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16 – HELDEN


Cover-Hommage: David Bowie – Heroes


Liebe Leser Wir haben uns für diese Ausgabe das Thema «HELDEN» auf die Brust geschrieben. Ich selber traf einen von meinen diesen Sommer in Luzern wieder, feierte mit ein paar anderen den ersten August und fühlte mich teilweise selber wie einer beim Wälzen eines 600-seitigen Schinkens über Filmgeschichte. Für euch haben wir dieses Mal ein Porträt über den Meister des Schöne-Wohnungen-Fotografierens: Todd Selby. Ausserdem eine heldenhaft schöne Modestrecke, ein Essay über eine neue, mysteriöse Währung, alles garniert und ergänzt mit wunderbaren literarischen Bruchstücken und Illustrationen. Viel Spass! Miriam Suter

Playlist zum Thema 4 Mein Lieblingsding 5 Das ist mein Haus, hier lebe ich 6 Freunde8 Todd Selby 12

Wir sind Helden 16 Heldenhafte Selbstaufgabe 19 Stille Kraft – Modeshooting 20 Bitcoins27 Helden-Lyrik30

Horoskope32 Impressum33 Come Fly With Me 34


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MEIN LIEBLINGSDING Diese Kette mit dem Om-Zeichen hat mir mein Mami geschenkt. Die goldene Katze und das Medaillon haben sich dazu gesellt, als letztes Jahr mein geliebtes Fellkn채uel gestorben ist. Ich trage meine Helden somit immer bei mir. //Sara Suter


DAS IST MEIN HAUS, HIER LEBE ICH //Fine Heiniger

Es ist, als wäre meine Tür nicht mehr meine Tür oder jedenfalls kann sie mich nicht mehr vor der Welt verschliessen. Mein Haus ist nicht mein Haus, obwohl ich darin wohne oder jedenfalls das, was ich wohnen nenne: auf Kisten sitzen und auf dem Fussboden schlafen. Aus der Hand essen, hastig, auf jedes Geräusch horchen, immer bereit sofort hinauszuflüchten oder eins unter den Dielenbretter zu werden. Hier bin ich aufgewachsen, hier habe ich geliebt und Kinder grossgezogen, hier habe ich Erdbeeren gegessen und Kartoffeln geschält. Hier habe ich meinen Nachbarn eine Tasse Zucker geborgt und ihnen beim Wäscheaufhängen zugewunken. Hier bin ich Zuhause, ich wohne hier. Hierhin habe ich mich immer zurückgezogen. Meine Tür ist also jetzt irrelevant: hier herrscht der Durchgangsverkehr der Respektlosen: Mein Sofa, meine Bilder, meine Erinnerungen, mein Körper. Ich habe kein alleiniges Verfügungsrecht mehr, ständig trampelt ein dazu Beauftragter in mir herum und entzieht, was noch zu holen ist. Mein Haus ist mein Kokon, doch soll er es nicht sein. Warum lasst ihr mich nicht endlich in Ruhe, ich will alleine sein! Beachtet die Tür, sind Grenzen keine solchen mehr? Was gilt noch, in eurer Welt? Es klingelt, es klopft, es wird geschrieen. Morgens. Mittags. Abends. Nachts. Wann schlaft ihr? Wann lasst ihr mich


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schlafen? Was sind eure Argumente? Ich spreche dieselbe Sprache, ich bin ein Mensch, seid ihr es auch. Ich spiele mit meinem toten Mann vierhändig Brahms, der war auch ein Deutscher. Und im Dunkeln blicke ich in das Unglück, das ich nicht begreife. Klappentext Wer ist Freund? Wer Feind? Woher kommt die Bedrohung? Warum ist mein Haus nicht mehr mein Zuhause? Wohin fliehen? Wem vertrauen? Wer will helfen? Wer kann helfen? Wer gefährdet sich selbst? Wie weit vorausdenken? Wohin schauen? Was bedeuten

Prinzipien? Welche Rolle spielt Macht? Sind wir am Ende allein mit unseren Entscheidungen? Wer singt uns in den Schlaf? Wer ist morgen noch lebendig? Wer ist schon ein Held.

Auszug aus dem Diplom «Wer ist schon ein Held». Die Jahre 1942 und 1943 und Lilli Aschaffenburg nach der autobiographischen Erzählung «Der Anruf» von Maria Lahusen.

FINE HEININGER diplomierte als Grafik-Designerin und Illustratorin an der Kunsthochschule Berlin-Weissensee mit dem von Nanne Meyer betreuten Buch «Wer ist schon ein Held?». Darin geht es um die Rettung der Jüdin Lilli Aschaffenburg durch Maria Lahusen. Eine wahre Geschichte. www.fine-heininger.com


ES GIT DOCH DAS LIED VOM DAVID BOWIE Weil ich mit euch darüber philosophieren kann, ob man Hörnli und Nudeln zusammen essen darf. Weil ihr mich anruft wenn es gewittert und ich Angst habe. Weil ihr mir mit glänzenden Augen Dinge erzählen könnt, die mich nicht das kleinste bisschen interessieren und mich trotzdem mit eurer Freude anstecken könnt. Weil ihr mich versteht, ohne dass ich den Satz zuende bringe. Weil ich mit euch von todernst zu 5-jährig switchen kann in zwei Sekunden. Weil ihr für mich da seid. //Miriam Suter


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MIRIAM SUTER 24, w채re gerne Teilzeit-Katzenfotografin, begn체gt sich aber auch mit Tauben, Strassenecken oder ihren Freunden als Foto-Motiv.


