft bewahren wollest, um mich immer bey dir, und in Ehren zu halten.“ Auch eine zweite Anekdote Nannerls über das Königreich „Rücken“, das ihr Bruder auf der Westeuropareise als Phantasiereich erfand, wird durch einen unabhängigen Bericht, diesmal einen Brief ihres Bruders vom 30. September 1786 an Sebastian Winter, den ehemaligen Diener der Mozarts, der am Ende der Reise als Bediensteter am Hof in Donaueschingen blieb, bestätigt. Eine weitere Anekdote, die uns die Schwester mitteilt, ist aber nur hier überliefert:„In London, wo unser Vater auf dem Tod krank lag, durften wir kein Clavier berühren, um sich also zu beschäftigen, componirte er seine erste Sinfonie mit allen Instrumenten Trompeten und Pauken, ich musste sie ihm neben seiner abschreiben, indeme er

sie componirte und ich sie abschrieb, sagte er zu mir, ermahne mich, daß ich dem Waldhorn etwas zu thun gebe.“ Sieht man sich Mozarts Jugendsymphonien daraufhin genauer an, so findet man überraschenderweise keine, auf die diese Merkmale zutreffen: Zwar weist Mozarts „erste“ Symphonie KV 16 prominente Partien für zwei Waldhörner auf, doch fehlen hier wie bei allen anderen erhaltenen Symphonien der Westeuropareise Trompeten und Pauken, was doch kaum auf eine fehlerhafte Erinnerung Nannerls zurückgeführt werden kann. Mehr noch: KV 16 ist bereits von Wolfgang mit kindlicher Hand selbst geschrieben, wohingegen sie doch die Symphonie, neben ihm sitzend, „ab-“ oder vielmehr „auf“schrieb. Da der Vater mit einer lebensbedrohlichen Halsentzündung zu Bette lag, nahm sie hier seine Rolle ein und brachte als Dreizehnjährige die Einfälle ihres achtjährigen Bruders zu Papier. Nannerls Anekdote ist damit der Beleg für Wolfgang Amadé Mozarts allererste Symphoniekomposition, die noch vor KV 16 entstanden, doch leider – wie manch anderes Jugendwerk – verloren gegangen ist.

NANNERL-BRIEF

wurden. Besonders rührend wirkt die Beschreibung des täglichen Zubettgehrituals: „Er hatte so eine zährtliche Liebe zu seinen Eltern, besonders zu seinen Vater, daß er eine Melodie componirte, die er täglich, vor dem schlafen gehen, da ihm sein Vater auf einen Sessel stellen musste vorsang, der Vater musste alzeit die Secund [= zweite Stimme] dazu singen, und wenn dann diese Feyerlichkeit vorbei ware, welche keinen tag durfte unterlassen werden, so küsste er seinen Vater mit innigster Zährtlichkeit, und legte sich dann mit vieler Zufriedenheit und Ruhe zu bette ... diesen Spas trieb er bis in sein 10tes Jahr.“

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diE GEScHWiStEr MozArt iN toKio Ausstellung und Konzerte vom 3. bis 9. Mai 2017

Franziska Förster, Gabriele Ramsauer

DIE GESCHWISTER MOZART IN TOKIO

© Internationale Stiftung Mozarteum (5)

Mitarbeiter und Freunde der Stiftung Mozarteum in Tokio, von li. nach re.: Armin Brinzing (Bibliotheca Mozartiana), tobias debuch (kaufmännischer Geschäftsführer), Gabriele ramsauer (Mozart-Museen), Frank Stadler (Violinist), Franziska Förster (Int. Kooperationen, Medienproduktionen), Jun Kanno (Pianist), claudia GruberMeikl (Sponsoring) und Bin Ebisawa (u. a. Präsident des Japan Mozart Research Institute).

