Issuu on Google+

meet art VIENNA ART WEEK 2011 14.–20. november

www.viennaartweek.at


Die Vienna art Week 2011 baut auf Wiens Weltruf als Stadt der Psychoanalyse: Das heurige Motto »reflecting reality« setzt Sigmund Freuds theorie in Beziehung zu kunst als Mittel der reflexion. Wiens zeitgenössische kunst ist vielfältig, international, witzig, frech und befindet sich seit Jahren im aufwind. Die Vienna art Week hat in den letzten Jahren einen wesentlichen Beitrag zum ansehen Wiens als Zentrum junger, zeitgenössischer bildender kunst geleistet und ist zu einem fixen Bestandteil des künstlerischen Geschehens avanciert. als Veranstaltung des art Cluster Vienna führt sie ihren erfolgskurs mit subtilem tiefgang durch anregende einblicke in die Psycho­ dynamiken des kreativen Schaffens fort. im Wissen um die hohen erwartungen an die Qualität des Festivals und an die Leistungen aller teilnehmer und teilnehmerinnen danke ich dem team der Vienna art Week 2011 herzlich für seinen einsatz!

Michael Häupl Bürgermeister und Landeshauptmann von Wien

Idee und Konzept

Art Cluster Vienna

Martin Böhm Präsident, art Cluster Vienna Robert Punkenhofer künstlerischer Leiter, Vienna art Week

Akademie der bildenden Künste Wien, eva Blimlinger Albertina, klaus albrecht Schröder Architekturzentrum Wien, Dietmar Steiner Belvedere, agnes Husslein­arco departure – Die Kreativagentur der Stadt Wien, Gerhard Hirczi DoRotHeuM, Martin Böhm essl Museum, karlheinz essl Generali Foundation, Sabine Folie Jüdisches Museum Wien, Danielle Spera KÖR Kunst im öffentlichen Raum Wien, Bettina Leidl KunStHAlle wien, Gerald Matt KunSt HAuS WIen, Franz Patay Kunsthistorisches Museum, Sabine Haag Künstlerhaus k/haus, Peter Bogner leopold Museum, Peter Weinhäupl lIeCHtenSteIn MuSeuM, Johannes Schneider

MAK – Österreichisches Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst, Christoph thun­Hohenstein mumok Museum Moderner Kunst Stiftung ludwig Wien, karola kraus MuseumsQuartier Wien, Daniela enzi Österreichisches Filmmuseum, alexander Horwath secession, andrás Pálffy Sigmund Freud Museum, inge Scholz­Strasser thyssen-Bornemisza Art Contemporary, Francesca von Habsburg universität für angewandte Kunst Wien, Gerald Bast Verband Österreichischer Galerien Moderner Kunst, Gabriele Senn WIen MuSeuM, Wolfgang kos


Robert Punkenhofer Künstlerischer Leiter, vienna art Week Martin Böhm Präsident, Art Cluster Vienna

Der VIENNA ART WEEK ist es gelungen, durch ihre intensive Konzentration auf der Programmebene dank des enormen Engagements aller Beteiligten nachhaltige Impulse und Standards für Wien als interna­ tionale Kunstmetropole zu setzen. Diese po­ sitive Zwischendiagnose ziehen wir anlässlich unserer bereits siebten Ausgabe aus dem be­ geisterten Feedback internationaler Sammler, Kuratoren, Kunstkritiker, Künstler und dem avancierten Zustrom Kunstinteressierter. Als Art Cluster Vienna leisten Wiener Kunstinstitutionen, Museen und Galerien 2011 auf Initiative des DOROTHEUM dieses Jahr erneut hervorragende Beiträge. Das Spektrum reicht von Spezialführungen über die Galerientage bis zu Podiumsdiskussionen oder »Corporate Cultural Programmes« sowie »ausgedehnten« Künstlergesprächen und Ausstellungseröffnungen.

Unter dem Themenkomplex »Reflecting Reality« erweitert die VIENNA ART WEEK 2011 ihr Format durch interdisziplinäre Kommunikationsstrategien, die sich mit dem Austausch von »Kunst und Wissenschaft« befassen, und lenkt den Fokus auf Wiens Weltruf als Stadt der Psychoanalyse. In den Projekten zu »Reflecting Reality« wagen wir einen Blick hinter die Kulissen der psycho­ logischen Dynamik von Kunstproduktionen und Sammlerleidenschaften. Der Begriff der Psychoanalyse hat im Kunstbereich in den vergangenen Jahren eine erstaunliche Konjunktur erfahren. Gegenüber der klassi­ schen Psychoanalyse Sigmund Freuds und dessen Schriften zu Kunst und Kultur haben sich im Spannungsfeld aktueller individu­ eller, psychischer und gesellschaftlicher Fragestellungen in der Kunst neue ästhetische Praxen herausgebildet.

Eine der faszinierendsten Eigenschaften von Kunst ist die durch sie freigesetzte Psychodynamik: Kunst reflektiert nicht nur Realität, sondern liefert Material, um mit den Erfordernissen des modernen Lebens umzugehen. Individualität und soziale Beziehungen, Privatsphäre und öffentliches Leben, die Flüchtigkeit des Alltags und das Streben nach Stabilität, Nähe und Distanz sowie Leistung und Entspannung bilden Pole des psychischen Geschehens. Der derzeitige Umbruch politischer Systeme, das Entstehen von Parallelwelten, das Anwachsen »psycho­ politischer« Argumentationsräume werden durch Kunst einer Reflexion unterzogen. Die Vienna Art Week sollte genug Raum und Zeit bieten, sich mit unterschiedlichen Positionen zu diesem spannenden Thema auseinanderzusetzen. Wir bedanken uns bei unseren Programmpartnern und Sponsoren und wünschen allen Gästen und Mitwirkenden eine inspirierende Woche.

1


Kunststandort Wien

 It Is What It Is! / Alles klar! 

Text von Renée Gadsden Welche bedeutende Kunststadt gibt nicht auch Anlass zur Klage? London ist zu regne­ risch, der Berliner Winter dauert zu lang, São Paulo ist zu heiß. Auch in Wien könnte man sich über vieles beschweren: Die öffentlichen Gebäude sind neu gestrichen und renoviert, die Kuppeln der Paläste und Kirchen wurden vor nicht langer Zeit vergoldet, die Straßen sind sauber und überall befinden sich Grün­ flächen. Prächtige, hundert Jahre alte Bäume schmücken Plätze und Parks im Stadtzent­ rum, zur Saison passender Blumenschmuck säumt Fußgängerzonen und umrandet Haupt­ straßen in der ganzen Stadt. Selbstbewusst gegen den Trend der westli­ chen Welt agierend, ist in Wien das Rauchen in den meisten Restaurants und Kaffeehäu­ sern erlaubt. Zu den universell anerkannten Ritualen, die Genussmenschen weltweit schätzen, gehört eine Zigarette mit einer Tasse Kaffee oder nach einem exzellenten Mahl. In Wien kann man köstliche Kaffees mit melodiösen Namen wie »Fiaker«, »Über­ stürzter Neumann« oder »Maria Theresia« trinken – umwoben von aromatischen Düften von Zigaretten, Zigarren oder Pfeifenrauch – oder diejenigen beobachten, die sich dieses Vergnügen in einem besonders dafür vorge­ sehenen Bereich der Restauration gestatten. 2

Das Wien des Fin de siècle ist nie allzu weit entfernt. Der Besuch eines Wiener Kaffee­ hauses ist ein Kunsthappening an sich. Stellen wir das tiefe Verständnis für die menschliche Natur, wie es in dieser Vor­ gangsweise deutlich wird, radikal andersarti­ gen Aspekten österreichischen Gedankenguts gegenüber. Als einige europäische Länder nach Lösungen für ihr Energieproblem such­ ten und sich sehr für Atomenergie engagier­ ten, ging das österreichische Volk auf die Barrikaden, um die Inbetriebnahme eines Atomkraftwerks zu verhindern. Jahrzehnte später erwies sich diese Haltung als richtig. Seit dem Unglück im Atommeiler Fukushima im Frühling 2011 haben sich drei direkte Nachbarländer Österreichs entschieden, ihre nuklearen Energieprogramme zu beenden. Österreich ist das Land in Europa mit dem größten Anteil an ökologischer Landwirt­ schaft und ist führend bei der Förderung der Konsumation regionaler Produkte und Er­ zeugnisse. Für Österreicher ist die Liebe zur freien Natur charakteristisch. Sie sorgen sich mit Engagement und Begeisterung um ihre Berge, Seen und Flusslandschaften. Dasselbe gilt auch für die österreichische Kunstszene: Auch um diese kümmert man sich mit Engagement und Begeisterung, gleichzeitig steckt sie jedoch voller schein­

barer Widersprüche. Mehrere Jahre lang hat die Weltwirtschaftssituation schwere Kürzun­ gen bei wesentlichen Projekten wie Muse­ umsbauten in vielen größeren Städten mit sich gebracht. Wien ist hingegen Spitzenrei­ ter wider diese Tendenz. Das Museumsquar­ tier (MQ), eines der zehn größten Kunst- und Kulturareale der Welt, feiert dieses Jahr seinen zehnten Geburtstag. Obwohl es ein re­ lativ neues Projekt ist, vermittelt das MQ den Eindruck eines gemütlichen alten Freundes in der Stadt. Es wäre schwer, sich Wien ohne diese eklektische Kombination aus kaiserli­ chen Reitställen aus dem 18. Jahrhundert und zeitgenössischer Architektur vorzustel­ len, mit seinen preisgekrönten öffentlichen Sitzarrangements, welche die Besucher dazu einladen, in diesem architektonischen Raum zu verweilen und ihn zu genießen. Das MQ wächst ständig und verändert sich: So wird das Museum moderner Kunst, mumok, derzeit renoviert und im Herbst 2011 neu eröffnet. Privatpersonen und Familien, die auf eigene Initiative oder mit Regierungsbehörden arbei­ ten, haben eine herausragende Rolle im Sti­ mulieren der Szene mit dynamischen Kunstund Architekturprojekten übernommen. Neue Gebäude wachsen in die Höhe, während die Restaurierung und Adaption Wiener Bauwer­ ke, die als historische Denkmäler verzeichnet


sind, eine Herausforderung darstellt. Die Bewältigung dieser Aufgabe ruft auf der ganzen Welt Bewunderung hervor. Ein großer Backsteinkomplex, eine ehemalige Brotfabrik (1891–93 in einem Arbeiterbezirk im Süden des Stadtzentrums entstanden), beherbergt nun eine BROTKunsthalle, die zeitgenössi­ sche Kunstausstellungen zeigt. Der Galerie­ besitzer Ernst Hilger initiierte dieses Projekt. Hinter dem Burgtheater wird das Stadtpalais der Familie Liechtenstein aufwändig reno­ viert und restauriert. Dieses Museum präsen­ tiert nach seiner Eröffnung 2012 neoklassi­ zistische Kunst und Werke der BiedermeierÄra aus den Liechtenstein-Sammlungen. Auf einer ausgedehnten Fläche hinter einer der Wiener Hauptdurchzugsstraßen, dem Gürtel, wird ein Stadtviertel mit dem neuen Hauptbahnhof als zentralem Punkt errichtet. Wohngebäude, Schulen, Büros und Ein­ kaufsmöglichkeiten, Parks und Stationen des ausgebauten U-Bahnsystems nehmen rapide Form an. Während der Konstruktion der Ringstraße zwischen 1857–65, einer welt­ weit einzigartigen Assemblage historistischer Architektur (dazu gehören die Oper, das Parlament, das Rathaus, das Burgtheater, die Universität und viele luxuriöse Paläste und Wohnhausanlagen), war Wien die größte Bau­ stelle Europas. Dies trifft auch jetzt zu. Das Projekt des Wiener Hauptbahnhofs ist im

Augenblick Europas umfassendstes Bauge­ biet. Direkt auf der anderen Straßenseite, eingebettet in den Parkkomplex des Schwei­ zer Gartens, wurde das verjüngte Museum des 20. Jahrhunderts (20er Haus) als 21er Haus während der VIENNA ART WEEK im November 2011 eröffnet. Dieses von Karl Schwanzer entworfene Gebäude war ur­ sprünglich der österreichische Pavillon der Weltausstellung in Brüssel 1958. Ab 1962 diente es als erstes Museum der Stadt für moderne Kunst. Nach seinem Umbau wird es ein Ausstellungsort österreichischer Kunst nach 1945 mit Fokus auf internationalen Entwicklungen sein. Das 21er Haus gehört zum Ensemble des Belvedere Museums, des­ sen Sammlungen die Basis für Forschungsund Ausstellungsaktivitäten bilden. Leises Gemunkel und verschiedene Anzei­ chen deuten darauf hin, dass die Temporäre Kunsthalle Berlin, die von 2008–2010 den Schlossplatz in Berlin bereicherte, dem­ nächst in abgewandelter Form unter der Ägi­ de der Thyssen-Bornemisza Art Contemporary neu montiert wird. Der Fertigbau, in Wien auf der Straße als die »Habsburg-Halle« bekannt, wird wahrscheinlich neben das 21er Haus in den Schweizer Garten platziert. Der Schwer­ punkt des Ausstellungsprogramms steht noch nicht fest; sicher ist nur, dass die Exponate traditionellen Kategorisierungen trotzen und

eine bedeutsame Bereicherung der Wiener Kunstszene darstellen werden. Diese Stadt an der Donau, seit römischen Zeiten ein Knotenpunkt von Kultur und Kom­ munikation, war ein bedeutendes Sprung­ brett für die Einführung zeitgenössischer ost­ europäischer Kunst in den Westen. Der erste Impuls in jüngerer Zeit setzte nach dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989–90 ein. Inzwi­ schen hat sich die Kunst Osteuropas ziem­ lich etabliert. Wien wird jetzt durch frische und beschwingende Impulse von Künstlern aus Georgien, Armenien und Aserbaidschan bereichert – Länder an der geografischen und kulturellen Schnittstelle zwischen Europa und Asien, die in Galerien wie anika handelt oder basement im Stadtteil Ottakring gezeigt werden. Innovation und Tradition; Dekadenz, Brillanz und Rechthaberei; privilegierte Familien und (wenn dieser romantische Ausdruck erlaubt ist) Underground-Initiativen gehören zu den Zutaten des Zaubertranks, der Wien zu einem unvergleichlichen Schauplatz und einem unwiderstehlichen Rauscherlebnis in der heutigen Kunstwelt werden lässt. Die in New York geborene Renée Gadsden ist Kunst- und Kulturhistorikerin sowie Autorin und lebt in Wien. Sie ist mit dem österreichischen Komponisten Rupert Huber verheiratet.

3


Eva Blimlinger, Akademie der bildenden Künste Wien Die Orte der Inspiration befinden sich dort, wo Projekte entstehen und künstlerisch-wissenschaftliche Konzepte diskutiert werden, wo Studierende und Lehrende gemeinsam arbeiten und produzieren, wo Künstlerinnen, Wissen­ schaftlerinnen, NGOs, Galeristinnen, Sammler­ innen, Journalistinnen, Kuratorinnen, Architekt­ innen, ja und vielleicht sogar Politikerinnen ihre Vorstellungen präsentieren und umsetzen, wo Zuwan­ derinnen willkommen sind, wo Wien international und weltoffen ist – das ist die Akademie der bildenden Künste Wien.

Alexander Horwath, Österreichisches Filmmuseum In Wien ist derzeit gerade an den Schnittstellen von Kunst und Film eine sehr schöne Entwicklung bemerkbar – genau in diesem Bereich ist auch das Filmmuseum aktiv. Einige Ausstellungshäuser haben ihren Umgang mit dem bewegten Bild sehr professionalisiert. Und wir finden immer öfter Museumspartner, die sowohl inhaltlich als auch in Bezug auf die Präsentationsweise unsere Grundsätze teilen. Zwei wunderbare Beispiele für fesselnde Ausstellungen an dieser »Schnittstelle der Künste« waren in diesem Jahr die mumokShows »Tacita Dean. The Line of Fate« und »Florian Pumhösl. 678«.

4

Klaus Albrecht Schröder, Albertina Im Grunde mache ich Ausstellungen nur, um meine fehlenden Möglichkeiten zum Sammeln zu kompensieren, welches die kreativste Aktivität überhaupt ist – vor allem dann, wenn es um Kunst geht. Der Sammler eignet sich Kunst nicht physisch, sondern geistig auf eine Weise an, wie es keine noch so intensive kunsthistorische Betrachtung vermag. Seiner Tätigkeit am nächsten kommt die temporär befristete An­ eignung von Kunst durch Ausstellungen. Daher ist mein Beruf – nach dem des Sammlers – der zweitschönste der Welt.

Sabine Folie, Generali Foundation Sammeln kann aus ganz prosaischen Gründen geschehen und wenig mit Leidenschaft zu tun haben, oder auch philanthropisch im Sinne eines bildungspolitischen Auftrags sein. Ich liebe viele Kunstwerke, aber ich muss sie deshalb nicht besitzen; vielleicht könnte man paradigmatisch für meine »Leidenschaft« eine literarisch angelegte Kunst wie die von Ian Wallace – »An Attack on Literature I & II« von 1975 – nennen. Literatur kommt in diesen Bildern in Bewegung: Der deus ex machina aus der Schreibmaschine attackiert förmlich die Protagonisten. Gute Literatur ist elektrisierend und das Bildwerden des Literarischen ist aufregend.

Dietmar Steiner, Architekturzentrum Wien Architektur bringt keine Sammlerobjekte in herkömmlichem Sinn hervor, wenn auch das Archiv des Az W einen hochkarätigen Sammlungsort darstellt. Betrachtet man Wien jedoch als Schauplatz herausragender Bauten, würde die Stadt selbst als Sammlerin auftreten, die mit jedem weiteren Architekturobjekt an Wert gewinnt. So viel zu den Beweggründen – wünschenswerterweise vonseiten entsprechender Auftraggeber –, leidenschaftlich und vor allem qualitativ hochwertig am Standort Wien Architektur zu sammeln.

Danielle Spera, Jüdisches Museum Wien Wien ist gerade durch sein umfassendes Kulturangebot so attraktiv. Am liebsten halte ich mich auf dem Judenplatz auf, wo die jüdische Geschichte in Wien ihren Ursprung hatte. Im Mittelalter war dieser Platz das Zentrum der jüdischen Gemeinde, bis zu ihrem tragischen Ende 1421. Noch heute können unter Rachel Whitereads Shoah-Mahnmal die Fundamente der mittelalterlichen Synagoge besucht werden. Für mich ist das ein sehr spiritueller Ort. Am Judenplatz ist auch die Synagoge einer kleinen orthodoxen Gemeinschaft beherbergt. An der Schnittstelle Kunst lässt sich hier die jüdische Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft eindrucksvoll erfassen.

Agnes Husslein-Arco, Belvedere Bei einem Museum ist das Sammeln in erster Linie durch hohe Verantwortung geprägt. Leidenschaft, Intuition sowie das Interesse, Neues zu entdecken, sind dabei wichtige persönliche Motive. Um aber den Sammlungsauftrag einer Institution zu erfüllen, sind Erfahrung, Sorgfalt sowie ein großes Wissen um den Bestand die zentralen Entscheidungsträger. Die Sammlung ist die Basis, die es so stringent wie möglich zu erweitern, aber mitunter auch fruchtbar zu kontrapunktieren gilt.

Gerald Matt, KUNSTHALLE wien Eine Kunstinstitution sollte heute, wenn sie ein vitaler impulsgebender Ort in einer Gesellschaft sein will, als soziales Wesen wahrgenommen werden – im Sinne des Philosophen Gianni Vattimo. Mit thematischen Ausstellungen von »Superstars« bis »Street as Studio« hat sich die Kunsthalle Wien als Spiegel von Lebenswelten und Jugendkulturen etabliert. Kunst wird dabei nicht als Ausstattung eines Elfenbeinturms verstanden, sondern als Kommunika­ tionsprojekt künstlerischer Ideen und Haltungen. Auch die Themen 2011 »Das Surreale in unserer Welt« und »Kunst und Mode« machen klar, dass Kunst und Leben keine Gegensätze sind.

Gerhard Hirczi, departure Dem sensiblen Umgang mit der Schnittstelle zwischen Kunst, Kultur und Wirtschaft wird in Zukunft eine zentrale Bedeutung zukommen. Damit ist nicht das Kommerzialisieren von Kunst gemeint, sondern die verstärkte Einbindung von Kreativität und Innovation in das politische, soziale und wirtschaftliche Geschehen. Es wird immer wichtiger, der Kreativität ihren Stellenwert als wesentlichen Motor der Gesellschaft einzuräumen – nur so kann sich ihre ganze Kraft entfalten. Gerade in Wien – einer Stadt, die weltweit als Kunst- und Kulturmetropole bekannt ist – sollte dies selbstverständlich sein.

Franz Patay, KUNST HAUS WIEN Bei der Definition der Rolle von Kunstinstitutionen ist es hilfreich, einen Blick auf die Einheit von Leben und Kunst in vielen Künstlerbiografien zu werfen. So zeigt bereits das Frühwerk Friedensreich Hundertwassers alle Aspekte, die später in seinem bahnbrechenden ökologischen Engagement und der Vision eines menschengerechten Bauens im Einklang mit der Natur wirksam wurden. Dementsprechend können sich Kunstinstitutionen als Vermittler von Leben und Kunst begreifen, welche Ideenwelten aus der Kunst heraus verständlich machen, zugleich aber auch Kunst im Lebenszusammenhang darstellen.

Karlheinz Essl, Essl Museum – Kunst der Gegenwart Es ist ein Privileg, sich mit Kunst zu beschäftigen, sie zusammenzutragen und zu zeigen. Meine Frau und ich tun dies seit mehr als 50 Jahren. Auch wir haben einmal klein angefangen. Entscheidend ist, dass wir mit derselben Leidenschaft wie am Anfang sammeln. Hinter jedem unserer bisher 7 000 Kunstwerke stehen eine Geschichte und Künstler mit einer Aussage, und genau dies macht ein Werk so interessant. Unsere Aufgabe besteht darin, die Menschen zu motivieren, sich mit Kunst zu befassen. Wir sind Sammler und Vermittler, das Museum ist ein sich ständig wandelnder Ort der Kommunikation.

Sabine Haag, Kunsthistorisches Museum »Reflecting Reality« als Motto der diesjährigen Vienna Art Week verweist auf einen wesentlichen Aspekt von Kunst: das Nachdenken des Künstlers über die bestehende Welt. Dieser Aufgabe fühlte er sich in den verschiedenen Jahrhunderten verpflichtet. Dabei erschafft er Utopien, liefert Denkanstöße und neue Sichtweisen. Mit der Wiedereröffnung der Kunstkammer 2012 leistet das KHM hierzu einen wichtigen Beitrag. Als eine Art Mikrokosmos der Gesellschaft reflektieren diese enzyklopädischen Sammlungen die aktuellen Entwicklungen der jeweiligen Zeit.


Peter Bogner, Künstlerhaus Die zentrale geopolitische Lage und die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Konstellationen eines erweiterten Europas geben den Kunstinstitutionen Wiens die Möglichkeit, den Blick auf die kreativen und künstlerischen Ressourcen und Diskurse zu lenken, welche in dieser Vielzahl und Vielfalt kaum anderswo anzutreffen sind.

András Pálffy, Secession Ausstellungen sind heute ein wesentlicher Bestandteil einer jeden künstlerischen Strategie. Die programmatischen Grundsätze der secession – die Verpflichtung zur Freiheit und zum Experiment – sind die Basis für die vielfältigen Ausstellungsprojekte in diesem Haus. Sie führen zu wegbereitenden künstlerischen Lösungen, die durch ihre konzeptuelle Stärke, kritische Haltung und innovative visuelle Argumentation überzeugen und dadurch gleichermaßen herausfordern wie vollkommen begeistern.

Bettina Leidl, KÖR Kaum eine andere Form der Kunst ist so leicht so vielen Menschen zugänglich wie die Kunst im öffentlichen Raum. Sie beeinflusst das Stadtbild, stärkt die Identität einzelner Stadteile und ermöglicht allen Wienern und Besuchern einen niedrigschwelligen Zugang zu zeitgenössischer Kunst. Ich bin davon überzeugt, dass sie wesentlichen Einfluss auf das Bild einer Stadt nimmt und aufzeigen kann, wie diese mit ihrer Geschichte, ihren Problemen umgeht, denn Kunst im öffentlichen Raum macht Dinge sichtbar, die so in der Gesellschaft nicht sichtbar sind.

Gabriele Senn, Verband Österreichischer Galerien Moderner Kunst Meine Leidenschaft als Galeristin und Sammlerin gehört der Gegenwartskunst. Meine Galerie ist mein Zuhause. Mit Künstlern zu arbeiten und ganz vorne dran zu sein, ist mir wichtig. Die Projekte und Ausstellungen der Künstler, die hier gemeinsam mit Galerien, Sammlungen, Museen und Institutionen entstehen, beeinflussen eine Gesellschaft nachhaltig. Dies ist derzeit sehr intensiv in Wien zu spüren.

Peter Weinhäupl, Leopold Museum Kunst ist mehr denn je Teil des Lebens geworden. Gab es in Österreich vor 20 Jahren nur rund 1000 registrierte Künstler, so sind es heute zehn Mal so viele. Genauso rasant entwickelt sich der Kunstmarkt. Die Anzahl an Messen, Galerien und allgemein Kunstinteressierten nimmt ständig zu und immer mehr Menschen gehen ins Museum. Kunst hilft uns, unsere Lebensweisen kritisch zu hinterfragen und verschönert uns zusätzlich das Leben.

Inge Scholz-Strasser, Sigmund Freud Museum Die Ausstellung »Iwan Konstantinowitsch Aiwasowski – Maler des Meeres« im Bank Austria Kunstforum hat mich in letzter Zeit am tiefsten beeindruckt. Die Werke dieses Künstlers waren außerhalb der ehemaligen Sowjetunion kaum bekannt und bisher in Westeuropa nicht zugänglich. Dabei hat mich vor allem die Zusammenstellung der Arbeiten, deren Tiefe und Abgründigkeit sowie die Gelegenheit fasziniert, das Oeuvre in seiner Entstehungsepoche begreifen zu können.

Johann Kräftner, LIECHTENSTEIN, The Princely Collections Eine Ausstellung zu Lucas van Leyden präsentierte neben Gemälden und hochkarätigen Zeichnungen auch kleine Graphiken. Diese Juwelen, die sicher gravierten Linien, die saftigen Drucke, ihr vom Alter kaum gezeichnetes Papier und ihre unterschiedlichen Zustände faszinierten mich. Von Experten manchmal »nur« als Druckgraphik abgetan, sind sie für den Kenner Einzelstücke, die sich schnell erschließen und oft mehr über einen Künstler aussagen als größere Werke. Zum Glück befindet sich in den Sammlungen des Fürsten von Liechtenstein ein Nukleus dieser kleinen Meisterwerke.

Gerald Bast, Universität für angewandte Kunst Wien Ich bin ein privilegierter Mensch: Der Ort in Wien, an dem ich mich am liebsten – und bei Weitem am häufigsten – aufhalte, ist die Universität für angewandte Kunst. Sie ist tatsächlich eine Schnittstelle von Leben und Kunst: ein Raum, in dem Kunst und künstlerische Prozesse real sind. Hier sind sie unmittelbar erlebbar mit Menschen verbunden, die um ästhetische Positionen mit allem ringen, was das Leben und die Kunst ausmacht: Sehnsüchte und Ängste, Hoffnungen und Zweifel, Begeisterung und Erschöpfung.

Christoph Thun-Hohenstein, MAK Die Globalisierung hat vor der zeitgenössischen Kunst nicht haltgemacht. Umso wichtiger ist es, unverwechselbar zu sein. Hin- und hergerissen zwischen Altem und Neuem, macht der Genius Loci Wiens neugierig auf Kunst – und die ganze Stadt wird zu einem inspirierenden Ort. Als Museum für angewandte Kunst, Design, Architektur und Gegenwartskunst ist das MAK den vielfältigen Schnittstellen zwischen Kunst und realem Leben besonders verpflichtet und will in diesen Sparten und durch deren Verknüpfung maßgeblich zu einem positiven Wandel unserer Gesellschaft beitragen.

Wolfgang Kos, Wien Museum Wien bietet ein beacht­ liches Spektrum an wichtigen Ausstellungen. Persönliche Highlights aus jüngster Zeit: William Kentridge in der Albertina oder »Tropicália – Die 60er in Brasilien« in der Kunsthalle. Und immer wieder zeitgenössische Kunst mit Museums­ qualität in den kosmopolitischen Galerien. Besondere Freude machte mir natürlich, dass das große Zeitpanorama des WIEN MUSEUMs im Künstlerhaus – »Kampf um die Stadt. Politik, Kunst und Alltag um 1930« – zur erfolgreichsten Themenausstellung der letzten Jahre wurde.

Karola Kraus, mumok Wien vereint ein breites kulturelles Angebot mit hoher Lebensqualität. Selbst mit großen Metro­ polen wie New York, Paris oder London kann Wien konkurrieren. Meine Lieblingsorte sind »Genusstankstellen«: Kulinarisch fühle ich mich am Naschmarkt wohl, Galerienspaziergänge verbinden meinen Beruf mit meinem Hobby, inspirieren lasse ich mich bei Ausstellungsbesuchen. Kunst und Kultur bereichern für mich nicht nur das Leben, sondern sind essenziell – und genau das möchte ich im mumok, den Besuchern mitgeben: Begeisterung für Kunst.

Daniela Enzi, MuseumsQuartier Wien Zu den Realitäten von Gegenwartskunst zählt neben Internationalisierung das Wechseln zwischen den Disziplinen. Die William KentridgeRetrospektive in der Albertina zeigte Kunst mit Weltgehalt und beeindruckte mich durch das einzigartige Verschmelzen von Zeichnung, Film und Sound. Auch das Museums­Quartier Wien agiert im Sinne eines erweiterten Kunst- und Kulturbegriffs der Gegenwart und definiert sich durch Aktion und Veränderung ständig neu.

5


Art Cluster

 Akademie der bildenden   Künste Wien 

Adademie der bildenden Künste Wien Schillerplatz 3 1010 Wien T +43 1 588 16-0 F +43 1 588 16-1099 www.akbid.ac.at

 Thementag

 Podiumsdiskussion

 Künstlerische Forschung:  Wissensformen in der Kunstpraxis

 »Lieber Forscher forsche mir ...«

Mittwoch, 16. November 2011 Ab 17.00 Uhr Akademie der bildenden Künste Wien Schillerplatz 3, 1010 Wien Begrüßung: Andrea Braidt, Vizerektorin für Kunst und Forschung Im Rahmen der Veranstaltung gibt die Aka­ demie der bildenden Künste Wien Einblick in aktuelle Forschungsprojekte (Troubling Research: Performing Knowledge in the Arts, Model House – Mapping Transcultural Mo­ dernisms, MemScreen – An Art-Based Archi­ ve of Translation and Narration, Übertragun­ gen: Psychoanalyse – Kunst – Gesellschaft) und das Programm des kürzlich eingeführten PhD-in-Practice. In einer Podiumsdiskus­ sion werden Probleme und Möglichkeiten künstlerischer Forschung in Beziehung zu den jüngsten Erfahrungen der Beteiligten in aktuellen Projekten gesetzt.

6

17.00 Uhr

Fahim Amir, Künstler und Theoretiker, lehrt an der AdbK Wien Friedemann Derschmidt, Künstler, lehrt an der AbdK Wien Diedrich Diederichsen, Kulturwissenschaftler und Autor, lehrt an der AdbK Wien Mona Hahn, Künstlerin, lehrt an der AdbK Wien Moira Hille, Künstlerin, lehrt an der AdbK Wien Renate Lorenz, Koordinatorin des PhDin-Practice Programms der AdbK Wien Marion von Osten, Kuratorin und Autorin, lehrt an der AdbK Wien Johanna Schaffer, Forscherin und Mitent­ wicklerin des PhD-in-Practice Programms der AdbK Wien Moderator: Axel Stockburger, Künstler und Theoretiker, lehrt an der AdbK Wien

 Präsentation

 »Touching across time II«

19.00 Uhr

Präsentation der PhD-in-Practice Studieren­ den zum Thema »chronopolitics«. Einführung: Renate Lorenz, Leiterin des Programms.

 Film-Screening  Elisabeth Subrin: »Shulie«

20.00 Uhr

Film-Screening des mehrfach ausgezeichne­ ten dokumentarischen Porträts mit anschlie­ ßendem Gespräch mit der Künstlerin und Filmemacherin Elisabeth Subrin, Renate Lorenz und Studierenden.


Art Cluster

 Albertina 

Albertina Albertinaplatz 1 1010 Wien T +43 1 534 83-0 F +43 1 534 83-430 www.albertina.at Öffnungszeiten: täglich 10.00–18.00 Uhr, Mi. 10.00–21.00 Uhr

 Führung

 Lecture

 Kuratorin Dr. Gisela Fischer führt  durch die Ausstellung René Magritte:  »Das Lustprinzip«*

 Vortrag von Dr. Michel Draguet:  »Magritte or Surrealism between  Paris  and Brussels«*

Mittwoch, 16. November 2011 11.00 Uhr

Ab dem 9. November 2011 präsentiert die Albertina René Magritte – einen der bekann­ testen und beliebtesten Künstler des zwan­ zigsten Jahrhunderts. Mehr als 100 Werke aus aller Welt und aus allen Stadien seines künstlerischen Werdegangs werden in der Ausstellung gezeigt. Die in Kooperation mit der Tate Liverpool konzipierte Schau beschäftigt sich mit bis­ lang wenig erforschten Aspekten in Magrittes Leben und künstlerischer Praxis. Im Zentrum stehen seine künstlerischen Methoden: der Gebrauch immer wiederkehrender Gegen­ stände, das allgegenwärtige Thema der Ver- und Enthüllung sowie die Auseinan­ dersetzung mit dem alltäglich Banalen und Erotischen. Ein wesentlicher Aspekt ist die Beziehung seiner Malerei zu seiner frühen Tätigkeit als Werbegrafiker, was anhand von Hauptwerken und frühen Werbearbeiten des Künstlers sowohl im Inhalt als auch im for­ malen Einfluss nachvollziehbar wird. Einen zusätzlichen Schwerpunkt setzt die Ausstel­ lung durch einen konzentrierten Blick auf Magrittes Lebens- und Arbeitsweise, die mit umfassendem Foto- und Filmmaterial sowie mit Originalschriften dokumentiert werden. Ausstellungsdauer: 9. November 2011–26. Februar 2012.

Mittwoch, 16. November 2011 15.00 Uhr In englischer Sprache Im Rahmen der Ausstellung »Das Lust­ prinzip« hält Dr. Michel Draguet, Direktor der Musées Royaux des Beaux-Arts de Belgique, einen Vortrag zu René Magritte. * Anmeldung über www.viennaartweek.at erforderlich.

7


Art Cluster

 Architekturzentrum Wien 

Architekturzentrum Wien Museumsplatz 1, MQ 1070 Wien T +43 1 522 31 15 F +43 1 522 31 17 www.azw.at Öffnungszeiten: täglich 10.00–19.00 Uhr

 Führung und Studio Visits  Atelierbesuche und Führung durch    die Ausstellung »Glenn Murcutt.  Architecture for place«*

Freitag, 18. November 2011 14.00 Uhr Treffpunkt Az W-Shop im MQ, 1070 Wien, Museumsplatz 1 14.15 Uhr Abfahrt Shuttle 14.30–15.30 Uhr Atelierbesuch 1: propeller z, Mariahilferstraße 101 15.45–16.45 Uhr Atelierbesuch 2: HOLODECK architects, Friedrichstraße 6, 1010 Wien 17.15–18.15 Uhr Ausstellungsführung »Glenn Murcutt. Architecture for place« im Az W Moderatorin: Brigitte Eisl, Az W

Glenn Murcutt, Pritzker Preisträger (2002) und Australiens herausragendster Archi­ tekt, setzt seine Kreativität ausschließlich in kleineren Projekten um, die ihm ermög­ lichen, einerseits alleine zu arbeiten und andererseits ökonomische – sich in die jeweilige Umgebung einfügende – Rahmen­ bedingungen zu wahren. Seine Gebäude sind nur in Australien zu finden. Die Ausstellung präsentiert eine Auswahl seiner realisier­ ten Projekte – vorrangig Privathäuser – und nähert sich seiner speziellen Arbeitsweise anhand von Zeichnungen. Murcutt beschreibt seine Methode als »Denken in Zeichnun­ gen«. Zeichnen stellt für ihn ein essenzielles Instrumentarium der Entdeckung dar: Die Hand, die die Zeichnung fertigt, kommt zu Lösungen, noch ehe der Verstand diese ver­ arbeitet. Anthony Browells Fotografien legen Zeugnis von der Harmonie zwischen Gebäude und Natur ab. Lange bevor der internationa­ le Trend zur Nachhaltigkeit einsetzte, nahm Murcutt diesen mit seinen architektonischen Grundsätzen längst vorweg. Ausstellungsdauer: 10. November 2011–13. Februar 2012 Weitere Informationen sind unter www.azw.at verfügbar. Konzept der Veranstaltung: Marion Kuzmany. Max. 25 Teilnehmer laut Anmeldeliste. * Anmeldung über www.viennaartweek.at erforderlich.

8

 LECTURE  Werkvortrag Peter Stutchbury (angefragt)  im Rahmen der Ausstellung  »Glenn Murcutt. Architecture for place«

Freitag, 18. November 2011 19.00 Uhr Im Az W

Keine limitierte Teilnehmerzahl. Informationen sind unter www.azw.at verfügbar.


Art Cluster

 Belvedere 

Belvedere Oberes Belvedere Prinz-Eugen-Straße 27 Unteres Belvedere, Orangerie, Prunkstall Rennweg 6 1030 Wien T +43 1 795 57-134 F +43 1 795 57-136 www.belvedere.at Öffnungszeiten: täglich 10.00–18.00 Uhr, Mi. 10.00–21.00 Uhr (Unteres Belvedere) Augarten Contemporary Scherzergasse 1a 1020 Wien Öffnungszeiten: Do.–So. 11.00–19.00 Uhr

 Führung

 Führung

 Führung

 Kurator Alfred Weidinger führt durch    die Ausstellung »GUSTAV KLIMT/JOSEF  HOFFMANN – Pioniere der Moderne«*

 Kurator Harald Krejci führt durch  die Ausstellung »Curt Stenvert«*

 Frühstück mit den Künstlern des  BC21 Art Awards und Ausstellungsführung  mit Kuratorin Cosima Rainer*

Donnerstag, 17. November 2011 12.00 Uhr Unteres Belvedere

Das Belvedere besitzt die weltweit größte Sammlung von Gemälden Gustav Klimts und präsentiert den berühmten Künstler gemein­ sam mit dem kongenialen Architekten und Gestalter Josef Hoffmann. Mit ihrer Zusam­ menarbeit u. a. an der Beethoven-Ausstel­ lung und dem Palais Stoclet setzten diese beiden Pioniere der Moderne im Bereich des Gesamtkunstwerks neue Maßstäbe in Europa. Ausstellungsdauer: 25. Oktober 2011–4. März 2012.

Donnerstag, 17. November 2011 13.30 Uhr Unteres Belvedere Der österreichische Avantgardist Curt Stenvert interpretierte Kunst zeitgemäß als soziales Medium und gab mit seinen Arbeiten den Studenten- und Bürgerprotesten oder dem Antikriegsaktivismus eine eigene Sprache. Das Belvedere zeigt eine umfangreiche Werkschau Stenverts, die insbesondere die künstlerischen Bezüge zu Neosurrealismus, Neodada, Fluxus und Nouveau Réalisme veranschaulicht. Ausstellungsdauer: 5. Oktober 2011–15. Januar 2012.

Dienstag, 15. November 2011 10.00 Uhr Augarten Contemporary

Heuer wird zum dritten Mal der BC21 BostonConsulting & BelvedereContemporary Art Award verliehen. Die von der Boston Consulting Group gemeinsam mit dem Bel­ vedere etablierte Auszeichnung soll jungen Künstlern aus Österreich zu internationaler Aufmerksamkeit und Vernetzung verhelfen. (Preisträger 2007: Constantin Luser, Preis­ träger 2009: Nadim Vardag). *Anmeldung über www.viennaartweek.at erforderlich.

 Führung  Die Kuratoren Sabine Grabner, Alexander  Klee und Harald Krejci sowie der Barock-  Experte Georg Lechner führen durch die  Neuaufstellung der Schausammlung im  Oberen Belvedere*

Freitag, 18. November 2011 12.00 Uhr Oberes Belvedere

Das Belvedere präsentiert seit dem Sommer 2011 die gesamte Schausammlung im Obe­ ren Belvedere neu. In Zusammenarbeit mit den Kuratoren wurde ein völlig neuer Parcours durch alle Epochen konzipiert, in welchen über 140 Werke aus den Depots integriert sind. Auch das Herzstück der Sammlung, Gustav Klimts »Kuss«, ist neu zu entdecken. 9


Art Cluster

 departure – Die Kreativagentur   der Stadt Wien 

departure – Die Kreativagentur der Stadt Wien Hörlgasse 12 1090 Wien T +43 1 40 00-871 00 F +43 1 40 00-871 09 www.departure.at

 Podiumsdiskussion

 Führung

 Galerienszene Wien – der »Wiener Weg«  im internationalen Vergleich

 departure design tour*

Freitag, 18. November 2011 18.30 Uhr DOROTHEUM, Dorotheergasse 17, 1010 Wien

Ursula Krinzinger, Galerie Ursula Krinzinger, Wien Gerd Harry Lybke, Galerie Eigen-Art, Berlin und Leipzig Irena Popiashvili, Newman Popiashvili Gallery, New York Karol Winiarczyk, Galerie Winiarzyk, Wien Moderator: Max Henry, Kurator und Kunstkritiker, Wien und New York Seit Mitte der 60er Jahre konnte sich in Wien eine interessante – und im internationalen Kunstgeschehen unverzichtbare – Galerien­ szene entwickeln. Es bleibt ein Verdienst der Galerienavantgarde, der sogenannten »Infor­ mationsgalerien« der 60er und 70er Jahre, dass sich Wien als Standort aktueller Kunst auch international positionieren konnte. Heute sehen die Wiener Beteiligten am internationalen Marktgeschehen ein kla­ res Kompetenzprofil und eine inhaltliche Fokussierung als Voraussetzung für einen attraktiven Standort. Welche Konzepte dominieren in Wien und wie sieht es mit der Diskurskompetenz des lokalen Kunstfeldes und der Vermittlungsarbeit im internationa­ len Vergleich aus?

10

Mittwoch, 16. November 2011 11.00-14.00 Uhr

Vier junge Wiener Designbüros öffnen während der VIENNA ART WEEK ihre Pforten für ein interessiertes Publikum. Die Designer werden ihre Studios präsentieren, durch ihre Produkt­ palette führen und spannende Einsichten in ihre Produktionsweise und Unternehmens­ philosophie geben: eine gute Gelegenheit, nicht nur Einblicke in eine junge, aufregende Designszene zu erhalten, sondern auf diesem Weg auch Wien neu zu entdecken. Durch die Ateliers führt Elisabeth Noever-Ginthör.

Dejana Kabiljo

Kabiljo Inc. entwirft und stellt Objekte für uns, die wir uns durch Eigenheiten und schlechte Gewohnheiten, kleine Fetische und Obsessionen auszeichnen, her. Die Produkte von Kabiljo Inc. suchen nach der Innovati­ on auf der Ebene menschlichen Verhaltens. Folglich sind die Materialien sorgfältig re­ cherchiert und unterlaufen eine Reihe experi­ menteller Prozesse, bis sie passen. Einfache Dinge, für komplexe Zeiten geschaffen, fein, frei von Ironie und festlich. www.kabiljo.com

AND_i

Andreas Eberharter wurde 1971 in Schwaz/ Tirol geboren. Nach seiner Ausbildung zum Goldschmied und Bildhauer war er Assistent bei Anna Heindl, Manfred Wakolbinger und Eva Schlegel. Seit 1992 ist er als freischaf­ fender Künstler in Wien tätig. 2001 grün­ dete er das Label AND_i, mit dem er seither weltweit Erfolge feiert. Eigene Entwürfe für die Thierry Mugler Men Show/Paris. Ausstat­ tung von Celebrities wie Milla Jovovich, Lady Gaga, Kiera Chaplin, Beyoncé und Lindsay Lohan. 2010 wurde Eberharter bei den Vienna Fashion Awards als bester Acces­so­ires Designer ausgezeichnet. www.and-i.net

EOOS

EOOS arbeitet seit 1995 in den Bereichen Produkt-, Möbel- und Shopdesign für Un­ ternehmen wie Alessi, Armani, Bulthaup, Dedon, Matteograssi, Walter Knoll und Zumtobel. Die drei Gründer Martin Berg­ mann, Gernot Bohmann und Harald Gründl betrachten Design als poetische Disziplin, die sich im Spannungsfeld zwischen Archaik und High-Tech bewegt. EOOS wurde mit mehr als 60 internationalen Designpreisen ausgezeichnet, darunter ein Compasso D’Oro für das Sitzsystem Kube oder der Goldene Designpreis der Bundesrepublik Deutschland für die Werkstattküche b2. www.eoos.com

dottings

dottings sucht den einfachsten und klarsten Zugang zu Dingen. Produkte mit intelligen­ ten, ehrlichen Lösungen für seine Auftragge­ ber schaffen – darum geht es Sofia Podreka und Katrin Radanitsch, den Designerinnen. Das Büro für Industrial Design wurde 2006 gegründet und arbeitet seither an Formen und Konzepten für Firmen wie Riess Kelo­ mat, Ligne Roset und die Wiener Blinden­ werkstätte. Über das reine Produktdesign hinaus werden die Kunden von dottings zu ihrem gesamten visuellen Erscheinungsbild beraten und vom Konzept bis zur Serienreife begleitet. www.dottings.com *Anmeldung über www.viennaartweek.at erforderlich. Treffpunkt wird nach Anmeldung bekannt gegeben.


Art Cluster

 DOROTHEUM  DOROTHEUM Dorotheergasse 17 1010 Wien T +43 1 515 60-550 F +43 1 515 60-467 Öffnungszeiten: Mo.–Fr. 10.00–18.00 Uhr, Sa. 9.00–17.00 Uhr

 Eröffnung

 Podiumsdiskussion

 Podiumsdiskussion

 Eröffnung der Vienna Art Week

 Ist Kunstsammler eine Karriere  mit Zukunft?

 Galerienszene Wien – der »Wiener Weg«  im internationalen Vergleich

Dienstag, 15. November 2011 Nur mit Einladung Einlass 20.30 Uhr Begrüßung 21.00 Uhr

Martin Böhm, Präsident Art Cluster Vienna und Robert Punkenhofer, künstlerischer Leiter Vienna Art Week

Freitag, 18. November 2011 17.00 Uhr

Freitag, 18. November 2011 18.30 Uhr

Gil Bronner, Sammler, Düsseldorf JoAnn Gonzalez-Hickey, Sammlerin, New York Boris Hirmas, Sammler, Mexiko-Stadt Richard Massey, Sammler, Miami und Frankfurt Ignasi Miró, Direktor, Fundació La Caixa, Barcelona Klaus Albrecht Schröder, Direktor, Albertina, Wien Moderator: Robert Punkenhofer, künstlerischer Leiter Vienna Art Week

Ursula Krinzinger, Galerie Ursula Krinzinger, Wien Gerd Harry Lybke, Galerie Eigen-Art, Berlin und Leipzig Irena Popiashvili, Newman Popiashvili Gallery, New York Karol Winiarczyk, Galerie Winiarzyk, Wien Moderator: Max Henry, Kurator und Kunstkritiker, Wien und New York

Die Kunst der Gegenwart wird durch das Engagement privater Sammler nicht nur gefördert, sondern in ihren Tendenzen fokussiert. Beim Sammeln von Kunst trifft ökonomisches Investment auf symbolisches Kapital; zudem wird das Sammeln heute zum Inbegriff eines psychologischen und intellektuellen Zugriffs auf die Wirklich­ keit. Das Sammlerverständnis von Kunst als ästhetische Ausformulierung komplexer gesellschaftlicher Prozesse reicht weit über aktuelle Kunstdiskurse oder Imagetransfers hinaus. Die durch Kunst hergestellte Inti­ mität, die Freundschaft mit Künstlern, die Entschleunigung angesichts der Flüchtigkeit unserer Gegenwart, die Ewigkeitsgarantie von Kunst eröffnen einen anderen Raum. Das Erschließen neuen Terrains, der Aufbruch, das Entdecken sowie das Hochgefühl, wenn Künstler der Sammlung international erfolgreich durchstarten, charakterisieren eine wachsende Lust am Sammeln. Inwiefern misst sich der Erfolg eines Künstlers daran, dass er in einer bekannten Sammlung vertre­ ten ist? Welche Anziehung übt eine fundier­ te, aufgeschlossene Sammlung aus?

 Führung

Für nähere Informationen siehe »departure«Programmseite.

 Vorbesichtigung der Auktionen  »Klassische Moderne«,  »Zeitgenössische Kunst« und »Design«*

14.–18. November 2011 10.00–18.00 Uhr 19.–20. November 2011 10.00–17.00 Uhr

Während der Vienna Art Week sind alle Auktionsobjekte moderner und zeitgenössi­ scher Kunst sowie des Designs zu besichti­ gen, die im Rahmen der 4. Auktionswoche (21.–25. November) im DOROTHEUM versteigert werden. Experten aller Sparten stehen für Informationen und Führungen zur Verfügung. *Anmeldung über www.viennaartweek.at erforderlich.

 PREISVERLEIHUNG  Art Critics Award

Freitag, 18. November 2011 20.00 Uhr Bereits zum vierten Mal verleiht »basis wien – Forschungs- und Dokumentationszentrum für moderne und zeitgenössische Kunst in und aus Österreich« in Zusammenarbeit mit dem Künstler Moussa Kone den »Art Critics Award«, eine Auszeichnung für Kunstkritik in Österreich. Für nähere Informationen siehe Seite 65.

