Magazin "Mostviertel - Reisen zum Leben am Land" / Ausgabe 2021

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mostviertel Reisen zum Leben am Land

2021 Mostviertler Feldversuche: Kulinarische Experimente und lokale Produkte | Die Kraft des Mostviertels: Kultur und Abenteuer in wilder Landschaft

Andreas Plappert, Schlosswirt in Waidhofen a/d Ybbs, experimentiert bei den Mostviertler Feldversuchen

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Die Regionen des Mostviertels

Dunkelsteinerwald

www.arge-dunkelsteinerwald.at

Moststraße

www.moststrasse.at

Eisenstraße Niederösterreich Coverfoto und diese Seite: weinfranz.at; Illustration Karte: Artur Bodenstein

www.eisenstrasse.at

Ybbstaler Alpen

www.ybbstaler-alpen.at

Naturpark Ötscher-Tormäuer 2 · mostviertel

www.naturpark-oetscher.at


Melker Alpenvorland

www.mostviertel.at/melker-alpenvorland

St. Pölten

www.stpoeltentourismus.at

Traisental-Donau www.traisental.at

Elsbeere Wienerwald

www.elsbeere-wienerwald.info

Traisen-Gölsental

www.mostviertel.at/traisen-goelsental

Pielachtal

www.pielachtal.info

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April: Birnbaumblüte, Tag des Mostes, Weinfrühling Über eine Million Obstbäume verwandeln die Moststraße im April für zwei Wochen in ein Blütenmeer. Fixpunkt im Festreigen um den Mostfrühling ist der Tag des Mostes am 25. April 2021. Das Weinland Traisental-Donau feiert den neue Weinjahrgang und die aufblühende Landschaft. Höhepunkt ist der Traisentaler Weinfrühling am 24. und 25. April 2021. Über dreißig Winzer öffnen und laden zum neuen Wein! www.moststrasse.at www.traisental.at

Genussradeln durchs blühende Birnenland Radrouten im „Land der Mostbarone“ vorbei an Tausenden Birnbäumen und kulturellen Sehenswürdigkeiten. • • • •

3 Übernachtungen mit Frühstück Willkommenstrunk Menü mit Mostverkostung Eintritt in die Erlebniswelt MostBirnHaus • Erlebnisführung Mostelleria

weinfranz.at (2), NLK Reinberger

Pro Person ab € 152,– Information & Buchung: Mostviertel Tourismus T: +43/7482/204 44 www.mostviertel.at

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Jochen Danninger, Landesrat für Wirtschaft, Tourismus und Sport, lädt zu „Reisen zum Leben am Land“ ein. Das Jahr 2020 war alles andere als ein Mostfrühling, im Sommer aber freizeittouristisch erfolgreich, denn viele Menschen haben das Wandern und Radfahren in Niederösterreich als Urlaubserlebnis entdeckt. Unterwegs in den unterschiedlichen Landschaften, haben sie bemerkt, dass Nachhaltigkeit, Regionalität und Authentizität hier weit mehr als nur Schlagworte sind, sondern unser Land prägen.

Michaela Hinterholzer, Landtagsabgeordnete und Vorsitzende von Mostviertel Tourismus, und Andreas Purt, Geschäftsführer von Mostviertel Tourismus, stellen das milde und wilde Mostviertel vor. Mild, der sanft hügelige Teil, etwa mit seinen kulinarischen Feldversuchen, die nun bereits in die dritte Saison gehen. Wild, der alpine Teil, wo das neu eröffnete Haus der Wildnis in Lunz am See ein neues Ausflugsziel mit überregionaler Bedeutung schafft. Für Diskussionen sorgt das Kunstprojekt Cliffhanger, das die Frage thematisiert, wie weit der Tourismus in die Natur eingreifen soll. Es hängt noch bis September an einem Felsen in den Ötschergräben. Schauen Sie sich das an, wir freuen uns auf Ihren Besuch!

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Gasthaus Nährer Mike Nährer

Mike Nährer führt den Familienbetrieb seit 2010. Der Drei-Hauben-Koch sucht seine Gegend nach spannenden, vor allem aufstrebenden Produzenten ab, mit denen er auf experimentelle Weise aus der lokalen Tradition neue, innovative Getränke und Speisen entwickelt. Hubertusstraße 2, 3141 Rassing www.gasthaus-naehrer.com

Schlosswirt Waidhofen Andreas Plappert

Schwarz-König (1), weinfranz.at (10)

Andreas Plappert experimentiert im filmkulissenreifen Rothschildschloss Waidhofen a/d Ybbs an der Symbiose zwischen traditioneller Küche und neuen Möglichkeiten, die ihm Produkte und Produzenten aus der Umgebung ermöglichen. Manches hat selbst schon Tradition wie sein Mostviertler Schafkäse oder die Ybbstalforelle. Schlossweg 1, 3340 Waidhofen a/d Ybbs www.schlosswirt-rothschild.at

Sie machen die Mostviertler Feldversuche spannend Köche, Wirte und Produzenten aus der Region, die nicht nur gediegene Qualität bieten, sondern auch stets auf der experimentellen Suche nach neuen Mostviertler Geschmackserlebnissen sind und damit die Basis der Mostviertler Feldversuche bilden

Gasthaus zur Palme Theresia Palmetzhofer

Gasthof Hueber Der Wirt in Bründl

Weingut Tom Dockner

Als jahrelange Sous-Chefin bei Konstantin Filippou wurde Theresia Palmetzhofer zu einer Expertin internationaler Esskultur. Sie bringt ihre Erfahrung nun im Mostviertel mit seinen Produkten ein. Ihr Gasthaus zur Palme erhielt 2020 von Gaul Millau drei Hauben. Marktplatz 6, 3364 Neuhofen/Ybbs www.gasthaus-zur-palme.at

Die Jungwirte vom Wirt in Bründl, Stefan und Silvia, verstehen ihre Speisekarte auch als Landkarte des Mostviertels, denn von dort beziehen sie viele ihrer Produkte. Bei den Mostviertler Feldversuchen entwickeln sie Heimisches in ganz neue Geschmacksrichtungen. St. Georgen 18, 3282 St. Georgen/Leys www.gasthof-hueber.at

Seit vier Generationen betreiben die Dockners Weinbau im Traisental. Die bekanntesten Weine sind Grüne Veltliner und Riesling aus den Rieden Theyerner Berg, Pletzengraben und Hochschopf. Als „Feldversuche“ experimentiert Tom mit seltenen Rebsorten aus vergessenen Weingärten. Traminerweg 3, 3134 Theyern www.docknertom.at

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Gasthof Kalteis, Hubert Kalteis

Die Hauben-Küche von Hubert Kalteis wird überregional gerühmt. Er nutzt die Mostviertler Feldversuche auch dazu, um sich ständig Gedanken darüber zu machen, wie man traditionelle Produkte auf ganz neue Weise ver­ kochen kann. Melker Straße 10, 3204 Kirchberg/Pielach www.kalteis.at

Landgasthof Bärenwirt Erich Mayrhofer

Der Regionalität, Saisonalität und Nachhaltigkeit hat sich Erich Mayrhofer mit seinem Team ­verschrieben. Die Bärenwirt-Küche trägt seit ­Kurzem zwei Hauben von Gault Millau, trotzdem fühlen sich dort lokale Schnapserrunden ebenso wohl wie Gourmets. Bei den Mostviertler Feld­ versuchen bindet er nun auch Gäste als Köche ein. Ybbser Straße 3, 3252 Petzenkirchen www.bärenwirt.at

Destillerie Farthofer

Dirndlmanufaktur Fuxsteiner

Weinkultur Preiß Viktoria Preiß

Das Malzeis von Theresia Palmetzhofer stammt aus der Mälzerei der Bio-Destillerie Farthofer, der Mostello ist ihr bekanntester Brand in ihrer Mostelleria mit rund fünfzig Bio-Bränden und Likören – Doris und Josef Farthofer beziehen die Produkte aus eigener Bio-Landwirtschaft. Mostviertelplatz 6, 3362 Öhling www.destillerie-farthofer.at

Gibt es etwas, das die Familie Fuxsteiner nicht aus Dirndl macht? Sie verarbeitet die leuchtend roten Wildfrüchte unter anderem zu Essig, Marmelade, Saft, Honig, Senf und dem Pielachtaler Dirndlbrand. Für den Geschmack des Mostviertels einfach unentbehrlich. Tradigistgegend 17, 3204 Kirchberg/Pielach www.fuxsteiner.at

Viktoria Preiß führt das Obst- und Weingut der Familie gemeinsam mit ihren Eltern und zählt zu den anerkannten Weinexpertinnen der Region. Neuerdings experimentiert sie mit einem Apfel Pet Nat. Er bekommt nach dem Degorgieren seinen Schliff vom Dirndlsaft. Ringgasse 4, 3134 Theyern www.weinkulturpreiss.at

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Juliane Fischer

Wie das Mostviertel schmeckt? Ganz neu! A

pfelcider? Kennt man. Nur nicht jenen, den der Feldversuch-Koch Mike Nährer mit einem Bio-Apfel-Mostproduzenten aus der Umgebung entwickelt hat.

Mostviertler Feldversuche: Das bedeutet das Jahr über intensive Auseinandersetzung der beteiligten Köche und Hersteller mit den Lebensmitteln ihrer Umgebung, um damit zu experimentieren und völlig neue Geschmackserlebnisse für ihre Gäste zu kreieren

Schwarz-König (2), weinfranz.at

Der Apfelcider vom Biohof Weichhart enthält nämlich auch Rote Rüben. Ein süffiges Beispiel für das Prinzip der Mostviertler Feldversuche. Köche wie Erich Mayrhofer, Hubert Kalteis, Stefan Hueber, Mike Nährer, Andreas Plappert und Theresia Palmetzhofer suchen gemeinsam mit Produzenten aus ihrer nahen Umgebung nach einem für die Region typischen Geschmack. Er soll aus traditionellen Speisen und Getränken erwachsen, alles bisher Bekannte jedoch weit übertreffen. Den Gästen bei einem Mostviertler Feldversuch soll ein Erlebnis geboten werden, das sie nicht vergessen werden, weil sie es so nie erwartet haben.

