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Sonderheft Supermoto 2009

www.MotoMonster.de

Deutschland 3,00 €

Wir sind Weltmeister Das deutsche Team rockt Bulgarien Supermoto der Nationen in Pleven

Internationale Deutsche Meisterschaft Rückblick auf eine fette Saison und persönliche Interviews mit den Meistern

Nachwuchs Maxi Niewiadomski und Kevin Würterle ziehen weiterhin am Kabel

2 0 0 SUPERMOTO 9 Quer durch die deutsche Saison


Ken Roczen #94

Suzuki RM-Z250 Team TEKA Suzuki Europe World MX2 MX2 Motocross World Championship, Platz 5 Vizemeister ADAC MX Masters

Xavier Boog #121

Fotos: RAY ARCHER

Suzuki RM-Z250 Team TEKA Suzuki Europe World MX2 MX2 Motocross Championship, Platz ADAC MX Masters, Platz 3

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Daniel Siegl #7

Suzuki RM-Z450 Team TEKA Suzuki Europe Deutsche Motocross Meisterschaft Open, Platz 3 ADAC MX Masters, Platz 7

Larissa Papenmeier #4

Suzuki RM-Z250, Team TEKA Suzuki Europe

Vizeweltmeisterin

Punkte, Siege, Titel. Danke für eine tolle Saison!

FIM Women‘s World Championship Siegerin DMV BO-OIL MX Ladies Cup

Wer sich in dieser Saison im Gelände etwas ausrechnete, der musste erst an den Gelben vorbei: Suzuki bot in allen Klassen und auf allen Tracks Motorsport der Spitzenklasse. Die Sammlung der Erfolge kann sich sehen lassen – zahlreiche Rennsiege sowie nationale und internationale Titel stehen auf dem Erfolgszettel der Fahrer/ innen. Gemeinsam mit ihren Teams waren sie dafür verantwortlich, dass diese Saison nicht nur spannend, sondern auch erfolgreich war. Herzlichen Dank dafür – wir freuen uns auf 2010.

Suzuki RM-Z450, Team DSR-Suzuki Deutscher Meister in der Klasse S1 Internationale Deutsche Supermoto Meisterschaft

Druckfehler und Irrtümer vorbehalten.

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Pierre Alexandre Renet #15 Suzuki RM-Z450 Team Bodo Schmidt Racing Suzuki

Weltmeister

MX3 Motocross Championship

Petr Vorlicek #2

André Plogmann #26 Suzuki RM-Z450 Team DSR-Suzuki

Sieger

Deutscher Supermoto Pokal


EDITORIAL

Jetzt mal ganz im

ERNST W

Kleider machen Leute Auch wenn wir nicht im Nadelstreifenanzug daher kommen, wir wissen trotzdem was wir tun.

ir waren das ganze Jahr unterwegs und haben keine einzige Supermoto Veranstaltung der DM, oder auch des Pokal ausgelassen. Daraus resultieren natürlich Unmengen an Material, welches wir zum Teil ja schon auf unserer Website in Form von Renn- und Premiumberichten veröffentlicht haben. Die Überlegung daraus auch eine Druckversion zu erzeugen war naheliegend, doch so richtig anpacken wollten wir das Vorhaben erst einmal nicht. Alleine schon aus dem Grund, dass wir dann vollends in der Supermoto Ecke stehen, aus der MotoMonster zwar stammt, die aber trotzdem nicht das komplette Spektrum unserer Idee abdeckt. Doch dann kam der Moment, unmittelbar nach dem Finale der offiziellen deutschen Rennklassen, dass eine lustige Ansammlung an Menschen sich im bulgarischen Pleven traf um dort den Nationenweltmeister auszufahren. Dass es das Team Deutschland schaffte, war eine Sensation, aber ebenso genialer war die Methode zweier Beteiligter dieses Erlebnis aufzuarbeiten. Supermoto Schreiberling Klaus Wolters, der als Truckfahrer angeheuert war, und der Teamchef der deutschen Mannschaft, kein geringerer als Tausendsasse Tommi Deitenbach, liessen im

Internet die Ereignisse Zug um Zug Revue passieren. Es entstand eine Novelle, die den jähen Internet-Tod nicht einfach so sterben sollte und somit der Grund dieses Sonderheft zu produzieren. Wir stießen in der Vorbereitung zu diesem Heft zumeist auf offene Ohren, wurden aber auch das eine oder andere Mal arg enttäuscht. Viele jammern wegen der aktuellen wirtschaftlichen Situation, die im angeschlagenen Motorradgeschäft sicher noch einige Köpfe kosten wird. Problematisch wird es allerdings dann, wenn man als Industrievertreter das Prädikat „er war stets bemüht“ auf seinen Fahnen stehen hat, viel plappert, aber nicht handelt. Wer viel Geld im Rennsport investiert, der sollte dabei nie außer Acht lassen, dass die Medien es sind, die das Investierte in „Gold“ umwandeln. Supermoto ist an diesem Punkt sehr schwach aufgestellt und es heißt oft, wir müssen hier, da und dort größer besser schöner werden. Nun hält der Leser hier ein Heft in den Händen, welches feinstes Layout in nobelster Druckform präsentiert. Was, liebe Jammerer, soll man Euch noch vor die Nase halten, dass ihr das Floskeln schmettern sein lasst und Initiativen übernehmt?

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INHALT

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INHALT Editorial - Jetzt mal ganz im Ernst. Wer solch eine beknackte Idee in die Tat umsetzt, sollte auch eine Seite dafür opfern die Umstände zu erläutern.

Was ist Supermoto? Für alle die es noch nicht wissen, eine kurzes Exposé zu Art, Ursprung und Technik.

Gelbsucht dass es knallt - die S1 Saison 2009 Wie die S1 Meisterschaft in der vergangenen Saison ablief, sauber hintereinandergereiht mit fetten Bildern.

Die Jungs mit richtig Dampf - die S2 Saison 2009 Eine Ode an die tapferen Fahrer dieser Klasse, lanciert vom prickelnden Katz und Maus Spiel: Jasinski vs. Hermunen

Der C-Pokal, die zweite Bundesliga. Welche Hürden stellten sich Andre Plogmann und Florian Kopp in Weg?

Nachwuchsdrifter des Jahres Kevin Würterle und Maxi Niewiadomski sind die Nachwuchsmeister. Wie geht es weiter mit den beiden.

Wir sind Weltmeister - Chronik der Supermoto of Nations Teamchef und Truckfahrer schildern alle Höhen und Tiefen der Traumstory, plus Fahrerinterviews.

Was ist MotoMonster.de Was auf unsere Internet-Plattform alles angeboten wird und möglich ist kannst Du hier erfahren. Romain Febvre Ein Teenager, der es wahrlich schaffte zu polarisieren. Sein Fahrstil mit (an)Ecken und Kanten brachte ihm Fans.

Vorschau / Impressum Wir werden wieder an den Start gehen und zeigen hier schon mal ein paar Ideen dazu.

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ERKLÄRMONSTER

WAS IST

SUPERMOTO

Kein Mensch käme auf die Idee, mit Langlaufskiern von einer Schanze zu hüpfen oder sich mit Sprungskiern die berühmtberüchtigte Streif hinunter zu stürzen. Für jeden Einsatzzweck nehmen Sportler geeignetes Material her, um höher, schneller und weiter zu kommen. Supermoto-Piloten ticken da anders.

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17 Zöller Kleine Räder, heute meist 16,5“ groß, auf die Rennslicks aufgezogen werden, verbessern den Grip und vermeiden das Pendeln bei Highspeed.

Bremsen Biester mit eindeutiger Verwandtschaft zum Straßenrennsport. Vier-Kolben Zangen und riesige Scheiben, manchmal sogar zwei.

Motor Leistung ist zwar nicht alles im Leben, aber sie beruhigt. Optimierung auf hohe Geschwindigkeiten und Fahrbarkeit.

Fahrwerk Kürzer und straffer als beim Motocross, dennoch voll geländetauglich. Eine Gratwanderung zwischen Bodenhaftung und Dämpfung.

Schutzkleidung Helm und Schutzbrille sind vom Cross übriggeblieben, genau wie die Stiefel. Um Stürze auf dem Asphalt zu lindern greift man zu speziellen Supermoto-Lederkombis.

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Supermoto ist das Crossover zwischen Straßen - und Geländesport, die Strecken vereinen schnelle, sowie winklige Asphaltpassagen mit Offroadsektionen und immer mächtiger werdenden Sprunghügeln. Da leuchtet es ein, dass ein Kilogixxer überhaupt nicht geeignet ist. Spätestens hinter dem ersten Sprung säße man auf einem Naked Bike und kurz danach auf einem Schrotthaufen. Einem Motocross-Motorrad brutale Verzögerungsorgien und atemberaubende Schräglagen abzuverlangen, scheint aber ebenso abwegig. Es galt also, einen Kompromiss zu finden, um diese speziellen Anforderungen zu erfüllen. Die Kinderschuhe des Supermoto-Bikes waren noch 21“ und 18“-Räder mit relativ weichen, profilierten Reifen. Später gab es dann 17“ Räder mit Regenreifen vorne und geschnittenen Slicks hinten, die aus dem GPSport stammten. Bedingt durch das niedrige Gewicht der Motorräder waren die vorderen Slicks ungeeignet - sie wurden einfach nicht warm genug, um Grip aufzubauen. Was schnell wird, muss auch verzögert werden. Die Bremsscheibchen, Zängchen und Pümpchen der Crosser reichten nicht mehr aus, um die Wemsgeräte zu verzögern und so zierten bald pizzagroße Bremsscheiben, Vielkolbensättel und passende Bremspumpen die Front einer Supermoto-Maschine. Auch die Fahrwerke bekamen Aufmerksamkeit. Die Federwege wurden kürzer, die Abstimmungen straffer. Frühe Tüftler änderten gar die Lenkkopfwinkel und die Schwingen. Das Gerät wurde immer mehr dem Einsatz auf Asphalt angepasst. Je mehr die Fahrwerke der Boliden hohe Geschwindigkeiten ermöglichten, desto mehr Leistung kitzelten die Tuner aus den Motoren, und die Geräte wurden immer spezieller. Charles Darwin umschrieb diesen Prozess der natürlichen Anpassung einer Spezies an ihren Lebensraum als Evolution. Wie es überhaupt dazu kam, einen so bescheuerten Wettkampf zu etablieren, liegt im

Nebel der Geschichte. Manche sehen den Ursprung jenseits des großen Teiches, wo es zu einem Wettkampf zwischen Gelände– und Straßensportlern kam, andere vermuten die Wiege des Supermoto in Frankreich. In Deutschland wurde das erste „Speedcross“ irgendwann zum Ende der 80er ausgetragen und fand schnell Freunde, Fans und Teilnehmer. 1993 stellten dann Peter Mayer (Ex-GPCrosser und Redakteur bei MOTORRAD), Tommi Deitenbach (Teamchef, Messeorganisator und Sportmoderator) und Gustav Lux (DMSB) die ersten Rennen im Supermoto auf die Beine - die „MOTORRAD SUPERMOTO SERIE“ war geboren. Erstmals gab es mehrere Veranstaltungen im Jahr statt nur eines Events, und so wuchs der Bekanntheitsgrad von Supermoto. 1996 bekamen die Quertreiber das DM-Prädikat zugesprochen und es wurde heiß um diesen Titel gefightet. Auch aus dem Ausland traten Fahrer an. Klaus Kinigadner, Beat Gautschi, Gilles Salvador und nicht zuletzt die Gebrüder Chambon setzten den deutschen Topfahrern Harald Ott, Meik Appel und Achim Trinkner gehörig zu. Schon damals gab es einen fliegenden Finnen. Mika Sironen begeisterte die Fans vor allem im Speedway-Oval von Harsewinkel, das zu dieser Zeit noch beinahe komplett unter die 17-Zöller genommen wurde. Die ersten Sprunghügel waren noch mickrig, Tables von den Ausmaßen der Breisgau-Alpen auf der wunderschönen Freiburger Strecke gab es damals noch nicht. Doch der Sport entwickelte sich weiter, die Strecken wurden schneller, der Offroadteil spektakulärer, und auch der Fahrstil wandelte sich zu einer ganz eigenen Technik. Thierry van den Bosch perfektionierte die Drifts, die in Ansätzen schon von Stephane und Boris Chambon gezeigt wurden. Zu den ganz Großen im Supermoto gehört der deutsche Ausnahmeathlet Bernd Hiemer, auch Asphaltsurfer genannt. Hiemer schaffte es als einziger Deutscher, die Weltmeisterschaft zu gewinnen, und das gleich zwei Mal - 2006 und 2008.


OFFIZIELLE SUPERMOTO RENNKLASSEN IN DEUTSCHLAND S1

Internationale Lizenzfahrer der Klasse A auf Viertakt-Motorr채dern mit maximal 450 Kubik.

C1

Nationale Lizenzfahrer der Klasse B auf Viertakt-Motorr채dern mit maximal 450 Kubik.

S3

Jugendliche zwischen 12 und 21 Jahren auf 250er Viertaktern, oder 125er Zweitaktern.

S2

Internationale Lizenzfahrer der Klasse A auf Viertakt-Motorr채dern mit mehr als 475 Kubik.

C2

Nationale Lizenzfahrer der Klasse B auf Viertakt-Motorr채dern mit mehr als 475 Kubik.

JC

Kinder zwischen 9 und 16 Jahren auf 150er Viertaktern, oder 85er Zweitaktern.

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INTERNATIONALE DEUTSCHE MEISTERSCHAFT S1

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Gelbsucht dass es

KNALLT Eine S1 Saison, die an Spannung kaum zu übertreffen war, liegt hinter uns. Hier nun ein Rückblick aus Sicht der drei bis sechs Podiums-Aspiranten. Text & Fotos: Christian Queens // Layout: Markus Rutz

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DSR-Spitze Mit Petr Vorlicek und Romain Febvre hatte Teamchef Dirk Spaniol die schlagkräftigste Kombination im S1-Fahrerfeld.

n Stendal wusste keiner so genau, was auf ihn zukam. Auf Romain Febvre setzten einige, Markus Volz war mit einer neuen KTM, die aus Frust des Tuners nicht mehr als solche bezeichnet werden sollte, an den Start gerollt, Marcel Götz tauchte nun zusammen mit Kollege Julian Becher in Kawasaki Grün auf und bei Michi Herrmann lag eine recht frische Schultergelenksverletzung vor. Stefan Freyermuth wagte sich ins Haifischbecken und nahm sich vor, in der S1 anzustinken, während sein ehemaliger Mentor Dirk Spaniol auf die alten Tage etwas mehr Action einforderte und ebenfalls auf die 450er umstieg. Unglaublich gewohnt sah alles bei Jürgen Künzel aus. Er reiste mit dickem Sattel, der Herberge des Team Zupin, auf dem Flugplatz in Stendal an, zeigte sich gelassen und ließ keinen Funken Anspannung erahnen. Bis auf Kleinigkeiten wie den Sattelzug, den Hersteller, den Teamnamen, die Sprache und landsmännische Abstammung, sah es bei Petr Vorlicek genau gleich aus wie bei Künzel. Bis auf ein kleines Detail, das war anders. Im Blick von Vorlicek konnte man mehr den

Spieltrieb und die Vorfreude erkennen. Vorfreude darauf, sich endlich mit den anderen Wahnsinnigen ein Rennen zu liefern. Das sah Künzel offensichtlich abgeklärter. Der Einstand von Febvre war genial. Der kleine milchgesichtige Franzose holte sich die Pole Position, gewann ein Rennen, wurde im nächsten Zweiter und reiste als Tabellenführer von dannen. Michi Herrmann gab seiner Aprilia die Sporen und erkämpfte bandagiert wie ein ägyptischer Pharao auf seinem letzten Weg das zweitbeste Ergebnis, gefolgt von Vorlicek, Markus Volz und Jürgen Künzel. Letzterer war sauer, musste er doch in beiden Rennen hinter der stetig vor sich hin qualmenden HPS von Markus Volz bleiben, in der Hoffnung, dass der KTM-Umbau endlich tut was er verspricht. Aber wie er auch lauerte und am Hahn zog, er konnte Volz den Schneid nicht abkaufen. Die Wahl zum glücklichsten Tollpatsch gewann in Stendal definitiv Petr Vorlicek. Er gewann wohl das zweite Rennen, hatte zuvor im ersten Lauf aber bis wenige 100 Meter vorm Ziel noch den zweiten Platz inne, wurde nicht im geringsten mehr

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INTERNATIONALE DEUTSCHE MEISTERSCHAFT S1

Wochenend und Sonnenschein... ...Gabi wartet ganz allein. Solange die fiesen Jungs das Treppchen noch nicht bestiegen hatten, wartete Gabi geduldig auf die anstehende Sektdusche.

Aufholjagd In der zweiten Saisonhälfte machte sich Michi Herrmann auf, um das Podium endlich in Angriff zu nehmen.

von Herrmann, der es nach harten Offroadszenen endlich aufgegeben hatte, gefährdet. Was Langeweile im Kopf eines Piloten doch anrichten kann - Vorlicek besann sich und trug seine RMZ während der letzten Runde um den Kurs, wobei er bemerkte, dass sein Handprotektor locker war, wollte das Dingen wieder rantiedeln und bremste sich dabei den Motor aus. Abschließend kommentierte er den Zwischenfall mit grinsendem Gesicht und den Worten: „Ich Trottel!“ Drei Wochen später war die Motorradsport-Metropole des Saarlandes dran St. Wendel. Mit riesigem Aufwand sperrte man dort Bundesstraße, Industriegebiet und Parkplatzareal ab, machte in letzter Sekunde den Offroad gangbar und lud Zuschauer in rauen Mengen zu sich ein. Happy Hour im Supermoto Sport! Kein Zuschauer musste auch nur einen müden Cent ausgeben, um das Wettkampfgelände zu betreten. Ein Angebot, welches zahlreich eingelöst wurde und die ohnehin phantastische Atmosphäre in dieser Kleinstadt zusätzlich anreicherte. Rund um die Bahn standen die Scharen in mehreren Reihen, die Hänge war gefüllt mit Lyoner futternden Kindern, zumeist schnatternden Frauen und Männern, die einfach nur geile Rennen sehen wollten. Den Kindern ging es gut, die Frauen lobten die Pausen zwischen den Rennen und die Kerle kamen voll auf ihre Kosten. Vorlicek fuhr hier als sei der Leibhaftige hinter ihm her. Rot war der Bursche im HusqvarnaDress hinter ihm auch tatsächlich, denn beide Rennen wurden vom offenen Schlagabtausch

Herrmann war das Salz in der Suppe.

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zwischen Künzel und Vorlicek bestimmt. Petr hatte mächtig zu tun um sich den Deutschen Rekordmeister vom Leib zu halten, behielt allerdings Oberwasser, was ihm neben der Pole Position auch beide Rennsiege verschaffte. Nun stand er verdientermaßen an der Spitze der Tabelle, doch sein Vorgänger in diesem Amt hatte weniger Glück. Febvre fuhr im ersten Rennen wie entfesselt, stürmte an Vorlicek vorbei und führte eindeutig. Doch er bremste seinen Motor im Offroad aus und musste lange pumpen, bis sein 450er-Aggregat den Dienst wieder aufnahm. Danach schaffte er zwar Unglaubliches und fuhr von sieben wieder auf zwei vor, doch er hinterließ einiges an verbrannter Erde. Ein junger Kerl, ganz frisch in der DM, und schon nach dem dritten Rennen zwei alte Hasen, die nur darauf warteten, ihn vors Vorderrad zu bekommen. Bei seiner Hatz machte sich der Franzose mit sehr crossen Manövern bei Volz und Götz unbeliebt, was später aber untereinander geklärt wurde. Im zweiten Rennen ging Febvre zu Boden und schloss nur als Achter ab. Bei Künzels Heimspiel auf dem alten Militärflugplatz in der Nähe von Dresden fand der dritte Showdown statt. Wenn der WahlGroßenhainer an die Spitze der Meisterschaft wollte, dann musste er Vorlicek und Febvre schon deutlich in die Schranken weisen. Als er dann tatsächlich im ersten Rennen am Tschechen vorbei ging und seinen ersten Saisonsieg einfuhr, flippte das Publikum regelrecht aus. Doch Vorlicek ließ sich während des Rennens nicht abschütteln und heimste emsig die Punkte des Zweitplatzierten ein,


während Febvre nach Sturz in der ersten Runde nur Sechster wurde. Im folgenden Lauf meldete sich Romain allerdings eindrucksvoll zurück und bugsierte sich mit einem grandiosen Überholmanöver an Vorlicek vorbei, um in Führung zu gehen. Künzel wollte Punkte gut machen, während der Lausbub am vorderen Ende des Feldes davon ritt. Nur Vorlicek lag zwischen den beiden, weshalb Jürgen zur Attacke blies, um Petr zu bezwingen. Wenige Runden später gelang es ihm auch, doch Febvre war zu weit weg, als dass Künzel ihm noch hätte gefährlich werden können. Insgesamt machte JK genügend Punkte gut, um an Febvre vorbei zu marschieren, doch der Abstand zu Vorlicek war immer noch acht Zähler stark. Michi Herrmann und Markus Volz, die seit St. Wendel in Konkurrenz um den vierten Rang standen, verloren an Boden auf die Spitzengruppe und konnten die Pace der Fabulösen Drei auch nicht mitgehen, während Marcel Götz trotz der S1-Pole in Großenhain nicht zufrieden sein konnte. Er wandelte den genialen Startplatz in Rang vier und sechs um, was dem Eidgenossen nicht so recht schmeckte. Eines vorweg, das erste Rennen in Harsewinkel war echt nichts für zart Besaitete. Vorlicek musste so gut als möglich punkten, Künzel hatte die Pole und Febvre startete hinter Julian Becher von der vierten Position. Erst wehrte Vorlicek Becher ab, danach rückten ihm Cyrill Scheiwiller und Romain Febvre auf die Pelle, kamen sich aber ins Gehege, wodurch der zuvor überholte Künzel durchschlüpfte. Für Vorliceks Performance waren

die Verfolger einfach zu stark und das Gespann Künzel-Febvre schlüpfte gemeinsam durch. Petr hielt zumindest in Punkten den dritten Platz, denn Cyrill Scheiwiller, der ihn danach noch überrannte, wurde als Gast nicht in der Tabellenwertung gezählt. Dank des Sieges war Künzel nur noch 3 Punkte von Vorlicek entfernt, aber der blieb cool und baute auf den zweiten Turn. Das zweite Rennen startete mit einem kleinen Durcheinander. Vorlicek starb beim Gangeinlegen in der Startaufstellung der Motor ab und die Rennleitung ließ die Flagge oben, bis die Suzuki wieder heiser vor sich hin röchelte. So viel Geduld brachte einer allerdings nicht auf. Markus Volz wurde während dieser Phase so hibbelig, dass er die Kupplung schnalzen ließ, als die Ampel eingeschaltet wurde, und nicht erst als sie ausging. Mit einem nennenswerten Vorsprung von etwa 87 Motorradlängen fuhr er ein wenig desorientiert an der Spitze rum, meldete sich umgehend freiwillig zur Stop & Go-Strafe, und wurde am Ende Sechster. An der Spitze fuhr ein weiteres Mal Vorlicek, jedoch mit dem Unterschied, dass er diesmal die Position hielt. Sein Teamkollege Romain Febvre landete auf Rang zwei vor Künzel. Somit war der Ausgangszustand zwischen den Frontmännern fast gleich geblieben. Künzel fehlten nach wie vor acht Zähler auf Vorlicek, er konnte die Lücke zu Febvre allerdings um einen Punkt ausbauen. Nach einer lange währenden Sommerpause traf man sich erstmals Ende August auf dem DEKRA-Testoval am Lausitzring wieder. Mit einer solch breiten Bahn wurden die Pi-

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Warum haben wir Ihrer Meinung nach 35.000 Runden im Grenzbereich gedreht?

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INTERNATIONALE DEUTSCHE MEISTERSCHAFT S1

„ Generationenkampf Romain Febvre ließ nicht von Jürgen Künzel ab, und machte es dem Profi ein ums andere Mal schwer.

Spätzünder Markus Class strampelte sich zu Beginn seiner Saison erst noch ein wenig frei, landete dann aber einige Treffer.

Markus Volz Dem Saarländer blieb es wieder verwehrt alle Rennen bestreiten zu können. 2010 wechselt er zu KTM Bauerschmidt in ein deutsches Team.

