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Konzerte Wissenschaft Museen

Magazin zur Mozartwoche Salzburg. August 2019


EDITORIAL

„Den Himmel zu erringen ist etwas Herrliches und Erhabenes, aber auch auf der lieben Erde ist es unvergleichlich schön. Darum lasst uns Menschen sein!“ Dieses zu Mozart passende, wenn auch in der Zuschreibung nicht eindeutig belegbare Zitat hat es in sich. Schlicht in den Worten öffnet sich eine Tiefe, die ausdrückt: Lass uns doch auch hier, auf der lieben, unvergleichlich schönen Erde einander wohlmeinende Menschen sein. Aber auch: Nehmen wir das Leben so, wie es sich uns schenkt. Klingt ziemlich utopisch. Die Realität kannte Mozart nur zu gut. Dass der Mensch allein den Menschen zu seinem Sklaven macht, musste nicht erst 200 Jahre später von Simone Weil bitter beklagt werden. Für Mozart war das reinste Realität und dennoch: der Glaube an das Gute im Menschen, die bonté naturelle (Jean-Jacques Rousseau) war und blieb seine Lebensdoktrin. Und für uns alle ein Teil seiner nicht nur musikalischen, sondern zutiefst menschlichen Hinterlassenschaft. Setzen wir unsere Bemühungen fort, zumindest der Mozart-Welt das Bewusstsein der bonté naturelle näher zu bringen: Anlässe dazu bieten sich, schon bei der zweiten Mozartwoche mit unserem großartigen und die Herzen des Publikums erobernden Rolando Villazón im kommenden Jänner. Und noch in diesem Jahr mit Mozarts „La clemenza di Tito“ in Havanna – eine Erstaufführung in Kuba, die von der Stiftung Mozarteum Salzburg aus Anlass des 500-jährigen Bestehens von Havanna ermöglicht wird. Aber auch mit unseren bereits laufenden Planungen für die große China-Ausstellung, die 2021 aus Anlass der 50-jährigen politischen Beziehungen zwischen der Republik Österreich und der Volksrepublik China im Nationalmuseum Peking gezeigt werden soll. Und wie vorgehen, um das Leben zu nehmen, wie es sich uns schenkt? Ein Hauch bonté naturelle, das Adagio aus Mozarts Streichtrio KV 563 und die 1. Strophe aus Rainer Maria Rilkes Gedicht: Du musst das Leben nicht verstehen, || dann wird es werden wie ein Fest. || Und lass Dir jeden Tag geschehen || so wie ein Kind im Weitergehen von jedem Wehen || sich viele Blüten schenken lässt. – Das funktioniert!

“To attain heaven is something glorious and sublime, but here on this kind earth it is incomparably beautiful. So let us be human!” There is more than meets the eye, to this oft-quoted passage attributed (though not verifiably) to Mozart. The words reveal a depth in the message: let us here, on this delightful, incomparably beautiful earth, be kindly disposed to one another. But also: let us take life just as it is given to us. Sounds pretty utopian. Mozart knew reality all too well. It did not need Simone Weil, 200 years later, to deplore bitterly that mankind alone renders the individual a slave. For Mozart this was reality, pure and simple – and yet the belief in man’s inherent goodness, la bonté naturelle (Jean-Jacques Rousseau) remained his philosophy of life, and for us a part of his legacy, not only musical, but also profoundly human. Let us continue our efforts to raise awareness of la bonté naturelle, at least in relation to the world of Mozart. The second Mozart Week, next January, with our charismatic Rolando Villazón, who conquers the hearts of audiences, offers ample opportunities. This year sees a production of Mozart’s La clemenza di Tito in Havana – a première in Cuba, made possible by the Salzburg Mozarteum Foundation for the 500th anniversary celebrations of the capital city. In addition, our plans are progressing for a major exhibition in 2021 in the National Museum of China, Beijing, to mark 50 years of political relations between the Republic of Austria and the People’s Republic of China. And how shall we go about taking life just as it is given to us? A breath of bonté naturelle, the Adagio from Mozart’s String Trio K 563 and the first verse of Rainer Maria Rilke’s poem (here in a translation by Cliff Crego): You don’t have to understand Life’s nature, || then it becomes a grand affair. || Let every day just of itself occur || like a child walks away from every hurt || and happens upon the gift of many flowers. – That works!

Johannes Honsig-Erlenburg Präsident der Stiftung Mozarteum Salzburg President of the Salzburg Mozarteum Foundation


INHALT

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GRUSSWORT

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EINE SPIRITUELLE REISE

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Robert Wilson inszeniert „Der Messias“ KV 572

„MOZART IST WIE EINE INSEL“

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Daniel Barenboim und Rolando Villazón haben auch jenseits der Musik viel auszutauschen

MOZART MOVES!

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Große Gala: Schauspiel, Tanz und Mozarts Musik... Rolando Villazón inszeniert bei der Mozartwoche 2020

MAESTRA DI CAPPELLA

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Christina Pluhar hat viel vor, wenn sie zur Mozartwoche nach Salzburg kommt

„ICH HABE EINE ALTE ITALIENISCHE SEELE“

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Sir András Schiff – Begegnung im Zeichen von Mozart

DER ÜBERFLIEGER

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Lahav Shani dirigiert und leitet vom Klavier aus die Wiener Philharmoniker

BRITISCHE PAMINA

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Die Sopranistin Louise Alder

DAS HORN SINGEN

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Mozarts Hornwerke begleiten Radek Baborák durch das Leben

„ICH BIN GEGEN DIE KLASSISCHE KULTUR-PLANIERWALZE“

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„Roadfiddler“ Florian Willeitner

FRANZÖSISCHE BRISE

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François Leleux und sein „Dreamteam“

MOZARTS ZAUBER IN DIE WELT TRAGEN

48

Seit 2014 arbeitet die Stiftung Mozarteum Salzburg mit der Hilti Foundation zusammen

MOZARTS UNVOLLENDETE

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Missa c-Moll KV 427

BEGEGNUNG, AUSTAUSCH, BRÜCKENBAU

55

Das DIALOGE-Festival 2019

NAHVERSORGUNG FÜR DIE SEELE

58

„Existenziell“: Die Konzertsaison 2019/20

GROSSE SÄNGERIN UND MOZART-ENTHUSIASTIN

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Nachlass von Lilli Lehmann

MUSIKER – MANAGER – MENSCH

62

Die Sonderausstellung „Leopold Mozart“

LICHTBLICKE FÜR DAS MOZARTEUM

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Die Stiftung Mozarteum Salzburg denkt die bauliche Situation neu

MUSIKEDITION DES 21. JAHRHUNDERTS

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Die digital-interaktive Mozart-Edition

KALENDARISCHE ÜBERSICHT

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Mozartwoche 2020

IMPRESSUM

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Liebe Freundinnen und Freunde,

im Sommer vor zwei Jahren wurde mir die große Ehre zuteil, als Intendant die Verantwortung für die Mozartwoche übernehmen zu dürfen – dem wundervollsten Mozart-Festival weltweit. Diese zwei Jahre sind vergangen: Zu Beginn des heurigen Jahres haben wir unser erstes reines Mozart-Programm bei der Mozartwoche vorgestellt, mit mehr als 50 Veranstaltungen und einem Besucherrekord von über 94 Prozent Auslastung. Vorangestellt war der Mozartwoche 2019 das Motto „Mozart bringt Menschen zusammen“ – und das tat er auch. Mit Konzerten und Aufführungen an mehr und vielfältigeren Veranstaltungsorten als je zuvor – von Sternstunden in unserem eigenen, wunderschönen Großen Saal im Mozarteum und im Haus für Mozart oder der spektakulären szenischen Produktion „T.H.A.M.O.S.“ in der Felsenreitschule, über einen Abend mit einem Mozartinspirierten Kabarett in der ARGEkultur, „Mozart’s Amazing Shadows“ im OVAL – Das Theater im Europark, bis zur Magie von Nola Rae in der Szene Salzburg. Unvergesslich bleiben auch unsere von Mariachis angeführten Serenaden an Mozarts Geburtstag. Als Intendant ebenso wie als Mozart-Botschafter der Stiftung Mozarteum Salzburg nehme ich eine weitere wichtige Aufgabe wahr: Die Schönheit der Mozartwoche soll, verbunden mit der reichen Tradition der Stiftung Mozarteum, auch außerhalb von Salzburg genutzt werden, um neues Publikum in Europa und weltweit anzusprechen. Über Ostern war die „Mozartwoche On Tour“ beim Osterfestival in Aix-en-Provence mit Konzerten von Künstlern der Mozartwoche wie der Camerata Salzburg, Felix Klieser, Maximilian Kromer, Emmanuel Tjeknavorian, Olga Peretyatko, Renaud Capuçon und Alondra de la Parra, mit einer Performance von Nola Rae, einem Vortrag unseres wissenschaftlichen Leiters, Ulrich Leisinger, sowie einer Sonderausstellung mit Mozarts Originalvioline und einer Auswahl von Autographen und Briefen zu Gast. Im September werden wir wieder auf Tournee gehen, diesmal zum Enescu-Festival in Bukarest, wo wir noch einmal einige der allerbesten Dinge präsentieren werden, welche die Mozartwoche und die Stiftung Mozarteum zu bieten haben. In Zukunft wird die Mozartwoche zwei Mal im Jahr auf Tournee gehen, um Mozarts Freude und Schönheit Menschen auf der ganzen Welt näherzubringen. Nun ist es an der Zeit, auf Jänner 2020 und die kommende Mozartwoche zu blicken. In diesem Jahr werden wir uns mit der Musik beschäftigen, die Mozart für Bläser und Blechbläser komponiert hat, und die Freundschaften, die diese Meisterwerke hervorgebracht haben, genauer ansehen. Vier Solisten – Andreas Ottensamer, Radek Baborák, François Leleux und Emmanuel Pahud, allesamt anerkannte Meister ihrer Instrumente und gefeierte Mozart-Interpreten – stellen die Freunde des Komponisten vor und führen uns durch Mozarts Meisterwerke.

GRUSSWORT ROLANDO VILLAZóN

Im Mittelpunkt stehen auch drei bekannte zeitgenössische Freunde Mozarts: Mitsuko Uchida setzt ihre Mozart-Serie mit dem Mahler Chamber Orchestra fort. Nachdem Sir András Schiff mit seiner Cappella Andrea Barca die Reihe der Klavierkonzerte und Sonaten abgeschlossen hat, beginnt er 2020 die Erforschung von Mozarts und Da Pontes Operntrilogie mit „Le nozze di Figaro“; vom Klavier aus leitet er die Cappella Andrea Barca und eine herausragende Sängerbesetzung. Daniel Barenboim und die Wiener Philharmoniker beginnen einen Zyklus von Mozarts letzten zehn Symphonien und seinen letzten acht Klavierkonzerten, der sich über die nächsten vier Jahre erstrecken wird.

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Official Timepiece Mozartwoche


Unser großes Bühnenprojekt bietet eine wirklich außergewöhnliche Konstellation: Der herausragende Künstler Robert Wilson inszeniert eines der vier Händel-Oratorien, die Mozart im Auftrag seines großzügigen Freundes Baron van Swieten überarbeitet hat: den „Messias“. Marc Minkowski, ein langjähriger und enger Freund der Mozartwoche, kehrt zurück, um das Oratorium mit seinen Musiciens du Louvre und handverlesenen Sängern aufzuführen. 2020 gibt es neben dem „Messias“ zwei weitere neue Bühnenprojekte: „Pùnkitititi !“ mit einer Musik Mozarts für Pantomime, ein Stück, welches der Künstler Doug Fitch speziell für das Salzburger Marionettentheater konzipiert und geschaffen hat. Ich freue mich sehr, „Mozart Moves! – Sieben Dramolette“, das wir im Landestheater zeigen, zu inszenieren: mit sieben Einaktern berühmter zeitgenössischer Schriftsteller, die jeweils von Divertimenti inspiriert sind, welche Mozart exklusiv für Blas- und Blechblasinstrumente komponiert hat. Wir präsentieren außerdem zwei neue und originelle Stücke: „Mozart in the Wind“, konzipiert und aufgeführt von Florian Willeitner mit seinem Pool of Invention Ensemble in der SZENE Salzburg, und Les Sourds-Doués im OVAL – Die Bühne im Europark. Wir freuen uns sehr, eine Vielzahl hervorragender Dirigenten und Orchester begrüßen zu dürfen, darunter Kristiina Poska und Riccardo Minasi mit dem Mozarteumorchester Salzburg, Andrew Manze und das Chamber Orchestra of Europe, Christina Pluhar und L’Arpeggiata, Andrea Marcon und La Cetra, Lahav Shani mit den Wiener Philharmonikern oder Daniel Harding und das Mahler Chamber Orchestra. Im Rahmen unserer ausgesuchten Kammermusikprogramme begegnen Sie Künstlern wie Les Vents Français, dem Kodály String Quartet und Éric Le Sage, Solisten des Chamber Orchestra of Europe, dem Armida Quartett und Mathilde Calderini, Solisten der Akademie für Alte Musik Berlin und Mojca Erdmann, dem Takács und dem Ebonit Saxophon Quartett sowie Kristian Bezuidenhout. Auch unser beliebtes Format „Liebster bester Freund“ mit Briefen und Musik setzen wir fort. In diesem Jahr liest der Schauspieler Florian Teichtmeister aus Briefen, die Mozart an seine Freunde geschrieben hat, während Paul Montag und Hugues Borsarello Sonaten auf Mozarts Originalinstrumenten spielen werden. Nicht zuletzt lade ich Sie ein, mich mit einer Gruppe von Mariachis zu begleiten, um Mozart zu seinem Geburtstag ein Ständchen zu bringen, zu einem Spiel der mexikanischen Lotería mit Mozarts „Ein musikalischer Spaß“ in der ARGEkultur, aber auch zu Gesprächen mit Andreas Ottensamer, Mitsuko Uchida und Ulrich Leisinger. Sie sehen: Wieder werden wir alle Facetten von Mozart erforschen und sie zusammenführen, um einen der liebsten Freunde der Menschheit zu feiern. Ein Fest, das uns die besten MozartAufführungen unserer Zeit beschert und uns an Mozarts spielerischer Seite teilhaben lässt. Ein Fest, das auch die Stadt Salzburg mit einbezieht und jeden Einzelnen dazu einlädt, dabei zu sein. Kommen Sie an Bord unseres Schiffes und seien Sie herzlich willkommen auf unserer Reise!

GRUSSWORT ROLANDO VILLAZóN

Rolando Villazón

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Dear Friends,

Two years ago this summer, I was given the enormous honour and responsibility of becoming Artistic Director of the Mozart Week – the most wonderful Mozart festival in the world. Those two years have flown by: at the beginning of this year, we presented our first all-Mozart programme, with over 50 performances and a record attendance of well over 94%. The overarching motto was “Mozart brings people together” – and he did: with concerts and performances in more, and more diverse, venues than ever before – ranging from stellar concerts in our very own splendid Mozarteum hall and the Haus für Mozart, and a spectacular scenic production of T.H.A.M.O.S. in the Felsenreitschule, to an evening of Mozart-inspired cabaret at the ARGEkultur, Mozart’s Amazing Shadows at the OVAL theatre in the Europark and the magic of Nola Rae at Szene Salzburg. And who can forget our Mariachi-led serenades on Mozart’s birthday? Another important mission of mine, as both Artistic Director and Ambassador of the Salzburg Mozarteum Foundation, is to take the beauty of the Mozart Week, along with the Foundation’s rich tradition, outside Salzburg in order to reach new audiences across Europe and the world. Over Easter, Mozartwoche On Tour took up residence at the Easter Festival in Aix-en-Provence, with concerts featuring Mozart Week artists such as the Camerata Salzburg, Felix Klieser, Maximilian Kromer, Emmanuel Tjeknavorian, Olga Peretyatko, Renaud Capuçon and Alondra de la Parra, a performance by Nola Rae, a lecture by the head of our science department, Ulrich Leisinger, and a special exhibition featuring Mozart’s original violin and a selection of autographs and letters. In September, we will go on tour again, this time to the Enescu Festival in Bucharest, where we will once more showcase some of the very best events the Mozartwoche and Mozarteum Foundation have to offer. Going forward, the Mozart Week will go on tour twice each year, bringing the joy and beauty of Mozart to people around the world. Now it is already time to look towards January 2020 and the upcoming Mozart Week. This year, we will explore the music which Mozart composed for wind and brass and, consequently, take a closer look at the friendships which gave life to these masterpieces. During this week, four soloists – Andreas Ottensamer, Radek Baborák, François Leleux and Emmanuel Pahud, all of them undisputed masters of their instruments and celebrated performers of Mozart’s works – highlight the composer’s friends and guide us through Mozart’s masterworks.

WELCOME MESSAGE FROM ROLANDO VILLAZóN

Three well-known contemporary friends of Mozart will also take centre stage: Mitsuko Uchida continues her Mozart series with the Mahler Chamber Orchestra. Sir András Schiff begins a new series with his Cappella Andrea Barca, after completing series of the piano concertos and sonatas; in 2020, he embarks on his exploration of Mozart’s and Da Ponte’s operatic trilogy with Le nozze di Figaro, conducting the Cappella Andrea Barca, and an outstanding cast, from the pianoforte. Daniel Barenboim and the Vienna Philharmonic Orchestra begin a series of Mozart’s last ten symphonies and final eight piano concertos, spread out over the next four years.

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Partner in Education der Stiftung Mozarteum Salzburg


Our major stage project offers a truly extraordinary constellation: the great artist Robert Wilson stages one of the four Handel oratorios reworked by Mozart, as commissioned by his generous friend Baron van Swieten: the Messiah. Marc Minkowski, an old and close friend of the Mozart Week, returns to perform the oratorio with his Musiciens du Louvre and a hand-picked cast of singers. Besides the Messiah, 2020 brings two more new stage projects: Pùnkitititi!, a work specially conceived and created by artist Doug Fitch for the Salzburg Marionette Theatre with Mozart’s music for pantomime, and Mozart Moves! – Seven Playlets, a creation that I will have the joy of staging in the Landestheater, featuring seven original works by celebrated contemporary writers, each inspired by divertimenti which Mozart composed exclusively for wind and brass instruments. We present two new and original shows: Mozart in the Wind, conceived and performed by Florian Willeitner and the Pool of Invention Ensemble at Szene Salzburg, and Les Sourds-Doués in the OVAL theatre in the Europark. We are very pleased to welcome a host of formidable conductors and orchestras, including Kristiina Poska, Riccardo Minasi and the Mozarteum Orchestra Salzburg, Andrew Manze and the Chamber Orchestra of Europe, Christina Pluhar and L’Arpeggiata, Andrea Marcon and La Cetra, Lahav Shani and the Vienna Philharmonic and Daniel Harding and the Mahler Chamber Orchestra. There is no shortage of amazing chamber music programmes, with performers including Les Vents Français, the Kodály String Quartet and Éric Le Sage, soloists from the Chamber Orchestra of Europe, the Armida Quartet and Mathilde Calderini, soloists from the Akademie für Alte Musik Berlin and Mojca Erdmann, the Takács Quartet, the Ebonit Saxophone Quartet and Kristian Bezuidenhout. We also continue our popular format of Letters and Music. This year, actor Florian Teichtmeister reads from letters Mozart wrote to his friends, while Paul Montag and Hugues Borsarello perform sonatas on Mozart’s original instruments. Finally, I invite you to join me and a group of mariachis in serenading Mozart for his birthday, in a game of Mozart-themed Mexican Lotería interspersed with movements of Mozart’s Ein musikalischer Spass at the ARGE, or in conversation with Andreas Ottensamer, Mitsuko Uchida and Ulrich Leisinger. As you can see, we will once more explore all facets of Mozart and bring them together in a celebration of one of humanity’s dearest friends – a celebration which both brings us the finest Mozart performances of our time and allows us to engage with Mozart’s playful side. A celebration, too, that includes and engages the city of Salzburg and invites everyone to join in the festivities. So, all aboard our ship and welcome to our journey!

WELCOME MESSAGE FROM ROLANDO VILLAZóN

Rolando Villazón

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© Lucie Jansch


„Der Messias ist ein großartiges Werk, weil es, wie alle großen Werke, von der Hoffnung spricht... Es geht immer um die Hoffnung, an der wir uns aufrichten“, meint Robert Wilson und öffnet einen Blick auf das Werk, das bei der Mozartwoche 2020 im Haus für Mozart in seiner Inszenierung zu erleben sein wird.

EINE SPIRITUELLE REISE

Es gibt wohl wenige Künstler, die das Theater in den letzten 50 Jahren so nachhaltig beeinflusst haben wie der US-Amerikaner Robert Wilson.

Konrad Kuhn

Weitere Kreationen eigener Stücke folgten. 1976 entstand in Zusammenarbeit mit dem US-amerikanischen Minimal Music-Pionier Philip Glass die Oper Einstein on the Beach, die für beide den internationalen Durchbruch bedeutete. Große Teile des Textes zu diesem Werk schrieb Christopher Knowles. Wilson war ihm 1973 begegnet; der damals Dreizehnjährige galt als geistig behindert beziehungsweise autistisch. Er nahm auf einem Kassettenrekorder, indem er immer wieder die Stopptaste, den Rückwärtslauf und den Aufnahmeknopf bediente, scheinbar banale Texte auf, die er fast wie einen Händelschen Kontrapunkt oder eine Bachsche Fuge komponierte. Wilson arbeitet bis heute gelegentlich mit Christopher Knowles zusammen. Theaterregisseur und Videokünstler, Filmemacher, Bühnenbildner, Designer, Architekt, Bildender Künstler und Lichtdesigner – Robert Wilson geht stark vom Visuellen aus; er denkt sozusagen mit Bleistift und Skizzenblock.

Zentral ist für ihn dabei das Denken in Strukturen. Er beschreibt seine Theaterarbeit stets so, dass er eine ZeitRaum-Konstruktion entwickelt, die von abstrakten Prinzipien bestimmt ist. Diese Struktur wird dann zum Ausgangspunkt für ausgedehnte Werke – wie Einstein on the Beach mit über vier Stunden Spieldauer –, noch bevor es eine Zeile Text oder eine Note Musik gibt. Ein entscheidendes Anliegen war und ist für Wilson immer, die einzelnen Ausdrucksmöglichkeiten von Theater gleichwertig zu untersuchen und zu behandeln: Text und Musik sind genauso wichtig wie der Raum, das Licht, Gesten, Körper in Beziehung zueinander, das Make-up, tänzerische Elemente – erst im Zusammenspiel entfalten sie ihre Wirkung. Dieses „Gesamtkunstwerk“ ist umso spannungsvoller, je unabhängiger die einzelnen Ebenen zunächst voneinander gedacht und entwickelt werden. Im Falle eines musikalischen Werks wie dem

ROBERT WILSON – „MESSIAS“

Nach einem Architekturstudium am Pratt Institute in Brooklyn gründete Robert Wilson in den späten 1960erJahren in New York eine Performancegruppe, mit der erste Arbeiten für das Theater entstanden. Inspiriert von der Begegnung mit Raymond Andrews, einem damals dreizehn Jahre alten, taubstummen afroamerikanischen Jungen, den er auf der Straße vor Polizeigewalt in Schutz nahm und später adoptierte, kreierte Robert Wilson 1971 Deafman Glance, eine „Silent Opera“ – ein Werk ohne Text und Musik – von sieben Stunden Aufführungsdauer. Sie wurde zum Theaterfestival von Nancy eingeladen und machte Furore. Eine Vorstellungsserie in Paris und weitere Gastspiele schlossen sich an; mit einem Schlag war Robert Wilson ein bekannter Mann. Louis Aragon schrieb einen „Offenen Brief“ an André Breton, seinen (verstorbenen) Mitstreiter aus dem Kreis der Surrealisten, in dem es hieß: „Ich habe noch nie etwas so Schönes gesehen, seitdem ich geboren wurde.“

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© Benjamin Chelly

Marc Minkowski und Les Musiciens du Louvre sind Teil der musikalischen Familie der Mozartwoche. Anlässlich ihrer Rückkehr zum Festival verbindet sich ihre Brillanz nun erstmals mit der eindringlichen Kunst des Kultregisseurs Robert Wilson: eine faszinierende Verquickung von Zeiten und Stilen auf mehreren Ebenen.

DO 23. JÄNNER #03 SO 26. JÄNNER #15 FR 31. JÄNNER #36 jeweils 20.00 UHR Haus für Mozart

PREMIERE

MESSIAS LES MUSICIENS DU LOUVRE PHILHARMONIA CHOR WIEN DIRIGENT MARC MINKOWSKI

Messias geht es in erster Linie darum, ein Gefäß für die Musik zu schaffen: Damit wir sie durch das, was wir sehen, besser hören können. Keinesfalls aber geht es um eine „Interpretation“, eine vorgefasste „Botschaft“ oder gar „Aktualisierung“; die Deutung bleibt vielmehr jedem Zuschauer selbst überlassen. Mit den Worten Robert Wilsons: „Die Aufgabe des Künstlers ist es nicht, Antworten zu geben, sondern Fragen zu stellen.“ In den späten 1970er-Jahren begann Robert Wilson, auch klassische Werke des Kanons zu inszenieren – zunächst im Schauspiel, dann im Musiktheater. Daneben entstanden und entstehen weiterhin selbst entwickelte Stücke, häufig in Zusammenarbeit mit Dich-

tern wie William S. Burroughs, Susan Sontag oder Heiner Müller sowie mit Choreographinnen wie Lucinda Childs und mit Musikern wie Tom Waits, Lou Reed, David Byrne, Herbert Grönemeyer oder CocoRosie. Herausgegriffen aus dem gewaltigen Œuvre sei beispielhaft – und für das Theater im deutschen Raum besonders prägend – The Black Rider, eine Überschreibung des Freischütz von Weber (den Wilson 2009 in Baden-Baden dann auch inszeniert hat), entstanden 1990 am Hamburger Thalia-Theater. Robert Wilsons Arbeit ist jedoch nicht erst seit dem Mammutprojekt the CIVIL warS, das in den 1980er-Jahren auf verschiedenen Kontinenten entstand und in seiner Gesamtheit 1984 zur Eröffnung der Olympischen Spiele in Los Angeles auf-

ROBERT WILSON INSZENIERUNG, BÜHNE, LICHT ELENA TSALLAGOVA SOPRAN WIEBKE LEHMKUHL ALT RICHARD CROFT TENOR JOSÉ COCA LOZA BASS CARLOS SOTO KOSTÜME NICOLA PANZER CO-REGIE STEPHANIE ENGELN CO-BÜHNENBILD JOHN TORRES CO-LICHTDESIGN TOMASZ JEZIORSKI VIDEODESIGN MANU HALLIGAN MAKE UP-DESIGN KONRAD KUHN DRAMATURGIE Mozart „Der Messias“ KV 572 Oratorium in drei Teilen für Soli, Chor und Orchester von Georg Friedrich Händel (HWV 56) bearbeitet von Mozart

Eine Produktion der Stiftung Mozarteum Salzburg in Koproduktion mit den Salzburger Festspielen und dem Théâtre des Champs-Élysées

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© Sound & Picturedesign

Einführungsgespräch jeweils um 19.00 Uhr


geführt werden sollte, weltumspannend. Von den USA über Brasilien, Japan und Taiwan bis hin zu Indonesien und Australien führen seine Projekte ihn immer wieder auch nach Europa. In den letzten Jahren entstanden Inszenierungen unter anderem in Moskau, Paris, Madrid, Oslo, Vilnius, Bologna, Athen, Berlin, Prag und Wien. Widmet sich Wilson einem vorhandenen Werk, so ist der erste Arbeitsschritt immer, sich dessen Struktur zu vergegenwärtigen. Im Falle des Messias ist diese Analyse besonders inspirierend: Die Abfolge von Chorstücken und Arien mit den kurzen Rezitativen dazwischen, der kontrapunktische Aufbau der polyphonen Sätze, die Bezogenheit der einzelnen Teile aufeinander –

all das spricht unmittelbar zu ihm. Robert Wilson hat keine musikalische Ausbildung, aber er reagiert stets sehr feinfühlig auf die Musik der Werke, mit denen er sich auseinandersetzt. Mozart spielt eine besondere Rolle für ihn. So ist Mozarts Bearbeitung von Händels Messias in doppelter Weise eine Herausforderung. Zugleich kommt gerade dieses Werk dem Theatermacher entgegen: Ist sein Gehalt doch auf der Textebene sehr abstrakt und somit offen für Wilsons assoziativmetaphorische Bilder, mit denen er auf Text und Musik reagiert. Der Messias eröffnet eine spirituelle Welt, die dem Künstler vertraut ist – jenseits konkreter religiöser Inhalte, um die es in einer Theateraufführung nicht gehen kann.

In den 1990er-Jahren erwarb Robert Wilson ein halb verfallenes, ehemaliges Laboratorium der Telekommunikationsgesellschaft Western Union im Osten von Long Island im Bundesstaat New York. Über die Jahre ist daraus das Watermill Center geworden: Ein Gebäudekomplex, der immer noch auf dem Grundriss des alten Laborgebäudes fußt, umgeben von einem parkähnlichen Grundstück, das Wilson nach seinen Vorstellungen gestaltet hat. Auf Schritt und Tritt begegnen einem hier Kunstwerke, Skulpturen und Kultgegenstände aus den verschiedensten Kulturen der Welt – von einem Jahrtausende alten Steinkreis aus Indonesien bis hin zu den Werken der afro-amerikanischen, naiven Malerin Clementine Hunter.

ROBERT WILSON – „MESSIAS“

© Ursula Sprecher

© Pete Lacker

© Allan Richard Tobis

„Der Messias“ bei der Mozartwoche 2020 in der Inszenierung von Robert Wilson als Gesamtkunstwerk, den Musiciens du Louvre und einer großartigen Sängerbesetzung unter der musikalischen Leitung von Marc Minkowski. Von links nach rechts: Wiebke Lehmkuhl Alt, Elena Tsallagova Sopran, Richard Croft Tenor und José Coca Loza Bass.

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»ES IST DAS LICHT IN MOZARTS MUSIK, DAS MICH SO SEHR ANZIEHT« ROBERT WILSON IM GESPRÄCH mit Konrad Kuhn

Waren Sie überrascht, als Rolando Villazón, der Intendant der Mozartwoche, Ihnen vorgeschlagen hat, Händels „Messias“ in der Mozart-Fassung als szenische Aufführung zu gestalten? Allerdings, das war eine große Überraschung! Ich bin ihm sehr dankbar, dass er mir die Möglichkeit gibt, dieses wunderschöne Werk auf die Bühne zu bringen – und das in Mozarts Geburtsstadt!

ROBERT WILSON – „MESSIAS“

Bei der Londoner Premiere des „Messiah” 1743 am Covent Garden Theatre – ein Jahr nach der sehr erfolgreichen Uraufführung in Dublin – wurden lautstark Bedenken geäußert gegen die Aufführung eines so „weltlichen” Werkes, das um ein so „heiliges“ Thema kreist, von „Schauspielern im Kostüm“ (wenn auch nur in konzertanter Form) außerhalb einer Kirche. Der Titel musste geändert werden in „A sacred oratorio“ („Ein heiliges Oratorium“). Was denken Sie über das Verhältnis von Religion und Theater? Ich finde, Religion hat keinen Platz im Theater. Der Messias ist für mich nicht so sehr ein religiöses Werk, sondern eher eine Art spiritueller Reise. Religion gehört in die Kirche.

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© Hsu Ping

Wie fühlt es sich an, nach Salzburg zurückzukommen – nach „Pelléas et Mélisande“ (1997) und „Dantons Tod“ (1998)? Wunderbar! Ich liebe die Stadt. Es ist, als komme man zu wunderbaren Freunden zurück; als komme man nach Hause.

Text mit starken Emotionen und verwandelt das Libretto in ein Panorama widersprüchlicher menschlicher Gedanken, Zustände und Gefühle: Angst vor dem Tod, Verzweiflung, Schuldgefühle, Hoffnung, Freude und Zuversicht. Wie ist Ihre Beziehung zu dem Werk? Ich denke darüber als etwas, das ich sehe, und etwas, das ich höre. Die Struktur ist ein architektonischer Rahmen, der mir hilft, die Musik besser zu hören; denn die musikalische Struktur mit Händels meisterhafter Beherrschung des Kontrapunktes ist sehr abstrakt, ja geradezu mathematisch. „Der Messias“ ist ein Chorstück: Der Chor hat ebenso viele Nummern zu singen wie die Solisten. Könnte man sagen, dass wir uns im Chor, der auf der Bühne von Sorgen, Ängsten und Hoffnungen singt, gespiegelt sehen als eine Gruppe von Menschen auf der Suche nach Antworten auf die „letzten Fragen“? Der Messias ist ein großartiges Werk, weil es, wie alle großen Werke, von der Hoffnung spricht. Darin erinnert es mich an Negro Spirituals, die Wurzel der amerikanischen Musik. Es gibt nicht eine einzige musikalische Nummer darin, in der es um so etwas wie Protest geht. Es geht immer um die Hoffnung, an der wir uns aufrichten.