Koch Mike Nährer und Winzer Tom Dockner bei einem Mostviertler Feldversuch Das kann auch bedeuten, als Gast in der Küche zu stehen und mit acht weiteren Gästen sowie den drei Köchen Mayrhofer, Hueber und Kalteis in wenigen Stunden ein sechsgängiges Gericht für fünfzig neugierige Besucherinnen und Besucher zuzubereiten. Die Köche haben schon Tage davor aus sechs verschiedenen regionalen Produkten je zwei untereinander ausgelost und sich den Kopf darüber zerbrochen, was daraus nun Köstliches und Innovatives

Die Runde der Köche und Produzenten der Mostviertler Feldversuche 8 · mostviertel

werden kann. Zusammen mit den kochenden Gästen wird es dann realisiert und aufgetischt. Etwa im Weingut Tom Dockner in Theyern, einer Katastralgemeinde von Nußdorf ob der Traisen, auf einem Hochplateau in zirka 400 Metern Seehöhe. Hier scheint die Sonne lang. Der Abendwind weht lau. Heroben herrsche ein ganz eigenes Mikroklima, meint der Gastgeber Dockner. Sogar die Menschen seien hier anders. Seit einer ersten urkundlichen Nennung im Jahr 1075 ist der Ort immer mit ungefähr zwanzig Häusern besiedelt, weiß der Tourismusobmann Walter Pernikl, der das Weinland Traisental-Donau wie seine Westentasche kennt. Die bunt gemischte Gästeschar wartet auf den Mostviertler Feldversuch von Mike Nährer aus seinem Gasthaus in Rassing. Ganz dem Prinzip der Feldversuche entsprechend, hat er sich in seiner Gegend nach neuen Rohstoffen und spannenden, vor allem auch jungen Produzenten mit Sinn für Experimente umgesehen. Jetzt wird gleich erfahrbar, wie es schmeckt, wenn sich Mostviertler Köche und Wirte aus der Komfortzone ihrer traditionellen eigenen Küche hinauswagen.


Vom Rüssel zum Ringelschwänzchen, alles vom Schwein Mike Nährer serviert an diesem Abend als Gaumenhappen Schweinehirn-Aufstrich mit Vogelbeeren und Butterbrioche. Der Haubenkoch arbeitet möglichst nach dem From-Nose-to-Tail-Konzept des britischen Küchenintellektuellen Fergus Henderson. Man könnte auch sagen, er macht, was früher noch üblich war, als zum Wirtshaus meist auch eine Fleischerei gehört hat: die Verwertung aller Teile eines Schweins, vom Rüssel zum Ringelschwanz. Das Tier des Abends stammt vom Biohof Pfeiffer in Panzing und hat seinen Schwanz noch gehabt, da bei biologischer Tierhaltung Eingriffe wie das Schwanzkupieren verboten sind. So hat Mike Nährer wirklich alles verkochen können. Dieses Verarbeitungsprinzip findet immer mehr Anhänger, hat man doch wiederentdeckt, dass ein Rind oder Schwein nicht nur aus Hüftsteak oder Lungenbraten besteht. In Zeiten des Klimawandels ein angemessenes Prinzip: Jeden Tag Fleisch essen geht sich ressourcentechnisch ebenso wenig aus, wie nur die Edelteile zu schnabulieren.

Die Rettung der Weingärten ehemaliger Garagenheuriger Als erstes Getränk wird der eingangs beschriebene Apfelcider vom Weichhart kredenzt. Der Biohof ist eine der Entdeckungen Nährers. Sein eigenes Gasthaus befindet sich nahe am Landesmittelpunkt von Niederösterreich, der exakt 5.348.138 Meter nördlich des Äquators in der Gemeinde Kapelln liegt. Ein hölzerner Aussichtsturm markiert die Stelle. Er bildet auch den Zirkelpunkt für den Kreis der Suche Nährers nach Inspiration. Dabei kommt er mit den Menschen aus den umliegenden Ortschaften ins Gespräch, etwa mit Nebenerwerbsbauern, die vor rund sechzig Jahren hier noch urige Garagenheurige geführt haben. Die Weingärten dazu stehen noch, und die Auch für 2021 lassen sich die Gastronomen und Produzenten wieder Überraschendes einfallen. Alle Informationen sowie die Termine finden sich unter www.feldversuche.at

Nachkommen machen pflichtbewusst irgendwie weiter. Sie pressen Traubensaft für den Hausgebrauch oder verkaufen die Trauben. Als aber das Angebot kam, die Rebflächen für Sonnenkollektoren zu nutzen, wollten einige den Weinbau ganz aufgeben und die Gärten roden. Nährer aber möchte ihnen eine Alternative bieten, um das Bestehen der alten Rebflächen zu sichern. Dazu hat er sich die beiden Winzer Tom Dockner und Jürgen Leitamayer ins Boot geholt. Sie kaufen den Weinbauern die Trauben ab, zum Teil rare Sorten oder für das Traisental untypische wie den St. Laurent, und übernehmen die Vinifizierung. Die Weine werden unter der Marke „Mostviertler Feldversuche“ angeboten. Beim Cuvéetieren assistiert Nährers feiner Gaumen.

Pönninger Wels, Panzinger BioSchwein und Perschlingtaler Ziegenkitz Nährer ist auch auf eine Idee gekommen, Wein- und Speisetradition noch enger zu verknüpfen: So räuchert er Kräuterseitlinge vom Schwammerlprinzen aus Perschling in einem Kessel mit Holzkohle, Heu und Eichenholzspänen, die beim Fassbinder Stockinger aus Waidhofen a/d Ybbs bei der Weinfassherstellung anfallen. Sein Fisch-Gang: Gebeizter Saibling mit Gurke und Buttermilch, wobei Buchweizen die knackige Komponente beisteuert. Selbst der Wels in Nährers Wirtshaus kommt aus nur dreieinhalb Kilometern Entfernung. Dazu gibt es Paradeiser und Zucchini vom Jeutendorfer Neo-Bauern „Grünzeug vom Feld“. mostviertel · 9


Pfirsiche vom Bio-Obsthof, Mikroalgen aus Reidling Süßes Finale: Pfirsiche vom Bio-Obsthof Lindner aus Wagram ob der Traisen, Crumble und mintfarbener Algenschaum mit Chia-Samen-Punkterln. Diese CheesecakeInterpretation beinhaltet auch Nähers neuesten Fund, nämlich Mikroalgen. „Sie werden in Reidling hergestellt, also gezüchtet, oder wie sagt man?“ „Kultiviert!“, hilft ihm Christof Mayer von der Firma „Spirulix“ aus. Er seiht die grünen Pflanzenfäden vor den Gästen ab. Hauptsächlich kennt man Spirulina-Algen als Nahrungsergänzungsmittel. Sie beinhalten Omega 3, Vitamin B und zu sechzig Prozent Protein – was sie zu einem Thema für die künftige Ernährung macht. Wenn

die Klimakrise gestoppt werden soll, muss unser Verbrauch an tierischem Eiweiß reduziert werden. Die Spirulina können dabei helfen. Sie wachsen ressourcenschonend in Becken, die mit der Abwärme vom Biomassekraftwerk beheizt werden. „Auf der Uni würde ich eine auf den Deckel kriegen, weil ich so salopp von Algen spreche“, erklärt Mayer. „Eigentlich handelt es sich um eine Gattung von Cyanobakterien. Früher hat man sie Blaualgen genannt.“ Nun mischt sich der Koch wieder ein: „Ich dachte, die Algen sind fester, wie man es aus der asiatischen Küche kennt“, gesteht Nährer. Einer der Gäste erklärt darauf: „Ich bestelle immer das Exotische. Alles, was ich noch nicht kenne“, sagt er. Damit ist er bei den Mostviertler Feldversuchen genau richtig.

Verkehrt gegartes Rindsfilet

Schwarz-König

Ein Feldversuch mit Andreas Plappert Der Wirt Andreas Plappert aus Waidhofen a/d Ybbs servierte am Abend seines Mostviertler Feldversuchs seinen Gästen fein geraspelten Speckschnee als Gruß aus der Küche und Mostviertler Schofkas in der Lauchasche mit Steinpilzen und BirnenBalsamico-Essig. Es folgten ein Saibling im Rauchkisterl und ein emailliertes Heuhendl, das den Duft des Mostviertler Almsommers über dem Teller schweben ließ. Die Duftzauberei-Künstlerin Franziska Kronsteiner unterhielt die Gäste mit Geschichten rund um das Thema Geruch. Den Höhepunkt des kulinarischen Abends bildete ein „verkehrt gegartes“ Rindsfilet mit Schwammerlsterz und Waldklee aus der Esse. Dazu wurde das Fleisch auf glühende, extra vom Schmiedekünstler Nikolaus Frühwirt angefertigte Eisenspieße gewickelt und von innen nach außen gegart. Zum Dessert rund um Thymian, Birnenmost, Zwetschke und Lavendel ging es dann in die Genuss-Schmiede beim Schwarzenbach. Plappert hat die Kreationen gemeinsam mit seinem Team und dem Gastkoch Manfred Stockner entworfen. Ebenfalls ein Mostviertler Feldversuch, ein Apfel Pet Nat mit Dirndlnektar von Viktoria Preiß (Weinkultur Preiß, Theyern), Weine von Markus Schuller aus Neuhofen an der Ybbs und Destillate von der Destillerie Farthofer in Öhling sorgten für eine stimmige Getränkebegleitung.