«PERFORMANCE UND EXPERIENCE BILDEN DAS ERFOLGSREZEPT» Todd Selby fotografiert Künstler und Models, bloggt für das Stilmagazin der «New York Times» und kollaboriert mit den grossen Labels. Am liebsten ist er aber mit seiner Freundin daheim in Brooklyn und kocht. Ein Gespräch über das Rollenselbstverständnis als Fotograf und die beste Minestrone der Welt. Mit Todd Selby sprach Stephanie Rebonati //Text: Stephanie Rebonati //Bilder: Todd Selby, Bill Backyard, Filipa Peixeiro Mit deiner Kamera dokumentierst du zeitgenössische Lebens- und Arbeitsformen. Was möchtest du damit zeigen? Es geht mir um Offenheit, Zugang und Respekt. Und darum, dass man diese ganze Kreativität teilt. Leute sollen keine Nachahmer sein, sondern ihr eigenes Ding durchziehen: Ein eigener Stil

beim Kochen, Einrichten, Arbeiten, bei allem. Im Grunde geht es darum, die eigenen Träume zu verwirklichen. Haben dir deine Eltern dieses Verständnis mit auf den Weg gegeben? Ich denke schon. Ich bin in Kalifornien aufgewachsen, habe Development Stu-

dies mit Fokus auf Lateinamerika und Wirtschaft studiert. Ich bin viel mit meiner Familie gereist und mein Vater hatte immer die Kamera dabei. Das hat mich geprägt. 1999 zog ich dann nach New York und belegte einen Abendkurs in Fotografie.


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Deine Bilder wirken authentisch. Wie kriegst du das hin? Das hat mit meinem Rollenselbstverständnis als Fotograf zu tun. Ich gehe gerne alleine an Sets und Shootings, bin nicht mit einer Entourage unterwegs und befehle die Protagonisten nicht rum. Ich habe kein Bedürfnis nach Kontrolle, sondern bin vorsichtig und respektvoll, denn ich möchte die Leute in ihrer natürlichen Stimmung und Umgebung festhalten. In deinem ersten Buch «The Selby Is In Your Place» ging es um Wohnungen von Kreativen. Für «Edible Selby» hast du Köche fotografiert. Warum? Köche sind auch Künstler. Als Kind war ich kein Feinschmecker, das kam später, als ich nach New York zog und die Welt bereiste. Heute bin ich fasziniert von gutem Essen. Was weisst du über die Schweizer Küche? Nichts. Du hast Winzer, Metzger, Patissier und Farmer von Brooklyn bis Sizilien porträtiert. Wie hast du sie gefunden? Vieles durch Mundpropaganda. Die Stilredaktion der «New York Times» hat mir auch geholfen. Ich habe unbekannte Gastronomen gesucht, deren Essensund Raumkonzepte irgendwie anders sind; nachhaltig und einzigartig. Todd Selby


schrift und Charakter zeugen müssen, um zu überleben. Performance und Experience bilden das Erfolgsrezept. Was ist dein Lieblingsrezept in «Edible Selby»? Eins, das ich hinzugefügt habe: Olga’s Shell Soup. Olga war meine Nanny als ich klein war und sie machte die beste Minestrone der Welt. In der Presse wirst du als Hipster und Voyeur bezeichnet. Wer bist du? Ich bin kein Hipster. Das hat für mich eher mit einer Partykultur zu tun. Ich bin am liebsten mit meiner Freundin daheim in Brooklyn und koche. Ich habe das Glück und die Freiheit, das zu tun, Welche Trends konntest du feststellen? Ich denke nicht, dass es Trends sind, sondern eher ein Wiederentdecken von ursprünglichen Quellen und Prozessen, die durch die Industrialisierung in Vergessenheit geraten sind. Wie äussert sich das? Darin, dass Waldschätze wie Beeren, Pilze und Wurzeln neu entdeckt werden. Oder, dass die Leute eigenes Gemüse anbauen und auch die Geduld aufbringen zu warten, bis es erntereif ist. Auch die Präsentation von Essen, das Ambiente, in dem es serviert wird, geht weg vom Mainstream hin zur Individualität. Restaurantkonzepte werden von Hand-


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was ich am liebsten mache. Ich denke, ich bin einfach glücklich. Wird es ein drittes Selby-Buch geben? Ich denke schon. Ich liebe das Büchermachen! In Sachen Fotografie ist das physische Buch mit seiner Haptik und Materialität noch immer die unbestrittene Nummer eins. Kitschige Romane wie Harry Potter kann man auf dem iPad oder Kindle lesen, aber Bilder muss man auf Papier betrachten. Das wird noch lange so sein.