Händels „Messiah“ erzählt nicht die Geschichte von Geburt, Kreuzigung und Auferstehung Jesu Christi, wie es zum Beispiel die Oratorien Johann Sebastian Bachs tun. Jesus tritt als Figur gar nicht auf. Das Libretto von Charles Jennens ist sehr abstrakt, man könnte es als eine Art theologisches Mozart hat den „Messias“ ungefähr Traktat bezeichnen. Händels Musik 40 Jahre nach seiner Entstehung bewiederum begegnet dem biblischen arbeitet für ein größeres, reicheres

Orchester als das ursprüngliche Barockorchester; außerdem natürlich in der deutschen Fassung. Dadurch wird das Werk für ein deutschsprachiges Publikum leichter zugänglich. Auch ist uns Mozarts musikalische Ausdrucksweise, die sich hier über die Händels legt, vertrauter. Sie haben „Die Zauberflöte“ inszeniert; wie spricht Mozarts Musik zu Ihnen? Mozarts Musik erscheint an der Oberfläche als sehr einfach; doch das ist sie nicht. Im Gegenteil: Sie ist sehr komplex. Mozarts Musik spricht zu mir mit einer ganz besonderen Farbe des Lichts, wie ich sie bei keinem anderen Komponisten finde. Seine Musik richtet uns auf, selbst in den dunkelsten Momenten. Es ist das Licht in seiner Musik, das mich so sehr anzieht. 2006, im Jahr des 250. Geburtstages von Wolfgang Amadé Mozart, wurden Sie von der Stiftung Mozarteum Salzburg beauftragt, in Mozarts Geburtshaus eine Ausstellung zu gestalten, die dort für einige Jahre zu sehen war. Was bedeutet Ihnen Mozart persönlich? Einmal oder zweimal alle 200 Jahre erscheint ein Genie. Für mich war Mozart ein Genie. Der Architekt Palladio war eines, der Maler Rembrandt … Es gibt nur eine Handvoll Genies. Was würden Sie über das Haus für Mozart, das an die Stelle des früheren „Kleinen Festspielhauses“ getreten ist, sagen? Wie empfinden Sie diesen Raum als Theatermacher? Ich würde sagen, es ist ein wunderbarer Raum! Sie haben wiederholt mit Komponisten wie zum Beispiel Arvo Pärt zusammengearbeitet und eigene Theaterkreationen entwickelt. Was interessiert Sie in diesem Kontext besonders an Händels / Mozarts „Messias“? Mich fasziniert die Struktur der Komposition; und die Freiheit, die sie mir erlaubt.


Das Center versteht sich als Laboratorium: Bildende und Darstellende Kunst in all ihren Ausprägungen, Anthropologie und Naturwissenschaft, Musik und Dichtung begegnen sich hier in einer Art ständigem Experiment. Das Watermill Center wird das ganze Jahr über betrieben, mit Residencies für eingeladene Künstler. Im Sommer findet alljährlich das sogenannte „Summer Program“ statt: Angehende und junge Künstler aus allen Ecken der Welt und aus den verschiedensten Dis-

ziplinen, bis zu hundert an der Zahl, kommen für fünf Wochen zusammen, um (mit Wilsons Worten) „das zu tun, was sonst keiner tut“. Die Teilnehmer des Sommerprogramms verfolgen ihre eigenen Projekte und arbeiten zugleich in Workshops an den aktuellen Projekten von Robert Wilson mit. In dieser kreativen Atmosphäre, umgeben von den unzähligen Artefakten aus der riesigen Kunstsammlung des Theatermannes, entstehen die Entwürfe für die Inszenierungen der nächsten Jahre – so auch für den Messias.

SUMMARY

Marc Minkowski und seine Les Musiciens du Louvre werden als Experten für Händel und Mozart gleichermaßen gefeiert.

ROBERT WILSON – „MESSIAS“

Robert Wilson – stage director, film-maker, set- and lightingdesigner, artist, architect and much more – describes his work in the theatre as always being a space-time construction developed from abstract principles. A vital aspect is the equal treatment of each dramatic form of expression: text, music, space, light, gesture, bodies in relation to one another, make-up, dance – only in the interaction of all these does their effect evolve. The effect of the resulting “total art-work” is further enhanced, the more those individual levels are initially conceived independently of one another. For a musical work such as the Messiah, the main aim is to create a vessel for the music, so that the visual experience allows the audience to listen better. This is not interpretation, says Wilson, the artist’s task being “not to give answers but, rather, to ask questions”. His initial analysis of the Messiah proved particularly inspiring, given the sequence of choruses and arias interspersed with short recitatives, the contrapuntal structure of the polyphonic movements, and the relationship between the various sections. Although not a trained musician, Robert Wilson is always sensitive to the music in the works he stages, and he feels a special affinity for Mozart, whose arrangement of Handel’s Messiah thus presents a dual challenge, opening up a familiar spiritual world ideal for the associative, metaphorical images with which Wilson reacts to both text and music. Robert Wilson – who designed the permanent exhibition in Mozart’s birthplace in 2006 and has staged The Magic Flute – considers Mozart a genius. He describes the subjectmatter of the Messiah as providing an architectural frame to help him hear the music, the musical structure being abstract and mathematical. Its message is all about hope, which makes it a great work – less about religion than a spiritual journey, and thus suitable for the stage. Mozart’s arrangement – like all his music – seems simple but is in fact very complex, with a special quality of light that is uplifting, even in our darkest moments. It is this light which attracts Wilson.

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Die Wiener Philharmoniker, für Rolando Villazón „eines der besten ‚originalen‘ MozartOrchester überhaupt“, beginnen bei der Mozartwoche 2020 einen doppelten Zyklus, der sich bis 2023 erstreckt: Er umfasst die zehn letzten großen Werke der Gattungen Symphonie und Klavierkonzert – und gerade „in den Klavierkonzerten“, so Villazón, „steckt Mozarts Seele“. Daniel Barenboim (li.) wird dabei ihr zentraler Partner sein.

„MOZART IST WIE EINE INSEL“ Für Rolando Villazón ist Daniel Barenboim Mentor, Freund und nun auch ein Fixpunkt seiner fünfjährigen Mozartwoche-Intendanz. Gemeinsam mit den Wiener Philharmonikern beginnt Daniel Barenboim 2020 einen Zyklus mit den letzten zehn Symphonien und den letzten acht Klavierkonzerten Mozarts. Zum gemeinsamen Interview in Berlin erscheint Villazón wie immer mit einem Buch unter dem Arm: Michail Bulgakows Molière-Roman. Daniel Barenboim steigt sofort ein: Er verehre Bulgakows Klassiker, „Der Meister und Margarita“. Die beiden haben auch jenseits der Musik merklich viel auszutauschen. Jetzt aber: Mozart, bitte.

»MOZART – ES ERGIBT SICH WIE MAGISCH«

ROLANDO VILLAZóN & DANIEL BARENBOIM

ROLANDO VILLAZÓN UND DANIEL BARENBOIM IM GESPRÄCH mit Janis El-Bira

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Herr Villazón, die Mozartwoche 2020 steht im Zeichen der Künstlerfreundschaften Mozarts. Sie beide verbindet ebenfalls seit vielen Jahren eine Künstlerfreundschaft und Sie haben einmal gestanden, dass Daniel Barenboim auf Ihrem Weg zu Mozart eine besondere Rolle gespielt hat. Was hat er gemacht? Villazón: Erstens hat er mir immer gesagt: Sing Mozart! Und ich habe dann auch tatsächlich meinen ersten Don Ottavio im „Don Giovanni“ unter Maestro Barenboim gesungen … Barenboim: … und Ferrando! Villazón: Stimmt, in „Così fan tutte“ an der Scala. Aber es ist nicht nur das. Ich habe zum Beispiel alle MozartKlavierkonzerte, die Maestro Barenboim aufgenommen hat – die sind für mich einfach eine Referenz. Wenn ich

Inspiration für Programme, für die nächste Mozartwoche, brauche, dann höre ich diese Musik in diesen Interpretationen. Daniel Barenboim hat selbst viel von Mozart! Diese philosophische Ernsthaftigkeit in der Musik, das Spielerische, aber auch den Humor! Wir haben viele Projekte zusammen gemacht, aber besonders liebe ich die Zeit während der Proben. Da habe ich so viel gelernt über die Beziehung zur Musik, zu den Künstlern. Diese Inspiration zu erleben, die Bewegungen und Gesten, die plötzlich einen ganz anderen Klang herbeiführen. Da gibt es für mich eine Brücke zwischen dem großen Komponisten Mozart und dem großen Maestro Barenboim. In diesem Sinn war es unbedingt wichtig für mich, dass er eine große Präsenz in der Mozartwoche hat.

Herr Barenboim, Mozart ist für Sie ein lebenslanger Begleiter. Sie haben mit acht Jahren erstmals öffentlich eines seiner Klavierkonzerte aufgeführt. „Don Giovanni“ war die erste Oper überhaupt, die Sie dirigiert haben. Wie ist das für Sie heute: Hat sich ihr Zugang zu Mozart über die Jahre verändert? Barenboim: Wissen Sie, egal, wie man über Musik denkt, muss man eine Art und Weise finden, Mozart zu beschreiben. Weil er ganz anders ist als alle anderen. Ich erinnere mich, als ich ganz jung war und in viele Konzerte ging, da haben mich diejenigen Pianisten am meisten beeindruckt, die einem das Gefühl gaben: Das ist so leicht, jeder könnte das machen! Ich ging also zu Klavierabenden von Artur Rubinstein und dachte mir: Das ist


Sie haben die Schwierigkeiten angedeutet, vor die Mozart seine Interpreten stellt. Wenn man zum Beispiel den Anfang der Symphonie KV 550

in g-Moll nimmt, sind ja die Noten auf dem Papier im Grunde ganz einfach. Trotzdem gilt dieser Anfang selbst unter erfahrenen Dirigenten als gefürchtet. Was macht diese typischen Mozart-Schwierigkeiten genau aus? Barenboim: Seine Musik ist wahnsinnig durchsichtig! Mozart duldet absolut keine Übertreibungen. Die kleinste Übertreibung bei Beethoven oder Schubert mag nicht sonderlich ins Gewicht fallen, aber bei Mozart stört das wirklich total. Mozart ist zwar ein Meister des tiefen Wissens und des künstlerischen Ausdrucks, aber immer auf dem direktesten und einfachsten Weg. Villazón: Und es gibt diese besondere Balance, über die jeder spricht, wenn es um Mozart geht. Das hat auch mit Mozarts Biographie zu tun, aber die

muss man gar nicht unbedingt kennen. Es ist schon in der Musik. Einerseits diese Leichtigkeit und das Spielerische, also dieses … Bumm! (klatscht in die Hände) Aber dann wird es auch kompliziert, wenn er sagt: Wieso muss ich von A über B zu C gehen? Ich gehe einfach direkt zu C! Das erscheint dann ganz einfach, aber wenn man es genauer anschaut, denkt man sich: Oh …! Und dabei gilt auch: Wenn man ihn zu romantisch angeht, dann ist das einfach falsch. Zu barock? Auch falsch! Zu spielerisch, zu schnell, zu langsam? Ganz klar falsch! Barenboim: Mehr als jede andere Musik braucht Mozart eine Selbstverständlichkeit. Wenn es nicht selbstverständlich klingt, dann ist es nicht gut.

ROLANDO VILLAZóN & DANIEL BARENBOIM

© Martin Walz

phänomenal, aber das könnte ich auch. Ich ging nach Hause und natürlich konnte ich es nicht! (lacht) Oder Arturo Benedetti Michelangeli. Da schien alles ganz schwierig. Man war überzeugt: Das, was er macht, kann keiner! Beide Fälle sind wichtig für die Art, wie man auch Mozart betrachtet. Der Pianist Artur Schnabel meinte: Das Problem mit Mozart ist, er ist zu leicht für Kinder und zu schwer für Erwachsene (lacht). Alles klingt so selbstverständlich! Kindisch! Mozart spricht ganz direkt zum Herzen. Aber mit den Jahren habe ich verstanden: auch zum Kopf.

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ROLANDO VILLAZóN & DANIEL BARENBOIM

Villazón: … Und finden Sie nicht auch, dass das eine Musik ist, die ganz in sich selbst lebt? Mozart hat nicht versucht, ein Revolutionär zu sein. Im Gegenteil. Er ist ja zurückgegangen, hat Bach und Händel kennengelernt und gesagt: Das muss ich bringen! Und so kommen bei ihm die Fugen rein und plötzlich wirkt das alles wie ein ganz kompliziertes Spiel. Aber eben ein Spiel in sich selbst. Es ist wie eine Insel, wie etwas Eingeklammertes – Mozarts Musik hat ihre eigenen Regeln. Man kann nicht einfach dieselben Regeln wie bei anderen Komponisten anwenden.

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Dazu passt, was Sie beide einmal unabhängig voneinander gesagt haben: Nämlich, dass Mozart derjenige Komponist sei, bei dem das Tragische immer auch etwas Helles und das Heitere immer etwas Abgründiges habe. Barenboim (lacht): Na ja, das hat Schubert auch ein bisschen … Schubert lacht und weint gleichzeitig. Das ist eigentlich eine Eigenschaft von Musik überhaupt. Ich habe noch nie einen Menschen gesehen, der gleichzeitig gelacht und geweint hat. Aber in der Musik: andauernd! Man könnte demgegenüber behaupten, dass es Musik gibt, die ganz klar

ein Spiegel ihrer Zeit ist. Wenn man zum Beispiel an Schostakowitsch denkt, der sich musikalisch explizit an seiner Gegenwart und damit auch am Außermusikalischen abgearbeitet hat. Das ist bei Mozart ganz anders. Sind es also gerade diese Balance und diese Eigengesetzlichkeit, von der Sie beide jetzt gesprochen haben, die Mozart zum großen Universalisten der Musik machen? Barenboim: Im Endeffekt muss man es doch so sagen: Mozart war ein Genie wie kein anderer. Schauen Sie nur einmal nicht allein auf die Qualität, sondern auch auf die Quantität. Was er alles geschrieben hat! Vieles von dem, was er gemacht hat, war absolut selbstverständlich für ihn. Deshalb sollte es auch jemand, der Mozart mit dieser Selbstverständlichkeit nicht spielen kann, besser ganz lassen. Natürlich gibt es Musik, da gehört dieses Mühevolle dazu. Wagner! Aber bei Mozart darfst du das alles nicht zeigen. Es ergibt sich wie magisch. Dunkle Momente, heitere Momente: Alles existiert in perfekter Integration. Ich glaube, genau das war sein Genie, dass er das alles verbinden konnte – und zwar so, dass es fast unüberlegt scheint. Man kann sich vorstellen, wie er in der Küche saß, gegessen und getrunken hat, plötzlich hatte er eine

„Mozart spricht ganz direkt zum Herzen. Aber mit den Jahren habe ich verstanden: auch zum Kopf“, sagt Daniel Barenboim. Und Rolando Villazzón meint: „Daniel Barenboim hat selbst viel von Mozart! Diese philosophische Ernsthaftigkeit in der Musik, das Spielerische, aber auch den Humor!“


© Martin Walz (4)

SUMMARY Mozart is like an island. For Rolando Villazón, first persuaded by Barenboim to sing Mozart, it is Barenboim’s recordings of Mozart’s piano concertos that provide inspiration for his programme-planning. He sees characteristics shared by composer and pianist – the serious and philosophical, but with playful humour. As Barenboim says, Mozart is absolutely transparent – too easy for children, too difficult for adults; his music is direct, profound, expressive, with its own rules, and it tolerates no romantic exaggeration. His genius consists in perfect integration and spontaneity. From his early years, Mozart was a cosmopolitan; he readily learned and used other music and languages. Due to its simplicity and directness, his music was largely ignored during the 19th century, when Romanticism sought something quite different. He performed his last piano concerto in 1791, the year of his death; its next performance was not until 1927, by Artur Schnabel in Vienna! Mozart welcomed every new instrument and wrote for it, but today’s orchestras and instruments are different, so there should be no dogmas about how to perform his music. Asked why our ears today seem less receptive to the subtlety of the Classical era, Barenboim blames the ubiquity of music piped in airports, restaurants and hotels, so that we have become used to hearing without listening. Initial scepticism for Villazón’s 2019 exclusively Mozart Week was proved wrong by full, enthusiastic attendance. After all, Mozart in Salzburg is something special, and visitors are encouraged to listen seriously and to reflect on the music. Barenboim once said we should learn more from music for life than from life for music. So what can we learn for life from Mozart’s music? The two musicians agree: that we shouldn’t take ourselves so seriously!

ROLANDO VILLAZóN & DANIEL BARENBOIM

Idee und zehn Minuten später war da schon ein Satz für ein Klavierkonzert, eine Arie oder eine Szene aus einer Oper. Villazón: … Da ist die Biographie dann doch wichtig! In jungen Jahren hatte er schon so viele Länder und Kulturen kennengelernt. Nicht nur musikalisch, sondern darüber hinaus. Er hat sehr schnell Sprachen gelernt und die jeweilige musikalische Sprache ist quasi automatisch in dieses Genie hineingefahren. Mozart war immer praktisch. Es gibt fast kein Stück, das er geschrieben hat, weil er traurig war oder die Mutter krank im Bett lag. Nein, er hat gesagt: Ich muss jetzt eine Sonate schreiben, weil ich etwas zu essen haben will! Barenboim: Aber das erklärt doch, warum er ein völlig unwichtiger Komponist im 19. Jahrhundert war! Seine Musik war zu einfach, zu direkt. Das passte nicht zur romantischen Idee, für die Kunst leiden zu müssen. Wenn man bedenkt, dass Mozart sein letztes Klavierkonzert noch selbst 1791, also im Jahr seines Todes, uraufgeführt hat. Das nächste Mal, dass dieses Klavierkonzert gespielt wurde, war aber erst 1927, von Artur Schnabel in Wien! Das 19. Jahrhundert hat Mozart total ignoriert. Er war nicht im Repertoire.

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© Holger Kettner

1942 in Buenos Aires geboren, wurde Daniel Barenboim als Dirigent wie Pianist gleichermaßen bekannt. Seit seinem Dirigierdebüt 1967 in London hat er mit allen führenden Orchestern der Welt gearbeitet. Seit 1992 ist Daniel Barenboim Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper Unter den Linden, seit 2000 Chefdirigent auf Lebenszeit der Staatskapelle Berlin. 1999 rief er das West-Eastern Divan Orchestra ins Leben, das junge Musiker aus Israel und den arabischen Ländern zusammenführt. Seit 2015 studieren talentierte junge Musiker aus dem Nahen Osten an der Barenboim-Said Akademie in Berlin, einer weiteren Initiative Daniel Barenboims.

SA 25. JÄNNER 19.30 UHR #10 Großes Festspielhaus WIENER PHILHARMONIKER DIRIGENT DANIEL BARENBOIM KLAVIER RADEK BABORÁK HORN Mozart Symphonie B-Dur KV 319 Konzert Es-Dur für Horn und Orchester KV 447 Konzert d-Moll für Klavier und Orchester KV 466 Einführungsgespräch um 18.30 Uhr

SA 01. FEBRUAR 19.30 UHR #41 Großes Festspielhaus WIENER PHILHARMONIKER DIRIGENT DANIEL BARENBOIM KLAVIER Mozart Serenade B-Dur für zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Bassetthörner, vier Hörner, zwei Fagotte und Kontrabass KV 361 „Gran Partita“ Konzert A-Dur für Klavier und Orchester KV 488 Symphonie D-Dur KV 385 „Haffner-Symphonie“ Einführungsgespräch um 18.30 Uhr

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Wie erklären Sie sich das? Barenboim: Weil die Romantik etwas ganz Anderes gesucht hat! Villazón: Schauen Sie sich nur einmal dieses heroische Mozart-Denkmal in Salzburg an! So wollte man Mozart damals sehen und die Musik sollte auch so sein. Oder denken Sie an die sogenannten Bäsle-Briefe, die intimen Briefe Mozarts mit seiner Cousine – die wurden versteckt! Die durften nicht rauskommen, dieser ganze Mozart durfte nicht rauskommen. Aber das letzte Jahrhundert, dieses Jahrhundert, die waren und sind gut für Mozart. Jetzt verstehen wir ihn komplett anders. Wir umarmen diesen Mozart! Sie sagen: Wir umarmen Mozart. Ich habe aber demgegenüber das Gefühl, dass vor allem das symphonische Werk Mozarts auf den Konzertpodien längst nicht mehr so präsent ist wie vielleicht vor zwanzig oder dreißig Jahren. Barenboim: Das stimmt. Weil es Leute gibt, die denken, die „Barockbewegung“ habe ein völlig neues Licht auf diese Musik geworfen. Das stimmt so nicht. Man kann Musik nicht ideologisch angehen. Die „Barockbewegung“ hat sehr positiv angefangen, sie hat die Leute wieder für diese Musik interessiert. Aber es war für mich in dem Moment zu Ende, als man Entscheidungen getroffen hat: Das muss schnell sein! Das muss kurz sein! In dem Augenblick ist das zu einer Ideologie geworden. Da gibt es dann keinen Platz mehr für den Künstler, um zu seinen eigenen Entscheidungen zu kommen. Villazón: In der Kunst selbst gibt es keine Evolution, aber wir Musiker er-

leben sehr wohl eine: Die Orchester sind heute andere, die Instrumente sind andere und Mozart selbst liebte jedes neue Instrument. Für jedes neue Instrument, das auftauchte, hat er ja geschrieben. Ich finde, wir sollten uns alle Interpretationsansätze anhören, aber es sollte keine Dogmen geben, die sagen: So muss es sein. Es sollte vielmehr eine Verbindung zwischen der Geschichte des Werks, der Musik und der Geschichte des Interpreten geben. Hat es nicht vielleicht auch damit zu tun, dass uns heute für diese Klassizität, für das Subtile und Nicht-Eindeutige, für das Mozart steht, schlicht ein wenig die Ohren verstopft sind? Barenboim: Ich habe eine viel banalere Erklärung: Leider ist die Musik überall. In Flughäfen, in Restaurants, im Hotel. Wenn man dann ins Konzert geht, hört man einfach nicht mehr richtig. Man hört nicht zu. Im Englischen gibt es einen viel deutlicheren Unterschied zwischen „listening“ und „hearing“. Und der „listening aspect“ ist heute leider total weg. Ich habe kürzlich erst hier auf dem Bebelplatz dirigiert, bei freiem Eintritt für 45.000 Menschen. Als ich zur Probe kam und die ersten Zuschauer dort schon saßen, hat man über die Lautsprecher gerade BrahmsStücke gespielt. Da habe ich gesagt: Bitte sofort ausschalten! Denn sonst gibt es keine Konzentration. Dann ist es bloß die Fortsetzung eines Geräuschs, das wir Musik nennen. Villazón: Als ich sagte, ich wolle eine Mozartwoche nur mit Mozart machen, haben einige besorgt den Kopf geschüttelt und gesagt: Das wird schwierig. Aber dann war 2019 eine der er-


folgreichsten Mozartwochen überhaupt! Die Leute waren begeistert. Und ich finde, es gibt gar keine andere Möglichkeit. Davor war es ja oft so: Okay, wir machen ein bisschen Mozart, aber dann kommt … (breitet die Arme aus). Da war Mozart dann bloß so eine Art Aperitif. Wir sagen: Nein, jetzt kommt Mozart! Und die Menschen haben es geliebt. Anscheinend haben viele trotzdem noch Angst, dass man mit Mozart allein das Publikum nicht erreichen könne. Vielleicht stimmt das an anderen Orten ja sogar. Wenn man in irgendeiner Philharmonie ein Programm nur mit Mozart macht, ist das womöglich schwierig. Aber hier bei der Mozartwoche ist es natürlich etwas Besonderes. Muss man vielleicht sogar sagen, dass ein reines Mozart-Programm heute mehr provoziert als zum Beispiel ein Abend nur mit Stücken von, sagen wir, Anton Webern? Barenboim: Nein, man muss nicht zu diesen Vergleichen greifen. Aber ich

finde es zum Beispiel auch für die Salzburger Festspiele schade, dass es dort nicht diese Beziehung zu Mozart gibt wie etwa in Bayreuth zu Wagner. Müsste man so weit gehen wie in Bayreuth, dass in Salzburg einen ganzen Sommer lang nur Mozart gespielt wird? Natürlich nicht. Aber für eine kurze Zeit, wie bei der Mozartwoche, sollte es entweder nur Mozart sein oder wenigstens ein Thema, das mit ihm in Verbindung steht. Auch in Kontrapunkten! Ich erinnere mich zum Beispiel gerne an ein wunderbares Konzert in Salzburg, dirigiert von Pierre Boulez, mit zwei Klavierkonzerten von Mozart und den zwei Kammersymphonien von Arnold Schönberg. Das fand ich ein großartiges Programm! Dass Rolando ausschließlich Mozart macht, finde ich sehr mutig! Ich bin überzeugt, dass das über die Jahre ein immer größerer Erfolg wird. Es hat nämlich einen Sinn: Warum sind denn alle wichtigen Festivals in kleineren Städten? Salzburg, Bayreuth, Edinburgh. Das sind

Orte, in die man fährt, um etwas Bestimmtes zu hören. Den Besuchern muss man einen Grund geben. Da finde ich es toll, dass Rolando in der Lage ist, so ein Bild von Mozart zeichnen und die Leute dazu bringt, zu reflektieren. Sodass sie nicht einfach sagen: Ich habe noch eine Mozart-Symphonie oder noch ein Mozart-Klavierkonzert gehört und es war sehr schön. Herr Barenboim, Sie haben einmal gesagt, wir sollten vielleicht mehr von der Musik für das Leben lernen als vom Leben für die Musik. Das ist ein nur scheinbar einfacher Satz, denn er ist sehr voraussetzungsreich. Er behauptet nämlich, dass die Musik ein Eigenleben, eine eigene Gesetzlichkeit habe, die von uns, vielleicht sogar von ihren Komponisten, unabhängig ist. Was also können wir von Mozarts Musik für das Leben lernen? Barenboim (lacht): Dass wir uns selber nicht so ernst nehmen! Villazon: Perfekt! Besser kann man es nicht sagen.

ROLANDO VILLAZóN & DANIEL BARENBOIM

© Andreas Hechenberger

Intendant Rolando Villazón inszeniert bei der Mozartwoche 2020 auch: Mozart Moves! – Sieben Dramolette, eine Gala mit von Mozarts Musik inspirierter Literatur, mit Schauspielern, Tänzern und Musikern des Mozarteumorchesters Salzburg – s. folgende Doppelseite.

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MOZART MOVES!

Sieben Autorinnen und Autoren haben sich jeweils eines von Mozarts Bläserdivertimenti ausgesucht und zu einem Dramolett inspirieren lassen. Rolando Villazón als Regisseur und der Choreograph Reginaldo Oliveira werden diese mit Schauspielern und Tänzern inszenieren. Mozarts Musik, gespielt von Musikern des Mozarteumorchesters Salzburg, spinnt den roten Faden durch den Abend: Eine große Gala bei der Mozartwoche 2020.

Friederike Bernau

MOZART MOVES!

Pünktlich zu Mozarts Geburtstag inszeniert Rolando Villazón, Intendant der Mozartwoche, gemeinsam mit CoRegisseurin Christina Piegger sieben neue Texte internationaler Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Der Ballettchef des Salzburger Landestheaters, Reginaldo Oliveira, Mitglieder seines Ensembles, Schauspieler des Salzburger Landestheaters und Mitglieder des Mozarteumorchesters Salzburg tragen zur vielschichtigen, von Mozart inspirierten Begegnung der Künste bei.

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Der Schriftsteller, Dramaturg, Filmjournalist und Theaterkritiker John von Düffel studierte Philosophie und Volkswirtschaft und promovierte mit einer Arbeit zur Erkenntnistheorie. Elisa vertritt Gina im Appartement 388 (KV 388); eine Stimme tritt mit ihr in Kontakt über die gebuchte gewerbliche Dienstleistung…

ge Dialoge und Situationen mit clownesken Elementen. Shlomo Moskowitz studierte Schauspiel und Regie in Tel Aviv. 1990 schrieb er seine ersten Theaterstücke und parallel für TV-Shows. Schleier (KV 251) erzählt von einem kulturübergreifenden Abendessen, bei dem die Partnerin des muslimischen Gastes mit den Nudeln kämpft, die sie durch ihren Gesichtsschleier zum Mund führen muss. Trotz aller Bemühung um politische Korrektheit weist dieses kulturübergreifende Abendessen Probleme auf.

Tom Holloway ist Theater- und Drehbuchautor. Viele seiner Theaterstücke wurden international ausgezeichnet. Im Tiefgründigen Gespräch über Die sieben Autorinnen und Autoren Mozart (KV 375) entwickelt er schräwaren eingeladen, sich von Mozarts Divertimenti inspirieren zu lassen und Bühnentexte in kleiner Form – SUMMARY eben als Dramolett – zu schreiben. So begegneten sich eng beschriebene For this project, seven writers have each chosen one of Mozart’s wind divertimenti Notenblätter mit Divertimenti von as inspiration for a playlet. Rolando Villazón (stage director) and Reginaldo OliMozart und unbeschriebene Seiten für veira (choreographer) will stage these with the acting and dance ensemble of neue Texte der mexikanisch-kanadi- the Salzburg Landestheater, music from the respective works providing the schen Autorin Martha Bátiz, des deut- connecting theme. (My) love in (your) hands (K 388), by Mexican-Canadian schen Dramatikers John von Düffel, Martha Bátiz, is a gripping psychological thriller around a couple whose relationdes australischen Theaterautors Tom ship is shaped by dependence, fanaticism, vengeance and violence. In ApartHolloway, des israelischen Autors ment 388 (K 388) by German dramaturg John von Düffel, Elisa is standing in Shlomo Moskovitz, der mexikanischen for Gina; a voice observing Elisa via a camera contacts her about the service Dichterin Guadalupe Nettel, des fran- booked … In his Profound conversation about Mozart (K 375), Australian zösisch-belgischen Dramatikers und script-writer Tom Holloway develops skewed, almost absurd dialogues and Filmregisseurs Éric-Emmanuel Schmitt situations with clown-like elements. Shlomo Moskowitz’s Veil (K 251) shows sowie des mexikanischen Literaturre- an dinner scene. A Muslim guest struggles to eat pasta through her veil; the multi-cultural dinner raises problems, and leads to a surprising revelation. formers Jorge Volpi. Mexican-born Guadalupe Nettel’s The voice of the wind (K 253) brings Die preisgekrönte Autorin Martha Bátiz together a young and an old woman, who reflect poetically and philosophically entwickelt mit (My) Love in (Your) on the wind, the breath of the Earth. Francophone novelist Éric-Emmanuel Hands (KV 388) einen packenden Schmitt tells of a young woman whose ad with a dating agency reads simply Psychothriller zwischen einem Paar, I like Mozart (K 523); diverse unsuitable men puzzle over it... Mexican Jorge dessen Verhältnis von Abhängigkeit, Volpi takes the Mozart family a generation further; in A new Wolfi (K 251), Fanatismus, Rachegelüsten und Gewalt Nannerl’s son has piano lessons with grandfather Leopold – a prodigy in the making? geprägt ist.


MO 27. JÄNNER 19.30 UHR #18 DO 30. JÄNNER 19.30 UHR #31 SO 02. FEBRUAR 15.00 UHR #45 Salzburger Landestheater

Sieben Theaterstücke nach Musik von Mozart von Martha Bátiz, John von Düffel, Tom Holloway, Shlomo Moskovitz, Guadalupe Nettel, Jorge Volpi, Éric-Emmanuel Schmitt Eine Koproduktion der Stiftung Mozarteum Salzburg mit dem Salzburger Landestheater

Guadalupe Nettel ist Preisträgerin internationaler Literaturauszeichnungen, ihre Werke wurden in mehr als zehn Sprachen übersetzt. In La voz del viento (KV 253) begegnen sich eine junge und eine alte Frau in ihren Betrachtungen über den Wind. Eine Geschichte voll Lebensweisheit und Poesie. Der Romancier, Dramatiker und Filmregisseur Éric-Emmanuel Schmitt wurde als Theaterautor mit seinem Stück Le Visiteur bekannt, für das er den Molière-Preis erhielt. Eine junge Frau gibt bei einer Partnervermittlungsagen-

tur eine ungewöhnliche, sehr kurze Anzeige auf. Darin steht nur der Satz Ich mag Mozart (KV 253). Unterschiedliche Männer spekulieren, welcher Typ von Frau sich hinter dem rätselhaften Steckbrief verbirgt. Das bisher bekannteste Werk von Jorge Volpi ist der Roman Das Klingsor-Paradox. Mit Ein neuer Wolfi (KV 251) erzählt er die fiktive Geschichte von der nächsten Generation Mozart: Der Sohn von Wolfgangs Schwester Maria Anna, „Nannerl“, soll ein neues Wunderkind werden.