Nach dem Experiment der Köche kommt die Prüfung durch die Gäste 10 · mostviertel


Jetzt gewinnen! Karte abnehmen, ausfüllen, einsenden und am Gewinnspiel teilnehmen

Wir verlosen die Teilnahme an einem Mostviertler Feldversuch Ihrer Wahl für 2 Personen. Geschichten und Informationen zu den Mostviertler Feldversuchen finden Sie auf den Seiten 6 bis 11 sowie online unter www.feldversuche.at mostviertel · 11


Barbara Freitag

Wo das Schwein entspannt quiekt U

rsprünglich war der Bachlerhof eine typische Mostviertler Landwirtschaft mit einer Jausenstation für hungrige Wanderer. Die Gegend um Abetzdorf in der Marktgemeinde Kematen galt bei Wienern schon in den 1930er-Jahren als beliebtes Ziel für die Sommerfrische. 1970 machten dann Rosa und Michael Bachler aus dem Bauernhof ein richtiges Wirtshaus. Die nächste Generation mit Anna und Johann Bachler baute das Fundament der Gaststätte in

der heutigen Form aus und übergab 2016 den Hof an ihre Tochter Maria und deren Lebenspartner Stefan Hofer, die den Hof im Jahr 2018 umbauten und ihn in die heutige Form brachten. Die Eltern haben nun Zeit, sich auf ihr gemeinsames „Hobby“ zu konzentrieren, nämlich die Landwirtschaft. Und die beiden Junggastronomen freuen sich darüber, deren Produkte wie Kräuter, frische Blumen und Fleisch in ihrem Wirtshaus anbieten zu können.

weinfranz.at

Maria Bachler und Stefan Hofer führen das Traditionsgasthaus Bachlerhof bei Kematen in dritter Generation. Mittlerweile ist es eine erste Adresse für Feinschmecker geworden. Die Eltern Anna und Johann Bachler sorgen für frische Früchte, glückliche Tiere und würzige Küchenkräuter

Maria Bachler und Stefan Hofer 12 · mostviertel

Die beiden haben einander „auf Saison“ im Zillertal kennengelernt, wie die gelernte Tourismusfachfrau Maria Bachler erzählt. Bald war ihnen klar, dass sie ihren weiteren Lebensweg gemeinsam gehen möchten. So führen sie nun, seit sich Marias Eltern zur Ruhe gesetzt haben, als Power-Paar die Wirtschaft. Der gebürtige Pinzgauer Stefan Hofer ist als Koch für die Küche, Maria Bachler für den Service zuständig.„Wir sind ein Familienbetrieb,


Eines der dreißig Hausschweine der Bachlers in seinem Kleefeld jeder hat seine Rolle“, sagt Maria Bachler. Papa Johann sorgt für die dreißig Hausschweine. Ganz der artgerechten Tierhaltung verschrieben, lassen die Bachlers ihre Schweine das Jahr über ihr Leben im Freien verbringen, wo sie sich zufrieden in ihrem Kleefeld wälzen können. Darüber hinaus haben sie auch noch einen eigenen Platz zum Suhlen. Als Unterstand dient ihnen ein ausrangierter Wohnwagen. Ein Dasein ohne Einschränkungen für diese gesunden Schweinderln. Die Vorzüge der artgerechten Tierhaltung machen sich auch in der Qualität der Produkte des Bachlerhofs bemerkbar – und natürlich in der Küche. Sie brachte der Familie den Titel „Top-Wirt-Aufsteiger 2019“ ein. Die Küche bietet neben Klassikern wie „Tafelspitz vom Mostviertler Weiderind“, gebackenem Schnitzerl oder „Ybbstal Forellenfilet“ auch vegetarische Gerichte sowie Neuinterpretationen wie „Saltimbocca vom Maishendl supreme“

oder das „1-Stunden-Ei“. Das Dessert dominieren im Sommer vor allem die Erdbeeren von den eigenen Feldern, die Papa Johann Bachler liebevoll pflegt. Aus den Früchten entstehen Säfte und Marmeladen, die es gleich am Hof zu kaufen gibt. Johann Bachler kümmert sich außerdem um jährlich vierzig Weidegänse. Die Tradition des Martini-Gansls erfreut dann den Gaumen der Gäste am Bachlerhof. Mama Anna betreut den reichen Kräutergarten, wo neben Rosmarin, Thymian, Salbei und Kapuzinerkresse jede Menge anderer Raritäten wachsen. Auch für den Blumenschmuck ist die Seniorchefin zuständig. Ihre Tochter Maria Bachler hat am Gebäude des Wirtshauses kaum etwas verändert. Der wunderschöne Gastgarten mit den altehrwürdigen Ahornbäumen brauchte sowieso keinerlei Renovierung. Die Bachlers verstehen sich als traditioneller Familienbetrieb. „Unsere Philosophie ist, regionale Produkte zu

verarbeiten, saisonal zu kochen und mit kleinen Lieferanten der Umgebung zu arbeiten“, sagt die Juniorchefin Maria. Sogar geschlachtet und verarbeitet wird am eigenen Hof. Damit zeigen die Bachlers, wie man bewährte Traditionen mit neuen Ansprüchen verbindet und zu einer Lebensweise und zu Produkten kommen kann, die auch die Gäste guten Gewissens genießen können. www.bachlerhof.at

Die Moststraßen-Tour Die Feinheiten der Moststraße lassen sich am besten vom Rad aus entdecken. Dazu gibt es die kostenlose MostRadCard! Bestellung der MostRadCard unter T: +43/7482/204 44 www.mostviertel.at

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Werner Sturmberger

Der gute Geist der Waldgärten N

ur mit Wissen allein kann man der Komplexität der Natur nicht gerecht werden“, sagt Reinhard Engelhart und lässt seinen Blick durch den Waldgarten wandern, zwischen Bäumen und Sträuchern hindurch in die sanfthügelige Landschaft rund um die Traisen. Wer genauer hinschaut, erkennt, dass sich hier überraschend viele unterschiedliche Baum- und Strauchfrüchte, Kräuter und Wildgemüse zu einem lebendigen Ganzen zusammenfügen. Der Mann mit Hut nimmt bedächtig einzelne Äste weg, setzt neue Pflanzen. „Die Idee des Waldgartens entstand wohl in den 1970er-Jahren in Großbritannien. Man findet sie aber überall dort, wo auf kleiner Fläche alles Lebensnotwendige produziert werden soll, und das mit mög14 · mostviertel

lichst wenigen Eingriffen.“ Dafür braucht es nicht nur sehr viel Wissen über die Prozesse in der Natur, sondern auch viel Erfahrung und das richtige Gespür.

Auf seinem Bauernhof „Grüner Engel“ widmet sich Reinhard Engelhart samt Familie der Natur mit biologischem Anbau und Waldgärten. Dazu kommt ein Hofladen. Sohn Gabriel nutzt die Produkte für seine Haubenküche Dem gebürtigen Steirer wurde als Sohn eines Försters die Liebe zur Natur in die Wiege gelegt, Erfahrung und Wissen kamen dann mit den Jahren. Im Studium an der Universität für Bodenkultur begann

er sich mit ökologischem Landbau zu beschäftigen und lernte seine Ehefrau Anna und mit ihr das Traisental und ihren Hof im Ortskern von Inzersdorf kennen. „Für uns war mit der Betriebsübernahme klar, dass wir nicht den herkömmlichen Weg gehen wollen. Wir haben die Vision gehabt, einen vielfältigen Hof aufzubauen und unsere Produkte in der Region zu verkaufen.“ Mit dem Spargel glückte der Einstieg in die Direktvermarktung. Dem folgte der feurig-orange leuchtende Sanddorn, der zugleich den Anstoß zu den Waldgärten gab. Mittlerweile haben Tochter Patrizia und Schwiegersohn Christian die Verantwortung für den biologischen Anbau von Getreide, Mais, Kürbis, Erdäpfel und Spargel übernommen. „Wir haben

weinfranz.at

So sieht ein Waldgarten von Reinhard Engelhart aus. Der ökologische Landbau …


Traisentaler Hofläden Im Haus- und Hofladen Öllerer in Sitzenberg geht’s ans Ein- und Selbstgemachte, ergänzt von einer vielfältigen Auswahl an frischem Obst und Gemüse bis hin zu Fisch, Fleisch und Milchprodukten. Das Sortiment kommt direkt vom eigenen Hof sowie von Partnerbetrieben aus dem direkten Umland. Hauptsache, die Qualität stimmt: Im Laden gibt’s nichts, das nicht selbst gekostet und für köstlich befunden wurde. Auch kann man hier übernachten. www.hausundhof-oellerer.at/hofladen

… wird nun von der nächsten Generation weitergeführt

unsere Kinder nie dazu gedrängt, den Hof zu übernehmen. Aber wir leben unsere Überzeugung mit Begeisterung. Da ist es natürlich schön zu sehen, dass der Funke auf unsere Kinder übergesprungen ist.“ Reinhard Engelhart kann sich so ganz auf die Waldgärten und die Veredelung der Produkte konzentrieren. Professionelle Unterstützung findet er dabei auch in der eigenen Familie: Sohn Gabriel ist Haubenkoch und sorgt für das gewisse Extra im Sanddornmus oder im Marillen-Chutney, die neben vielen anderen Produkten im eigenen Hofladen verkauft werden. Der Waldgarten sorgt nicht nur für leibliches, sondern auch für seelisches Wohlergehen. Die fortwährende Beschäftigung mit der Natur bildete für Engelhart den Grundstein seiner Beschäftigung mit Spiritualität. Sie führte ihn mehrmals zu den Q’ero-Indianern. Ihr Leben im Einklang mit der Natur der peruanischen Anden sollte seinen Zugang zur Arbeit mit der Natur grundlegend verändern: „Es ist ein Geben und Nehmen. Ich habe gelernt,

dass ich auch etwas geben muss: Das kann ein Ritual sein oder ein Innehalten in Harmonie. Das versuche ich jetzt auch bewusst am Hof zu leben.“ Informationen und Hinweise zu aktuellen Veranstaltungen: www.gruener-engel.at

Das „la müh la“ in Atzenbrugg widmet sich ganz der Regionalität und Natürlichkeit. Eine Vielzahl an alten Getreidearten und Urgetreidesorten als Fein- oder Vollmehl, Grieß oder Schrot sowie glutenfreies Mehl ist erhältlich. Zusätzlich bereichern die Produkte der hauseigenen Langer Mühle das Angebot. Alles rund ums Backen findet sich im Mühlenladen. Außerdem gibt es regelmäßig die Möglichkeit, an Backkursen teilzunehmen. www.lamuehla.at Beim Altenriederer in Franzhausen wachsen 150 verschiedene Obstsorten. Die gibt es aber nicht nur frisch und saisonal, sondern auch das ganze Jahr über als Wein und direktgepresste Fruchtsäfte ohne Farbund Aromazusätze. Eine Auswahl regionaler Köstlichkeiten ergänzt das Angebot des Hofladens. Die Marktstände sorgen dafür, dass man auch in Wien, Linz und Tulln auf den Geschmack kommen kann. Tipp: Am Selberpflückfeld besteht die Möglichkeit, von Mai bis Oktober verschiedenste Früchte der Saison selbst zu ernten. www.altenriederer.at