11


Art Cluster

 Essl Museum   Kunst der Gegenwart 

ESSL MUSEUM – Kunst der Gegenwart An der Donau-Au 1 3400 Klosterneuburg/Wien T +43 2243 370 50 150 www.essl.museum Öffnungszeiten: Di.–So. 10.00–18.00 Uhr, Mi. 10.00–21.00 Uhr

 Lesung

 Konzert

 Michael Stavaric liest im Rahmen  der Ausstellung »Schönheit und  Vergänglichkeit«

 »OMONÉRO« – Neue Musik für Zither  Mit Martin Mallaun: Diskant-Zither,  Alt-Zither

Mittwoch, 16. November 2011 19.00 Uhr Großer Saal

Mittwoch, 16. November 2011 20.30 Uhr Galerieräume

Michael Stavaric (*1972) gehört zu den er­ folgreichsten Autoren der jüngeren Generati­ on. In seinem neuesten Roman »Brenntage« geht es unter anderem um Kindheit und die damit verbundene andere Wahrnehmung von Ritualen, Tod und Existieren. Zum ersten Mal liest der Autor im Essl Museum im thematischen Rahmen der Ausstellung »SCHÖNHEIT UND VERGÄNGLICHKEIT«. Das Essl Museum lud zahlreiche junge Autorinnen und Autoren ein, sich Gedanken zum Thema »Was ist ,schön’? Wie verändert sich der Begriff Schönheit im Lauf der Zeit und im Hinblick auf kulturelle Muster?« und zu den Werken der Ausstellung zu machen. Entstanden ist eine Textsammlung von 17 jungen Autorinnen und Autoren, die sich auf literarisch-philosophische Weise künstleri­ schen Positionen, die sich mit existenziellen Problemen befassen, annähert. Seit Jahrhunderten reflektieren Künstler den Begriff der Schönheit, der sich in der westlichen Kultur aus der klassischen Antike entwickelt hat und erst im 20. Jahrhundert grundlegend hinterfragt wurde. 1999 schuf Jannis Kounellis für die Eröffnung des Essl Museums im Großen Saal eine raumgreifen­ de, poetisch morbide Installation. Das Werk wird nun zum ersten Mal wieder gezeigt und bildet thematisch den Ausgangspunkt dieser Ausstellung, die beeindruckende Samm­ lungswerke von Jörg Immendorff, Jannis Kounellis, Marc Quinn, Antoni Tàpies, Zoran Music und Daniel Spoerri vereint. Ausstellungsdauer: 5. Oktober 2011–22. Januar 2012.

Programm: Leopold Hurt: LOGBUCH (Hommage à K.V.), 2007 Franz Hautzinger: Kleine Göttermusik (2009) Manuela Kerrer: Impresa Omonéro (2009) Georg Friedrich Haas: Ein Saitenspiel (2002) Dieter Schnebel: Sammelsurium (2006)

Für Besucher der VIENNA ART WEEK ist der Eintritt ins Essl Museum am 16. November 2011 frei. Kostenloser Shuttlebus ins Essl Museum und retour: Abfahrt 18.30 Uhr, Albertinaplatz 1, 1010 Wien (zurück nach den Veranstaltun­ gen ca. 22.00 Uhr). Anmeldung über info@essl.museum erforder­ lich (Kennwort »Art Week« bitte angeben). 12

Martin Mallaun ist einer der exponiertesten jungen Vertreter einer neuen Zitherszene. Mit »OMONÉRO« markiert er fünf konträre Positionen und Herangehensweisen an dieses Instrument. Von Leopold Hurt, der sein Stück »LOGBUCH« aus einer improvisatorischen Klangrecherche entwickelt hat, bis zur post­ seriellen Musik des Dieter Schnebel. Vom verinnerlichten Nachspüren und -hören eines Franz Hautzinger über die radikal witzige Experimentierlust von Manuela Kerer bis zum mikrotonalen Klangkosmos von Georg Friedrich Haas.

 Ausstellung  Ausstellung Rosa Loy und Neo Rauch:  »Hinter den Gärten« Last Chance  to see!  Letzter Ausstellungstag.

Mittwoch, 16. November 2011 Rosa Loy und Neo Rauch agieren als erfolg­ reiches Malerpaar auf dem internationalem Parkett. Sie sind seit 1985 verheiratet und schaffen jeweils ein eigenständiges Oeuvre, das aus der Unterschiedlichkeit, aber auch aus den Gemeinsamkeiten des Künstlerpaa­ res genährt wird. Im Essl Museum stellen die beiden Künstler erstmals gemeinsam aus. Neo Rauch (*1960) ist international einer der bedeutendsten Maler seiner Generati­ on. Rosa Loy (*1958) gehört ebenso wie ihr Mann zur »Neuen Leipziger Schule«.


Art Cluster

 Österreichisches Filmmuseum 

Österreichisches Filmmuseum Augustinerstraße 1 1010 Wien (im Gebäude der Albertina) T +43 1 533 70 54 F +43 1 533 70 54–25 www.filmmuseum.at Öffnungszeiten: Büro: Mo.–Do. 10.00–18.00 Uhr, Fr. 10.00–13.00 Uhr Bibliothek: Mo. und Do. 12.00–18.00 Uhr Abendkasse: Jeweils eine Stunde vor Beginn der ersten Vorstellung.

 FILMPREMIEREN

 Lecture und Film

 »James Benning: New Work«

 Künstlervortrag mit James Benning  »James Benning: Two Cabins«

16.–19. November 2011 18.30 Uhr und 20.30 Uhr James Benning, einer der faszinierendsten amerikanischen Künstler und Filmemacher der Gegenwart, galt lange Zeit als Geheim­ tipp. Erst im vergangenen Jahrzehnt wurde er weltweit als Meister des »Landschaftsfilms« entdeckt – mit Arbeiten wie der California Trilogy (1999-2001), 13 Lakes (2004) oder Casting a Glance (2007), mit dem er an der Documenta 12 teilnahm. In Bennings Werk verbindet sich ein insistierender Blick auf die Landschaften der USA mit politischen und ästhetischen Fragestellungen. Das Österreichische Filmmuseum zeigt im Rahmen der VIENNA ART WEEK Bennings jüngste Werkgruppe. Darunter befinden sich mehrere Weltpremieren – z.B. Small Roads und YouTube Trilogy – und österrei­ chische Erstaufführungen wie Ruhr (2009) und Twenty Cigarettes (2011). Weiters wird die neue DVD-Edition des Filmmuseums präsentiert, die Bennings Schaffen erstmals in diesem Medium zugänglich macht. Seine klassischen Filme American Dreams und Landscape Suicide wurden zu diesem Zweck restauriert.

Donnerstag, 17. November 2011 20.30 Uhr

Im Rahmen des Vortrags am 17. November stellt James Benning das außergewöhnli­ che Kunstprojekt »Two Cabins« und den dazugehörigen Film vor: In der Nähe seines Hauses in den kalifornischen Bergen schuf Benning exakte Nachbauten von Henry David Thoreaus Holzhütte am Walden Pond (1845) und dem Holzbau des Bombenattentäters Ted Kaczynski in den Wäldern von Montana (1971).

 Podiumsdiskussion, Film  und Buchpräsentation  »Screen Dynamics.  Mapping the Borders of Cinema«

Freitag, 18. November 2011 20.45 Uhr Am 18. November wird ein neues Buch der FilmmuseumSynemaPublikationen vorge­ stellt: »Screen Dynamics. Mapping the Bor­ ders of Cinema« (Hg. Gertrud Koch, Volker Panten­burg, Simon Rothöhler) untersucht die zeitgenössischen Beziehungen zwischen dem »Filmischen« und den anderen Künsten und Medien. Im Rahmen einer Podiums­ diskussion zwischen den Buchherausgebern und James Benning wird dieses Thema am Beispiel seines neuen Films YouTube Trilogy erörtert.

13


Art Cluster

 Generali Foundation Wien 

Generali Foundation Wiedner Hauptstraße 15 1040 Wien T +43 1 504 98 80 F +43 1 504 98 83 www.foundation.generali.at Öffnungszeiten: Di.–So. und Fei. 11.00–18.00 Uhr, Do. 11.00–20.00 Uhr

 Führung

 Performance  Performance »Nervous Magic Lantern«  mit Ken und Flo Jacobs

Montag, 14. November 2011 18.00 Uhr Der New Yorker Experimentalfilmer und »Kino-Performer« Ken Jacobs (geb. 1933 in Brooklyn) zählt neben Maya Deren, Kenneth Anger, Stan Brakhage, Jack Smith und Jonas Mekas zu den Pionieren des New American Cinema der 1960er und 1970er. Bereits seit Ende der 1950er Jahre entwickelte er eine ästhetisch-politische Filmpraxis. Sein Malereistudium bei Hans Hoffman nahm Einfluss auf seine frühen Filme, die von einer abstrakt-expressionistischen Sprache geprägt waren, wie vor allem sein früher Klassiker des amerikanischen Avantgardekinos Tom, Tom, The Piper's Son (1969). Diese Experi­ mente führten schließlich Mitte der 1970er Jahre zu seiner einzigartigen Methode des Nervous System, einer Serie von Live Performances mit Filmprojektionen, die er bis heute weiterentwickelt. Mithilfe zweier modifizierter Projektoren, die denselben Film leicht zeitversetzt abspielen, verwandelt er Found-Footage-Material – meist alter Filme – in unaufhörlich flimmernde, pulsierende 3DBilder. In den Grenzbereich der Abstraktion taucht er mit dem im Jahr 2000 entwickel­ ten System der Nervous Magic Lantern ein: Ausschließlich durch das Spiel mit Licht und Schatten kreiert er abstrakte 3D-Figuren. Mit dieser Technik versucht Jacobs bei gleich­ zeitigem Verzicht auf existierende Bilder dem Wesen des Films so nahe wie möglich zu kommen und neue Sinneseindrücke zu evozieren. Ken Jacobs ist mit seiner Arbeit Capitalism: Slavery (2006) in der Ausstellung »Animis­ mus. Moderne hinter den Spiegeln« vertreten und wird anlässlich der VIENNA ART WEEK gemeinsam mit seiner Frau Flo eine der le­ gendären Nervous Magic Lantern Performan­ ces live präsentieren.

 Kurator Anselm Franke führt  durch die Ausstellung »Animismus.  Moderne hinter den Spiegeln«*

Mittwoch, 16. November 2011 19.00 Uhr

Anhand des Animismus untersucht die Aus­ stellung das in der Gegenwart wirksame Erbe von Moderne und Kolonialzeit: Als animis­ tisch wurden jene Kulturen bezeichnet, die Natur und Objekte als beseelt wahrnehmen und ihnen ein Eigenleben zuschreiben. Die von der Moderne gezogene Grenze zwischen Leben und Nicht-Leben ist historisch für eine Reihe weiterer kanonischer Unterschei­ dungen grundlegend geworden, etwa für die Gegenüberstellungen von Natur und Kultur, von subjektiver und objektiver Welt, von Fiktion und Realität. Der Ausstellung geht es in erster Linie um den Animismus als Terri­ torium der Imagination und der Bildproduk­ tion. Sie versammelt künstlerische Arbeiten, Dokumente und Artefakte zu einem essayisti­ schen Bildraum, der die Notwendigkeit einer Dekolonisierung und Revision des überkom­ menen Verständnisses von Animismus nahe legt. Dabei wird historisches Material, etwa frühe Versuche, das technologisch reprodu­ zierte Bild zu animieren, zeitgenössischen Arbeiten gegenübergestellt, die diese Gren­ zen verhandeln. Mit Werken von Agency, Marcel Broodtha­ ers, Didier Demorcy, Walt Disney, Jimmie Durham, Leon Ferrari, Victor Grippo, Candida Höfer, Luis Jacob, Ken Jacobs, Joachim Koester, Yayoi Kusama, Len Lye, Daria Mar­ tin, Angela Melitopoulos/Maurizio Lazzarato, Ana Mendieta, Vincent Monnikendam, Roee Rosen, Natascha Sadr Haghighian. Anselm Franke ist freier Kurator und Autor, er lebt in Berlin. Von 2006 bis 2010 war er künstlerischer Leiter von Extra City in Antwerpen, 2008 fungierte er als Co-Kurator der Manifesta 7 in Trentino-Südtirol. Zuvor war Franke als Kurator am KW Institut für zeitgenössische Kunst in Berlin tätig. Er hat zahlreiche Publikationen herausgegeben und veröffentlicht regelmäßig Beiträge in Zeitschriften wie Metroplis M, Piktogram und Cabinet. Ausstellungsdauer: 16. September 2011–29. Januar 2012. *Anmeldung über www.viennaartweek.at erforderlich.

14


Art Cluster

 Jüdisches Museum Wien 

Jüdisches Museum – Palais Eskeles Dorotheergasse 11 1010 Wien Öffnungszeiten: So.–Fr. 10.00–18.00 Uhr, Samstags geschlossen Museum Judenplatz Judenplatz 8 1010 Wien Öffnungszeiten: So.–Do. 10.00–18.00 Uhr, Fr. 10.00–14.00 Uhr Samstags geschlossen T +43 1 535 04 31 F +43 1 535 04 24 www.jmw.at

 Führung  Führung durch die Ausstellung  »BIGGER THAN LIFE. 100 Jahre  Hollywood. Eine jüdische Erfahrung«*

Dienstag, 15. November 2011 18.00 Uhr Dorotheergasse 11, 1010 Wien

Das Jüdische Museum Wien präsentiert nach der Wiedereröffnung eine neue Dauerausstel­ lung über die Geschichte der Juden in Wien von 1945 bis heute sowie eine spannende Wechselausstellung über Hollywood. Hannah Landsmann, Leiterin der Abteilung Kommunikation und Vermittlung, führt durch die Schau »BIGGER THAN LIFE. 100 Jahre Hollywood. Eine jüdische Erfahrung«. Bege­ ben Sie sich auf Spurensuche in einer der spannendsten globalen Kulturgeschichten des 20. Jahrhunderts: der Entstehung und dem Siegeszug Hollywoods.

Hollywood wurde von einer Gruppe jun­ ger mittel- und osteuropäischer jüdischer Wirtschaftsflüchtlinge gegründet, zu denen Adolph Zukor (Paramount), William Fox, Louis B. Mayer (MGM) und die Warner Brot­ hers gehörten. Ende des 19. Jahrhunderts erreichten sie auf überfüllten Einwanderer­ schiffen New York, zwei Jahrzehnte später »erfanden« sie Hollywood: das Studiosystem, die Stars, das Happy End! Wie konnte ihnen diese Kulturrevolution gelingen? Wie schaff­ ten sie es, nicht nur eine ganze Industrie, sondern auch den amerikanischen Mythos neu zu erfinden? Die umfassende Ausstellung ver­ sammelt rare Exponate wesentlicher Filme, riesige, bislang noch nicht gezeigte Filmpla­ kate aus den frühen Tagen des Kinos sowie hintergründige Backstage-Ansichten und überraschende Objekte. Max. 20 Teilnehmer. Ausstellungsdauer: 19. Oktober 2011–15. April 2012.

 KÜNSTLERGESPRÄCH  Artist’s Talk mit der Künstlerin  Zenita Komad

Mittwoch, 16. November 2011 18.00 Uhr Judenplatz 8, 1010 Wien Im Rahmen der Ausstellung »Spirituality is Not Shopping« von Zenita Komad im Museum Judenplatz. Ausstellungsdauer:   8. November 2011–Februar 2012.

* Anmeldung über www.viennaartweek.at erforderlich.

15


Art Cluster

 KUNSTHALLE wien 

KUNSTHALLE wien Museumsplatz 1 1070 Wien T +43 1 521 89-33 F +43 1 521 89-1217 www.kunsthallewien.at Öffnungszeiten: Fr.–Mi. 10.00–19.00 Uhr, Do. 10.00–21.00 Uhr

 AUSSTELLUNGEN

 Podiumsdiskussion

 »Vanity Fair. Modefotografie  aus der Sammlung F.C. Gundlach«

 Mode und Fotografie im Wandel  Prof. Peter Weiermair und F.C. Gundlach.  u.a.

21. Oktober 2011–12. Februar 2012  »No fashion, please!  Fotografie zwischen Gender und Lifestyle«

11. November 2011–22. Jänner 2012

Der Herbst steht bei der Kunsthalle Wien ganz im Zeichen von Fotografie und Mode. Die Ausstellung »Vanity Fair« zeigt aus­ gewählte Werke aus der Sammlung des legendären Modefotografen F.C. Gundlach. Die präsentierten Künstlerpositionen (u.a. Richard Avedon, Sibylle Bergemann, F.C. Gundlach und David Lachapelle) entspre­ chen einer Vorstellung von Schönheit als Prisma kontemporärer Widersprüchlichkeit und reflektieren das Bild des Menschen in seiner äußeren Erscheinung – in Moden, Posen, Mimik und Gestik. Gundlachs Credo »Modefotografien sind immer Interpretatio­ nen und Inszenierungen. Sie reflektieren und visualisieren den Zeitgeist der Gegenwart und antizipieren denjenigen von morgen« gilt auch für »No fashion, please! Fotografie zwischen Gender und Lifestyle«. Die jungen internationalen Fotografiepositionen aus den Bereichen Journale, Mode, Zeitgeist (u.a. Jeff Bark, Leigh Bowery, Izima Kaoru, Alex Prager und Sophia Wallace) dieser Schau stellen das Protokoll einer sich wandelnden Mentalität dar, für die Kleidung Teil einer nur im Bereich des Mediums Fotografie erfolgen­ den Inszenierung ist. Wunschvorstellungen und Ideale einer sich verändernden Körper­ ästhetik werden hier fixiert. Das inszenierte Bild wird zur Projektion einer künstlichen und fantastischen Wunschwirklichkeit, die nichts mehr mit der Veranschaulichung einer tragbaren und funktionierenden Mode zu tun hat. 16

Donnerstag, 17. November 2011 17.00 Uhr


Art Cluster

 KUNST HAUS WIEN 

KUNST HAUS WIEN Museum Hundertwasser Untere Weißgerberstraße 13 1030 Wien T +43 1 712 04 91 F +43 1 712 04 96 www.kunsthauswien.com Öffnungszeiten: täglich 10.00–19.00 Uhr

 Pre-opening

 RUNDGANG

 Pre-Opening der Ausstellung  »Henri Cartier-Bresson:  Indien – Amerika – Russland«*

 Rundgang durch die Ausstellung  »Henri Cartier-Bresson:  Indien – Amerika – Russland«*

Mit dieser Ausstellung, die Cartier-Bressons Reisen nach Indien, Amerika und Russland gewidmet ist, zeigt das KUNST HAUS WIEN den Mitbegründer der Fotoagentur Magnum von einer weniger bekannten Seite. Die hier präsentierten Fotografien zum The­ ma »Amerika«, entstanden zwischen den 1930er- und 1960er-Jahren – seine inten­ siven Reisen 1946 und 1947 bilden dabei einen Schwerpunkt. Henri Cartier-Bressons Bilder aus Indien sind Zeugnis seiner intensiven Beschäftigung mit diesem Land und seinen Menschen. Zwi­ schen 1947 und 1987 unternahm er sechs ausgedehnte Fahrten nach Indien, die hier dokumentiert werden. Als erster ausländischer Fotograf besuchte Cartier-Bresson 1954, im ersten Jahr nach Stalins Tod, die Sowjetunion. Die Präsenta­ tion vereint Fotografien aus diesem Jahr mit jenen einer Reise im Jahr 1972 zu einer sehr persönlichen Beobachtung der Entwicklung eines damals sehr unzugänglichen Landes. Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit Magnum Fotos und der Fondation Henri Cartier-Bresson. Ausstellungsdauer: 17. November 2011–26. Februar 2012.

Im Rahmen des Pre-Openings der Ausstel­ lung findet ein Rundgang durch die Präsen­ tation mit Marco Bischof, Präsident Magnum Foundation Frankreich, und Kurator Andreas Hirsch statt.

Mittwoch, 16. November 2011 18.00 Uhr

Mittwoch, 16. November 2011 18.00 Uhr

* Anmeldung über www.viennaartweek.at erforderlich.

17


Art Cluster

 Kunsthistorisches Museum 

Kunsthistorisches Museum Maria-Theresien-Platz 1010 Wien T +43 1 525 24-40 25 F +43 1 525 24-40 99 www.khm.at Öffnungszeiten: Di.–So. 10.00–18.00 Uhr, Do. 10.00–21.00 Uhr

 Führungen  Führungen durch die Ausstellung  »WINTERMÄRCHEN –  Winter-Darstellungen in der europäischen  Kunst von Bruegel bis Beuys«*

Dienstag, 15. November 2011 16.00 Uhr mit Franz Pichorner, stellvertretender Generaldirektor Donnerstag, 17. November 2011 18.30 Uhr mit Kuratorin Agnes Stillfried In englischer Sprache

Schilderungen des Winters beschäftigen die Menschen, seitdem Adam und Eva aus dem Garten Eden vertrieben wurden. Die Ausstellung veranschaulicht den Einfluss des Winters auf die europäische Kunst, im Wesentlichen auf die Malerei, aber auch auf Kunstkammerobjekte, vom Spätmittel­ alter bis in die Gegenwart. Sie schildert den Winter als eine überraschend farbige und vielseitige Jahreszeit, die den bedeutendsten Künstlern bis in die Moderne als eine Quelle der Inspiration diente. Ausgehend von der Darstellung der Jahreszeiten im Mittelalter thematisiert die Schau die Entstehung der Winterlandschaft in Flandern in den 1560er Jahren. Darauf aufbauend wird die Entwick­ lung des Winter-Genres bis in die Gegenwart gezeigt, wobei der Schwerpunkt auf der Winterlandschaft des Goldenen Zeitalters der Niederlande, der deutschen Romantik und des französischen Impressionismus liegt.

18

Die Ausstellung präsentiert Werke von Pieter Bruegel d. Ä., Hendrick Avercamp, Jacob Ruisdael, Gustave Courbet, Rembrandt, Jan van Goyen, William Turner, Francisco de Goya, Claude Monet, Alfred Sisley, Camille Pissarro, Edvard Munch und Anselm Kiefer, aber auch von Peter Paul Rubens und Sir Joshua Reynolds. Es werden etwa 150 Gemälde und eine Reihe von Skulpturen, Tapisserien sowie Porzellan-, Elfenbeinund Silbergegenstände zu sehen sein, die Leihgaben stammen unter anderem aus Österreich, Frankreich, Deutschland, Italien, der Schweiz, den Niederlanden, Großbritan­ nien und den USA. Die Ausstellung profitiert insbesondere von Leihgaben aus dem Rijksmuseum Amsterdam sowie aus dem Musée d’Orsay. Im Anschluss wird sie im Kunsthaus Zürich gezeigt. Ausstellungsdauer: 18. Oktober 2011–8.Januar 2012. *Anmeldung über www.viennaartweek.at erforderlich.


Art Cluster

 Künstlerhaus 

Künstlerhaus Karlsplatz 5 1010 Wien T +43 1 587 96 63 T +43 1 587 87 36 www.k-haus.at Öffnungszeiten: täglich 10.00–18.00 Uhr Do. 10.00–21.00 Uhr

 DISKURS

 ERÖFFNUNG

 Künstlervereinigungen heute:  Christian Helbock im Gespräch mit  Peter Bogner, Direktor des Künstlerhauses

 METAmART. Kunst & Kapital

Mittwoch, 16. November 2011 17.00 Uhr

Zum 150jährigen Bestehen des Künstler­ hauses Wien (1861–2011) konzipierte Christian Helbock unter dem Titel »k/haus reloaded / Produktion und Schwesterfel­ der – Mögliche Kunstvereine – Politik und Kontextualisierung« eine Vortragsreihe zum Thema Kunstvereine und deren Relevanz. Die Referatsserie begann im Frühjahr 2010 mit einem ersten Block zweier Vorträge von Hemma Schmutz und Yilmaz Dziewior und wurde im Herbst in einem zweiten mit Barba­ ra Steiner, Roger M. Buergel, Fareed Armaly und Ute Meta Bauer fortgeführt. Ein dritter Block beeinhaltete Alice Creischer / Andreas Siekmann, Marianne Lanavère / Axel Wieder und Rein Wolfs. Bis Ende 2011 sind unter Mitwirkung von András Pálffy, Heike Munder, Jun Yang und Hans-Ulrich Obrist vier Blöcke von insgesamt 13 Vortragenden geplant. Zusätzlich werden mit den Referenten Videointerviews geführt, die im Künstler­- haus Kinofoyer und online zu sehen sind. Zum Jahresende erscheint das Projekt in Katalogform. Neben der informativen und zur Auseinan­ dersetzung anregenden Wirkung nach außen bietet eine solche Veranstaltungsfolge die Möglichkeit für alle Vereinsmitglieder, den Stellenwert von Kunstvereinen zu reflektieren und ihre eigenen Positionen und Handlungs­ räume innerhalb des Ganzen zu sehen und somit gestaltend zu nutzen. Weitere Informationen sind unter www.produktionundschwesterfelder.at verfügbar.

Mittwoch, 16. November 2011 14.00 Uhr

Ökonomische Aspekte bleiben in der Diskus­ sion über Kunst oft ausgeblendet, obwohl sie Qualitätskriterien, Produktionsweisen und das (Über)Leben zeitgenössischer Künstler maßgeblich mitbestimmen. METAmART seziert das Wechselverhältnis von Kunst und Markt mit einer Ausstellung junger, heimischer Künstler, die Marktwerte, Verwertungsmöglichkeiten und zeitgemäße Rollenbilder für aktuelle Kunstproduktion in ihren Arbeiten aktiv thematisieren. Parallel werden in der Ausstellung alternative Kunst­ marktmodelle im Praxistest vorgestellt. In direkter Nachfolge des Erfolgsprojekts ARTmART, das im Künstlerhaus junge Kunst mit einem verlockenden Einheitspreis an neue Publikumsschichten vermittelte, dient auch METAmART in der ersten Ausstellungs­ woche als lebendiger Kunstmarktplatz. Jeder der teilnehmenden Künstler wird gleichzeitig für unterschiedliche Marktmodelle Werke an­ bieten: von anonym präsentierter Zeichnung, Kunsttauschbörsen, eigenwilligen Auflagen bis zu eigenwilligen formalen Vorgaben. Parallel ist ab der ersten METAmART-Eröff­ nung der Aufbau der weiteren Ausstellung während der VIENNA ART WEEK öffentlich zugänglich, um das Wechselspiel von Markt­ inszenierung und künstlerischem Prozess ergänzend zum Veranstaltungsprogramm mit Diskussionen, Laborsituationen und Ini­ tiativen im öffentlichen Raum vor Augen zu führen. Kuratiert von eSeL (Lorenz Seidler). Weitere Informationen sind unter www.metamart.at verfügbar. Ausstellungsdauer: METAmART – Marktmodelle: 16.–20. November 2011. METAmART – Ausstellung: 24. November 2011–7. Januar 2012.

19


Art Cluster

 Leopold Museum 

Leopold Museum Museumplatz 1 1070 Wien T +43 1 525 70-0 F +43 1 525 70-15 00 www.leopoldmuseum.org Öffnungszeiten: Mi.–Mo. 10.00–18.00 Uhr, Do. 10.00–21.00 Uhr

 Führung

 Führung

 Kuratorenführung: Dr. Diethard Leopold  führt durch das Schiele-Projekt  »Melancholie und Provokation«*

 Führung durch das neue  »Egon Schiele-Dokumentationszentrum«:  Kuratorin Sandra Tretter und Dr. Robert  Holzbauer führen durch das neue  Forschungszentrum im Leopold Museum  (inkl. »Meet and Greet Wally«)*

Freitag, 18. November 2011 15.00 Uhr  Führung

 Künstlerführung: Hermann Nitsch  führt durch die Ausstellung  »Hermann Nitsch – Strukturen«*

20

Mittwoch, 16. November 2011 15.00–16.00 Uhr Donnerstag, 17. November 2011 14.00–15.00 Uhr

Montag, 14. November 2011 15.00 Uhr

Max. 20 Teilnehmer.

In der Ausstellung sind Architekturzeichnun­ gen, Partituren und Realisationen des »OM-Theater« von Hermann Nitsch zu sehen.

*Anmeldung über www.viennaartweek.at erforderlich.


Art Cluster

 Liechtenstein Museum 

LIECHTENSTEIN MUSEUM Fürstengasse 1 1090 Wien T +43 1 319 57 67-252 F +43 1 319 57 67-255 www.liechtensteinmuseum.at Öffnungszeiten: Fr.–Di. 10.00–17.00 Uhr

 Führung

 Ausstellung

 Führung durch das Stadtpalais  Liechtenstein mit Johann Kräftner,  Direktor, The Princely Collections*

 Neugestaltete Dauerausstellung des  LIECHTENSTEIN MUSEUM*

Montag, 14. November 2011 14.00–15.30 Uhr Bankgasse 9, 1010 Wien

Mit dem Stadtpalais in der Bankgasse besitzt die Familie Liechtenstein in der Wiener Innenstadt neben dem Gartenpalais in der Rossau ein weiteres Baujuwel. Am 29. November 2012 wird dieses bedeutende hochbarocke Bauwerk als zweiter Standort des LIECHTENSTEIN MUSEUM eröffnet. Die Führung bietet einen exklusiven Einblick in das zukünftige Biedermeier-Museum, das derzeit noch renoviert wird. Max. 15 Teilnehmer. * Anmeldung über www.viennaartweek.at erforderlich. Treffpunkt wird nach Anmeldung bekannt gegeben.

18.–20. November 2011 10.00–17.00 Uhr Fürstengasse 1, 1090 Wien

Zusätzlich zu den bisher präsentierten Highlights aus den Fürstlichen Sammlungen werden ab 18. November 2011 nach einer umfassenden Neugestaltung der Daueraus­ stellung des LIECHTENSTEIN MUSEUM verstärkt Bilder der frühen Epochen euro­ päischer Kunst, vor allem Meisterwerke der zentraleuropäischen Gotik und die bis jetzt im Museum kaum präsente holländische Malerei zur Schau gestellt. In der Bibliothek ist ein Querschnitt durch die Sammlungen europäischen Porzellans zu sehen. *Anmeldung über www.viennaartweek.at erforderlich.

21


Art Cluster

 MAK Wien 

MAK – Österreichisches Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst

 Führung

 Führung

Stubenring 5 1010 Wien

 MAK im öffentlichen Raum –  Experten-Sonderführung mit  Janina Falkner  (MAK-Sammlung Gegenwartskunst)*

 Experten-Sonderführung mit  Janina Falkner  (MAK-Sammlung Gegenwartskunst)  durch das MAK-Gegenwartskunstdepot  Gefechtsturm Arenbergpark*

T +43 1 711 36-0 www.mak.at Öffnungszeiten: Di. MAK NITE© 10.00–24.00 Uhr, Mi.–So. 10.00–18.00 Uhr

Dannebergplatz/ Barmherzigen­gasse 1030 Wien

Montag, 14. November 2011 15.00–17.00 Uhr Treffpunkt: »Wiener Trio«, Franz-Josefs-Kai/Schottenring, 1010 Wien

Öffnungszeiten: Mai–November, jeden So. 14.00–18.00 Uhr

 Lecture

MAK-Gegenwartskunstdepot Gefechtsturm Arenbergpark

MAK-Expositur Geymüllerschlössel Pötzleinsdorferstraße 102 1180 Wien Öffnungszeiten: Mai–November, jeden So. 11.00–18.00 Uhr

 Führung  Künstlerführung Michael Wallraff*

 IM BRENNPUNKT – Vortrag von  Christoph Menke, Philosoph und Autor

Dienstag, 15. November 2011 17.00–19.00 Uhr MAK-Vortragssaal Stubenring 5, 1010 Wien

Freitag, 18. November 2011 17.00–18.00 Uhr Treffpunkt: MAK-Säulenhalle Stubenring 5, 1010 Wien

 Führung

Der Architekt Michael Wallraff führt durch seine Ausstellung
»MICHAEL WALLRAFF. looking up. vertical public space«.
Mit an­ schließendem Get-Together und Diskussion.

 Künstlerführung Walter Pichler*

*Anmeldung über www.viennaartweek.at erforderlich.

Mittwoch, 16. November 2011 17.00–18.00 Uhr Treffpunkt: MAK-Säulenhalle Stubenring 5, 1010 Wien Im Rahmen der Ausstellungsreihe »Künstler im Fokus« führt Walter Pichler durch seine Ausstellung »Künstler im Fokus #11. WALTER PICHLER. Skulpturen Modelle Zeichnungen«.

22

Donnerstag, 17. November 2011 16.00–17.00 Uhr Treffpunkt: Gefechtsturm Arenbergpark


Art Cluster

 mumok   Museum Moderner Kunst   Stiftung Ludwig Wien 

mumok Museumsplatz 1 1070 Wien T +43 1 525 00 F +43 1 525 00-13 00 www.mumok.at Öffnungszeiten: Mo 14.00–19.00 Uhr, Di-So 10.00–19.00 Uhr, Do 10.00–21.00 Uhr

 Podiumsdiskussion  Wie sammeln Museen?  Eine Kooperation zwischen  mumok & WIEN MUSEUM

Montag, 14. November 2011 17.00 Uhr mumok Museumsplatz 1, 1010 Wien Thomas Köhler, Berlinische Galerie, Berlin Wolfgang Kos, Direktor WIEN MUSEUM, Wien Karola Kraus, Direktorin mumok, Wien Julia Stoschek, Sammlerin zeitgenössischer Kunst, Julia Stoschek Foundation, Düsseldorf Moderator: Martin Fritz, Kurator und Publizist, Wien

Welche neuen Strategien können unter den veränderten strukturellen und finanziellen Rahmenbedingungen entwickelt werden? Wie entgeht man einer drohenden Kommer­ zialisierung, um Kunst möglichst facetten­ reich zu sammeln und zu vermitteln? Welche Regeln sollten in der Annäherung zwischen öffentlichen und privaten Interessen befolgt werden? Welche Rolle kommt dabei der Kulturpolitik zu? Vier Repräsentanten unter­ schiedlicher Sammlungen formulieren und diskutieren ihre Positionen zu diesen und weiteren Fragen.

Mit den wirtschaftlichen Krisen und den globalen gesellschaftlichen Veränderungen haben sich auch für die Museen und den Kunstbetrieb markante Umbrüche erge­ ben: Öffentliche Museen geraten durch die Sparpolitik zunehmend unter Druck, ihrem Auftrag nachzukommen, während Privatmu­ seen innerhalb kürzester Zeit umfangreiche Sammlungen aufbauen können. In dieser Umbruchsituation sehen sich die öffentli­ chen wie auch privaten Museen und Samm­ lungen mit entscheidenden Fragen und Wei­ chenstellungen für die Zukunft konfrontiert:

23


Art Cluster

 MuseumsQuartier Wien 

quartier21/ MuseumsQuartier Wien Museumsplatz 1 1070 Wien T +43 1 523 58 81 F +43 1 523 58 86 www.quartier21.at www.mqw.at

 Open House

 Ausstellung

 »Digitaler Donnerstag«

 »TOTEM AND TABOO: complexity and  relationships between art and design«

Donnerstag, 17. November 2011 18.00–22.00 Uhr Electric Avenue Das »Quartier für Digitale Kultur« präsentiert ein volles Programm in allen Räumen: Filme, Ausstellungseröffnungen und SpeedPräsentationen.

 Installation  »CONSTRUCTION/DECONSTRUCTION/  RECONSTRUCTION«

Täglich 00.00–24.00 Uhr MQ Vorplatz

Die für das MQ konzipierte Installation ist eine audiovisuelle Metapher dafür, was ein Gebäude im Spannungsfeld zwischen öf­ fentlichem Raum und privatem Rückzugsort erschafft und reflektiert.

24

Täglich 10.00–19.00 Uhr freiraum quartier21 INTERNATIONAL

»TOTEM AND TABOO« ist eine Ausstellung über Konventionen in Kunst und Design. Künstler benutzen, seit den 1960er Jahren, immer wieder in ihren Arbeiten Designobjek­ te als Referenzen. Man kann fast sagen, seit Möbel in Installationen auftauchen, gibt es Kunst zum Mitmachen und Anfassen. Aber auch das Design wendet sich seit einiger Zeit Konzepten und Formaten aus der Kunst zu. »One offs« und »limited editions« werden nur für Ausstellungen produziert und das Design wird vom Gebrauchsgegenstand zum Ereig­ nis. Die Ausstellung konzentriert sich zeitlich auf die zeitgenössische Kunst und zeitge­ nössisches Design. Sie erklärt nicht, sondern nimmt vielmehr eine Lücke im Diskurs über Design und Kunst wahr und stellt erneut die Frage nach den Grenzen der Disziplinen. Kuratoren: Alexandra Waldburg-Wolfegg, Tido von Oppeln, Elena Agudio, Bessaam El-Asmar. Beteiligte Künstler und Designer: Øystein Aasan, Stephane Barbier Bouvet, Paolo Chi­ asera, Jan De Cock, Martino Gamper, Jeppe Hein, Lisa Lapinski, Rodney LaTourelle & Louise Witthoeft, Kai Linke, Kueng Capu­ to, Studio Makkink & Bey, Michaela Meise, Manfred Pernice, Gianni Pettena, Bertjan Pot, Stefan Sagmeister, Andrea Sala, Joe Scanlan, Clemence Seilles, Judith Seng & Alex Valder, Jerszy Seymour, Florian Slotawa, Albert Weis, Johannes Wohnseifer, Heimo Zobernig u.a.

 KÜNSTLERGESPRÄCH  »TOTEM AND TABOO«

Mittwoch, 16. November 2011 18.00 Uhr quartier21 Joe Scanlan (Künstler, USA) im Gespräch mit Niklas Maak (Leitung des Kunstressorts der FAZ).


Art Cluster

 secession 

secession Friedrichstraße 12 1010 Wien T +43 1 587 53 07 F +43 1 587 53 07-34 www.secession.at Öffnungszeiten: Di.–So. 10.00–18.00 Uhr

 Ausstellung

 Vortrags-Performance

 Ausstellung »Die fünfte Säule«

 Buchpräsentation und  Vortrags-Performance von  Joëlle Tuerlinckx

Seit der 1986 von Adolf Krischanitz durch­ geführten Generalsanierung der Secession gehören die vier zentralen Stützen des Hauptraums zu den prägendsten Elemen­ ten des Ausstellungsortes. Ursprünglich in poliertem Nickelstahl und Messing ausge­ führt, blieben diese Säulen seit 1989 oft verhüllt, respektive seit 1991 gänzlich weiß überstrichen, wohl um deren eigensinnige Präsenz als vermeintliches Otto-Wagner-Zitat zu neutralisieren. Als Ausgangspunkt seiner Präsentation ließ Kurator Moritz Küng diese vier Säulen nun »rückbauen«, um sie erneut in ihrem ursprünglichen Glanz erstrahlen zu lassen. Gleichzeitig setzt er ausgewählte, teils neu produzierte oder rekonstruierte Werke von sieben Künstlern und Künstlerinnen dreier Generationen in dieses Spannungsfeld, um sie mit der Architektur, der Geschichte und der Kultur der secession auf assoziative Weise korrespondieren und resonieren zu lassen. Die sinnbildliche fünfte Säule steht so für die Aktualisierung und Wiederbele­ bung des Genius Loci, in dem sich in letzter Konsequenz eine neue Interpretation von Gegenwart und Gebäude, von Konservierung, Reparatur, Ergänzung und Adaptierung wie auch einer Modernisierung offenbart. An der Ausstellung nehmen teil: Luz Broto (E), Peter Downsbrough (USA), Dora Garcia (E), Guillaume Leblon (F), Joëlle Tuerlinckx (B), Cerith Wyn Evans (UK), Heimo Zobernig (A) & Adolf Krischanitz (A), Moritz Küng (CH), Ferdinand Schmatz (A), Margherita Spiluttini (A). Ausstellungsdauer: 9. September–20. November 2011.

Donnerstag, 17. November 2011 18.00 Uhr Präsentation des Künstlerbuchs »Les mo­ ments d’espace« und Vortrags-Performance »Les moments d’espace. lecture for youtube in 578 panels« von Joëlle Tuerlinckx.

 MAGAZINPRÄSENTATION  Round-Table-Diskussion  des Magazins AGMA mit Gelitin,  Oswald Oberhuber, moderiert von  Andreas Reiter-Raabe (angefragt)

Samstag, 19. November 2011 18.00 Uhr Eine Veranstaltung in Kooperation mit der VIENNA ART WEEK. Für nähere Informatio­ nen siehe Seite 65 im Magazin.

25


Art Cluster

 Sigmund Freud Museum 

Sigmund Freud Museum Berggasse 19 1090 Wien T +43 1 319 15 96 F +43 1 317 02 79 www.freud-museum.at Öffnungszeiten: täglich 9.00–17.00 Uhr

 Interview Marathon  Reflecting Reality

Montag, 14. November 2011 13.00–20.00 Uhr Gelitin, österreichische Künstlergruppe, Wien Roger Hiorns, britischer Künstler und Turner Prize Finalist 2009, London Edgar Honetschläger, österreichischer Künstler, Wien und Tokio Iwajla Klinke, deutsche Fotografin und Filmemacherin, Berlin Joseph Kosuth, amerikanischer Konzept­ künstler, Rom Manu Luksch, österreichische Künstlerin und Filmemacherin, London und Wien Elisabeth von Samsonow, deutsche Philoso­ phin und Künstlerin, Wien Moderator: Robert Punkenhofer, künstlerischer Leiter VIENNA ART WEEK Laut dem amerikanischen Kritiker und Kunsthistoriker Douglas Crimp kann Kunst Leben retten. Als Mitherausgeber des KunstTheorie Leitmagazins »October« war er auch Mitglied der New Yorker Aktivistengruppe Act Up. So lassen uns intensive Gespräche mit Künstlern die Realität oft in einem anderen Licht erscheinen und lösen Geistesblitze oder emotional tiefgreifende Erfahrungen aus. In dem Interview-Marathon »Reflecting Rea­ lity« ist neben dem Gesprächsformat natür­ lich auch das Thema besonders interessant: Welcher psychische Antrieb steht hinter der Kunst? Oder: Wie fließen Erkenntnisse der Psychoanalyse bewusst oder unbewusst in die Kunstproduktion ein? Von der Tiefenpsy­ chologie Sigmund Freuds über die imaginäre Identifikation durch das Spiegelstadium bei Jacques Lacan bis zur Teilobjekttheorie einer Melanie Klein gestaltete sich die Psychoana­ lyse immer auch als Sozioanalyse.

26

Künstler haben die behandelten individu­ ellen oder gesellschaftlichen Phänomene aufgegriffen. Ästhetische Praktiken lassen sich jedoch oft erst vor dem Hintergrund psychoanalytischer Fragestellungen erfassen, deren innerer Antrieb über persönliche Ani­ mositäten hinausgeht. Ereignis und Erkennt­ nis spielen in der künstlerischen Produktion immer wieder eng zusammen und führen zur Entwicklung neuer Kunstsprachen, die auch durch »psychopolitische« Argumenta­ tionslinien ihre Spuren hinterlassen. Welche psychologischen Strategien oder »PsychoTaktiken« kommen bei der Infiltration und Brechung von Realität zum Einsatz? Im Interview werden diese Strategien hinterfragt und damit die psychologischen Intentionen, auf denen die künstlerische Arbeit basiert, inhaltlich zugespitzt. Der britische Künstler und Turner-Preisträger 2009, Roger Hiorns, verwendet in seinen Installationen außergewöhnliche Materiali­ en, deren überraschende physikalische und ästhetische Wirkungen intensive psychische Reaktionen auslösen. So setzt er neben Desinfektionsmitteln, Waschmitteln, Par­ füm oder Feuer in seinen Projekten auch Kupfersulfatkristalle ein. Das Innere einer kompletten Wohnung in einem leer stehen­ den Londoner Sozialwohnbau, die luft- und wasserdicht mit Beton versiegelt wurde, verwandelte er mit unglaublichen 75 000 Litern Kupfersulfatlösung in eine großartige kristalline, begehbare Skulptur. Die Künstlergruppe Gelitin zitiert in ihren teilweise opulenten, aktuellen Installationen pointiert kunstgeschichtliche Strömungen und deren Reflexionen psychischer Zugriffe auf das Groteske und Absurde. Gelitin markiert klar die Schnittstellen zwischen Affekt und Effekt, Performance und Exzess,

Emotion und Rebellion. Die in die Tiefen der menschlichen Psyche abtauchenden Porträts der Berliner Fotografin und Filmemacherin Iwajla Klinke werden zu einer Erfahrung von Extremen, bei denen Ritual und Erinnerung eindringlich aufeinandertreffen und sich gegenüber einer medialen »Sexyness der Angst« abgrenzen. Die Künstlerin Manu Luksch thematisiert die Auswirkungen gesellschaftlicher Krisen, von Terror-Panikmache und der totalen Kontrolle über den öffentlichen Raum. Ihr internatio­ nal viel beachteter Film »Faceless« arbeitet ausschließlich mit den Aufnahmen britischer CCTV-Videokameras. Das so aufgezeichnete Material, das sie von den Betreibern der Überwachungsanlagen anforderte, zeigt die Künstlerin als Protagonistin des Films bei Tätigkeiten aus dem täglichen Leben – alle anderen Menschen wurden zum Schutz ihrer Identität mit schwarzen Ovalen über ihren Köpfen unkenntlich gemacht. Der Film wirft die Frage auf, wie unser Handeln im virtuel­ len Raum Spuren hinterlässt und auch eine psychische Dimension gewinnt. Das Sigmund Freud Museum bietet seit 2002 eine Interventionsfläche für die Begeg­ nung zwischen Kunst und Psychoanalyse. Schon von Anfang an war auch der einfluss­ reiche Konzeptkünstler Joseph Kosuth im Museum vertreten: Bereits in seinem Projekt »Ansicht der Erinnerung« befasste er sich mit einem Text der »Psychopathologie des Alltagslebens« von Sigmund Freud.


art cluster

 Thyssen-Bornemisza   Art Contemporary  Francesca von Habsburg über Matthew Ritchies Klangpavillon am Schwarzenbergplatz in Wien

T-B A21 – Thyssen-Bornemisza Art Contemporary Himmelpfortgasse 13 1010 Wien T +43 1 513 98 56 F +43 1 513 98 56-22 www.tba21.org Ausstellungsdauer »The Morning Line«: 7. Juni – 20. November 2011

Text von Markus Mittringer Matthew Ritchies »The Morning Line« ist ein wandernder Klangpavillon, der von T-B A21 in Auftrag gegeben wurde. Bis zum 20. November 2011 steht er noch auf dem Wiener Schwarzenbergplatz. Erzählen Sie mir bitte mehr darüber, was Sie an seinen unter­ schiedlichen Standorten erlebt haben. Zuerst wollten wir »The Morning Line« in London im Southbank Centre präsentieren und tatsächlich beruht der ganze Aufbau und das Design auch auf der Dachkons­ truktion des Kunstzentrums. Aber dann lud Peter Weibel das Projekt als einen der Eckpfeiler der Biennale nach Sevilla ein und so entschlossen wir uns, doch an einen anderen Standort zu gehen. Peter Weibel versteht die Sammlung der T-B A21 maß­ geblich. Seit wir gemeinsam an einer Reihe von Ausstellungen im ZKM gearbeitet haben, schätzt er uns sehr. Es war verlockend, denn wir hatten die materielle Skulptur zunächst nicht: Wir berechneten das monumentale Kunstwerk in computergenerierten Rende­ rings und beschäftigten uns damals intensiv mit der Frage, wie wohl das Soundsystem funktionieren würde. Wir entwickelten alles gleichzeitig, wobei wir uns aber in einer völlig virtuellen Welt befanden, es war in vielerlei Hinsicht sehr surrealistisch. Alle waren sehr aufgeregt über das Projekt und einige hervor­ ragende Leute gehörten zum Team, trotzdem gingen wir immense Risiken ein! Genau das ist jedoch bei Auftragsarbeiten so spannend, gleichzeitig scheint übrigens gerade dieser Aspekt die meisten davon abzuschrecken! Man ist sich immer unsicher über das Ender­ gebnis und muss sehr dem kreativen Prozess vertrauen und dieses Risiko tragen, sonst wird nichts Innovatives entstehen. Bedeuten­ de Kunst hat kein Sicherheitsnetz!

Der erste Standort befand sich in Sevilla. Die Gärten des Klosters von La Cartuja waren so wunderschön, ruhig und unbewegt, wir konnten mit einer gewissen Stille arbeiten, und dadurch wurde die Produktion des neu­ en Klangsystems zu einer wirklichen Heraus­ forderung. Es war eine großartige Erfahrung, wirklich in der Lage zu sein, die Feineinstel­ lung dieses neuen experimentellen Klangsys­ tems vorzunehmen, das die University of York entwickelt hatte. Die Leute saßen auf dem Gras in und um die Skulptur und bewunderten ihre Reflexion im Wasser im Abendlicht, das sie umgab. Es war idyllisch und sehr schön. Ganz im Gegensatz zu Istanbul? Istanbul war genau das Gegenteil: Der Eminönü Platz ist wie der Times Square in NYC oder der Piccadilly Circus in London, mehr als 100 000 Menschen überqueren ihn jeden Tag, genauso wie die ganzen Touristen, die in den Stadtteil Fatih kommen, um die Blaue Moschee und den Gewürzbazaar zu besichtigen, der direkt neben »The Morning Line« lag … Ein Taxistand befand sich auch in der Nähe, die Fähren und der immersive Klang der Morgen- und Abend­ gebete, die unser Programm mehrmals am Tag unterbrachen. Es gab so viele akustische Störungen. Wir entdeckten jedoch, dass der Sound im Inneren genauso spektakulär wie der in Sevilla war. Er war so konzentiert. Wenn man sich im Inneren befand, hörte man nur ihn. Und draußen hörte man alles andere. Es funktionier­ te. Und das Aufregendste an Istanbul war, dass dieses pulsierende Leben der Stadt zu einem Teil des Projektes wurde, die Musik, die Maisver­ käufer, die Straßenreiniger, die Frauen mit ihren Kindern, die alten Menschen, die auf Parkbän­ ken herumsaßen und plauderten, sogar Hunde und Betrunkene, die die Skulptur zu ihrem Zu­ hause machten. Es kamen so unterschiedliche Leute vorbei und das war einfach aufregend.

