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Vierkanttretlager HÜSEM/54°/29N,9°3O

NR1 / 2012

D I E G R A U E S TA D T A M M E E R

HEUTE ERSCHIENEN

DIE NATUR GREIFT AN! 27/01/2012

Die Natur greift also an im hohen Norden der Republik. Der Wind peitscht, der Regen prasselt und die Flutwellen schlagen dem Seebären die Pfeife aus der Hand. Darum wird es wohl gehen auf dem Debütalbum der Husumer Vierkanttretlager, wenn es nun schon „Die Natur greift an“ heiSSt. Das möchte man denken und liegt wunderbar falsch: Die hier besungene Naturgewalt ist eine weitaus weniger effekthaschende als es der Titel vermuten lässt, es ist der schleichende Tod. Die Gewissheit der zukünftigen Reue, wenn aus den jungen Männern endlich Greise geworden sind. Der Titel beschreibt in all seinem Pathos am Ende nur die schlichte Erkenntnis der eigenen Sterblichkeit. Eine Erkenntnis die typischerweise mit dem Abschluss eines Lebensabschnitts einhergeht. Dennoch mag man nicht recht sagen, ob es jugendlicher Hochmut ist oder eine alte Seele, die die Texte der Band belebt. Das Zwiegespräch, das Sänger Max Richard Leßmann mit seiner Welt führt, ist ein kühles, bedachtes .

Doch immer wieder zieht ein Schleier aus Eifer und Spott über die gesetzten Worte, immer dann, wenn der Junge dem Greis ins Wort fällt. Dieser Zwiespalt zwischen Weisheit und Wut ist ebenso zentral wie der zwischen Gesellschafts- und Selbstkritik: Soviel es auch zu hadern gibt, Vierkanttretlager fangen bei sich selbst an. Sie zücken keinen Zeigefinger, der nicht auch auf sie selbst zeigt. Sind Kläger und Angeklagte zugleich. Niemand, der hier seine Wunden leckt, bevor er sie reichlich gesalzen hat. Von Angesicht zu Angesicht mit den Fehlern der Menschheit, die alle wieder unsere eigenen sind. Hier steht der jugendliche Greis zwischen Ohnmacht und Tatendrang.

Kernstück dieses Wechselspiels aus Entwicklung und Stagnation, der Menschwerdung und der Idee einer Flucht ist die dem Debüt-Album namensgebende Trilogie am Ende des Tonträgers. Beginnend mit „Um Schönheit zu sehen“ setzt sie in dem Lebensabschnitt ein, in dem sich die Protagonisten befinden. Ausgestattet mit dem Wissen und den Regeln unserer Zeit stehen sie da und beginnen sich fremd zu fühlen. All das Gerede, das ihren Alltag formt, ist zu statisch und formelhaft. Wie viel davon sind tatsächlich wir? Sie beginnen also mit winzigen Befreiungsschlägen, auf die immer größere folgen. Sie legen ab, was ihnen nicht mehr

passt, machen sich mehr und mehr los von Allem und stranden so in das nächste Stück: „Keine Menschen mehr“ erzählt von dem gescheiterten Versuch frei zu sein und wirft wieder Fragen auf . Wiegt die Notwendigkeit menschlicher Dogmen immer mehr als der unbändige Widerwillen dagegen? Ist der Schutz der Masse genug, dass man in ihr verschwinden mag? Aus der Gewalt dieses inneren Kampfes wird man zunächst in die anfängliche Stille eines Sprechstücks entlassen. Eindringlich erzählt die personifizierte Menschheit, ein unüberschaubares Wir, vom Beginn eines neuen Lebens. Schwankend zwischen der kühlen Erhabenheit der Masse und der Ehrfurcht vor diesem

Moment, weiß sie doch schon vorher, wie es nun weitergeht und weiß doch so reichlich wenig. Den neuen Menschen in den Armen wiegend ist „Gib deinem Leben keinen Sinn“ der Leitfaden durch die noch unerschlossene Welt und gibt diesem traurigen Satz einen doch hoffnungsvollen Kontext. Nur ohne Zwang lockt der Gewinn. Greis und Junge lassen sich in einem Paddelboot über die Nordsee treiben. Denn deutlich ist eines: Es soll nichts verändert werden und das kann es auch nicht. Vierkanttretlager möchten die Stimme keiner Bewegung sein, Vierkanttretlager sind die Stimme des Stillstands und der ist grausam und heilsam zugleich.


