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STAMM


STAMM

2012 Mauro Schรถnenberger


Die Apache

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ie Apachen (auch Apatschen) nennen sich selbst Dinneh, Tinneh oder Inde (je nach Dialekt). In der Pima-Sprache bedeutet Apache = Feinde. Sie sind ein Volk der südlichen athapaskischen Sprachgruppe der Déné-Sprachfamilie. Ihnen gehören die Aravapais, die Chiricahuas, die Cocoteros, die Gilenos, die Jicarillas, die Kiowas, die Lipans, die Mescaleros, die Mimbrenos, die Mogollons, die Pinalenos und die Tontos an. Ihr Lebensraum waren hauptsächlich die Wüsten- und Steppengebiete der Staaten Arizona, New Mexico und Texas. Sie sind die Indianer die sich von allen anderen Wüsten-Indianerstämmen Nordamerikas am besten anpaßten. Sie waren sogar in der Lage, dort zu existieren, wo Wüstentiere kaum eine Chance hatten. Wenn sie verfolgt wurden, zogen sie sich in die nördlichen Berge von Sonora und Chihuahua zurück. Einst lebten sie jenseits des oberen Rio Grande del Norte. Es war ein Land, wo sich Wüsten, Halbwüsten und Oasen abwechselten. Zahlreiche Apachen bewohnten den Quellfluß des Gila River und den Gila River selbst. Sie lebten auch in der unzugänglichen Sierra Madre, was für die Apachen das Kerngebiet ihrer Heimat war. Das Hochland der Sierra Madre besaß einen großen Wildbestand an Hirschen, Pekaris (Nabelschweine) und vielerlei Kleinwild. Die Apachen waren im Südwesten das zahlreichste Volk. Um 1840 wurden sie noch auf 15.000 Personen geschätzt. Die Zahl der Stammesangehörigen hatte sich aber 1906 auf 6.000 reduziert. Die Apachen wurden durch die Ausbreitung der Weißen immer weiter nach Westen in die Steppen zurückgedrängt. 1598 beklagten sich die ersten spanischen Kolonialherren über die zahlreichen Überfälle der Apachen. Die Feinde der Apachen waren die Cheyenne, Comanchen und Teton-Dakota. Die gefährlichsten Feinde aber waren die Mexikaner, die für Apachen-Skalpe eine Kopfprärie zahlten. Ein Männerskalp brachte 100, ein Skalp einer Frau 50 und eines Kindes 25 Dollar ein. Dabei hatten die Apachen kein Interesse am Skalpieren. Im Sommer des Jahres 1837 gingen auch Amerikaner auf Skalpjagd gegen die Apachen und damit begann eine erbitterte Feindschaft zwischen beiden. Die Apachen hatten die USAmerikaner zuvor sehr geachtet. Die Apachen waren Nomaden und wohnten in brusthohen Strauchhüttren - die man als Wickiups bezeichnet. Als der Wildbest and sich verringerte, stahlen sie Rinder, Schafe, Maultiere und sogar Pferde. Neben Fleisch verzerrten die Apachen auch Kürbisse, Bohnen des Mesquitestrauches und Beeren, in Zeiten der Not auch Eicheln. Die Apachen kannten keinen Kannibalismus. Die Apachen hatten eine kräftige, stämmige Figur und eine Körpergröße bis 170 Zentimeter. Ihre Hautfarbe war mittelbraun bis gelblich-braun, das schwarze Haar wurde offen getragen und hing bis zur Schulter. Das Haar wurde von einem Stirnband gehalten. Sie hatten breite Gesichter mit ausgeprägtem Mund und besaßen stark hervorstehende Backenknochen. Die Apache-Frauen waren besonders grausam. Dies zeigten sie vor allem gegenüber Gefangenen, um sich für den Tod eines Angehörigen zu rächen. Vor der Ehe war Sex bei den Frauen


ein schwerer Delikt. Wurde ein Mädchen erwischt, so wurde sie von ihrem Vater öffentlich ausgepeitscht, um andere ein abschreckendes Beispiel zu geben. Neben der Jagd verlangte das Kriegshandwerk die meiste Energie. Die Frauen unterstützten ihre Männer deshalb beim Kriegstanz und bei den Kriegsvorbereitungen. Die ApachenKrieger wurden schon frühest möglich für den Kampf trainiert. Dabei erreichten sie eine unglaubliche Zähigkeit und Widerstandskraft. Um einen jungen Burschen abzuhärten, wurde er mit einem Mund voll Wasser in heißester Sonne mehrere Meilen vom Dorf entfernt in die Wüste geschickt, um bei seiner Rückkehr das Wasser wieder auszuspucken. Auch im Kurzstreckenlauf erreichten die Apachen eine sagenhafte Geschwindigkeit. Sie waren sogar in der Lage auf längere Zeit hin Reiter einzuholen. In ihrer Ausbildung als Krieger lernten sie auch Pfeile, die auf sie abgeschossen wurden, auszuweichen. Als Waffen dienten ihnen neben Pfeil und Bogen, Lanzen, Dolchmesser auch der bekannte Schädelbrecher. Der Tomahawk wurde von den Wüstenbewohnern abgelehnt wie auch später das Schild, welches sich als nutzlos erwies gegen Feuerwaffen. Die Prärie-Stämme, wie die Lipan, Jicarilla und Kiowa-Apachen verwendeten den Tomahawk. Sie zogen einzeln oder in kleinen Gruppen ohne Häuptling in den Krieg. Großangelegte Kriegszüge wurden von einem mächtigen Häuptling angeführt. Neben Beute wurden auch Gefangene auf ihren Kriegszügen gemacht. Das Pferd war ihnen bei Raubzügen unentbehrlich. Die Apachen hatten eine demokratische Gesellschaftsordnung. Wenn ein Krieger besondere Fähigkeiten aufwies, konnte er Häuptling werden. Ein Knabe blieb solange bei der Mutter bis er Krieger war. Wurde ein Krieger während eines Kriegszuges getötet, so wurde sein Name nach der Rückkehr der Truppe noch ein öffentlich aufgerufen. Danach mußte sein Name vergessen werden. Ehrbegriffe und Mannestugenden kannten die Apachen nicht. Sie griffen aus Hinterhalten an und bekämpften ihre Gegner mitleidlos auf jede Art. Apachen-Krieger gingen offenen Kämpfen aus dem Weg. Lieber griffen sie aus dem Hinterhalt an oder bevorzugten Überraschungsangriffe. Nicht nur Apachen-Frauen folterten auf grausamste Weise die Gefangenen auch die Krieger beherrschten bestialische Foltermethoden. Wenn sie bei Überfällen auf eine Übermacht stießen oder starker Widerstand entgegengebracht wurde, ließen sie blitzschnell vom Feind ab und zerstreuten sich in alle Himmelsrichtungen. Bevorzugt für den Rückzug war unwegsames Gelände. Sie trafen sich dann wieder an einem zuvor ausgemachten Ort.


Blackfoot - Siksika, ein Prärie-Stamm Die Blackfoot = Schwarzfüße - indian.: Siksika (nicht verwechseln mit den Zweigstamm der Dakota, den Blackfeet). Sie sind ein Stamm der Algonkin-Sprachfamilie und tragen ihren Namen von der Schwarzfärbung der Mokassins durch die Asche von Präriefeuer (wahrscheinlich wurden sie auch absichtlich schwarz gefärbt). Die Blackfoot lebten im Nordwesten der Prärien östlich der Rocky Mountains. Ihr Stammesgebiet erstreckte sich im Norden tief hinein in die Provinz Alberta in Kanada und bis nach Montana (USA) im Süden. Sie unterteilten sich in mehrere Untergruppen, zu denen die mächtigen Nord- und Süd-Pigan, die Blood (Kainah) und die Blackfoot gehörten. Die Blackfoot wehrten sich erbittert gegen das Eindringen feindlichen Stämme und auch gegen die Weißen. Unter ihrer Schutzherrschaft standen die Gros Ventros (Atsina) und der kleine Stamm der Sarsi, die der Dne-Sprachfamilie zugeordnet werden. Die Stämme waren in verschiedene Unterstämme gegliedert, die von einem gewählten Häuptling und Sonnenpriester (Mina maska) angeführt worden. Jeder dieser Unterstämme unterstand außerdem einer Hauptversammlung (Exkinoya), die einmal im Jahr während des religiösen Sonnentanzes (Sun Dance) zusammentrat. Die Männer der Blackfoot wurden in Bünde zusammengefaßt, die aus sieben Rängen bestanden. Die Mitgliedschaft in den Bünden wurde durch besondere Abzeichen ausgedrückt und war mit bestimmten Vorrechten verbunden. Der siebente Rang war zugleich der qualitativ höchste und erlaubte den Zutritt zur Ratsversammlung. Den sechsten Rang bildeten die Häuptlinge und Unterhäuptlinge der Stämme und Unterstämme, die die exekutive (vollstreckende) Polizeigewalt und legislativen (gesetzgebende) Ratsbeschlüsse ausführten. Der fünfte Rang war für die Jagd und die Auswahl des Lagerplatzes zuständig und verantwortlich. Die vier untersten Ränge bildeten die Krieger. In jedem Rang dieser Rangs mußte ein Krieger vier Jahre gedient haben, um je nach ihren Taten und Fähigkeiten in den nächsthöheren aufzusteigen. Die Blackfoot waren von großer muskulöser Statur, hatten lange schwarze Haare und besaßen große Augen. Sie kleideten sich in weiche Lederanzüge, die aus Antilopen-, Büffeloder Hirschleder bestanden. Ihre Behausung war das Tipi. Eine Dauerbehausung sowie den Ackerbau kannten die Blackfoot nicht - das Sammeln von Tabak für zeremoniale Zwecke bildete eine Ausnahme. Die Lebensweise der Blackfoot geht auf eine Zeit zurück, wo sie noch zwischen den Quellflüssen des Saskatchewan River lebten und weder das Kanu und das Pferd kannten. Auch ihre Bewaffnung war primitiv. Nach der Hochzeit zog ein Paar in das Zelt des Mannes. Das Pferd hielt 1730 Einzug als Schoschonen die Piegan überfielen. Von diesen Zeitpunkt an galt Pferdediebstahl als höchste aller Tugenden. Die Blackfoot waren bald bekannt für ihre großen Pferdeherden, die sie selbst Elchhund-Herden nannten. Je nach wieviel ein Mann Pferde besaß, entschied über seinen sozialen Status. Unter fünf Pferde gehörte er zur unteren Klasse und wenn er mehr als 40 Pferde besaß, galt er als reich. Den Bestand an Pferden konnte ein Krieger nur im Kampf bzw. durch Stehlen von Pferden


bei Nachbarstämmem erhöhen. Hatte ein Mann eine größere Familie zu ernähren und besaß nur wenige Pferde, konnte er durch eine Pachtgebühr Tiere ausleihen. Die Blackfoot waren ein ausgesprochenes Prärievolk, welches in einem Gebiet lebte, dass reich an Büffeln, Antilopen und Rehwild war und sich gut zur Pferdezucht eignete. Als im Jahre 1750 die ersten weißen Pelzhändler bei den Blackfoot waren, besaßen sie bereits Pferde. Sie kannten aber zu diesem Zeitpunkt keine Schußwaffen der Weißen, hatten sie jedoch 20 Jahre später. Nun konnten sie die immer wieder in ihr Territorium einfallenden Nachbarstämme, die auf neue Ländereien, Beute und Skalpe aus waren, zurückdrängen und selbst zum Angriff übergehen. Die Blackfoot waren ihren Feinden nicht nur an Zahl der Pferde und Waffen überlegen, sondern auch in ihrem taktischen Geschick. Bei ihren Raubzügen drangen sie nach Norden und Süden bis an die mexikanische Grenze vor. Sie machten auch nicht vor den Fleathead und Kutenai halt. Die Blackfoot standen ständig im Krieg mit ihren Nachbarn, den Assiniboin, den Cree, den Cheyenne, den Crow, den Ojibwa, den Schoschonen, den Sioux sowie den Kutenai und Flatheads (beide Felsengebirgsplatau), aber auch gegen die Engländer, Franzosen, Amerikanern, Trapper und Pelzgesellschaften (Hudsons Bay Company, der schottischen Northwest Company, American Fur Company) wurden unerbittliche Kämpfe geführt. In späteren Jahren erhielten zwei englische Handelsgesellschaften die Erlaubnis auf dem Gebiet der Blackfoot Stationen zu errichten. Die Bevölkerungszahl der Blackfoot wird im Jahre 1830 ereicht auf 18.000 Stammesangehörige geschätzt. Zu dieser Zeit verhinderten sie immer noch erfolgreich das Eindringen von Trappern auf ihrem Gebiet.