Alle Hofläden des Traisentals „Ich habe gelernt, dass ich auch etwas geben muss.“ Reinhard Engelhart

übersichtlich unter: www.traisental.at/einkaufen

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Beim Viertelfestival begleiten Musiker aus Blaskapellen die von Matthias Lackenberger und Andreas Pranzl aufgezeichneten Geräusche der Mosternte

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Werner Sturmberger

Der Klang des Mostviertels W

ie das Mostviertel klingt? Wenn es jemand weiß, dann Andreas Pranzl. Der Trompeter ist mit der hiesigen Blasmusikund Liedguttradition bestens vertraut. Noch deutlicher hört es sein Musikerkollege Matthias Lackenberger. Mit einem Mikrofon nimmt er „field recordings“ auf, Klänge aus der Region. „Ich war auf dem Obsthof von Familie Neuhauser in Kilb. Dort habe ich aufgenommen, wie es klingt, wenn eine Birne auf den Boden fällt oder die Maische beim Pressen heruntertropft. Aber auch das Quietschen der Tür zum Mostkeller oder den Klang der Holzfässer.“

Wie klingt das Mostviertel? In zwei Projekten des Viertelfestivals Niederösterreich stellen sich Matthias Lackenberger und Andreas Pranzl diese Frage. Sie finden ihre Antwort zwischen Tradition und Moderne und zeichnen ein Klangbild der Kulturlandschaft Zu hören ist das im Mai im Rahmen des Viertelfestivals. „Pyrus“ heißt das Projekt, eine Kooperation mit der Region Moststraße. Lackenberger hat die Klänge in elektronisch bearbeiteten Loops, also in sich wiederholenden Klangschleifen, festgehalten. Sie bilden das Material für Andreas Pranzls Kompositionen, die mit der Stadtkapelle Amstetten intoniert werden. Es geht darum, Vertrautes wie Klanggewohnheiten oder Traditionen zu hinterfragen, um sie neu zu erschließen: „Wenn Traditionen in einem Museum

weggesperrt werden, sterben sie aus. Man muss neuen Einflüssen gegenüber offen sein, um sie mit neuem Leben füllen zu können. Wir setzen das musikalisch in einem Aufeinanderzugehen von Elektronik und Blasmusik um“, sagt Lackenberger. Der Kabarettist Thomas Franz-Riegler wird dieses Zusammentreffen begleiten: Die Verbindung von Tradition und Moderne soll alles andere als trocken sein. Und hungern muss man beim Zuhören auch nicht. Im Rahmen des Konzerts werden auch die beim Projekt „Innovation Most“ entstandenen „Pyrus“-Edelmoste sowie Schmankerl aus der Region gereicht. Im zweiten Viertelfestival-Projekt „Eisen und Weisen“ setzen sich Lackenberger und Pranzl mit dem traditionsreichen Schmiedehandwerk der Eisenstraße auseinander. Den Takt gibt das rhythmische Hämmern der Schmiede vor, erklärt Pranzl: „Wenn das Wetter mitspielt, wird die Veranstaltung im Freien, direkt in der Schauschmiede, stattfinden. Dann können wir sämtliche Klänge der Schmiede nutzen – vom perkussiven Hämmern bis hin zum Geräusch, das entsteht, wenn das Feuer geschürt oder das Eisen abgekühlt wird.“ Unterstützt werden die beiden Musiker vom Kunstschmied Roman Britschgi, der als Jazzbassist auch das nötige Taktgefühl mitbringt, wie Pranzl versichert. Die Blechblasinstrumente der Musikkapelle Hollenstein, die an diesem Abend ihr 200-jähriges Jubiläum feiern wird, runden das Klangbild ab. Trotz des schwermetallischen Klangkörpers muss man sich nicht auf einen Heavy-Metal-Abend gefasst

machen. Für das Projekt hat Pranzl das traditionelle Liedgut aus und um Hollenstein für das Schmiede-Blechbläser-Ensemble bearbeitet: „Es gibt noch immer Familien, in denen gemeinsam gesungen wird. Das sind oft Lieder, die mit der Gegend zu tun haben und die man im nächsten Tal vielleicht gar nicht mehr kennt.“ Auch in diesem Projekt machen die beiden Musiker deutlich: Tradition bedeutet nicht die Weitergabe der Asche, sondern das Schüren des Feuers in der Esse. Da klingt das Mostviertel: „Pyrus“ Fr., 21. Mai 2021, Pölz-Halle, Amstetten „Eisen und Weisen“ Sa., 22. Mai 2021, Schauschmiede, Hollenstein a/d Ybbs Alle Infos und Termine: www.viertelfestival-noe.at

Viertelfestival Niederösterreich Das Kunst- und Kulturfestival findet jährlich abwechselnd in einem der vier Landesviertel Niederösterreichs statt. Kulturinitiativen, Künstlerinnen und Künstler, Gemeinden, Schulen und auch Privatpersonen oder Vereine reichen Projekte ein, eine Fachjury wählt die zur Umsetzung geeigneten aus. So werden vom 14. Mai bis 15. August 2021 unter dem Motto „BODENKONTAKT“ im ganzen Mostviertel Kulturprojekte realisiert, die sich mit den Besonderheiten der Region befassen. www.viertelfestival-noe.at

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Johannes Reichl

Dolce Vita an der Traisen

weinfranz.at

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t. Pölten ist tiefenentspannt. Und verwechsle mir jetzt keiner entspannt mit fad, denn die niederösterreichische Kapitale zählt seit geraumer Zeit zu einer der dynamischsten Städte der Republik. Start-ups, Bildungsinstitutionen, Alternativszenen, die Festival- und Eventdichte ist mittlerweile fast unüberschaubar, und gebaut wird auf Teufel komm raus, sodass mancher schon feixt, Kräne seien das neue Wahrzeichen der Stadt. Doch gemach – bei all dem wird auf die Lebensqualität nicht vergessen. 18 · mostviertel

St. Pölten entwickelt sich zu einer Stadt, deren Atmosphäre sich einem Lebensgefühl verdankt, das selbst Wienerinnen und Wiener hierher zum Shoppen, Genießen und Unterhalten zieht – viel Kultur und Beschaulichkeit Beim Flanieren durch die Innenstadt hält man plötzlich inne, weil da irgendetwas anders zu sein scheint als anderswo – bis es „klingelt“: Keine Spur von Stress!

Alles entschleunigt! Man shoppt hier nicht gehetzt, man frönt dem gemütlichen Placehopping vor Barock-Bilderbuchkulisse. Suchten die St. Pöltner früher das Weite, so pilgern heute immer mehr Wiener per Bahn in nur 25 Minuten hierher, um dem entnervenden Kampf um die letzte freie Umkleidekabine zu entgehen. Dazwischen gönnt man sich einen Aperol Spritz oder Cappuccino auf einem der Plätze. Gelegenheit dazu gibt’s in Cafés und Restaurants zur Genüge. Dank Corona mittlerweile sogar in noch größeren Schanigärten, was die City in ein einzig gro-


Johannes Reichl über das (Landes-)Kulturhauptstadtjahr

Verlierer sehen anders aus Können Sie sich noch an Michael Tschugnall erinnern? Er war der Gewinner der Castingshow Starmania 2003. Große Karriere machte allerdings die Zweitplatzierte – eine gewisse Christina Stürmer. Grace VanderWaal gewann 2016 die weltgrößte Casting Show „America’s Got Talent“. Weltberühmt sind mittlerweile aber die zweitplatzierten Magier Thommy Ten & Amélie van Tass.

ßes Wohnzimmer verwandelt. Wenn dann noch Livemusik durch die Gassen schallt, wähnt man sich fast in Bella Italia und genießt das Dolce Vita an der Traisen. Und wer vermutet schon im Stadtmuseum eine der profundesten Jugendstilausstellungen Österreichs, deren Exponate an große Museen weltweit verliehen werden? Das Museum Niederösterreich beherbergt nicht nur ein Haus der Natur (samt Zoo!), sondern auch ein spannendes Haus der Geschichte. Im VAZ St. Pölten gehen Blockbuster wie das Frequency über die

Bühne, das Festspielhaus hat sich als erste Adresse für zeitgenössischen Tanz etabliert, und das Landestheater wurde 2019 von der „New York Times“ quasi in die Liga der besten Theater Europas aufgenommen. „Lass dich überraschen“ lautete einst ein Stadtslogan. Was damals noch ein bisschen mau anmutete, hat sich mittlerweile zur self-fulfilling prophecy gewandelt: Erlebnis, Authentizität und Beschaulichkeit! All in one! Informationen zu St. Pölten unter www.stpoeltentourismus.at

Warum ich Ihnen das erzähle? Weil St. Pölten im Kampf um die Europäische Kulturhauptstadt 2024 Bad Ischl den Vortritt lassen musste, sich aber nicht hängen ließ, sondern für 2024 das (Landes-)Kulturhauptstadtjahr ausgerufen hat. Das heißt, viele der im Zuge des Bewerbungsprozesses entwickelten Projekte werden von Stadt und Land dennoch realisiert, durchaus wertig mit rund dreißig Millionen Euro unterfüttert. Als Leuchtturmprojekt fungiert das KiKuLa, das KinderKunstLabor, wo Kinder auf zeitgenössische Kunst und Künstler treffen werden. Der St. Pöltner Domplatz wird rundum erneuert und inhaltlich neu aufgeladen, sodass seine Tage als grauschnöder Parkplatz endlich gezählt sein dürften. Die ehemalige Synagoge, eine der wenigen erhaltenen in Österreich, wird renoviert und stärker geöffnet, Festspielhaus, Klangturm und Stadtmuseum erhalten ebenfalls Infrastrukturspritzen. 2024 soll es natürlich auch programmatisch „krachen“ mit dementsprechenden Langzeitwirkungen, die sich schon im Rahmen der Bewerbung abzeichneten: Vertiefung der Beziehung von Stadt und Land, Partizipation der Bevölkerung, Diskurs- und Experimentierfreudigkeit, Imagekorrektur, Tourismusschub und regionale Verdichtung auch übers rein Kulturelle hinaus. Schon klar, der „zweite“ Platz im Zuge der Bewerbung war im ersten Moment ein schmerzlicher Dämpfer, aber Verlierer sehen anders aus: St. Pölten kommt aus der zweiten Reihe wie Christina Stürmer oder Thommy Ten & Amélie van Tass! mostviertel · 19