Die natur greift an

bild: andreas hornoff

„ich Denke nicht, Dass es besser WirD, also hoffe ich Doch, Dass es so bleibt, Wie es ist.“ interVieW mit Vierkanttretlager Vierkanttretlager sind wütend und wissen nicht warum. Sie sind sich einig und zerissen, wollen stehen bleiben und fliehen, sind sich sicher und haben Angst. Und Vierkanttretlager wollen niemandem eine Stimme geben, schon gar keiner Bewegung, und da ist es doch nur konsequent, das sie es auf ihre Art trotzdem tun. Worte über die Schönheit des Stillstands und der Hoffnung im Hoffnungslosen. Gibt es keine Hoffnung mehr? Wir denken schon, nur neigen heute viele Menschen aus einem Selbstschutzgedanken heraus zum Pessimismus. Die Hoffnung, die wir aber haben, ist meist eine egoistische, keine globale. Das kann natürlich schnell unangenehm sein, da erlaube ich mir lieber einige wenige Stunden Pessimismus am Tag, das ist, denke ich, gesünder. Wenn man jetzt noch ganz launisch und fatalistisch werden möchte, könnte man auch sagen: Ich denke nicht, dass es besser wird, also hoffe ich doch, dass es so bleibt, wie es ist. Ist das nicht auch genau der Kernsatz des Stillstandes, den ihr propagiert? Ihr sagt, er sei grausam und heilsam zugleich. Wenn man einmal Abstand nimmt und sich von außen ganz unkritisch betrachtet, dann ist alles gut. So schlimm wie die Dinge sein mögen, die

jeden Tag passieren, direkt betrifft uns davon kaum etwas. Natürlich entsteht auch da wieder ein innerer Konflikt zwischen idealistischen Gedanken und der Einsicht, dass es uns gut geht, ohne dass wir viel dafür tun. Für den denkenden Menschen ist das schnell grausam.„Es ist schön hier zu sein, in einer Welt, die man nicht mehr ändern kann“ ist eine Textzeile aus dem Titelstück unserer zuvor erschienenen EP „Penzion Kanonir“ und vermag dieses Gefühl immer noch am besten zu beschreiben. Sie beinhaltet nämlich neben dem negativen Grundton auch das Schöne. Nämlich, dass es uns gut geht. Diesen Gedanken schamlos zuzulassen, ist das was den Stillstand heilsam macht. Ebenso ist es mit der Gewohnheit, in einer gleichbleibenden Situation vermag sie es leichter, die inneren Wunden zu schließen. Ist „Gib deinem Leben keinen Sinn“ also ein ernstgemeinter Ratschlag? Ist er, wenn auch nicht in der allgemeinen Erstinterpretation. Er ist kein Aufruf zur freudigen geistigen Verwahrlosung, frei nach dem Lustprinzip. Vielmehr ist dieses Lied ein Plädoyer für die Unsicherheit. Was wir erleben ist, dass sich in unserem Umfeld viele sofort nach der Schule wieder in eine neue Form zwingen, nur um sicher zu sein. Diese Sucht nach Sicherheit besiegt jedes jugendliche Bedürfnis. Ich denke aber, es ist gut, sich auch Unwichtigkeiten zu

erlauben. An Freude ist noch niemand krank geworden. Jetzt können wir sie leicht noch greifen. Es gilt ja auch ein wenig Erinnerung zu sparen, für schlechtere Zeiten vielleicht. Man muss passieren lassen um glücklich zu sein. Ich wünsche mir, dass meine Kinder später dieses Lied hören und es verstehen. Dahinter steht außerdem ein fast esoterischer Gedanke: Nicht wir geben dem Leben einen Sinn, das Leben gibt uns einen. Und damit habe ich sie nun fast selbst schon, meine Sicherheit. Im selben Lied singt ihr auch davon, diese Zeit ins Krankenhaus zu fahren. Neben einem scherzhaften Pathos steckt auch hier wieder der Finger im eigenen Fleisch. Ich bin mir völlig im Klaren, dass ich weder die praktischen noch die geistigen Fähigkeiten habe, um jemals in der Position zu sein, die Lage der Welt zu verbessern. Ich als Künstler bin also nicht mehr als ein lebender Zeigefinger, um etwas anfassen zu können fehlt mir der Daumen. Ich sage also, was mir nicht passt und hoffe dann dreist, dass ein Fähiger es ändert. Außerdem tut es gut, auch auf sich selbst zu schimpfen. „Die Natur greift an“ ist neben dem Albumtitel auch Untertitel der drei Stücke, die das Album schließen, eben auch von „Gib deinem Leben keinen Sinn“. Was be-

