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I JUST DON'T KNOW WHERE TO BUY FOR MYSELF

ICH KAUFE ALSO BIN ICH. Herzlichen Glückwunsch zu 15'411 likes für Primark Schweiz, dem Versuch die irische Ladenkette in die Schweiz zu holen! Endlich sind wir dort angekommen, wo uns die vom Kapitalismus angetriebene Modewelt seit gut 20 Jahren hinlenkt. Relativ willensschwach, unzufrieden mit uns selbst und durch den Konsum stimulierbar wie eh und je. What a time to be alive! //Text: Stephanie Stefan Als ich im Oktober letzten Jahres auf Verwandtschaftsbesuch war in der Vojvodina, im Norden Serbiens, traf mich fast der Schlag. Während des gemeinsamen Abendessens hob mein Onkel die schwere, mit Fleisch beladene Platte vom Tisch und befahl mir zu lesen, was dort unten auf das weisse Porzellan gedruckt war. «REICHSARMEE. 1943. DAS DEUTSCHE REICH.», Reichsadler inklusive. Bitte, was? Mein Gesicht war eine Landschaft aus Schock und zugleich hiess es: «Stell dich nicht so! Das haben uns die Deutschen alles verzweifelt versucht zu verkaufen, als klar wurde, dass sie den Krieg verlieren würden. Die haben auch ihre Uniformen gegen die Kleidung von irgendwelchen Bauern getauscht. Ha! Manche von denen tragen noch heute so ein Nazi-Stück!» Und tatsächlich scheint es hier und da noch einen älteren Herrn zu geben, der in eine dunkelgrüne Hose schlüpft oder im Offiziersmantel rumläuft. Die Kleidung, so sagt man mir, habe eine ungeheure Qualität und schöne Schnitte hätten sie, das müsse man ihnen lassen, den Deutschen. Parallel dazu verzweifle ich über einen geliebten Rock, dessen Stoff nach gut fünf Jahren (schon?) völlig kratzig und hart geworden ist. Im besten Fall würde sich das arme Ding einfach in

Flusen auflösen, so wie schon manch anderes Stück, das ich zu Tode getragen habe. In meinem Schrank findet sich auch die Hochzeitshose meines

präsentierten. Erst in den 90ern kamen zusätzliche Kollektionen hinzu, um die Käufer in der Mitte der Saison bei Laune zu halten. Heute gibt es im

«Säcke von ausrangierten Kleidern stapeln sich im Keller meiner Eltern und darunter sogar ein schlichtes, weisses T-Shirt.» Vaters. Weil ja, auch ich nehme mir hier und da ein unorthodoxes Stück und trage es spazieren. 22 Jahre alt ist das gute Ding und das penetrante Petrolgrün von damals will und will nicht aufhören zu leuchten. Jedoch zu sagen, dass ich jedes Kleid und jeden Pulli trage, bis man sie als Stopfwolle brauchen kann, wäre gelogen. Säcke von ausrangierten Kleidern stapeln sich im Keller meiner Eltern und darunter sogar ein schlichtes, weisses T-Shirt. Einfach weil man ihm ansieht, dass es schon mehr als zwei Jahre alt ist. Und nein, es geht nicht mehr gut. Mir nicht und auch sonst nicht. Die heutige Modeindustrie produziert neue Stücke am Laufband. Es ist noch nicht lange her, dass die grossen Modehäuser zwei Kollektionen pro Jahr

High-End-Segment einen Dschungel, den man nur als Wahnsinn bezeichnen kann: Neben Spring- und Fall-, tummeln sich da die Haute-Couture- , Cruise-, Ready-to-Wear-, Pre-Fall- und Bla-bla-Spend-Money-Collections. Im heimischen H&M kommen um den Saisonwechsel herum täglich neue Stücke rein. Blickt man zurück auf die 60er (Minikleider), 70er (Schlaghosen), 80er (Leggins) und 90er (Grunge) sind noch gemeinsame Nenner zu finden. In diesen Jahrzehnten kamen und gingen modische Trends um ein vielfaches langsamer. So langsam, dass wir Kleidungsstücke ganzen Jahrezehnten zuordnen können. Aber was man zu den 2000ern sagen soll? Es lässt sich kaum ein Jahr vernünftig

Moustache Magazin 17  

Unsere 17. Ausgabe ist da!

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