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moritz juli 2004

nr. 43

das greifswalder studentenmagazin pr채sentiert den Kampf um die

Vorherrschaft

2004

nach Version

EMA

Universit채t

BACHELOR

vs. MAGISTER

Ort: Arena zwischen Mensa und Audimax Zeit: T채glich, ab Sommersemester 2004 Kartenpreis: 40,50 Euro zzgl. Zweitwohnsitzgeb체hr


Impressum moritz – Studentische Medien Greifswald Wollweberstraße 4, 17487 Greifswald Tel: 0 38 34 / 86 17 59 (Reda); -58 (GF) Fax: 0 38 34 / 86 17 56; e-mail: moritz@uni-greifswald.de Chefredakteur: Kai Doering Stellvertreter: Norman Gorek Geschäftsführer: Tobias Linke Stellvertreter: Christian Bäz Herausgeberin: Studierendenschaft der Universität Greifswald (AStA, Rubenowstraße 1, 17487 Greifswald) V.i.S.d.P.: Kai Doering Redaktion: Florian Benkenstein (flo), Alexander Böber (AB), Finn Breyer (finn), Kai Doering (ring), Alina Götze (aliG), Norman Gorek (nogo), Mirko Gründer (MiG.), Annett Habermann (nett), Claudia Hänchen (cla), Arvid Hansmann (aha), Juliane Hesse (juli), Delia Holm (dee), Sebastian Jabbusch (sj), Melchior Jordan (mel), Joel Kaczmarek (jmk), Jessyca Keil (jk), Laura Keßler (kess), Julia Kindt (juki), Ulrich Kötter (UK), Verena Lilge (lil), Katja Neichel (kat), Yvonne Mathei (yvo), Sarah Rieser (sari), Nikolaus Roos (kola), Uwe Roßner (ur), Anne Schuldt (enna), Katja Staack (tja), Britta Voß (boß), Eric Wallis (ede) Gestaltung: Norman Gorek, Ulrich Kötter, Kai Doering Titelbild: Robert Tremmel Zeichnungen: Franziska Salopiata Anzeigen: Geschäftsführung Druck: Druckhaus Panzig, Studentenberg 1a, 17489 Greifswald moritz erscheint während des Semesters monatlich in einer Auflage von derzeit 3.000 Exemplaren. Anzeigen- und Redaktionsschluss der nächsten Ausgabe ist der 27. September. Die nächste Ausgabe erscheint am 15. Oktober. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion. Die Redaktion behält sich vor, eingereichte Texte und Leserbriefe redaktionell zu bearbeiten. Namentlich gekennzeichnete Artikel und Leserbriefe geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Die in Artikeln und Werbeanzeigen geäußerten Meinungen stimmen nicht in jedem Fall mit der Meinung des Herausgebers überein. Alle Angaben sind ohne Gewähr. Do you remember the first time?

Nicht nur bei Studenten beliebt: Auch Ministerpräsident Harald Ringstorff informiert sich über das aktuelle Uni-Geschehen im moritz. Foto: ring

Hallo Leute! „Wer die Wahl hat, hat die Qual“ sagt ein bekanntes Sprichtwort. Wenn das tatsächlich stimmt, dürften wir in den letzten Wochen kaum eine qualfreie Minute gehabt haben, denn neben der Neuwahl des Kanzlers und des AStA standen auch die Europa- und die Kommunalwahlen an. Über alles werdet ihr im Politik-Teil informiert. Auch Studienanfänger stehen (noch) vor der Wahl, ob sie den traditionellen Magisteroder doch lieber einen Bachelor-Studiengang begin-

nen sollen. Dem Gegensatz zwischen diesen beiden ungleichen Brüdern widmet sich das Titelthema. Um den Wahlmarathon noch weiter zu treiben, sind die weiblichen Leser unter euch im playmoritz aufgerufen, den schönsten Studenten Greifswalds zu küren. Wenn unsere Politiker doch bloß auch so gut aussehen würden.... Viel Spaß und schöne Semesterferien wünscht euch


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inhalt moritz gelesen? Nachgedacht? Meinung schreiben!

moritz@uni-greifswald.de, Betreff: Leserbrief

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Kampf

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Klangkunst

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... der Universität ist seit kurzem Dr. Thomas Behrens. Der moritz hat ihn zum Antrittsgespräch besucht.

Bachelor vs. Magister heißt das Duell, das jeden Tag im Hörsaal tobt. moritz beleuchtet die Hintergründe des Bruderkampfes.

Kabarett-Urgestein Ingo Insterburg war in Greifswald zu Gast. Mit Bierflaschenflöte und Tannenbaumgeige rockte er das Kino.

politik

titel

feuilleton

Nachlese moritz 42: EWN – Kein Kommentar! 6 Interview: Klaus Kühnemann, Bürgermeister von Lubmin 7 Kurznachrichten: SmartCard, Magister, Vollversammlung, UniHomepage, Finanzen 10 Aula-Umbau 11 Frischer Wind? – Der neue AStA 12 AStA-Seite: Anpacken! Sofort! 16 Interview: Kanzler Dr. Thomas Behrens 17 Im Reichtum arm – Der Grundbesitz der Universität 18 Interview: PDS-Landtagsabgeordneter Dr. Gerhard Bartels 19 Wer die Qual hat – Betrachtung des Greifswalder Wählerverhaltens 20 Technik-Wahnsinn in der Makarenkostraße 21 Alumni 2004 22 Neue Serie: Greifzelmännchen 22

Bachelor gegen Master 24 Bildungsweg Bologna 25 Wegweiser durch den Akkreditierungsdschungel 26 General Studies 27 Professorenduell 29 Erfahrungsbericht aus Amerika 30 Kommentar 30

Musik: Velvet Revolver, Graham Coxon 32 Musik: Beastie Boys 33 Interview: NDR-Unterhaltungschef Jürgen Meier-Beer 34 Festivalführer 35 Bericht: Ingo Insterburg 36 Literatur: Clarke – „Against All Enemies“ 38 Literatur: Ines Geipel, Thorsten Becker 39 Kino: „Harry Potter III“, „The Punisher“ 40 DVD: „Der Herr der Ringe III“, The Italian Job“, „Der innere Kreis“ 41 Portrait: Rügen 42 Portrait: Ronald Reagan 44 Arvids Kolumne: Die Teiche von Heschbon 50

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rubriken Impressum Editorial Leserbriefe

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playmoritz

inhalt

Kanzler

Hübsche Studenten 46 Kreuzmoritsel 48 Friedhelm – Ansichten eines SeeHundes 49

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KKW: Kein Kommentar! Das Schweigen der EWN und weitere Reaktionen zum Atommüll-Artikel Eigentlich hatten wir ja wenigstens mit einem Dementi der Energiewerke Nord (EWN) gerechnet. Sogar eine einstweilige Verfügung oder Klage wegen Rufmord beziehungsweise Verleumdung hätte uns nicht überrascht. Aber: nichts! Kein Kommentar, keine Gegendarstellung, nicht mal eine Stellungnahme. Und das, obwohl andere wegen einem Rechtschreibfehler dreiseitige Leserbriefe schreiben. Dabei hat die Pressestelle der EWN extra im AStA angerufen, um eine Ausgabe des moritz zu bestellen. Mehr passierte jedoch nicht. Korruption, Subventionsbetrug in Höhe von 29 Millionen Euro, Erpressung, heimliche Vorbereitung von Atommüll-Importen und ähnliches mehr: Das waren unsere Vorwürfe aus der Mai-Ausgabe. Logisch, dass die Herren der EWN auf so etwas nicht reagieren, sondern unseren Artikel lieber totschweigen. Und auch die Ostsee-Zeitung hat es vermieden unsere Darstellung allzu groß zu kommentieren. Im Regionalteil auf Seite 17 wird unser Artikel in einigen Zeilen erwähnt. Der Autor wird als „jung“ (= unerfahren?) abgestempelt und die Fakten (Verträge, Zeugenaussagen, logische Zusammenhänge) als „wohl

spekulative Behauptung“ abgetan. Eine Stellungnahme der EWN fehlt auch hier. Wir glauben langsam, dass man bei den EWN vielleicht gar nichts zu dementieren hat? Unterdessen wurde in Lubmin gewählt. Dieter Lietz, der bisherige EWN-treue Bürgermeister von Lubmin, hat den Wahlkampf gegen den Vorsitzenden der Bürgerinitiative

Artikel aus der Ostsee-Zeitung Quelle: OZ vom 9. Juni

„Lubminer Heide e.V.“ verloren. Mit 23 Stimmen Vorsprung wurde Dr.

Klaus Kühnemann zum neuen Bürgermeister gewählt. Und in der Gemeindeversammlung wurde die unabhängige Wählerinitiative „Frischer Wind“ stärkste Kraft. Eine eindeutiges Zeichen der Lubminer Bürger, die die Verstrickungen zwischen EWN, Ostsee-Zeitung und Gemeindevertretung damit abstraften (Siehe dazu rechts Interview mit Herrn Kühnemann). Kommentar der OZ zu dieser Wahl: „Herr Kühnemann wird anecken!“ Interessant, dass solches nie über Herrn Lietz oder Herrn Rittscher (Geschäftsführer der EWN) festgestellt wurde... Reaktionen gab es auch in der Studentenschaft. Die meisten Leser, die sich nicht von der Länge des Artikels abschrecken ließen (welches die häufigste Kritik war), waren mehr oder weniger positiv überrascht bis begeistert. Gut kam auch das neue Cover an. Mit dem Auffüllen der moritz-Aufsteller kamen wir gar nicht mehr nach, so schnell waren die moritze wieder vergriffen. Am Ende waren sogar kaum mehr Belegexemplare für unsere Anzeigenkunden übrig. Die Akte Lubmin ist für den moritz noch nicht geschlossen. Wir warten weiter auf ein Statement der Energiewerke...

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Be the change you wish to see in the world – vom 4. bis 12. Juni 2005 trifft sich die Welt in Greifswald. Über 450 Studenten, mehr als einhundert Nationen diskutieren in Greifswald über die Möglichkeiten ihrer Generation. Das Organisationsteam ist ein Freiraum zum Verwirklichen deiner Ideen. Mittwochs 20.00 Uhr Stralsunderstr. 10 www.students-festival.de 6


„Wir können den Kalten Krieg mit den EWN beenden“ Interview mit Lubmins frisch gewählten Bürgermeister Klaus Kühnemann moritz: Gab es Reaktionen auf den Atommüll-Artikel in Lubmin? Dr. Klaus Kühnemann: Nach dem Erscheinen des „moritz“ haben wir ja sofort über hundert Moritze aus Greifswald geholt und in Lubmin breit über unser Verteilersystem der Bürgerinitiative allen Interessenten zukommen lassen, auch im PLUS-Markt und anderen Einrichtungen ausgelegt. Wir mußten sogar Ihren Artikel kopieren, da die Nachfrage auf Grund unserer Ankündigung im InfoBrief 15 recht groß war. Viele Leser waren begeistert von der mutigen, umfassenden und prägnanten Beschreibung der Gesamtproblematik um die EWN Lubmin. Hatten Sie mit dem Wahlsieg zum Bürgermeister gerechnet? Als Optimisten hatten wir mit einem sehr knappen, aber positiven Ergebnis gerechnet. Daß es sich dann

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auch so einstellte, war aber doch eine freudige Überraschung, zumal neben der Bürgermeister-Wahl ja auch für die Gemeindevertretung die meisten Stimmen erzielt wurden. Sie haben mit 23 Stimmen Vorsprung gewonnen - was hat die Wahl entschieden? Für ein so knappes Ergebnis kann es mehrere Gründe geben: Ein fast perfekter und gut ge-time-ter Wahlkampf mit Plakaten, Wahlflyern, InfoBrief 15 und auch Ihrem moritz so kurz vor Ultimo; sicher auch der Name der Wählergemeinschaft „Frischer Wind“, das sprach viele direkt an. Müssen sich die Energiewerke Nord jetzt ‘warm Lubmins neuer Bürgermeister: anziehen’? Dr. Klaus Kühnemann Foto: privat Zunächst ist zu prüfen, was von den überzogenen Plänen Angeblich gibt es einen neuen des Industriegebiets Investor für das EWN-Gelännoch korrigierbar ist. de. Wie stehen Sie dazu? Dann wird ein Leitbild Bei dem Investor soll es sich um für Lubmin erarbeitet, eine Stahlbaufirma handeln, die bei dem der Tourismus auch Gebäude des ehemaligen KKW für das Seebad im nutzen will. Solche Ansiedlungen Mittelpunkt stehen wird. begrüßen wir. Das paßt auf die Dazu ist eine klare Flächen, paßt zum ArbeitskräfteAufgabenabgrenzung potential, ist arbeitsintensiv, bringt zwischen der Gemeindealso vergleichsweise viele Arbeitsvertretung von Lubmin plätze und hat sicher kein übermäund den EWN vorzunehßiges Lärm- und Transportaufkommen, indem die EWN men, was dem Image eines Seebaauf die Industrialisiedes in der Nähe schaden könnte. rung auf dem KKW-GeMittelständige Unternehmen der biet zu konzentrieren verarbeitenden Gewerke sollten die sind. Auch die Aufgaben Zielgruppe für Ansiedlungen sein, und Ziele der beiden keine gigantischen Industrieriesen. Zweckverbände müssen überprüft werden. Wenn Wir wünschen Ihnen viel die EWN nach über vier Erfolg. Jahren endlich einmal Vielen Dank für das Interview. zu Gesprächen bereit sind, kann der „Kalte Interview: Sebastian Jabbusch. Krieg“ schnell beendet werden. 7


leserbriefe Alles gesagt, was gesagt werden musste Zu „Betrug und Korruption oder nur „Zufälle“?“ (moritz 42) Lieber moritz, das ist doch endlich mal ein instruktiver, gut recherierter und gut lesbarer Artikel zum Thema Lubmin! Er enthält alles, was ich schon immer gedacht beziehungsweise befürchtet habe. Vielleicht hätte man noch deutlicher herausstellen können, dass hier 35 Millionen Euro in den Sand gesetzt wurden, während die Universität langsam aber sicher ihren guten Ruf verliert, weil an allen Ecken und Enden gekürzt wird. Ansonsten wurde von Sebastian Jabbusch in diesem Artikel alles gesagt, was gesagt werden musste. Es war mir wirklich eine Freude. Herzliche Grüße, Harald Dähne.

Optischer Quantensprung Zum neuen moritz-Layout (moritz 42)

leserbriefe

Ganz schön grau in grau das Ganze – da hat meine Schülerzeitung aber mehr hergemacht. So ungefähr war wohl meine anfängliche Reaktion auf den moritz, den ich als Ersti irgendwann im Winter 1999/00 erstmals in den Händen hielt. Und selbst jenseits aller billigen Polemik wird auch der geneigte moritz-Leser konzidieren müssen, dass in Sachen Aufmachung und optischer Attraktivität der moritz jener Tage kein wirkliches Schmankerl war. Jene Tage dieser wortwörtlich grauen Vorzeit mögen nun aber mit Erscheinen des gerelaunchten (doch, das hört sich klasse an) moritz Nr. 42 endgültig der Vergangenheit angehören. Was wartete ich nicht schon den ganzen April und Mai hindurch gespannt auf eine druckfrische Ausgabe des moritz. Als ich dann am 04. Juni das Audimax-Gebäude betrat und im Foyer einen kleinen Stapel von Heften sah, die augenscheinlich ein richtig farbensattes 8

Cover mit einem Frachtschiff in der Mitte zierte, war meine Enttäuschung groß: immer noch kein moritz da, dachte ich. Denn so bunte Cover kannte ich schließlich bis dato nur von inhaltlich bisweilen noch weitgehend suboptimalen Blättern wie Uni-Magazin, Unicum oder Audimax. Bei näherer Untersuchung des avisierten Objektes war ich dann gleich drauf und dran, die Gewerbeaufsicht, das Patentamt oder den Europäischen Gerichtshof anzurufen. Denn da hatte doch jemand offensichtlich den Titel unseres Greifswalder Studentenmagazins geklaut und unter eben diesem Namen einen eigenen moritz herausgebracht. Als ich nach erster Verblüffung über das so ungewohnte Äußere jedoch die inhaltliche Aufmachung, die Rubriken und Altbekanntes und –beliebtes des mir bekannten moritz wieder entdeckte, war ich erst erleichtert und schon sehr bald ziemlich begeistert ob des neuen Outfit. Im Ernst: Die Andeutungen und Ankündigungen von Seiten der Geschäftsführung und der Chefredaktion des moritz, dass mit der MaiAusgabe alles neuer, frischer, moderner werden würde, waren wirklich nicht zu viel der Vorschusslorbeeren. Mit diesem Outfit ist der moritz – etwas verspätet, aber um so eindrucksvoller – in das neue Jahrtausend gestartet und hat mehr als nur einen optischen Quantensprung hinter sich gebracht. Die optische Frischzellenkur ist absolut gelungen und um so beeindruckender, als beim Layout im Großen und Ganzen alles beim Alten bleiben konnte und dennoch ein sichtbare Verjüngung eingetreten ist: etwas bunte Farbe außen herum und endlich Papier, das man nicht ohne Weiteres mit Hygieneartikeln verwechseln kann, und schon kommt ein optisch attraktives, konkurrenzfähiges Studierendenmagazin daher, das Lust auf mehr, das Lust auf Lesen macht. Schließlich ist das Outfit des Magazins erstens so etwas wie seine Visitenkarte den

Anzeigenkunden gegenüber und zweitens in seiner Wirkung auf das Leseverhalten nicht zu unterschätzen. Die spannendste Titelstory - zumal wenn sie recht umfassend und gelungen ist wie die letzte - hat es einfach schwer, wenn das (Toiletten)Papier, auf dem sie gedruckt steht, die Leselust in überschaubaren Grenzen hält. Von daher: uneingeschränkter Glückwunsch zur neuen moritz-Aufmachung! Felix M. Prokoph (moritz-Fan und StuPa-Mitglied)

Geld nicht für sinnvollere Dinge ausgeben? Zum neuen moritz-Layout (moritz 42), per E-Mail Hallo moritz-Zeitung, wie kommt es denn, dass in Zeiten knapper Kassen die Studentenzeitung auf Hochglanzpapier und in Farbe gedruckt wurde? Neue Sponsoren oder muß meine Semestergebühr deshalb im nächsten Semester wieder steigen? Könnte man das Geld nicht für sinnvollere Dinge ausgeben als für eine schöne Studentenzeitung, die sowieso niemand liest? Die Aufmachung ist nun sicher nicht mehr der Grund, warum der moritz nach der Vorlesung in den Papierkorb wandert – sondern höchstens der Inhalt. Mit freundlichen Grüßen, Grünbein Dass uns keiner liest, haben wir ja schon immer gewußt und warum sollen wir dann nicht auch noch Geld rausschmeißen, um uns eine Freude zu machen? Nein, jetzt aber mal im Ernst: Das Hochglanz-Layout ist zwar teurer aber es war den (wohl durchaus erfolgreichen) Versuch wert. Ausserdem haben wir jetzt einen guten Vertrag mit einer Druckerei vor Ort ausgehandelt (Stärkung der lokalen Wirtschaft!) Die neuen Hefte gingen zumindest weg wie warme Semmeln. UK moritz


hochschulpolitik AStA: Neue Mannschaft mit altem Kapit채n Interview: Dr. Behrens, neuer Kanzler der Universit채t Interview: Dr. Gerhard Bartels, PDS-Landtagsabgeordneter aus Greifswald Liegenschaften: Uni reich in Armut Kolumne: Professoren und Technik und vieles mehr...

AStA-Chef Simon Sieweke 체berreichte Ministerpr채sident Harald Ringstorff bei dessen Besuch in Greifswald am 04. Juni eine Protestnote. Foto: ring juli 2004

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kurznachrichten SmartCard in der Planung Die „Chip-Karte, die alles kann“ ist in der Planung und wird wohl ab 2006 ausgegeben – sicher ist allerdings noch nichts. Vorgesehen ist eine Karte, die zugleich Studentenausweis, Kopierkarte und Mensa-Geldkarte ist. Nach Auskunft des Rechenzentrums ist noch unklar, wer das Projekt bezahlen soll. Die Kopierfunktion könne außerdem erst ab 2008 realisiert werden, weil man zur Zeit aus bestehenden Verträgen nicht heraus könne. Nichtsdestotrotz will das Studentensekretariat zum Wintersemester dieses Jahres schon mal die Passfotos der Erstsemester genauer begutachten und dann archivieren. Zum Sommersemester 2006 sollen dann auch die Fotos der eingeschriebenen Studenten durchgesehen und gegebenfalls ersetzt oder gar erst angefordert werden.

politik

Magister doch nicht geschlossen Der Fakultätsrat der Philosophischen Fakultät hat auf seiner Sitzung am 26. Mai einen Antrag des Dekans Prof. Bornewasser abgelehnt, letztmalig zum kommenden Wintersemester in die Magisterstudiengänge zu immatrikulieren. Die Entscheidung über den Zeitpunkt zur Schließung der Magister-Studiengänge ist somit weiter offen. Die Abschaffung des Magisters wurde jedoch nicht grundsätzlich in Frage gestellt. Der Fakultätsrat folgte mit seinem Beschluss der Auffassung seiner studentischen Mitglieder: Sie wollen die Magister-Studiengänge erst dann geschlossen sehen, wenn Bachelor- und Master-Angebote flächendeckend an der Fakultät eingeführt sind und das jetzige BachelorKonzept mit seinen General Studies gründlich evaluiert worden ist. Außerdem beschloss der Fakultätsrat, ab dem kommenden Studienjahr neue Studenten nur noch zum Wintersemester zu immatrikulieren. moritz Print hat neue Chefredaktion Auf der StuPa-Sitzung am 25. Mai wurden Kai Doering als neuer 10

AStA

Allgemeiner

Studierendenausschuss Sprechzeiten Chefredakteur und „Der Alte“ Norman Gorek als Stellvertreter gewählt. Für Kai Doering soll der moritz wieder mehr auf Hochschulpolitik setzen, Norman Gorek tritt weiterhin für ein vielfältiges Feuilleton ein. Die neue Geschäftsführung – sprich: der ehemalige AStA-Finanzreferent Tobias Linke und sein Stellvertreter Christian Bäz – will den moritz professionalisieren und finanziell besser absichern. Widerwillige Vollversammlung zum Thema Wohnen „Wenn ihr uns den Auftrag dazu gebt, dann machen wir das,“ so etwas lustlos AStA-Chef Simon Sieweke in der StuPa-Sitzung am 8. Juni. Der AStA selbst hatte den Antrag für die Vollversammlung eingebracht, aber scheinbar eher aus Satzungstreue anstatt aus einem dringenden Grund. Von den StuPisten wurde angemerkt, dass man auch auf die Vollversammlung verzichten könne. Das Thema „Wohnen“ wurde als dröge eingeschätzt und die Vollversammlung wegen Fußball-EM vom geplanten 23. Juni auf den 24. verschoben. Wenn sich bis Oktober nächsten Jahres nicht 2500 Studenten neu mit Erstwohnsitz gemeldet haben, erwägt die Stadtverwaltung ab 1. 1. ‘06 die Einführung einer Zweitwohnsitzsteuer von bis zu 300 Euro. Uni-Homepage wird und wird nicht fertig Der neue Stichtag für die endgültig überarbeitete Uni-Homepage ist der 31. März 2005. Eine vorläufige, allerdings noch nicht dynamische Version soll Ende August hochgeladen werden. Zuständig für die Programmierung ist das Rechenzentrum, die inhaltliche Aufsicht obliegt der Pressestelle. Finanzordnung geändert Auf seiner Sitzung am 22. Juni beschloss das StuPa Änderungen in der Finanzordnung. Der Finanzreferent kann so zum Beispiel zukünftig über Anträge bis 300 Euro entscheiden statt bisher bis 150 Euro.