„Die ganze Welt ist Bühne“, heißt es schon bei Shakespeare – und das gilt auch für Mozarts Musik: Selbst wenn sie nicht unmittelbar für das Theater erfunden sein mag, entfesselt sie szenische Kräfte. Das zeigt sich auch in der Vorbereitungsphase zu Mozart Moves! Sieben Dramolette für die Mozartwoche 2020; von li. nach re.: Reginaldo Oliveira, Christina Piegger und Rolando Villazón auf der Bühne des Salzburger Landestheaters

MOZART MOVES!

© Andreas Hechenberger

MOZART MOVES! SIEBEN DRAMOLETTE ROLANDO VILLAZÓN REGIE CHRISTINA PIEGGER CO-REGIE REGINALDO OLIVEIRA CHOREOGRAPHIE EVA MUSIL BÜHNE, KOSTÜME SCHAUSPIELER UND TÄNZER DES SALZBURGER LANDESTHEATERS MITGLIEDER DES MOZARTEUMORCHESTERS SALZBURG FRIEDERIKE BERNAU DRAMATURGIE

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MAESTRA DI CAPPELLA

Zwei Dinge hat Christina Pluhar vor, wenn sie jetzt nach Salzburg kommt. Nein, drei: Einerseits stellt sie ihr fabelhaftes Ensemble L’Arpeggiata vor. Andererseits wird sie mit Mozarts Vesperae solennes de Confessore KV 339 ein „liturgisches Abendgebet“ anstimmen und mit Mozarts Bearbeitung von Händels Ode auf St. Caecilia KV 592 der Schutzpatronin der Musik huldigen.

»EIN WERK, DURCH MOZARTS OHREN UND SEIN GENIE NEU GEFORMT«

CHRISTINA PLUHAR IM GESPRÄCH mit Teresa Pieschacón Raphael

CHRISTINA PLUHAR

Am 28. Jänner 2020 werden Sie zum ersten Mal mit L’Arpeggiata bei der Mozartwoche zu hören sein. Wie kam es zu dieser Einladung? Ich hatte das große Glück, 2016 beim Musikfest Bremen und 2017 in Budapest Monteverdis Orfeo mit Rolando Villazón in der Titelrolle mit meinem Ensemble L’Arpeggiata aufführen zu dürfen. Seitdem verbindet uns eine wunderbare musikalische Freundschaft. Im Mai 2020 gehen wir mit Monteverdis Orfeo auf Tournee, die uns unter anderem in das Konzerthaus Wien und in den Musikverein Graz bringen wird. Als mich Rolando Villazón eingeladen hat, im Jänner 2020 mit L’Arpeggiata bei der Mozartwoche aufzutreten, habe ich äußerst erfreut zugestimmt.

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Sie sich für diese Werke entschieden? Diese wunderschönen Werke wurden mir von Rolando Villazón vorgeschlagen. Ich habe sofort freudig angenommen, weil ich diese Musik liebe und sehr spannend finde. Ich erlebe Rolando Villazón als ganz besonders umsichtigen und inspirierten Intendanten, der seine Programme genau plant, die Künstler bewusst aussucht und einen Gesamtplan für sein Festival entwirft, wie ich das bislang in dieser Form bei keinem anderen Festival erlebt habe. Gleichzeitig sucht er auch den künstlerischen Dialog, den ich als äußerst inspirierend empfinde. Ich freue mich wirklich sehr, auch auf meine Zusammenarbeit mit den wunderbaren Sängern Julia Lezhneva, Benedetta Mazzucato, Topi Lehtipuu und Dingle YanBei der Mozartwoche 2020 werden Sie dell. Mozarts „Vesperae solennes de Confessore“ KV 339 und Händels „Ode Wie ist der Titel „Vesperae solennes auf St. Caecilia“ in der Bearbeitung de Confessore“ zu verstehen? Der Navon Mozart aufführen. Warum haben me de Confessore weist darauf hin,

dass die Vesperae für den liturgischen Festtag eines „heiligen Bekenners“ verfasst wurden, eines Menschen, der sich in der Zeit der Christenverfolgung zum christlichen Glauben bekannte und dafür Folter, Verfolgung oder Vertreibung erdulden musste. Einer der bekannten „heiligen Bekenner“ war der Kirchenvater Hieronymus. Später wurden auch Bischöfe, Päpste, Könige und Einsiedler als „heilige Bekenner“ verehrt, sofern sie ein solches Leben führten. Solennes bedeutet „feierlich“ und weist im 18. Jahrhundert meist auf eine festliche Orchesterbesetzung mit Trompeten und Pauken hin. Die „Vesperae solennes de Confessore“ KV 339 bestehen aus sechs Sätzen. Können Sie das Werk beschreiben? Die „Vesperae“ wurde 1780 von Mozart gegen Ende seiner Tätigkeit als Hoforganist des Fürsterzbischofs Colloredo in Salzburg komponiert. Sie


Š Marco Borggreve


© Emil-Matveev

DI 28. JÄNNER 19.30 UHR #21 Stiftung Mozarteum, Großer Saal L’ARPEGGIATA BACHCHOR SALZBURG CHRISTINA PLUHAR DIRIGENTIN JULIA LEZHNEVA SOPRAN BENEDETTA MAZZUCATO ALT TOPI LEHTIPUU TENOR DINGLE YANDELL BASS Mozart Vesperae solennes de Confessore für Soli, gemischten Chor, Orchester und Orgel KV 339 „Ode auf St. Caecilia“ von Georg Friedrich Händel (HWV 76), bearbeitet von Mozart KV 592 Einführungsgespräch um 18.30 Uhr

Bei der Mozartwoche 2020 mit Christina Pluhar, ihrem Ensemble L’Arpeggiata und dem Bachchor Salzburg zu Gast: die Solistinnen und Solisten Julia Lezhneva (Sopran), Benedetta Mazzucato (Alt), Topi Lehtipuu (Tenor), Dingle Yandell (Bass) (von li. nach re.) Bild oben: Heilige Cäcilia, Patronin der Sänger und Musiker (Kirchenglasfenster Kokomo/USA)

folgt der katholischen Liturgie einer Vesper – dem liturgischen Abendgebet im Christentum – und umfasst sechs Sätze, darunter fünf Psalmen aus dem Alten Testament: Dixit (Psalm 110), Confitebor (Psalm 111), Beatus vir (Psalm 112), Laudate pueri (Psalm 113), Laudate Dominum (Psalm 117) sowie das Magnificat aus dem Lukas-Evangelium. Vespervertonungen waren seit dem 17. Jahrhundert in der Regel so angeordnet, wobei die Anzahl der Psalmen vom ,Typus‘ der Vesper abhing. Die Psalmen und Hymnen des Vespergebetes haben wegen ihrer poetischen, wortmalerischen und dramatischen Texte zahlreiche Komponisten inspiriert, von Claudio Monteverdi, Alessandro Scarlatti, Antonio Vivaldi, Georg Friedrich Händel bis hin zu Anton Bruckner und Rachmaninoff. Der hochdramatische Psalm 110 Dixit Dominus ist einer der meistvertonten Psalmen in der Musikgeschichte. Das Buch der Psalmen gehört im Alten Testament zur Weisheitsliteratur. König David soll viele Psalmen gedichtet haben. 1781 kam es zum endgültigen Bruch zwischen Mozart und dem Fürsterzbischof Colloredo. Wie kam es dazu? Hieronymus Franz de Paula Josef Graf Colloredo von Waldsee und Mels war der letzte regierende Fürsterzbischof des Fürsterzbistums Salzburg, ein Vertreter der katholischen Aufklärung. Im Zeitalter der Aufklärung wurden von Kaiserin Maria Theresia sowie ihrem Sohn Joseph II. umfangreiche Reformen durchgeführt, die auch die Allmacht des Papstes einschränkten. 1774 wurde die Schulpflicht eingeführt und das Bildungswesen neu geordnet, Folter- und Hexenprozesse wurden abgeschafft. Mit dem Toleranzpatent von 1781/82 wurden Nichtkatholiken private Religionsausübung und bürgerliche Rechte zugestanden. Graf Colloredo wurde 1772 zum Fürsterzbischof von Salzburg gewählt, wenngleich die Salzburger Bevölkerung mit dieser Wahl nicht einverstanden war und seinen feierlichen Einzug in Salzburg boykottierte. Während seiner Amtszeit griff Colloredo in zahlreiche religiöse und nichtreligiöse Bräuche ein. Er schloss Klöster, verbat Sonnwendfeuer und Wetterläuten, die Speisenweihe, das Abschießen von Böllern bei Prozessionen sowie die Eselsritte am Palmsonntag. Er kritisierte die traditionellen Passionsspiele, untersagte Kirchenkrippen und er erhöhte die Steuern. „Unser Fürst von Colloredo hat weder Gloria noch Credo“, spottete das Volk… Ja. Es verstand seine Reformen nicht. Colloredo reformierte auch die katholische Liturgie, die Kirchenmusik und wollte den deutschen Gesang in

CHRISTINA PLUHAR

SUMMARY

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Harpist and lutenist Christina Pluhar often mixes early music with jazz, and performances with her ensemble L’Arpeggiata always offer innovative and creative interpretations. The two works in this year’s programme illustrate very different phases in Mozart’s life. The Vesperae K 339 (1780) offer an insight not only into the practice of sacred music in Salzburg at the time, but also into his controversial period as court concert-master under Prince-Archbishop Colloredo. In 1781, Mozart moved to Vienna, where in 1790 he arranged Handel’s Ode for St. Cecilia’s Day, a glorification of the patron saint of music in seven movements.


© Monika Rittershaus

Wie kam es dann zum berühmten Fußtritt durch Graf Arco? Der Gewaltausbruch von Colloredos Oberstküchenmeister Graf Arco kam nicht aus heiterem Himmel, sondern war der Höhepunkt eines langen Konflikts. Graf Arco war für die Disziplin der Hofbediensteten zuständig und Mozart ihm direkt unterstellt. Doch Mozart strebte nach Unabhängigkeit und künstlerischer Selbstbestimmung. Colloredo verbat ihm während eines ,Staatsbesuchs‘ in Wien jedwede Nebenbeschäftigung. Im Mai 1781 kam es zu einem heftigen Wortwechsel zwischen Colloredo und dem „elenden Lump von Komponist“, wonach Mozart empört sein Entlassungsgesuch einreichte, auf welches sein Dienstherr jedoch nicht reagierte. Am 8. Juni 1781 verlor der Graf seine Beherrschung und verpasste Mozart einen Tritt in den Allerwertesten, „da schmeist er mich zur thüre hinaus, und giebt mir einen tritt im hintern“, wie Mozart seinem Vater schrieb. Mozart blieb daraufhin in Wien. Wie war das Verhältnis des jungen Mozart zum Christentum? Mozart kam

bereits in seiner Jugend mit freimaurerischem Gedankengut in Berührung, komponierte im Alter von 16 Jahren den Lobgesang auf die feyerliche Johannisloge. Nach seinem endgültigen Bruch mit Colloredo 1781 und seinem Weggang aus Salzburg wandte Mozart sich in Wien aus Überzeugung dem freimaurerischen Gedankengut zu. Die Freimaurerei spielte im Wiener Geistesleben des späten 18. Jahrhunderts eine große Rolle. Mozart wurde 1784 in die Loge „Zur Wohltätigkeit“ aufgenommen und wechselte 1785 in die Loge zur „Wahren Eintracht“, wo er im selben Jahr den Grad eines Meisters erreichte. Die Zauberflöte gilt ja als Versinnbildlichung der freimaurerischen Humanitätsidee. Mozarts Solokantate Die ihr des unermesslichen Weltalls Schöpfer ehrt KV 619 basiert auf einem Text des Autors Ziegenhagen, der in einem Manifest für die „Abschaffung der religionum“ plädierte. Ich denke, hier manifestiert sich eine Glaubenshaltung Mozarts, die von streng katholisch-konfessioneller Ausrichtung beträchtlich abweicht.

sikliebender Adeliger um Gottfried van Swieten beauftragte Mozart mit der Bearbeitung von Händels Kompositionen. 1789 wird er Händels Messias bearbeiten, 1790 das Alexanderfest und die Cäcilien-Ode, ...

… Eine siebenteilige Lobpreisung auf die Macht der Musik. Händel komponierte sie 1739. Mozarts Bearbeitung entstand 51 Jahre später. Wie macht sich das bemerkbar? Zwischen diesen beiden Musikergenerationen geschah einer der großen Umbrüche der Musikgeschichte. Vom Barock über Rokoko zur Klassik. Mozarts Bearbeitungen zeugen von einem neuen Musikgeschmack und sind aufführungspraktisch von höchstem Interesse. Er war nicht an einer historisch informierten Interpretation von Händels Werken interessiert, sondern gestaltete sie nach seinem Geschmack und dem Geschmack der Zeit. Mozart erschuf somit ein Werk, welches auf einer barocken Komposition basiert, aber durch seine Ohren und sein Genie neu geformt wurde. Er setzte zusätzliche Holz- und Blechbläser ein und passte Zu Händels Ode auf St. Caecilia Arien für die Sänger seiner Zeit an. HWV 76: Wie ist Mozart in Kontakt Seine Bearbeitung finde ich äußerst mit Händels Musik gekommen? Mozart inspirierend und wunderschön. beschäftigte sich seit 1782 mit den Werken barocker Komponisten und Welche Erinnerungen verbinden Sie hat Händel sehr verehrt. Über Gott- mit Salzburg? Meine Mitwirkung als fried van Swieten, den Sohn des Leib- Musikerin in einem unvergesslichen arztes der Kaiserin Maria Theresia, be- Konzert mit Händels Alexander’s Feast kam er in Wien Zugang zu den Parti- zusammen mit dem Mozarteumorchesturen von Johann Sebastian Bach und ter unter der Leitung meines LiebGeorg Friedrich Händel. Van Swieten lingsdirigenten Ivor Bolton, mit dem war nämlich Diplomat und Hofbiblio- ich das Glück hatte, vor Gründung thekar und besaß eine hervorragende meines Ensembles L’Arpeggiata viel zuprivate Musikbibliothek. Durch die Re- sammen arbeiten zu dürfen. Ich freue formen der Aufklärung unter Joseph II. mich wirklich sehr, kommenden Jänkam die Kirchenmusik fast zum Erlie- ner wieder nach Salzburg zu kommen gen. Aus diesem Grund verlagerte sich und bei der Mozartwoche 2020 mein die Aufführung kirchlicher Werke auf Ensemble L’Arpeggiata vorstellen zu private Veranstaltungen. Ein Kreis mu- dürfen.

CHRISTINA PLUHAR

die Messe einführen. Er selbst war ein guter Geiger und liebte Musik. Seine Reformen zogen Wissenschaftler, Musiker und Schriftsteller nach Salzburg. Wolfgang Amadé Mozart, den Colloredo verehrte, beförderte er vom Violinisten zum Konzertmeister der Salzburger Hofkapelle. Mozart versuchte immer wieder, dem engen Reglement der Salzburger Dienste zu entkommen, was wiederholt zu Konflikten mit Colloredo führte. Nach mehrfacher erfolgloser Bitte um Urlaub bat Mozart 1777 schließlich erstmals um Entlassung, kehrte aber 1779 widerwillig nach Salzburg zurück. Das aber ging nur 20 Monate lang gut.

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© Birgitta Kowsky


„ICH HABE EINE ALTE ITALIENISCHE SEELE“ Sir András Schiff – eine Begegnung im Zeichen von Mozart. Über die Unverzichtbarkeit der Hierarchie in der Musik, den todtraurigen Witz des „Figaro“, und warum Mozarts Porträt die EU-Flagge zieren sollte.

»BEI KEINEM ANDEREN KOMPONISTEN IST DER GOLDENE MITTELWEG SO SCHMAL«

SIR ANDRÁS SCHIFF IM GESPRÄCH mit Monika Mertl

Was den Pianisten András Schiff so unvergleichlich macht – das Ausmaß von Freiheit und purer Freude am Musizieren – zeichnet auch das Zusammenspiel mit „seiner“ Cappella aus: ein selbstverständliches Miteinander ohne erkennbare Anstrengung, ein fragloses Einvernehmen. Wie kommt das zustande? Das ist schön, wenn dieser Eindruck entsteht. Dahinter stecken natürlich viel Arbeit und eine sehr lange Zeit-

spanne. Es war aber von Anfang an ein Ensemble mit ausgesuchten Musikern. Das Menschliche spielt eine große Rolle. Und wir achten darauf, dass wir nie in Routine verfallen. Alle freuen sich wie Kinder, wenn wir uns zu einer Arbeitsphase treffen, so bleibt es frisch. Meist sind es nur zwei Perioden im Jahr, um die Mozartwoche im Jänner und Ende April, Anfang Mai in Vicenza, zu unserem Festival im Teatro Olimpico.

das möchte ich gerne ganz bewusst pflegen.

Die kleine Legende um den Namenspatron der Cappella ist ja nicht schwer zu entschlüsseln. In welchem Verhältnis stehen András Schiff und Andrea Barca zueinander? Sind das Brüder im Geiste wie Eusebius und Florestan, oder streiten die manchmal auch? Nein, nein, die ergänzen sich. In jedem von uns gibt es doch diese SpalWie lässt sich die Cappella Andrea Bar- tung, in das Männliche und das Weibca stilistisch einordnen? Sie haben bei liche, das Lyrische und das Dramatiden Streichern wienerische Urgestei- sche. ne, zum Beispiel den Konzertmeister des Concentus Musicus, aber eine fran- Andrea Barca ist Ihr Alter Ego im 18. Jahrhundert, mit Hauptwohnsitz zösische Oboe! Unser Stil ist mitteleuropäisch-kosmo- Florenz? politisch, musikantisch – und kammer- Florenz ist die Stadt, die mich am meismusikalisch, das bedeutet: immer auf- ten inspiriert, trotz aller Probleme und einander hören, ein Geben und Neh- des Chaos, das es dort gibt. Ich habe men. Wir haben ein großes Vorbild: eine sehr alte italienische Seele und Sándor Végh. Ich hatte noch das Glück, eine große Nostalgie für diese Zeit, für sehr viel mit ihm zu arbeiten, und ihre Kunst. Für die Musik war es eine viele meiner Streicher sind Végh- große, goldene Zeit, mit Bach als VaSchüler. Sein Geist wirkt bei uns weiter, terfigur. Wenn ich denke, was sich dann

SIR ANDRáS SCHIFF: LE NOZZE DI FIGARO

Bei der vergangenen Mozartwoche feierte die Cappella Andrea Barca ihr zwanzigjähriges Bestehen und wurde mit der Goldenen Mozart-Medaille der Stiftung Mozarteum Salzburg geehrt. Im Jänner 2020 startet die verschworene Musikantentruppe mit ihrem Gründer, Sir András Schiff, den Zyklus von Mozarts Da Ponte-Opern in der Felsenreitschule; in der Reihenfolge ihrer Entstehung, beginnend also mit „Le nozze di Figaro“, der Form nach konzertant, jedoch szenisch arrangiert von Rolando Villazón.

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© Gisela Schenker

© Lukas Beck

FR 24. JÄNNER 19.30 UHR #06 SO 26. JÄNNER 15.00 UHR #13 Felsenreitschule OPER KONZERTANT LE NOZZE DI FIGARO CAPPELLA ANDREA BARCA ARNOLD SCHOENBERG CHOR DIRIGENT SIR ANDRÁS SCHIFF CONTINUO ROLANDO VILLAZÓN SZENISCHE EINRICHTUNG DAVY CUNNINGHAM LICHT

SIR ANDRáS SCHIFF: LE NOZZE DI FIGARO

FLORIAN BOESCH CONTE DI ALMAVIVA (BARITON) CHRISTIANE KARG CONTESSA DI ALMAVIVA (SOPRAN) REGULA MÜHLEMANN SUSANNA (SOPRAN) JULIEN VAN MELLAERTS FIGARO (BARITON) ANGELA BROWER CHERUBINO (MEZZOSOPRAN) MARIE MCLAUGHLIN MARCELLINA (SOPRAN) ANGELO POLLAK DON BASILIO, DON CURZIO (TENOR) MAURIZIO MURARO DON BARTOLO, ANTONIO (BASS) JULIA LEZHNEVA BARBARINA (SOPRAN)

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Auf dem Schloss des Grafen Almaviva soll die Hochzeit seines Dieners Figaro mit der Zofe Susanna gefeiert werden. Der Graf hat auf das ihm zustehende „jus primae noctis“ verzichtet, was ihm aber angesichts der bildhübschen Braut schon wieder leid tut. Die Gräfin ist unglücklich, Figaro eifersüchtig. Am Ende des turbulenten Geschehens, nach einer Reihe von Intrigen, Verwicklungen und komischen Situationen, können Figaro und Susanne endlich ihr junges Glück genießen. Von li. nach re.:Die Sopranistinnen Christiane Karg (Contessa di Almaviva) und Regula Mühlemann (Susanna) sowie die Baritone Florian Boesch (Conte di Almaviva) und Julien Van Mellaerts (Figaro).

Mozart „Le nozze di Figaro“ KV 492

SUMMARY

Einführungsgespräche um 18.30 (24.1.) und 14.00 (26.1.)

At the 2020 Mozart Week, Sir András Schiff will conduct Le nozze di Figaro from the fortepiano (though not Mozart’s Walter instrument, which is pitched too low). He sees the work as socio-critical, and the hierarchy within the class society as central to the production, which thus does not lend itself to a modern setting. Here, in contrast to Così, it is the women (highly differentiated in the music) who pull the strings. Mozart allows little leeway in the choice of tempi, expression, phrasing and dynamics, and the new experience of conducting in the Felsenreitschule will involve a learning process – starting with the tempo for the overture. The music is full of esprit, but always with serious undertones; its character can change in a moment, resulting in a fusion of comic, tragic and lyrical elements found otherwise perhaps only in Shakespeare. Schiff intends to include the two Act 4 arias often omitted (Basilio and Marcellina), as crucial for the psychology of the characters – and because he has a cast of wonderful singers. The most topical of the Da Ponte operas, Figaro reflects society in an unstable world prior to the French Revolution, through the eyes of the cosmopolitan Mozart.


Sie leiten die Aufführung vom Hammerklavier aus. Bietet sich dafür nicht Mozarts Walter-Flügel aus der Sammlung der Stiftung an?

Der Walter-Flügel ist dafür zu tief. Wir spielen natürlich historisch informiert, aber auf einer modernen Stimmung, 442 Hertz. Ich brauche ein Fortepiano auf dieser Stimmung.

heißen, dass alle Menschen gleich sind. Alle Menschen sind gleichberechtigt – aber grundverschieden! In Mozarts Musik gibt es schließlich auch eine Hierarchie, nämlich zwischen den Tönen, und da akzeptiere ich keiWorum geht es im „Figaro“? Ist es ein ne Demokratie, weil manche Töne einpolitisches Stück oder handelt es vom fach wichtiger sind als andere! Verhältnis der Geschlechter und der Ist „Figaro“ eine Oper der Frauen, Unberechenbarkeit der Gefühle? Als politisches Stück sehe ich das weil sie, im Gegensatz zu „Così“, hier nicht, aber es ist absolut gesellschafts- die Intrige spinnen, insbesondere Sukritisch, schon durch die Vorlage von sanna? Beaumarchais, aber auch bei Mozart: Ja, ich sehe Susanna durchaus als zenDiese Klassen, diese Gesellschafts- trale Figur, sie ist sehr vielschichtig. schichten, Graf und Gräfin, die Die- Ich bin sowieso ein großer Feminist, nerschaft, wie sie miteinander kom- das sage ich jetzt nicht aus politischer munizieren, das ist total wichtig. Ich Korrektheit. Es ist spannend, wie difhabe viele, auch moderne Produktio- ferenziert Mozart die Frauen in „Le nen gesehen, wo diese Hierarchie nicht nozze di Figaro“ gestaltet, dass die Gräbeachtet wurde, und das hat mich sehr fin stellenweise eine tragische Figur ist, gestört. In diesem Punkt sind wir uns und am Ende steht die Versöhnung … mit Rolando total einig, auch hinsicht- Was mich am meisten berührt, sind diese Ensembles – das ist reinste lich der szenischen Einrichtung. Kammermusik! Und das Stück hat ein Sind die Hierarchien nicht am Zer- irrsinniges Crescendo vom Anfang bis brechen oder stark verwischt? Susan- zum Schluss. na ist mehr Freundin als Dienerin der Gräfin, die Gräfin selbst ist von ihrer Aber das „Perdono“ des Grafen bezieht sich ja nur auf die Zeit bis zum Herkunft keine Adelige … Deswegen kam es zur Revolution und nächsten Mal! Er ist doch der Typ, deswegen bleibt das Thema immer ak- der sich entschuldigt und gleich dartuell. Ich tue mir sehr schwer mit der auf hingeht und es wieder tut. TrotzVorstellung, diese Verhältnisse ins dem ist er auch sympathisch und kann Heute zu übersetzen. Die Idee von „li- einem sogar leid tun, bei der Arie berté, égalité, fraternité“ kann nicht „Aprite un po“ …

SIR ANDRáS SCHIFF: LE NOZZE DI FIGARO

Bedeutet die Aufführung der Da PonteOpern nach zwanzig Jahren mit der Cappella Andrea Barca so etwas wie die Krönung Ihrer gemeinsamen Arbeit? Ja. Ich habe bis jetzt erst eine Opernproduktion geleitet, ausgerechnet „Così fan tutte“, im Jahr 2000 in Vicenza. Das war ein großes Erlebnis und ich wollte natürlich auch die beiden anderen Da Ponte-Opern machen. Ich habe immer wieder angefangen zu planen, aber es ist jedes Mal ins Wasser gefallen. Ich konnte das organisatorisch nicht bewältigen, dazu hatte ich nicht die Zeit und auch nicht die Kraft. Jetzt kam aus heiterem Himmel Rolando Villazón und schlug mir zu meiner Überraschung dieses Projekt vor! Dass es in der Partnerschaft mit der Mozartwoche möglich wird, ist die größte Freude für mich!

© Lukas Beck

© Guido Werner

in Wien mit Haydn, Mozart, Beethoven und Schubert abspielte, bekomme ich eine Gänsehaut; das ist einmalig und unglaublich! Die historischen Orte existieren noch. Was einmal erklungen ist, ist hier gespeichert und resoniert, das kann man spüren, wenn man die richtigen Antennen hat.

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Es ist schwer, das würdig und mit Maß zu gestalten. Das gilt überhaupt für Mozart: Es gibt bei ihm keine clemenza mit den Interpreten. Bei keinem anderen Komponisten ist der goldene Mittelweg so schmal! Das muss man genau treffen: mit Tempo, Ausdruck, Tonfall, Dynamik, Artikulation, Phrasierung. Bei Haydn, Beethoven oder auch Bach gibt es hunderte Möglichkeiten, bei Mozart immer nur sehr wenige. Das kann man schwer erklären, aber wenn das Tempo nur ein bisschen daneben ist, fühlt man auch als Zuhörer, dass da etwas nicht stimmt. Kann man das als Interpret lernen, das Erfassen dieses Mittelwegs? Man kann aus Erfahrung viel lernen, aber wer von Natur aus kein Gefühl für Mozart hat, wird es nicht bekommen. Ich lerne jeden Tag dazu. Wie werden wir uns zum Beispiel in der Felsenreitschule einrichten, wo ich noch nie dirigiert habe? Wie werden wir dort mit der Dynamik umgehen, wie werden wir die Tempi nehmen? Das wird ein Lernprozess sein! Ich unterrichte jetzt sehr viel und sehr gern, ich erlebe oft, dass die jungen Leute irrsinnige Tempi nehmen, weil sie nicht daran denken, dass das in der 20. oder 30. Reihe noch ankommen muss. Es gibt auch das Gegenteil, extreme Langsamkeit, die manche

© Emil Matveev

© Final Note Magazine

© Birgit Hart

SIR ANDRáS SCHIFF: LE NOZZE DI FIGARO

Weitere Personen in „Le nozze di Figaro“ sind der Page Cherubino – Angela Brower, Mezzosopran –, der für alle Mädchen schwärmt und die Gräfin anbetet; Marcellina – Marie McLaughlin, Sopran –, der Figaro gegen ein Darlehen die Ehe versprochen haben soll und die sich schließlich als seine Mutter herausstellt. Barbarina ist Julia Lezhneva, Sopran, und den intriganten Musikmeister Basilio sowie Don Curzio singt Angelo Pollak, Tenor; Maurizio Muraro, Bass, verkörpert Don Bartolo und Antonio (von li. nach re.).

Interpreten mit Tiefsinn verwechseln. Mozart schreibt aber nur sehr selten Adagio oder Largo vor, und sehr oft Andante oder Allegretto. Was Mozarts Tempi betrifft, war meine Beschäftigung mit dem Walter-Flügel sehr wichtig, der war ein Lehrmeister für mich; er klingt nämlich nicht, wenn das Tempo nicht stimmt. Zu diesem Thema drängt sich beim „Figaro“ natürlich die Frage auf: Wie musiziert man die Ouvertüre? Nikolaus Harnoncourt hat sie sehr langsam genommen. Im Prinzip hatte er recht, denn sie ist in Achtelnoten notiert, nicht in Sechzehntel oder in Zweiunddreißigstel. Natürlich ist das Presto und eine wirbelnde Musik, die sich auf den Inhalt bezieht: „La folle journée“. Aber das darf nicht extrem werden. Wie witzig muss denn eine „Figaro“Aufführung sein? Das Stück hat ja eine starke Buffa-Mechanik, der die großen kontemplativen Arien entgegengesetzt sind. Die Musik hat viel Witz und Esprit, aber keinen Humor im Sinne von Haydn oder Beethoven. „Figaro“ ist ein Januskopf, er lacht und weint zugleich, auch der Witz ist ernst, todernst. Vor allem im Finale schwingt eine Traurigkeit mit; das ist später in „Così“ noch stärker ausgeprägt und


so tolle Besetzung, die Leute sollen gewissermaßen das europäische Projekt. Wie sehen Sie die gegenwärtige mehr zu singen haben! politische Situation? Jede der drei Da Ponte-Opern hat ein Ich bin ein großer Optimist, aber die unverwechselbares Klangbild, obwohl Welt ist in einem katastrophalen Zudas Instrumentarium identisch ist. stand. Nicht gleichmäßig, aber manSie bilden ein Triptychon: Comédie – ches ist fürchterlich. Was in Ungarn Drama – Lyrik. Das hat eine Entspre- passiert, hat keine globalen Folgen, im chung in den drei letzten Sympho- Gegensatz zu dem, was in den USA nien: g-Moll bestimmt „Don Giovanni“, passiert. Trotzdem hat es eine Ausdas ist Burgunderrot, die Farbe von wirkung, weil diese Richtung immer Blut. „Così“ beginnt und endet in mehr Anhänger findet und immer C-Dur, aber das wird in die Bereiche mehr Länder erfasst. Mit Nationalisvon E-Dur und As-Dur ausgeweitet, mus kann ich nichts anfangen. Mozart Tonarten, die bei Mozart nur sehr sel- war Kosmopolit im damaligen Euroten vorkommen. Haydn geht manch- pa. Er hat in Salzburg und Wien gemal in für seine Zeit sehr gewagte lebt, aber was wäre er ohne Italien? Regionen wie es-Moll oder Fis-Dur. Diese Vielfalt von Kulturen, die er auf Mozart war ein pragmatischer Kom- seinen Reisen in sich aufgenommen ponist, der wollte, dass auch Amateu- hat … Schon Sándor Végh hat gemeint, re seine Werke spielen können. Des- auf der EU-Flagge sollte das Bild von halb ist der Klang von „Così“ so spe- Mozart sein! ziell und faszinierend, wobei die Farbe schwer zu bestimmen ist. Der „Fi- Also der Komponist der Stunde! garo“-Klang ist heller, die Ouvertüre Ja. Wobei, auch Bach, der nie aus steht in D-Dur. Für mich ist das eine Deutschland hinausgekommen ist, goldene Farbe, das hat auch etwas das Italienische auf musikalischem Französisches, etwas von Versailles. Es Gebiet beherrscht hat! – Das Schöne ist eine Welt vor der Revolution, aber an Europa ist, dass wir verschiedene sie ist nicht sehr stabil. Deshalb ist die- Nationen haben. Wir sind nicht die ses Stück zur Zeit vielleicht das ak- Vereinigten Staaten von Europa! Wie viele Regionen und Dialekte gibt es in tuellste von den dreien. Deutschland! Wie verschieden ist die Sie haben drei Staatsbürgerschaften, Architektur der italienischen Städte! die ungarische, die österreichische und Diese Vielfalt ist das Besondere an die britische. Damit verkörpern Sie Europa. Dafür müssen wir kämpfen!