Der 34-jährige Todd Selby wuchs in Orange County, Kalifornien, auf, studierte an der Universität in Berkeley Development Studies und Wirtschaft und zog 1999 nach New York, wo er an der School of Visual Arts einen Abendkurs in Fotografie besuchte. 2008 begann er den Blog «The Selby» zu führen, der zwei Jahre später als Inhalt seines ersten Buches dienen würde: «The Selby Is In Your Place» erschien 2010 im Abrams Verlag und wurde auf Deutsch und Koreanisch übersetzt und über 70'000 Mal verkauft. Darin fotografierte er Künstler, Models und Designer in den eigenen vier Wänden – einige in der Badewanne. In seinem zweiten Buch «Edible Selby» porträtierte Todd Selby über 20 kreative Gastronomen in den USA, Europa und Südamerika, fragte sie nach Rezepten und fügte seine eigenen hinzu.

STEPHANIE REBONATI 24, ist freischaffende Journalistin und Kunstvermittlerin in Zürich und New York.


WIR SIND HELDEN Unsere Layoutchefin hat das Moustache-Team f端r diese Ausgabe kurzerhand in Helden verwandelt.


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Datum

Veranstaltung

September 2013 Mi 4

Mi 2 Mo 14 Mi 16 Di 22 Sa 26

Mo 11 Di 12 Di 19

Musikraten 20:30 Schlaumeier „Die ultimative Quizshow“ mit Reto Mosimann 20:30 Jamie MacDowell and Tom Thum (AUS) Live in der Laube 21:00

Musikraten 20:30 Heymoonshakers (UK/ NZ) Live in der Laube 21:00 21:00 Rue Royale (UK), Support: C‘est Sa (CH) Live in der Laube Schlaumeier „Die ultimative Quizshow“ mit Reto Mosimann 20:30 20:30 Tuchlaube KiFF Sessions: Peter Katz (CA) im KiFF, Aarau Support: Royal Wood (CA) Vorverkauf: Tuchlaube Café Bar, Starticket.ch oder Dezibelle, Aarau

21:00 NOVember 2013 Mi 6

Zeit

Di 17 Di 24 21:00 OktOber 2013

Musikraten

20:30

Nadine Carina (CH/ UK) Live in der Laube 21:00 David LeMaitre (D) TBA Live in der Laube 21:00 Schlaumeier „Die ultimative Quizshow“ mit Reto Mosimann 20:30


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HELDENH A F TE

S E L B S TAUFGABE //Text: Anna-Maria Goebel //Bild: Reiner Nicklas Er fühlte sich befreit. Mit leichten Schritten wandelte er Richtung Helligkeit und beschloss, dass dies der absolut perfekte Tag seines doch recht aufregenden Lebens gewesen war. Wer weiss, was nun kommen würde. Er war nicht in der Stimmung zu Illusionen, sondern genoss einfach den Moment. Es war alles erledigt. Nach der Arbeit hatte er die Brote gekauft, sie belegt und verpackt. Dann war er zu ihr gefahren, die Bananen und Trinkpäckchen mit ihr gemeinsam aufzuteilen und in die Tüte zu verstauen. Da war es noch schwer gewesen. Die Riemen hatten die Handflächen eingeschnitten und dreimal – da war er sich sicher – hatte sie um den Seitentausch gebeten. Er hatte den Arm mehr gebeugt und so seine Seite der Tasche höher gehoben und ihr von seinem ersten Kasinobesuch erzählt. 50 Euro hatte er gewonnen und sie für das Monatsticket ausgegeben. Nach und nach hatten sie sie gefunden: Die alte Frau in der Türschwelle mit den drei übereinander gezogenen bunten T-Shirts aus einem anderen Modezeitalter. Die zwei Männer mit schmutzigen Gesichtern und dem rostigen Einkaufswagen, in dem sie ein paar Werkzeuge für Tagelohnarbeiten und ihren Schlafsack verstaut hatten. Der Alte mit der Krücke, der sich mit einer halb aufgerauchten Zigarette auf den Karton an der Strassenecke gesetzt hatte. Einer hatte es abgelehnt, die anderen nahmen die Gaben mit überraschtem Ge-

sicht und noch überraschter, dass es gleich drei Dinge waren. Er mochte den Blick in den sonst so leeren Augen, den Moment des menschlichen Kontakts und sah zu, dass sie schnell wieder weiter zogen bevor ein Gefühl der paternalistischen Geber-Nehmer-StufenGesellschaft aufkommen konnte. Sein primäres Motiv war nicht Mitleid und auch nicht Selbstbeweihräucherung. Er hatte heute eben die Zeit gehabt. Mit dem Kopfsteinpflaster unter den Füssen, der tiefer stehenden Sonne und den lila Blumen im trockenen Gras am Strassenrand war es ein schöner Spaziergang mit immer leichter werdenden Schultern. Unten am Fluss waren die Gierigen und baten um mehr. Ob sie nicht auch noch Zigaretten hätten? Nein, nur Essen. Er konnte die Irritation in ihrem sich versteinernden Gesicht lesen, er selbst verzog keine Miene. Er war weder Engel noch Richter. Er wollte nicht bewerten sondern suchte Leichtigkeit und war damit in weitestem Sinne ausserordentlich egoistisch. Sie setzten sich ans Ufer, lachten ein bisschen über irgendwas und er drehte sich eine Zigarette. Sie hatte diesen Blick und er strich ihr über die Wirbelsäule, sodass sie sich durchstreckte und ihn ansah. Heute wollte er mit ihr nach Hause gehen. Aber vorher würden sie erstmal zu einem Freund und in seiner Wohnung rumsitzen, Gin-Tonic oder frischen Minztee mit Honig trinken und was rauchen. Später spielten sie Flüsterpost in verschiedenen Sprachen, verstanden sich gut und gingen tanzen. Der Nachtclub rühmte damit, den besten Electro der Stadt zu spielen, was ihrer Aussage zu Folge nicht wirklich viel zu bedeuten hatte. Für ihn hatte es ohnehin nicht viel zu bedeuten, wo man war und zu welcher Musik man sich ein bisschen ins Delirium hob, solange man nur mental so weit loslassen konnte, um den nächsten Schritt des Gebens nicht aktiv mitzubekommen. Und tatsächlich, als sie den Club verliessen, war es unbe-