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In keiner Klasse waren die Fahrer so dicht zusammen

loten bislang noch nie konfrontiert und speziell in der Steilwandkurve war man sich mit der Wahl der perfekten Linie sehr uneins. Am besten stellte sich Michi Herrmann auf das Angebot ein. Er ließ seine Zweizylinder-Aprilia am heftigsten über das Oval kreischen und sicherte sich gegen Vorlicek, Volz und Götz die Pole. Von Vorliceks direkten Verfolgern im Kampf um den Titel erstmal keine Spur. Febvre startete von sieben und Künzel hielt das Schlusslicht in der zweiten Startreihe. Wann erlebt man das schon mal? Der Event am Lausitzring sollte die Auferstehung zweier Kandidaten werden, die sich bislang jäh um den vierten Meisterschaftsrang balgten. Markus Volz und Michi Herrmann waren zurück, oder besser gesagt, die beiden zeigten nun endlich, was in ihnen steckt, und spurteten um den Rennsieg. Doch Volz baute während der 12 Runden zwei Patzer ein, bei denen jeweils einer seiner Verfolger durchflutschte. Erst Herrmann, dann Vorlicek. Im Hinblick auf die Meisterschaft war dieses Rennen pures Gold für den Tschechen. Während er Rang zwei einfuhr, lederten sich beide Kontrahenten um den Titel ab, und sammelten nur spärlich Punkte. Herrmann legte mit diesem Lauf den Grundstein zu einer grandiosen Aufholjagd um den dritten Tabellenrang. Febvres Einsatzgerät regelte dann später den Rest. Während sich Herrmann vorne mit Volz und Markus Class abplagte, wurde Febvre auf Position sechs liegend von Künzel verfolgt. Nach ein paar Runden in dieser Konstellation muckte Febvres Suzuki, und der Franzose musste das Rennen verlassen, während seine Gegner eifrig punkteten. Herrmann belegte Rang zwei und Künzel wurde noch vor Vorlicek Vierter. Der Tabellenführer bestand das Wochenende mit Bravour, baute seinen Vorsprung auf 15 Punkte aus, aber Febvre verlor durch seinen Ausfall Künzel aus dem Auge und spürte fortan Herrmanns Atem im Genick. Die DM in Freiburg bot erneut das, was man seit Jahren von ihr gewohnt ist. Geniales Wetter, volle Ränge, einen fetten Offroad, und schnellen Asphalt, der wohl nirgends in der DM flüssiger unter die Räder zu nehmen ist. Hier hatte Künzel nun die letzte Chance, seine Ausgangsposition für das anstehende Finale zu verbessern. Er war amtierender Meister und wollte es auch bleiben. Doch schon im Zeittraining bahnte sich an, dass Künzels Mission nur schwer umzusetzen sein würde. Febvre und Vorlicek lagen vor ihm, und obendrein hatte er auch noch Herrmann im Nacken. Der ging dann beim Start zum ersten Rennen auch direkt an JK vorbei. Der

amtierende Meister ließ nicht locker und hielt dagegen, sprang dann aber zu beherzt hinter Herrmann in den Offroad und musste zu Boden. Platz 14 fuhr der Tabellenzweite ein, zieht man die Platzierungen der Gäste ab, dann bekam er immerhin noch die 11 Punkte für den zehnten Platz. Vorlicek hingegen wurde Vierter und verbuchte somit sieben Zähler mehr auf seinem Tabellenkonto. An der Spitze balgten sich Febvre und Herrmann. Febvre musste Boden gut machen, um Künzel den Vizetitel zu entreißen, und andererseits auch, um sich Herrmann wieder ein wenig von der Pelle zu schütteln. Alles was Febvre tun konnte war gewinnen, was er auch tat, doch Michi Herrmann blieb cool und spurtete dem Franzosen eifrig hinterher. Er wurde Zweiter. Im zweiten Rennen ging es zwischen Febvre und Herrmann wieder genau gleich aus, aber dafür blieb Künzel sitzen und konnte den Missstand aus dem ersten Lauf um zwei Punkte gegenüber Vorlicek korrigieren. Markus Volz hatte der DM nach guten Ergebnissen in Freiburg nichts mehr hinzuzufügen. Der Saarländer, der 2009 noch in Diensten des HPS Team aus der Schweiz stand, würde das Finale nicht mitfahren können, da er für sein Team in der Schweiz antrat. In Anbetracht seiner knappen 10 Punkte Rückstand auf Herrmann eine traurige Entscheidung. Zum Abschluss der Saison ging es erneut ins Emstalstadion von Harsewinkel. Zwar ein wenig unbeabsichtigt, weil eigentlich Saarbrücken auf dem Kalender stand, doch der Schauplatz in der Saar-Metropole wurde am gleichen Wochenende von zahlreichen Besuchern anlässlich des Tages der Deutschen Einheit heimgesucht. Vorlicek hatte die Aufgabe, 20 Punkte Vorsprung ins Ziel zu retten, und sah trotz dieser vermeintlich einfachen Aufgabe nicht gerade entspannt aus. Künzel hatte mit einem scharrenden Teenager zu kämpfen, der sicherlich alles daran setzen würde, JK die drei Punkte Vorsprung streitig zu machen. Doch der Franzose sollte sein Haupt am Abend des 4. Oktober 2009 am tiefsten hängen lassen. Vorlicek bewies im Einzelfahren eindeutig seine Klasse und entschied sich, nachdem er die Pole-Position erreicht hatte, die Rennen im Safe-Modus zu fahren. Es war an den Anderen, die Spannung in den Ausgang der Meisterschaft zu bringen, was auch wahrlich gelang. Vorlicek gewann den Start und hielt sich in der ersten brenzligen Kurve auch direkt deutlich zurück. Künzel hatte nun die Führung, doch Febvre raste wie der Teufel hinter ihm her und packte ihn dann auch. Schnell gewann der Franzose


an Metern und wähnte seine Suzuki und sich schon fast im sicheren Hafen. Doch Michi Herrmann war mittlerweile auch an Künzel vorbeigegangen und nahm die Verfolgung auf. Febvre hielt dem Druck des Thüringers nicht stand und stürzte wenige Runden vor Schluss, was Herrmann den Sieg verschaffte. Als Gast in diesem Rennen war Bernd Hiemer mit dabei. Der Weltmeister bestritt nach langer Verletzungspause wieder sein erstes Rennen und kam vor Künzel als Zweiter ins Ziel. Vorliceks fünfter Platz machte eines gewiss: Nur noch ein Totalausfall im zweiten Rennen würde ihn den Titel kosten - und das auch nur, wenn Künzel unter den Top-Drei ankommen würde. Aber was soll die ganze Phrasen- und Möglichkeiten-Drescherei noch? Petr rollte im zweiten Rennen 17 gelassene Runden lang dahin, wurde von Spaniol, André Plogmann und zum Schluss sogar von Febvre eskortiert und galt von da an als neuer Deutscher Meister. Die Tatsache, seinen meisternden Teamkollegen bei seinem Triumph begleiten zu dürfen, verdankte Febvre wieder einmal der eigenen Hitzköpfigkeit. Nachdem er den Start gewonnen hatte, pressten sich Künzel und Hiemer wenige Meter später am Franzosen vorbei. Die anschließende Attacke von Febvre endete im Heck von Hiemers sackteurer Werks-KTM und der Knilch musste sich zur Strafe ganz hinten wieder anstellen. Das hatte zur Folge, dass Michi Herrmann, der an Künzel vorbei war, nun einem weiteren Laufsieg entgegen raste, den DSR-Jüngling vom Podest der Gesamtwertung stieß, und am Abend entsprechend feierte.

Tabellenendstand 2009 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12.

Petr Vorlicek Jürgen Künzel Michael Herrmann Romain Febvre Markus Class Markus Volz Dirk Spaniol Marcel Götz Julian Becher Harry Näpflin Kevin Reinhard Lukas Wolf

CZE GER GER FRA GER GER GER SUI GER SUI SUI GER

288 274 263 257 203 203 161 140 140 117 115 111

DSR Suzuki Zupin Husqvarna HP Moto DSR Suzuki Dirt-Force Racing HPS Racing DSR Suzuki Emil Weber Racing Emil Weber Racing Emil Weber Racing Team Reinhard Aprilia Grebenstein MotoMonster Supermoto 2009 13


INTERNATIONALE DEUTSCHE MEISTERSCHAFT S1

Interview S1 Champion Petr Vorlicek PV: Ja genau, das ist es, was ich meinte. Aber wenn der junge Kerl ein wenig mehr Erfahrung gesammelt hat, dann wird er das ähnlich sehen, und wir alten Hasen müssen uns warm anziehen. CQ: Wie war das Gefühl, beim letzten Rennen von den Teamkollegen über die Linie eskortiert zu werden? PV: Ich hatte mich im letzten Rennen echt zurückgehalten, damit mir nicht doch noch eine Kette reißt oder ich einen Plattfuss bekomme, und plötzlich hatte ich die drei Jungs um mich. Das hatten wir echt nicht abgesprochen, aber es war ein geniales Gefühl, meinen Freund und Teamchef Dirk und auch André und Romain bei der Durchfahrt in meiner Nähe zu haben. Das war ein Teamauftritt!

Christian Queens (CQ): Du bist sicher mit dem Gedanken angetreten, Meister zu werden, und warst ja immerhin auch seit der zweiten Veranstaltung Tabellenführer. Gab es Momente, in denen Du nicht an den Sieg geglaubt hast? Petr Vorlicek (PV): Ich gehe da immer sehr pessimistisch ran und glaubte eigentlich nie so wirklich daran, dass ich es schaffen werde. Ich hoffte es zwar sehr, aber ich glaubte es erst auf den letzten Metern beim Finale, als ich die Flagge quasi schon sah. Während der Saison hätte so viel passieren können und es war so knapp in der Meisterschaft, da hätte ein Ausfall oder ein Sturz alles verändern können. CQ: Du fährst sehr konzentriert, konstant, und man sieht Dich eigentlich nie über Deinen Fähigkeiten fahren. Ist das Deine Strategie, um sichere Punkte zu sammeln? PV: Wenn ich trainiere, dann kann ich mich auf Spielchen einlassen und Grenzen ausloten, aber in einem DM-Lauf ist das einfach nicht drin. Da steckt hinter jedem Rennen ein solch hoher Aufwand an Zeit, Geld und Teamarbeit dahinter, dass waghalsige Aktionen einfach nicht angebracht sind. Ich sammle lieber ein oder zwei Punkte weniger als ich mit der Brechstange erreichen könnte. Das kann man als Taktik, oder auch als Philosophie bezeichnen. CQ: Du hast genau so viele Siege wie Dein Teamkollege Romain eingefahren, aber du wurdest Meister, und er nur Vierter. Trifft das den Punkt Deiner Philosophie?

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CQ: Was hast Du zur Vorbereitung der Saison getan? Gab es irgendwelche großen Meilensteine die Du am Motorrad, oder auch am eigenen Fahrstil, erreichen konntest? PV: Ich habe 20 Minuten von zu Hause eine kleine Rennstrecke und da konnte ich mich im Allgemeinen sehr gut vorbereiten. Da ich diesen Sport über alles liebe, bin ich auch entsprechend trainingsgeil. Technisch war das Motorrad nur an den gewöhnlichen Stellen wie Fahrwerk und Motor anzupassen, und alles verlief problemlos. Eine Erklärung, weshalb es dann alles so gut geklappt hat, habe ich nicht. CQ: Trainierst Du Motocross? PV: Ja, natürlich! Das macht glaub ich jeder von uns in der DM. Das macht mir auch Spaß, aber nach einem Wochenende crossen habe ich erst einmal die Schnauze voll und freu mich wieder auf Supermoto. Wie ich schon sagte, ich liebe diesen schnellen Sport. So zum Spaß mache ich mit ein paar Kumpels hier in der Gegend ab und an mal bei nem Enduro mit. Das ist zwar nicht gerade Erholung, aber querfeldein macht einfach Laune. CQ: Wie bekannt bist Du in der Tschechei? PV: Och, es geht so. Manche mögen mich nicht, weil ich in Deutschland fahre und nicht in der Tschechei. Die verstehen einfach nicht, dass ich bei den Rennen zwischen den wenigen Fahrern hier keine Herausforderung habe. Aber die meisten und vor allem einige meiner Kumpels sehen das ein. Die Presse unterstützt mich durchweg gut, und ich habe auch immer mal ein Fernsehteam von hier mit dabei. Das ist soweit alles super, vor allem freut man sich hier glaube ich sehr, wenn ich gegen die Deutschen gewinne, hahaha! Aber um auf Deine Frage zurückzukommen, man spricht mich nicht auf der Straße an. Da müsste ich Fußball oder Eishockey spielen.

CQ: Europameister warst Du ja schon. Wirst Du wieder in die WM wechseln wollen? PV: Natürlich, das will wohl jeder Fahrer, aber um ehrlich zu sein mag ich die Organisation nicht, die hinter EM und WM steckt. In meinen Augen hat es den Anschein, dass die den Sport killen wollen. Viele Entscheidungen sind einfach schlecht, und ich habe nicht so sehr den Drang, daran teilzunehmen, wie das normalerweise der Fall sein sollte, und ich glaube das geht auch anderen so. Da fahre ich wirklich lieber zur DM und treffe mich dort mit meinen Freunden.

CQ: Wenn Du Dich auf Freunde beziehst, was ist das Besondere am DSR Team? Oder anders gefragt, wie kommt es zu diesem Familienfeeling? PV: Das kann ich Dir genau sagen! Der Chef selbst ist ein ehrgeiziger Rennfahrer. Zum einen vielleicht ein Minuspunkt, weil es manchmal Dinge gibt, um die er sich dann nicht so intensiv kümmern kann, aber dafür hat Dirk diese unverwechselbare Einstellung zu dem Sport, welche sich mit der Zeit sicher ändern würde, wenn er nicht mehr selbst fahren würde. Ich hoffe er macht das noch sehr lange, damit er viel Spaß daran hat und genau der bleibt, der er ist. CQ: Zum Schluss noch die obligatorische Frage: Wie schaut es für die kommende Saison aus? PV: Meine neue RMZ bekomme ich erst in München, aber da Suzuki immer gute Fortschritte macht, wird die Technik kaum ein Problem im neuen Jahr werden. Natürlich fahre ich die DM und schaue auch bei der Europameisterschaft und der WM vorbei. Alleine schon um dort mit ein paar tollen Leuten, die ich kenne, in Kontakt zu bleiben, und den Kalender ein wenig aufzufüllen. CQ: Vielen Dank für das Interview Petr. PV: Ja, ich danke. Einem deutschen Magazin habe ich bisher noch nie ein Interview in der Form geben dürfen. Doch ich möchte noch eines sagen, was mir sehr am Herzen liegt. CQ: Nur zu. PV: Einer meiner wirklich guten Freunde, Michael Spacek, mit dem ich viel trainiert habe, starb bei einem Motocross-Rennen. Ich möchte das hier nur zur Erinnerung an ihn erwähnen und im kommenden Jahr seine Startnummer, die #118, auf meiner Tafel mit zeigen. Es war auf eine Art sicherlich Bestimmung, denn Michael kam bedingt durch einen Autounfall zu früh zur Welt, und er ging aufgrund eines weiteren Unfalls zu früh von dieser Welt. Darüber bin ich sehr traurig.


CHAMPIONS LEAGUE

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INTERNATIONALE DEUTSCHE MEISTERSCHAFT S2

Die Jungs mit richtig

DAMPF Bei der Siegerehrung am Abend des Finale konnte man den Schmerz in Hermunens Gesicht deutlich erkennen. Alle S2 Rennen der DM an denen er teilgenommen hatte gewann er und wurde doch nur Zweiter. Text & Fotos: Christian Queens // Layout: Markus Rutz

Tabellenendstand 2009 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12.

Jochen Jasinski Mauno Hermunen Manolito Welink Nico Joannidis Michael Wagner Danniel Fuhrbach Jan Deitenbach Daniel Wild Andreas Mikkelsen Joachim Bauer Stefan Freyermuth Toni Krettek

GER FIN GER GER GER GER GER FIN DEN GER GER GER

312 300 239 226 222 180 175 166 164 161 151 114

Jochen Jasinski Zu seinem Meisterauftritt r端ckte der Tabellenf端hrer erstmals auf der neuen Husaberg aus um auch diesem Teil der Saison seinen Tribut zu zollen.

16 MotoMonster Supermoto 2009

MH Husaberg Zupin Husqvarna Aprilia Grebenstein Style Factory KTM Bauerschmidt Raptor Racing DSR Suzuki epex Racing Mikkelsen Yamaha Raptor Racing Taunus Moto DSR Suzuki


MotoMonster Supermoto 2009 17


„ „ Bürgerkrieg im Mittelfeld

INTERNATIONALE DEUTSCHE MEISTERSCHAFT S2

Mauno Hermunen Er dominierte das Geschehen, egal auf welcher Strecke, doch sein WM-Engagement kostete ihn den Titel.

Stefan Freyermuth Nach einem Versuch in der S1 baute Taunus Moto schnell eine 530er für S2-Rückkehr auf. Eine gute Entscheidung!

Nico Joannidis Der kleine Grieche steckte seine Ziele etwas zu hoch. Wenn nichts schief ging war er aber immer vorne mit dabei.

18 MotoMonster Supermoto 2009

D

ie Art und Weise mit der wir die S1Wettkämpfe umschrieben haben eignet sich leider nicht für die S2. Hier standen schon zu Beginn der Saison zwei Männer auf ihren rasenden Kisten im Vordergrund. Der Meister und Newcomer des Vorjahres Mauno Hermunen im Dienste des Team ZUPIN Husqvarna, der dem Traunreuter HusqvarnaImporteur allerdings nur als Leihgabe des Werksteams zur Verfügung stand, und der Altmeister und Mega-Grantler Jochen Jasinski - der sein Gesicht bei offiziellen Anlässen stets zur Faust geballt präsentiert. Mit dem Team MH Husaberg und dem Vizetitel im Genick wagte er einen neuerlichen Sturm auf die Tabellenspitze. Dabei hatte Jasinski nach seinem Titelerfolg 2007 schon mit dem Gedanken gespielt, das Fahren sein zu lassen. Doch so alt wie er aussieht, ist Jasi überhaupt noch nicht, weshalb man ihn auch schnell wieder auf die rechte Bahn brachte. Die Auswahl derer, die sich um Rang drei in der S2-Klasse bemühten, war da ein wenig umfangreicher. Einer von ihnen ist Manolito Welink. Er trat 2009 wieder für das Team Aprilia Grebenstein an und machte auch neben der Strecke eine ausgesprochen gute Figur. Nicht unbedingt optisch, da glich er nach wie vor eher einem mit Badelatschen besohlten

Schrauber als einem stylischen Sunnyboy aus der ersten Startreihe - nein, Mano machte das Team rund - oder wie soll man es bezeichnen, wenn man seine langjährige Freundin und Mechanikerin einen Tag vor der Entbindung des gemeinsamen Sohnes ehelicht? Ein weiterer Kandidat war Nico Joannidis, der genau wie Jasinski auf einer Husaberg, allerdings auf dem brandneuen 2009er-Modell, in die DM startete. Nico wurde im Jahr zuvor Meister der zweiten Bundesliga (C2) und lieferte bei Gastauftritten in der S-Klasse schon sehr manierliche Ergebnisse ab, bei denen er fast immer in den Top-Five lag. Mit diesen Vorzeichen stand er von Anfang an mit auf der Liste der Treppchenanwärter, genau wie Michi Wagner. Mit Wagner war es in den vergangenen Jahren immer so ein Thema - mal hatte er ein Motorrad, mal wieder nicht. Wenn dem so war, dann lieh er sich halt irgendwo eines - und fuhr dann eben mit dem Wochenendhobel vorne mit rum. 2009 hatte es Wagner da erheblich leichter. Das Team KTM Bauerschmidt nahm den nordischen Jungen unter seine Fittiche und er wurde mit einer gepimpten SMR ins Rennen geschickt. Diese drei waren zu Beginn der Saison schon in den Top-Five gesetzt, zumindest bei den meisten, was aber nicht heißen sollte, dass es ihnen


Danniel Fuhrbach

#18

Der Rheinländer setzte sich innerhalb der Mittelfeld-Gruppe durch.

Daniel Wild Auch er hatte seinen Kampf. Seinen Tabellengegner Mikkelsen zersägte er in der letzten Runde des Saison.

Manolito Welink Neben privaten Erfolgen heimste der Motorradhändler den dritten Platz ein. leicht gemacht würde. In Stendal startete dann die Hatz um die Pokale und es kam wie erwartet - und obendrein so, wie es das komplette Jahr kommen sollte. Der Hermunator zog allen davon. Zu Beginn des Rennens konnte Jasinski immer ein Stück weit mit dem Finnen mithalten, musste aber jeweils spätestens zur Hälfte der Distanz eine Lücke aufreißen lassen. Das tat Jasinski, außer vielleicht in der Ehre, kaum weh. Denn wenn er Hermunen so weit gefolgt war, dann konnte er davon ausgehen, dass der Rest des Feldes zwischenzeitlich sekun-

denweit hinter ihm mit sich selbst beschäftigt war. Das mag langweilig klingen - und um ehrlich zu sein, was die ersten beiden Plätze auf dem Stockerl anging, war es das auch aber dahinter brach zeitweise die Hölle los. Einer der sich fest vorgenommen hatte, in diesem Jahr endlich das Treppchen zu erklimmen, selbst wenn er von der Fachwelt nicht auf selbiges gesetzt wurde, war der Österreicher Daniel Lechthaler. Wie seine Saison aber tatsächlich verlaufen würde, konnte niemand erahnen. Sie war verdammt kurz, holprig und zum abhaken.

„ Ich nehm die Innenspur „

20 MotoMonster Supermoto 2009

Die Meute bricht los Startbild von der Bundesstraße in St. Wendel.


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FOTO: CHRISTIAN QUEENS

Deutsch er Sup er m oto Meister 20 09 Klasse S2 H usa b erg F S 570

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Gezeigte Fahrszenen bitte nicht nachahmen, Schutzkleidung tragen und die Straßenverkehrsordnung beachten!

FOTO: RAPTOR-RACING

MEISTER 2009 SUPERMOTO SUPERMOTO SUPERMOTO Eine Klasse für sich SUPERMOTO SUPERMOTO

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Deutsch er Sup erm oto Cup -Sie ger 20 09 Klasse C2 H us a b erg F S 570

INFOS BEI IHREM HUSABERG-HÄNDLER O1156 Dresden, Endurohof, Tel. 035204/3927 17 | O3249 Sonnewalde, Krahl & Kroschel, Tel. 035323/60484 | O4654 Frohburg, Neubert Racing Shop, Tel. 034348/559 10 | O4874 Belgern, Zweirad Engel, Tel. 034224/4 65 55 | O6112 Halle/Saale, Moto Sport Halle Reinke, Tel. 0345/ 7805260 | O6467 Hoym, WR Racing GmbH, Tel. 034741/71009 | O6647 Billroda, Zweiradsport Hornik, Tel. 036377/4921 | O7318 Saalfeld-Wöhlsdorf, TR Moto Shop, Tel. 03671/528110 | O9488 Schönfeld, Zweiradsport Wolf, Tel. 03733/66479 | 12683 Berlin, GST Berlin GmbH, Tel. 030/52698444 | 19243 Wittenburg, Domian, Tel. 038852/52326 | 24107 Strohbrück, Zweirad Schönfeld, Tel. 04340/8604 | 24568 Kaltenkirchen, Zweirad-Center Melahn, Tel. 04191/ 7226410 | 27356 Rotenburg, enduroX Richter, Tel. 04261/6826 | 30938 Burgwedel/Wettmar, Dirt Bike Service, Tel. 05084/92300 | 33739 Bielefeld-Jöllenbeck, Bergos Racing, Tel. 05206/ 70373 | 35435 Wettenberg, Schleenbecker Moto, Tel. 0641/980306 | 37284 Bischhausen, Zweirad Wills, Tel. 05658/1521 | 39108 Magdeburg, Moto Fink, Tel. 0391/7327525 | 46348 Raesfeld, Vengels&Fritsche, Tel. 02865/10656 | 51069 Köln-Dellbrück, Moto Rumpf GmbH, Tel. 0221/605686 | 55545 Bad Kreuznach, Setup GmbH & CoKG, Tel. 0671/8960322 | 64347 Griesheim, Fahrzeugb. Nothnagel GmbH, Tel. 06155/83820 | 68794 Oberhausen/Rh., ATV-Moto-Service Ehringer, Tel. 07254/2044508 | 73560 Böbingen, MH Motorräder, Tel. 07173/92321 | 74252 Massenbachhausen, Enduro Koch, Tel. 07138/813393 | 77963 Schwanau-Nonnenweier, Fa. Rubin, Tel. 07824/4320 | 79238 Ehrenkirchen, Off Road Planet, Tel. 07633/9234705 | 82467 Garmisch-Partenkirchen, Lada’s Garage, Tel. 08821/9432668 | 83109 Großkarolinenfeld, Griesser Moto-Sport, Tel. 08031/44507 | 84524 Neuötting, Team Berreiter, Tel. 08671/ 7 1515 | 85139 Wettstetten/Echenzell, Desertmoto, Tel. 08406/918380 | 85221 Dachau, Enduro Bunker GmbH Dachau, Tel. 08131/906370 | 86316 Friedberg-West, Motorräder Schreiz, Tel. 0821/3499752 | 87452 Altusried, Motorradoase Geisenhofer, Tel. 08374/589305 | 88074 Meckenbeuren, Bike-Store Danckert, Tel. 07542/1290 | 88167 Gestratz, Krüger GmbH, Tel. 08383/339 | 89344 Aislingen, MK Offroad Racing, Tel. 01 60 / 96 00 73 06 | 90559 Burgthann-Unterferrieden, BSN-Racing GbR, Tel. 09183/9029494 | 94469 Deggendorf, RIMOTEC, Tel. 0991/299594 | 95666 Mitterteich, TG Motorsport, Tel. 09633/2793 | 96237 Ebersdorf-Frohnlach, Holder-Buchholz e. K., Tel. 09562/403372 | IN ÖSTERREICH A-2552 Hirtenberg, Johann Schruf, Tel. 02256/82762 | A-3293 Lunz am See, Geländesportmot. Bachner, Tel. 07486/20020 | A-4441 Behamberg, Rameis Racing, Tel. 07252/377 18 | A-4600 Wels,KTM Braumandl GmbH, Tel. 07742/4620114 | A-5020 Salzburg, Zweirad Hautaler, Tel. 0662/830404 | A-6811 Göfis, M Racing Shop, Tel. 05522/83038 | A-8756 St. Georgen, Husaberg Winkler Stahlpfarrer, Tel. 0664/5388816 | A-9800 Spittal, Moto-Point, Tel. 04762/33386


Michi Wagner Ohne viel Aufsehen zu erregen platzierte er seine KTM sicher auf dem 5. Platz der S2 Meisterschaft. Zuerst feierte man die Gründung des neuen epex-Racing Team, welches auf Husqvarna unterwegs war, und bei dem Lechthaler neben den Jungspunden Daniel Wild und Fabian Riedl die Speerspitze darstellte. Doch Versprechen, Erwartungen und Ergebnisse wollten einfach nicht übereinstimmen und man einigte sich schon nach dem ersten gemeinsamen Wochenende, in der DM wieder getrennte Wege zu gehen. Doch Lechthaler schaffte es schon in St. Wendel - einen Event später - auf einer RE-Racing Husqvarna anzutreten und seinen Platz im vorderen Mittelfeld einzunehmen. Beim dritten Event in Großenhain verunglückten Daniel Lechthaler und Robert Dornbrach allerdings gemeinsam und fanden sich beide mit langwierigen Beinverletzungen im Krankenbett wieder. Saison gelaufen. Sportlich lief es wie gehabt - vorne wie immer, dahinter mit ein wenig Abwechslung. Das bedeutete, wenn es Welink mal nicht auf den dritten Platz schaffte, dann war entweder ein Gaststarter dazwischen, oder Joannidis zwängte sich vorbei. Das eigentliche Rennen und somit der blanke Nervenkitzel fand zumeist auf den Positionen fünf bis zehn statt. Hier schafften es immer wieder ein paar Ausdauernde, sich rundenlang zu bekriegen, und sich gegenseitig das Vorderrad zu zeigen. Neben alten Hasen wie Jo „Stunt“ Bauer und dem Dänen Andreas Mikkelsen waren es vorrangig die jungen Heißsporne, die das Süppchen am kochen hielten. Danniel Fuhrbach, Jan Deitenbach, Daniel Wild und Stefan Freyermuth - allesamt aus den Jugendklassen dieser Sportart gewachsen - bekämpften sich nun in der S2 bis aufs Blut. Freyermuth hatte es zu Beginn der Saison noch in der S1

probiert, schwenkte aber direkt nach Stendal zu den hubraumverwöhnten Jungs um. Ohne ein einzelnes Rennen herauspicken zu wollen, muss man diesen Piloten hohen Respekt zollen. Sie haben mit ihren nicht enden wollenden Zweikämpfen dafür gesorgt, dass Leben in die Bude kam. Doch zurück zur Spitze, war da am Ende immer noch alles wie gehabt? Keineswegs, denn zwei Wochen vorm Finale änderte sich die Situation dort vorne drastisch. Kaum war die Katze aus dem Haus, trieb‘s der Kater mit der Maus - jedenfalls so ähnlich. Hermunen konnte ein jämmerliches Wochenende nicht an der DM teilnehmen. Während der zu dem Zeitpunkt Zweitplatzierte in der Weltmeisterschaft beim GP of Andorra durch den Nebel irrte, sicherte sich Jasinski kaltschnäuzig beide Rennsiege in Freiburg und verschaffte sich genau 20 Punkte Vorsprung auf den Finnen. Der Genickbruch für Hermunens konti-

nuierliche Vorarbeit. In Bildern gesprochen raste der grobe Jochen mit seiner Husaberg dem kleinen Mauno quer durch die fast fertig gebaute Sandburg. Aber man darf sich nicht beschweren, so konstant wie Hermunen alle Rennen bis dato gewann, belegte Jasinski stets den zweiten Platz - und verließ Freiburg dann eben als Doppelsieger. Diesen Vorsprung schaukelte Jasi dann in Harsewinkel locker nach Hause. Seine heiß geliebte 2008er Husaberg, das gelb-schwarze Monster in Motorradgestalt, packte er zu diesem Zweck ausnahmsweise nicht aus. Es war Zeit für den ersten DM-Einsatz mit der neuen Waffe. Während Joannidis und Bauer schon das ganze Jahr die Plastikheck-Bomber pilotierten, nutzte Jasi seine Triumphmeter für dieses Ereignis. Seinen Hubraumkoloss nahm der Hesse aber dennoch mit zur Strecke. Nicht als Backup, sondern „Weil sie es verdient hat!“.