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Die Stiftung Mozarteum Salzburg pflegt seit vielen Jahren enge und freundschaftliche Beziehungen zu Japan. So gibt es in Tokio nicht nur zwei der Stiftung Mozarteum verbundene Mozartgemeinden, sondern auch einen der größten und langjährigen Förderer der Stiftung Mozarteum – den Versicherungskonzern The Dai-ichi Life Insurance Company. Dai-ichi Life wurde 1902 gegründet und ist heute eine der weltweit größten Lebensversicherungen. Neben den wirtschaftlichen Kernaufgaben widmet sich Dai-ichi Life auch kulturellen Projekten, um dafür als weltumspannender Konzern eine ebenso wichtige

wie nachhaltige gesellschaftliche Verantwortung zu tragen. Zum 90-jährigen Jubiläum des Konzerns wurde beschlossen, einen substantiellen Beitrag zur Wiederherstellung des ehemaligen Wohnhauses der Familie Mozart, dem sogenannten Tanzmeisterhaus am Makartplatz in Salzburg, an die Stiftung Mozarteum zu leisten. Der Wiederaufbau konnte 1996 erfolgreich abgeschlossen werden und seither ist das Mozart-Wohnhaus als zweites MozartMuseum ein Publikumsmagnet in Salzburg. Die enge Beziehung zwischen den beiden Institutionen hat seither Bestand und führte 2011 – zum 110jährigen Jubiläum des Konzerns – zur ersten Kooperation in Tokio.

Seitdem richtet die Stiftung Mozarteum Salzburg alle drei Jahre eine MozartAusstellung und begleitende Konzerte mit Mozarts Original-Instrumenten aus, die im Hauptsitz des Versicherungskonzerns, vis-à-vis der östlichen Gärten des Kaiserpalastes in Tokio, gesehen und gehört werden können. Sowohl Ausstellung wie auch Konzerte sind der Öffentlichkeit frei zugänglich. Die diesjährige, von der Direktorin der Mozart-Museen, Gabriele Ramsauer, gemeinsam mit dem Leiter der Bibliotheca Mozartiana, Armin Brinzing, kuratierte Ausstellung war den Geschwistern Mozart, Maria Anna, genannt Nannerl, und ihrem Bruder Wolfgang Amadé, gewidmet. Sie erzählte anhand von wertvollen Exponaten, darunter originale Briefe und Notenhandschriften, von der innigen Beziehung der Geschwister Mozart. Als Wunderkinder reisten beide durch Europa, traten an Fürsten- und Königshöfen auf und erstaunten das Publikum mit ihren musikalischen Fertigkeiten. Später stand die Suche nach einer geeigneten Anstellung für Wolf-


Von li.nach re.: Das Plakat der diesjährigen Mozart-Ausstellung in Tokio. Mozarts Klotz- und Kinder-Geige sind außerhalb der Konzerte Teil der Ausstellung. Darstellung der Reisen der Mozarts. Unten re.: Gabriele ramsauer präsentiert den Konzertbesuchern die Mozart-Instrumente.

gang im Vordergrund und während ihr Bruder zu diesem Zweck Reisen unternahm, musste Nannerl in Salzburg bleiben; sie trug durch Klavierstunden zum Familieneinkommen bei. Als beide Geschwister Familien gründeten – Wolfgang in Wien und Maria Anna als verheiratete Freifrau von Berchtold zu Sonnenburg in St. Gilgen – korrespondierten sie häufig. Die Schwester erhielt zum Klavierspiel Noten zugeschickt und sie diskutierten über Musik; Mozart legte großen Wert auf das Urteil seiner Schwester. Nach Mozarts Tod war Maria Anna eine wertvolle und viel gefragte Zeitzeugin zu Leben und Werk ihres Bruders. Sie hielt ihre Erinnerungen für die Nachwelt schriftlich fest. In ihrem Besitz befanden sich unter anderem Mozarts Kindergeige sowie jene Geige,