merkt geschehen. Seine Tasche, Wohnungsschlüssel und Geldbeutel hatten den Besitzer gewechselt und obwohl er gesellschaftskonform seine Kreditkarte sperrte und mit ihr über den möglichen Ablauf im Verlauf der Nacht spekulierte, fühlte er, dass es komplett war, das, was er gesucht hatte. Befreit von materiellen Gütern und belastenden Gedanken gingen sie zu ihr. Da küsste er sie endlich und verwöhnte sie und gab auch noch seine ganze Aufmerksamkeit und sein volles Bewusstsein dahin. Er schlief ein, bevor er sich hätte nehmen können, was ihm angeboten wurde. In kompletter Selbstaufgabe zerbröckelte er unter ihren Händen. Sie lachte kurz, weil sie dachte, es sei einer seiner recht eigenen Scherze. Doch dann begriff auch sie und sie beugte sich herab und blies liebevoll in den Staub, der er nun war. Er wirbelte herum und legte sich wie eine Decke auf sie. Im Morgengrauen betrachtete er ihr Lächeln im Schlaf und genoss die zärtlichen Bisse der Hausstaubmilben um endgültig aufgelöst ins Morgenlicht zu entschwinden.

ANNA-MARIA GOEBEL 1986, lebt derzeit in Madrid, verfasste und inszenierte 2011 das Theaterstück «Kommen Sie nackt», das in Berlin an der Volksbühne und im TiK (Theater im Kino) aufgeführt wurde. Ihre Passion für Sprache und Wortspiele bringt sie am liebsten in Kurzgeschichten und Prosatexten zum Ausdruck.


STILLE KRAFT

Fotografie: Yves Bachmann //Styling: Jenni Tschugmell //Hair & Makeup: LĂŠa Stalder //Model: Martina M. @ Time

Pullover von H&M, Hose von Stefanie Biggel, Schuhe von Fitflop, Socken von Falke


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Kleid von Stefanie Biggel

Kleid von RS Hader, Hose von Stefanie Biggel, Ringe von H&M


Kleid von Stefanie Biggel, Ringe von H&M


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Kleid von Stefanie Biggel

Blazer von fĂŠenoir., Hose von Esprit, Ringe von H&M

Pullover von HUGO, Hose von H&M, Schuhe von Fitflop, Socken von Falke, Ringe von H&M


Blazer von féenoir., Ringe von H&M

JENNIFER TSCHUGMELL 24, liebt Mode schon seit sie denken kann und ist überglücklich, dass sie neben ihrer Arbeit als Modeassistentin beim 20Minuten Friday Magazin Shootings für andere tolle Magazine machen kann.

YVES BACHMANN 25, der Fotograf war für diese Ausgabe in den Bergen. Ist auch sonst gerne dort. Er mag die Natur und das «weg sein». Lebt und liebt was er tut. www.yvesbachmann.ch


DAS MOUSTACHE MAGAZIN SUCHT DICH! Schreibst du gerne? Deine Interessen sind Musik, Filme und Bücher oder Kunst? Dann bist du bei uns an der richtigen Stelle. Wir freuen uns auf deine Unterstützung. Schreib uns! redaktion@moustache-magazin.ch Ein paar kleine Anforderungen: – deine Texte sind gut verständlich geschrieben – du bist zuverlässig, kreativ und flexibel – selbständiges Arbeiten macht dir Spass

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DISNEY DIE SCHÖNE UND DAS BIEST IN ZÜRICH! Schweizer Premiere des Musical-Welterfolgs im Theater 11: 27. November bis 22. Dezember 2013 //Text & Bilder: zVg von FBM Communications AG

Beteiligte – 21 Musiker, 41 Darsteller, davon 15 Solisten, sowie Techniker und Crew – machen die aufwendige Produktion zu einem opulenten Spektakel, über das die Abendzeitung aus München anlässlich eines Gastspiels am Münchner Prinzregententheater urteilte: «Berauschende Bilder und schwebend leichte Choreographien ziehen den Zuschauer in den Bann... eine Augenweide.»