Traisentaler Weinbegleiterin Astrid Müllner

Mit viel Freude, Engagement und Idealismus und manchmal sogar mit dem Fahrrad vermitteln die Traisentaler Weinbegleiter und Weinbegleiterinnen wie Astrid Müllner ihre Verbundenheit zur Region und erfreuen die Gäste mit persönlichen Tipps. www.traisental.at/weinbegleiter-tour

Rent a SEPP Anita Eybl

weinfranz.at

Sie haben ihr ganzes Wissen unter einen Hut gepackt und geben es gern weiter: SEPPen wie Anita Eybl. Die persönlichen Reisebegleitenden bieten „Service & Erlebnis mit Profil“, erzählen über Mostbarone und Schwarze Grafen und das milde und wilde Mostviertel. www.rent-a-sepp.at

Pielachtaler Naturvermittler Peter Neuhauser

Pilgerbegleiterin Christa Englinger

Schallaburg Kulturvermittler Marcel Chahrour

Die Pielachtaler Naturvermittler wie Peter Neuhauser bieten Entdeckungstouren durch die Pielachtaler Naturlandschaft an. Im Frühling geht’s zur Dirnlblüte, und im Herbst stehen Dirndl-Wanderungen rund um den Dirndlkirtag am Programm. www.mostviertel.at/ pielachtaler-naturfuehrer

Geführte Pilgerwanderungen etwa mit Christa Englinger entlang der Via Sacra oder am Wiener Wallfahrerweg laden dazu ein, sich selbst und das Leben neu zu entdecken. Die erfahrenen Pilgerbegleitenden geben dabei hilfreiche Tipps zum Reinspüren und Innehalten. www.viasacra.at/gefuehrt-pilgern

Auf der Schallaburg begegnen die Besucherinnen und Besucher anderen Menschen und spannenden Themen. Die Ausstellung, das Schloss, alle Programme leben durch die Sichtweise der Gäste auf das Thema und den Dialog mit Kulturvermittlern wie Marcel Chahrour. www.schallaburg.at

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Die Kraft des Mostviertels Führungen mit Kultur- und ­Naturvermittelnden im wilden Mostviertel Mostbaron Toni Distelberger

Nachtwächterin Doris Dürauer

Naturvermittlerin Katja Weirer

Unterwegs mit dem Mostbaron. Ein Spaziergang zu ausgewählten Plätzen im Reich eines Mostbarons wie Toni Distelberger. Mitten in der Natur verkostet man Fruchtiges und lernt die wichtigsten Obst- und Mostbirnensorten ­kennen. www.distelberger.at

Haben Sie Waidhofen a/d Ybbs schon bei Nacht gesehen? Eine Nachtwächterführung durch die historische Altstadt ist eine Reise in vergangene Zeiten. Die Geschichten und Geheimnisse hinter dicken Mauern … www.mostviertel.at/nachtwaechter-­ fuehrung-in-waidhofen-an-der-ybbs

Bestens ausgebildete Naturvermittlerinnen und Wanderführer bringen die Alpinlandschaft des Ötschers auf sehr persönliche Weise näher. Es gibt auch Naturvermittlungen für Kinderund Schulgruppen im neuen Ötscher-Turm mit Naturwerkstatt und Dachterrasse. www.naturpark-oetscher.at/naturvermittler

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Barbara Freitag

Ein Signal am Mirafall

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Ein überraschender Moment auf dem Wanderweg im Naturpark Ötscher-Tormäuer: Der Cliffhanger

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as wünscht man sich auf einer Wanderung? Vor allem ein Naturerlebnis, also eine Erfahrung, die Städte oder Kulturstätten nicht bieten können: Wald, Wasser, Gebirge, Ruhe und Erholung. Oder ein Wir-Gefühl beim gemeinsamen Wandern, etwa in den Ötschergräben im Naturpark Ötscher-Tormäuer.

Bei einer Wanderung durch die Ötschergräben im Naturpark ÖtscherTormäuer kann man bis September 2021 an dem Felsen beim Mirafall eine außergewöhnliche Entdeckung machen: Die „Tourist Information“ der künstlerischen Intervention „Cliffhanger“ vom Künstlerkollektiv Steinbrener/Dempf & Huber Der Weg führt an einer Felswand vorbei, über die auf spektakuläre Weise Wasser schießt: der Mirafall. Schön, sehr schön. Aber wäre es nicht noch schöner, wenn man Fels und Wasser näherkäme oder einen Ausblick über die ganze Gegend haben könnte? Etwa auf einem Klettersteig, in einem Seilgarten oder auf einer Aussichtsplattform? Solche Fragen führen oft zu „touristisch erschlossenen“ Landschaften. Naturgegebenheiten werden durch regionale Entwicklung zu einer Attraktion, die viele Menschen anziehen und damit Geld und Arbeitsplätze bringen. Der Preis, den die Region dafür zahlt? Sie büßt die ursprüngliche Attraktion, ihre einmalige Natur, ein. Tourismusmarketing soll für Gästenachschub sorgen, was aber umso schwieriger wird, je mehr auf ähnliche Weise entwickelte Regionen existieren. Das Kunststück ist also, eine

Balance zwischen touristischem Angebot und Erhaltung einer Landschaft zu finden. Dieses Kunststück haben rund 600 Naturparks in Europa, etwa 47 davon in Österreich, zur Aufgabe. Der Naturpark Ötscher-Tormäuer mit den Ötschergräben und dem Mirafall ist einer davon. Die vier Hauptanliegen lauten: Schutz, Erholung, Bildung und Regionalentwicklung. „Im Ötschergebiet ist in den letzten Jahren viel geschehen, nicht zuletzt durch die Niederösterreichische Landesausstellung ÖTSCHER:REICH 2015“, erklärt der Leiter des Naturparkzentrums, Florian Schublach. „Nun ist es bei all der Entwicklung der Region auch einmal wichtig, ein Signal zu setzen, um allen Beteiligten wie Regionalentwicklern, Touristikern und Gästen die Möglichkeit zu geben, zu fragen, ob wir noch auf dem richtigen Weg und uns über die künftige Richtung klar sind.“ Dieses Signal hängt einhundert Meter hoch an der Steilwand neben dem Mirafall: „Tourist Information“ steht in schwarzer Schrift auf weißem Untergrund oberhalb eines roten Portals. Es ist die künstlerische Intervention „Cliffhanger“ des Wiener Kunstkollektivs Steinbrener/ Dempf & Huber mit Christoph Steinbrener, Rainer Dempf und Martin Huber. „Wir möchten damit die Eroberung der Landschaft und das beständige Ausbreiten der Zivilisationsgrenzen, auch durch den Tourismus, visualisieren“, sagt Steinbrener dazu. Das Portal am Mirafall geht aus einigen früheren Arbeiten des Trios zu „deplatzierten Fassaden“ hervor. „Das Prinzip ist, Portale von Gassenlokalen an ungewohnte Orte zu versetzen“, erläutert Steinbrener. „Wir sind von dieser großartigen Landschaft begeistert. In den Ötschergräben befinden wir uns in einem

Gebiet, das touristisch von Belang ist. Eine gedankliche Ebene ist die Unerreichbarkeit des Geschäfts. Die zweite Ebene ist ein Spiel mit der Zeit, denn diese Fassade wirkt wie aus der Gründerzeit und sieht aus, als ob sie schon seit hundert Jahren dort wäre.“ Das Vorbild des Portals ist ein altes Geschäftslokal, das die Künstler in Malta entdeckt haben. Der Eingang wurde in Originalgröße von drei mal vier Metern aus Aluminium nachgebaut. „Mit einem Fernglas kann man von unten am Wanderweg aus in der Infostation historische Postkarten erkennen“, erklärt Steinbrener. „Unsere Projekte nennen wir immer Expeditionen, und diesmal war es tatsächlich eine. Es gefällt uns, dass man sich anstrengen muss, um das Kunstwerk zu sehen.“ Denn bis zum Mirafall braucht es schon gute zweieinhalb Stunden Gehzeit. Speziell für diese Wanderung wurde ein Parcours entwickelt, den man als App auf das Handy laden kann. Geboten werden umfassende Informationen zur „Expedition“. Die filmische Dokumentation des Projekts kann man ab 22. Mai 2021 im Rahmen der Ausstellung „Cliffhanger“ in der Niederösterreichischen Landesgalerie sehen. Der Naturpark ist für die Künstler eine Region, die bisher von Auswüchsen des Massentourismus verschont geblieben ist. „Das Projekt kann, so gesehen, auch als eine Warnung oder als ein Mahnmal verstanden werden, zukünftig nachhaltiger und sensibler mit der Umwelt umzugehen.“ Informationen zum Naturpark Ötscher-Tormäuer unter www.naturpark-oetscher.at

Wanderung: Alpenhotel Gösing – Hintere Tormäuer – Ötschergräben – Ötscherhias – Mitterbach Durch die Schluchten des Naturparks entlang von Erlauf und Ötscherbach. Der Weg beginnt direkt unterhalb des Alpenhotels Gösing und führt durch einen Wald bis nach Erlaufboden. Von dort durch die Erlaufschlucht „Hintere Tormäuer“ bis zum Schaukraftwerk Stierwaschboden und durch die Ötschergräben zur Jausenstation Ötscherhias. Von dort eine halbe Stunde bis zum Mirafall – dieser Abstecher lohnt sich. Vorbei an einer alten Mühle erreicht man den Erlaufstausee und entlang seines Ufers schließlich Mitterbach. Für die Rückkehr nach Gösing empfiehlt sich die Mariazellerbahn.

