MOVIE Oktober/November 2019

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W E S T W O R L D S TA D T G R Ü N

Ein Blütenmeer in Aachens Feldern Projekt „Blütenparadies“

Lauter fleißige Honigbienen tummeln sich zwischen den Sonnenblumen. Vor dem Hof von Landwirt Dieter Lanckohr zieht sich ein langer Blühstreifen den Weg entlang. Sonnenblumen, Klee, Malven, Dill ... Insgesamt elf insektenfreundliche Pflanzen, die in diesem Sommer einer Vielzahl an Hummeln, Schwebfliegen und Bienen Nahrung gespendet haben. Die meisten der Pflanzen sind mittlerweile abgeblüht. Doch nicht nur Insekten finden hier einen Lebensraum. „Im Moment sehen wir viele Hasen und Rebhühner“, berichtet Lanckohr. Kleine Säugetiere, Amphibien und Vögel nutzen die dicht bewachsenen Fläche als Unterschlupf. Insekten bestäuben 80 Prozent aller Kulturpflanzen und sind unverzichtbar für unser Ökosystem. Doch die Insektenpopulation schrumpft seit Jahren drastisch. Dies betrifft nicht nur ihre Anzahl an sich, auch ihre Diversität hat stark abgenommen. Als Gegenmaßnahme zum Insektensterben wurde auf Anregung von Landwirt Volker Gauchel vom Gut Paulinenwäldchen die private Initiative „Blütenparadies“ ins Leben gerufen. Das Projekt steht in Trägerschaft des Fördervereins Arbeit, Umwelt und Kultur in der Region Aachen und

setzt auf eine pragmatische, unbürokratische Lösung, die auf Spenden basiert und so Landwirte und Bürger zusammenbringt. Um Lebensraum für blütensuchende Insekten in der Agrarlandschaft zu schaffen, wurden in diesem Jahr im Rahmen des Projekts 33 Blühflächen auf Feldern in der StädteRegion angelegt. Hierfür stellen Landwirte Abschnitte ihrer Felder zur Verfügung und verzichten folglich auf einen Teil ihres Ertrags, bestellen und pflegen die Grünstreifen ohne den Einsatz von künstlichem Dünger und Pestiziden. Dieses Engagement wird durch Spenden von Bürgern unterstützt, die zur einen Hälfte in die praktische Umsetzung und zur anderen Hälfte in die Projektorganisation fließen. „Unser Ziel ist eine möglichst vernetzte Fläche, sodass die Insekten alternative Flächen anfliegen können“, erklärt Projektkoordinator und Diplombiologe Dr. Björn Scholz-Starke. „Insekten haben je einen spezifischen Radius, in dem sie sich zum Brüten, zur Nahrungssuche und zum Überwintern bewegen.“ Einer von 14 teilnehmenden Landwirten, der bereits seit dem ersten Treffen dabei ist, um sich in Sachen Artenvielfalt zu engagieren, ist Dieter Lanckohr vom Geuchter Hof. Auf sei-

Sabrina Marx nem Betrieb in Horbach befinden sich gleich drei Blühflächen, die insgesamt 2.000 Quadratmeter umfassen. Die Größe der Flächen ist wichtig, denn mittlerweile reichen kleine Hausgärten allein nicht mehr aus, damit sich die Populationen erholen. „Die Insektenarmut ist ein schleichender Prozess, der in der Verantwortung aller Bürger liegt, aber eben auch der Landwirte. Schließlich leben wir von der Natur“, so Lanckohr. Früher kamen die Landwirte auch in einer ertragsärmeren Saison gut durchs Jahr, da mit steigender Nachfrage auch die Preise stiegen. „Heutzutage hat irgendwo auf der Welt immer einer ein gutes Jahr.“ Das wirkt sich natürlich negativ auf die Einnahmen hiesiger Landwirte aus. Sein Feedback nach dem ersten Jahr Blütenparadies ist positiv. „Ich bin überzeugt, dass es der richtige Weg ist und man es weiter ausbauen sollte“, findet Lanckohr. Auch Scholz-Starke berichtet über viele positive Rückmeldungen von Radfahrern, Joggern und Spaziergängern, die regelmäßig an den Blühflächen vorbeikommen. „Wir haben extra Stellen gewählt, die gut für Insekten gelegen sind und auch von den Leuten besucht werden können“, erzählt Scholz-Starke. Der Fortbestand des Projekts im nächsten Jahr ist jedoch von Spenden abhängig, die bisher noch nicht ausreichen. Deshalb würden sich alle Beteiligten über weitere Unterstützung freuen. Kontakt: kontakt@blütenparadies.de blütenparadies.de Spendenkonto: Förderverein Arbeit, Umwelt & Kultur DE15 3706 0193 1007 8990 13 GENODED1PAX

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