Cherokee

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ie Cherokee waren kein Volksstamm der Muskhogee-Sprachfamilie, sondern ein Stamm der mächtigen Irokesen-Sprachfamilie. Sie lebten in den Appalachen, einem Gebirgszug an der Atlantischen Küste. Sie bestanden aus drei Unterstämmen. Die Cherokee waren auch ein hochzivilisierter Stamm der Fünf, später Sechs Nationen der Irokesen-Liga. Bei den Cherokee gehörte der Kampf mit grausamen, religiösen Hintergrund zur Tagesordnung. Es war einfach die Lebensart der Cherokee-Krieger sich ständig im Kampf zu beweisen. Dies stärkte ihr Bewußtsein und ihren Stolz zugleich, wenn man sie nach erfolgreichem Kriegszug feierte. Man wollte aber dabei keinen Feind unterjochen oder aus ihrem Stammesgebiet vertreiben. Der Volksstamm der Cherokee lebte in festen Ansiedlungen, besaßen Schulen und Akademien, hatten ein eigenes Alphabet, es gab eine geschriebene Verfassung und sogar eine ausreichende medizinische Versorgung. Weiterhin hatten sie eine fortschrittliche Landwirtschaft. Ein Parlament, wo auch Frauen Abgeordnete werden konnten, war ebenfalls vorhanden. Es basierte auf demokratischer Grundlage mit einem Präsidial-Zweikammersystem. Sogar am englischen Hof von Georg III. hatten die Cherokee einen Botschafter. Kaum zu glauben ist, dass es bereits Aktiengesellschaften gab, eine Staatszeitung herausgegeben wurde, Zivil- und Strafgesetze angewandt wurden und rechtsprechende und Polizeiorgane vorhanden waren. Die Cherokee besaßen eine höhere Kultur als die Weißen während ihrer Staatsgründung. Im Jahr 1825 zählte die Bevölkerung der Cherokee etwa 20.000 Stammesmitglieder, darunter 147 weiße Männer, 73 weiße Frauen und 1.277 Negersklaven. Die Ländereien der Cherokee beanspruchte aber nun der Staat Georgia und sie sollten ins Indianerterritorium umgesiedelt werden. Tausende starben bei dem Versuch, ihr Stammesgebiet zu verteidigen bzw. beim Trail der Tränen, der von 1832 bis 1839 dauerte und mit der Einpferchung in eine Reservation in Oklahoma endete. Alle rechtlichen Schritte scheiterten, die die Cherokee gegen die Vertreibung aus ihrer Heimat unternahmen. Die Gerichte entschieden immer gegen sie. Mehrere Cherokee liefen davon und versteckten sich in den Bergen von Tennessee und North Carolina. Der Kongreß unterstützte sie beim Erwerb neuen Landes. Die Irokesen kämpften im Bürgerkrieg auf der Seite der Südstaaten. Dies hatte zur Folge, dass alle Verträge, die zwischen ihnen und der Regierung geschlossen waren, annulliert wurden (für ungültig erklären). Da die Weißen immer weiter nach Westen vordrangen, wurde das Indianerterritorium von Oklahoma auf Beschluß der US-Regierung aufgelöst. Mit dieser Entscheidung war das Schicksal der Mitglieder der Irokesen-Liga besiegelt.


Die Chippeway

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ie Chippeway (auch Chippewa) sind ein Volksstamm der Algonkin-Sprachfamilie, der südlich der Großen Seen - genauer im Süden des Lake Michigan und Lake Superior - beheimatet war. Als Zweigstamm der Ojibway (auch Ojibwa) lebten sie noch ziemlich rückständig als die weißen Eindringlinge in ihre Heimat eindrangen. Die Chippeway betrieben nur sehr begrenzt Ackerbau, aber ihr Fischfang war bedeutensvoll, da in den Seen ihres Stammesgebietes zahlreiche Fischarten vertreten waren. Neben dem Fischfang erzielten die Chippeway reiche Ernten des wilden Reises. Siehe dazu die Ojibway. Zum Anfertigen von vielen Gegenständen verwendeten die Chippeway Birkenrinde. Dieses Material war leicht und aus ihm angefertigte Kanus konnten problemlos von einem See bzw. Fluß zu einem anderen getragen werden. Das Stammesgebiet der Chippeway war ein wildreiches Areal und so konnten sie zahlreiche Tierarten erlegen und somit einen regen Pelzhandel mit ihren Nachbarn unterhalten. Sie betrieben zuerst Handel mit den befreundeten Huronen, die als Zwischenhändler die Waren weiter an die Franzosen tauschten. Später übernahmen die Irokesen den Tauschhandel, die die Felle an die Engländer weitergaben. Durch diesen regen Tauschhandel kamen die Chippeway sehr früh an europäische Waffen und Waren und waren gegenüber den anderen Stämmen der Region, was die Waffen anging, überlegen. Diese Überlegenheit nutzten die Chippeway auch schamlos aus und wurden zu den gefährlichsten Kriegern der Vereinigten Staaten. Sie griffen ihre Nachbarstämme an und vertrieben sie aus ihren fischreichen Seengebieten wie auch aus ihren wildreichen Waldgebieten nach Westen oder Süden. Zu diesen Stämmen gehörten auch die Dakota, die im 18. Jahrhundert durch diese Vertreibung die Präriegebiete erreichten. Gegen die Stämme der Dakota führten die Chippeway einen zweihundertjährigen Krieg, der einmal den Dakota und ein anderes Mal den Chippeway Siege einbrachte. Beim Vordringen der Weißen nach Westen hatten die Chippeway wie auch ihre verwandten Ojibway mehr Glück als die Stämme des Ostens, da die Siedler der Alten Welt - so wurde Europa genannt - wenig Interesse an ihrem Land hatten. Durch dieses Verhalten konnten die Chippeway und Ojibway sowie zahlreiche Unterstämme überleben. Die Chippeway leben heute in Kanada sowie in den USA. In den Vereinigten Staaten gibt es Chippeway-Reservationen in den US-Bundesstaaten Michigan, Minnesota, North Dakota und in Wisconsin.


Comanchen - ein Präriestamm

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ie Comanchen sind ein Volksstamm der uto-aztekischen Sprachfamilie vom Zweig der Shoshone, der vor Entdeckung Amerikas auf der „primitiven“1 Kulturstufe von steinzeitlichen Jägern und Sammlern stand. Kommentar des HP-Eigentümers: Für die ersten Siedler waren alle Eingeborenen - Indianer (Afrikaner oder auch Aborigines [Ur-Australier]) primitive Wilde. Heute wissen wir, dass einfach die Region in der sie lebten an ihren Lebensumständen maßgeblich Einfluß nahm. Ob wir angeblich Zivilsierten wirklich so zivilisiert waren oder sind, ist nicht eindeutig geklärt. Selbst nannten sich die Comanchen „Ne‘me‘ne“ = Volk. Von den Cheyenne wurden sie „Shishin-ohto-kit-ahn-ay-oh“ = Schlangenvolk, von den Sioux „Pah-doo-kah“ oder „Padouca“, und von den Ute „Koh-mahts“ = Feinde, oder: „Die gegen uns sind“ genannt. Ihre Durchschnittskörpergröße lag bei den Männern bei 1,65 Meter und bei den Frauen bei 1,50 Meter. Etwa 12.000 Stammesangehörige wurden im Jahre 1820 bei einer Zählung registriert. Als sehr kriegerisch wurde der Volksstamm eingeschätzt, der ca. 3.000 Krieger aufbringen konnte. Die Comanchen waren ein Prärievolk, welches als die besten Reiter ganz Amerikas galten. Wie alle Nomaden zogen sie in den Plains den Büffelherden nach. Ihre Jagdgründe lagen zwischen dem Oberlauf des Arkansas im Norden und den mittleren und östlichen Plains von Texas im Süden. Die östliche Grenze bildete die Hochebene von Llano Estacado und im Westen endete ihr Stammesgebiet am Rio Pecos. Die Comanchen waren einst Shoshoni, hatten sich aber von der Hauptgruppe gelöst und waren von den Rocky Mountains in den Süden gewandert. Als die Spanier Pferde einführten, gelang es den Comanchen um das Jahr 1650 einige dieser Pferde von den Apachen zu rauben. Das Pferd, welches die Präriekultur ermöglichte, wurde von den Comanchen voller Ehrfurcht als „Gotteshund“ bezeichnet. Um das Jahr 1680 besaß der gesamte Stamm Pferde. Nun begannen sie in die spanischen Siedlungen vom Rio Grande del Norte und in New Mexico zu überfallen. Sie schnitten die Nachschubwege ab, schalteten militärische Stationen aus, griffen alles an was sich ihnen in den Weg stellte und zerstörten Missionen. Mit ihren ständigen Überfällen, die mehr als hundert Jahre andauerten, konnten sie die Spanier bis über den Rio Grande zurückdrängen. Für die Comanchen war der Kampf das Wichtigste im Leben. Die einzige ehrenhafte Form des Kampfes war der Angriff, Rückzug oder Aufgabe waren schimpflich und so gut wie ausgeschlossen. Die Comanchen griffen, nachdem sich die Mexikaner von den Spaniern befreit hatten, auch diese an. Im 19. Jahrhundert überfielen sie auch Gebiete die weit im Süden von Mexiko lagen. Ein Comanche durfte sich erst Krieger nennen, wenn er in Chihuahua, Durango oder Zacatecas gewesen war, um dort Frauen, Kinder, Skalpe, Pferde oder Maultiere zu rauben. Sie griffen auch größere Städte an, dabei bestand eine Kriegerhorde aus nur 100 Personen. Als sich Texas von Mexiko löste, begannen die Kriegszüge auch gegen die Texaner. Sie vertrieben ebenso die Nachbarstämme, wie die Apachen, Navaho, Cherokee, Pawnee u. a. aus ihren Büffeljagdgründen. Die Weißen nannten die Comanchen «Lords of the Plains». Die Comanchen brachten einige große Häuptlinge in ihrer Geschichte hervor. Hätte einer


von ihnen versucht den Stamm zu einigen und eine Comanchen-Nation oder eine andere Regierungsform zu errichten, so wäre er an der Entfernung, die zwischen den einzelnen Stämmen lag, gescheitert. 700 Kilometer lagen zwischen ihren Jagdgründen und so wußte ein Stamm garnicht von der Existenz des anderen. Der Stamm der Comanchen war aber in Hauptgruppen eingeteilt. Im Norden ihres Stammesgebietes waren die Jagdgründe der Yamparika, im Osten die der Tanima, nordwestlich waren die Kwahadi heimisch, im Westen die Kotsoteka und die Penateka und Nokoni im Süden. Etwa 100 Personen gehörten zu einer Horde der Comanchen wie es auch bei anderen PlainStämmen üblich war. Streit in einer Familie oder Horde gab es nur wenig. Auch Diebstahl, Raub oder Mord kannten die Comanchen nur äußerst selten. So halfen sich die einzelnen Clans, Horden oder auch der Stamm untereinander. Das gesamte Gut war Gemeingut und die Jagdbeute wurde sowieso unter den Stammesmitgliedern verteilt. Ausnahme bildeten geraubte Pferde und Maultiere wie auch Gefangene. Sie gehörtem dem Krieger, der sie gemacht hatte. Die Gefangenen wurden in den ersten drei Tagen den Frauen zur Marterung übergeben. Die Comachen verehrten keine Gottheit, huldigten aber den Großen Geist. Jedoch diente jeder Comanche seinem Hausgott, der Puha oder Macht genannt wurde. Der Puha konnte in jedem lebendigen wie auch toten Gegenstand verkörpert sein. Der Große Geist war sichtbar im Zeichen der Sonne. Wenn ein Comanche rauchte, ging der erste Zug der Sonne entgegen, um ihr eine Art Tribut zu zollen. Der zweite Zug galt der Mutter Erde, als die Spenderin allen Lebens. Und erst dann kam Puha. Auch den Büffeln wurden geheimnisvolle Kräfte zuerkannt. Cojote und der Präriewolf galten als Bruder, die einem Krieger vor Gefahren warnten. Ferner wurde von den Comanchen der Donnervogel verehrt. Wenn ein Mann eine Frau haben wollte, so mußte er seine künftige Braut ihrer Familie abkaufen, jedoch die Zustimmung von ihr selbst war noch erforderlich. Begang eine Frau einen Ehebruch, so wurde ihr die Nase aufgeschlitzt. Ein Mann durfte so viele Frauen haben, wie er ernähren konnte. Bei den Comanchen gab es eine Arbeitsteilung. Die Frauen verrichteten die Hausarbeit, der Mann hingegen stellte seine Waffen her, reparierte sie, ging auf die Jagd oder schloß sich Kriegszügen an. Zu Pferd waren die Comanchen hervorragende Reiter, jedoch zu Fuß hatten sie durch ihre Größe einige Nachteile. Verfehlte eine Lanze ihr Ziel, so zog ein Krieger sie einfach an dem befestigten Roßhaarseil zu sich zurück. Ein Krieger konnte mit Pfeil und Bogen 20 Pfeile auf 60 Schritt in der Minute versenden, die zielsicher trafen. Auch das Wurfseil warfen sie geschickt. Wenn ein Comanchen-Krieger vom Pferd aus kämpfte, ließ er sich einfach zu einer Seite herunterhängen und bot dem Gegner kein Ziel. Er hielt sich dabei an dünnen, starken Roßhaarstricken fest, die um den Hals des Tieres hingen und konnte aus der Entdeckung heraus weiterhin den Gegner beschießen. Für die Comanchen waren alle Stämme Feinde, die keine stolzen Nomaden waren. Ihre ärgsten Feinde waren die menschenfressenden Tonkawa, die sie auf jeder erdenklichen Weise verfolgten. Auch ihre Freunde die Kiowa waren bis 1790 ihre Feinde, erst dann schlossen beide Stämme einen dauerhaften Frieden. Sie lebten von da an im gleichen Jagdrevier. Mit den Apachen lebten sie nur zeitweilig in Feindschaft - Eine regelrechte Erbfeindschaft gab es zwischen beiden Volksstämmen jedoch nicht. Auch mit Europäern - und zwar den Deutschen aus Friedrichsburg - schlossen die Oberhäuptlinge der Comanchen am 09. Mai 1847 einen Friedensvertrag, der nie gebrochen wurde. Der Vertrag beinhaltete auch, dass die Comanchen die