Christoph Steinbrener (links), Ewald Krausshofer und Martin Huber mostviertel · 23


Sophie Hanak

Ein Zug für Träumer, Pilger und Pendler I

weinfranz.at

ch bin sehr stolz und glücklich, dass es die Mariazellerbahn heute noch gibt“, Gerhard Hackner aus Kirchberg an der Pielach ist seit dreißig Jahren Obmann des Tourismusverbandes Pielachtal. Wer schon einmal mitgefahren ist, versteht seinen Stolz, denn sie gilt nicht ohne Grund als schönste Schmalspurbahn Europas. Von St. Pölten bis Frankenfels geht es die Talstrecke entlang, ab Laubenbachmühle bis Mariazell müht sich der Zug die Bergstrecke hinauf. Zusammen macht das die längste Schmalspurbahnstrecke des Kontinents.

Sie ist die längste und gilt auch als die schönste Schmalspurbahn Europas: Die Mariazellerbahn. Sie dient Pendlern als Verkehrsverbindung und Gästen als „Himmelstreppe“ zu einer einmaligen Naturlandschaftsreise durch das Dirndltal nach Mariazell

ausgebaute Skigebiete: den Annaberg, die Gemeindealpe und die Bürgeralpe. Im Sommer bieten die Berge Zipline, Rollerfahrt und sogar Surfen bei Wakealps. Vor einigen Jahren drohten die ÖBB, die Bahn einzustellen. Sie wurde glücklicherweise von der NÖVOG des Landes Niederösterreich übernommen. „Ich habe mich sehr für die Rettung der Mariazellerbahn eingesetzt“, sagt Hackner. „Wir haben Feste organisiert, der Politik bewusst gemacht, dass wir die Mariazellerbahn brauchen. Und die ,Himmelstreppe‘, so werden Garnituren der Mariazellerbahn genannt, bietet unseren Gästen eine bequeme Reise zu einer einmaligen Naturlandschaftserfahrung. Heute bin ich mir sicher, dass die Mariazellerbahn in eine gute Zukunft fährt.“ Nun wird der langjährige Erfolg im Juni 2021 mit dem Schmalspurfestival gefeiert. www.mariazellerbahn.at www.pielachtal.info

Das Besondere einer Schmalspurbahn ist ihre Spurweite von 760 Millimetern. Das macht den Bau der Bahnstrecke einfacher, außerdem kann man engere Kurven fahren. „Erbaut wurde die Mariazellerbahn in den Jahren 1896 bis 1907“, erzählt Hackner. Auf ihrer Strecke überquert man 19 Viadukte sowie Brücken und durchfährt 21 Tunnels. Sie ist immer schon stark von Touristen oder Pilgern genutzt worden, man hat sie früher aber auch für den Frachtverkehr eingesetzt. Heute hat sie große Bedeutung für den Pendlerverkehr aus dem Pielachtal nach St. Pölten und ist natürlich nach wie vor ein touristisches Highlight für das Pielachtal, den Naturpark Ötscher-Tormäuer und das Mariazellerland. Alle wichtigen Wanderwege enden oder beginnen an ihren Stationen. Entlang der Strecke gibt es auch drei gut

Gerhard Hackner hat sich sehr für den Erhalt der Bahn eingesetzt

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Die Mariazellerbahn als Modell im Maßstab 1:67 gibt es im Modellbahnmuseum „Bahn im Bahnhof“ www.bahnimbahnhof.at

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Zipline Annaberg

In Annaberg geht es bei einer gemütlichen Wanderung oder mit dem Sessellift auf das Hennesteck. Darauf folgt eine spektakuläre Abfahrt mit der 2020 eröffneten Zipline: 90 Sekunden aufregender Flug über knapp 400 Höhenmeter. Bei höchster Sicherheit können bis zu 120 km/h erreicht werden. www.annaberg.info

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Bikepark Königsberg

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Naturerlebnis Erlaufschlucht Purgstall

In der wild zerklüfteten Erlaufschlucht in Purgstall erlebt man das Ökosystem eines Voralpenflusses mit einer großen Zahl an Tier- und Pflanzenarten. Natur- und Kulturvermittler bieten hier Führungen an, die am Eingang der Schlucht starten. Festes Schuhwerk schnüren und eintauchen in die Welt der Erlauf. www.erlaufschlucht.at

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Wildnisgebiet Dürrenstein

Das 3.500 Hektar große Wildnisgebiet ist ein streng geschütztes Naturreservat und das erste UNESCO-Weltnaturerbe Österreichs mit einem Fichten-TannenBuchen-Urwald. Zutritt nur über den Eulenweg sowie den Weg rund um das Hochmoor Leckermoos – geht auch mit Kinderwagen. www.wildnisgebiet.at

Auf Mountaincarts talwärts

Das Haus der Wildnis

Im Bikepark kommt man auf vier verschiedenen Strecken mit mehr als 7,5 km, einem Pumptrack und Übungsgelände auf seine Kosten. Ausgehend vom Bike-Eldorado Königsberg auf mehr als 300 km Wegenetz mit E-Bike oder Mountainbike die Ybbstaler Alpen erkunden! www.koenigsberg.at

Martin Fülöp (1), weinfranz.at (7), Theresa Pewal (1), Ludwig Fahrnberger (1)

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360° Skytour Hochkar

Aussichten von der Aussichtsplattform am Hochkar bei Göstling an der Ybbs. Der Blick geht 120 Meter senkrecht hinunter, horizontal aber noch viel weiter: Bei klarer Sicht kilometerweit ins Land hinein, vom HochschwabGebiet bis zum Großglockner. Die Plattform ist Teil der 360°-Rundtour am Göstlinger Berg, dem höchsten Berg der Ybbstaler Alpen, die man vom Parkplatz Hochkar aus erreicht. www.mostviertel.at/skytour-hochkar

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in Lunz am See eröffnet im März 2021. Es macht das Wildnisgebiet mit seinem Urwald virtuell erlebbar. Wie verschachtelte, riesige Baumstämme im Wildnisgebiet verbinden sich die Gebäudeteile zu einem aufregenden Ganzen. Holz und Stein sind dabei die dominierenden Baustoffe. T: +43/7482/204 44 www.hausderwildnis.at

Mitten im Naturpark Ötscher-Tormäuer bietet die Gemeindealpe Mitterbach Ausblicke und das Terzerhaus zum Einkehren. Downhill-Fans wagen die 4,6 km lange Talfahrt am dreirädrigen Mountaincart. Wer es gern beschaulicher hat, gönnt sich eine Bootsfahrt am Erlaufsee. www.gemeindealpe.at

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Ein Tag Naturerlebnis

Im Panoramawagen der Mariazellerbahn beim Frühstück in der 1. Klasse von St. Pölten in den Naturpark Ötscher-Tormäuer. Zur pikanten, süßen, vegetarischen, veganen oder kleinen Frühstücksvariation zieht die Landschaft des malerischen Pielachtals und des Naturparks Ötscher-Tormäuer vorbei. Die Hinteren Tormäuer mit Naturvermittler entdecken! www.naturpark-oetscher.at/ein-tagnaturerlebnis

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Erfrischende wellenklaenge am Lunzer See

Nach einer Wanderung die Erfrischung im See oder eine Runde mit dem Elektroboot: Das Naturerlebnis Lunzer See bietet Sommerfrische der schönsten Art. Die Naturkulisse rund um den klaren Bergsee lässt sich auch an einem der vielen lauschigen Uferplätze genießen. Das Seebad lädt zur Entspannung ein. Am Abend erlebt man bei den „wellenklaengen.at“ zeitgenössische Musik auf der Lunzer Seebühne. www.ybbstaler-alpen.at/lunz-am-see


Erlebnis im alpinen Mostviertel Die besten Outdoor-Tipps

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Eindrucksvoller Holzweg im Mendlingtal

Schluchten, Bäche und eine vielfältige Pflanzenwelt: Der 3,5 km lange Themenweg ist für große und kleine Naturliebhaber ideal. Dabei kann man auch die Lebensumstände von Holzknechten und Schmiedegesellen an einer spektakulären Triftanlage erfahren. Von dort geht der Weg zu einer Klause, vorbei an einer funktionstüchtigen Mühle und zum Hammerherrenhaus mit regionstypischer Verköstigung. www.erlebniswelt-mendlingtal.at

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Mit Pfeil und Bogen im Wald

Hochkonzentriert zielen und dann den Pfeil ­loslassen: Die Sportart Bogenschießen fordert Körper und Geist gleichermaßen. Der 3D-Bogen­ parcours in Lackenhof am Fuße des Ötschers geht über vier Kilometer durch wildromantische Wälder und Wiesen. Auch Anfänger und Gruppen (Voranmeldung nötig) können sich in Lackenhof am Ötscher von Mitte Mai bis Ende Oktober mit ausgebildeten Guides auf die Pirsch machen. www.3d-bogenparcours-oetscher.at

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Die geheimnisvolle Schlucht

Über hölzerne Stege steigend, entdeckt man die geheimnisvolle Falkenschlucht Türnitz am traditionellen Wallfahrtsweg Via Sacra nach Mariazell. Verschiedene Routen ermöglichen Wanderungen von 2,5 bis zu zehn Stunden. Für manche Pilger ist die Schlucht der Höhepunkt auf ihrer Wallfahrt. Kinder hingegen freuen sich auf die Allwetter-Rodelbahn „Eibl Jet“ in Türnitz. www.mostviertel.at/falkenschlucht-tuernitz

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Sophie Jaeger

Hochlandrinder unter Sternen

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Auf einer malerischen Anhöhe zwischen Göstling an der Ybbs und Lassing, am Fuße des Hochkars, liegt der Hof der Familie Blamauer. Der Familienbetrieb, seit 1994 als Biobauernhof geführt, umfasst Hochlandrinderzucht, Forstwirtschaft, Zimmervermietung, Direktvermarktung der Bioprodukte und einen Heurigen im Sommer.