die Mozart in seiner Salzburger Zeit ge- Salzburg – zum anderen ist der Saal für spielt und auf der er seine Violinkon- seine hervorragende Akustik, die Grözerte komponiert hat. ßen wie Nikolaus Harnoncourt, Daniel Barenboim, Riccardo Muti oder Es war naheliegend, diese beiden Ins- die Wiener Philharmoniker begeistertrumente ebenfalls als Exponate in To- te, berühmt. Wie eng sich Kawasaki kio auszustellen und mit drei Konzer- Salzburg verbunden fühlt, zeigt sich ten täglich Mozarts Musik auf den ori- unter anderem darin, dass jedes Konginalen Instrumenten erklingen zu las- zert durch eine Aufnahme der Salzsen. Die Salzburger Konzertgeige wur- burger Domglocken ‚eingeläutet‘ wird. de, wie auch in den vergangenen Jahren, von Frank Stadler, Konzertmeis- Die Ausstellung und die Konzerte in ter des Mozarteumorchesters Salzburg, den Räumlichkeiten von Dai-ichi Life gespielt. Auf Mozarts Kindergeige spiel- lockten rund 12.000 begeisterte Bete der zwölfjährige Yuki Ezaki aus Ja- sucher an und übertrafen damit die Erpan; der japanische Pianist Jun Kanno wartungen aller Beteiligten. Wir freubegleitete die beiden. en uns, spätestens im Jahr 2020 erneut für eine Ausstellung samt KonDen glanzvollen Schlusspunkt der dies- zerten in Tokio zu Gast zu sein – in jährigen Kooperation bildete schließ- dem Jahr, in dem auch die Olympilich ein Konzert in der vollbesetzten schen Sommerspiele die Aufmerk„Muza Kawasaki Symphony Hall“. Ka- samkeit der Welt auf Tokio lenken wasaki ist zum einen Partnerstadt von werden.

The Salzburg Mozarteum Foundation has long-standing ties with Japan. Besides two affiliated Mozart communities, one of the principal sponsors is based in Tokyo: the eminent Dai-ichi Life Insurance Company, founded in 1902. To mark its 90th anniversary, the company contributed substantially to the reconstruction of the former Mozart residence (the “Tanzmeisterhaus”), now a second Mozart Museum. 2011 saw the first joint venture in Tokyo where, every three years, the Salzburg Mozarteum Foundation organises an exhibition accompanied by concerts with Mozart’s original instruments. This year’s exhibition was devoted to Wolfgang and his sister Nannerl, and included letters and music manuscripts illustrating the siblings’ close relationship. After touring Europe as child prodigies, they pursued separate careers, but always remained in close contact through frequent letters. Wolfgang sent his sister piano music, and set great store by her opinion. After his death, she kept a record of her memories, as well as the violins he had played as a child and the one he played when composing his violin concertos. These two instruments, exhibited in Tokyo, were played in thrice-daily performances. The event culminated in a concert held in the fully-booked Muza Kawasaki Symphony Hall, renowned for its outstanding acoustics. The city of Kawasaki, twinned with Salzburg since 1992, preludes every concert with a recording of the Salzburg Cathedral bells. The exhibition and concerts, surpassing expectations, were attended by some 12,000 enthusiastic visitors. We look forward to a further co-operation in 2020, when Tokyo hosts the Summer Olympics.

DIE GESCHWISTER MOZART IN TOKIO

SUMMARY

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MozArtWocHE 2018 EVA MENASSE, BLÄSER DER AKADEMIE FÜR ALTE MUSIK BERLIN, FRITZ KIRCHER MOZARTS VIOLINE, WERNER NEUGEBAUER MOZARTS VIOLINE, HERBERT LINDSBERGER MOZARTS VIOLA, JOSETXU OBREGÓN VIOLONCELLO Mozart „Donaueschinger Harmoniemusik der Entführung aus dem Serail“ KV 384 (Ausschnitte), Arien aus „Die Entführung aus dem Serail“ KV 384 Eva Menasse „Ach, wenn du die Liebe kenntest – Vergebung und Vergeltung“