Jan Deitenbach Mit Rang sieben sauber in den Top-Ten angekommen und seit Freiburg auch ein Kandidat für die erste Startreihe.

22 MotoMonster Supermoto 2009


Interview S2 Champion

Jochen Jasinski

hätte bei zwei Rennen auch vielleicht klappen können, doch im Hinterkopf kam dann der Gedanke: „Wenn du es jetzt übertreibst, stürzt und nen Nuller machst, dann ist es für die Meisterschaft schlecht.“ Daher habe ich das mit der Brechstange sein lassen und mich schon auf die Möglichkeit in Freiburg eingestellt.

Christian Queens (CQ): Wie war das in dieser Saison? Hattest Du aus Deiner Sicht nur Hermunen als Gegner? Jochen Jasinski (JJ): Ich hab den nie als Gegner gesehen, der war ja meistens zu weit weg. (lacht) Nein, mal im Ernst, wenn Du die Zeiten im Training und dann auch im Rennen anschaust, dann kam da Hermunen, Jasinski und dann meistens relativ lange nichts. CQ: Das stimmt definitiv. Ab wann hast Du denn den Andorra-GP als Hoffnung auf die Meisterschaft gesehen. JJ: Hoffnung ist da das falsche Wort. Ich habe speziell zu meiner Motocross-Zeit so viele Dinge erlebt, dass es in letzter Sekunde noch schief geht. Das hat man immer vor Augen. Mauno hätte ich auch dieses Jahr gerne auf der Strecke besiegt, so wie es mir vergangenes Jahr dreimal gelungen ist. Das

CQ: Also bist Du die Meisterschaft berechnend angegangen. JJ: Ja, wobei ich natürlich schon Rennen fahre und nicht so herangehe, dass ich Zweiter werden will. Aber bei Mauno muss man ehrlich sagen, dass er ein Gegner war, gegen den man dieses Jahr nichts ausrichten konnte, und dann muss man schon irgendwie an die Meisterschaft denken. Das ist eigentlich nicht mein Naturell, aber ich konnte es nicht anders machen. CQ: Dann kam der Moment, als Hermunen in Andorra war und Du in Freiburg freies Feld hattest. Wann warst Du aufgeregter, beim Finale in Harsewinkel, oder zwei Wochen vorher in Freiburg? JJ: Ganz klar Freiburg, weil ich dort für das optimale Polster zweimal gewinnen musste. Was ja eigentlich gut möglich war, aber nen Nuller durfte ich dort auch nicht machen. Dann wäre die ganze Arbeit vom Jahr dahin gewesen. CQ: Dein Kontrahent Mauno Hermunen ist auf der Strecke ein Gegner, aber abseits begegnet Ihr Euch mit ungewöhnlich hohem

Respekt. Wie kommt das? JJ: Ich habe höchsten Respekt vor seinen fahrerischen Leistungen und er wahrscheinlich vor meinem Alter, denn wenn seine Mutter gewollt hätte, könnt ich sein Vater sein. (hörbare Schmunzelpause) CQ: Wirst Du kommendes Jahr in anderen Meisterschaften als in der DM starten? JJ: Es steht die Überlegung, ob ich ein paar Rennen in Holland fahr, auch mal in Österreich und wenn‘s geht auch mal in Belgien. Aber alle Rennen unter dem Motto „Just for fun!“ - und keine komplette zweite Meisterschaft. CQ: Steht EM oder WM auf dem Plan? JJ: Nein. Ich bin WM gefahren (Motocross) als es dafür noch gutes Geld gab. Da brauch ich heute nicht dahin fahren und es mit beiden Händen rauswerfen, nur damit Luongo (WM-Promoter) noch reicher wird. CQ: Du bist ja ein alter, ausrangierter Motocrosser. Warum bist Du zum Supermoto gewechselt? JJ: Das ging von meiner Schulter her nicht mehr, und nachdem ich ein halbes Jahr keinen Rennsport mehr hatte, bin ich ungenießbar geworden. CQ: Noch ungenießbarer? JJ: Ja, noch ungenießbarer, kaum vorzustellen, was? Jedenfalls musste ich wieder Rennsport machen und kam so zum Supermoto - aber rein hobbymäßig - und das bis heute.

Internationale Deutsche Meister 2007 und 2009 Jochen Jasinski und Team MH Motorräder


C1 POKAL

In der C1 bekommt der Nachwuchs seinen Spaß muss sein Plogmanns Gridgirl Parade beruhte auf einem Wetteinsatz des DSRTeam. Eine entzückende Parodie auf das Angebot so mancher DM.

SCHLIFF Durchweg junge Kerle balgten sich in der C1 Pokalklasse um die harte Bandagen für den Aufstieg in die Inter DM zu erarbeiten.

A

Kuck mal wer da kommt Über weite Strecken der Saison war das Duell Plogmann(#26) und Köckritz (#323) Pol der Aufmerksamkeit - auch neben der Rennstrecke.

24 MotoMonster Supermoto 2009

ndre „Pink Panther“ Plogmann aus Osnabrück hatte während der Saison mit zwei harten Gegnern zu kämpfen. Marc Buchner, ganz der Zurückhaltende, tat so, als würde er von einem Konkurrenzkampf nichts wissen. Er hatte durch seine gleichzeitige Teilnahme an der S3 auch schon genug um die Ohren. Alexander Köckritz und Plogmann lagen allerdings immer mal wieder im Clinch, ganz so, wie es bei Rocky Balboa und Apollo Creed gewesen sein mag, blafften sich die beiden immer wieder mal an, um zum Schluss doch wieder Frieden zu schließen. Auf der Strecke blieb der Wettkampf der beiden allerdings verbissen, egal wie das persönliche Miteinander neben der Strecke gerade gewertet wurde. Zwei Dinge hatten alle drei Fahrer in der C1-Spitzengruppe gemeinsam - Erstens: Jeder von Ihnen baute ein Ren-

nen mit null Punkten in seine Meisterschaft ein. Zweitens: Sie konnten alle froh sein, dass Kevin Würtele, der Sieger der S3-Klasse, nur selten zu C1-Rennen angetreten war. Plogmann zog 2009 als klarer Sieger vom Feld und hatte beim vorletzten Rennen schon den Deckel drauf gemacht. Zur Untermalung seines Erfolges standen die Herrschaften aus dem DSR-Team, dem Plogmann angehört, anschließend Spalier und feierten den frisch gebackenen C1-Pokal-Sieger in Strumpfhosen, Tütü und künstlerischer Kriegsbemalung, bei der die Damen des Teams sich offensichtlich frei austoben konnten. Man darf gespannt sein, ob der Pink Panther auch in seiner kommenden S1-Saison solch grazile Gridgirls an seine Seite bekommen wird.


C2 POKAL

Erwachsen Vom Rüpel zum Vermittlungskünstler. Koppi gewann seine Meisterschaft Dank Konstanz und Ausgeglichenheit.

Wohin mit soviel

POWER

Der breiteste Dialekt Andreas Huber unterhielt seine Gegner mit immer neuen Herausforderungen. An seinen im Vorstart ausgesprochenen Sätzen knabberten die anderen unter Umständen das ganze Rennen lang.

Ein komplett anderes Feeling und völlig andere Charakteren findet man in der C2 vor. Wer die Kurve lieber mit Bums, als denn mit Drehzahl verlässt, der hat einen anderen Style, ist smoother und weniger hektisch.

D

ie C2 hatte nicht weniger zu bieten als die hubraumschwächere C1. Sie präsentierte sich den Zuschauern als ein Sandwich der besonderen Art! Oben und unten eine saftige Scheibe Toast, während in der Mitte ein schon etwas reiferes Stück Fleisch sein Unwesen trieb. So ungefähr darf man sich die Situation im Meisterschaftskampf des C2-Pokals vorstellen. Die obere Scheibe, nennen wir sie einfach Florian Kopp (18 Jahre), fuhr sich über‘s Jahr 16 Punkte Abstand zum Fleisch heraus. Das reife Stück Fleisch ist trotz seines Alters (41 Jahre) noch schön zart, trägt den Namen Ralf Ebert, und

hat es auf geschmeidige 40 Punkte Abstand zur unteren Toastscheibe gebracht. Hier wäre man dann bei Andreas Huber angekommen einem 16 jährigen Deutschen, den allerdings nördlich des Mains wirklich kaum noch ein Mensch versteht, sobald er spricht. Florian „Koppi“ Kopp reifte im Verlauf der letzten beiden Jahre vom pampigen, pöbelnden Rotzlöffeltoast doch tatsächlich zum gestandenen, knusprigen Rennfahrerbrot heran, was es den Dreien dort vorne einfacher machte, miteinander klar zu kommen. Sehr offensichtlich wurde diese Verbundenheit, als sie sich als Spitze der Klasse dar-

über einig waren, die Rennen in Nendingen auszulassen. Sinn und Zweck hinter dieser Meuterei wurde an anderer Stelle bereits ausreichend diskutiert, und die Erwähnung soll nur auf den ausgeprägten Gruppengeist im C2-Pokal hinweisen. Wäre auch nur einer dieser drei Top-Fahrer auf die Idee gekommen, in Nendingen anzutreten, hätte das die Meisterschaft im Endresultat zerrissen. Ein Akt der Solidarität, wie er wohl nur in der groben, aber dennoch entspannten GroßhuberKlasse zu realisieren war. Die drei Sandwichzutaten werden im kommenden Jahr wohl die S2-Meisterschaft bereichern.

MotoMonster Supermoto 2009 25


NACHWUCHS

Mit dem Mopped durch die

KINDER

STUBE

Zwei Nachwuchsklassen, die DM Piloten von morgen hervorbringen - S3 und Junior Cup.

Text & Fotos: Christian Queens // Layout: Markus Rutz

S

eitdem Markencups von der Supermoto-Bildfläche verschwunden sind, haben es Neueinsteiger jüngeren Alters ein wenig schwerer, sich auf das Abenteuer Supermoto einzulassen. Trotz zögerlicher Anmeldungen hatte der Promoter allerdings an beiden Nachwuchsklassen für Kinder und Jugendliche festgehalten. Gut so, denn jeder Sport, der es irgendwann zu etwas bringen will, braucht eine angemessene Kinderstube. Der ehemalige Youngster Cup wurde 2009 bloß noch als S3 bezeichnet, während die letzte Bastion der Zweitaktsägen, der ADAC Supermoto Junior Cup, seinen Namen behalten durfte.

JC Leider waren die Anmeldungen für eben diesen Junior Cup nicht ausreichend, um den 80ern ein eigenes Rennen zu geben, weshalb die Kinder zwischen den halbstarken Teens auf den grandios präparierten 250er-Viertaktern kreisten. Ein Punkt, der zu Beginn der Saison auf begründete Sorge aller Beteiligten traf. Außer einer Anpassung der Reifenvorgaben bei den Kurzen wurde zwar nichts geändert und die Sorge blieb, aber bis auf einen konkreten Rennunfall, bei dem die Beteiligten mit dem sprichwörtlichen blauen Auge davon kamen, gab es keinerlei Zwischenfälle. Die kleinen Fünf hatten es mit der Zeit raus, wie sie sich bei anstehenden Überholmanövern zu verhalten hatten, wobei es ja auch nicht in jedem Fall dazu kam. Maxi Niewiadomski und Bene Waag, die zwei Schnellsten im Junior Cup, brachten sich dermaßen aktiv in den Rennen ein, dass man meinen konnte, sie säßen schon auf einer 250er mit richtig Leistung. Dass man die Rennen dieser Klasse im Gewusel der S3-Fahrer nicht wirklich wahrnehmen konnte, war dennoch schade. Maxi Niewiadomski dominierte

26 MotoMonster Supermoto 2009

die Junior-Klasse nach Belieben und wurde deutlich Meister. Der wirklich zierlich gewachsene Münchner ist nach diesem Erfolg auch direkt zu neuen Zielen unterwegs und testet derzeit schon eifrig mit einer extra für ihn angepassten, weil tiefergelegten Husqvarna des RE-Racing-Teams, um 2010 in der S3 Klasse auftrumpfen zu können. Sein neuer Teamchef, der C2-Vizemeister Ralf Ebert meinte: „Was der Maxi bei ersten Tests mit diesem Motorrad gezeigt hat, ist unglaublich. Da hat man sich über die viele Arbeit an dem Motorrad echt gefreut.“

S3 Kevin Würtele hatte in der S3-Klasse viele harte Gegner. Neben dem Österreicher Manuel Hagleitner, Gordon Erler und Marc Buchner machte sich ab der zweiten Saisonhälfte auch noch Steffen Schmid auf den Weg zu den Podestplätzen. Dieses immense Aufgebot an Kontrahenten war aber vielleicht auch ein Schlüssel zum Erfolg. Denn während Kevin bis auf zwei Ausnahmen immer das Podest stürmte und ganze neun Mal die 25 Punkte kassierte, hatten seine Hintermänner dermaßen viel mit sich zu tun, dass die wichtigen Punkte immer wieder reihum verteilt wurden, anstatt dass sich ein Verfolger hätte herauskristallisieren können. Jedenfalls spielte dies Kevins Meisterschaft neben der eigenen Konstanz in die Karten, so dass er schon zwei Rennen vor Ende der Meisterschaft uneinholbar an der Spitze der Tabelle stand. Kevin hatte die C1-Klasse schon einige Male dazu genutzt, um ein zusätzliches Training fahren zu können. Dort überzeugte er bei vier Starts mit zwei Siegen, weshalb sein anstehender Wechsel in den C1-Pokal wohl ein weiteres Kapitel in seiner Erfolgs-Story eröffnen wird.

Immer wieder knapp Wenn Hagleitner (#131) und Würterle (#7) aufeinander trafen, ging es meist knapp zu. Würterle bewies dabei die besseren Nerven.

Manuel Hagleitner Als Fan von Mauno Hermunen natürlich mit der 131 unterwegs. Ansonsten schnell und sympathisch, ganz wie sein Vorbild.

Kevin Würterle Auch neben der Strecke ganz weit vorne, wenn es darum geht Treffer zu landen. Bei den Sektduschen ist er jedenfalls schon Profi.


Maxi Niewiadomski Ein kleiner Mann mit riesigem Ehrgeiz. Sein Weg ist das Ziel - Deutscher Meister werden.

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SUPERMOTO DER NATIONEN BULGARIEN

Deutschland ist

WELTMEISTER Julian Becher, Nico Joannidis und Jan Deitenbach holten die TeamWeltmeisterschaft nach Deutschland. Wie sich eins ans andere reihte fassten Klaus Wolters und Tommi Deitenbach für das Supermoto Forum zusammen. Dies führte zu dieser sagenhaften Chronik.

Text: nopa, The Voice // Fotos: nopa, Zanzani

VORWORT - NOPA Ich hatte auch in diesem Jahr die Gelegenheit, das deutsche Team zum Supermoto of Nations zu begleiten, indem ich den Transport des Materials und der Motorräder übernahm. Ich durfte also den LKW lenken, der von Deutschland aus via Österreich, Ungarn und Rumänien nach Bulgarien fuhr. Pleven liegt im Norden Bulgariens, ist eine Stadt mit ca. 140.000 Einwohnern und auf einem Militärflugfeld nahe der Stadt hat das bulgarische Sportministerium eine einzigartige Supermoto Strecke errichten lassen. Das Besondere an der Strecke ist wohl die so genannte Sky Sektion - der asphaltierte Offroad. Die Schilderung der Reise beginnt am 05.10.2009, dem Montagmorgen nach dem Saisonabschluss der DM in Harsewinkel und endet am 14.10.2009, dem Mittwoch der folgenden Woche, abends. In diesen 10 Tagen habe ich etwa 5000 km quer durch Europa hinter mich gebracht und war Zeuge wie das Team Weltmeister wurde. Da viele, die sich für unseren Sport wirklich interessieren, nicht dabei sein konnten und leider auch nicht viele Medien über dieses Ereignis berichtet haben, möchte ich Euch auf diesem Weg teilhaben lassen an dem, was da eigentlich passiert ist. Nicht jedes Wort in der Schilderung entspricht zu 100% der Wahrheit, die Chronologie ist durch den erlittenen Jetlag auch nicht gerichtsfest, aber die Impressionen sollten ausreichend sein, nachzuvollziehen, was in dieser Woche passierte. Eingefügt in die Geschichte sind noch Anmerkungen von Tommi „The Voice“ Deitenbach, der als Teamchef das Unternehmen leitete, und seiner Frau, „Mami D.“, die zu Hause bleiben musste. Die

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Anmerkungen beschreiben die Zeiträume, in denen ich unterwegs war und die Entwicklungen in der „Parallelwelt“ nicht mitbekommen konnte. Genug erklärt, jetzt geht es los, taucht ein in das Abenteuer SMoN und lasst Euch mitnehmen zum Titelgewinn.

MONTAG - NOPA Fahrerlager Harsewinkel, Montagmorgen: Ein Bild der Idylle. Einzelne Fahrzeuge stehen still herum, dazwischen wuseln mehr oder weniger lebendige Menschen umher und irgendwo riecht es nach Kaffee. Ich folge meiner Nase und finde den Quell der Erweckung. Kurz darauf muss ich mich verabschieden, mit dem T4 von Vierauge und eben diesem auf dem Beifahrersitz geht es nach Iserlohn. Der Kleine ist schweigsam, die Meisterfeier hat ihn geschafft und ich bin dankbar für die Ruhe, bin ja selber noch nicht ganz Herr meiner Sinne. Iserlohn liegt zum Glück beinahe um die Ecke und so erreichen wir das erste Etappenziel meiner Odyssee zeitnah. Vierauge versucht die Türe des Hauses zu öffnen, das Sicherheitsschloss verweigert aber, wie sich später herausstellt aufgrund eines widerrechtlich hinein gekrabbelten und kläglich verendeten Insekts, den Dienst und so hocken wir vor der Tür bis der Teamchef und Mami D. eintreffen. Das Vierauge muss einbrechen, so ein filigran gestalteter Körper hat auch seine Vorteile. Nachdem wir das Domizil der Familie D. geentert haben, gibt es Kaffee, Kaffee, Kaffee und dann machen wir uns daran, Sachen aus und wieder einzuladen, weil wir ja am nächsten Morgen in Richtung Bulgarien aufbrechen wollen. Das heißt, ich will aufbrechen, die anderen kommen dann via


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SUPERMOTO DER NATIONEN BULGARIEN

Die Helden der Story Jan Deitenbach, Julian Becher und Nico Joannidis beim entspannten Fotoshooting auf der Strecke von Pleven.

Die Residenz Suzuki Europa stellte diese Festung zur Verfügung. Dort verbarrikadierten sich die gesannten des DMSB.

Offroad aus Teer Für deutsche Regelhascher ein Widerspruch in sich. „Ein Offroad kann nie eine Straße sein.“ - doch, kann er. Und er macht obendrein noch Spaß.

Luftpost nach. Als ich so an die Reise denke, frage ich noch mal nach meinem geplanten Beifahrer, der ja seit Tagen nicht erreichbar ist. Teamchef telefoniert und kommt leicht verwirrt zurück. „Nicht erreichbar!“ Naja, wird schon, wir laden munter weiter und irgendwann beginne ich mal damit, einen geforderten Bericht zum Saisonabschluss zu verfassen. Dabei stellt sich mein Thinkpad als recht empfindlich heraus, oder einfach nur als zickig. Ich bin inzwischen einigermaßen angefressen, das Ding tut‘s nicht richtig und die Sache mit dem unerreichbaren Beifahrer nervt zusätzlich. Ich befürchtete, dass das ein langer Abend werden würde. Während ich mit dem Klapptopp kämpfe, telefoniert Tommi in der gesamten deutschen Motorsportszene herum, allerdings recht erfolglos. Bei einem zwischenzeitlichen Brainstorming

hat Mami D. die Idee, im Supermoto.de Forum einen Aufruf zu starten. Ich setze mich an den Rechner und schicke einen verzweifelten Hilferuf ins Netz. Es melden sich tatsächlich ein paar Verrückte, die aber leider nicht helfen können, obwohl sie es gerne tun würden. Die Sache ist doch recht kurzfristig, wer kann schon am Montagabend zusagen, dass er am Dienstag Morgen für 10 Tage verreisen kann. Dann kommt doch noch Bewegung in die Sache, Daniela hat einen Kandidaten und auch Tommi hat etwas erreicht. Mit dem beruhigenden Gefühl, zwei halbe Beifahrer zu haben, widme ich mich meiner Arbeit und sinke dann, nach einem Feierabendbierchen in den Schlaf.

DIENSTAG - NOPA Der Dienstagmorgen fängt gut an. Danielas

Racemodus SMoN Das Supermoto der Nationen ist die Mannschaftsweltmeisterschaft und unterliegt anderen Regeln als die anderen Wettkämpfe. Jede teilnehmende Nation darf 2 Mannschaften mit je 3 Fahrern entsenden. Die drei Auserwählten starten in unterschiedlichen Klassen. Es gibt, wie auch in der Fahrer WM und den nationalen Meisterschaften, die Klassen S1 (bis 450 cm³), S2 (ab 475 cm³) und zusätzlich noch die Klasse Open, in der der Hubraum der Rennboliden freigestellt ist. Im Zeittraining treten die Klassen getrennt an und das Ergebnis des Trainings ergibt dann die Startaufstellung für die Qualifikationsrennen. In diesen Qualifying-Races werden nun Punkte vergeben.

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Platz 1 erhält einen Punkt, Platz 2 zwei Punkte und so weiter. Jede Nation hat ein Streichergebnis - also einen nicht gepunkteten Fahrer. Dieses Streichergebnis wird nach den Qualifying-Races vom Teammanager festgelegt - in der Regel das mit der höchsten Punktzahl. Die verbleibenden 2 Ergebnisse werden addiert. Die daraus resultierende Punktzahl bestimmt dann den Startplatz für die Rennen. Beispiel: Ein Team belegt in den Qualifying-Races die Plätze 2, 6 und 4. Der sechste Platz bildet das Streichergebnis, das Team hat also 6 Punkte. Startplatz 1 bekommt das Team mit den wenigsten Punkten. Bei den Rennläufen starten dann je-

weils 2 Fahrer pro Rennen. Es werden 3 Rennen gefahren. Es starten jeweils die Klassen S1 + S2, S2 + Open und S1 + Open gemeinsam. Die Startaufstellung erfolgt nach Klassen getrennt hintereinander. Das Team mit Startplatz 1 steht demnach mit einem Fahrer auf Startplatz 1 und mit dem zweiten Fahrer - bei 16 teilnehmenden Teams - auf Startplatz 17. Welcher Fahrer vom vorderen oder vom hinteren Startplatz aus ins Rennen geht, legen die Teams fest. In den drei Hauptrennen werden wieder die Punkte nach Platzierung vergeben und mit Ausnahme des Streichergebnisses addiert. Das Team mit den wenigsten Punkten gewinnt.