SIR ANDRáS SCHIFF: LE NOZZE DI FIGARO

Dass „Figaro“ alles andere als eine Buffa ist, zeigt sich nicht zuletzt im 4. Akt, wo es fünf große Arien gibt; zwei davon werden fast immer gestrichen – die des Basilio, der die Vorzüge einer stinkenden Eselshaut preist, und die der Marcellina über die vorbildliche Eintracht zwischen Ziege und Ziegenbock … Ich denke, dass ich diese beiden Arien machen werde, denn sie sind sehr wichtig für die Psychologie dieser Figuren. Die Basilio-Arie ist in gewissem Sinn auch politisch, nach dem Motto: Wenn ich mir dieses Ding umhänge, kommt mir keiner zu nahe. So etwas machen Menschen ja ständig, sie tarnen sich und intrigieren, aber wo es um Zivilcourage geht, versagen sie. Und die Marcellina-Arie hat nicht zuletzt eine sehr schöne Musik. Ich habe eine

© Studio Volpe

© Jochen Quast

es gilt auch für „Don Giovanni“: Da gibt es keine Erlösung, niemand freut sich. Das Leben geht weiter – aber wie? Mit allen diesen Menschen ist etwas Entscheidendes geschehen. Das ist keine Buffa, kein Rossini! Mozart bringt so viele Dimensionen zusätzlich! Kein anderer Komponist kann so im Augenblick den Charakter wechseln wie er. In dieser Verquickung von komischen, tragischen und lyrischen Momenten ist er unerreichbar. Das findet man sonst vielleicht nur noch bei Shakespeare.

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DER ÜBERFLIEGER Lahav Shani ist derzeit erfolgreich wie kaum ein anderer. Frisch inthronisierter Chefdirigent des Philharmonischen Orchesters Rotterdam und designierter Nachfolger des legendären Zubin Mehta beim Israel Philharmonic Orchestra. Bei der Mozartwoche 2020 dirigiert und leitet er vom Klavier aus die Wiener Philharmoniker.

Teresa Pieschacón Raphael

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Die Karriere des israelischen Pianisten und Dirigenten verlief rasant. Aufmerksamkeit erregte er bereits 2013, als er beim Internationalen Gustav Mahler Wettbewerb in Bamberg den ersten Preis errang. Dann ging es Schlag auf Schlag – im wörtlichen Sinne. Nach einer Reihe von Auftritten mit den Wiener Symphonikern wurde er für die Spielzeit 2017/18 zu deren Ersten Gastdirigenten ernannt. © Marco Borggreve

LAHAV SHANI

Gleichzeitig am Pult und am Klavier: keine Seltenheit unter Musikern und Komponisten. Auch Mozart dirigierte vom Instrument aus, schrieb seine eigene Klavierstimme allerdings meist gar nicht nieder, da er sie ohnehin im Kopf hatte. Wie gut für den israelischen Pianisten und Dirigenten Lahav Shani, der bei der Mozartwoche 2020 unter anderem Mozarts letztes Klavierkonzert KV 595 spielen und dirigieren wird, dass die Kadenzen für dieses Konzert erhalten sind. „Es gibt Dinge, die einem das gleichzeitige Spielen und Dirigieren erleichtern“, sagt Lahav Shani selbstbewusst über seine musikalische Doppelfunktion. „Wie etwa, wenn ein Orchester sehr präzise ist und seine Musiker sensibel auf den Solisten reagieren.“ Mit Profis wie den Wiener Philharmonikern an seiner Seite kann Lahav Shani sein Debüt bei der Mozartwoche 2020 also gelassen angehen, auch wenn der Kopfsatz des Konzerts viel Konzentration abverlangt, vor allem im Dialog mit den Bläsern.


© Marco Borggreve

Lahav Shani, geboren 1989 in Tel Aviv, folgt 2020 als Chefdirigent des Israel Philharmonic Orchestra auf Zubin Mehta, die Rotterdamer Philharmoniker leitet er seit 2016. Zudem ist er seit Herbst 2017 Erster Gastdirigent der Wiener Symphoniker. Diesen jungen Maestro, dessen „weiche, fließende, elegante, fast tänzerische Schlagtechnik“ die Presse rühmt, sollte man nicht verpassen – Lahav Shani wird im zweiten Konzert der Wiener Philharmoniker bei der Mozartwoche 2020 als Dirigent und als Pianist zu erleben sein.

2018, mit nur 28 Jahren, wurde er zum Chefdirigenten des Philharmonischen Orchesters Rotterdam gewählt – als jüngster Chefdirigent in der Geschichte des Orchesters. Ab 2020/21 übernimmt Lahav Shani die künstlerische Leitung des legendären Israel Philharmonic Orchestra – in der Nachfolge von Zubin Mehta. Als wäre das nicht genug: er hat bereits das Los Angeles Philharmonic Orchestra dirigiert, das City of Birmingham Symphony Orchestra, die Staatskapelle Berlin und wird nun bei der Mozartwoche 2020 wieder am Pult der Wiener Philharmoniker stehen. Lahav Shani, Sohn eines Kantors aus Tel Aviv, kann seinen Erfolg sehr wohl fassen. „Die Grundlagen habe ich mir selbst geschaffen, das Glück kam dazu“, sagt er im Interview im Fachmagazin Concerti. „Es ergab sich organisch, und ich war sicher nicht faul“. Früh ahnte er wohl, dass „allein in die Hochschule zu gehen“, nicht ausreicht. Da lerne man „durchaus einiges, aber nicht das Wesentliche“, räumt er freimütig ein. Wesentlicher seien die Proben bei den großen Meistern, dort lerne man „das richtige Handwerkszeug, vor allem, wie man mit einem Orchester umgeht“. In diesem Fall erwies sich Daniel Barenboim in Berlin als Meister, als sein Mentor. Er lehrte ihn, wie „man mit 100 Musikern kommuniziert“. Gleichzeitig weiß Lahav Shani, dass man von ihm erwartet, „was man auch von einem älteren Dirigenten erwartet“, wie er im Radio-Interview unlängst sagte. „Nämlich, dass ich hundertprozentig vorbereitet bin. Bereits bei der ersten Probe muss ich genau wissen, was ich will und wie es sein muss. Da ist natürlich ein großer Druck.“ Den Einwand, er könne zu jung für das Dirigentenpult sein, weist er ab. „Im Gegenteil! Wir Musiker haben eine gemeinsame Sprache, und wenn man die versteht, warum sollte man zu jung sein? Ich fühle mich bei den

MI 29. JÄNNER 19.30 UHR #27 Großes Festspielhaus WIENER PHILHARMONIKER LAHAV SHANI DIRIGENT UND KLAVIER Mozart Konzert C-Dur für Flöte, Harfe und Orchester KV 299 Konzert B-Dur für Klavier und Orchester KV 595 Symphonie g-Moll KV 550 Einführungsgespräch um 18.30 Uhr Im Anschluss an das Konzert 22.00 UHR Stiftskulinarium St. Peter KULINARISCHES ERLEBNIS WIE ZU MOZARTS ZEIT KREIERT UND IM BEISEIN VON ALFONS SCHUHBECK

besten Orchestern vollkommen zu Hause.“ Die wichtigste Voraussetzung sei allerdings „eine gute Planung, möglichst zwei bis drei Jahre im Voraus“. Dazu zähle auch die Freizeit, die ebenso geplant werden muss. „Man braucht nämlich auch Zeit nach den Projekten – zum Vergessen. Den ‚loop‘ muss man loswerden. Dann ruhe ich mich schlicht auf dem Sofa aus, sehe fern, treffe Freunde“ – in Berlin, wo er derzeit wohnt.

Pianist-conductors are not a rarity; Mozart conducted his own works from the keyboard, though often without a score, which was in his head. The cadenzas for his last Piano Concerto K 595 have survived, and the work will be performed and conducted by Lahav Shani with the Vienna Philharmonic. Shani, who names Daniel Barenboim as his mentor, won the 2013 Gustav Mahler Conducting Competition, and after performances with the Vienna Symphony Orchestra, he was engaged as first guest conductor for the 2017/18 season. In 2018, aged only 28, he was appointed (youngest ever) principal conductor of the Rotterdam Philharmonic, and from 2020 he is to succeed Zubin Mehta as music director of the Israel Philharmonic Orchestra.

LAHAV SHANI

SUMMARY

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SO 02. FEBRUAR 18.00 UHR #47 Stiftung Mozarteum, Großer Saal KONZERT ZUM ABSCHLUSS DER MOZARTWOCHE 2020 MAHLER CHAMBER ORCHESTRA DANIEL HARDING DIRIGENT LOUISE ALDER SOPRAN ANDREAS OTTENSAMER KLARINETTE

© Gerard Colette

Mozart Symphonie A-Dur KV 201 Konzert A-Dur für Klarinette und Orchester KV 622 „Così fan tutte“ KV 588: Ouvertüre Arien für Sopran Symphonie D-Dur KV 504 „Prager Symphonie“


DIE BRITISCHE PAMINA Brexit? Nicht in Salzburg bei der Mozartwoche 2020. Die britische Sopranistin Louise Alder, die bei der Mozartwoche 2019 begeisterte, ist auch diesmal dabei.

Teresa Pieschacón Raphael

© Julian Hargreaves

Dass sie einmal Sängerin werden würde, überrascht die 32-jährige Londonerin bis heute, obwohl sie in einem Musikerhaushalt aufwuchs. Ihre Mutter war Geigerin in Glyndebourne. Ihr Vater sang im Chor der Oper, doch die Tochter, die Geige spielte, sollte nicht unbedingt Musikerin werden. „Sie wollten nicht, dass ich auf die Musikhochschule gehe“, sagt sie. „Ich war auch nicht gut genug auf der Geige.“ Doch irgendwann erkannte sie, dass sie eine Stimme hat. Heute bezeichnet sie sich als glückliche Spätentwicklerin. „Ich glaube, dass man bei der Sängerausbildung wirklich das Alter berücksichtigen muss. Man kann zwar einem jungen Menschen Atemkontrolle, Sprachen und musikalischen Ausdruck vermitteln. Aber es könnte gefährlich werden, ihm die klassische Stimmtechnik aufzuzwingen, da die Stimme sich noch sehr stark verändern kann.“ Außer-

dem brauche es Lebenserfahrungen, um Affekte wahrhaftig vermitteln zu können: „Eine Liebesbeziehung vielleicht, das Erlernen einer Sprache oder das Leben in einem anderen Land.“ Bei Louise Alder scheint sich all dies zu erfüllen. Seit der Saison 2014/15 ist sie Mitglied des Ensembles an der Oper Frankfurt. Mit ihrem Lebensgefährten lebt sie in Frankfurt und glänzte dort unter anderem als Despina in Così fan tutte und als Susanna in Le nozze di Figaro. „Englisch ist leider keine gute Opernsprache“, findet sie. „Die Vokale sind zu lang. Mir fällt es immer schwer, in meiner Muttersprache lyrisch zu singen. Jede andere Sprache ist besser.“ Wie gut, dass Mozart seine Opernarien in Deutsch und Italienisch komponierte! Unter Daniel Harding verbindet sich der Abschluss der Mozartwoche 2020 mit dem Programm des darauffolgenden Jahres, das sich auf Mozart als Musikdramatiker konzentriert: vorweggenommen von der Sopranistin Louise Alder (li.).

SUMMARY British soprano Louise Alder, born in London into a family of musicians, is glad that Mozart wrote his operas in German and Italian, since she finds English „not a good language for opera“, though she sings German better than she speaks it. Her performance of an aria from The Magic Flute at last year’s Mozartwoche („a voice with a ray of silver“, wrote a critic) brought her public acclaim as „a born Pamina“. A member of the Frankfurt Opera ensemble since 2014, she has won high praise for her Despina (Così) and Susanna (Figaro).

LOUISE ALDER

Derzeit kann sich die britische Sopranistin Louise Alder vor Komplimenten kaum retten. Als „strahlende Sängerin“ wird sie von der Financial Times gefeiert, als „eine geborene Schauspielerin“ vom Opera Magazine. 2017 wurde sie bei den „International Opera Awards“ als „Young Singer of the Year“ ausgezeichnet. Als sie bei der Mozartwoche 2019 die Arie der Pamina „Ach ich fühl’s“ aus der Zauberflöte mit „Silberstrahl in der Stimme“ sang, da fühlte es auch ihr Publikum: das ist die geborene Pamina!

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DAS HORN SINGEN

Mozarts Hornwerke begleiten Radek Baborák durch das Leben. Mit ihnen kommt er nun auch zur Mozartwoche 2020.

Rainer Lepuschitz

DAS HORN SINGEN: RADEK BABORáK

Die Prager liebten Mozarts Musik. Und Mozart liebte die Menschen in Böhmen, die ihm so viel Begeisterung entgegenbrachten, nicht nur für die Aufführungen seiner Opern Figaro und Titus im Hoftheater und von Instrumentalwerken in den Palais der Adeligen, sondern indem seine Musik auch in den Wirtshäusern und von Straßenmusikanten gespielt wurde. Mozart wäre wohl begeistert von Radek Baborák, einem tschechischen Hornisten, der bei der „Bläser-Mozartwoche“ 2020 alle Hornkonzerte Mozarts und dessen kammermusikalisches Juwel, das Hornquintett KV 407, spielen wird. Denn Baborák macht das, was Mozart auch in der Ausführung seiner Instrumentalmusik so wichtig, ja, entscheidend für ihn war: Der Hornist singt.

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(eigentlich Jan Václav Stich) und Antonio Rosetti (eigentlich Anton Rössler). „Für Stich Punto hat Mozart den Hornpart in seiner Sinfonia concertante für Bläser in Paris geschrieben“, so Baborák, „Stich Punto und Rosetti haben aber auch selbst Hornkonzerte verfasst.“

Mozarts Hornkonzerte sind für Radek Baborák „das Wichtigste, das für Hornisten in der Klassik komponiert wurde“. Drei vollständige Konzerte und fünf weitere, zum Teil Fragment gebliebene Konzertsätze sowie ein Quintett für Horn und Streicher sind überliefert. Wobei Baborák davon ausgeht, dass Mozart mindestens sieben Hornkonzerte konzipiert hat. Vielleicht tauchen „irgendwann noch irgendwo weitere Sätze auf“, wie Baborák auf eine Wie eine menschliche Stimme etwaige Vervollständigung der erhaltenen Einzelsätze zu weiteren, vollstänRadek Baborák ist in der tschechischen digen Hornkonzerten hofft. Hornschule mit dem Ideal aufgewachsen, das Horn wie eine menschliche Luftholen und dem Himmel danken Stimme zum Singen zu bringen. „Singen, singen, singen!“ Dieses Wort hör- Die meisten seiner Hornwerke schrieb te Radek Baborák von seinen ersten Mozart für Joseph Leitgeb, einen im Unterrichtsstunden an von seinem selben Jahr wie Joseph Haydn geboreLehrer, dieser wieder von seinem – nen Musiker, um ein Vierteljahrhunund so fort, bis zurück in das 18. Jahr- dert älter als Mozart. Der aus dem dahundert. „Die tschechische Horntra- maligen Wiener Vorort Neulerchenfeld dition wurde nie unterbrochen“, so stammende Leitgeb war nach einem Baborák. Es gab schon zu Mozarts Zeit kurzen Engagement in Esterházys Hofberühmte, europaweit erfolgreiche kapelle und Auftritten im Wiener HofVertreter dieser Tradition, allen vor- theater ab 1762 fast ein Jahrzehnt lang an zwei Musiker, die zwar italienische Hornist in der erzbischöflichen Kapel(Künstler-)Namen trugen, aber aus le Salzburg. Hier schloss er FreundBöhmen stammten: Giovanni Punto schaft mit Leopold Mozart. Wolfgang

Amadé lernte Joseph Leitgeb also als Kind kennen, später verkehrten sie als Musikerfreunde. In Wien komponierte Mozart dann auf Drängen des ebenfalls wieder in die Kaiserstadt zurückgekehrten Leitgeb seine Hornkonzerte. Kaum weniger berühmt als deren Musik sind die vielen scherzhaften handschriftlichen Eintragungen Mozarts in die Noten. Da bezeichnet er Leitgeb als „Signor Asino“, spricht ihm Mut („Corraggio!“) zu, stellt bei bestimmten Passagen aber auch Flüche und Schimpfworte dazu (die womöglich auf Grund von spieltechnisch großen Herausforderungen ausgestoßen werden sollten), fordert den Hornisten zum Luftholen („respira un poco“) und zum Weiterspielen („Avanti, avanti!“) auf und empfiehlt ihm am Ende, dem Himmel zu danken („grazia al ciel!“), wohl dafür, dass der Hornist den Solopart durchgestanden hat. Der spaßige und der verliebte Mozart Baborák: „Mozart war ein Spaßvogel. Und er hat alle Instrumente, für die er komponierte, selbst ausprobiert. Er konnte die Schwierigkeiten einschätzen, die Hornisten beim Spielen haben.“ So habe er eben diese Schwierigkeiten mit seinen witzigen Anmerkungen in den Noten für Leitgeb kommentiert. „Ich mag diese Eintragungen, auch wenn sie manchmal etwas derb sind“, findet Barborák an Mozarts keckem Umgangston mit dem um 25 Jahre älteren Hornisten nichts Ver-


© Lucie Cermáková

und im Finale die Jagdsignale erkennt. „Auch wenn wir heute nicht mehr zur Jagd in den Wald gehen, haben wir immer noch einen Sinn für diese uralten Jagdhornrufe.“ Das Legato kommt aus der Seele Radek Baborák spielt diese Signale und die Läufe in den schnellen Sätze mit einem durchgängigen Legato. Er singt immer. „Das kommt von der Natur und aus meiner Seele. Ich muss nicht darüber nachdenken.“ Von allem Anfang an lernte Radek Baborák, „in den Phrasierungen und im Klang die Kantabilität und auch das Vibrato zu suchen.“ Anders sei es im Orchester, so der Hornist, der nach seinem Engagement als ganz junger Solohornist der Tschechischen Philharmonie in Deutschland Solohornist bei den Münchner Philharmonikern, Bamber-

ger Symphonikern und ein Jahrzehnt lang bei den Berliner Philharmonikern war, ehe er sich ausschließlich auf seine Karriere als Solist und Kammermusiker konzentrierte. „In den Orchestern herrscht die Meinung vor, dass es nicht so gut ist, wenn alle Hornisten Vibrato spielen.“ Zu den großen Vorbildern Radek Baboráks zählt der deutsche Hornist Hermann Baumann, dessen Kantabilität und Vibrato er bewundert. Schon an Joseph Leitgebs Hornspiel vor mehr als 200 Jahren rühmten in Salzburg und Wien Zeitgenossen den „singenden“ Ton als besonderen Vorzug. Dies, obwohl damals das Ventilhorn – auf dem auch Radek Baborák spielt – noch längst nicht erfunden war und die Hornisten auf ihren Naturhörnern nur einen begrenzten Vorrat an Tönen hatten, zu dessen Erweiterung sie sich

DAS HORN SINGEN: RADEK BABORáK

werfliches, das sei ein durchaus – auch heute noch – üblicher, scherzhafter Umgangston unter Musikern. Beim Spielen beeinflussen Baborák Mozarts Anmerkungen nicht, denn „auf die Musik haben sie keinen Einfluss“. Auch nicht die im Autograph in verschiedenen Farben hervorgehobenen Passagen in zwei Sätzen des Konzerts Es-Dur KV 495. Vielleicht wollte Mozart veranschaulichen, dass die Musik mit verschiedenen Klangfarben gespielt werden soll. Dass sie vor allem gesungen werden soll, sagt Radek Baborák auch immer zu seinen Schülern: „Die langsamen Sätze sind wie eine Arie, ein Lied. Sie haben die Stimmung von Notturnos und Romanzen. Jeder Mensch auf der ganzen Welt hört bei dieser Musik: Jetzt ist Mozart verliebt.“ So, wie man in den Eröffnungssätzen die klassische Kompositionsform des Sonatensatzes

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© Lucie Cermáková

RADEK BABORÁK BEI DER MOZARTWOCHE 2020

DO 30. JÄNNER 11.00 UHR, Stiftung Mozarteum, Großer Saal #28 ANDREAS OTTENSAMER KLARINETTE, THOMAS RIEBL VIOLA RADEK BABORÁK HORN, TAKÁCS QUARTET Mozart Quartett B-Dur für zwei Violinen, Viola und Violoncello KV 589 Quintett Es-Dur für Horn, Violine, zwei Violen und Bass KV 407 Quartett D-Dur für zwei Violinen, Viola und Violoncello KV 575 Quintett A-Dur für Klarinette, zwei Violinen, Viola und Violoncello KV 581 „Stadler-Quintett“ Einführungsgespräch um 10.15 Uhr

SA 01. FEBRUAR 11.00 UHR, Stiftung Mozarteum, Großer Saal #38 AKADEMIEKONZERT MOZARTEUMORCHESTER SALZBURG, RICCARDO MINASI DIRIGENT GIULIA SEMENZATO SOPRAN, RADEK BABORÁK HORN, ROBERT LEVIN KLAVIER Mozart „Mitridate, re di Ponto“ KV 87: Ouvertüre Rezitativ und Arie für Sopran und Orchester „Bella mia fiamma, addio“ – „Resta, oh cara“ KV 528 Konzert Es-Dur für Horn und Orchester KV 495 „Mitridate, re di Ponto“ KV 87: Arie des Sifare Nr. 13 „Lungi da te, mio bene“ Symphonie G-Dur KV 74 Symphonie G-Dur KV 124 Arie für Sopran und Orchester „Chi sà, chi sà, qual sia“ KV 582 Konzert F-Dur für Klavier und Orchester KV 459 „Il re pastore“ KV 208: Arie der Elisa Nr. 8 „Barbaro, oh Dio! mi vedi“ Einführungsgespräch um 10.15 Uhr

FR 31. JÄNNER 11.00 UHR, Stiftung Mozarteum, Großer Saal #32 CAMERATA SALZBURG, RADEK BABORÁK LEITUNG UND HORN Mozart Symphonie G-Dur KV 318 Konzertsatz D-Dur für Horn und Orchester KV 412 Konzertsatz (Rondo) D-Dur für Horn und Streicher KV 514 Symphonie G-Dur KV 129 Konzert Es-Dur für Horn und Orchester KV 417 Serenade D-Dur KV 320 „Posthorn-Serenade“ Einführungsgespräch um 10.15 Uhr

SO 02. FEBRUAR 11.00 UHR, Stiftung Mozarteum, Großer Saal #42 MOZART KINDERORCHESTER, PETER MANNING DIRIGENT RADEK BABORÁK HORN, FABIAN EGGER FLÖTE ROLANDO VILLAZÓN MODERATION Mozart Symphonie G-Dur KV 110 Konzert D-Dur für Flöte und Orchester KV 314: 1. Satz Konzert Es-Dur für Horn und Orchester KV 417: 2. und 3. Satz Symphonie F-Dur KV 76 Aufführung für Schulklassen: 3. Februar, 10.00 Uhr

SA 25. JÄNNER 19.30 UHR, Großes Festspielhaus #10 WIENER PHILHARMONIKER, DANIEL BARENBOIM DIRIGENT UND KLAVIER RADEK BABORÁK HORN Mozart Symphonie B-Dur KV 319 Konzert Es-Dur für Horn und Orchester KV 447 Konzert d-Moll für Klavier und Orchester KV 466 Einführungsgespräch um 18.30 Uhr


Radek Baborák überzeugt als Solist auf dem Horn gleichermaßen – mit verschiedenen Partnern wird er alle vier Hornkonzerte Mozarts interpretieren – wie als Dirigent. Bei der Mozartwoche 2020 ist er in seiner ganzen Vielfalt zu erleben.

durch die Stopftechnik behelfen mussten: Mit der rechten Hand, die man in den Trichter des Instruments einführte, ließen sich bestimmte Töne zu weiteren Tönen erniedrigen.

drei führenden österreichischen Orchestern sowie dem Mozart Kinderorchester. Radek Baborák selbst kennt Mozarts Hornwerke seit seiner Kindheit und hört heute, mehr als drei Jahrzehnte später, ein Echo von Mozarts Hat Mozarts bevorzugter Hornist Jo- Leben in ihnen. Mit der Musik kommt seph Leitgeb diese Stopftechnik zwei- Baborák auch dem Komponisten und fellos sehr gut beherrscht, so scheint Menschen sehr nahe. er die Präsentation der Virtuosität nicht in den Vordergrund gestellt zu Mit den Wiener Philharmonikern unhaben. Diesen Schluss lässt Mozarts ter der Leitung von Daniel Barenboim Kompositionsweise des Hornsoloparts wird Radek Baborák das Es-Dur-Konin den für Leitgeb komponierten Wer- zert KV 447 spielen, dessen Orchesken zu. Radek Baborák: „Er kompo- terbesetzung anders als in den übrinierte keine allzu schnellen Skalen, gen Hornkonzerten ist: zusätzlich zu keine extrem hohen oder tiefen Töne den Streichern zwei Klarinetten und und schrieb nur im Tonumfang von zwei Fagotte statt zwei Oboen und eineinhalb Oktaven.“ Der genügte aber zwei Hörner wie sonst. Eine „seltsame“ Mozart, um „immer ganz besondere Orchestrierung für Baborák, die „den Musik zu komponieren“. Eine Beson- Es-Dur-Klang noch weicher macht“. derheit sei außerdem, dass Mozart die Mit dem Mozarteumorchester Salzburg Hornstimme in Dialoge mit der ersten unter der Leitung von Riccardo MinaGeigenstimme treten lässt. Auch die si führt Radek Baborák das Es-Durklangliche Übereinstimmung mit den Konzert KV 495 auf, das „technisch anStreichinstrumenten findet der Hornist spruchsvollste von allen Mozart-Hornzuvorderst mit Kantabilität. konzerten“.

Echos und versteckte Töne Radek Baborák wird bei der Mozartwoche 2020 Mozarts original erhaltene konzertante Hornmusik komplett „singen“, abwechselnd begleitet von

Gemeinsam mit der Camerata Salzburg wird sich Baborák insgesamt fünf Konzertsätzen Mozarts für Horn widmen. Dem dreisätzigen Konzert Es-Dur KV 417, das „das erste von Mozart komponierte Hornkonzert und das einzige

ohne Kadenz ist“, so Baborák. Er entdeckt „experimentelle Züge“ in dem Werk, dessen zweiten und dritten Satz er auch für seinen Auftritt mit dem Mozart Kinderorchester ausgewählt hat. Mit der Camerata Salzburg spielt Radek Baborák auch zwei einzelne Konzertsätze: das Allegro KV 412, das ursprünglich als früheste Konzertkomposition Mozarts für Horn angenommen wurde, ehe die jüngere Mozartforschung eine Datierung für Mozarts Sterbejahr 1791 eruieren konnte, sowie das fragmentarische, ebenfalls 1791 entstandene und von Franz Xaver Süßmayr ergänzte Rondo KV 514, das Baborák für das Finale eines nicht überlieferten, weiteren Hornkonzerts hält. Beide Einzelsätze stehen in D-Dur, der „Jagdtonart, in der die französischen Parforcehörner spielen“, so Baborák, der nun als Jäger, aber auch als Liebhaber in den Romanzensätzen und als Virtuose in den Kadenzen der Kopfsätze zur Mozartwoche nach Salzburg kommt. Sowie als Kammermusiker, um im technisch anspruchsvollsten Mozartschen Hornwerk, dem Quintett KV 407, „versteckte Charaktere, Töne und Farben“ aufzuspüren. Ein großer Rest Geheimnis bleibt immer in Mozarts Musik, auch wenn man Werke so oft wie Radek Baborák spielt.

Mozart, always popular in Prague, would have welcomed Czech hornist Radek Baborák, who comes from a long tradition of horn-playing that follows Mozart’s exhortation for the horn “to sing”. Mozart wrote most of his horn works for Joseph Leitgeb, a friend of his father’s, sometimes writing jocular comments in the score. Baborák hopes that – apart from the three complete concertos and the quintet – further parts may some day be discovered to add to the five surviving fragmentary concerto movements. Mozart tried out all the instruments for which he composed, and for the horn he used “stopped” notes – the valve horn (which Baborák plays) being a later invention. Thus he wrote no rapid scales, no extremely high or low notes, using a range of only one and a half octaves to compose outstanding music, in which the tonal accord with the strings encourages cantabile performance. The slow movements are like arias, romances, says Baborák; here Mozart is audibly in love. The opening movements and finales call to mind the centuries-old sound of the hunting-horn. The two fragments performed here with the Camerata, K 412 and K 514 (the latter completed by Süssmayr, and assumed by Baborák to be the finale of a further concerto) are both in D major, the key of the French parforce horn. Baborák seeks out the “hidden characters, nuances and colours” in the Quintet K 407, since in Mozart’s music there always remains an element of mystery.

DAS HORN SINGEN: RADEK BABORáK

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© Andrej Grilc

Den „Spirit von Mozart“ will der Geiger, Komponist und Arrangeur Florian Willeitner in zwei Produktionen bei der Mozartwoche 2020 in das 21. Jahrhundert übersetzen: „Mozart in the Wind“ und das Marionettentheaterstück „Pùnkitititi!“, das in Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Opernregisseur Doug Fitch entstand.


DER GRENZGENIALE ROADFIDDLER

»ICH BIN GEGEN DIE KLASSISCHE KULTUR-PLANIERWALZE«

FLORIAN WILLEITNER IM GESPRÄCH mit Teresa Pieschacón Raphael

Als halbe Kolumbianerin weiß ich, dass die Länder dort ihre eigene Musik nicht so schätzen wie Sie, der aus Passau kommt. Die lieben ihren Mozart, Bach und Beethoven. Ja, da gebe ich Ihnen Recht. Aber es gibt dort Musiker, die Instrumente beherrschen, die ein Europäer niemals so beherrschen könnte. Und wenn sie einmal ihr postkoloniales Trauma überwunden haben, wird noch sehr vieles mehr möglich sein. Ich setze mich dafür ein, dass

mehr auf Augenhöhe und nicht vom hohen Ross der abendländischen Kultur herunter argumentiert wird, denn ansonsten entsteht nur Crossover und ich bin ein Gegner dieser Musikrichtung. Das sind für mich nur musikalische Versatzstücke, keine echte Musik. Ich bin gegen die klassische Kultur-Planierwalze, die alles dem anderen überstülpt.

habe ich das Hauptthema der Kleinen Nachtmusik in etlichen europäischen, aber auch in orientalischen Stilen variiert, um für den Erhalt von Vielfalt und kultureller Offenheit in Europa zu plädieren. Meine Botschaft war, dass die Musik grenzenlos sein sollte wie eben Europa auch. Mozart in the Wind wiederum entwickeln Sie für die Mozartwoche 2020. Wie werden Sie Ihr Motto umsetzen? Im Moment fragen wir uns: Wie gehen wir grundsätzlich mit diesem Thema um? Bei der Projektvorstellung habe ich Rolando Villazón davon überzeugt, dass wir den ,Spirit‘ von Mozart, der ja Improvisator, Geiger, Witzbold, Tänzer und so vieles mehr war, ins 21. Jahrhundert übersetzen werden, in unsere Zeit. Natürlich werden wir das eine oder andere Stück von Mozart aufnehmen, aber definitiv nicht in Form von Crossover.

… Weshalb Sie Ende 2018 Ihren Pool of Invention gründeten. Ja, ein Pool der Erfindung sozusagen, ein Kollektiv von Musikern, Tänzern und anderen Künstlern. Es geht mir darum, transkulturelle Musik zu fördern und stilistisch zusammenzubringen. Ich will die Sparten aufbrechen. Als Künstlerkollektiv sind wir Partner von verschiedenen Festivals und Organisationen; wir sind sehr international aufgestellt. Es geht mir um mehrsprachige Künstler im Sinn von in mehreren Musikstilen sprechenden Künstlern, sei es Klassik, Jazz und alle außer- Wie organisieren Sie sich in Ihrem Pool of Invention? Wo finden die Proeuropäischen Musikstile. ben statt? Ich habe ein Studio in PasDoch auch bei Ihnen geht es nicht sau. Dort treffen wir uns regelmäßig. ohne Mozarts Musik. Mozart in the Im November aber haben wir im Bayshape of Europe, nannten Sie Ihr erischen Wald an der Grenze zu Werk für den EU-Gipfel der 28 euro- Tschechien ein Haus gemietet, wo wir päischen Regierungschefs im Sep- sehr kreativ zusammen arbeiten. Wir tember 2018. Ohne die Musik Mozarts proben die Bühnenabläufe, die Begeht es tatsächlich nicht. In dem Werk wegungsabläufe der Tänzerin Natalie

MOZART IN THE WIND

Eine Zeitung schrieb, Sie strahlen die coole Lässigkeit eines „schlampigen Genies“ aus, nannte Sie aber auch den „Nigel Kennedy aus Passau“. Eine andere fand Sie „grenzgenial“. Was gefällt Ihnen am besten? In jedem Fall das schlampige Genie natürlich! Obwohl ich diszipliniert ein klassisches Studium bis zum Master bei Benjamin Schmid in Salzburg absolviert habe. „Grenzgenial“ finde ich auch wunderbar, gerade weil ich mit Rucksack und Geige ständig unterwegs bin, um auf der Welt alle möglichen musikalischen Eindrücke zu sammeln. In den letzten Jahren war ich in 26 Ländern, um Kontakte zu knüpfen und ganze drei Monate lang in Brasilien. Die Musik ist dort so reich, so heterogen. Ich kämpfe sehr dafür, dass sie auf das gleiche Niveau gehoben wird wie unsere abendländische Musik.

