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Studierter Opernsänger Marc Marshall: „Tenöre

wären gerne Baritöne, weil die Rollen männlicher und charakterstärker sind.“

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Der Star-Bariton Marc Marshall singt mit Tenorkult Andrea Bocelli und tourt mit Popklassik-Abenden über die Dörfer. Eine Stimme zeigt Charakter. Von Wolfgang Timpe und Christina Körte (Fotos)

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Marc marshall Mit acht Jahren steht er auf Drängen von Vater Tony Marshall („Schöne Maid“) auf der Konzertbühne, versagt, und studiert dann doch später Gesang in seiner Heimatstadt Baden-Baden. Und die Konzertund Opern-Rampe lässt den heute 46-Jährigen nicht mehr los. Mit seinem Freund und Stu­dienkollegen Jay Alexander bildet er 1998 das Klassik-Duo Marshall & Alexander, verkauft von der CD „Götter­funken“ himmlische 100.000 Stück. Marc Marshall produziert gerade eine neue Pop-CD.

auf der Bühne bin ich künstler des moments Bariton Marshall trifft Soulröhre Aretha Franklin: „Gute Sänger haben

keine Star-Allüren. Wenn wir uns begegnen singt man zwei Töne und ist auf Augenhöhe.“

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in Bariton kann nichts. Das ist eine Stimmlage, keine Fähigkeit.“ Sympathisch, locker, souverän. Und Tenöre? „Haben eine Meise. Die wären gerne Baritöne, weil die Rollen häufig männlicher und charakterstärker sind.“ Der Mann hat gut Lachen: Marc Marshall, 46, Bariton, studierter Jazzer und ausgebildeter Opernsänger; ­mit Tenor Jay Alexander Gründer des Klassikpop-Duos Marshall & Alexander – Goldene Schallplatten zum Abwinken, große Fangemeinde, Sensationserfolg im vergangenen Jahr mit dem streng klassischen Liederalbum „Göt­terfunken“; himmlische Hymnen, die persönlich ausgewählten Top 10 der Kirchenhits und unentdeckte Lieblingsstücke. Nein, nichts klerikal Ewiggestriges: einfach klare Stimmen, schöne Songs, unaufdringliche Nachdenklichkeit, toll arrangiert. Und: 100.000 Mal verkauft. Ein Scoup im schnelllebigen Download-Zeitalter. Marc Marshall, ein stiller Star ohne Yellowpress-Bohei, eine Stimme mit Charakter. Bariton-Personality. Der Womanizer ist ein Sängerdino von 46 Jahren. Seit Januar 2003 sind Marshall & Alexander mehr oder weniger auf Tour, haben seit dem Start ihrer Zusammenarbeit 1998 sieben Bühnenprogramme gespielt und tourten gerade mit ihrem Programm „Hautnah“ und kleiner Klavierbesetzung über die Bühnen von Städtchen und Dorfgaststätten, um das neue Popalbum, für Marshall & Alexander mit 16 neuen, eigens komponierten und arrangierten Stücken vor (!) der Studioaufnahme mit Publikum zu erkunden. Ist das Marktforschung für perfekte populäre Songs? „Absolut nicht. Ich bin Produzent des Albums und weiß, was ich tue, warum ich welche Lieder ausgesucht habe. Die stehen.“ Und warum dann die kleine Ochsentour

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vorm Studiogig? „Es geht darum, dass wir die Songs live erproben, sie verinnerlichen. Andere Künstler wissen erst nach vielen Auftritten, wie es richtig geht. Wir legen von Beginn an Wert auf Qualität, Musikalität und stimmliche Präzision.“ Kennen die beiden denn keine Improvisation? „Wir machen keinen Rock’n’Roll, wo man aus dem Bauch heraus was auf die Bühne bringt.“ Marc Marshall ist ein akribischer Arbeiter, fordert sich und andere, probiert immer wieder Neues aus. Schluss mit Bariton, Tenor und Götterfunken. Das kommende Album wird reinster Pop. „Wir sind Sänger. Die Medien interessieren sich nicht für uns. So können wir uns entwickeln und müssen nicht unter Schlagezeilendruck immer das Erfolgreiche wiederholen. Das ist unser Glück.“ Er mag kein Schubladendenken und keine Klischeebegriffe wie Crossover-Musik. Hier machen nicht Klassikfuzzis mal auf Pop, sondern wollen ihre Stimmen neu ausprobieren. „Pop ist Pop, da haben Bariton und Tenor nichts zu suchen.“ Da hält der Künstler Marshall sich ans Reinheitsgebot und demonstriert live, wie man in der Klassik die Stimme voll phrasiert, den Worten einen Körper gibt, und im Pop viel flacher singt und trotzdem dem Song Charakter geben muss. „Total spannend“, freut er sich. Der Perfektionist Marshall überlässt nichts dem Zufall. Er hat mit Jeff Cascaro den „besten Vocalcoach“ engagiert, der schon Sascha erfolgreich getrimmt und die Kandidaten von Dieter Bohlens „DSDS“-Superstars für Auftritte vor Millionenpublikum fit gemacht hat. Ihn lockt die Herausforderung. „Ich möchte einen Bruch nach vorne wagen, mich gerne weiterentwickeln.“ Dabei steht er dazu, dass er als Sohn von Tony Marshall („Schöne Maid“, „Jetzt geht’s los“ oder „Bora Bora“) „im Schlager aufgewachsen“ ist und sich dafür auch nicht schämt. Im Gegen-