Ihr findet den AStA im Audimax in der Rubenowstraße 1, Raum 13a. Telefon: 0 38 34 / 86 17 50 -51 Fax: 0 38 34 / 86 17 52 E-Mail: asta@uni-greifswald.de Vorsitz Simon Sieweke Mo 14-16 Uhr, Do 15-17 Uhr Referentin für Ausländerfragen: Jana-Elena Koser Di und Do 12-14 Uhr Referentin für BAföG und Studienfinanzierung: Christin Püschel Mi 12-14 Uhr, Fr 10-12 Uhr Referentin für Erstsemesterarbeit: Katharina Winkel Mo 12-14 Uhr, Mi 10-12 Uhr Referent für Finanzen: Eric Kibler Mi 10-12 Uhr, Do 13-15 Uhr Referat für Hochschulpolitik: n.n. Referentin für Soziales: Constanze Rogge Mo und Fr 10-12 Uhr Referent für Studium und Lehre: Thomas Schattschneider Mo und Do 10-12 Uhr Referent für Umwelt: Thomas Maier Di 10-12 Uhr, Mi 12-14 Uhr Präsidenten des Studierendenparlamentes: Philipp Kohlbecher Alexander Gerberding (Stellvertreter) stupa@uni-greifswald.de Gleichstellungsbeauftragte(r): n.n. Beauftragte(r) für Schwule und Lesben: Matthias Müller Beauftragte(r) für Internetpräsenz: Christian Heise

moritz


Der Innenhof (links) ist beim Verschönern als letztes an der Reihe. Rechts die Räume des Prüfungsamtes im Erdgeschoss des Hauptgebäudes. Die Treppe im Hintergrund führt(e) zum Akademischen Auslandsamt. Fotos: UK

... der Staub von tausend Jahren Das Unihauptgebäude wird bis 2006 grundlegend renoviert deshalb grundlegend saniert: Der Wandputz wurde abgeschlagen und das Dach abgedeckt. Im Keller wird der Fußboden tiefer gelegt, Mauerwerk, Putz und Anstriche im Inneren werden erneuert. Eine neue Klimaanlage wird eingebaut. Allein der Umbau des Gebäudes kostet rund 5 Millionen Euro und

für die Neugestaltung des Innenhofes sind zur Zeit 1,9 Millionen Euro veranschlagt. Ökologisch wertvolles Detail dabei: Von den ursprünglich rund 100 Parkplätzen auf dem Innenhof sollen nur noch 40 übrig bleiben. Stattdessen werden Fahrradstellplätze errichtet. UK

politik

Na ja, das mit den tausend Jahren stimmt natürlich nicht ganz. Das vom Architekten Andreas Mayer entworfene Hauptgebäude wurde 1750 fertig gestellt und ist damit trotz allem stolze 254 Jahre alt. Zum 550-jährigen Jubiläum der Universität im Jahre 2006 soll es in neuem Glanz erstrahlen und wird

Links die Aula: Aufspringende Farbe an den Säulen und eine millimeterdicke Staubschicht auf dem Fußboden. Die Fenster sind bis auf gelegentlichen Glasbruch in so gutem Zustand, dass sie nur überarbeitet werden sollen. juli 2004

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Frischer Wind? Nach der StuPa-Sitzung vom 25. Mai fährt der AStA unter neuen Segeln auf altem Kurs / Von Ulrich Kötter

Was die Geschlechterquoten angeht, kann man dem neuen AStA nichts nach sagen: Vier weibliche Referentinnen halten sich mit vier männlichen Referenten die Waage. Augenfällig hierbei jedoch: Die hochschulpolitischen Schlüsselreferate wie Vorsitz, Studium und Lehre sowie Finanzen sind in Männerhand, den weiblichen Mitgliedern obliegt wie üblich der weite Bereich Service. Aus der Reihe tanzt hier noch der neue Ökologie-Referent Thomas Maier, der im Moment – zwar immer mit ökologischem Hintergrund – das „Mädchen für alles“ ist, wenn man die übrigen Referenten fragt. Negativ schlägt sicherlich weiterhin zu Buche, dass der AStA eben nur fast vollständig ist. Das Schlüsselreferat „Hochschulpolitik“ bleibt weiterhin unbesetzt und wird nicht immer ganz konfliktfrei - mal

vom Vorsitzenden Simon Sieweke, mal vom Studium und Lehre-Referenten Thomas Schattschneider bestritten. So brodelte denn auch im Vorfeld der AStA-Wahlen die Gerüchteküche: Mal sah Simon wenig Chancen mehr für seine Wiederwahl, weil Thomas als neuer AStA-Chef im Gespräch sein sollte – dessen Dementi kam dann aber prompt. Dann wurde Simon angeblich eindringlich bearbeitet, als HoPo zu kandidieren, was wiederum geheißen hätte, dass der AStA ohne Vorsitz dagestanden hätte. Nach dem dann doch überraschenden Wahlausgang ist – zumindest was die grobe Richtung der AStAPolitik angeht – alles beim Alten geblieben. Hoffen wir, dass die frischen Referent(inn)en wie Katharina Winkel, Constanze Rogge oder Thomas Maier auch frischen Wind einbringen.

AStA Allgemeiner Studierendenausschuss Feriensprechzeiten Ihr findet den AStA im Audimax in der Rubenowstraße 1, Raum 13a. 12. - 16. Juli / 10-15 Uhr Christin Püschel 19. - 23. Juli / 10 -15 Uhr Constanze Rogge Thomas Schattschneider 26. - 30. Juli / 10-15 Uhr Constanze Rogge 2. - 6. August / 10-15 Uhr Simon Sieweke 9. - 13. August / 10-15 Uhr Simon Sieweke 16. - 20. August / 10-15 Uhr Katharina Winkel 23. - 27. August / 10-15 Uhr Katharina Winkel

politik

30. August - 3. September / 10-15 Uhr Christin Püschel 6. - 10. September / 9-16 Uhr Eric Kibler Jana Koser 13. - 17. September / 9-16 Uhr Eric Kibler Jana Koser 20.-24. September / 10-15 Uhr Thomas Maier

Frischer Wind (von Backbord nach Steuerbord): Katharina Winkel (Erstsemester), Simon Sieweke (Vorsitz), Jana-Elena Koser (Ausländer), Thomas Maier (Ökologie), Constanze Rogge (Soziales), Thomas Schattschneider (Studium und Lehre), Christin Püschel (BAföG und Studienfinanzierung), Eric Kibler (Finanzen) Foto: UK 12

27. September - 1. Oktober / 10-15 Uhr Thomas Maier 4.-8. Oktober / 9-18 Uhr alle Referenten

moritz


Der Konzepte-Macher geht in die zweite Spielzeit Vorsitz: Simon Sieweke Heute blickt Simon zwar nicht unbedingt zufrieden, aber doch pragmatisch auf diese Entscheidungen zurück. „Mir war klar, dass die Zeiten des „Niemandem-Wehtun-Wollens“ in der Studierendenschaft vorbei sind und auch schmerzhafte Entscheidungen gefällt werden müssen“, sagt er heute. Da müsse es auch mal ganz konkret um Schließungen und Gebühren gehen. Positiver Nebeneffekt sei auch, dass die Studierendenschaft sich nach Jahren endlich zu wichtigen Fragen positioniert habe. Simons Wiederwahl am 25. Mai dieses Jahres – von ihm selber gleich auf ein halbes Jahr beschränkt – war bis zuletzt unklar und umstritten. Schließlich ließen aber weder ein eindeutiger Gegenkandidat noch die Kritik an seiner Amtsführung die Wiederwahl scheitern. Die ehemalige FSK-Vorsitzende Julia Preu monierte Simons vorschnelle und teilweise kompetenzüberschreitende Arbeit. Weiter wurde im StuPa darauf hingewiesen, dass der AStAVorsitzende keineswegs die Richtlinienkompetenz innerhalb des AStA hat. Auf die Frage, warum er nicht als HoPo kandidiere, verwies Simon auf seine erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit auf Landesebene. Dass er dort einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat, wollte auch der Greifswalder PDS-Landespolitiker Gerhard Bartels nicht bestreiten. Er fügte jedoch im Nachsatz an, dass dies auch für den Studium-und-Lehre-Referenten Thomas Schattschneider zutreffe. Und wie geht es weiter? Wenn man im StuPa Simons pessimistisch vorgetragenen Berichten zuhört, mag man glauben, es ginge stets abwärts: Stellenstreichungen, Überfüllung und Haushaltssperre sind nur einige aktuelle Stichworte. Wichtig scheint Simons Ankündigung, das Arbeitsklima im AStA durch verschiedene (na was wohl?) Konzepte zu verbessern. Und ein Nachfolger? „Den suche ich nicht“, sagt Simon, „wenn einer kommt und will es machen, dann ist das gut.“ Er geht davon aus, dass der AStA sich bis zum Herbst vernünftig eingespielt hat und dann auch ohne Vorsitz auskommt.

Wiedergewählter AStA-Chef Sieweke: „Es geht abwärts.“ Kommentar

Wer hat’s erfunden? Konzepte als politische Handlungsanweisungen sind durchaus wichtig. Durch sie kann ein Maßstab geschaffen werden, an dem die Ausführung gemessen werden kann. Wie schön, dass Simon dies erkannt hat. Die gesammelten Papiere zum Landeshochschulgesetz, welche in zähen Sitzungen des StuPas verabschiedet wurden, zählen anscheinend nicht in seine Rechnung. Oder Arbeiten am Alumni- und Integrationskonzept. Und überhaupt hatten Leute wie Christian Pegel, Karen Flügge oder Lena Foljanty keine Konzepte, oder zumindest keine, die als Basis für neue gut wären. Manchmal sollte man aufpassen, in welchen Zeithorizonten man denkt. Simon, der vor anderthalb Jahren ins StuPa nachrückte und noch ein halbes Jahr einen anderen AStA als den erlebte, dem er dann selbst vorsaß, sollte sich auf jeden Fall nicht so weit aus dem Fenster lehnen. Sonst könnte bei ihm demnächst das kleine Männchen aus der Werbung eines Schweizer Halsbonbons stehen und fragen: „Wer hat’s erfunden?“ Und ob nun die vielen Konzepte wirklich etwas bewirkt haben, ist ja noch die zweite Frage. Ist die Kontrolle des AStA durch das StuPa jetzt einfacher geworden ist, nachdem es einen „Geschäftsverteilungsplan“ gibt? Gab es wegen dem Nachwuchskonzept mehr Kandidaten bei den Wahlen? Ich würde sagen: nein. Und der Vorteil der Konzepte, die Überprüfbarkeit, hat auch einen großen Haken: irgend jemand muss es machen. Aber vielleicht könnte man in der neuen Amtsperiode ja mal ein Evaluierungskonzept für AStA-Konzepte schreiben. Christopher Schulze

politik

Man mag ja über Simon Sieweke als AStA-Vorsitzenden sagen, was man will, aber weder an brennenden Fragen noch an Konzepten hat es während der letzten Amtsperiode gefehlt. Man könnte die Zeit auch mit kurz und heftig umreißen. Simon ist nach eigener Aussage der erste AStA-Chef, der aufgrund „neuer Dimensionen der Studierendenschaft“ die Notwendigkeit von allerhand neu zu erarbeitenden Konzepten erkannte - nach der neuen Geschäftsordnung des AStA eher die klassische Aufgabe des hochschulpolitischen Referenten. Seien es der hochschulpolitische Nachwuchs, Alumni-Ideen oder brisante Themen wie der Hochschulentwicklungsplan: Es gibt Konzepte, zum „Nachlesen, auf Realismus überprüfen und evaluieren“, wie Simon sagt. Wer das tut oder noch tun wird, mag eine andere Frage sein. Das StuPa tat es in der vergangenen Legislatur eher weniger. „Vielleicht aus Überforderung“, mutmaßt Simon. Auch wenn er bestreitet, einen schlechten Draht zum StuPa gehabt zu haben, so deuten doch einige Ausrutscher darauf hin. So lief etwas die StuPa-Debatte zu den Kürzungen im letzten Frühjahr inhaltlich aus dem Ruder und Simon übermittelte nach einem StuPa-Beschluss kurzerhand eigenmächtig konkrete Schließungsvorschläge an die Landesregierung, indem er den Staatsvertrag der Theologie in Schwerin hinterfrage. Auch der vom AStA erarbeitete Entwurf zum Hochschulentwicklungsplan wurde im StuPa ausgiebig zerredet und für die entscheidende Senatssitzung zu spät beschlossen. Unterdessen hatten die studentischen Senatoren einen „eigenen“ (mit dem AStA-Entwurf mehr oder weniger deckungsgleichen) Entwurf erarbeitet und in den Senat eingebracht. Der Magister war dennoch trotz Vollversammlung nicht mehr zu retten. Gekrönt wird das Ganze von einem eher zweifelhaften StuPa-Beschluss zu Gebühren für Sprachkurse, den das StuPa während der HEP-Debatte im November letzten Jahres fällte. Es wurden zwar nicht direkt Gebühren, aber zumindest deren mögliche Einführung beschlossen.

13 juli 2004


Nicht alles besser, aber manches anders machen

In trockenen Tüchern Finanzen: Eric Kibler

Erstsemester: Katharina Winkel Der neue Finanzreferent Eric Kibler ist hochschulpolitisch kein Unbekannter: Er saß zwei Jahre im StuPa, davon eines im Haushaltsausschuss, und spätestens seit dem letzten moritz ist klar: Er lässt es auch gern mal knallen. Das bezieht sich jedoch mehr auf Sektflaschen als zum Beispiel auf den Umgang mit den Fachschaftsfinanzern. Nicht so Vorgänger Tobias Linke: Er hatte sich mit einer Rundmail an die Fachschaftsräte verabschiedet, in der er nach erster Prüfung der Unterlagen „Schlamperei“ und „Faulheit“ monierte und prompt eine Mail-Diskussion auslöste. Eric versprach, er werde „positiv einwirken“ und im Oktober ein Buchführungsseminar anbieten. Er wolle die sorgfältige und sehr erfolgreiche Arbeit seines Vorgängers fortsetzen, erklärte Eric vor seiner Wahl im StuPa. Ihm gehe es darum, mehr Werbung für Finanzanträge zu machen und gleichzeitig die Förderrichtlinie des StuPa für ausserordentliche Fachschaftsgelder im Hinblick auf klare Kriterien zu überarbeiten. Generell hält das StuPa 15% der gesamten Fachschaftsgelder (die ein Drittel der Gesamteinnahmen durch den Semesterbeitrag ausmachen) in diesem Topf für besondere Ausgaben zurück - das sind im Jahr

2004 7.400 Euro, auf die bisher noch zu wenig Fachschaften zugriffen. Die StuPa-Satzungsreform beschäftigte sich inzwischen erfolgreich mit der Finanzordnung. Es gibt generelle Kriterien für bestimmte Finanzanträge und der Entscheidungsspielraum des Referenten wurde auf 300 Euro erhöht. Vorher betrug er gerade mal 150 Euro – alles, was darüber hinaus ging, musste im StuPa diskutiert werden und führte gerne zu zähen Debatten.

Vielbeschäftigt

Tisch kriegen, die sagen, welche Fachbereiche langfristig in Rostock und in Greifswald bleiben sollen.“ Das größte Sparvolumen sieht er bei den Medizinischen Fakultäten. Eher besorgt sieht Thomas dem Ansturm der Erstsemester entgegen, insbesondere dem der Lehrämter. „Wir sahen Macht weiter: Thomas letzten Som- Schattschneider. mer und Herbst kein Ende mehr vor lauter Stundenpläne-Basteln“, erläutert er und hofft, dass sich genügend Tutoren finden.

Studium und Lehre: Thomas Schattschneider

politik

Für den „neuen alten“ Studiumund Lehre-Referenten Thomas Schattschneider ist der Magister Geschichte. Auch wenn die PhilFak ihn jetzt noch hinauszögern wolle, sei es für dessen Erhaltung zu spät. Vielmehr gehe es ihm darum, die Qualität der Bachelor-Studiengänge und die Zufriedenheit ihrer Studierenden einzuschätzen. „Da müssen auch die Fachschaften mitziehen“, fordert Thomas. Er könne sich sogar einen AStA-Beauftragtenposten für Studiengang-Evaluation vorstellen. Mitwirken will Thomas auch an den Umstrukturierungsplänen im Rahmen der StuPa- und AStA-Debatte. „Wir müssen jetzt Konzepte auf den 14

Nein, besser als in den letzten Jahren kann sie kaum werden, die Erstsemesterwoche in diesem Herbst. Aber anders wird sie werden, und zwar wegen der geschätzten 2.500 Erstis – wenn es nicht noch mehr werden. Katharina Winkel trat die Nachfolge von Cornelia Kampe als Erstsemester-Referentin an. Connys Arbeit bei den letzten beiden Ersti-Wochen war sehr erfolgreich – trotzdem bleiben ein paar Sachen, die noch nicht ganz so gut geklappt haben.

Der mit dem Geldschein wedelt: Der neue Finanzreferent Eric Kibler. Innovativ gibt sich Eric, indem er der Studierendenschaft neue Geschäftsfelder eröffnen möchte. Er denkt über Schokoriegelautomaten und die Vermarktung des UniLogos nach – insofern an letzterem die Rechte erwerbbar sind.

Sucht Tutoren und Helfer für die Erstsemesterwoche: Katharina Winkel. Katharina will deshalb zusätzlich noch einige Events organisieren neben dem „üblichen Programm“ wie „Markt der Möglichkeiten“, TShirts, Ersti-Beutel und so weiter. Das wäre zum Beispiel eine internationale Party im IKUWO, um die bisher vernachlässigten ausländischen Studenten in die Woche mit einzubinden. Oder als Club-Alternative ein abendliches Grillfest auf dem Rubenowplatz mit Live-Musik von Radio 98eins. Gesucht werden Tutoren für alle Fachbereiche. Wer Lust hat, kann sich bis zum letzten Treffen im September bewerben. Die BachelorStudenten erwartet ein Einführungsvortrag, für die Lehrämter sucht der AStA ganz dringend Tutoren. Den Problemfall Burschenschaften sieht Katharina nicht. Ausser den Markomannen dürfen alle Burschenschaftler Tutoren sein, „wenn sie sich fair verhalten und die Leute nicht gleich am ersten Abend aufs Haus mitnehmen“. moritz


Bestens umsorgt

Mehr Zusammenarbeit

Bitte meldet Euch!

Ausländer: Jana-Elena Koser

BAföG und Studienfinanzierung: Christin Püschel

Soziales: Constanze Rogge

Ein Herz für Studienkollegiaten: Jana-Elena Koser. Verbesserungswürdig ist ihrer Meinung nach das Angebot an Sprachkursen für die Studienkollegiaten: „Die sind zwar alle kostenlos, aber das Angebot ist begrenzt und die Leute verlieren ganz schnell ihre Aufenthaltsgenehmigung, wenn sie keinen Platz bekommen.“ Alternativ biete jedoch auch das BiG Sprachkurse an. Den Eindruck einer Ghettoisierung weist Jana nicht zurück: „Die ausländischen Studenten wohnen zu 80 Prozent im Wohnheim und werden wohl schon nach Nationalitäten vom Studentenwerk verteilt.“ Rassismus sei jedoch zur Zeit kein Thema.

Die Jobbörse kommt! Das Konzept dafür hat Christin schon erstellt. Sobald die neue AStA-Homepage im Netz ist, wird es ähnlich dem jetzigen schwarzen Brett eine Jobbörse geben, wo man sowohl Suchanzeigen als auch Arbeitsangebote inserieren kann.

Will mehr Zusammenarbeit im AStA: BAföG-Referentin Christin Püschel Christin ist neben Simon die Einzige, die sich eine Verbesserung der AStA-internen Zusammenarbeit vorgenommen hat. Die drei Sozialreferate – sprich Soziales, Ausländer und BAföG – wollen bis zum Herbst den Sozialführer gemeinsam neu verfassen. Bisher hätten alle Referenten relativ autark für sich alleine gearbeitet, aber angesichts immer größerer Studierendenzahlen hätten sie „die Pflicht, auch mal über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen“, so Christin. Als Schritt in die richtige Richtung wertet sie, dass die Sitzungsleitung der AStA-Sitzungen jetzt turnusmäßig wechselt und sich so jeder Referent mal mit allen Themen befassen muss.

Überall dabei Ökologie: Thomas Maier „Ich mache so alles das, was bei den anderen übrig bleibt“, sagt der neue Ökologie-Referent und meint das nicht einmal negativ. Ökologische Aspekte gebe es in allen Bereichen, man dürfe nur nicht mehr mit dem sprichwörtlichen Holzhammer drauf hauen: „Statt „Bäume abgejuli 2004

In der StuPa-Sitzung am 25. Mai ließ die resolute 23-jährige keinen Anschein daran, was sie vorhat, und wurde trotz Gegenkandidatin prompt gewählt: „Schmusekurs gibt's bei mir nicht!“, verkündete Constanze. Dennoch macht Constanze nicht den Eindruck, als würde es in ihrer Beratung nur knallhart zugehen. Obige Bemerkung resultiert eher aus gesammelter Erfahrung mit Ämtern und Behörden. Constanze hat 4 Semester Sozialpädagogik in Lüneburg studiert, bevor sie nach Greifswald wechselte. Sie hat neben den leidigen Erfahrungen als Passive auch aktive Beratungserfahrung.

Endlich wieder besetzt: Der neue Öko-Referent Thomas Maier.