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© Benedikt Kuhnen

Fend in Mozart in the Wind. Sie wird von Gesang und einem kleinen Ensemble mit zwei Geigen, Cello, Bass, Klavier, irischen Flöten, Concertino und Soulfiddle begleitet.

SA 25. JÄNNER 15.00 UHR #09 FR 31. JÄNNER 19.30 UHR #34 SO 02. FEBRUAR 15.00 UHR #46 Salzburger Marionettentheater PÙNKITITITI! FLORIAN WILLEITNER MUSIKALISCHE LEITUNG DOUG FITCH REGIE, BÜHNE, KOSTÜME POOL OF INVENTION ENSEMBLE ENSEMBLE DES SALZBURGER MARIONETTENTHEATERS GEOFF SOBELLE SCHAUSPIELER STEPHEN GRECO STORYBOARD Mozart Musik zu einer Faschingspantomime „Pantalon et Colombine“ für zwei Violinen, Viola und Bass KV 446 Ballettmusik zur Pantomime „Les petits riens“ KV 299b

MI 29. JÄNNER 19.00 UHR #26 SA 01. FEBRUAR 17.00 UHR #40 SZENE Salzburg MOZART IN THE WIND POOL OF INVENTION ENSEMBLE FLORIAN WILLEITNER Musik von Mozart / Florian Willeitner

Einer Soulfiddle, die Sie mit dem Geigenbauer Valentin Kaiser entwickelten. Ja, die wird eine Rolle bei der Mozartwoche spielen. Über zwei Jahre lang haben wir an einem Prototyp gebaut: einer Verbindung aus Gitarre, Viola und norwegischer Hardanger-Fiddle, die durch Resonanzsaiten und einen bestimmten Korpus ganz andere klangliche und spieltechnische Möglichkeiten hat. Der Klang bleibt sozusagen „stehen“. Pùnkitititi! heißt Ihr zweites Projekt, das Sie mit dem amerikanischen Opernregisseur Doug Fitch und dem Ensemble des Salzburger Marionettentheaters realisieren – nach dem Spitznamen benannt, den Mozart sich 1787 bei einer Reise nach Prag selbst gab. Lustig, nicht wahr? Er sah sich ja zuweilen als Harlekin, besonders in seiner Faschingspantomine Pantalon et Colombine KV 446. Fünf kleine musikalische Sequenzen, die Mozart, am „fasching Monntag“ 1783, an seinem 27. Geburtstag, wie es heißt, im Kostüm des Arlecchino aufführte. Im gleichen Jahr wurde er übrigens zum k.k. Hofkompositeur ernannt! Er konnte sich selbst auf die Schippe nehmen, hatte so viel Selbstironie! Er liebte den Fasching und das Tanzen. … Und soll, glaubt man seinem Biografen Georg Nikolaus Nissen, das Menuett besonders „schön“ getanzt haben. Genau diese Lebensfreude ist es, die wir mit einer Tänzerin, aber auch mit den Puppen zeigen wollen! Zu der Faschingspantomime wählten wir noch die kleine Ballettmusik Les petits riens KV 299b. Übersetzt heißt das: „Die kleinen Nichtigkeiten“. Dem Ballettmeister Jean-Georges Noverre, von dem er sich einen Kontakt zum Direktor der Pariser Oper versprach, hatte Mozart sie offeriert. Ja, aber es sind absolut keine Nichtigkeiten, eher kleinste Fragmente. Es heißt, dass diese kleinen Tänze 1778 als Pauseneinlage in einer Oper von Niccolo Piccinni ‚eingebaut‘ wurden, ohne Nennung von Mozarts Namen. In jedem Fall werden wir beide Musiken zusammenbringen – zu einem siebzigminütigen, sehr unterhaltsamen Abend.

MOZART IN THE WIND

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Violinist, composer and arranger Florian Willeitner has been described as „bordering on genius“, though he sees himself more as simply exploring the world with rucksack and fiddle. The aim of his artists’ collective, Pool of Invention, is to merge all musical traditions and genres. Mozart is of course indispensable – as in the two productions composed for the 2020 Mozartwoche. Willeitner wishes to bring the spirit of Mozart – composer, improviser, violinist, jester and much more – into the 21st century, but emphatically not as “crossover music”. Mozart in the Wind, with a dancer veering and spinning on stage to Willeitner’s “Mozart”, would surely delight Mozart, who loved to dance at masked balls and festivities. For Pùnkitititi!, Willeitner collaborates with the Marionette Theatre and Doug Fitch.


© Benedikt Kuhnen

Musik und Tanz, Neues und Altes, Atemluft und Sturm: Florian Willeitner und sein Pool of Invention Ensemble blasen den Staub von so manchem Mozart-Bild und zelebrieren den genialen Improvisator, Komponisten und Lebemann im kulturellen Schmelztiegel des 21. Jahrhunderts.

Wie sind Sie vorgegangen? Ich habe fast einen Monat allein für die Sichtung des Materials gebraucht, habe alles durchgescannt, bin jedes einzelne Motiv durchgegangen, das ja – typisch Mozart – alle zwei Takte den Charakter wechselt. Jedes Motiv ist für sich ein emotionaler Baustein auf ganz kleinem Raum. Dann habe ich alles neu angeordnet und weitere Tän-

ze, die eher unbekannt sind, dazugenommen. Die Schatzsuche hat geholfen. Und dennoch: Es ist gar nicht so einfach, aus einer alten Geschichte eine neue zu machen. Wie muss man sich dieses ‚Komponieren‘ vorstellen – am Computer? Nein, überhaupt nicht. Mein Studio liegt in der Natur, das ist für mich immer eine gute Voraussetzung. Ich befestigte dort ein großes Plakat, gewiss vier Meter lang und zwei Meter hoch. Oben haben wir die Storyline gesetzt und das Libretto ganz haptisch befestigt. Man muss unbedingt alles visualisieren. Entlang der Storyline habe ich die verschiedenen musikalischen Bausteine, manchmal nur einen Melodie-Fetzen, angeordnet, mit Magneten, damit ich damit spielen und improvisieren konnte. Dann habe ich ein Particell, einen notierten Entwurf, angefertigt und versucht, Übergänge zu komponieren. An diesem Punkt kam

MOZARTWOCHE 2020 GOES

Doug Fitch zu uns und wir sprachen über die Länge der Abschnitte, über konkrete Ideen für die Bewegungen der Tänzerin auf der Bühne, die ja musikalisch nachgezeichnet werden müssen. Wir sprachen darüber, ob ein Charakter forciert werden soll oder ein anderer in eine andere Szene verschoben wird und vieles mehr. Doug Fitch hat alles in einem großen Sketchbuch aufgezeichnet und weitere Ideen entwickelt. Das waren intensive Tage voller Arbeit. Pùnkitititi! So hatte Mozart sich genannt. Haben Sie auch einen Spitznamen? Ich würde mich gerne „Roadfiddler“ nennen. Selbstverständlich verehre ich die klassische Musik, ihre formale Ästhetik und ihr Handwerk. Und ich bin froh über meine Ausbildung, ohne die ich nicht das tun könnte, was mir wichtig ist: Durch die Welt zu reisen und fremde Musik nach Hause zu bringen.

OVAL, ARGE, SZENE

FR 24.01 #07 DI 28.01 #22 FR 31.01 #35 jeweils 19.30 UHR OVAL – Die Bühne im EUROPARK

MI 29. JÄNNER 19.00 UHR #26 SA 01. FEBRUAR 17.00 UHR #40 SZENE Salzburg

LES SOURDS-DOUÉS

MOZART IN THE WIND POOL OF INVENTION ENSEMBLE FLORIAN WILLEITNER

SA 25.01 #11 FR 31.01 #37 jeweils 22.00 UHR ARGEkultur MOZART-BINGO & MUSIKALISCHER SPASS LOTERÍA MOZARTIANA MITGLIEDER DER CAMERATA SALZBURG ROLANDO VILLAZÓN MODERATION Mozart „Ein musikalischer Spaß“ KV 522

Musik von Mozart / Florian Willeitner

OVAL – Die Bühne im EUROPARK Europastraße 1, Salzburg ARGEkultur Ulrike-Gschwandtner-Straße 5, Salzburg SZENE Salzburg Anton-Neumayr-Platz 2, Salzburg

MOZART IN THE WIND

Mozarts Figuren im Pantalon stammen aus der Commedia dell’arte: „Meine schwägerin war die Colombine“, schreibt er, „ich der Harlequin, Mein schwager der Piero, ein alter tanzmeister (Merk) der Pantalon. ein Maler (graßi) der Dottore“. Wir haben noch mehr Figuren, noch mehr Charaktere beziehungsweise Puppen auf der Bühne. Wichtig war uns, alle Möglichkeiten des Puppentheaters auszunützen. Ich habe auf dieser Grundlage und den Mozart-Fragmenten die Bühnenmusik geschrieben.

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FRANZÖSISCHE BRISE

Eine französische Brise mit Musik von Mozart wird Salzburg durchwehen, wenn François Leleux mit seinem Dreamteam, dem Ensemble Les Vents Français, zur Mozartwoche 2020 kommt. Man kann sich auf die großen Akteure der internationalen Bläserszene freuen.

»ICH LEBE PRAKTISCH WIE IM 18. JAHRHUNDERT«

FRANÇOIS LELEUX IM GESPRÄCH mit Teresa Pieschacón Raphael

FRANZÖSISCHE BRISE

Herr Leleux, Sie sind bei der Mozartwoche 2020 ein vielbeschäftigter Mann mit mehreren Auftritten. Live und im Film. Ach, ich freue mich so! Auch auf das Treffen mit meinen Freunden freue ich mich sehr.

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Zwei Mal werden Sie als Solist Mozarts Konzert C-Dur für Oboe und Orchester KV 314 spielen. Einmal in einem Film, der 1998 beim Mozartfest Würzburg mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Wolfgang Sawallisch entstand. Das ist sehr lange her! Sie haben sich aber gar nicht verändert, sind immer noch erkennbar. (Lacht) Ja, die Frisur bleibt wohl die gleiche.

Auch Ihr Oboen-Spiel? Oh ja, natürlich ändert sich die Art, wie man so ein Konzert spielt. Es ist wie ein guter Wein, der mit den Jahren immer besser wird. Stolz berichtet Mozart seinem Vater über den Erfolg seines Oboenkonzerts „welches hier einen grossen lärm macht“. Werden Sie bei Ihrem Auftritt mit dem Chamber Orchestra of Europe auch ‚Lärm‘ machen? Die Tutti sind manchmal schon sehr laut, in jedem Fall lauter als zu Zeiten Mozarts. Schließlich gab es nach Mozart Komponisten wie Richard Strauss, Anton Bruckner oder Gustav Mahler und Werke wie seine Symphonie der Tausend. Das Gefühl für die Lautstärke hat sich sehr verändert. Aber ich befinde mich ja unter Freun-

den, bin selbst Mitglied des Orchesters. Vielleicht urteilen Medien über Sie genau so wie seinerzeit die Zeitgenossen über Friedrich Ramm, den ersten Oboisten der Mannheimer Hofkapelle, dem das Konzert sein „Cheval de Bataille“ – sein Schlachtross, wurde, wie Mozart schrieb. Was haben die Zeitgenossen denn über seine Interpretation geschrieben? „Dass noch keiner den schönen, runden, sanften und wahren Ton auf der Oboe, verbunden mit der schmetternden Tiefe im Forte, sich so vorzüglich zu eigen gemacht habe als er.“ Na, hoffentlich stimmt das auch für mich! Ich stelle an mir fest: Je älter ich werde, umso weicher scheine ich


© Uwe Arens / Sony Classical

François Leleux ist Oboist und zunehmend auch als Dirigent zu erleben. „Wenn man einen Solisten begleitet, gibt es keinen Chef. Der Chef ist die Musik“, so seine erfahrene Sicht.

Ökonomisch kein Aprilscherz war das Quintett Es-Dur für Klavier, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott KV 452, obwohl er es am 1. April

In einem Brief an seinen Vater sprach er davon, welchen „ausserordentlichen beyfall“ es erhalten habe, und: „ich selbst halte es für das beste was ich noch in meinem leben geschrieben habe.“ Nicht nur das. Neben dem BeethovenQuintett op. 16, das übrigens das von Mozart imitiert, ist es eines der schönsten Werke für uns Oboisten überhaupt. Vielleicht spielte für den Erfolg auch

FRANZÖSISCHE BRISE

Ein Faschingsscherz Mozarts, der Ramm beim damals üblichen VomBlatt-Spielen des Werks aus der Bahn werfen sollte? Vielleicht. Mozart hatte ja 1780 den Auftrag erhalten, seine große Oper Idomeneo für den Münchener Karneval zu schreiben. Ich glaube, dass dies eher eine kleine verrückte Oboen-Kadenz ist. Vielleicht hatte Ramm plötzlich Lust, nicht mehr im Takt zu bleiben.

1784 im Burgtheater zur Uraufführung brachte. Warum erwies sich ausgerechnet dieses Werk als finanziell so einträglich? Mozart hat einfach behauptet, es sei eines der schönsten Stücke, die er je geschrieben hat, er hat Werbung für sich gemacht. Und alle haben es geglaubt. Marija Kanizaj

Für Ramm komponierte Mozart 1781 sein einziges Oboen-Quartett KV 370. Da ist eine Stelle im letzten Satz, dem Rondeau … ... die hört sich an wie eine verrückte Improvisation des Oboisten, eine Stelle, die mit den anderen Spielern nichts zu tun hat. Während die anderen in diesem einfachen Dreier-Rhythmus bleiben (imitiert den Takt), scheint der Oboist irgendwie aus dem Häuschen, inmitten des Sechsachteltakts

wechselt er einfach in den Viervierteltakt über und man glaubt, alles wird auseinanderbrechen.

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zu spielen. Ich versuche, in immer größeren Bögen zu phrasieren. Der Klang, die Interpretation wird luftiger, souveräner. Ohne Filter, ohne Anstrengung, alles klingt wie von selbst. Ein solches Niveau immer zu erreichen, bleibt dennoch die ganz große Herausforderung – auch für mich.

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© Uwe Arens

„Die Zuhörer lieben, so sagen sie mir, den sinnlichen Ton der Oboe: einen Ton, der die Seele öffnet“, so François Leleux.

eine Rolle, dass Mozart bei der Uraufführung selbst am Klavier saß. Fasziniert war Mozart allerdings auch von der Leistung seiner vier Mitspieler: „Ich wollte wünschen sie hätten es hören können! – und wie schön es aufgeführt wurde!“, schrieb er dem Vater nach Salzburg. Ja, ich hoffe, ich bekomme es mit meinem Ensemble Les Vents Français und Éric Le Sage am Klavier genauso gut hin. Es ist ein kontrapunktisch und harmonisch sehr dichtes und komplex gearbeitetes Werk, mit außergewöhnlichen Modulationen, ein Meisterwerk, auch in seiner Klangbalance. Unter den Bläsern, die den kritischen Mozart begeisterten, war auch Georg Triebensee, der Leiter der kaiserlichen Harmoniemusik, dem Mozart bereits die herrlichen Oboensoli in der Entführung aus dem Serail auf den Leib geschrieben hatte. Waren dies gute Zeiten für Bläser? Natürlich, wenn man einen Komponisten wie Mozart in seinem Umfeld hat, der den Klang von Blech- und Holzbläsern mochte. Es gab noch Ludwig August Lebrun, der ein Jahr vor Mozart starb und in ganz Europa bekannt war. Später im 19. Jahrhundert kam Antonio Pasculli dazu, unser ,Paganini der Oboe‘. Welche Entwicklung hat Ihr Instrument in den letzten 250 Jahren gemacht? Es ist technisch viel sicherer geworden, es ist größer geworden, es besteht aus einem anderen Holz. Die Säle sind größer, manchmal sitzen 2.000 Menschen im Raum, um den zu füllen, braucht man mehr Volumen. Das gilt für alle Instrumente.

FR 24. JÄNNER 11.00 UHR #04 Stiftung Mozarteum, Großer Saal CHAMBER ORCHESTRA OF EUROPE ANDREW MANZE DIRIGENT FRANÇOIS LELEUX OBOE Mozart Symphonie D-Dur KV 297 „Pariser Symphonie“ Konzert C-Dur für Oboe und Orchester KV 314 Symphonie C-Dur KV 551 „Jupiter-Symphonie“ Einführungsgespräch um 10.15 Uhr

SO 26. JÄNNER 11.00 UHR #12 Stiftung Mozarteum, Großer Saal CAMERATA SALZBURG FRANÇOIS LELEUX LEITUNG UND OBOE EMMANUEL PAHUD FLÖTE PAUL MEYER KLARINETTE RADOVAN VLATKOVIC HORN GILBERT AUDIN FAGOTT Mozart Sinfonia concertante Es-Dur für Oboe, Klarinette, Horn, Fagott und Orchester KV 297b Konzert D-Dur für Flöte und Orchester KV 314 Konzert G-Dur für Flöte und Orchester KV 313 Symphonie C-Dur KV 425 „Linzer Symphonie“ Einführungsgespräch um 10.15 Uhr

MO 27. JÄNNER 11.00 UHR #16 Stiftung Mozarteum, Großer Saal LES VENTS FRANÇAIS KODÁLY STRING QUARTET ÉRIC LE SAGE KLAVIER

FRANZÖSISCHE BRISE

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Oboist François Leleux comes to Salzburg this year as soloist, chamber musician – and conductor. He will follow in the footsteps of Friedrich Ramm, oboist in the famous Mannheim court orchestra, who gave acclaimed performances of the Concerto for Oboe K 314 (1777), and for whom Mozart composed his only Oboe Quartet K 370 (1781), with the “crazy little oboe cadenza” in the last movement. Leleux considers the E flat Quintet K 452 as “one of the finest of all works for us oboists.” He is delighted to show his musicianship in a further field – conducting Werner Egk’s arrangement of the Sinfonia concertante K 279b, attributed to Mozart.

Mozart Trio Es-Dur für Klavier, Klarinette und Viola KV 498 „Kegelstatt-Trio“ Sonate B-Dur für Fagott und Violoncello KV 292 Quartett F-Dur für Oboe, Violine, Viola und Violoncello KV 370 Quintett Es-Dur für Horn, Violine, zwei Violen und Bass KV 407 Quintett Es-Dur für Klavier, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott KV 452 Einführungsgespräch um 10.15 Uhr


© Josef Fischnaller

© Georg Thum

Liegt das an neuen Instrumenten oder wird eine andere Technik gelehrt? Virtuosen wie Heinz Holliger sind für uns sehr wichtig, nicht nur als Interpreten-Vorbilder, sondern auch für die Entwicklung unseres Instruments. Ich arbeite mit der Firma Marigaux zusammen und wir haben neue Instrumente entwickelt, Modelle von ganz anderem Schnitt. Was meinen Sie damit? Die Oboe besteht aus drei Teilen: sie setzt sich aus Oberstück, Mittelstück und Becher (oder Fußstück) zusammen. Wir haben die Größenverhältnisse der einzelnen Teile zueinander etwas verändert, sodass die ganze Tonleiter nun auf einem Stück Holz ist. Vorher verteilte sie sich auf zwei der Stücke. Der Umstand, dass sie sich nun auf einem Teil befindet, ändert den Klang und auch die Spielweise. Die Intonation wird viel besser.

Die Besetzungsliste des Ensembles Les Vents Français liest sich wie das „Who’s who“ der internationalen Bläserszene: Ensemblefoto oben, von li. nach re.: François Leleux, Radovan Vlatkovic, Paul Meyer, Gilbert Audin, Èric Le Sage (Klavier) und Emmanuel Pahud. Oben re.: Emmanuel Pahud

Zurück zu Georg Triebensee, dessen Einkünfte in Wien seinerzeit dokumentiert wurden und offenbar sehr hoch waren. Hätten Sie gerne Ende des 18. Jahrhundert gelebt? Ich habe viel Glück. Ich lebe praktisch wie im 18. Jahrhundert, ich darf überall und mit wunderbaren Kollegen und Dirigenten spielen, überall auf der Welt. Ich habe auch wunderbare Aufnahmen gemacht und mit Les Vents Français die besten Bläser der Welt um mich herum. Mir wurden etliche Werke gewidmet. Ich fühle mich so privilegiert wie damals ein Lebrun oder wie heute ein Holliger. Bei der Mozartwoche 2020 gibt mir Rolando Villazón jetzt so gar die Chance, die Camerata Salzburg mit vielen großen Werken zu dirigieren … Darunter die „Linzer Symphonie“ KV 425, die Flötenkonzerte KV 413 und 414. Ich habe dazu die Ehre, meinen Freund, den Flötisten Emmanuel Pahud, der gleichzeitig seinen 50. Geburtstag feiert, zu begleiten. Ich freue mich so über diese Gelegenheit, meine Musikalität auch auf einem anderen Gebiet zu entfalten. Musik begleitet mich seit meiner Kindheit. Mit dem Dirigieren habe ich die Chance, ein anderes Repertoire, eine andere Rhetorik zu erleben und zu vermitteln.

„Nun werde ich eine sinfonie concertante machen, für flauto wendling, oboe Ramm, Punto waldhorn, und Ritter Fagott“, schrieb Mozart 1778 seinem Vater aus Paris. Das Konzert-Prinzip mit mehreren Instrumenten hatte er in Paris im Rahmen des „Concert spirituel“ kennengelernt. Doch aufgeführt wurde das Stück nicht. Es ist bis heute kein Autograph gefunden worden, nur eine Abschrift aus dem 19. Jahrhundert. KV 297b trägt den Zusatz „verschollen“. Wir spielen das Arrangement von Werner Egk … … der kurz vor seinem Tod im Juli 1983 versprach, aus der Abschrift eine „richtige Sinfonie zum immer und immer wieder spielen“ zu machen. Ja. Er übernahm die Struktur Mozarts, doch die Ecksätze sind von den Dimensionen her länger geraten, als Mozart sie wohl im Sinn hatte. Die Themen könnten von Mozart stammen, der langsame Mittelsatz ist besonders „mozartisch“.

Werner Egk bewunderte Mozarts Bläsermusik. Er schrieb: „Über nichts … freut sich die Abendluft inniger, als wenn sie von Mozarts Serenaden unwiderstehlich in Schwingungen gebracht wird.“ Last but not least werden Sie auch Das kann man nicht schöner ausdrüdie Sinfonia concertante KV 297b di- cken. rigieren, obwohl sie nicht erwiesenerUnd weiter: „Ja sogar die abgestandemaßen von Mozart stammt. Ich glaube auch, dass die Frage der ne Luft der Säle, in denen die SymUrheberschaft offenbleiben wird. Da- phoniekonzerte stattfinden, pflegt sich bei denken viele, sie sei von Mozart, fühlbar zu reinigen, wenn seine Muschließlich hatte er seinem Vater in sik erklingt.“ mehreren Briefen geschrieben, dass Eine wunderbare Metapher! Also unbeer eine Sinfonia concertante kompo- dingt alle zur Mozartwoche 2020 kommen! nieren würde.

FRANZÖSISCHE BRISE

Mozarts Oboist Ramm soll schwerste Passagen bis zum dreigestrichenen F beherrscht haben. Ist das aus heutiger Sicht ein Kinderspiel? Heute geht man sehr viel höher – natürlich nur die guten Oboisten. Damals kam man bis zum tiefen c. Heute schaffen es manche bis zum tiefen b.

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MOZARTS ZAUBER IN DIE WELT TRAGEN Seit 2014 arbeitet die Stiftung Mozarteum Salzburg erfolgreich mit der Hilti Foundation zusammen. Eine Partnerschaft, die in Zukunft noch mehr Fahrt aufnehmen wird. Wohin die gemeinsame Reise geht, erzählt Christine Rhomberg, Mitglied der Geschäftsleitung der Hilti Foundation, im folgenden Gespräch.

»EXZELLENZ – IM MUSIKALISCHEN SINN, ABER AUCH IM UMGANG MITEINANDER«

HILTI FOUNDATION – PARTNER IN EDUCATION

CHRISTINE RHOMBERG IM GESPRÄCH mit Paul Herberstein

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Frau Rhomberg, zunächst sei ein kurzer Blick in die Vergangenheit erlaubt: Wie haben die Stiftung Mozarteum Salzburg und die Hilti Foundation eigentlich zueinander gefunden? Am Beginn stand die Idee der Gründung eines Mozart Kinderorchesters mit dem Ziel, Kindern so früh wie möglich das gemeinsame Musizieren im Orchester zu ermöglichen. Dies auch als Ergänzung eines intensiven Kinder- und Jugendprogrammes der Stiftung Mozarteum. Dafür suchte man einen Partner und so haben wir uns gefunden. Interessiert hat uns auch das internationale Engagement der Stiftung Mozarteum Salzburg, die zu dieser Zeit gerade in Kuba das Lyceum Mozartiano de La Habana aufbaute, das sie bis heute fördert und unterstützt und das sich über die Jahre zu einem vielseitigen, profunden Musik- und Austauschprogramm entwickelt hat. Diese internationale Ebene wollte man weiter ausbauen und dazu konnten wir mit unserem Programm in Kolumbien beitragen.

Was zeichnet diese Partnerschaft aus und was macht sie gerade im internationalen Bereich für beide Seiten so wertvoll? Ich denke, dass wir als weltweit tätige Foundation mit einem bedeutenden Fokus auf dem Thema „Music for Social Change“ sehr viel an Know-how einbringen können. Dazu kommt, dass wir unter anderem seit 2011 sehr erfolgreich mit der Iberacademy im kolumbianischen Medellín zusammenarbeiten, die weit über die Grenzen Kolumbiens hinaus wirkt und so auf dem südamerikanischen Kontinent über viel Erfahrung verfügt. Umgekehrt bietet uns die Stiftung Mozarteum die Möglichkeit, im etablierten Musikbetrieb Fuß zu fassen. Das reicht von hochwertigen Ausbildungsangeboten bis zu erstklassigen Auftrittsmöglichkeiten. So gelingt es uns gemeinsam, beide Bereiche – sozial inspirierte Projektarbeit und Musikbetrieb – nachhaltig zusammenzubringen.

Ein echter Meilenstein war das 2018 erstmals veranstaltete Mozart-Festival in Kolumbien. Ich erinnere mich gerne an die wunderbaren Opernaufführungen und Konzerte, an denen neben einheimischen Musikern auch Künstler aus dem Umfeld der Stiftung Mozarteum teilnahmen. Im Rahmen dieses im Zweijahresrhythmus geplanten Festivals finden vor Ort auch zahlreiche Lehrveranstaltungen und Meisterklassen statt. Für viele der südamerikanischen Musiker ist das eine großartige Chance, mit erfahrenen Mozart-Interpreten an der eigenen interpretatorischen Exzellenz zu feilen. Für die Gastprofessoren und Künstler aus Salzburg bieten solche Meisterklassen die Gelegenheit, das Werk Mozarts wirklich hautnah vermitteln zu können. Die Neugierde und der Lernwille der Schüler in Kolumbien sind dabei immer wieder inspirierend – und wirken wie ein frischer Wind auch noch in Salzburg nach.

Auf welches der gemeinsamen Pro- Bleiben wir gleich in Salzburg und blicken wir in die Zukunft. Eine spanjekte sind Sie besonders stolz?


© Hilti Foundation (2)

nende Kooperation wird es mit der Mozartwoche geben. Spielt dabei der neue, seit 2018 tätige Intendant Rolando Villazón eine entscheidende Rolle? Ja, keine Frage. Rolando Villazón gestaltete im Rahmen der ersten Europatournee des Iberacademy Orchestra 2018 zwei Konzerte mit den jungen Musikern und war von deren Qualität sofort begeistert. Danach gab es Gespräche und Ideen, wie man eventuell im Rahmen der Mozartwoche enger zusammenarbeiten könnte. Ja, und so viel darf ich schon verraten: 2020 werden Musiker und Musikerinnen aus Kolumbien nicht nur das Festival miterleben, sondern auch in den Genuss von Meisterklassen der teilneh-

menden Künstler kommen und tief in Das ist ein ganz wesentlicher Punkt. Wo sonst kann man dem Phänomen die Welt von Mozart eintauchen. Mozart in all seinen Facetten so unWird es unter seiner bis 2023 dauern- mittelbar und authentisch nachspüden Intendanz noch weitere Koope- ren und ist das Wissen über ihn derrationen mit der Iberacademy geben? maßen ausführlich dokumentiert? Ganz bestimmt. Wir haben ziemlich Hier liegt alles verdichtet vor den junkonkrete Pläne, aber um Details zu gen Musikern: Wo und wie er gelebt verraten, ist es noch zu früh. Was mich hat, die historischen Hintergründe zusätzlich freut: Neben der Mozart- bis hin zu Autographen, die man stuwoche wird bereits in diesem Jahr ein dieren kann. Und hier treffen sie auf Quartett der Iberacademy im Rah- erfahrene Mozart-Interpreten, die ihmen des Festivals „Dialoge“ ein Mati- nen neue Sichtweisen auf sein Werk offenbaren. So hält man – ganz im neekonzert spielen. Sinn der Stiftung Mozarteum SalzWelche Bedeutung hat es für die Mu- burg – das Erbe Mozarts nicht nur siker der Iberacademy, dass solche lebendig, sondern dieses wird durch Konzerte und Auftritte hier in Salz- die jungen Künstler auch weit in die burg stattfinden? Welt hinausgetragen. Mitunter an Orte

HILTI FOUNDATION – PARTNER IN EDUCATION

Freude nach einem erfolgreichen Konzert. Für viele der jungen Geiger der Iberacademy war „Der Schauspieldirektor“ die erste Begegnung mit dem musiktheatralischen Schaffen Mozarts.

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© Hilti Foundation (2)

HILTI FOUNDATION – PARTNER IN EDUCATION

und zu Menschen, die vielleicht den Das Thema Ausbildung ist und bleibt Namen ,Mozart‘ schon gehört haben, unser gemeinsamer Schwerpunkt. Wir nicht aber seine wunderbare Musik. setzen in der Zusammenarbeit aber nicht nur auf bewährte AusbildungsDie Stiftung Mozarteum und die Hilti programme, sondern analysieren imFoundation bezeichnen sich seit Be- mer wieder, wo wir als Partner unsere ginn ihrer Zusammenarbeit als „Part- jeweiligen Stärken haben und wo wir ner in Education“. Worauf legt man im vorhandene Potenziale noch besser Bereich Ausbildung besonderen Wert? und innovativer nutzen können.

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Über die rein musikalische Ausbildung hinaus ist es uns wichtig, dass erfahrene Künstler und Lehrer den Schülern auch pädagogische Grundlagen und Werte vermitteln. Manche der jungen Musiker haben nicht unbedingt das Ziel, in großen Orchestern zu spielen, sondern wollen lieber Lehrer werden, um auf diese Weise

Über die Hilti Foundation Die Hilti Foundation wurde im Jahr 1996 gegründet und ist eine gemeinsame Einrichtung des Martin Hilti Family Trusts und der Hilti Konzerngruppe. Zwei Prozent des jährlichen Konzerngewinns fließen seit 2007 in Projekte der Hilti Foundation. Aktuell ist die Hilti Foundation in 46 verschiedenen Projekten auf der ganzen Welt tätig. Im Mittelpunkt aller Engagements steht das Ziel, Menschen zu einem selbstbestimmten und unabhängigen Leben zu verhelfen. Unter dem Leitsatz „Wir bauen eine bessere Zukunft“ unterstützt die Hilti Foundation weltweit Aktivitäten und Projekte in unterschiedlichen Schwerpunktbereichen. Der Bereich „Music for social change“ ist dabei eines der Hauptbetätigungsfelder. Neben der langjährigen Zusammenarbeit mit der Stiftung Mozarteum Salzburg und der Iberacademy in Medellín unterstützt die Hilti Foundation derzeit auch noch internationale Musikprojekte wie unter anderem „El Sistema“ in Venezuela, „Superar“ in Österreich und der Schweiz oder „Sinfonía por el Perú“. Zudem kooperiert man auch mit europäischen Festivals wie den Bregenzer Festspielen oder dem Lucerne Festival.


Bild li. Seite: Dirigent Roberto GonzálezMonjas (Mitte) mit dem österreichisch-kolumbianischen Solistenquartett: Nutthaporn Thammathi, Claire-Elizabeth Craig, Eliana Piedrahita Restrepo und Nelson Sierra (von li. nach re.).