Deutschen beschützen, Personen beider Nationen an jeden Ort hindurften, dass die Comanchen mit den Bewohnern aus Friedrichsburg und den anderen Städten Handel treiben durften und ferner schlossen sie auch noch einen gegenseitigen Beistandspakt. Ihre erste große Niederlage erlitten die Comanchen in den sechziger und siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts als Colonel Kit Carson bei Adobe Walls im Texas Panhandle sie vernichtend schlug. Durch diese Niederlage mußten die Comanchen am 18. Oktober 1865 einen Friedensvertrag mit den Vereinigten Staaten schließen. Drei Jahre später war Oberhäuptling Ten Bear gezwungen einen zweiten Vertrag zu unterzeichnen, der das Stammesgebiet wiederum verkleinerte. Nur drei Stämme der Comanchen hatten die Verträge akzeptiert, die anderen Comanchen-Stämme zogen als Nomaden weiterhin durch die Plains und unternahmen Überfälle. Der Höhepunkt der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Comanchen und Weißen gab es im Mai des Jahres 1871 im sogenannten Salt-Creek-Massaker. Im Anschluß sollten alle Indianer befriedigt werden. Die Kwahadi unter ihrem Führer Quanah Parker wurden von Colonel Mackenzie verfolgt. Sie konnten aber über den Blanco Canyon in die Llano Estacado entkommen und ihre Verfolger abhängen. Colonel Mackenzie überfiel am 29. September 1872 das Zeltdorf der Kwahadi unter Bull Bear. Sie wurden gezwungen in die Reservation zu gehen. Nach einem Sonnentanz griffen die verbündeten Kiowa, Comanchen und Cheyenne am 27. Juni 1874 ein Büffeljägerlager in Adobe Walls an. Trotz einer Übermacht konnten sie das Lager nicht einnehmen und eine anschließende Belagerung wurde abgebrochen. Von vier Seiten rückten nun Truppen gegen die verbündeten Stämme vor: Colonel Miles kam von Fort Dodge und marschierte nach Süden, Colonel Mackenzie von Fort Concho und zog nach Norden, von Fort Bascon kam Major Price, der sich nach Osten wandte und vom Fort Sill näherte sich Colonel Davidson sowie von Fort Richardson Colonel Buell, die beide nach Westen zogen. Colonel Mackenzie gelang es am 26. September 1874 einen großteil der Comanchen im Palo Duro Canyon zu stellen und ließ einige von ihnen gefangennehmen. Quanah Parker ergab sich aber erst am 08. Juni 1875. Black Horse - Häuptling der Kwahadi - brach mit 170 Gefolgsleuten Ende Dezember 1876 aus der Reservation aus und wanderte in die ehemaligen Jagdgründe den Llano Estacado. Hier wurden sie bereits im Februar 1877 nahe dem Lake Quemado von Captain Lee und seinem 10. Kavallerie-Regiment besiegt. Die letzten 1.500 Comanchen von einst 12.000 Stammesmitgliedern wurden im Indianer-Territorium in einer Reservation untergebracht. Im Jahre 1910 lebten noch 1.476 Comanchen. Bei einer Zählung im Jahre 1985 war die Bevölkerungszahl auf 3.642 Personen wieder angewachsen.


DIE DAKOTA

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ie Dakota ähnelten kulturell den Algonkin und gehörten somit eher zum Kulturareal des nordöstlichen Waldlandes als zur Plainskultur. Ihre Jagdbeute waren Hirsche, Rehe und Niederwild, aber auch Bisons, sie betrieben Fischfang mit Speeren und großen Netzen und bauten neben Bohnen, Kürbissen und Tabak auch Mais an. Sie gewannen Zucker aus Ahornsirup und ernteten Wildreis. Ahornsirup wurde durch Anzapfen der Bäume gewonnen und den aufgefangenen Saft kochte man so lange, bis eine dicke, stark süße, braune Flüssigkeit entstand, die zum Süßen der Nahrung diente. Wildreis wuchs vorwiegend im Gebiet der Großen Seen. Die im Spätsommer reifen, länglichen dunklen Körner wurden von Booten aus geerntet. Die Halme wurden ins Boot gebeugt und die Reiskörner mit Stöcken aus den Ähren gedroschen. Dabei fielen auch genügend Körner ins Wasser, um somit die Saat für das nächste Jahr zu bilden. Im Frühjahr und Sommer lebten sie in festen Siedlungen, die aus rechteckigen Rindenhäusern mit Giebeldächern bestanden. Auf der Jagd wurde das Tipi bevorzugt, aber auch das Wigwam. Die ersten Weißen, die mit den Dakota in Berührung kamen, waren die französischen Entdecker Pierre-Esprit Radisson und Médard des Groseilliers im Jahr 1659. Der Pelzhandel mit den Franzosen führte zu einer Konföderation mit den Anishinabe, die von 1679 bis 1736 bestand. Danach wurden die Dakota vom Oberen See von ihren ehemaligen Bundesgenossen aus den nördlichen Gebieten nach Süden und Westen vertrieben und fanden bis 1780 eine neue Heimat im heutigen südlichen Minnesota. Bis zum Ende des Britisch-Amerikanischen Krieges von 1812 waren sie mit den Briten verbündet. 1851 verkauften die Dakota einen Großteil ihres Stammesgebietes in Minnesota an die Vereinigten Staaten. Sie erhielten dafür im Gegenzug eine Reservation am Minnesota River, eine Einmalzahlung von 1.665.000 Dollar und das Versprechen auf jährliche Warenlieferungen zur Versorgung. In der Folge gab es Versuche, die Dakota zu sesshaften Farmern zu machen. Einer der Vorreiter war dabei der einflussreiche Häuptling Little Crow oder Taoyateduta, zugleich auch einer der Unterzeichner des Vertrags von 1851.


Die Haida

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ie Haida sind ein Volksstamm der Na-Dene-Sprachfamilie. Sie lebten auf den Queen Charlotte Islands - größte Inselgruppe vor der Küste von British Kolumbia - und in einem direkt im Norden daran anschließenden Gebiet in Alaska. Das Wort «Haida» wird auch für Völker angewendet, die sich der Haida-Sprache bedienen. Verwandte Sprachen sind die der Tlingit und Tsimshia. Ihre Wohnstätten waren kulturell hochentwickelte Dörfer, in denen fünfzehn Meter hohe Totempfähle errichtet waren. Hauptnahrungsquelle war der Fisch, sie jagten aber auch in stattlichen Kanus Seehunde. Wie andere Völker der Nordwestküste lebten sie vor allem vom Lachsfang (Roter Lachs: Sockeye = Oncorrhynchus nerka) und wichtige pazifische Lachsarten. Aber auch Heilbutt, Schalentiere, Seesäuger, wie Tümmler, Robben, Seelöwen und Seeotter waren ebenfalls Teil ihrer Nahrungskette. Die Frauen sammelten die Beeren und Wurzeln, bereiteten die Mahlzeiten, konservierten, gerbten die Felle, stellten die Kleidung und Körbe her. Die Männer fischten, jagten, bauten die Häuser und großen Kanus, fertigten die Schnitzereien an und vollbrachten die imposanten Malereien. Korbhüte wurden von den Frauen hergestellt und von den Männern bemalt. Die Muster glichen denen anderer Stämme der Nordwestküste. Besonders bekannt war und ist auch heute noch die Holzschnitzkunst der Haida. Hervorzuheben sind besonders ihre berühmten Totempfähle, aber auch ihr Geschick im Boots- und Holzhausbau.Die großen Blankenhäuser sind im Besitz der Lineages. Eine politische allumfassende Organisation gab es nicht, regionale Dorfzusammenschlüsse waren die Regel. In Clane war die Dorfgemeinschaft geteilt. Säugetiere und Vögel bestimmten die wichtigsten Wappen, aber auch Naturerscheinungen konnten einen Clan den Namen geben, wie Abendhimmel, Regenbogen usw. Im Clan waren die Angehörigen in eine hierarchische Klassengesellschaft mit hohen Rangunterschieden und Zeremonien, die mit dem Status des einzelnen zusammenhingen, gegliedert. Die Zeremonien waren Feste, Tanzaufführungen und Potlatche, bei denen man durch Verteilung und entsprechende Darbietung von Objekten des Wohlstandes Ansehen - Prestige - und einen bestimmten Status erreichen bzw. erhalten wollte. In schönen Schalen und Gefäßen wurde den Gästen besondere Speisen gereicht. Zu den Tänzen wurden kunstvolle Masken und Kopfschmuck getragen und Musikinstrumente, wie Trommeln, Rasseln und Flöten begleiteten die Darbietung. Die Haida legten Wert auf ästhetische Vollkommenheit. An der Nordwestküste kam das gesellschaftliche Gleichgewicht nach Ankunft der Weißen aus den Fugen. Massenhaft fabrizierter Ramsch kam unter die Indianer, so dass ihre heiligen Zeremonien an Bedeutung verloren. Erster Kontakt mit Europäern fand im Jahre 1774 statt, als spanische Entdecker die Queen Charlotte Inseln erforschten. Ihnen folgten die Amerikaner und Engländer unter ihnen der berühmte englische Seefahrer James Cook. 6.000 Stammesmitglieder zählte der Stamm 1834, nur fünfzig Jahre später war die Zahl durch die Pocken auf 800 gesunken. 588 Personen wurden 1935 registriert bevor ihre Zahl wieder anstieg. 1.500 Haida wurden 1968 in Masset und registriert.