Vierkanttretlager 02

deutet der Titel und wie ist die Verbindung? Für mich bedeutet der Titel die Einsicht der eigenen Sterblichkeit. Es geht darum, das eigene Altern zu begreifen und damit auch die Endlichkeit unserer Zeit. Wenn man nun also sein Leben als winzigen Zeitabschnitt in der Geschichte sieht, entsteht auch ein Bewusstsein der eigenen Irrelevanz. Das kann Angst machen, ist aber eben auch die Befreiung von einer riesigen Last. Die Trilogie beginnt also mit dieser Idee und im Lebensabschnitt, in dem ich mich befinde bzw. eben noch befunden habe. Sie beginnt also damit, wie der Mensch anfängt, sich von seinen Altlasten lozulösen. Er kennt alle Regeln und weiß, was man wissen soll und fragt sich nun, ob er das will, ob er das kann. Es beginnt klein und wird immer wütender, bis er schließlich alles hinterfragt und alles abgeworfen hat. Hier setzt der zweite Teil ein. „ Keine Menschen mehr“ erzählt davon, wie sich der regel- und formellose Mensch nach seinem Ausbruch langsam wieder an sein Menschsein gewöhnt und die Unantastbarkeit gewisser Dogmen einsieht. Das Ende der Trilogie ist dann ein versöhnliches. Der Mensch hat sich gemäßigt, doch ist im Geiste weiter frei. Der größte Kampf bleibt aber immer im eigenen Inneren. Das ist gut, das hält uns wach. „Gib deinem Leben keinen Sinn“ wird also ohne Zweifel nicht das letzte Kapitel der Geschichte sein, nicht für uns.


Die natur greift an

ABSCHIED VOM FLACHLAND OPUS INCIPIT / NILS KIESBYE, PASTOR IN HH-ALTONA/ST. PAULI „Wird aus diesem Weltfest des Todes ... einmal die Liebe steigen?“ – so pathetisch durften früher noch Romane enden. Hans Castorp, Held des Mann’schen Zauberbergs, vormals Hanseat und Flachlandbewohner, erhält Zutritt zur elitär-liederlichen Welt eines im Schweizer Hochland gelegenen Lungensanatoriums und wird zwar nicht gesund, dafür aber Mensch. Weil er, dem Getriebe und den Ablenkungsmanövern des Alltags gänzlich enthoben, die Endlichkeit meditiert und sich Fragen stellt. Sich angreifen lässt. Sich ausliefert (und immer wieder seine Temperatur misst). Die Natur greift an: Wer heute, knapp hundert Jahre später, eine solche Parole ausgibt, kann/darf/sollte es auf keinen Fall ernst meinen (ob Flachlandbewohner oder nicht). Denn nichts liefert uns so zwangsläufig dem allgemeinen Spott aus, wie das überspannte Ansinnen, es tatsächlich und allen Ernstes ernst zu meinen. An die versunkenen Ideologien und weltanschaulichen Grabenkämpfe vergangener Zeiten ist längst (seit Harald Schmidt? Pocher? Tocotronic?) die Alleinherrschaft der ironischen Brechung getreten. Die Diktatur der Distanzierung. Deswegen sind Kraftklub cool. Und Vierkanttretlager? Die sehen das alles „ohne Abstand“ – also unironisch. Sie trauen sich sogar mitten hinein in die riskanten Manöver existentieller

NUR DIE SONNE hier im Vorhof meiner seele

Selbstbeschreibung und -verortung: Die Parolen veraltet, die Rebellion verpasst, alles Ernste schon von anderen verbraucht, verprasst. Ein deprimierender Befund, der nur scheinbar ins erlösend-opportune Lachen überführt wird.

mit Rio Reiser, Element of Crime (ja, damals schon), Einstürzenden Neubauten und – seien wir ehrlich: Billy Bragg groß geworden sind. Und die, weil man mit Ernsthaftigkeit früher noch die Frauen beeindrucken konnte, den Zauberberg einmal fast ganz durchgelesen haben.

Denn das, was jedes Kind weiß, ist am Ende doch nur biederes und braves Flachlandwissen. Die Penzion Kanonir aber wird von dünnerer Luft umweht. Schön bei Youtube finde ich die Statistiken. Zum Beispiel darüber, von welcher Altersgruppe ein Video vorrangig geklickt wird. Dass „Schluss Aus Raus“ (ein von damals noch 16-jährigen performtes Stück) hauptsächlich bei 35-44-jährigen Männern auf Interesse stoßen konnte (gefolgt von den 13-17-jährigen

Mädchen, gefolgt von der 18-24-jährigen Targetgroup) muss doch zu denken geben. Nicht nur dem Management (das natürlich nacharbeiten muss). Offenbar spricht die Leßmann’sche Poesie all jene besonders an, die vor 20 Jahren