Kennt sich in Istanbul jemand mit elektroni­ scher Musik aus? Diese alternative, elektronische Musik ist eine Sache für sich. Mir kommt vor, dass nicht viele Menschen darauf achten, was wirklich eine große Schande ist, denn sie ist wirklich außer­ ordentlich. Wir haben bisher herausragende Arbeiten für das Projekt von einigen erstaun­ lichen Komponisten erhalten. In den meisten Fällen wird die Musik nur von einem kleinen Kreis gehört. Interessant dabei ist die Tatsache, dass man bei so einer Reise in einen völlig anderen Kontinent eine ganz unterschiedliche Sichtweise darüber entdeckt, was die Leute da­ mit machen wollen! Viele Menschen stufen die­ se Klänge als vage, abstrakt, oft als unhörbar und größtenteils fremdartig ein – es gibt eine ganze Menge negative Konnotationen rundher­ um. Aber dieses neue Genre wird immer mehr akzeptiert, seit die Kunst- und Musikschulen begonnen haben, die Komposition elektroni­ scher Klänge am Forschungszentrum für Musik der Technischen Universität Istanbul zu unter­ richten, genauso wie es Franz Pomassl an der Akademie der bildenden Künste in Wien tut. Es besteht also Grund zu Hoffnung und Raum für Wachstum. Interessanterweise empfan­ den die Menschen in Istanbul den abstrakten Sound als merkwürdig vertraut. In Wien schien er dann wieder mehr in eingeweihte Kreise zu wandern … Die Leute hier lieben es, sich als besondere Liebhaber bestimmter Genres zu betrachten. Ich hoffe, wir haben einige Schritte in die Richtung gemacht, diesen Raum für die Zukunft weiter zu öffnen. Ich bin wirklich gespannt, was passiert, wenn wir mit dem Projekt nach Brasilien gehen. Ihre gesamten Projekte sind nur temporär! Warum? Ich mag es überhaupt nicht, mich für immer an etwas zu binden. Ich finde das Wort ›Erbe‹ wirklich beängstigend. Der Gedanke gefällt mir, dass sich »The Morning Line« umgestal­ ten und an einem anderen Ort neu erfinden lässt, und man kann die so unterschiedlichen Stile erforschen, die neue Musik aus anderen Kontinenten zu der Skulptur beitragen: in L.A. oder Boston in den Vereinigten Staaten, in Rio in Brasilien und dann gehört auch Japan dazu, wir wollen durch die Kontinente reisen. Anstel­ le der Wiener Skateboarder werden wir also den Surfern der Ipanema Beach begegnen. Die Arbeit hat viel mit Jugendkultur zu tun, und ich will dort sein, wo die jungen Leute sind. Wenn man brasilianische elektronische Komponisten beauftragt, wird auch etwas ganz anderes dabei herauskommen als das, was Franz Pomassl hier in Wien hervorgebracht hat. Markus Mittringer (geboren 1965) ist Autor und lebt in Wien. 27


Art Cluster

 Universität für   angewandte Kunst Wien 

Universität für angewandte Kunst Wien Oskar-Kokoschka-Platz 2 1010 Wien T + 43 1 711 33-0 www.dieangewandte.at

 ERÖFFNUNG  Eröffnung der Intervention  »Art & Science«  im Naturhistorischen Museum Wien

Naturhistorisches Museum

Die Universität für angewandte Kunst Wien zeigt im Naturhistorischen Museum Interven­ tionen von Studierenden aus dem Bereich Art & Science, der von Virgil Widrich geleitet wird. Um eine maximale öffentliche Wirkungskraft zu erzielen, ist die Angewandte bestrebt, Arbeiten ihrer Studierenden und Lehrenden im musealen Kontext zu präsentieren. Insbesondere die Projekte der Abteilung Art & Science beschäftigen sich mit der Erfor­ schung gesellschaftlicher und politischer Prozesse an der Schnittstelle von Visualisie­ rungskulturen, Kunst und Wissenschaft. Sie reflektieren bestehende Positionen, öffnen Elfenbeintürme, explorieren und generieren sozio-technische Verwerfungen der Gesell­ schaft. Die Annäherung zwischen Kunst und Wissenschaft verspricht reizvoll zu werden an einem Ort, dessen früheste Sammlungen bereits über 250 Jahre alt sind und somit zu einem guten Teil aus einer Zeit stammen, in der die Grenze zwischen dem künstlerischen und dem wissenschaftlichen Blick auf die Welt ganz anders gezogen wurde als heute. Weitere Informationen über die Ausstellung sind unter www.dieangewandte.at, www.nhm-wien.ac.at und www.viennaartweek.at verfügbar.

28


Art Cluster

 WIEN MUSEUM 

WIEN MUSEUM KARLSPLATZ 1040 Wien www.wienmuseum.at T +43 1 505 87 47-0 F +43 1 505 87 47-7201 Öffnungszeiten: Di.–So. und Fei. 10.00–18.00 Uhr

 Führung

 Podiumsdiskussion

 Fokus Sammlung: Direktor Wolfgang Kos  führt durch die Präsentation von  Neuerwerbungen seit dem Jahr 2000*

 Wie sammeln Museen?  Eine Kooperatio n zwischen  WIEN MUSEUM & mumok

Mittwoch, 16. November 2011 16.00 Uhr

Mit einer Präsentation von Neuerwerbungen und Schenkungen der letzten zehn Jahre be­ ginnt ein Zyklus, in dem die vielfältigen Samm­ lungen des WIEN MUSEUMS in markanten Ausschnitten und überraschenden Konstellati­ onen vorgestellt werden. Motto: vom Depot ins Rampenlicht. Zu sehen sind Kunstwerke, his­ torische und aussagekräftige Alltagsobjekte aus allen Epochen, die auf unterschiedliche Weise Wien repräsentieren. Der historische Schriftzug »Südbahnhof«, der anlässlich der Demolierung ins Museum kam, ist ebenso dabei wie Objekte aus der großen 50er-Jahr-Schenkungsaktion, zu der das WIEN MUSEUM 2009 aufrief. Ein Schwerpunkt liegt auf Erwerbungen von Ge­ genwartskunst, u.a. von Hans Schabus, Anna Jermolaewa oder Markus Schinwald. Das WIEN MUSEUM unterstreicht mit dieser umfassen­ den Erwerbung die hohe Bedeutung, die ge­ rade in einem Haus mit riesigen historischen Sammlungen dem aktiven »Weitersammeln« von »relevanten« Objekten zukommt. Grund­ lage ist die in den letzten Jahren entwickelte Sammlungsstrategie. Ausstellungsdauer: 10. November 2011–11. März 2012. *Anmeldung über www.viennaartweek.at erforderlich.

Montag, 14. November 2011 17.00 Uhr mumok, Museumsplatz 1, 1010 Wien Thomas Köhler, Berlinische Galerie, Berlin Wolfgang Kos, Direktor WIEN MUSEUM, Wien Karola Kraus, Direktorin mumok, Wien Julia Stoschek, Sammlerin zeitgenössischer Kunst, Julia Stoschek Foundation, Düsseldorf Moderator: Martin Fritz, Kurator und Publizist, Wien

Welche Regeln sollten in der Annäherung zwischen öffentlichen und privaten Interes­ sen befolgt werden? Welche Rolle kommt dabei der Kulturpolitik zu? Wie kann wissen­ schaftliche Forschung heute betrieben und neu definiert werden? Wie lassen sich bisher klar abgesteckte Sammlungsbereiche in Zeiten der Globalisierung und der Migration neu bestimmen? Vier Repräsentanten unter­ schiedlichster Sammlungen formulieren und diskutieren ihre Positionen zu diesen Fragen.

Mit den wirtschaftlichen Krisen und den globalen gesellschaftlichen Veränderungen haben sich auch für die Museen und den Kunstbetrieb markante Umbrüche erge­ ben: Öffentliche Museen geraten durch die Sparpolitik zunehmend unter Druck, ihrem Auftrag nachzukommen, während Privatmu­ seen innerhalb kürzester Zeit umfangreiche Sammlungen aufbauen können. In dieser Umbruchsituation sehen sich die öffentli­ chen wie auch privaten Museen und Samm­ lungen mit entscheidenden Fragen und Wei­ chenstellungen für die Zukunft konfrontiert: Welche neuen Strategien können unter den veränderten strukturellen und finanziellen Rahmenbedingungen entwickelt werden? Wie entgeht man einer drohenden Kommerziali­ sierung, um Kunst möglichst facettenreich zu sammeln und zu vermitteln? 29


Interview

 Galerienszene Wien  Wiener Galeristen ziehen Bilanz

Von links nach rechts: Emanuel Layr, Christine König, Miryam Charim

Eine Gesprächsrunde mit Miryam Charim, Christine König, Emanuel Layr, Christian Meyer und Gabriele Senn

Text von Ursula Maria Probst

30

Die Galerienszene hat in Wien seit den 1990er Jahren ziemlich an Dichte, Intensität und Qualität gewonnen. Die Wiener Galerien bilden heute eine wichtige Plattform für die VIENNA ART WEEK oder sind Impulsgeber für Projekte wie »curated by«, das »Gallery Weekend« oder die »Viennafair«. Gabriele Senn: In den letzten fünfzehn Jah­ ren hat sich in Wien eine tolle und dynami­ sche Galerienszene entwickelt. Es haben sich Galerienstraßen wie die Eschenbachgasse, die Schleifmühlgasse, die Seilerstätte gebil­ det. Wenn viel passiert, ist das wirklich toll. Aber man darf trotzdem nicht die Qualität und die Kontinuität aus den Augen verlie­ ren. Unsere Aufgabe besteht darin, trotz des sogenannten Kunstbooms immer auch zu differenzieren und vorne dranzubleiben. Das ist unser Anspruch und darauf sollten auch die Sammler reagieren. Miryam Charim: Die Leute kommen und neh­ men uns wahr. Zusätzlich sollte das Interesse dafür steigen, als Sammler selbst hinter einer

Künstlerin oder einem Künstler, der einem gefällt, zu stehen. Das motiviert uns als Ga­ leristen. Der Sammler ist ein ganz wichtiger Teil. In Wien gibt es 30 hervorragende Galeri­ en von internationalem Standard, die jede für sich ein spezifisches Publikum haben. Christine König: Etwas Grundsätzliches gilt es zu erwähnen: Österreich hatte nie eine richtige Tradition des Sammelns. »Die Ver­ treibung des Geistigen aus Österreich«, wie Oswald Oberhuber eine wichtige Ausstellung 1985 genannt hat, zeigte einen der Gründe dafür auf. Ich würde jetzt ganz kühn behaup­ ten, dass unsere Generation von Galeristen die erste war, die durch viel Aufklärungsar­ beit erfolgreich ein breiteres Bewusstsein dafür geschaffen hat, dass es zum Leben eines modern denkenden Menschen gehört, mit Kunst zu leben. Christian Meyer: Ich frage mich natürlich schon sehr, warum sich in Österreich jemand mit Kunst beschäftigt. Meiner Erfahrung nach waren es vor allem die Künstler,


die ein reales Interesse daran gehabt haben. Und warum ist es so außergewöhnlich, dass sich hier jemand mit Kunst befasst? Das Land ist sehr katholisch, rückwärtsbezogen und antibürgerlich usw. In den 1990er Jahren haben die Galerien begonnen, sich in ihrer Funktion zu verselbstständigen und sich international zu vernetzen, und dann ist alles gekippt. Die Challenge kam und kommt noch immer von den Galerien. Emanuel Layr: Wir arbeiten eigentlich an zwei Fronten. Einerseits gilt es, Aufmerk­ samkeit im eigenen Land zu gewinnen, und andererseits kümmern wir uns um die Inter­ nationalisierung. Wien ist eine sehr interna­ tionale Stadt, in der sehr viele internationale Leute und Künstler ein- und ausgehen. Wir sind derzeit durch ein sehr gutes Angebot an verschiedenen Initiativen genau auf dem richtigen Weg. Das Profil der Galeristin, des Galeristen hat sich gewandelt.

Christine König: Ich finde, dass wir österrei­ chische Galerien – ich spreche jetzt natür­ lich in erster Linie für die Wiener Galerien, die ich besser kenne – eine Gruppe ganz unterschiedlicher und ausgeprägter Persön­ lichkeiten sind. Jeder von uns sieht sich mit einem sehr hohen Bildungsauftrag versehen. Zusätzlich haben wir viel Erfahrung, meist auch ein gutes Auge. Ich beobachte, dass sehr, sehr gescheite Leute, die in ihren Beru­ fen echte Profis sind und viel leisten müssen, sehr wohl Galerien als Informationspool benützen. Die betrachten auch die Galerie als Partner. Profis gehen zu Profis. Emanuel Layr: Die Entwicklungen der Kunst bringen es mit sich, dass wir es heute mit zeitgenössischen Künstlern zu tun haben, deren Werke eigentlich schon automatisch die hochqualitativen Vermittlungspositionen in Form der Galerien erfordern. Wir geben Sammlern die Chance, etwas Aktuelles zu erwerben und nicht nur Abgesichertes, Vergangenes usw. Das ist das A und O und

dadurch wird das Vertrauen der Sammler in eine Kontinuität verstärkt. So gelingt es uns, gewisse Unsicherheiten gegenüber neuen künstlerischen Positionen abzufedern. Miryam Charim: Ich weiß, dass ich für diese Positionen verkaufen muss, die ich fördern oder promoten möchte. Und deshalb machen die meisten Galerien so einen Mix an Künst­ lern: junge Künstler, die man unterstützt, und mittlere oder bereits etabliertere Positio­ nen, die dann international gekauft werden. Christian Meyer: Bei den Galerien ist auch sehr positiv, dass du ungefähr weißt, wofür sie stehen. Gabriele Senn: Wenn du nach Deutschland blickst, gibt es den Künstler, dann sind da die Galeristen, die Sammler und die Museen, die Kuratoren und die Schreiber und schließlich die Magazine. Irgendwie geht alles Hand in Hand, viel mehr als bei uns. Deswegen schließen in Deutschland oder in Amerika die Künstler auch an vorhergehende Künstlergenerationen an. 31


Von links nach rechts: Christian Meyer, Gabriele Senn

In Österreich hingegen ist jedes Mal ein totaler Cut zwischen den Generationen, da es diese kontinuierliche Geschichte nicht gibt. Eine Frage stellt sich angesichts der Programmatik der »Viennafair« und der diesjährigen »curated by«-Projekte zum Süd-Ost-Austausch. Einerseits haben Wiener Galerien in ihren Programmen Künstler aus Südosteuropa. Aber andererseits ist es eng gedacht, Wiener Galerien auf diese Szene zu reduzieren. Wie ist da Ihre Position? Miryam Charim: Diese Ausweitung in Rich­ tung Osten macht Sinn für eine Messe, so bekommen wir ein Profil. Eine Messe funk­ tioniert nur dann, wenn sie sich gegen die anderen großen Messen abgrenzt. Wir sind nicht die »Art Basel« und wir sind auch keine große Messe, bei der es sehr viele Sammler gibt, wie bei der »Amory Show« in New York. Entscheidend ist aber, dass wir sehr wohl eine größere Region bearbeiten können – weil auch unsere Künstler aus diesen Orten kommen.

32

Christian Meyer: Der interessante Aspekt liegt im Spannungsfeld lokal/global, und die Globalisierung hat natürlich vieles an sich gezogen. Doch das Globale hat bis zu einem gewissen Grad ein Ende erreicht. So gesehen gefällt mir diese »Viennafair« ganz gut und von mir aus auch Ost. Es ist mir egal, wel­ ches Etikett daran hängt. Irgendetwas davon stimmt ja doch. Es stimmt etwas an den Lipizzanern oder den Sängerknaben und an der Ostgeschichte. Emanuel Layr: »Curated by« ist ein Entge­ genkommen der Stadt Wien. Das verstehe ich stark als Wirtschaftsförderung und sicherlich gibt es hier noch einen Unterschied. Das Projekt war immer als Anschubförderung gedacht – man initiiert etwas, und es geht ein wirtschaftlicher Impuls los, der meiner Meinung nach schon gegriffen hat. Christine König: Auch in den angelsäch­ sischen Ländern ging es darum, eine starke Kunstszene zu schaffen. Und zu einer star­ ken Szene gehört eben auch die Ökonomie,

in unserem Fall eine starke Galerienland­ schaft, die von Sammlern und Institutionen getragen wird, um die Kunstszene wachsen zu lassen. Bei vielen Künstlern lässt sich beobachten, dass sie immer besser werden, wenn ihre ökonomischen Verhältnisse gut sind. Gabriele Senn: Den Kunst-Standort Öster­ reich-Wien haben maßgeblich die Galerien geprägt. Wenn man sich anschaut, was bei Galerien in den letzten zehn Jahren an Kunst gezeigt wurde und was hier bei den Samm­ lern oder in den Museen und Institutionen hängen geblieben ist – also wenn man sich einmal so eine Liste vor Augen führt – sieht man die absolute Qualität der Galerien. Ursula Maria Probst lebt und arbeitet als Kunsthistorikerin, Kunstkritikerin, Kuratorin und Künstlerin in Wien. Studium der Kunstgeschichte an der Universität Wien, wissenschaftliche Arbeit über Louise Bourgeois in New York. Sie ist Mitinitiatorin des Performancekollektivs Female Obsession.


programm

 Guided Gallery Tours 

 Führung der Kuratorin Janina Falkner  durch die Ausstellung von Julie Hayward  »I wanna go home II« im Projektraum  Viktor Bucher*

 Führung der Kuratorin Dr. Susanne  Neuburger durch die Ausstellungen:*

 Führung des Kurators Lucas Cuturi  durch die Ausstellungen:*

Samstag, 19. November 2011 11.00 Uhr Treffpunkt: Galerie Emanuel Layr, An der Hülben 2, 1010 Wien

Samstag, 19. November 2011 16.00 Uhr Treffpunkt: Galerie Hubert Winter, Breite Gasse 17, 1070 Wien

Freitag, 18. November 2011 14.00 Uhr Treffpunkt: Galerie Ulrike Hrobsky, Grünangergasse 6, 1010 Wien

Galerie Emanuel Layr, Ausstellung »Gruppenausstellung kuratiert von Benjamin Hirte und Emanuel Layr« Galerie Grita Insam, Ausstellung Karina Nimmerfall Galerie nächst St.Stephan Rosemarie Schwarzwälder, Ausstellung Imi Knoebel Charim Galerie, Ausstellung Edgar Honetschläger, »framboise frivole«

Galerie Hubert Winter, Ausstellung Katherine Porter Kro Art Galerie, Ausstellung »räumlich – Räume offengelegt« Knoll Galerie, Ausstellung Ákos Birkás ZS art, Ausstellung: K.U.SCH, »Wald / das Kleine verweist auf das Große« Raum mit Licht, Ausstellung John Hilliard

Galerie Hrobsky, Ausstellung Tone Fink und Achim Freyer, »Ordnung und Störung von Ordnung« Artmark Galerie Wien, Ausstellung »Concrete or not concrete?«, kuratiert von Hartwig Knack

 Führung der Kunstpublizistin Barbara  Catoir durch die Ausstellungen »Guillaume  Bruère«, in Kooperation mit dem Institut  Français de Vienne, und »Paul Wallach«  in der Galerie Heike Curtze*

Janina Falkner, Assistenz Sammlung für Gegenwartskunst im MAK – Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst, Wien. Lebt in Wien.

Mittwoch, 16. November 2011 15.00 Uhr Treffpunkt: Projektraum Viktor Bucher, Praterstraße 13/1/2, 1020 Wien  Führung der Kuratorin und Museums- ­ leiterin Dr. Stefanie Dathe durch die  Ausstellungen:*

 Führung des Kunstkritikers und Kurators  Max Henry durch die Galerien und  Ausstellungen:*

Freitag, 18. November 2011 16.00 Uhr Treffpunkt: Galerie Meyer Kainer, Eschenbachgasse 9, 1010 Wien Galerie Meyer Kainer, Ausstellung Wolfgang Breuer Krobath, Ausstellung Hannes Böck Galerie Mezzanin, Ausstellung Agnes Martin, »Music is the Highest Form of Art«, kuratiert von Michael Klaar Galerie Steinek, Ausstellung Jaroslaw Kozlowski Galerie Winiarzyk

Samstag, 19. November 2011 13.00 Uhr Treffpunkt: Galerie Heike Curtze, Seilerstätte 15/16, 1010 Wien  Führung des Kurators Simon Rees durch  die Galerien und Ausstellungen:*

Samstag, 19. November 2011 14.00 Uhr Treffpunkt: Christine König Galerie, Schleifmühlgasse 1A, 1040 Wien Christine König Galerie, Ausstellung Sislej Xhafa, »oblique motionless« Galerie Gabriele Senn, Ausstellung Michael Riedel, »The quick brown fox jumps over the lazy dog« Momentum, Ausstellung Charles Féger, »Wilder Mann« Galerie Andreas Huber

*Anmeldung über www.viennaartweek.at erforderlich.

Dr. Stefanie Dathe, freiberufliche Kunsthistorikerin und Ausstellungskuratorin, seit 2008 Direktorin des Museums Villa Rot, Burgrieden-Rot; seit 2010 Kuratorin von The View – Contempo­rary Art Space / Bodensee. Max Henry ist Kurator und Kritiker. Zuletzt kuratierte er »The Cannibal’s Muse II« im renommierten non-profit space Autocenter in Berlin als Teil der Kulturinitiative »Based in Berlin«. Er schreibt für »Art Agenda« und andere Publikationen. Dr. Susanne Neuburger, Kunsthistorikerin und Kuratorin im mumok, Wien. Simon Rees lebt und arbeitet seit 2010 in Wien. Studium der Kunstgeschichte und Philosophie an den Universitäten Perth und Auckland. Leitender Kurator in Museen und Institutionen in Australien, Neuseeland, Litauen und Wien. Lucas Cuturi, Kunsthistoriker und freier Kurator, lebt und arbeitet in Wien. Barbara Catoir, Autorin, ehemals Rundfunkredakteurin für Kunst (Deutsche Welle Köln) und langjährige Mitarbeiterin des Feuilletons der »FAZ«.

33


Die Galerien –  Verband Österreichischer Galerien   Moderner Kunst  Galerie bei der Albertina

Galerie Frey

Knoll Galerie Wien

Lobkowitzplatz 1, 1010 Wien T +43 1 513 14 16, F +43 1 513 76 74 zetter@galerie-albertina.at, www.galerie-albertina.at

Ausstellung: Harding Meyer, »Front View« Gluckgasse 3, 1010 Wien T +43 1 513 82 83, F +43 1 513 82 83-4 art@galerie-frey.com, www.galerie-frey.com

Ausstellung: Ákos Birkás Gumpendorfer Straße 18, 1060 Wien T + 43 1 587 50 52, F +43 1 587 59 66 office@knollgalerie.at, www.knollgalerie.at

Artmark Galerie

Galerie Ernst Hilger

Christine König Galerie

Ausstellung: »Concrete or not concrete?«, Joachim Bandau, Norio Kajiura, Florentina Pakosta, Janos Megyik und Yves Popet, kuratiert von Hartwig Knack Singerstraße 17–19, Eingang Grünangergasse, 1010 Wien T +43 1 512 98 80 wien@artmark.at, www.artmark.at

Ausstellung: Andreas Leikauf Dorotheergasse 5, 1010 Wien T +43 1 512 53 15, F +43 1 513 91 26 ernst.hilger@hilger.at, www.hilger.at

Ausstellung: Sislej Xhafa, »oblique motionless« Schleifmühlgasse 1A, 1040 Wien T +43 1 585 74 74, F +43 1 585 74 74 24 office@christinekoeniggalerie.at, www.christinekoeniggalerie.com

Charim Galerie Ausstellung: Edgar Honetschläger, »framboise frivole« Dorotheergasse 12/1, 1010 Wien T +43 1 512 09 15, F +43 1 512 09 15 50 charim@charimgalerie.at, www.charimgalerie.at

Galerie Heike Curtze Ausstellungen: Paul Wallach, Objekt und Skulptur Seilerstätte 15/16, 1010 Wien Guillaume Bruère, in Kooperation mit Institut Français de Vienne Währingerstraße 32, 1090 Vienna T +43 1 512 93 75, F +43 1 513 49 43 wien@heikecurtze.com, www.heikecurtze.com

Hilger contemporary Ausstellung: Anastasia Khoroshilova, »STARIE NOVOSTI – Old News« Das Kollateral-Projekt der 54. Biennale Venedig Dorotheergasse 5, 1010 Wien T +43 1 512 53 15, F+43 1 513 91 26 ernst.hilger@hilger.at, www.hilger.at

BrotKunsthalle Ausstellung: Oliver Dorfer Absberggasse 27/Stiege 1, 1100 Wien T +43 1 512 53 15, F +43 1 513 91 26 brot@brotkunsthalle.com, www.brotkunsthalle.com

Ausstellung: Tone Fink und Achim Freyer, »Ordnung und Störung von Ordnung« Grünangergasse 6, 1010 Wien T +43 1 513 76 76, F +43 1 513 76 09 galerie@hrobsky.at, www.hrobsky.at

Galerie Andreas Huber

Ausstellung: Peter Pongratz Rauhensteingasse 12, 1010 Wien T +43 1 512 99 17, F +43 1 512 52 65 office@galerie-exner.at, www.galerie-exner.at

Schleifmühlgassse 6-8, 1040 Wien T +43 1 586 02 37, F +43 1 586 02 37 12 art@galerieandreashuber.at, www.galerieandreashuber.at

Galerie Johannes Faber

Galerie Julius Hummel

Ausstellung: Dick Arentz, »Photographs 1968–1998« Dorotheergasse 12, 1010 Wien T +43 1 512 84 32, F +43 1 512 84 32 info@jmcfaber.at, www.jmcfaber.at

Ausstellung: »Skulptur & Objekt« Bäckerstraße 14, 1010 Wien T +43 1 512 12 96, F +43 1 512 12 96-4 galerie.hummel@chello.at

Galerie Grita Insam Ausstellung: Hubert Schmalix Seilerstätte 19, 1010 Wien T + 43 1 512 09 10 office@feichtnergallery.com, www.feichtnergallery.com 34

Spiegelgasse 21, 1010 Wien T +43 1 513 01 03, F +43 1 51 301 04 gallery@artkonzett.com, www.artkonzett.com

Kro Art Gallery Ausstellung: »räumlich – Räume offengelegt« Miriam Bajtala, Christian Bazant Hegemark, Barbara Doser und Kurt Hofstetter, Marianne Lang, Nikolaus Eckhard, Sarah Pichlkostner, Rastislav Podoba Getreidemarkt 15, 1060 Wien T +43 1 585 71 43, F +43 1 587 20 98 office@kroart.at, www.kroart.at

Galerie Ulrike Hrobsky

Galerie Wolfgang Exner

Lukas Feichtner Galerie

Galerie Konzett

Ausstellung: Karina Nimmerfall An der Hülben 3, 1010 Wien T +43 1 512 53 30, F +43 1 512 53 30 15 office@galeriegritainsam.at, www.galeriegritainsam.at

Krobath Ausstellung: Hannes Böck Eschenbachgasse 9, 1010 Wien T +43 1 585 74 70, F +43 1 585 74 72 office@galeriekrobath.at, www.galeriekrobath.at

Galerie Emanuel Layr Gruppenausstellung kuratiert von Benjamin Hirte und Emanuel Layr An der Hülben 2, 1010 Wien T +43 1 524 54 90 gallery@emanuellayr.com, www.emanuellayr.com

Mario Mauroner Contemporary Art Vienna Ausstellungen: Barthélémy Toguo, Robert Devriendt Weihburggasse 26, 1010 Wien T + 43 1 904 20 04, office@galerie-mam.com, www.galerie-mam.com


Galerie Meyer Kainer

Galerie Slavik

Galerie Winiarzyk

Ausstellung: Wolfgang Breuer Eschenbachgasse 9, 1010 Wien T +43 1 585 72 77, F +43 1 585 72 77 88 info@meyerkainer.com, www.meyerkainer.com

Ausstellung: »Winterreise 2011«, Helfried Kodré, Gerti Machacek, Michael Becker, Gabriele Lehsten u.a Himmelpfortgasse 17, 1010 Wien T +43 1 513 48 12, F +43 1 513 07 48 galerie.slavik@vienna.at, www.galerie-slavik.com

Eschenbachgasse 7, 1010 Wien T +43 699 11 91 16 06 karol@winiarzyk.com, www.winiarzyk.com

Galerie Mezzanin Ausstellung: Agnes Martin, »Music is the Highest Form of Art«, kuratiert von Michael Klaar Getreidemarkt 14/Eschenbachgasse 1010 Wien T +43 1 526 43 56, F + 43 1 526 91 87 office@galeriemezzanin.com, www.galeriemezzanin.com

Momentum Ausstellung: Charles Fréger, »Wilder Mann« Schleifmühlgasse 1, 1040 Wien T +43 1 228 88 93, F +43 1 228 88 94 office@momentum.co.at, www.momentum.co.at

Galerie Steinek Ausstellung: Jaroslaw Kozlowski Eschenbachgasse 4, 1010 Wien T/F: +43 1 512 87 59 galerie@steinek.at, www.galerie.steinek.at

Galerie nächst St. Stephan Rosemarie Schwarzwälder

Galerie Hubert Winter Ausstellung: Katherine Porter Breite Gasse 17, 1070 Wien T +43 1 524 09 76, F +43 1 524 09 76-9 office@galeriewinter.at, www.galeriewinter.at

ZS art Galerie Ausstellung: K.U.SCH, »Wald / das Kleine verweist auf das Große« Westbahnstraße 27–29, 1070 Wien T +43 1 895 93 95-0, F +43 1 895 93 95 20 galerie@zsart.at, www.zsart.at

Ausstellung: Imi Knoebel Grünangergasse 1/2, 1010 Wien T +43 1 512 12 66, F +43 1 513 43 07 galerie@schwarzwaelder.at, www.schwarzwaelder.at

Projektraum Viktor Bucher

Galerie Michaela Stock & NEXT DOOR galerie michaela stock

Ausstellung: Julie Hayward, »I wanna go home II« Praterstraße 13/1/2, 1020 Wien T +43 1 212 69 30, F +43 1 212 69 30 projektraum@sil.at, www.projektraum.at

Ausstellung: Sandro Dukic und Slaven Tolj, »Views from Abroad« Schleifmühlgasse 18, 1040 Wien T: +43 1 920 77 78 info@galerie-stock.net, www.galerie-stock.net

Galerie Raum mit Licht

Galerie Suppan Contemporary

Ausstellung: John Hilliard Kaiserstraße 32, 1070 Wien T +43 1 524 04 94 galerie@raum-mit-licht.at, www.raum-mit-licht.at

Habsburgergasse 5, 1010 Wien T +43 1 535 53 54, F +43 1 535 53 54 35 info@suppancontemporary.com, www.suppancontemporary.com

Galerie V&V Galerie Lisa Ruyter Ausstellung: »if a tree falls in the forest and nobody hears it, does it make a sound?« Kantgasse 3/2/20, 1010 Wien T +43 1 505 61 00 beethovenplatz@gmail.com, www.galerielisaruyter.com

Gabriele Senn Galerie Ausstellung: Michael Riedel, »The quick brown fox jumps over the lazy dog« Schleifmühlgasse 1A, 1040 Wien T +43 1 585 25 80, F +43 1 585 826 06 office@galeriesenn.at, www.galeriesenn.at

Ausstellung: Karen Pontoppidan, »Canvas« Bauernmarkt 19, 1010 Wien T +43 1 535 63 34, F +43 1 810 21 21 40 vundv@aon.at, www.galerievundv.at

White8gallery Installation: Georg Eger, »Anonymous Identity in the White Cube« Collaborative Installation: »Postmodern Symbolism in Iceland«, Kristinn Mar Palmason, Baldur J. Baldursson, Sjon Zedlitzgasse 1, 1010 Wien T +43 664 202 67 54 dagmar@white8.at, www.white8.at

35


Kunst & Wissenschaft

 TROUBLING RESEARCH:   Performing Knowledge   in the Arts 

1

Text von Axel Stockburger Versehen mit den Schlüsselbegriffen »artsbased research«, »practice-led research« oder auch »artistic research« findet derzeit eine äußerst lebendige Auseinandersetzung über die Möglichkeiten und Bedingungen der Forschung im Feld der Kunst statt, die von den Transformationen der Bildungslandschaft im Zuge des Bologna-Prozesses begleitet und strukturiert wird. Während verschiedenste Formen künstlerischer Forschung seit etwa zwanzig Jahren vorwiegend im anglo-ameri­ kanischen Sprachraum an Kunsthochschulen institutionalisiert worden sind, setzt dieser Prozess nun auch in Österreich ein. Zum einen schlägt sich dies in den jeweili­ gen postgradualen Programmen der Kunst­ hochschulen nieder, etwa dem PhD-in-Practi­ ce am Center for Art Knowledge (CAK) an der Akademie der bildenden Künste Wien, der künstlerisch-wissenschaftlichen Dokto­ ratsschule an der Kunstuniversität Graz, der Einrichtung des Master-Studiengangs »Art & Science Visualization« an der Hochschule für angewandte Kunst Wien und ähnlicher Angebote an den Kunsthochschulen in Linz und Salzburg. Parallel dazu sind Forschungs­ förderungsprogramme wie das »Art(s) & Sciences Programm« des WWTF und PEEK (Programm zur Entwicklung und Erschlie­ ßung der Künste) des FWF eingerichtet wor­ 36

2

den. Mit der Universitätsgesetzesnovelle von 2002 ist die sogenannte »Entwicklung und Erschließung der Künste« der wissenschaft­ lichen Forschung gleichgesetzt. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie diese Entwicklungen aus Sicht der künstlerischen Praxis zu verstehen und zu bewerten sind. Was bedeutet es, wenn von der Entwicklung und Erschließung der Künste gesprochen wird? Kann man im Hinblick auf die lange und komplexe Geschichte der Berührungen und Überschneidungen zwischen künstle­ rischen und wissenschaftlichen Praktiken, welche beispielsweise den konzeptuellen und post-konzeptuellen Kunstformen eingeschrie­ ben sind, die Künste tatsächlich als ein erst zu »erschließendes« Gebiet imaginieren? Wie stellt sich das Verhältnis zwischen der ökonomischen Logik einer vom Spätkapi­ talismus geprägten Wissensgesellschaft, in der Wissen als Produkt gehandelt wird, und künstlerischen Positionen, die ein kritischemanzipatorisches Potenzial gegenüber genau diesen Tendenzen mobilisieren, dar? Das vom WWTF geförderte Forschungsprojekt Troubling Research: Performing Knowledge in the Arts an der Akademie der bildenden Künste Wien konfrontiert unter anderem die­ se vielschichtigen Fragestellungen aus den Perspektiven der künstlerisch-theoretischen Praxis der jeweiligen Beteiligten (Tom Holert, Johanna Schaffer, Carola Dertnig, Diedrich

Diederichsen, Johannes Porsch, Stefanie Seibold, Simonetta Ferfoglia und Heinrich Pichler [gangart], Axel Stockburger). Dabei wird der historischen Entwicklung der vielfäl­ tigen Beziehungen zwischen Konzepten wie »Wissenschaft«, »Forschung« und »Wissens­ produktion« im Kontext der Etablierung von Formen »künstlerischer Forschung« besonde­ re Aufmerksamkeit geschenkt. Tom Holert betreibt eine genealogische Untersuchung der konflikthaltigen Wahrheits­ politiken, die mit dem Konzept »Forschung« verbunden sind – für die Gegenwart, aber ausgehend von der Kunst der 1960er und 1970er Jahre. Diedrich Diederichsen, der sich mit dem von »Search&Destroy« in »Re­ Search« umbenannten Punkfanzine ausein­ andersetzt, geht es vorrangig darum zu zei­ gen, in welcher Weise der Dissens zwischen verschiedenen Werken und ästhetischen Strategien inszeniert wird. Simonetta Ferfo­ glia und Heinrich Pichler (gangart) beziehen sich auf die italienische Antipsychiatriebewe­ gung der 1970er Jahre und den Künstler Ugo Guarino. Ihr Interesse gilt der spezifischen Beziehung zwischen künstlerischer Arbeit und der Entstehung von Wissen und dem Potenzial dieser Beziehung für eine Kritik an und Intervention in die Institution der Psych­ iatrie. Die Art des künstlerischen Forschens, welche sich im Umfeld des New Yorker Judson Dance Theatre zwischen 1962 und


3

4

5

1 Robert Filliou, »Research on Art and Astrology (Capricorn)«, 1969 2 Teresa Maria Diaz Nerio, Akademie der bildenden Künste Wien, April 2011 3 Ugo Guarino, »I Testimoni«, 1974–75, am Psychiatri­ schen Spital Triest aus dem Mobiliar »de-insti­ tutionalisierter« Pavillons entstanden 4 Simone Forti, »Huddle«, Akademie der Bildenden Künste Wien, 2010 5 Johannes Porsch, »Le facteur de la vérité«, 2010 6 Axel Stockburger, »I am WOW«, Screenshot, HD Video, 2010

6

1964 entwickelt hat, war für Carola Dertnig ausschlaggebend für eine intensive Beschäf­ tigung mit der Position von Simone Forti. Im Rahmen eines Symposions im Herbst 2010 leitete Forti an der Akademie der bildenden Künste einen Workshop mit Studierenden, in dem die Bedeutung des Performativen für die Entstehung eines verkörperten Wissens erkennbar wurde.

Auch Stefanie Seibold weist in ihrer künstle­ rischen Forschung dieser Dimension des ver­ körperten Wissens einen hohen Stellenwert zu. Seibold setzt ihre Arbeit in Bezug zu den Performances der italienischen Künstlerin Gina Pane, indem sie die Inhalte und Be­ deutungsproduktion in Panes (Bild-)Archiven durch strategische Auswahl, unterschiedliche Displayformationen und re-staging erforscht. Bei Johannes Porsch fungiert die diskursi­ ve Kette, die im Anschluss an Edgar Allen Poes Kurzgeschichte »Der entwendete Brief« durch Texte von Jacques Lacan, Jacques Derrida oder auch Barbara Johnston ent­ stand, als modellhaftes Bezugssystem für die Entwicklung und Inszenierung performativer Ansätze. Auch hier spielt das Verhältnis zwi­ schen theoretischem Wissen und Performanz eine wesentliche Rolle. Axel Stockburgers Beitrag zu Troubling Research beschäftigt sich mit spezifischen Wissensformen, wie sie in Fangemeinschaften von Anime und Com­ puterspielen zirkulieren und im sogenannten

Cosplay (kosupure) buchstäblich verkörpert werden. Diese Untersuchung stützt sich auf die chinesische Variante des Cosplay in Städten wie Chengdu und Chongqing. Die Charakteristika dieser singulären Forschungs­ beiträge werden zum Untersuchungsgegen­ stand für Johanna Schaffer, die es sich zum Ziel gesetzt hat, anhand von Interviews mit den Beteiligten herauszuarbeiten, welche Konsequenzen der Begriff und das Konzept der »künstlerischen Forschung« für die jewei­ ligen Positionen hat, welche Optionen sich durch sie ergeben und was durch sie verstellt oder sogar verunmöglicht wird. Über die jeweiligen singulären Forschungsin­ teressen hinausgehend reflektieren alle Be­ teiligten die paradigmatischen Bedingungen künstlerischer Forschung vor dem Hinter­ grund der spürbaren ökonomischen Formatie­ rungstendenzen, die im kognitiven Kapitalis­ mus »Wissen« als Ware positionieren. Dabei geht es vor allem darum, bestehende Annah­ men, wie etwa Legitimationsstrategien im Kontext der Wissenschaften, derart »aus der Ruhe zu bringen«, dass das Potenzial künst­ lerischer Ansätze zum Vorschein kommen kann, ohne sich in den Sackgassen etablier­ ter Methodologien zu erschöpfen. Die Frage, wie »Wissen« in der künstlerischen Praxis entsteht und (mit-)geteilt wird, ist dabei untrennbar mit den jeweils spezifischen Wis­ sensinhalten verbunden. Gerade aus diesem

Grund ist die Konzentration auf den Bereich des Performativen von zentraler Bedeutung für ein erweitertes Verständnis der Möglich­ keiten künstlerischen Forschens. Weitere Informationen über das Troubling Research-Projekt sind auf dem Blog www.troublingresearch.net zugänglich. Zudem sind eine Publikation sowie eine Ausstellung in den x-hibit-Räumen der Akademie der bildenden Künste Wien, die am 24. November 2011 eröffnet, geplant. Axel Stockburger lebt und arbeitet als Künstler und Theoretiker in Wien. Er studierte bei Peter Weibel an der Universität für angewandte Kunst in Wien und absolvierte an der University of the Arts London (LCC) ein Ph.D.-Studium. Seine Filme und Installationen werden international gezeigt.

37


Programm

 21er Haus   Museum für zeitgenössische   Kunst 

21er Haus Museum für zeitgenössische Kunst Schweizergarten Arsenalstraße 1 1030 Wien www.21erhaus.at T +43 1 795 57-134 F +43 1 795 57-136 Öffnungszeiten: Mi.–So. 10.00–18.00 Uhr

 Museumseröffnung

 Künstlergespräch

 Kuratorengespräch

 Eröffnung des 21er Hauses

 Künstlergespräch mit Kuratorin  Bettina Steinbrügge

 Kuratorin Bettina Steinbrügge im  Gespräch mit Charles Esche, Direktor  des Van Abbemuseums, Eindhoven, und  Georg Schöllhammer, Herausgeber des  Kunstmagazins »Springerin«

Dienstag, 15. November 2011 19.00 Uhr Die Eröffnung des 21er Hauses wird u.a. mit künstlerischen Interventionen von Markus Geiger, Florian Hecker und Sasha Pirker gefeiert, die die Raumstruktur und die Geschichte des Hauses reflektieren und in Szene setzen.

Mittwoch, 16. November 2011 14.00 Uhr Die Künstler, die zur Eröffnung des Hauses in die Architektur intervenieren, sprechen über ihre Arbeiten und deren Bezug zur Geschichte und Zukunft des Hauses sowie darüber, welche Vorstellungen sie von einem Museum für zeitgenössische Kunst haben.

 Führung  Führung    Dialogführung mit Kuratorin  Cosima Rainer*

Mittwoch, 16. November 2011 11.00 Uhr Ein Rundgang durch das neue Museum, seine Ausstellungsräume und BackstageBereiche. Die Kuratorin Cosima Rainer präsentiert das Gebäude, die neue inhaltliche Ausrichtung und die künstlerischen Interven­ tionen des Eröffnungsprogrammes im Dialog mit beteiligten Künstlern.

38

 Direktorin Agnes Husslein-Arco  führt durch das 21er Haus*

Donnerstag, 17. November 2011 11.00 Uhr Ein neues Museum für Wien: Das 21er Haus präsentiert österreichische Kunst ab 1945 im internationalen Kontext. Das sanierte und ad­ aptierte Architekturjuwel von Karl Schwanzer, 1962 als erstes Museum für moderne Kunst in Wien eröffnet, erhält unter der Leitung des Belvedere ein neues Profil.

Donnerstag, 17. November 2011 17.00 Uhr

Mit der Neueröffnung eines Museums für zeitgenössische Kunst müssen Fragen nach der Aktualität und der gesellschaftlichen Ver­ antwortung gestellt werden: Wie können ein Museum und die darin arbeitenden Perso­ nen umgehend auf kulturelle und politische Veränderungen reagieren? * Anmeldung über www.viennaartweek.at erforderlich.


Programm

 Reflecting Reality –   die Wirklichkeitsmodelle der Kunst 

Text und Konzept von Robert Punkenhofer und Ursula Maria Probst Kunst und Psychoanalyse – die Wahrneh­ mung, das Empfinden, das Hinterfragen von Realität als reflexive Erfahrung – bilden heute wichtige Kriterien und beziehungs­ reiche Impulse der Kunstproduktion. Nach neuen Forschungen der Neurowissenschaft gibt es auffällige Zusammenhänge, wie das Gehirn funktioniert und wie die Welt nach Modellen konstruiert wird. Nicht nur die Wahrnehmung, sondern auch die Beurteilung von Wirklichkeit erfolgt nach Modellen. Wir sehen und erleben die Welt nicht so wie sie ist, sondern konstruieren sie nach Vorbildern. Wissenschaftliche und künstlerische Erkennt­ nisgewinnung befinden sich heute in regem Austausch und bewirken eine Neubewertung des dabei fokussierten Realitätstransfers.

»Brautkrone« von Iwajla Klinke, St. Georgen 2011

 Eröffnung  Eröffnung der Ausstellung  »Reflecting Reality« im Rahmen des  Interview Marathons

Montag, 14. November 2011 17.00 Uhr Ort: Sigmund Freud Museum Ausstellungsdauer: 15.–20. November 2011

In medien- und genreübergreifenden Methoden, in Strategien außergewöhnliche Materialien und psychische Organisations­ prinzipien einzusetzen, um Widerstände zu artikulieren, Rituale zu aktivieren und Extreme zu riskieren, äußern sich heute die ästhetischen und thematischen Spannwei­ ten künstlerischer Zugänge zur Realität. Die von den am Ausstellungsprojekt beteiligten Künstlern produzierten Installationen bilden verschiedene Modelle von Wirklichkeit aus. Markante Orte werden zur Projektrealisierung aufgesucht, die sich an der Schnittstelle zwischen Institution und öffentlichem Raum befinden – Psychokartografien urbaner Topo­ grafien werden mitreflektiert. Laut Behaviorismus – der Verhaltenspsycho­ logie – befinden wir uns mit unserer Umwelt in einer permanenten Verhaltensinteraktion. Bereits Sigmund Freud betrachtete die Prozesse psychischer und sozialer Integra­ tion als parallele Abläufe zu körperlichen Entwicklungen und deren Bewegungs- und Handlungsfunktionen. Selbst Pierre Bourdieu, der sich in seiner Kultursoziologie stark mit den Beziehungen zwischen Gesellschaft, Institution, Kunst und Diskurs befasste, leistete durch den Begriff des »Habitus« und

die dadurch wirkenden Rollenmodelle einen Beitrag. Als künstlerisches Forschungsprojekt widmete sich Andrea Fraser einer Neulektüre der Beziehung zwischen Pierre Bourdieus Theorien und der Psychoanalyse. Psychound Soziogenese spielen in der Übertragung verhaltensbildender Abläufe eng ineinander. Bei der Suche nach einer Antwort darauf, was der Gesellschaft auf die Psyche schlägt, driften die Massenmedien und deren Befra­ gungsmethoden schnell ins Spekulative. Die Psyche als treibende Kraft hinter künstle­ rischen Methoden und Praktiken hingegen wirkt sich nicht bloß auf die Produktionsbe­ dingungen aus, sondern bietet Möglichkei­ ten, die damit in Zusammenhang stehenden inhaltlichen und gesellschaftspolitischen Be­ deutungsebenen neu zu strukturieren. Die so entstehenden Installationen werden im Sinne von Bruno Latours »Neuer Soziologie für eine neue Gesellschaft« auch zu »Aktanten« einer dynamischen Beziehung zwischen Kunst­ praxis und deren Handlungsfeldern. Und formieren sich zu »Mind Invaders«, indem sie gegenüber aktuellen Lebensformen neue Konturen und Alternativ-Modelle zeichnen. Die aktuelle Relevanz der Psychoanalyse für die Kunst begründet sich auch darin, dass dadurch ein Instrumentarium zur Verfügung steht, das zwischen individuellen psychischen Bedürfnissen und der Refle­ xion gesellschaftlicher Umbrüche infolge politischer und ökonomischer Umwälzungen unserer Zeit ein intensives Austauschverhält­ nis schafft. Ein Ausstellungsprojekt mit Roger Hiorns, Iwajla Klinke, Manu Luksch, Joseph Kosuth, Edgar Honetschläger, Elisabeth von Samso­ now u.a. Ursula Maria Probst lebt und arbeitet als Kunsthistorikerin, Kunstkritikerin, Kuratorin und Künstlerin in Wien. Studium der Kunstgeschichte an der Universität Wien, wissenschaftliche Arbeit über Louise Bourgeois in New York. Sie ist Mitinitiatorin des Performancekollektivs Female Obsession. Robert Punkenhofer ist österreichischer Handelsdelegierter und freiberuflicher Kurator. 1995 gründete er als dessen Geschäfts­ führer das international ausgerichtete Beratungsunternehmen/ den Galeriebetrieb ART&IDEA. Seit 2003 leitete und kuratierte er außerdem Österreichs Teilnahme an den Weltausstellungen im Jahr 2005 in Japan, 2008 in Spanien und 2010 in China. Seit dem Jahr 2005 ist er künstlerischer Leiter der VIENNA ART WEEK. Er lebt und arbeitet in Barcelona und Wien.

39


Studio visits

 Werner Reiterer  Humor als Einstiegsdroge

Das Interview mit dem Künstler Werner Reiterer führte Severin Dünser, Kurator und Leiter des Wiener Kunstvereins COCO. Deine Arbeiten funktionieren oft über Humor – wer oder was bringt dich denn zum Lachen? Werner Reiterer: Humor ist für mich nur so etwas wie eine Einstiegsdroge. Er erleich­ tert, eine vermeintliche Barriere zwischen Kunstwerk und Besucher abzubauen. Ich habe natürlich meine Favorites von Jacques Tati bis Karl Valentin. Speziell bei Karl Va­ lentin gibt es tolle Arbeiten aus den 1920er Jahren, die die meisten leider nicht kennen. Ich habe in Düsseldorf vor einigen Jahren eine wirklich sehr gute Ausstellung über Karl Valentin gesehen. Sie war sehr amüsant, aber eben nicht nur, das ist für mich schon extrem wichtig. Wenn ein Kunstwerk nur auf der humoristischen Ebene funktioniert, ist das zu wenig. Die Verpackung darf ruhig humoristisch sein, aber anschließend muß noch mehr passieren, sonst kippt es in eine Gag-Geschichte. Wenn wir gerade beim Mehr sind, Betrachter sind ja bei dir auch Teil eines Kunstwerks, Material. Ist für dich das partizipative Element politisch zu verstehen? Werner Reiterer: Das ist auf alle Fälle zu bejahen. Ich glaube prinzipiell, dass jede Art von Gegenwartskunst, die auf der Höhe der Zeit ist, per se einen politischen Kern hat. Weil wir alle politische Wesen sind und das als Haltung in die Arbeit einfließt. Ich selbst bin kein spezifisch politischer Künstler, der tagespolitische Themen aufgreift. Ich halte es auch eher für eine Sackgasse – solche Arbeiten haben ein sehr kurzes Ablaufdatum. Das Partizipative hingegen halte ich für eine sehr wichtige Eigenschaft meiner Arbeiten.