Zwei Oscars und fünf Grammys für die Musik, dazu eine Oscar-Nominierung in der Kategorie «Bester Film»: Mit Die Schöne und das Biest schufen die Zeichner, Animateure und Filmkomponisten des Hauses Disney Anfang der 90er Jahre einen der grössten Filmerfolge seiner Historie. Und es dauerte nicht lange, bis die märchenhafte Geschichte um die schöne Belle und den verzauberten Prinzen in einer Musicalversion an den Broadway kam und von dort aus ein zweites Mal die Welt eroberte. Nur für kurze Zeit kommt Disneys weltweit erfolgreiche Musicalfassung des französischen Volksmärchens in einer deutschsprachigen Inszenierung des renommierten Budapester Operettenund Musicaltheaters nach Zürich. Es gastiert das erste Mal vom 27. November bis 22. Dezember 2013 im Theater 11 in Zürich. Insgesamt über 100

Die Schöne und das Biest, das Märchen um die schöne Belle und den gefühlskalten Prinzen, der von einer Fee in ein unansehnliches Biest verwandelt wurde und nur durch die Liebe eines Menschen zurückverwandelt werden kann, verspricht ein unvergessliches Erlebnis für alle, die sich von der Magie einer der romantischsten Liebesgeschichten aller Zeiten betören lassen möchten: Belle lebt mit ihrem Vater, einem glücklosen Erfinder, in einem kleinen Dorf. Die bücherverschlingende Aussenseiterin, vom eitlen Muskelprotz Gaston umworben, träumt davon, aus der Enge des Dorfes auszubrechen. Als ihr Vater eines Tages auf der Flucht vor einem Wolfsrudel in einem düsteren Schloss Zuflucht nimmt, macht er Bekanntschaft mit dessen Herrn, dem Biest. Das übellaunige Ungeheuer, das dort mitsamt seiner zu lebenden Gegenständen verwandelten Dienerschaft lebt, nimmt den alten Erfinder gefangen. Doch die mutige Belle

begibt sich auf die Suche und befreit ihren Vater, indem sie sich zum Tausch für ihn anbietet. An dessen Stelle bleibt sie im Schloss – und bringt den gewitzten Dienern unerwartet Hoffnung. Denn sofort schmieden Kerzenständer Lumière, Teekanne Madame Pottine und Uhr Herr von Unruh Verkupplungspläne, um den Fluch der Fee über das Schloss mit der Liebe zwischen Belle und dem Biest zu brechen. Aber so schnell ist aus dem Biest kein Gentleman gemacht, und dann ist da auch noch der eifersüchtige Gaston. Doch die Zeit zur Versöhnung wird knapp. Denn das Zeitlimit der Fee – eine langsam verblühende rote Rose – hat nur noch zwei letzte Blütenblätter... Weitere Infos siehe www.musical.ch


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DIGITALES GOLD

Anonym, sicher, und unabh채ngig soll sie sein: Bitcoin, eine digitale W채hrung, greift immer mehr aufs analoge Leben 체ber. Hat sie dort eine Chance? //Text: Adam Schwarz //Illustration: Anne-Marie Pappas //Bild Autor: Katharina Good


Im Frühjahr 2012 verschwand Satoshi Nakamoto spurlos aus dem Internet. Schon vorher hatte er sich immer rarer gemacht, seit er 2008 aus dem Nichts in einem Kryptographieforum aufgetaucht war. Dort hatte er einen wissenschaftlichen Artikel hochgeladen, der die Idee einer dezentralen, anonymen Internetwährung behandelte. Bis jetzt konnte niemand herausfinden, wer Nakamoto ist (oder war). Handelt es sich tatsächlich, wie man oft liest, um einen Japaner in seinen Dreissigern? Manchmal wird behauptet, hinter dem Namen verstecke sich eine Gruppe von Personen. So würde sich erklären lassen, weshalb Nakamotos Foreneinträge zwischen amerikanischem und britischem Englisch wechseln. Klar ist nur eines: Inzwischen würde sich eine ganze Menge Reporter gerne mit Herrn Nakamoto treffen. Denn Herr Nakamoto ist der Erfinder von Bitcoin, der beliebtesten aller digitalen Währungen. Die ersten Bitcoins entstanden im Januar 2009, während in Washington Barack Obama als 44. Präsident der USA ins Amt eingeführt wurde und Japan in die schwerste Rezession seit Ende des Zweiten Weltkrieges rutschte. Die erste wichtige Transaktion: der Kauf einer Pizza für 10 000 BTC. Im Forum gab Nakamoto an, dass ihn die Finanzkrise zur Entwicklung von Bitcoin inspiriert hatte. Das Finanzsystem hatte versagt, weil es von Menschen kontrolliert

wurde. Die Zukunft gehörte der Mathematik und einer Währung, die über ein dezentrales Netzwerk gehandelt wird und deshalb weder Zentralbank noch Staat benötigt. Manchmal werden Bitcoins mit Gold verglichen, denn wie das Metall haben auch sie keinen eigentlichen Wert. Sie sind auch fast so knapp wie Gold: Der Algorithmus wurde so gestaltet, dass spätestens 2140 die Gesamtzahl an Bitcoins, 21 Millionen, erreicht sein wird. Wer Bitcoins braucht, kann seinen Computer für sich arbeiten lassen. Das nennt sich «Mining» und ist genauso aufwendig wie Goldwaschen. Mehrere Computer versuchen dabei ein Rechenproblem zu lösen, wobei diese Probleme zunehmend schwieriger werden, je länger es Bitcoins gibt. Momentan erhält derjenige, der das Problem löst, 25 BTCs zur Belohnung, das sind gut 2000 Euro. Das Mining lohnt sich