Das mit Billy Bragg ist ein bisschen unfair, weil Vierkanttretlager ja keine anstrengenden Weltverbesserer sind und sein wollen (nicht obwohl, sondern eben weil sie ernsthaft sind). Eher schon stehen sie in der Tradition eines Nihilismus, der, weil er sich selbst längst erkannt hat, sich vor nichts mehr fürchtet, als davor, sich am Ende noch bestätigt zu finden. Von hier aus kann man sich in die Pose flüchten (Wodka! Kotzen! Coolness!) oder Haltung annehmen. Und dann aus Liebe ein Sandkorn zum Strand tragen.

GIB DEINEM LEBEN KEINEN SINN

Und die Nacht schreit wieder einmal nicht zurück. Hallo Stadt ohne Gesicht. Wer sieht mich weinen. Wenn du gehst. Hallo Nacht . Schreit es aus meinem Fenster Und die Nacht schreit. wieder einmal nicht zurück Hallo Hallo. Nur die Sonne sah ich nicht.

Zupfe ich das Unkraut aus. Und die Minuten, die mich quälen. Schicke ich zur Tür hinaus. Hallo Nacht. Schreit es aus meinem Fenster Und die Nacht schreit wieder einmal nicht zurück. Hallo Stadt ohne Gesicht. Draußen hinter der Gardine. Scheint ein viel zu helles Licht All die Träume die WIR hatten. Nur die Sonne sah ich nicht. Hallo Nacht. Schreit es aus meinem Fenster

Die natur greift an iii

UM SCHÖNHEIT ZU SEHEN Die natur greift an ii Ich öffne die Augen. Um Schönheit zu sehen. Der einfachste Weg. Die Welt zu verstehen. Schön ist was klar ist. Denn du weißt, dass es wahr ist. Dann suchen wir Feinde. Das unterscheiden macht es leicht. Wer allzu oft seine Hände reicht. Dem sind sie bald wund. Dann wirst du verstehen. Die Lösung selbst ist das Problem. Und irgendwann greift die Natur dich an. Jetzt stehen wir oben. Und blicken hinab. Teilen die Einsicht. Geben jedem was ab. Schön ist, was klein ist, denn man meint, man begreift es. Wir sehen das alles ohne Abstand. Wir sind viel weiter als der Verstand. Wir haben alles verbrannt. Und tragen jetzt aus Liebe ein Sandkorn zum Strand. Doch irgendwann greift die Natur dich an. Das hab ich nicht. Das will ich nicht. Das brauch ich nicht. Das nehme ich nicht mehr. Das gebe ich jetzt her. Dort wo

wir jetzt sind. Gibt es kein Weg ohne Ziel. Die schönsten Scherben der Zeit. Bedeuten nicht viel. Wir sind erst schön sind wir komplett. Und stechen uns am Rosenbett. Muss ich das noch. Macht mich das zum Menschen. Muss ich das noch macht mich das zum Menschen. Kann ich noch zum Menschen werden. Doch irgendwann greift die Natur dich an. Das hab ich nicht. Das will ich nicht. Das brauch ich nicht. Das nehme ich nicht mehr. Das gebe ich jetzt her.

ÜBER VIERKANT TRETLAGER 01

plagten, anstelle von Knebelverträgen oder Schlagzeugsoundchecks. Nichtsdestotrotz, wir hörten rein und lehnten ab. Zugunsten der Band, nicht aus Kostverächtung! Dazu mehr im Spätergedruckten. Es begab sich ein (eventuelles) dreiviertel bis einviertel Jahr später, ich traf mich völlig unvorbereitet mit Freunden im Berliner Comet-Club, um einem Auftritt der Jungs bei Pfeffi und guter Laune beizuwohnen. Kurz nach Beginn, blieb uns beides im Halse stecke. Wieder zugunsten der Band, erneut nicht aus Kostverächtung! Wir stecken in einer Generation fest, der gerne vorgeworfen wird, nichts mehr mit Ernsthaftigkeit zu betreiben, von einer Party zur nächsten zu hetzen und deren einziges

christoph Deckert Vierkanttretlager. Der Name begegnete mir erstmalig – in Musikerschätzungsbemühungen gerechnet – vor anderthalb bis 2 Jahren. Wir bekamen damals eine Supportanfrage der jungen Kollegen, die seinerzeit vermutlich noch Probleme wie Erste-Stunde-Bio oder Der-Hund-hat-die-Hausaufgaben-vernascht