Die Hopi

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as Wort Hopi ist abgeleitet vom Hopi-Wort Hopitu shinumu und bedeutet friedliche Leute. Sie sind ein Volksstamm vom Zweig der Shoshone der uto-aztekischen Sprachfamilie. Die Hopi werden der Gruppe der Pueblo-Indianer zugerechnet. Nach ihrer kulturellen Entwicklung waren sie ein hochkultiviertes Volk. Berühmt ist der legendäre Schlangentanz (siehe Teil 1 dieser Webseite - Sitten/Leben: Zeremonien). Schon vor Entdeckung Amerikas durch Kolumbus lebten die Hopi in den Hochebenen des nordöstlichen Arizona und entwickelten die Ackerbaukultur. Sie legten mitten in der Wüste ein Bewässerungssystem an. Die Felder gehörten der Sippe, jede Familie bestellte die ihren zugeteilte Fläche. Die Abstammung bezog sich immer auf die Mutter. Sie war auch das Oberhaupt der Familie und der Familienbesitz war auch ihr. Alle Rituale, Masken und das Häuptlings- und Priesteramt wurden von der Sippe beaufsichtigt. Ob Häuptling oder Priester, die Begriffe hatten bei den Hopi fast die gleiche Bedeutung. Der Häuptling (Mongwi) einer Siedlung führte hauptsächlich die religiösen Zeremonien durch. Der Häuptling stammte aus der Hauptlinie einer Sippe, dessen Oberhaupt die Sippenmutter, wird auch als Matrone bezeichnet, war. Sie besaß zwar keine formellen Rechte, aber jeder hörte auf ihren Rat. Ein Nachkomme von ihr wurde neuer Häuptling. Eine Frau wurde von einem Mann aus einer anderen Sippe geheiratet. Zu ihrer Sippe gehörten dann auch seine Kinder. Der Mann lebte als Gast im Haus seiner Schwiegermutter und besaß nur eingeschränkte Erziehungsrechte der Söhne. Er lehrte sie in allen notwendigen Tätigkeiten, die ein Mann später wissen mußte, spielte mit ihnen, durfte sie aber nicht bestrafen, da er nicht der Sippe angehörte. Die Bestrafung übernahm der Bruder oder Oheim der Mutter als Sippenhaupt. Für das Christentum hatten die Hopi wenig Interesse. Sie übernahmen aber alle angenehmen und nützlichen Dinge, lehnten die anderen aber ab. 150 lange Jahre konnten sie sich aber allen Versuchen der Spanier erwehren, dass man aus ihnen billige Arbeitskräfte machte. Gegen die kriegerischen Übergriffe der Spanier mit ihren verbündeten Zuni konnten sich die Hopi zur Wehr setzen und verteidigen somit ihre Freiheit. Die Hopi wurden erst entdeckt als im Auftrag der US-Regierung im Keams Canyon eine Indianer-Agentur mit einer Missionskirche errichtet wurde. Die nun hier ankommenden Missionare der Mormonen, Methodisten, Presbyterianer und Baptisten hatten viel mehr Interesse an den Hopi als diese für deren Glauben. Jedoch nahmen die Hopi diese Prediger freundlich auf. Die Hopi lebten in 25 Dörfern, in denen die typischen Pueblos errichtet waren. Heute leben noch etwa 4.200 Hopi (Zahlen siehe auch 1. Teil - Nordamerika/Geschichte/ 1900 bis heute).


Die Illinois

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ie sind ein Stamm der großen Algonkin-Sprachfamilie, der sich aus sechs Stämmen (siehe unten) zusammensetzt. Seine Heimat waren die Wälder und die Prärie im Norden des heutigen US-Staates Illinois und die Prärien von Iowa und Missouri. Im 17. Jahrhundert erreichten sie ihre größte Anzahl an Stammesmitgliedern mit 9.000 Personen. Die Dörfer der Illinois wurden regelmäßig von Sioux-Stämmen und den Fox überfallen, die mit reicher Beute zu ihren Zelten zurückkehrten, wie Gefangene und andere für das Leben brauchbare Dinge. Diese ständigen Übergriffe der benachbarten Stämme veranlaßte die Illinois ihr Stammesgebiet zu verlassen und sich im das Tal des Illinois Rivers anzusiedeln. Aber auch hier fanden sie keine Ruhe, denn nun wurden ihre Dörfer von den Mohawk und Seneca - Stämme der Irokesen-Liga - überfallen. Auf diese Weise sank die Zahl der Illinois. Gravierend kam noch hinzu, dass französische Trapper mit ihrem Brandy für den Verfall der Kultur des einst mächtigen Volksstammes beitrugen. Um das Jahr 1750 war die Zahl der Illinois auf 2.000 Personen zusammengeschmolzen. Diese schlossen sich ihren Stammesangehörigen im Ohio Valley an. Die Stämme standen nun vor der Wahl die Kultur der jagenden und fischenden Stämme des Waldlandes oder die Kultur der ackerbautreibenden Stämme des Südosten zu übernehmen. Sie lebten in großen Dörfern, in denen Wigwams errichtet waren, die aber aus Mangel an Birkenrinde mit Matten bedeckt waren. Die im Westen angesiedelten Stämme kamen in den Einfluß der Franzosen, die sie mit Feuerwaffen ausrüsteten und sie gegen die immer weiter vorrückenden Engländer und deren verbündeten Irokesen zu Kriegszügen aufhetzten. Die Algonkin-Stämme wurden durch militärischen Drill ausgezeichnete Kämpfer, treffsichere Scharfschützen und Meister der Strategie. Nach seiner Niederlage gegen die Engländer im Jahre 1769 kam Pontiac als angesehener Gast zu den Illinois, um mit ihnen ein Fest zu feiern. Auf dem Nachhauseweg wurde er von einem Krieger der Kaskaskia rücklings mit einem Tomahawk kaltblütig erschlagen. Das Motiv für diesen Mord war ein als Belohnung ausgesetztes Faß Whiskey. Für diese ruhmlose und feige Tat sollten die Illinois einen hohen Preis bezahlen, sprach man doch von Pontiac trotz seiner Niederlage voller Ehrfurcht und sein Name und seine Taten waren auch in weit entfernte Gegenden in aller Munde. Sie wurden nach diesem Ereignis von vier Stämmen, die von den Großen Seen kamen, überfallen und nahezu ausgerottet. Einige kleine Gruppen suchten bei den Franzosen Schutz, der ihnen auch gewährt wurde. 200 weitere Personen, vorwiegend Peoria, flohen in die Prärie und übernahmen das Präriejägertum.


Die Inuit - Eskimo

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skimo bedeutet im Indianischen «Rohfleischesser». Selbst nennen sie sich «Inuit». Sie sind ein mongolides Polarvolk, welches von der asiatischen Tschuktschenhalbinsel über Alaska entlang der kanadischen Eismeerküste bis nach Grönland lebt. Das Inuit-Gebiet ist eine der rauhesten und menschenunfreundlichsten Region unserer Erde. In der Arktis gleicht eine Inuit-Sprache der anderen, obwohl man von der Größe dieses Gebietes von wesentlich mehr Sprachen ausgehen müßte. Die Behausungen der Inuit sind je nach Region, dem dort anzutreffenden Klima und den vorhandenen Baumaterialien angepaßt. In der Tabelle werden die Haustypen der verschiedenen Regionen dargestellt. Es gab die Haustypen Alaska-Erdhütte, Iglu sowie ein Kuppelförmiges Erdstein-Walknochenhaus. So wie die Behausungen der Inuit unterschiedlich waren, so war auch ihre Nahrung von der Region, dem dort vorhandenen Klima und die auf diese rauhen Umweltbedingungen angepaßten Tierarten abhängig. Die wichtigsten Nahrungsmittellieferanten waren: „Fisch, Seehunde, Robben, Karibu und Elch“. Robben waren die wichtigste Tierart, da kleinere Arten das ganze Jahr vorkommen. Eine der größeren Exemplare war die Bartrobbe. Weitere Nahrungsquellen boten Walrosse, Weißwale (Beluga) und Narwale. Alle drei zuletztgenannten Tierarten brachten großen Fleischertrag, waren aber selten anzutreffen, und man fing sie mit Kajaks ausschließlich im offenen Wasser. Die Jäger der kleinen Robbenarten waren auf einen täglichen Fang angewiesen, hingegen die Walfänger nach einer erfolgreichen Jagd einen riesigen Fleischvorrat auf einmal erbeuteten. Ein Wal brachte den Menschen Nahrung, den Hunden Futter, den Tran für Lampen und stellte ein gewaltigen Vorrat an Rohmaterial dar. Wenn einmal ein Wal strandete, zog die ganze Familie zu diesem Platz, errichtete ihre Behausungen und konnte sich über mehrere Monate von dem Fleisch ernähren. Die Westküste von Grönland ist reich an Fisch, Seesäugern, Rentieren, Vögeln und Krabben. Im gesamten Jahr werden mehr als 70 Tierarten gejagt. Diese stehen aber immer nur eine bestimmte Zeitspanne zur Verfügung. Ist eine Tierart mal nicht so häufig anzutreffen wie in anderen Jahren, können diese Engpässe durch andere Tiere kompensiert werden. Zu den Fischarten, welche geangelt wurden, gehören Dorsch, Kabeljau, Kapelan, grönländischer Heilbutt, Forelle und Seewolf. Die verwendeten Vögel sind Eiderente, Tord-Alk, arktische Seeschwalbe, schwarzes Wasserhuhn und Stummelmöwe. Seesäuger, die mit Booten gefangen wurden, waren Bartrobbe, Ringelrobbe, Sattelrobbe und Weißwal. Im Jahre 1970 wurde die Inuit-Bevölkerung in Alaska und Kanada auf 43.846 Angehörige geschätzt. Im Gebiet der Nome-Behörde wurden 1985 9.550, bei Fairbanks 11.283, von der Bethel-Behörde 12.883, von der Cook Inlet Eingeborenengesellschaft 11.177, von der Copper River-Gesellschaft 993 und von der North Pazifik Rim-Gesellschaft 1.443 Inuit registriert.


Die Irokesen

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n den Staaten Ohio, Pennsylvania, New York und einwenig jenseits des St.-Lorenz-Stromes in Kanada lebte einer der bekanntesten Stämme des östlichen Waldlandes - die Irokesen. Das Wort Irokesen ist französischen Ursprungs (Iroquois, Irocois, Yroquois, Yrocois etc.) und wird für eine Gruppe von Stämmen angewandt, die sich in der berühmten Irokesen-Liga vereinten. Zu ihnen gehören die Onondagas, die Oneidas, die Senecas, die Cayugas und die Mohawks. Das Kerngebiet in dem sie wohnten, lag im Osten der Großen Seen und am St.-Lorenz-Strom. Aus diesem Gebiet hatten sie die Stämme vertrieben. Diese lebten nun in einem Gebiet, welches das der Irokesen umgab. Die Algonkins nannten die Irokesen Nadowa (auch: Nottoway) was soviel wie Echte Natter bedeutet. Sich selbst nannten die Irokesen Ongwanonsiouni, was mit Wir vom langen Haus übersetzt werden muß. Weitere Stämme, die der irokesischen Sprachfamilie zuzurechnen sind, sind die Huronen, die Conestoga, die Tuscarora und die Cherokee. An dieser Stelle sollen aber nur die Stämme der Liga und die Tuscarora (später zur Liga gehörend) besprochen werden. Die Irokesen hatten sich ein fruchtbares Gebiet angeeignet und betrieben Ackerbau. Sie bauten neben 15 Arten Mais auch Squash und nicht weniger als 60 Arten Bohnen an. Ferner gehörten Sonnenblumen, Kräuter, wilde Pflanzen und der Zucker des Ahornbaums zu ihrer Nahrung. Die Männer rodeten das Land und die Frauen leisteten die weitere Feldarbeit. Die Ernte wurde von den Frauen eingebracht. Währenddessen gingen die Männer der Jagd und in aufgestauten Bächen oder mit Netzen dem Fischfang nach. In einem Irokesendorf waren die Häuser eng zusammengebaut und von Holzspitzen bewehrten Palisaden umgeben die gegen Angreifer ohne Feuerwaffen einen perfekten Schutz boten. Die Häuser wie auch die Ernte gehörten den Frauen. Es gab zwei Haustypen: Das eine Haus besaß ein rundes Dach und das andere, ein sogenanntes Langhaus, hatte ein Giebeldach (Spitzdach). Ein Langhaus war bis zu dreißig Meter lang und in ihm wohnten vier bis fünf Familien einer Sippe. Beide Haustypen bestanden aus einem Pfahlgerüst und wurden mit Ulmenrinde gedeckt. Entlang der Mitte eines solchen Hauses war für jede Familien eine Feuerstätte errichtet über der sich ein Rauchabzug befand. Rechts und links eines jeden Feuers gab es einen Raum. In dem Gebiet, wo die Irokesen wohnten, gab es wenig Birkenrinde, so mußten sie auch ihre Kanus aus Ulmenrinde fertigen. Die Boote waren plump und schwer. Die künstlerischen Erzeugnisse waren nicht so fein wie die des Südostens, aber sie waren vielfältiger. Sie webten Schärpen, die durch eine besondere Webart hergestellt worden. Wampungürtel wurden von den Botschaftern der Irokesen als Erkennungszeichen getragen. Gürtel oder Streifen in verschiedener Länge und verschiedener Anordnung dienten als einfache Dokumente. Gefertigte Ketten dienten dazu, sich an Sagen, geschichtliche Ereignisse und an Verträge zu erinnern. Die Kleidung der Männer im Winter bestand aus Schäften für die Beine, einem Tuch um die Lende, kurzen Röcken und Hemden aus Wildleder und aus Mokassins. Im Sommer wurden