allerdings nur noch für die Besitzer spezieller hochgerüsteter Computer, die man im Internet kaufen kann. Kritiker werfen den Bitcoins deshalb vor, zu einem digitalen Wettrüsten zu führen und zu viel Strom zu verbrauchen. Die Währung könne die Umwelt genauso belasten wie der Abbau von Gold oder Silber. Wer seinen Computer nicht für sich schuften lassen will, kann sich die Bitcoins auf bestimmten Online-Marktplätzen kaufen. Sie werden dann ins digitale Portmonee auf dem eigenen Computer übertragen. Verschlüsselt, versteht sich. Was nach der Freizeitbeschäftigung einiger Geeks klingt, könnte unsere Zukunft beeinflussen. Bereits letzten Herbst veröffentlichte die EZB ein Forschungspapier zum Thema. Sie warnte davor, dass die Währung in Zukunft die relativen Preise von Gütern und Dienstleistungen gefährden könnte. Langsam greifen die Bitcoins aufs echte Leben über. 2011 begann Wikileaks, Bitcoinspenden zu akzeptieren. Der deutsche Umweltverband BUND zog bald nach, genau wie die beiden beliebten Webseiten Reddit und WordPress. Und nachdem der zypriotische Präsident Nikos Anastasiadis am 16. März 2013 angekündigt hatte, 6,75% der Beträge auf jedem Bankkonto als Steuer zu konfiszieren, stieg der Preis der Bitcoins innerhalb eines Monats um mehr als das Dreifache.


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Die Kritik an der Währung ist massiv. Man wirft ihr vor, zu anfällig für Hackerattacken zu sein. Tatsächlich waren in der Vergangenheit manche der Seiten, auf denen man Bitcoins kaufen kann, beliebtes Ziel von Hackern. Das will aber nicht heissen, dass die Bitcoins selbst gehackt werden können. Das wäre so, als würde ein einzelner Banküberfall ein ganzes Währungssystem zusammenbrechen lassen. Um das Bitcoinprotokoll zu kontrollieren, müsste man über die Hälfte der daran beteiligten Computer zur selben Zeit manipulieren – und das wird immer schwerer, je mehr Menschen sich Bitcoins kaufen. Trotzdem lassen sich natürlich einzelne Computer hacken. Diese Gefahr besteht aber auch beim E-Banking. Das wichtigere Argument gegen die Währung ist wohl, dass es noch immer sehr wenig Verwendungszwecke für sie gibt. Es ist unwahrscheinlich, dass man einmal seine Lebensmittel mit Bitcoins kaufen kann. Die Internetwährung ist vornehmlich im Netz zuhause – und nicht nur im netten und sauberen Teil. Dass manche Medien den Bitcoins vorwerfen, vor allem für den virtuellen Drogenhandel gebraucht zu werden, ist allerdings ein rhetorisches Ablenkungsmanöver. Die meisten Drogen werden schliesslich mit Bargeld bezahlt. Trotzdem würde niemand auf die Idee kommen, Geldnoten zu verbieten. Da ist aber auch noch die hohe Volati-

lität der Bitcoins. Der Kurs schwankt so enorm, dass man die Währung nicht bequem gebrauchen kann. Steve Forbes, Präsident des nach ihm benannten Wirtschaftsmagazins, meint deshalb, Bitcoins seien gar kein Geld, sondern ein Handelsgut. Sind Bitcoins also nichts weiter als der schöne Traum einiger Nerds? Die Zukunft der Währung bleibt ungewiss. Als der Kurs wegen der Zypern-Krise rasant anstieg, prophezeiten viele Experten ein baldiges Platzen der Blase. Zwar ist der Kurs inzwischen gesunken, er hält sich aber auf einem recht hohen Niveau. Die Medien zeigen ebenfalls noch keine Bitcoinmüdigkeit. Sowohl in Wirtschaftszeitschriften wie The Economist als auch Lifestyleblättern wie dem Vice Magazine erscheinen laufend neue Artikel zu diesem Thema. Ganz schön beachtlich, wenn man bedenkt, dass alles auf der Idee eines einzigen Unbekannten beruht. Es wird übrigens vermutet, dass Nakamoto auf einem gigantischen Bitcoinberg sitzt. Bis jetzt wurde nämlich bloss ein Viertel aller existierenden Bitcoins gehandelt. Doch solche Gerüchte stören den Jungunternehmer Jeff Berwick nicht. Gerade ist er dabei, einen Bankomaten für Bitcoins zu entwickeln. Das erste Modell soll in Zypern stehen.

ADAM SCHWARZ 23, ist ein höheres Säugetier aus der Ordnung der Primaten und lebt, schreibt und studiert in Basel. Seit einigen Jahren veröffentlicht er Prosatexte in Schweizer Literaturzeitschriften, z. B. «entwürfe», «NaRr» oder «Lasso». www.adamcschwarz.wordpress.com


HELDEN //Sonja Dietschi

Kannst Du dir das vorstellen?

Und gibt’s denn solche? Zweimal stark. Was ist, wenn’s dreimal stark sein soll?

Das kann man sich gar nicht vorstellen. Es muss. Sie muss. Jemand muss. Man nimmt ein Leben, eins, zwei, drei. Das kann man sich nicht vorstellen.

Vielleicht weiss der Mensch gar nicht, ich muss jetzt doppelt mutig sein.

Stell Dir vor, es gibt Menschen, die tun so etwas. Sie nehmen ein Leben oder zwei.

Es wird sich zeigen. Im überraschendsten Moment zeigt es sich. Da bricht sie heraus aus der Brust die Stärke.