Studio Visits* mit Severin Dünser Di., 15. November  11.00 Uhr  Werner Reiterer Rosemarie Lukasser Jannis Varelas * Anmeldung über www.viennaartweek.at erforderlich. Treffpunkt wird nach Anmeldung bekannt gegeben. 40

Wie siehst du Kunst im Rahmen der Gesellschaft – was für Aufgaben kann sie wahrnehmen oder welche Berechtigung hat sie da für dich? Werner Reiterer: Kunst spielt in diesem Kontext eine eminent wichtige Rolle. Schaut man sich totalitäre Staaten an, wird im Vergleich zu freieren oder demokratische­ ren Staaten sehr schnell klar, dass es eine Korrelation zwischen dem Auftreten von Gegenwartskunst und dem Grad der Frei­ heit einer Gesellschaft gibt. Das heißt im Umkehrschluss, dass meiner Meinung nach freie Gesellschaften unbedingt Gegenwarts­ kunst brauchen – je mehr desto besser –, weil Kunst eben genau diesen Diskurs und diese Metaebene beschreibt und perma­

nent eine neue Textur entwickelt. Wenn die Gesellschaft und ihre Kultur eine Autobahn ist, dann ist die Kunst der Waldweg. Wenig befahren, aber mit der Option angelegt, ab­ biegen zu können und eine Runde zu drehen. Es ist mühevoller, ihn zu beschreiten, aber auch überraschender. Weitergedacht wird jeder »tragfähige« Waldweg irgendwann zur Autobahn – das Reglement wird Common Sense. Du konzipierst sowohl Ausstellungen als auch Arbeiten für den öffentlichen Raum – wie gehst Du mit den unterschiedlichen Öffentlichkeiten um? Werner Reiterer: In Museen, Kunstvereinen, Galerien kann ich davon ausgehen, dass sich ein hoher Prozentsatz der Besucher für Kunst interessiert. Dementsprechend werden hier Arbeiten anders rezipiert als im öffentlichen Raum, wo sich nur ein verschwindend gerin­ ger Teil der Menschen mit Kunst beschäftigt. Deshalb schauen meine Projekte im öffentli­ chen Raum auch oft so aus wie Alltagsgegen­ stände, nur, dass sie sich nicht so verhalten. Die kriegen Eigenschaften implantiert, die sie als etwas anderes ausweisen, und damit fallen sie kurzzeitig auch aus der Realität. Indoor funktioniert das ganz anders, da muss man mit ganz anderen Parametern arbeiten. Das ist aber auch der Reiz – ich mache beides gern. Deine Arbeiten lösen Wahrnehmungsmuster auf, was bricht deinen Alltag? Werner Reiterer: Ich bin auf der einen Seite sehr gut organisiert. Auf der anderen Seite passieren mir dann wahnsinnig oft ganz schwachsinnige Sachen, etwa dass ich den Kaffee im Kühlschrank deponiere und ihn dann eine halbe Stunde in der Wohnung suche.


Studio Visits

 Maja Vukoje 

Es sind intuitive Vorgänge, die sich manifestieren

Das Interview mit der Künstlerin Maja Vukoje führte Stella Rollig, Direktorin des Lentos Kunstmuseum Linz. Deine Ausstellungsgeschichte erscheint mir sehr klar strukturiert, sehr bewusst gesetzt zu sein. In Österreich fand deine letzte institutionelle Ausstellung 2006 in der Secession statt, dann in der Galerie Martin Janda und jetzt 2011 im Salzburger Kunstverein. Das sind durchwegs international renommierte Institutionen. Wie triffst du deine Ausstellungsentscheidungen? Wann fühlst du dich in welchem Kontext bereit, neue Arbeiten zu zeigen? Maja Vukoje: Das ist gar nicht so bewusst gelenkt, hat nichts mit bewussten Entschei­ dungen zu tun. Es ist vielmehr so, dass die Ausstellungen dann kommen, wenn ich das Gefühl habe, eine Werkgruppe erarbeitet zu haben, die ich in einer gewissen Form prä­ sentieren möchte. Es sind intuitive Vorgänge, die sich manifestieren.

 Studio Visits* mit Stella Rollig   Fr., 18. November   14.00 Uhr 

Das Genre der Malerei prägt weitgehend unseren sozialen Begriff von Kunst. Die Figur des Künstlers spielt hier traditionellerweise eine große Rolle. So vollzieht sich eine starke Rückkoppelung, nach der die Betrachter den Künstler – oder die Künstlerin – in der Arbeit aufzuspüren versuchen. Nun kann man sich aus deinen Bildern ein bisschen etwas über Maja Vukoje zusammenreimen. Demnach muss es sich um eine Künstlerin handeln, die reist und über den Tellerrand der eigenen europäischen Kultur hinausblickt, und die kunstgeschichtliche, literarische und theoretische Referenzen einzubauen weiß. Jetzt stellt sich die Frage: Wie, woher kommt dieser künstlerische Ansatz? Hast du neben der Malerei auch Theorie oder ein anderes wissenschaftliches Fach studiert? Maja Vukoje: Ich habe mir das theoreti­ sche Wissen selbst angeeignet, und zwar keiner Struktur folgend, sondern eher nach Affinitäten. Ich bin immer stark von Themen ausgegangen. Ich habe die Malerei nie aus kunstgeschichtlichen Bezügen generiert, sondern eher aus thematischen Interessen. Einflüsse kamen vom Film, Theater, Tanz, aus der Psychoanalyse, kulturtheoretischen Texten usw.

Es liegt nahe, bei einer Künstlerin aus Belgrad in ihrer Arbeit nach Bezügen auf diese Herkunft zu forschen. Doch du entsprichst nicht den Erwartungen an eine Repräsentantin der Kunst Südost-Europas. Maja Vukoje: Ich habe mich schon immer mit einem breiten Spektrum an Identitäten, also nicht auf einem stark konstituierten Ich, sondern auf einem flexiblen Ich basierend, auseinandergesetzt. Aus diesem Grund habe ich auch anstelle meiner biografischen andere mögliche Identitäten thematisiert, die gerade in Migrationsfragen eine wesentliche Rolle spielen. Ich sehe die Herkunft nicht als Bestimmung, zumindest meiner Erfahrung nach ist dies so. Und deswegen wollte ich nicht mit Klischees hantieren, weil sie für mich gar nicht vorhanden sind. Ich müss­ te sonst etwas imitieren, was ich so nicht empfinde. Deine Auseinandersetzungen mit verschiedenen Kulturkreisen finden über sehr weit entfernte Phänomene statt. Du hast erwähnt, dass dich vor allem hybride Kulturen anderer Kontinente interessieren. Wie hat sich dieser Schwerpunkt entwickelt? Maja Vukoje: Ich spürte eine persönliche Affinität und so richtete ich mein Interesse auf bestimmte rituelle Handlungen, die als codierte Gesten hybride kulturelle Formen infiltriert haben. Besonders in der Populär­ kultur oder in religiösen Ritualen zeigt sich, wie sich diese Gesten unabhängig von der Sprache substituierten. Mein Fokus liegt auf den psychosozialen Elementen des Affekts und deren Auswirkungen und Rückkoppe­ lungen auf das Individuum im kollektiven Kontext. Diese performativen Formen lassen sich auch visuell repräsentieren.

 Maja Vukoje   Luisa Kasalicky   Werner Feiersinger  * Anmeldung über www.viennaartweek.at erforderlich. Treffpunkt wird nach Anmeldung bekannt gegeben. 41


Studio visits

 Anthony Auerbach  Das Atelier ist das ganze Universum

Das Interview mit dem Künstler und Forscher Anthony Auerbauch führte Ursula Maria Probst, freie Kuratorin und Kunstkritikerin. Du hast uns für dein »Atelierporträt« zum Planetarium geführt. Willst du uns damit sagen, dass das ganze Universum dein Atelier ist? Anthony Auerbach: Nein, ich arbeite hier tatsächlich! Aber irgendwie hast du vielleicht recht. Da ich nirgendwo fix lebe, könnte jeder Ort mein Atelier sein, oder jedes Planetarium. So habe ich zum Beispiel im Griffith Observatory in Los Angeles gearbeitet. Für viele Künstler bedeutet ihr Atelier das ganze Universum. Für mich stimmt das bis zu einem gewissen Punkt, allerdings nur bis ungefähr 1995. Schließlich bin ich aus meinem Studio in London ausgezogen, und seitdem arbeite ich temporär an verschiedenen Orten, die ich mir geborgt oder auf unterschiedliche Weisen infiltriert habe. Gibt es denn am Wiener Planetarium etwas Besonderes? Anthony Auerbach: Alle Planetarien ähneln einander, weil sie alle dasselbe simulieren und um das gleiche oder ähnliche Instrumen­ te konstruiert sind, die Zeiss erstmals in den 1920er Jahren erzeugt hat. Aber in ihrem architektonischen Ausdruck gibt es eine gro­ ße Vielfalt, um nicht zu sagen viel Fantasie. Das Gebäude in Wien ist relativ bescheiden, aber ich mag seinen Standort im Prater. Es gehört praktisch zum Vergnügungspark, wo man andere, teilweise ähnliche technische Vorrichtungen findet, die den Sinnesempfin­ dungen gewidmet sind. Es ist nicht schwer, die Aspekte des Planetariums, die dem Sinneseindruck dienen, zu erkennen und das Spektakel, das es aus der Technologie macht – trotz seines angeblich so nüchternen und didaktischen Zwecks. Ich beginne, mir den Vergnügungspark als kosmografische Maschine vorzustellen.

Studio Visits* mit Ursula Maria Probst Do., 17. November 10.00 Uhr Marlene Haring Anthony Auerbach Nazim Yilmaz * Anmeldung über www.viennaartweek.at erforderlich. Treffpunkt wird nach Anmeldung bekannt gegeben. 42

Was genau hast du im Planetarium in Los Angeles gemacht? Anthony Auerbach: Das Griffith Observatory liegt auf den Hollywood Hills über Los Ange­ les. Das Gebäude ist teils Palast, teils Tem­ pel. Sie haben für die Besucher Teleskope auf dem Dach installiert, um nach oben zu schauen, und obwohl das Herzstück des Ob­ servatoriums natürlich ein Zeiss-Planetarium ist, liefert die Stadt da unten das eigentliche Spektakel. Als ich dort war, führte ich eine Reihe von quasi-astronomischen Vermes­ sungen durch – von den Innenräumen des Observatoriums und von Los Angeles.

Was meinst du mit »quasi-astronomischen Vermessungen«? Sind sie so ähnlich wie die Luftbildvermessungen, die du von Berlin und New York angefertigt hast? Anthony Auerbach: Sie ähneln sich insofern, als sie beide systematische fotografische Erhebungen von Oberflächen sind. Die quasi-astronomischen Vermessungen sind Aufzeichnungen des Inneren einer Kugel, wohingegen die Luftbildvermessungen eine flache Oberfläche erfassen. Die erste Luftvermessung, oder ich sollte wohl besser sagen, die erste Tiefflugluftbildvermessung, die ich gemacht habe, war die des Tep­ pichs in meinem Atelier, in dem ich viele Jahre lang hauptsächlich an Zeichnungen gearbeitet hatte, also an Oberflächen. Die Luftvermessung nahm die Topografie dieses Teppichs in ungefähr 400 sich überschnei­ denden Fotografien auf, als wäre der Teppich eine Landschaft. Die Arbeit bekam den Titel »Planet«. Meine »Planetarium Speculations« und die Luftbildvermessungen spielen beide mit Maßstäben. Etwas immens Großes wird miniaturisiert, etwas Winziges vergrößert. Wie ist es dir gelungen, den gesamten Staat New York aus einer Höhe von ca. 2,10 Metern aufzunehmen? Anthony Auerbach: Ich habe die Oberfläche einer riesigen Karte des Staates New York fotografiert, die in den Terrazzoboden des New-York-State-Pavillons eingelegt ist. Da der Pavillon, den Philip Johnson entwor­ fen hatte, am Ende der Ausstellung nicht abgerissen wurde, verfiel er allmählich und war dann seit vielen Jahren geschlossen. Gefunden habe ich dort eine Landkarte, die sich wieder in eine Landschaft verwandelte. Die Serie aus ungefähr 2 500 Fotografien bildet ein Archiv, aus dem ich verschiedene Arbeiten abgeleitet habe. Die Arbeit »Em­ peror Panorama«, zum Beispiel, die sich auf den Empire State (wie der Staat New York auch gennant wird) und das Kaiserpanorama (einen Guckkasten) bezieht, lässt wiederum die von der Vorstellung systematischen Wis­ sens entfachte Sehnsucht auf den Spaß des Vergnügungsparks prallen.


Studio Visits

 Verena Dengler  Die Anarchie der Vorstadt

Das Interview mit der Künstlerin Verena Dengler führte Cosima Rainer, Kuratorin des 21er Haus. Du hast erzählt, dass du selbst eigentlich über eine Bekanntschaft mit einer Künstlerin zur Kunst gekommen bist – Lucy McKenzie. Verena Dengler: Ich war 18 oder 19 Jahre alt und nach der Matura, als ich keine Ahnung hatte, was ich machen sollte, mit einem Interrail-Ticket in Schottland unterwegs. Ich überlegte ursprünglich, Bühnenbild zu studieren, und dann habe ich Lucy McKenzie zufällig auf einer Kunstmesse in Glasgow kennengelernt und war bei ihr im Atelier. Danach dachte ich, das könnte ich eigentlich auch machen. So war das. Obwohl ihr ein ganz unterschiedliches künstlerisches Vokabular verwendet, beschäftigt ihr euch beide gewissermaßen mit dem Thema »Dekor«. Diese Auseinandersetzung ist ja für einige Künstler wichtig geworden, um den Status des autonomen Kunstbegriffs und Objektes zu hinterfragen. Verena Dengler: Ich habe angefangen, auf Flohmärkten Textildesign vor allem aus den 1980ern oder 1990ern zu sammeln. Mich hat interessiert, wie Textildesigner Elemente aus der Kunstgeschichte nahmen und dann irgendwie »vermanschten« und zusammen­ würfelten. Gleichzeitig gibt es in deinen Arbeiten Kombinationen, in denen Elemente von Stuck auftauchen, also Bezüge zum Innenraum­dekor. Verena Dengler: Das basiert auf diesem blö­ den Wortwitz von Stuck und Stick. »Shtik« ist ein amerikanisches, ein jiddisches Wort. »That's my shtik« ist eine Redewendung, die so viel bedeutet wie »Das ist so mein Ding«. Ich mag diesen Wortwitz.

Studio Visits* mit Cosima Rainer Fr., 18. November 10.30 Uhr Verena Dengler Linda Bilda Klaus Mosettig

Daniel Buren war es beispielsweise wichtig, sich auf einen weiter gefassten Begriff von Kunst, der auch Dekoration beinhaltet, zu beziehen. Bei ihm geht es um die Frage, wann verschiedene Bereiche der Kunst voneinander getrennt werden und wieso. Dieser konzeptuelle und kontextuelle Zugang ermöglicht es, über »Kunst an sich« und ihre Verfasstheit zu diskutieren. Interessiert dich dieser Aspekt, spielt er für dich eine Rolle? Verena Dengler: Er wird jetzt wieder wich­ tiger. Derzeit wird ja künstlerische Arbeit stark mit Identität in Verbindung gebracht: Kreativität wird nach ihrer Funktion befragt. Dieses neoliberale Diktum »Man muss sich sehr stark mit seiner Arbeit identifizieren« ist ja sehr präsent. Ja, das ist auch ein Aspekt meiner Arbeit. Gleichzeitig merze ich Kre­ ativität teilweise auch aus. Diesen Kreativi­ tätsdruck und die Funktion von Kreativität thematisiere ich. Du hast auch gesagt, dass du dich mit Themen wie Wiener Geschichte und Alltagskultur im Gemeindebau beschäftigst. Du siehst dir an, welche Stile oder Designs in unterschiedlichen sozialen Zusammenhängen auftauchen und fragst, ob es da auch noch etwas Politisches oder Anarchisches zu finden gibt. Verena Dengler: Lutz Musners Bücher haben mich stark beeinflusst, also einerseits die »Anarchie der Vorstadt« und andererseits »Der Geschmack von Wien«. Lutz Musner erwähnte einmal in einem Interview, dass Intellektuelle dazu neigten, sich im Gegen­ satz zur Masse zu präsentieren. Also dass sie sich immer wieder distinguiert, so als kons­ titutives Moment, von der Masse abwenden würden. Ich verfolge natürlich einen anderen Ansatz.

Diese Wortspiele kommen bei dir immer wieder vor, wie beispielsweise »Ständer«. Verena Dengler: »Ständer« ist auch eine sehr wichtige Gruppe. Dann gab es noch etwas mit Arlberg? Verena Dengler: »Lech mich am Arlberg«. Ich habe ein Schuhband am Donauinselfest gekauft, darauf stand »Lech mich am Arlberg«. Dazu musste ich dann natürlich eine Arbeit machen.

* Anmeldung über www.viennaartweek.at erforderlich. Treffpunkt wird nach Anmeldung bekannt gegeben. 43


Studio visits

 Tamuna Sirbiladze  Bei Kunst geht es nicht um Schönheit

Das Interview mit der Künstlerin Tamuna Sirbiladze führte Julie Ryan, freie Kuratorin und Künstlerin. Objekte, Skulpturen und Gemälde oder was immer. Für mich hat Skulptur eine ganz be­ stimmte Bedeutung. Ich bin überhaupt nicht gegen Präzision bei irgendeiner Kunstform. Bezieht sich das nur auf den Minimalismus oder auf Präzision allgemein? Tamuna Sirbiladze: Ich meine damit Präzisi­ on allgemein und auch beim Minimalismus. Generell bin ich nicht sehr genau, manchmal aber schon. Es ist eine Frage, also wie lautet die Antwort? Sie kann auch kompliziert sein. Für mich ist wichtig, dass Kunst auch diese Dialektik enthält. Also ist das Aussehen der Gemälde eine Frage dieser Dialektik. Resultiert die Wirkung der Gemälde aus der fehlenden Präzision? Tamuna Sirbiladze: Ausdruck, ja. Wenn du die Wirkung als Ausdruck bezeichnest, resul­ tiert sie aus der fehlenden Präzision, ja.

Identifizierst du dich selbst mit der Bezeichnung ›Malerin‹? Tamuna Sirbiladze: Ja, nicht nur, aber ich male, also bin ich eine Malerin.

Studio Visits* mit Julie Ryan Di., 15. November 13.00 Uhr Tamuna Sirbiladze, Herwig Weiser Michael Huey * Anmeldung über www.viennaartweek.at erforderlich. Treffpunkt wird nach Anmeldung bekannt gegeben. 44

Aber du hast auch damit begonnen, Skulpturen und Videos zu produzieren. Tamuna Sirbiladze: Ja, diese Sachen mache ich, wenn ich eine Ausstellung habe und al­ les zusammen wie ein Orchester funktioniert. Die Malerei ist ein Bestandteil meiner Arbeit. Sie muss noch immer angefertigt, getan werden, also führe ich sie hauptsächlich in meinem Atelier aus. Wir sprachen einmal über Donald Judd im Hinblick auf deine Wandkonstruktionen/ Gemälde. Du sagstest, deine Arbeit sei antiminimalistisch. Auch Judd hat sich selbst als Maler gesehen. Tamuna Sirbiladze: Mehr oder weniger, aber er war sehr genau bei der Herstellung seiner

Dies hört sich wie die Beschreibung einiger De Koonigs an, die sehr genau, gleichzeitig aber auch expressionistisch sein konnten. Oder die Gemälde von Mary Heilmann, in denen sie eine vage, präzise Geometrie umsetzt, die immer von einem Tropfen oder einer scheinbar liederlichen Geste unterbrochen wird, so sieht es aus. Tamuna Sirbiladze: Das liebe ich sehr. Des­ wegen schätze ich Mary Heilmann viel mehr als Donald Judd. Ihre Arbeiten haben etwas Defektes, etwas Unideales und Unperfektes. Ich bin eigentlich keine Perfektionistin. Bei Mary Heilmann oder sogar Agnes Martin verstärkt das Streben nach Perfektionismus die Imperfektion. Und vielleicht trifft bei deinen Gemälden der umgekehrte Fall zu. Tamuna Sirbiladze: Es gibt immer Dinge, die nicht geplant sind. Es ist deine Hand und deine körperliche Umgebung, und immer bist du es auch selbst, du strebst den Zufall an und hoffst darauf. Ich habe natürlich meine eigene Vision, mein Ziel, und dann ergibt sich etwas völlig anderes und ein neuer Kampf entsteht. Ich will kämpfen. All dies baut sich auf und erzeugt Schichten. Ich möchte mit dir über Schönheit sprechen. Dave Hickey schreibt in »The invisible Dragon: Four Essays on Beauty« über die Bedeutung der Schönheit und auch darüber, dass das Reden der Künstler über Schönheit zu ihrem Dialog gehöre.

Tamuna Sirbiladze: Ästhetik ja, aber es ist damit nicht ›Schönheit‹ gemeint. Kunst ist sicher nicht hässlich, aber es dreht sich dabei nicht um das Schöne. Wenn jemand ein Kunstwerk als »schön« bezeichnet, ist dies für einen Künstler die schlimmste Be­ leidigung. Für diesen ist es eine Katastrophe, hübsche Kunst zu produzieren. Du machst Videos, würdest du Stills oder ähnliches von deinen Videos produzieren? Tamuna Sirbiladze: Nein. Videos sind für mich eben bewegte Bilder. Bei meinen Gemälden versuche ich, diese nicht-statische Dynamik zu integrieren. Ich möchte diese Art des Live-Flows per se und Musik. Dasselbe versuche ich auch bei Farben. Aber diese Art der Lebendigkeit ist wichtig. Wie der Schnappschuss bei der Fotografie. Viele Fo­ tografien von Gelitin [Künstlergruppe] sind in Venedig. Ich sehe sie mir gern an, denn mei­ ne Augen werden müde, immer auf meine eigenen Handlungen zu blicken. Ich brauche bei der Kunst anderer also nicht unbedingt so viel Wirkung. Fotos sind in Ordnung. … neutraler, weiter von deiner Ästhetik entfernt. Tamuna Sirbiladze: Wenn ich Distanz dazu habe, dann sind sie für mich sehr präsent. Wie sieht in dem Zusammenhang deine Beziehung zum Aktionismus aus? Tamuna Sirbiladze: Natürlich ist meine Arbeit davon etwas beeinflusst, denn es ist unmöglich, davon hier nichts abzubekom­ men, weil er noch immer so dominant ist. Wir sitzen in deinem Atelier, ich würde gerne wissen, wie wohl dein Atelier-Alltag aussieht? Tamuna Sirbiladze: Ich habe ein Konzept. Ohne dieses komme ich nicht und arbeite auch nicht. Ohne Plan geht bei mir nichts. Du brauchst so etwas oder eine Art Vorstel­ lung oder was du machen musst … um etwas hervorzubringen. Einige finden ihr Konzept über die Arbeit selbst, indem sie sie ausführen. Tamuna Sirbiladze: Ja, aber ich bin sehr dis­ zipliniert. Ich forciere eine Inspiration nicht unbedingt. Und du arbeitest natürlich auch im Schlaf, oder wenn du isst. Jetzt hier im Augenblick auch. Bei der Arbeit selbst musst du nicht noch darauf drängen.


Studio Visits

 propeller z 

Ein sensibler Umgang mit Baumaterialien

Das Interview mit der Architektengruppe propeller z führte Brigitte Eisl, Architekturtheoretikerin, Az W.

Studio Visits* mit Brigitte Eisl Fr., 18. November 14.00 Uhr propeller z Holodeck

Nach den Studio Visits führen wir auch in unsere Ausstellung »Glenn Murcutt, Architecture for place« im Architekturzentrum Wien. Der australische Architekt und Pritzker Preisträger ist durch seinen Bezug zu Materialität und Landschaft besonders bemerkenswert. In diesem Kontext suchten wir thematisch entsprechende Architekten/ Teams in Wien. Die Architektengruppe propeller z beschäftigt sich mit einem allumfassenden Architekturverständnis, das weit über den Begriff des Hochbaus hinausgeht. Ich möchte heute explizit euer Projekt »Flag« (2009–2010) ansprechen, dass beim Wettbewerb »Das beste Haus 2011« nominiert wurde. propeller z: Wir freuen uns, wenn unsere Beschäftigung mit Materialien von außen so beobachtet wird. Das ist ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit. Beim Flag-Projekt im Weinviertel war einerseits der Bezug zur dörflich gewachsenen Struktur und anderer­ seits zu unserem gegenwärtigen Leben herzu­ stellen. Dieser kleine Bauernhof, vorwiegend aus Lehmziegeln aufgebaut, ist ca. 200 Jahre alt. Und da stellt sich natürlich die Frage: Wie soll mit diesem alten Gebäude umgegangen werden? Die ursprüngliche Substanz wurde zur Gänze belassen. Einziger Eingriff ist ein solitäres Einraumgebäude, das alle Details und Anforderungen einer zeitge­ mäßen Nutzung erfüllt, von der Bauphysik bis zum Bezug von Innen- zu Außenraum. Gerade diese Dualität zwischen Alt- und Neubestand, Innen und Außen macht das Projekt so stimmig.

In diesem Zusammenhang möchte ich gleich zu euren Weingütern überleiten. Mit diesem Thema beschäftigt ihr euch schon seit Längerem. propeller z: Ja, ein schönes Thema und auch ein österreichisches Phänomen! Weltweit stehen selten so viele gute Winzergebäude auf so engem Raum wie in Ostösterreich. Der agrarökonomische Jahresablauf und die Art der Weinherstellung prägen den Entwurf – und dann ist ein räumlicher, topografi­ scher Bezug zu den Gärten herzustellen. Speziell beim Weingut Claus Preisinger (mit dem Bauherrenpreis 2010 ausgezeichnet) ist dieser Bezug vorrangig! Hier steht der Aussiedlerhof in den Weingärten am Gold­ berg sehr nahe am UNESCO Weltkulturerbe Nationalpark Neusiedler See/Seewinkel. Die Meinung des ICOMOS-Wachau-Beauftragten Wilfried Posch dazu kann man sich denken. Leider hat aber die ICOMOS am Oberloiben in der Wachau selbst ziemlich versagt! Aber zurück zu den Materialien und ein Blick in die Zukunft. Immer mehr in den Vordergrund unserer Arbeit rückt der sensible Umgang mit Baumaterialien. Weniger Material hilft nicht nur die Kosten im Rahmen zu halten, sondern den Primärenergieaufwand bei der Errichtung des Gebäudes zu reduzieren. Auch am Ende der Nutzungsdauer – weniger Material trennbar zusammengefügt bedeutet einfacheres Recycling, weniger Endmüll! Die gegenwärtige Tendenz des Bauens geht eher zu einer Überfrachtung von Detaillösungen – eher kompliziert als reduziert! Ob hier der Sinn einer Nachhaltigkeit erfüllt wird?

Auch im Innenraum sind ja spezielle Materialien verwendet worden. propeller z: Die Decke ist aus Schiffssperr­ holz gebaut, der Boden ein simpler, sauber gegossener Heizestrich, der geölt wurde. Nun wirkt dieser wie eine große Sandsteinplatte. Wollfilz befindet sich an der Wand, der die Raumakustik positiv beeinflusst. Der Brenn­ holzstapel als Heizvorrat ist eine übliche ländliche Erscheinung – ein interessantes Thema. Auch im Flag wird das Holz manch­ mal während des langen kalten Winters für den Kachelofen benötigt.

Dazu macht ihr auch Projektstudien? propeller z: Ja! Ein Projekt, das wir auch gerne umsetzen würden, wäre ein Gebäu­ de mit reduziertem Materialmix – also die Anzahl der verschiedenen Baustoffe so klein wie möglich zu halten. Nur jene Materialien zu verwenden, die auch problemlos und ohne Bedenken in 50 Jahren in der Baugrube verschüttet werden könnten. Ob uns das gelingen wird?

* Anmeldung über www.viennaartweek.at erforderlich. Treffpunkt Az W Shop. 45


Inside Vienna

 Wiener Innenräume   des Historismus 

Der Historismus als prägendes Merkmal des heutigen Wiener Stadtbilds

Einblick in einen Salon des Palais Todesco

Text von Christian Witt-Dörring Das heutige Wiener Stadtbild wird in der Hauptsache von der Architektur des Historis­ mus dominiert. Diese ist visueller Ausdruck eines Selbstbewusstseins, das die langsam sich nach dem Revolutionsjahr 1848 etab­ lierenden, neuen politischen, wirtschaftli­ chen und gesellschaftlichen Gegebenheiten spiegelt. Mit dem Oktoberdiplom von 1860 wird das neoabsolutistische Regierungssys­ tem durch eine konstitutionelle Monarchie abgelöst. Gleichzeitig erhält die jüdische Bevölkerung des österreichischen Kaiser­ reichs seine vollen Bürgerrechte und ihr damit verbundener Emanzipationsprozess geriert neue Möglichkeiten für die zukünftige wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung Wiens. Mit der im Zuge der Industrialisie­ rung erlassenen Gewerbefreiheit von 1859 und der damit verbundenen Aufhebung der Zünfte sowie dem Anfang des Liberalis­ mus in Österreich kommt es nach einer fast 30-jähri­gen künstlerischen sowie handwerkli­ chen Niedergangsphase ab den 1860er Jah­ ren zu einer neuen lokalen Blüte der Wiener Architektur und Produktkultur. Die Industria­ lisierung des Landes bewirkt gleichzeitig eine Urbanisierung. Der Beschluss Kaiser Franz Josefs, 1857 die alten Stadtmauern schlei­ fen zu lassen, schafft die Voraussetzungen für eine über das nächste halbe Jahrhundert kontinuierlich fortschreitende Stadtentwick­ lung, welche die Bedürfnisse des rasanten Bevölkerungswachstums Wiens berücksich­ tigt. Wien hat zu diesem Zeitpunkt 476 222 Einwohner. Die Bevölkerung steigt bis 1869 um fast 30 % auf 607 514 und zählt 1890

46

bereits mehr als eine Million Einwohner mit einem Fremdbevölkerungsanteil von 65 %. Die ehemals auf die Innere Stadt beschränk­ te Haupt- und Residenzstadt Wien und ihre Vorstädte mutieren zur Großstadt und zu ei­ nem Wirtschaftszentrum. Dieses bietet neben der etablierten aristokratisch-höfischen Ge­ sellschaft vor allem dem Großbürgertum eine neue gesellschaftliche Bühne. Ihre in den Adelsstand erhobenen Repräsentanten der zweiten Gesellschaft, die sogenannte Grün­ dergeneration, verlangen nach entsprechend repräsentativen, den Hofadel konkurrieren­ den Palästen und Räumlichkeiten. Daneben entstehen repräsentative Verwaltungs-, Regie­ rungs-, Kultur- und Wirtschaftsgebäude, die dem neuen erweiterten Status der Öffentlich­ keit Rechnung tragen. Sie werden auf dem Bauland entlang der Ringstraße oder in ihrer unmittelbaren Umgebung errichtet, das durch die Schleifung der Befestigungsanlagen und der Freigabe des davor liegenden, unverbau­ ten Verteidigungsraums gewonnen wurde. Zu den noch heute gut erhaltenen Glanz­ leistungen historistischer Innenräume von Wiener Palais zählen die 1837–1848 von dem englischen Architekten Peter Hubert Desvignes im Rokokostil entworfene Neu­ einrichtung des Stadtpalastes der Fürsten Liechtenstein sowie die von Theophil von Hansen für den Bankier Gustav R. v. Epstein (1868–1871), den Bankier Eduard Frh. v. Todesco (1861–1864), den Bankier Ignaz R. v. Ephrussi (1869–1871) und Erzherzog Wilhelm (1864–1868) im griechischen Re­ naissancestil erbauten Paläste. An erhalte­

nen Inneneinrichtungen öffentlicher Gebäude stechen vor allem das im gotisch-maurischen Stil errichtete Nationalbank- und Börsenge­ bäude (1856–1860) und das im Florentiner Frührenaissancestil von Heinrich v. Ferstel gehaltene Museum für Kunst und Industrie (1861–1874), das im byzantinisch-mauri­ schen Stil entworfene Stiegenhaus und die Ruhmeshalle des Arsenals (1849–1856) und das im griechischen Stil von Theophil v. Hansen errichtete Parlamentsgebäude (1871–1883) sowie die von Gottfried v. Semper und Karl Frh. v. Hasenauer im Stil des römischen Kaiserreichs und des strengen Barocks realisierten Gebäude der Hofmuse­ en (1871–1882) und des Hofburgtheaters (1874–1888) hervor. Zu guter Letzt und als Überleitung zum Funktionsstil der Moderne sei noch das von Otto Wagner im Stile der freien Renaissance konzipierte Gebäude der Länderbank (1882–1884) genannt. Die oben erwähnten Beispiele gesamtheit­ licher Konzeption sind architektonische Meisterleistungen der Wiener Architektur der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, auf die die Generation der Wiener Moderne aufbauen konnte. Noch bis in die 1970er Jahre durch geschmackliche Vorurteile gefährdet, steht ihre künstlerische Bedeutung und Qualität heute nicht mehr in Frage. Christian Witt-Dörring hat in Wien Kunstgeschichte und Archäo­ logie studiert. Er war von 1979 bis 2004 Leiter der Möbel­ sammlung des MAK Wien. Derzeit arbeitet er als selbstständiger Kunsthistoriker in Wien und als Kurator an der Neuen Galerie in New York. Seit dem Sommer 2008 beherbergt die Beletage nun die Geschäftsleitung des K&K Hofzuckerbäckers Gerstner. Zwei tradi­ tionsreiche Institutionen verbinden sich hier zu einem stimmigen Ganzen und gewähren kleine Einblicke in eine längst vergangene Zeit. Weitere Informationen sind unter www.gerstner.at verfügbar.


PROGRAMM

 Kunst und Wissenschaft   im Dialog:  Der Wiener Wissenschafts-, Forschungsund Technologiefonds (WWTF) stellt sich vor

1 Doris Mable Cochran (1898–1968) misst den Panzer einer Schildkröte aus, 1954 2 Cyril Ponnamperuma (1923–1994), Ames Research Center, 1963

 PERFORMATIVE AUSSTELLUNG  Gerald Nestler/Gerald Straub:  »Superglue©«

Dienstag, 15. November 2011 15.00 Uhr Ort wird über www.viennaartweek.at und Facebook bekannt gegeben. Gerald Nestler und Gerald Straub hinter­ fragen in »SUPERGLUE« Bedingungen heuti­ ger Wissensproduktion und unterstellen diese ihrer eigenen künstlerischen Forschung. Das Projekt greift damit die derzeit im internationalen Kontext intensiv diskutierte Verzahnung von Theorie und Praxis in der bildenden Kunst auf, indem es die Produk­ tion von Wissen durch Methoden der Kunst betrachtet und weiterdenkt. Nestler und Straub machen sich in »SUPER­ GLUE« auf die Reise in die Forschungsland­ schaft, um aus dem Blickwinkel künstle­ rischer Investigation die ausgesprochen heterogenen Formen wissenschaftlicher Forschung zu untersuchen und gleichzeitig Erkenntnisse für ihre eigene Arbeit abzuleiten. Nestler und Straub arbeiten mit den Resulta­ ten und Prozessen der von ihnen besuchten Institute und Projekte, gehen aber darüber hinaus: Dort, wo bestimmte Ergebnisse einer Untersuchung als abgeschlossen gelten, arbei­ ten sie mit ihren Methoden und Ideen weiter. Vom ISO-zertifizierten Förderband über die Zufriedenheit von Arbeitnehmern bis hin zum Superklebstoff, der Züge zusammenhält: Welche zeitgenössischen Tendenzen einer Gesellschaft zeigen sich hier? Wo entstehen die Fragen und Antworten auf neue Ord­ nungssysteme, Unsicherheiten, Richtlinien und Empfehlungen? Und was kann eine künstlerische Forschung in ihrer Praxis und Theorie leisten, die sich von Assoziationen, Inspiration, Ungereimtheiten, Unmöglichkei­ ten und kontra-intuitiven Zugängen nährt? Nestler und Straub setzen mit ihrer Arbeit am Istzustand ausgewählter Forschungen an, den sie nicht als Maß aller Dinge akzeptieren. Sie artikulieren ihre eigenen Assoziationsketten, Visionen und Vorhaben und realisieren diese als Teil einer performa­ tiven Ausstellung in Form von Modellen. Das Projekt entstand mit freundlicher Unterstützung des WWTF und des BMUKK.

1

Text von Angelika Lienhart Das Thema »Kunst und Wissenschaft«, einer der Schwerpunkte der VIENNA ART WEEK 2011, ist auch für den Wiener Wissen­ schafts-, Forschungs-, und Technologiefonds (WWTF) zentral und war bereits 2008 und 2009 der »Themen-Call« des Impulspro­ gramms für Geistes-, Sozial-, und Kulturwis­ senschaften (GSK). Das Programm, das im Frühjahr 2008 auf Initiative von Kultur- und Wissenschaftsstadtrat Dr. Andreas Pokorny entstanden war, greift aktuelle Themen aus dem Bereich der GSK auf und rückt diese durch jährliche Ausschreibungen in den Fokus von Kunst-, Kultur- und Forschungs­ einrichtungen. Ziel des Impulsprogramms ist es, einer­ seits interdisziplinäres Arbeiten zu fördern und andererseits der Wiener Forschung in den GSK auch international eine Bühne zu verschaffen und dadurch die Stadt Wien als Wissenschaftsstadt in den genannten Dis­ ziplinen zu positionieren. Vor allem mit den Art(s) & Science Calls 2008 und 2009 wurde die Disziplin übergreifende Zusammenarbeit zwischen Forschern und Künstlern, aber auch zwischen Institutionen aus der Kunst, Kultur und der Forschung in den Mittelpunkt gerückt. Von den rund 100 Förderansuchen in beiden Ausschreibungen wurden zehn Projekte und drei Fellowship-Vorhaben mit über 2.7 Mio. Euro Fördersumme von dem internationalen und hochkarätig besetzten Programmbeirat unter der Leitung von Georgina Born (Profes­

2

sorin für Soziologie, Anthropologie und Musik an der Universität Cambridge) ausgewählt. Zur Förderung kamen ein- bis vierjährige Projekte – viele davon sind also zum jetzigen Zeitpunkt noch »work in progress«. Die Inhalte der geförderten Einreichungen umfassen ein breites Spektrum an Diszipli­ nen und Forschungsfragen: Sie reichen von der Untersuchung der Beziehungen zwischen Stadt und Film in »Film.Stadt.Wien« über die Arbeit »Übertragung: Psychoanalyse – Kunst – Gesellschaft«, welche die Rolle von Lust und Sexualität in den Bereichen Kunst, Individuum und Gesellschaft untersucht, bis zu dem Projekt »Troubling Research. Performing Knowledge in the Arts«, das sich mit dem wachsenden Interesse an einer forschenden Kunst und künstlerischen Forschung beschäftigt. Mehr Informationen zu »Troubling Research« sind auf den Seiten 36-37 im Magazin zu finden. Auch mit der dritten Ausschreibung des WWTF (2010) ist es gelungen, ein brisan­ tes und gesellschaftlich äußerst relevantes Thema auszuwählen. Der Forschungsschwer­ punkt »Diversität – Identität« geht Fragen ethnischer Herkunft, Migration, interkulturel­ ler Mobilität und Integration nach. Weitere Informationen über den WWTF sind unter www.wwtf.at verfügbar.

47


Kunst am Turm

 Die Verhüllung   des Wiener Ringturms  Die Künstlerin Xenia Hausner justiert unsere Sehgewohnheiten neu

1

Text von Stephan Hilpold

1 Von links nach rechts: Künstlerin Xenia Hausner, Generaldirektor der Vienna Insurance Group Dr. Günter Geyer 2 »Familiensinn« – die Verklei­ dung des Wiener Ringturms durch die Künstlerin Xenia Hausner

Die Gesichter ähneln Masken. Dort, wo nor­ malerweise Mund und Augen sind, gähnen dunkle Löcher. Es ist ein verstörendes Bild, das die Künstlerin Xenia Hausner für die Verhüllung des Wiener Ringturms geschaffen hat. Umso mehr, als das Motiv auf den ersten Blick wie ein Familienidyll wirkt. Die Tochter ist bester Laune, der Hund hat sich für das Foto bereits in Positur gesetzt. Ein Motiv wie mit einem Weichzeichner festgehalten. Wenn nur der Mund und die Augen nicht wären. »Mein Bild«, sagt die Malerin Xenia Hausner, »handelt von den in Geld nicht messbaren Werten unseres Lebens – von Liebe und Zu­ sammenhalt, von der Solidarität der Genera­ tionen – mit einem Wort von Familiensinn.« Allerdings fügt die in Berlin und im Salzkam­ mergut lebende österreichische Künstlerin (geb. 1951) dieser Bildebene noch ein, zwei Bedeutungsebenen mehr hinzu. Genau so, wie das auch die Künstler vor ihr gemacht haben. Hausners Verhüllung des Wiener Ringturms, des 73 Meter hohen und 20-stöckigen Büro­ hochhauses am Donaukanal, das bei seiner Eröffnung 1955 Wiens erstes und höchstes Bürohochhaus war, ist eine weitere Beschäf­ tigung mit der Frage, welcher Funktion Kunst an solch prominentem Ort zukommen kann. Als Christian Ludwig Attersee sich vor fünf Jahren als erster Künstler an dieses Projekt

48

2

wagte, stellte er (zusammen mit den Studen­ ten seiner Meisterklasse) eine Don GiovanniFantasie aus: ein Bild wie aus einem Fluss, mit einem nackten Frauenrücken im Mittel­ punkt. Damals wurde gerade das Mozartjahr begangen, und Attersees Verhüllung war als Beitrag eines zeitgenössischen Künstlers zu einem »ewigen« Motiv zu verstehen. Dann kam ein Jahr später Robert Hammer­ stiel, der den Turm auf allen vier Seiten mit Stationen des Lebens bedeckte: der Kindheit, der Jugend, der Familie und des Alters. Aus dem Ringturm wurde ein »Turm des Lebens«. Der Künstler Hubert Schmalix schließlich verwandelte ein Jahr später die 4000 Quadratmeter des Bürohauses in ein gigantisches malerisches Monument, indem er den Turm mit einem Blumenstillleben verkleidete. Die Pointe war offensichtlich: Die Überhöhung eines klassischen Motivs der Malerei in überdimensionale Größe stellte die Frage nach der »Behübschungsfunktion« von Kunst neu. Ein Nutzgebäude wurde in allen Fällen zum Ort der Kontemplation. Einer, an dem man auch jetzt – nach seiner Transformation durch Xenia Hausners Arbeit – nicht einfach vorbei kann. Durch die prominente Lage des Ringturms in einem Eck der Wiener Innen­ stadt werden sich »viele Wienerinnen und Wiener und auch zahlreiche Touristen mit dem ›Kunst-Turm‹ auseinandersetzen«, ist

der Auftraggeber Dr. Günter Geyer, General­ direktor der Vienna Insurance Group, deren Konzernzentrale der Ringturm ist, überzeugt. Die große Sichtbarkeit der Verhüllung von Gebäuden ist allerdings nur ein Aspekt, warum diese Praxis für Künstler so inter­ essant ist. Der andere ist die Verfremdung des ursprünglichen Bauwerks und die damit einhergehende Adjustierung unserer Seh­ gewohnheiten. Davon handelt im übrigen auch Xenia Hausners Arbeit: Sie beschäftigt sich in ihrem Werk »Familiensinn« mit den »wesentlichen Pfeilern, die eine Gesellschaft zusammenhalten und die den Sinn unseres Lebens ausmachen.« Gleichzeitig themati­ siert sie allerdings auch deren Gefährdung. Wie die maskentragenden Protagonisten des griechischen Chores künden ihre zwei schematisch gezeichneten Elternfiguren von drohendem Unheil. Eine Klage, die in dieser Größe aufhorchen lassen sollte. Stephan Hilpold ist Journalist und verantwortet seit dem Jahr 2005 die Mode in »Der Standard«. Er studierte Germanistik und Theaterwissenschaft in Wien und Berkeley/USA und arbeitete mehrere Jahre als freier Kulturjournalist u.a. für die »Frankfurter Rundschau« und den »Zürcher Tagesanzeiger«. In der Vergangen­ heit hielt er Lehrveranstaltungen zu Theaterkritik und Mode am Institut für Theaterwissenschaft an der Universität Wien.


Kreativität und Wirtschaft  

 Ein Auftrag an die nächsten   Generationen für   innovative Architektur 

Ein Gespräch zwischen Andreas Pulides, Vorstandsvorsitzender der König Holding AG, und Erich Bernard, BWM Architekten und Partner

Von links nach rechts: Andreas Pulides und Erich Bernard

Text von Stefan Musil Es ist letztlich doch alles auch eine Frage des Geldes: »Trotz der wirtschaftlichen Über­ legungen des Investors und der gestalteri­ schen Überlegungen des Architekten sollten beide in demselben Maß das gemeinsame Ziel der guten Architektur, des guten Designs verfolgen. Gerade aus der Sicht des Investors sollte nicht nur die übliche Formel der Kosten pro Quadratmeter im Vordergrund stehen, sondern Werterhaltung, Identitäts­ stiftung, Funktionalität, Nachhaltigkeit und Lifecycle-Rentabilität sollten notwendige Parameter sein«, sagt Andreas Pulides, der gemeinsam mit Peter König den Konzern ALUKÖNIGSTAHL leitet. Der Konzern entwi­ ckelt für die Bauwirtschaft und im Anlagenund Maschinenbau Systeme in Aluminium, Stahl und Kunststoff. Der Architekt Erich Bernard, einer der Partner von BWM Architekten, die sich etwa durch die Gestaltung der »Manner-Shops« und durch Bauten wie das »25hours Hotel« einen Namen gemacht haben, kann dem nur zustimmen. Er hat jedenfalls schon oft erlebt, dass sich gerade ein Mehr an Inves­ titionen durch den Bauherren auszahlt. Für Bernard hat gelungene Architektur nichts mit der Selbstdarstellung des Architekten zu tun: »Gute Architektur erfüllt unzählige techni­ sche Anforderungen, funktionale Kriterien und soziokulturelle Faktoren. Trotzdem soll­

ten eine starke Aussage und ein gekonntes Moderieren der Atmosphären gelingen, ohne dass sich der Architekt in den Vorder­ grund drängt.« Wien hat hier durchaus noch Entwicklungs­ potenzial. Pulides sieht die Stärken Wiens in der Finanzkraft und im Standort. Dennoch haben in Sachen gelungener Architektur und Design etwa Deutschland, die Schweiz oder Skandinavien die Nase vorn, denn in Wien werden »Projekte teilweise so oft reduziert und verändert, bis von guter Architektur nicht mehr viel übrig bleibt. Gerade diese Optimie­ rung lässt jedoch den Weitblick vermissen«, so Pulides. Auch die enge Auslegung der Baunormen wirke bremsend, so Bernard. Schließlich sei der Denkmalschutz ein großes Thema: »Der Weltkulturerbeschutz mag auf der einen Seite ein Glück sein, wenn man ihn allerdings zu restriktiv auslegt, entsteht ein ›Käseglockenmodell‹. Wien läuft hier schon ein wenig Gefahr, eine Museumsstadt zu werden. Gerade Kontraste machen eine Stadt aber erst aus.« Zudem sei ein guter Bauherr Voraussetzung, um wegweisende Architektur zu schaffen. Für Pulides zeich­net sich dieser durch »Mut zu Innovation und die Gabe, gute Architektur zu erkennen«, aus, schließlich wird »das allgemeine Bewusst­ sein durch die Realisierung besserer Pro­ jekte gefördert«. Bernard nennt hier wieder Skandinavien und die Schweiz als Vorbild, wo bereits die öffentliche Hand, Städte,

Kommunen und der Staat als Bauherren mit Vorbildwirkung agieren. Innovative Baukunst kann aber auch nicht ohne die enge Zusammenarbeit mit der Bau­ wirtschaft funktionieren. Wichtig dabei sei, so Pulides, dass diese Kooperation bereits in der Planungsphase beginne, »um eine ökonomische und nachhaltige Bauweise zu erarbeiten, die den gestalterischen Anforde­ rungen gerecht wird.« Hier bedauert Bernard, dass solche Kooperationen oft an den Kosten scheiterten. Er sehe laufend, dass man ge­ meinsam etwas entwickele – dann zerschlage sich dies am Preiskampf. Der Billigstbieter bekommt den Zuschlag und die neuen Ent­ wicklungen haben das Nachsehen, genauso wie die Firmen, die in Innovationen investie­ ren: »Damit geht die Innovationskraft lang­ sam zugrunde!« Wichtig sei, und auch hier sind sich beide einig, dass das Verständnis für gute Baukultur und gutes Design gehoben werde. So meint Andreas Pulides: »Das Bil­ dungssystem muss einen anderen Zugang zur Kunst, Architektur und Ethik bekommen. Das Bewusstsein für Kunst und Kultur muss stär­ ker gefördert werden – denn Architektur ist Kunst. Das ist unser Auftrag für die nächsten Generationen!« Stefan Musil wurde 1970 in Wien geboren. Studium der Kunstgeschichte. Bis 2002 arbeitete er als Kulturredakteur der Tageszeitung »Die Presse«. Von 2002 bis 2006 war er Presse­ sprecher der Albertina in Wien und im Jahr 2007 der Salzburger Festspiele. Derzeit ist er im Team von »art:phalanx – Kunst- und Kommunikationsbüro«.