© DIVE Entertainment

Diese Seite: Volles Haus beim Mozart-Festival in El Retiro. Die kleine Stadt im Osten der Provinz Antioquia ist neben Medellin der zweite Veranstaltungsort des Mozart-Festivals.

beruflich mit der Musik verbunden zu nen. Diese Begegnungen sind für beibleiben und ihr Wissen an andere wei- de Seiten anregend. Das beginnt schon terzugeben. mit den unterschiedlichen Zugängen bei der Ausbildung. Anders als bei Unabhängig ob Festival, Meisterklas- uns, wo man zunächst meist jahrese oder Probennachmittag, es treffen lang Einzelunterricht erhält, ehe man doch Musiker aus unterschiedlichen im Orchester spielt, lernen die SchüKulturkreisen aufeinander. Funktio- ler aus Südamerika von Anfang an in niert das immer reibungslos? Wie der Gruppe. Beide Varianten haben überbrückt man allein die sprachli- natürlich ihr Für und Wider – und chen Barrieren? führen zu einem lebendigen Austausch Es ist immer wieder faszinierend zu untereinander. erleben, wie schnell sich Künstler, über alle kulturellen und sprachlichen Man merkt Ihnen deutlich an, wie sehr Barrieren hinweg allein über die Mu- Sie selbst von diesem regen musikasik austauschen und verstehen kön- lischen Austausch begeistert sind.

Absolut! All diese jungen Menschen verbindet trotz unterschiedlicher Zugänge und Wurzeln die immer spürbare Freude an der Musik. So etwas steckt natürlich an und ist im allerbesten Sinn faszinierend. Gleichzeitig wird sichtbar, welchen Einfluss die Musik auf die Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen hat und wie wichtig dabei das Thema „Exzellenz“ ist: das fortwährende Streben nach höchstmöglicher Qualität – im musikalischen Sinn, aber auch im Umgang miteinander. Und ich gebe offen zu: Auch ich lerne durch diese Begegnungen ständig Neues dazu.

SUMMARY Operative for over five years now, the partnership between the Mozarteum Foundation and the Hilti Foundation, with its Music for Social Change programme, has already accomplished a great deal. As Partner in Education, Hilti supports the Mozarteum’s programme for children and young people, in particular the Mozart Children’s Orchestra. Besides running international projects and training programmes, the partners have now established a Mozart festival in Colombia. The 2020 Mozartwoche will include musicians from the Iberacademy in Medellín, and a quartet will perform at this year’s Dialogues.

HILTI FOUNDATION – PARTNER IN EDUCATION

Christine Rhomberg, Mitglied der Geschäftsleitung der Hilti Foundation.

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MOZARTS UNVOLLENDETE

Es ist noch nicht sehr lange her, da galten unvollendete Kompositionen zwar als lehrreich, aber doch als untauglich für die musikalische Praxis. Und so blieb Mozarts c-Moll-Messe aus dem Jahr 1783, deren autographer Torso immerhin fast 150 Notenseiten umfasst, lange Zeit so gut wie unbeachtet.

Ulrich Leisinger

Bachs Kunst der Fuge BWV 1080 wurde kurz nach seinem Tod gedruckt; die in der Originalhandschrift unvollendete Schlussfuge, die abbricht, noch ehe das eigentliche Hauptthema zum Einsatz kommt, wurde aber so weit abgeschnitten, dass der Eindruck eines abgeschlossenen Ganzen entstand. Ähnlich erging es Schuberts Unvollendeter, der großen Symphonie in h-Moll D 759 aus dem Jahr 1823, die 1865 ihre Uraufführung, bald danach auch ihre erste Ausgabe erlebte, wobei man

das nur teilweise skizzierte Scherzo digen [Werken] beigezählt, wenn das einfach wegließ. Wesentliche von Mozart gegeben war und nur die völlige Ausführung von anAls Ludwig Ritter von Köchel 1862 deren Meistern, wie Abbé Stadler, das Chronologisch-thematische Ver- Süssmayer, Sechter u. a., vorgenomzeichniss sämmtlicher Tonwerke Wolf- men wurde. Es sträubte sich nämlich gang Amadé Mozart’s vorlegte, führte das musicalische Gefühl, so treffliche er in einem Anhang fast 100 Fragmen- oft weiter ausgesponnene Anfänge, dete (KV Anh. 12–109) an. Kurioser- nen zuweilen nur einige Tacte zur weise sind auch im Hauptteil des Vollständigkeit fehlten, in die AbtheiKatalogs zahlreiche Fragmente enthal- lung der unvollendeten Compositionen ten: „Ja es wurden auch einzelne Sätze, zu verweisen, wo zu besorgen stand, als Fugen, Arien, Kyrie, den vollstän- dass sie minder beachtet würden.“

MISSA C-MOLL KV 427

SUMMARY

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When Ludwig von Köchel published his Chronological-thematic Catalogue of the Complete Works of W. A. Mozart in 1862, he listed almost 100 fragments in an appendix. However, the main catalogue contains numerous fragments – individual movements substantially by Mozart but elaborated by others, such as his pupil Süssmayr – which Köchel was afraid would be ignored if relegated to the appendix. The C minor Mass K 427, composed in 1783, remained virtually unheeded until the 20th century, when it found its way into the concert repertoire. Parts of the ordinary (necessary for liturgical use) were never composed, large sections of the Credo are missing, and apparently the Agnus Dei was never even started. Mozart wrote the Sanctus for double choir, so the manuscript paper allowed no room for all the instrumental parts underneath, and he had to write a separate score for the wind parts; unfortunately, the original main score is lost. The completed parts of the Mass were performed in St Peter’s in Salzburg in October 1783, unusual features being the participation of the court orchestra and a female soprano soloist: Mozart’s wife, Constanze. The missing Credo and Agnus Dei were presumably taken from a different mass, copies being available from the libraries of the Cathedral or St Peter’s. Numerous versions of the Mass have been elaborated since 1901; the latest version, premièred this year, was commissioned by the Salzburg Mozarteum Foundation, to be published by Bärenreiter.

Eine erfrischend unwissenschaftliche Argumentation, mit der die „wertvollen“, weil von fremder Hand vollendeten und für die Praxis geretteten Fragmente von den scheinbar weniger wertvollen, weil unvollendet hinterlassenen Stücken ästhetisch abgegrenzt werden sollten. Der Hauptteil des Köchelverzeichnisses enthält auf diese Weise gut zwanzig Kompositionen, die bei strenger Auslegung des Kriteriums „Fragment“ in den Anhang gehört hätten, darunter so bedeutende Kompositionen wie die Kleine Nachtmusik KV 525 (deren erstes Menuett und Trio verlorengegangen sind), das sogenannte Krönungskonzert KV 537 (für das Mozart sich nie die Zeit genommen hat, die Partie der linken Hand vollständig einzutragen, obwohl er das Konzert mehrfach öffentlich gespielt hat) und – natürlich – die c-Moll-Messe KV 427 sowie das Requiem KV 626.


Die c-Moll-Messe aus dem Jahr 1783, deren autographer Torso immerhin fast 150 Notenseiten umfasst, blieb hingegen lange Zeit so gut wie unbeachtet. Obwohl Johann Anton André, der den Mozartschen Nachlass von der Witwe angekauft hatte, das Werk 1840 im Druck vorlegte – die Teilsätze „Credo in unum Deum“ und „Et incarnatus est“ sogar als getreue Wiedergabe des von Mozart nur teilweise instrumentierten Entwurfs – spielte die Messe bis in das 20. Jahrhundert hinein in der musikalischen Praxis keine Rolle. Erst in den letzten 100 Jahren hat sich das Werk den Konzertsaal (eher als die Kirche, für das es eigentlich bestimmt war) erobert.

um missae, die für die liturgische Verwendung eigentlich unverzichtbar waren, nie komponiert. Vom Credo fehlen große Teile, das Agnus Dei mit „Dona nobis pacem“ wurde allem Anschein nach überhaupt nicht in Angriff genommen. Selbst die beiden ersten Teilsätze des Credo sind unvollständig geblieben, da Mozart hier nur die Hauptstimmen aufgeschrieben hat – eine instrumentatorische Herausforderung für die Nachgeborenen. Von Sanctus und „Osanna“, die Mozart vollständig notiert hatte, sind Teile der Originalpartitur verlorengegangen: Da Mozart hier einen Doppelchor vorgesehen hatte, reichte das Notenpapier nicht, um alle Instrumente untereinander aufzuzeichnen, sodass er neben der Hauptpartitur mit den Sing- und Streicherstimmen eine Zusatzpartitur für die Bläserstimmen anlegen musste. Durch einen unglücklichen Zufall der Überlieferungsgeschichte ist ausgerechnet die Hauptpartitur dieser Sätze verloren gegangen; immerhin gibt es eine Abschrift oder vielmehr eine Bearbeitung aus der Zeit um 1800, die der Augsburger Kirchenmusiker Matthäus Fischer vorgenommen hat. Allerdings hat dieser den Doppelchor etwas gewaltsam auf einen überwiegend vierstimmigen Chorsatz reduziert.

die vollendeten Teile von Mozarts Messe während seines letzten Besuchs in Salzburg im Sommer und Frühherbst 1783 im Stift St. Peter zur Aufführung gekommen. Darüber wissen wir nicht viel mehr als zwei karge Notizen im Tagebuch von Mozarts Schwester. Sie hielt für Donnerstag, den 25. Oktober, fest: „bey der prob von der mess meines bruders, by welcher meine schwägerin die Solo singt“, und für den darauffolgenden Sonntag: „zu st peter im amt mein bruder sein amt [also eine Messe] gemacht worden. die ganze hofmusik war dabeÿ“. Diese wenigen Zeilen deuten Außergewöhnliches an: Die Mitwirkung der Hofmusik in einer Messe an St. Peter war etwas Besonderes, noch ungewöhnlicher aber, dass eine Frau, überdies eine „Zuagroaste“, dort im Gottesdienst singen durfte. Im Dom wäre das wohl nicht möglich gewesen. Vier Einzelstimmen (Orgel und drei Posaunen), im Dominikanerkloster Heilig Kreuz in Augsburg, wohin sie Maria Anna Mozart bald nach dem Tod des Vaters und wahrscheinlich als ein Vermächtnis verschenkt hat, sind alles, was heute noch an Material mit dieser Aufführung in Zusammenhang stehen mag.

Die Stimmen zeigen, dass damals aus Mozarts Messe Kyrie, Gloria, Sanctus Mozarts c-Moll-Messe ist in mehrfacher Hinsicht Fragment: Der Kompo- Auch diese Bearbeitung wäre letztlich und Benedictus zur Aufführung vorgenist hat einzelne Teile des Ordinari- nicht möglich gewesen, wären nicht sehen waren; es ist davon auszugehen,

MISSA C-MOLL KV 427

Das Requiem lag bereits seit dem Frühjahr 1792 in einer von fremder Hand vervollständigten Fassung vor. Doch so fremd war diese Hand gar nicht: Denn Franz Xaver Süßmayrs Hand konnte dem Schriftbild nach durchaus mit der seines Lehrers Mozart verwechselt werden – und als der „Schwindel“ zehn Jahre nach Mozarts Tod aufflog, bekundeten Constanze Mozart und Franz Xaver Süßmayr übereinstimmend, dass der Komponist mit ihm vor seinem Tode noch viele musikalische Details besprochen habe.

© Marco Borggreve

Der italienische Organist, Cembalist und Dirigent Andrea Marcon ist seit 2009 Künstlerischer Leiter des La Cetra Barockorchesters Basel, mit dem er bei der Mozartwoche 2020 Mozarts Missa c-Moll KV 427 in der vom wissenschaftlichen Leiter der Stiftung Mozarteum Salzburg, Ulrich Leisinger, rekonstruierten Fassung interpretieren wird.

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© INTERNATIONALE STIFTUNG MOZARTEUM

„Die c-Moll-Messe ist für mich Mozarts Liebeserklärung an Constanze. Deshalb wollen wir dieses Werk wirklich jedes Jahr spielen lassen. Das wird auch unsere Liebeserklärung an das Publikum der Mozartwoche“, sagt Rolando Villazón als Intendant der Mozartwoche. (Bild li.: Constanze Mozart, Porträt von Hans Hansen, Wien 1802)

MO 05. AUGUST 2019 19.30 UHR Stiftung Mozarteum, Großer Saal Stiftung Mozarteum Salzburg in Zusammenarbeit mit den Salzburger Festspielen CAMERATA SALZBURG, ANDREW MANZE DIRIGENT BACHCHOR SALZBURG, ALOIS GLASSNER CHOREINSTUDIERUNG, CAROLYN SAMPSON SOPRAN MARIANNE BEATE KIELLAND SOPRAN, BENJAMIN BRUNS TENOR, DOUGLAS WILLIAMS BASS, MICHAELA AIGNER ORGEL Leopold Mozart Litaniae Lauretanae Es-Dur B.M.V. Wolfgang Amadeus Mozart Missa c-Moll KV 427 Rekonstruierte Fassung von Ulrich Leisinger Einführungsgespräch um 18.30 Uhr

DO 30. JÄNNER 2020 19.30 UHR #30 Stiftung Mozarteum, Großer Saal Mozartwoche 2020 LA CETRA BAROCKORCHESTER & VOKALENSEMBLE BASEL ANDREA MARCON DIRIGENT, CAROLYN SAMPSON SOPRAN MARGRIET BUCHBERGER SOPRAN, RICHARD RESCH TENOR JOSÉ ANTONIO LÓPEZ BASS Mozart Litaniae Lauretanae B.M.V. für Soli, gemischten Chor, Orchester und Orgel KV 195 Missa c-Moll KV 427 Rekonstruierte Fassung von Ulrich Leisinger

dass die fehlenden Sätze Credo und Agnus Dei aus einer anderen Messe ergänzt werden sollten. Hierzu musste aber kein eigenes Stimmenmaterial ausgeschrieben werden, vielmehr konnte man einfach auf Kopien aus der Notenbibliothek des Doms oder des Stifts St. Peter zurückgreifen. Seit die c-Moll-Messe durch den Dresdner Mozart-Verehrer Alois Schmitt 1901 erstmals für die musikalische Praxis eingerichtet wurde, hat es mit jeder neuen Generation auch neue Fassungen der Werkes gegeben. Für Salzburg, wo mit den Aufführungen durch die Stiftung Mozarteum Salzburg im Rahmen der Salzburger Festspiele eine gut neunzig Jahre zurückreichende Aufführungstradition besteht, ist die Fassung, die der Komponist Helmut Eder in Ergänzung zur Neuen Mozart-Ausgabe (wo die Messe nur als Fragment wiedergegeben ist) Anfang der 1980er-Jahre erstellt hat, wohl am häufigsten aufgeführt worden. Diese Edition ist inzwischen ihrerseits in die Jahre gekommen. Die historisch informierte Aufführungspraxis hat die Augen dafür geöffnet, wie wohl der Komponist die Instrumentierung der Teile, für die „das Wesentliche von Mozart gegeben war“, um mit Köchel zu sprechen, angegangen wäre. Ein genaues Studium des doppelchörigen Repertoires, das im 18. Jahrhundert am Salzburger Dom gepflegt wurde, erlaubt es, den komplexen Chorsatz der „Osanna“Fugen, die nur in der vierstimmigen Reduktion aus der Zeit um 1800 überliefert sind, zu rekonstruieren. Eine entscheidende Rolle für die Verteilung der Singstimmen auf die beiden Chöre kommt dabei den Posaunen zu, denn ein Blick in die Schätze des Salzburger Domarchivs zeigt, dass diese stets mit den entsprechenden Stimmen des ersten Chores geführt werden.

Einführungsgespräch um 18.30 Uhr

Die heuer erstmals gespielte Fassung ist im Auftrag der Stiftung Mozarteum, an der bereits die Neue Mozart-Ausgabe erarbeitet und unter meiner Mitwirkung abgeschlossen wurde, entstanden und wird beim Bärenreiter-Verlag Kassel im Druck erscheinen. Sie erklingt nun im Sommer mit der Camerata Salzburg und dem Bachchor Salzburg unter der Leitung von Andrew Manze und dann bei der Mozartwoche im Jänner 2020 mit dem La Cetra Barockorchester und dem Vokalensemble Basel unter Andrea Marcon.

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BEGEGNUNG, AUSTAUSCH, BRÜCKENBAU Die DIALOGE präsentieren sich mit vielgestaltigen Begegnungen von Künsten und Künstlern, Epochen und Stilen, kaleidoskopisch und doch konzise. Als dessen künstlerischer Leiter bringt Andreas Fladvad-Geier das Festival vom 22. November bis 1. Dezember 2019 im konkreten wie im übertragenen Sinne neu ins Gespräch. Walter Weidringer

Ersonnen hat sie Andreas FladvadGeier, der nach einer verkürzten Ausgabe im letzten Jahr nun seine erste vollgültige Ausgabe des Festivals präsentiert. Warum die DIALOGE eigentlich so heißen? „Weil ein paar kluge Menschen zum Mozart-Jahr 2006 auf die Idee gekommen sind, für die Stiftung Mozarteum ein Festival zu programmieren, das Mozart als zeitgenössischen Komponisten zeigt“, lautet seine Antwort. „Wir vergessen ja immer, dass Mozart als in seinen Tagen zeitgenössischer Komponist ungemein innovativ tätig war und viele Dinge, die uns heute selbstverständ-

Die Leute ins Gespräch zu bringen, die Rahmenbedingungen für Kommunikation zu finden, aber auch Kunst auf Kunst reagieren zu lassen, ist dabei Fladvad-Geiers Anliegen: „Zum einen sind es natürlich die Künstler*innen, die mit den Werken in Dialog treten, aber es sind auch die verschiedenen Werke, die sich aufeinander beziehen. Dann sind es die Ausführenden in zum Teil ungewöhnlichen Kombinationen, zum Beispiel der Multiperkussionist Christoph Sietzen im musikalischen Dialog mit dem Cellisten Maximilian Hornung oder das Zusammenwirken des Trompeters Tamás Pálfalvi mit der Tänzerin Julia Gyulai.“ Dass zu Antoine Tisnés Solostück „Emotion“ die ausdrucksvollen instrumentalen Gesten mit Körperlichkeit und Bewegung jenseits des Musikers selbst zusammenfinden, verspricht eine ungewöhnliche Erfahrung im Konzertsaal. „Es gibt nicht nur das Stillsitzen zur Musik“, betont FladvadGeier. „Sie wird auf mehreren Ebenen wahrgenommen und spielt in verschiedenen Medien eine Rolle, etwa Oper oder Tanz. Sie kann mit bildender Kunst in Dialog treten und sich an bestimmten Orten mit speziellen Raumerlebnissen verbinden – zum Beispiel im Museum der Moderne. Das gehört zu einem Festival zeitgenössischer Musik unbedingt dazu.“

© Thomas Brill

lich erscheinen, neu und zum ersten Mal gemacht hat. Ich finde sowohl diesen Gedanken als auch den Titel des Festivals schön und treffend: Dialoge zu führen ist eine wichtige Aufgabe – gerade in unserer heutigen Zeit.“

Constantinos Carydis dirigiert Mozarts Requiem bei den DIALOGEN 2019; dazu Musik von Periklis Koukos und Carlo Gesualdo.

In Gestalt einer Tanz-/Musiktheaterproduktion ist das dann in der Uraufführung von „Framework“ mit der Klever Dance Company zu erleben. Darin erzählt der preisgekrönte finnisch-britische Choreograph Kristian Lever zu Musik der jungen US-amerikanischen Komponisten Kellen und Marshall McDaniel ein und dieselbe Geschichte aus zwei Perspektiven: zunächst aus der Sicht einer Frau, die entführt wurde und sich langsam mit ihren Entführern identifiziert, nach der Pause dann aus der Sicht ihrer Familie. Wo sind die Grenzen der Selbstbestimmung, wann wird Fürsorge zur Einschränkung? In einem zwischen den Generationen so brennend aktuellen Thema wie diesem sieht Fladvad-Geier einen weite-

DIALOGE 2019 – FESTIVAL FÜR MUSIK

Selbstverständlich schließen auch die DIALOGE 2019 mit der traditionellen Aufführung von Mozarts Requiem – aber Überraschungen sind selbst dabei nicht ausgeschlossen. Am Pult des Mozarteumorchesters Salzburg steht diesmal Constantinos Carydis, der Aufsehen erregende Gewinner des ersten Carlos Kleiber Preises, der mit seinen elektrisierenden Deutungen auf Basis der historisch informierten Aufführungspraxis Jubelstürme ebenso wie fruchtbare Diskussionen auslöst. Dazu tritt Musik des 1960 geborenen Griechen Periklis Koukos sowie 400 Jahre alte, atemberaubend moderne Todessehnsucht des faszinierenden Carlo Gesualdo: Tiefe Auseinandersetzungen über Leben und Sterben stehen da an, über Stile, Epochen und Zugänge hinweg – solche Begegnungen ziehen sich durch das gleichsam neu aufgesetzte Programm der DIALOGE, das mit einigen neuen Veranstaltungsschienen aufwartet.

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FESTIVAL FÜR MUSIK

© Marco Borggreve/Warner Classics

DIALOGE

Bei den DIALOGEN 2019 zu Gast (von li. nach re.): der Pianist und Komponist Fazıl Say, Multiperkussionist Christoph Sietzen, die österreichische ProgressiveRock-Band Blank Manuskript – und viele andere.

22.11.–01.12.2019

www.mozarteum.at

DIALOGE 2019 – FESTIVAL FÜR MUSIK

SUMMARY

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The 2019 DIALOGUES aim to promote communication between performers, audiences, generations, composers, works, genres, media, approaches, styles, epochs, cultures, traditions and continents, with music – particularly New Music – as the common language. In a wide spectrum, the programme also includes literature, dance and a rock band. For the greatest possible diversity of appeal, the venues range from concert hall to café, from train station to St Peter's Church, the duration from 15 minutes to full evening programme, the atmosphere from intimate or informal to full-scale performance, and there is no overlapping in the schedule. We tend to forget that in his own day, Mozart was incredibly innovative. Now the DIALOGUES festival presents him as a contemporary composer, with the idea of both aiding access to New Music and stimulating the increasingly rare phenomenon of conversation, with a view to mutual acceptance through shared experience rather than explanation. There is no focus on any specific composer or style, and the geography reaches from the Far East to the Americas, from the North Cape to South Africa. As ever, the festival concludes with Mozart’s Requiem, and with music ancient and contemporary telling of life and death.

ren Ansatzpunkt für die DIALOGE „als zentrale Brücke zwischen Künstlern und Publikum – nicht als nüchterne Erklärung, sondern als Erlebnis, als Ereignis. Es ist selbstverständlich unser höchstes Ziel, die Menschen bei jeder einzelnen Veranstaltung emotional zu erreichen. Dazu muss niemand alles mögen, was da zu hören und zu erleben ist, aber alle sollen auf jeden Fall vom Dargebotenen angesprochen, am besten natürlich mitgerissen werden. Für mich ist es wichtig mitzuhelfen, dass sich keine Seite diesem Dialog verweigert: dass es also einerseits den Musiker*innen und auch den Komponist*innen nicht egal ist, was ,die da‘ im Saal denken, und dass andererseits auch das Publikum nicht findet, mit so ‚schrägen Tönen‘ nichts zu tun haben zu wollen. Und dann sind es auch noch die Dialoge zwischen künstlerischen Sparten und zwischen verschiedenen Medien.“ Dass für einen erfolgreichen Austausch eine gemeinsame Sprache nötig ist und Neue Musik im Ruf steht, schwer verständlich zu sein, ist Fladvad-Geier klar: „Man kann die Sprache nicht leichter machen, aber wir können, glaube ich, Übersetzungshilfen geben. Das ist eine Grundidee bei den DIALOGEN: Möglichkeiten für den Dialog zu schaffen, so dass beide Seiten füreinander offen sind, und gleichzeitig dem Publikum Hilfen an die Hand zu geben, die den Zugang erleichtern.“ Das sind zum Beispiel Gesprächsveranstaltungen, bei denen Künstler*innen und Publikum einander näher kommen können. „Auch die Durchmischung verschiedener Publikumssegmente und Altersgruppen finde ich spannend: Wir haben einerseits ein ausdrückliches Jugendkonzert, andererseits einen ‚Abend für Frank Zappa‘, an dem das œnm auf die österreichische Progressive-RockBand Blank Manuskript trifft, oder das NAMES Ensemble, das in das Museum der Moderne geht.“ Die bisherigen Komponistenschwerpunkte bei den DIALOGEN gibt Fladvad-Geier bewusst auf – warum? „Zwischen Amerika und Fernost, zwischen Südafrika und Nordkap ist die zeitgenössische Musik so vielgestaltig geworden, dass man nicht mehr sagen kann, welche komponierende


Traditionen in Gestalt des Violinisten Frank Stadler und des Komponisten und Oud-Spielers Hossam Mahmoud; danach steigt die „große Fazıl-SayNacht“, die in einer „Oriental Lounge“ mit DJ Schönhart ausklingt. Liegt die Blick- oder besser: Hörrichtung in den Nahen Osten in der Luft? „Das kommt einerseits aus der verstärkten Wahrnehmung, da viele junge Menschen aus diesen Ländern mittlerweile bei uns studieren und gehört werden, andererseits ist es der Reiz, dass da trotz europäischer Beeinflussung doch anders komponiert wird, ein anderer Zugang zur Musik spürbar ist. Der Verzicht auf den einen großen Schwerpunkt macht eben solche Thementage möglich, die ihren Teil zur Buntheit der DIALOGE beitragen.“ In diesem Sinn werden immer wieder Brücken geschlagen zwischen der Alten und der Neuen Musik, etwa durch den Geiger Benjamin Schmid sowie die Blockflötistin Dorothee Oberlinger, oder in Brunchkonzerten, wo einmal auch der Achse Spanien-Südamerika nachgelauscht wird, in diesem Sinn kommt es zu Begegnungen mit der Lyrik von Georg Trakl und Oscar Wilde sowie der Prosa der schreibenden Pianistin Yara Lee aka Afamia Al-Dayaa oder bringen junge Leute ebenso wie Komponisten ihr Leben zwischen einstiger und aktueller Heimat aufs Tapet. Durchs Reden kommen die Leut’ z’samm – und Musik ist dabei gewiss nicht die schlechteste Sprache.

DIALOGE 2019 – FESTIVAL FÜR MUSIK

sein, fernab des geschützten Konzertsaals. Darüber hinaus gehen die DIALOGE sogar in die Kirche – genauer gesagt in die Stiftskirche St. Peter: An sechs Tagen des Festivals bildet jeweils um 21.30 Uhr ein geistig-geistliches Programm mit Musik und Texten aus allen Jahrhunderten den Abschluss, indem es sich mit den großen Themen der Menschheit auseinandersetzt – eine halbe Stunde Reflexion über uns Nicht nur auf die programmatische, und die Welt. auch die zeitliche Abfolge der DIALOGE ist durchdacht: „Entsprechende Dass die viel zitierte Schwellenangst Zeit vorausgesetzt, soll jeder zu allen vor dem Konzertsaal (und wohl auch Veranstaltungen gehen können – auch vor dem Kirchenraum) existiert und ich selbst! Bei mir steckt in jedem vielleicht manche Werke gar nicht so einzelnen Projekt so viel Herzblut, dass gut in den Großen Saal des Mozarich lieber auf ein paar Dinge verzich- teums passen, ist dabei einkalkuliert: tet habe, um überall dabei sein und „Es soll das richtige Stück den richtialles erleben zu können. Davon ab- gen Raum bekommen. Manchmal muss gesehen ist mir die Schiene Ortswech- man auf Intimität achten, auf die sel ein besonderes Anliegen, bei der Möglichkeit zur Konzentration; anderswir in die Stadt und an ungewöhnliche wo wiederum braucht man den groOrte gehen, zum Beispiel den Bahn- ßen Rahmen wie etwa bei Fazıl Say, hof oder in Cafés, wo die Menschen der zum Konzerterlebnis das Richtige nicht erwarten, auf 15 bis 20 Minuten beitragen kann. Oder wenn ein Pubzeitgenössische Musik zu treffen.“ likum, das sich auf Blank Manuskript freut, im Großen Saal der Stiftung Dabei geht es Fladvad-Geier zwar schon Mozarteum ein überraschendes, überauch um die Suche nach einem neu- wältigendes Ambiente findet.“ en Publikum, aber: „Ich will das nicht bloß als Werbeveranstaltung verstan- Der Name Fazıl Say ist gefallen: Der den wissen, sondern wirklich als voll- aus der Türkei stammende Kompogültiges, eigenes Format, das an ande- nist und Pianist ist mit seiner Musik ren Orten eine andere Wahrnehmung eine Art Knotenpunkt und Umschlagvon Musik ermöglicht. Und es soll eine platz zwischen Kulturen und Traditioandere Form der Begegnung, des Dia- nen. An einem Nachmittag begegnen logs zwischen Musikern und Publikum einander europäische und ägyptische

© Silberleitner

© Stefan Siezen

Einzelperson oder Gruppe nun paradigmatisch für eine aktuelle Richtung stehen würde. Ich denke, man kann das nur als Kaleidoskop, als breites Spektrum abbilden. Weil man ansonsten anfängt, Position für einen ganz bestimmten Stil zu beziehen – und das möchte ich nicht. Ich möchte im Gegenteil Offenheit signalisieren und die Diversität zeigen.“

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NAHVERSORGUNG FÜR DIE SEELE

„Kammermusik nicht als Luxusartikel, sondern als Lebensmittel: vielfältig, bunt, mal fordernd, mal unterhaltend, Grenzen ausreizend, niemals langweilig und immer existenziell“ – so will Andreas Fladvad-Geier, der den Saisonkonzerten als künstlerischer Leiter seinen Stempel verleiht, den Veranstaltungsreigen durch die neue Spielzeit 2019/20 verstanden wissen. Eine beeindruckende Interpretenschar, von großen Stars bis zu aufregenden Newcomern präsentiert ein vielfältiges Programm, in dem sich Epochen, Stile, ja manchmal sogar verschiedene Künste auf beglückende Weise miteinander verbinden. Damit steht die Stiftung Mozarteum zu ihrer Tradition und erfindet diese doch immer wieder neu: als Nahversorger für künstlerische Seelennahrung herausragender Qualität.

Walter Weidringer

Wie viel mehr bringen Worte in uns zum Klingen, wenn sie gesungen werden? Wie viel deutlicher spricht Musik, die einen Text mitteilt? Ihr Gatte habe durch seine Kompositionen den „Liedern erst Leben gegeben“, bekannte der Dichter Joseph von Eichendorff im Gespräch mit Clara Schumann. Was aber fügen die Interpreten dem lebendigen Etwas aus Wort und Ton hinzu, einen weisen, sensiblen Begleiter etwa und eine der Intimität Klang verleihende Singstimme? Im idealen Fall dürfen wir es ge-

trost Seele nennen. In den Konzerten der Stiftung Mozarteum in der Saison 2019/20 wird diese Seele besonders in den Liederabenden spürbar, die so etwas wie das Herz des Programms bilden. Musik und Literatur gehen da, über Zeiten und Stile hinweg, immer wieder ihre unnennbaren, verblüffend intimen Verbindungen ein. Musik und Literatur waren auch die beiden Zentren von Robert Schumanns Begabung, der lange nicht sicher war, wel-

che die Oberhand gewinnen würde. Sein Schaffen ist wohl im Herzen, im Innersten jener konzentrischen Kreise zu finden, in denen sich das musikalische Angebot dieser Saison ausweitet. Der Eichendorff-Liederkreis op. 39 ist ein Hauptwerk bei Günther Groissböcks und Gerold Hubers mit „Herz-Tod“ überschriebenem Abend: Die Weisen vom Lieben und Sterben finden da ihre Fortsetzung in russischen Romanzen Tschaikowskys und Rachmaninoffs – sowie natürlich bei Johannes Brahms und seinen „Vier

SAISONKONZERTE 2019/20

SUMMARY

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True to its tradition, the Salzburg Mozarteum Foundation presents a varied concert programme for the new season, with a wide range of works – challenging, entertaining, pushing boundaries, in a combination of epochs, styles and approaches, sometimes even interdisciplinary – and performers including stars and exciting newcomers. The lieder recitals, the heart of the programme, illustrate how a sensitive accompanist can breathe a soul into the mutual enhancement of words and music – with landscapes ranging from Egypt through Europe to the North Pole, composers from Gabriel Bataille to Mieczysław Weinberg, and texts from Goethe and Molière to Lermontov. The enigmatic “triangle” of Robert and Clara Schumann and the younger Brahms is spotlighted, bringing the underrated Clara to the fore. Some less usual instrumental combinations bring variety to the chamber concerts, in which literature also plays a significant role, and the sheer eloquence of music is demonstrated by purely instrumental partnerships.