SO 28.01

FR 26.01

15.00 Stiftung Mozarteum, Großer Saal #01

19.30 Großes Festspielhaus #08 ENGLISH BAROQUE SOLOISTS, SIR JOHN ELIOT GARDINER DIRIGENT, ISABELLE FAUST VIOLINE, ANTOINE TAMESTIT VIOLA

Einführungsvortrag 18.30 Großes Festspielhaus

MO 29.01

RENÉ JACOBS DIRIGENT, ANDREA MOSES REGIE JAN PAPPELBAUM BÜHNE, SVENJA GASSEN KOSTÜME OLAF FREESE LICHT, ALOIS GLASSNER CHOREINSTUDIERUNG ROBIN JOHANNSEN KONSTANZE, SUNHAE IM BLONDE SEBASTIAN KOHLHEPP BELMONTE, JULIAN PRÉGARDIEN PEDRILLO, DAVID STEFFENS OSMIN, PETER LOHMEYER BASSA SELIM, AKADEMIE FÜR ALTE MUSIK BERLIN SALZBURGER BACHCHOR

Mozart: KV 488, KV 219

Mozart Symphonie C-Dur KV 102, Sinfonia concertante Es-Dur für Violine, Viola und Orchester KV 364, Symphonie G-Dur KV 318, Symphonie Es-Dur KV 543

19.30 Haus für Mozart #02 PREMIERE MOZART „DIE ENTFÜHRUNG AUS DEM SERAIL“ KV 384

15.00 Mozart-Wohnhaus FILM

11.00 Stiftung Mozarteum, Großer Saal #09 DANIEL BARENBOIM KLAVIER Werke von claude debussy u. a. Das detaillierte Programm wird später bekannt gegeben. 15.00 Mozart-Wohnhaus, Tanzmeistersaal #10 FLORIAN BIRSAK MOZARTS WALTER-FLÜGEL U. A. ULRICH LEISINGER MODERATION

Einführungsvortrag 18.30 Großes Festspielhaus

SA 27.01

11.00 Stiftung Mozarteum, Großer Saal #03

Fragmente von Mozart sowie Präludien und Fugen von Johann Sebastian Bach, Johann Christian Bach, Wilhelm Friedemann Bach, Georg Friedrich Händel, Johann Ernst Eberlin, Gottlieb Muffat, Johann Jakob Froberger

CAPPELLA ANDREA BARCA, SIR ANDRÁS SCHIFF LEITUNG UND KLAVIER, SCHAGHAJEGH NOSRATI KLAVIER Johann Sebastian Bach Konzert c-Moll für zwei Klaviere und Streichorchester BWV 1060 Mozart Adagio und Fuge c-Moll KV 546 Johann Sebastian Bach Konzert c-Moll für zwei Klaviere und Streichorchester BWV 1062, Aus „Musikalisches Opfer“ BWV 1079: Nr. 2 Ricercar a sei Mozart Klavierkonzert c-Moll KV 491

15.00 Mozart-Wohnhaus FILM Musik und Wort – Gesprächskonzert 19.30 Stiftung Mozarteum, Großer Saal #11 B’ROCK ORCHESTRA, ANNA LUCIA RICHTER SOPRAN

15.00 Mozart-Wohnhaus, Tanzmeistersaal #04 Johann Sebastian Bach Orchestersuite Nr. 3 D-Dur BWV 1068, „Jauchzet Gott in allen Landen“. Kantate für Sopran und Orchester BWV 51 Mozart „Exsultate, jubilate“. Motette für Sopran und Orchester KV 165, Symphonie B-Dur KV 319

FRITZ KIRCHER MOZARTS VIOLINE, WERNER NEUGEBAUER MOZARTS VIOLINE, HERBERT LINDSBERGER MOZARTS VIOLA JOSETXU OBREGÓN VIOLONCELLO