49


Kunstmetropole im Donauraum

 Hub East –  Wien als künstlerisches   Interimsfeld 

Wien als Drehscheibe ost- und südosteuropäischer Gegenwartskunst

Text von Walter Seidl Die Stellung Wiens als Ausgangspunkt origi­ närer künstlerischer Produktionsformen zieht sich als Strang durch ein Jahrhundert der Kunstgeschichte dieser Stadt. Migrationsströ­ me aus politischen und ökonomischen Grün­ den kennzeichneten demografische Verände­ rungen, die allesamt eine Tendenz Richtung Westen erkennen lassen und dieses Modell nach mehr Möglichkeiten einer frei­eren, aber ebenso regulierten Basis ergründen. Politische Präzedenzfälle gelten meist als Ausgangspunkt jener migratorischen Ströme, die mit sich auch Formen der Kunstprodukti­ on verlagern. Während seit den 1930er Jahren österreichi­ sche Intellektuelle und Kunstschaffende ge­ zwungen waren, ihre einzige Lebensmöglich­ keit in einem Leben im westlichen Exil etwa in den USA wahrzunehmen und dadurch das österreichische künstlerische Schaffen der Moderne weiter trugen, bestand ab 1989 für viele Künstler des ehemaligen Osteuropas die Möglichkeit, nach Wien zu kommen und sich in ein westliches Modell der Kunstbetrach­ tung einzugliedern. Dadurch erhält Wien die Position eines Transferstandortes, der zwi­ schen Ost und West navigiert, während des 50

Kalten Krieges vor allem auf diplomatischer Ebene eine zentrale Rolle spielte und den Fokus auf Kunst aus Osteuropa vermehrt erst nach der Wende von 1989 setzte. 20 Jahre später erreichte die Produktion, Rezeption und Vermarktung künstlerischer Tätigkeit ost­ europäischer Provenienz in Österreich ihren Höhepunkt, die sich in unterschiedlichen Ausdrucksweisen künstlerischer Repräsen­ tanz zeigen. Zahlreiche Ausstellungen, Pu­ blikationen, Corporate Collections, Spezial­ förderungen, ein Zuwachs an Studierenden an den Universitäten sowie eine vermehrte Visibilität in Galerien markieren die aktuelle Lage Wiens, das zu einem Hub der Ausein­ andersetzung mit künstlerischer Tätigkeit aus den östlichen Nachbarländern wurde. Diese Zunahme bzw. die spezielle künstleri­ sche Positionierung der Stadt mögen histori­ sche und aktuelle soziodynamische Hinter­ gründe haben. In Bezug auf die gegenwärtigen Positio­ nierungsbestrebungen Wiens muss jedoch aus einer zeitgeschichtlichen Perspektive argumentiert werden, dass in Österreich vor allem Graz die Avantgardeposition hinsicht­ lich der Auseinandersetzung mit Kunst aus dem benachbarten Osten einnimmt. Nicht nur der Steirische Herbst gilt seit 1968 als

revolutionierendes Beispiel für Gegenwarts­ kunstpraktiken, sondern vor allem auch die bereits ein Jahr zuvor von Wilfried Skreiner, Umbro Appolonio und Zoran Kržišek erst­ mals kuratierte Dreiländerbiennale Trigon mit Kunst aus Österreich, Italien und dem ehemaligen Jugoslawien, die damals in Graz einen Schock seitens der Rezipienten aus­ löste: Diese forderten daraufhin den Rücktritt der Veranstalter. Diese Art der Reaktion galt im konservativen Österreich der 1960er als übliche Praxis und lässt sich auch am Werk zahlreicher heimischer Künstler festmachen – das bekannteste Beispiel dafür ist sicher­ lich das Werk von VALIE EXPORT, das in Österreich erst viel zu spät in einem gebüh­ renden Ausmaß gewürdigt wurde. Ähnlich verhält es sich mit dem Werk der kroatischen Künstlerin Sanja Ivekovic´ , der ab Dezember 2011 im MoMA New York eine Retrospektive gewidmet wird und deren erste Ausstellungs­ beteiligung außerhalb ihres Heimatlandes bei Trigon in Graz im Jahr 1973 stattfand. Ab 1994 war es der Grazer Raum für Kunst (seit 1999 < rotor > Association for Contemporary Art), der sich vermehrt der jungen und jüngsten Kunstproduktion aus den östlichen und südöstlichen Nachbarländern widmete und immer wieder Gastkünstler aus der Region zu Aufenthalten nach Graz einlud.


Dem aktuellen Trend des Studiums vieler Künstler aus den benachbarten östlichen Ländern in Wien geht seit Beginn der 1990er Jahre jenes Artist-in-Residence Programm von Kulturkontakt Austria voraus, das sämtliche heute international bekannte Künstler aus dem ehemaligen Osten nach Wien holte – jedoch zu einer Zeit, als das Interesse von Kuratoren und Galeristen noch nicht dem heutigen Stand entsprach und diese Künstler oftmals unbemerkt die Stadt wieder verließen. Publikatorisch seit Mitte der 90er Jahre und bis heute zentral für eine Auseinandersetzung mit der Kunst östlicher Geopolitiken ist die von Georg Schöllhammer und Hedwig Saxenhuber herausgegebene Zeitschrift »springerin«, die unter dem Titel »Translocation – (New) Media Art« 1999 zu einer der ersten wesentlichen Medienkunst­ ausstellungen mit Fokus Osteuropa in die Wiener Generali Foundation einlud. Auch das damals im Schweizergarten gelegene 20er Haus bzw. Museum moderner Kunst zeigte ab Ende 1999 mit der Ausstellung »Aspekte/ Positionen. 50 Jahre Kunst aus Mitteleuropa 1949–1999« einen wesentlichen Überblick über das Kunstschaffen aus jenem Terrain, das in der Ausstellung »Zeitenwende« im Jahr 2000 fortgesetzt wurde. Weitere wichti­ ge Ausstellungsprojekte waren die von Peter

WeibeI kuratiere Ausstellung »In Search of Balkania« in der Neuen Galerie Graz im Jahr 2002 und die von Harald Szeemann kuratierte Ausstellung »Blut und Honig« im Essl Museum Klosterneuburg 2003, weiters 2006 im Wiener Museum Moderner Kunst im Museumsquartier die Ausstellung »Kontakt ... Werke aus der Sammlung der Erste BankGruppe« sowie 2009 das von der ERSTE Stiftung initiierte Projekt »Gender Check. Rollenbilder in der Kunst Osteuropas«. Die Frage nach der aktuellen Hub-Position Wiens für die Repräsentanz ost- und süd­ osteuropäischer Gegenwartskunst lässt sich auch durch das Interesse mehrerer Galeristen (allen voran Ursula Krinzinger mit Einladun­ gen etwa an den 2011 auf der Biennale in Venedig vertretenen Serben Raša Todosijevic´   in ihre Innsbrucker Galerie im Jahr 1976 bzw. der bereits vor der Wende aktive Hans Knoll mit seinen Galeriestandorten in Wien und Budapest) erklären. Die Diskurslinien der Akademie der bildenden Künste am Schillerplatz und der Universität für an­ gewandte Kunst Wien führten zu einem Zustrom an Studenten aus osteuropäischen Ländern, die an den Akademien ihrer Hei­ matländer oft nur eine klassische, formelle Kunstausbildung erhalten. Dort mangelt es

an einer aktuellen Kunstdebatte, wie sie etwa an der Akademie am Schillerplatz in der von der slowenischen Professorin Marina Gržinic´  geleiteten Klasse für Postkonzeptu­ elle Kunstpraktiken stattfindet. Das Fehlen einer Kunstakademie sowie einer regen Ga­ lerienszene in Graz verlagerte den Fokus der Aktivitäten automatisch in die Hauptstadt je­ nes kleinen Landes, das einst Ausgangspunkt einer Monarchie war, in der Wien ebenso als kulturelles Zentrum galt und einen ähnlichen geografischen Schwerpunkt einnahm. Dieses enge Netzwerk an gegenwärtigen Akteuren in diesem Bereich bewirkte, dass sich Schöll­ hammer und Saxenhuber seit 2011 auch für die Konzeption der »Viennafair«, die gemein­ sam wie ihr Hauptsponsor Erste Bank einen Osteuropa­schwerpunkt verfolgt, verantwort­ lich zeigen. Dadurch lassen sich inhaltliche Kompetenz und wirtschaftliche Interessen vereinbaren, die sich in diesem Jahr auch vermehrt im Programm von departure und der Vienna Art Week finden lassen. Walter Seidl arbeitet als Kurator, Autor und Künstler in Wien. Seit 2004 betreut er die Kunstsammlung der Erste Group. Zahlreiche Beiträge in österreichischen und internationalen Kunstzeitschriften sowie Texte für Künstlermonografien. Kuratorielle Projekte in Europa, Hongkong, Japan, Nordamerika und Südafrika.

51


Interview

 Über die Beschäftigung   mit einer verworrenen Identität  Drei Vertreter osteuropäischer Kunst über ihr Verhältnis zu Ost-und Westeuropa

1

Magda Tothova, Künstlerin, geb. in Bratislava, Slowakei. Michail Michailov, Künstler, geb. in Veliko Tarnovo, Bulgarien. Kamen Stoyanov, Künstler, geb. in Rousse, Bulgarien.

Text von Milena Dimitrova Was ist für eure künstlerische Arbeit bei der Beschäftigung mit dem ehemaligen politischen Osten und Westen am interes­ santesten, welche Fragen reflektiert ihr? Magda Tothova: Es interessieren mich besonders die Momente, in denen private Gefühle wie Existenzzweifel, die Angst vor dem Fremden und Depressionen zu komple­ xen Staatsangelegenheiten mutieren. Beide gesellschaftlichen Konstrukte versprachen für die Zukunft einen Wohlstand, wenn auch auf unterschiedlichen Ebenen, und beide scheiterten in meinen Augen – das westli­ che tut es noch immer. Als Wienerin, die ursprünglich zur ungarischen Minderheit in der Slowakei gehörte und in einem »neuen Europa« aufgewachsen ist, ging es mir am Anfang auch um die Beschäftigung mit einer verworrenen Identität. Michail Michailov: Die Unterschiede in den ideologischen und moralischen Bedingungen finde ich sehr interessant, denn sie zeigen mir, wie relativ Ordnungssysteme im Leben sind. Ich versuche, einen künstlerischen Ausdruck dafür zu finden. Kamen Stoyanov: Während meiner Studien­ zeit in Sofia Ende der neunziger Jahre hatte die politische und ökonomische Krise ihren 52

Höhepunkt erreicht. Man kann sagen, dass ich zu einem Transporteur von Inhalten des politischen, sozialen und ökonomischen Transformationsprozesses in den Westen geworden bin, am Schnittpunkt zur künstleri­ schen Ästhetik natürlich. Kamen, in einer deiner letzten Arbeiten, in »bringing Cultura«, fasst du die Rolle des Transporteurs bzw. auch die des Händlers fast wörtlich auf. Ist das Kritik an der Kon­ frontation des Künstlers mit dem Kunst­ markt? Kamen Stoyanov: Ja, das ist eine mögliche und wichtige Interpretation. Der Unterschied zu Osteuropa besteht im Westen im Einfluss des Kunstmarkts auf den Künstler. Das manifestiert sich schon in der Ausbildung, im Gegensatz zu einer entspannten und ab­ gekoppelten Lehre und Praxis in Bulgarien, wo der Kunstmarkt keine Bedeutung für den sozialen Status des Künstlers hat. So trans­ portiere ich also gern einmal das Joghurt »cultura« mit einem alten VW von Sofia nach Maribor und Wien und verkaufe es dann, um ironisch die Frage nach der Rolle und Position des Künstlers zu stellen. Sind performative Arbeiten wie diese beson­ ders geeignet, um den »Transformationspro­ zess« zu visualisieren? Kamen Stoyanov: Sie sind für mich eine sehr gute und relativ kostengünstige Möglichkeit, um Bewegung sowohl ins politische als auch ins ästhetische System zu bringen. Noch dazu ist der »Transformationsprozess« auch sehr körperbezogen. Gleich nach der Wende wurde zum Beispiel der Hungerstreik vom einfachen Menschen bis zum Abgeordneten

oder Pfarrer praktiziert. Und gerade habe ich von einem bulgarischen Pfarrer und Exorzisten gelesen, der seine exorzistische Ausbildung in Deutschland abgeschlossen haben soll und gebrauchte Autos von bösen Geistern befreit. Bulgarien wurde nach der Wende eine gute Nische, um die alten Autos dorthin zu verkaufen. Und dann wird ein Pfarrer ausgebildet, um die Probleme zu lösen. Ich würde gerne den alten VW zu ihm bringen. Du hast vor Kurzem mit Steven Guermeur und Ivan Moudov den artist-run space »0gms« gegründet, der von Sofia aus aktiv ist. Warum dort? Kamen Stoyanov: Die Antwort steckt schon im Namen. Es geht darum, von 0 zu begin­ nen und mit 0 öffentlicher Unterstützung zu arbeiten. Michail, bei dir schlüpft der Künstler weniger in die Rolle des Händlers als in die des Arbeiters. Aus dieser Position heraus wird in einer subversiven, parasitären Art an Kunst gearbeitet. Was interessiert dich besonders an dieser Strategie des simultanen Einneh­ mens verschiedener Rollen? Michail Michailov: In meinem Projekt »Die Arbeit« war es so, dass ich in einem schlecht bezahlten Migrantenjob als Haushaltshilfe arbeitete und gleichzeitig heimlich einen Kunstfilm drehte. Ich versuche, gesellschaft­ lich festgelegte Positionen und gewohnte Sichtweisen auf Identitäten aus einem neuen Blickwinkel zu durchleuchten. Vor allem des­ halb ist es manchmal notwendig, heimlich künstlerisch aktiv zu sein. Ich habe bereits die Erfahrung gemacht, dass oft schon in


2

1 Magda Tothova 2 Kamen Stoyanov 3 Michail Michailov

3

dem Augenblick, in dem ich um Erlaubnis frage, die Realisierung meiner Idee unmög­ lich ist. Diverse Konventionen würden das verhindern. Auch muss ich mich dabei mit meinen Ängsten konfrontieren. Speziell die strengen Vorschriften und Regeln in Österreich lösen ein permanentes Unbehagen in mir aus.   Das »Selbst« und das »Ich« – die Identität – sind in deinen Arbeiten ein ständiges Thema. Der Begriff wird dabei weit gefasst, es geht um künstlerische Identität, aber wohl auch um die des Migranten usw.? Michail Michailov: Ja. Die altbekannte Frage nach dem »Ich«, nach der Identität, ist für mich eine Kernfrage. Was macht den Men­ schen aus? Ich verwende in meinen Arbeiten subversiv meinen Körper, mein Ich und meinen Namen als Medium. Metaphorisch möchte ich dabei für viele Menschen stehen. Paradoxerweise bediene ich mich dafür auch tierischer Verhaltensweisen wie Tarnung, Anpassung, Täter-Opferrollen, Hierarchie und verwende in vielen Arbeiten eine Tiersymbolik. Situationsgerecht hinterfrage ich damit selbstironisch den Kunstbetrieb. Magda, und in deine Arbeiten fließen sehr viele Anleihen aus Märchen und ScienceFiction ein, mit denen du moderne Utopien thematisierst. Hat dies auch damit zu tun, dass das Science-Fiction Genre im Kalten Krieg von beiden Seiten umkämpft war? Magda Tothova: Utopien gehen sich meistens aufgrund des Ausgangsmaterials gar nicht mehr aus, die Inhalte nehmen immer mehr dystopische Formen an, weil das mit meinem momentanen persönlichen politischen Empfinden eher zu vereinbaren ist. Beson­

ders Science-Fiction von Jerzy Zulawski oder Yevgenij Samjatin, also ca. 40 Jahre vor dem Anfang des Kalten Krieges, ist für mich inte­ ressanter als die der späteren Autoren, weil sich die dualistische Denkweise hier nicht in den Vordergrund drängt, sondern das meist in die Zukunft verlagerte Gesellschaftsbild noch so viele Möglichkeiten offen lässt. Und wie verhält sich all das zum feministi­ schen Aspekt deiner Arbeiten? Magda Tothova: Utopische Schriften, wie zum Beispiel »Das Buch von der Stadt der Frauen« von Christine de Pizan aus dem Jahr 1405 stellten eine strenge patriarchale Gesellschaftsordnung in Frage. Das waren Notwendigkeiten. Ich glaube jedoch, dass ich nicht ständig darauf hinweisen muss, dass Frauen immer noch auf vielen Ebe­ nen benachteiligt sind. Mir ist es wichtiger aufzuzeigen, dass wir Menschen uns unsere Gesellschaftsordnungen selbst richten, den Kapitalismus wie den Kommunismus. Das ist die Grundlage meiner Arbeit und eröffnet für mich unendlich viele Variationen von Gesell­ schaftsentwürfen, in denen wir immer wieder vor dem gleichen Problem stehen: dem Umgang mit konstruierten Wertvorstellungen und einer aufgezwungenen Norm. Der diesjährige Schwerpunkt der Vienna Art Week, der »Viennafair« wie auch einer Menge früherer Ausstellungen ist Osteuropa. Was denkst du darüber, dass diese Thematik eine Art offizielle Kulturpolitik in Österreich darstellt? Magda Tothova: So wie ich dies seit Jahren in Wien erlebe, vermute ich, dass ausreichend Netzwerke aufgebaut wurden, im Gegensatz

zu früher, als der Osten Europas exotisch war und die Aufmerksamkeit künstlich gepusht wurde. Ich würde trotzdem bevorzugen, wenn das Label »osteuropäisch« langsam zu Ende dienen würde. Dieser Dualismus lässt eine bestimmte Wertung zu, die meiner Meinung nach nicht mehr zeitgemäß ist.   Michail Michailov: Dies ist eigentlich eine gute Sache. Davon profitiere ich auch. Es stellt sich aber die Frage, ob die Kunstpolitik nicht vor allem wirtschaftliche Interessen verfolgt oder ob sie wirklich an einer Vielfalt aktueller Kunst interessiert ist. Ich habe das Gefühl, dass eigentlich zu wenig Zeit und Geld in eine seriöse Vorauswahl gesteckt wird. In Wien werden meistens die gleichen »Ost-Kuratoren« eingeladen und diese stellen in der Regel die gleichen »Ost-Künstler« aus. Ähnlich gibt es z.B auch in Bulgarien eine relativ geschlossene Szene, die sich gegen­ seitig unterstützt. Kamen, ist das Auto und der Exorzist eine Gleichung für die politischen bzw. künstleri­ schen Ost-West Beziehungen? Kamen Stoyanov: Diese gezielte österreichi­ sche Öffnung zum Osten ist verständlich und grundsätzlich gut, nur sollte man aufpassen, dass man nicht bloß die dortigen Machtver­ hältnisse reproduziert, sonst wird man auch hier bald einen Exorzisten benötigen. Milena Dimitrova ist seit 2008 als Redakteurin der Kunstzeit­ schrift »Umelec« tätig. 2010 gewann sie den Kunstkritikpreis Junior Art Critics Award; sie publiziert Rezensionen und Kunst­ kritiken. Magda Tothova: www.magdatothova.com Michail Michailov: www.michailmichailov.com Kamen Stoyanov: www.kamenstoyanov.com

53


interview

 Kunstmetropole Wien –  Strategien zum Erfolg 

Text von Michael Huber

Von links nach rechts: Ernst Hilger, Brigitte Jank, Rosemarie Schwarzwälder, Valerie Loudon

54

Eine Gesprächsrunde mit Ernst Hilger, Galerist Brigitte Jank, Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien Valerie Loudon, Galeristin Rosemarie Schwarzwälder, Galeristin

Zu Zeiten des letzten Kunstbooms – bis 2007/08 – sprach man von einem Zeitalter der Messe, vorher von einem Zeitalter der Biennalen. Ich habe jetzt den Eindruck, dass das Zeitalter der Kunstwochen und GalerienSchwerpunkte angebrochen ist, weil sich das Angebot diversifiziert und die Galerien im Rahmen von Events wie der Vienna Art Week in den Blickpunkt treten. Valerie Loudon: Ich glaube, dass die Aktivi­ täten einander nicht ausschließen. Die großen Kunstmessen wird es immer geben und daneben werden Aktionen organisiert, wie es nun zunehmend in Wien geschieht. Denn da sich das Sammler­publikum in Wien noch vergrößern lässt, sind Aktionen wie die Art Week einfach wichtig für die Stadt. Ernst Hilger: Biennalen und die anderen Veranstaltungen sind ein Bereich, die Messen ein anderer. Beide sind mit ihren Events un­ abdingbar notwendig, weil sie die Spannung steigern, die der Kunstbetrieb braucht, um Menschen für und mit Kunst zu begeistern. Der klassische Sammler, der immer wieder dieselben drei Künstler kauft, verschwindet – der neugierige Sammler, der immer wieder Neues sehen will, braucht jedoch auch die Konfrontation mit seinesgleichen. Brigitte Jank: Galerien sind in den letzten Jahren tatsächlich verstärkt nach außen getreten, damit haben sie ihre Wahrnehmung erhöht. Das hat vielleicht den Eindruck hin­ terlassen, dass das Galeriengeschehen über dem der Messen steht. Ernst Hilger: Ich würde mir wünschen, dass das so wäre. Vor 20 Jahren lag ein Großteil des Umsatzes im täglichen Geschäft, trotz

internationaler Messebeteiligungen, die wir damals schon initiierten. Heute läuft das al­ les schwerpunktmäßig. Dass jemand einfach vorbeikommt, um sich etwas auszusuchen – ohne diese Animation – kommt deutlich seltener vor. Valerie Loudon: Aber kann es nicht sein, dass man sich sehr auf Messen konzentriert und das Publikum in Wien etwas vernachlässigt hat? Dass man versucht, durch Aktionen wie die Vienna Art Week das Publikum wieder zurückzugewinnen? Rosemarie Schwarzwälder: Um die Künstler zu vermitteln und im Gespräch zu halten, ist es einfach notwendig, auch auf interna­ tionale Messen zu gehen. Auf der anderen Seite sind die Messen für die Sammler eine Sozialisierungsplattform geworden. Aber wäh­ rend wir früher »Spitzen« im Kunstinteresse erlebt haben, geht die Tendenz jetzt eher in die Breite. Sie können einen indischen Sammler hier in Wien treffen und in Basel einem österreichischen Sammler begegnen, den Sie noch nicht kannten. Das vermischt sich alles stärker. Frau Präsidentin Jank, welchen Stellenwert nimmt das Galerienwesen in Ihrem Verständnis von Kreativwirtschaft ein? Brigitte Jank: Faktum ist, dass die Galerien ein Teil der kreativwirtschaftlichen Prozesse sind, beispielsweise bei der Auswahl der Künster und deren Vermittlung. In Irland habe ich die Erfahrung gemacht, dass das Verhältnis zwischen der Bevölkerung und ihren Künstlern sehr entspannt und natür­ lich ist. Dort ist es selbstverständlich, die eigenen Künstler zu unterstützen und zu kaufen. Bei uns habe ich eher das Gefühl,


Von links nach rechts: Ernst Hilger, Brigitte Jank, Rosemarie Schwarzwälder, Valerie Loudon

dass eine Distanz gelebt wird. Das Wissen um österreichische Künstler ist in der brei­ ten Öffentlichkeit begrenzt. Dabei geht es ja nicht nur ums Sammeln, sondern auch darum, einfach ein Werk zu Hause zu haben, das man sich gerne ansieht. Da, glaube ich, haben wir noch Potenzial. Ernst Hilger: Hier in Österreich gibt es viele Menschen, die ein Problem damit haben, beim Galeristen zu kaufen: Sie können ja zum Künstler gehen, denn dort ist es ein­ fach billiger. Der Sammler, der professionell agiert, sagt aber: Ich will, dass aus diesem Künstler etwas wird. Er unterstützt den Galeristen, der in einem hohen Maß garan­ tiert, dass diese Entwicklung eintritt. Wenn der Sammler regelmäßig beim Galeristen kauft, kann dieser den Künstler ausstellen, Kataloge finanzieren, ihn auf Messen mitneh­ men. Auch der kleinste Sammler fragt: Wie wird sich der Künstler entwickeln? Gar nicht so sehr, weil er spekuliert, sondern einfach, weil er möchte, dass etwas weitergeht. Valerie Loudon: Ich bin ganz jung in diesem Geschäft und habe festgestellt, dass man als Galerist einen schlechten Ruf genießt. Man ist eigentlich der »Abzocker« der Künstler – und durch Direktverkäufe, Off-Spaces, Auktionshäuser wird der Markt so weit ge­ öffnet, dass die Arbeit, die der Galerist mit dem Aufbau der Künstler und der Selektion leistet, in den Hintergrund tritt. Rosemarie Schwarzwälder: Wir sind alle im Galerienverband tätig gewesen, und dort wurde immer thematisiert, dass das Image unserer Professionalität zu wenig kommuni­ ziert wird. Hier gibt es nach wie vor großen Handlungsbedarf.

Nun kaufen Sammler auch in Auktions­ häusern, und diese bekommen – etwa durch Rekordpreise – viel Aufmerksamkeit. Profitieren nicht auch Galerien von diesem Sogeffekt? Ernst Hilger: An dieser gegenseitigen Sogwirkung müsste noch gearbeitet werden. Ich könnte mir gut vorstellen, dass man zum Beispiel die Vienna Art Week in einem höheren Maße kuratorisch und museal bestückt und sich darauf einigt, dass die Messe Viennafair stärker sammlungsmäßig funktionieren soll. Wenn man die Viennafair im Mai und die Vienna Art Week im November als zweiteiliges Event sieht, wären beide Veranstaltungen Termine, für die die Leute nach Wien kommen. Da würde das DOROTHEUM sicher von der Viennafair pro­ fitieren, andererseits würde die Art Week noch besser von den Galerien angenommen werden. Brigitte Jank: Die Frage, die sich für mich aus der Diskussion ergibt, ist: Wer sollte bei der Umsetzung dieses Wunsches nach besserer Vernetzung die Führungsrolle über­ nehmen? Das kann ja nur von den Galerien selbst kommen. Rosemarie Schwarzwälder: In Berlin hat man den Schwerpunkt auf die Galerien erfolg­ reich umgesetzt, und so ist das Berliner Gallery Weekend jetzt tatsächlich voll mit Leuten, die aus der ganzen Welt kommen. Daran erkennt man, wie wichtig der eigene Standort, aber auch der eigene Galerieraum ist. In diesem Zusammenhang beschäftigt mich immer wieder die Frage, inwieweit eine ausländische Galerie in Wien Fuß fassen würde. Das wäre interessant. Man sieht es in Paris – das hatte nicht den tollsten Ruf als

Sammlerstadt. Nun ist dort Gagosian einge­ zogen, die Messe »Art Paris« im Grand Palais hat sich dort extrem gut etabliert. Ich glaube, dass so ein Potenzial in Wien auch vorhan­ den ist. Und wenn man das wirklich bündelt, könnte man es nützen. Valerie Loudon: Wien spielt ja immer mit dieser Verbindung aus Tradition und Neuem. Und ich finde, dass man das in dieser Art Week sehr schön zusammenfassen könnte. Man muss dann aber noch stärker zeigen, dass hier Neues passiert. Und es gibt ja auch unglaublich viele neue Künstler, Sammler, Ausbildungsstätten. Es passiert unheimlich viel. Brigitte Jank: Für mich nehme ich den Gedanken mit, dass die Branche das Gefühl hat: Eigentlich sind wir viel mehr. Die Frage ist nun, wie man es schafft, das Bild des Galeristen in der Öffentlichkeit richtig zu manifestieren. Natürlich agieren Sie im Top-Segment, aber am Ende muss sich jeder Unternehmer die Breite wünschen. Auch an­ dere Berufe haben damit zu kämpfen. Um diese Aufgabe aktiv anzugehen, ist wahr­ scheinlich jetzt der beste Zeitpunkt. Michael Huber, geboren 1976, studierte Kommunikations­ wissenschaft und Kunstgeschichte in Wien und New York (NYU). Ab 1996 Mitarbeit bei Medien wie »the gap«, »Kurier«, »Format«, »ORF ON Kultur«, seit 2000 beim »Kurier« für den Bereich bildende Kunst verantwortlich. 2007 schloss er ein MasterProgramm für Kulturjournalismus an der Columbia University, New York, ab.

55


Kunstsammler in Wien

 Kunst ist kein Fetisch  Nicht nur Anwälte kaufen Kunst: Wiener Kulturschaffende gewähren Einblick in ihre Sammlungen

Text von Nina Schedlmayer Den durchschnittlichen Kunstsammler stellt man sich gemeinhin als erstens männlich und zweitens Arzt, Industriellen oder An­ walt, möglicherweise auch als Banker, vor. Dieses Stereotyp trifft freilich keineswegs zu: Dass etwa Künstler und Künstlerinnen gerne Werke austauschen und auf diese Art oft selbst bereits beachtliche Sammlungen zusammengetragen haben, ist hinlänglich be­ kannt. Aber auch andere Menschen, die im Kulturbereich arbeiten, umgeben sich gerne mit Kunst – darunter selbstverständlich zahlreiche Frauen. Die Verbindungen und Parallelen zwischen der eigenen Profession und der bildenden Kunst gestalten sich da­ bei vielfältig, wie sich beim Besuch von vier Wiener Kulturtreibenden und ihren Kollektio­ nen herausstellt.

Boutique-Besitzerin und Kunst­ sammlerin Myung-Il Song

56

Am engsten mit ihren Quellen arbeitet wohl die junge Kunsthistorikerin und Kuratorin Victoria Dejaco zusammen. Gerade einmal 25 Jahre alt, hat sie schon einige Kunstwer­ ke bekannter Künstler und Künstlerinnen erworben; zu ihren jüngsten Käufen zählt ein kleines rotes Gemälde von Nicolas Jasmin – er hatte ihr angeboten, ein Bild in dersel­ ben Farbe zu malen, mit der Dejaco einen kleinen Ablagetisch und eine Wand ange­ färbelt hatte. Mit Jasmin, weniger für seine Malerei als für seine Videoarbeiten bekannt, plant Dejaco eine Ausstellung in einem langen Gang ihrer Wohnung, den sie unter dem Namen »Hallway Gallery« als »Spielwie­ se« für ihre kuratorischen Projekte benutzt. Ihr erster Kunstkauf war eine feine Grafik von Nick Oberthaler mit dem Titel »Rethink Patriotism I«, die sie 2005 in der Galerie Layr Wüstenhagen (heute: Galerie Emanu­ el Layr) entdeckte. »Diese Arbeit zählt jetzt schon zu Nicks Frühwerk«, lacht sie. Auf weitere Arbeiten stieß sie beim ARTmART im Künstlerhaus – etwa eine faszinierende Fotografie der Künstlerin Corinne Rusch, auf

der ein Pferd vor einem Gitterbett mit einem Kind steht. Als sie für die Sammlung einer Bank gearbeitet habe, erzählt Dejaco, sei sie auf ein Foto von Paola Pivi gestoßen – darauf zu sehen: ein Esel auf einem Schiff. »Pivi konnte ich mir zwar nicht leisten, aber die Arbeit von Corinne Rusch besitzt denselben Spirit«, erklärt sie. Auch die Skulpturen von Plamen Dejanov begeistern sie. Derzeit hat sie einen Deal mit dem Bildhauer laufen: Für ihre Hilfe bei der Organisation einiger Ausstellungen bezahlt er sie mit einer Arbeit, die sie sich aussuchen konnte. »Ich mag es, wenn das Werk eines Künstlers kongruent ist, man darin auch eine Entwicklung erkennt«, schildert Dejaco ihre Vorlieben. »Die Kunst ist für mich kein Fetischobjekt, es geht mir vielmehr um den Konnex mit den Künstlern.« Noch passt ihre Sammlung in eine Mappe – wenn sie so weitermacht, wird die Kunsthis­ torikerin jedoch eines Tages vielleicht einen eigenen Raum oder sogar ein Magazin dafür benötigen. Wie der Dirigent Michael Klaar, der bereits als Teenager Kunst kaufte. Heute lebt er mit seiner Familie in einer großen Wohnung – die dennoch nicht genug Platz für seine Samm­ lung bietet. Obwohl die Kunstwerke – darun­ ter Objekte von Paul McCarthy, Richard Art­ schwager, Stanislav Kolibal, Aleana Egan und Donald Judd, Gemälde von Walter Obholzer, Katrin Plavcak und Herbert Brandl ebenso wie Zeichnungen von Lawrence Weiner – so arrangiert sind, dass sie einander nicht stören, findet Klaar: »Für meine Begriffe ist hier schon viel zu viel Kunst.« Die meisten Arbeiten aus seiner Sammlung lagert er in einem Depot. »Kunst braucht ihren Raum; bestimmte Dinge will ich allerdings ständig sehen«, erklärt er. Klaar zählt zu jenen, die lieber in die Tiefe als in die Breite sammeln; manche Künstler wie etwa Weiner sind in seiner Kollektion stark vertreten. Die Verbin­ dungen zwischen der bildenden Kunst und der Musik betrachtet er eher abstrakt: »Es


geht um Intensitäten. So werden die Arbeiten von Donald Judd oder Lawrence Weiner meist als nüchtern erachtet; meiner Meinung nach besitzen sie eine große sinnliche Opulenz.« Eine weitere Parallele findet er in der Un­ möglichkeit, Werke völlig zu durchdringen: »Seit Jahrzehnten beschäftige ich mich mit Bach und habe den Eindruck, dass ich ihn noch immer nicht verstehe. Bei der bilden­ den Kunst kann es einem genauso ergehen. Gerade diesen Vorgang finde ich aber so spannend.«  

Dirigent und Kunstsammler Michael Klaar

Beim Komponisten Burkhard Stangl (Schwer­ punkt: elektronische / Neue Musik) beein­ flusste die bildende Kunst seine Arbeit sogar mehr als die Musik. Mit 17 Jahren sah er im Prado die Gemälde von Goya, für ihn damals geradezu eine »Erhellung«. Eine Parallele zur Musik entdeckte er, als er später während seines Studiums in der Klasse von Maria Lassnig auf der Angewandten als Porträtund Aktmodell arbeitete: »Lassnig bestand darauf, dass die Leute ihr Handwerk be­ herrschen – was die Studenten nicht immer verstanden. Das kenne ich von der Musik«, erinnert er sich. Obwohl er sich selbst nicht als Kunstsammler bezeichnen würde, haben sich im Laufe der Jahre mehr oder weniger zufällig zahlreiche Kunstwerke angehäuft; beginnend mit einer Arbeit, die ihm einst die Künstlergruppe Zú schenkte – als Gage für ein Konzert, das er anlässlich einer Eröff­ nung spielte. Einen Großteil seiner Kunstwer­ ke – darunter Bilder von Jochen Traar, Julius Deutschbauer, Christa Angelmaier, Thomas Freiler, Gertrude Wagner-Moser, Josef Tratt­ ner – gruppierten Stangl und seine Lebens­ gefährtin gemeinsam mit anderen Artefakten zu einer Art Wunderkammer-Wand. So finden sich zwischen den Zeichnungen, Fotos und Gemälden auch eine Tarantel, mexikanische Devotionalien, kleine Altäre aus Gegen­ ständen mit persönlicher Bedeutung und Fundstücke, die wie Kunstwerke erscheinen: Ein Preisschild von einem Postkartenständer

wirkt in Stangls Arrangement plötzlich wie eine konstruktivistische Grafik, ein Papier­ streifen mit Kaffeeflecken wie ein semiabstraktes Aquarell. Auch in Myung-Il Songs Laden, Pilgerstätte Wiener wie internationaler Fashion Victims, verschwimmen die Grenzen der Kunst biswei­ len mit ihrer Umgebung. Schon der Raum selbst, ein von Gregor Eichinger umgestal­ teter Pelzgroßhandel in der Praterstraße, besitzt künstlerische Qualitäten: Die Wände erscheinen teilweise wie Palimpsest-Mauern, die Vorhänge der Umkleidekabinen ziehen sich effektvoll bis an die Decke. In einem eigenen Raum präsentiert Song temporär Kunst, etwa von Marina Faust, Jutta Koether, Franz Graf oder Dirk van Saene. »Ich habe eigentlich nie geplant zu sammeln«, erzählt die Modepionierin, die in ihrem Geburtsland Korea Kunstgeschichte, später in Wien an der Angewandten Grafik studierte. Als sie in der Innenstadt ihr erstes Geschäft aufsperrte, gingen bald Künstler ein und aus – manche von ihnen zeigten der Besitzerin auch ihre Mappen. Beinahe hätte sie schon selbst eine Galerie eröffnet – wenn ihr nicht ihr damali­ ger Mann abgeraten hätte. »Mode und Kunst sind für mich kaum zu trennen«, erzählt Song. So lernte sie die meisten Künstler, für die sie sich interessiert, erst durch ihre Arbeit kennen: Marina Faust traf sie etwa, als sie diese für Maison Martin Margiela fotogra­ fierte. Heute hängt ein Objekt der Künstlerin aus traubenartig angeordneten Wollknäueln unterschiedlicher Größe in Songs Geschäft. ­­­­­ Nina Schedlmayer wurde 1976 in St. Pölten geboren. Studium der Kunstgeschichte in Wien und Hamburg. Seit 2004 ist sie haupt- und freiberuflich als Journalistin und Kunstkritikerin tätig und schreibt u. a. für »profil«, »artmagazine«, »Eikon« und »Camera Austria«.

57


Kunsträume und Kunstträume

 Künstler-Häuser 

Wie wohnen Künstler? Oder: Was verbindet ein Renaissance-Jagdschlösschen mit einer aufgelassenen, heute in zartem Pink gestrichenen Radiostation aus den 60er Jahren?

1

Text von Bettina Hoyos Beide Domizile sind innerhalb einer Stunde mit dem Auto von Wien aus erreichbar. Beide Häuser wurden von ihren heutigen Besitzern in einem Zustand »völliger Baufälligkeit und einer Art Weltvergessenheit« gefunden und dann in liebevoller Kleinarbeit restauriert bzw. für die jeweiligen Bedürfnisse modifiziert.

1 Garten mit Swimmingpool auf dem Anwesen der Künstlerin Eva Schlegel 2 Innenansicht der umgebauten Radiostation des Künstlers Sebastien de Ganay 3 Wohnsalon der alten Radiostation 4 Das Auge isst mit. Künstlerischer Speisesaal, gestaltet von Architekt Carl Pruscha

Der Architekt Dr. Carl Pruscha hat sich über 20 Jahre lang Zeit gelassen, seinen ursprüng­ lich feudalen Landsitz in Gattendorf so zu re­ novieren, »dass das Haus seine Würde nicht verliert«. Gemeinsam mit Eva Schlegel, sei­ ner zweiten Frau und Kuratorin des diesjäh­ rigen österreichischen Biennale-Beitrags in Venedig, verbringt der ehemalige Rektor der Akademie der bildenden Künste im Sommer »eigentlich jede freie Minute« im nördlichen Burgenland. Von ihrer großzügig angelegten Terrasse lassen der kommunikative Dandy mit der »18. Jahrhundert-Frisur« und die viel beschäftigte Künstlerin den Blick in den von Pruscha selbst gestalteten Garten schweifen. Auf dem Land holt sich das kreative Ehepaar Kraft und Energie für ihre neuesten Projek­ te. Hier, fast direkt am Ufer der Leitha, hat übrigens auch Otto Mühl zusammen mit Terese Panoutsopoulos-Schulmeister in den 80er Jahren den legendären Film »Back to Fucking Cambridge« gedreht, in dem damals unter anderem die Malerin Maria Lassnig und der »Vater der Videokunst« Nam June Paik mitwirkten. Dagegen ging die »Aufräumarbeit« in Bad Deutsch-Altenburg bei dem französischen Künstler Sebastien de Ganay geradezu in Windeseile vonstatten. Etwa drei Jahre lang hat er gemeinsam mit der in Paris lebenden, iranischen Architektin Nina Safainia und seiner Frau Katharina das – wie er selbst sagt – »damals sicher scheußlichste Haus

58

ganz Österreichs« in einen magischen Ort von widerspenstiger und nahezu surrealer Schönheit verwandelt. »Ich glaube, diese Industrie-Ruine hat auf uns gewartet«, sagt der unprätentiöse Künstler, der seinen Be­ sucher an diesem Tag in ausgewaschenen, grünen Shorts und einem Touristen-T-Shirt aus Tansania empfängt. »Mein Zuhause soll­ te vor allem drei Voraussetzungen erfüllen: Abgeschiedenheit, die Möglichkeit, eine gro­ ße Familie dort aufzuziehen, und genug Platz für meine Arbeit«, bringt der Vater von vier Kindern seine Wünsche auf den Punkt. Während jedoch bei Professor Pruscha und seiner Frau nur wenige Bilder an den Wän­ den hängen, »und wenn, dann sind es Ge­ schenke bzw. Tauschgeschäfte befreundeter Künstler wie Bruno Gironcoli, Manfred Wa­ kolbinger oder es ist ein Werk meiner Frau«, sammelt Sebastien de Ganay seit 25 Jahren zeitgenössische Kunst. Für den Franzosen, der sich auch als Verleger von Künstlerbü­ chern und Katalogen einen Namen gemacht hat, ist »Kunst wie Essen«, sowohl im körper­ lichen als auch im geistigen Sinn. Er genießt sie und braucht sie um sich herum – seine eigene und die von Menschen, »die für mich persönlich eine große Bedeutung haben oder hatten«. Und das sind Hyun Soo Choi, Ru­ dolph Polanszky, Lawrence Weiner und Franz West, um nur einige zu nennen. So haben die beiden Künstler-Häuser trotz ihrer Unterschiedlichkeit also noch etwas gemeinsam: Sie spiegeln die Persönlichkeit und irgendwie auch das äußere Erschei­ nungsbild ihrer Besitzer. Bettina Hoyos wurde 1963 in München geboren. Studium der Germanistik an der Ludwig Maximilian Universität München, Voluntariat »Mittelbayerische Zeitung«, Regensburg; 1988 Übernahme als Redakteurin. Seit 1991 arbeitet sie als freie Journalistin.


3

2

4 2

59


Programm

 Special Projects 

Verbund-Zentrale Am Hof 6a 1010 Wien T +43 (0) 503 13-500 44 www.verbund.com/sammlung Öffnungszeiten: »Yellow fog« – täglich während der Abend­ dämmerung Kunstraum Niederoesterreich Herrengasse 13 1014 Wien T +43 904 21 11 www.kunstraum.net Öffnungszeiten: Di.–Fr. 11.00–19.00 Uhr, Sa. 11.00–15.00 Uhr Nitsch Foundation Hegelgasse 5 1010 Wien T +43 1 513 55 30 www.nitsch-foundation.com Öffnungszeiten: Di.–Fr. 11.00–18.00 Uhr

60

 Sammlung Verbund

 Kunstraum Niederoesterreich

 Nitsch Foundation

 Werkpräsentation  Gabriele Schor, Leiterin der SAMMLUNG  VERBUND, und Architekt Christian  Knechtl präsentieren die Intervention  »Yellow fog« von Olafur Eliasson

 Führung  Führung durch die Ausstellung »ASK YO  MAMA« mit der Kuratorin Ina Wudtke

 Eröffnung  Eröffnung und Lehraktion zur Ausstellung  »Hermann Nitsch – SEHEN«

Der Titel der Ausstellung »Ask Yo Mama« bezieht sich auf die afro-atlantische orale Tradition des Signifying, Rap und Storytel­ ling. Die Berliner Kuratorin Ina Wudtke hat österreichische und internationale Positionen zusammengetragen, die sich thematisch mit der afro-atlantischen Diaspora befassen und das Verhältnis zwischen Musik, Kunst und Gender ausloten. »Im kontinentaleuropäi­ schen Kunstkontext scheint es immer noch schwierig zu sein, einen Beat als komplexe Avantgarde zu verstehen, wie es beispiels­ weise in der Harlem Renaissance der 20er Jahre mit der Erfindung der synkopischen Swing-Rhythmen der Fall war. Dabei über­ schneiden sich vielfach die Diskurse der afroatlantischen musikalischen Tradition und der bildenden Kunst, wie eine ganze Generation zeitgenössischer Künstlerinnen mit ihren Werken belegen«, so die Kuratorin. Ina Wudtke führt durch die Ausstellung. Als junger Ausstellungs- und Projektraum zeichnet sich der Kunstraum Nieder­ oesterreich durch seine Offenheit für experi­ mentierfreudige und gattungsübergreifende Projekte aus. Er ist künstlerische Forschungsstätte und gleichzeitig leben­ diger Ort der Kommunikation für Kunst­ interessierte und Professionisten. Seit 2005 steht der Kunstraum des Landes Niederösterreich in der Herrengasse 13 mitten in Wien an fünf Tagen der Woche bei freiem Eintritt Besucherinnen und Besu­ chern offen. Mit atmosphärisch reizvoller Architektur und 300m2 Ausstellungsfläche im Palais Niederösterreich, dem ehemaligen niederösterreichischen Landhaus, bietet der Kunstraum Präsentationsmöglichkeiten für junge österreichische und internationale Kunstschaffende. Ohne Verkaufs- oder Quo­ tendruck und doch im Zentrum des kultu­ rellen Geschehens können sie hier mit ihren Arbeiten an die Öffentlichkeit treten.

Die Nitsch Foundation wurde im Jahr 2009 gegründet, um die bedeutende Position des Künstlers Hermann Nitsch und seines Gesamtkunstwerkes zu unterstützen und zu vermitteln. Insbesondere die Bewusstseins­ bildung für den gedanklichen Überbau seines Werkes, die Herausgabe von Publikationen und Editionen, die Organisation von Ausstel­ lungen und Vortragsreihen, die Erfüllung von Archiv- und Dokumentationsaufgaben sowie der Aufbau des Werkverzeichnisses dienen diesem Ziel. Die dauerhafte und gemein­ schaftliche Verfolgung dieser Aufgaben stellt das Leitmotiv der Nitsch Foundation dar. Im Rahmen der Ausstellungsprogrammatik der Nitsch Foundation wird halbjährlich bis 2012 der Gebrauch der Sinne im Orgien Mysterien Theater von Hermann Nitsch aufgeschlüsselt, durch Ausstellungen, Instal­ lationen und Aktionen veranschaulicht und vermittelt. Diese Veranstaltungen werden von Hermann Nitsch konzipiert und kuratiert. Im Anschluss an das 6-Tage-Spiel im Jahr 2013 wird die Programmatik der Stiftung für die Folgejahre festgelegt. Während der Vienna Art Week 2011 richtet die Nitsch Founda­ tion ein Special Project aus: Anlässlich der neuen Ausstellung zur Thematik »Sehen« wird der Künstler Hermann Nitsch am 17. November um 19.00 Uhr eine LiveLehraktion abhalten. Parallel zu dieser öf­ fentlichen Aktion spricht und erläutert der Künstler seine Handlungen im Gesamt­ kontext des Orgien Mysterien Theaters. Die Besucher tauchen dabei in das Gesche­ hen einer Aktion ein und erhalten zugleich unmittelbare Erläuterungen durch den Künstler selbst.

Donnerstag, 17. November 2011 16.30 Uhr In deutscher und englischer Sprache

Werkpräsentation Die Intervention »Yellow fog« von Olafur Eliasson ist eine beeindru­ ckende Arbeit im öffentlichen Raum, die das Stromunternehmen VERBUND für sein Hauptgebäude in der Wiener Innenstadt gemeinsam mit dem Künstler im Herbst 2008 installiert hat. Täglich während der Dämmerung wird die Fassade der VERBUNDZentrale in gelben Nebel getaucht. »Yellow fog« lässt den historischen Platz Am Hof zu einer Bühne mitten in der Stadt werden, auf der ein Spiel aus Licht, Nebel und Wind ent­ steht. Die Grenzen zwischen dem Gebäude, dem Gehsteig und dem Platz gehen fließend ineinander über und lösen sich auf, sodass sich unsere Wahrnehmung des städtischen Raums verändert. Olafur Eliasson sieht den Nebel als sein »Instrument«, um räumliche Distanzen neu erfahrbar zu machen. »Durch den Nebel wird der Raum körperlich wahrnehmbar, nicht nur intellektuell«, so Eliasson. »Nebel struktu­ riert den Raum, er hebt hervor, er akzentuiert und erlaubt uns, Tiefe und Breite anders zu erleben«. Eliasson bevorzugt die Farbe Gelb gegenüber anderen Farben, da sie in der Dunkelheit besonders gut erkennbar ist. Während der Abenddämmerung thematisiert »Yellow fog« den Übergang vom Tag zur Nacht und macht auf subtile Weise auf die Veränderung des Tagesrhythmus aufmerksam. »Yellow fog« ist ein Werk der SAMMLUNG VERBUND. Die Sammlung wurde 2004 von der VERBUND AG, Österreichs führendem Stromunternehmen und einem der größten Stromerzeuger aus Wasserkraft in Europa, ins Leben gerufen und ist auf internationale zeitgenössische Kunst ab 1970 ausgerichtet. Sie folgt der Maxime »Tiefe statt Breite« und konzentriert sich deshalb auf ganze Werk­ gruppen sowie auf zwei thematische Schwer­ punkte: die ›Feministische Avantgarde‹ und ›Räume und Orte‹, zu dem »Yellow fog« von Olafur Eliasson gehört. Anmeldung über sammlung@verbund.com oder telefonisch erforderlich.