das Hemd und die Schäfte weggelassen. Die Frauen trugen im Sommer Röcke und Schäfte und im Winter lange Kleider. Für die Irokesen war sehr wichtig die Religion, die sie in jeden Augenblick ihres Lebens miteinbezogen. Es gab göttliche Wesen wie der Herr des Lebens, von dem alle guten Dinge kamen und sein Bruder, Urheber alles Bösen, die sich im ständigem Kampf befanden. Der Mensch bestand bei den Irokesen aus drei wesentlichen Teilen, und zwar aus dem Körper, aus der Seele und aus seinem geistigen Wesen (spirit) oder seinem Geist (ghost). Starb ein Irokese, so trat die Seele das sogenannte Nachleben an, was bei Christen der Himmel ist. Sein Geist streifte in der Nähe des Begräbnisplatzes umher und nahm Anteil am Dasein der Lebenden. Kriegszüge konnten von einem großen Heer von Toten begleitet werden. Festmähler wurden bei den Irokesen im Winter abgehalten. Hierbei war die Welt der Toten und Lebenden vereint und die Geister nahmen am Essen, Tanzen und Spielen teil. Orenda - ein geistiges Wesen - war die geistige Macht, die alle Dinge durchdrang und war geistige und göttliche Kraft, die alle Elemente der Welt miteinander verband. Durch Träume konnte ein Mann Orenda erleben und die Kraft verliehen bekommen, die er für das tägliche Leben und für heilige Dinge benötigte. Wenn ein Mann durch kraftvolle Träume viel Orenda aufnahm, so konnte er Schamane werden und erhielt die Vollmacht Kranke zu heilen. Genauso wichtig wie der Schamane waren die Männer, die sich mit Falschgesichtern beschäftigten. Falschgesichter waren schreckliche Gesichter ohne Körper, denen man im Wald begegnen konnte und mit schlimmen Krankheiten angesteckt werden konnte. Die Mitglieder der Falschgesichter-Gesellschaft brachen in einer Zeremonie, bei der sie hölzerne Masken trugen, den Bann. Schamanen hatten magische Kräfte und Priester mußten eine Ausbildung absolvieren. Bei den Irokesen gab es sowohl Priester als auch Schamanen. Das große Neujahrsfest im Monat Diagona, dem zweiten Vollmond, im späten Januar oder Anfang Februar, war das bedeutendste Fest der Irokesen überhaupt. Der Winter starb und es näherte sich die Zeit, in der der Herr des Lebens den Frühling wieder brachte, zweitens verhinderte er die Ankunft seines bösen Bruders. Um dem Herrn des Lebens zu helfen, dauerte das Ritual Tage. Am Anfang wurden alle alten Feuer gelöscht und neue entfacht. Es gab viele Reinigungsbräuche, zahlreiche Gebete und es wurde dargestellt, wie zu Beginn der Welt der Herr des Lebens und die Kräfte des Bösen um den Frühling, das grüne Wachstum und alle guten Dinge kämpften. Der Herr des Guten siegte. Während der Festtage erzählte man über seine Träume, wer es wollte auch öffentlich. Es gab ausgebildete Männer, die die Träume analysierten und gaben Auskunft wie man sich entsprechend des Geträumten verhalten sollte. Im Verlauf der Zeremonien gaben die Matronen, die Clanmütter - die Häupter der Langhäuser, Männern neue Namen, wenn er ihn verdiente. Es gab Ritualtänze, Tänze zum Vergnügen und Spiele. Interessant an diesem Fest war, dass es mitten im Winter stattfand. Bei den Irokesen nahmen die Frauen eine höhere Stellung ein, als ihnen bis in jüngste Zeit von den Weißen eingeräumt wird. Die Felder, die Ernte, die Häuser gehörten ihnen. Die Abstammung bezog sich immer auf die Mutter. Ein Kind gehörte zur Sippe seiner Mutter. Das Tiersymbol war über der Tür eines jeden Hauses angebracht. Wenn Männer heirateten, zogen sie zu ihren Frauen. Ging die Ehe auseinander, kehrte der Mann zu seiner Mutter zurück, die Kinder hingegen blieben bei der Mutter. Die Irokesen waren in Hälften aufgeteilt. Die eine Hälfte bestand aus der Schildkrötensippe


und allen anderen Sippen, die den Namen von vierfüßigen Tieren, ausgenommen den Hirschen, trugen. Die andere Hälfte setzte sich aus der Hirschsippe und den Sippen, die nach Vögeln benannt waren, zusammen. Mitglieder der einen Hälfte heirateten immer Mitglieder der anderen. Die Sippen halfen sich auch untereinander, wie bei der Bestattung von Toten. Eine jede Sippe war in Stammbäume eingeteilt, deren Mitglieder von einem gemeinsamen Ahnen abstammten. Eine ältere Frau war das Haupt des Stammbaumes - die Matrone. Der Stammbaum bestand aus einer Großfamilie - dem sogenannten Ohwachira. Aus Stammbäumen, wo der Häuptling - wird auch als Sachem bezeichnet - herkam, war die Sippe adlig und sind es heute noch. Starb ein Sachem, wurde von der Matrone des Stammbaums ein Nachfolger gewählt. Dazu besprach die Matrone die Wahl mit anderen Frauen des Langhauses und dann mit der Frauen der Sippe. So war die Wahl ausführlich besprochen und die Frauen gaben meist der Matrone ihre Zustimmung. War die Trauerzeit für einen verstorbenen Sachem zu Ende, wurde ein großes Fest abgehalten und der neue Sachem eingesetzt. Als Zeichen seiner Würde erhielt der neue Sachem ein Hirschgeweih und zog sich aus dem Kriegsgeschäft zurück. Er bekam auch den Namen und das Orenda seines Vorgängers und wurde dessen Fortsetzung. Ein Sachem wurde dreimal verwarnt, wenn er versagte. Wenn dies nicht half, nahm die Matrone dem Sachem das Geweih ab und bat den Rat um die Absetzung, was selten verweigert wurde. Die Matrone machte dem Rat Vorschläge, regierte aber nicht, hatte aber großen Einfluß auf die Männer die regierten und ihre Befehle gaben. Bei den Irokesen war die Behandlung von Gefangenen sehr grausam und zeigt deutlich südlichen Einfluß. Bevorzugt wurden junge Männer, aber auch Frauen und Kinder wurden gefangen. Man war bemüht, so viele Gefangene zu machen, wie nur irgends möglich. Die Gefangenen wurden gewaltsam ins Dorf getrieben und wer nicht mehr mithalten konnte, wurde getötet. Im Dorf bildeten die Bewohner zwei Reihen - ähnlich wie der Spießrutenlauf der Preußen - und ließ die Gefangenen hindurchlaufen. Man schlug mit aller Kraft mit Schnüppeln auf sie ein. Im Anschluß wurden die Gefangenen an die Frauen verteilt, die zuvor einen Angehörigen zu beklagen hatten. Die gefangenen Kinder wurden in den Stamm aufgenommen, hingegen wurden Frauen und alte Männer wie Sklaven gehalten. Ob ein Mann sterben sollte oder am Leben blieb, entschieden die Matronen. Ein Mann der am Leben blieb, wurde in den Stamm integriert und der ehemalige Stamm nahm es ihm nicht einmal übel. Wer sterben sollte, wurde auf grausamste Weise zu Tode gefoltert, nicht um sich an dieser Folterung zu erfreuen, sondern aus religiösen Gründen. Der zum Tode Verurteilte, wurde Areskoi geopfert, dem Geist des Krieges und der Jagd - vielleicht auch der Sonne. Gab es keinen männlichen Gefangenen, so opferte man eine Frau. Man brachte dem Opfer Achtung entgegen. Der Brauch einen Menschen zu opfern und ihn vor der Opferung zu bewirten, stammt aus dem Süden - genauer aus Mexiko. Es ist jedoch nicht nachvollziehbar, warum die Irokesen eine solche Folterung vornahmen. Die Folterung der Irokesen war ihr Brauch und geopfert wurden Algonkin und Weiße. Von den Algonkin wurde diese Folterung aus Rache ausgeübt, wenn sie einen Irokesen fangen konnten. Die Irokesen waren sehr gefürchtet und man haßte sie. Ihr schlechter Ruf wurde später auf alle Indianer übertragen.


Kiowa - ein Präriestamm

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ie Wort Kiowa kommt von G-i-gwu oder K-i-gwu und bedeutet das fürstliche Volk. Ihr vorzeitlicher Name war Tepd. In der Sprache der Dakota hießen sie Wetaphtoes, was Volk der Inselhügel bedeutet, aber auch Quichuan oder Damati. Bei den Cheyenne wurden sie Witapatu und im englischen Manrhoats genannt. Die Kiowa sind ein Stamm des Kiowa-Zweiges der uto-aztekischen Sprachfamilie. Von Statur aus waren sie große, schlanke Menschen. Die langen Haare ließen die Kiowa über ihren Rücken fallen. Wie die meisten Prärie-Indianer wohnten sie in Tipis und trugen eine reichverzierte Lederkleidung. Als die Kiowa den ersten Weißen begegneten, besaßen sie bereits Pferde. Die Kiowa lebten im 17. Jahrhundert in den Black Hills, wanderten aber um 1830 in die Llano Estacado ab. Ihre neuen Jagdgründe lagen im Südwesten von Oklahoma und erstreckten sich hinein in den Nordosten New Mexicos bis in den Norden von Texas. Sie gingen der Büffeljagd nach und betrieben Handel mit Pferden. Den Mangel an Munition für ihre Gewehre konnten sie durch die schnellen Pferde und mit ihrer Bewaffnung mit Pfeil und Bogen problemlos ausgleichen, und sich somit ausreichende Nahrung und Bekleidung besorgen. Im Jahre 1790 wurde zwischen den Kiowa und ihren verwandten Comanchen ein dauerhafter Frieden geschlossen. 1840 traten die Cheyenne und Arapaho diesen Friedensvertrag bei. Mit diesem Bündnis konnten die Stämme die westwärts vorrückenden Präriestämme auf Distanz halten, die ihnen ihr großes Gebiet streitig machen wollten. Bei der ersten Begegnung mit 200 US-Soldaten unter der Führung von Colonel Dodge schloß der Oberhäuptling der Kiowa Dohasan mit den Vereinigten Staaten ewigen Frieden. 1837 wurde in Fort Gibson der Friedensvertrag unterzeichnet. Er erlaubte den Weißen die Jagdgründe der Kiowa zu durchqueren. Die Kiowa waren ihrerseits ferner dazu bereit auch mit Mexiko und Texas in Frieden zu leben. Die Amerikaner sahen in den Kiowas ehrliche und freundliche Menschen, bei den Texanern waren sie als heuchlerisch und hinterlistig verschrien. In Texas wurde eine konsequente Ausrottungspolitik gegen alle Indianer betrieben, was zur Folge hatte, dass zwischen den Indianern und den Texanern außer Haß keine friedliche Koexistenz möglich war. Als zahllose Siedlertrecks von 1836 bis 1850 auf dem Santa-F-Trail zu den Goldfeldern nach Kalifornien wanderten, in Kalifornien zudem noch im Jahre 1859 Silber gefunden wurde und ab 1864 die Ausrottung der Büffel auf den südlichen Prärien begang, war mit der Zerstörung der Lebensgrundlage ihre Existenz stark gefährdet. Dies veranlaßte die Prärie-Indianer Überfälle auf die weißen Eindringlinge zu unternehmen. Die Kiowa wurden nach einer Strafexpedition in den Norden von Oklahoma umgesiedelt. Als der Bürgerkrieg ausbrach, kehrten die Kiowa in ihre Jagdgründe zurück. Nach kurzer Zeit waren sie wie auch die Kiowa-Apachen, Cheyenne, Arapaho und Comanchen wieder die Herren der Prärie. Nach dem Tod von Dohasan im Jahre 1866 zerfiel der Stamm der Kiowa in mehrere größere und kleinere Gruppen, die vom neuen Oberhäuptling Satank und von weiteren einflußreichen Häuptlingen, wie Satanta, Big Tree, Kicking Bird und Lone Wolf angeführt worden. Diese kriegerischen Banden überfielen fortan kleinere Siedlungen, Ranches und Farmen und