Neue Sozialreferentin Constanze Rogge: „Nix mit Schmusekurs!“ Im Zusammenhang mit der Zweitwohnsitzsteuer empfiehlt sie allen Studenten, sich hier in Greifswald anzumelden. „Bis 2006 sollen 2500 Studenten mehr gemeldet sein, im Moment sind es mal gerade so viele, die überhaupt hier gemeldet sind“, beklagt sie.

politik

Jana wurde am 25. Mai trotz Gegenkandidat wiedergewählt. Nach wie vor liegen ihr besonders die Studienkollegiaten am Herzen, die ihrer Meinung nach im Gegensatz zu den Erasmus-Studenten zu wenig umsorgt sind. Immerhin so 60 bis 70 Studienkollegiaten werden am 16. September immatrikuliert und haben vom 19. bis zum 27. September ihre eigene Begrüßungswoche. Tutoren sind händeringend gesucht.

holzt“ müssen wir den Leuten heute mit möglichen Augenschäden bei weißem Papier kommen.“ Ein bisschen fehlt es Thomas noch an Kontakten zu lokalen Umweltgruppen, dafür blickt er auf ein Jahr Mitarbeit an einem Umweltprojekt in Polen zurück. Geplant hat er unter anderem eine Konsum-Kampagne und eine Überarbeitung des grünen Hochschulführers. 15


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Anpacken! Sofort! Der langsame Tod unserer Universität / Von Simon Sieweke (AStA-Vorsitzender)

politik

Der Ernst-Moritz-Arndt-Universität geht es schlecht. Diese sehr pauschale Aussage war zuletzt in den Protesten Anfang des Jahres zu hören. Wie wahr diese Aussage ist, hat wohl inzwischen schon jeder Student gemerkt: Es mussten über ein Drittel der Zeitschriften abbestellt werden. Ursache für dieses und andere Probleme sind Mittelkürzungen des Landes. Folge davon ist, dass seit neuestem selbst Standardzeitschriften und -bücher per Fernleihe angefordert müssen. Diese kosten inzwischen 1,50 Euro pro Bestellung. Das Schreiben von Haus- und Seminararbeiten ist somit zu einem schwierigen und teuren Unterfangen geworden. Am sichtbarsten wurden die Probleme am Beginn des Wintersemesters. Dass bei vielen Vorlesungen der unteren Semester ein Sitzplatz zum Luxusgut wurde, ist eine Katastrophe. Da verwundert es nicht, dass Seminare, die nach der Studienordnung belegt werden müssen, wegen Überfüllung für viele Studierende verschlossen werden. Ein Studium in der Regelstudienzeit wird so zu einem fast unmöglichen Unterfangen. Dazu kommt, dass man in manchen Universitätsgebäuden um Leib und Leben fürchten muss. Mal bröckelt der Putz von der Decke, mal funktionieren Abzüge nicht, die giftige Stoffe absaugen sollen, oder die Fluchtwege verdienen ihren Namen nicht. Zusammenfassend kann man eine klare Diagnose stellen: Der Uni geht es schlecht und es wird ihr in Zukunft nicht besser gehen. Denn die Landesregierung nimmt ihr alles, was für eine erfolgreiche Zukunft notwendig ist. Die ErnstMoritz-Arndt Universität durchlebt

einen langen, schmerzvollen Todeskampf.

Die Antwort der Politik Dass Bildung notwendige Voraussetzung für wirtschaftliches Wachstum und essentiell für die Verwirklichung sozialer Gerechtigkeit ist, kann in mehreren Studien der OECD nachgelesen werden. Dass die Ernst-Moritz-Arndt-Universität für die Entwicklung unserer Region von entscheidender Bedeutung ist, haben nicht erst BWL- und Geografie-Professoren in ihren wissenschaftlichen Arbeiten herausgefunden. Wer Greifswald kennt, weiß, dass nicht nur viele Bäcker ohne die Universität schließen müssten. Die Landespolitiker interessiert das alles wenig. Sie kürzen („sparen“ ist definitiv der falsche Begriff) die Universitäten seit Jahren zusammen. Ein Endpunkt ist nicht in Sicht. Wie wird es weiter gehen? Da Kürzen in der Politik im Moment „in“ ist, sucht die Politik Wege, um noch stärker diesem „Hobby“ nachgehen zu können. Als Lösung werden unterschiedliche Formen von Studiengebühren präsentiert. Diese werden uns als angeblich essentieller Bestandteil einer modernen Bildungspolitik schmackhaft gemacht. In Wirklichkeit werden die Studiengebühren weder die Finanzprobleme der Universitäten lösen noch die Rolle der Studenten stärken. Finanzministerin Sigrid Keler wird dafür sorgen, dass die staatlichen Zuschüsse in Höhe der durch Studiengebühren eingenommenen Gelder gekürzt werden. Die dominierende Rolle der Professoren wird, dafür werden Verfassungsrechtler in Land und Bund schon sorgen,

auch durch Studiengebühren nicht angetastet. Angesichts dessen muss man wirklich Angst vor den nächsten Vorschlägen der Politiker für eine „moderne“ Bildungspolitik haben.

Die Antwort der Studierenden Was tun die Opfer der Bildungspolitik, also ihr? Natürlich haben viele demonstriert, haben die 24Stunden-Vorlesung besucht oder eine Lichterkette gebildet. Ihr habt im Dezember und Januar damit das Schlimmste für unsere Universität verhindert. Trotzdem müssen sich in Zukunft mehr von Euch für ihre Rechte einsetzen. Denn niemand wird Interessenvertreter ernst nehmen, wenn die Leute, die sie vertreten, kein Interesse an ihrer Arbeit haben. Man muss sich dabei nicht gleich im AStA, im Studierendenparlament oder im Fachschaftsrat engagieren. Ein altes Sprichwort sagt: Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, dann entsteht etwas ganz Großes. Darum sollte jeder von Euch zur Wahl des Studierendenparlaments oder des Fachschaftsrates gehen. Auch solltet ihr Anregungen für Verbesserungen an den Fachschaftsrat oder den AStA weiterleiten. Und zuletzt sollte es für jeden von Euch zumutbar sein, an Demonstrationen gegen Kürzungen an der Universität teilzunehmen. Wälzt die Verantwortung für den Kampf gegen Bildungsabbau nicht auf den AStA oder das Studierendenparlament ab. Der AStA kann viele tolle Stellungnahmen und Artikel schreiben. Den Kampf für Eure Interessen müsst ihr selber führen.

Falls ihr nun Interesse bekommen habt, nicht nur wählen oder demonstrieren zu gehen, sondern im AStA oder in Eurem Fachschaftsrat mitzuarbeiten, meldet Euch bei uns. AStA-Büro, Rubenowstraße 1, Tel. 03834/861750; E-Mail: asta@uni-greifswald.de 16

moritz


Schwerpunkt Internationalisierung Dr. Thomas Behrens, der neue Kanzler der Universität, im moritz-Gespräch

moritz: Sie müssen aktuell mit einem Einstellungsstopp bis zum 30. September leben. Wie gehen Sie damit um? Dr. Behrens: Das war überhaupt das erste Ereignis für mich an dieser Universität: Kaum hatte ich in Schwerin meine Ernennungsurkunde erhalten, schon saß ich im Rektorbüro und wurde über die Haushaltssperre informiert. Es gibt nur noch für begründete Einstellungsanträge eine Öffnungsklausel. Wie gut begründet muss so ein Antrag denn sein, damit er angenommen wird? Das kann ich so pauschal nicht sagen. Ein wesentliches Kriterium sind sicherlich die Studentenzahlen in dem jeweiligen Fach. Aber die zugrundeliegenden Kapazitätsberechnungen beruhen auf dem Stellen-Soll, auch wenn die ausgeschriebenen Stellen gar nicht vergeben sind. Ein anderer Faktor sind sicherlich Forschungsprojekte oder auch fächerübergreifende Arbeit. Wie realistisch ist eine Verlängerung der Sperre über September hinaus? Das kann zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen. Wir haben eine ausgesprochen schlechte Planungssicherheit, weil wir weiterhin von schwankenden staatlichen Mitteln abhängig sind und somit nicht frei wirtschaften können. Es ist ja nicht so, dass einmal im Jahr der Geldtransporter vorfährt und uns ein Jahresbudget übergibt. Solch eine finanzielle Loslösung vom Land wäre sowieso nicht risikolos: Sämtliche Beschäftigte haben einen Rechtsanspruch auf ihr Gehalt und der muss auch dann erfüllt werden. juli 2004

Es gibt zur Zeit eine Doppelungsdiskussion, die die Streichung ganzer Fachbereiche in Greifswald oder Rostock favorisiert. Sie sind, was Fusionen von Universitäten angeht, ein gebranntes Kind. Meine Erfahrungen mit Universitätsfusionen – wie in Essen und Duisburg geschehen – sind vor allem deswegen schlecht, weil man neben den Fachbereichen zwei Verwaltungen zusammen legen muss.

Neuer Kanzler Dr. Behrens: „Noch nicht der Stand, den ich mir vorstelle.“ Foto: ring Mein Eindruck der hiesigen Situation nach 14 Tagen als Kanzler ist, dass beide Universitätsstandorte sehr wichtig sind für das Land und erhalten bleiben sollten. Ich könnte mir eine engere Vernetzung des Lehrangebotes vorstellen. Mein Gefühl ist, dass Rostock im Moment eher weniger zu Gesprächen über die Zukunft der beiden Unis bereit ist. Auf der anderen Seite scheint mir normal, dass sich Greifswald als der kleinere Partner immer etwas früher Sorgen macht. Geht es den hiesigen „Orchideenfächern“ an den Kragen? Ich mag den Begriff „Orchideenfach“ nicht besonders, weil es in Greifswald auch weiterhin Fächer geben muss, die es nur hier gibt und

die den Standort unverwechselbar machen. Allerdings bin ich auch kein Gärtner, der die Orchidee beständig gießen und düngen kann. Sie blüht nur, wenn sie auf einem vernünftigen Boden wächst, das heißt, wenn sie in ein Konzept eingebunden ist und die jeweiligen Fächervertreter sich engagieren. Was sind ihre Erfahrungen und erste Arbeitsziele nach den ersten zwei Wochen? Ich habe erst einmal alle Personen und Einrichtungen kennen gelernt. Mein vorrangiges Ziel ist eine Reorganisation der Verwaltung, um die in den letzten Jahren gestiegenen Anforderungen zu erfüllen. Die Verwaltung ist teilweise „verkrustet“ und noch nicht auf dem Stand, den ich mir vorstelle. Einer meiner Schwerpunkte wird die Internationalisierung sein, um Greifswald als Standort für internationalen Studentenaustausch attraktiver zu machen. Ich möchte eine Verwaltung, die Professoren hilft, Drittmittel auf europäischer Ebene einzuwerben. Leider ist die Stelle der Personaldezernentin zur Zeit noch unbesetzt, so dass ich niemanden für Organisation und Personalanwerbung habe. Braucht die Universität mehr Werbung? Mir war zum Beispiel in Duisburg bekannt, dass die Bachelorisierung in Greifswald sehr weit fortgeschritten ist. Auch wußte ich, dass es hier sowohl Massenfächer als auch viele kleine Fächer gibt.

politik

Dr. Thomas Behrens studierte Jura und arbeitete in verschiedenen Hochschulverwaltungen. Seine Dissertation schrieb er über „Globalisierung der Hochschulhaushalte“. Er arbeitete unter anderem mit dem jetzigen CHE-Vordenker Detlef Müller-Böling zusammen.

Was wußten Sie über Schwächen, Stärken und Schwerpunkte der Universität? Mir war bekannt, dass die Rechtsund Staatswissenschaftler sehr erfolgreich sind und dass die Medizin „sehr gute Blutwerte“ hat. Die übrigen Details habe ich erst nach Durchsicht des Hochschulentwicklungsplans erfahren. Interview: Ulrich Kötter, Kai Doering 17


Im Reichtum arm Warum die Uni nichts von ihrem Grundbesitz hat / Von Verena Lilge

14.000 Hektar Land – eine gigantische Größe! Könnte man diese Liegenschaft ohne weitere Komplikationen in bare Münze umwandeln, wären vermutlich sämtliche finanziellen Schwierigkeiten der Ernst-Moritz-Arndt Universität vom Tisch. Aber wie bei jedem schönen Traum hat auch dieser einen Haken – leider! Aber beginnen wir von vorne. Im Jahre 1637 gingen 14.000 Hektar Land in das Eigentum der Uni über. Denn Pommernherzog Bogislaw XIV schenkte der Universität Acker-, Wald- und Hofflächen (unter anderem auch das Amt Eldena mit seinem Kloster), weil er mit einigen Patronatszahlungen im Rückstand war und beglich auf diese Weise seine Schulden. Bereits damals wussten schlaue Köpfe, dass ein Verkauf zwar einmalig viel Geld einbrächte, Pachteinkünfte langfristig jedoch sinnvoller wären. Die Bedingung war damals, dass die Einnahmen aus der Pacht für die Unterstützung

politik

für Lehre und Forschung eingesetzt werden sollten. Seit damals verwaltet die Universität nun schon ihre Liegenschaften und wurde so zur reichsten Universität Deutschlands – man könnte sie sogar als Großgrundbesitzerin bezeichnen. Aufgrund der enormen Pachteinnahmen war sie bis zum zweiten Weltkrieg nicht auf staatliche Zuschüsse angewiesen. Nach dem Krieg wurde der Landbesitz im Rahmen der Bodenreform an Privatpersonen verteilt beziehungsweise in das sogenannte Volkseigentum eingegliedert. Seit der politischen Wende 1990 versucht die Universität, den ehemaligen Landbesitz wieder zu bekommen: 8.660 ha Land sowie insgesamt 786 Flurstücke wurden bereits an die Universität rückübertragen. In diesem Fall nimmt sie eine rechtliche Sonderstellung gegenüber damaligen Großgrundbesitzern ein. Während Großgrundbesitzer ohne Entschädigung enteignet wurden, stellte die Universität ihren Grund und Boden zur Verfügung, um die angespannte Lage in den Nachkriegsjahren zu entschärfen und so die Versorgung der Menschen zu gewährleisten. Jetzt prüft das Liegenschaftsamt ganz genau, welche Flurstücke während der Bodenreform ins Volkseigentum übergingen und welche sich noch heute in Privatbesitz. „Wir streben nur in den Fällen eine Rückübereignung an, Money, money, money... Oder doch nicht? 18

in denen sich das Land im Besitz des Volkseigentums befand beziehungsweise wo Gemeinden Universitätseigentum an Dritte veräußerten“, so Wolfgang von Diest von der Forst- und Liegenschaftsverwaltung der Universität. Wer nun meint, die Uni könnte die rückübereigneten Liegenschaften verkaufen und das Geld in die Uni selber investieren, dem sei gesagt, dass die Pachteinnahmen langfristig gesehen vorteilhafter sind. Denn mit regelmäßigen Pachteinnahmen lässt sich im Haushalt besser planen. Außerdem sei an dieser Stelle gesagt, dass die finanziellen Mittel bereits in die Haushalte unserer Alma Mater fließen – zum einen wird mit ihnen die Unterhaltung der Liegenschaften bezahlt, sowie Forschung und Lehre unterstützt, zum anderen werden damit andere investitive Zwecke (zum Beispiel der Umbau der Kiste) gefördert. Eine Veräußerung der Liegenschaften ist auch deshalb nicht so einfach, weil einige von ihnen noch nicht altlastenfrei sind. „Sie sind aber weniger ökologischer Art belastet, eher sind auf den Flächen marode Bausubstanz oder alte Stallanlagen zu finden, dessen Instandsetzung oder Beseitigung ebenfalls eine Menge Geld kostet“, sagt von Diest. Nicht nur Flurstücke in den Gemeinden um Greifswald gehören der Universität, sondern auch Gebäude innerhalb der Stadt. Leider sind einige – nicht alle – von ihnen nicht mehr in baulich einwandfreiem Zustand. Wie überall fehlt es auch hier an finanziellen Mitteln. Dabei versucht die Universität Kauf- oder Mietinteressenten für die Gebäude zu finden. „Viele Leute würden gerne hier wohnen, wissen aber nicht, dass auch die Universität Immobilien vermietet und verpachtet“, so eine Mitarbeiterin der Liegenschaftsverwaltung. Also, falls Ihr eine neue Bleibe für das kommende Semester sucht, schaut doch einfach mal bei der Liegenschaftsverwaltung vorbei. moritz


„Diesmal wird es uns nicht kalt erwischen“ Der Greifswalder PDS-Landtagsabgeordnete Dr. Gerhard Bartels über die Doppelungsdebatte und falsche Förderpolitik des Landes sowie ein verkrachtes Verhältnis der Universität zur Stadt

moritz: Ist die neuerliche Doppelungsdebatte um die Uniklinika in Rostock und Greifswald Wahlkampfgetöse? Dr. Bartels: Ja und nein. Die Debatte um die zwei Uniklinika gibt es seit 1990. Im Moment machen die Krankenkassen Druck, ein Klinikum zu schließen. Das Klinikum Rostock unterscheidet sich strukturell ganz erheblich von Greifswald. In Greifswald kam die Diskussion zur Umwandlung des Klinkums in eine Anstalt öffentlichen Rechts aus der Universität, in Rostock denkt man noch gar nicht darüber nach. Offiziell wird die Schließung des Rostocker Klinikums nicht diskutiert, inoffiziell wohl schon. Das Rostocker Uniklinikum schreibt im Gegensatz zu Greifswald rote Zahlen und macht keinerlei Anstalten, mit dem Südstadtklinikum zusammen zu arbeiten. Haben wir eine Universität zu viel im Land? Nein, denn generell wird in Deutschland der Bedarf an Akademikern weiter steigen. Den Akademikerberg gibt es nicht mehr. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es drei Zukunftsbereiche: Das ist die Nahrungswirtschaft, der Tourismus und die Hochtechnologie im Umfeld der Hochschulen. Auch wenn die Studenten im Land selber weniger werden, so müssen wir für Studenten aus anderen Bundesländern attraktiver werden. Kommt im Herbst die nächste Sparrunde? Nein, denn nach den finanziellen Debakeln der letzten Jahre hat das Finanzministerium neben der Steuerschätzung vom Bund eine eigene Hochrechnung erstellt, die juli 2004

von 100 Millionen Euro weniger Einahmen ausgeht. Nun haben wir gerade im Mai mit der neuesten Schätzung erfahren, dass es 60 Millionen weniger Steuereinnahmen werden – uns bleibt nach wie vor ein Puffer von 40 Millionen, so dass uns die Schätzung im Oktober diesmal nicht kalt erwischen wird. Das eingeplante Geld für die Ministerien bleibt also.

An alter Wirkungsstätte: „Traditionell Technologie-Ansiedlung verFoto: ring hindert.“ Was wird aus dem Hochschulkorridor? Es gibt zur Zeit eine Vorlage der Regierung, die über 2007 hinaus den Hochschulkorridor auf 1,5% festlegen will. Das würde jedoch aufgrund der zurückgehenden Einnahmen des Landes weiteren Abbau bedeuten. Wir brauchen schon 3 Prozent Steigerung, um den status quo aufrecht zu erhalten. Die Politik muss endlich die zentrale Bedeutung der Wissenschaft in M-V erkennen und sich dann Gedanken machen, wie wir 2020 das Land aufgestellt haben sollten, damit wir überlebensfähig sind. Ich beobachte immer noch viel Angst vor dieser Art Planwirtschaft, halte sie aber trotzdem für absolut notwendig. Zur Zeit macht das Land in gewissen Bereichen einfach falsche Förderpolitik. Wo ist das Thema Studiengebühren geblieben? Auch wenn man in Mecklenburg-

Vorpommern im Moment eher weniger darüber diskutiert, so verläuft die Kontroverse in den übrigen Bundesländern äußerst heftig. Hierzulande gibt es sowohl in der PDS als auch in der SPD maßgebliche Stimmen, die sich gegen Studiengebühren aussprechen. Ich denke, wir sollten über universitäre Ausgründungen von GmbHs nachdenken, die gezielt Weiterbildungskurse für Wirtschaftsfachleute anbieten und deren Gewinne dann direkt an die Universität zurück fließen. Auch die Drittmitteleinwerbung muss gefördert werden. Wie beurteilen Sie das Verhältnis der Universität zur Stadt ? Es gibt zwar einen Kooperationsvertrag, aber was nach wie vor fehlt, ist wirkliche Zusammenarbeit. So will die Stadt ihre Verwaltung modernisieren, vergibt aber den Auftrag dazu an eine Privatfirma anstatt an Studenten. Uni und Stadt gehen nicht wirklich aufeinander zu. Das Technologiezentrum dümpelt vor sich hin und dem MaxPlanck-Institut fehlen Spezialfirmen als Zulieferer. Man könnte sagen, dass es in unserer Stadt Tradition ist, Technologieansiedlungen zu verhindern. Wie läßt sich die geplante Zweitwohnsitzsteuer in einen solchen Kontext einbinden? Städte und Kommunen im Land sind zwanghaft dabei, nach Einnahmequellen zu suchen, weil ihnen die Kommunalaufsicht im Innenministerium Druck macht. Greifswald bekommt zwar durch jeden gemeldeten Hauptwohnsitzler Zuweisungen in Höhe von 800 Euro aus den Steuereinnahmen des Landes, aber für die Studenten wird der Universitätsstandort Greifswald unattraktiv und sie werden sich Alternativen suchen. Dennoch: Wenn sich bis 2006 nicht genug Studenten melden, wird das Konzept mit der CDU kommen.

politik

Dr. Gerhard Bartels (55) sitzt für die PDS im Landtag und in der Greifswalder Bürgerschaft. Von 1986 bis 1992 war er Dozent an der EMAU. Bartels ist hochschulpolitischer Sprecher der PDS-Landtagsfraktion.