Donnerstag, 17. November 2011 18.00 Uhr

Donnerstag, 17. November 2011 19.00 Uhr


Galerie Heike Curtze Seilerstätte 15/16 1010 Wien T +43 1 512 93 75 www.heikecurtze.com Lukas Feichtner Galerie Seilerstätte 19 1010 Wien T  + 43 1 512 09 10 www.feichtnergallery.com Galerie Grita Insam An der Hülben 3 1010 Wien T +43 1 512 53 30 www.galeriegritainsam.at Galerie Krinzinger Seilerstätte 16 1010 Wien T +43 1 513 30 06 www.galerie-krinzinger.at Galerie Lang Wien Seilerstätte 16 - Mezzanin 1010 Wien T +43 1 512 20 19 www.glw.at Galerie Emanuel Layr An der Hülben 2 1010 Wien T +43 1 254 54 90 www.emanuellayr.com Mario Mauroner Contemporary Art Vienna Weihburggasse 26 1010 Wien T +43 1 904 2004 www.galerie-mam.com Galerie nächst St. Stephan Rosemarie Schwarzwälder Grünangergasse 1/2 1010 Wien T +43 1 512 12 66 www.schwarzwaelder.at HilgerBROTKunsthalle Absberggasse 27/Stiege 1 1100 Wien T +43 1 512 53 15 www.brotkunsthalle.com Öffnungszeiten: Do.–Sa. 12.00–18.00 Uhr Kerstin Engholm Galerie Schleifmühlgasse 3 1040 Wien T +43 1 585 73 37 www.kerstinengholm.com Öffnungszeiten: Di.–Fr. 11.00–18.00 Uhr, Sa. 12.00–16.00 Uhri

 Nacht der Vernissagen im 1. Bezirk

 HilgerBROTKunsthalle

 Kerstin Engholm Galerie

 Eröffnungen  Ausstellungseröffnungen in den Galerien  rund um die Seilerstätte

 Podiumsdiskussion  »Inside Art« – Talk und Brunch  mit musikalischer Untermalung von  98.3 Superfly – Vienna’s Soulful  Radio Station

 Katalogpräsentation  Galerie Kerstin Engholm und die  Künstlerin Anna Jermolaewa laden zur  Katalog­präsentation und  Leibspeiseverkostung

Einst eine Brotfabrik im 10. Bezirk und nun Raum für Kunst und Plattform für junge Kuratoren – die HilgerBROTKunsthalle öffnete erstmals am 9. Oktober 2009 ihre Pforten. Dieser Ausstellungsort definiert sich als eine experimentelle Erweiterung, als unkommerzielles Crossover zwischen einer Galerie und einem Kunstraum mit informativen Präsentationen. Die Kunsthalle arbeitet mit jungen, wichtigen Kuratoren, die in ihrem Denken neugierig und aufgeschlos­ sen sind – ihre Gründung war ein weiterer Schritt in der vierzigjährigen Geschichte der Galerie Hilger modern/contemporary, die sich vor allem für eine permanente und aktive Programmgestaltung sowie für den Dialog mit zeitgenössischer Kunst einsetzt. Die Galerie Hilger sucht den Austausch mit Künstlern, Besuchern, Sammlern, Kuratoren – also den Schnittstellen im Kunstbetrieb. Die HilgerBROTKunsthalle ist der Doku­ mentation und Förderung der Werke ihrer wichtigsten künstlerischen Partner verpflich­ tet. Ein wachsendes Interesse am Nahen und Fernen Osten hat Kooperationen mit aufstre­ benden jungen Künstlern zur Folge gehabt – unter ihnen Sara Rahbar (Iran/USA). Ein weiterer Meilenstein ist die neue Ausstellung Oliver Dorfers »Under Construction – Work of Recent Years«. Oliver Dorfers Bilder sollen für sich selbst sprechen – mittels ihrer eige­ nen Bildsprache, einer Syntax aus Zeichen aus der Welt des Films, des Comics, des Graphic Designs und anderen popkulturellen Einflüssen, die ihm als Rohmaterial für seine Arbeiten dienen. Die Präsentation wird einen Überblick über Oliver Dorfers Schaffen in den letzten beiden Jahrzehnten geben – von den frühen Arbeiten bis zu den einzelnen sich parallel entwickelnden Bildserien, die der Künstler als Projekte (projects) bezeichnet.

Die vielschichtigen Arbeiten der Künstlerin Anna Jermolaewa, geboren 1970 in St. Pe­ tersburg, sind durch einen immer anwesen­ den Humor leicht zugänglich, weisen aber hinter der ansprechenden Oberfläche äußerst kritisches Potential auf. Mit ihren Fotografien und Videos findet sie überzeugende Meta­ phern für die Darstellung gesellschaftlicher Missstände, patriarchaler Strukturen und des Konsumverhaltens. Die Offenlegung von Beziehungsstrukturen ist ihr dabei genauso Anliegen wie existierende Machtmechanis­ men zu entblößen. Seit 2009 arbeiten Anna Jermolaewa und die Kerstin Engholm Galerie zusammen und laden gemeinsam zur Präsentation des neuen Katalogs der Künstlerin, der die Arbeiten der letzten zehn Jahre dokumentiert, und einem anschließenden Artist's Talk in die Galerie. Dazu wird Anna Jermolaewas Leibgericht – selbst gekochter Borschtsch – und Wodka verköstigt.

Montag, 14. November 2011 19.00 Uhr Galerie Heike Curtze:

»Paul Wallach, Objekt und Skulptur«

Lukas Feichtner Galerie:

Gezeigt wird auf beiden Galerieebenen »Hubert Schmalix«. Zur Ausstellung wird auch ein Katalog erscheinen.

Galerie Grita Insam:

»1953« Im Mittelpunkt der Ausstellung steht Richard Neutras Interesse für soziale Wohnbaupro­ jekte und seine experimentellen stadtpla­ nerischen Entwürfe für Los Angeles in den 1940er Jahren.

Galerie Krinzinger:

»Thomas Zipp« Thomas Zipp zählt zu den bedeutendsten deutschen Künstlern der Gegenwart. Seine Arbeiten fasst er zu räumlichen Gesamt­ kunstwerken zusammen, die um Geschichte, Wissenschaft und Philosophie kreisen.

Galerie Lang Wien:

»Meisterzeichnung IX« Unter dem Titel »Meisterzeichnung IX« präsentiert die Galerie aktuelle Positionen von Künstlern, die sich mit dem Medium der autonomen Zeichnung auseinandersetzen.

Galerie Emanuel Layr:

»Gruppenausstellung« Kuratiert von Benjamin Hirte und Emanuel Layr.

Galerie Mario Mauroner Contemporary Art Vienna:

Gezeigt werden neue Arbeiten des Afrika­ nischen Künstlers Barthélémy Toguo sowie Ölminiaturen von Robert Devriendt.

Galerie nächst St. Stephan Rosemarie Schwarzwälder:

Samstag, 19. November 2011 12.00–16.00 Uhr

Samstag, 19. November 2011 15.00 Uhr

»Imi Knoebel« Präsentiert wird die neue Serie der »Cutups«. Mit Ensembles aus schwarz-weißen Elementen nimmt er Bezug auf Bildideen, die er in den 1970er Jahren entwickelte. 61


special projects

NEXT DOOR Galerie Michaela Stock Schleifmühlgasse 18 1040 Wien T +43 1 920 77 78 www.galerie-stock.net www.schleife18.at Öffnungszeiten: Di.–Fr. 16.00–19.00 Uhr, Sa. 11.00–15.00 Uhr Kro Art Contemporary Getreidemarkt 15 1060 Wien T +43 676 503 05 32 www.kroart.at Öffnungszeiten: Di.–Fr. 14.00–19.00 Uhr, Sa. 12.00–17.00 Uhr od. n.V. Galerie Lisi Hämmerle zu Gast in der Pelzgasse 20 1150 Wien www.galerie-lisihaemmerle.at

62

 NEXT DOOR Galerie Michaela Stock  PROJEKTPRÄSENTATION  Brunch: Präsentation des Projekts  »Views from Abroad«

Samstag, 19. November 2011 13.00 Uhr

Der Projekttitel »Views from Abroad« steht für die Verbindung zweier europäischer Länder – Österreich und Kroatien –, die in der Vergangenheit gemeinsame kulturelle Wurzeln teilten, zwischenzeitlich verschie­ dene Wege gingen und nun aktuell wieder zueinanderfinden. Das präsentierte Projekt stellt kroatische und österreichische Künstler vor, deren Werke sowohl thematisch wie auch in ihrer Ausführung und ihren künstlerischen Strategien miteinander verwandt sind. »Views from Abroad«, organisiert von Micha­ ela Stock, Slaven Tolj und Sandro Dukic, fin­ det 2011/2012 an unterschiedlichen Orten in Österreich und Kroatien statt. Hinter den kroatischen Künstlern liegen eine sozialistische Kindheit und eine Jugend voller Krieg, Unsicherheit und Gewalt. Die Künstler aus dem ehemaligen Jugoslawien reagieren auf ihre Weise mit einer radikalen, subjekti­ ven Kunst. In dem Projekt soll der Versuch unternom­ men werden, aus dem Schatten der Ver­ gangenheit in die Gegenwart zu springen, die Wahrnehmungen zu schärfen und der Oberflächlichkeit die Tiefe, dem Schnelllebi­ gen die Langsamkeit entgegenzusetzen. Die individuellen Unterschiede in der Sprache der Kunst sind nicht von der Nation der Künstler abhängig. »Kleiner Raum mit großer Ausstrahlung«: Das ist seit dem Jahr 2006 das Markenzeichen der Galerie in der »Kunstmeile Schleif­ mühlgasse«. 2009 wurde sie dafür mit dem Preis der Aktion »Das engagierte Auge« der Kulturabteilung der Stadt Wien honoriert. Denn diese kleine Keimzelle für Kunst ist tatsächlich etwas Besonderes: Ihre Projekte erstrecken sich über Ländergrenzen, ihre Künstler sprengen traditionelle Erwartungen von »gutem Geschmack« und Gattungs­ zuordnungen. Mit Sandro Dukic, Künstler, Zagreb; Lucas Gehrmann, Kurator und Kunsthistoriker, Wien; Sandra Krizic Roban, Kunsthistorikerin und Office of Photography, Zagreb; Sabina Salamon, MMSU Rijeka; Michaela Stock, Galeristin, Wien; Slaven Tolj, Künstler und Kurator, Dubrovnik.

 Kro Art Contemporary Wien/Krokus  Galeria Bratislava  eröffnung  »Räume offengelegt« – Exhibition Space  Opening – Teil des Projekts »räumlich«

Mittwoch, 16. November 2011 19.00 Uhr

Kunst ohne Raum ist nicht denkbar. Raum nimmt in der Kunst einen wichtigen Stel­ lenwert ein. Das Projekt »räumlich« setzt sich zum Ziel, die Konstellation KunstRaum-Zeit und die Erfahrungen der Kunst in unterschiedlichen räumlichen Kontexten zu erkunden. Von September 2011 bis Jänner 2012 werden Künstler und Künstlerin­ nen aus Österreich und der Slowakei dazu eingeladen, ihre Arbeiten zu diesem Thema an wechselnden Orten in immer wieder neuen Situationen und Konstellationen zu präsentieren. Die Örtlichkeiten in Wien und Bratislava haben jeweils sehr unterschied­ lichen Charakter: Neben der klassischen Galerie-Architektur werden temporäre Räume außerhalb der Kunstwelt wie ungenützte Geschäftslokale oder Lagerhallen als Aus­ stellungsflächen bespielt. Die Kro Art Galerie Wien und die Krokus Galeria Bratislava zielen mit ihren kontinuierlichen, grenzüberschrei­ tenden Kunstprojekten darauf ab, den Dialog und den Austausch zwischen den beiden be­ nachbarten Metropolen dauerhaft zu fördern. Das Ausstellungsprogramm zeigt hervorragen­ de engagierte Statements und ausgewählte Positionen dieses gemeinsamen Kunstraums ohne geographische Grenzen. »Räume offengelegt« mit: Miriam Bajtala, Christian Bazant Hegemark, Marianne Lang, Nikolaus Eckhard, Sarah Pichlkostner, Rastislav Podoba, Barbara Doser und Kurt Hofstetter. Weitere Informationen zum Projekt sowie die einzelnen Standorte und Namen der teilneh­ menden Künstler sind auf www.korart.at und www.krokusgaleria.sk abrufbar.

 Galerie Lisi Hämmerle  Eröffnung   Ausstellungseröffnung  »Von Robotern, die Bilder bauen«

Samstag, 19. November 2011 19.00 Uhr In der Pelzgasse 20, 1150 Wien

Im ehemaligen Fabriksgebäude der Firma Rost wurden bis vor Kurzem Kleinteile für optische Instrumente hergestellt. Seit dem Jahr 2009 wird das Haus zunehmend von jungen Künstlern besiedelt und bietet neben den Ateliers auch Raum für diverse künstlerische Events. Zur Zeit teilen sich die Künstler Claudia Larcher, Stefanie Hilgarth, Leo Peschta und Bernhard Buhmann die Großraumateliers. Die gemeinsame Verortung verbindet ihre Gemeinschaft. In ihren Arbeiten finden sich sehr unterschiedliche Spielarten zeitgenössi­ scher Kunst von Robotik über Medienkunst bis zur Malerei, die zu spannenden und überraschenden Symbiosen führen. Dies ent­ spricht auch der Programmatik der Galerie. Zur VIENNA ART WEEK bespielt die Bre­ genzer Galerie Lisi Hämmerle temporär eine Etage und präsentiert ausgewählte Positionen der Ateliergemeinschaft. Zusätzlich laden die Künstler weitere Kollegen zur Teilnahme ein. Das Programm der Galerie Lisi Hämmerle, Fix-Stern in Bregenz und Off-Space für Gegenwartskunst, beinhaltet immer wieder temporäre Ortsverschiebungen. Von Westnach Ost-Österreich wandelt sie gerne, wenn Zeit und Raum es zulassen – und nicht nur zur Viennafair, früher Kunst Wien im MAK. Im Jahr 2008 organisierte sie mit Romana Schuler den ›Kunstsalon Tuchlauben‹ mit Gegenwarts-Positionen. Im Jahr 2009 in SOHO in Ottakring das Projekt »arbeiten oder nicht arbeiten / to work or not to work. Lisi Hämmerle lebt und arbeitet in Soho in Ottakring«. Zur Eröffnung der Ausstellung am Samstag, den 19. November um 19.00 Uhr, werden im Innenhof Videoarbeiten gezeigt. Anschließend Party mit Live-Konzert und DJ-line.


FOTO-RAUM – Ein Spielraum für Fotografie Theresiengasse 25–27 1180 Wien T +43 664 201 83 18 www.foto-raum.at Öffnungszeiten: Mi. 10.00–13.00 Uhr, Do. 13.00–18.00 Uhr Edition Photo Gonzagagasse 20 1010 Wien www.edition-photo.at K48 Kirchengasse 48/Lokal 2 1070 Wien www.miriambajtala.klingt.org www.olliwood.com/k48.html Öffnungszeiten: Donnerstag, 27. November und Freitag, 28. November 2011 21.00–23.00 Uhr

 FOTO-RAUM

 Edition Photo

 Sammlergespräch  SPUTNIK Collectors‘ Talk und  Präsentation der Ausstellung  »the female view« der Helsinki School

 Eröffnung  Eröffnung der Ausstellung »Lehman Boys«  von Annunziata Schmidt-Chiari

Samstag, 19. November 2011 18.00 Uhr

Nicht jede Sammlerin, die ihre Kunstwerke einer größeren Öffentlichkeit zugänglich machen will, muss gleich ein eigenes Museum aufbauen. Oft reicht eine kleinere, temporäre, nichtkommerzielle Präsentati­ onsfläche, um Visionen zu verwirklichen. Auf Neudeutsch nennt man dies wohl einen »Alternative Space« – alternativ zu Museen und Galerien, befreit von den Zwängen des Kunstmarktes und der Erwartungshaltung des Publikums. Die etablierte Sammlerin Andra Spallart erfüllt sich mit dem FOTO-RAUM nun diesen Wunsch. Seit einigen Jahren stellt sie eine der spannends­ ten Fotografie-Kollektionen Österreichs zusammen. Dabei ist weder eine möglichst große Zahl von Arbeiten noch das Aneinan­ derreihen eines Fotografen-Kanons zentral. Stattdessen sucht Andra Spallart hochran­ gige Kunst, um sich mit ihr zu umgeben, täglich den Bildern zu begegnen und sich an ihnen zu erfreuen. Ihre Sammlung beinhaltet Abstraktes und Experimentelles ebenso wie Werke am Schnittpunkt von Fotografie zu anderen Medien. Parallel zu Andra Spallarts Ausstellungsprojekt »SPUTNIK«, das sie ge­ meinsam mit dem Sammler, Fotografen und Kurator Fritz Simak betreibt und welches sich vorrangig der klassischen Fotografie widmet, sollen im FOTO-RAUM verstärkt zeitgenössische Arbeiten gezeigt werden. Im Rahmen der Vienna Art Week wird ein Collectors‘ Talk stattfinden. Die beiden Akteure hinter »SPUTNIK« werden über das Projekt selbst, aber auch über ihre Motivatio­ nen und Leidenschaften im Hinblick auf das Sammeln moderner Fotografie sprechen.

Dienstag, 15. November 2011 19.00 Uhr

Seit über 100 Jahren gelten die Unterneh­ men der Familie Leutner als Inbegriff für hochqualitative Ausarbeitung von Fotogra­ fien. Die von Georg Leutner gegründete EDITION PHOTO widmet sich nun mit wöchentlich wechselnden Ausstellungen der Präsentation österreichischer Fotografie und dem Aufbau eines zeitgenössischen Foto­ kunstarchivs. EDITION PHOTO verbindet die Möglichkeit einer fotografischen Werkschau in breiter Öffentlichkeit mit der individuellen Herstellung von Bildern nach persönlichen Wünschen und den Vorgaben von Raum und Konzept. In der Ausstellung »Lehman Boys« stellt die EDITION PHOTO die jüngste Arbeit Annun­ ziata Schmidt-Chiaris vor, die sich mittels Porträts Betroffener mit den direkten Aus­ wirkungen des Kollaps der Investment Bank »Lehman Brothers« auseinandersetzt. Für die jungen Lehman Boys war das ameri­ kanische Unternehmen viel mehr als nur ein Job: Es war eine Identität, die Berufs- und Privatleben ausmachte. »Lehman Boys« porträtiert die persönliche Entwicklung eini­ ger junger Lehman Boys, die im September 2008 ganz am Anfang ihrer Karriere standen. Die Ausstellung befasst sich nicht mit mo­ ralischen Urteilen über die jungen Banker, sondern behandelt deren Schicksale. Durch einzelne Porträts will Annunziata SchmidtChiari ein Gesamtbild der Identifikation mit der Firma, des Wertesystems, der Emotionen und des Zusammenhalts der Brotherhood lie­ fern. Sie will zeigen, wie sich dieses Bild vom Beginn der Arbeit über die ersten Krisenzei­ chen bis zum Bankrott und darüber hinaus entwickelt hat. So stellt sie Fragen nach dem Mythos der Lehman Brothers und weist dar­ auf hin, was für den Einzelnen übrig blieb.

 k48 – Offensive für zeitgenössische  Wahrnehmung  Eröffnung  Eröffnung der Einzelausstellung  im Darkroom: »Der finstere Blick (1) –  Miriam Bajtala«

Mittwoch, 16. November 2011 21 Uhr

Wahrnehmung at its best, Vor-Sicht! Licht aus, Augen auf und durch: Die Eroberung des völlig abgedunkelten k48-Raums als nicht-visuelle Erfahrung der unterschied­ lichen, speziell für ein absolutes Dunkel hergestellten Kunstwerke als individuelle An­ eignung von Kunst. Ein Blind Date mit einem unsichtbaren Gegenüber. Kontrollverlust als sinnliche Chance? Tasten tappen kriechen hören riechen schmecken schlecken, ee will be de-lighted. Den Auftakt einer neuen Ausstellungsreihe bestreitet die Künstlerin Miriam Bajtala, die diesen Raum speziell für die vorgegebene Finsternis erprobt. Miriam Bajtala produziert Videos, Fotos, Installationen, Zeichnungen, manchmal auch 3-Dimensionales. Die Ausgangspunkte ihrer Arbeiten sind oftmals ganz grundlegende: Es geht um diese Aspekte »Wahrnehmung«, »Zeit«, »Raum« und deren Verhältnis zuei­ nander und ihre Beziehungen. Manchmal werden die Parameter auch vertauscht. Einmal im Monat öffnet der Wiener Perfor­ mance- und Medienkünstler Oliver Hangl sein Studio, um es in den Projektraum »k48 – Offensive für zeitgenössische Wahrneh­ mung« zu verwandeln. k48 präsentiert und initiiert als temporäre Plattform Projekte, Ideen, Skizzen und Szenarios, die einerseits performative und parasitäre Strategien in der Kunst, andererseits inter-, trans-, multidiszip­ linäre- und -mediale Kunstpraxen verhandeln. Kurator: Oliver Hangl

63


special projects

BAWAG Contemporary Franz-Josefs-Kai 3 1010 Wien T +43 599 05 919 www.bawagcontemporary.at Öffnungszeiten: täglich 14.00–20.00 Uhr COCO – Ausstellungen, Theorie, Bar Bauernmarkt 9 (Passage) 1010 Wien T +43 699 11 65 81 12 www.co-co.at Öffnungszeiten: Do.–Sa. 16.00–20.00 Uhr das weisse haus Geigergasse 5–9, 2. Stock 1050 Wien T +43 1 236 37 75 www.dasweissehaus.at Öffnungszeiten: Di.–Mi. 13.00–19.00 Uhr, Do.–Fr. 15.00–20.00 Uhr, Sa 12.00–17.00 Uhr

64

 Sculpture Unlimited

 Speak and Spell

 das weisse haus

 Lecture  Vortrag von Jörg Heiser:  »Skulptur im öffentlichen Raum –  ein langes Jahrhundert zwischen  Manifestation und Negation«

 Performance-Reihe  Kuratiert von »spike art quarterly«

 Projektpräsentation  Projektpräsentation und Performances  »15 minutes«

Freitag, 18. November 2011 19.00 Uhr

Im November 2010 veranstaltete der Bereich Bildhauerei – Transmedialer Raum der Kunstuniversität Linz ein von Eva Grubin­ ger und Jörg Heiser kuratiertes Symposium mit dem Titel »Sculpture Unlimited – über die Grenzen von Skulptur« mit Beiträgen von Jennifer Allen, Nikolaus Hirsch, Martin Hochleitner, Aleksandra Mir, Vivian Rehberg, Jan Verwoert und Anne von der Heiden. Auf der Grundlage dieses Symposiums erscheint nun die dritte Ausgabe der Jahreszeitschrift »fountain« des Bereichs Bildhauerei – Trans­ medialer Raum, ergänzt um weitere Beiträge von Studierenden und Lehrenden. Ebenfalls auf Grundlage des Symposiums erscheint bei Sternberg Press das Buch »Sculpture Unlimited«, das in englischer Sprache die Beiträge des Symposiums versammelt.

Donnerstag, 17. November 2011 19.00–22.00 Uhr COCO

Die Ausstellungsreihe »Speak & Spell« ver­ sammelt künstlerische Beiträge zu Perfor­ mance, Sprache, Körper, der Authentizität des Nicht-Authentischen, dem Exaltierten, der Übertreibung, dem Amateur, der Partizi­ pation, dem Begehren.  In den Arbeiten der diesjährigen Ausgabe geht es um eine Auseinandersetzung mit Sprache und Bedeutung, um Wahrheit und Lüge. Die Sprech-, Lese-, Lecture- oder Gesangsperformances führen den Betrachter in die Irre, bis an den Punkt, an dem die Sprache verblasst und der Körper seine Lehre zu entfalten beginnt und den Faden der Wahrheit aufnimmt. »Speak & Spell« wird heuer zum vierten Mal vom Kunstmagazin spike im Rahmen der VIENNA ART WEEK kuratiert. Veranstaltungs­ ort ist wie in den letzten beiden Jahren der Kunstverein COCO in der Wiener Innenstadt.  Am Donnerstag, dem 17. November 2011, werden von 19.00–22.00 Uhr drei Performances in den beiden Ausstellungs­ räumen des Kunstvereins und der Bauern­ markt-Passage stattfinden. In der Bar gibt es Künstler-Drinks. Es soll eine informelle und intime Atmosphäre geschaffen werden, die den Charakter eines Festivals für einen Abend hat. Die Liste der Künstler wird über www.viennaartweek.at und Facebook bekannt gegeben.

Samstag, 19. November 2011 Dauer: 14.00–24.00 Uhr

das weisse haus wurde 2007 von Alexandra Grausam und Elsy Lahner gegründet. Der Schwerpunkt liegt bei diesem Ausstellungs­ raum auf der Präsentation und Vermittlung junger Kunst. Gezeigt werden österreichi­ sche und internationale Künstlerinnen und Künstler in der oftmals ersten großen Einzel­ ausstellung, in thematischen Gruppenaus­ stellungen und in einer Vielzahl zusätzlicher Projekte. das weisse haus ist ein wandernder Kunstver­ ein und befindet sich nach dem 7. und dem 1. Bezirk nun an seinem dritten Standort, in der Geigergasse im 5. Bezirk. Zusätzlich nutzt das weisse haus als »Satelliten« tempo­ rär Räumlichkeiten innerhalb, aber auch außerhalb Wiens. Das Ausstellungsprogramm ist daher durch die Auseinandersetzung mit variierenden Raumsituationen geprägt, die neue Herausforderungen und vielfältige Präsentationsformen ermöglichen. Für »15 minutes« hat das weisse haus jün­ gere und bereits etablierte, in Wien lebende Künstlerinnen und Künstler eingeladen, sich mit und in ihren Arbeiten zu präsen­ tieren. Doch auch andere Protagonisten der Wiener Kunstszene werden sich im Rahmen dieses Events dem Publikum der Vienna Art Week vorstellen. Unter Zuhilfenahme verschiedenster Medien stehen den insge­ samt 30 Teilnehmenden jeweils 15 Minuten zur Verfügung. Ob dabei Einblick in einzelne Werke, Ausstellungen oder Projekte gege­ ben, einzelne Arbeiten oder Ausstellungen erklärt, die künstlerische oder kuratorische Heran­gehensweise beschrieben oder ob die Zeitspanne direkt für eine Performance oder Lecture genutzt wird, bleibt dabei den Präsentierenden selbst überlassen. Begleitendes DJ-Programm im Café. Einlass und Besuch der Ausstellung bereits ab 12.00 Uhr möglich.


basis wien

 Art Critics Award

 Parabol Art Magazine

 Preisverleihung  Feierliche Preisverleihung des  Art Critics Award 2011

 Magazinpräsentation  Release-Party des Parabol Art Magazine  AM #6

AGMA Magazin

Kennwort »Art Critics Award« Fünfhausgasse 5 1150 Wien +43 1 522 67 95 www.artcriticsaward.com Parabol Art Magazine Praterstr. 66/7a 1020 Wien AGMA Magazin Luftbadgasse 11/9 1060 Wien T +43 699 19 11 89 24 www.agmamagazine.com

Freitag, 18. November 2011 20.00 Uhr DOROTHEUM, Dorotheergasse 17, 1010 Wien Bereits zum vierten Mal verleiht »basis wien – Forschungs- und Dokumentationszentrum für moderne und zeitgenössische Kunst in und aus Österreich« in Zusammenarbeit mit dem Künstler Moussa Kone den »Art Critics Award«, eine Auszeichnung für Kunstkritik in Österreich. Zu diesem Anlass wird ein Geldpreis an einen Kunstkritiker verliehen, der sich durch hervorragende Leistungen auf seinem Gebiet ausweist. Der Gewinner des »Art Critics Award« wird nach einer sechsmonatigen Medienbeobach­ tung ermittelt. Zu diesem Zweck sammelt und archiviert die basis wien Kunstmagazine aus dem deutschsprachigen Raum, die über Kunst in und aus Österreich berichtet haben. Anhand der anonymisierten Texte entschei­ det die Künstlerjury über den Gewinner. Die Jury 2011 bestand aus folgenden Künstlern: Katrina Daschner, Svenja Deininger, Thomas Draschan, Isa Rosenberger und Heimo Zobernig. Der Hauptpreis, der »Senior Art Critics Award«, ist mit 3.000 Euro dotiert. Für den zusätzlichen Förderpreis »Junior Art Critics Award« können sich all jene bewerben, die bisher noch keine professionellen Veröffent­ lichungen vorweisen können. Die jungen Autoren sind eingeladen, eine Ausstellungs­ besprechung für ein fiktives deutschsprachi­ ges Kunstmagazin mit bis zu 3 500 Zeichen zu verfassen. Der Förderpreis, dotiert mit 1.000 Euro, ermöglicht dem Sieger, in kooperierenden Zeitschriften zu publizieren. So wird der »ACA Junior Award« Preisträger an die jeweiligen Redaktionen vermittelt, die dann die Zusammenarbeit beginnen. Das gesamte Preisgeld 2011 stiftet die Kultur­abteilung der Stadt Wien.

Freitag, 18. November 2011 20:00 Uhr

Parabol Art Magazine ist ein internatio­ nales Magazin für zeitgenössische Kunst. Ziel von Parabol ist es, eine Publikation zu generieren, die in Format und Ästhetik konventionelle Magazinformate ergänzt und zeitgenössischer Kunst Raum schafft; ein Medium, das den Brückenschlag zwischen hoher inhaltlicher und gestalterischer Qua­ lität vollzieht. Die Förderung der Auseinan­ dersetzung mit zeitgenössischer Kunst ist Kernmotiv. Jede Ausgabe wird von einem Kurator oder einer Kuratorin konzipiert. Auf­ gabe ist es, ein zeitgenössisches Phänomen anhand künstlerischer Positionen in Bild und Wort zu thematisieren. In der Gesamtschau aller Ausgaben wird sich über die Jahre ein Spiegelbild zentraler Spotlights zeitgenössi­ scher Kunstproduktion als zweidimensionale Ausstellung ergeben. Parabol erscheint ein Mal im Jahr in englischer Sprache in einer limitierten Auflage. In den Attributen unterscheidet sich Parabol gänzlich von herkömmlichen Magazin­ formaten. Mit seiner außergewöhnlichen Größe orientiert sich das Format an DIN A1 (aufgefaltet) und wird in jeder Ausgabe leicht modifiziert. Dadurch rückt besonders der Bildaspekt in den Vordergrund. Der Bogen­ offset-Druck erinnert in Druckqualität und Erscheinungsbild an einen Kunst-Katalog. In diesem Punkt weicht Parabol sichtbar von der gewohnten Produktion eines Maga­ zins ab. Die Publikation liegt in ausgewähl­ ten Buchgeschäften und Museumsshops in Österreich, Deutschland und der Schweiz auf und wird über den Vice-Versa Verlag vertrieben. Das Parabol Art Magazine entsteht aus der Zusammenarbeit der Designagentur section.d (Max Haupt-Stummer, Robert Jasensky), des Art Consulting Büros section.a (Katharina Boesch, Christine Haupt-Stummer) und des Art Directors Chris Goennawein. Die Symbio­ se eines Design- und eines kulturschaffenden Büros sind die idealen Voraussetzungen, um ein außergewöhnliches Magazin zu realisieren. Nähere Informationen über den Ort sind unter www.parabol.org und www.viennaartweek.at verfügbar.

 Magazinpräsentation  Round-Table-Diskussion mit  Gelitin, Oswald Oberhuber, moderiert  von Andreas Reiter-Raabe (angefragt)

Samstag, 19. November 2011 18.00 Uhr secession, Friedrichstraße 12, 1010 Wien

Das Publikationsprojekt AGMA widmet sich der Vermittlung kritischen Wissens und wurde von dem in Wien lebenden Kurator Francesco Stocchi gegründet. Das Magazin zielt darauf ab, das Verständnis für und die Kommunika­ tion von Kunst mit besonderem Schwerpunkt auf dem zeitgenössischen Geschehen zu fördern. Ein innovatives System von Kunstkri­ tik und Kommunikation soll entstehen, das auf dem Potenzial des Bildes aufbaut, indem der Öffentlichkeit zu einer persönlichen, au­ thentischen Sicht des Ausstellungsmachens verholfen wird. Das Magazin AGMA erscheint vier Mal im Jahr und publiziert Bildberichte internationaler Ausstellungen, die von einem Redaktionsausschuss mit Zentrum in Wien und Abteilungen in London, Berlin, Paris, Rom und New York koordiniert werden. AGMA will wenig beachtete Präsentationen sichtbar machen oder erfolgreiche künstle­ rische Projekte in einer bestimmten Saison kontextualisieren. Von etablierten Institutio­ nen oder privaten Galerien geförderte Shows werden im gleichen Format wie Ausstellun­ gen in unabhängigen Kunsträumen oder an entlegenen Orten gezeigt. Zu viele fundierte Erfahrungen gehen in der oralen Geschichte langsam verloren, wenn sie nicht stichhaltig dokumentiert sind. AGMA interessiert sich für die Darstellung der Evolution des Ausstellungsmachens. Dies wird durch Fakten erreicht: Kunstwerke sind in wechselseitigem Bezug oder im Hinblick auf den von ihnen eingenommenen Raum zu sehen. Das Webportal www.agamamagazine.com enthält eine noch größere Auswahl an Ausstellungen und ergänzt das System, den Inhalt einer Präsentation ausführlich und ausschließlich über Bilder anzubieten. Ag­ mamagazine.com hat sich zum Ziel gesetzt, zu einem umfassenden Archiv über das Ausstellungsmachen sowohl für akademische Forscher wie auch für Kunstprofessionelle zu werden.

65


Wien Products   Collection  Eine Stadt zum Mitnehmen

Wie kann sich eine Stadt in all ihrer kulturel­ len Vielfalt, mit ihrer gesamten Geschichte und ihren vielen Gesichtern in einem Produkt wiederfinden? Die Rede ist nicht von Aus­ lagen, in denen Schneekugeln mit Riesen­ rädern und Mozartbüsten auf den nächsten Touristenbus warten. Die Frage sucht eher nach gelungenen, wohldurchdachten und ebenso geformten Objekten, die ganz ohne staubigen Traditionsbezug zeigen, wie die weite Seele Wiens in Form von Design funktionieren kann. Die Antwort liefert die Initiative »WIEN PRODUCTS COLLECTION«, die bereits seit 2006 jedes Jahr aufs Neue Produkte heimischer Top-Gestalter in Zusam­ menarbeit mit Wiener Traditionsbetrieben herausbringt. Die Kollektionen werden von unterschiedlichen Unternehmen der »WIEN PRODUCTS-Gruppe« der Wiener Wirtschafts­ kammer umgesetzt – zu der Gruppe gehören bisher über 50 Betriebe. Die Kollektionen sind längst eine jährlich mit Spannung erwar­ tete Neuerscheinung und stellen die Band­ breite des Klangspektrums unter Beweis, mit der eine spezielle Wiener Note in greifbare Formen gebracht wird. Klingend ist auch die Liste heimischer Traditionsfirmen, die sich längst bewusst sind, welchen Wert junges, zeitgenössisches Design auf dem Weg in eine erfolgreiche Zukunft darstellt. J. & L. Lobmeyr, R. Horn's Wien oder Woka Lamps Vienna sind nur drei Beispiele, die mit ihrem großen Know-how und ihrer Geschichte im

66

Zusammenspiel handwerklicher Topleistun­ gen und mannigfaltiger Entwurfsleistungen darauf verweisen, wie unglaublich zeitgemäß eine Mischung aus Tradition, Qualität und jungem Design sein kann. Die Zusammenarbeit – in der Vergangenheit werkten Gestalter wie Gregor Eichinger, das Duo Polka, Sebastian Menschhorn oder Soda Designers an Objekten aus den Bereichen Möbel, Glas, Schmuck usw. – versteht sich als Dialog. Die Designer setzen sich mit der Tradition des jeweiligen Unternehmens auseinander, spüren einen roten Faden auf, der sich durch die Produktfamilien zieht, und weben daraus etwas völlig Neues, das aber keineswegs losgelöst vom jeweiligen Firmen­ geist erscheint. Dabei stehen die Betriebe mit Rat und Tat zur Seite. Der internationale Design-Durchstarter Marco Dessi – heuer neben Gestaltern wie Thomas Feichtner, Sophie Doblhoff oder Tino Valen­ tinitsch am Start – sagt über sein Objekt, das er in Zusammenarbeit mit der Wiener Silber Manufactur entwickelt: »Da ich kein Silberschmied bin, hätte ich ohne die Meis­ ter in der Manufactur niemals den Entwurf umsetzen können. Der Entwurf entstand als Reaktion auf den Ideenaustausch in der Ma­ nufactur.« Auf der anderen Seite erklärt die Wiener Silber Manufactur ihre Beweggründe, bei den Kollektionen der »WIEN PRODUCTS«

mitzumischen, folgendermaßen: »Die größte Motivation ist für uns die Möglichkeit, einen zeitgenössischen Entwurf neben unseren historischen Plänen in der Gruppe mit anderen Manufakturen zu präsentieren.« Man sieht deutlich: Der Gestalter gewinnt ebenso wie das produzierende Unternehmen und letztendlich der Kunde, der sich über neues Design mit Wiener Seele freuen darf. Die Kollektionen der »WIEN PRODUCTS« sind eine Art Produkt gewordene Quintes­ senz Wiens. Eine Art Stadtkonzentrat, das als originelles High-Class Souvenir in Tokio und London ebenso gut aufgehoben ist wie als gutes Stück Qualitätsdesign in oder an der Hand der Wienerinnen und Wiener. Die neuen Objekte werden – wann wäre der Zeitpunkt passender – auch heuer wieder im Umfeld des Designhighlights des Jahres, der »Vienna Designweek«, und der Designmesse »Blickfang« präsentiert. Allesamt sind sie eine Art »Wiener Blut« heimischer Produkt­ gestaltung, die weltweit gute Figur macht und so auch als Botschafter der Gestalter­ zunft und von Unternehmen mit Designbe­ wusstsein gelten darf. Michael Hausenblas ist seit 1999 Mitarbeiter der Tageszeitung »Der Standard«, bei der er in erster Linie als Redakteur für das Thema Design zuständig ist. WIEN PRODUCTS wurde 1995 von der Wirtschaftskammer Wien ins Leben gerufen, um Unternehmen, die Produkte von höchster Qualität herstellen, die Möglichkeit zu geben, international unter einer gemeinsamen Dachmarke aufzutreten. Informationen sind unter www.wienproducts.at verfügbar.


Art cluster

 KÖR   Kunst im öffentlichen Raum Wien   Künstlerische Interventionen in den Stationen der Wiener Linien

1

1 Peter Kogler, Zwischen­ geschoss U1/U2 Station Karlsplatz, 2011 2 Heimo Zobernig, »ohne Titel«, 2010, Ustrab-Station Laurenzgasse

2

 FÜHRUNGEN

 »Kunst und Wiener Linien«*

»Die Kunst soll an dieser Stelle ein Zeichen setzen«. Dieser Satz könnte für all die prominent plat­ zierten Installationen gelten, die »KÖR Kunst im öffentlichen Raum Wien« in Kooperation  mit den »Wiener Linien« an Knotenpunk­ ten des öffentlichen Verkehrs errichtet. Die Zusammenarbeit beabsichtigt, die Gestal­ tung innovativer künstlerischer Projekte gemeinsam zu konzipieren, und bietet ein zusätzliches kulturelles Angebot für die Fahr­ gäste. Diese Kunst manifestiert sich in den Innenbereichen und an den Fassaden von U- und Straßenbahnhöfen und rechnet dort zwangsläufig mit dem Blick eiliger Passan­ ten, die nur mehr wenig mit den romantisier­ ten Flaneuren des 19. Jahrhunderts zu tun haben. Und dennoch geht es nach wie vor um Wahrnehmungszäsuren: Urbane Situati­ onen, die sowohl von diversen aufmerksam­ keitsheischenden Werbebotschaften wie auch von Zonen der visuellen Verödung geprägt sind, werden mit dem Angebot ästhetischer Erfahrungen infiltriert.

Samstag, 19. November 2011 13.00 Uhr Treffpunkt: Kunsthalle Wien project space karlsplatz, Treitlstraße 2, 1010 Wien (Eingangsbereich) Führung zu künstlerischen Interventionen im Stationsbereich des öffentlichen Verkehrs: Ken Lum »Pi«, Westpassage Karlsplatz; Heimo Zobernig »ohne Titel«, Ustrab-Station Laurenzgasse; Ingeborg Strobl »ein Garten (zum Beispiel)«, U2-Station Novaragasse u.a. Dauer ca. 1,5 Stunden.

 »Turnertempel Erinnerungsort«*

Samstag, 19. November 2011 15.00 Uhr Treffpunkt vor Ort: Turnergasse/Ecke Dingelstedtgasse, 1150 Wien Führung zu dem von Iris Andraschek/Hubert Lobnig & Atelier Auböck/Karasz gestalteten »Turnertempel Erinnerungsort« am Standort der drittgrößten Synagoge der Wiener Israe­ litischen Kultusgemeinde, die in der Pog­ romnacht 9./10. November 1938 in Brand gesteckt und zerstört wurde. Dauer ca. 1,5 Stunden. *Anmeldung über www.viennaartweek.at erforderlich.

Text von Thomas Edlinger

Nun, im Herbst 2011, findet sich die verbale Forderung nach einer »zeichenset­ zenden« Funktion der Kunst selbst als Teil eines künstlerischen Projekts von Christian Jankowski für die U2-Station Donauspital wieder. Es heißt »Die große Geste« und verhandelt, gleichsam auf einer (auch iro­ nisch lesbaren) Meta-Ebene, die geläufigen Aufgabenzuschreibungen an die Kunst im öffentlichen Raum in Form einer Installation, die sich mit Schriftbildern auf diese Fragen bezieht. Zwei Jahrzehnte nach der Eröffnung des ersten Wiener Linien-Kunstprojekts, den ausladenden Schöpfungsmosaiken von Anton Lehmden in der U3-Station Volkstheater, ist die beauftragte Kunst in der Transitzone in das Stadium der Selbstbefragung getreten. Was kann man sich von einer Intervention

in Räume der Mobilität erwarten? Wie lässt sich Interesse an normalerweise achtlos benutzten Durchgangsräumen herstellen, bündeln und vertiefen? Welche formalen Lö­ sungen bzw. welche inhaltlichen Aufladungen machen an welchen Orten dauerhaft Sinn? Jüngere Projekte wie die mit der Zahlen- und Statistikgläubigkeit spielende Medienins­ tallation »Pi« von Ken Lum in der Westpas­ sage des Karlsplatz oder die unterirdisch »wuchernde«, raffiniert mit illusionistischen Effekten operierende Efeuwand aus Glas­ mosaiksteinen von Heimo Zobernig in der »Unterstraßenbahnstation« Laurenzgasse geben auf diese Fragen höchst unterschiedli­ che Antworten. Die anstehenden KÖR Projekte werden dieser Vielfalt in ortsspezifischer Weise weiter Rech­ nung tragen. Pedro Cabrita Reis kommentiert mit reduktionistischem Architekturdesign das ästhetische Vokabular der U2-Stationen Donaumarina und Donaustadtbrücke, Franz Graf durchsetzt den Südtirolerplatz mit einem heterogenen Motivcluster zum Thema Mobilität, Peter Kogler allegorisiert den Verkehrsknoten Karlsplatz mit einer Adap­ tion seiner Röhrenbilder, Stephan Huber kontextualisiert die neue U-Bahnstation Aspern mit historischen Landkarten und den zu parallelen Strichen abstrahierten Lebens­ linien konkreter Personen. Und schon passt er wieder, der so bewusst vage Imperativ von Christian Jankowski: »Die Kunst soll an dieser Stelle ein Zeichen setzen«. Weitere Informationen zu den KÖR Projekten sind unter www.koer.or.at verfügbar. Thomas Edlinger, geb. 1967, ist ein österreichischer Autor, Kurator und Radiomacher. Er gestaltet u.a. regelmäßig Beiträge für die Ö1-Sendung »Diagonal« und verfasst Artikel für verschie­ dene Medien und Kataloge. 2002–2004 war er Kurator im O.K. Centrum für Gegenwartskunst, 2004–2006 Kurator im Kunst­ museum Lentos in Linz.

67


interview & Programm

 Meine ersten Sinneseindrücke   stammen aus der Kindheit  Der Kurator Sydney Ogidan im Gespräch mit dem französischen Street Artist OX

 Street-Art-Tour  Ein »Galerienrundgang« der besonderen    Art mit Sydney Ogidan: Eine Bustour  zum Alberner Hafen macht die größte  Wandmalerei Österreichs sichtbar*

Mittwoch, 16. November 2011 14.00 Uhr Treffpunkt: BLK River Project Space, Schleifmühlgasse 2, 1040 Wien *Anmeldung über www.viennaartweek.at erforderlich.

68

Text von Sydney Ogidan Hi OX, vielen Dank, dass du dir Zeit für dieses Interview nimmst. Das war nicht so einfach. Du bist ja in Paris und im Augen­ blick sehr beschäftigt und dann hat die Ver­ bindung mit Skype nicht so gut geklappt wie geplant. Jetzt haben wir es aber geschafft. Ich würde zunächst gern etwas über deinen Hintergrund wissen? OX: Ich wurde 1963 in Troyes geboren. Ich studierte zu Beginn der 1980er Jahre zunächst Kunstgewerbe. 1984 traf ich Jean Faucheur, einen Künstler, der allein damit begonnen hatte, seine Gemälde an Werbeflächen anzukle­ ben. Er wollte seine Praxis mit anderen teilen. Freunde von mir und ich publizierten damals das Fanzine »Postpunk«, wir schlossen uns ihm an. So entstand unsere Künstlergruppe, die wir »Les Frères Ripoulin« nannten. Die Straße diente uns als Galerie, um unsere Arbeit auszustellen, und auf diese Weise konnte uns die große Mehrheit sehen. Auch unsere Tele­ fonnummern schrieben wir dazu, sodass es für Presse und Kunsthändler einen Kontakt gab. Dabei trafen wir Keith Haring und machten uns in einer groß angelegten Aktion über die Werbeflächen in der Pariser U-Bahn her. Agnès B, die ihre Galerie eröffnete, machte ihre erste Ausstellung mit uns, und ein Monat später tat Tony Shafrazi dasselbe in NYC. Damals war ich von den Graffiti sehr beeindruckt, die sich dort überall befanden. Nach drei weiteren Jahren löste sich die Gruppe auf und ich be­ gann, ausschließlich auf Leinwand zu malen.

Zehn Jahre lang stellte ich so meine Lein­ wände in Galerien aus, aber etwas fehlte: Action! Also kehrte ich zu Beginn des Jahres 2000 zu den Werbeflächen zurück. Aber jetzt hinterlasse ich dort keine Telefonnummer mehr, ich male nur noch aus Vergnügen. Mir wird auch klar, dass Landschaften in meiner Arbeit einen wichtigen Raum einnehmen und immer noch einige meiner visuellen Ent­ scheidungen bestimmen. Seit damals bin ich die meiste Zeit mit urbanen Interventionen beschäftigt. Du hast zu den ersten Künstlern gehört, die in der Agnes B. Gallery ausstellten und mit Keith Haring zusammen waren. Das ist ziem­ lich beeindruckend, wie war denn damals die Stimmung, gibt es davon noch Bilder? OX: Damals schien alles wirklich recht einfach zu sein, denn unsere Art, Kunst zu zeigen, war neu und hat die Presse schnell beeindruckt. Wir trafen Keith Haring durch unseren Fotografen, und Keith stimmte freundlicher­ weise zu, in unser Atelier zu kommen und ein riesiges 4 x 3 Meter großes Gemälde zu malen. Wir waren hauptsächlich auf unseren Spaß aus und hatten keine Karrierepläne, daher sind uns vielleicht ein paar Chancen entgangen! Das Poster von Keith Haring wur­ de in der U-Bahn von einem Kunsthändler gestohlen und tauchte nach ein paar Jahren wieder auf dem Kunstmarkt auf ... Es gibt schon Bilder, aber es ist schwierig, die Rech­ te für ihre Publikation zu bekommen …


2

1 Kurator und Fotograf Sydney Ogidan 2 Urbanes Kunstwerk des französischen Street Artist OX

Ich frage deswegen nach Bildern, weil ich heutzutage immer wieder den Eindruck gewinne, dass fast alle Interventionen im Zusammenhang mit Street Art durch Video oder Film dokumentiert werden. OX: In den 1980er Jahren wurde überhaupt anders dokumentiert; Fotografie und Film waren teuer und es war schwieriger, beide Medien korrekt zu nutzen. Seit unserer ers­ ten Aktion folgte uns übrigens ein Fotograf. In erster Linie, weil unsere Werke wieder zerstört wurden und wir uns eine Erinnerung an das schaffen wollten, was wir taten. Auch die Verbreitung unserer Arbeiten unterschied sich sehr, weil es kein Internet gab, Bilder konnten nur an Pressemagazine verkauft werden. Wir setzten Video ein, denn einige von uns absolvierten einen Videokurs an der Kunstschule. Du kannst dir aber sicher denken, dass es nicht so einfach war, eine schwere Kamera und einen Kassettenrekor­ der mitzuschleppen! Es existieren also Bilder und Filme dieser Aktionen, aber sie fanden kein breites Publikum, denn wir waren nur kurz erfolgreich und der Kunstmarkt lehnte uns schnell wieder ab. Damals verwendete kein Buch oder keine Website diese Bilder. Wie bist du zur Kunst gekommen, erinnerst du dich an den ersten Augenblick, als du die Entscheidung trafst, Künstler zu werden? OX: Meine ersten Sinneseindrücke stammen aus der Kindheit, ich war damals schon von Katalogen beeindruckt und meine persönli­ che Bilderwelt für große Poster basiert auf meinen ersten Kinderzeichnungen.