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Sommer-Kult: BMW Z4, SDrive 2.3i,Havanna metallic. Der neue Z4 lockt mit elegantem Retro-Style der 50er: wuchtig-runder Hintern, langgezogene Schnauze, bullige Niere. Der smarte 6-Zylinder leistet 150 PS, spuckt 100 g/100 km CO2 aus und sein Alu-Klappdach öffnet und schließt sich in flotten 20 Sekunden.

ich habe kein ziel – will nur das beste aus mir herausholen teil. „Auf der Bühne bin ich Künstler des Moments, wenn ich den Ton heraushaue passt er oder nicht. Ich bin als Sänger geboren, bin Bühnenmensch und mache nichts für die Ewigkeit wie Maler, Dichter oder Bildhauer.“ Aber hat das PolonäseImage vom Vater nicht genervt? „Mich nicht, aber ich wurde immer wieder mit dem Klischee konfrontiert.“ Als er sich in Karlsruhe an der Hochschule fürs Gesangsstudium bewirbt, besteht er die Aufnahmeprüfung mit eins – wird aber zuerst nicht genommen. „Wir wollen nicht noch einmal einen TralalaSänger wie Tony Marshall ausbilden.“ Rumms. Die Erfahrung sitzt. Scheuklappen und Konformität sind für Marc Marshall undenkbar. Eine von ihm überzeugte Professorin boxt ihn dann durch. Glück für ihn und fürs Publikum. Denn man spürt die Lust zu singen. So schmettert er beim Fotoshooting im neuen BMW-Cabriolet Z4 fröhlich ein herzergreifendes „O Sole Mio“ für Reporter und Fotografin und stimmt beim Medienpreis in Baden-Baden am Tisch mit Regine Sixt und BMW-Motorsportchef Mario Theissen das „Ave Maria“ an, und alle singen und haben einen wunderbaren Abend. 34 go sixt porträt

Apropos Entspannung: Anspannung gibt’s genug, und mit seinem Ehrgeiz und hohen künstlerischem Anspruch („wenn das Publikum klatscht, muss es noch lange nicht gut gewesen sein“) hat der Klassikpop-Bariton sich „manchmal selbst im Weg gestanden“. Auch deshalb ist er von Regine Sixt an dem Abend so begeistert. Zusammen Singen und hart arbeiten. Das ist seine Welt. „Ich habe großen Respekt vor ihrer Persönlichkeit. Sie ist eine sehr hart arbeitende Frau. Von nichts kommt nichts.“ Da meint er auch ein wenig sich selbst. Der Marathon-Bariton steht seit 1971 auf der Bühne, hat Opernfestival und Openair-Events organisiert, weiß wie man Plakate konzipiert, Karten verkauft, Licht und Regie macht, und er kann Opern inszenieren. „Ich bin im Business aufgewachsen, weiß, wo ich herkomme.“ Ein Berg an Kompetenz, sicher nicht immer einfach. „Ja!“, lacht er, „mündige Künstler sind nicht so beliebt.“ Aber als Produzent hat er ja alles selbst inzwischen in der Hand. Und als Baden-Badener Bariton, der mit Andrea Bocelli auf der Bühne schmettert oder mit Aretha Franklin in den USA Soulsessions veranstaltet, muss man nix verstecken. Aber


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Dünkel wird daraus bei ihm nicht. „Gute Sänger haben keine Starallüren. Wenn wir uns begegnen, singt man zwei Töne und ist sofort auf Augenhöhe.“ Ein Bariton im Himmel.

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Womanizer Marc Marshall: „Ich bin ein Wahnsinniger. Seit ich das begriffen habe, geht es mir besser.“

SATZANFÄNGE Marc Marshall Das Leben ist ... ... zu kurz, um schlechten Wein zu trinken.