15.00 Mozart-Wohnhaus FILM „Mozart in Wien“ 19.30 Großes Festspielhaus #05

Einführungsvortrag 18.30 Stiftung Mozarteum

DI 30.01

Mozart Aus „Die Entführung aus dem Serail“ KV 384: Ouvertüre und Arien (Arrangements) Joseph Haydn Streichquartett C-Dur op. 33/3 – Hob. III:39

WIENER PHILHARMONIKER, ROBIN TICCIATI DIRIGENT RENAUD CAPUÇON VIOLINE

11.00 Stiftung Mozarteum, Großer Saal #12 SCHUMANN QUARTETT, KIT ARMSTRONG KLAVIER Mozart Klavierkonzert A-Dur KV 414 carl philipp Emanuel Bach Klavierkonzert a-Moll Wq 26 – H 430 Mozart Klavierkonzert Es-Dur KV 449 (Fassungen für Klavier und Streichquartett) 15.00 Stiftung Mozarteum, Wiener Saal ROUND TABLE RICHARD DAVID PRECHT IM GESPRÄCH MIT GÄSTEN

Edward Elgar Violinkonzert h-Moll op. 61 Mozart Symphonie C-Dur KV 551 „Jupiter-Symphonie“

zählkarten erhältlich im Kartenbüro

Einführungsvortrag 18.30 Großes Festspielhaus „Die Entführung aus dem Serail“ KV 384

CAPPELLA ANDREA BARCA, SIR ANDRÁS SCHIFF LEITUNG UND KLAVIER, SCHAGHAJEGH NOSRATI KLAVIER

19.30 Haus für Mozart #13

Programm siehe #03

MOZART „DIE ENTFÜHRUNG AUS DEM SERAIL“ KV 384

15.00 Stiftung Mozarteum, Wiener Saal #07

Besetzung siehe #02

SCHUMANN QUARTETT

Einführungsvortrag 18.30 Großes Festspielhaus

Mozart Streichquartett d-Moll KV 173, Duo G-Dur für Violine und Viola KV 423 Jörg Widmann Auswahl aus den 24 Duos für Violine und Violoncello Mozart Fünf Fugen aus dem „Wohltemperierten Klavier“ Teil II von J. S. Bach. Bearbeitung für Streichquartett von Mozart KV 405, Streichquartett G-Dur KV 387

MI 31.01

72

SO 28.01

KALENDARIUM MOZARTWOCHE 2018

15.00 Mozart-Wohnhaus FILM 11.00 Stiftung Mozarteum, Großer Saal #06

09.00 Stiftung Mozarteum, Großer Saal #14 HANNFRIED LUCKE PROPTER HOMINES ORGEL Johann Sebastian Bach Fantasie und Fuge g-Moll BWV 542 Mozart Gigue G-Dur KV 574 Johann Sebastian Bach „Ach Gott, vom Himmel sieh darein“ BWV 741 Mozart Aus „Die Zauberflöte“ KV 620: Choral „Ach Gott, vom Himmel sieh darein“, Adagio und Allegro f-Moll für ein Orgelwerk KV 594


MITGLIEDER DER AKADEMIE FÜR ALTE MUSIK BERLIN Antonio Salieri Oktett Es-Dur Mozart Serenade c-Moll KV 388, Serenade B-Dur KV 361 „Gran Partita“ 15.00 Stiftung Mozarteum, Großer Saal #16

FR 02.02

MI 31.01

11.00 Stiftung Mozarteum, Großer Saal #15

15.00 Stiftung Mozarteum, Großer Saal #22 DAVID FRAY KLAVIER Mozart Fantasie c-Moll KV 475 und Sonate c-Moll für Klavier KV 457, Rondo a-Moll für Klavier KV 511 Johann Sebastian Bach Partita Nr. 2 c-Moll für Klavier BWV 826 15.00 Mozart-Wohnhaus FILM