Du hast Keith Haring und Basquiat ge­ troffent, wie sah damals die Reaktion der Öffentlichkeit allgemein aus, haben sich die Leute damals für Kunst auf der Straße interessiert?! OX: Ich habe nie mit Basquiat gearbeitet, ich traf ihn einfach auf einer Party. Aber ich habe Keith Haring zugesehen und fand ihn beeindruckend. Er war sehr berühmt und bei unserer Aktion in der U-Bahn bat ihn ein vorbeigehendes Mädchen, ihr etwas auf ihren Arm zu zeichnen! Street Art befand sich erst ganz am Anfang, und bestimmte Zeitungen publizierten Artikel, aber im Vergleich zur Graffiti-Bewegung in den USA malten nur wenige Leute auf diese Weise. Ich frage dies immer aus Neugierde. Welchen Künstler hasst du am meisten? OX: Picasso? Picasso?! OX: Ich weiß, es tut dir um Picasso leid. Eigentlich hasse ich niemanden, das war nur als Witz gemeint! Deine Arbeit ist sehr minimalistisch, bist du vom Minimalismus beeinflusst, von Leuten wie Carl Andre, Dan Flavin oder Donald Judd? OX: Überhaupt nicht, ich lasse mich von un­ serer Umgebung und in erster Linie von der kommerziellen Bilderwelt inspirieren.

du an einer Werbefläche mit H.C. Strache, dem Vorsitzenden der österreichischen Rechtspartei, gearbeitet hast. Warst du über­ rascht, dass sie das im Fernsehen zeigten? OX: Nein, ich war nicht überrascht, warum sollte ich? Das Poster war nicht bewusst ausgesucht und Österreich ist doch ein freies Land. Worin besteht der Unterschied zwischen der Arbeit in einer Megastadt wie Paris und einem eher ruhigen Ort wie Wien? OX: Der größte Unterschied besteht darin, dass es in Wien weitaus mehr riesige Werbe­ tafeln gibt, und auch wenn das viele eher als visuelle Verschmutzung betrachten, finde ich es traumhaft! Was sind also deine nächsten Projekte? OX: Ende Mai werde ich in Saragossa sein, um eine raumgreifende Installation mit be­ maltem Verpackungsmaterial zu montieren. Vielen Dank, dass du dir Zeit für dieses Interview genommen hast. Sydney Ogidan ist ein Kurator, Sammler und Fotograf. Seit 2009 leitet er das BLK River Street Art Film Festival, zuvor war er Initi­ ator und Mitherausgeber des »Streetfashion Magazin«. Er wurde an der Grafischen Lehr- und Versuchsanstalt, Wien ausgebildet, seinen Auslandszivildienst absolvierte er im Simon Wiesenthal Center – Museum of Tolerance, Los Angeles. Derzeit lebt er mit seiner Frau und zwei Kindern in Wien.

Letztes Jahr während des BLK River Festivals in Wien hat dich der ORF gefilmt, während 69


PROGRAMM

 BMUKK–Bundesstudios  Das Atelier als Ort der Begegnung zwischen Kunst und Sammeln aus Leidenschaft

Agnes Fuchs: Für mich ist das Atelier als Arbeitsraum eine sich ständig ändernde InSitu-Installation und zeigt die Ordnung der Dinge in einer Laborsituation. Deshalb ist ein Atelierbesuch etwas Besonderes. Sammler schätzen häufig genau diesen Umstand und das Gespräch. Katrina Daschner: Auch wenn die Realisie­ rung neuer Arbeiten bei mir häufig außerhalb des Studios stattfindet, insbesondere Drehar­ beiten, ist es als Ort wichtig und Teil meiner künstlerischen Prozesse: Hier finden Proben und die Konzeptentwicklung statt.

Kuratorin Sabine Schaschl in einem der BMUKK-Ateliers

 AtelierFührungen  Durch die Bundesstudios führt Kuratorin  Sabine Schaschl, Leiterin Kunsthaus  Baselland Muttenz:  Führung Wattgasse*

Mittwoch, 16. November 2011 13.00 Uhr Treffpunkt: Burgtheater, auf Seite der Tankstelle  Führung Westbahnstraße*

Mittwoch, 16. November 2011 15.00 Uhr Treffpunkt: Wattgasse 56–60 * Anmeldung über www.viennaartweek.at erforderlich.

 Film Screening  Die Künstler der BMUKK-Studios  zeigen Kunstfilme im Filmmuseum

Freitag, 18. November 2011 15.00 Uhr

Die Kunstkritikerin Ursula Maria Probst führte ein Interview mit den Künstlern Agnes Fuchs, Katrina Daschner, Andrea Pesendorfer, Martin Krenn, Philipp Schweiger, Kosta Tonev, Judith Fegerl, Luisa Kasalicky, Felix Malnig, Julien Diehn, Roland Rauschmeier, Arnold Reinthaler, Gerhard Tremmel, die derzeit die BMUKK–Bundesstudios als Ateliers benützen. 20 Förderateliers betreibt die Kunstsektion des österreichischen Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur (BMUKK) in der Westbahnstraße im 7. Bezirk und der Wattgasse im 17. Bezirk für Künstler und Fo­ tografen. Auch die Praterateliers werden nun Zug um Zug saniert und an junge Künstler als Arbeits- und Präsentationsräume vergeben. Welche Funktionen erfüllt das Studio als Atelier und Kommunikationsraum? 70

Welche Erfahrungen fließen in die Begeg­ nung mit Sammlern ein? Andrea Pesendorfer: Unterschiedliche: Sehr gute, wenn sie gezielt zu mir ins Studio gekommen sind, weil sie sich für einen bestimmten Arbeitskomplex interessieren. Felix Malnig: Besonders beeindruckt bin ich von jenen Mittelklasse-Verdienern, die eigentlich gar nicht sooo viel Geld haben und trotzdem einen nicht unbeträchtlichen Teil (auch ihrer Zeit und Energie) in ihre Kunst­ leidenschaft investieren. Julien Diehn: Wenn sich jemand für deine Arbeit interessiert oder sie vor Ort kritisch reflektiert, ist das immer eine schöne und motivierende Sache. Luisa Kasalicky: Die Möglichkeit, die Arbei­ ten im Vorfeld einer Ausstellung zu sehen – in meinem Fall sind im Atelier die zerlegten Einzelteile zu betrachten und danach in einer Ausstellung die fertige Installation. Viele schätzen so eine Art Preview. Welche Lebensphilosophien können dabei aufeinandertreffen? Martin Krenn: Meiner Erfahrung nach haben Sammler, die an meiner Kunst interessiert sind, in vielen Punkten eine ähnliche Einstel­ lung. Ein wesentlicher Unterschied zwischen uns besteht jedoch darin, dass wir uns in an­ deren Lebensrealitäten befinden – vor allem in Bezug auf die berufliche Situation. Gerhard Tremmel: Am besten wäre vielleicht, man trifft zufällig aufeinander, sitzt gemein­ sam in einem Flughafen oder einer Gondel fest und kommt so ins Gespräch. Vielleicht müsste man diese Alltagskatastrophen zwischen Sammlern und Kunstschaffenden inszenieren, die diese erhabenen Zeit- und Ortsinseln herstellen. Wie wichtig ist der Sammler im Studio? Andrea Pesendorfer: Super und wichtig, wenn ernsthaftes Interesse und Bereitschaft zur Aufnahme vorhanden ist.

Martin Krenn: Es ist eine gute Gelegenheit, die Kunst am Arbeitsort zu präsentieren und zu diskutieren. Philipp Schweiger: Vor allem für Künstler, die nicht durch eine Galerie vertreten werden, ist ein Atelierbesuch sicher die beste Möglich­ keit, mit potenziellen Käufern in Verbindung zu treten. Kosta Tonev: Wenn Sammler Interesse an einem Künstler haben und etwas kaufen wollen, freuen sie sich immer, das Atelier zu besuchen. Judith Fegerl: Es ist eine privatere Plattform. Ein gegenseitiges Kennenlernen. Kunst zu sammeln ist ja nicht nur simples Kaufen, sondern ein Erleben, Genießen und Teilha­ ben am künstlerischen Schaffen. Luisa Kasalicky: Es ist ein Austausch für beide Seiten, für den Künstler wie auch für den Sammler. So wie der Käufer an der Herstellung der Arbeiten interessiert ist, die er schließlich in sein privates Reich trägt, so interessiere auch ich mich für den, der sie erwirbt, und dafür, wie er seine Sammlung zuhause aufbewahrt. Felix Malnig: Es entwickeln sich persönliche Bezüge, aus denen schon manche Freund­ schaft entstanden ist. Julien Diehn: Ohne jemandem auf den Schlips treten zu wollen, aber in der Regel brauche ich den Begriff »Sammler« im Atelier nicht. »Kon­ versationspartner« wäre wohl angebrachter. Roland Rauschmeier: Man könnte eine Art »Salon« organisieren, bei dem man sich quartalsmäßig im Atelier zusammensetzt, Leute einlädt und dann über das jeweilige Projekt redet, das man gerade verfolgt. Wie relevant ist der direkte Kontakt zu den Sammlern, um Hemmschwellen abzubauen? Arnold Reinthaler: Wenn man sich persönlich kennenlernt, gibt es eine ganz andere Ebene des Vertrauens und der Kommunikation. Außerdem werden Künstlerinnen, wenn sie ein Gesicht bekommen, entmystifiziert. Philipp Schweiger: Die Frage nach den Um­ ständen, unter denen gearbeitet wird, scheint für viele ein essenzieller Beitrag zum Ver­ ständnis der Kunst zu sein. Hemmschwellen schwinden dann, wenn erkannt wird, dass Kunst genauso ernsthaft wie jedes andere Produkt erarbeitet werden muss. Die Künstler der BMUKK-Bundesstudios: Sabine Aich­ horn, Abdul Baruwa, Andrea Bischof, Maria Calligaris, Katrina Daschner, Julien Diehn, Beatrice Dreux, Werner Feiersinger, Agnes Fuchs, Luisa Kasalicky, Hermann Kremsmayer , Martin Krenn, Felix Malnig, Gini Müller, Andrea Pesendorfer, Philipp Schweiger, Johanna Reiner, Richard Reisenberger, Arnold Reinthaler, Roland Seidel, Kosta Tonev, Gerhard Treml, Klaus Dieter Zimmer.


Programm

 Studioprogramme in Wien  Studioprogramme und Artist-in-Residence-Programme als Netzwerke im internationalen Austausch

Artist-in-Residence-Programm Krinzinger Projekte Das Projekthaus der Galerie Krinziger befin­ det sich im 7. Wiener Bezirk. Seit 2002 wer­ den hier Gruppen- und Einzelausstellungen präsentiert. Die Projekte umfassen ein in­ ternationales Artist-in-Residency-Programm, das jeweils zwei bis sechs Monate dauert und in eine Einzelausstellung mündet. Künst­ lerstudio und Präsentationsraum verdichten sich hier zu einem engagierten Statement der Kunstproduktion und -vermittlung. Die Krinzinger Projekte laden Kuratoren, Kritiker, Sammler und Kunstinteressierte ein, vor Ort in Austausch mit den internationalen Artists in Residence zu treten. 2011 wurde das Pro­ gramm um ein Studio in der Glockengasse erweitert. Das grenzüberschreitende Artistin-Residence-Programm (AIR) der Galerie Krinzinger in Petömihályfa, Ungarn, startete erfolgreich im Mai 2010. Die Auswahl der Künstler für das Jahr 2010/11 erfolgte nach Vorschlägen von Erwin Wurm (Universität für angewandte Kunst Wien), Heimo Zobernig (Akademie der bildenden Künste Wien) sowie einer Jury aus ungarischen Kuratoren. www.galerie-krinzinger.at/projekte

Curators-in-Residence-Programm Galerie Hilger

 Atelier-Tour  Atelier-Tour mit Kuratorin und  Kunstkritikerin Elsy Lahner*

Freitag, 18. November 2011 11.00 Uhr Treffpunkt: Augarten Contemporary Scherzergasse 1a, 1020 Wien * Anmeldung über www.viennaartweek.at erforderlich.

Die Galerie Hilger hat seit Beginn ihres Sie­ mens artLab Programms 1996 kontinuierlich internationale Kuratoren eingeladen. Diese nutzten den ihnen dadurch ermöglichten längeren Aufenthalt nicht nur, um Ausstel­ lungen zu kuratieren oder einzelne Künstler für Projekte vorzuschlagen, sondern auch für eine intensive Begegnung mit der Wiener Kunstszene. Nach Beendigung der Koope­ ration mit Siemens werden seit 2010 in der Brotkunsthalle im 11. Wiener Bezirk eine Plattform und ein temporärer Wohnort für in­ ternationale Kuratoren und Ausstellungsräu­ me für die von ihnen ausgewählten Künstler geschaffen. Es ist ein Ort der Begegnung, wo Galerie und aktuelle internationale kuratori­ sche und künstlerische Tendenzen für eine mögliche weitere Zusammenarbeit aufeinan­ dertreffen. Zielländer außer der permanenten Auseinandersetzung mit Südosteuropa wie der Nahe Osten, Afrika oder Südamerika werden in das Programm einbezogen. www.hilger.at

Studioprogramm Lenikus & Artist-in-Residence-Programm Sammlung Lenikus Seit 2004 unterstützt die Sammlung Lenikus ein Residency-Programm am Bauernmarkt in der Wiener Innenstadt mit Studios und Woh­ nungen für österreichische und internationale Künstler. 2010 startete das Studioprogramm Lenikus, im Rahmen dessen in Kooperation mit der Akademie der bildenden Künste Wien und der Universität für angewandte Kunst Wien die Möglichkeit von Atelieraufenthalten für jeweils drei Absolventen der Kunstuniver­ sitäten geschaffen wurde. Die Auswahl wird durch einen Beirat getroffen, dem neben Martin Lenikus und Christian Fink, Emanuel Layr (Galerie Layr), Jasper Sharp (Kurator für zeitgenössische Kunst, Kunsthistorisches Museum, Wien) und Eva Maria Stadler (Adjunct Curator, Belvedere, Wien) angehö­ ren. Weiters werden jährlich 12 internatio­ nale Künstler eingeladen, für die Dauer von jeweils drei Monaten in Wien zu leben und zu arbeiten. Ein diskursives Begleitprogramm und Studiorundgänge finden regelmäßig statt. Das Atelier des Künstlers als umkämpf­ ter Schauplatz bildet dabei unter anderem ein Thema. www.sammlunglenikus.at/de/studioprogramm

Artist-in-Residence-Programm Augarten Contemporary/Belvedere

2001 wurde infolge des Umbaus der Aus­ stellungsräume im Atelier Augarten zum Augarten Contemporary ein Studio und eine Wohnung für die Entwicklung eines Artistin-Residence-Programms gestaltet. Inter­ nationale Künstler werden seitdem einge­ laden, für jeweils drei Monate nach Wien zu kommen, um inmitten des Augartens im 2. Wiener Bezirk Projekte und Arbeiten zu realisieren und zu präsentieren. Der Dialog und Austausch zwischen internationalen Künstlern und der österreichischen Kunstsze­ ne wird auf diese Weise gefördert. Künstler wie Jakob Kolding, Jonathan Monk, Róza El-Hassan, Ann-Sofi Sidén, Yoshitomo Nara oder Lucy McKenzie haben an dem Artist-inResidence-Programm teilgenommen. Geplant ist die Erweiterung des Programms im Augarten Contemporary durch ein Curator-inResidence-Programm 2011. www.belvedere.at

71


Kunst und Kulinarik

 Was dem Tisch der Teller,   ist der Wand ihr Kunstwerk.   Über lose Verhältnisse. 

Wer gut isst, steigert die eigene Lebensqualität. Wer dort isst, wo Kunst als Augenschmaus dient, kann von Glück sprechen: denn Kunst, die ins Auge sticht, fördert den Appetit – und zwar nachhaltig.

Text von Nina Kaltenbrunner

72

Stararchitekt Jean Nouvel befand sich in einem »Dialog mit Sinn und Sinn­ lichkeit«. Wie eine Skulptur ragt daher das Sofitel am Donaukanal 750 Meter in luftige Höhen. Und für Farbe im neuen Genusstempel sorgt die Kunst: Im 18. Stock des Hauses befindet sich das Panoramarestaurant mit Bar und Lounge, an dessen Plafond die Schwei­ zer Medienkünstlerin Pipilotti Rist die dynamische Lichtdecke »Die Freiheit in und über uns« installiert hat. Über orangefarbenen Blätterkronen legt sie die Sicht frei auf einen wolkenlosen, blauen Himmel, der dem einzigartigen Ausblick auf Wien harte Konkurrenz macht. Und beinahe auch dem Essen: Der Blick wird magisch nach oben gezogen. Dass die Ästhetik auf den Tel­ lern in diesem Hort visueller Eindrücke eben nicht zu kurz kommt, dafür sorgt der Elsässer Hauben- und Sternekoch Antoine Westermann. Umgesetzt wird das kulinarische Konzept von seinem langjährigen Mitarbeiter Raphael Dwor­ ak. Signature Dish beim allabendlichen Feste: Froschschenkel.

Berlin, New York, Wien – Szene-Kos­ mopolit Horst Scheuer kennt sie alle: Mit dem Skopik & Lohn hat er selbst ein Highlight inmitten internationaler Hotspots geschaffen. Gemeinsam mit Gregor Eichinger hat er ein klassisches Wiener Wirtshaus ins Zeitgenössische übersetzt. Der nichtmalende Otto Zitko verpasste dem Wirtshaus mit einer schwarzen, linearen »allover Raum­ zeichnung« eine Art überdimensionales Tattoo. Die raumgreifende Interaktion der markanten Linien mit der vorhan­ denen Architektur führt zielstrebig von Raum zu Raum und setzt sie ins Endlose fort. Schwarz und Weiß geklei­ det sind auch die charmanten Kellner (très Paris!), die sich leichtfüßig unter dem Linienwerk bewegen. Dass auch die illustre Gästeschar dem außerge­ wöhnlichen Platz um nichts nachsteht, ist selbstredend. Was die Küche zu bieten hat, kann man zwischen Wiener Beisl- und französischer Bistroküche ansiedeln. Best of: Wiener Schnitzel (sensationell soufflierte Panade!) und Steak frites mit Sauce Béarnaise.

1020, Praterstraße 1 T +43 1 906 160 täglich 6.30–22.30 Uhr www.sofitel.com

1020, Leopoldsgasse 17 T +43 1 219 89 77 Mo.–Sa. 18.00–1.00 Uhr www.skopikundlohn.at

Der Himmel über Wien: Le Loft von Jean Nouvel & Co.

Lineare Leibeslust: Skopik & Lohn – Otto Zitko

Pfarrwirt – Eat Art & Art brut Der Pfarrwirt ist ein bezaubernder Ort. Das Baujuwel, kunsthistorisch wertvoll, war schon Beethovens Lieblingsplatz. Einladende Steinportale und melan­ cholische Steinfenster entstammen dem 14., eine »Rötelzeichnung« dem 15. Jahrhundert, Stukkaturen und Deckenbild des Prälatensaals sind barock. 2007 übernahm der kunstsin­ nige Ex-Werber Hans Schmid das Lokal und stattete die Räumlichkeiten mit zeitgenössischer Kunst seiner privaten Sammlung aus. Gegenüber der Schank befindet sich ein acht Meter langes, extra angefertigtes Fallenbild von Eat Art-Grand Seigneur Daniel Spoerri: der abgegessene Tisch als vom Leben selbst produziertes Memento Mori. Das einstige »Gasthaus zur schönen Aus­ sicht« akzentuieren zudem Arbeiten der Art Brut-Künstler Heinrich Reisenbauer und Oswald Tschirtner, Ida Buchmann und Tone Fink. Aus der Küche kommen »sich auf die Wiener Tradition besin­ nende Gerichte« wie Tafelspitz, Gram­ melknödel, und, laut Restaurantleiter Rainer Husar, das beste Beef Tatar. 1190, Pfarrplatz 5 T +43 1 370 73 73 täglich 12.00–24.00 Uhr www.pfarrwirt.com


Chic mit Biss: Chimbiss – TOMAK Der Name steht für »chicer Imbiss«: Traditionelle österreichische Haus­ mannskost wird schnell und unkompli­ ziert serviert. Dass die junge Wirtin Ve­ rena Palzenberger im Dirndl »auftritt«, ist ein ehrliches Zugeständnis an alpen­ ländische Traditionen. Ebenso wie das mächtige Hirschgeweih an der Wand. Von den Trachtenbildern des Künstlers TOMAK – eigentlich »Krankheitsbilder« – war die Wirtin so begeistert, dass sie ihn beauftragte, ein Porträt von sich anzufertigen. Zwischenzeitlich fungiert eine Arbeit mit dem Titel »Germany’s next Topmodel« als Platzhalter. Fragen über Fragen werden im Ambiente goldigen Samtmobiliars mit Almhütten­ flair jedenfalls aufgeworfen. In krassem Gegensatz zu chic und urban steht letztlich die Küche – oder auch nicht? »Essen wie bei Mama, quer durch die Bundesländerküchen« wird angeboten, inklusive: urbaner Sound über der länd­ lichen Basis. Anachronistisch: TOMAKS Lieblingsspeise, Eiernockerln mit Salat. 1060, Nelkengasse 1 T +43 1 585 26 85 Mo.–Fr. 9.00–18.00 Uhr Sa. 10.00–16.00 Uhr www.chimbiss.at

Gmoakeller – Ehrliche Küche & gefälschte Kunst Appropriation Art. In einem der ältesten und gemütlichsten Wirtshäuser Wiens befindet sich ein großformatiges Werk des in Österreich lebenden deutschen Künstlers Wulf Bugatti. Eigentlich als Zweiteiler konzipiert, wurde aus Platz­ mangel nur der obere Teil des Werkes in den Räumlichkeiten des Wirtshauses gehängt und weist – eine nicht ganz von der Hand zu weisende – Ähnlich­ keit mit den Arbeiten eines gewissen Herrn Nitsch auf. In etlichen Reise­ führern wird daher auch über einen großformatigen »Nitsch« geschrieben. Die Crux: Ein gewitzter Gast hat den Namen des Aktionskünstlers mit Lip­ penstift in die rechte untere Bildecke gekritzelt. Bugatti nimmt es mit Humor und fordert eine »Würdigung« für den Spaßvogel – auch Hermann Nitsch sieht die Sache äußerst gelassen und interessiert sich mehr für die ausge­ zeichnete, ehrliche Hausmannskost, die in dem wunderbar urigen Wirtshaus geboten wird. Zu Recht berühmt ist der Gmoakeller vor allem für seine Innerei­ en-Gerichte, aber auch Lamm(schmor) gerichte geraten hier ganz vorzüglich. 1030, Am Heumarkt 25 T +43 1 712 53 10 Mo.–Sa. 11.00–24.00 Uhr (feiertags geschlossen) www.gmoakeller.at

Das Hawelka ist mit Sicherheit das berühmteste, urigste und schummriggemütlichste Kaffeehaus Wiens. Jahrzehntelang haben der Kunstlieb­ haber Leopold und seine Frau Josefine zahlreichen Künstlern und Künstler­ gruppierungen Heimat geboten. Seine Blüte als Künstlercafé hatte die von einem Loos-Schüler ausgestattete, ur­ sprünglich moderne Bar von den frühen 50er bis in die späten 70er Jahre. Alle Künstler namentlich aufzuzählen, wür­ de den Rahmen sprengen: Unzählige Bilder an den Wänden sowie historisch wertvolle Ausstellungsplakate zeugen jedoch davon. Leopold Hawelka, der heuer seinen 100. Geburtstag feierte, gilt übrigens als »Erfinder der Plakat­ wand im Lokal«. Legendär: Die Buch­ teln, die – nach dem Originalrezept von Josefine Hawelka zubereitet – ab 21.00 Uhr ihren unvergleichlichen Duft im Kultcafé verströmen. Dazu: Bier.

Zukunft passiert – hier findet Kunst statt. Im Zukunftsgarten stellen Künstler nicht nur aus, sie legen auch auf und sie schenken teilweise sogar die Getränke aus. Der Futuregarden ist zudem Stammlokal einer breit gefä­ cherten Künstlerklientel. Als sozusa­ gen »Trinkstätte« des gleich nebenan gelegenen Kunstbüros fungiert das Lokal als erweiterter Kunstraum und Chill-Out-Zone zugleich. Gegen den kleinen Hunger gibt es Schinken- und Käsetoast.

Café Hawelka – Die Kunstbrutstätte

Futuregarden – Bar & Artclub

1060, Schadekgasse 6 T +43 699 152 313 49 Mo.–Sa. ab 18.00 Uhr So. ab 20.00 Uhr www.kunstbuero.at

1010, Dorotheergasse 6 T +43 1 512 82 30 Mo.–So. 8.00–2.00 Uhr feiertags 10.00–2.00 Uhr www.hawelka.at

Nina Kaltenbrunner lebt als freie Journalistin in Wien. Sie ist Kuratorin des Festivals »Kunst und Genuss« im Festspielhaus Bregenz. Seit 2006 ist sie u. a. als Redakteurin bei »Gault Millau«, »Gerichtsberichterin«, bei der Stadtzeitung »Falter« und als freie Mitarbeiterin bei »À la Carte« tätig.

73


OFF-Spaces

 Professionelle Alternative   auf Zeit  Beobachtungen über die Wiener Offspace-Szene

Text von eSeL Es liegt in der Natur von »Offspaces«, dass bereits deren Bezeichnung mit gängigen Konventionen bricht (und sich erst durch eine Hintertür einen Platz im offiziellen Kanon ertrotzt). Der vermeintlich dem inter­ nationalen Kunstkosmos entlehnte Begriff »Offspace« wird in der englischen »artworld« gar nicht verwendet. Trotzdem versteht in Wien jeder, was damit gemeint ist: »artist-run-spaces«, »pop-up galleries« oder schlichtweg »alternative Spaces«, sprich: unabhängige, experimen­ telle Projekträume, die sich oft temporär in leerstehenden Flächen jeglicher Schublade entziehen. Einerseits bietet der eigene Raum als Projekt­raum maximale Möglichkeit für Experimente, andererseits regt die Vorstel­ lung, »nur« einen von vielen »alternativen« Ausstellungsräumen zu betreiben, Wiens ambitionierte Off-Szene auch in konzeptuel­ ler Hinsicht zu Höchstleistungen an. Die Öffnung des eigenen Ateliers für gemein­ same Publikumsausstellungen stellt nur den ersten Schritt dar. Die nächste Etappe zur eigenen Mikro-Institution erfordert neben Professionalisierung vor allem ein ausgereif­ tes Konzept für den eigenen Raum und die darin gezeigten Ausstellungen. So wird in Wiens Off-Orten reflektiert, produziert, ergänzend publiziert, gekocht, performt, musiziert, mitunter auch nur: aus­ probiert und/oder aufwändige Gruppenaus­ stellungen konzipiert – ja sogar »Kuratoren kuratiert« – oder im Dominoprinzip Raum­ konzepte der Künstlerkollegen adaptiert, um sich jenseits des Status als »Geheimtipp« als Fixpunkt im Wiener Kunsterleben zu etablieren.

74

Zusätzlich zu den artist-run-spaces betreiben engagierte (Jung)Kuratoren beeindruckende Kleinkunsthallen, die mit ihrem Programm das Ausstellungsangebot in Wien erweitern – und statt Eintrittspreisen mit dem Charme von Erkundungsreisen in Wiens Hinterhöfe locken können. Inzwischen geschieht dies auch im Rahmen professionell organisierter Atelier-Festivals in den kunstvoll belebten Stadtteilen. Die Frage nach der Finanzierung wird in der aktuell grassierenden »Kunststadt Wien«Euphorie gerne ausgeblendet. Größtenteils dominiert die beharrliche Überzeugung, »unkommerziell« experimentieren zu wollen, während etablierte Galerien ihr Portfolio um experimentelle Projekträume erweitern. Angesichts der knappen Zugangsmöglichkei­ ten zu relevanten Märkten bleiben die Ver­ käufe von Editionen, Mitgliedsbeiträge oder Spendeneinnahmen bei der Eröffnungsparty wenig nachhaltige Business-Modelle. Trotz aller Bekenntnis zur Kunststadt Wien sind für diese Nahversorger junger Kunst im Wiener Kulturbudget kaum Fördermittel vorhanden. Mit umso mehr Herzblut werden Modelle er­ probt, Unabhängigkeit gelebt und ein eigen­ ständiges Profil erarbeitet, das zunehmend auch bei professionellen Kunst-Betrachtern für Aufmerksamkeit sorgt. Als Betreiber eines »alternativen Kunstraums« wollen die ambi­ tionierten Offspace-Künstler ohnehin nicht enden. Lorenz »eSeL« Seidler wurde 1974 geboren. Studium der Kunstgeschichte und Philosophie an der Universität Wien. Er lebt und arbeitet als Kurator und Künstler in Wien und im Internet. Der Autor veröffentlicht das aktuelle Kunst-Programm inkl. des Offspace-Geschehens wöchentlich via Newsletter sowie tagesaktu­ ell unter www.esel.at.


Hinterland Krongasse 20 1050 Wien T +43 699 17 36 70 90 www.hinterland.ag www.hinterland.ag/?page_ id=1260 Öffnungszeiten: Di.–Fr. 12.00–20.00 Uhr od. n. V.

 eSeL’s Art Week Photowalk

Stationen:

  Photowalk   Guided Offspace Tour mit Kameras  durch den 2. Bezirk

Atelier Roman Pfeffer 1020, Große Mohrengasse 25 www.romanpfeffer.com

 Eröffnung  »Hinterland meets Iran«

Atelier Markus Hofer 1020, Karmeliterplatz 5 www.markushofer.at

Architektur und Kunst. Die Auseinander­ setzung mit Raum prägt die Stoffe der produzierten Kleidungsstücke, die mit ihren Motiven Heimatidyllen widerspiegeln. Ge­ birgspanoramen, Apfelbäume in voller Blüte und Verkehrsspiegel im Weingarten ziehen mit einem charmanten Augenzwinkern die Blicke auf sich. Die Schönheit der ländlichen Szenen wickelt ein und bricht zugleich das Klischee. »Hinterland« hat sich einen Raum in Wien geschaffen: Ein Raum für Kunst, Veranstaltungen, Kunst und Mode, Diskus­ sionen und vieles mehr bereichert seit über einem Jahr den 5. Bezirk in Wien. Für die Ausstellung »Hinterland meets Iran« machte sich Gudrun Wallenböck im Sommer 2010 auf Einladung des österreichischen Kulturforums Teheran auf die Suche nach dem iranischen Hinterland. In Zusammenar­ beit mit dreizehn iranischen Künstlerinnen und Künstlern entstand eine einzigartige Präsentation, die unterschiedliche, sehr individuelle Herangehensweisen an das persönliche Hinterland zeigt. Die teilneh­ menden Künstler haben dieses in Textil tragfähig gemacht. In alter persischer Zeit galt der Garten als Inbegriff von Hinterland: ein außerhalb der Stadt gelegenes Paradies, versteckt hinter hohen Mauern. Der Garten als »Hinterland« ging jedoch im Lauf der Zeit verloren. Die junge iranische Generation ersetzt ihn häufig durch das Kino, das ihnen erlaubt, auf Reisen zu gehen. Die Ausstellung wurde bereits im September 2010 in der Azad Gallery in Teheran gezeigt und wird nun im Rahmen der Vienna Art Week erstmals in Europa zu sehen sein. Künstler: Shahrzad Changalvaee, Hamidreza Karami, Behnam Kamrani, Behrang Samadz­ adegan, Shadi Ghadirian, Romisa Sakaki, Masoume Baktiari, Mehrva Arvin, Farshido Larimar, Sareh Ghomi, Simin Keramati u.a. Kuratorin: Gudrun Wallenböck.

Samstag, 19. November 2011 14.00 Uhr Treffpunkt: Im Innenhof – 1020, Große Mohrengasse 25

»Photowalks« sind gemeinsame Spaziergän­ ge für alle, die Freude am aktiven Entdecken und Fotografieren haben. Egal, ob mit großer Spiegelreflexkamera oder kleinem KameraHandy ... eSeL’s Art Week Photowalk lädt zu einer fotografischen Entdeckungsreise zu ausge­ wählten Orten der Kunst und zu spannenden Fotomotiven ein – und zum anschließenden Austausch der Bilder über das Internet. Neben Begegnungen mit den Künstlern und aktueller Kunst an Orten ihrer Produktion stehen Tipps und Tricks über Fotografie im Kunstbereich im Fokus. Motiv, Komposition, Belichtung, Architektur und Dokumentation: In aktiver Auseinander­ setzung mit den Arbeiten und Methoden der Künstler werden grundlegende Aspekte der Fotografie neu entdeckt und an jeder Station Kunst und Fotografie in andere Blickwinkel gerückt, um Kunstwerke und Architektur fotografisch auszuloten. Als langjähriger Online-Dokumentarist der Wiener Kunstszene in Wort und Bild stellt eSeL erstmals das durch das Internet bekannte Phänomen der Photowalks als unterhaltsame, gemeinsame Entdeckungsrei­ se auch im Kunstbetrieb vor. Professionelles Equipment ist nicht erforderlich! Bringen Sie die Kamera mit, mit der Sie am liebsten Ihr Stadterleben dokumentieren! (digital/analog – Blitz und/oder Stativ von Vorteil …) Die Veranstaltung findet bei jedem Wetter statt!

MAGAZIN Vienna 1020, Hammer-Purgstall Gasse 7 Ausstellung: Ernst Koslitsch www.magazinvienna.com

Architektur, Medienfassaden & Street Art 1020, entlang des Donaukanals Sofitel Vienna Stephansdom Architektur: Jean Nouvel 1020, Praterstraße 1 www.sofitel.com plus: Paparazzi Intervention: by Miss Universe www.missuniverseforever.com Webinfos: http://esel.at/photowalk Hashtag auf Twitter bzw. Flickr: #VAWphoto.

 Hinterland

Montag, 14. November 2011 19.30 Uhr

75


OFF-Spaces

BILDETAGE Barichgasse 6/1 1030 Wien www.bildetage.com Öffnungszeiten: Fr. 16.00–21.00 Uhr, Sa. 16.00–21.00 Uhr od. n.V. Fluc 2 Praterstern 5 1020 Wien www.fluc.at Öffnungszeiten: täglich 18.00–4.00 Uhr Flat1 Schikanedergasse 2/1 1040 Wien T +43 664 457 26 50 www.flat1.at Öffnungszeiten: Do. 18.00–21.00 Uhr od. n.V.

76

 BILDETAGE

 Fluc

 flat1

 ERÖFFNUNG  Führung durch die Ausstellung  »girls wear pink, boys blue«

 Ausstellungsabend  Ausstellungsabend »In der Kubatur  des Kabinetts – der Kunstsalon im Fluc«

  Eröffnung  Eröffnung der Ausstellung »ephemeral« –  Flüchtigkeit / Vergänglichkeit

Die Bildetage, seit 2009 ein Projektraum für internationale zeitgenössische Kunst und Diskussion, nähert sich im November zwei Wochen lang mit der Ausstellung »girls wear pink, boys blue« dem kontroversen Begriff der Performativität. Besonders durch das Zusammenspiel aktueller künstlerischer Arbeiten wie auch wissenschaftlicher Beiträge soll »frischen« Positionen eine Fläche zum Austausch ge­ boten werden. Auf jeweils unterschiedlichen medialen Ebenen wird wieder einmal laut über Formen der Determination und deren Effekte nachgedacht – ein viel diskutiertes Thema und gerade deshalb immer wieder einen Blick oder Gedanken wert.

Die Reihe »In der Kubatur des Kabinetts – der Kunstsalon im Fluc« wurde im Jahr 2008 vom Kuratorenteam Ursula Maria Probst und Martin Wagner gestartet und hat in den letzten drei Jahren in über 70 Veranstal­ tungen zahlreiche Künstler am Praterstern vorgestellt. Die Präsentationen reichen von multimedialen Raum-, Objekt-, Video-, Soundinstallationen bis zu Malerei- und Fo­ toausstellungen. Diskussionen und Vorträge ergänzen das Programm. Die Kunst agiert hier im unmittelbaren Bereich des sozialen Raumes. Die Arbeiten reflektieren entweder die Handlungs- und Erlebnisspielräume der Örtlichkeit und seiner Besucher oder sie beziehen sich architektonisch auf den Veran­ staltungsort Fluc. Am 16. November werden ab 20.00 Uhr im fluc drei unterschiedliche Positionen in Wien lebender Künstler vorgestellt: Marlene Hausegger, female obsesssion und Katherina Olschbaur. Erstere greift avantgardistische Strategien im Umgang mit alltäglichen Abläufen auf und thematisiert so gesellschaftspolitisch verdrängte Themen. Die Installation bildet eine Überleitung zwischen dem Innenund Außenraum des Fluc und reflektiert die soziale Komplexität der hier aufeinander­ treffenden Öffentlichkeiten. female obsesssion eignet sich eine »in­ terventionistische Praxis« an, die auf Beziehungsgeflechte ausstrahlt und jene Phänomene thematisiert, die künstlerische Prozesse in Handlungsoptionen verwandeln. Spezifische gesellschaftliche Aspekte wie ökonomische und feministische Strukturen werden ebenso aufgegriffen wie die intimen Spielräume künstlerischer Produktion. Katherina Olschbaur lädt für ihre Installation andere Künstlerinnen und Künstler zur Teil­ nahme ein. Sie ist viel unterwegs, bereiste Europa und absolvierte in der Londoner Wim­ bledon School of Arts ein Auslandssemester. In ihrer Installation für das Fluc verknüpft die Künstlerin die Situation vor Ort mit einer Chronologie von Ereignissen, wie sie in vergangenen Epochen in Historienbildern festgehalten wurden. Der Ausstellungsabend wird durch ein DJ-Programm erweitert.

Der Titel »ephemeral« ist das kuratierte Leitthema der Ausstellung im Offspace flat1. Ausgangspunkt der Überlegungen ist die Annahme, dass das Bewusstsein über die Vergänglichkeit des Seins zu den grundlegen­ den menschlichen Merkmalen zählt. Damit ist auch die Fähigkeit verbunden, sich an länger zurückliegende Ereignisse zu erinnern. Die Dualität des Erinnerns und Vergessens, dazwischen der Akt des Sterbens und Vergehens, scheint auch eine der wichtigsten Zukunftsdeterminanten des Menschen zu sein, wie etwa Søren Kierke­ gaard, der dänische Philosoph, beschreibt: »Vergessen ist nämlich der rechte Ausdruck für die eigentliche Assimilation, die das, was man erlebt hat, am Resonanzboden absetzt. Deshalb ist die Natur so groß, weil sie es vergessen hat, dass sie ein Chaos war; aber der Gedanke an das Chaos kann zu jeder Zeit wieder auftauchen.« Die Ausstellung »ephemeral« bildet den Abschluss der Ausstellungsreihe 2011, die sich mit dem Menschen als Wesen, das in seine weltgeschichtlichen und frühgeschicht­ lichen Wurzeln eingebettet ist, befasste. In den vorangegangenen Präsentationen ging es um die Themen »Sammeln«, »Jagen« und »Beobachten«, »Tarnen« und »Täuschen«, »Sprechen« und »Sprachlosigkeit« sowie um die »Selbstdarstellung«. Offener Donnerstag: 17. November 2011 von 18.00–21.00 Uhr. Mit Arbeiten von: Conny Habbel, Maria Hanl, Nika Kupyrova, Melanie Nief, Karin M. Pfeifer, Arkadiusz Pluta, Eva Schlögl, Elias Schilling und Michael Strasser.

Mittwoch, 16. November 2011 19.00 Uhr

Mittwoch, 16. November 2011 20.00 Uhr

Dienstag, 15. November 2011 19.00–22.00 Uhr


Glockengasse No 9 Glockengasse 9 1020 Wien T +43 699 116 511 04 www.glockengasse.net Öffnungszeiten: Mi.–Fr. 17.00–20.00 Uhr od. n.V. Verein Hobbyraum M_U_S Hasnerstraße 98 1160 Wien T +43 1 904 88 07 www.martinmusic.at www.fro.at/ingol www.stillepost.org Öffnungszeiten: n. V. LOVE_ Altmüttergasse 5/3 1090 Wien T +43 650 519 80 15 oder +43 650 210 11 21 www.projekt-love.at www.medea.or.at Öffnungszeiten: Do. 15.00–19.00 Uhr

 Glockengasse No 9

 Hobbyraum M_U_S

 LOVE_

 Performance  Ausstellung »Performing Proximity«  mit Live Installation / Performance:  »Wondering Act of Attachment«

 Lecture  »Denied_Views«

 Eröffnung  Eröffnung der Ausstellung »LOVE_ 23  Austausch«

Samstag, 19. November 2011 19.00 Uhr

Nähe lässt sich im Kontext global geprägter Gegenwartsdiskurse allenfalls als »relationa­ le Kategorie« begreifen. Subjekte handeln Nähe fortlaufend aus, denn diese schließt stets auch Distanz mit ein. Neben heutigen Informationstechnologien gelten insbeson­ dere Videokunst oder Performancekunst als künstlerische Verfahren, die scheinbar zur Überwindung von Distanz geeignet sind. Doch wie entfalten sich in der Gegenwart Nähe und Distanz jenseits räumlicher Kate­ gorien? Was macht Nähe eigentlich aus? Zwischen personaler, räumlicher und sozialer Nähe oszillieren die beiden in der Glo­ ckengasse No 9 gezeigten Künstler – Vania Rovisco (PT) und Athi-Patra Ruga (ZA). Das Ausstellungskonzept »Performing Proximity« der Kuratorin Claudia Marion Stemberger fasst Video/Performances zusammen, die einerseits unsere Wahrnehmung normativ geprägter Subjekte im öffentlichen Raum fo­ kussieren und andererseits unsere Aufmerk­ samkeit für mental wie sozial codierte Kunst/ Räume herausfordern. Die Untersuchung von Nähe berührt neben Raumtheorien auch das Verständnis von Gemeinschaft. In ihrer Live Installation/ Performance »Wondering Act of Attachment« (World Premiere) erprobt Vania Rovisco die Interaktionsmöglichkeiten von Performern und Zuschauern. Durch den Einsatz ihrer Vaginalmuskulatur will die Künstlerin mit den Rezipienten einen Dialog beginnen und radikalisiert so die Kategorien von Nähe und Gemeinschaft, die sich auf den Kunstbetrieb ebenso wie auf die Gesellschaft beziehen. Athi-Patra Ruga reizt in seiner Videoperfor­ mance »After he left« die Un/Möglichkeit von Grenzziehungen im urbanen Umfeld Südaf­ rikas aus. Seine Rollenspiele im öffentlichen Raum changieren zwischen weiblichen und männlichen Geschlechterbildern und kon­ frontieren die Betrachter mit normativ ange­ legten Ethnien. Durch seine schrille Kleidung und exaltierte Gesten pointiert der Künstler nicht nur Modeindustrie und Populärmedien, sondern stellt vor allem auch Wertvorstellun­ gen im subsaharischen Afrika in Frage.

Freitag, 18. November 2011 20.00 Uhr Hobbyraum M_U_S sucht Um- und Auswege, kann als Wille zur Dissonanz eines Konglo­ merats an Tiefstaplern verstanden werden, ist der Versuch, das Nichts kartografisch zu fassen, und bietet aus infrastruktureller Sicht nebst Teeküche auch sanitäre Einrichtungen samt Seifenspender. In diesem Spannungsfeld zwischen subkuta­ ner Kompetenzsimulation und diskursfähiger state-of-the-art Kunst befindet sich das Epi­ zentrum einer Lust versprechenden Praxis, welche die dreidimensionale Welt in einem gleißend-naiven Licht erscheinen lässt. Exemplarisch hierfür zeigt Hobbyraum M_U_S »DENIED_ VIEWS« – die Verweige­ rung des Blicks, eine fotografische Serie, die selbstverständliche Verfügbarkeit omniprä­ senter Gesichtlichkeit thematisiert, nach den Traditionen der Porträtfotografie fragt und die Bedingungen des Mediums ins Bild setzt. War das Portrait einstmals Zeuge einer Repräsentation, die mit einem Individuum korrelierte, so ist es gegenwärtig – durch diverse mediale Plattformen, in denen sich das Subjekt präsentieren kann – zu einem inflationären Icon und Rauschen geworden. Die Annahme einer Steigerung der persön­ lichen Individualität durch die multiple Repräsentation des Selbst ist dabei eher ein Trugschluss. Das performative Künstlergespräch findet bei jeder Witterung in Anwesenheit des Künstlers Martin Music statt. Durch das Programm führt der grandiose Mo­ derator / Alleinunterhalter Ingo Leindecker: seines Zeichens Feinschmecker, Stubenho­ cker, Anerkennungspreisträger des Prix Ars Electronica 2010. In synergetischer Manier leitet er vor Ort den Versuch einer interdisziplinären Katalyse mit den Anwesenden ein.

Freitag, 18. November 2011 19.00 Uhr

Das Projekt LOVE_ kann als eine »Bauhütte« verstanden werden – eine Synergie, bei der sich Einzel- und Gruppeninteressen in einem ständigen Dialog befinden, um die Möglich­ keit einer ungewöhnlichen, lebendigen Form der Kunstpräsentation zu schaffen. Ein ehemals kunstfremder Raum (Wohnung / Lager) dient als Rahmen für den Versuch, jenseits des dogmatischen Entweder-oders Frei- und Zwischenräume zu ermöglichen. Der Ausstellungsraum befindet sich im gleichen Haus wie die Ateliers einiger der neun Betreiber, was die direkte Vernetzung zwischen Produktionsstätte und Präsenta­ tionsraum fördert. Außerdem erweitert die direkte Anbindung die Möglichkeiten des spontanen und unkomplizierten Arbeitens, was sich in hoher Reflexivität äußert, da das Projekt sowohl gelebte Praxis als auch Gegenstand des Diskurses ist. Zur 23. Ausgabe von LOVE_ dürfen wir unse­ re Räumlichkeiten den Betreibern des in Linz angesiedelten Raums für Gegenwartskunst bb15 überlassen. Im Gegenzug kehrt LOVE_ nach langer Abwesenheit wieder in Linz ein und wird dort die Räume seiner Gäste bespielen. Wir freuen uns auf einen spannen­ den Austausch!

77


OFF-Spaces

Lust Gallery Hollandstraße 7 1020 Wien T +43 01 212 10 68 www.thelustgallery.com Öffnungszeiten: Di.-Sa. 13.00–19.00 Uhr (für Terminvereinbarungen außerhalb der Öffnungszeiten bitte +43 650 736 34 78 kontaktieren) Neuer Kunstverein Wien Bauernmarkt 9/Stg.3/IX 1010 Wien www.neuer-kunstvereinwien.at Öffnungszeiten: Di.–Fr. 15.00–19.00 Uhr od. n. V. Open Space, Open Systems – Zentrum für Kunstprojekte Lassingleithnerplatz 2 1020 Wien T +43 699 115 286 32 www.openspace-skp.org Öffnungszeiten: n.V.

78

 Lust Gallery

 Neuer Kunstverein Wien

 Eröffnung  Eröffnung der Ausstellung  »Shepard Fairey – Early Works«

 Führung  Führung durch die Ausstellung  »Michal Budny / Rafal Bujnowski«

Montag, 14. November 2011 19.00–22.00 Uhr

Shepard Faireys künstlerische Kampagne »André the Giant«, die im Jahr 1989 als Studentenprojekt begann, breitete sich in den gesamten Vereinigten Staaten und in anderen Teilen der Welt aus. Als Icon hatte »André the Giant« den größten Wiedererken­ nungswert im gesamten Bereich der Street Art. Bis zum Jahr 2008, als Fairey über sich selbst hinauswuchs und das offizielle Porträt der Wahlkampagne Barack Obamas kreierte. Denn sein Präsidentenporträt ist nicht nur kunstgeschichtlich bedeutsam, sondern es ist auch das bekannteste amerikanische Symbol des letzten Jahrzehnts. Auch andere Künstler vor ihm haben ihre Arbeiten in einem urbanen Umfeld ausgestellt. Fairey jedoch arbeitet zum ersten Mal mit dem vollen Potenzial der Street Art und ist damit nicht nur der erste ausgereifte Street Artist, sondern auch eine wirkliche amerikanische Legende. Der Unterschied zwischen Graffiti und Street Art ist wichtig. Reine Graffiti sind Vandalis­ mus und es fehlt ihnen der Bezug zur Kunst­ geschichte. Anders als in den bildenden Künsten gibt es in der Welt dieses künstleri­ schen Genres Regeln, die es einzuhalten gilt! Denn Graffiti sind eine Form der Kalligrafie, bei der die Medien nicht gemischt werden dürfen. Es stimmt, dass die Street Art die Idee der Graffiti einer öffentlichen Installa­ tion mit ortsspezifischer Ausrichtung über­ nahm. Visuell und konzeptuell stammt die Street Art aber von der Pop Art ab, sodass sie mit den bildenden Künsten ihre Geschichte teilt, anders als die Graffiti. Shepard Fairey wurde in erster Linie von Andy Warhol beeinflusst und nicht von traditionellen Graffiti. Er machte sich nicht nur Warhols Ästhetik zu eigen, sondern auch dessen Vorstellung einer Kunst, die für die Massen produziert wird. Keith Haring und Basquiat waren die ersten, die bildende Kunst in einer urbanen Umgebung schufen; sie starben jedoch, bevor sich die Street Art etablieren konnte. Faireys Nachfolger sind nun eine Gemeinschaft und haben eine inter­ nationale Bewegung in Gang gesetzt.

Mittwoch, 16. November 2011 16.00 Uhr

Der Neue Kunstverein Wien wurde 2011 eröffnet und liegt am Bauernmarkt 9, 1010 Wien. In diesem Gebäude fanden schon viele Kunstschaffende ihre Unterkunft. Der NKW versteht sich als Plattform für künstlerische Interventionen und Diskurse in Praxis und Theorie und konzentriert sich mit seinem Programm auf die Grenzüberschrei­ tung zwischen bildender Kunst, Literatur, Musik, Tanz, Performance und Rauminter­ vention. Während die Eröffnungsausstellung dem Künstler James Beckett gewidmet war, der mit seiner Rauminstallation und akus­ tischen Performance die durch die Globa­ lisierung verschwindende Arbeitswelt und die sich verändernden Arbeitsprozesse der handwerklichen Produktion analysierte und rekonstruierte, untersuchten in einer nachfol­ genden Performance-Reihe junge Künstlerin­ nen das Verhältnis zwischen Körper, Sprache, Bewegung und sozialem Raum. Durch die Begegnung des Choreografen und Tänzers William Forsythe mit dem konzeptu­ ell abstrakten Maler Carsten Fock setzt NKW den Dialog zwischen Tanz und der körperli­ chen Vermessung des Raumes einerseits so­ wie Malerei und deren Gestaltung von Fläche und Raum andererseits fort. Die aktuelle Ausstellung mit den polnischen Künstlern Michał Budny und Rafał Bujnowski beschäftigt sich mit dem Verhältnis zwischen Objekt und Malerei und der damit einherge­ henden Wechselwirkung von Material, Farbe, Licht und Raum.