Kandidat hat abgesagt, vom anderen halben Beifahrer noch keine Nachricht. Mit langen Gesichtern trinken wir unseren Kaffee, Tommi sieht Scheisse aus, aber das liegt wohl an seiner Grippe. Im Zweifel werde ich alleine fahren und Tommi setzt sich auf den Beifahrersitz um das zu tun, was er am Besten kann: Reden. Damit kann er mich dann wach halten, wenn‘s gar nicht mehr geht, machen wir halt Pause und ich schlafe ein wenig. Mit seinem Terminator-Bein kann Tommi die Kupplung des LKW nicht zuverlässig treten, deshalb ist

es abwegig, ihn als Fahrer zu nehmen. Wir lassen uns aber nicht entmutigen, Vierauges T4 steht mit Anhänger fertig beladen zur Abfahrt bereit und wir warten auf den erlösenden Anruf. Der Anruf kommt. J.P. erklärt sich bereit zum Abenteuer SMoN. Der Mann ist belgischer Soldat im Dauerurlaub und wartet auf die Rente. Er hatte schon ein eigenes IDM Team und fährt immer noch LKW für die IDM, ist bei Hitachi beschäftigt und betreibt eine freie Werkstatt für Autos und Motorräder. Nachdem er alle Termine für die nächsten 11

Tage verschoben hat, ist er bereit. Mami D. holt ihn am Mittag in Soest ab und endlich können wir starten. Mit dem T4 geht es nach Bensheim zu Suzuki, wo wir den LKW übernehmen sollen und Lars mit den Gerätschaften von Nico auf uns wartet. Wir kommen in Bensheim an, kein LKW, kein Lars! Auf Nachfrage bei einer bezaubernden Fee in dem Gebäude bekommen wir die Antwort, dass Lars mit dem 7,5 Tonner mal eben in der Werkstatt ist, weil die Laderampe nicht auf ging. Lars hat dann auch gleich mal Öl nachfüllen und

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Interview Jan Deitenbach CQ: So... Du... Mensch, wie kamt denn Ihr auf die Idee, so mal eben Weltmeister zu werden? JD: Ja, das kam halt alles ein bisschen sehr plötzlich. Wir selber haben es noch nicht so recht begriffen. Das dauert wahrscheinlich noch sehr lange, denn es war halt wirklich was Einzigartiges. CQ: Als ihr nach Pleven gefahren seid, wen hattest Du als Favoriten auf dem Zettel stehen? JD: Für mich waren die Bulgaren immer die Favoriten. Sie kennen die Strecke, die fahren die ganze bulgarische Meisterschaft in Pleven. CQ: Erzähl mal, wie war das im Team? Mit Julian und Nico bist Du zwar nie gemeinsam gefahren, aber was hattet ihr vor Pleven während der Saison miteinander zu tun? JD: Eigentlich nicht viel. Nico ist mal bei uns im Team gefahren, da haben wir schon öfter mal was zusammen gemacht und waren auch zusammen trainieren. Mit Julian quatsche ich öfter mal am Rennwochenende – schau mir natürlich auch die Trainings und die Rennen seiner Klasse an. CQ: Wie ist das Gefühl, im Team zu fahren? Hat das Teamfahren mehr Spaß gemacht, oder war es mal ne nette Abwechslung – aber ansonsten lieber Einzelfahren? JD: Es ist ja eigentlich Einzelfahren – jeder fährt sein Rennen, jeder muss seine Leistung abrufen, und dann wird hinterher zusammengezählt. Es ist halt ein großes Team, das zusammen auftritt, das sich gegenseitig hilft –

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und das ist schon was ganz Besonderes, vor allem jetzt mit den beiden. CQ: Beim letzten Rennen hättest Du ja aus der ersten Reihe starten können, ihr habt dann aber als Team entschieden, dass Du wieder von hinten auf die Jagd gehst. Im Nachhinein war das ja eine goldrichtige Entscheidung. JD: Ja, das war super. Ich hab vorher mit Julian alles besprochen, aber ich hatte schon ein paar Bedenken, weil ich davor halt schon ein hartes Rennen hatte, in dem ich auch von hinten starten und sehr hart pushen musste. Es war aber gut, dass wir es so gemacht haben. CQ: Wie verwundert warst Du, als im dritten Rennen das Signal kam «Cool bleiben, kein Risiko mehr gehen»? JD: Sehr verwundert, weil ich direkt am Hinterrad vom 5. und vom 6. war. Ich hab es dann akzeptiert und bin einfach pro Runde 1,5 Sekunden langsamer gefahren. CQ: Julian hat erzählt, sein schlimmstes Erlebnis in Pleven sei auf einer Autofahrt gewesen. Gibt es dazu ein Statement von Dir? JD: Ich weiß gar nicht, was die alle gegen meinen Fahrstil haben. CQ: Wie war denn das 1. Rennen , bei dem Du von außen zuschauen musstest? JD: Komisch. Ich hab dann direkt das Pitboard für Julian gemacht, weil ich mich irgendwie ablenken musste. Ich bin quasi immer so halb auf die Strecke gesprungen, aber ich fahre doch lieber, als außen zu stehen.

CQ: Nochmal zum letzten Rennen. Wovon bist Du ausgegangen, als Du das Signal bekommen hast, nichts mehr zu riskieren? Dass ihr Platz 3 sicher habt JD: Ich bin eigentlich davon ausgegangen, dass wir auf 2 wären, weil ich schon mitbekommen hab, dass die Italiener beide raus waren. Die waren ja beide nicht zu übersehen, besonders der Erste. CQ: Und dann, als Du über die Linie gefahren bist? Wer hat es Dir gezeigt, gesagt? JD: Erstmal die Fernsehmoderatorin, dann Julian – beiden hab ich nicht geglaubt. Es war alles sehr chaotisch – man hatte absolut keine Zeit, es richtig zu realisieren. Ich glaub der einzige Punkt, wo ich es realisiert hab war, als mich mein Vater in den Arm genommen hat, und er es mir dann noch mal ins Ohr gesagt hat. CQ: Cool. Das ist cool. Naja, wir machen ja kein Buch, sondern ein Heft, also können wir nicht mehr so viel schwatzen. Nur eins noch – hat es für Dich seit dem Weltmeistertitel schon irgendein Feedback seitens der Industrie gegeben? JD: Ja, schon ein großes Feedback, besonders von Suzuki. Ich hab direkt die Zusage für nächstes Jahr bekommen. Von allen bestehenden Sponsoren ist uns auch gleich grünes Licht für 2010 gegeben worden. CQ: Dann sag ich mal herzlichen Dank für das schöne Interview und wünsch Dir alles Gute für die kommende Saison


„ „ Big Air in Bulgarien


SUPERMOTO DER NATIONEN BULGARIEN einen schnellen Rund um Blick auf den Truck werfen lassen. Wir machten uns ans Beladen, wobei sich J.P. als Staumeister entpuppte. Zügig schaufelten wir alle möglichen Dinge in den Laderaum und er verstaute das Ganze so, dass nichts rauf- oder runter fallen konnte. Die Reise ging weiter, wir programmierten den Autohof Irschbergen ins Navi und knallten mit wahnsinniger Geschwindigkeit über die Autobahn Richtung München, um Julians Rennzutaten aufzusammeln. Ab München würde uns die Reise dann via Österreich, Ungarn und Rumänien nach Bulgarien bringen, 2400km durch halb Europa. Da es ab Mitte Ungarn keine Autobahnen mehr gibt, planten wir mal eine etwas längere Fahrzeit ein, das Navi orakelte irgendwas von über 30 Stunden, die elektrische Dame sagte: „Der Transit dieser Straße dauert sehr lange!“

DIENSTAG - TOMMI Die Parallel-Welt - oder nopa und ich sind jetzt für mindestens 36 Stunden getrennt. Was passiert also in der Welt außerhalb des Trucks? nopa und JP rollen endlich vom Hof. Puh! Ich werfe schnell noch 2 Grippetabletten ein und schmeiße mich ins Bett. An Arbeiten ist nicht mehr zu denken, da hatten die im Büro auch wohl nicht ernsthaft mit gerechnet. Im Radio höre ich gerade noch: Staus auf der A 45 Richtung Süden - da fängt die Reise für die Jungs ja gut an. Mein Handy weckt mich nach einiger Zeit, Lars am Rohr. Die Jung‘s sollen sich Zeit lassen, Truck defekt, Werkstatt. Ich gebe mal nix weiter ,die stehen ja eh im Stau. Falsche Entscheidung, siehe oben. Dafür schmeiße ich mich an den Rechner, mache die Abschlussberichte von Harsewinkel für Suzuki und packe meine Dokumente für Pleven zusammen. Meldung von nopa, Station Bensheim ist abgearbeitet, weiter geht es nach Bayern. Von dort soll die nächste Vollzugsmeldung gegen Mitternacht kommen. Ok, es geht voran. - Kurz vor dem Abendessen Email von der FIM: es fehlen noch die Lizenznummern der Fahrer, ohne die geht nichts, letzter Meldetermin Mittwoch! Beim DMSB ist schon Feierabend, aber die werden uns schon nicht hängen lassen, also Email weiter geleitet mit dem Vermerk „Gaaaanz Dringend“. Was für ein Chaos, ich leg mich ins Bett, hoffentlich zeigt sich die Grippe mal endlich von dem Großangriff der Pharmaindustrie beeindruckt. Unser Apotheker kann auf jeden Fall für diesen Monat die Füße hochlegen.

MITTWOCH - NOPA Wir erreichten den Tankhof bei München gegen Mitternacht. Julian war schon da und wir machten uns gleich ans Umladen. Das war mein erster persönlicher Kontakt mit Julian, und ich quatschte erstmal ein bisschen mit ihm. Der Kerl war mir auf Anhieb sympathisch und ich freute mich darauf, ihn im Einsatz zu erleben. Die Laderei war schnell erledigt, wir hatten ja schon Routine und J.P. machte seinen Job als Lademeister wieder mal perfekt. Nachdem alles verstaut war, enterten wir die Tankstelle und kippten uns einen großen Kaffee zum Preis einer puertoricanischen Planta-

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Interview Julian Becher Christian Queens (CQ): Erzähl mal, wie war es nach der Ankunft in Bulgarien? Julian Becher (JB): Wir sind erstmal zur Strecke gefahren und das war auch eigentlich schon das Schlimmste überhaupt. CQ: Weshalb? JB: Weil der Jan so gerast ist. Da war es schon fast Glück, heil anzukommen. CQ: Aber Du warst es doch, der ein Ticket bekommen hat. JB: Nein, das stimmt so nicht. Ich war einmal mit dem Transporter ein wenig zu schnell und wurde von der bulgarischen Polizei höflich darauf hingewiesen. Also nichts weiter. CQ: Gut, weiter. Wie war es nach der Ankunft? JB: Also, als wir dann an der Strecke waren, das war schon beeindruckend. Die Strecke von Pleven ist der Hammer. Eine riesige Bahn, nur alleine für Supermoto gemacht. Ich konnte es kaum erwarten, endlich da drüber zu fahren. Und als ich dann dabei war, das war unbeschreiblich! Es machte riesig viel Spaß! CQ: Aber wie sieht es mit der Gefahr auf dieser Bahn aus? Wenn man da ein wenig schief aufkommt, ist es doch aus. Genau darum diskutiert man doch in Deutschland den geteerten Offroad so kritisch. JB: Nein, das kann man so nicht sagen. Hannes Maier und ein Spanier sind da abgeflogen, aber insgesamt waren es auch nicht mehr Unfälle als im Dreck. Ich kann jetzt nicht sagen, wie das bei Regen ist, aber auf alle Fälle macht es richtig Spaß. CQ: Welches Team hattest Du nach den Trainings als Favorit angesehen? JB: Nach den Trainings auf jeden Fall die Bulgaren. Die sind da auf Anhieb Zeiten gefahren, von denen wir nur träumen konnten. CQ: Heimvorteil! JB: Ja, das schon, denn die bulgarische Meisterschaft hat offensichtlich acht Rennen, und die werden alle auf der Strecke gefahren. (lacht) Die Jungs fahren den Kurs wahrscheinlich blind... CQ: Das letzte Rennen, der Weg zum Titel wie war das für Dich? JB: Also ich war noch nie so nervös in einer Startaufstellung wie bei dem Rennen. Ich wollt bloß keinen Fehler machen. CQ: Wegen dem Teamgeist? JB: Ja, das ist ganz anders als in der DM. Man fährt ja nicht für sich alleine und dann auch noch stellvertretend für Deutschland. Das Gefühl ist verrückt! Zudem denkt man plötzlich an die vielen Zuschauer - auch an den Fernsehgeräten.

CQ: Welcher Situation hast Du den Namen „Der Brecher“ zu verdanken? JB: Der Lorenzo Mariani (Open Pilot der italienischen Mannschaft) ist halt direkt vor mir gestürzt und da konnt ich nicht anders, als über ihn drüber zu fahren. CQ: Wie ist das Gefühl über jemanden drüber zu fahren? JB: (lacht) Komisch! Ich muss das jedenfalls nicht jeden Tag haben. CQ: Warst Du froh, dass man Dir aus der Box nicht angezeigt hat, dass ihr auf Position eins steht? JB: Ich achte in der Regel nicht auf die Boxentafel und hab, um ehrlich zu sein, gar nicht mitbekommen, was die mir da alles anzeigen. Nur, dass ich nichts mehr riskieren sollte. Da bin ich halt hinter dem Schweden geblieben. Aber was genau los war wusste ich nicht. Es wird wohl fürs Podium reichen dachte ich. CQ: Du hast es durch die Moderatorin direkt nach der Zieldurchfahrt erfahren. JB: Ja, die kam halt an und sagte wir wären Weltmeister. Ich hab mich tierisch gefreut, es aber irgendwie auch nicht geglaubt. Dann kamen Jan und Nico an, nopa rannte her, und irgendwie wurd das Kribbeln im Körper immer doller. Aber echt, die ersten Sekunden dachte ich, die verarscht mich. Danach ging alles sehr schnell, und ich weiß überhaupt nicht, was wir bei den Interviews danach so alles erzählt haben - keine Ahnung! CQ: Die Jungs schreiben was von einem Ausflug, den ihr am Donnerstagabend gemacht habt. Hat Euch das als Team zusammengeschweißt? JB: Ja, also, wir kennen uns ja und verstehen uns auch schon in der DM gut, obwohl wir da wenig miteinander zu tun haben. Aber da fehlt es auch an der Zeit. Da kam der Donnerstag ganz recht, und wir hatten mal Zeit für uns untereinander. Das war schon cool. CQ: War das Angebot denn ordentlich in dem Club in dem ihr wart? JB: (schmunzelt) Oh ja! Die sind richtig heiß. Da laufen Hasen rum... brutal! Das wolltest Du doch jetzt hören, oder? CQ: So war das nicht gemeint. JB: Ja, mal im Ernst, die meisten Mädchen, die wir gesehen haben, waren bildhübsch. CQ: Aber ihr habt es an dem Abend nicht krachen lassen? JB: Nein, um Gottes Willen, an dem Abend nicht, aber... CQ: Sonntags? JB: Ja, da ist es ausgeartet, ja! Ich glaub, da


ist die Rechnung des ganzen Clubs auf Team Deutschland gegangen. Da war es einfach so egal - wir haben uns gedacht „Heut feiern wir was geht!“ CQ: Ihr seid dann vom Hotel in den Club... JB: Wir hatten ja alle schon auf der Strecke so ne Sektflasche bekommen, da hab ich es schon gut gespürt, aber wir hatten ja auch nichts gegessen. Wir haben einfach super gefeiert und das hat alles gepasst. CQ: Wie war dann Deine Ankunft zuhause? JB: Ganz normal, ich fuhr vom Flughafen auch alleine mit der S-Bahn nach Hause und hab mich noch einmal verfahren. Meine Eltern hatten ne Deutschlandfahne aufgehängt und meine Großeltern waren da. Das war‘s.

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SUPERMOTO DER NATIONEN BULGARIEN ge in die Hälse. Dann schlugen wir nochmal zu, kauften eine Cola Raffinerie, literweise Flügelverleiher für J.P. und die Jahresproduktion der Firma, für die der Berufsjugendliche wirbt, der beim ZDF den Wettenkasper macht. So gewappnet wollten wir den Endspurt antreten, schlappe 1900 km durch die Dunkelheit lagen vor uns. Ich übernahm das Steuer des Trucks und J.P. machte es sich auf dem Beifahrerstuhl so bequem wie möglich - also gar nicht. Das Asphaltband glitt unter uns weg, wir näherten uns der Grenze zu Österreich und reisten dann unerkannt ein. Im Fahrzeug befand sich eine GoBox, das ist das simple Pendant zu den wahnsinnigen Apparaten, die man in Deutschland braucht, um den Wegezoll zu entrichten. Ich schnappte mir das Teil, um es an der ersten Tankstelle in Österreich aufladen zu lassen und den Inhalt unserer Reisekasse erstmals derbe zu schänden. Aber: „Surprise!“, das Ding hatte noch reichlich Saft und ich musste nur ein bisschen was nachladen, um Hin- und Rückfahrt abzudecken. Ich wollte auch noch Euro in Schillinge tauschen, erntete aber nur böse Blicke. Also rannte ich schnell aus dem

digkeit durch Europa windet. Waren aller Art werden transportiert, unter anderem sah ich einen LKW, voll gepackt mit offenen, etwa 30x30x30cm kleinen, offenen Drahtkäfigen, in denen Truthähne saßen, den Kopf im Wind und unwissend, wohin die Reise geht. An der Grenze zu Rumänien saß J.P. wieder am Steuer, der Zöllner fragte, wohin wir wollen und was wir geladen haben. „Wir fahren nach Pleven in Bulgarien zur Supermoto Weltmeisterschaft und haben das Material für das deutsche Team geladen!“ „Habt Ihr Kappen dabei?“ kam es prompt und dann wollte er noch in den Laderaum sehen. Das Übliche also. Drei Minuten und zwei BMW Caps später rollten wir weiter, tauschten Euro in Lew oder Lei, lösten die Vignette und tauchten dann endgültig in die 50er Jahre ein. An der ersten Tankstelle füllten wir den Tank bis zum Rand und wehrten uns vergeblich gegen einen aufstrebenden Jungunternehmer, der uns multilingual umschwärmte und eine Reinigung der Scheiben unseres Fahrzeugs anbot. Ich lehnte dies ab, woraufhin er einige Kostproben seiner Fähigkeiten abgab, allerdings nur halbherzig, wodurch die

Deutschland alles Kapitalist!

Etablissement und rettete mich in den LKW. Starten, Gas geben und weg vom Ort des Geschehens, auf die Autobahn Richtung Ungarn, vorbei am hell erleuchteten Wien, dem man sich auf der Autobahn von oben nähert. Ein toller Anblick, ich habe extra nicht angehalten, um ein Bild davon zu schießen, wer es sehen will, soll selbst hinfahren. Die Fahrt verlief weitgehend ruhig, die meisten Idioten, die sich sonst auf Straßen herumtreiben, waren wohl in irgendeinem Fußballstadion oder nahmen an den Koalitionsverhandlungen in Berlin teil. Auch an der Grenze nach Ungarn gab es keine besonderen Vorkommnisse, ich kaufte die Durchfahrtberechtigung und tauschte ein paar Euro zum Tanken in Forinth um, und schon ging es weiter. Jetzt begann die eigentliche Zeitreise, am Anfang ist in Ungarn noch alles so, wie man es als Mitteleuropäer gewohnt ist. Straßen, Beleuchtung, Bebauung. Je tiefer man jedoch in den ehemaligen Ostblock eindringt, umso schlechter werden die Straßen, die Autobahn hört irgendwann auf und es geht auf einer mittelprächtigen Straße weiter, die hierzulande nicht mal dem Status einer Landesstraße entspricht. Die Beleuchtung nimmt ab, die Häuser werden kleiner, verfallener und schäbiger. Das Einzige, was unserem Standard entspricht, sind die Mengen an LKW, nur rollen sie dort auf einer miserablen Straße, aber in derselben Menge und Geschwindigkeit, wie sie es hier auf gut ausgebauten Autobahnen tun. Wir waren unterwegs auf der Transitroute von Deutschland nach Bulgarien und Griechenland, in einer endlosen Schlange aus LKW, die sich mit irrsinniger Geschwin-

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Sicht leicht erschwert wurde. Seine Kumpels umschlichen in der Zeit den LKW und lauerten auf was auch immer. Schließlich tauchte auch noch die hochschwangere Mutter auf und bat um einen Euro, aber wir ignorierten die Truppe einfach. Neben dem Reinigungskommando fanden sich auch noch einfache Bettler, mehrere Hütchenspieler und Anbieter diverser hochwertiger Designeruhren, Hemden, Hosen, Jacken und Schuhen aus Krokodil auf dem Areal. Nach vollzogenem Tankvorgang ging ich zur Kasse, J.P. sicherte den Truck und danach ging es los. Es war inzwischen wieder hell, die Nacht lag hinter uns und viele Kilometer vor uns. Bisher lagen wir im Plan, ich hatte gehofft, Rumänien tagsüber durchqueren zu können und Pleven am späten Nachmittag zu erreichen. Die Straßen hatte ich in schlechter Erinnerung, bei Tageslicht sollte es leichter und schneller gehen. Der Nachteil war, dass tagsüber neben den LKW jede Menge anderer Leute die Straßen benutzen, unter anderem auch Radfahrer, Pferdewagen und Fußgänger, und dann gab es noch Bahnübergänge, die etwa 12 Minuten gesperrt werden, weil eine altersschwache E-Lok die Straße kreuzt. Während wir auf die Öffnung der Schranken warteten, wurde ich von einigen Bauarbeitern um Zigaretten angebettelt, obwohl diese selber welche hatten. „Deutschland alles Kapitalist!“ hörte ich nun schon zum zweiten Male, auch der Jungunternehmer mit seinem Autopflege Service an der Tankstelle hatte dieses Klischee bemüht. Ich habe kurz überlegt, ob ich den Herren meine private finanzielle Situation näher erläutern soll, nahm aber davon Abstand.


Interview Nico Joannidis Christian Queens (CQ): Wie war‘s in Pleven? Nico Joannidis (NJ): Was soll ich Dir erzählen, war geil! CQ: Was war das Erste, was ihr zusammen gemacht habt? NJ: Naja, am ersten Abend waren wir ja erst noch ein wenig weg, aber ganz ruhig. Ich hab da gar nix getrunken - musste ja fahren. CQ: Und dann am Freitag an der Strecke, warst Du beeindruckt von der Bahn? NJ: Ich kannte die ja noch von letztem Jahr, aber die ist richtig der Hammer. Da bekommt man weiche Knie und will sofort fahren. Der Anlieger ist klasse! CQ: War das Feeling im Team anders als letztes Jahr? NJ: Nee, nicht wirklich anders. Einfach gut war‘s, wir kennen uns ja alle und hatten eine entspannte Zeit. Auch drumherum, alles ganz gelassen, auch mit den anderen Teams. CQ: Du hattest im Rennen einen Sturz bei dem man im Fernsehen nicht so genau sah, was passiert ist. Was war da los...? NJ: Ja, das war blöd. Ich war nach dem Start auf zwei, hatte den kleinen Bulgaren (Georgiev) vor mir, und Gaspardone (Italien) hinter mir. Der fuhr dann den letzten Anlieger außen, ich

bin innen gefahren und er hat sich dann in der nächsten Kurve innen reingedrückt. Ich musste dann über solches Ölbindemittelzeug und war gerutscht, bin aber wieder rein, hab Gas gegeben und dann ist Uros Nastran (Slowenien) mir gegen den Lenker gefahren und ich hab mich nach vorne weg abgelegt. Bin dann aber weiter und hab jetzt auf dem Video gesehen, dass ich Vierter war nach dem Sturz, aber dann ging mir die Vorderbremse aus. Den Behälter hatte es abgerissen und ich konnt nur noch mit Hinterbremse rumfahren. CQ: Da hattest Du die Schauze voll, was? NJ: Ja schon, aber dann hinten auf Platz 20 rum war es auch ganz lustig. Ich hat ja nur die Hinterradbremse und dachte die ganze Zeit, die müssen mich doch jetzt überholen, aber nee. Da musst ich schon fast lachen beim Fahren. CQ: Wie war das für Dich, das dritte Rennen aus der Box zu schauen? NJ: Nie wieder in meinem Leben stell ich mich in die Box, nie wieder! CQ: Wieso? NJ: Wieso? Du stehst da, kannst nicht fahren, kannst nichts machen, und wenn ich was wissen wollt, hat Tommi mir auch keine Antwort gegeben. Der war glaub ich ganz schön an-

gespannt. Und dann halt noch die Show von dem Italiener, über den Julian rübergefahren ist, das hat mich voll aufgeregt. CQ: Hast Du das auf Anhieb mitbekommen, dass Ihr auf Platz eins gefahren seid? NJ: Ja, als die Bulgaren und der Italiener da vorne weg waren und der zweite Italiener auch noch ausgefallen ist, da hab ich‘s nochmal beim Tommi probiert, aber das war nix. Als wir zum Podium gerannt sind, da hab ich es langsam geglaubt, aber kapiert hab ich‘s bis heut nicht so richtig. Ich mein wir sind 20 Jahre alt, fahren da hin und werden Weltmeister. CQ: Ja, und alle im Youngster-Cup angefangen. NJ: Ja, das ist echt cool und war ne geile Zeit damals, ohne die das wohl alles nicht so gekommen wär. CQ: Was hast Du Dir eigentlich dabei gedacht, als Du auf dem Treppchen standest und die Pulle Sekt einfach mal komplett über Dich drüber gekippt hast? NJ: (lacht) Ich weiß es net. Ich dachte: „Die Formel 1 Fahrer kriegen auch immer so große Flaschen und lassen das Zeug dann über sich laufen, das machste jetzt einfach auch. Als die Flasche so halb leer war hab ich gemerkt, dass mein nagelneues Handy noch in der Tasche war.