SINFONIEORCHESTER DER UNIVERSITÄT MOZARTEUM BENJAMIN SCHMID LEITUNG UND VIOLINE, LORENZ KARLS VIOLINE, BENJAMIN MARQUISE GILMORE VIOLINE

„Musica viva: Jörg Widmann“ 19.30 Haus für Mozart #23

Johann Sebastian Bach Konzert d-Moll BWV 1043 Mozart Symphonie A-Dur KV 201, Concertone C-Dur KV 190

MOZART „DIE ENTFÜHRUNG AUS DEM SERAIL“ KV 384

15.00 Mozart-Wohnhaus FILM

Besetzung siehe #02

Mozart: KV 385, KV 412, KV 425

Einführungsvortrag 18.30 Großes Festspielhaus

WIENER PHILHARMONIKER, ALAIN ALTINOGLU DIRIGENT PIOTR ANDERSZEWSKI KLAVIER Mozart Symphonie D-Dur KV 297 „Pariser“, Klavierkonzert B-Dur KV 595 Georges Bizet Symphonie Nr. 1 C-Dur

SA 03.02

19.30 Großes Festspielhaus #17

15.00 Mozart-Wohnhaus FILM

Jörg Widmann Klarinettenquintett Österreichische Erstaufführung Mozart Klarinettenquintett A-Dur KV 581

Mozart: „Zaide (Das Serail)“ KV 344

15.00 Stiftung Mozarteum, Wiener Saal #19

19.30 Großes Festspielhaus #26

ROBERT LEVIN MOZARTS WALTER-FLÜGEL

WIENER PHILHARMONIKER, VALERY GERGIEV DIRIGENT JÖRG WIDMANN KLARINETTE

Mozart Sonaten für Klavier A-Dur KV 331, D-Dur KV 311, B-Dur KV 400 (Fragment), F-Dur KV 280, C-Dur KV 330

Mozart Aus „La clemenza di Tito“ KV 621: Ouvertüre pjotr i. tschaikowsky Orchestersuite Nr. 4 G-Dur op. 61 „Mozartiana“ Mozart Klarinettenkonzert A-Dur KV 622 pjotr i. tschaikowsky Serenade C-Dur op. 48

15.00 Mozart-Wohnhaus, Tanzmeistersaal KÜNSTLERGESPRÄCH mit JÖRG WIDMANN Moderation: Ulrich leisinger

MOZARTEUMORCHESTER SALZBURG, RICCARDO MINASI DIRIGENT, ANTJE WEITHAAS VIOLINE, FLORIAN BIRSAK HAMMERKLAVIER, FRANK STADLER KONZERTMEISTER UND VIOLINE FLORIAN SIMMA VIOLONCELLO, ISABELLA UNTERER OBOE

SO 04.02

19.30 Stiftung Mozarteum, Großer Saal #20

Einführungsvortrag 18.30 Großes Festspielhaus 11.00 Stiftung Mozarteum, Großer Saal #27 MOZART KINDERORCHESTER, PETER MANNING DIRIGENT NATHAN RINALDY FLÖTE, PETER LOHMEYER MODERATION Mozart Marsch C-Dur KV 408/1, Aus Flötenkonzert G-Dur KV 313: 1. Satz Jörg Widmann Aus „Dubairische Tänze“ für Ensemble: „Wiegenlied“ Mozart Symphonie G-Dur KV 124, Marsch D-Dur KV 335/1 18.00 Stiftung Mozarteum, Großer Saal #28

Johann christian Bach Symphonie Es-Dur op. 18/1 – W C26, Sinfonia concertante B-Dur W C48 Mozart Violinkonzert A-Dur KV 219, Symphonie D-Dur KV 385 „Haffner“

MOZARTEUMORCHESTER SALZBURG, KRISTIINA POSKA DIRIGENTIN ROLANDO VILLAZÓN TENOR REGULA MÜHLEMANN SOPRAN, SIOBHAN STAGG SOPRAN