entdeckten auf diese Weise den lukrativen Handel mit Geiseln, geraubten Vieh- und Pferdeherden. Die Kiowa und Comanchen tauschten diese Kostbarkeiten bei den Comancheros gegen Waffen und Munition, Kaffee, Tabak, Salz sowie Zucker ein. Diese Art des Handels wurde besonders in den Llano Estacado um das Jahr 1872 gewinnbringend betrieben. Als im Jahre 1867 die US-Armee auf die Kiowa großen Druck ausübten, waren sie bereit nach Unterzeichnung des Medicine-Lodge-Vertrages in ihre Reservation zurückzugehen. Ihr Aufenthalt im Reservat dauerte aber nicht lange, denn bereits ein Jahr später brachen sie erneut aus und begangen wiederum mit Überfällen. Lieutenant Colonel Custer mit seinem 7. US-Kavallerieregiment nahm den Oberhäuptling Satanta und Lone Wolf gefangen und verwahrte sie im Fort Cobb. Erst als der Oberkommandierende General Sheridan drohte, beide hängen zu lassen, waren die Kiowa bereit ins Reservat wieder zu gehen. Woman‘s Heart flüchtete mit seinen Leuten als einziger in die Llano Estacado zu den Kwahadi. Im Sommer 1870 verließen abermals die Kiowa und Comanchen nach Beendigung des Sonnentanzes die Reservation. Zurück blieb nur Kicking Bird mit dem Großteil des Stammes. Sein Wunsch war es mit den Weißen in Frieden zu leben. Big Tree und Satanta unternahmen gemeinsam mit ihren Kriegerscharn Überfälle gegen die verhaßten Texaner. Sie kehrten zu Beginn des Winters in ihre Reservation zurück. Der große und mächtige Kiowa-Schamane Mamanti the Sky Walker führte Mitte Mai des Jahres 1871 die Krieger von Big Tree, Satanta, Satank und anderer Häuptlinge zu einem Feldzug nach Texas. Hier überfielen sie einen Wagentreck und töteten neun Fuhrleute. Satanta als Oberkriegshäuptling übernahm die Verantwortung, um den Schamanen zu decken. Big Tree, Satank und Satanta wurden in Fort Sill in Eisen gelegt und nach Fort Richardson im US-Staat Texas transportiert. Satank, der alte Oberhäuptling der Kiowa, wurde bei der Überführung auf der Flucht erschossen. Ein Gericht in Jacksboro im US-Bundesstaat Texas verurteilte am 08. Juli 1871 Satanta und Big Tree zum Tode. Dieses Urteil wurde vom Gouverneur von Texas in eine lebenslange Haftstrafe umgewandelt. Mit dieser Begnadigung wollte der Gouverneur einen Aufstand der Kiowa verhindern. Da die drei größten Führer der Kiowa im Gefangnis Einsaßen, übernahm der friedfertige Kicking Bird die Führung des Stammes. Lone Wolf hetzte eine große Anzahl der Kiowa dazu auf ihn als ihren Hauptvertreter zu wählen. Im August des selben Jahres wurden Delegationen aller Stämme dieses Gebietes zu Verhandlungen nach Washington geladen. Vor Antritt der Reise forderte Lone Wolf den Sondergesandten Alvord auf, ihm ein Gespräch mit seinen großen Führern Big Tree und Satanta zu genehmigen. Dieser Wunsch wurde ihm gewährt und er erhielt von beiden Instruktionen, was für Forderungen er in Washington zu stellen habe. Walker, der Kommissar für indianische Angelegenheiten, forderte die Stämme auf bis zum 15. Dezember 1872 Frieden zu halten und sich nahe dem Fort Sill niederzulassen. Diesem Ultimatum stimmte Lone Wolf unter der Bedingung zu, dass Satanta und Big Free freigelassen werden. Satanta und Big Tree wurden im September 1873 in die Freiheit entlassen und kehrten zu ihrem Volk zurück. Texanische Banditen raubten im Oktober 1873 den Comanchen und Kiowa etwa 200 Pferde, worauf sich 30 junge Krieger beider Stämme nach Mexiko aufmachten, um Ersatz für ihre Pferde zu holen. Diese Expedition wurde deshalb nach Mexiko unternommen, damit Satanta und Big Tree keine Schwierigkeiten bekommen sollten. US-Soldaten nahmen aber doch die


Verfolgung auf und töteten neun Krieger. Unter ihnen war der Sohn und Neffe von Lone Wolf, der aus Rache sich mit Satanta im Frühjahr 1874 mit einer starken Kriegerschar den Comanchen anschloß und einen Feldzug führte. Auf die Weissagung des jungen Kwahadi-Schamanen mit Namen Isatai hin überfielen am 27. Juni die vereinigten Krieger der Comanchen, Southern Cheyenne, Arapaho und Kiowa den Versorgungsstützpunkt der Büffeljäger Adobe-Walls. Der Angriff konnte aber zurückgeschlagen werden. Nach diesem Mißerfolg kehrte Satanta in die Reservation zurück, hingegen Lone Wolf sich den Kwahadi anschloß. Colonel Mackenzie überfiel am 26.09.1874 mit seiner Kavallerie ein Zeltdorf der Cheyenne, Comanchen und Kiowa im Palo Duro Canyon. Lone Wolf und seine Krieger konnten jedoch den ersten Angriff abwehren. Mehr als 1.000 Pferde ließ daraufhin Mackenzie töten, was die Machtstellung der Prärie-Indianer des Südens beendete. Lone Wolf und 252 Kiowa ergaben sich am 26.09.1875 im Fort Sill General Miles. Nach ihrer Entwaffnung wurden sie in einem Corral gefangengehalten. Ihre Pferdeherde und Maultiere wurden erschossen. Die Häuptlinge erhielten Arrest und bekamen als Nahrung rohes Fleisch. Aus Washington ordnete General Sheridan eine gerichtliche Bestrafung der Anführer an. Satanta wurde auf Ehrenwort entlassen, jedoch wegen Aufsässigkeit nach Huntsville transportiert. Hier nahm er sich drei Jahre danach das Leben, in dem er sich aus einem Fenster des Gefängnishospitals stürzte. Kicking Bird suchte auf Befehl des Militärs Lone Wolf, Mamanti the Sky Walker, White Horse, Woman‘s Heart und 22 weitere Krieger aus, die nach Fort Marion in Florida geschickt wurden. Kicking Bird starb zwei Tage nach dem Abtransport auf mysteriöse Weise. Auch Mamanti, welcher Kicking Bird die Ermordung androhte, kam drei Monate nach dem er im Fort Marion eintraf ums Leben. Er hatte zuvor aber vom Tod Kicking Bird erfahren. Lone Wolf, der von Malaria gezeichnet war, durfte nach Fort Sill zurückkehren, wo auch er im ersten Jahr starb. 1879 wurden die Caddo, Comanchen, Kiowa und einige andere Stämme in der Anadarko Reservation untergebracht. Es wurde eine Kiowa-Polizeieinheit gebildet, die unter dem Kommando von Häuptling Sankedoty stand, dem man den Rang eines Captain verliehen hatte. Zwei Lieutenants, vier Sergeanten und 22 Soldaten waren damit beauftragt wurden für Ruhe und Ordnung im Reservat zu sorgen. Die Krieger der Kiowa wurden im Jahre 1892 Mitglieder der indianischen Kavallerie-Truppe L im Fort Sill. Kommandant dieser Einheit war Lieutenant Scott. 2.800 Kiowa wurden bei einer Zählung im Jahre 1951 registriert.


Mandan - ein Präriestamm

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ie Mandan nannten sich selbst Numahkahke. In der Dakotasprache bedeutet Mandan Fasanenvolk. Sie gehörten der Sioux-Sprachfamilie an und waren ein hochkultivierter ackerbautreibender Volksstamm. Die Mandan lebten am oberen Missouri in North Dakota. Neben den Ackerbau gingen sie der Antilopen- und Bisonjagd nach und ergänzten ihre Nahrung durch den Fischfang, für den zahlreiche Fischfanggeräte angefertigt wurden. Ein besonderer Leckerbissen war für die Mandan der Wels (Fischart). Ihre Dörfer bauten sie an Steilufern des Missouri in der Nähe der heutigen Stadt Bismarck. Sie wohnten in kuppelförmigen Erdhütten, die auf der Landseite mit Erdwällen oder Holzzäunen befestigt waren. Das Hauptdorf Mihtutta-Hangkush bestand aus 60 Erdhütten und war der Wohnsitz des bedeutenden Häuptlings der Mandan - Mato Tope (= Vier Bären). Auf Büffelhäuten wurden die wichtigen geschichtlichen Ereignisse mit Hilfe der Bilderschrift aufgemalt. Für die Überquerung bzw. für Fahrten auf Flüssen und Seen wurden runde, aus Bisonhäuten gefertigte Boote, sogenannte Bullboote, verwendet. Aus Berichten von Pelzhändlern und Forschern waren die Mandan friedfertig, gastfreundlich, liebenswürdig und mitteilsam. Sie besaßen den reichsten Schatz an kulturellen Tänzen aller westlichen Stämme und hatten bemerkenswerte sakrale Gewänder. So begingen die jungen Burschen den Sonnentanz, durch den sie zum Krieger wurden, die Frauen vollführten den Tanz der Weißen-BüffelGesellschaft, die Bisongesellschaft den Büffeltanz und es gab noch viele andere rituale Tänze. An dieser Aufzählung ist zu erkennen, dass bei den Mandan verschiedene Ritualtänze von Männern und andere Tänze von Frauen ausgeführt wurden. Die Krieger waren in Altersbünden organisiert und wechselten je nach Eignung von einer Gesellschaft in eine andere. Die Lagerpolizei wurde vom Altersbund der Schwarzmäuler gestellt. Krieger, die sich besonders auszeichneten, wurden zu Anführern der Bünde gewählt und trugen entsprechende Abzeichen zur Erkennung ihres Ranges. Andere Stämme übernahmen diese Kriegergesellschaften. Bevor Weiße in das Stammesgebiet der Mandanen eindrangen, wurden die Mandanen von der Cholera und Blattern (Poken) heimgesucht. Von den neun Dörfern, die um 1750 existierten, gab es Anfang des 19. Jahrhunderts nur noch zwei. Im Jahr 1837 wurden die letzten 1.600 Mandan erneut von einer Blatternepidemie ereilt, die sie fast ausrottete. Die letzten 100 bis 150 Überlebenden schlossen sich den Hidatsa an. Heute leben die Mandan in Montana und ihre Zahl stieg wieder auf 1.700 Personen.


Die Natchez

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ie Natchez sind ein Stamm der Muskhogee-Sprachfamilie, der am unteren Mississippi siedelte. Für die Franzosen war das Schönheitsideal dieser Indianer besonders reizvoll. Die Natchez waren aber auch um ihr Aussehen bedacht, wie auf einen harmonisch entwickelten Körper. Die Säuglinge wurden deshalb durch künstliche Eingriffe der Kopf in die gewünschte Form gebracht. Auch auf ihre Haartracht legten die Natchez großen Wert. Die Häuser in ihren Dörfern besaßen einen viereckigen Grundriß mit rundgewölbten Dächern. es waren auch Dörfer vorhanden, welche mit Palisaden befestigt waren. In unmittelbarer Nähe der Dörfer erstreckten sich die Felder dieser Bodenbauer. Im Hauptort der Natchez überragten zwei künstliche Erdhügel, sogenannte Mounds, die anderen Häuser. Auf dem einen der Mounds stand der Haupttempel, in dem das heilige ewige Feuer brannte, das von zwei Männern bewacht wurde. Der andere Mound war der Herrschersitz. Er wurde als Große Sonne bezeichnet, dem große Verehrung zuteil kam und außergewöhnliche Rechte besaß. Bei den Natchez wurde ein ausgeprägter Sonnenkult gepflegt und nach den Vorstellungen dieses Stammes war der Herrscher der Bruder der Sonne. Jeden Morgen vor Sonnenaufgang trat der Herrscher aus seinem Haus auf den Mound um seinen Bruder - die Sonne - den Weg zu weisen, den dieser von Ost nach West nehmen sollte. Er war für seinen Stamm selbst ein Gott, für den die Priester einen Kult pflegten. Es waren wirkliche Priester schon nicht mehr Zauberer oder Schamanen. Die Natchez glaubten auch, das die Große Sonne nach dem Tod wieder gen Himmel fuhr, um dort für sein Volk zu sorgen. Für das Volk der Natchez war der Tod des Herrschers eine Tragödie. Einige Indianer töteten ihre Frau, Kinder und sich selbst, um der Großen Sonne ins Jenseits zu folgen, um ihm weiterhin dienen zu können. Wurde die Große Sonne hingegen ein Nachfolger geboren, suchten die Familien der Natchez unter ihren Neugeborenen die aus, die einmal ihren neuen Herrn dienen sollten. Der Herrscher lenkte die eschicke seines Stammes, erließ Gesetze und war der Herr über Leben und Tod. Der Großen Sonne stand ein beratender Ausschuß, der aus lokalen Oberhäuptern bestand, zur Seite. Er ernannte auch die Hauptwürderträger, wie zwei Befehlshaber für den Krieg, zwei Beauftragte, die in seinem Namen Kriege erklärten und genauso Frieden schlossen, vier Zeremonienmeister, die für die Hauptfeste verantwortlich waren und zwei Beamte für das öffentliche Arbeiten. Die Große Sonne unterschied sich von den anderen Privilegierten seines Volkes durch eine Krone mit den schönsten Vogelfedern und einen prachtvollen Federumhang. Untertanen empfing die Große Sonne auf einem mit Hirschleder ausgelegten Lager und auf Kissen aus Federn liegend. Wenn er seine Dörfer bereiste, wurde er in einer Sänfte getragen, damit er als Herrscher und heiliger Mann nicht die bloße Erde berühren sollte. Auch die Söhne der Schwester der Großen Sonne genossen besondere Verehrung, denn auch sie gebührte die Bezeichnung Große Sonne. Kleine Sonnen waren alle anderen Mitglieder der Königssippe. Neben der Großen Sonne gab es bei den Natchez eine zwei Klassengesellschaft - Adlige und Gemeine. Der Adel wurde nochmals in drei Stufen geteilt. An der Spitze stand die Große