SAISON KONZERTE 2019/20 SEPTEMBER 2019

DO 26. ● Saisoneröffnung: Preisträgerkonzert

ernsten Gesängen“ nach Bibeltexten, in denen er die letzten Wochen der geliebten Freundin Clara Schumann verarbeitet hat, nachdem sie einen Schlaganfall erlitten hatte. Was war das überhaupt für ein vertracktes Beziehungsdreieck zwischen den Schumanns und dem jungen Hamburger! Dass Robert seiner Clara musikalisch und sozial ganz entschieden bedurfte, dass sie mit ihm, dessen Denken doch in zeitbedingten Geschlechterstereotypen gefangen war, in doppeltem Sinne „spielte“ und dass er erheblich daran litt, kann zu seiner Erkrankung beigetragen haben, die ihn in geistiger Umnachtung sterben ließ. Glücklos und schuldbehaftet musste dann Claras Beziehung zum jungen Freund des Hauses Johannes Brahms bleiben, den Robert so flammend als neue Hoffnung der Musik vorgestellt hatte – ein Lob, das zeitlebens schwer auf dessen Schultern lasten sollte. „Ein Abend für Clara Schumann“ mit dem Amatis Piano Trio nützt da auch das geschriebene Wort, um der notorisch unterschätzten Komponistin Clara und ihrem Umfeld gerecht zu werden. Robert, Clara und ihr Freund Felix Mendelssohn bilden sodann den Ankerpunkt für den europäisch-ägyptischen Liederabend, den die Sopranistin Fatma Said und Malcolm Martineau nach Suleika benennen, der Geliebten in Goethes „West-östlichem Divan“ – und folgerichtig erstreckt sich das Programm über Kostbarkeiten der maurischen Begegnungszone auf der iberischen Halbinsel bis hin zu Zeitgenossen aus Ägypten und dem Libanon. Eine doppelte Forschungsreise ins Herz der Dunkelheit wagen hingegen der Bariton Benjamin Appl, James Baillieu am Klavier und der Schauspieler Harald Krassnitzer: Sie verknüpfen Schuberts „Winterreise“ mit den Auf-

OKTOBER 2019

DI DI DI DI

01. 15. 22. 29.

● ● ● ●

Martynas Levickis Amatis Piano Trio, Britta Bayer Edgar Moreau, David Kadouch Maximilian Kromer

SO DI DI DI DO

03. 05. 12. 26. 28.

● ● ● ● ●

Günther Groissböck, Gerold Huber Magnus Holmander, David Huang „Der Glöckner von Notre Dame“, James Minguet Quartett u. a. Tamás Pálfalvi, András Gábor Virágh u. a.

NOVEMBER 2019

DEZEMBER 2019

DO 26. ● Mela Marie Spaemann

FEBRUAR 2020

FR 21. ● Benjamin Appl, James Baillieu, Harald Krassnitzer DI 25. ● Eldbjørg Hemsing, Julien Quentin MÄRZ 2020

DI DI

17. ● Benjamin Schmid & Freunde 24. ● Stadler Quartett, Agnė Stančikaitė APRIL 2020

DO 02. ● Martin Stadtfeld FR 17. ● Fatma Said, Malcolm Martineau DI 21. ● Salzburg Chamber Soloists, Skou-Larsen DI DI DO DI DI

05. 12. 14. 19. 26.

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MAI 2020 Julia Hagen, Francesca Cardone Mozarteum Quartett, Ferdinand Steiner „Die drei Musketiere“, Dennis James Groovin’ Tango Quintett Lucas und Arthur Jussen JUNI 2020

FR 05. ● Marie-Claude Chappuis, Luca Pianca u. a. DI 09. ● Andreas Martin Hofmeir, Andreas Mildner DO 18. ● Ray Chen, Julien Quentin ● ● ● ● ●

Kammermusik im Großen Saal Kammermusik im Wiener Saal Liederabende im Großen Saal & im Wiener Saal after work im Wiener Saal Orgel & Film im Großen Saal

Tickets: +43-662-87 31 54, www.mozarteum.at

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© Leo Neumayr

© Felix Broede

© Julia Wessely © Nikolaj Lund

©Julia Wessely

© Yvonne Zemke/Sony

Von li. nach re – Obere Reihe: Günther Groissböck und Gerold Huber, Amatis Piano Trio. Mittlere Reihe: Eldbjørg Hemsing, Benjamin Schmid. Untere Reihe: Martin Stadtfeld, Julia Hagen.

SAISONKONZERTE 2019/20

zeichnungen der österreichisch-ungarischen Nordpolexpedition 1872–74 unter Leitung von Carl Weyprecht und Julius Payer, deren entkräftete, demoralisierte Teilnehmer um ein Haar ihren Tod im Eis gefunden hätten...

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Haarsträubendes ganz anderer Art prägt jenen Abend, an dem der Georg-Trakl-Förderungspreis des Landes Salzburg verliehen wird und bei dem Lyrik Trakls in der Musik von Manfred Trojahn aufgeht. Immer wieder beschäftigt er sich mit dem Schaffen des Salzburger Dichters, der 1914 als vom Weltkriegsgeschehen traumatisierter Sanitätsleutnant den Tod an einer Überdosis Kokain fand: Seelentöne in Wort und Musik werden hier eins. Schon lange vor Trakl hat JeanBaptiste Poquelin, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Molière, auf den Grund menschlicher Sehnsüchte und Schwächen geblickt.

Die Mezzosopranistin Marie-Claude Chappuis, Luca Pianca an der Laute und wieder das gesprochene Wort erwecken den französischen Komödienklassiker zu neuem Leben. Hier wie auch bei einem Franz Liszt gewidmeten Abend mit der Pianistin Francesca Cardone werden rezitierte Übersetzungen der vertonten Gedichte, in diesem Fall von Dante, Petrarca oder Michelangelo, den tieferen Sinn der Musik offenbaren – wobei Julia Hagen mit ihrem Violoncello die Rolle der Gesangssolistin vertritt. Verse von Michael Lermontow hat dagegen Mieczysław Weinberg in seinen „Drei Palmen“ für Sopran und Streichquartett komponiert, ein weiterer Beweis für die Stärke dieses 1996 verstorbenen und lange vergessenen Komponisten im freundschaftlichen Schatten Dmitri D. Schostakowitschs; das Stadler Quartett widmet ihm einen ganzen Abend.

Seele ist auch in den rein instrumentalen Programmen zu spüren: an einem französischen Abend für Violoncello und Klavier, der die Sphäre Molières weiterführt, in der Kombination von Trompete und Orgel, welche aus Liszts Spiritualität hervorzugehen scheint und sogar bis in den Tanz hineinreicht. Große Besetzungsstärken werden erreicht, wenn Benjamin Schmid mit Freunden Penderecki und Beethoven spielt, oder in einem Gesprächskonzert zu symphonisch anmutender Kammermusik sowie der Intimität von Orchesterwerken. Ganz auf sich allein gestellt sind dagegen die Pianisten Martin Stadtfeld und Maximilian Kromer; sonst aber dominieren die Duoformationen, die durchwegs nicht nur einen glänzenden Star im Rampenlicht präsentieren, sondern zwei gleichwertige Meisterinnen oder Meister ihres jeweiligen Fachs: so innig verbunden, als wären sie Wort und Ton im Lied.


GROSSE SÄNGERIN UND MOZART-ENTHUSIASTIN Die 1848 in Würzburg geborene Lilli Lehmann war eine außergewöhnliche Persönlichkeit, der die Stiftung Mozarteum und ganz Salzburg sehr viel zu verdanken haben. Sie machte als Sängerin und Gesangspädagogin eine internationale Karriere.

© Internationale Stiftung Mozarteum

Sammlung um ganz bemerkenswerte Stücke erweitern. In der Villa, die sich die Sängerin mit ihrem Ehemann Paul Kalisch (ebenfalls Opernsänger) am Mondsee gebaut hatte, haben sich viele persönliche Gegenstände erhalten, welche die Stiftung Mozarteum mit Unterstützung der Mariann Steegmann Foundation erwerben konnte. Entdeckt wurden diese Schätze von der englischen Musikwissenschaftlerin Rosamund Cole, die ihre Dissertation über Lilli Lehmann verfasst hat und federführend bei der inhaltlichen Erschließung der Sammlung mitwirkt. Diese Sammlung umfasst zahlreiche Gemälde, Grafiken, Fotos, persönliche Gegenstände, Briefe und andere Dokumente von Lilli Lehmann, aber auch von ihrer Mutter, der Sängerin Maria Theresia Löw, ihrem Ehemann Paul Kalisch und vielen anderen.

Gebäude eingeweiht werden konnte. Ohne sie wäre es auch nicht möglich gewesen, dass die Stiftung Mozarteum 1917 – mitten im Ersten Weltkrieg – Mozarts Geburtshaus erwerben und so diese einmalige Gedenkstätte erhalten und der Öffentlichkeit zugäng1916 gründete Lilli Lehmann die Salz- lich machen konnte. 1920 wurde sie burger „Gesangskurse“, die zur Ent- als erste Frau Ehrenbürgerin von Salzstehung der Internationalen Sommer- burg. akademie der Universität Mozarteum führten, wobei sie sich besonders der Vor kurzem konnte die Stiftung MoInterpretation von Mozarts Opern wid- zarteum Salzburg ihre Lilli Lehmann- Armin Brinzing mete. Sie stiftete auch die „Lilli-Lehmann-Medaille“, mit der bis heute herausragende Studierende der UniverSUMMARY sität Mozarteum von der Stiftung Mozarteum ausgezeichnet werden. Renowned German soprano and voice teacher Lilli Lehmann (1848–1929) had a phenomenally wide operatic repertoire, and a special affinity with Mozart. Lilli Lehmann stellte ihre Energie, ih- From 1901 onwards, she was a driving force of the Mozarteum Foundation’s ren Einfluss und ihre internationalen „Salzburger Musikfeste“, both as performer and stage director of Mozart operas, Kontakte ganz in den Dienst der Stif- as several piano scores with her stage directions (now in the Bibliotheca tung Mozarteum, die sie dafür zu ih- Mozartiana) testify. Salzburg and the Mozarteum Foundation have her immense rem Ehrenmitglied machte. Mit dem contribution to thank both for the Mozarteum building, completed in 1914, ihr eigenen Elan sammelte sie Spen- and for enabling the Foundation’s purchase of Mozart’s birthplace in 1917. In den und organisierte Benefizkonzerte, 1920 she was the first woman to be made an honorary citizen of Salzburg. immer wieder spendete sie auch selbst The Salzburg Mozarteum Foundation, supported by the Mariann Steegmann beträchtliche Summen. Nur so war es Foundation, recently acquired a collection of the singer’s personal effects, dismöglich, dass 1914 das Mozarteums- covered in her villa on the Mondsee by English musicologist Rosamund Cole.

LILLI LEHMANN

Lilli Lehmann sang nicht nur Wagner und italienischen Belcanto, sondern widmete sich besonders intensiv dem Werk Mozarts. Ab dem Jahr 1901 wurde sie zum treibenden Motor der „Salzburger Musikfeste“ der Stiftung Mozarteum. Sie trat nicht nur als gefeierte Sängerin auf, sondern führte – als eine der ersten Frauen überhaupt – auch Regie bei mehreren Opern Mozarts. Einige Klavierauszüge, in denen sie RegieAnweisungen und Bühnenskizzen eingetragen hatte, schenkte Lilli Lehmann noch zu Lebzeiten der Stiftung Mozarteum. Sie werden in der Bibliotheca Mozartiana gemeinsam mit vielen anderen Mozart-Schätzen verwahrt.

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MUSIKER – MANAGER – MENSCH Anlässlich seines 300. Geburtstags widmet sich eine Sonderausstellung im Mozart-Wohnhaus am Makartplatz Leopold Mozart.

Anja Morgenstern

Söhne großer Väter haben es im Leben und bisweilen auch danach nicht leicht. Als August von Goethe 1830 in Rom starb, schrieb man auf seinen Grabstein lediglich „GOETHE FILIVS“. Wolfgang Amadé Mozarts jüngstes Kind, Franz Xaver Wolfgang, zeichnete als Komponist schon zu Lebzeiten mit Wolfgang Amadeus (Sohn). Der Bankier Abraham Men-

delssohn, der gerne Musiker geworden wäre, hatte es doppelt schwer. Er stellte einmal mit einer gewissen Bitterkeit fest: „Früher war ich der Sohn meines Vaters, jetzt bin ich der Vater meines Sohnes“. Nur als Vater seines genialen Sohnes Wolfgang Amadé Mozart wurde auch Leopold Mozart oft gesehen. Ihn ans Licht zu holen und umfassend als faszinierende, eigen-

LEOPOLD MOZART

Als Vizekapellmeister war Leopold Mozart in den 1770er-Jahren mit der Erstellung der Gehaltslisten aller Hofmusiker betraut. Hier vermerkt ist seine eigene Gehaltserhöhung „itzt 33 f20 x“, die er ab 25. September 1778 für seinen größeren Arbeitsaufwand in Abwesenheit eines Kapellmeisters erhielt.

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ständige Persönlichkeit zu würdigen ist das Ziel der aufwendig gestalteten Sonderausstellung der Stiftung Mozarteum Salzburg anlässlich seines runden Geburtstags, der sich am 14. November 2019 zum 300. Mal jährt. Wer war Leopold Mozart wirklich? Die Schau im Mozart-Wohnhaus, in dem die Familie Mozart ab 1773 wohnte

SUMMARY To mark the 300th anniversary of Leopold Mozart’s birth, a comprehensive 4-phase exhibition (see programme of events: www.mozarteum.at) in the Mozart Residence focuses on the personality and achievements of the composer, violinist, court musician, vice-kapellmeister, music engraver and copyist. A gifted teacher, he instructed his talented children and published a famous treatise on violinplaying. He was a family man and convivial host, with a wide circle of friends and contacts, which was helpful in organising concerts and tours. A devout Catholic, a Freemason, free-thinker and true man of the Enlightenment, he supported colleagues and the widows and children of musicians. His letters show him to be well-read, and a lover of art, theatre and opera.


© Internationale Stiftung Mozarteum

und wo Leopold am 28. Mai 1787 starb, geht dieser Frage auf den Grund, denn Leopold Mozart (1719–1787) gehörte zweifelsohne zu den interessantesten und vielseitigsten Persönlichkeiten seiner Zeit. 50 Jahre lebte und wirkte er in Salzburg. Er war nicht nur der Verfasser einer europaweit verbreiteten Violinschule, sondern auch ein produktiver Komponist, langjähriger Hofmusiker und Geiger, Vizekapellmeister, geschickter Notenstecher und Kopist. Zudem war er ein erfolgreicher Pädagoge, kluger Erzieher und Förderer seiner begabten Kinder, geschätzter Gelehrter, aufmerk-

samer Beobachter und ein exzellenter Briefschreiber. Er war liebevoller Ehemann und sorgender, bisweilen belehrender Familienvater, geselliger Gastgeber, gebildeter Leser, sammelnder Kunstfreund, leidenschaftlicher Theater- und Opernbesucher. Leopold Mozart schuf sich ein weitverzweigtes Netzwerk an Kontakten, war ein zielstrebiger Organisator, umsichtiger Reisemanager und Konzertveranstalter. Er war gläubiger Katholik, Freimaurer, provokanter Untertan, Freigeist und Mann der Aufklärung, der sowohl Kollegen als auch Musikerwitwen und -waisen unterstützte.

Im Tanzmeistersaal im Mozart-Wohnhaus, der von den Mozarts als Gesellschafts- und Musikraum genutzt wurde, zieht das große Familiengemälde die Aufmerksamkeit des Besuchers auf sich. Dieses für eine bürgerliche Musikerfamilie ungewöhnliche Bild, welches in den Jahren 1780/81 entstand, spiegelt – als Einstimmung auf die folgenden sechs thematisch gestalteten Ausstellungsräume – das große Selbstbewusstsein wider. Seine geliebte Ehefrau Anna Maria, die 1778 in Paris verstorben war, komplettiert als Bild an der Wand diese Szene einer hochinteressanten Familie, „die“ – so Leopold –

LEOPOLD MOZART

Das sogenannte Familienbild von Johann Nepomuk della Croce (1736–1819), das im Mozart-Wohnhaus zu sehen ist, stellt den 24-jährigen Mozart gemeinsam mit seiner Schwester „Nannerl“ und seinem Vater Leopold dar; ein Bildnis der bereits verstorbenen Mutter hängt an der Wand im Hintergrund.

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„nicht als Eltern und Kinder, sondern beitete er sich bis 1763 zum Vizekaals freunde zusammen lebten“. pellmeister der Hofmusikkapelle empor. Neben seiner Tätigkeit als HofgeiAls Augsburger Buchbindersohn kam ger erfüllte er in dieser Funktion zahlLeopold achtzehnjährig mit einer pro- reiche organisatorische Aufgaben, etfunden humanistischen Ausbildung wa das Führen von Besoldungslisten, zum Studium an der Benediktiner Uni- den Ankauf von Instrumenten und versität nach Salzburg. Seit jeher galt Musikalien, und als „Headhunter“ für jedoch seine Leidenschaft der Musik, das Musikpersonal übte er großen Einund ohne sein Studium zu beenden fluss auf die Hofmusik aus. trat er 1740 als Kammerdiener und Geiger in den Dienst des Salzburger Ein zentrales Thema der SonderausDomherrn Johann Baptist von Thurn- stellung bildet die Violinschule, die im Valsassina und Taxis. Dieser förderte Geburtsjahr Wolfgang Amadés 1756 den jungen, ehrgeizigen Musiker bis im renommierten Verlag von Johann hin zur Aufnahme in die Hofkapelle des Jakob Lotter in Augsburg erschien. Salzburger Fürsterzbischofs. Dort ar- Das Buch erfuhr eine äußerst positive

Oben: Leopold Mozart mit seinen beiden Kindern. Aquarellkopie nach Louis Carrogis de Carmontelle. Nach dem großen Erfolg Wolfgangs im Herbst 1763 in Paris fertigte der Porträtist Louis Carrogis de Carmontelle (1716–1806) das Aquarell mit der musizierenden Familie Mozart an. Unten und oben rechts: Einblicke in die Sonderausstellung im Mozart-Wohnhaus.


© Nice Kim / iStock

merksamer Beobachter seiner Lebenswelt: Er interessierte sich neben musikalischen Dingen für technische Errungenschaften, Politik, Mode, Kunst und die Naturschönheiten der bereisten Länder. Erstmals zu sehen sind einzelne Blätter aus einer Kupferstichsammlung mit Porträts niederländischer KünstlerInnen vom Anfang des 18. Jahrhunderts, die Leopold Mozart auf der großen Westeuropareise 1763 bis 1766 gekauft hatte.

Leopold Mozart charakterisierte sich selbst 1757 als äußert produktiven Komponisten, der nahezu alle Gattungen seiner Zeit bediente: Kirchen- und Kammermusik, Vokal- und Instrumentalmusik. Rund 250 Kompositionen lassen sich heute sicher nachweisen. Trotz der zeitintensiven Ausbildung seiner beiden Kinder gab Leopold Mozart bis etwa 1770 das Komponieren nicht vollständig auf. Für die Salzburger Kirchen entstanden Messen, Litaneien Leopold Mozart zeigt sich in seinen und kleinere geistliche Werke. In der rund 500 erhaltenen Briefen als auf- fürsterzbischöflichen Residenz wur-

den Symphonien, Konzerte und Serenaden aufgeführt. Leopold Mozart komponierte für den Hof, die Universität und verschiedene Bruderschaften sowie für private Auftraggeber in Salzburg. Mittels Abschriften sorgte er für die Verbreitung seiner Musik auch über Salzburg hinaus. Aus konservatorischen Gründen können nicht alle originalen Exponate während der gesamten Ausstellungsdauer gezeigt werden, weshalb die wertvollen Autographe, Manuskripte und Originaldrucke, darunter viele internationale Leihgaben, in vier thematischen Zyklen präsentiert werden (Instrumentalmusik: April bis Juni 2019, Kirchenmusik: Juli bis August 2019, Privates: September bis November 2019, „Schlittenfahrt“: Dezember 2019 bis Februar 2020). Vieles davon ist erstmalig in Salzburg zu sehen und in der Dichte und Fülle einzigartig. Ein Veranstaltungsprogramm mit Konzerten, Vorträgen und Sonderführungen begleitet die Ausstellung.

Zu sehen bis 9. Februar 2020 Weitere Informationen zur Sonderausstellung „Leopold Mozart. Musiker – Manager – Mensch“: www.mozarteum.at

LEOPOLD MOZART

Aufnahme in der Fachwelt und machte Leopold Mozart in Europa berühmt. Bereits 1766 erschien unter den Augen des Autors eine holländische Übersetzung, um 1770 folgte eine französische Version. Die Gründliche Violinschule war das erste umfassende deutschsprachige Lehrwerk für die Violine. Darin fasste der gefragte Pädagoge Leopold Mozart seine über Jahre gesammelten Erfahrungen beim Geigenunterricht zusammen, widmet aber auch mehrere Kapitel allgemeinen musikalischen Fragen. Die Violinschule ist heute nicht nur für Geiger, sondern auch für alle an historisch orientierter Aufführungspraxis interessierten Musiker ein grundlegendes Nachschlagewerk. Die Thematik wird durch einen eigens für diese Ausstellung produzierten Film vertieft, in dem Geigerinnen und Geiger wie Midori Seiler, Benjamin Schmid oder Emmanuel Tjeknavorian Einblicke in ihr Verhältnis zur Violinschule geben.

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© Hermann Seidl


Modellbild zu der geplanten Verbindung zwischen dem Schul- und Verwaltungstrakt mit dem Wiener Saal und dem Großen Saal des Mozarteum-Gebäudes. Es entstehen zwei Foyers als kommunikative Orte, die straßenseitige Fassade bleibt unangetastet. (Perspektive vom Bastionsgarten durch das Foyer im 1. Stock zur Sschwarzstraße hin).

LICHTBLICKE FÜR DAS MOZARTEUM Jeder Konzertbesucher im Großen Saal des Mozarteums kennt die Situation: Soeben wurden die Künstler mit großem Applaus in die Pause verabschiedet, das Publikum erhebt sich von den Sitzen und strebt nach „draußen“. Das heißt nichts anderes als ein wenig Geduld zu haben, ehe man sich mit dem ersehnten Pausendrink im Schatten der berühmten Lilli-Lehmann-Linde im Bastionsgarten zu anderen, musikerfüllten Gästen gesellen kann. Die Stiftung Mozarteum Salzburg denkt die bauliche Situation neu und beweist Mut.

Ernst Strobl

Wie bändigt man den Publikumsstrom, wenn ob des Dranges nach „draußen“ gar ein Gegenverkehr entsteht, wenn die einen noch gar nicht die Bar erreicht haben, während die anderen bereits wieder in Richtung Saal strömen? Da hilft nur eines. Die Stiftung Mozarteum musste die bauliche Situation neu denken und auch ein wenig Mut zeigen. Ein Wettbewerb wurde in Gang gesetzt, 18 internationale Architekturbüros wurden eingeladen. Das Siegerprojekt steht nun fest, ausgewählt von einer Jury unter Vorsitz der Architektin Marie-Therese Harnon-

court, die unter anderem den „Wolkenturm“ von Schloss Grafenegg entworfen hat. Als Wettbewerbssieger ging das Salzburger Architektenbüro Marie Flöckner & Hermann Schnöll hervor. „Mit diesem Thema beschäftigen wir uns schon seit langem“, sagt Stiftungspräsident Johannes Honsig-Erlenburg. „Schon vor hundert Jahren stellte der Pausenraum nur ein Provisorium dar. Ausschlaggebend für das jetzige Projekt war vor rund drei Jahren, dass wir Maßnahmen zur barrierefreien Erschließung des Wiener Saals und des Hauptgebäudes insgesamt auf Grund gesetzlicher Vorschriften ergreifen mussten. Dabei sind uns die gravierenden Defizite, die den Betrieb unserer Konzertsäle massiv erschweren, richtig bewusst geworden. So führt die Verbindung vom Hauptgebäude zum Großen Saal nur durch den Wiener Saal. Und für 820 Konzertbesucher gibt es derzeit nur einen Pausenraum mit rund 60 m². Machen wir aus der Not eine Tugend, schaffen wir nicht nur die barrierefreien Zugänge, sondern verbessern wir

die Gesamtsituation – das waren und sind unsere Beweggründe.“ Das Salzburger Architekten-Duo überzeugte die Jury mit einer „begehbaren räumlichen Struktur aus Glas und Stahl“. Schreckt junge Architekten nicht das Wort „Denkmalschutz“ ab, das über dem Projekt schwebt? „Denkmalschutz bedeutet vor allem auch, dass es sich hier um ein sehr wertvolles, historisches Bauensemble handelt, und das ist ja ein Gewinn für das gesamte Projekt“, sind sich Maria Flöckner und Hermann Schnöll einig. „Unsere Intention war das Öffnen der Raumfuge zwischen Konzertsaal und Mozarteum, welche der wunderbare, kommunikative Ort für die beiden neuen Foyers sein wird, eingebettet und verflochten mit dem Ensemble. Wir lassen die straßenseitige Fassade unangetastet.“ Aber wie sieht es mit einer „persönlichen Handschrift“ des preisgekrönten Architektenbüros aus, ist nicht Glas das unpersönlichste, dezenteste Ma-

LICHTBLICKE FÜR DAS MOZARTEUM

An warmen Tagen ist es herrlich im Bastionsgarten, an kühleren wird auch der – nur über eine steile Treppe erreichbare – Wiener Saal Anlaufstelle für Pausenbegegnungen. An dieser Schnittstelle zwischen dem Konzertgebäude und dem so genannten Schul- und Verwaltungstrakt an der Schwarzstraße liegt die logistische Schwachstelle, die 1914 der Architekt des weltberühmten Mozarteum-Gebäudes, Richard Berndl, hinterlassen hatte.

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architekturbüro floeckner & Schnoell (3) ©

Unten: Präsentation des Siegerprojekts. Von li. nach re.: die Architekten Maria Flöckner und Hermann Schnöll, Tobias Debuch (kaufmännischer Geschäftsfüher der Stiftung Mozarteum Salzburg), die Juryvorsitzende Marie-Therese Harnoncourt und Stiftungspräsident Johannes Honsig-Erlenburg.

terial überhaupt? „Wir wollen in den Raum zwischen Konzertsaal und Mozarteum eine feine Struktur aus Glas und Stahl einfügen, welche sich von innen heraus mit der Stadt und ihren Orten verbindet und extrem durchlässig wirksam wird“, sagen Flöckner und Schnöll. „Diese kommunizierenden Übergangsräume, welche sich nicht selbst genügen, würden wir vielleicht als ,persönliche Handschrift‘ bezeichnen“.

Im streng geschützten Weltkulturerbe Salzburg „neue Architektur“ zu implementieren, ist das nicht auch ein Kampf gegen Widerstände? Bei dem 1996 wiedereröffneten „Tanzmeisterhaus“, also dem Mozart-Wohnhaus am Makartplatz, entschied sich die Stiftung Mozarteum Salzburg für eine „historische“ Rekonstruktion, wo sich jegliche Diskussion über das Ergebnis bald verflüchtigte. Präsident HonsigErlenburg dazu: „Ich teile die Ein-

schätzung, dass die Salzburger ,neuer Architektur‘ eher reserviert gegenüberstehen. Warum das so ist, können Fachleute aus Architektur und Soziologie viel besser als ich beantworten. Nur so viel: die Furcht vor Veränderung, vor einem Verlust des ,Liebgewonnenen‘ scheint hier in Salzburg allzu groß. Die ,historische‘ Rekonstruktion vom Mozart-Wohnhaus halte ich nach wie vor für die richtige Entscheidung, auch wenn die Stiftung Mozarteum

LICHTBLICKE FÜR DAS MOZARTEUM

SUMMARY

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The Salzburg architecture office of Maria Flöckner and Hermann Schnöll is the winner of the international architecture competition. The task was to design a new link between the teaching and the concert wings of the Mozarteum building, opened in 1914, offering a unique opportunity to expand both buildings, and to redevelop the courtyard and the connecting wing to allow barrierfree access to the complex. Since the site is in the Old Town, the historical façades had to be preserved and the musical unity of the two buildings reflected, in what Alfred Brendl called “the spirit of Mozart”. A basement will be built, the new public areas, of glass and steel, will be light and airy, and a staircase and lift will solve the problem of the difference in height between the buildings. The rear will open on to the bastion garden with the linden tree, and give access to the Mirabell Garden and the Heckentheater. The costly development reflects Salzburg’s pride in the Mozarteum concert hall.


damit Schelte von der Architekturkritik einstecken musste. Richtig deshalb, da ja rund ein Drittel des Objekts original erhalten war und sich die Erweiterung städtebaulich sehr gut in die Umgebung einfügt.“

Bastionsgarten? „Der Mirabellgarten soll über das hoffentlich bald revitalisierte Heckentheater und den Bastionsgarten erreicht werden, die Lilli-Lehmann-Linde bleibt erhalten“, erläutern Flöckner und Schnöll. Wird der Wiener Saal von seiner Funktion als „DurchDie Anmerkung, ein radikaler Archi- gangsraum“ erlöst? Und wie werden tekt wie Frank Gehry hätte wohl kei- die Niveauunterschiede überbrückt? ne Chance gehabt, beantworten die Wettbewerbssieger so: „Bedeutende „Wir haben hier an der Schnittstelle Aufgaben bedürfen natürlich eines aus- zwischen Mozarteum und den neuen gezeichneten Teilnehmerfeldes. Dass Foyers eine neue Treppenanlage mit es bei sehr eingeschränkten Möglich- Lifterschließung integriert, welche alkeiten schwieriger ist, kann auch wie- le Ebenen beider Häuser erreicht“, der eine gute Voraussetzung für einen sagen Flöckner & Schnöll. Weitere Despannenden Entwurf sein.“ tails: Der derzeitige „Künstleraufgang“ führt bis zur Künstlergarderobe und Die Jury-Entscheidung für das Salz- zur Präsidiumsloge. Verschwindet dieburger Architektenbüro und sein Um- ser Aufgang? „Unser Projekt sieht einen bau-Projekt fiel einstimmig aus. „Das geschützten Künstleraufgang an der Siegerprojekt überzeugt mit einem Nordseite vor, foyerseitig wird es eine Konzept, das den Raum zwischen den interne Künstlertreppe zwischen Saal Bestandsgebäuden für Licht und Durch- und den Künstlergarderoben geben“, blicke öffnet und die historischen Fas- lautet die Erklärung der Projektplaner. saden atmosphärisch in das neue Am- Die bisherige Einreichplanung lässt jebiente einbezieht. Alle Anforderungen denfalls Vorfreude aufkommen. wurden überzeugend gelöst und zusätzliche Bespielungsszenarien für das Eine der wichtigsten Fragen betrifft Mozarteum geschaffen“, heißt es in natürlich die Basis für alle Bauträume, der Begründung der Vorsitzenden Ma- das Geld. Wie kann man sich die Finanrie-Therese Harnoncourt. zierung des Projekts vorstellen, wenn bisher vage von fünf bis zehn Millionen Wie kann man sich diesen verbinden- Euro die Rede ist? Johannes Honsigden neuen Glas-Stahl-Raum vorstellen, Erlenburg ist optimistisch: „Die Neuwas ist mit der „Öffnung“ in Richtung gestaltung des Zwischentraktes be-

schränkt sich nicht auf die bloße Erweiterung des Foyer-Bereiches im Erdgeschoß und des Pausenraumes im 1. Stock, allein wegen der Statik muss die gesamte Kubatur unterkellert werden, womit wir zusätzlichen Raumgewinn, aber auch entsprechend höhere Kosten haben werden. Dazu kommen die Maßnahmen zur barrierefreien Erschließung, zusätzliche Stiegenauf- und -Abgänge beim Wiener Saal und vieles mehr. Alles in allem ein umfassendes Bauprojekt, das die Obergrenze der genannten Bandbreite von fünf bis zehn Millionen Euro erreichen oder vielleicht sogar überschreiten wird. Sobald die Einreichunterlagen fertig sind, werden die tatsächlichen Baukosten mit allen anfallenden Nebenkosten ermittelt. Wir sind guten Mutes, dass ein Drittel dieser Kosten von privaten Unterstützern aufgebracht wird, ein Drittel wird die Stiftung Mozarteum aus einer langjährig dafür angesparten Rücklage abdecken und ein Drittel erwarten wir von der öffentlichen Hand: Die Konzertsäle in der Stiftung Mozarteum in Salzburg sind eine Visitenkarte Salzburgs und der Republik Österreich. Der Große Saal des Mozarteums gehört außerdem zu den legendären Aufführungsorten der Salzburger Festspiele. Ich denke, dass wir uns alle dieser außergewöhnlichen Bedeutung bewusst sind.“

LICHTBLICKE FÜR DAS MOZARTEUM

„Das Siegerprojekt überzeugt mit einem Konzept, das den Raum zwischen den Bestandsgebäuden für Licht und Durchblicke öffnet und die historischen Fassaden atmosphärisch in das neue Ambiente einbezieht. Alle Anforderungen wurden überzeugend gelöst und zusätzliche Bespielungsszenarien für das Mozarteum geschaffen“, heißt es in der Begründung der Jury-Vorsitzenden des Architektenwettbewerbs, MarieTherese Harnoncourt, zu den Entwürfen der Architekten Maria Flöckner & Hermann Schnöll.

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MUSIKEDITION DES 21. JAHRHUNDERTS Zu den unausrottbaren Vorurteilen unserer Zeit gehört, dass Wissenschaft weltfremd und unverständlich sei.