Eine Stimme hat ... ... die Fähigkeit Emotionen auszulösen.

Ein Bariton kann ... ... nichts. Das ist eine Stimmlage, keine Fähigkeit.

Fußball-Torhüter sind ... ... das Rückrat einer erfolgreichen Mannschaft. Ganz blöde Antwort, aber es stimmt.

Tenöre haben ... ... eine Meise. Von Beruf Sohn sein ... ... ist unmöglich, nein: absolut undenkbar! Die Finanzkrise ... ... interessiert mich überhaupt nicht. Zur Entspannung ... ... habe ich mit Golf begonnen und zurzeit Handicap 32.

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Auf Tournee sein ist ... ... großartig und anstrengend. Cabriofahren kann ... ... sehr schön sein. Dorfgasthöfe ... ... haben einen unglaublichen Charme und holen dich immer wieder in die Realität zurück.

nd wie lebt es sich privat für jemanden, der rund 200 Tage im Jahr unterwegs ist, viele Projekte laufen hat und auch noch 17 mal im Jahr den „Fröhlichen Weinberg“ im Fernsehen moderiert? „Familie ist ein Ort der Sehnsucht“ für den Dauertourer. Als er mit 21 Jahren das erste Mal Vater wird, denkt er, dass er alles weiß, alles im Griff hat und fühlt sich als der Größte. Denkste. Die Lebenslektion lässt den geschiedenen zweifachen Papa (Sohn 23, Tochter 21 Jahre, beide sind aus dem Haus) heute schmerzlich feststellen: „Gewusst habe ich damals gar nichts und viel zu spät gemerkt, dass ich viel verpasst habe.“ Zwischenlebensbilanz einer engagierten Künstlerbiografie. „Alles was ich mache, ist mit meinem Beruf verbunden. Da gehe ich voll auf.“ Und, würde er im Rückblick lieber weniger gemacht und mehr Familie gelebt haben? Ja und nein. „Wissen Sie“, sagt er klar, „den zur Ruhe gekommenen Marc Marshall, der sich Zuhause auf der Couch räkelt, den wünsche ich niemanden. Da bin ich unerträglich.“ Marc Marshall, kein Rock’n’Roller, sondern Sänger, Produzent, Arrangeur, Regisseur ... immer im Dienste seines Gesangstalents. Ein Widerspruch. Der Familienmensch Marshall auf der Flucht vor der Familie? „Vielleicht“, sagt er zögerlich, „es ist nicht immer nur Luxus, seinem Talent verpflichtet zu sein, sondern bin schon auch ein Getriebener.“ Um gleich wieder nachzuschieben: „Was soll ich machen. Das ist mein Naturell. Ich habe diese unbändige Lust mich musikalisch-stimmlich und persönlich weiterzuentwickeln. Ich möchte neugierig bleiben und Grenzen kennenlernen.“ Wie beim neuen Pop-Albums. Marc Marshall, Mister rastlos. Kann der Umtriebige sich denn in einem Satz beschreiben? „Ich bin ein Wahnsinniger“, kommt es ohne zu zögern und lacht, „und seit ich das begriffen habe, geht es mir besser.“ Die Selbsterkenntnis habe ihm „extrem geholfen“, nicht zu verzweifeln; auch gegenüber Dritten, die nicht immer 110 Prozent bringen. Nachsichtiger zu sein, mehr Frieden und Zufriedenheit mit sich und dem Leben zulassen. Und welche Ziele verfolgt der produzierende, tourende, arrangierende, moderierende und singende Worcaholic heute? „Einfach Weitermachen“, lacht der OliverKahn-Fan, „und das Beste aus mir herausholen. Ich habe keine Ziele. Ich fliehe ich nicht in die Arbeit. Ich bin auf dem Weg zu mir selbst, werde immer klarer, höre auf mich!“ Das Leben und seine Qualitätsanspüche haben ihn zum Nonkonformisten wachsen lassen. Nur keinen falschen äußeren Druck aufbauen. Marc Marshall selbst schlägt schon genug Funken.

Goldene erfolge Mit ihren himmlischen Hymnen des Albums „Götterfunken” von 2007 hat sich das Klassik-Duo Marshall & Alexander mit über 100.000 verkauften CDs in den GoldenenSchallpaltten-Olymp gesungen. Und die erste Soloscheibe von Marc Marshall, „Nimm Dir Zeit” von 2008, zeigt ihn als stimmsicheren humorvollen Balladen-Solis­ ten mit feinsten Kammer-Jazz-EnsembleEinlagen. www.marshall-alexander.de



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