Sonne. Als erste Stufe folgten die Sonnen, dann als zweite Stufe (mittlere Aristokratie) kamen die Edlen und als dritte Stufe (untere Aristokratie) schlossen sich die Geachteten an. Die Gemeinen wurden als Stinker (Michmichgupi) bezeichnet. Diese konnten aber in den Adel einheiraten, ohne selbst geadelt zu werden. Die Große Sonne war der oberste Häuptling und hatte oberste Gewalt über Leben und Tod. Wenn er starb, wurden alle seine Frauen hingerichtet. Aber nicht nur die Große Sonne entschied über Leben und Tod, sondern jeder Angehörige der Königssippe konnte die Todesstrafe verhängen, sofern der Verurteilte nicht dem Geschlecht der Sonnen entstammte. Die Natchez waren Ackerbauern, die Mais, Kürbisse, Melonen, Sonnen blumen, Tabak und Hirse in großen Mengen anbauten. Sie kannten vor Ankunft der Weißen als Haustier nur den Hund. Sie übernahmen sehr schnell von den weißen Einwanderern das Pferd, das Rind, das Schweinund cdas Geflügel. Um ihre Dörfer pflanzten die Natchez in Obstgärten Pfirsiche und Feigen an. Sie gingen auch zur Jagd und betrieben Fischfang. Als Kleidung trugen sie den Lendenschurz und nur wenig mehr. Eine große Rolle spielt bei den Natchez der Krieg, er bestimmte aber nicht ihr Leben. Gefangene wurden auf grausamste Art gemartert. Bis 1716 vertrugen sich die Natchez mit ihren französischen Nachbarn bis ein Siedler an der Stelle eines Natchez-Dorfes seine Farm bauen wollte und sie gewaltsam umgesiedelt werden sollten. Daraufhin metzelten die Natchez die gesamte Besatzung eines Forts nieder. Die Franzosen und indianische Söldner rotteten nun die Natchez fast völlig aus. 500 Gefangene wurden nach Westindien verkauft. Überlebende fanden in anderen Muskhogee-Dörfern Zuflucht. Vermutlich waren es die Natchez, die an die rätselhaften Mounds der Mississippi-Kultur anknüpften. Aber seit dem 18. Jahrhundert gehören die Mounds der Natchez, auf denen der Palast der Großen Sonne und der Tempel des ewigen Feuers standen, der Vergangenheit an, wie die Mounds der Mississippi-Kultur.


Die Ojibway - auch Ojibwa

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ie Ojibway (Ojibwa) sind ein Stamm der Algonkin-Sprachfamilie. Er lebte in weiten Gebieten nördlich und südlich des Huron- und Michigan-Sees in Kanada, Wisconsin und Minnesota. Sie betrieben Fischfang, ernährten sich von der Jagd und ernteten den wilden Wasserreis. Sie wohnten in Wigwams. Die Ojibway vertrieben die benachbarten Bauernstämme, weil sie beim Pelzhandel sehr schnell an Feuerwaffen herankamen. Das Land auf dem sie wohnten, wurde von den weißen Eindringlingen verschmäht, da es für den Ackerbau ungeeignet war. Das Volk der Ojibway ist deshalb mit vielen Unterstämmen erhalten geblieben. Sie leben heute in verschiedenen Reservationen in Kanada und in den USA in Nord-Dakota, Michigan, Montana, Minnesota und Wisconsin. Für die Ojibwa dient der wildwachsende Wasserreis (Zizania aquatica) als Nahrungsgrundlage. Er ist sehr nahrhaft (75% Kohlehydrate, 7 - 12% Eiweiße) und verhältnismäßig leicht zu ernten. Um die Reiskörner zu erlangen, musste er gedroschen werden, was sehr mühsam ist. Er ist auch gut zu konservieren. Auf den Reisseen sind auch zahlreiche Wasservögel vorhanden und liefern gleichzeitig reichliche tierische Nahrung. Der Ertrag auf den Reisfeldern kann von Jahr zu Jahr schwanken, wofür Frost oder der unterschiedliche Wasserstand verantwortlich sind. Die Reisfelder gehen auch nicht jedes Jahr an den gleichen Stellen auf, sondern ändern jährlich ihren Standort. Bei den einzelnen Ojibway-Gruppen hatte sich deshalb auch keine festen Nutzungsrechte für ein bestimmtes Gebiet herausgebildet. Der wilde Wasserreis konnte nur wenige Tage im Jahr geerntet werden. Wurden vor der Reife die Körner ausgeschlagen, ließ er sich schlecht haltbar machen. Bei zu später Ernte waren die Körner bereits in den See gefallen und für die menschliche Nahrung verloren. Da jedoch die Reisfelder nicht alle zur gleichen Zeit reif wurden, blieb eine gewisse Zeit für die Ernte. Die Geräte für die Ernte des Reises waren Boot, Schlegel zum Dreschen und Körbe. Sie waren sehr gut für die Erfordernisse der Reisernte angepaßt. Motorboote in heutiger Zeit führten zur Schädigung der Reispflanzen. Sie dienen heute zur Arbeitserleichterung beim Dreschen des Reises. Die Arbeitsteilung wie früher ging der Mann zur Jagd und fischte, die Frau sammelte Beeren und die Zeltarbeit, ist heute aufgegeben worden. Alle ernten gemeinsam den Reis. Die Besatzung eines Erntebootes ist die Familie. Wieviel eine Familie erntet, ist abhängig von der Anzahl der erwachsenen Arbeitskräfte - die Zahl ist in fast allen Familien gleich - und von der aufgewendeten Arbeitszeit. Jede Familie kann frei verfügen über den geernteten wilden Wasserreis, ausgenommen sind die notwendigen Abgaben für Alte und Kranke. Die Festlegung des Beginns der Reisernte ist die wichtigste gesellschaftliche Regelung. Der „Reishäuptling“ und „Reisrat“ - ältere erfahrene Männer - setzen den Zeitpunkt des Erntebeginns fest. Auf diese Weise wird verhindert, dass durch vorzeitiges Befahren des Reissees Schädigungen am Reis auftreten bzw. das sich Familien gegenüber anderen Familien Vorteile verschaffen können. Wenn alle Familien einen Grundvorrat haben, tritt die Kontrolle durch den Reishäuptling und Reisrat außer Kraft. Jeder kann nun soviel ernten wie er will und wo er


will. Bei guten Ernten werden benachbarte Gruppen eingeladen, um an den Überfluß teilhaben zu dürfen. Dies ist gleich eine Rückversicherung für den Fall, dass eine Reisernte einmal schlecht ausfallen könnte. Dann helfen benachbarte Gruppen mit Reis aus. Auch entscheidet die Gemeinschaft über jede Form der Bevölkerungszunahme, um die Nahrungsgrundlage jeder Gruppe die im Reissee ernten, zu sichern. Die Ojibway-Familien leben heute nicht am Existenzminimum. Ein Drittel der Ernte ist für den Verkauf bestimmt.


Die Papago

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as Wort „Papago“ kommt aus ihrer eigenen Sprache und bedeutet Bohnenvolk = Pahpah: Bohnen und ootam: Volk. Die Papago sind ein Volksstamm der uto-aztekischen Sprachfamilie und dort wieder vom Zweig der Nahuatl. Ihre Heimat war der Süden des Gila River Valley im heutigen US-Bundesstaat Arizona und in Mexiko genauer die Provinz Sonora. Die Nachbarn der Papago waren ihre Vettern die Pima, mit denen sie auch verbündet waren. Ihr Name stammt von den Bohnen, die sie hauptsächlich in ihrer sehr trockenen Heimat anbauten. Als weitere Nahrung kamen noch wildwachsende Pflanzen und Beeren hinzu. Aber auch verschiedene eßbare Kakteenarten ergänzten die pflanzlichen Produkte. Die Jagd auf Kleinwild erbrachte ebenfalls nur eine magere Zusatzkost. Deshalb arbeiteten die Papago auf den Feldern der Pima und erhielten als Lohn Nahrungsmittel. Der Lendenschurz war fast die gesamte Kleidung der Papago, da es in ihrer Heimat das ganze Jahr warm war. Die Papago verwendeten als Wohnstätten Pfahlbauten mit flachem Dach. Kakteensprosse und Ruten bildeten die Wände, welche mit Adobe - eine Lehmart - verkleidet waren. Anders als die Pima lebten die Papago in kleinen, weit auseinanderliegenen Dörfern, da für eine größere Gemeinschaft nicht genügend Nahrungsmittel zu beschaffen waren. Die Papago trafen sich nur zu wichtigen Zeremonien. Als die Spanier kamen, übernahmen die Papago ihre Sitten und Bräuche und wurden sogar Christen. Nach dem Ende der spanischen Kolonialherrschaft verbündeten sich die Papago mit den Mexikanern. Als Arizona den Vereinigten Staaten zufiel, wurden sie Verbündete der USA. Die Papago stellten im Jahre 1865 eine 150 Mann große Polizeitruppe auf, die als Scouts oder Söldner der US-Truppen sich an den Kämpfen gegen die Apachen beteiligte. 92 Papago-Söldner nahmen im April 1871 am Angriff von Bürgern aus Tuscon gegen ein Aravaipa-Lager teil und brachten ihren alten Feinden eine beträchtliche Niederlage bei. Die Papago waren friedfertig, konnten aber gegen ihre Feinde harte Gefechte liefern. Nach der Tötung eines Feindes mußte ein Papago-Krieger sich einem sechzehntägigen strengen Zeremonial unterziehen, was sie im Wert als Verbündete der US-Armee gegen die Apachen minderte. Es durften auch nur ausgewählte Männer einer Kriegerpartei Feinde töten. Ihnen mußte durch Visionen eine besondere Kraft verliehen worden sein. Die Totfeinde der Papago waren die Yaqui, mit denen sie ständig im Kampf lagen. Sie wurden auch vom Staate Sonora angespornt die Dörfer der Yaqui in der Sierra del Bacatete zu überfallen. Für jede rechte Hand eines Yaqui bezahlte Sonora 25 Silberpesos Belohnung. In den Tälern und Bergen von Sonora leben auch noch heute die mexikanischen Papago. Die in den Vereinigten Staaten lebenden Papago wurden 1874 in der San Xavier Reservation angesiedelt. Viele Papago waren bereits im Jahre 1890 Cowboys und Rancher geworden. 1960 wurde das Papago-Reservat in den USA aufgegeben, da die Papago in das amerikanische Gemeinschaft als Lohnarbeiter oder als selbständige Farmbesitzer integriert worden waren. t