Interview: Ulrich Kötter

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Wer die Qual hat, geht nicht wählen … Europa-Verdruss und Greifswalder Zurückhaltung / Von Katja Staack

politik

Was ist in Deutschland in der letzten Zeit passiert? Politiker wurden geschlagen, ein selbsternannter Kalif darf nach langem Gerangel noch zwei Monate in Deutschland bleiben, in einem Kölner Café ging eine Nagelbombe hoch und die Fußball-Nationalmannschaft ist zur Europameisterschaft nach Portugal gefahren. Noch etwas? Richtig – es gab Wahlen. Europawahlen, um genau zu sein, und mancherorts, wie auch in Mecklenburg-Vorpommern, Kommunalwahlen und Bürgerentscheide. Einen großen Teil der Deutschen beeindruckte es nicht, dass wir am 13. Juni weder Bundestag noch Landtage wählten. Wie viele seiner europäischen Nachbarn, nutzte auch das deutsche Volk die Gelegenheit, der Regierung einen Denkzettel zu verpassen. So kam die CDU auf 44,5%, die SPD auf 21,5%. Beide brachen im Vergleich zur letzten Wahl ein, was die Christdemokraten aber nicht davon abhielt, einen „guten Tag für die Menschen“ (Laurenz Meyer) zu feiern. Die drei „kleinen Parteien“ konnten sich dagegen über Stimmengewinne freuen: Die Grünen errangen 11,9%, die PDS und die FDP jeweils 6,1%. Gesundheitsreform, Steuerreform, Arbeitsmarktsreform – es ist schon verständlich, dass die Wenigsten mit der aktuellen Politik der Bundesregierung zufrieden sind. Kaum einer kann das Wort „Reform“ mehr hören, auch wenn die Notwendigkeit für viele nicht mehr wegzudiskutieren ist. Weniger verständlich ist allerdings, dass nur 43% der Deutschen ihr Bisschen Einfluss im Europäischen Parlament nutzen wollen. Gerade in Hinblick auf die jetzt doch kommende EU-Verfassung und die damit verbundene Stärkung der 732 Europa-Parlamentarier gegenüber 20

Ministerrat und EU-Kommission sollte man meinen, das Volk wolle mehr mitentscheiden. Viel Vertrauen bringt die Bevölkerung dem Staatenbund offensichtlich nicht entgegen. Fremdbestimmung, Unverständnis für viele Richtlinien und das Demokratiedefizit schrekken nach wie vor ab. Natürlich sollte man die Kompetenzen eines Parlaments anzweifeln, das keine eigenen Gesetzesvorlagen einbringen und nur über ein spärliches Budget und sein Veto gegen

Die Kleinen kommen in Europa und Greifswald ganz groß raus. Foto: ring

Beschlüsse des Ministerrates mitregieren darf. Aber gerade weil sich mit der geplanten Verfassung eine Wende zu mehr Demokratie in Straßburg abzeichnet, muss der EUBürger doch demonstrieren, dass er mitreden will! Seine Wahlabstinenz wird von den Befürwortern des bisherigen Systems sonst dahingehend ausgelegt, dass bei den Europäern kein Interesse an mehr Mitwirkung besteht. Noch weniger nachvollziehbar als das Desinteresse am Geschehen

außerhalb der Grenzen ist das Desinteresse der Deutschen daran, was vor ihrer Haustür geschieht. Eindrucksvoll zu beobachten war dies bei den Kommunalwahlen in Greifswald. Von den 44.290 Wahlberechtigten gaben nur 38,5% ihre Stimme ab. Der einzige Vorteil war, dass die Auszählung relativ schnell abgeschlossen war und die 530 ehrenamtlichen Wahlhelfer sowie 30 Wahlbeamten in den verdienten Feierabend entlassen werden konnten. Spannend ist allerdings, dass Greifswald einer der wenigen Orte war, in dem der Bundestrend nicht Fuß fassen konnte: Die CDU fiel, gemessen an der letzten Wahl, um 10,1 Punkte auf 36,9%, während die SPD ganze 1,3 Punkte zulegen konnte und auf 18,7% kam. Die PDS verlor leicht und kam auf 21,3%, die Grünen hielten ihre 6,4% und die FDP verdoppelte ihr Ergebnis auf 5,5%. Nach dem Fall der 5%-Hürde können zudem 4 Vertreter verschiedener Wählerinitiativen in die Bürgerschaft einziehen. Lässt man die Wahlbeteiligung aussen vor, muss man die Greifswalder loben, denn sie unterscheiden – anders als viele andere – noch zwischen Kommunal- und Bundesebene. Der Geschmack, den der letzte Wahlsonntag hinterlässt, ist dennoch eigentümlich. Es stellen sich viele Fragen: Warum besteht so wenig Interesse an politischer Mitwirkung? Warum wird zwischen den verschiedenen politischen Ebenen so selten differenziert? Und warum können die Parteien keine Wähler mehr mobilisieren? Die Politik ist hier gefragt, sich selbst zu ändern. Doch dass sie dies ohne „inputs“, also ohne Rückhalt und ohne Interesse des Volkes, schaffen wird, ist mehr als unwahrscheinlich… moritz


Technik-Wahnsinn in der Makarenkostraße Über einen Hörsaal, in dem keiner den Professor hören kann / Von Sebastian Jabbusch

juli 2004

politik

net werden. Zumindest hat bisher „Können Sie mich jetzt hören?“, und „aus“ aufgeklebt. Trotzdem noch kein Professor den Schalter heißt es tonungsgemäß allmorgendscheint dieser Knopf in den Wirren gefunden, was die Aussage zugegelich im neuen, dreiviertel Millionen der Schalterwüste stets unauffindbenermaßen einschränkt. Wer auf Euro teuren High-Tech-Hörsaal der bar. die Idee kam, in einem Universität. Und rhythmisch Hörsaal, der für 460 atmenschallt es zurück „Nein!“ Also fummelt der Lektor „Die Folge ist, dass die Studenten ihre de Studenten ausgelegt ist und lediglich eine weiter an seinem Mikro, aus Professoren entweder nicht hören Raumhöhe von drei Metern dem immer noch nichts zu hören ist, außer dem hohen oder ihre Folien nicht sehen können. “ hat (der Name „Kiste“ ist hier durchaus wörtlich zu Ton einer Rückkopplung. Als verstehen), die Fenster zu er gerade dabei ist, die dritte verriegeln, sollte einen PlanungsBatterie einzuwechseln, in der stilOscar bekommen. len Hoffnung, dass wenigstens diese Der Erstickungstod So oder ähnlich könnte man weiter gefüllt ist, ruft irgendein WagemutiDoch selbst wenn sie eingeschaltet gehen. Egal ob es um die Nutzung ger: „Die hinteren Plasmabildist, muss dies nicht sofort Besserung des Visualisier geht oder die richtige schirme sind auch aus!“ bedeuten. Denn die Lüftungsanlage Auflösung bei Beamer-PräsentaSpätestens jetzt wird der Professor funktioniert … sagen wir … „eher tionen: Die Professoren sind übernervös. Mit ratlosen, fast verzweifelzufällig“! Lüftung durch Fenster fordert. Die Folge ist, dass die ten Gesichtsausdruck schweben die und Türen sind ausgeklügelterweise Studenten ihre Professoren entwedrahtigen Finger kreisend über das ebenfalls ausgeschlossen. Der Hörder nicht hören oder ihre Folien 84-Tastenfeld der Licht-, Beamer-, saal hat nur eine Doppeltür, von der nicht sehen können. DVD-, Powerpoint-, Lüfter- und Und das, obwohl techVisualisier-Anlage. Hin und nisch alles einwandfrei wieder senkt sich der Finger – funktioniert! Hier fragt scheinbar zufällig – auf versich der ambitionierte schiedene Knöpfe. Meist ohne Steuerzahler natürlich, Auswirkungen. wozu dann eigentlich 250.000 Euro allein für Die Zeit läuft... die Technik investiert wurden (Beamer, PlasmaDer Dozent ist auch heute erst bildschirme, pompös ausum Viertel nach gekommen. gestattete Soundanlage, Wäre ja noch schöner, wenn professioneller Folienman zehn Minuten eher und Grafik-Visualisier), kommt, nur weil man die wenn die Professoren sich Technik seit Wochen nicht beweigern, sie richtig zu nutdienen kann. Das Publikum zen? wird langsam unruhig. Der erste Professor ist von Wieder erhebt sich ein Studer Technik in der Makadent: „Können sie die Lüftung renkostraße bereits so mal anmachen?“ Der Saal sehr frustriert, dass er erstarrt. Es gibt wohl kaum ein seine Vorlesung aus der Wort auf das Professoren ratKiste zurück in die loser reagieren. „Lüftung“ – Germanistik verlegt hat, das letzte Mysterium der auch wenn dort weniger Menschheit. Bedienbar ist die Sitzplätze sind… Lüftung über einen (!) Zwar hat Greifswald jetzt Schalter, auf dem praktischer– wenn überhaupt – nur die eine den größten und modernsten weise „Lüftung“ steht. Außerdem Hälfte zu öffnen ist. Die Fenster des Hörsaal Mecklenburg Vorwurden zur Vereinfachung zwei Hörsaals können übrigens weder pommerns, bedienen kann ihn aber Aufkleber mit der Aufschrift „ein“ per Hand noch elektronisch geöffkeiner. Was für eine skurrile Welt! 21


Sehen und Gehört werden - Alumni 2004 Es war schwer, sich am ersten JuniWochenende zu entscheiden: Stadtimpuls? Theaterworkshop? Alumni? Lebendig und fröhlich ging es zu in Greifswald. Zum diesjährigen Universitäts- und Alumnifest hatte der Förderverein wieder alle Freunde und Ehemalige der Universität Greifswald eingeladen. Der Auftakt am Freitag abend mit Melodien der Comedian Har-

monists – vorgetragen von den „Five Gentlemen“ in der St. Jacobi Kirche – wurde auch als Gelegenheit genutzt, einige ehemalige Kommilitonen nach langer Zeit wieder in die Arme zu schließen, während man anderen lieber nur ein „Hallowie-geht’s“ zuwarf. Institute und andere Einrichtungen der Uni öffneten die Pforten, um über ihre Arbeit in Forschung und

Heute ein König: AStA Vorsitzender von 1991 bis 1993, Alexander König bei Fotos: Christin Drühl der Biermesse.

neue serie: die greifzelmännchen

Der gute Geist der Künstler

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Sie sitzen in kleinen Büros, arbeiten in Vorbereitungsräumen oder huschen emsig über die Uni-Flure. Da sie immer schwer beschäftigt und in vielen Fällen scheuer Natur sind, erhascht man meistens nur einen kurzen Blick von ihnen. Die Rede ist von den Mitarbeitern der Uni, die – nicht wie Dozenten – im Vordergrund stehen, sondern ohne großes Aufsehen ihre Arbeit im Hintergrund erledigen und somit für einen reibungslosen Ablauf des Uni-Alltags sorgen. Ob sie nun Material zum Arbeiten ausgeben, Scheine ausstellen oder schlicht für Sauberkeit sorgen, sie erfüllen allesamt wichtige Aufgaben und ohne sie wäre man ziemlich aufgeschmissen. moritz hat diese Heinzelmännchen aufgespürt und lässt sie auch einmal zu Wort kommen. 22

Als ersten fleißigen Helfer stellen wir Euch Helmut Prill vor, den Leiter der druckgraphischen Werkstätten am Caspar-David-FriedrichInstitut. Er arbeitet schon seit vielen Jahren an der Uni und ist seit 4 Jahren in der Druckwerkstatt tätig. An seinem Arbeitsplatz ist er täglich

Helmut Prill, die gute Seele der Druckwerkstatt. Foto: juli

Lehre zu informieren. Am Samstagabend gab es ein buntes Treiben auf dem Gelände der Augenklinik. Der Markt der Möglichkeiten informierte über den Lamarck-Zirkel oder den Fachschaftsrat der Ur- und Frühgeschichte genau so wie über Geographenkeller und Akademischen Börsenverein. Auch meine Wenigkeit, der moritz, wurde gut verteilt unter den Gästen. nett

Band-Reunion: Ex-Vorsitz Tremmel und sein HoPo Schulze.

von 7 bis 15.30 Uhr. Auf eine Mittagspause außerhalb verzichtet er, damit die Werkstatt durchgehend geöffnet bleiben kann: „Ich bin immer der Erste, der kommt und der Letzte, der geht.“ Zuviel wird ihm die Arbeit trotz des hohen Pensums nicht - „Das ist positiver Stress“, so Prill. Seine Tätigkeit macht ihm großen Spaß und wird sowohl von anderen Mitarbeitern, als auch von den Studenten gewürdigt, denn „ohne ihn würde einfach nichts laufen“, sagen die Studenten. Besonders sie mögen Herrn Prill sehr gern und hätten es am liebsten, „wenn er nie krank werden oder Urlaub nehmen würde.“ Als Dankeschön für die Arbeit und Hilfe wird er von vielen Kunststudenten zu deren Ausstellungen eingeladen. Das ist für ihn immer etwas Besonderes und bestätigt ihn in seiner Arbeit und Art mit den Studenten umzugehen. Wenn er nicht gerade in der Werkstatt tätig ist, verbringt er gern Zeit mit seiner Familie, sammelt alte, „wertvolle“ Gegenstände oder macht spontane Ausflüge in die Umgebung. moritz


titelthema Geschichte: Bachelor und Magister Hintergrund: Bildungsweg Bologna Wegweiser: Sicher durch den Akkreditierungsdschungel General Studies: Studium von Kopf bis FuĂ&#x; Debatte: Bericht vom Professorenduell Erfahrungsbericht: Zum Master nach Greifswald Kommentar: Ziel verfehlt?

Der Bachelor


Bachelor gegen Magister Wesensverwandte im Streit? / Von Katja Staack

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Was bewegt den Studenten von heute? Nicht Kürzungen im Bildungsbereich, Eliteuniversitäten oder der allgemeine Reformdrang, nein, das Thema Bachelor/Master versus Magister hat Konjunktur. Man zieht sich gegenseitig mit den vermeintlichen Eigenarten des anderen auf und begründet fast täglich in Seminaren und Vorlesungen eine liebevolle Feindschaft aufs Neue, sobald irgendjemand auf die Idee kommt, nach dem angestrebten Abschluss zu fragen. Dass die beiden akademischen Titel dabei auf eine gemeinsame Geschichte zurückblicken können, wissen allerdings die wenigsten. Der Begriff des Magisters ist uns aus dem Mittelalter erhalten geblieben, genauer genommen aus der Zeit um 1200, als in Europa die ersten Universitäten gegründet wurden und die höhere Bildung aus den Klöstern ausgelagert wurde. Als Studienabschluss qualifizierte er Studenten zur Lehre an der Universität, nachdem sie das Studium der septem artes liberales an der Artistenfakultät abgeschlossen hatten. Diese „sieben freien Künste“ setzten sich zusammen aus dem Trivium („Dreiweg“), den drei Fächern Grammatik, Dialektik und Rhetorik, die sich dem Wort widmeten, und dem Quadrivium („Vierweg“), in dessen Mittelpunkt die Zahl stand. Hierunter hat man sich, aus heutiger Sicht nicht mehr völlig nachvollziehbar, neben Geometrie und Arithmetik auch Astronomie und Musik vorzustellen. Und wie durften sich Studenten, die das Trivium abgeschlossen, das Quadrivium aber noch vor sich 24

hatten, nennen? Richtig - Baccalaureus. Schon damals verließen etwa 30 Prozent der Absolventen die Universität nach diesem Abschluss. Sie gingen sozusagen als „Gesellen“ der Künste. Wer hingegen das Studium der septem artes liberales beendete - knapp 20% der Studierenden - durfte sich Magister nennen, „Meister“ der Künste. Zunächst noch gleichbedeutend mit einem Doktortitel, wurde der Magister graduell abgewertet und verschwand im 19. Jahrhundert ganz aus den deutschen Universitäten. Erst um 1960 wurde er wieder eingeführt. Was lehren uns diese Ausführungen? Erstens: Die Ränge in Universität und Handwerk liegen erstaunlicherweise nicht so weit auseinander wie man denkt. Zweitens: Magister und Master sind

wesensverwandt. Doch ein Anglizismus wirkt zu Beginn des 21. Jahrhunderts auch im Bildungswesen peppiger. Drittens: Man scheint es für nötig zu halten, ein freies Studium zugunsten einer Temposteigerung einzuschränken. Auch an der Universität wird rationalisiert. Weil es billiger ist, nur einen Abschluss anzubieten, muss der Magister weichen, der sich derzeit bei den Studienanfängern der Philosophischen Fakultät größerer Beliebtheit erfreut als der Bachelor. Und viertens: Schon im Mittelalter gab es zahlreiche Studienabbrecher. Wird das derzeitige Chaos diesen Trend, der bis heute überlebt hat, umkehren? Oder wird es nicht viel eher einen gegenteiligen Effekt haben? Eine Antwort auf diese Fragen werden wir frühestens in ein paar Semestern geben können...

moritz


Bildungsweg Bologna Eine Stadt in Italien und die Bildung / Von Florian Benkenstein

einbarung. Doch was bedeutet das? Die Studierenden sollen mobiler werden und einen Teil ihrer Studienzeit an Universitäten im europäischen Ausland verbringen. Dies wird von der Europäischen Union

Bologna: Hier wurde 1999 der wegweisende Vertrag unterzeichnet aktuell 39 Länder durch die „Erklärung von Bologna“ verpflichtet, im Hochschulbereich ihres Landes, zweistufige Studiengänge (Bachelor und Master) festzulegen. Die Unterzeichnerstaaten legten damals sechs gemeinsame Aktionslinien fest: Die Einführung eines Systems leicht verständlicher und vergleichbarer Abschlüsse sowie eines Systems, das auf zweistufigen Studiengängen mit Grund- und Hauptstudium aufbaut. Zudem sollte ein Kreditpunktesystem (ECTS) etabliert werden um die Mobilität der Studierenden zu fördern. Auch die Unterstützung der europäischen Zusammenarbeit bei der Qualitätssicherung und der europäischen Dimension in der Hochschulbildung waren Gegenstand der Verjuli 2004

beispielsweise mit Erasmusstipendien mitfinanziert. Die im Ausland erworbenen Studiennachweise sollen dann einfacher im Heimatland anerkannt werden. Hierfür wurde das Europäische System zur Anrechnung von Studienleistungen (European Credit Transfer System, kurz: ECTS) erfunden. Außerdem werden alle deutschen Hochschulabschlüsse wie das Staatsexamen für Jura, das Diplom im naturwissenschaftlichen Bereich, das Lehramt für zukünftige Pädagogen und der Magister der Sprach- und Geisteswissenschaftler durch Bachelor- und MasterAbschlüsse ersetzt. Denn bis 2005 sollen alle Unterzeichnerländer der „Erklärung von Bologna“ mit der

Implementierung der zweistufigen Studiengänge begonnen haben. In Deutschland sind die Universitäten auch schon fleißig dabei. Doch bei uns gibt es noch ein paar Probleme, beispielsweise mit dem Bachelor. Nach sechs Semestern soll der Stift, so die lateinische Wortwurzel, einen berufsqualifizierenden Hochschulabschluss erreichen. An deutschen Unis geschieht dies zurzeit sehr unterschiedlich. So studiert ein angehender Bachelor in Bielefeld drei Jahre nur ein Fach und erlernt Schlüsselkompetenzen ab dem WS 2003/04 in verschiedenen Workshops. In Greifswald wiederum werden zwei Fächer á vier Semester studiert. Dazu kommt noch ein allgemein bildender Teil, der sich General Studies nennt. Was nun der bessere Weg ist, wird sich wahrscheinlich erst in der Zukunft zeigen. Auch unsre europäischen Nachbarn arbeiten an der Umsetzung der Bolognaerklärung. So werden die Österreicher beispielsweise wohl ihr Diplom, das je nach Fach 8 bis 12 Semester Studienzeit erfordert, abschaffen und durch das schon existierende Bakkalaureat, oder neudeutsch Bachelor, mit einer Studienzeit zwischen sechs und acht Semestern ersetzten. Den sich anschließenden Magister, noch einmal zwei bis vier Semester, wird man dann einfach Master nennen. Daneben werden jetzt schon so genannte Universitätslehrgänge, wie zum Beispiel der Master of Business Administration (MBA), angeboten. Was alles aus diesen Veränderungen in der europäischen Hochschullandschaft wird, sehen wir 2005, wenn mit der Implementierung der gestuften Studiengänge begonnen wird. Oder aber erst 2010, wenn es dann vielleicht einen europäischen Hochschulraum geben wird.