Einerlei.

Wie erkennt man sie, das würde helfen, zu wissen, wer hilft.

Nein, wirklich, so klein es scheint, es wird gross.

Da gibt es ein paar, aber Du weisst schon selber, wer die sind. Oder auch nicht. Lass dich überraschen. Vielleicht ist’s ja

Und dann? Ja was, und dann. Vorbei ist’s dann. Für sie und alle drum herum. Lohnt sich’s überhaupt, das Ganze? Wenn jemand kommen kann und aus ist’s? Na wir alle, es muss sich lohnen! Für uns. Gemeinsam. Ein Leben. Gemeinsam. Aber wir sind doch alle einzeln allein. Gemeinsam! Wenn einer aufhört, fällt’s in sich zusammen, alles. Und wenn jetzt einer müde wird, ganz furchtbar müde? Da muss einer zweimal stark sein.


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Ich trage in meiner Brust ein Herz, das schlägt und schlägt und jeden Tag hält es mich am Leben. Es arbeitet, es leistet und ich, ja ich, trage es spazieren in meiner Brust. Ich spreche davon wie es bricht, wie es schmerzt, wie es zu schnell schlägt oder zu laut. Ich kann es nicht anfassen, ich werde ihn nie berühren, mein unsichtbarer Motor. Aber warum spreche ich von ihm, als sei er mein Hirn, meine Seele, ein Mensch?

jemandem helfen können, der dringend eine Hilfe braucht, dass kann Grosses Glück im Herzen freigeben. Und so ist dann doch eben allen geholfen. Wenn denn der Moment kommen sollte, in dem wir begreifen, wir alle begreifen, dass Herz und Hirn und Geist und Liebe, dass all das zusammenhängt in einer Einigkeit. Und dann sollten wir das alles nehmen, und uns umsehen; da könnte jemand sein, der Hilfe braucht. Und vielleicht nicht sagen kann wie.

Vielleicht, weil wir ohne Herz tot wären. Und ohne Gefühle ebenfalls. Wir setzen sie gleich, weil sie gleich wichtig sind. Aber ist nicht alles wichtig, jedes kleinste Organ, Zelle und Bakterium? Alles hält alles zusammen. Und der Geist, den unser Hirn generiert, ist gleichsam fragil, unsere Sinne hängen voneinander ab, ergänzen sich. Was passiert, wenn ein Teil aussetzt? Ungleichgewicht. Der Mensch ist ein Überlebenskünstler, ein Gewohnheitstier. Mensch gewöhnt sich an vieles. Dann gehts halt ohne. Ohne Gehör, ohne Beine, ohne Sprachvermögen, ohne Teile des Gehirns. Es geht auch mit weniger. Es geht mit sehr wenig. Aber Mensch braucht eine Hilfe. Es geht nicht ohne Hilfe. Auch diejenigen, die noch alle Extremitäten haben und Herr ihrer Sinne sind. Ihrer geistigen Fähigkeiten. Auch die brauchen Hilfe. Die Liebe ist Hilfe. Ist Anker. Die Liebe in all ihren Facetten. Ich brauche mein Haustier, meine engsten Freunde, meinen Bruder, ich brauche Vertrauen. Ich brauche Sicherheit im Job und ein Dach über dem Kopf. Wenigstes eines der Erwähnten. Es gibt Menschen, die können Liebe geben, viel und Vielen. Die selber übervoll mit Freude und Sicherheit sind, dass sie einen Teil davon abgeben mögen. An solche, die schon am Boden des Herzens nach Überresten von Vertrauen kratzen. Denn es gibt die, und die. Und alle anderen. Und irgendwie, hm, sollte es möglich sein, ein Gleichgewicht von Glück herzustellen. Oder. Mensch gibt, was er kann. Und wenn einer nichts geben kann, dann glaubt er bloss, nicht genug zu geben. Denn

SONJA DIETSCHI 26, Überlebenskünstlerin aus Züri, hat einen Literatur- und Sprachfetisch. Hat schon Jahre als Kassiererin, Putzfrau und Bardame überlebt und beginnt im Herbst 2015 ihr Studium als Gebärdensprachdolmetscherin. Bis dahin macht sie noch ein paar Cappuccinos und schickt ihre Texte an tolle Magazine wie diesem hier.


– welcher Held oder Schurke passt zu dir?

Steinbock

Wassermann

22.12.–20.01.

21.01.–19.02.

Du bist immer gut drauf, hast aber auch deine Abgründe… du wärst eindeutig der Joker!

Genau wie Iron Man bist du sehr beliebt, pass aber auf, dass dir das nicht zu Kopf steigt! Fische

Widder

20.02.–20.03.

21.03.–20.04.

Hulk: Du bist äusserst intelligent, allerdings solltest du dich nicht so leicht provozieren lassen.

Fische fühlen sich im Wasser am wohlsten, Aquaman passt zu dir.

Stier

Zwilling

21.04.–20.05.

21.05.–21.06.

Dein Glaube an das Gute in den Menschen ist unerschütterlich, du wärst Captain America!

Kennst du Kick-Ass? Nicht? Du bist ihm durch deinen Willen, etwas zu verändern, sehr ähnlich.

Krebs

Löwe

22.06.–22.07.

23.07.–23.08.