Das Sein ist kurz. Kein Weg mehr lang. Wir hören auf neu anzufangen. Steh nie mehr still. Sag nie mehr Nein. Sei stolz genug, um Mensch zu sein. Nackt und schön und ohne Schmerz. Stich dieser Zeit mitten ins Herz. Ohne Ziel und ohne Zweck. Zieh dieser Zeit die Beine weg. Sag nie du weißt genau wohin. Gib deinem Leben keinen Sinn. Nur ohne Zwang lockt der Gewinn. Gib deinem Leben keinen Sinn. Schäm dich nicht für die Momente, die jeder liebte, wenn er könnte. Du musst nicht kämpfen. Musst

nicht schreien. Sei stolz genug, um Mensch zu sein. Sag nie du weißt genau wohin. Gib deinem Leben keinen Sinn. Nur ohne Zwang lockt der Gewinn. Gib deinem Leben keinen Sinn.

Probleme es ist, wer denn jetzt eigentlich das verdammte MDMA eingesteckt hat. Was uns da von der Bühne entgegenschmetterte, musste also das logisch-konsequente Yang sein, das diesen Eindruck wieder ins Gleichgewicht schaukelt.

Sinne unfair, alles an dem Alter der Musikanten festzumachen, es liegt nur so nahe! Aber als alte Männer und/oder Frauen hätten sie mir auch gefallen! Ebenso schwer ist es, nicht die Floskel vom ungeschliffenen Rohdiamanten zu verwenden. Zu spät. Aber bitte bewahrt euch GENAU DAS! Jede Unreinheit, jede Verformung steht euch einfach so gut! Wir hätten euch übrigens trotzdem nicht mitgenommen. Und ich mag euch sehr gerne! Aber wir gehören samt Publikum leider zu den Hedonisten! Und das wollen wir uns doch bitte noch ein wenig bewahren!

Aktion - Reaktion. Anstatt unbeschwerter Juvenilität, die Herren in diesem Alter eigentlich völlig selbstverständlich ausleben dürften, reißt uns eine Welle an unerwarteter Tiefgründigkeit mit an den Abhang. Was ist da passiert? Was haben diese jungen Menschen erleiden müssen? Und warum? Und warum besaß ich in diesem Alter nicht diesen Hang zu unverbrauchter, spielerischer Musikalität? Ja, es ist in gewissen

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Nackt und schön und ohne Schmerz. Stich dieser Zeit mitten ins Herz. Ohne Ziel und ohne Zweck. Zieh dieser Zeit die Beine weg. Ohne Ziel und ohne Zwang. Zieh dieser Zeit die Ohren lang. Wir machen jetzt das Beste draus. Fahren diese Zeit ins Krankenhaus.

Es liebt euch, Christoph


Die natur greift an

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Die natur greift an

neue erkenntnisse Zum maYa-kalenDer interVieW mit g.gore Husum. So stellt man sich eine der kenntnisreichsten und umtriebigsten Archäologinnen vermutlich nicht vor. Die mehrfach für den Nobelpreis nominierte Georgia Gore wirkt ruhig, man merkt ihr die Anstrengungen der weiten Reise nicht an, als sie den Raum betritt: eine etwas unterkühlte ältere Dame im Anzug, sie sieht ein bisschen so aus, als könnte sie die Sparkasse nebenan leiten. Um so überraschender die bahnbrechenden Erkenntnisse, die sie im Gepäck trägt. Geladen sind einige ausgewählte Journalisten der Fachpresse. Die Pressekonferenz verläuft geradezu unangemessen ruhig, was an der umsichtigen Auswahl der Gäste liegen mag.

Schaltjahr-Rechnung des frühen Mittelalters zu tun.

Frau Gore, Sie sagen, dass Sie auf neue Dokumente gestoßen sind, die die gegenwärtige Diskussion um den Maya-Kalender in neuem Licht erscheinen lassen? In der Tat habe ich es geschafft, den bisher als ‚das Rätsel von Belize‘ bekannten Text in seiner Gesamtheit zu übersetzen, der als Schlüssel insbesondere für das Maya-Datum 13.0.0.0.0 gilt. Deswegen bin ich auch in Deutschland. Es haben sich nämlich einige Fragen ergeben.