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SUPERMOTO DER NATIONEN BULGARIEN Erstens habe ich mit Sicherheit mehr als sie und zweitens ist mein Rumänisch miserabel. Wir kämpften uns weiter durch die Karpaten und Transsilvanien, eine wahnsinnig schöne Landschaft und die gefährlichste Straße, die ich kenne. Wir kamen nur langsam vorwärts, ein Schnitt von etwa 40 km/h wurde vom Navi angezeigt, unsere Ankunftszeit verschob sich immer weiter nach hinten. Es dämmerte bereits und wir waren immer noch in Rumänien unterwegs. J.P. zeigte leichte Schwächen in der Nachtsicht und ich übernahm wieder das Steuer. Sehr spät am Abend erreichten wir die Grenze und wurden von einer sehr resoluten Zöllnerin angehalten. Die Dame sprach weder deutsch noch englisch, gab mir aber zu verstehen, dass wir für den Transit über die Brücke einen geringen Obulus zu entrichten hätten. Ich erinnerte mich an das Jahr zuvor und die Tax für die Fähre und gab mich geschlagen. Ich entrichtete 18 Euro und bekam eine prima Quittung ausgestellt. Wir ließen uns vom Navi leiten und landeten prompt verkehrt herum in der Ausfahrt der Zollstation. Bevor wir wenden konnten, schoss ein Zöllner auf uns zu und machte gleich Alarm. Wir sollten Papiere und Ausweise vorlegen, er komme gleich wieder. Ich war inzwischen ziemlich müde und genervt, wollte eigentlich nur schnell weiter, um möglichst bald am Ziel anzukommen. Der Kerl kam wieder, redete auf deutsch zu uns und meinte, wir könnten die Brückennutzungsgebühr in Höhe von 150 € bei ihm direkt entrichten, er würde uns dann den Weg durch die LKW Schlange bahnen. Den Einwand, dass wir bereits bezahlt hätten, tat er ab mit der Bemerkung, das sei nur der Transit zur Brücke gewesen. Ich hatte keine Lust auf Streit, war zu müde und kenne auch die Bestimmungen des rumänischen Grenzwesens nicht wirklich auswendig, also drückte ich ihm 150 Euro in die Hand und er ging mit dem Hinweis, die Quittung gleich zu bringen. Auf seinem Weg kontrollierte er noch die Frachtpapiere einiger LKW, dann war er aus meinem Blickfeld verschwunden.

J.P. knurrte vor sich hin: „Den siehst Du nicht wieder!“, ich war angefressen genug um ihm eine entsprechende Antwort zu geben und so füllte sich das Führerhaus mit eisigem Schweigen. Meine Nachfrage bei den anderen Zöllnern nach dem Kollegen wurde mit einem Schulterzucken, verborgenem Grinsen und dem Hinweis auf die Polizei abgetan. Wir setzten die Reise fort. Kurz vor der Brücke war die letzte Station, der Kollege in Uniform forderte 12 Euro Benutzungsgebühr. Ich knallte ihm die Quittung auf die Theke und er wurde ungemütlich. In astreinem Rumänisch bellte er mich an, stand von seinem bequemen Sessel auf, strich seine Paradeuniform glatt und wuchs um satte 20 Zentimeter. Seine Kollegen kamen dann auch gleich mal ums Eck und gesellten sich unauffällig dazu. Ich warf ihm die 12 Euro vor die Füße und stieg in den Truck, um endlich aus diesem vermaledeiten Land zu entkommen. Niemand stellte sich uns in den Weg und wir passierten die Brücke, die ich soeben gekauft hatte um Bulgarien zu erreichen. Dort ging es problemlos durch den Zoll, wir kauften eine Vignette, tankten den Laster und bezahlten mit Euro. An der nächsten Tankstelle hielten wir noch einmal an. Uns war klar geworden, dass wir unser Ziel zu unchristlicher Zeit erreichen würden und garantiert nichts mehr zu trinken bekämen. Mit einem Six Pack bewaffnet brachten wir die letzten paar hundert Kilometer hinter uns, zwischenzeitlich kämpfte ich gegen den Sekundenschlaf, hatte gar Halluzinationen. Neben mir saß nicht mehr J.P. sondern „Hellnut“ (red.: ein Recke aus dem Forum) und ich beschwerte mich bei ihm über meinen Beifahrer, der alles besser wusste, aber auch nichts verhindert hatte. Irgendwann, ich weiß wirklich nicht mehr wann, erreichten wir den Militärflugplatz bei Pleven, auf dem die grandiose Piste angelegt ist und hatten Glück, dass das Einfahrtstor noch weit offen stand. Ich parkte den LKW im Fahrerlager, riss mir ein Bier auf und bimmelte Tommi aus dem Bett. Als der Teamchef dann später

Gridgirl-Parade So hübsch sind unsere Jungs nun auch nicht. Ahnten die Mädels etwa, dass dies die nahenden Weltmeister sind?

Volle Konzentration Teamchef Tommi Deitenbach wünscht keine störenden Zwischenfragen während des Rennens.

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eintraf, hatte ich zwei Bierchen intus und war komplett neben der Spur. Wir fuhren auf nicht unerheblichen Umwegen ins Hotel, bekamen den Zimmerschlüssel und fielen einfach nur noch in unsere Betten, unfähig, irgendetwas zu denken oder zu tun. Ich war zu diesem Zeitpunkt seit 44 Stunden wach und hatte in der Zeit 28 Stunden lang den LKW gelenkt, die letzten 20 Stunden am Stück.

MITTWOCH - TOMMI Kurz nach Mitternacht zu diesem Mittwoch weckt mich erneut das Handy - Der Trucker meldet aus dem Bayrischen, dass das Material für Pleven komplett ist und die Ladebordwand gerade noch zu ging. Zwei, drei Kaffee noch, dann ging es auf zur Reise hinter den Mond, also für mehr als 24 Stunden keinen Kontakt mehr mit den edlen Krädern und ihren natürlich genauso edlen Transporteuren. Ich wälze mich wieder in mein Nachtlager, dass aus Gründen der Ansteckungsgefahr heute einsam im Isolierzimmer in der oberen Etage ist. Am Morgen geht es mir leidlich besser, aber immer noch nicht der Bringer. Aber ich muss ja auch nicht fahren, nur fliegen. Mami D. beruhigt mich mit den Worten, dass die Wärme in Bulgarien meine Gesundung drastisch beschleunigen würde. Vierauge und ich fliegen schon an diesem Mittwoch, um vor Ort parat zu sein, wenn die Trucker irgendwann ankommen. Belastet unser Minibudget unter dem Strich auch nicht mehr, da die Lila-Flieger von unserem Dortmunder Airport heute besonders günstig sind. Dafür wird es aber knapp, denn die Kiste ist voll, und zeitgleich fliegt so ein Kegelclub-Bomber nach Malle, auf so einen Ansturm war die Security nicht vorbereitet. Ich rege mich etwas

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auf, aber Junior Vierauge ist die Ruhe selbst. Ein Zeichen?! Während der Truck sich seinen Weg durch Rumänien bahnte, landete unser Lila-Flieger sicher in Sofia. Der spontane Applaus ließ mich erschrecken, war ich doch in den Flieger nach Malle geklettert? Doch das rustikale Erscheinungsbild des Airports überzeugte mich schnell, wir waren in Bulgarien. Schnell noch Geld tauschen, sollte ich am Airport machen, hatte Mami D. erklärt. Als ich mein Geld erhielt, kam ein Mitflieger zu mir, der mich schon die ganze Zeit beobachtet hatte, und erklärte mir, dass man hier den mit Abstand schlechtesten Umtauschkurs erhält - danke für den Tipp, dann beim nächsten Mal. Dafür klappte das mit dem Mietwagen erstklassig. Per Internet bestellt, wartete ein älterer Herr mit einem großen Schild, auf dem fehlerfrei mein Name zu lesen war. Binnen 5 Minuten waren Schlüssel und Papiere übergeben und ein Rückgabe Termin für Montag vereinbart. Nach wenigen Kilometern bat mich Vierauge, doch besser auf den Beifahrersitz zu wechseln, er kenne die Strecke schließlich seit letztem Jahr. Ok, war entspannt, bis auf den kleinen Stopp an einem der unzähligen Polizeiwagen auf der 180 km Strecke. Aber für 30 Euro Cash in die Tasche des Beamten wurde der unerlaubte Überholvorgang unbürokratisch geregelt. In Pleven angekommen, veranstalteten wir noch eine knapp einstündige Sightseeing Tour, denn Vierauges brandneues Navi kannte nur die Innenstadt. Das Hinweisschild zum etwas außerhalb gelegenen Park, in dem sich unser Hotel befand, entzifferten wir erst nach mehreren Versuchen. Hätte ich in der Schule beim Kyrillischen doch etwas besser aufgepasst. Beim Abend-

Start des ersten Rennens Julian Becher (#16) mischte auf Anhieb vorne mit und wurde Dritter in diesem Rennen. Insgesamt wurde er als bester S1 Pilot extra geehrt.

Mit besten Grüßen Blätter mit Grüßen in die Heimat wurden für die TVKameras bereitgehalten.

Germany - ein schönes Land Bei der Präsentation der Nationen zog Deutschland kein schlechtes Los.


essen wagte ich den Anruf zum Truck. Noch 450 Kilometer knurrte nopa unüberhörbar am anderen Ende, macht also etwa noch neun Stunden! Also, schnell ins Bett, denn meine Grippe war immer noch präsent. Doch wirklich pennen konnte ich noch nicht, zwei Köter lieferten sich unter meinem Fenster eine lautstarke Diskussion.

DONNERSTAG - NOPA Um halb zwei wurde ich wach und verspürte Hunger, Weingummi sättigt eben nicht nachhaltig. Also schleppte ich meinen müden Körper unter die Dusche und machte mich schön. OK, ich machte mich sauber und hüllte mich in frische Textilien. J.P. war nicht im Zimmer, ich erinnerte mich daran, dass er etwas früher schon aufgewacht war, also beschloss ich, mal im Hotel nachzusehen, ob ich ihn finden könne. Vielleicht hatte er schon Erfahrungen mit dem Restaurant gemacht und hätte einen Tipp für mich, wie man an etwas Essbares kommt. Immer noch ziemlich müde schleppte ich mich in die Lobby, sah dort niemanden und schaute in das Restaurant. Auch dort herrschte ähnliche Leere wie in meinem Magen und so stapfte ich in die Bar, wo ich einen Kaffee ergatterte. Die Frage, ob groß oder klein beantwortete ich mit einem überzeugten „Big!“, was zur Folge

mir im örtlichen Supermarkt einen Vorrat besorgen müssen, nach der harten Arbeit draußen an der Strecke haben sich fleißige Helfer, Mechaniker und Teamchefs doch eine kleine Erfrischung verdient. Es kam aber nicht zum Schlimmsten, das Restaurant war zumindest mit Bier gut bestückt, wie wir im Laufe der Woche noch herausfinden sollten. Als wir uns so in der Bar herum flegelten, kam auch der Rest des Teams endlich ins Hotel. Tommi hatte die drei Fahrer sowie deren Mechaniker im Schlepptau und eine große Begrüßungsszene fand statt. Nico hatte Sascha dabei, Jan seinen Vesi und für Julian hatte man Uetze verpflichtet, der normalerweise bei WüPa sein Unwesen treibt und dort neben den Motorrädern vom „Sportfahrer und der Sportfahrerin“ (O-Ton Uetze!) auch noch irgendwelche Pferde versorgt, Waschstraßen aufbaut und sonst noch allerlei Arbeiten erledigt. Nachdem die Horde ihre Gerätschaften auf den Zimmern versorgt hatte, begaben wir uns in das Restaurant um fürstlich zu dinieren und noch ein paar Bierchen zu schnappen. Die Racer hatten für den Abend Ausgang bekommen und verabschiedeten sich gleich nach der Mahlzeit mit Vesi und Sascha in die Stadt. J.P. begleitete die Truppe und ich blieb mit Tommi und Uetze zurück, um diverse Biersorten zu testen, das Angebot war vielfäl-

Dort erwarteten mich zwei apatische Personen, die in der Dunkelheit hantierten.

hatte, dass ich einen Fingerhut bekam, gefüllt mit einer teerartigen Masse. Mit viel Milch und Zucker brachte ich das Gebräu in einen Zustand, der zum Verzehr geeignet schien und verzog mich damit auf die sonnenüberflutete Terrasse. Die Wärme machte sich in mir breit und linderte die Schmerzen in meinem von der langen Reise geschändeten Körper. Der so genannte Kaffee hatte auch gute Auswirkungen auf mein Befinden und ich ging zurück in mein Zimmer, um mal die ganzen Quittungen zu sortieren, die ich während der Fahrt gesammelt hatte. Für die gekaufte Brücke hatte ich leider keinen Nachweis, ich muss das dann mal mit dem rumänischen Verkehrsministerium klären. Ich war gerade mit der Buchhaltung fertig, als J.P kam und wir hockten uns wieder auf die Terrasse um ein Bierchen zu schlürfen, während wir auf den Rest des Teams warteten. Die Nahrungsaufnahme hatte ich bis auf Weiteres verschoben und mich der Askese hingegeben. Bier macht ja auch satt. Als die Sonne langsam tiefer sank, kühlte es auch recht schnell ab, wir hüllten uns erst in wärmere Gewänder und traten dann den Rückzug in die Hotelbar an. Leicht verwirrt nahmen wir zur Kenntnis, dass wir dort kein Bier mehr bekommen konnten, aber die junge Dame erklärte sich bereit, im Restaurant um Nachschub anzufragen. Bierknappheit war nun ein Szenario, dass nur schwer zu akzeptieren war, ich war einigermaßen erstaunt. Im Zweifel würde ich

tig, aber von keiner der angebotenen Marken war genug vorhanden, um ihr treu bleiben zu können. Wir tranken und redeten also durcheinander und amüsierten uns prächtig. Die Vernunft trieb uns aber irgendwann ins Bett, uns war klar, dass die Woche lang und hart werden würde.

DONNERSTAG - TOMMI Kurz nach fünf weckte mich mein Handy. „Wir sind an der Strecke, hol uns ab“ war die kurze, aber eindeutige Ansage. Ok, dauerte aber eine halbe Stunde. Zum Glück wiesen große Schilder den Weg zum Track, denn dem Navi war auch dieser Ort unbekannt. Dort erwarteten mich zwei apathisch wirkende Personen, die in der Dunkelheit hantierten. Ziemlich wortkarg lief die Fahrt zum Hotel, ich hörte nur was von Brücke gekauft oder so ähnlich. nopa bot mir noch heroisch an, am späten Vormittag mit nach Sofia zu fahren, doch ich ordnete Bettzeit an. Auch ich wollte mir noch etwas Ruhe gönnen, doch eine gute Stunde später weckte mich erneut das Handy. Julian Becher stand auf dem Display, blitzartig war ich hellwach. Was jetzt? Julian erklärte mir, dass sich sein Mechaniker gerade von der Mitreise abgemeldet hätte, aus privaten Gründen. Ich versprach, mich zu kümmern, und dass wir auf Reserve ja einen Trucker mit Kawasaki-Erfahrung dabei hätten. Im Innern dachte ich, was kommt denn noch alles. Doch nur ganz kurz, dank Mithilfe von da-

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Wellengang Jan Deitenbach beim Spielen: „Das geilste was man unter die Räder kriegen kann!“

Gesichter Bulgariens Über eines waren sich alle neun Teammitglieder einig. Bulgarien bietet wunderschöne, naturbelassene Aussichten.

Faxenmacher Julian Becher beim Wheelie Die Trainings wurden zwischendurch noch eifrig zum Austoben genutzt.

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heim, durch Mami D. und WüMa konnte ich wenig später an Julian melden: Mechaniker ist am Start! nopa & J.P. sind ins tiefe Koma gefallen. Gegen 10.30 greife ich mir das letzte Frühstück, kalter Kaffee, kaltes Rührei und kaltes Toast. Vierauge ist schlau und verzichtet. Wir machen uns auf die 20 Kilometer zum Track. Dort ist noch nicht wirklich was los, nur die polnischen Kollegen haben schon alles aufgebaut. Unser Truck ist aber noch unversehrt. Also geht es wieder 180 km Richtung Süden nach Sofia, den Rest der Truppe aufsammeln. Vierauge übernimmt das Steu-

sche Pisten nicht mehr wirklich repräsentativ aus. Also, Wäsche ist angesagt. Ich versuche das Teil zum Waschplatz zu bugsieren, aber, wie von nopa schon erwähnte, klappt das mit meinem Terminator-Bein nicht wirklich. Uetze übernimmt, und die Jungs machen sich mit Eifer an die Arbeit. Nach einer halben Stunde sieht der Truck wieder vorzeigbar aus, und die Rennfahrer sind fast genauso nass wie alles andere im Einzugsbereich des Wasserschlauchs. Wir parken ordnungsgemäß ein und düsen zum Hotel. Ob nopa und J.P. schon wieder bei Bewusstsein sind? Und wie, die beiden sitzen entspannt in der Lobby

wie das Abendessen. Das liegt aber nicht an unserem unmäßigen Appetit, sondern an dem etwas - sagen wir ungewöhnlichen - Verhältnis des Restaurant Personals zum Thema Dienstleistung, Gastfreundschaft oder einfach Arbeitsmoral. Ein Frühstücksbuffet war aufgebaut, es gab Toast, das bereits früh am Morgen getoastet worden sein musste und nun vor sich hin litt, verschiedene Marmeladen, Wurst, Käse und entweder frisches Obst oder Kuchen vom Vortag. Zusätzlich gab es Rührei und, wohl als Bacon Ersatz, gebratene Brühwurststücke, beides in einer dieser Schalen, die zum Warmhalten von Speisen

...kalter Kaffee, kaltes Rührei und kaltes Toast.

er und bewältigt die Strecke diesmal ohne unfreiwilligen Stopp. Wir greifen Vesi, Julian und Uetze auf und machen einen kurzen Abstecher in ein amerikanisches Schnellrestaurant in der Stadtmitte. Danach noch einmal zum Airport, Nico und Sascha aufsammeln, für die es zur Begrüßung je einen übrig gebliebenen Burger gibt. Auf dem Weg zurück muss ich kurz den Chef raushängen lassen, denn der Jugendclub ist auch mit dem Vito zügigst unterwegs. Erst mal zum Track, wir bekommen von Fahrerlager-Chef Foxy einen Top-Platz erste Reihe vorne! Aber der Truck sieht nach über 2.000 km über osteuropäi-

und haben bereits frisches Pils in der Hand! Für die nächsten 84 Stunden wird das Team jetzt (fast) jeden Weg gemeinsam gehen.

FREITAG - NOPA Für den Freitag war harte Arbeit angesagt, die Residenz im Fahrerlager musste aufgebaut werden, die Bikes sollten zur Abnahme, eine Streckenbesichtigung stand an und nicht zuletzt galt es, durch selbstbewusstes Auftreten die Konkurrenz zu verwirren. Wir trafen uns nach und nach im Restaurant zum Frühstück. Frühstück ist so ein Thema, das sich durch diese Chronik ebenso ziehen wird

dienen, wenn eine Wärmequelle darunter steht. Wenn! Ähnlich verhielt es sich mit dem Kaffee. Dieser befand sich in einer beheizbaren Kanne, leider war der Stecker nicht eingesteckt, am Freitag fehlte gar das komplette Kabel. Der Kaffee war dementsprechend: für schnelle Frühstücker geeignet, weil man ihn einfach so runter kippen konnte. Ich nahm trotzdem zwei Tassen von der Brühe um mir die Zeit zu vertreiben, bis auch die anderen bereit waren aufzubrechen. Wir hatten ja in unserem reichhaltigen Reisegepäck eine Kaffeemaschine, Kaffeepulver, Filtertüten, Zucker und Kondensmilch. Der Gedanke daran

. . . m a e t a n a h t e

r o m s ´ It Das im Jahr 2009 neu gegründete „epex group racing“

Initiator und Gründer des Teams ist der studierte

Team, startete gleich mit zwei jungen wilden Fahrern in

Sportmanager und erfolgreiche Unternehmer Elias

der S2-Klasse. Nicht unverdient belegten Fabian Riedl

Chisari. Sein deutschlandweit agierendes Facility

(Platz 14 / 69 Punkte) und Daniel Wild (Platz 8 / 166

Management Unternehmen ist gleichzeitig Namenspate

Punkte) einer der vorderen Plätze nach Ablauf der Saison.

für das Team.

Mit ausschlaggebend für den Erfolg der beiden Talente,

Chisari der selbst als ambitionierter Supermoto Fahrer an

war unter anderem das professionelle Coaching vom

einigen Rennen teilgenommen hat, ist überzeugt, dass

Urgestein und „Mister Superbike“ Peter Rubatto, der mit

seine Schützlinge kommende Saison bei der

seiner Erfahrung wertvolle Tipps weitergeben konnte.

Meisterschaft mitmischen können.

www.epex-group.de


SUPERMOTO DER NATIONEN BULGARIEN ließ mich durchhalten und ich knabberte ein bisschen an einer kalten, in der Konsistenz an Schaumstoff erinnernden Toastscheibe herum, auf die ich etwas gelegt hatte, das wie Schinken aussah. Im Fahrerlager angekommen, parkten wir schnell den Truck ein paar Zentimeter um, schließlich gelten strenge Regeln und die Flucht der Vorzelte muss eingehalten werden. Dann räumten wir alles aus und begannen damit, das riesige Vorzelt, das zum LKW gehört, aufzubauen. Keiner von uns hatte so ein Zelt schon einmal aufgebaut, aber J.P. übernahm das Kommando und so schafften wir es, das Puzzle aus Stangen so zusammenzusetzen, das man die Plane anschließend passgenau darüber ziehen konnte. Dann bauten wir noch zwei Pavillons rechts davon auf und zwei weitere links. Die Pavillions auf der rechten Seite schlossen wir mit Seitenwänden, so dass dort eine Zone entstand, in die man sich zurück ziehen und den Blicken der zu erwartenden Zuschauermassen ausweichen konnte, die anderen Pavillions blieben für Blicke offen, dort sollten die Reserve Bikes parken. Endlich konnte ich mich um den Kaffee kümmern, die anderen legten noch den Plastikboden im Vorzelt aus und brachten an der Stirnseite die schicken Banner an, auf denen groß „Team Germany“ stand, damit wir auch leicht zu erkennen waren. Der Platz, den man uns zugewiesen hatte, war übrigens sehr prominent, direkt am Eingang zum Fahrerlager. Wer hereinkam, kam an Germany nicht vorbei! Hatte Foxy, der Paddockchef von Youthstream etwa seherische Fähigkeiten? Der Kaffee war durch und jeder freute sich darüber, wir gönnten uns eine kurze Pause, bevor es weiterging mit dem Aufbau. Die Bikes mussten ja auch noch hergerichtet werden, das Dekor musste geklebt werden, Ölwechsel standen noch an und Reifen mussten aufgezogen werden. Während alle irgendwie rege umher liefen und irgendwas irgendwohin stellten, trugen oder schoben, kümmerte ich mich um die Verpflegung, schließlich war ich ja auch als Hospitality Manager gebucht. Eine kräftige Hühnersuppe schien mir passend für diesen Tag, die Männer brauchten Kraft und niemand musste mehr sportlich tätig werden, es durfte also ruhig etwas deftiger werden. Für die beiden Renntage hatte ich Pasta geplant, heute durften wir noch einmal sündigen. Ich öffnete also die 5 Dosen Hühnernudeltopf, die in der großen Verpflegungskiste über 2400km hierher gereist waren, schüttete sie in den großen Topf und erhitze das Festmahl auf unserem Zweiplattenherd. Nachdem alle gegessen hatten, die Motorräder vorbereitet und unsere Residenz fertig gestellt war, fuhren unsere „Sportfahrer“ zur technischen Abnahme. Tommi hatte bereits den ganzen Papierkram und die erste Order beim Dunlop Service erledigt. Zur Abnahme ging ich mit, die Kamera im Anschlag. Die Geräuschkontrolle verlief zufriedenstellend und auch sonst hatten die technischen Kommissare keinerlei Einwände gegen den Einsatz der Arbeitsgeräte. Einzige Überraschung war das Gewicht von Nico‘s Berg. Das Ding bringt doch tatsächlich stramme 125 kg auf die Waage, vernünftig betankt wuchtet der kleine Grieche

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Rennen zwei Nico (#17) lag auf Rang drei, als er einen Schlag an den Lenker bekam.

Streifzüge In jeder freien Minute hingen die drei aufeinander und machten die Gegend unsicher.

also 130 kg um den Kurs. Nach der Abnahme drehte ich mit den drei jungen Helden noch eine Runde um den Track und machte ein paar Bilder. Julian ging mehrmals zu Boden, um die Bodenwellen in den schnellen Kurven hautnah in Augenschein zu nehmen und freute sich darüber, wie „broat“ die Strecke ist. Nach dem Spaziergang packten wir alles wieder ein und fuhren zurück ins Hotel. An einer Tankstelle deckten wir uns mit Zigaretten, Benzin und Getränken ein. Glücklich im Hotel angekommen, (glücklich, weil Jan das Steuer übernommen und auch eigene „Musik“ dabei hatte) verabredeten wir uns dann für das Abendessen im Restaurant. Eine Fahrt in die Stadt, um dort zu essen, hatten wir nach kurzer Beratung ausgeschlossen, im Hotel zu essen, war einfacher und bequemer. Julian hatte seinen Zimmerschlüssel im Fahrerlager vergessen und ich verhandelte mit der Dame am Empfang um die Herausgabe des Reserveschlüssels. Dies gestaltete sich schwierig, weil sie kein Deutsch, ich kein Bulgarisch und wir beide nicht wirklich Englisch sprachen. Mit einer Mischung aus Englisch und Karate machte ich aber klar, worum es ging, knallte ihr meinen besten Augenaufschlag hin und so bekam Julian dann den Schlüssel. Im Restaurant kämpften wir dann auch wieder mit gewissen Sprachbarrieren, aber der Oberkellner, welcher eine gewisse Ähnlichkeit in Mimik und Gestik zu Freddie Frinton aufwies, sprach etwas französisch und so konnte Tommi mit ihm kommunizieren. Damit hatte der Bursche sicher nicht gerechnet, sonst hätte er diese Fähigkeit bestimmt verheimlicht. Die drei Musketiere gingen früh zu Bett, wir Teamchefs, Mechaniker, Lademeister und Hospitality Manager tranken uns

wieder durch das reichhaltige Angebot an Biersorten und beredeten die Taktik für das Wochenende und tauschten Schwänke aus unserer Jugend aus.