Du übernimmst trotz deiner Schüchternheit gerne Verantwortung. Spiderman!

Einfach: Der schnellste und grellste ist Flash, genau wie du!

Jungfrau

Waage

24.08.–23.09.

24.09.–23.10

Immer auf der Hut, um für Gerechtigkeit und Harmonie zu sorgen, du wärst Superman.

Zu dir passt Wolverine, weil dich so schnell niemand verletzt.

Skorpion

Schütze

24.10.–22.11.

23.11.–21.12.

Natürlich könntest du kein «normaler» Vampir sein, deshalb: Blade

Deine Intelligenz und Willenskraft macht dich zum Batman.


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REDAKTION Chefredakteurin: Miriam Suter Pablo Haller LAYOUT Sara Suter Corinne Leuthard, Jasmine Varadi FOTOGRAFIE & WEBSEITE Oliver Fabel, Sara Suter DRUCK ISI Design + Print AG Entfelderstrasse 45 5000 Aarau

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FREIE MITARBEITER Julian Stäuble, Jennifer Tschugmell, Yves Bachmann, Anne-Marie Pappas, Adam Schwarz, Sonja Dietschi, Fine Heininger, Stephanie Rebonati


Mein Hotelbett. Heute Nacht in: Chicago.

Galley-Talk Eine der vielen Funktionen, die man als Flugbegleiter hat, ist Hobby-Psychologe. In erster Linie, um Passagieren die Flugangst zu nehmen, stressgeladene Situationen zu deeskalieren oder auch um ein schreiendes Baby zu besänftigen. Am häufigsten jedoch wird die Bordküche bei gezogenem Vorhang zum Sprechzimmer. Jedes Mal, wenn man zum Flugdienst erscheint wird man mit einer Gruppe meist wildfremder Menschen in ein Flugzeug gesteckt und fliegt dann für ein paar Tage weg. Ihr könnt euch ja denken, dass diese Konstellationen mal wie geschmiert, mal eher harzig oder auch mal gar nicht harmonieren. Meist repetiert man zuerst den immer gleichen Smalltalk: Wo man wohnt, wie lange man schon fliegt, wie alt man ist, wohin man als nächstes fliegt, die Parkplatzsituation am Flughafen, worüber man sich in der Firma sonst gerade auslässt oder übers Wetter. Dauert der Flug etwas länger und stimmt die Chemie, gehts dann auch ans Eingemachte. Ich habe mir schon zahlreiche Eheprobleme, Bettgeschichten, Familientragödien, Geschichten von zerbrochenen Herzen oder Freundschaften und andere intime Probleme

angehört. Mal unbeholfen peinlich berührt zugehört, mal mit Rat oder sogar Tat zur Seite gestanden. Das ist ein Phänomen, mit dem man umgehen lernen muss, aber eigentlich ganz logisch zustande kommt. Jeder dieser Menschen hat zuhause sein Umfeld, dass er mehrmals im Monat für ein paar Tage zurücklässt. Ein Streit am Familientisch wird vom Anruf der Dispo, die mit einem Flugeinsatz wartet, unterbrochen. Frisch Verliebte müssen sich nach der ersten gemeinsamen Nacht für fünf Tage verabschieden, die alleinerziehende Mutter muss ihr Kind zu ihrer Mutter bringen, den gepackten Koffer bereits im Kofferraum. Alle diese Leute kommen dann auf ein Flugzeug, anstatt der besten Freundin anzurufen, mit den Liebsten am Esstisch zu sitzen oder den kranken Vater im Spital zu besuchen.

Das tönt jetzt, als wären alle Flight Attendants soziale Baustellen. Natürlich ist die Bordküche nicht auf jedem Flug eine Kummerkiste. Manchmal steigt hinter dem Vorhang eine wilde Party, es entstehen Freundschaften oder gar Beziehungen, es gibt Streit oder jeder sitzt schweigend da und blättert in der Gala. Aber es dauert sicher keine zehn Minuten und schon steckt ein Passagier seinen Kopf durch den Vorhang und kommt sich sozialen Austausch suchen, weil er nicht schlafen kann, seine Beine schmerzen oder weil er seine Freundin vor ein paar Stunden das letzte mal durch die Glasscheibe der Sicherheitskontrolle gesehen hat und ihn jetzt, mit Kurs auf einen anderen Kontinent, der Liebeskummer plagt. «Klar, setzen Sie sich! Möchten Sie etwas trinken?»

Da kommt ein Haufen fremder Menschen, die man nach der Landung am Ende der Rotation wohl nie mehr, oder zumindest lange nicht mehr sieht, gerade Recht. Menschen, die alle eine andere Ausbildung absolviert haben, die mit den verschiedensten Kulturen aufgewachsen, charakterlich alle unterschiedlich und durch ihren Beruf offen, hilfsbereit und geduldig sind.

Julian Stäuble arbeitet als Flugbegleiter und erzählt von seinem Alltag: Geschichten aus der Bordküche, den Sitzreihen, den Flughäfen dieser Welt und Anekdoten zu Vorurteilen und Klischés rund um die Zivilluftfahrt. Ihr dürft euch in jeder Ausgabe über eine neue Episode «Come Fly With Me» freuen. Ready for Takeoff?!


16 – Helden  

Unsere 16. Ausgabe ist da! Viel Spass beim Lesen!

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