„Das negatiVsZenario haben Wir bereits gröss-� tenteils entschlüsseln können.“

Sie meinen den 23.12.2012 nach unserer Zeitrechnung? Auch da gibt es neue Erkenntnisse. Neuesten Messungen zufolge handelt es sich bei dem Datum 13.0.0.0.0 eigentlich um den 27.1.2012. Das hat etwas mit der ziemlich komplexen

Die Maya haben das Ende der Welt also schon für diesen Januar vorhergesagt? In diesem Punkt muss ich Sie zum Glück enttäuschen. Aus der von mir übersetzten Schrift geht hervor, dass es sozusagen zwei Voraussagen für das fragliche Datum gibt. Klar ist, dass es am 27.1.2012 zu einem Wendepunkt kommen wird. An diesem Punkt wird der Text allerdings schwer interpretierbar. Weiterhin klar scheint, dass Ereignisse im heutigen Deutschland dabei eine gewisse Rolle spielen. Es sind zwei Koordinaten angegeben, die einerseits Mannheim und andererseits Husum bezeichnen. Das Prinzip der Prophezeihung ist reziprok exklusorisch.

Das sollten Sie unseren Lesern etwas genauer erklären. Als reziprok exklusorisch bezeichnen wir eine Weissagung, wenn sie zwei mögliche Szenarien enthält, die nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten eintreten können, sich jedoch gegenseitig ausschließen. Es ist ja in dem bisher übersetzten Fragment der Steintafeln die Rede von der ‚Na-

VON MENSCH ZU MENSCH

tur‘, die ‚angreift‘, was viele Forscher als Beschreibung einer Katastrophe interpretieren. Interessanterweise legt die Lektüre der gesamten Schrift eher den Schluss nahe, dass die Maya damit die bestmögliche der Ent-

Art Reliquie, nicht um die konkrete Natur. Das entgegengesetzte, negative Szenario zeichnet eine Figur, wie sie in der abendländischen Kultur als die Ankunft Satans auf Erden beschrieben wird. Können Sie das noch näher erläutern? Zum Teil, ja. Das Negativszenario haben wir bereits größtenteils entschlüsseln können. Es gibt in der Schrift eine sehr detaillierte Beschreibung zweier Lebensläufe, die unser Computer als identisch mit dem zweier Personen ermittelt hat: Sarah Connor und Xavier Naidoo. In einem weiteren Punkt ist die Quelle ebenfalls eindeutig: sollten diese beiden sich paaren und einen gemeinsamen Sohn zur Welt bringen, sei das Schicksal der Menschheit besiegelt. Es handelt sich hierbei um die eben erwähnte Satansfigur, die bei den Maya übrigens mit den Mannheim-Koordinaten assoziiert ist. Das wird aber nun nicht bis zum 27.1. passieren. Genau deshalb bin ich hier. Es ist nämlich noch nicht klar, was passieren wird, wenn der Satan nicht auf Erden erscheint. Bisher scheint nur eindeutig, dass die Maya für diesen Fall die Rettung der Welt annehmen. In welcher Verbindung dazu wiederum die Husum-Koordinaten und die erwähnte Reliquie stehen, nun, ich hoffe, dass ich es hier vor Ort klären kann.

georgia gore

wicklungen bezeichnet haben, auch wird klar, dass es sich eher um ein Symbol handelt, eine

Vielen Dank reiche Gespräch. Da nich für.

für

das

aufschluss-

ein scherZ, Der traurig macht Als ich geboren wurde, wusste ich wenig von der Welt und das hat sich geändert. Ich weiß zu viel, um glücklich zu sein. Kinderlachen ist nicht von ungefähr schön, auch wenn mich dieser ganze Mist mit der weißen Weste nicht kratzt. Kinder sind tot, wenn sie Mensch werden und Menschen sind tot, wenn ihnen das Menschsein zu viel geworden ist, so oder so. Das Kind stirbt zuerst, wie heißt es, die Zeit heilt alle Kinder. Ein Scherz, der traurig macht.

In jedem seiner milden Blicke spiegelt sich das Leuchten unserer Augen. Er steht an keiner Kreuzung mehr. Jetzt ist er Mensch mit jeder Faser. Das macht uns keinen Kummer. Wir wissen, was es hier zu sehen gibt. Wir sehen dann zu, wie er stirbt. Wir sehen dann seinen Kopf, der eben erst aus der Mutter ragt. Wie er nimmt, im Zweifel fallen lässt. Er formt die Welt durch sein Vergessen. Ihn lenkt nur das Licht. Und wenn er dann, wie selten spricht, sind es unsere Worte.

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Vierkanttretlager 05


Die natur greift an

STIMMEN IM WIND

fiete paulsen

rainer borchalig

Werner thomson

Jan-erich merchsdorf

fischer / rentner

biologe / Wattführer

ehe. fischerlaDen-besitZer

besitZer kutter cornelia

„Natur spielt immer eine Rolle. Wir als Fischer müssen auch mit der Natur arbeiten. Wir können auch nicht gegen die Natur arbeiten, also nee. Wir müssen schon mit der Natur arbeiten. Sonst würden wir ja an und für sich unseren eigenen Ast abschneiden. So seh ich das.