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Am Biobauernhof der Familie Blamauer „Auf der Lacken“ genießen Gäste die Bioprodukte aus eigener Erzeugung, Abwechslung beim Wandern oder Wintersport, Ruhe und einen beeindruckenden Sternenhimmel

Clemens Blamauer mit einem seiner schottischen Hochlandrinder 28 · mostviertel

Die schottischen Hochlandrinder gibt es seit zwanzig Jahren „Auf der Lacken“, rund 55 Tiere stehen in der Landschaft. Im Sommer grast ein Teil von ihnen auf der Schwarzalm und der Hochkaralm in den Ybbstaler Alpen. Ihr Fleisch wird unter der Marke „Highlandbeef“ angeboten, sie garantiert Rindfleisch von reinrassigen Tieren aus biologischer Landwirtschaft. Außer den Hochlandrindern halten die Blamauers Schafe und Schweine sowie Masthühner. Ihre Legehühner versorgen jene Gäste mit frischen Frühstückseiern, die Urlaub am Bauernhof von Monika und Clemens Blamauer machen. Übernachtet wird im ersten Stock des Hofes entweder in einem der zwei Doppelzimmer oder der zwei Familienzimmer. Monika Blamauer erzählt, dass ihre Gäste im Sommer wie im Winter viel in den Bergen unterwegs sind: Im Sommer wandern sie in den Ybbstaler Alpen, im Winter geht es mit Ski oder Snowboard aufs Hochkar oder den Ötscher. Viele Gäste fasziniert das Hochmoor Leckermoos in Hochreit, auch ist der Lunzer See als Ausflugsziel sehr beliebt. Die dortige Seebühne bietet im Sommer ein vielfältiges kulturelles Angebot. „Wir haben mit unserer Lage wirklich ein Eck erwischt, an dem fast alles möglich ist“, sagt die Bäuerin. Wen die Landwirtschaft interessiert, kann bei den Blamauers einen Blick in den Stall werfen


Seit zwanzig Jahren gibt es nun schon schottische Hochlandrinder „Auf der Lacken“ und je nach Jahreszeit bei unterschiedlichen Tätigkeiten mithelfen. Urlauber auf der Suche nach Ruhe und Entspannung kommen hier zur Erfüllung ihrer Wünsche. „Manche Gäste gehen nach ihrer Ankunft einfach einmal ums Haus und genießen dann die Aussicht vom Liegestuhl aus.“ Im Sommer wird einmal im Monat „ausgesteckt“: Von Mai bis Oktober laden die Blamauers an jedem ersten Wochenende eines Monats zum Mostheurigen. In der urigen Gaststube bewirten sie ihre

Gäste mit hauseigenen Bioprodukten, bei Schönwetter natürlich auch auf der Terrasse. Monika Blamauer hat die Landwirtschaft gemeinsam mit ihrem Mann Clemens im Jahr 2006 übernommen. Sie beschreibt ihren Hof als lebendigen Betrieb, der seinen Gästen ein RundumErlebnis bietet: „Das Besondere an unserem Hof ist, dass alles, was unsere Gäste auf ihren Tellern haben, aus unserem eigenen Betrieb stammt.“ Außerdem schätzen

sie die idyllische Einzellage des Hofes, die nicht nur Ruhe abseits des Trubels bietet: „Hier bei uns gibt es kaum Lichtverschmutzung, in der Nacht wird es stockfinster. Da sieht man die Sterne gut. Deswegen sind unsere Gäste vom glitzernden Sternenhimmel immer besonders begeistert.“

Wandertipp: Almenwanderung vom Leckermoos auf den Ringkogel zur Schwarzalm Start der fünfstündigen Wanderung über rund 14 Kilometer am Parkplatz Leckermoos. Dieses Hochmoor ist ein Rückzugsort für seltene Pflanzen- und Tierarten. Von hier geht es zur Wiesenalm, der schönsten Almfläche im Hochkar-Massiv, mit beeindruckender Aussicht, die aber noch von der am höchsten Punkt der Wanderung, dem Ringkogel, übertroffen wird. Der Blick geht hier zum Hochschwab und bis ins Gesäuse. Am Rückweg lockt die urige Schwarzalmhütte zum Essen, die von Mitte Juni bis Mitte September von Hans und Roswitha Hofer bewirtschaftet wird. www.mostviertel.at/a-almenwanderungvom-leckermoos-auf-den-ringkogel-undschwarzalm

„Alles, was die Gäste am Teller haben, stammt vom Hof.“ Monika Blamauer mostviertel · 29


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„Vor vierzig Jahren bin ich diese Strecke noch mit der Dampflok gefahren. Wie im Wilden Westen“, lacht Rainer Graf

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Karin Wasner

Weltenbummler am Ybbstalradweg W

ir haben Hummeln im Hintern.“ Annemarie und Rainer Graf meinen damit nicht ein schmerzendes Gesäß nach einer Radtour. Für sie sind Sport und Reisen die große Leidenschaft. Die beiden Lehrer aus Wieselburg lieben es, in Bewegung zu sein. Als ihre Kinder Lena und Maximilian noch klein waren, machte die Familie eine ein Jahr lang dauernde Weltreise: Nepal, die Südsee, Neuseeland. Zu viert kamen sie mit 17 Kilo Gepäck um den ganzen Globus. „Noch heute werfen uns die Kinder die kratzigen Yakwollpullover vor, die sie damals haben anziehen müssen.“

An ihrem Zwischenziel Waidhofen bleibt Annemarie zum ersten Mal die Luft weg. Nicht vor Erschöpfung, sondern vor Überraschung. „Der Ausblick von unserem Quartier über die Stadt bis hin zum Sonntagberg ist ein Traum. So etwas haben wir bislang nur in Südafrika oder Australien gesehen!“ Schnell trocknet die späte Sommersonne die frisch gewaschene Kleidung, die zum Abendessen wieder angezogen wird. Dann sitzen die beiden im Hof des Rothschild-Schlosses, das leise Gurgeln der

Annemarie und Rainer Graf, Lehrer aus Wieselburg, haben schon viel von der Welt gesehen: Nepal, die Südsee, das Great Barrier Reef in Australien, Südafrika und Neuseeland. Die Radwege entlang der Ybbs und der Erlauf haben sie trotzdem begeistert Neben den Weltmeeren zählen auch Donau und Ybbs zu ihren Sehnsuchtsorten. „Wenn das Abenteuer direkt an der eigenen Haustür losgeht, hat das eine ganz eigene Faszination. Zahnbürste, ein Leiberl und Turnschuhe in einem kleinen Rucksack, und los geht’s.“ Sie reisen stets mit kleinem Gepäck, denn Besitz beschwert, besonders auf Reisen. Mittlerweile sind ihre Kinder genauso sportlich und reiselustig wie die Eltern. Tochter Lena hat den beiden den Ybbstalradweg ans Herz gelegt. Von der Donau bis zum Lunzer See verbindet der Radweg auf 107 Kilometern das sanfte mit dem wilderen Mostviertel. Zunächst geht der Weg an alten Mostbirnbäumen auf runden Hügeln vorbei, später kommen historische Hammerschmieden an der Eisenstraße in den Blick, und schließlich überquert man Schluchten wie das Ofenloch bei Opponitz. Stets mit dem rhythmischen Plätschern der Ybbs im Ohr. „Ab Amstetten war das Neuland für uns.“

Annemarie und Rainer Graf unterwegs entlang der Flüsse Ybbs und Erlauf Ybbs im Ohr, vor sich regionale Gerichte des Schlosswirts Andreas Plappert. Vor der berühmten Ybbsforelle für Annemarie probieren beide den „Schofkas vom Setzbauern“. Hinterher entscheidet sich Rainer für einen Hauch weite Welt und bestellt das Tomahawk-Steak. Am nächsten Morgen radeln sie durch das landschaftlich ansprechendste Stück des Radwegs, auf der alten Bahntrasse der ehemaligen Ybbstalbahn. Von Waidhofen an der Ybbs nach Lunz am See steigt die Strecke leicht an, doch für trainierte Wadeln kaum der Rede wert. Es geht durch Tunnels, über steinerne Brücken und durch den ehemaligen Bahnhof

Kleinhollenstein. Rosenbüsche schmücken die aufgelassenen Bahnhofsgebäude. „Vor vierzig Jahren bin ich diese Strecke noch mit der Dampflok gefahren. Wie im Wilden Westen“, lacht Rainer. Ein Schild warnte die Reisenden damals vor dem Aussteigen während der Fahrt. „So langsam war das damals! Mit dem Rad sind wir heute schneller.“ Nach einem Bad in der ziemlich frischen Ybbs zwischen Hollenstein und Göstling können auch die 17 Grad Wassertemperatur des Lunzer Sees die beiden heißgefahrenen Radler nicht schrecken. „Hier haben wir unseren Tauchschein gemacht!“ Statt der Clownfische, Rochen und Haie am Great Barrier Reef, wo sie bei ihrer Weltreise getaucht haben, flitzen im Lunzer See Saiblinge, Forellen und Hechte durchs klare Wasser. „Nur die Wassertemperatur ist mir am Great Barrier lieber“, sagt Rainer. Und Annemarie hat den Seesaibling statt vor der Taucherbrille später im Zellerhof in Lunz auf dem Teller. Der Erlauftalradweg bringt die beiden dann wieder heim. Dabei sind sie auf den Geschmack gekommen: „Nächste Woche mach ich das Ganze noch einmal“, ist Rainer bereits am Planen. „Aber mit dem Rennrad in nur einem Tag.“ Informationen zum Ybbstalradweg unter www.ybbstalradweg.at

Fluss-Radeln Die Mostviertler Drei-Tages-Radrunde führt die Ybbs hinauf zum Lunzer See und dann die Erlauf hinunter. • 2 Übernachtungen inkl. Frühstück bei RADfreundlichen Gastgebern • Karten- und Informationsmaterial Preis pro Person im Doppelzimmer ab 125 €, buchbar Mai–Oktober Information & Buchung: Mostviertel Tourismus T:+43/7482/204 44 www.mostviertel.at

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Clemens Oelmann

Einfach selig radeln P

er Bahn, das Rad im Gepäck, erreichen wir St. Pölten. Nachdem wir den Ballast im D&C Cityhotel abgegeben haben, starten wir die erste Tour in Richtung Donau. Zunächst geht es über Herzogenburg nach Traismauer und danach über den Weinbergradweg und durch das Weinland Traisental. Romantische Kellergassen säumen unsere Route ebenso wie charmante Weingüter – da ist eine Einkehr einfach Pflicht! Wir lassen uns im gemütlichen Innenhof eines Guts mit einer g’schmackigen Heurigenjause und einem feinen Glas Grüner Veltliner Traisental DAC verwöhnen. Die Einladung zur Weinverkostung müssen wir leider dankend ablehnen, schließlich wollen wir mit dem Rad noch ein gutes Stück weiterkommen.