Einführungsvortrag 18.30 Stiftung Mozarteum

Arien, Duette, Szenen und Rezitative von Mozart

FR 02.02

11.00 Stiftung Mozarteum, Großer Saal #21 CAMERATA SALZBURG, JÖRG WIDMANN LEITUNG UND KLARINETTE OLIVIA VERMEULEN MEZZOSOPRAN Jörg Widmann „Con brio“. Konzertouvertüre für Orchester carl Maria von Weber Klarinettenconcertino Es-Dur op. 26 Jörg Widmann „180 beats per minute“ Mozart Arie Nr. 9 aus „La clemenza di Tito“ KV 621, Symphonie g-Moll KV 550

iNForMAtioNEN UNd BEStEllUNGEN Kartenbüro der Stiftung Mozarteum Salzburg Mozart-Wohnhaus, Theatergasse 2, A 5020 Salzburg T +43-662-87 31 54, F +43-662-87 44 54 tickets@mozarteum.at Tickets online: www.mozarteum.at

KALENDARIUM MOZARTWOCHE 2018

DO 01.02

Mozart Sonaten für Klavier C-Dur KV 279, a-Moll KV 310, F-Dur KV 533/494, B-Dur KV 281, D-Dur KV 576

HAGEN QUARTETT, JÖRG WIDMANN KLARINETTE

Johann Sebastian Bach: Messe h-Moll BWV 232

Lieder, Arien und Rezitative von Mozart und richard Strauss

ROBERT LEVIN MOZARTS WALTER-FLÜGEL

11.00 Stiftung Mozarteum, Großer Saal #18

15.00 Mozart-Wohnhaus FILM

MARLIS PETERSEN SOPRAN, CAMILLO RADICKE KLAVIER FLORIAN MAYER VIOLINE

15.00 Stiftung Mozarteum, Wiener Saal #25

Einführungsvortrag 18.30 Großes Festspielhaus

zählkarten erhältlich im Kartenbüro

11.00 Stiftung Mozarteum, Großer Saal #24

73


Präsidium der Stiftung Mozarteum Salzburg: Johannes Honsig-Erlenburg Präsident, Johannes Graf von Moÿ und Friedrich Urban Vizepräsidenten, thomas Bodmer, ingrid König-Hermann, reinhart von Gutzeit. Stellvertretend für das Kuratorium: Erich Marx Vorsitzender, christoph Andexlinger Stv. Vorsitzender.

Termin-, Programm- und Besetzungsänderungen vorbehalten. Redaktionsschluss: 20. Juli 2017.

impressum Medieninhaber u. Verleger: Stiftung Mozarteum Salzburg, Schwarzstr. 26, A 5020 Salzburg, T. +43-662-88940 Gesamtverantwortung Tobias Debuch, Kaufmännischer Geschäftsführer Maren Hofmeister intendantin Mozartwoche redaktion Angelika Worseg. Mitarbeit Konzertplanung Petra Hinterholzer-Leinhofer. layout, Grafik Angelika Worseg; Titelgestaltung: Georg Hopfinger; CI: Linie 3 (www.linie3.com). Fotos, wenn nicht anders angegeben: Agenturen oder Künstler. Englische übersetzungen Gail Schamberger. inserate Yvonne Schwarte. druck Roser. Autoren dieser Ausgabe: Walter Dobner, Janis El-Bira, Marco Frei, Christoph Großpietsch, Gottfried Franz Kasparek, Malte Krasting, Ulrich Leisinger, Rainer Lepuschitz, Monika Mertl, Teresa Pieschacón Raphael, Gabriele Ramsauer / Franziska Förster, Till Reininghaus, Walter Weidringer.