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Im Jahr 1999 unterzeichneten Bildungsminister aus ganz Europa auf einer Tagung in Bologna eine Verpflichtung, bis 2010 einen gemeinsamen europäischen Hochschulraum zu schaffen. Damit haben sich

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Wegweiser durch den Akkreditierungsdschungel Mit der Änderung des Hochschulrahmengesetzes (HRG) 1998 hat Deutschland die Möglichkeit erhalten, die international kompatiblen Bachelor- und Masterstudiengänge zu erproben. Doch wer kümmert sich darum, dass bei der Einführung der neuen Abschlüsse Standards eingehalten werden, wer gibt eine verlässliche Orientierung für Studenten, Arbeitgeber und Hochschulen? Diese Aufgabe kommt dem Akkreditierungsrat zu. Er wurde mit Beschluss der Kultusministerkonferenz (KMK) im Jahr 1998 zunächst für drei Jahre eingerichtet und 2004 als dauerhafte Institution etabliert. Der Akkreditierungsrat akkreditiert die Akkreditierungsagenturen, welche dann das Qualitätssiegel an die Hochschulen vergeben können. Der Akkreditierungsrat - hier laufen die Fäden zusammen

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Der AR ist eine unabhängige Einrichtung mit 17 Mitgliedern, die sich aufschlüsseln in jeweils vier Vertreter für die Länder und Hochschulen, zwei Vertreter der Studierenden, zwei internationale Vertreter sowie fünf Mitglieder als Vertreter der Berufspraxis. Kritische Beobachtung und Koordination der durchzuführenden Verfahren ist ebenso Aufgabe des Akkreditierrungsrat wie die Funktion als zentrale Dokumentationsstelle. Diese soll Transparenz hinsichtlich Vereinbarkeit und Gleichwertigkeit für die neuen Studiengänge schaffen. Der Akkreditierungsrat arbeitet mit ausländischen Gremien zusammen, welche eine vergleichbare Funktion erfüllen. Weiterhin liegen die Aufgaben des AR in der Überprüfung und Feststellung von Mindeststandards und der Qualitätssicherung der Studieninhalte der Abschlüsse Bachelor und Master. Dies geschieht während des Akkreditierungsvorganges anhand der von Universitäten oder Fach26

hochschulen vorgelegten Konzepte und bei bereits akkreditierten Studiengängen anhand von Evaluationen. Eine sehr wichtige Aufgabe des Akkreditierungsrat ist die Überprüfung der Studiengänge hinsichtlich der Studierbarkeit und Beschäftigungsfähigkeit der Absolventen auf dem Arbeitsmarkt. Dabei sollen auch „absehbare Entwicklungen in möglichen Berufsfeldern“ berükksichtigt werden. Inwieweit das möglich ist, ist in vielen Diskussionen ein strittiger Punkt. Die Akkreditierungsagenturen - die „Kontrolleure“ Vor Umsetzung der in Bologna beschlossenen Reformen wurden Studiengänge in Deutschland lediglich durch eine staatliche Genehmigung anerkannt. Um eine höhere Flexibilität zu gewährleisten, wurde die Akkreditierung eingeführt, die durch Agenturen vergeben wird. Die Agenturen sind unabhängig und stehen untereinander im Wettbewerb. Ihre Akkreditierung ist zeitlich befristet. Zur Zeit gibt es sechs Agenturen. Sie alle mussten selbst erst durch den Akkreditierungsrat anerkannt werden und akkreditieren jetzt je nach Profil alle Bachelorund Masterstudiengänge oder haben sich auf wirtschaftswissenschaftliche bzw. naturwissenschaftliche Richtungen spezialisiert. Eine Agentur kümmert sich speziell um Anerkennungen im Bereich Heilpädagogik, Pflege, Gesundheit und soziale Arbeit. Natürlich unterliegt auch die Akkreditierung der Agenturen sogenannten Mindeststandards. Dazu gehören unter anderem die Unabhängigkeit der Agenturen von Hochschulen, sowie Wirtschafts - und Berufsverbänden. Die Agenturen arbeiten nicht gewinnorientiert und sind berichtspflichtig gegenüber dem Akkreditierungsrat. Die Akkreditierung selbst ist vor allem erstmal ein bürokratischer Vorgang. Sie basiert auf sogenannten Mindeststandards, welche sich

an gemeinsamen Strukturvorgaben der Länder gemäß Beschlüssen der KMK orientieren. Laut Internetvorstellung der Akkreditierungsrat sollen die Mindeststandards „nicht eine Vereinheitlichung der Leistungen und Angebote“ zum Ziel haben, „sondern die Transparenz und Vergleichbarkeit der Qualität dieser Leistungen sowie der zur Leistungserbringung notwendigen Prozesse und der Ressourcenausstattung.“ Der Antrag auf Akkreditierung - der Papierkrieg Bei Beantragung einer Akkreditierung durch die Hochschule muss als erstes eine Begründung des Studienganges erfolgen. Dazu gehört zum Beispiel der Grund für die Einführung sowie Ziel und Profil des Studienganges. Als nächstes muss eine vollständige Übersicht über die Struktur des Studiums und seiner fachlichen sowie inhaltlichen Anforderungen erstellt werden. Diese Übersicht ist am Ende ein dicker Katalog mit Fakten über Zulassungsvoraussetzungen für dieses Fach, die angestrebte Modularisierung, Internationalität des Studienganges und Praxisbezug. Als dritter Punkt des Antrags ist die Ausstattung mit Personal, Sachmitteln und Räumen aufzuschlüsseln. Dabei geht es zum einen um die Lehrkörper und ihre Qualifikationen, sowie Betreuungsverhältnisse, Stellenanzahl usw. Zum anderen geht es um die Ausstattung für Forschung und Lehre, wie beispielsweise Bibliotheken. Die letzten beiden einzureichenden Informationen beziehen sich auf Qualitätssicherungsmaßnahmen (Evaluation, Mentorenprogramme, Unterstützung von Tutorien) sowie studienbezogene Kooperation (Zusammenarbeit mit anderen Hochschulen). Sind alle Daten im Antrag zusammengefasst, gehen sie an eine der Agenturen, mit der vorher bereits eine Kontaktaufnahme und die erste Abstimmung erfolgte. yvo moritz


Sind die Papierberge gesichtet, wird eine Gutachtergruppe zusammengestellt, welche von der Agentur alle wichtigen Informationen erhält und in das Verfahren eingewiesen wird. Bei Rückfragen an die Hochschule, ist die Agentur bis zur Beendigung des Verfahrens berechtigt, weitere Informationen einzuholen. Nach der Prüfung durch die Gutachter, gibt es eine erste schriftliche Rückmeldung, welche auch der Hochschule zugesendet wird. Als zweites führt die Gutachtergruppe das sogenannte Peer-Review durch, das heißt eine Begehung des zu akkreditierenden Fachbereiches. Nach anschließender Beratung erfolgt dann die Akkreditierung, eine bedingte Akkreditierung, die Zurückstellung der Entscheidung oder eine klare Ablehnung. Die Kosten - Wer soll das bezahlen? Im Gegensatz zur einfachen früheren Anerkennung durch den Staat müssen heute die Hochschulen für die Kosten der Akkreditierung selbst aufkommen. Die Kosten für eine Erstakkreditierung belaufen sich etwa auf 15.000 Euro für einen Studiengang. Die Akkreditierungen sind befristet auf maximal fünf Jahre. Danach entstehen neue Kosten für die erneute Anerkennung - in Zeiten chronisch leerer Kassen eine zusätzliche finanzielle Belastung für die Hochschulen. Die staatliche Genehmigung – das steht auf einem anderen Blatt Die staatliche Genehmigung ist kein Resultat der Akkreditierung, genauso wie ein Studiengang auch ohne Akkreditierung eine staatliche Genehmigung erhalten kann. Wichtig ist die staatliche Genehmigung für die Integration eines Studienganges in die Planung der Landeshochschulstruktur sowie für die Zuweisung von Haushaltsmitteln. In einigen Bundesländern gibt es inzwischen die Regelung, dass einem akkreditierten Studiengang automatisch die staatliche Genehmigung folgt. juli 2004

Studium von Kopf bis Fuß General Studies in Greifswald / Von Sarah Rieser

Im Greifswalder Modell für die Bachelor-Studiengänge spielen die so genannten General Studies eine große Rolle. Sie sind dazu gedacht, studienbegleitend und -unterstützend, die BA-Studenten auf das Berufsleben vorzubereiten und ihnen zusätzliche Qualifikationen zu vermitteln, die sie bei einer Bewerbung von den Konkurrenten abheben. Sie sollen also - wie es so schön auf Neudeutsch heißt - die „academic quality“ und „employability“ der Absolventen erhöhen. Das traditionelle Magisterstudium, beklagen viele, unter ihnen auch viele Arbeitgeber, sei zu theoretisch, die Absolventen hätten zwar das Fachwissen, könnten es aber nicht anwenden. Man wünscht sich von den Absolventen mehr Lern- und Analysefähigkeiten, und vor allem die Fähigkeit, trockenes Fachwissen auch umzusetzen. Diese Brücke zwischen Theorie und Praxis schlagen die General Studies. Davon ausgehend, dass der Prozess der Verbindung von Fachwissen und deren Nutzbarmachung in mehren Schritten erfolgt, für die jeweils spezifische Kompetenzen notwendig sind, wurden die General Studies in Greifswald konzipiert, um diese Kompetenzen - Analysefähigkeit, Kommunikation und Prozessmanagement - zu vermitteln. General Studies Grundsteine

sind

die

In den General Studies I geht es vor allem darum, die Grundsteine zu legen, zu lernen, Wissen zu erwerben und adäquat zu vermitteln. Dies geschieht über Rhetorik- und Schriftkompetenzmodule, die durch Unterricht in der Weltsprache Englisch ergänzt werden. Sind diese Kenntnisse erworben, sollen sich die Studenten in den General Studies II durch Wahl eines Schwerpunktes ein individuelles Profil schaffen, dass ihnen später bei der Jobsuche nützlich sein wird. Soweit

die Theorie. Die Praxis hat -wie üblich - ein paar kleine Schönheitsfehler. Den Ansturm der BA-Studenten, die alle diese Module durchlaufen müssen, kann die Universität personell kaum bewältigen. Ohne neues Personal werden vor allem die General Studies I in den nächsten Semestern vor großen Problemen stehen. Da man die Anzahl der Teilnehmer in den Übungsgruppen nicht erhöhen kann, ohne Qualitätsverluste bei der Lehre in Kauf zu nehmen, braucht man dringend mehr Personal. Die Frage nach Sinn und Unsinn, vor allem der General Studies I, stellt sich natürlich ebenfalls. Sollte man nicht von jemandem, der eine Universität besucht, also irgendwann mal das Abitur abgelegt hat, erwarten können, das er bereits in der Lage ist, selbstständig analytisch zu denken - und wenn nicht, er erwachsen genug ist, sich die Kompetenzen selbst anzueignen? Auch der Englischunterricht ist zwar lobenswert, aber problematisch. Trotz Eingangstest finden sich in den Übungen Studenten mit den unterschiedlichsten Niveaus wieder - die einen sind unter-, die anderen überfordert. Außerdem können Sprachen nicht in einem Klassenraum vermittelt werden. Ohne dass sich die Studenten selbstständig darum bemühen, ihre Sprachkenntnisse bei einem Auslandsaufenthalt zu verbessern, wird es schwierig sein, das Sprachniveau zu erreichen, das die Wirtschaft heute braucht und fordert. Trotzdem sind die General Studies eine Bereicherung für den BAStudiengang: Sie ermöglichen den Studierenden den Blick über den Tellerrand des Fachs hinaus auf andere Fachbereiche, sie vermitteln wichtige kommunikative Fähigkeiten und machen ein manchmal etwas theorielastiges Studium praxisorientierter. Schon deshalb sind sie auf jeden Fall ein Gewinn für Studenten.

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Die Akkreditierung - doppelt hält besser

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Das Verbundprojekt "start-Vorpommern" wird gefördert durch das Wirtschaftsministerium des Landes M-V und die EU. Der Verbund zwischen Technologiezentrum Vorpommern, BioTechnikum Greifswald, Stralsunder Innovationsund Gründerzentrum sowie die Einbindung in das Gründungsnetzwerk der Hochschulen in M-V „Gründerflair MV“ und von Fachleuten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Bildung der Region garantiert kompetente Unterstützung der Gründungsideen. Eine umfassende und ganzheitliche Betrachtungsweise der Bereiche Technologie, Betriebswirtschaft und Persönlichkeitsentwicklung durch das Verbundprojekt "start-Vorpommern" ermöglicht eine effektive Begleitung der Gründer von der Anlaufphase bis zur Selbständigkeit. Vor diesem Hintergrund wurde das Gründerbüro an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität als zusätzliche Informations- und Beratungsstelle für alle interessierten und gründungswilligen Studenten, Absolventen, wissenschaftlichen Mitarbeiter

und Akademiker eingerichtet. Das Verbundprojekt „start-Vorpommern“ will mit diesem Angebot an der Universität Greifswald die Anlaufwege für die Zielgruppe verkürzen und somit optimale Rahmenbedingungen schaffen. Die drei Existenzgründer Pierre Freyber, Nicolai Kuhn und Göran Witt – Studenten der Politikwissenschaften – nutzten die Möglichkeiten des Gründerbüros. „start-Vorpommern“ organisierte für die Gründer ein kostenloses Beratungsgespräch. Wir wünschen den drei Studenten der Campus Marketing Greifswald GbR viel Erfolg im weiteren Geschäfts- und Studentenleben. Im Technologiezentrum Vorpommern steht für Gründungsinteressierte ein Gründerzimmer während der Gründungsphase kostenlos zur Verfügung. Nach der Gründung des Unternehmens bieten die Technologiezentren der Region neben preiswerter Anmietung von Büro-, Werkstatt- und Laborräumen weitere Serviceleistungen. Wir freuen uns auf Ihren Besuch und Ihre Ideen.


Die Entscheidung: Bachelor vs. Diplom Der Debattierclub lud zur Professorendebatte / Von Yvonne Mathei

juli 2004

Nachbar, mit dem ich mir die Treppenstufe teilte, wohl gar nicht meiner Meinung war. Aber da trat auch schon Professor Rollberg ans Mikrofon und zeitgleich lief besagter Nachbar zur Jubel – Hochform auf. Aha, so sah das also aus ... Professor Rollberg begann seine Rede damit, das Vorurteil aus der Welt zu schaffen, daß Deutschland sich mit der Unterzeichnung der Bologna-Erklärung verpflichtet hätte, die neuen Studienabschlüsse einzuführen: „Von Verpflichtung ist doch nie die Rede gewesen!“ Es folgten die ebenfalls allen bekannten Gegenargumente zur Einführung neuer Studienabschlüsse: sinkendes Niveau der Unis, keine Gleichmacherei. Am Ende ertönte die Glocke, weil Rollberg seine Redezeit überschritten hatte. Im Vergleich zu seinem Vorredner von der „Regierung“ setzte Rollberg sehr auf Eloquenz und Effekthascherei. Auch bei ihm gab es nach der Rede von Buh–Rufen bis zu Beifall und Gejohle die gesamte Bandbreite studentischer Artikulierung. Mein Nachbar war kaum noch zu halten. In den nächsten Runden traten wei-

tere Mitglieder der Teams als Redner auf. Leider gab es in allen Reden keine wirklich neuen Argumente zu denen der Professoren. Stattdessen wurden hier und da sprachliche Bilder bemüht. Die Regierung griff mit dem Marathonlauf, bei dem etliche (Diplom-)Studenten aufgrund schlechter Betreuung auf der Strecke bleiben, in die metaphorische Trickkiste. Der Bachelor kommt bei ihr mit guter „StreckenBetreuung“ und kurzen Abschnitten (Mikromodulprüfungen) besser ans Ziel, als die ewig orientierungslos umherlaufenden Diplomanten. Nach einer hitzigen Debatte mussten die warm gelaufenen studentischen Gemüter erneut absrimmen, ob sie sich nun für Bachelor/Master oder Diplom entschieden hätten. Es gab doch einige Handzeichen mehr zugunsten der neuen Studienabschlüsse, aber es war noch immer die Minderheit. Alles in allem war es eine gelungene, vor allem unterhaltsame Debatte, die zwar nicht durchgehend von guten Argumenten, aber von einer super Stimmung getragen wurde und dem Zuhörer Spaß machte.

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Es gibt wohl nur sehr wenige Veranstaltungen am Abend in einer Universität, die von knapp 500 Studenten freiwillig besucht werden. Aber das Thema der Professorendebatte am 03. Juni war wohl am Puls der Zeit, respektive am Puls der Studenten – der Debattierclub hatte die Teams um Professor Joecks (Jura) und Professor Rollberg (BWL) für eine Auseinandersetzung mit den neuen Studiengängen gewonnen. Der Hörsaal im Audimax war brechend voll, stehende und sitzende Studenten an jeder nur verfügbaren Stelle. Doch nicht nur wegen der sich entwickelnden „Kuschelwärme“ sollte es eine hitzige Debatte werden. Bereits während der Vorstellung der Teams, Professor Joecks als Regierung, Professor Rollberg als Opposition, gab es reichlich Sympathiebekundungen und Unmutsäußerungen. Doch bevor es richtig zur Sache ging, mußten erstmal ein paar Regelungen zu Sprechzeit Gegenfragen getroffen werden. Und da die Teams durch Argumente überzeugen sollten, wurden als Ausgangsbasis die Zuhörer gefragt, wer denn für Bachelor beziehungsweise Magisterabschluß sei. Hier war relativ klar, dass es doch im Verhältnis zur Anzahl der Anwesenden die Minderheit war. Aber das konnte sich ja ändern ... Professor Joecks als erster Redner bezog klar Stellung für eine kurzfristige Umstellung aller Studiengänge auf den Bachelor-/Masterabschluß und brachte ansonsten die bekannten Argumente, wie zum Beispiel bessere Vergleichbarkeit und Internationalität. Er setzte auf klare Argumente und reale Fakten. Von seinen Anhängern gab es nach seiner fünfminütigen Rede reichlich Beifall und andere Zustimmungsäußerungen. Während ich eifrig klatschte, bemerkte ich, daß mein

Rege Beteiligung bei der Professorendebatte.

Foto: Debattierclub

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Erfahrungsbericht aus Amerika

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Ein Argument für die Einführung des Bachelor-Abschlusses war die internationale Vergleichbarkeit und Anerkennung. Diese Theorie ist zwar gut und schön, aber wie sieht es in der Realität aus? Darüber hat sich der moritz mit Lisa Zelljardt unterhalten, die seit November 2003 an der Uni Greifswald studiert und eine von drei Masterstudenten am Institut für Politikwissenschaft ist. Ursprünglich kommt Lisa Master in Greifswald: aus den USA Lisa Zelljardt Foto: lil und hat dort ihren Bachelorabschluss gemacht. Eigentlich wollte sie hier an der EMAU an einem Forschungsprojekt mitarbeiten. „Leider hat es nicht ganz so geklappt, wie es ursprünglich geplant war. Aber dann bekam ich die Möglichkeit, hier den Master of Green Politics zu machen“, erzählt Lisa. Während deutsche Studenten einen riesigen Papierkram zu bewältigen haben, wenn sie in den USA studieren wollen, hat es bei Lisa keine großen Probleme gegeben. Auf die Frage, ob denn ihr Masterabschluss in den USA auch anerkannt wird, antwortet Lisa, dass Arbeitgeber zwar nicht an der Qualität der Ausbildung zweifelten, die Programme jedoch häufig zu wenig bekannt seien. „Ich denke, die Ernst-Moritz-Arndt-Universität sollte ihre Masterprogramme mehr publizieren.“ Wer in den USA nach seinem Studium weiter an der Uni bleiben will, macht seinen Professor und meist nebenbei seinen Master. Als Fazit bleibt festzustellen, dass die theoretischen Ziele des Bologna-Entscheids sicher gut sind, aber die Umsetzung noch auf sich warten lässt. lil 30

Kommentar

Ziel verfehlt? Bachelor und Master in Deutschland War die Intention für die Einführung von Bachelor und Master wirklich die, dass deutsche Hochschulen und Studienabschlüsse international konkurrenzfähiger werden oder erhofften sich Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und Kultusministerkonferenz (KMK) eine Möglichkeit, mit den neuen Studiengängen Kosten zu sparen? Was wurde aus der Idee von Vergleichbarkeit und Internationalität von Studiengängen? Als ich anfing, mich näher mit den neuen Studienabschlüsse Bachelor und Master zu beschäftigen, stellte ich schnell fest, dass auf eine gute Idee eine ziemlich schlechte Umsetzung folgte. Die vielzitierte Internationalisierung der Studiengänge war zunächst ein Pluspunkt in diesem Konzept. Dieses brachte jedoch nicht nur die Reform der Abschlüsse mit sich, sondern auch ein riesiges und nur schwer überschaubares Reformpaket. Es ging jetzt nicht mehr nur um Bachelor/Master, sondern auch um Modularisierung der Studiengänge, um ein international anerkanntes Bewertungssystem (ECTS), Akkreditierung sowie um effiziente Bindung an den Arbeitsmarkt. Der Fehler lag vermutlich im Beginn, denn statt den Ländern ein klares Ziel vorzugeben, gab es von KMK und HRK sehr weit gefaßte Rahmenrichtlinien. Statt Vereinfachung für Abiturienten, Studenten und Arbeitgeber, haben sich vielfältige Bachelor-Modelle an deutschen Hochschulen etabliert. Es gibt für mich viele positive Seiten der neuen Abschlüsse – unter den Bachelor-Studenten sind zum Beispiel viele, die bereits eine abgeschlossene Berufsausbildung haben. Gerade diese Studenten entscheiden sich vorrangig aufgrund der kürzeren Studienzeit für den Bachelor – und sie sind sich voll bewusst darüber, dass es ein erster berufsqualifizierender Abschluß ist. Danach kann jeder für sich entscheiden, ob ein Master gleich, später oder überhaupt folgen soll. Trotz Entscheidungsfreiheit hat man als Student nach drei Jahren etwas

Konkretes in der Hand. Weiterhin sind Bachelor und Master im Ausland bekannte Abschlüsse und werden sich in den nächsten Jahren auch in der Europäischen Union durchsetzen. Eigentlich toll, dass Deutschland unter den Vorreitern bei der Umsetzung des BolognaProzesses ist. Bei allen Vorteilen der neuen Studienabschlüsse finde ich jedoch auch Kritikpunkte, denn es wurde versäumt, den neuen Abschlüssen genügend Vertrauen mitzugeben. Für viele Hochschulen scheint die Einführung von Bachelor/Master ein notwendiges Übel zu sein. Um diesem Unmut Ausdruck zu verleihen, bleiben an fast allen Hochschulen „vorsichtshalber“ die Magister-Studiengänge parallel erhalten. Aber solange die traditionellen Abschlüsse nicht gleichzeitig zu einem bestimmten Termin auf Eis gelegt werden, wird weiterhin jede Uni auch um die Studenten werben, die den Magister bevorzugen! Dieses provozierte Mißtrauen gegenüber den neuen Abschlüssen erklärt zum Teil auch, warum bis jetzt im Durchschnitt nur 3% bis 4% aller Studierenden einen Bachelor oder Master anstreben. Das mangelnde Vertrauen zeigt sich auch in geringer Aufklärung der Bundesagentur für Arbeit, den mittelständischen Betrieben und bei Lehrern der Abiturstufe. Wo bleibt die Werbung? Wo sind die vielen positiven Ideen der Hochschulen, wo die ersten Absolventen? Der größte Fehler wäre, wenn die Verfechter der neuen Abschlüsse den Gegnern nichts entgegensetzen, wenn große Wochenzeitungen ohne Widerspruch einen Artikel pro Woche veröffentlichen können, der außer Polemik nichts zu bieten hat. Bei allen Kritikpunkten wünsche ich mir eine konstruktive Auseinandersetzung mit dem, was in Zukunft Normalität wird, denn ansonsten vergeben wir uns alle die einmalige Chance mehr Internationalität und die damit verbundenen Möglichkeiten zu nutzen! Yvonne Mathei moritz


feuilleton Musik: Beastie Boys / Velvet Revolver / Graham Coxon Musik: Interview zum Eurovision Song Contest Festivalf체hrer Auftritt: Ingo Insterburg Literatur: Clarke / Geipel / Becker Kino: Harry Potter III / The Punisher

DVD: Herr der Ringe / Italian Job / Im inneren Kreis Heimat: R체gen Portr채t: Ronald Reagan


musik

Velvet Revolver Contraband RCA

Guns N'Roses waren nicht nur eine extrem coole Band, sondern auch extrem wichtig. Im Jahre 1987 hatten die Amerikaner vergessen, dass die Musikgeschichte nicht mit Bon Jovi begann. G N'R erinnerten mit ihrem ersten Album "Appetite For Destruction" daran, dass es Leute wie Little Richard, die Stones oder die Sex Pistols gab. Leider hatte die Band nach “Use Your Illusion“ (1991) ihren Zenit überschritten. Fortan machten G N'R nur noch durch das größenwahnsinnige Gehabe des Axl Rose Schlagzeilen. Genervt von den Launen ihres Frontmanns verließen nach und nach alle übrigen Gründungsmitglieder die Band, die nun ohne Bassist Duff McKagan und