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Das Mostviertel ohne Auto und Stress: Mit dem Zug nach St. Pölten und von dort auf verschiedenen Radrouten durchs Traisental oder mit der Himmelstreppe bis Mariazell und dann mit dem Rad zurück. Ein mehrtägiges Erlebnis von Landschaft und lokaler Kulinarik

Robert Offenberger aus Waidhofen a/d Ybbs in der Hauptstadt unterwegs 32 · mostviertel

So strampeln wir sechzig Kilometer durch die Weinregion, bevor wir kurz vor dem Ziel die Viehofner Seen im Norden St. Pöltens erreichen. Ein Picknick am Tretboot, eine Runde Volleyball oder doch lieber ein Eiskaffee in der Seedose? Keines der drei, sondern ein Sprung ins erfrischende Nass, schließlich haben wir Handtuch und Badehose nicht zum Durchlüften mitgenommen. Abgetrocknet und mit frischer Energie fahren wir dann Richtung Innenstadt. „Radeln-für-Kids-Strecke“ steht auf einem Schild. Hier dürften also auch Familien mit Kindern unterwegs sein – gut zu wissen! Noch ein schnelles Foto vorm Landhaus an der Traisen, dann freuen wir uns auf


Er nutzt St. Pölten als Ausgangspunkt seiner Sternfahrten, die ihn bis nach Mariazell führen eine Dusche im D&C Cityhotel. Nur fünf Gehminuten vom Bahnhof entfernt, ist es der ideale Ausgangspunkt für unseren Stadtbummel: Rathausplatz, Landestheater Niederösterreich und die vielen netten Cafés in der Fußgängerzone, an zweien kommen wir wirklich nicht vorbei, die mussten wir besuchen. Das Wetter erlaubt, länger zu sitzen – und schließlich haben wir uns heute genug bewegt. In der Früh um 8.45 Uhr nimmt uns der „Radtramper“ in Richtung Süden mit, genauer gesagt nach Kernhof. Von dort lassen wir es gemütlich angehen, es war gestern doch noch später geworden. Eine gemütliche Tour am Traisental-Radweg. Ohne große Anstrengung rollen wir die 55 Kilometer flussabwärts zurück nach St. Pölten – natürlich nicht ohne Zwischenstopps! „Motis Salettl“, die Strandbar in Lilienfeld, können wir doch auf keinen Fall links liegen lassen. Schmalzbrot und eine hausgemachte Limonade beim Blick auf das altehrwürdige Stift – kein unange-

nehmes Pausenprogramm. Kurz vor dem Ziel packt der Gusto erneut zu. So kehren wir im Naturfreunde-Bootshaus im Süden von St. Pölten ein. Bodenständige Hausmannskost, für die es zu Recht bekannt ist. Am Nebentisch sitzen zwei E-Biker. „Und ist das was?“ Sie erzählen stolz, dass ihre Tour schon in Mariazell begonnen hat. „Den Hubertussee müsst ihr gesehen haben!“, schwärmt der eine. „Und die Wuchtl-Wirtin besuchen“, ergänzt der andere. Na gut, eine Nacht haben wir ja noch im Cityhotel. Diesmal liegt der Startpunkt am Hauptbahnhof. Und es beginnt superentspannt – mit der Mariazellerbahn. In der „Himmelstreppe“ der Bahn durchs Pielachtal und den Naturpark ÖtscherTormäuer – dabei wächst die Vorfreude auf unsere Tagestour. In Mariazell radeln wir durch den Ort hinter der Basilika vorbei und dann weiter in die „Walster“ bis zum Hubertussee – ein Naturidyll wie im Märchenbuch. Alle Erwartungen nach der gestrigen Ankün-

digung werden übertroffen. Gern würden wir hier noch länger bleiben, aber der Abfahrtstermin des Radtrampers drängt, also radeln wir am Traisental-Radweg weiter. Ein letzter, leichter Anstieg auf das Gscheid, dann eine rasante Abfahrt nach Kernhof, wo der Bus schon auf uns wartet. Dieser bringt uns bequem nach St. Pölten zurück. www.traisentalradweg.at

Fest radeln, gut schlafen Ein Tipp für das Übernachten in St. Pölten, um jeden Tag fit für Raderlebnisse in der Umgebung bis nach Mariazell zu sein. D&C Cityhotel St. Pölten www.cityhotel-dc.at

Design Budget Hotel „Das Alfred“, St. Pölten www.dasalfred.at

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Karin Wasner

Z

wei Tage lang nur mit dir selbst unterwegs, wird dir viel über dich klar.“ Florian Luks hat sonst wenig Zeit, die Gedanken schweifen zu lassen. In vierter Generation führt er die Apotheke in Ybbs an der Donau – gerade im letzten Jahr der großen Pandemie eine herausfordernde Aufgabe. „Ich wollte aus dem Alltagstrott heraus und in der Natur abschalten. Ohne weit wegzufahren.“

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Florian Luks, viel beschäftigter Apotheker in Ybbs, liebt das Wandern mit Freunden. Aber er sucht auch die andere Art des Gehens und die stille Einkehr beim Pilgern auf dem Wiener Wallfahrerweg oder der Via Sacra durch das Mostviertel nach Mariazell

„Ein Kreuzzeichen tut ja nicht weh“ Wer zur Ruhe kommen und dabei doch in Bewegung bleiben will, muss im Osten Österreichs nicht lang suchen. Die beiden bekanntesten Pilgerrouten Niederösterreichs, die Via Sacra und der Wiener Wallfahrerweg, führen von den Toren Wiens aus durch den Wienerwald, die Wiener Alpen und das Mostviertel bis in den Marienort Mariazell. Je nach Sportlichkeit und Motivation ist man vier bis fünf Tage lang unterwegs. Florian Luks entscheidet sich für das Teilstück von Lilienfeld nach Mariazell, die 800 Jahre alte Via Sacra.

Auf dieser „heiligen Straße“ wandert er in der Tradition von Kaisern, Fürsten und Päpsten sowie Millionen einfacher Pilger. Wandert? Nein, wandern ist für ihn etwas anderes: „Beim Wandern geht es mir um die Landschaft und die sportliche Herausforderung. Das mache ich mit Freunden, nicht allein.“ Wer in Brunn am Gebirge startet und bis Mariazell pilgert, passiert auf 120 Kilometern romantische Kapellen, historisch bedeutende Kirchen oder liebevoll gestaltete Bildstöcke. „Ich bin nicht

Neben dem Wandern mit Freunden schätzt Florian Luks das stille Pilgern ohne Begleitung 34 · mostviertel


besonders religiös, aber ein Kreuzzeichen bei einem Marterl tut ja nicht weh!“ Der älteste Pilgerweg Österreichs führt vorbei am Zisterzienserstift Heiligenkreuz, wo man mit ein wenig Glück den hundert dort lebenden Mönchen beim Chorgebet lauschen kann. Wer noch mehr vom stillen Leben erfahren will, verbringt eine Nacht in den dicken Mauern der Pilgerzimmer von Stift Lilienfeld. Für Ordensleute ist das Aufnehmen von Gästen nicht bloß ein Geschäft, es hat einen spirituellen Charakter, denn Klöster und Stifte verstehen sich seit jeher als Orte der Einkehr. Ein spiritueller Kraftort ist auch die Basilika Klein-Mariazell, in der man die Fresken des Barockmalers Johann Wenzel Bergl bewundern kann. „Ich muss nicht in die Kirche gehen, um an Gott zu glauben“, sagt Florian. In der freien Natur fällt es ihm leicht, in sich zu gehen und seine Gedanken zu ordnen. Unterwegs kommt er wie die Pilger vor ihm ins Staunen vor den dampfenden Nebeln, die sich nach dem Regen in den Sonnenstrahlen über der Traisen lichten. „Immer wieder bleibe ich bei einem Marterl stehen und sage Danke. Dafür, dass es mir und meiner Familie so gut geht. Dann geh ich weiter.“ Damit ist er in guter Gesellschaft. Immer schon gehört es

zum Alltag der Menschen, weite Strecken zu Fuß zurückzulegen. Gehen ist die natürliche Art der Fortbewegung, perfekt für Körper, Geist und Seele. „Beim Gehen hat man Zeit. Zeit, um zu schauen. Zeit, um zu denken.“ In den zwei Tagen von Lilienfeld nach Mariazell begegnet Florian nur einer Handvoll Menschen, auch spricht er kaum mit jemandem. „Auf dem Pilgerweg ist jeder gern für sich unterwegs.“ Ab Annaberg mit dem gleichnamigen Berg wird die Strecke alpiner: Joachimsberg, Josefsberg, Sebastianiberg, dann hat Florian die heiligen Berge und 1.400 Höhenmeter überwunden, vorbei an kleinen Ortschaften, die nur aus Kirche, Gasthaus und ein paar Bauernhöfen bestehen. Rundum grasen Kühe auf den Weiden. Mit Blick auf die Gemeindealpe nähert

er sich Mariazell. „In diese überraschend helle, farbenfrohe Basilika einzutreten ist für mich jedes Mal ein Erlebnis.“ In der Kerzengrotte zündet er ein Kerzerl an. „Da wünsche ich mir Gesundheit und dass der Familie nichts passiert.“ Auf dem Weg zurück in den Alltag sitzt Florian in der Mariazellerbahn. „Zweieinhalb Stunden zuckelt man nach St. Pölten.“ Er schaut aus dem Fenster, lässt die Landschaft noch einmal an sich vorüberziehen. Mit im Waggon vier Wanderer, die sich laut unterhalten. „Mit dem Intercity wären wir längst da, der fährt 200“, meint einer zu seinen Kameraden. Florian schmunzelt, als er sich an die Szene erinnert. „Das ist der Unterschied! Es geht nicht ums Ankommen. Es geht um den Weg. Und was auf ihm mit dir passiert.“ www.viasacra.at

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„Es geht nicht ums Ankommen. Es geht darum, was auf dem Weg passiert“ mostviertel · 35


Wanderung beim Wildnisgebiet Dürrenstein

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