 Open Space, Open Systems –  Zentrum für Kunstprojekte  Eröffnung  Eröffnung der Ausstellung:  »Is this all there is? / Ist dies alles?«

Donnerstag, 17. November 2011 19.00 Uhr

Die von Gülsen Bal geleitete Initiative »Open Space – Open Systems« will diverse künstlerische Praktiken zusammenführen und ein visuelles und reales Forum schaf­ fen. Das Programm des Kunstraums »Open Space« der letzten drei Jahre basierte auf der geopolitischen Haltung, dass politische Opposition und eine gewisse kreative/künst­ lerische Agenda neue Potenziale ermögli­ chen. Nun stellte sich allerdings die Frage, wie kreative Praxis latent zu einem Modus der Verbreitung und Aktivierung von Vorstel­ lungen existierender Verhältnisse wird. Aus diesem Grund entschloss sich die Direktorin der Projekt- und Programmentwicklung des »Open Space«, Gülsen Bal, die organisatori­ schen Strukturen abzuwandeln. So agiert das Zentrum ab 2011 als »Open Space, Open Systems«, während die Veränderungen einge­ führt werden. Ab 2012 erarbeitet das »Open Space, Open Systems« mit der aktiven Beteiligung eines Beratungsgremiums neue Crossover und offene kulturelle Begegnun­ gen, mit denen sich durch die Konstruktion gemeinsamer und kreativer Kräfte andere Welten generieren lassen. Das Projekt »Ist dies alles?« will verschiedene Formen der Ar­ tikulation präsentieren. Zu den Kernpunkten dieses Projekts gehört es, eine Diskussion auf der Suche nach Interaktionen zwischen künstlerischen und politischen Praktiken mit besonderem Fokus auf der osteuropäischen künstlerischen Realität anzuregen. Dabei sollen vor allem die post-jugoslawischen Be­ dingungen gespiegelt werden. Für diese Aus­ stellung wurden Milice Tomic´ , Guy Ben-Ner, Yael Bartana, Ibro Hasanovic´  und Vladimir Nikolic´  eingeladen, Antworten auf die eben erwähnten Fragen zu finden. Die Ausstellung wird von einer gleichnamigen Publikation be­ gleitet, die als Sonderausgabe im Journal of Visual Art Practice (Intellect publication, UK) voraussichtlich im Dezember 2011 erscheint. Projektkuratoren: Gülsen Bal und Alenka Gregoricˇ .


Salon für Kunstbuch Mondscheingasse 11 1070 Wien T +43 660 445 71 16 www.salon-fuer-kunstbuch.at/ vienna-art-week Öffnungszeiten: Mi.–Fr. 14.00 Uhr–19.00 Uhr, Sa. 12.00–17.00 Uhr SAPROPHYT Raum zur Realisierung künstlerischer Projekte und Interventionen Barbara Kapusta & Stephan Lugbauer Webgasse 29 1060 Wien T +43 676 846 18 14 00 www.saprophyt.net Öffnungszeiten: Di. 17.00 –19.00 Uhr od. n.V. umraum stadtbureau Linke Wienzeile 86/ Poshkogasse 2 1060 Wien T +43 699 110 707 50 www.stadtbuero.net Öffnungszeiten: Mo.–So. 13.00–18.00 Uhr

 Salon für Kunstbuch

 SAPROPHYT

 umraum stadtbureau

 Installation  Bernhard Cella: »Hans Ulrich Obrist«  mit Hans Ulrich Obrist

 Eröffnung  Eröffnung der Ausstellung »Marko Lulic«

  Eröffnung  Eröffnung der Ausstellung »Artist-Run  Space – Basislager Wien«

Mittwoch, 16. November 2011 19.00 Uhr

Im Rahmen der Vienna Art Week präsen­ tiert Bernhard Cella in seinem 1:1-Modell einer Buchhandlung alle bisher erschienenen Buchtitel des Schweizer Ausstellungsma­ chers Hans Ulrich Obrist. Diese wird während der Vienna Art Week für Besucher offenstehen. Zum Anlass spricht der Kurator selbst über seine Beziehung zu Büchern und seine Technik des Schreibens in der Kunst und für die Kunst. 2010 wurde Obrist vom Fachmagazin »Art Review« auf dem zweiten Platz der Liste der 100 einflussreichsten Menschen in der Kunstbranche gesehen, im Jahr 2009 war er die einflussreichste Person. Obrist ist derzeit der stellvertretender Direktor und Leiter des internationalen Programms der Serpentine Gallery in London. Zuvor arbeitete er als Kurator am Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris und an der Kunsthalle in Wien. Seit 1991 hat Obrist international mehr als 200 Ausstellungen realisiert, darunter »Take Me, (I’m Yours)«, »Cities on the Move«, 1st Berlin Biennale, Manifesta 1 sowie in jüngerer Zeit »Uncertain States of America«, 1st Moscow Triennale, Guangzhou Triennale, Lyon Bien­ nal und »Il Tempo del Postino« (mit Philippe Parreno) im Rahmen des Manchester Inter­ national Festival. Obrist engagiert sich in seinem großen »Interview Project«, einer umfangreichen Kollektion von Interviews zwischen Obrist und Künstlern, Architekten, Filmemachern, Wissenschaftlern, Philosophen und Mu­ sikern. Er betrachtet diese Interviews als »endlose Konversation«, die die Grundlage für seine Arbeit und seine kuratorischen Kon­ zepte bilden. Die Interviews sind teilweise im »Magazin Artforum« beziehungsweise in Buchform veröffentlicht worden.

Donnerstag, 17. November 2011 19.00 Uhr

»Saprophyt«: benutzter Raum als Basis für ein künstlerisches Experiment. Architektin­ nen, Künstlerinnen und Kuratorinnen werden eingeladen, den vorgefundenen Raum für ein Projekt zu nutzen, ihn sich anzueignen. Die Projekte befinden sich in einem fließenden Übergang, denn eine Tabula rasa, um die White-Cube-Situation nach jedem Projekt wiederherzustellen, gibt es nicht – außer als bewusst gewählten, künstlerischen Eingriff. Jede Intervention verändert den Raum und hinterlässt ihre Spuren. Jede Aktion eignet sich die vorhergehende an. Durch seine Form stellt »Saprophyt« explizit einen zeitlichen Zusammenhang und eine Geschichte an Verweisen zur Verfügung, die neben den Spuren räumlicher Eingriffe bear­ beitet werden können. Wie diese Bearbeitung aussieht, bleibt offen. »Saprophyt« lässt sich auf einer Mikro- sowie einer Makroebene denken. Es können sowohl die Struktur des Raumes als auch die bereits vorgefundene Situation in der Gesamtheit ihrer Materialität benutzt und verändert werden. Die eigene Arbeit gehört zu einem Diskurs und einer Geschichte. »Saprophyt« ist ein Setting, das sich mit jeder Veränderung entwickelt und von den Künstlerinnen transformiert wird. »Sapro­ phyt« ist eine Social Sculpture, die sich immer weiter formt.

Eröffnung: 14. November, 20.00 Uhr Finissage: 20. November,18.00 Uhr Ausstellungen des Artist-Run Space entste­ hen aus in vivo Situationen. Die Künstler arbeiten im Projektraum »umraum stadtbu­ reau« und bereiten vor Ort ihre Performances vor. Eingeübtes Kunstrezeptionsverhalten wird hinterfragt, die Betrachter werden mit der Produktion von Kunst konfrontiert. Das sinnstiftende Ganze entsteht durch aktive Teilnahme der Rezipienten, sinnliche Erfah­ rungen werden aufgebrochen, Projektionsflä­ chen verändern sich. Im Vordergrund steht das persönliche Erleben der Kunstaktionen von der Entstehung bis zur Performance. Zum Kunstprojekt »DAS DORF«: Sechs Holzhütten, halb verfallen, sind dennoch verschlossen und unzugänglich. Man kann durch Spalten und offene Fenster ins Innere sehen und findet dort Gegenstände, die eine frühere Nutzung bezeugen. Verlassen verrot­ ten die Gebäude genauso wie die dort noch vorhandenen Dinge: Teile der Einrichtung, Alltagsgegenstände oder Kuriositäten, die ihren Wert im Lauf der Zeit verloren haben. Das Kunstprojekt »DAS DORF« von Matthias Mollner wird aktuell beim Symposion Linda­ brunn ausgestellt. Über Videoprojektion und Internetstreaming ins stadtbureau übertra­ gen, entwickelt »Das Dorf« ein Eigenleben im virtuellen, urbanen Raum. Zum Kunstprojekt »Basislager Wien – Die Unzähmbaren«: Die Künstler MOLLNER & SCHORSCH sagen »Ja« zu jeder Situation. Sie schaffen Wesen, bilden Ereignisse, werden Tiere. Sie machen die Stadt zum Ausstellungs- und Aktionsraum: ein Netz aus Objekten und Aktionen. Seit Jänner 2011 betreiben MOLLNER & SCHORSCH ihre Serie von Interventionen im öffentlichen Raum unter dem Titel »Basislager Wien«. Im Rahmen der Vienna Art Week konzentrieren sie ihre Aktionen auf das Gebiet um den Naschmarkt. Eine Dokumentation der Performances und eine Videoinstallation wird während der Vienna Art Week im umraum stadtbureau gezeigt.

79


OFF-Spaces

Mag.art Veronika Barnaš / »unORTnung« Fuchsthallergasse 4/24 1090 Wien T +43 699 113 687 10 www.veronikabarnas.net www.unortnung.net Ve.Sch Schikanedergasse 11/3 1040 Wien T +43 676 674 87 96 www.vesch.org www.friendsandart.at Öffnungszeiten: Do. 16.00–24.00 Uhr od. n. V. Zimmer.Küche.Kabinett. T +43 650 660 59 79 www.myspace.com/zimmerkuechekabinett Öffnungszeiten: Di.–So. 17.00–20.00 Uhr Do. 15.00–20.00 Uhr

80

 unORTnung

 Ve.Sch

 Zimmer.Küche.Kabinett.

 Katalogpräsentation  Präsentation der Publikation »unORTnung.  Kunst sucht Raum.«

 Lecture  Lecture »Cito Longe Tarde« zur  Ausstellung von A. Turillon & B. Elbaz  »Eventually Everything Happens«

 Eröffnung  Eröffnung der Ausstellung  »imagine white«

Freitag, 18. November 2011 20.00 Uhr

Nur selten kann in Wien in einem experimen­ tellen Setting mit ungewöhnlichen Räumen auf Zeit interagiert werden. Diese Chance eröffnete die Ausstellungsreihe »unORT­ nung« (2007–10), 2007 initiiert von Vero­ nika Barnaš und Andrea Maria Krenn (I–IV). Das Projekt verschrieb sich der temporären Besetzung leer stehender Räumlichkeiten in Wien zur Bespielung durch ortsspezifische künstlerische Interventionen. Es wurde ortund zeitspezifisch ausgewählt und einge­ laden. Der Begriff der »site-specificity« ist vielschichtig und kann von der Reaktion auf einen physischen Ort bis zu einer spezifisch behandelten Frage reichen. In diesem er­ weiterten Sinn des Ortsspezifischen sind die insgesamt über 160 künstlerischen Positio­ nen, die mit den sechs Orten interagierten, auf mehrfacher Ebene als ortsspezifisch zu lesen, räumlich wie thematisch. Die Publikation »unORTnung. Kunst sucht Raum.« dokumentiert einerseits diese spe­ zifische Arbeitsweise, andererseits durch­ leuchtet sie kritisch die Hintergründe und Auswirkungen der Strategie auf die Kunstpro­ duktion und Stadtentwicklung. Künstler aus allen Disziplinen waren eingela­ den, sich mit den jeweiligen Räumlichkeiten, ihrer Historie und Funktion, aber auch mit dem urbanen Umfeld der unORTe inhaltlich und räumlich auseinanderzusetzen, interdis­ ziplinäre Projekte speziell für die jeweiligen Situationen zu entwickeln und so bis dato »verschlossene« Orte der Stadt zu öffnen, zu erobern und neu zu besetzen. Die Projekte »unORTnung I–VI« fanden in einem ehema­ ligen Wohnzimmer in der Kaiserstraße, einer ungenützten Fabrikhalle in der Goldschlag­ straße, einem verlassenen Markt (Genoch­ markt), einem leer stehenden Terrassencafé auf der Copa Cagrana, einem ehemaligen Industriegebäude in Favoriten (Ankerbrotfa­ brik), sowie zuletzt im ehemaligen Kartogra­ phischen Institut im 8. Bezirk statt. Die Publikation enthält Beiträge von Elke Krasny, Erik Meinharter, Sylvia Necker, Michael Obrist, Georg Schöllhammer und Franz Thalmair.

Donnerstag, 17. November 2011 20.30 Uhr

Für die erste gemeinsame Einzelausstellung »Eventually Everything Happens« von A. Turillon & B. Elbaz wird »Ve.Sch« als einzige Verbindung zwischen diesen beiden Posi­ tionen definiert. Abgesehen davon sind bis jetzt keine inhaltlichen Überschneidungen zwischen den Werken zu finden, sodass der Ausstellungsort die Künstler als Grenze zu diesem auch formalen Treffen führen wird. Der Raum als Präsentationsapparat wird wei­ ter gedacht, erweitert und somit zum Vermitt­ ler. Die Verbindung durch den Ausstellungs­ ort stellt die Arbeiten in Frage; vielleicht wird sogar deren Auslöschung angetrieben. Ve.Sch, ein Kunstraum mit hohem Takt, sieht sich immer wieder auch als Apparatur, als »Camera«, welche die Informationen ständig durchlaufen, um schließlich abgespeichert zu werden. Wesentliche Details sind erst mit der Zeit als Spur oder Abdruck abzule­ sen. Technische Charakteristika prägen den Raum, Prozessuales gibt ihm Potenzial. Neu­ tral und zurückhaltend schreiten wir voran, an den Rändern wird wahrgenommen. Erst das Manövrieren zwischen den Kategorien eröffnet den Raum für Übersetzungen. Durch das Zurückgeworfensein auf den kleinsten gemeinsamen Nenner bekommen die Dinge ihre (informelle) Aura zugespro­ chen, sind als »poetische« Übersetzungsräu­ me nach Benjamin vorstellbar.

Montag, 14. November 2011 19.00 Uhr Ort wird über www.viennaartweek.at und Facebook bekannt gegeben. Das Kunstprojekt »Zimmer.Küche.Kabinett.« (ZKK) entstand Ende 2007 aus der Motiva­ tion fünf junger Künstlerinnen heraus, eine Ausstellungsreihe mit ihren und den Werken anderer Künstler in Wiens leer stehenden Wohnungen und Geschäftsflächen zu realisie­ ren. Neben ausformulierten Werken wollte man auch Prozesse und Arbeitsschritte präsentieren und mit der Arbeit direkt auf die vorgefundenen räumlichen Gegebenheiten eingehen. Das gemeinsame Studium der Malerei und Graphik an der Akademie der bildenden Künste in Wien bildete die Grund­ lage für einen intensiven künstlerischen Aus­ tausch. Die Situation der Entwicklung und des Übergangs von einer Bildungseinrichtung wie der Akademie zur eigenen Positionierung vor einem größeren Publikum von Kunstinter­ essierten stellt ein essenzielles, verbindendes Element der Gruppe dar. Der Österreich-Fokus hat sich in den letzten Jahren immer wieder auf die internationale Szene verlagert und es kam zu Kooperatio­ nen mit anderen Institutionen und Ausstel­ lungsplattformen. Die Räumlichkeiten werden nach einem spontanen und individuellen Verfahren be­ spielt; der Schwerpunkt liegt auf Malerei und Graphik, aber auch installative, performative und konzeptuelle Elemente fließen in das Ausstellungskonzept ein. Im Rahmen der Vienna Art Week präsen­ tiert sich die Gruppe in einer leer stehenden Räumlichkeit unter dem Titel »imagine white«, was einerseits als eine Aufforderung zum Überdenken von Althergebrachtem, andererseits als eine Projektionsfläche bzw. eine Einladung zur Entwicklung von Neuem verstanden werden kann. So wird in ZKKManier auch die bespielte Fläche zu einem maßgeblichen Teil des Konzepts, welche quasi in neuem Gewand tanzt. Mit Zoe Guglielmi, Julia Hofstetter, Lavinia Lanner, Iris Nemecek, Elisabeth Wedenig.


Bildnachweis / imressum

Coverfoto: © Jose Manuel Gelpi S. 1: Robert Punkenhofer und Martin Böhm, © Irina Gavrich S. 2–3: Kinder und Kunst, © Udo Titz S. 4: Eva Blimlinger, © Roland Icking / Karlheinz Essl, © Sammlung Essl Privatstiftung, 2009, Foto: Frank Garzarolli / Sabine Folie, © Dario Punales / Sabine Haag, © Kunsthistorisches Museum Wien / Gerhard Hirczi, © Christoph Breneis / Alexander Horwath, © Dan Dennehy, Walker Art Center / Agnes Husslein-Arco, © Belvedere, Wien; APA-Fotoservice / Thomas Preiss Gerald Matt, © Kunsthalle wien / Franz Patay, © Wolfgang Simlinger / Klaus Albrecht Schröder, © Julia Stix / Danielle Spera, © Pedro Salvadore / Dietmar Steiner, © Pez Hejduk S. 5: Gerald Bast, © Osaka / Peter Bogner, © Sabine Hauswirth / Daniela Enzi, © MuseumsQuartier Wien, Pilo Pichler / Wolfgang Kos, © WIEN MUSEUM / Johann Kräftner, © Wolfgang Fuchs, Klosterneuburg / Karola Kraus, © Andrea Kremper / András Pálffy, © APA / Bettina Leidl, © Peter Korrak, 2010 / Gabriele Senn, © Udo Titz / Inge Scholz-Strasser, © Sigmund Freud Privatstiftung, Wien / Christoph Thun-Hohenstein, © Martin Stöbich / Peter Weinhäupl, © Leopold Museum S. 6: Akademie der bildenden Künste Wien, © Roland Icking S. 7: René Magritte »Die durchbohrte Zeit«, 1938, Öl auf Leinwand, The Art Institute of Chicago, © VBK Wien, 2011 S. 8: Simpson-Lee-House / Mount Wilson, New South Wales, Australia (1988–93), © Anthony Browell S. 9: Belvedere, © Belvedere S.10: departure – Die Kreativagentur der Stadt Wien, © departure S.11: DOROTHEUM, © Nathan Murrell / © DOROTHEUM S.12: Michael Stavaric, © Lukas Beck S.13: Sharon Lockhart in »Twenty Cigarettes«, 2011, von James Benning S.14: Candida Höfer, Ethnologisches Museum Berlin III, 2003, © Candida Höfer, Köln, VG Bild-Kunst, Bonn S.15: Grauman’s Chinese Theater, Marilyn Monroe & Jane Russel, © Photofest Archives, New York S.16: F.C. Gundlach, Brigitte Bauer, Op Art-Badeanzug von Sinz, Vouliagmeni/Griechenland 1966, © F.C. Gundlach S. 17: Henri Cartier-Bresson, Texas USA, Uvalde 1947. Lunch wagon, © MAGNUM Photos S. 18: Pieter Bruegel d.Ä., »Jäger im Schnee«, 1565, © Kunsthistorisches Museum Wien S. 19: »lanavère_wieder«, © Christian Helbock, 2011 S. 20: Leopold Museum, © Leopold Museum S. 21: Peter Paul Rubens »Venus vor dem Spiegel«, um 1613/14, © Sammlungen des Fürsten von und zu Liechtenstein, Vaduz–Wien

S. 25: »Die fünfte Säule«, © Margherita Spillutini, secession 2011 S. 26: Freecard mit »Liége« von Franz West, © Sigmund Freud Privatstiftung, Wien, Foto: Gerald Zugmann S. 27: The Morning Line Vienna, Matthew Ritchie mit Aranda\Lasch und Arup AGU, 2011, © Hertha Hurnaus / T-B A21, 2011 S. 28: Anna Frída Jónsdóttir, »People of Danube«, 2011, Installation, © Iulian Moise S. 29: WIEN MUSEUM, Original-Schriftzug von der Fassade des Südbahnhofs, ca. 1962, demontiert 2009, © WIEN MUSEUM S. 30: Emanuel Layr, © Udo Titz S. 31: Christine König, © Udo Titz / Miryam Charim, © Udo Titz S. 32: Christian Meyer, © Udo Titz / Gabriele Senn, © Udo Titz S. 33: © Udo Titz S. 36: »Research on Art and Astrology (Capricorn)«, 1969, © Robert Filliou / Teresa Maria Diaz Nerio, Akademie der bildenden Künste Wien, April 2011, © Yasmina Haddad S. 37: Ugo Guarino, »I Testimoni«, 1974–75, © Claudio Erné / Simone Forti, »Huddle«, Akademie der bildenden Künste Wien, 2010, © Anita Moser / »Le facteur de la vérité«, 2010, © Johannes Porsch / »I am WOW«, Screenshot, HD Video, 2010, © Axel Stockburger

S. 59: Künstlerhäuser, »Haus Carl Pruscha und Eva Schlegel«, © andrea baczynski / »Haus de Ganay«, © andrea baczynski S. 60: Olafur Eliasson / SAMMLUNG VERBUND Wien, Foto: Rupert Steiner / Kunstraum Niederoesterreich, © Ina Wudtke / Art Emotion, Dessin comme architecture de l’Orgien Mysterien Theater, St. Etienne, 2010, © Hermann Nitsch S. 61: Ausstellungseröffnung: Martin Walde »The Liquid and the Magic«, Galerie Krinzinger 2010, © Galerie Krinzinger, Wien / HilgerBrotKunsthalle in situ 2009, © Hilger modern/contemporary, Fotos: Katharina Stög­ müller / Galerie Kerstin Engholm, © Anna Jermolaewa S. 62: »I love Zagreb«, 2008, © Galerie Michaela Stock und Slaven Tolj / Videoinstallation Barbara Doser / Kurt Hofsteter, 2011, © Projectspace Kro Art Contemporary / Galerie Lisi Hämmerle, © Bernhard Buhmann S. 63: FOTO-RAUM, © Fritz Simak / EDITION PHOTO, © Annunziata Schmidt-Chiari / k48, »Der finstere Blick«, © Oliver Hangl S. 64: Sculpture Unlimited, © Eva Grubinger / Rancourt/Yatsuk: »The Switch«; »Speak & Spell«, 3 Performances kuratiert von spike art quarterly im Rahmen der VIENNA ART WEEK, 2010, © eSeL.at / Raumansicht »das weisse haus«, 2010, © das weisse haus, 2010

S. 38: 21er Haus, © Hertra Hurnaus

S. 65: Art Critics Award, © Moussa Kone / Parabol Art Magazine, © section.d & section.a / AGMA Magazine, Dorothea Brunialti design

S. 39: »Brautkrone«, © Iwajla Klinke

S. 66: Wien Products Collection, © dasuno

S. 40: Werner Reiterer, © Udo Titz

S. 67: Heimo Zobernig, »ohne Titel«, Station Laurenzgasse, © Foto: Marianne Greber, 2010 / Peter Kogler, »ohne Titel«, U-Bahnstation Karlsplatz, Zwischengeschoss U1/U2, © Entwurf: Peter Kogler, 2010

S. 41: Maja Vukoje, © Udo Titz S. 42: Anthony Auerbach, © Udo Titz S. 43: Verena Dengler, © Udo Titz S. 44: Tamuna Sirbiladze, © Udo Titz S. 45: propeller z, © Udo Titz S. 46: Palais Tedesco, © Udo Titz S. 47: Doris Mable Cochran (1898–1968) misst den Panzer einer Schildkröte aus, 1954, © Smithsonian Institution Archives / Cyril Ponnamperuma (1923– 1994), Ames Research Center, 1963, © Smithsonian Institution Archives S. 48: Künstlerin Xenia Hausner, Generaldirektor der Vienna Insurance Group Dr. Günter Geyer, © Udo Titz / »Familiensinn« - die Verkleidung des Wiener Ringturms durch die Künstlerin Xenia Hausner, © Udo Titz S. 49: Andreas Pulides und Erich Bernard, © Udo Titz S. 50–51: Hub East, © Udo Titz S. 52: Magda Tothova, © Udo Titz S. 53: Michail Michailov und Kamen Stoyanov, © Udo Titz

S. 22: MAK, Ansicht Stubenring, MAK-Eingang, © Gerald Zugmann/MAK

S. 54–55: Ernst Hilger, Brigitte Jank, Valerie Loudon, Rosemarie Schwarzwälder, © Udo Titz

S. 23: mumok, Ebene 4, © mumok 2011

S. 56: Boutique-Besitzerin und Kunstsammlerin Myung-Il Song, © Udo Titz

S. 24: Judith Seng »TRIFT«, © Steven James Scott

S. 58: Künstlerhäuser, »Haus Carl Pruscha und Eva Schlegel«, © andrea baczynski / »Haus de Ganay«, © andrea baczynski

S. 57: Dirigent und Kunstsammler Michael Klaar, © Udo Titz

S. 68: Sydney Ogidan, © Udo Titz S. 69: Urbanes Kunstwerk des französischen Street Artist OX S. 70: Sabine Schaschl, © Udo Titz S. 71: Krinzinger Projekte, © Udo Titz S. 72–73: © Udo Titz S. 74–75: © Udo Titz S. 75: Hinterland meets Iran, design, © Shahrzad Changalvaee S. 76: BILDETAGE, © Harry Leitner / Fluc, © Martin Wagner / flat1, © flat1 S. 77: Glockengasse No 9, "After he left", 2008, © Athi-Patra Ruga / Kunstverein Hobbyraum M.U.S., © Martin Music, 2011 / LOVE_, © LOVE S. 78: Lust Gallery, © Max Lust / Neuer Kunstverein Wien, © Neuer Kunstverein Wien / Open Space, Open Systems-Zentrum für Kunstprojekte »Stealing Beauty«, © Guy Ben-Ner S. 79: Salon für Kunstbuch, »Ohne Titel«, © Bernhard Cella, 2010 / Saprophyt, © Saprophyt / umraum stadtbureau, »Nasse Erde«, © MOLLNER & SCHORSCH, 2011 S. 80: UnOrtnung, © Veronika Barnaš / Ve.sch. »Ein Monument«, 2011, © Antoine Turillon / Zimmer.Küche. Kabinett, © Zimmer.Küche.Kabinett

Herausgeber Art Cluster Vienna, Spiegelgasse 16, 1010 Wien / Idee und Konzept Martin Böhm, Präsident, Art Cluster Vienna; Robert Punkenhofer, Art & Idea Projektmanagement und Redaktion Anja Hasenlechner, Angelika Lienhart, Christiane Lienhart / hasenlechner—artconsult / Presse Christina Werner / w.hoch.2wei – Kulturelles Projektmanagement / Lektorat und Übersetzung Dörte Eliass / Englisches Lektorat David Westacott / Grafikdesign Perndl+Co / Josef Perndl, Aleksandra Gustin / Druck Druckerei Holzhausen / Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte hasenlechner—artconsult unter T +43 1 402 25 24, F +43 1 402 54 86, info@viennaartweek.at, www.viennaartweek.at © Art Cluster Vienna, 2011 Aus Gründen der einfacheren Lesbarkeit verzichten wir in unseren Texten auf eine geschlechtsneutrale Differenzierung und verwenden mehrheitlich männliche Formen. Sämtliche Angaben gelten aber selbstverständlich für beide Geschlechter.

81


Programmüberblick VIENNA ART WEEK 2011

Mo

Di

14. 11. 2011

15. 11. 2010

10.00–18.00 Uhr* Vorbesichtigung DOROTHEUM Vorbesichtigung der Auktionen »Klassische Moderne«, »Zeitgenössische Kunst« und »Design«. 10.00–19.00 Uhr Ausstellung MuseumsQuartier Wien »TOTEM AND TABOO: complexity and relationships between art and design«. 13.00–20.00 Uhr Interview Marathon Sigmund Freud Museum Interview Marathon »Reflecting Reality« mit Gelitin, Roger Horns, Edgar Honetschläger, Iwajla Klinke, Joseph Kosuth, Manu Luksch, Elisabeth von Samsonow. Moderator: Robert Punkenhofer. 14.00 Uhr* Führung Liechtenstein Museum Johann Kräftner, Direktor, The Princely Collections, führt durch das Stadtpalais. Treffpunkt wird nach Anmeldung bekannt gegeben. 15.00 Uhr* Künstlerführung Leopold Museum Künstlerführung mit Hermann Nitsch durch die Ausstellung »Hermann Nitsch – Strukturen«. 15.00 Uhr* Führung MAK Experten-Sonderführung mit Janina Falkner (MAK im öffentlichen Raum).

17.00 Uhr Eröffnung Sigmund Freud Museum Eröffnung der VAW Ausstellung »Reflecting Reality« im Rahmen des Interview Marathons mit Gelitin, Roger Hiorns, Edgar Honetschläger, Iwajla Klinke, Joseph Kosuth, Manu Luksch, Elisabeth von Samsonov. 17.00 Uhr Podiumsdiskussion mumok & WIEN MUSEUM Podiumsdiskussion »Wie sammeln Museen?« Eine Kooperation zwischen WIEN MUSEUM und mumok mit Thomas Köhler, Wolfgang Kos, Karola Kraus, Julia Stoschek, Moderator: Martin Fritz. 18.00 Uhr Performance Generali Foundation Performance »Nervous Magic Lantern« mit den Künstlern Ken und Flo Jacobs. 19.00 Uhr Nacht der Vernissagen Galerien rund um die Seilerstätte Nacht der Vernissagen. Es eröffnen Galerie Heike Curtze, Lukas Feichtner Galerie, Galerie Grita Insam, Galerie Krinzinger, Galerie Lang Wien, Galerie Emanuel Layr, Mario Mauroner Contemporary Art Vienna, Galerie nächst St. Stephan Rosemarie Schwarzwälder.

10.00–18.00 Uhr Ausstellung Vienna ART WEEK »Reflecting Reality«-Ausstellung, kuratiert von Ursula Maria Probst und Robert Punkenhofer.

17.00 Uhr Lecture MAK »Im Brennpunkt«: Vortrag mit dem Philosophen und Autor Christoph Menke.

10.00–18.00 Uhr* Vorbesichtigung DOROTHEUM Vorbesichtigung der Auktionen »Klassische Moderne«, »Zeitgenössische Kunst« und »Design«.

18.00 Uhr* Führung Jüdisches Museum Wien Führung durch die Ausstellung »Bigger than Life. 100 Jahre Hollywood. Eine jüdische Erfahrung«.

10.00–19.00 Uhr Ausstellung MuseumsQuartier Wien »TOTEM AND TABOO: complexity and relationships between art and design«.

19.00 Uhr Museumseröffnung Belvedere / 21er Haus Eröffnung des neu gestalteten Museums 21er Haus mit künstlerischen Interventionen von Markus Geiger, Florian Hecker und Sasha Pirker.

10.00 Uhr* Führung und Künstlerfrühstück Belvedere – Augarten Contemporary Führung und Künstlerfrühstück mit Kuratorin Cosima Rainer. 11.00 Uhr* Studio Visit Kurator Severin Dünser führt zu den Künstlern Werner Reiterer, Jannis Varelas, Rosemarie Lukasser. Treffpunkt wird nach Anmeldung bekannt gegeben. 13.00 Uhr* Studio Visit Kuratorin Julie Ryan führt zu den Künstlern Tamuna Sirbiladze, Herwig Weiser, Michael Huey. Treffpunkt wird nach Anmeldung bekannt gegeben. 15.00 Performative Ausstellung Gerald Nestler/Gerald Straub Perfor­ mative Ausstellung »SUPERGLUE ®«. Ort wird über www.viennaartweek.at und Facebook bekannt gegeben. 16.00 Uhr* Führung Kunsthistorisches Museum Führung durch die Ausstellung »Wintermärchen – Winter-Darstellungen in der europäischen Kunst von Bruegel bis Beuys« mit dem stellvertretenden Generaldirektor Franz Pichorner.

* Anmeldung über www.viennaartweek.at erforderlich. Treffpunkt wird nach Anmeldung bekannt gegeben. 82

19.00 Uhr Eröffnung Special Project / Edition Photo Eröffnung der Ausstellung »Lehman Boys« von Annunziata Schmidt-Chiari.


Mi

Do

16. 11. 2010

17. 11. 2010

10.00–18.00 Uhr Ausstellung Vienna ART WEEK »Reflecting Reality«-Ausstellung, kuratiert von Ursula Maria Probst und Robert Punkenhofer. 10.00–18.00 Uhr* Vorbesichtigung DOROTHEUM Vorbesichtigung der Auktionen »Klassische Moderne«, »Zeitgenössische Kunst« und »Design«. 10.00–19.00 Uhr Ausstellung MuseumsQuartier Wien »TOTEM AND TABOO: complexity and relationships between art and design«. 10.00 Uhr Ausstellung Essl Museum Letzter Ausstellungstag der Ausstellung Rosa Loy und Neo Rauch: »Hinter den Gärten«. 11.00–14.00 Uhr* departure design tour departure departure design tour: Elisabeth Noever-Ginthör führt in die Designbüros Dejana Kabiljo, AND_i, EOOS, Dottings. Treffpunkt wird nach Anmeldung be­ kannt gegeben. 11.00 Uhr* Führung Albertina Kuratorin Dr. Gisela Fischer führt durch die Ausstellung »René Magritte: Das Lustprinzip«. 11.00 Uhr* Dialogführung Belvedere / 21er Haus Dialogführung mit Kuratorin Cosima Rainer, Präsentation des neuen Museums. 13.00 und 17.00 Uhr* ATELIERFÜHRUNGEN Durch die BMUKK-Bundesstudios Wattgasse und Westbahnstraße führt Kuratorin Sabine Schaschl, Leiterin Kunsthaus Baselland Muttenz. Treffpunkt: Burgtheater, auf Seite der Tankstelle und Wattgasse 56–60. 14.00 Uhr Künstlergespräche Belvedere / 21er Haus Künstlergespräche mit Kuratorin Bettina Steinbrügge.

14.00 Uhr* Street-Art-Tour VIENNA ART WEEK Street-Art-Tour: Der Künstler Sydney Ogidan führt zum Alberner Hafen und verschiedenen Street Art Locations. Treffpunkt wird nach Anmeldung bekannt gegeben. 14.00 Uhr* Eröffnung Künstlerhaus Eröffnung der Ausstellung »METAmART – Kunst und Kapital«. 15.00 Uhr* Galerientour Galerienverband Gallery Tour mit Kuratorin Janina Falkner. 15.00 Uhr* Führung Leopold Museum Führung durch das neue »Egon Schiele-Dokumentationszentrum«: Kuratorin Sandra Tretter und Dr. Robert Holzbauer führen durch das neue Forschungszentrum im Leopold Museum (inkl. »Meet and Greet Wally«). 15.00 Uhr* Lecture Albertina Vortrag von Dr. Michel Draguet zur Ausstellung »René Magritte – Surrealism between Paris and Brussels«. 16.00 Uhr* Führung WIEN MUSEUM Fokus Sammlung: Direktor Wolfgang Kos führt durch die Präsentation von Neuerwerbungen seit dem Jahr 2000. 17.00–21.00 Uhr Thementag Akademie der bildenden Künste Wien »Künstlerische Forschung: Wissensformen in der Kunstpraxis«: Podiumsdiskussion, Präsentation und Film Screening mit Fahim Amir, Diedrich Diederichsen, Friedemann Derschmidt, Mona Hahn, Moira Hille, Renate Lorenz, Marion von Osten, Johanna Schaffer und Elisabeth Subrin. Moderator: Axel Stockburger. 17.00 Uhr* Künstlerführung MAK Künstlerführung: Walter Pichler führt durch seine Ausstellung. 17.00 Uhr Diskurs Künstlerhaus »Künstlervereinigungen heute« mit Christian Helbock und Peter Bogner, Direktor des Künstlerhauses.

18.00 Uhr Künstlergespräch MuseumsQuartier Wien Im Rahmen der Ausstellung »Totem und Taboo« spricht der Künstler Joe Scanlan mit dem Journalisten Niklas Maak. 18.00 Uhr Künstlergespräch Jüdisches Museum Wien Artist’s Talk mit Zenita Komad im Rahmen der Ausstellung »Spirituality is not shopping«. 18.00 Uhr* Pre-Opening KUNST HAUS WIEN Pre-Opening der Ausstellung Henri Cartier Bresson mit einer Führung von Marco Bischof, Präsident Magnum Foundation Frankreich, und Kurator Andreas Hirsch. 18.30 und 20.30 Uhr Filmpremiere Filmmuseum Filmpremiere James Benning: »New Work«. 19.00 Uhr* Führung Generali Foundation Kurator Anselm Franke führt durch die Ausstellung »Animismus – Moderne hinter den Spiegeln«. 19.00 Uhr Lesung Essl Museum Lesung: Michael Stavarich liest im Rahmen der Ausstellung »Schönheit und Vergänglichkeit« mit Werken von Jörg Immendorff, Jannis Kounellis, Marc Quinn, Antoni Tàpies, Zoran Music und Daniel Spoerri. 19.00 Uhr Eröffnung Special Projects / Kro Gallery Ausstellungseröffnung »Räume offenge­ legt« – Exhibition Space Opening. 20.30 Uhr Konzert Essl Museum Konzert »Omonéro« – Neue Musik für Zither. Mit Martin Mallaun: DiskantZither, Alt-Zither.

10.00–18.00 Uhr Ausstellung VIENNA ART WEEK »Reflecting Reality«-Ausstellung, kuratiert von Ursula Maria Probst und Robert Punkenhofer. 10.00–18.00 Uhr* Vorbesichtigung DOROTHEUM Vorbesichtigung der Auktionen »Klassische Moderne«, »Zeitgenössische Kunst« und »Design«. 10.00–19.00 Uhr Ausstellung MuseumsQuartier Wien »TOTEM AND TABOO: complexity and relationships between art and design«. 10.00 Uhr* Studio Visit Kuratorin Ursula Maria Probst führt zu den Künstlern Anthony Auerbach, Marlene Haring, Nazim Yilmaz. Treffpunkt wird nach Anmeldung bekannt gegeben. 11.00 Uhr* Führung Belvedere / 21er Haus Direktorin Agnes Husslein-Arco führt durch das 21er Haus. 12.00 Uhr* Führung Belvedere Kurator Alfred Weidinger führt durch die Ausstellung »Klimt – Hoffmann: Pioniere der Moderne«. 13.30 Uhr* Führung Belvedere Kurator Harald Krejci führt durch die Ausstellung »Curt Stenvert«. 14.00 Uhr* Führung Leopold Museum Führung durch das neue »Egon Schiele-Dokumentationszentrum«: Kuratorin Sandra Tretter und Dr. Robert Holzbauer führen durch das neue Forschungszentrum im Leopold Museum (inkl. »Meet and Greet Wally«).

21.00 Uhr Eröffnung Special Project / Oliver Hangl – K48 Eröffnung der Einzelausstellung im Darkroom: »Der finstere Blick (1) – Miriam Bajtala«.

83


Programmüberblick VIENNA ART WEEK 2011

Fr 18. 11. 2010 16.00 Uhr* Führung MAK Experten-Sonderführung mit Janina Falkner durch das MAKGegenwartskunst Depot Gefechtsturm Arenbergpark. 16.30 Uhr Werkpräsentation SAMMLUNG VERBUND Gabriele Schor, Leiterin der SAMMLUNG VERBUND, und Architekt Christian Knechtl präsentieren die Intervention »Yellow fog« von Olafur Eliasson. Anmeldung über sammlung@verbund.com erforderlich. 17.00 Uhr Kuratorengespräch Belvedere / 21er Haus Kuratorengespräch: Bettina Steinbrügge im Gespräch mit Charles Esche und Georg Schöllhammer. 17.00 Uhr Podiumsdiskussion KUNSTHALLE wien Podiumsdiskussion zum Thema Mode und Fotografie im Wandel mit Prof. Peter Weiermair und F.C. Gundlach u.a. 18.00 Uhr Open House MuseumsQuartier Wien 18.00 Uhr Buchpräsentation und Vortrags-Performance secession Präsentation des Künstlerbuchs »Les moments d’espace« und VortragsPerformance der Künstlerin Joëlle Tuerlinckx. 18.00 Uhr Führung Special Project / Kunstraum Niederösterreich Kuratorin Ina Wudtke führt duch die Ausstellung »Ask Yo Mama«.

18.30 Uhr* Führung Kunsthistorisches Museum Führung durch die Ausstellung »Wintermärchen – Winter-Darstellungen in der europäischen Kunst von Bruegel bis Beuys« mit Kuratorin Agnes Stillfried. 18.30 und 20.30 Uhr Filmpremiere Filmmuseum Filmpremiere: James Benning »New Work«. 19.00 Uhr Eröffnung und Lehraktion Special Project / Nitsch Foundation Lehraktion und Eröffnung der Ausstellung »Sehen« mit Hermann Nitsch. 19.00–22.00 Uhr Performance-Reihe Special Project / Speak & Spell Performance-Reihe kuratiert von »Spike Art Quarterly«. 20.30 Uhr Lecture und Film Filmmuseum Vortrag and Film von James Benning »Two Cabins«.

10.00–17.00 Uhr* Ausstellung Liechtenstein Museum Besichtigung der neugestalteten Dauerausstellung des LIECHTENSTEIN MUSEUM. 10.00–18.00 Uhr Ausstellung VIENNA ART WEEK »Reflecting Reality«-Ausstellung, kuratiert von Ursula Maria Probst und Robert Punkenhofer. 10.00–18.00 Uhr* Vorbesichtigung DOROTHEUM Vorbesichtigung der Auktionen »Klassische Moderne«, »Zeitgenössische Kunst« und »Design«. 10.00–19.00 Uhr Ausstellung MuseumsQuartier Wien »TOTEM AND TABOO: complexity and relationships between art and design«. 10.30 Uhr* Studio Visit Kuratorin Cosima Rainer führt zu den Künstlern Verena Dengler, Linda Bilda, Klaus Mosettig. Treffpunkt wird nach Anmeldung bekannt gegeben. 11.00 Uhr* Atelier-Tour Residency Programme für Künstler Atelier-Tour mit Kuratorin Elsy Lahner. Treffpunkt Augarten Contemporary. 12.00 Uhr* Führung Belvedere Die Kuratoren Sabine Grabner, Alexander Klee und Harald Krejci sowie der Barock-Experte Georg Lechner führen durch die Neuaufstellung der Schausammlung im Oberen Belvedere.

14.00* Galerientour Galerienverband Gallery Tour mit Dr. Stefanie Dathe. 14.00 Uhr* Studio Visit Die Direktorin des Lentos Museum, Stella Rollig, führt zu den Künstlern Maja Vukoje, Luisa Kasalicky, Werner Feiersinger. 14.00 Uhr* Studio Visit Kuratorin Brigitte Eisl führt zu den Architekturbüros propeller z und Holodeck. 15.00 Uhr* Führung Leopold Museum Kuratorenführung: Dr. Diethard Leopold führt durch das Schiele-Projekt »Melancholie und Provokation«. 15.00 Uhr FILM SCREENING / BMUKK-Bundesstudios Die Künstler der BMUKK-Studios zeigen Kunstfilme im Filmmuseum.

16.00 Uhr* Galerientour Galerienverband Gallery Tour mit Kurator Max Henry.

17.00 Uhr Podiumsdiskussion DOROTHEUM Podiumsdiskussion »Ist Kunstsammler eine Karriere mit Zukunft?«. Mit Gil Bronner, JoAnn Gonzalez-Hickey, Boris Hirmas, Richard Massey, Ignasi Miró, Klaus Albrecht Schröder. Moderator: Robert Punkenhofer. 17.00 Uhr* Künstlerführung MAK Künstlerführung: Michael Wallraff führt durch seine Ausstellung. 17.15 Uhr* Führung Architekturzentrum Wien Führung durch die Ausstellung Glenn Murcutt »Architecture for place« mit Brigitte Eisl, Az W.

* Anmeldung über www.viennaartweek.at erforderlich. Treffpunkt wird nach Anmeldung bekannt gegeben. 84


18.30 uhr PoDIuMSDISKuSSIon departure Podiumsdiskussion »Galerienszene Wien – der ,Wiener Weg’ im internationalen Vergleich« mit Ursula krinzinger, Gerd Harry Lybke, irena Popiashvili, karol Winiarczyk. Moderator: Max Henry. im DOrOtHeUM. 18.30 und 20.30 uhr FIlMPReMIeRe Filmmuseum Filmpremiere James Benning »new Work«. 19.00 uhr PRoJeKtPRäSentAtIon Special Project / Sculpture Unlimited Vortrag von Jörg Heiser: »Skulptur im öffentlichen raum – ein langes Jahrhundert zwischen Manifestation und negation«.

19.00 uhr leCtuRe architekturzentrum Wien

Sa

So

19. 11. 2010

20. 11. 2010

Ganztags GAlleRy WeeKenD Galerienverband 10.00–17.00 uhr* AuSStellunG LieCHtenStein MUSeUM Besichtigung der neugestalteten Dauerausstellung des LieCHtenStein MUSeUM. 10.00–17.00 uhr* VoRBeSICHtIGunG DOrOtHeUM Vorbesichtigung der auktionen »klassische Moderne«, »Zeitgenössische kunst« und »Design«.

10.00–18.00 uhr AuSStellunG Vienna art Week »reflecting reality«­ausstellung, kura­ tiert von Ursula Maria Probst und robert Punkenhofer.

Werkvortrag Peter Stutchbury (angefragt) im rahmen der aussstellung »Glenn Murcutt. architecture for place«.

10.00–19.00 uhr AuSStellunG MuseumsQuartier Wien »tOteM anD taBOO: complexity and relationships between art and design«.

20.00 MAGAzIn ReleASe PARtty Special Project / Parabol art Magazine Magazin release Party (Parabol #6). nähere informationen über den Ort auf www.parabol.org.

11.00 uhr* GAleRIentouR Galerienverband Gallery tour mit kuratorin Susanne neuburger.

20.00 uhr PReISVeRleIHunG Basis Wien Feierliche Verleihung des »art Critics award« im DOrOtHeUM.

12.00–16.00 uhr PoDIuMSDISKuSSIon HilgerBrOtkunsthalle »inside art« – talk und Brunch musika­ lischer Untermalung vo 98.3 Superfly, Vienna’s Soulful radio Station.

20.45 uhr PoDIuMSDISKuSSIon, FIlM unD BuCHPRäSentAtIon Filmmuseum

13.00 uhr* GAleRIentouR Galerienverband Gallery tour mit kuratorin Barbara Catoir.

Podiumsdiskussion, Film und Buchpräsentation »Screen Dynamics. Mapping the Borders of Cinema«.

13.00 uhr PRoJeKtPRäSentAtIon Special Project / Galerie Michaela Stock Projektpräsentation: Brunch – Präsentation des Projekts »Views from abroad«. 13.00 uhr* FüHRunG kÖr »kunst und Wiener Linien«: Führung zu kunstwerken in U­Bahnstationen: ken Lum »Pi«, Westpassage karlsplatz; Heimo Zobernig »ohne titel«, Ustrab­ Station Laurenzgasse; ingeborg Strobl »ein Garten (zum Beispiel)«, U2­Station novaragasse u.a.

14.00–24.00 uhr PRoJeKtPRäSentAtIon Special Project / das weisse haus Projektpräsentation »15 Minutes«. 14.00 uhr* GAleRIentouR Galerienverband Gallery tour mit kurator Simon rees.

Ganztags GAlleRy WeeKenD Galerienverband 10.00–17.00 uhr* AuSStellunG LieCHtenStein MUSeUM Besichtigung der neugestalteten Dauerausstellung des LieCHtenStein MUSeUM.

15.00 uhr KAtAloGPRäSentAtIon unD leIBSPeISeVeRKoStunG Special Project / Galerie engholm Die künstlerin anna Jermolaewa und Galerie engholm laden zur katalogpräsentation und Leibspeiseverkostung.

10.00–17.00 uhr* VoRBeSICHtIGunG DOrOtHeUM Vorbesichtigung der auktionen »klassische Moderne«, »Zeitgenössische kunst« und »Design«.

15.00 uhr* FüHRunG kÖr

10.00–19.00 uhr AuSStellunG MuseumsQuartier Wien »tOteM anD taBOO: complexity and relationships between art and design«.

»turnertempel erinnerungsort«: Führung zu dem von iris andraschek/ Hubert Lobnig & atelier auböck/karasz gestalteten Mahnmal am Standort der ehemaligen drittgrößten Synagoge der israelitischen kultusgemeinde in Wien.

16.00 uhr* GAleRIentouR Galerienverband Gallery tour mit kurator Lucas Cuturi. 18.00 uhr AGMA MAGAzInPRäSentAtIon Special Project / secession round­table­Diskussion mit Gelitin, Oswald Oberhuber, moderiert von andreas reiter­raabe (angefragt). 18.00 uhr SAMMleRGeSPRäCH Special Project / FOtO­raUM SPUtnik Sammlergespräch und Präsentation der ausstellung »the fema­ le view«. 18.30 und 20.30 uhr FIlMPReMIeRe Filmmuseum Filmpremiere James Benning »new Work«. 19.00 uhr eRÖFFnunG Special Project / Galerie Lisi Hämmerle ausstellungseröffnung »Von robotern, die Bilder bauen«. Ort: Pelzgasse 20, 1150 Wien



Meet Art - Vienna Art Week 2011