Leadgitarrist Slash keinen Pfifferling mehr wert ist. Im April 2002 gaben Slash und McKagan im Verbund mit Drummer Matt Sorum, einem weiteren Ex-Gunner, ein paar Konzerte. Was als Gag geplant war, wurde zum Projekt Supergroup. Im Oktober stieß Gitarrist Dave Kushner (ExWasted Youth) dazu, Mike Patton von Faith No More wurde als Sänger gehandelt. Letztlich wurde der ehemalige Stone Temple Pilots-Sänger Scott Weiland Frontmann der Velvet Revolver getauften Combo. Bedingt durch die Tatsache, dass sich Drogenliebhaber Weiland häufiger in Gerichtssälen als in Proberäumen aufhielt, haben Velvet Revolver ein Jahr für ihr Debütalbum "Contraband" gebraucht. Das Ergebnis ist, nun ja, etwas enttäuschend. Slash hatte schon auf seinen beiden Snakepit-Alben gezeigt, wie man es nicht machen sollte und auch Velvet Revolver haben sich mit Leib und Seele dem Schweinerock verschrieben. Das muss nicht schlecht sein, ist es in diesem Falle aber. Scott Weiland scheint mitunter fehl am Platze, seine GrungeStimme passt nicht zu Titeln wie "Sucker Train Blues". Da hätte Mike Patton besser abgeschnitten. Anderseits entschädigt Slashs KillerGitarre für vieles und einige Stücke kommen wirklich gut ("Do It For The Kids", "Spectacle"). Velvet Revolver sind als Live-Band gestartet und können ihre durchaus vorhandene Power wohl nur auf der Bühne richtig ausspielen. In Deutschland am 16.8. in Berlin und am 18.8. in Hamburg. Norman Gorek

feuilleton Velvet Revolver: Mit Leib und Seele dem Schweinerock verschrieben. 32

Graham Coxon Happiness In Magazines Transcopic

Blur waren nicht nur eine extrem coole Band, sondern auch extrem wichtig. Im Jahre 1994 hatten die Briten vergessen, dass die Musikgeschichte nicht mit Wet Wet Wet begann. Blur erinnerten mit ihrem dritten Album "Parklife" daran, dass es Leute wie die Kinks, The Jam oder The Who gab. Leider hatte die Band nach “The Great Escape“ (1995) ihren Zenit überschritten. Fortan profilierte sich Damon Albarn als KunstSchmock. Genervt von den Launen seines Frontmanns verließ im Jahre 2001 Gitarrist Graham Coxon die Band, die ohne das Saitengenie nur noch die Hälfte wert ist. Dessen bisherige Solo-Werke legten allerdings auch den Umkehrschluss nahe. Coxon hatte keinen mehr, der seine Kreativität an die Pop-Kette legte und veröffentlichte jedes LoFi-Fragment, das ihm beim Katerfrühstück einfiel. Das klang dann alles, als ob der Musikant weder Lust noch Zeit gehabt hätte. Mit seinem fünften Album "Happiness In Magazines" kehrt Coxon endlich wieder zur Form alter Tage zurück. "Bittersweet Bundle Of Misery" klingt gar exakt wie Blurs "Coffee + TV". Abgesehen von einigen arg durcheinandergeratenen Abschnitten bietet die Platte eine Menge tolle Songs zwischen Britpop und Garagerock. Natürlich hört man, dass Coxon kein Sänger ist, ein außergewöhnlicher Gitarrist ist er allemal. Und natürlich riecht das alles nicht gerade nach Chartserfolg, dafür ist sicher, dass die Songs von "Happiness" nicht in der nächsten Vodafone-Reklame verbraten werden. Norman Gorek moritz


Capitol

Werden die eigentlich jemals eine schlechte Platte machen? Seit ihrem 1986er Debüt "Licensed To Ill" haben die Beastie Boys jedenfalls noch nie enttäuscht. Und auch das neue Album "To The 5 Boroughs" ist gewohnt geil. Eine Kontinuität der Qualität sozusagen, die umso bemerkenswerter erscheint, wenn man bedenkt, welche Entwicklung die Band genommen hat. Ursprünglich als Assi-Punks gestartet, dann als biersaufende Rapmonster berühmt geworden, sind die Beasties mittlerweile zu buddhistischen Familienvätern mutiert. Was man halt so als Erwachsenwerden bezeichnet. Auf "Boroughs" ist davon dankenswerterweise nichts zu spüren. Irgendwie schaffen es Adam "MCA" Yauch, Michael "Mike D" Diamond und Adam "Ad-Rock" Horowitz so kindisch wie eh und je rüberzukommen. Yauch klingt inzwischen ständig wie jemand, der nach einer besoffenen Nacht gleich durchgemacht hat. Die beiden anderen hören sich immer noch wie Bengel aus Brooklyn an. Überhaupt New York. Im Hip Hop ist Herkunft ein echter Fetisch und ab und an kommt's dann ja auch mal zu Schießereien zwischen den jeweiligen Vertretern der Stadtteile oder Himmelsrichtungen. Selten aber beschäftigt sich ein ganzes Album so ausschließlich mit der Heimatstadt wie "Boroughs". Auf dem Cover die Skyline von Manhattan (mit World Trade Center), in den Texten ganz New York City. Da wimmelt es von "writers, prize fighters and Wall Street traders", ein paar Bagels werden verschlungen, juli 2004

musik Wenig angetan sind die drei von der politischen Lage in ihrem Land. In "Right Right Now Now" krächzt Yauch: "I'm getting tired of the situation/The US attacking other nations". Besonders der Präsi kriegt immer mal wieder sein Fett weg: "George W's got nothing on me/We got to take the power from he" ("That's It That's All"). Unlängst meinte Adam Horovitz, er hätte auch gut und gerne noch drei Jahre an dem Album arbeiten können. Sie brächten es aber bereits jetzt heraus, um die Präsidentenwahl noch beeinflussen zu können, denn es sei "Zeit, das Sackgesicht George Bush in die Wüste zu schicken." Das ist löblich, doch weitere drei Jahre wären sowieso nicht nötig gewesen. Die Platte ist auch so ein Meisterwerk geworden. Norman Gorek

feuilleton

Beastie Boys To The 5 Boroughs

Murray's Cheese Shop wird besucht, Taxis, Subway, Wolkenkratzer. Als Herzstück des Albums "Open Letter To NYC": "From the South Bronx on out to the Queens Bridge/From Hollis Queens right down to Bay Ridge/From Castle Hill to the Lower East Side/From 1010 WINS to Live At Five". Angetrieben von einem Gitarrenriff der legendären New Yorker Punk-Band Dead Boys vereint das Stück Punk, Funk, Hip Hop. Und Frank Sinatra. Und Martin Scorsese. Wirklich ein Spitzenlied, womöglich gar einer der besten New-York-Songs des Rap-Genres. Und da gibt's schließlich schon so einige. Musikalisch ist "Boroughs" auf die Basics reduziert: Beats, Bass, Raps. Schon erstaunlich, wie es die Beasties schaffen, mit ihrer Old-SchoolMache dermaßen frisch und clever zu klingen. "Ch-Check It Out" hat man von ihnen so ähnlich zwar schon mal gehört, doch das ist eher Stilsicherheit als Selbstzitat.

Beastie Boys: „Made in Downtown Brooklyn“. 33


Eurovision Song Contest

„Nachbarschaftshilfe allein reicht nicht zum Sieg“ Max, Ruslana und alte Seilschaften: NDR-Unterhaltungschef Jürgen Meier-Beer im moritz-Gespräch Am 15. Mai fand in Istanbul der Eurovision Song Contest statt. Das Ergebnis ist bekannt: Max landete für Deutschland mit „Can’t Wait Until Tonight“ auf dem achten Platz. Gewonnen hat die ukrainische Sängerin Ruslana mit ihrem Lied „Wild Dance“. Als Unterhaltungschef des NDRFernsehens ist Jürgen Meier-Beer (54) auf deutscher Seite für den Eurovision Song Contest zuständig. moritz erzählt er, warum er mit dem diesjährigen Verlauf zufrieden ist, obwohl Max nicht gewonnen hat und wie der Sieg der Ukraine der Ernst-Moritz-Arndt Universität nutzen könnte.

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moritz: Der Eurovision Song Contest liegt nun bereits einige Wochen zurück. Sind Sie hinsichtlich von 11,11 Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von 43,8 Prozent in Deutschland mit seinem Verlauf zufrieden? Meier-Beer: Und wie! Die ARD hat mit dem Eurovision Song Contest 2004 mit Max mehr Zuschauer erreicht als mit jeder anderen Sendung seit Jahresbeginn, und hatte zugleich die meisten Zuschauer für Eurovision Song Contests seit 1998 mit Guildo Horn. Was will man mehr? Max hat Platz 8 belegt. Hätten Sie mehr erwartet? Für Max war Platz 8 bei insgesamt 36 Teilnehmern mehr als überdurchschnittlich. Jedes Land billigt seinem nationalen Vertreter zunächst Siegeschancen zu, aber im internationalen Wettbewerb muss dann jeder seine nationale Brille absetzen und sich mit einem ganz andern Europa abfinden. Das ist das Lehrreiche am Eurovision Song Contest. Gewonnen hat die ukrainische 34

Sängerin Ruslana mit dem Lied „Wild Dances“. Konnte man damit vorher rechnen? Ruslana und die Ukraine gingen mit ähnlichen Gefühlen ins Finale wie Max und Deutschland. Das gesamteuropäische Votum für die Ukraine hat hohe politische Bedeutung. Überhaupt scheint Musik viel mit Politik zu tun zu haben, denn in der Öffentlichkeit wurde nach dem Wettbewerb häufig kritisierte, „alte Seilschaften“ wie zum Beispiel die Balkanländer hätten sich bloß die Punkte zugeschoben. Wie sehen Sie das? Wenn sich Nachbarländer geschmacklich am nächsten sind, darf man das nicht als „Seilschaften“ diffamieren. Im Gegenteil, ich fand in diesem Jahr am beglükkendsten, dass die ex-jugoslawischen Länder einander schon Punkte geben, bevor das Morden vollständig beendet ist. Im Übrigen wirkt nachbarschaftliche Nähe nur bedingt, wie etwa die mangelnde Unterstützung für den slowenischen Titel durch den Balkan gezeigt hat. Für einen internationalen Sieg reichen Nachbarschaften erst recht nicht, sondern dafür muss man den Geschmack ganz Europas treffen. Außerdem wurde bemängelt, dass nicht das beste Lied, sondern die beste Show gewonnen habe. Der in jeder Hinsicht überzeugendste Auftritt gewinnt. Ginge es allein um die Musik, würde man die Sendung nur im Radio übertragen. Dass allein Showeffekte auch nicht reichen, haben viele andere Auftritte gezeigt. Diese Jahr wurde zum ersten Mal vor dem Hauptdurchgang ein Halbfinale durchgeführt,

Unterhaltungsprofi Meier-Beer: Foto: NDR „Was will man mehr?“ eine sinnvolle Entscheidung? Das Halbfinale bewahrt die weniger erfolgreichen Länder davor, ein Jahr lang komplett auszusetzen. Jedes Land kann diese Möglichkeit entweder nutzen oder darauf verzichten. Im nächsten Jahr wird der Eurovision Song Contest in Kiew – und damit zum dritten Mal in einem Land des ehemaligen Ostblocks – stattfinden. Sehen Sie da Probleme aus organisatorischer oder finanzieller Sicht? Probleme gibt es immer. Ob die Ukraine den Eurovision Song Contest 2005 produzieren kann, wird derzeit geprüft. Die Entscheidung muss im Sommer 2004 fallen, damit die Vorbereitungszeit für 2005 reicht. Ich hoffe, die Ukraine schafft es, auch damit das besondere UkraineKnow-How an der Universität Greifswald in die Vorbereitungen des NDR einfließen kann. Stefan Raab hat angeregt, das Finale von den Klitschko-Brüdern moderieren zu lassen. Wie realistisch ist das? Wenn die Ukraine den Eurovision Song Contest 2005 produziert, wird sie über die Moderation selbst entscheiden. Ein grundsätzliches Klitschko-Interesse schließe ich nicht aus, nachdem einer der Brüder letztes Jahr in Riga war um dem ukrainischen Sänger die Daumen zu drücken.

Das Interview führte Kai Doering moritz


Festivalführer

Punk’s Not Dead: Force Attack.

Force Attack Gipfeltreffen der letzten Irokesen zu Street-, Oi-, Folk-, Deutsch-, Hardcore- und Underground-Punk. Wann: 30. Juli – 1. August Wo: Behnkenhagen bei Rostock Kosten: 30 € inkl. Zelten Highlights: Lokalmatadore, Mutabor, Skarface, Müllstation Kontakt: www.forceattack.de

Airbeat-One Dance-Festival Six areas, one goa-area, 70 acts – a weekend of trance, no german language allowed. Wann: 2. – 4. Juli Wo: Neustadt-Glewe Flugplatz

juli 2004

Kosten: 19 € inkl. Zelten Highlights: Kai Tracid, Jaspa Jones, DJ Isaac Kontakt: www.airbeat-one.de

Safari Sunset imz-imz-imz-imz-imz-imz-imz Wann: 9. – 11. Juli Wo: Dumsevitz (Rügen) Kosten: 25 € inkl. Zelten Highlights: Dekan, Zosma, Magical, Chill-out Lounge, Feuershow Kontakt: www.safarisunset.de

Störtebeker Festspiele Leistungsschein für Geschichtsstudenten ab drei durchgehaltenen Vorstellungen. Für alle anderen: ungäubiges Kopfschütteln. Wann: 26. Juni – 4. September Wo: Ralswiek (Rügen) Kosten: 10 – 24 € Highlight: Happy-End-Garantie Kontakt: www.stoertebeker.de

Vineta Festspiele Der Herr der Ringe lässt grüßen: Nunmehr 3. Teil der Vineta-Sage, der definitive Untergang auf Unbestimmt verschoben. Wann: 19. Juni – 28. August Wo: Zinnowitz (Usedom) Kosten: 13 – 21 € Highlight: Vineta-Eis Kontakt: www.kulturwelt-mv.de

Festspiele M/V Klassische Klänge in urtümlicher Umgebung – wohl das renommierteste Festival der Region. Wann: 8. Mai – 5. September Wo: Insgesamt 58 Spielstätten vom Jagdschloss Granitz über Festspielscheune Ulrichshusen bis zum Rostocker Zoo Kosten: Variieren, 15 – 50 € Highlights: Gewandhausorchester Leipzig, Armin Mueller-Stahl, Nina Hagen, English Chamber Orchestra Kontakt: www.festspiele-mv.de

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Mecklenburg-Vorpommern – die deutsche Sahara? Nein: Melodramatischen "In M/V geht die Welt immer einen Tag später unter"Ansichten entgegen, steppt der Bär, wie der moritz-Festivalführer zeigt, auch in unserem Ländchen.

Foto: nogo

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Realromantischer Fantizismus Ingo Insterburg verzauberte das Cinestar Greifswald Text und Fotos: Eric Wallis

"Manchmal denk ich, ich bin das Radio, aber der Sender ist woanders." Ingo Insterburg lässt sich immer und überall inspirieren. Der Namensgeber der berühmt-berüchtigten 70er Jahre Kult Band "Insterburg und Co" traf sich am 12.Juni im Cinestar mit vielen

scheinen sie einer gewissen überirdischen Ordnung zu unterliegen. Das Publikum mustert die Gegenstände. Fragen hängen in der Luft. Gedämpft ist die Stimmung und ruhig. Ein stilles Publikum. Mit Weingläsern in den Händen. Wenige junge Menschen, ein paar

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Insterburg in action. Soviel Instrument wie möglich. Minischlagzeug und Waschmaschinenschlauchsaxophon dürfen da nicht fehlen. Greifswaldern. Natürlich war moritz mit dabei und hört euch an, was da geschah: Saal Eins ist gut gefüllt und ich setze mich in die erste Reihe. Der Boden, der später die Bühne ist, liegt voller Gegenstände. Ich erkenne ein, zwei, drei, viele Koffer. Kisten. Ein Mikrophon, einen Barhocker, Kleidungsstücke, mehrere unerklärliche Konstruktionen. Einen Tisch mit Büchern, CDs und einer Pappschachtel. Kreuz und quer tummeln sich die Dinge und doch 36

Studenten. Ein Mann kommt aus der Seitentür, betritt die Bühne und wühlt in dem Krempel. Er grüßt verhalten in den Saal. Eine wichtige Frau trippelt die Stufen herunter zu ihm auf die Bühne und ergreift das Wort. Sie begrüßt den Künstler und das Publikum. Sie wäre ganz besonders stolz darauf, das hier und heute, Ingo Insterburg, und wirklich, vielen Dank. Die Frau ist vom Literatursalon, welcher Herrn Insterburg eingeladen hat. Sie ist glücklich über die Räumlichkeit und

in Zukunft sollen wohl weitere Veranstaltungen dieser Art folgen. Auf jeden Fall sind hier die Sitze bequemer als im Literatursalon. Herr Insterburg ist schlank, trägt einen kurzen Bart, hat mehre Ketten um den Hals hängen und an den Fingern Ringe. Endlich geht er zum Mikrophon. Was aber eigentlich egal ist, weil man ihn auch ohne dieses versteht. So ruhig ist es. Man spürt das Publikum warten, es ist gespannt und man merkt: Heute wird die Stimmung familiär. Er stellt sich vor. "Mein Name ist Ingo Insterburg." Gleich soll alles beginnen, nur vorher muss er sich noch einmal kämmen, das sagt er. Wenn es eins gibt, was heute Abend wirklich in Hülle und Fülle da zu sein scheint, so ist es Zeit. Also kämmt sich der Künstler erst einmal. Ordnung muss sein. Oder ist es eine ganz eigene Art, Verbindung zu den Greifswaldern aufzubauen? Die Greifswalder geben ihm die Zeit. Dann ergreift er das Wort und kündigt einen Titel an, spricht von einer Überraschung am Ende, von fünf Zugaben und von dem ersten Lied. Aber vorher, müsse er sich umziehen. Beim Erzählen zieht er sich um. Philosophisch schweift er aus, redet von seinem Leben. Seine Geburtsurkunde wäre verloren gegangen. Doch sie ist wieder aufgetaucht. Als er sie las, stellte er fest, dass er dieses Jahr 70 geworden ist. So heißt auch das heutige Programm "Ach nun bin ich siebzig" und steht plötzlich in einem bunten Kostüm vor den Menschen. Er singt und er spielt. Er spielt mit dem Publikum. Er mag die Menschen, das spürt man und darum erzählt er aus seinem Leben. Immer wieder pointiert er die Vergangenheit. Geschehnisse, die ihm passierten, moritz


beleuchtet er hintergründig mit Humor und Spott. Dabei spielt es keine Rolle, dass manche Erinnerungen schon 50 Jahre zurückliegen. Er hat übrigens zwei Abiture. Eins im Osten, das andere im Westen, war sogar an der Uni in Greifswald angemeldet. Wir erfahren auch von der Band. Insterburg & Co. Diese vier durchgeknallten uns bekannten Musiker, die in den siebziger Jahren das Comedyzeitalter im deutschen Fernsehen eingeleitet haben. Sie hießen Karl Dall, Jürgen Barz, Peter Ehlebracht und natürlich Ingo Insterburg. Seit 1994 ist er Solist. Sein Name kommt von der Stadt Insterburg. Diese liegt in Ostpreußen und gehört heute nicht mehr dazu. Seit 1956 ist er Vegetarier. Und auch davon handeln seine Stücke, seine Texte, seine Lieder. Er besingt in "Die Vegetarierin" eine ihm zugeneigte Frau. Überhaupt geht es bei ihm meist um die Frauen, oder anders, um die Liebe. Doch nicht nur diese, sondern auch das ganze Drumherum ist wichtig. Die wirklich wichtigen Nebensächlichkeiten des Lebens streben in seinen Texten so manchem Höhepunkt zu. Diese besonderen Kleinigkeiten des Alltags scheinen ihn immer wieder neu zu inspirieren. In seiner Pause räumt er die Bühne auf. Die Leute kommen sein Buch kaufen oder eine CD. Wer will, erhält ein Autogramm. Er antwortet auf Fragen. Die Nähe zu den Menschen scheint er zu genießen, er mag das. Ein Buch kostet 15 eine CD 10 Euro. In die Pappschachtel soll das Geld. Wechselgeld selber rausnehmen. Er weiß, dass es funktioniert. Berührt selber keinen Geldschein. juli 2004

verrät er nicht, vielleicht aber mit seiner eigenen Raucher- und Trinkerlyrik. Als man ihn vor Jahren fragte, welcher Kunstrichtung er sich zugehörig fühle, antwortete er "realromantischer Fantizismus". Ob es diese Richtung wirklich gibt? Für ihn wahrscheinlich schon, und für alle, die ihn gesehen haben auch. So einfach ist das. Philosophisch ausschweifend fesselt er immer wieder die Meute. Fragt nach ungestellten Fragen, gibt sich die passenden Antworten, hebt ein Dings vom Boden auf und macht drauf Musik. Es gibt fünf Zugaben. Das stand schon von Anfang an fest. Fünf Zugaben. Vor der letzten bedankt und verabschiedet er sich. Er erzählt, dass er nachher aufräumen wird, wer will kann ja noch bleiben oder so. Die letzte Zugabe ist eine Kurzgeschichte aus seinem Buch. Wer es in der Pause gekauft hat, kann mitlesen. Die Seitenzahl wird angesagt. Dann ist er fertig. Die Leute lachen, klatschen. Er bedankt sich. Klatschen. Dann beginnt er aufzuräumen, baut das Mikrophon ab, verstaut alles, räumt Gegenstände in Kästen. Verwundert, begeistert, verwirrt sitzen die Greifswalder in den bequemen Kinosesseln. Das Klatschen hat aufgehört. Er baut ab.

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Ihr Kinderlein kommet: Eingeschobene Weihnachtsfeier.