Ulrich Leisinger

Noch vehementer als Mozart hätte dieser Vorstellung wohl sein Freund und Vorbild Joseph Haydn widersprochen, der nach dem Anhören der sechs ihm gewidmeten Quartette mit Bewunderung ausgerufen haben soll: „ich sage ihnen vor gott, als ein ehrlicher Mann, ihr Sohn ist der größte Componist, den ich von Person und den Nahmen nach kenne: er hat geschmack, und über das die größte Compositionswissenschaft“ – wie Leopold Mozart in einem Brief an seine Tochter Maria Anna in St. Gilgen im Februar 1785 stolz berichtete. Die Frage, wie Mozarts Werke all jenen, die von seiner Musik fasziniert sind, nahegebracht werden können, beschäftigt die Stiftung Mozarteum Salzburg mit ihren Vorgängerinstitutionen seit fast 180 Jahren. Eine ein für alle Mal verbindliche Antwort gibt es nicht. Unverzichtbar sind zweifellos Aufführungen seiner Werke – heute am liebsten mit dem Gütesiegel der Mozartwoche auf der Basis eines fundierten, wissenschaftlich geprüften Notentextes. Dieser Aufgabe hat sich die Stiftung Mozarteum durch die Neue Mozart-Ausgabe gestellt, die unmittelbar vor dem Mozart-Gedenkjahr 1956 in Angriff genommen wurde: „Die Neue Mozart-Ausgabe bietet der Forschung“, wie es im Vorwort zu jedem der gut 120 Notenbände heißt, „auf Grund aller erreichbaren Quellen – in erster Linie der Autographe Mozarts – einen einwandfreien Text, der zugleich die Bedürfnisse der Praxis berücksichtigt.“ Diese Pionierleistung auf dem Gebiet der Musikedition, an der im Auftrag der Stiftung Mozarteum Salzburg zahlreiche Gelehrte und praktische Musiker über Jahrzehnte beteiligt waren, wurde 50 Jahre später zum Mozart-Jahr 2006 durch die sogenannte NMA Online

DIGITAL-INTERAKTIVE MOZART-EDITION

SUMMARY

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For over 180 years, the Salzburg Mozarteum Foundation has pursued the question of how to make Mozart accessible to music-lovers – apart from performances based on authenticated scores. These are published in the New Mozart Edition [NMA], after many years of meticulous research by scholars and musicians in all available sources (primarily Mozart’s autographs), and were launched online in 2006. In December 2018 the Foundation, in partnership with the Packard Humanities Institute in California, released the Digitalinteractive Mozart Edition portal (DIME). This enables the user to read and hear the music at the same time; image and sound are synchronised so that passages can be repeated or skipped, using the Digital Mozart Score Viewer. It is also possible to select an individual line (or lines) to print out, and even, for practice purposes, to play on a MIDI file. The code for each work can be downloaded in a readily readable format, (MEI).

allen Mozart-Liebhabern im Internet zugänglich gemacht. „Mozarts Werke auf einen Klick“ war der Slogan der NMA Online. Aktuell greifen täglich mehr als 1500 Menschen aus aller Welt auf dieses Angebot der Stiftung Mozarteum zurück. Noch heute ist dies die einzige Musikergesamtausgabe, die zum privaten, wissenschaftlichen und pädagogischen Gebrauch frei zur Verfügung steht. Doch die Möglichkeiten digitaler Publikationen sind rasant gewachsen, ebenso die Erwartungen der Nutzer. Schon während der Vorbereitungen für die Freischaltung der NMA Online hat die Stiftung Mozarteum mit ihrem langjährigen Kooperationspartner, dem Packard Humanities Institute in Los Altos (Kalifornien), die Weichen in Richtung einer „volldigitalen“ Zukunft gestellt. Ziel dieser Bemühungen ist es, dem Benutzer außer dem Notentext und zuverlässigen Informationen auch eine Palette an Werkzeugen zur Verfügung zu stellen, die ihm einen auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnittenen Zugang erlauben. Mit der Digital-interaktiven MozartEdition ist im Dezember 2018 eine neue Ära im Umgang mit den musikalischen Werken von Wolfgang Amadé Mozart angebrochen. Bislang waren die Noten zu Mozarts Musik im Internet ausschließlich als Bilder gedruckter Ausgaben verfügbar. Das neue Portal DIME, das an der Stiftung Mo-


Wolfgang Lienbacher ©

Mit der Digital-interaktiven Mozart-Edition ist seit Dezember 2018 eine neue Ära im Umgang mit den Werken von Wolfgang Amadé Mozart angebrochen. Auch der Computercode für jedes einzelne Werk in einem „lesbaren“ Format namens MEI hinterlegt. Informationen online: dme.mozarteum.at, www.mozarteum.at

Nicht jeder, der Mozarts Musik liebt, ist beispielsweise so weit geschult, dass er sich beim bloßen Anblick des Notentextes die Wirkung, die sich beim Anhören einstellt, vorstellen kann. Die Musik zu lesen und dabei auch anzuhören zu können ist mit einem nicht unerheblichem Umsetzungsaufwand verbunden: Gilt es doch, nicht nur die Rechte für eine Wiedergabe einzuholen, sondern auch Bild und Ton so zu synchronisieren, dass der Notentext „automatisch“ umblättert und bei Wiederholungen an die richtige Stelle springt. Vielleicht will der Nutzer auch von einer Stelle zur anderen springen, um sie miteinander zu vergleichen. Im digitalen Zeitalter mit MoVi, wie der hierfür entwickelte Digitale Mozart Score Viewer liebevoll genannt wird, kein Problem!

weise, der das Ave verum KV 618 aus Mozarts letztem Lebensjahr einstudieren will, wäre glücklich, wenn ihm jemand – wie ein guter Chorleiter – „seine“ Stimme vorspielte, bis er sie sicher beherrscht. Die Digital-interaktive Mozart-Edition bietet ihm eine entsprechende Auswahlfunktion. Wer den ganzen Chorsatz ohne Orchester oder vielleicht auch nur den Chorsopran mit dem instrumentalen Bass studieren will, kann sich diesen individuellen Notentext leicht erstellen, speichern und ausdrucken.

der Erstausgabe jeweils für sich codiert. Zur Arbeitserleichterung für den Benutzer ist es nun möglich anzuzeigen, an welchen Stellen einer der Texte vom Notentext der NMA abweicht. Sofern keine Rechte der Quellenbesitzer dem entgegen stehen, kann man sich außerdem ein Bild der historischen Quellen anzeigen lassen. Eine bewusste, gemeinsame Entscheidung der Stiftung Mozarteum Salzburg und des Packard Humanities Institute bei diesem Pionierprojekt war und ist es, dass dieser Datenschatz mit anderen geteilt werden soll. Wer möchte, kann sich den Computercode für jedes einzelne Werk, das in einem vergleichsweise einfach „lesbaren“ Format namens MEI abgelegt ist, herunterladen. Er kann die Daten analysieren, in beliebiger Weise verarbeiten und sie auch für eigene Zwecke nicht kommerzieller Natur verwenden.

Die Aufgabe, Mittel bereitzustellen, damit man sich dieses Noten-„Bild“ auch anhören kann, ist weit weniger trivial: Denn aus einer realen Aufnahme können einzelne Stimmen nicht einfach ausgeblendet werden. Aber die digitale Technik bietet hierfür eine Alternative: Der Notentext kann im MIDI-Format abgespielt werden, als gäbe es hierfür einen Korrepetitor an einem elektrischen Klavier. Vielleicht kein Hörgenuss – doch gleichermaßen Einmal mehr steht Wolfgang Amadé Mozart damit im Brennpunkt der wispraktisch wie hilfreich. senschaftlichen Beschäftigung mit Ein Mozart-Forscher wiederum mag an- Musik. Nach den Meilensteinen Neue dere Fragen an die sogenannten Haydn- Mozart-Ausgabe und NMA Online Quartette stellen: Wie unterscheidet 2005 ist auch die Digital-interaktive sich der vom Komponisten autorisier- Mozart-Edition seit 2018 ein „Turm“ te Erstdruck von Mozarts Autograph? – aber kein Elfenbeinturm, in dem Für einzelne Sätze der Quartette kön- sich die Wissenschaft vor der Welt nen wir diese Frage heute schon be- versteckt, sondern ein Leuchtturm, Auch wird nicht jeder Nutzer zu jeder antworten: Denn außer dem Notentext der Mozarts einzigartiges musikalisches Zeit alle Stimmen eines Werkes sehen der NMA, der als Referenztext dient, Schaffen in neuer Form in alle Welt wollen: Ein Chorsänger beispiels- ist der Notentext des Autographs und ausstrahlt.

DIGITAL-INTERAKTIVE MOZART-EDITION

zarteum Salzburg unter dem Cheflektor der Digitalen Mozart-Edition Norbert Dubowy in Zusammenarbeit mit dem Packard Humanities Institute in Los Altos/Kalifornien entwickelt wurde, stellt erstmals digitale Daten bereit, die der Benutzer interaktiv steuern kann. Doch keine Sorge: Der Benutzer kann zwar die Anzeige des Notentextes seinen Wünschen entsprechend optimieren, der Notentext selbst kann aber nicht einfach und „beliebig“ manipuliert werden.

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Z MO

OCHE 2 02 0

N

ER

– 2. FEBR

19.30 Felsenreitschule #06 OPER KONZERTANT: LE NOZZE DI FIGARO

CAPPELLA ANDREA BARCA, ARNOLD SCHOENBERG CHOR, SIR ANDRÁS SCHIFF DIRIGENT UND CONTINUO, ROLANDO VILLAZÓN SZENISCHE EINRICHTUNG, DAVY CUNNINGHAM LICHT, CHRISTIANE KARG SOPRAN, REGULA MÜHLEMANN SOPRAN, MARIE MCLAUGHLIN SOPRAN, JULIA LEZHNEVA SOPRAN, ANGELA BROWER MEZZOSOPRAN, ANGELO POLLAK TENOR, FLORIAN BOESCH BARITON, JULIEN VAN MELLAERTS BARITON, MAURIZIO MURARO BASS Mozart „Le nozze di Figaro“ KV 492

R

ÄN 23. J

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FR 24.01

A

W RT

UA

Einführungsgespräch 18.30 Uhr 19.30 OVAL – Die Bühne im EUROPARK #07

Musik von Mozart KONZERT ZUR ERÖFFNUNG DER MOZARTWOCHE 2020

MOZARTEUMORCHESTER SALZBURG, ARNOLD SCHOENBERG CHOR, KRISTIINA POSKA DIRIGENTIN, CLAIRE ELIZABETH CRAIG SOPRAN, EVA-NINA KOZMUS FLÖTE, BEN GOLDSCHEIDER HORN, ANNELIEN VAN WAUWE KLARINETTE, RICCARDO TERZO FAGOTT, ROLANDO VILLAZÓN MODERATION Mozart Symphonie C-Dur KV 200, „Regina coeli“ für Sopran, gemischten Chor, Orchester und Orgel KV 108, Symphonie A-Dur KV 114, Rondo Es-Dur für Horn und Orchester KV 371, Konzert A-Dur für Klarinette und Orchester KV 622: 2. Satz, Andante C-Dur für Flöte und Orchester KV 315, Konzert B-Dur für Fagott und Orchester KV 191

SA 25.01

DO 23.01

LES SOURDS-DOUÉS 15.00 Stiftung Mozarteum, Großer Saal #01 11.00 Stiftung Mozarteum, Großer Saal #08

SOLISTEN DES CHAMBER ORCHESTRA OF EUROPE Mozart Divertimento B-Dur für zwei Oboen, zwei Hörner und zwei Fagotte KV 270, Divertimento D-Dur für zwei Violinen, Viola, Bass, Oboe und zwei Hörner KV 251, Divertimento Es-Dur für zwei Oboen, zwei Hörner und zwei Fagotte KV 252, Divertimento D-Dur für Violine, Viola, Bass, Fagott und zwei Hörner KV 290/KV 205 Einführungsgespräch 10.15 Uhr

18.00 DomQuartier, Rittersaal der Residenz #02

15.00 Salzburger Marionettentheater #09

MOZART & SEINE FREUNDE

PÙNKITITITI!

RADOVAN VLATKOVIC HORN, NATSUNE KIMURA HORN, GERARDO KLEINBURG PUBLIZIST

DOUG FITCH REGIE, BÜHNE, KOSTÜME, FLORIAN WILLEITNER MUSIKALISCHE LEITUNG, GEOFF SOBELLE SCHAUSPIELER/STIMME, POOL OF INVENTION ENSEMBLE, ENSEMBLE DES SALZBURGER MARIONETTENTHEATERS

Mozart Zwölf Duos für zwei Hörner KV 487 (Auswahl) Vortrag Mozart & seine Freunde

Mozart Musik zu einer Faschingspantomime „Pantalon et Colombine“ für zwei Violinen, Viola und Bass KV 446, Ballettmusik zur Pantomime „Les petits riens“ KV 299b u. a.

20.00 Uhr Haus für Mozart #03 MESSIAS PREMIERE

LES MUSICIENS DU LOUVRE, PHILHARMONIA CHOR WIEN, MARC MINKOWSKI DIRIGENT, ROBERT WILSON INSZENIERUNG, BÜHNE, LICHT ELENA TSALLAGOVA SOPRAN, WIEBKE LEHMKUHL ALT, RICHARD CROFT TENOR, JOSÉ COCA LOZA BASS U. A.

19.30 Großes Festspielhaus #10

WIENER PHILHARMONIKER, DANIEL BARENBOIM DIRIGENT UND KLAVIER, RADEK BABORÁK HORN Mozart Symphonie B-Dur KV 319, Konzert Es-Dur für Horn und Orchester KV 447, Konzert d-Moll für Klavier und Orchester KV 466

Mozart „Der Messias“ KV 572 Oratorium in drei Teilen für Soli, Chor und Orchester von Georg Friedrich Händel (HWV 56) bearbeitet von Mozart

Einführungsgespräch 18.30 Uhr Einführungsgespräch 19.00 Uhr MOZART-BINGO & MUSIKALISCHER SPASS: LOTERÍA MOZARTIANA

CHAMBER ORCHESTRA OF EUROPE, ANDREW MANZE DIRIGENT, FRANÇOIS LELEUX OBOE

MITGLIEDER DER CAMERATA SALZBURG, ROLANDO VILLAZÓN MODERATION

Mozart Symphonie D-Dur KV 297 „Pariser Symphonie“, Konzert C-Dur für Oboe und Orchester KV 314, Symphonie C-Dur KV 551 „Jupiter-Symphonie“

Mozart „Ein musikalischer Spaß“ für zwei Violinen, Viola, Bass und zwei Hörner KV 522. Lotería Mozartiana-Spiel

Einführungsgespräch 10.15 Uhr 15.00 Mozart-Wohnhaus, Tanzmeistersaal #05 „LIEBSTER BESTER FREUND“

HUGUES BORSARELLO MOZARTS VIOLINE, PAUL MONTAG MOZARTS „WALTER“-FLÜGEL, FLORIAN TEICHTMEISTER REZITATION Mozart Sonaten für Klavier und Violine G-Dur KV 301, C-Dur KV 303, e-Moll KV 304, Fantasie d-Moll für Klavier KV 397. Aus Briefen von Mozart an seine Freunde

SO 26.01

KALENDARIUM MOZARTWOCHE 2020

FR 24.01 72

22.00 ARGEkultur #11 11.00 Stiftung Mozarteum, Großer Saal #04

11.00 Stiftung Mozarteum, Großer Saal #12

CAMERATA SALZBURG, FRANÇOIS LELEUX LEITUNG UND OBOE, EMMANUEL PAHUD FLÖTE, PAUL MEYER KLARINETTE, RADOVAN VLATKOVIC HORN, GILBERT AUDIN FAGOTT Mozart Sinfonia concertante Es-Dur für Oboe, Klarinette, Horn, Fagott und Orchester KV 297b, Konzert D-Dur für Flöte und Orchester KV 314, Konzert G-Dur für Flöte und Orchester KV 313, Symphonie C-Dur KV 425 „Linzer Symphonie“ Einführungsgespräch 10.15 Uhr


OPER KONZERTANT: LE NOZZE DI FIGARO Programm und Besetzung siehe #06 Einführungsgespräch 14.00 Uhr

DI 28.01

SO 26.01

15.00 Felsenreitschule #13

18.00 DomQuartier, Rittersaal der Residenz #14 MOZART & SEINE FREUNDE

FLORIAN WILLEITNER, ROLANDO VILLAZÓN U. A. Mozart Musik für Sopran, Bass, Klarinette, Bassetthorn

11.00 Stiftung Mozarteum, Großer Saal #19

BLÄSERENSEMBLE DER AKADEMIE FÜR ALTE MUSIK BERLIN, MOJCA ERDMANN SOPRAN Mozart Divertimento F-Dur für zwei Oboen, zwei Hörner und zwei Fagotte KV 213, Divertimento F-Dur für drei Bassetthörner KV 439b, Rezitativ und Arie für Sopran und Orchester „Basta, vincesti“ – „Ah! non lasciarmi, no“ KV 486a, Rezitativ, Arie und Cavatine für Sopran und Orchester „Ah, lo previdi!“ – „Ah, t’invola“ – „Deh, non varcar“ KV 272, Divertimento B-Dur für zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Englischhörner, zwei Hörner und zwei Fagotte KV 186, Serenade Es-Dur für zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Hörner und zwei Fagotte KV 375

20.00 Haus für Mozart #15 Einführungsgespräch 10.15 Uhr MESSIAS Programm und Besetzung siehe #03

15.00 Mozart-Wohnhaus, Tanzmeistersaal #20

Einführungsgespräch 19.00 Uhr

„LIEBSTER BESTER FREUND“ Programm und Besetzung siehe #05 19.30 Stiftung Mozarteum, Großer Saal #21

L’ARPEGGIATA, BACHCHOR SALZBURG, CHRISTINA PLUHAR DIRIGENTIN, JULIA LEZHNEVA SOPRAN, BENEDETTA MAZZUCATO ALT, TOPI LEHTIPUU TENOR, DINGLE YANDELL BASS

SERENATA MEXICANA

ROLANDO VILLAZÓN MIT MARIACHIS Mexikanische Serenaten zu Mozarts Geburtstag

Mozart Vesperae solennes de Confessore für Soli, gemischten Chor, Orchester und Orgel KV 339, „Ode auf St. Caecilia“ von Georg Friedrich Händel (HWV 76), bearbeitet von Wolfgang Amadeus Mozart KV 592

11.00 Stiftung Mozarteum, Großer Saal #16

LES VENTS FRANÇAIS, KODÁLY STRING QUARTET, ÉRIC LE SAGE KLAVIER

Einführungsgespräch 18.30 Uhr Mozart „Kegelstatt-Trio“ Es-Dur für Klavier, Klarinette und Viola KV 498, Sonate B-Dur für Fagott und Violoncello KV 292, Quartett F-Dur für Oboe, Violine, Viola und Violoncello KV 370, Quintett Es-Dur für Horn, Violine, zwei Violen und Bass KV 407, Quintett Es-Dur für Klavier, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott KV 452

15.00 Stiftung Mozarteum, Großer Saal #17

MAHLER CHAMBER ORCHESTRA, MITSUKO UCHIDA LEITUNG UND KLAVIER

LES SOURDS-DOUÉS Musik von Mozart

MI 29.01

Einführungsgespräch 10.15 Uhr

19.30 OVAL – Die Bühne im EUROPARK #22

11.00 Stiftung Mozarteum, Großer Saal #23 ZU GAST: LEHRLINGS-KONZERT

PHILHARMONIE SALZBURG, ELISABETH FUCHS DIRIGENTIN SOLISTEN DER PHILHARMONIE SALZBURG

POST CONCERT TALK mit Mitsuko Uchida und Rolando Villazón

Mozart Aus: Divertimento D-Dur KV 136, Konzert D-Dur für Flöte und Orchester KV 314, Konzert A-Dur für Klarinette und Orchester KV 622, Konzert Es-Dur für Horn und Orchester KV 495, Serenade c-Moll für zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Hörner und zwei Fagotte KV 388, Symphonie A-Dur KV 201

Einführungsgespräch 14.15 Uhr

15.00 Stiftung Mozarteum, Großer Saal #24

19.30 Salzburger Landestheater #18

SINFONIEORCHESTER DER UNIVERSITÄT MOZARTEUM, FELIX MILDENBERGER DIRIGENT, MARIANNA JULIA ZOŁNACZ FLÖTE

Mozart Konzert G-Dur für Klavier und Orchester KV 453, Quartett D-Dur für Flöte, Violine, Viola und Violoncello KV 285, Konzert Es-Dur für Klavier und Orchester KV 482

MOZART MOVES! SIEBEN DRAMOLETTE

ROLANDO VILLAZÓN REGIE, CHRISTINA PIEGGER CO-REGIE, REGINALDO OLIVEIRA CHOREOGRAPHIE, EVA MUSIL BÜHNE, KOSTÜME, SCHAUSPIELER UND TÄNZER DES SALZBURGER LANDESTHEATERS, MITGLIEDER DES MOZARTEUMORCHESTERS SALZBURG

Mozart Symphonie Es-Dur KV 16, Konzert D-Dur für Flöte und Orchester KV 314, Symphonie g-Moll KV 183 17.00 Stiftung Mozarteum, Wiener Saal #25

ROLANDO VILLAZÓN IM GESPRÄCH MIT ANDREAS OTTENSAMER Sieben Theaterstücke nach Musik von Mozart mit Texten von Martha Bátiz, John von Düffel, Tom Holloway, Shlomo Moskovitz, Guadalupe Nettel, Éric-Emmanuel Schmitt, Jorge Volpi

19.00 SZENE Salzburg #26 MOZART IN THE WIND

POOL OF INVENTION ENSEMBLE, FLORIAN WILLEITNER Musik von Mozart / Florian Willeitner

KALENDARIUM MOZARTWOCHE 2020

MO 27.01

10.00 Mozarts Geburtshaus (Vorplatz) 14.00 Mozartplatz 19.00 Mozart-Wohnhaus (Vorplatz)

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Z MO

OCHE 2 02 0

ÄN 23. J

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DO 30.01

A

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19.30 Stiftung Mozarteum, Großer Saal #30

LA CETRA BAROCKORCHESTER & VOKALENSEMBLE BASEL, ANDREA MARCON DIRIGENT, CAROLYN SAMPSON SOPRAN, MARGRIET BUCHBERGER SOPRAN, RICHARD RESCH TENOR, JOSÉ ANTONIO LÓPEZ BASS Mozart Litaniae Lauretanae B.M.V. für Soli, gemischten Chor, Orchester und Orgel KV 195, Missa c-Moll KV 427 Einführungsgespräch 18.30 Uhr

R

19.30 Salzburger Landestheater #31

N

ER

– 2. FEBR

UA

WIENER PHILHARMONIKER, LAHAV SHANI DIRIGENT UND KLAVIER, SOLISTEN DER WIENER PHILHARMONIKER Mozart Konzert C-Dur für Flöte, Harfe und Orchester KV 299, Konzert B-Dur für Klavier und Orchester KV 595, Symphonie g-Moll KV 550

FR 31.01

MI 29.01

19.30 Großes Festspielhaus #27

MOZART MOVES! SIEBEN DRAMOLETTE Programm und Besetzung siehe #18 11.00 Stiftung Mozarteum, Großer Saal #32

CAMERATA SALZBURG, RADEK BABORÁK LEITUNG UND HORN Mozart Symphonie G-Dur KV 318, Konzertsatz D-Dur für Horn und Orchester KV 412, Konzertsatz (Rondo) D-Dur für Horn und Streicher KV 514, Symphonie G-Dur KV 129, Konzert Es-Dur für Horn und Orchester KV 417, Serenade D-Dur KV 320 „Posthorn-Serenade“ Einführungsgespräch 10.15 Uhr

Einführungsgespräch 18.30 Uhr 15.00 Stiftung Mozarteum, Wiener Saal #33 22.00 Stiftskulinarium St. Peter

ARMIDA QUARTETT, MATHILDE CALDERINI FLÖTE KULINARISCHES ERLEBNIS WIE ZU MOZARTS ZEIT

KREIERT UND IM BEISEIN VON ALFONS SCHUHBECK

KALENDARIUM MOZARTWOCHE 2020 & IMPRESSUM

DO 30.01 74

11.00 Stiftung Mozarteum, Großer Saal #28

ANDREAS OTTENSAMER KLARINETTE, THOMAS RIEBL VIOLA, RADEK BABORÁK HORN, TAKÁCS QUARTET

Mozart Quartett F-Dur für zwei Violinen, Viola und Violoncello KV 590, Quartett G-Dur für Flöte, Violine, Viola und Violoncello KV 285a, Quartett A-Dur für Flöte, Violine, Viola und Violoncello KV 298, Quartett Es-Dur für zwei Violinen, Viola und Violoncello KV 428 19.30 Marionettentheater #34

Mozart Quartett B-Dur für zwei Violinen, Viola und Violoncello KV 589, Quintett Es-Dur für Horn, Violine, zwei Violen und Bass KV 407, Quartett D-Dur für zwei Violinen, Viola und Violoncello KV 575, Quintett A-Dur für Klarinette, zwei Violinen, Viola und Violoncello KV 581 „Stadler-Quintett“

PÙNKITITITI! Programm und Besetzung siehe #09 19.30 OVAL – Die Bühne im EUROPARK #35

Einführungsgespräch 10.15 Uhr

LES SOURDS-DOUÉS

15.00 Stiftung Mozarteum, Wiener Saal #29

Musik von Mozart

EBONIT SAXOPHONE QUARTET

20.00 Uhr Haus für Mozart #36

Mozart Quartett F-Dur für Oboe, Violine, Viola und Violoncello KV 370, Quartett C-Dur für zwei Violinen, Viola und Violoncello KV 157, Quartett d-Moll für zwei Violinen, Viola und Violoncello KV 421

MESSIAS Programm und Besetzung siehe #03 Einführungsgespräch 19.00 Uhr

Präsidium der Stiftung Mozarteum Salzburg: Johannes Honsig-Erlenburg Präsident, Johannes Graf von Moÿ und Christoph Andexlinger Vizepräsidenten, Thomas Bodmer, Ingrid König-Hermann, Reinhart von Gutzeit. Stellvertretend für das Kuratorium: Erich Marx Vorsitzender, Eva Rutmann Stv. Vorsitzende. Termin-, Programm- und Besetzungsänderungen vorbehalten. Redaktionsschluss: 23. Juli 2019. Impressum Medieninhaber u. Verleger: Stiftung Mozarteum Salzburg, Schwarzstr. 26, A 5020 Salzburg, T. +43-662-88940 Gesamtverantwortung Tobias Debuch, Kaufmännischer Geschäftsführer Redaktion, Layout Angelika Worseg. Titelgestaltung: Georg Hopfinger; CI: Linie 3. Englische Übersetzungen Gail Schamberger. Fotos, wenn nicht anders angegeben: Agenturen oder Künstler. Illustration S. 75: Philipp Pontzen. Bildbearbeitung Repro-Atelier Czerlinka. Inserate Yvonne Schwarte. Druck Roser. Autoren dieser Ausgabe: Friederike Bernau, Armin Brinzing, Janis El-Bira, Paul Herberstein, Konrad Kuhn, Ulrich Leisinger, Rainer Lepuschitz, Monika Mertl, Anja Morgenstern, Teresa Pieschacón Raphael, Ernst Strobl, Walter Weidringer.


SA 01.02

11.00 Stiftung Mozarteum, Großer Saal #38

MOZART-BINGO & MUSIKALISCHER SPASS: LOTERÍA MOZARTIANA

MITGLIEDER DER CAMERATA SALZBURG, ROLANDO VILLAZÓN MODERATION Mozart „Ein musikalischer Spaß“ für zwei Violinen, Viola, Bass und zwei Hörner KV 522. Lotería Mozartiana-Spiel

SO 02.02

FR 31.01

22.00 ARGEkultur #37

11.00 Stiftung Mozarteum, Großer Saal #42

MOZART KINDERORCHESTER, PETER MANNING DIRIGENT, RADEK BABORÁK HORN, FABIAN EGGER FLÖTE, ROLANDO VILLAZÓN MODERATION Mozart Symphonie G-Dur KV 110, Konzert D-Dur für Flöte und Orchester KV 314: 1. Satz, Konzert Es-Dur für Horn und Orchester KV 417: 2. und 3. Satz, Symphonie F-Dur KV 76 11.00 Mozart-Wohnhaus, Tanzmeistersaal #43

AKADEMIEKONZERT

MOZARTEUMORCHESTER SALZBURG, RICCARDO MINASI DIRIGENT, GIULIA SEMENZATO SOPRAN, RADEK BABORÁK HORN, ROBERT LEVIN KLAVIER

„LIEBSTER BESTER FREUND“ Programm und Besetzung siehe #05 13.00 Stiftung Mozarteum, Wiener Saal #44

Mozart „Mitridate, re di Ponto“ KV 87: Ouvertüre, Rezitativ und Arie für Sopran und Orchester „Bella mia fiamma, addio“ – „Resta, oh cara“ KV 528, Konzert Es-Dur für Horn und Orchester KV 495, „Mitridate, re di Ponto“ KV 87: Arie des Sifare Nr. 13 „Lungi da te, mio bene“, Symphonie G-Dur KV 74, Symphonie G-Dur KV 124, Arie für Sopran und Orchester „Chi sà, chi sà, qual sia“ KV 582, Konzert F-Dur für Klavier und Orchester KV 459, „Il re pastore“ KV 208: Arie der Elisa Nr. 8 „Barbaro, oh Dio! mi vedi“

ROLANDO VILLAZÓN IM GESPRÄCH MIT ULRICH LEISINGER 15.00 Salzburger Landestheater #45 MOZART MOVES! SIEBEN DRAMOLETTE Programm und Besetzung siehe #18 15.00 Salzburger Marionettentheater #46 PÙNKITITITI! Programm und Besetzung siehe #09

Einführungsgespräch 10.15 Uhr 15.00 Stiftung Mozarteum, Großer Saal #39

18.00 Stiftung Mozarteum, Großer Saal #47

KRISTIAN BEZUIDENHOUT HAMMERFLÜGEL KONZERT ZUM ABSCHLUSS DER MOZARTWOCHE 2020 Mozart Sonate C-Dur für Klavier KV 309, Rondo a-Moll für Klavier KV 511, Fantasie c-Moll für Klavier KV 475, Sonate c-Moll für Klavier KV 457

MAHLER CHAMBER ORCHESTRA, DANIEL HARDING DIRIGENT, LOUISE ALDER SOPRAN, ANDREAS OTTENSAMER KLARINETTE Mozart Symphonie A-Dur KV 201, Konzert A-Dur für Klarinette und Orchester KV 622, „Così fan tutte“ KV 588: Ouvertüre, Arien für Sopran, Symphonie D-Dur KV 504 „Prager Symphonie“

Einführungsgespräch 14.15 Uhr 17.00 SZENE Salzburg #40 MOZART IN THE WIND

POOL OF INVENTION ENSEMBLE, FLORIAN WILLEITNER Musik von Mozart / Florian Willeitner 19.30 Großes Festspielhaus #41

WIENER PHILHARMONIKER, DANIEL BARENBOIM DIRIGENT UND KLAVIER Mozart Serenade B-Dur für zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Bassetthörner, vier Hörner, zwei Fagotte und Kontrabass KV 361 „Gran Partita“, Konzert A-Dur für Klavier und Orchester KV 488, Symphonie D-Dur KV 385 „Haffner-Symphonie“ Einführungsgespräch 18.30 Uhr

INFORMATIONEN UND BESTELLUNGEN

T +43-662-87 31 54, F +43-662-87 44 54 tickets@mozarteum.at, Tickets online: www.mozarteum.at, www.mozartwoche.at

StiftungMozarteum

@stiftungmozarteum

www.mozarteum.at, www.mozartwoche.at

KALENDARIUM MOZARTWOCHE 2020

Kartenbüro der Stiftung Mozarteum Salzburg Mozart-Wohnhaus, Theatergasse 2, A 5020 Salzburg

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Sonderedition zur Mozartwoche 2019 Zeichnung: Intendant Rolando Villazón EUR 147,–

Erhältlich in den Museumsshops in Mozarts Geburtshaus und im Mozart-Wohnhaus Since 1718

www.mozarteum.at


Wir nennen es

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für den Gaumen.

EIN MEISTERLICHES ENSEMBLE Unsere haubengekrönten Küchenkünstler brennen für außergewöhnliche Geschmackskompositionen und vollendete Darbietungen ihres traditionell-zeitgenössischen Repertoires. Das finale furioso erleben Sie, wenn sich unsere Spitzensommeliers aufs Dirigierpult begeben und die Aromen von Speisen und Wein virtuos zusammenspielen lassen. Reservieren Sie Ihren Tisch oder schenken Sie besondere Momente mit unserem Genussgutschein: TEL. +43 662 84 12 68-0 ·

reservierung@stpeter.at · stpeter.at


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