SAMSTAG - NOPA Samstag. Der erste Tag, an dem es wirklich Ernst werden sollte. Treffen wie gehabt im Restaurant, ich war so ziemlich der Erste und genoss wie am Vortag lauwarmen Kaffee, zähes Toast und geeistes Rührei. Heute gab es außerdem Gurken - und Tomatenscheiben, ich gönnte mir eine Überdosis Vitamine. Vesi schlug vor, abends ein Paar Reifenwärmer mitzunehmen, um damit am nächsten Morgen die Kaffeevereisungsmaschine zu pimpen. Die Idee wurde lachend angenommen und weitere Diskussionen um das Frühstück und die daraus resultierenden Möglichkeiten folgten. Die Truppe war munter und heiter, gute Voraussetzungen für einen erfolgreichen Tag. Julian hatte schon einen lockeren Waldlauf hinter sich, Nico war ausgeschlafen und fröhlich, nur Jan kam wie immer als Letzter und mit halb geschlossenen Augen angeschlurft, was mich in die Situation brachte, den Vito durch Pleven zu steuern. Von den Sportfahrern auf den billigen Plätzen hinter mir bekam ich permanent Tipps, wie man Schwellen umsteuert, wo Polizeiposten stehen und wie schnell man welche Kurve nehmen kann. Ich überlegte kurz, ob ich den Jungs erzählen sollte, dass ich bereits einen Führerschein hatte, als sie noch Holzwolle aus dem Teddy gepult haben, oder von meinem Donut mit dem Omega berichten sollte, ließ das aber lieber sein, frustrierte Sportfahrer neigen nicht zu Höchstleistungen. Wir brauchten marginal länger für die Fahrt zur


Saisonvorbereitung WWW.TEAMGF.DE mit dem


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Strecke als am Tag zuvor, verbrauchten dafür aber nur einen Bruchteil des Treibstoffs und mussten keinerlei Gebühren an irgendwelche Polizisten entrichten. Um sein Leben hatte auch niemand fürchten müssen, aber das ist zweitrangig. Im Fahrerlager angekommen, kümmerte ich mich um die Kaffeemaschine, die anderen erledigten so nebensächliche Dinge wie Motorräder ausladen, Reifenwärmer aufziehen und Schutzkleidung bereit legen. Es war frisch, aber die Sonne grinste schon fett vom Himmel herab. Es versprach warm zu werden. Für heute standen ein freies Training, das Zeittraining und zum Abschluss die entscheidenden Qualifying Races auf dem Zettel und die Jungs waren entsprechend nervös. Jan und Nico kannten die Strecke ja schon aus dem Vorjahr, für Julian sollte es das „Erste Mal“ sein, man merkte ihm aber nicht viel an. Ich entschied mich für die Pasta mit Tomatensauce, was etwas mehr Vorbereitung erforderte und machte mich an die Herstellung der Tomatensauce. Ein paar Gewürze wären schön gewesen, ich fand aber noch nicht einmal Salz in den vielen Hospitality Kisten, nächstes Jahr werde ich Mami D. beim Einkaufen begleiten. Für die Nudeln würde ich aber Salz brauchen, also schickte ich jemanden los, bei Vorli nachzufragen. Die Tomatensauce bestand also aus passierten Tomaten und einer prima Fertigsauce al Arrabiata. Die Pampe köchelte vor sich hin, Nudeln wollte ich später erst machen, die Jungs waren jetzt im halbstunden Takt auf dem Track, einen Zeitpunkt für‘s Essen zu finden, war schwierig. Im freien Training schlugen die Burschen sich schon mal gut, kamen prima mit dem Track zurecht und brachten gute

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Zeiten mit. Nach dem freien Training ging die Diskussion um die Reifen los, ich klinkte mich aus und wurde im Pressecenter vorstellig, um mir einen Platz im Netz zu sichern und ein bisschen mit Daniele zu plaudern, dem Pressekoordinator von Youthstream, den ich nun schon bei einigen Veranstaltungen getroffen habe und der ein netter Kerl ist. Dann machte ich mich daran, Nudeln zu kochen. Der Strom in Bulgarien ist wohl eher schwach, die paar Liter Wasser benötigten eine gute Stunde, um heiß zu werden. Die ersten maulten schon rum, ich befürchtete eine Meuterei und stellte schnell Brot und Käse, sowie etwas Wurst und Weingummi bereit. Die quengeligen Stimmen verstummten und schon ging es los mit dem Zeittraining, jetzt wollte sowieso keiner mehr essen, alle standen an der Strecke und fieberten mit. Noch mal Glück gehabt, dachte ich bei mir und feuerte den Kocher an. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten, das Wasser kochte und die Nudeln mussten dran glauben. Drei Wochen später waren sie dann auch so weich gekocht, dass man sie getrost als al Dente einstufen konnte und ich stellte sie warm. Jetzt konnte jeder, der wirklich wollte, etwas essen. Ich wollte. Die anderen langten auch zu, jeder so, wie er gerade Zeit fand und alle wurden satt. Es gab ja auch noch Weingummi. Die Zeittrainings waren gut verlaufen, Julian stand auf Platz 3, Nico wurde in der S2 Siebter und Jan schaffte Platz 4 in der Open. Nico war unzufrieden, wir konnten ihn aber aufbauen, schließlich war er in der stärksten Klasse unterwegs und seine Zeit war wirklich gut. Er klagte über eine nachlassende Bremse und Sascha machte sich daran, das Ding noch

einmal sauber zu entlüften. Inzwischen war es soweit, das erste Qualifikationsrennen stand an, Julian musste sich und seinen dritten Platz gegen die anderen Nationen behaupten. Ich packte die Kamera weg, wollte in Ruhe zusehen und Daumen drücken, wollte mitten im Team sein. Am Sonntag, bei den Rennen, würde ich im Infield rumlaufen und Bilder machen, mir Notizen zum Rennverlauf auf einen Zettel schreiben und nebenher Daumen drücken. Heute wollte ich frei sein und das Rennfieber mal wieder ganz ohne andere Aufgaben genießen, ein letzter Rest vom Racer ist ja noch wach in mir. Julian setzte sich gleich beim Start auf Platz zwei und konnte diesen Platz auch bis ins Ziel verteidigen, ein guter Auftakt für Team Germany. Nico kämpfte sich einen Platz nach vorne, Platz 6 im Ziel, die Laune im Team stieg. Beim Start zum Rennen stand ich neben Julian in der Pitlane, er beobachtete den Start und in dem Moment, als die Ampel ausging, schnellten die Finger seiner linken Hand, die er vorher gekrümmt hatte, als ob er den Kupplungshebel halten würde, vor und die rechte Hand drehte nach unten. Ich schwöre, dass der ganze Körper angespannt war, als ob der Kerl in diesem Moment selbst da am Start gestanden hätte. Vollblutracer, mehr fällt mir dazu nicht ein. Jan verstronzte mal wieder den Start, sein Starthaken funktionierte nicht richtig, und legte sich dann richtig ins Zeug, er rettete seinen vierten Platz letztlich ins Ziel. Dann ging die Rechnerei los und als Resultat kam ein dritter Platz für uns heraus, hinter Italien und Bulgarien. Eine gute Voraussetzung für den nächsten Tag, hatten die Jungs doch beim nachmittäglichen Fern-


sehinterview von einer Top 5 Platzierung geredet und insgeheim gemeint, den vierten Platz der deutschen Moto Crosser beim Cross der Nationen mindestens egalisieren zu wollen. Nico haderte immer noch mit seiner Bremse und so wurde noch einmal das komplette System überarbeitet, die Mechaniker stürzten sich mit geballter Kraft auf die Magura und tiedelten an dem Teil rum. Ich kümmerte mich um den Abwasch und besorgte ein paar Dosen Bier, was ja wohl mein Job war. Irgendwann war das Bremsdingens dann auch soweit, dass man ihm zutraute, seinen Job

Vito nach Geld suchte, stiegen die Kollegen vom Staatsdienst in ihren Dienstwagen und fuhren einfach davon. Wahrscheinlich hatten sie Feierabend oder waren Fans vom Team Germany. Wir setzten die zweite Möglichkeit voraus und die Fahrt unbehelligt fort. Julian musste sich einige Sprüche anhören. Im Hotel gab es wieder den üblichen Kampf mit dem Personal, heute war eine ehemalige Domina die Chefin. Bestellungen wurden nur widerwillig und mit Karate-Englisch entgegengenommen, oder aus der Speisekarte abgelesen. Wir teilten den Raum mit der

ter auch im Bett lag, waberten die Gedanken durch meinen Kopf. Dritter Platz in der Qualifikation, können die Jungs das Ding wirklich so durchziehen oder kommt dann doch alles anders? Fahren alle sauber durch und retten ihre Startplätze ins Ziel oder verbessern sich sogar noch? Oder geht alles schief, jemand stürzt, ein Motor geht hoch oder die anderen sind dann, wenn es darauf ankommt, doch wieder einen Ticken schneller? Mit diesen Gedanken, die immer weiter rotierten und abstruse Formen annahmen, trieb ich ab ins Reich der Träume und darüber, was dann in

Die Polizisten gaben ihm zu verstehen, dass er als Bulgare soeben seinen Führerschein eingebüßt hätte...

zu erledigen und auch der Berg wurde eingeladen. Für den Heimweg wurde der Brecher als Fahrer ausgelost und er war gleich wieder auf Zeitenjagd. Dummerweise hatte die innerörtliche Rennleitung noch nichts von der WM gehört und stoppte uns. Julian musste sich dem Kampf allein stellen und gab sich kleinlaut. Die Polizisten gaben ihm zu verstehen, dass er als Bulgare soeben seinen Führerschein eingebüßt hätte und überlegten sich eine angemessene Summe, die ihn in die Freiheit entlassen würde. Während Julian im

Fußball Nationalmannschaft aus Mazedonien oder Aserbaidschan, die am nächsten Tag ihr Qualifikationsspiel zur Weltmeisterschaft gegen Bulgarien bestreiten würde. Vesi konnte das mit seinen Fremdsprachenkenntnissen herausfinden und wir prosteten den Kickern aufmunternd zu. Unsere Sportfahrer waren wieder früh in ihre Zimmer verschwunden, wir alten Herren ließen uns etwas mehr Zeit, im Alter braucht man ja nicht mehr soviel Schlaf und so richtig Gasgeben mussten wir am nächsten Tag ja auch nicht. Als ich dann spä-

meinem Kopf ablief, werde ich hier nicht schreiben.

SONNTAG PRE RACE - NOPA Am Sonntag waren wir dann etwas früher im Restaurant, der Kaffee war kurz davor, den Aggregatzustand „fest“ zu erreichen. Die Reifenwärmer hatten wir auch vergessen und so hielten wir uns nicht allzu lange dort auf. Das Rührei war seltsamerweise noch warm, eine wirkliche Strategie des Personals war nicht zu erkennen. Wahrscheinlich zielte man


SUPERMOTO DER NATIONEN BULGARIEN

auf völlige Verwirrung der Gäste, um von anderen Missständen abzulenken. Die Außentemperaturen in Pleven lagen noch unter der des Kaffees, zudem war es nebelig. Ich wähnte mich kurz in London, das erste kyrillisch beschriftete Straßenschild holte mich zurück in die Realität. Im Fahrerlager zeigte sich dann, wie gut wir schon aufeinander eingespielt, wie sehr wir zu einem Team gereift waren. Ich kümmerte mich um das Wichtigste, den Kaffee, und die anderen spielten mit den Motorrädern herum. Wie jeden Morgen baute ich meine Profiküche auf und bestückte den Tisch mit feinsten Frühstückszutaten. Jeder Handgriff saß, Cerealien mit einem edlen Überzug aus Kakao kamen aus der Blechkiste, dazu gesellte sich Milch. Wurst, Käse, Brot, Müsliriegel und Weingummi kamen noch dazu. Ich bereitete auch gleich die feinen Nudelteigtaschen mit hochwertiger Fleischfüllung an Tomatensauce vor, den Fehler vom Vortag wollte ich vergessen machen und ab dem Mittag eine kräftige Mahlzeit zur Verfügung stellen. Unsere Jungs waren in der ersten Gruppe, die das warm up bestreiten sollte und warfen sich zeitig in ihre Arbeitskleidung. Zum warm up stand ich dann wieder mit der Kamera an der Strecke um ein paar Bilder vom Formationsflug der Sportfahrer zu machen. Auf Nachfrage, von welcher Stelle der Strecke sie denn Bilder haben wollten, kam natürlich der Wunsch nach Big Air Pics, Kurven scheinen uninteressant zu sein. Ließe man die Burschen frei fahren, tobten sie wohl nur in der Sky Section herum. Der Nebel versaute mir leider die meisten Bilder, Licht war einfach nicht vorhanden, alles wirkte grau in grau, aber unsere Jungs

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drehten erstaunlich flotte Runden, meist im Pulk, und live zusehen ist sowieso besser als Bilder anschauen. Nach den Warm up Läufen wurde zur gemeinsamen und offiziellen Teamvorstellung auf die Startgerade gebeten, jede Menge Offizielle und auch der oberste Vertreter der ansässigen Kirche waren anwesend. Jede Menge ziemlich hübscher Weinköniginnen oder Hupfdohlen waren mit Schildern bewaffnet, auf denen die Nationen vermerkt waren und unsere Sportfahrer ließen sich von mir mit Allen gleichzeitig ablichten, was auch den Damen offensichtlich viel Freude bereitete. Erfolg macht eben sexy, auch wenn er noch ein paar Stunden auf sich warten lässt. Nico war anschließend etwas besorgt, dass seine Freundin davon etwas erfahren könnte. Ich kann Dich beruhigen Nico: Von mir erfährt sie nichts! Zur Fahrervorstellung hatten sich dann alle Teams mehr oder weniger ordentlich nebeneinander aufgereiht, jeweils eine Schönheitskönigin hielt die Tafel und die Offiziellen sprachen ihre Begrüßungsworte. Inzwischen waren auch jede Menge Zuschauer um die Strecke verteilt, besonders die neu gebaute Mega Tribüne für etwa 3000 Fans an der Sky Section war gut gefüllt. Dann trat der geistliche Führer an das Mikrofon und segnete das Vorhaben Supermoto of Nations mit einer einzigartigen Zeremonie. Sein melodischer Singsang zauberte ein Lächeln in die Gesichter der Teilnehmer und zum Abschluss schritt er die Reihe noch ab und versprühte Weihwasser über jedes Team. Nach dieser wirklich bewegenden Zeremonie gingen wir zurück zu unserer Residenz im Fahrerlager und trafen die letzten Vorbereitungen. Nach den guten Ergebnissen der Sportfahrer in

den Qualifikationsrennen hatten wir beschlossen, dass jeder der Drei einmal aus der ersten Reihe starten sollte. Der Platz ist natürlich begehrt, weil da die Kameras stehen und Georgia die Interviews führt. Jan hatte einen Zettel vorbereitet, den er in die Kamera halten wollte: „Vierauge grüßt das Supermoto.de Forum“ und auch Julian und Nico überlegten sich etwas für diesen Moment. Im ersten Rennen würde der Brecher von Platz drei starten und Nico von Platz 19. Um die aufkommende Nervosität etwas zu dämpfen, packte ich dann das mitgebrachte Spielzeug aus. Eine Kollektion von Spongebob Kuriositäten und Jan war gleich dabei und legte los. Die beiden anderen ließen sich aber nicht so recht anstiften und so wurde es im Laderaum des Trucks, wo die Burschen saßen, schnell wieder still. Naja, so ein Lauf zur Supermoto of Nations ist eben doch was Besonderes und da darf man auch ruhig ein bisschen nervös oder angespannt sein. Tommi hatte sich in den geschlossenen Pavillon zurückgezogen und versuchte zu sich selbst zu finden oder so was. Vesi und Sascha umkreisten die Arbeitsgeräte von Jan und Nico auf der Suche nach einer losen Schraube oder einem Staubkorn und ich steckte mir eine Kippe nach der anderen an. J.P. saß in der Sonne und Uetze war sowieso die Ruhe selbst. Um nicht soviel zu rauchen, arbeitete ich an der Vernichtung der Weingummi Vorräte und latschte mir die Sohlen von den Schuhen. Irgendwann tauchten dann die Red Bull Damen auf und die Sportfahrer verlangten nach der Brause. Die Damen waren aber recht geizig beim Verteilen, also flitzte ich schnell zu ihnen rüber und lichtete sie ab. Die


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SUPERMOTO DER NATIONEN BULGARIEN

Endlich ging es los, let‘s go racing!

Ladys waren erfreut, wollten Abzüge von den Bildern und so bekam ich die Email Adresse von Rosi Rok. Als Gegenleistung für die Bilder lockte ich die beiden unter Vorspiegelung fast richtiger Tatsachen in unser Zelt und die Jungs bekamen einen kleinen Vorrat an Getränkedosen. Die beiden Alleinunterhalter vom Dunlop Service Truck gegenüber machten einen wirklich guten Job. Mit fast schon marktschreierischen Fähigkeiten unterhielten sie die Zuschauermassen und zogen Reifen im Akkord auf. Nebenher fanden sie noch Zeit, die Laufbilder der Reifen unserer Sportfahrer zu analysieren. So ein dritter Platz hat echte Vorteile, auch der FIM Präsident und der Rennleiter beehrten uns mit einem Besuch und wünschten Glück für die anstehenden Rennen. Viele Zuschauer blieben stehen, wollten Autogramme, Bilder von sich oder ihren Kindern mit den Bikes, Kappen, T-Shirts und andere Souvenirs. Es herrschte reger Verkehr im Fahrerlager und ich mischte mich ein paar Mal unter die Massen, um meine Nervosität zu verbergen. Manchmal denke ich, ich sollte wieder selber fahren, weil ich glaube, dann ist es irgendwie einfacher, die Spannung zu ertragen. Wenn ich aber ehrlich bin, war ich in meiner aktiven Zeit mindestens genau so nervös, wenn nicht sogar noch nervöser.

SONNTAG PRE RACE - TOMMI Da der Chronist an diesem Tag, der die Welt verändern sollte, vorwiegend auf der Pirsch nach - nein nicht Red Bull Girls - Bildern war, trennten sich unsere Wege von Zeit zu Zeit. Zeit für einen exklusiven Blick in die Tiefen der Boxengasse. Am Samstag war noch

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jeder der Akteure eines Teams für sich Allein auf der Strecke, nur im Warm-Up gab es die Gelegenheit, mit der ganzen Mannschaft gemeinsam den Track zu umrunden. So rauschten die 16, 17 und 18 wie geplant auch gemeinsam auf die Piste. In der ersten Hälfte wechselten sie die Positionen durch wie besprochen, damit jeder noch einmal die Linie des anderen Piloten sehen konnte. Die Bulgaren waren als Mannschaft erwartungsgemäß die Schnellsten, aber auch wir hatten alle 3 in den Top-Ten. Ich schaute mir noch kurz die Gruppe zwei an, die ganz klar von den Italienern dominiert wurde. Dann kamen überraschend die Ö‘s - nein Sorgen machte ich mir um diese Frage der Ehre nicht wirklich, sorry. Bei den Schweden hatte einer Probleme, aber das war wirklich nichts Neues. Die Nordmänner hatten ihr Camp direkt neben uns aufgeschlagen und waren schon ab Samstag Dauergast in der Abteilung: „Do You have a compressor, Schlagschrauber, Kupplung,...“ Naja, in so einen Sprinter geht ja auch nix rein. Nach dem warm up wurden alle Bikes frisch besohlt. Doch aufgrund des Nebels und der Wolken wanderte mein Blick immer wieder zum Himmel und ich gab die Anweisung raus: „Reifen noch nicht markieren!“ Das fand Uetze, der gerne immer alles fertig hat, ziemlich blöd. Und auch Sascha suchte bis zum Rennen ungefähr 100 Mal seine Sticker. Aber ich bin halt vorsichtig... (Anmerkung des Teamchefs: Pro Fahrer stehen für das Wochenende 10 Reifenmarkierungen (Sticker) zur Verfügung. Ist ein Sticker einmal auf einen Reifen geklebt, kann er nicht mehr entfernt und für einen anderen Reifen genutzt

werden). Da Nico als S2 Fahrer nach dem ersten Rennen nur knapp 45 Minuten Pause bis zu seinem zweiten Lauf hatte, mussten die Räder dafür auch schon vorbereitet werden. Also, Reifen schon mal in die Wärmer, Ersatzräder zur Vorsicht mit in die Box. Nach dem Opening gab es noch gegenüber bei den Slowenen ein kurzen Krankenbesuch. Rok Mihelcik hatte sich am Samstag die Mittelhand gebrochen, war aber trotzdem das Warm-Up gefahren. Der Flunken glich einem blauen Ballon. Endlich ging es zum Start. Die beiden Mechaniker der jeweiligen Fahrer, der Teamchef und der Mann im Fahrerlager waren professionell per Headsets mit Funk verbunden. Naja, nicht ganz; da Uetze nicht unbedingt ein Freund dieses neumodischen Krams ist, übernahm der im ersten Lauf arbeitslose Vierauge den Funk. Für mich eine letzte Zigarette auf dem Weg in den Vorstart.

SONNTAG 1ST RACE - NOPA Jetzt aber Schluss mit Nervosität, Anspannung und Spekulationen über ein mögliches Ergebnis. Jetzt ging es endlich los, das erste Rennen des Tages stand auf dem Programm. Die Klassen S1 und S2 wurden zum Schlagabtausch auf den Track gebeten, Julian und Nico machten sich fertig, Uetze und Sascha packten die Aggregate und die Reifenwärmer für den Vorstart und die Startaufstellung auf die Transportkarren, die Bikes wurden von den Hubständern gehoben und gestartet. Das Team machte sich auf den Weg zur Strecke, Vesi blieb als Hüter der Residenz zurück und ich packte die Kamera und den Notizblock ein. Endlich ging es los, let‘s go racing! Im Vorstart war es schon voll als wir anka-


men, das sprach für unser Timing. Kaum angekommen, ging es auch schon los in die Startaufstellung. Die Motorräder kamen auf die Ständer, die Reifenwärmer wurden wieder um die Gummis gewickelt und an das Aggregat angeschlossen. Für die vorderen Reihen standen die Schirmhalte- Weinköniginnen bereit, in den hinteren Reihen sorgten meist Team Mitglieder für den Schatten. Julian hatte einen Zettel für die Kameras bereit, auf dem er sich bei seinen Sponsoren und seiner Familie bedankte und hatte ihn zwischen Tank und Sitzbank geklemmt. Foxy gab das Signal: „One Mechanic in the Grid!“, die Reifenwärmer mussten runter, die Mechaniker aus der Startaufstellung, gleich ging es in die zwei Aufwärmrunden und danach stand fast unmittelbar der Start an. Georgia rannte schnell noch zu Julian, um ihn zu interviewen. Er gab sich locker, verstand die zweite Frage nicht und redete trotzdem los, kam ins Stocken und schaute verwirrt. Georgia nahm es mit einem Lächeln auf und fragte noch einmal nach, Julian wurde seine Antwort dann doch noch los und Georgia sprintete aus der Startaufstellung. Es wurde auch Zeit, die grüne Flagge hinter dem Feld wurde schon geschwenkt, das Youthstream Team legt Wert auf Pünktlichkeit. Reihe für Reihe ging es los, zwei warm up laps waren zu absolvieren und dann standen alle wieder auf ihren Startplätzen, waren sortiert und die

Strecke wurde freigegeben. Ampel auf Rot, die Motoren drehten hoch, ein sattes Dröhnen lag in der Luft, der geilste Moment eines Rennens stand bevor. Die Ampel ging aus, Kupplungshebel flogen, die Meute donnerte los. Ich war kurz zuvor in die erste Kurve gelaufen, um dort Bilder vom Start zu machen und sah das Fahrerfeld auf mich zu fliegen. Julian kam gut weg und bog als Zweiter in die Kurve ein, dicht hinter dem Bulgaren und knapp vor dem Italiener. Dann wischten die Fahrer nur so vorbei, in dem Knäuel konnte ich Nico nicht gleich orten, meinte aber, ihn als Vierzehnten gezählt zu haben. Als die Meute vorbei war, rannte ich zurück, um den Rest des Rennens vom Anfang der Zielgeraden aus zu beobachten, von dort konnte ich einen Großteil der Strecke einsehen, vor allem in die Sky Section hatte ich einen guten Einblick. Nach der ersten Runde war Julian wieder Dritter, Gaspardone hatte ihn irgendwo überholt, aber Julian hing in dessen Heck und blieb auch dran, das sah gut aus. Nico kam als Zwölfter aus Runde eins zurück. Er war an seinen Vorderleuten dran und machte mächtig Druck. Man konnte ihm ansehen, dass er mehr wollte, es ging vorwärts und das machte Hoffnung. Die Spitze etablierte sich, Julian war sicher auf Platz drei unterwegs und Nico pushte etwas weiter hinten, er machte jede Runde mindestens einen Platz gut. Ich trabte zwischen Sky Section

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und Start-Zielgerade hin und her, machte ab und zu ein Foto und kritzelte irgendwas auf meinen Zettel. Eigentlich war ich viel zu aufgeregt, mir Notizen zu machen und ich sollte ja auch später die Ergebnislisten und Lapcharts bekommen. Viel passierte auch nicht mehr in dem Rennen, Nico fightete sich auf Platz acht vor und Julian fuhr unbedrängt auf drei. Mit dem Schwenken der Zielflagge fiel dann auch von mir eine Last ab, Teil 1 des Unternehmens war geschafft. Ich zählte im Kopf schnell die Plätze zusammen und sah Team Germany zusammen mit den Italienern auf Position eins, dahinter die Bulgaren. Weder Bartolini noch Georgiev war es gelungen, sich so durch das Feld zu tanken, wie es Nico geschafft hatte, der kleine Grieche hatte unser Team durch seinen verbissenen Fight nach vorne gebracht! Schnell zurück ins Fahrerlager mit kurzem Zwischenstopp im Pressecenter, eine Kurzmeldung ins Forum absetzen und feststellen, dass der Haufen per Livestream sowieso alles mitbekommt. Also schnell in die Residenz, Julian und Nico beglückwünschen und schnell ein paar Weingummi futtern. Das Zeug ist prima gegen Nervosität! Kaum angekommen, ging es auch schon wieder los, diesmal mussten Nico und Jan ran. Die Berg war frisch betankt, die Räder waren getauscht und frische Reifen warteten darauf, malträtiert zu werden. Jan war jetzt ziemlich hibbelig. Das

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SUPERMOTO DER NATIONEN BULGARIEN würde sich auch erst wieder legen, wenn er endlich in der Startaufstellung stünde und Vesi ihn mit einem Händedruck auf die Reise schicken würde.