Sitzt an dem Tisch und widmet seine Bücher Familie Meier oder Engel. Empfiehlt verschmitzt seine CD und reagiert auf die Menschen, ja er schaut sie an. Niemand geht mit dem Gefühl, abgefertigt worden zu sein. Er lacht mit den Leuten, immer bereit einen Spruch zu reißen oder sich inspirieren zu lassen, zu einem Lied oder Gedicht. Liebe zum Detail. Mut zum genau Hinschauen. Aus wenig viel rausholen. Aus sich selbst viel rausholen. Das ist seine Kunst. In seinen Händen werden die herumstehenden Konstruktionen, werden überhaupt alle Gegenstände, zu Instrumenten. Alles klingt. Da ist eine Bierflaschenflöte, eine Tannenbaumgeige, eine Marzipandosengeige, Eselshufe paarweise, ein Vibraphon, ein Saxophon aus Waschmaschinenschlauch. Der Vielfalt sind keine Grenzen gesetzt. Und das Beste daran ist, er spielt alles gleichzeitig, wenn er Lust hat. Und so spielt er auf dem Minischlagzeug, auf der per pedes angetriebenen Sambagurke, auf Rasseln, auf der Gitarre und auf einem irgendwie klingenden Gartenschlauch das Lied "Ich bin ja so verliebt in meine Sambagurke". Alles zusammen, gleichzeitig und abwechselnd. Das Krasse daran ist: Es hört sich gut an! So verzeiht man auch den einen oder anderen schrägen Ton, als er sich zu "Guten Abend, gute Nacht" auf Geige und Gitarre selbst begleitet. Jedes Ding am Boden erhält in seinen Händen einen Namen und produziert am Ende irgendein mehr oder weniger musikalisches Geräusch. Die Greifswalder sind begeistert. Zwischen seinen Stücken lässt er uns an seinem Leben teilhaben. Spricht von wundersamen Dingen und verbreitet ein Gefühl der gemütlichsten Wohnzimmeratmosphäre. Das Publikum dankt es ihm mit der totalen Aufnahmebereitschaft. Man lässt sich mitreißen. Nebenbei und immer mal wieder erfährt man von den Nachteilen des Rauchens. Mit Reimen und Gedichten über Raucherbein und Lungenkrebs verteidigt er seine Mission und bringt uns zum Lachen. Und zum Nachdenken. Böse Sprüche und schwarzer Humor gegen Rauch und Trunksucht. Er selbst hat sich das Rauchen 1955 abgewöhnt, nach sechs Jahren des Konsums. Wie, das

Ingo mit der Tannenbaumgeige in Aktion. Alles selbstgebaut. 37


neue bücher Richard A. Clarke Against All Enemies Hoffmann & Campe „Against All Enemies“ ist ein Enthüllungsbuch der besonderen Sorte, da hier ein Autor am Werk saß, der nicht nur Insider im Weißen Haus, sondern auch oberster Anti-Terrorchef von Präsident Bush war. Das Ergebnis ist anfangs eine chronologische Abfolge der Ereignisse des 11. September aus der Sicht des Weißen Hauses und seiner Mitarbeiter (rund um Clarke selbstverständlich). Clarke ist vor kurzem auf eigenen

Wunsch zurückgetreten und hat nicht einfach nur ein Buch über seine "wilde" Zeit im Weißen Haus geschrieben, dabei vielleicht einige pikante Spitzen verarbeitet. Nein, er erhebt schwere Anschuldigungen gegen George W. Bush und seine Regierung und das auf Fakten gestützt. (Eine großartige Abwechslung zu den manchmal etwas polemischen und allgemein gehaltenen Ausführungen von Moore und Konsorten. Nichts für Ungut.) Dabei sind die Informationen, die Clarke

feuilleton „Heute zeigt euch Onkel George, wie man einen Krieg vom Zaun bricht.“ 38

uns zukommen lässt höchst brisant. Er wirft Bush vor, völlig falsch auf den 11. September reagiert zu haben ("Mühsam konnte ich ihn davon abhalten, den Irak sofort anzugreifen"). Außerdem habe Bush dem Kampf gegen den Terror nicht nur die nötige Priorität verweigert, er habe sich gar nicht dafür interessiert. Weiterhin führt der Ex-Sicherheitschef aus, die jetzige Regierung sei Schuld an einer Polarisierung der arabischen Welt und zwar gegen die USA, und das zu einer Zeit, in der diese anfing, sich mit Amerika zu verständigen. Richard A. Clarke macht auf erschreckende Weise klar, wie sehr sich die amerikanische Regierung verkalkuliert hat, wie sehr sie in der Wahl ihrer Feinde danebengegriffen hat – indem sie den Irak angegriffen und einen Kriegsschauplatz eröffnet hat, der radikalen Moslems ein Schlachtfeld schuf und die arabische Welt in Aufruhr versetzte. Sympathien, die den USA von arabischer Seite entgegengebracht wurden, schlugen schnell um nach diesem Angriff, der nach Ansicht des Autors völlig unlogisch war. Der Spitzenbeamte konnte dies nicht mehr mittragen und musste nach eigenen Angaben diesen Bericht verfassen, da er sich der Loyalität seiner Mitbürger verpflichtet fühlt und nicht einer bestimmten Regierung (Clarke war schon unter Clinton Sicherheitschef). Hinter dieser patriotischen "Hollywood-Aussage" steht kein Mann der sich zum Beispiel für einen Rausschmiss rächen möchte (er hat sich selbst gefeuert), sondern jemand, der erkannt hat, dass Verantwortliche nicht verantwortungsbewusst und logisch handelten und Ratschläge von Spezialisten politischem Kalkül geopfert wurden. Ein Mann wie Clarke, das merkt man schnell, kann das nicht so stehen lassen und will dafür nicht die Verantwortung übernehmen. Seine Antwort ist dieses Buch. Es ist ein scharfes Statement und nicht ungefährlich, da die Bush-Regierung bekannt dafür ist, nicht zimperlich mit Kritikern umzugehen. Die Gefahr, dass Bush persönlich über „Against All Enemies“ richtet, ist jedoch gering, denn, so Clarke, "Die Informationswege des Präsidenten sind sehr beschränkt, er liest nicht gerne." Moritz Russig moritz


genießen. Abstandhalten ist Voraussetzung, um nicht in den Strudel der Gerüchte und Mutmaßungen zu geraten, sondern sich einen objektiven Blick auf das Geschehen zu bewahren. Verena Lilge

Thorsten Becker Sieger nach Punkten rowohlt

rowohlt Berlin Zwei Jahre nach dem Amoklauf am Erfurter Gutenberg Gymnasium bringt Ines Geipel ihr Buch „Für heute reicht’s“ auf den Markt. Bereits in der Vorbemerkung weist die Autorin darauf hin, dass die Ereignisse von Erfurt am 26. April 2002 aus der Sicht von „Elsa“, einer Zeugin, erzählt werden. Anfangs hat man als Leser auch noch das Gefühl, dass Elsa berichtet, wie sie diesen Tag und die folgende Zeit erlebt hat. Aber zwischenzeitlich verliert sich die Autorin häufig in Ausschweifungen, bei denen der Überblick über die eigentliche Intention des Buches schnell verwirkt wird. Der Leser muss sich ständig bewusst machen, dass sich dieses Buch zwar größtenteils auf Vernehmungsakten oder dem vorläufigen Abschlussbereicht des Innenministeriums stützt, aber die aufgeworfenen Thesen bestenfalls nur Anregung geben können. Wenn die Autorin schreibt: „Die Kinder spielten auf den emotionalen Müllhalden der Eltern, wie überall" oder „Am Ende legen sie (die Jugendlichen der Nachwendezeit) ihr 1968 im Internet ab", kommen einem schon Zweifel am richtigen Herangehen zur Aufarbeitung der Ereignisse und letztendlich der Schuldfrage. Stellt sich die Frage, ob das der Normalfall war, wie man den Eindruck hat. Ines Geipel beschuldigt niemanden direkt, aber es werden indirekt Vorwürfe vor allem an die Eltern oder die Schule gemacht, die den Leser nachdenklich werden lassen – andere Faktoren werden dafür nicht weiter in Betracht gezogen. An sich ist das Buch gut geschrieben – sprachlich einfach, manchmal sehr direkt und ohne „Schnörkel". Aber trotz der Leseempfehlung ist dieses Buch mit einiger Vorsicht zu juli 2004

Es ist doch immer wieder schön, dass sich Bücher der hehren Aufgabe der Volksaufklärung, der Beseitigung hartnäckiger Vorurteile widmen. Schön ist es auch, wenn man diesen Lehrauftrag nicht gar so direkt zu spüren bekommt. Anscheinend aber verträgt sich derlei Sendungsbewusstsein nicht zwangsläufig mit literarischem Gespür, wie Thorsten Becker eindrucksvoll demonstriert. Sein knapp 1000seitiges Werk "Sieger

gogisch nachsichtigem "Kennt ihr nicht? – Zeig ich euch!" und zwangsverbrüdernder Metasprache. Abrupte, völlig unmotivierte Sprünge in der Erzählung, die Überfrachtung mit Namen, Orten und Schlachten, die auf der nächsten Seite keiner Erwähnung mehr wert sind, erschweren eine Kontinuität im Lesefluss. Meine Lieblingsstelle: Als Nasrettin per Lebertreffer auf den Boden des Boxrings befördert wird, das Auszählen des Ringrichters beginnt, was tut da unser Held? Er hat eine Vision. Vom Kreuzzug. 30 Seiten lang. Der irrt also, der bislang vermutete, das zermatschte Äußere eines Boxers entspräche in etwa dem Zustand des innerlichen Gedanken-

Thorsten Beckers Roman ist eher kein Sieg nach Punkten. nach Punkten" ist der missratene Versuch der Verknüpfung von Geschichte und Geschichten. Während der türkische Gastarbeitersohn Nasrettin im Boxring um die Weltmeisterschaft kämpft, kämpft sich der geneigte Leser durch alle Lebensstationen des erklärten Romanhelden und die des Osmanischen Weltreichs. Hier liegt das Versagen des Buches: Unentschieden zwischen enzyklopädischer Informationsfülle und narrativer Leichtigkeit verfängt es sich in seinem Anspruch beides zu können. Aber Becker vermag weder dem Protagonisten noch der Historie Lebendigkeit zu verleihen. Dazu kommt eine Selbstgefälligkeit des Tones, eine Mischung aus päda-

stromes. Wahrscheinlicher erscheint jetzt aber, dass der verschwiemelte Blick des Haudrauf Zeichen seiner poetischen Eingebungen ist, erster Gedichtband demnächst zu erwarten. Bis dahin gilt es, sich mit der vorgelegten Saga des Thorsten Becker zu bescheiden. Doch dieser Roman steht sich selber mit seiner beamtendeutschen Formulierungskunst ("unschuldige Bekanntschaft mit einem Träger des komplementär verfassten Chromosoms"), den konstruierten Beziehungen und der absoluten Spannungsfreiheit im Weg, dass es keiner großen Spitzfindigkeit bedarf, ihm den technischen K.O. auszuprechen. Britta Voß

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Ines Geipel Für heute reicht’s

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kino

Something wicked this way comes “Harry Potter III“ – Ein Extratest / powered by Cine Star Echte Harry-Potter-Fans haben zwei Möglichkeiten: entweder die zweieinhalb Stunden damit zu verbringen, wütend "das passiert im Buch so nicht" zu murmeln und sich damit den Ärger der anderen Zuschauer zuzuziehen, oder den Film als das zu nehmen, was er ist: eine andere, aber trotzdem spannende Sicht auf das Buch. Regisseur Cuaron hat einen Tour de Force-Ritt durch das Buch inszeniert und den Fans in vielerlei Hinsicht den Boden unter den Füßen weggezogen, nichts ist mehr so, wie es einmal war. Die Farben sind dunkler, die Charaktere komplexer, die Unterscheidung in Gut und Böse verschwimmt. Ungewohnt sicher, aber es passt zum Erwachsenwerden der Charaktere. Schade nur, dass viele wichtige Infos des Buches verloren gegangen sind. sari

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Diese Verfilmung hat mal wieder bestätigt, dass gute Bücher einfach nicht verfilmt werden sollten. Sicher ist es schwierig, ein fast 300 Seiten schweres Buch in zwei Stunden nachzuspielen, aber dennoch sollte man aufpassen, dass die Reihenfolge der Geschehnisse nicht allzu sehr verdreht wird. Der neue Besen, den Harry im Film am Ende geschenkt bekommt, spielt im Buch eine wichtige Rolle, die bei der Verfilmung nicht zum Tragen kommt. Zwar hat sich der Regisseur bemüht, die Umgebung von Hogwarts originalgetreu darzustellen, was ihm auch gut gelungen ist (besonders die heulende Hütte, der Süßigkeitenladen in Hogsmeade, Hagrids Hütte). Die Darstellung des Werwolfes und des Hundes fand ich 40

eher gruselig und eklig. Vielleicht hätte man dort etwas weniger Animationen einsetzen können. Schade auch, dass das Schulleben der drei Freunde ein wenig zu kurz kam. Wunderbar dagegen der Anfang bei den Dursleys, Professor Lupin und natürlich Professor Dumbledore. Das bezaubernde Etwas, welches das Buch so wunderbar macht, ging im Film aber leider verloren. lil An den HarryPotter-Büchern und deren Verfilmungen scheiden sich die Geister. Die einen meinen, dass Harry Potter Teufelszeug sei und die Kinder nach der Lektüre plötzlich auf einem Besen reiten wollen. Die anderen finden Harry Potter einfach nur unterhaltsam. Auf jeden Fall ist die Geschichte spannend. Im Mittelpunkt steht die Auseinandersetzung mit Harrys Vergangenheit, denn der Zauberer Sirius Black ist aus Askaban ausgebrochen. Am Ende stellt sich heraus, dass alles ganz anders ist als Harry dachte. Die Moral von der Geschichte? Immer positiv denken, auch wenn es schwer fällt. Nur so lassen sich die Dementoren verjagen, die von negativem Denken angezogen werden. Bezeichnend die Szene, in der Harry eine weiße Gestalt auf der anderen Seite des Sees sieht. Erst später wird ihm bewusst, dass er es selbst war, der die Kraft aufgebracht hat, die Dementoren zu verjagen. So ist Harry Potter allemal einen Kinobesuch wert. Sicherlich gibt es bessere Filme, doch für einen entspannenden und unterhaltsamen Abend und ein bisschen moralische Aufbauarbeit ist der Film immer gut. mel

The Punisher

Wenn einem also Böses widerfährt Jeder von uns ist mitunter über etwas verärgert, wie beispielsweise über einen Strafzettel für Falschparken. Aber wie verärgert ist jemand, der als Folge eines "Betriebsunfalls" seine gesamte Familie verloren hat? Die Antwort auf diese Frage liefert die neuste Marvel-Comic-Verfilmung "The Punisher". Das Regiedebüt von Jonathan Hensleigh, dem Drehbuchautor von "The Rock" und "Armageddon", profitiert vor allem von seinen beiden Hauptdarstellern. Auf der einen Seite steht Tom Jane, alias Ex-FBIAgent Frank Castle der während seines Rachefeldzuges zum "Punisher" mutiert. Seinen Gegenspieler verkörpert Hollywoodschwergewicht John Travolta als skrupelloser Mafiaboss Howard Saint. Der Punisher, dessen Markenzeichen ein schwarzes T-Shirt mit aufgedrucktem Totenkopf ist, benutzt auch mal Eis am Stiel als Verhörinstrument. Während er ein rohes Steak mit einem Schweißbrenner grillt, malträtiert er den an seinen Füßen aufgeknüpften Micky, den Laufburschen von Saint, mit dem Eis. Micky denkt wiederum, er würde gegrillt werden und spürt nur die Kälte des Eises, mit dem er in Wirklichkeit bearbeitet wird. Das interpretiert er als Schmerz seiner angeblich verschmorten Nervenbahnen. So plaudert er alle Gewohnheiten und Schwächen seines Bosses aus und wechselt dann auch noch auf die Seite des Punishers. Dieser kann nun durch die gewonnenen Informationen einen akribisch geplanten Rachefeldzug gegen Howard Saint in die Tat umsetzen. Alles in allem liefert Hensleigh mit "The Punisher" eine durchaus ansprechende Verfilmung des Comic-Klassikers von Marvel ab. Obwohl die Handlung manchmal vorhersehbar ist und einige unsinnige Dialoge vorkommen, sollten sich comicbegeisterte Kinobesucher, die beispielsweise „X-Men“ gemocht haben, diesen Film nicht entgehen lassen. flo moritz


dvd

Vor den Fernseher geknechtet Das Herr-der-Ringe-Team hat sich beim dritten und letzten Teil der Filmreihe ins Zeug gelegt: Eine toll entworfene Menüführung (synchron den anderen beiden Teilen) verpackt die zahlreichen Extras mit passender Musik und Filmsequenzen. Zusätzlich zum Hauptfilm sind ein Making-Of, ein FilmSpecial des National Geographic und sechs Dokumentationen auf einer Extra-DVD enthalten. Nach Auswahl eines Menüpunkts führt eine spinneneklige Animation zum gewählten Extra. Neben zwei Trailern und 14 TV-Spots ist auch ein über sechsminütiger "Trilogie-Supertrailer" dabei, der die filmische Eigenwerbung abrundet. Sprich: Massig, massig Extras, zum Teil auch in deutsch, sonst untertitelt. „Die Rückkehr des Königs“ gehört zu den Filmen, bei denen es sich lohnt, sie im Original anzuzschauen. Die DVD verfügt über eine deutsche und eine englische Tonspur, beide in Dolby Digital 5.1, damit es richtig kracht. Außerdem hält die DVD noch ein Extra "Visionen eines Regisseurs" bereit, das die Umsetzung von Phil Jacksons Vorstellungen dokumentiert. Besser ist nur die im November erscheinende "Special Extended Edition", die mit noch mehr Extras und einer längeren Filmfassung Fanherzen höher schlagen lässt. jmk juli 2004

Im inneren Kreis

Bomben, Gold und viel Rabatz

Der Altmeister ist wieder da

Na, nicht des Italienischen mächtig? Macht nichts. Mit diesem Film werdet ihr auch so auf eure Kosten kommen. Doch bestimmt nicht nur dank der tollen Extras. Da haben wir hektische Musik mit einer zugegebenermaßen ganz coolen Animation im Hauptmenü. Die Untermenüs dagegen zeigen pure italienische Schlichtheit. An Extras sind nur ein Making-Of sowie zwei Trailer zu "weiteren DVDs" vorhanden. Ist es jetzt irgendwie Mode, möglichst spartanische Menüs und wenig Extras zu fabrizieren? Ach halt, wir haben ja noch massive Schleichwerbung für den neuen Mini. Extra als Menü-Hintergrund, damit es auch keiner übersieht. Hat sich der Kauf also doch noch gelohnt! Wenn es auch an Extras mangelt, ist die Sprachauswahl doch für jeden kompatibel. Deutsch ist in 2.0, 5.1

Man glaubt, es noch zu hören: "Wanna mess with me?", kam es als Tony Montana vor 21 Jahren noch aus seinem Mund – Al Pacino. Bei

und DTS verfügbar, Englisch nur in 2.0 und 5.1. Wäre nicht Italienisch noch passend gewesen? Wenn dass der Don wüsste… Resümee: Menüs Marke bumbum, tolle Sprachoptionen, kaum Extras, aber ein anschauliches Making-Of – nicht sehr befriedigend. Na ja, dafür ist der Film ganz witzig, aber man will doch eigentlich mehr. Das kommt halt heraus, wenn Amis europäisch sein wollen. jmk

aller Liebe, messen kann sich diese DVD aber wirklich nicht mit vielen, zumindest nicht erfolgreich. Noch bevor man ins Hauptmenü gelangt, winken sechs Trailer, die fast alle eher NoName-Filme als Monumentalstreifen vorstellen. Das war auch schon fast alles an Extras. Weiter sind noch ein echt fader Trailer zum Hauptfilm und eine, sagen wir mal, "interessante" Featurette an Bord, beide nicht mal übersetzt, sondern untertitelt. Mal ehrlich Al, haben wir Fans nicht etwas mehr verdient? Nicht mal ein Booklet hat man uns gegönnt! Sprachlich ist der Film noch in einer englischen Fassung in Dolby Digital 2.0 zu sehen. Was bleibt also? Ein teilanimierter Hauptbildschirm mit Musik-Bett und O-Ton-Sequenzen. In den Untermenüs bleibt es dagegen still und schlicht. Einfach und übersichtlich eben. Fazit: Das Geld, das für eine Kino-Premiere gespart wurde, ist auf jeden Fall nicht in der DVD-Produktion gelandet. Vielleicht in den Taschen der Protagonisten? Alles in allem ist Pacinos schauspielerische Leistung das Einzige, was Cineasten-Herzen hier höher schlagen lässt. jmk

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Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs

The Italian Job

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Mein Rügen Randinformationen über Deutschlands größte Insel Text und Fotos: Eric Wallis

Heute verlassen wir mal das geliebte Greifswald. Und zwar mit dem PKW in Richtung Stralsund. Wir wollen die größte (und für mich auch schönste) deutsche Insel besuchen. Wir fahren also mit meinem alten Toyota los und lassen die Sonne

Viele Rüganer besitzen alte Burgen am Wasser...

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scheinen. Weiße Wolken bewegen sich gemächlich am blauen Himmel. Greifwald verschwindet hinter uns und alle Nase lang versuchen tiefergelegte 65 PS Autos uns zu überholen. 20 Kilometer später bietet sich die erste Möglichkeit meine geliebte Insel zu erreichen. Und zwar mit einer Autofähre. Die verkehrt von Stahlbrode nach Glewitz. Die Fähre fährt im 10 Minuten Takt und kostet mit Beifahrerin 5,20 oder so. Natürlich hätten wir auch noch 15 Kilometer draufpacken können, um bis Stralsund zu fahren. Dort wären wir dann kostenlos auf die Insel gelangt. Über den Rügendamm. 42

Aber Vorsicht. Ist Stau Mann. Vor allem im Sommer. Außerdem ist eine Fähre doch auch viel romantischer. Hinter Glewitz begrüßt uns die Insel mit einer uralten Allee. Rügen ist übrigens sehr reich an Alleen. Das Straßenverkehrsamt hat mittlerweile die meisten Alleen mit Leitplanken versehen, um Unfällen vorzubeugen. Auf der Insel ist diese Entscheidung mit gemischten Gefühlen aufgenommen worden. Bei uns auf Rügen werden übrigens die meisten Entscheidungen der Obrigkeit mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Selten ist man sich einig. Da wird sich beschimpft in den Stadtparlamenten. Da wird gepöbelt. Kurzum, da wird noch richtig handfeste Politik gemacht. Die meisten Differenzen kommen daher, dass sich in leitenden Positionen auf der Insel vielfach Westdeutsche festgesetzt haben. Und die meinen natürlich zu wissen, was für uns Rüganer das Beste sei. Viele von denen haben wir jedoch mit der Zeit wieder vertrieben und es sind fast ausnahmslos die sympathischen Wessis dageblieben. Bis auf einige wenige Ausnahmen der Lokalpolitik. Die Rüganer sind ein sehr gastfreundliches Volk. Anfangs sehr zurückhaltend, fast abweisend und verschlossen. Je länger man es allerdings mit ihnen aushält, umso mehr tauen sie auf. Am Ende geht die Post richtig ab.