„Für Wattführer gibt es immer ein Zitat vom Theodor Storm, was den ganzen Lebensraum hier sehr schön beschreibt:

„Früher sind die Kinder im kleinen Alter mit gesegelt mit ihren Eltern und haben gesurft mit nem Opti, heute surfen sie auf dem Computer. Das ist ein Problem.

Wir Fischer, wir schützen unsere Natur selber. Wir leben von der Natur und wir schützen unsere Natur.

Wenn ich dann in der Husumer Zeitung lese, nach Aufzeichnungen des Wetteramtes Schleswig, das Wetter von vor 100 Jahren. … Und wenn ich das lese, dann war vor 100 Jahren das Wetter genau so gut und genau so schlecht wie heute. Auch jetzt in der letzten Zeit mit dem Regen und so weiter. Das haben wir vor 100 Jahren genau so gehabt. Auch im Sommer. Es mag vielleicht hier und da Veränderungen geben und das kann man wohl auch nicht weg diskutieren, aber ob das jetzt so gravierend ist ...“

abheutsindwirnichtmehralleine

Ich höre des gärenden Schlammes Geheimnisvollen Ton, Einsames Vogelrufen So war es immer schon. (auszug aus theodor storm, meeresstrand) Das ist so vor allem wenn man im Herbst oder Frühjahr aufm Watt steht. Da sind die Muscheln und die Krebse und die Würmchen die so im Schlick rum matschen. Das hört man als Wattknistern, so nennt man das. Das hat Theodor Storm damals auch schon gehört. Und dieses Wattknistern ist auch noch da. So war es immer schon. Es wird nicht immer alles unverändert bleiben, aber im Großen und Ganzen ist die ganze Landschaft hier schon etwas ruhiges und beständiges.“

Die Ostsee ist für mich auch ein Meer, aber für mich ist die Nordsee das Meer. Das kann ich nicht begründen, aber es ist so. Man redet immer über gute alte Zeiten, aber in 50 Jahren denke ich mal, da redet man über diese Zeiten. Ich glaube nicht mich entsinnen zu können, dass wir so viele Überflutungen im Süden oder im mittleren Bereich Deutschlands früher hatten wie in letzter Zeit. Mit Sicherheit nicht. Mein Motto ist : Ich lebe heute und nicht morgen. Man muss das Leben heute genießen. Wer weiß, was morgen kommt und zurückgucken? Es waren immer die guten alten Zeiten und später waren dies die guten Zeiten und so geht das immer weiter. Da führt kein Weg dran vorbei.“

lanDstreicher booking grüsst Vierkanttretlager! WWW.lanDstreicher-booking.De

DEBUT-ALBUM VERÖFFENTLICHUNG: 27.01.2012

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25./26. mai 2012

h e r z l i c h w i l l ko m e n :

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Vierkanttretlager 06

Wir haben wohl bemerkt, dass die Stürme mehr werden. Und man entdeckt schon mal die ein oder andere Art, die hier nicht heimisch ist … Ich denke, die kommen auch, weil das Wasser wärmer wird. Dann können die sich ja auch entfalten, ne.


Die natur greift an

ÜBER VIERKANT TRETLAGER 02 michy reincke „Alles sieht besser aus, wenn man nicht hinsieht...“ Das ist beruhigend zu sehen, dass es Musiker in Deutschland gibt, die dann doch hinsehen, den Finger in die Wunde legen & sich hören lassen. Das Land braucht zornige, junge Männer. Das Getriebe läuft rund, auch wenn es hier & da gewaltig knarzt & kracht. VIERKANTTRETLAGER machen laute Musik mit Bildern aus Worten, die nachhallen.

HOOLIGANS mit casper

Stadt. Dort wo die Einsamkeit die schönsten Farben trägt. Da sehen wir uns im Neonlicht. An den verschlossenen Türen satt. Und sind so froh noch kurz davor zu sein.

Die weiße Fahne im Gepäck. Findet sich ziellos schnell ein Weg. Und der Zufall küsst uns beiden auf die Stirn. Und wir ergeben uns. In diesen einen Augenblick Wo Wut und Zweifel sich entwirren.