SONNTAG 2ND RACE - NOPA Wir kamen wieder passend im Vorstart an, kurz danach standen wir in der Startaufstellung. Sascha und Nico hatten ihre Boxentafel mit einem Gruß an Lars versehen und hielten sie in die Kameras. Das erregte etwas Aufsehen bei der Rennleitung und beim FIM Präsidenten, die auch durch die Reihen der Fahrer liefen. Ich erklärte die Umstände und bekam den Auftrag, Grüße weiterzuleiten. Dann ging die Nummer wieder los, „One Mechanic!“ , warm up laps und dann, endlich, der Start. Ich stand wieder in der ersten Ecke und wartete darauf, dass die Ampel aus ging. Nico setzte sich mit einem leichten Schlenker vor Gaspardone und bog als Zweiter in die erste Kurve ein. Hinter der Spitzengruppe krachte es zwischen einem Spanier und einem Schweden, der Rest des Feldes wurde neu gemischt. Jan verlor dabei Plätze, machte sich aber gleich daran Boden gut zu machen. Ich lief wieder zurück an den Anfang der Startgeraden, gegenüber der Boxen wartete ich auf die Spitze des Feldes. Georgiev bog ums Eck, dahinter ein Dreierpaket aus Gaspardone, Nico und Uros Nastran, dem schnellen Slowenen. Nico verhakte seinen Lenker bei Nastran und ging zu Boden, rutschte quer über die breite Piste auf mich zu. Ich sah, wie er verzweifelt den Lenker festhielt und noch im Rutschen versuchte, wieder auf die Beine zu kommen. Kurz vor der Wiese kam das seltsame Gespann zum Stillstand, Nico sprang auf, riss das sackschwere Trumm hoch, als wäre es ein Mountainbike, und fuhr gleich wieder los. Während er die Startgerade hinunter beschleunigte, klopfte er den Hebelschützer wieder in die richtige Position, danach ging die Jagd auf die Fahrer los, die ihn bei der Aktion überholt hatten, er lag zu diesem Zeitpunkt auf Platz zehn und hatte eine Menge Arbeit vor sich. Jan kam als Zwanzigster aus Runde eins zurück, hing aber seinen Vorderleuten schon im Heck. Nico verlor in der nächsten Runde noch einen Platz, Jan machte drei Plätze gut. Wenn sich der kleine Grieche nach dem Schreck jetzt wieder berappelte und seine bekannte Performance zeigen würde, ginge das Ganze doch noch gut aus. In der nächsten Runde hatten beide wieder einen Platz aufgeholt. Georgiev lag souverän vorne, Gaspardone auf Platz zwei bekam langsam Druck von Nastran. Nico schaffte einen weiteren Sprung nach vorne, Jan kam schon als 15ter über die Linie. Dann fiel Nico erst zwei Plätze zurück und eine Runde später fehlte er erst einmal ganz, kam dann aber doch noch als Zweiundzwanzigster um die Ecke gebogen. Entweder hatte er noch eine Bodenprobe genommen, oder irgendetwas an seiner Berg war nicht in Ordnung. Jan hatte hingegen Plätze gut gemacht, war jetzt schon auf elf und es sah nicht so aus, als sei er schon zufrieden. Während Nico mit fehlender Vorderradbremse, wie jetzt an

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Ehre wem Ehre gebührt Ein Moment, den diesen Jungs niemand mehr nehmen kann und den sie unter Gänsehaut erlebten.

Stix und Vorlicek Petr Vorlicek, S1-Fahrer für die Tschechei, ist ein versierter Fahrwerksspezialist.

seinem Fahrstil klar zu erkennen war, seinen Platz verteidigte, schaffte Jan den Sprung auf Platz neun. Nico fightete wie besessen, die Box signalisierte ihm, er solle unbedingt bis zum Ende durchfahren. Er machte sogar noch einen Platz wieder gut und rettete Platz 21 ins Ziel. Georgiev hatte das Ding souverän nach Hause gefahren und Gaspardone musste sich in der letzten Runde doch noch Nastran beugen. Jan schaffte Platz neun, hatte mehr als ZEHN Plätze gut gemacht. Nico war danach total geknickt, Sascha ebenso. Der Ausgleichsbehälter an der Bremse war weg, das Gewinde ausgerissen. In der Residenz angekommen, beglückwünschte ich Jan zum tollen Rennen, dann tröstete ich den kleinen Griechen und seinen Mechaniker. Shit Happens, ein Sturz kann immer passieren und er hatte den Crash ja nicht selbst verschuldet, das war ein ganz normaler Rennunfall, drei Mann wollen um dieselbe Ecke - gleichzeitig natürlich.

SONNTAG 2ND RACE - TOMMI Schulterklopfen für Nico, das traditionelle Abschlagen mit Jan, und ich begebe mich in meine Rauchposition. Wer ist eigentlich nervöser, der Junior oder ich? Ich versuche die beiden warm up laps in der Sky-Section zu genießen. Den Start will ich gar nicht sehen, ich bleibe backstage. Das Rotlicht erlischt, die Meute stiebt mit gewaltigem Lärm los. Nichts gegen den Radau, der Sekunden später in meinem Kopfhörer los ist. „Jaaaaan, oh Sch...., nein!“ Ich spurte in die Box und sehe Jan fast am Ende des rollenden Feldes. Super, wieder mal den Start verstronzt. Aber ein paar anderer Fahrer folgen noch dahinter. Die

hatten sich im ersten Turn genau vor Vierauge eingeparkt und ihm den Weg versperrt. Dafür hämmert Nico auf P2 aus der ersten Runde, sein Sascha dreht fast durch. Jan ist immerhin schon 20. Schon eine Runde später ist die Herrlichkeit vorbei. In der Zielkurve gibt Slovene Nastran unserem Nico einen aufs Heck, vor unseren Augen schlittert die Berg ins Aus. Nach einigen Runden hat Jan den Anschluss an die Gruppe mit Nico gefunden, doch dann wird der kleine Grieche plötzlich langsamer. In der nächsten Runde dauert es ewig, bis er bei uns auftaucht. Sascha stammelt nur immer wieder: „Die Bremse, es ist die Bremse“, und versinkt auf dem Boden der Box. „Komm! Auf! Der soll durchfahren, schreib ihm das auf die Tafel“ rufe ich, und apathisch macht er das Board fertig. Georgia taucht bei uns an der Box auf und bittet zum Live-Interview. „Hat Nico zuviel Druck verspürt?“ – Blöde Frage, der gewinnt fast den Start, dann schießt ihn der eine Idi... ab, und jetzt ist was kaputt, denke ich mir. „Natürlich ist da etwas Druck, wenn man erstmals gegen die Top-Jungs aus der WM um die Spitze fährt. Dann kam leider der kleine Ausrutscher, aber jetzt kämpft er weiter“, mache ich (noch) einen auf souveränen, Phrasen dreschenden Teamchef. Nico ist auf 21 zurück, aber wir feuern ihn an, als ob er das Rennen anführt. Sascha ist auch wieder dabei und Nico schafft es tatsächlich, mit der dicken Berg ohne Vorderradbremse bis ins Ziel zehn Gegner hinter sich zu lassen. Jetzt muss Vierauge die Kohlen aus dem Feuer holen. Frech wie in Freiburg räubert er durchs Feld und wird trotz des vergurkten Starts Neunter. Wieder Top-Ten für den zwei-


ten Fahrer, wir sind damit im Plan. Jetzt darf im letzten Rennen nichts mehr passieren, denn ein Streichresultat haben wir ja. Dann könnte es aufs Podium gehen. Im Paddock waren Nico und sein Sascha tief geknickt. Doch auch wenn sein Einsatz für diesen Tag beendet war, noch war hier nichts verloren. Und so hockten die drei jungen Helden auch schnell wieder zusammen, um am Teamchef vorbei eine folgenschwere Entscheidung zu treffen. Lag da Meuterei in der Luft?

SONNTAG FINAL RACE - NOPA Wieder drängte die Zeit. Jans Moppet musste für den nächsten Lauf vorbereitet werden und eine Entscheidung zum Start musste her. Wer sollte aus der ersten Reihe starten? Jan, der eigentlich dran war oder doch Julian, der sich dort schon einmal eindrucksvoll behauptet hatte? Und wie war der Zwischenstand in der Wertung eigentlich? Und wer sollte beim entscheidenden Lauf in der Re-

sidenz bleiben, um allzu forsche Andenkenjäger nicht in Versuchung zu führen? So viele Fragen, so viel Arbeit noch zu erledigen und so wenig Zeit bis zum Start. Ich schnappte mir eine Handvoll Weingummi, nur mal so, prophylaktisch. Die Frage, wer von vorne starten sollte, entschieden die Youngster in einer Sitzung im Laderaum des Trucks unter sich. Jan verzichtete auf das Privileg. Er war der Meinung, Julian sei da vorne richtig stark und er, Jan, habe in der letzten Saison ja genug Starts aus guten Positionen verstronzt und anschließend immer Plätze gut gemacht. Julian hatte nichts dagegen, ich denke mal, er fühlte sich da vorne ziemlich wohl und nach dem letzten Wochenende, wo er bei der Schweizer Meisterschaft zweimal am Start abgeräumt worden war, hatte er so richtig Lust auf einen guten Start. Wir lagen jetzt auf Platz 4 hinter Italien, Bulgarien und den Finnen, die uns aber, wenn alles normal ablief,

nicht gefährden konnten. Ein Rennen ohne Stürze oder technische Katastrophen sollte eigentlich für einen Platz auf dem Treppchen ausreichen, womit wir mehr erreicht hätten als irgendjemand erwartet hätte oder gar zu hoffen gewagt hätte! Blieb noch die Frage nach dem Unglücklichen, der die Residenz bewachen sollte. Alles in den Truck räumen war zu aufwändig, den Gedanken verwarfen wir schnell wieder. Sascha war an der Reihe, weil er als Mechaniker nicht in der Box gebraucht wurde. Sein Fahrer hatte ja Dienstfrei. J.P. wollte unbedingt vorne mit dabei sein, und ich musste ja das Rennen wieder aus dem Infield beobachten, um den Bericht schreiben zu können. Wir machten uns also auf zum letzten Gefecht und ließen einen tief traurigen Sascha zurück. In der Startaufstellung gab ich Julian einen Klaps und wünschte ihm viel Spaß. Jan bekam einen Händedruck mit auf den Weg. Sa-


SUPERMOTO DER NATIONEN BULGARIEN

gen konnte ich nichts mehr, ich hatte einen dicken Kloß im Hals. Auf dem Weg zur Startkurve rauchte ich die 100ste Zigarette an diesem Tag und positionierte mich dann wieder an der Stelle wo ich ein gutes Bild erwartete. Beim Blick durch den Sucher stellte ich einen Schleier fest und putze das Objektiv und den Sucher, der Schleier blieb. Ich wischte mir die Tränen aus den Augen und hatte wieder freie Sicht. Gerade rechtzeitig, denn die warm up laps waren absolviert, die Meute stand auf den Startplätzen und die Ampel stand auf Rot. Ich versuchte, beide Daumen zu drücken und gleichzeitig den Auslöser zu betätigen und siehe da, mit der richtigen Technik klappt das sogar. Von mir aus konnte es jetzt losgehen, ich war vorbereitet. Was sollte uns auch schon passieren? Entweder die Jungs fahren jetzt einfach durch und stellen sich nachher auf das Treppchen, oder irgendwas geht schief und wir fahren einfach so wieder nach Hause. Einfach so? Nein! Wir fahren wieder nach Hause, aber wir nehmen etwas mit. Wir nehmen Erfahrung mit, wir nehmen den Atem des Teamgeistes mit, den wir in den letzten Tagen tief in unsere Lungen gesogen haben. So tief, dass er uns ins Blut übergegangen ist. Wir nehmen viele Situationen mit, die sich uns ins Hirn gebrannt haben, wir nehmen neue Freundschaften mit, die wir hier geschlossen haben und wir nehmen den Respekt mit, den wir untereinander empfunden haben und der für ein Team oder eine Freundschaft so wichtig ist. Das klingt vielleicht pathetisch, aber genau das ging mir in diesen Sekundenbruchteilen, die zwischen dem Erlöschen der Ampel und dem Start des Rennens vergehen, durch den Kopf.

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Der Brecher ging als Zweiter hinter Mariani in die erste Ecke und hatte den Schweden Nilsson am Heck, der junge Bulgare Karanyotov war dem Druck nicht gewachsen und versaute seinen Start komplett. Als Zehnter kam er in der Kurve an. Jan wiederum bewies, dass er doch starten kann und machte gleich 3 Plätze gut - Sechzehnter in Kurve Eins! Danach wurde es lustig! Mariani stürzte und warf sich vor den Brecher, der nicht anders konnte und den italienischen Kollegen überrollte, aber durch die Nummer Plätze verlor. Er fackelte nicht lange und hatte schon in der nächsten Runde wieder Platz drei erobert. Mariani lag derweil weiter auf dem Track herum und verweigerte den Abtransport durch die Sanis. In den Boxen gingen die Bulgaren vor Wut darüber fast an die Decke, auch andere Teams zeterten und schimpften. Der Rennleiter blieb cool, ließ das Rennen weiterlaufen und stellte an der Unfallstelle eine Hundertschaft von Streckenposten auf, die mit gelben Flaggen den Zug an der Gefahrenstelle vorbei leiteten. Jan machte einen Platz nach dem anderen gut und Julian hatte sich im Heck von Nilsson verbissen. Auch im weiteren Verlauf war uns der Aufzynd gesonnen. Jan war nach sieben Runden bereits Siebter, hatte einen super Job geleistet und bekam aus der Box signalisiert, dass er auf Sicherheit fahren sollte. Julian bekam dieselben Signale und blieb am Schweden dran, riskierte aber nichts mehr. In Runde 5 hatte bereits der Hund von Bartolini die Flügel gestreckt und Karanyotov eine Bodenprobe genommen. Der Heißsporn versuchte zwar sich wieder nach Vorne zu fahren, lief aber dauernd auf Leute auf, die sich an seine Aktion aus dem

Qualifying Race erinnerten. Da hatte er Bolcek abgeschossen und nun zeigten ihm die anderen ziemlich deutlich, was sie davon hielten. Da wurde mal kurz die Bremse angetippt und Karanyotov knallte gegen ein Hinterrad, da rutschte ein Heck in der Kurve nach außen, genau vor sein Vorderrad und so weiter. Er kam einfach nicht weiter vor und wurde fuchsteufelswild. Das half aber auch nicht weiter, er machte immer mehr Fehler, letztlich ging noch sein Teamkollege an ihm vorbei, aber auch im Formationsflug konnten die Bulgaren nichts mehr erreichen. Julian wurde Dritter, Jan sensationell Siebter und dann nahm das Chaos seinen Lauf. Julian hielt nach der Zieldurchfahrt an der Ausfahrt der Strecke an und Georgia rannte zu ihm. Er hatte noch gar nicht realisiert, genau wie ich, was da gerade passiert war. Georgia sagte ihm, wie das Endergebnis lautete und er brach in wilden Jubel aus. Dann kam Jan dazu, wurde endlich auch aufgeklärt und legte die Suzi hin, um Julian anzuspringen und in wilden Jubel auszubrechen. Auf dem Weg hin zu den Beiden sah ich im Augenwinkel einen sich mit Lichtgeschwindigkeit vorwärts bewegenden Schatten (Nico) auf dem Weg von der Boxengasse zum Streckenausgang. Ich schätze, er hat für die etwa 400m nicht mehr als drei Sekunden gebraucht! Die Drei lagen sich in den Armen, schrieen, jubelten und stammelten, als ich ankam. Ich schrie, jubelte und stammelte mit und umarmte das Trio. Sascha war auch schon da, er hatte sich kurzerhand einen Hubständer geschnappt und den an den Streckenrand gestellt, so das er die Strecke und die Residenz im Auge behalten konnte. Der Funkkopfhörer, den wir


Tafel des Anstoßes Erboste Blicke bei den Offiziellen, als dieses Mammut-Board die TV-Kamera verdunkelte.

U-Turn „Achtung, in 40 Metern ist mit einer scharfen Kurve zu rechnen.“ - Vorbildliche Beschilderung der Strecke.

Ende? Doch dann sind alle durch, und auf dem Monitor steht: Winner GERMANY. Ich brülle es mit aller macht in meinen Funk “Wir sind WELTMEISTER“, damit auch der arme Sascha es mitbekommen soll. Doch der... (siehe oben). Sekunden später klingelt mein Handy, Nicos Teamchef Lars ist dran und brüllt irgendetwas wie: Geil Geil Geil! Ich gehe in Richtung Siegerehrung. Mami D. informieren, aber meine Finger zittern, ich kann keine SMS schreiben. Anrufen, aber warum geht da keiner dran. Dann, endlich, und ich schaffe wieder nur meine drei Worte. Keine Zeit, ich bin am Podium, es ist einfach unbeschreiblich! Da klingelt schon wieder mein Handy, verdammt. Der Suzuki-Chef fragt ungläubig: „Was habt ihr gemacht?“ -“WELTMEISTER!“ - „Was?“ - „WELTMEISTER!“ „Wie bitte?“ -“WELTMEISTER!“ Ich lege auf, muss meine Jungs umarmen. Was passiert hier eigentlich gerade?

SONNTAG AFTER RACE - NOPA

Vesi im Trophäenrausch Jans Mechaniker war sichtlich stolz auf den Trophäenwald innerhalb der Residenz.

ihm da gelassen hatte, muss während des Rennens wohl die Funktion eingestellt haben. Er erinnerte mich in dem Moment ein bisschen an den Hobbit Samweis Gamdschie, der auch ab und zu seine Aufgaben vergaß, wenn es irgendwo spannend wurde. Gemeinsam strebten wir in Richtung Siegerehrung, Jan rief die ganze Zeit nach seinem Zahn und alle redeten durcheinander. Ich ließ mich etwas zurück fallen, um einmal tief durchzuatmen - Weltmeister! Wir waren gerade Weltmeister geworden!

SONNTAG FINAL RACE - TOMMI Als ich aus der Startaufstellung in meine Rauchposition gehe, fühle ich mich ungewöhnlich ruhig. Kein Vergleich mit Freiburg, als der Junior erstmals aus der ersten Reihe startete. Komisch! Julian ist vorne dabei, auch Jan hat sich gut durchs Startgetümmel gewuselt. Bei der italienischen Arie denke ich, bloß nicht abbrechen. Denn Julian ist schon wieder auf drei, und Vierauge schon auf 13 – damit sind wir vor den Finnen, auf dem Podium! Dann überschlagen sich die Ereignisse. Der zweite Italiener rollt aus, und der junge Bulgare legt sich ab und fällt weit zurück. Ich registriere das nur am Rande. Eine Runde später notiere ich zufrieden, dass Jan auch den zweiten Finnen überholt hat, wir damit ganz sicher auf Platz drei sind. Uetze schaltet am Monitor rum, und da steht etwas, was ich verdrängen will, was mich total erschreckt: 1. Germany! Ich haue ihm auf die Finger und maule: „Das will ich nicht sehen“ (Sorry, war nicht so gemeint, Uetze!) J.P., der jetzt die Tafel für Julian macht, und Vesi sind total aus dem Häuschen. „Gebt den Jungs Info, Platz

halten, kein Risiko“ erkläre ich. Folgsam schreiben die das auch aufs Board, aber vergessen es glatt, die Tafel rauszuhalten, sondern feuern die Jungs mit wilden Bewegungen an, unterstützt von Nico. Nach einem kritischen Blick werden in der nächsten Runde dann doch die Tafeln gezeigt, aber sehen das die Fahrer auch? Jan zumindest, denn der hängt schon dem sechsten im Auspuff und schaut völlig entgeistert zu uns. Ruhig fahren? Ich will nicht an die 1 denken, sicher auf das Podium ist das Ziel, und das ist jetzt ganz greifbar, wenn da keiner Mist macht! Georgia bittet zum Interview, ich will nicht, will den Monitor, die Jungs und die Gegner im Blick behalten, meinen Kopf frei haben. Das ist jetzt meine 35. Saison im Motorradsport, und ich habe schon so viel erlebt, gerade bei Teamwettbewerben. Denn bis zum Beginn des Supermoto Anno 1993 war meine Heimat der Endurosport, Six-Days und so. Doch die kleine Engländerin ist gnadenlos und spricht das verbotene Wort: Germany First! Jetzt brechen bei mir alle Dämme, ich gebe das wohl grauslichste Interview meines Lebens, und darf dann schnell wieder meine Kopfhörer aufsetzen. So, wo sind die Jungs? Zwei Runden noch. Letzte Runde, wir verfolgen jeden Meter. Bei Julian ok, der ist auf dem Bildschirm, Jan entschwindet hinter den Hügeln. Zwischenzeit, ja Jan ist durch, da taucht Julian in der Sky-Section auf, mach bloß keinen Mist! Auch Jan verkneift sich einen allzu heftigen Abschluss-Whip, die letzte Kurve. Die Mechaniker klettern fast über die Boxenmauer, jubeln, schreien, toben. Ich bin noch nicht soweit, was machen die Bulgaren noch am

Dann kamen auch die anderen aus der Box angelaufen und die Umarmerei ging von vorne los. Ich umarmte Tommi, Vesi umarmte Jan und gab ihm endlich den Zahn, den er in der Hosentasche hatte, J.P. umarmte Julian, Sascha umarmte Uetze, der wiederum mich umarmte und dann kamen J.P. und Vesi um mich zu umarmen und Nico umarmte Tommi und so weiter. Es war unglaublich, Tommis Handy klingelte permanent. Er ging immer brav ran und sagte dann jedes Mal mehrfach „Weltmeister!“ bevor er wieder auflegte. Die Jungs bekamen Wasserflaschen und nasse Tücher gereicht, um sich einigermaßen in Form zu bringen, dann gab es noch frische Dunlop Caps, die auf den Teamcaps landeten und währenddessen umjubelten, umkreischten und umarmten wir uns alle Gegenseitig. Die Zeremonie ging los, das Treppchen wurde von den drittplatzierten Finnen erobert, dann von den Bulgaren und dann von Team Germany. Ich rannte mit der Kamera rum und suchte einen guten Platz zum Fotografieren. Inzwischen war im Journalistenkäfig schon mächtig was los. Ich schlich mich vor die Absperrung, aber ein Wachmann hatte etwas dagegen. Ich verwies auf mein Teamhemd, aber der Kerl hatte absolut keinen Respekt vor einem frisch gebackenen Weltmeister. Da kam Daniele Rizzi angelaufen und sagte zu dem Zerberus: „This guy is allowed to do everything!“ Endlich mal jemand, der mich wirklich zu würdigen weiß! Die Siegerehrung ging inzwischen weiter, die Pokale waren verteilt und die 50 Liter fassenden Schampuspullen waren bei den Fahrern angekommen. Jetzt war Badetag angesagt, jeder begoss jeden mit der klebrigen Plörre, Nico in seinem Überschwang sogar sich selbst. Dann gab es noch Medaillen, irgendwelche Platten und ein Foto der Fantastischen Drei samt ihren Motorrädern, bevor es in einen vorbereiteten Raum zur Pressekonferenz ging. Uetze hatte sich inzwischen verabschiedet um die Residenz zu bewachen. „Ich muss da nicht die ganze Zeit dabei sein, das ist schließlich mein elfter Weltmeistertitel, ich bin da ja schon Profi!“ Zur Pressekonferenz

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SUPERMOTO DER NATIONEN BULGARIEN waren die Fahrer und der Teamchef gebeten, die Teams nahmen an dem großen Tisch Platz und wir Fotografen machten noch mehr Bilder von ihnen und den Pokalen. Dann gab es die üblichen Fragen, Daniele führte das Interview und übersetzte, wenn nötig. Die Bulgaren waren ziemlich angefressen, die Finnen konnten gar nicht glauben, dass sie Dritte geworden waren und Team Germany war....äh....ja also...Team Germany war …... Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Team Germany war WELTMEISTER! Tommi erklärte, wie es dazu gekommen war und dann war die Pressekonferenz vorbei. Sasho Georgiev sprang gleich nach seinem Interview auf und lief aus dem Raum, alle schauten etwas verwirrt, aber die bulgarische Pressereferentin hatte die Erklärung gleich parat: Georgiev war gerade im Begriff, Vater zu werden! Das ist eine durchaus zu akzep-

rufe annehmen, Bier trinken oder uns einfach nur umarmen mussten. Trotzdem waren wir irgendwann fertig. Der Truck stand fertig geladen bereit, um am nächsten Tag wieder die lange Reise anzutreten und wir hatten uns von den noch Anwesenden verabschiedet. Nico steuerte den Vito zurück ins Hotel, ohne Zwischenfälle, was erstaunlich war. Ich denke mal, der bulgarische Sportminister hatte eine entsprechende Weisung an die Polizei gegeben. Wir verabredeten uns zum Abendessen nach der nötigen Dusche. Im Restaurant saß schon das spanische Team und genoss die uneingeschränkte Aufmerksamkeit des Personals. Heute teilten sich die Domina und Freddie Frinton die Arbeit, aber wir mussten erst einmal warten. Versuche, etwas zu bestellen, wurden mit einer Handbewegung abgetan. Tommi erklärte dem Duo Infernale, dass wir gerade Weltmeister gewor-

Umarmung verließen die Beiden mich und ich fiel wie ein Stein ins Bett und schlief auf der Stelle ein. Weltmeister werden ist ganz schön anstrengend.

SONNTAG AFTER RACE - TOMMI Du hast gerade den größten Erfolg in Deinem Leben erzielt, aber keine Zeit, es zu kapieren, zu verdauen oder es zu genießen. Denn die Hektik vor dem Podium ist unbeschreiblich. Zeremonien-Meister Foxy schreit „Hurry up, Pricegiving.“ Jan ruft nach seiner Brille, die zwischen Zieldurchfahrt und Weg zum Podium einen neuen Besitzer gefunden hat. Und überhaupt alle durcheinander! Doch soviel Zeit muss sein: Den Junior ganz besonders in den Arm nehmen, und er mich. Denn das haben wir ganz schnell kapiert - als Vater und Sohn so etwas gemeinsam zu machen, ist schon gaaaanz was Einmaliges!