Die Insel ist etwa 50 mal 50 km groß und besteht aus vier Halbinseln. Inselkern, Jasmund, Wittow und Mönchgut. Alle diese hängen irgendwie miteinander zusammen, daher auch der Name Halbinsel. Es leben etwa 70.000 Menschen bei uns. Früher waren es mal 84.000. Die Fehlenden sind aufgrund mieser Arbeitsplatzbedingungen gegan-

Die Binzer Seebrücke. Leider ist Runterhopsen verboten. gen. Als kurz nach der Wende unsere Wirtschaft zusammenbrach, wollte erstmal niemand bei uns investieren. Später kamen eine Menge reicher Kapitalisten, die hier das große Glück wähnten. Zuerst staunten sie, dass wir Warmwasser und Strom hatten. Dann mussten sie zu allem Übel noch erfahren, dass es auch bei uns Farbfernsehen gab. Am Ende kauften sie unsere moritz


Hauptwirtschaftszweig neben dem Tourismus ist die Landwirktschaft, die der Insel im Sommer ein ganz eigenes Gesicht gibt. kultur. Ja unsere Touris. Die sind schon was. Ich liebe sie alle. Und das ist auch gut so, denn sie bringen eine Menge Geld auf die Insel. Dieses Geld landet zum großen Teil irgendwo in Frankfurt bei der Deutschen Bank auf den Konten der Hotelbesitzer. Wir Rüganer arbeiten viel in der Gastronomie. Darum ist die Arbeitslosigkeit im Sommer auch geringer. Aber zurück zu den Touris. Die Touris sind Leid und Segen zugleich. Und wir Rüganer leiden richtig. Da meint der Herr Badegast aus Oberammergau mal eben hinter einer unserer mannigfaltigen Neunziggradkurven anhalten zu

Kilometerlange Strände. Sommer - Sonne - Sonnenschein.

juli 2004

müssen, um den ach so tollen Raps fotografieren zu müssen. Die Vollbremsung und den Schreck ersetzt einem natürlich keiner. Oder die Familie B. aus Chemnitz, die mal eben ne halbe Stunde sage und schreibe 10 km/h fährt, um Ausschau haltend die Blagen auf regionale Besonderheiten aufmerksam zu machen. Da geht einem auch mal locker die Wut ab. So liegt die Hand immer locker auf der Hupe. Doch bevor man hupt, schaut man erst auf das Nummernschild. Einheimische werden schließlich nicht angehupt. Wo kommen wir denn da hin? Bei uns gibt es ebenfalls viel Natur. So zum Beispiel den kleinsten Nationalpark Deutschlands. Der liegt direkt da, wo ich wohne, bei Saßnitz. Sofort fällt mir ein berühmtes Zitat von Theodor Fontane ein. "Nach Rügen reisen heißt nach Saßnitz reisen." Ja da muss man gewesen sein. Wir haben zum Beispiel die längste Mole Europas in Saßnitz. Sehr gut für einsame Kummerspaziergänge bei rauem Seewetter. Direkt in der Nähe ist auch unsere Stammkneipe. Da gibt es lecker Bier und immer coole Leute. Manchmal auch welche die man jahrelang nicht gesehen hat. Später ist man hackedicht und torkelt durch unseren Hafen. Ich würde gerne mehr erzählen, aber ich muss doch unbedingt auch die Fotos zeigen. Also beim nächsten Mal gibt es dann die richtigen Rügen Infos.

feuilleton

rückständigen Grundstücke für’n Appel und’n Ei. Jetzt machen sie sich nen Fetten von den Mieteinnahmen. Andere von "Drüben" kamen ohne alles. Machten darauf aufmerksam, das Ur-Opa mal hier gewohnt hat und zeigten eine Besitzurkunde von noch vor Adolf. Dann hieß es für die Leute, die 30 Jahre in dem Haus gewohnt hatten "Raus auf die Straße". Aber ich will nicht von so schlechten Dingen erzählen. Auch viel Gutes gibt es bei uns. Wir haben sehr viele Strände. Und einen davon will ich euch jetzt mal zeigen. Darum fahren wir nach Prora. Das ist mein Lieblingsstrand. Jeden Tag im Sommer werdet ihr mich dort finden. Direkt an der Kaimauer neben dem Hundestrand. Natürlich ist hier FKK. Die meisten Rüganer sind oder besser gesagt waren FKK-Bader. Nur in den Ostseebädern der Insel wurde textilgebadet. Leider lungern von Jahr zu Jahr immer mehr Textilfuzzis am Effi herum. Da will man dann auch nicht mehr nackt sein, denken sich viele Einheimische. Als Ausgleich gehen wir Rüganer Jungs dann halt mal nackt zum Textilstrand nach Binz. Leider wird man sehr schnell angepflaumt von Leuten, die sich dadurch öffentlich erregt fühlen. Man kann sich aber auch mit Bier zuschütten und direkt neben so ein paar Textilern schmutzige Lieder grölen. Dann gehen die von ganz alleine. Hoch lebe die Freikörper-

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Abtritt eines Sternenkriegers Zum Tode von Ronald Reagan / Von Melchior Jordan Am 5. Juni starb Ronald Reagan im Alter von 93 Jahren an Alzheimer. Eigentlich ein ziemlich glanzloses Ende für diesen Sternenkrieger aus Fleisch und Blut. Warum wurde die Geschichte von Ronald Reagans Präsidentschaft eigentlich noch nicht im „Star Wars“-Stil verfilmt? Betrachten wir Ronald Reagans Aufstieg. Nachdem er einige Zeit als Sportreporter gearbeitet hatte, machte er als Schauspieler in Hollywood Karriere.

feuilleton

way-Adaption „Tod eines Killers“ spielt Reagan einen schmierigen Gangsterboss, der seine Freundin verprügelt und auch sonst recht rüde mit den Menschen umspringt. Seine politische Karriere startete Reagan als Demokrat, wechselte aber 1964 zu den Republikanern. 1966 wurde er zum Gouverneur von Kalifornien gewählt und 1970 wiedergewählt. Nach zwei vergeblichen Anläufen wurde er 1980 zum Präsidentschaftskandidaten der Republikaner gewählt. Den folgenden Wahlsieg hatte er vor allem den Schwierigkeiten Jimmy Carters wegen der Besetzung der amerikanischen Botschaft in Teheran zu verdanken. 1981 überlebte er das Pistolenattentat eines Geistesgestörten. Seine Auftritte mit Cowboyhut am Krankenhausfenster sind heute amerikanische Klassiker. Wirtschaftspolitisch strebte er die Deregulierung, Steuerkürzungen, Entbürokratisierung und die Förderung privaten Engagements an. George Bush sr. nannte diese Art der Wirtschaftspolitik "voodoo economics". Die Neuausrichtung der Wirtschaftspolitik führte zu In jungen Jahren hatte Ronald Reagan durchaus einer starken Verunsichesympathische Freunde. Dann aber trat er der rung in der Bevölkerung. Republikanischen Partei bei. Doch dank einer mit Fortschrittsglauben geHauptsächlich wirkte er in Btränkten Rhetorik und einer überMovies mit, in denen er meistens zeugenden Ausstrahlung konnte er die undankbare Rolle des „besten als "großer Kommunikator" die Freundes des Helden“ spielte. Man Ängste neutralisieren. sah ihn aber auch als Gangster, KuSeine Außen-, und SicherheitsKlux-Klan-Mann oder Sheriff. Imstrategie lässt sich mit dem Konzept merhin kann wenigstens sein Auf"Frieden durch Stärke" umschreitritt in seinem letzten Film als ben. In diese Zeit fiel der NATOschauspielerisch anspruchsvoll Doppelbeschluss und die Statiobezeichnet werden. In der Hemingnierung von Pershing II-Raketen 44

und Cruise Missiles in Europa. Bemerkenswert sind seine Bestrebungen um das Raketenabwehrprogramm SDI. In seiner "Star Wars"Rede vom 23. März 1983 malte er ein düsteres Bild. Um seine Argumente zu stützen, verglich er die Lage mit den 30er Jahren, als Deutschland und Japan zu Gegnern des "American Way of Life" aufstiegen. In der gleichen Art und Weise argumentierte er in der "Evil Empire"-Rede vom 8. Juni 1982. Um dem Übel des „Totalitarismus am Ende eines blutigen Jahrhunderts“ zu Leibe zu rücken empfahl er einen "Kreuzzug für die Freiheit". Natürlich dürfen auch nicht die kleinen aber feinen Sünden vergessen werden. Da wären die Iran-ContraAffäre (Heißt es nicht: Du sollst deine Feinde lieben?) oder die Unterstützung islamistischer Kämpfer in Afghanistan (Denn aus Freiheitskämpfern wurden plötzlich Terroristen!). Auch der jetzt so geschmähte Saddam Hussein wurde von Reagan großzügig unterstützt. An dieser Stelle sei auch der CIA gedankt für das engagierte Eintreten für Freiheit und Folterdiktatur in Lateinamerika. Nachdem nun alle Wohltaten aufgezählt worden sind – Was sind die Ergebnisse von Reagans Präsidentschaft? Die Ausgaben für Wohlfahrt und Soziales wurden gekürzt und damit die Kluft zwischen Arm und Reich vergrößert. Der Einfluss sozialkonservativer und protestantischreaktionärer Kreise, die Reagan und auch Bush im Wahlkampf unterstützt haben, wurde verstärkt. Der Traum, dass die amerikanische Staatsgrenze bis in den Weltraum verschiebbar ist (SDI). Und natürlich, dass die Vereinigten Staaten ein Exportgut erster Klasse anzubieten haben – Demokratie und Freiheit, auch wenn dieses Exportgut manchmal etwas schwer verdaulich sein mag. Ronald Reagans Leben sollte also auf jeden Fall im „Star Wars“-Stil verfilmt werden, denn eine Geschichte mit einem „Evil Empire“ und unzähligen Bösewichten schreit förmlich nach Yediritter Reagan. Aber im Film darf er nicht an geistiger Umnachtung zugrunde gehen. Er sollte ehrenvoll sterben – im Gefängnis, zu lebenslanger Haft verurteilt, zusammen mit Manuel Noriega, Saddam Hussein und Osama bin Laden in einer Zelle. moritz


playmoritz Studenten: Mister-Wahl Kreuzmoritsel Friedhelm


Frauenwahlrecht Hallo Mädels! Das letzte Mal hatten die Kerle was zu gucken. Jetzt seid ihr am Drücker – und ihr dürft nicht nur gucken, sondern auch wählen. Welchen dieser jungen Herren, die unsere Photographinnen auf Greifswalds Straßen aufgelesen haben, findet ihr am attraktivsten? Unter den Teilnehmerinnen verlosen wir eine moritz-Tasse.

Also Mädels, macht mit und wählt euren Favoritenbis zum 30. September 2004 unter moritz@uni-greifswald.de

Norman 23 Jahre aus Berlin studiert Kunst und Biologie auf Lehramt im 4. Semester

Justus 23 Jahre, aus Hamburg studiert Politikwissenschaften, Kommunikationswissenschaften, Erziehungswissenschaft im 3. Semester

Martin playmoritz

19 Jahre, aus Greifswald macht eine schulische Ausbildung zum Wirtschaftsassistenten

Amer 23 Jahre, aus Palästina beginnt im nächsten Semester sein Medizinstudium

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moritz


Martin 22 Jahre, aus Angerm端nde studiert Skandinavistik und Anglistik im 4. Semester

Martin 22 Jahre, aus Elmshorn studiert Politikwissenschaft und VWL im 4 Semester

Sebastian

playmoritz

21 Jahre, aus Templin studiert Jura im 2. Semester

Bastian 21 Jahre, aus Berlin studiert Jura im 2. Semester

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kreuzmoritsel

Eine Insel mit zwei Bergen Von Vera Doering

Wer träumt nicht davon, den Sommer auf einer einsamen Insel zu verbringen? Um den Namen einer pommerschen Insel vor dem Stettiner Haff zu erhalten, müssen die Buchstaben, die sich aus den Worten ergeben, diesmal noch in die richtige Reihenfolge gebracht werden. Waagerecht: 1. Brand 5. größte mitteleuropäische Eulenart 8. KFZ-Kennzeichen von Leipzig 9. Körperreaktion bei Kälte 11. amerikanischer bunter Papagei 13. KFZ-Kennzeichen von Meppen 14. sich auf dem „Drahtesel“ fortbe wegen 17. Erholungsort westlich von Mittenwalde 19. Landeskennung von Spanien 20.Fisch, der sowohl in Flüssen als auch im Meer vorkommt 21- Sandwüste in der Mongolei

23. lateinisch „aus“ 24. lateinische Abkürzung für „das heißt“ 25. Sittenlehre 29. KFZ-Kennzeichen von Schwerin 30. weiblicher Vorname 31. italienischer männlicher bestimmter Artikel 32. Präposition

Senkrecht: 1. Angehöriger einer Volksgruppe in Belgien 2. Abkürzung der UniversumFilm-AG in Babelsberg 3. Personalpronomen

4. Abkürzung von Rhode Island 5. Auerochse 6. Gegenteil von „dunkel“ 7. Abkürzung Vereinte Nationen 10. Schwur 12. neu-deutsch „sich entspannen“ 14. Sumpfvogel 15. chemisches Zeichen für Gold 16. Missgunst 18. KFZ-Kennzeichen von Mannheim 22. nordische Form von Wodan 23. Gefrorenes 26. Zeichen für Thallium 27. englisch „Verkaufsschlager“ 28. befestigtes Hafenufer

Gewinner! In der letzten Ausgabe suchten wir den längsten deutschen Fluss, den

RHEIN playmoritz

Die moritz-Glücksfee zog aus 12 Einsendern fünf glückliche Gewinner, auf die nun in der Redaktion ein „Gourmet-Pass“ wartet, mit dem sie in verschiedenen Greifswalder Restaurants zwei Essen zum Preis von einem bekommen können.

REBECCA STOLLE JENS KAISER STEFAN KLATT THOMAS LAEGER JAN LICHTE

Lösungen bitte bis Mitte September an moritz@uni-greifswald.de Stichwort: kreuzmoritsel. 48

moritz


Greifswald von unten

Ansichten eines See-Hunds Von Friedhelm (mit Manuela Wiese)

da bin ich wieder. Und heute spreche ich zu Euch in meiner Funktion als Botschafter des Sommers. Ja, unser alter Freund ist wieder da, auch wenn er sich in diesem Jahr ungewöhnlich lange bitten ließ. Aber nun umschmeichelt er mein Fell wieder mit seinen wärmenden Sonnenstrahlen. Und passend dazu erscheint meine Kolumne auf Hochglanzpapier. Ja, ich gehe meinen Weg. Wer weiß, vielleicht schreibe ich in einem Jahr schon für das Feuilleton einer großen Zeitung. Aber das kann auch ein Nachteil sein, weil man dort sicher öfter mal einen Maulkorb verpasst bekommt. Und wenn ich als alter Rüde eins nicht leiden kann, dann das. Ihr könnt Euch ja gar nicht vorstellen, wie schlecht es sich mit so einem Teil schnuppert, und auch beißen ist schwierig, obwohl ich so was natürlich nie tun würde. Außer manchmal, wenn ich am Meer bin, dann ärgert es mich schon, wenn dort „Für Hunde verboten“-Schilder stehen. Ein Beamter vom Ordnungsamt, der mir dort begegnet, müsste schon sehr auf sein Sitzfleisch achten. Dabei macht es so unglaublich viel Spaß, in die Gischt der Wellen zu springen und sich danach im Sand mal so richtig einzusauen. Gleich in der Nähe liegt der Bodden, was unglaublich praktisch sein kann, wenn ihr nach einer beengenden Vorlesung das Bedürfnis nach Weite verspürt. Leider ist der Bodden nicht grenzenlos. Nicht so das Meer: Das Werden und vergehen der Wellen am Strand ist so grenzenlos wie die Zeit selbst. Es soll ja Studenten geben, die in Greifswald studieren und noch nie an der offenen Ostsee waren. Ihr solltet Euch wirklich schämen. Da habt Ihr das Privileg, so nah am schönen Meer zu wohnen, und nutzt es nicht. Eine juli 2004

Wasserratte wie ich kann das wirklich nicht verstehen. Bei mir ist das anders. Meine Wenigkeit wird am 7. Juli stattliche neun Jahre alt. Ich bin in Greifswald aufgewachsen und war sehr sehr oft an der Ostsee. Mal auf Rügen, auf Usedom, sogar auf Hiddensee. Wenn Ihr dem Stress des Unialltags und dem Staub der Stadt entkommen wollt, gibt es nichts Besseres. Und wer sich den Flug nach Hawaii nicht leisten kann, fährt nach Binz und schwingt in lauen Sommernächten seinen Luxuskörper zu heißen Salsarhytmen am Strand der Ostsee. Oh, ich schwelge schon wieder in Erinnerungen. Ja, wenn man älter wird, fängt man an, zurückzublikken.. Da hatte man im letzten Monat eine besondere Gelegenheit, denn das 10. Alumnitreffen fand in Greifswald statt: Haufenweise ehemalige Studenten, die sich in weinseligen Stunden der Studentenzeit erinnerten. Ja, wenn man plötzlich einen 8Stunden-Tag hat, wünscht man die Zeit zurück, in der man nach einer durchfeierten Nacht noch schnell ein kleines Nickerchen im Hörsaal machen konnte. So, ich hoffe, einige von Euch werden jetzt ganz schnell ihre Bücher von sich werfen, die Sachen packen und sich auf den Weg an die Ostsee machen. Und immer dran denken, meine Freunde: Das Ozonloch unterscheidet nicht zwischen arm und reich, also immer viel

Sonnencreme benutzen. Für alle, die es noch nicht wissen: Das moritz-Magazin hat einen neuen Chefredakteur. Alles gar kein Problem, solange er Hunde mag, denn ein Mensch, der mich mag, kann nicht völlig verkehrt sein. Ich

jedenfalls hab ihn total gern, denn er ist nett zu mir. Ach ja, und dann hab ich noch gehört, dass ihr Studenten lustige Geburtstagsbräuche pflegt, dass es Blumen und Geschenke gibt. Nun habe ich ja, wie oben schon erwähnt, am 7. Juli Geburtstag. Vergesst die Blumen, da würde ich höchstens gegenpinkeln. Aber wenn Ihr ein paar Hundeknochen oder Leckerli an die moritz-Redaktion schicken könntet, wäre ich hocherfreut und Euch zu tiefem Dank verpflichtet. Noch ein Wort auf den Weg, meine Freunde: Lasst uns sein, wie dieser Sommer...: Feucht-Fröhlich! Euer Friedhelm.

playmoritz

Hallo, liebe Leute,

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Arvids Kolumne

Die Teiche von Heschbon Ansätze von Provokation und Hoffnung / Arvid Hansmann

arvids kolumne

Es war ein grauer und verregneter Tag im März. Die Jacke war durchweicht und die Nässe stieg langsam von den Schuhen in den Hosenbeinen empor. Es war effektiver, über die Brille hinwegzuschielen, als sich an den kaleidoskopartigen Bildern in den Gläsern zu orientieren. Man hätte sagen können: „So ein Mistwetter! Wieso muss das gerade uns passieren?“ Durch Schlamm und Pfützen auf unebenem Asphalt gelangte ich in den kleinen Vorraum, von dem eine enge Treppe nach oben führte. Ich versuchte, mich an der entgegenkommenden Gruppe vorbeizubewegen, als ich in diese dunklen Augen sah. Das zarte Gesicht war von nussbraunen Locken gerahmt und blickte mich für einen Sekundenbruchteil in einer Weise an, die Reaktionen in mir hervorrief, die doch eigentlich völlig absurd waren – Schuld? Was habe ich persönlich, was hat sie mit dem zu tun, was hier geschah? Ich dachte noch darüber nach, als sie längst verschwunden war und ich mir einen Weg in den größeren Raum gebahnt hatte. Ich blickte zur rechten Seite und sah im Vordergrund eine Reihe hölzerner Baracken hinter denen sich ein Meer von Schornsteinen auftat, die allesamt einst ebenfalls von solchen simplen Holzkonstruktionen umgeben waren. Zur Linken waren es rote Ziegel, die Behausungen von kaum besserer Gestalt bildeten. Dazwischen führten die Bahngleise ins Nichts, die unter mir in das Gelände hineinführten ... Ich stand also im „Todestor“ von Auschwitz-Birkenau und richtete meine Augen auf eine der schrekklichsten Stätten des 20. Jahrhunderts. Und wieder kamen in mir Fragen auf. Ist es denn möglich, dass ein Volk eine „Kollektivschuld“ tragen muss? Sind wir Kindeskinder gezwungen, schamvoll herabzublicken, uns als Täter gegenüber Altersgenossen zu sehen? – Fragen, die hierzulande in der heutigen 50

Gesellschaft vollkommen abwegig erscheinen. Mein Blick senkte sich auf die Gleise unter mir: Da stand eine Reisegruppe (möglicherweise war die junge Dame von vorhin auch unter ihnen), gehüllt in weiße Fahnen auf denen der blaue Davidstern prangte. Mit welchen Gefühlen gingen diese jungen Menschen über diesen Boden? Sicher wurden die meisten von ihnen seit frühester Kindheit mit den Erlebnissen ihrer Großeltern und Verwandten konfrontiert und konnten sich dadurch Szenarien einer Schreckensherrschaft ausmalen, die darauf aus war, ihr ganzes Volk zu vernichten. Sie waren die Opfer – und sehen sich so noch heute. Und wer sind die Täter? Das Bild des emotionslosen Technokraten wird immer noch prototypisch auf „den Deutschen“ projiziert – nicht vordergründig, sondern als Charakterisierung eines „inneren Wesens“, das der eigenen Existenz gegenüber feindselig eingestellt ist. Man ist nicht dazu bereit, dieses Wesen als Zeitphänomen des Nationalsozialismus zu sehen, auf das die „40

rastlosen Jahre der Zweiteilung“ folgten. Die vor 14 Jahren versprochenen „blühenden Landschaften“ haben sich zwar nicht als „heiliges Land“ herausgestellt; die dennoch erfolgte kritische Auseinandersetzung mit einer Vergangenheit wird im Innersten nicht akzeptiert. Die Deutschen bleiben die Täter – Worte, die mir hier sicher Ärger einbringen werden. Eigentlich wollte ich Ansätze finden, wie man die Schluchten überwinden könnte, die sich über Jahrhunderte (eigentlich Jahrtausende) aufgetan haben. Stattdessen habe ich nur weiter in einer Wunde gebohrt, zu deren Heilung ich gerne beitragen würde. Am nächsten Tag durchschritt ich mit netten Leuten die prosperierende Stadt Wroclaw (Breslau), in deren goldenem Zierrat sich das warme Sonnenlicht brach, und wusste, dass es in dieser globalisierten Welt Orte und Situationen gibt (und geben wird), bei denen es das Wesen des Einzelnen ist, das einem anderen Individuum gegenübersteht. Die Vergangenheit wird dabei nicht ignoriert werden, aber sie ist genau so individuell wie wir Menschen der Gegenwart. Wo und wie wir uns erneut gegenüberstehen wird die Zukunft zeigen – vielleicht trifft man bei einem „Osterspaziergang“ eine „Fürstentochter“ ... Nicht nur dem, dem all dies kryptisch erscheint, gebe ich folgende Worte mit auf den Weg: „Hevenu schalom alejchem“.

Illustration zu Offenbarung 21. Lutherbibel, Wittenberg 1603. Quelle: Bestand Alte UB

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