Und die Hooligans aus Nr. 10. Die singen ihr trauriges Lied. Sie singen Ihr könnt nach Hause gehen. Wenn wir wüssten, wo das liegt. Der Autokorso singt es laut. Du kommst und rettest mich. Und es schallt aus jedem Haus. Bitte vergesst mich nicht

Und die Hooligans aus Nr.10 Die singen ihr trauriges Lied. Sie singen Ihr könnt nach Hause gehen. Wenn wir wüssten wo das liegt. Dahinten hinterm Park. Beginnt mein Lieblingsteil der

Und die Hooligans aus Nr. 10. Die singen längst nicht mehr. Sie würden selber gerne nach Hause gehen. Wenn sie wüssten wo das wär.

Wir schliessen ab mit unserer Zeit Vierkanttretlager Wir trafen uns, als wir gerade auf dem Weg waren. Auf dem Weg nämlich von klein zu groß und als wir uns trafen waren wir ungefähr auf der Mitte. Wir dachten uns nichts, wir traten Türen auf Kindergeburtstagen ein, wir waren Freunde. In der Pause standen wir im Ruderraum und warfen uns mit halbem Herzen gegen die Wände, auch hier war manchmal eine Tür im Weg. Die Eltern und die Haftpflichtversicherung sahen uns das nach. Wir lebten in einer kleinen Stadt, die umgeben war von vielen kleinen, die eigentlich noch zu ihr gehörten. In diese Dörfer fuhren wir im Sommer, wir tranken unseren ersten Weinbrand und schrien Schafe an. Es ist seltsam, wenn ich sage, weit habe ich nicht gedacht, da damals. Es durfte viel passieren, warum war fast egal. Ja, ich sagte das, wir dachten uns nichts. In der Schule saßen wir jetzt zusammen, was den einen von der Arbeit abhielt und den anderen überhaupt

wir sind vorbei das neue album

09.03.12 www.pias.com /de www.ennobunger.de

Vierkanttretlager 07

erst dazu brachte morgens aufzustehen. Dann machten wir Musik. Die falschen Freunde lachten über uns, die richtigen standen mit warmen Wangen vorn. Was langsam kam und plötzlich schnell, war der erste kleine Abschied von der Stadt. Wir mussten gehen, um gesehen zu werden. Nun die ersten Schritte aus dem goldenen Käfig, der Kleinstadt heißt. Und golden war er deshalb: Die gierigen Möwen, die Rentnerbusse, Krokusse, kollektiv schön. Die Futtermehltürme, der Strand aus Asphalt, die Schafe mal nackt und mal wollig. Die Matjes-Krabben-Krokusse und Lammprinzessinnen und die Hoffnung, dass sie diesmal schöner ist. Die zwei Diskotheken und der Imbiss davor. Alle Imbisswirte, die wir auffangen würden, fielen sie von der Leiter. Die Stunden da weg, die Stunden dahin. Und jedes Jahr 5 neue Mühlen. Und jetzt, da es romantisch wird, darf ich den Himmel nennen. Den Himmel über Husum. Wir werden ihn vermissen.


V I E R K A N T T R E T L A G E R

2 7. 0 3 . 2 012 GIESSEN/MUK 2 8 . 0 3 . 2 012 DORTMUND/FZW 31. 0 3 . 2 012 LÜBEC K/RIDERS C AFE 10 . 0 4 . 2 012 P O T S D A M / WA S C H H A U S 11. 0 4 . 2 012 LEIPZIG/NEUES SC HAUSPIEL 12 . 0 4 . 2 012 NÜRNBERG/STEREO

T O U R

13 . 0 4 . 2 012 MÜNCHEN/59:1 14 . 0 4 . 2 012 S TUTTGART/KELLER KLUB 15 . 0 4 . 2 012 B AY R E U T H / G L A S H A U S 16 . 0 4 . 2 012 FRANKFURT/PONYHOF CLUB 19 . 0 4 . 2 012 D R E S D E N / G R O O V E S TA T I O N 21. 0 4 . 2 012 BERLIN/HBC

18 . 0 5 . 2 012 MANNHEIM/ M A I F E L D D E R BY 19 . 0 5 . 2 012 BIELEFELD/ LEINEWEBER MARKT 2 0 . 0 7. 2 012 C U X H AV E N / D E I C H B R A N D F E S T I VA L 0 4 . 0 8 . 2 012 HORB AM NECKAR/ M I N I R O C K F E S T I VA L

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»GEFÖRDERT DURC H DIE INITIATIVE MUSIK GEMEINNÜTZIGE PROJEK TGESELLSC HAFT MBH MIT PROJEK TMITTELN DES BEAUFTRAGTEN DER BUNDESREGIERUNG FÜR KULTUR UND MEDIEN AUF GRUND EINES BESC HLUSSES DES DEUTSC HEN BUNDES TAGES«

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