Heute teilten sich die Domina und Freddie Frinton die Arbeit...

tierende Entschuldigung für sein Verhalten. Anschließend gab es noch die Ehrungen für die jeweiligen Gewinner der einzelnen Klassen, Julian war bester S1 Fahrer, Gaspardone bester S2 Pilot und der Spanier mit dem wohlklingenden Namen Ruben Retuerta de Diego gewann die Open Klasse. Noch mal Fotos und dann war der Spuk vorbei. Ich entschuldigte mich bei Tommi und verschwand im Pressebüro, um meinen Bericht für die Speedweek zu tippen und meine Bilder zu speichern. Während ich auf das Laden der Bilder wartete, unterhielt ich mich mit Georgia und Daniele, die beide sehr erfreut über unseren Sieg und die Herzlichkeit des Jubels waren. Niemand hatte damit gerechnet, dass die drei Young Guns from Germany derartig abräumen würden, aber alle freuten sich darüber. Naja, die Bulgaren wohl nicht, aber auch Gaspardone war gekommen um zu gratulieren, als er mich anhand des Hemdes als Team Member erkannte. Nachdem ich den Bericht in den weltweiten Netzäther gejagt hatte, packte ich mein Equipment zusammen, verabschiedete mich von Georgia und Daniele und eilte schlanken Fußes zu unserer Residenz. Das Fahrerlager hatte sich schon ziemlich gelichtet, unser Vorzelt und die Pavillons waren abgebaut und mehrere Haufen Materials warteten darauf, verladen zu werden. Der Vito stand mit offenen Türen daneben, lautes Geräusch drang daraus hervor und auf der Rückbank lagen sie, die Objekte meiner Begierde: Mehrere gut gekühlte Flaschen mit feinem Gerstensaft gefüllt. Ich meldete mich beim Teamchef mit einer Umarmung zurück und riss mir erstmal ne Kanne auf. Dann stand ich da, Bier rannte meine Kehle runter und ich schaute auf in den Himmel über Bulgarien. Eine weitere Träne floss aus meinem Knopfloch und ich umarmte innerlich die ganze Welt. Hatte ich schon erwähnt, dass wir soeben Weltmeister geworden waren? Das Verladen des Geraffels zog sich hin, weil wir uns immer wieder gratulieren, Telefonan-

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den waren und so ließen sie sich immerhin erweichen, ein paar Bierchen zu bringen. Wir prosteten den Spaniern zu und warteten darauf, auch etwas bestellen zu dürfen. Tommi hatte übrigens endlich sein weißes Teamchef Hemd an und natürlich war auch der Monsterpokal dabei! Die Sportfahrer probierten ein paar alkoholische Getränke und langsam wurde es Zeit für feste Nahrung. Nach dem dann doch noch servierten Essen machten sich Jan, Julian, Nico, Sascha, Vesi und J.P. auf in die City, man war mit anderen Teams zur After Race Party verabredet. Uetze, Tommi und ich genossen die Stille im Restaurant, bis dort Feierabend war. Die Spanier erzählten etwas von einer Bar gleich um die Ecke und wir wackelten mal in die angegebene Richtung, Tommi hatte seinen Pokal immer noch dabei. Die Bar war gar nicht so weit weg, aber als wir dort ankamen, war angeblich das Bier alle. Wir wackelten also zurück, ich hatte noch ein paar Dosen in der Minibar geparkt. Auf dem Zimmer tranken wir die letzten Vorräte (die dann auch reichten), fachsimpelten und freuten uns. Nach einer letzten

Ein Moment der Ruhe, als die deutsche Nationalhymne für uns auf dem Podium spielt. Du stehst da oben, hast das Ding schon 1.000 mal gehört, aber jetzt läuft mir ein Schauer über den Rücken und wir alle verdrücken ein paar Tränchen. Nach der Pressekonferenz endlich zurück ins Paddock. Aufräumen, denn wir sind ein kleines Team, da muss auch das gemeinsam erledigt werden. Aber meine Worte verhallen ungehört. „Nimm mal erst ein Bier“, erklärt Uetze ganz ruhig, und reicht mir eine von den Dosen, die er gerade an der Bude gekauft hat. Wir waren auf so etwas nicht vorbereitet. Nach einem weiteren TV-Interview und zahlreichen Gratulationen per Handy und auch aus dem Fahrerlager beginnen die Arbeiten. Wo ist eigentlich mein Charly-Roller? Ah, der steht hoffentlich noch im Vorstart, habe ich einfach vergessen. Nico findet den Racer tatsächlich noch, ich düse ins Rennbüro, noch ein paar Listen holen. Aber da gibt es noch eine kleine Überraschung, einen Pokal für jeden Fahrer. Vesi schleppt die Teile zurück, die Arbeiten


werden unterbrochen und erneut fotografiert. Bier ist alle, ich düse zur Bude. Alles abgebaut, der Schwede ergattert noch ein letztes Döschen. Mist! Aber unsere Nachbarn helfen jetzt uns. Irgendwie erklärt der Nordmann dem Bulgaren, dass wir gerade Weltmeister geworden sind. Und so werden die letzten Flaschen zusammengerafft, die das Personal noch findet. Gut, das wir Weltmeister geworden sind, so kann die Abbau-Party kann weiter gehen! In völliger Dunkelheit erledigen wir im Scheinwerferlicht des immer noch als Beat-Box dienenden Vito das letzte Einräumen, bevor es ins Hotel geht. Ich muss jetzt das Weiße anziehen, das Graue stand vor Sekt. Außerdem sieht das beim Personal wichtiger aus, dachte ich. Aber letztendlich wirkte es doch, die älteren Herren durften an diesem Abend sämtlich Biersorten trinken, die das Hotel jemals im Angebot hatte. Ein Querschnitt durch das Angebot an Europas Braukunst oder solcher, die dafür gehalten wird. Die Krönung war der Abschluss mit Amstel Gold. GOLD!

MONTAG - NOPA Der Montagmorgen begrüßte mich mit Kaffee, dem man zugestehen konnte, dass er heiß war. Auch das Rührei war schon aufgetaut und so langte ich ordentlich zu. Eigentlich bin ich kein Frühstücksfan, aber in Anbetracht der vor mir liegenden Strecke wollte ich meinen Magen doch teilweise füllen. Vor uns lagen wieder die knapp 2500km und in Rumänien wollte ich mit dem Truck wirklich nicht anhalten. Meine Erfahrungen an den Grenzen und die Eindrücke der Reisen im letzten und in diesem Jahr machten mich etwas vorsichtig und ich wollte doch niemanden in Versuchung führen. Ich nahm also Rührei, Schwammtoast (das Toast war nicht besser als an den anderen Tagen), Tomaten, Gurke und diesen ganz besonderen Schinken. J.P. kam dann auch dazu. Er war irgendwann nachts zurück gekommen. Ich hoffte, dass er gut geschlafen hatte. Uetze war auch schon wach und der Teamchef kam dann auch noch dazu. Gemeinsam tranken wir den langsam kälter werdenden Kaffee und rauchten ein paar Zigaretten. J.P. erzähl-

Gemischtwarenladen Aus der Vorbeifahrt aufgenommenes Einkaufszentrum in einer rumänischen Innenstadt.

Betonsilo Keine Ahnung weshalb der Trucker das knipste und weshalb der Grafiker dieses Bild einbaute.

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SUPERMOTO DER NATIONEN BULGARIEN

Mittelschicht In solchen Bauten haust der durchschnittliche Rumäne

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Familienausflug Kein ungewöhnliches Bild im osteuropäischen Straßenverkehr.

te ein bisschen von der Party der Weltmeister, die Details hierzu müssen aber weder hier noch sonstwo ausgebreitet werden. Also brachen wir schnell das Gespräch ab und Tommy brachte J.P. und mich zum Truck. Wir packten unsere Taschen ein, ich packte noch ein paar Getränke aus dem Laderaum ins Führerhaus und dann starteten wir. J.P. übernahm den ersten Turn, ich hatte vorgeschlagen, im vier oder fünf Stunden Wechsel zu fahren und J.P. schien einverstanden. Wir waren gerade mal zehn Minuten unterwegs, als wir schon wieder gestoppt wurden. Eine Polizeistreife winkte uns von der Piste und J.P. fuhr rechts ran. Der Polizist wollte Papiere, Führerschein, Ausweise und J.P.s Gurt sehen. Die Papiere waren schnell gefunden, der Gurt hing in seiner Aufhängung und war nicht diagonal über J.P. gespannt. Nach weiteren zehn Minuten und zwei Caps setzten wir die Fahrt fort. In Bukarest verfuhren wir uns, wie im Jahr zuvor auch schon, nur hatten wir letztes Jahr kein Navi. Nachdem wir den Fehler erkannt hatten, versuchten wir, auf der vierspurigen Fahrbahn zu wenden, was sich aber als schwierig erwies. Wir mussten knapp fünf Kilometer weit fahren, bis sich eine Möglichkeit ergab, den Truck zu wenden. Irgendwie fanden wir den Weg an Bukarest vorbei Richtung Grenze und bald war meine Brücke in Sicht. Mein Besitzerstolz brachte mich dazu, J.P. zu bitten, das Steuer übernehmen zu dürfen, aber er war abweisend. Belgier haben bestimmt Humor, er ist nur gut versteckt. Vor der Brücke stand wieder so ein Häuschen, in dem Jemand saß, dem man Geld geben musste. Ich gab dem Mann das Geld und wir rollten über die Brücke. Wir rollten, weil der Fahrbahnbelag stark an die Sky Section in Pleven erinnerte und wir den Truck nicht frühzeitig zerstören wollten. Auf der anderen Seite der Brücke stand wieder ein Häuschen und davor stand wieder ein Mann, dem man Geld geben sollte. J.P. packte seinen belgischen Humor aus und sagte dem Mann auf Französisch: „Wir haben bereits gezahlt und zahlen jetzt nicht mehr!“ Der Mann drehte sich um und verschwand in seinem Häuschen. Tja, wenn man noch keine 40 Stunden Fahrt hinter sich hat, kann man auch mal sicher auftreten, Pech für den Nebenerwerbszöllnerimitator. Die Grenzkontrolle hielt sich auch in Grenzen. Der Uniformierte wollte in den Laderaum gucken, bekam zwei Caps und dann waren wir wieder auf Tour, Rumänien wollte von uns genommen werden. Wir kamen nur langsam voran, Staus und wahnsinniger Verkehr bremsten uns immer wieder ein, Baustelle reihte sich an Baustelle, die Innenstädte, die wir durchqueren mussten, waren voll gestopft. Der Tag neigte sich schon wieder dem Ende und wir waren immer noch in Rumänien. Es wurde langsam dunkel und dem Navi wurde langweilig. Um etwas Spannung aufkommen zu lassen, lotste uns die freundliche Stimme falsch herum in eine Einbahnstraße. Das ist nicht weiter schlimm, wenn man nicht gerade auf der Transitstrecke unterwegs ist, auf der täglich Millionen LKW pendeln und die Straße breiter ist als 3m. J.P. war auch nicht sehr einsichtig, er meinte, die anderen könnten doch bitte schön warten,


bis er mit seinem Regelverstoß fertig sei, bevor sie weiterfahren. Alles in allem brauchten wir ungefähr eine Viertelstunde für die 200 Meter. Danach standen wir wieder im Stau. Wir waren jetzt schon zehn Stunden unterwegs und ich hatte J.P. mehrfach angeboten, das Steuer zu übernehmen. Er hatte immer abgelehnt, fühlte sich noch fit und wollte unbedingt weiter fahren. Jetzt stellte ich wieder diese Nachtsichtschwäche bei ihm fest und wurde autoritär. Er gab auf und ließ mich fahren. Irgendwann erreichten wir endlich die Grenze zu Ungarn, glitten relativ unerkannt durch und machten dann, infolge einer Baustelle und eines völlig verwirrten Navi‘s eine kleine Stadtrundfahrt, bevor wir wieder auf den richtigen Weg fanden. Als wir Ungarn etwa zur Hälfte durchquert hatten, zeigte das Navi eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 36 km/h an und ich war total erfreut. Einen 36er Schnitt musst Du in Walldorf auf der Kartbahn erst mal schaffen!

MONTAG - TOMMI Als ich mit J.P. und nopa zum Track aufbrach, bat ich Uetze, die Herren Weltmeister zu wecken. So gegen zehn sollte es ja nach Sofia zum Flughafen gehen. Am Track gab es dann noch einen Blick auf das verlassene Fahrerlager, bevor ich mich von den beiden Truckern verabschiedete. Etwas in Hektik kam ich gegen 10:30 Uhr im Hotel an. Dort waren in der Lobby aber nur Uetze und Julian zu sehen, sowie ein dritter Koffer. „Wo ist der Rest“, fragte ich entsetzt, und Uetze meinte nur ganz trocken, das alle zumindest schon mal auf ihren Zimmern wären. Dann tauchte Vierauge aus dem Frühstücksraum auf, ein fettes Stück Torte in der Hand. Oje, das

Sabbi und die Elfe aus Bonn, und auch ein hektischer Fotograf vom heimischen Tageblatt. Also wurde es wieder Mitternacht, alles erzählen, Trophäen zeigen.

DIENSTAG - NOPA Aber auch Ungarn schafften wir, dann Österreich und schließlich näherten wir uns dem Tankhof Irschbergen bei München. Ich hatte zwischendurch auch meine zehn Stunden Fahrzeit abgerissen, J.P. war dann wieder zwei Stunden eingesprungen, in denen ich auf dem Beifahrersitz geschlafen hatte. Dann war J.P. aber zu müde und ich hatte wieder übernommen. In Irschbergen trafen wir den Weltmeister Julian B(r)echer und übergaben ihm sein Material. Ich hatte den Kerl ja am Montagmorgen gar nicht mehr gesehen und umarmte ihn erst mal. Das Jubeln schränkten wir stark ein. Der Parkplatz war voll mit Rentnern, die gerade mehreren Reisebussen entstiegen waren und in die Raststätte strebten um dort Magnetarmbänder, Wärmedecken und silberne Kaffeelöffel fast geschenkt zu bekommen. Nach dem Umladen irrten J.P. und ich über die Raststätte, um das normale Restaurant zu finden, In der amerikanischen Schnellfrikadellenbraterei wollten wir beide nicht essen. Das Restaurant versteckte sich hinter mehreren Bäumen am Ende des Rastplatzes, aber wir fanden es trotzdem. Ich gönnte mir einen schönen Salatteller und ein Schnitzel, J.P. wählte die Roulade, eine gute Mahlzeit war jetzt angesagt, wir waren schon über 24 Stunden unterwegs. Nach der Mahlzeit und mehreren Litern Kaffee fühlte ich mich fit für den letzten, kleinen Rest der Strecke. Schlappe 600 km trennten uns von Bensheim und danach wäre es nur noch ein

um mein Hirn anzustrengen. Wir packten das Zeug aus dem Truck in Jannis Auto und in den T4 und den Anhänger vom Vierauge und verabschiedeten uns dann von den Beiden. Jannis hatte übrigens eine neue Frisur, Kurzhaarschnitt. Sah ziemlich fesch aus, der alte Grieche. Die letzten 250 km prügelte ich den T4 über die Autobahn, lieferte mir lustige Rennen mit einem portugiesischen LKW Fahrer und ein paar bekloppten BMW Fahrern. Ich glaube, es war nach 21 Uhr, als wir in Iserlohn ankamen, kann mich aber nicht wirklich daran erinnern. J.P. wurde nach Hause gebracht, ich trank mit Tommi solange Bier, bis auf dem Küchentisch kein Platz mehr für das Leergut war und danach fiel ich ins Bett und in einen tiefen Schlaf.

DIENSTAG - TOMMI Auch der nächste Tag, wieder im Büro, war nicht produktiv im klassischen Sinne. Aber, danke an meine Mannschaft dort. nopa meldete sich zwischendurch, seine Nöligkeit schien sich etwas zu steigern. Gegen 23 Uhr (ja, das ist nach 21 Uhr) tauchte die Truppe auf unserem Hof auf. Vierauge brachte, wenn auch erst nach einer knappen, aber unzweifelhaften Ansage von nopa, J.P. noch 70 km weiter in seine Heimat. Der unpanische beantwortete die Frage nach einem Bier mit einem genauso knappen JA. Wir gönnten uns in ruhiger Zweisamkeit noch die eine oder andere Erinnerung (inkl. Pils) und ließen die neue Tischdekoration extra als Erinnerung für Mami D. stehen.

Den nächsten Morgen verbrachte ich mit Mami D., die mir aus der Parallelwelt erzählte

...die Kiste dreht nur bis 5.000

muss heftig gewesen sein. Eine gute halbe Stunde später waren auch Nico, Sascha und Vesi überzeugt, dass Flugzeuge in der Regel sehr genaue Abflugzeiten haben. Nach einer kurzen Auseinandersetzung mit der sehr gut bulgarisch sprechenden Rezeptionistin über unsere Rechnung konnten wir dann nach Elf endlich starten. Im Auto ging es zunächst zu wie bei einer Klassenfahrt, alles erzählte wilde Wortfetzen, der Rest brüllte, ich verstand nix. Zum Glück schlief die Truppe bald ein. Am Flughafen verabschiedeten wir die Bayern kurz vor knapp, mit dem Rest noch schnell zu McD. Die haben fast den ganzen Laden leer gekauft, Post-Alkoholische Fresssucht! Jeder krabbelte danach in seinen Flieger, ich wichtig mit dem Pokal in der Hand. In Düsseldorf erwartete uns Mami D. und ein paar Fans, sogar ein Transparent kam (wenn auch etwas spät..., Miro & Jana). Jan und ich freuten uns auf Ruhe zu Hause, ein Bierchen (für mich) und Stream im Internet gucken (Jan). Doch daraus wurde nix, Weltmeister wird man nicht alle Tage, die Terrasse war voll mit Leuten! Jungs vom Club, der SpoKo, DJ Mattes, Jan’s erster Mechaniker, sogar

Katzensprung. Ich rief Tommi an und teilte ihm den aktuellen Stand der Reise mit. Das Navi zeigte zehn Stunden an, aber wer sich schon im Weg irrt, hat mein Vertrauen verloren, ich rechnete mit sieben Stunden bis Bensheim. Tja, was soll ich sagen? In Deutschland war das Navi wieder auf sicherem Boden, kannte das Verkehrsaufkommen besser als ich und gewann den Wettbewerb um die beste Prognose. Als wir in Bensheim ankamen, war es fast schon dunkel, es nieselte und Jannis, der uns empfangen sollte, war nicht da. Ich telefonierte mit Tommi, der konnte mich aber auch nicht trösten. Insgeheim hatte ich erwartet, dass mehr Leute da wären, um die Umlade Aktion zu bewältigen. Da ich danach immer noch drei Stunden fahren sollte, war ich schlecht gelaunt. Das bekam Tommi dann zu spüren, als ich ihn nach Jannnis und Nicos Ankunft anrief, um nachzufragen, welche Sachen in dem Truck denn nun von ihm oder von Lars seien. Jannis und Nico hatten natürlich keine Ahnung davon, welche Kiste oder Bierbank von Lars waren und welche von Tommi. Ich hätte das vielleicht unterscheiden können, war aber inzwischen viel zu müde,

MITTWOCH - NOPA

und mich dann, gegen Mittag, zum Autoverleiher brachte, wo ich den Nissan Note übernahm und nach Hause fuhr. Das Ding regelte doch tatsächlich bei 5000 U/min ab.

SCHLUSSWORT - NOPA Das war das Abenteuer SMoN. Wer nicht dabei war, hat wirklich etwas verpasst, ich hoffe aber, mit diesem Bericht Euch allen, die Ihr nicht dabei sein konntet, einen Einblick gegeben zu haben. Das, was die Jungs da erreicht haben, ist unglaublich, aber es ist wahr geworden, weil wir als Team agiert haben. Jeder von uns hat irgendwie einen Beitrag zu dem geleistet, was dabei heraus gekommen ist. Jeder von uns darf stolz auf das sein, was er dazu geleistet hat und jeder von uns freut sich auf das nächste Jahr, in dem wir hoffentlich die Chance bekommen, diesen Titel zu verteidigen.

SCHLUSSWORT - TOMMI Am Mittwoch Abend beendete dann der Anruf von nopa: „... die Kiste drehte nur bis 5.000“ offiziell das Ende des Supermoto of Nations 2009 für das Team Germany.

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WAS IST MOTOMONSTER.DE

Sei kein Frosch - sei ein

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Bauch rein, Brust raus und die Augen geradeaus. MotoMonster.de startet durch und bietet Euch alles was der Gaskranke im Internet braucht. Wir freuen und auf Euch und die neue Saison.

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ur wenige Eingeweihte haben bislang das Wissen, das in der Zukunft unsere Welt verändern wird. Nur sie wissen, dass es dort draußen im weltweiten Netz einen beschaulichen Ort gibt, an dem sich alle Gaskranken treffen können, um gemeinsam ihrem Hobby zu frönen und sich darüber auszutauschen - www.motomonster.de heißt dieser Ort, an dem Träume wahr werden und an dem es überall nach verbranntem Gummi und Sprit duftet. Wem Facebook zu schnöselig und Youtube zu unpersönlich ist, wer sich lieber mit normalen Menschen über Endtöpfe oder Reifen unterhält, als mit Yuppies über die Weltwirtschaftskrise zu philosophieren, wer sich lieber die neuesten Bilder seiner Kumpels anschaut als die neueste Kellnerin von Taiger Wutz, der wird sich als Monster wohler fühlen als in seinem früheren menschlichen Dasein. Monster sind von Natur aus hässlich, aber

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durch die Gemeinschaft der Monsterhöhle können sie neues Selbstvertrauen tanken, und manchmal sogar Freunde finden, die sie verstehen. Der Gaskranke hat hier unter Gleichgesinnten die Möglichkeit, seine persönlichen Videos hoch zu laden, Fotos in verschiedenen Alben anzulegen, über seinen Gemütszustand oder die aktuelle Tätigkeit zu berichten oder, Tiefschürfendes oder Unsinniges zu bloggen, und das Feedback ähnlich Denkender zu erhalten. Die Kommentarfunktion auf MotoMonster ist allübergreifend und genau wie man selbst, freuen sich auch Andere über Meinungen von Freunden. Darüber hinaus stellt ein ausgesuchtes Team an Redakteuren News aus den verschiedenen Bereichen des Motorradrennsports bereit, die man in der Form nicht in anderen Portalen findet. In erster Linie geht es darum, den

Motorsport-Begeisterten eine Möglichkeit zu bieten, Medieninhalte austauschen und selbst aktiv mitwirken zu können. Das MotoMonster-Team freut sich über jede Zuschrift und jede Idee der User. Auch Gastredakteure sind immer gern gesehen. Das Team ist offen für alle Arten von Wahnsinn! Das Monster wurde im Juli 2007 erstmals ins Auge gefasst und in den benzingeschwängerten Gehirnen abgespeichert. Viele der Features sind im aktuellen Erscheinungsbild noch nicht umgesetzt, warten allerdings nur darauf, in Angriff genommen zu werden. Ein Teil nach dem anderen wird nach und nach ins Monster eingebaut werden, und ihr könnt Euch sicherheitshalber schon mal drauf freuen. Das alles ist natürlich noch streng geheim. Wir könnten Euch sagen, dass es z.B. eine hammergeile Gridgirl-Galerie geben wird, aber dann müssten wir Euch danach töten. Also habt Geduld und werdet zum Monster...


Gratis-Shirt bei der Anmeldung Für die ersten 500 Mitglieder haben wir in Kooperation mit unseren Partnern von WP Germany, X-Lite, Bridgestone und Carbon Performance ein einmaliges Will-

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News und Berichte Die etwas andere Aufbereitung Wir präsentieren auf MotoMonster.de aktuelle News aus verschiedenen Rennsportbereichen und bereiten diese ein wenig frecher auf, als es andere sich trauen. Aber vor allem schaut es lecker aus und wird mit Medien gespickt präsentiert. Wir entwickelten den Premiumbericht, welcher Magazin-Layout mit der Homepage verbindet. In einem Premium von MotoMonster können wir somit nicht nur mit Bildern und Texten spielen, sondern auch interessante Videos direkt dort wo sie benötigt werden einblenden. Wer selbst dazu beitragen möchte und aus seiner Serie berichten mag, der kann dies jederzeit tun. Gastredakteure werden mit offenen Armen empfangen und bekommen die Möglichkeit sich und ihren Sport zu präsentieren. Im Grunde ist das Ziel ganz einfach definiert. MotoMonster.de wird nicht zur Newsletter-veröffentlichenden OnlineHure der Industrie avancieren, sondern steht auf eigene authentische Inhalte. News der Industrie lassen wir aber nicht aus. Sie sind in einem eigens dafür geschaffenen Bereich nachzulesen.

Community Gemeinsam sind wir stark Die Lobby des Motorradfahrers: Im Sinne der Kritiker sind es Gebückte, die mit rasendem Übereifer die Landstraßen unsicher machen. Aus dem Blickwinkel der Fastfood fressenden Abhäng-Jugend ist es Papa, der Sonntags bei schönem Wetter seine GoreTex Klamotten anzieht, den Klapphelm bereit macht und mit Futzie-Sonnenbrille unterm klaren Visier auf seine 300 Kilo schwere Geländemaschine aufsitzt, um kurz darauf am geteerten Horizont zu verschwinden. Jedem Monster ist klar, das wahre Gaskranke anders sind als die geschilderten Mythen. Es gibt sie zwar, nur stellen sie polarisierende Auswüchse der Zweirädrigkeit dar. Den speziellen Humor und die Lebensphilosophie teilt man doch am besten mit denen, die genau so ticken, und in deren Gesellschaft man sich wohl fühlt. Daher bietet MotoMonster.de die Möglichkeit sich mit Wort, Bild und Video auszutauschen. Ein Gedanken- und Interessenpool entsteht, der bei jungen Menschen hoffentlich anregt, was jedem Monster in seiner Kindheit beim Anblick eines Motorradfahrers faszinierte.

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