IMPRESSUM

www.mozarteum.at

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www.facebook.com/StiftungMozarteum


52 WOCHEN MOZART IM JAHR MOZARTS ERBE WECHSELNDE PERSPEKTIVEN UND NEUE DENKANSTÖSSE

MOZARTWOCHE SAISONKONZERTE FESTIVAL DIALOGE KLANGKARTON – DAS KINDER- UND JUGENDPROGRAMM ORGEL ZU MITTAG DIGITALE MOZART-EDITION BIBLIOTHECA MOZARTIANA MOZART-INSTITUT AUTOGRAPHENSAMMLUNG MOZART TON- UND FILMSAMMLUNG MOZART-KONGRESS MOZARTS GEBURTSHAUS MOZART-WOHNHAUS MOZARTS ORIGINALINSTRUMENTE ...

Seit mehr als 120 Jahren widmet sich die Stiftung Mozarteum Salzburg der Person und dem Werk Wolfgang Amadé Mozarts. Mit Aktivitäten in drei Kernbereichen – Konzerte, Wissenschaft, Museen – baut sie die Brücke zwischen Tradition und zeitgenössischer Kultur und eröffnet wechselnde Perspektiven sowie neue Denkanstöße in der Auseinandersetzung mit dem Komponisten. www.mozarteum.at


LE OF

DS

FRIEN

iHrE GÄStE iN MozArtS WoHNziMMEr

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yoUr GUEStS iN MozArt’S liViNG rooM Unser Circle of Friends-Programm bietet Ihnen dafür den exklusiven Rahmen in den authentischen Räumlichkeiten der Familie Mozart. Our Circle of Friends program offers you an exclusive setting in the authentic rooms of the Mozart Family.

Kontakt / Contact: Claudia Gruber-Meikl, T. +43-662-88 940-943, gruber@mozarteum.at

www.mozarteum.at


BARBARA BONNEY UND ANDRE PREVIN

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MOZART, PREVIN, STRAUSS BARBARA BONNEY, SOPRANO ANDRÉ PREVIN, PIANO

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PETER SCHREIER MOZART-LIEDER

JETZT AUF CD & DVD Höhepunkte der Mozartwoche von den Anfängen 1956 bis heute

PETER SCHREIER, TENOR ERIK WERBA, PIANO

Wilhelm Backhaus Clara Haskil Bernhard Paumgartner Barbara Bonney Wiener Philharmoniker Herbert von Karajan Philharmonia Orchestra André Previn Mozarteumorchester Salzburg Sándor Végh Renaud Capuçon Gérard Caussé Clemens Hagen Peter Schreier

MOZARTS STREICHQUINTETTE S

RENAUD CAPUÇON · ALINA IBRAGIMOVA GÉRARD CAUSSÉ · LÉA HENNINO CLEMENS HAGEN

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Mozart’s String Quintets Les quintettes à corde de Mozart Mozart Week Festival Salzburg

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WILHELM BACKHAUS SPIELT MOZART

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WERKE FÜR KLAVIER SOLO SONATEN F-DUR KV 332, C-DUR KV 330, G-DUR KV 283 & C-MOLL KV 457 RONDO A-MOLL KV 511 FANTASIE C-MOLL KV 475 K

MOZARTEUMORCHESTER SALZBURG SYMPHONIE ES-DUR KV 543

Konzerte Wissenschaft Museen

Foto: Daniel Van Gravel / photocase.de

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BERNHARD PAUMGARTNER PROBT UND DIRIGIERT MOZART


Wir nennen es

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für den Gaumen.

EIN MEISTERLICHES ENSEMBLE Unsere preisgekrönten Küchenkünstler und Spitzensommeliers brennen für außergewöhnliche Geschmackskompositionen und vollendete Darbietungen ihres traditionell-zeitgenössischen Repertoires. Das finale furioso erleben Sie bei unserem Restaurant-Highlight Aufgetischt, in dem Aromen von Wein und Speisen virtuos zusammenspielen.

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stpeter.at

Mozart52, Ausgabe 2017  

Magazin der Stiftung Mozarteum Salzburg, Mozartwoche 2018

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