Pawnee - ein Präriestamm

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as Wort Pawnee wurde von Pariki abgeleitet und bedeutet das Horn für die Skalplocke der sonst kahlgeschorenen Schädel. Sie sind ein Volksstamm der Caddo-Sprachfamilie, die in Nebraska lebten. Zu ihnen gehören noch die Stämme der Chaui, Kitkahaxki, Pitahauirata und Skidi, die im gleichen Gebiet beheimatet waren. Die Franzosen nannten sie Loups (= Wölfe). Sie standen kulturell sehr hoch und waren Ackerbauern und Büffeljäger. Die Pawnee wohnten beim Erscheinen der weißen Eindringlinge in 19 Dörfern entlang des Platte Rivers. Ihr Volk hatte um 1700 laut einer Schätzung 10.000 Stammesangehörige, die als Hauptanbaupflanzen Mais, Bohnen und Kürbisse kultivierten. Ihre Behausung waren große, kreisförmige Häuser mit einem kuppelförmigen Dach aus Grasziegel. Die Dörfer waren befestigt und dienten vier oder mehr Sippen als Wohnort. An der Spitze einer Siedlung stand ein Dorfhäuptling. Der Stamm hatte außerdem einen Stammeshäuptling. Mehrere Stämme vereinigten sich zu einem Stammesbund, der als höchsten Anführer einen Oberhäuptling hatte. Im Leben der Pawnee hatten Schamanen und Zauberpriester eine große Bedeutung. Sie beobachteten die Himmelsgestirne und paßten alle irdischen Dinge an die Sternenreligion an. So wurde zum Beispiel die Gruppierung einer Siedlung nach der Konstellation bestimmter Himmelskörper ausgerichtet. Ferner wurde von Pawnee-Weisen die Astronomie dazu verwendet, um den richtigen Zeitpunkt für den Maisanbau zu bestimmen, um verschiedene religiöse Bräuche zu verrichten und um die Daten ihrer Kalenders festzusetzen. Bei den Pawnee gab es die berüchtigte Morgensternfeier, ein Ritual bei dem eine Jungfrau geopfert wurde. Dieses grausige Ritual müssen die Pawnee von den Azteken übernommen haben. Ihre Feinde wurden von den Pawnee überaus brutal gefoltert, wobei die Frauen den Männern in nichts nachstanden. Selbst Feinde, die bereits mit dem Tode ringten, wurden auf grausamste Weise gemartert. Die Pawnee waren das einzige Prärie-Volk, welches ein geregeltes religiöses System besaßen. Das höchste Wesen war der Große Geist Tirawa, der im Himmel wohnte, über das ganze Universum bestimmte und alle Geister mußten seinem Willen folgen. In jedem Dorf der Pawnee gab es ein heiliges Bündel, in welchem die Gegenstände für die entsprechenden Riten aufbewahrt wurden. Bekanntester Pawnee-Oberhäuptling war Petalasharo (1797 - 1852), der die Opferung abschaffte, und als oberster Füher seines Volkes für den Frieden mit den Weißen eintrat. Sein Nachfolger, Petalasharo II. (1823 - 1874), setzte das Werk des großen Häuptlings fort. Die Pawnee dienten deshalb als Scouts in der US-Armee und stellten unter der Führung Captain Frank North im Jahre 1864 ein 100 Mann starkes Pawnee-Bataillon auf. Dieses bekam reguläres Kavalleriesold. Es wurde in den zehnjährigen Kriegszügen gegen seine Todfeinde den Teton, Arapaho und Cheyenne berühmt. Nach der Unterwerfung seiner Feinde wurden die Pawnee aus ihrer Heimat vertrieben und im Indianerterritorium Oklahoma angesiedelt. Die Pawnee erhielten 1892 das US-Bürgerrecht. Heute leben noch etwa 650 Pawnee.


Ponca - ein Präriestamm

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ie sind ein Stamm der Sioux-Dhegiha-Sprachfamilie, der im Nordwesten von Nebraska genauer wo der Niobrara River in den Missouri mündet, lebte. Das Wort Ponca bedeutet heiliger Kopf. Sie sind eng verwandt mit den Osagen, Kansa und Omaha. Neben dem Anbau von Mais und Gemüse gingen sie auch der Jagd nach Rotwild und Antilopen nach. Kam die Bison-Saison stellten sie auch ihm nach. Auf dieser Jagd verwendeten sie als Behausung das Tipi, sonst kamen Erdhütten zum Einsatz. Die Haartracht der Krieger bestand aus einem Haarkamm auf glattrasiertem Kopf, wie es für die südlichen Sioux-Stämme üblich war. Ihre Kleidung wurde aus Wildleder gefertigt und war reich verziert. Die Ponca waren mit den Omaha verwandt - wie oben bereits erwähnt wurde, sprachen die gleiche Sprache, bildeten aber zwei selbständige Einheiten. Sie besaßen viele Pferde und wurden deshalb von feindlichen Stämmen fremder Sprachfamilien überfallen. Neben den Caddo waren auch die weiter nördlich lebenden Dakota-Stämme an den Überfällen beteiligt. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden die Ponca von einer schweren Pocken-Epidemie heimgesucht, bei der nur 250 Stammesangehörige überlebten. Aber bereits 50 Jahre später war die Bevölkerungszahl auf 1.000 Personen wieder angestiegen. Die Ponca waren weißenfreundlich und gaben als 1858 Regierungsbeamte zwischen den verschiedenen Stämmen Grenzen zogen, freiwillig einen Teil ihres Landes ab. Dafür versprachen die Beamten ihnen Schutz und Wohnrecht in ihrem Stammesgebiet. Nur 10 Jahre später wurde durch einen bürokratischen Fehler in Washington das Ponca-Land mit dem Stammesgebiet der Dakota vereinigt. Trotz zahlreicher Proteste wurde der Fehler nicht rückgängig gemacht. Teton-Krieger verlangten von nun an Pferde der Ponca als Tribut. Weiterhin wurde ihnen von den stammesverwandten Dakota angedroht, sie von ihrem Land zu vertreiben, da sie es seit dem Vertrag als das ihre ansahen. Sieben lange Jahre waren die Ponca gezwungen, während der Feldarbeit immer das Gewehr griffbereit liegen zu haben. Der Kongreß sah nun ein, den vertraglichen Verpflichtungen zum Schutz der Ponca nachzukommen. Sie erhielten eine geringe Abfindung für die entstandenen Verluste, die ihnen die Teton beigebracht hatten. Der Kongreß der USA beschloß nach der Schlacht am Little Bighorn 1876 die Ponca sowie die nördlichen Dakota in das Indianer-Territorium Oklahoma zuverlegen. Die Ponca hatten nie gegen die Vereinigten Staaten Krieg geführt. In ihr Stammesgebiet drangen immer mehr Siedler vor, da hier der beste Mais wachsen sollte. Zu Beginn des Jahres 1877 erfuhren die Ponca von ihrer Umsiedlung durch den Indianer-Inspektor Kemble, was aber der Oberhäuptling White Eagle ablehnte. Aus Washington wurde angewiesen White Eagle und zehn weiteren Häuptlingen das Indianer-Territorium zu zeigen. Sie fuhren zusammen mit Kemble zu zwei Reservaten und sahen, dass sich die Stämme in den felsigen Gebiet nicht selbst ernähren konnten. Ein Tag später sollten sie ihr zugeteiltes Land am Shicaska River sich ansehen, aber White Eagle und die anderen Häuptlinge lehnten ab. White Eagle wollte mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten verhandeln, aber Kemble verweigerte ihm dieses Anliegen. Er bezahlte


auch die Rückfahrt in ihr Stammesgebiet nicht, so das die Ponca-Häuptlinge 800 Kilometer zu Fuß nach Hause laufen mußten. Die Prärie von Kansas und Nebraska waren immer noch mit Schnee bedeckt und wenn ihnen - einige waren ältere Häuptlinge - ihre alten Freunde die Omaha und Oto nicht geholfen hätten, hätten einige von ihnen den Gewaltmarsch nicht lebend überstanden. Sie erreichten 40 Tage später ihre Heimat am Niobrara, wo bereits Kemble auf sie wartete. Doch nun bestanden alle Häuptlinge auf die Einhaltung des Vertrages und Kemble mußte unverrichteter Dinge nach Washington zurückkehren. Auf den Rat General Shermans hin wurde beschlossen, die Ponca mit Gewalt umzusiedeln. Kemble wurde erneut vom Kommissar für Indianer-Angelegenheiten zu den Ponca geschickt. Er erreichte im April den Niobrara und drohte ihnen nun mit den Einsatz von Truppen. Daraufhin wollten 170 Stammesangehörige in die Reservation gehen, die Häuptlinge aber weigerten sich. Häuptling Standing Bear widersprach so heftig, dass man ihn festnahm und nach Fort Randall brachte. Als der neue Gesandte der Regierung Howard eintraf, wurde Standing Bear wieder freigelassen. Nach dem Truppen eingetroffen waren, zwang Howard die Ponca am 15. April 1877 auf einer Beratung zur Umsiedlung. Am 21.05. ging der Marsch los, der 50 Tage dauerte und vielen Ponca das Leben kostete. Ihre neue Heimat war die Quapaw-Reservation. Am Ende des ersten Jahres waren ein Viertel des Stammes in der Reservation gestorben, worauf die Ponca an das Westufer des Arkansas umgesiedelt wurden. Um ihr neues Schutzgebiet zu erreichen, mußten die Ponca 240 Kilometer zurücklegen, ohne das man ihnen Lebensmittel und Medikamente mitgab. Standing Bear und 66 seiner Anhänger verließen im Januar 1879 heimlich die Reservation und strebten ihrer angestammten Heimat zu. Bei der Omaha-Reservation wurden sie von Soldaten abgefangen, auf Befehl von General Crook gefangen genommen und in das Fort Omaha gebracht. Mit Unterstützung von Crook gewannen sie einen Prozeß und erhielten daraufhin von der US-Regierung Land nahe der Niobrara-Mündung. Auch die in der Reservation verbliebenen Ponca wollten in ihre Heimat ziehen, als sie von den Land erfuhren, welches Standing Bear erhalten hatte. Whiteman, ihr Indianer-Agent, erlaubte dies nicht. Als sich Big Snake und der Bruder Standing Bears der Anordnung widersetzten, wurden sie - so hieß es ausversehen erschossen. Auf diese Weise war der Stamm der Ponca gespalten: Die einen lebten laut eines Gerichtsbeschlusses als freie Bürger in ihrem angestammten Land und die Mehrzahl der Stammesangehörigen mußten in einer Reservation als Gefangene ausharren.


Die Shawnee

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as Wort „Shawnee“ bedeutet die Südlichen. Sie wurden deshalb so genannt, da sie der südlichste Volksstamm der Algonkin-Sprachfamilie waren. Die Shawnee lebten im Gebiet des Ohio River, wo auch andere Algonkin-Stämme, wie die Delaware, Chippewa, Ottawa u. a. wohnten. Sie bauten wie andere Stämme dieses Gebietes Mais an und lebten in Kuppelförmigen Stroh-, Rinden- oder Fellhütten. Die Shawnee waren Freunde der Franzosen und begannen um das Jahr 1750 erbitterten Widerstand gegen das Vorrücken der Engländer aufzubringen. Die Sechs Nationen der Irokesen waren immer noch den Engländern treu und wurden auch deshalb von den Algonkin-Stämmen gefürchtet. Als sich die englische Grenze unaufhörlich auf die französischen Forts zuschob, vertrauten die Franzosen den Algonkin-Stämmen und bewaffneten diese, damit sie die Engländer aus dem Ohio-Gebiet und aus Kentucky zurückdrängen sollten. Die Franzosen bildeten sie militärisch aus, was sie zu guten Schützen werden ließ und hetzte sie zu Überfällen gegen die Engländer auf. Sie wurden zu ausgesprochenen Meistern, was das Legen von Hinterhalten und Überfällen anging. Als die zahlenmäßig schwachen Truppen der Franzosen gegen englische Kolonisten auszogen, wurden sie von starken Verbänden der Algonkin-Stämme unterstützt. Beim letzten verzweifelten Versuch der Franzosen sich gegen die Engländer zu behaupten, im sogenannten französisch-indianischen Krieg, erhielten sie eine schwere Niederlage. Das gesamte Land östlich des Mississippi fiel nach dem Fall von Quebec in die Hände der Engländer. Da die Franzosen ihren ehemaligen Verbündeten nicht mehr helfen konnten, setzten die Shawnee und die Algonkin-Stämme den Krieg gegen die Engländer von nun an alleine fort. Der Anführer dieser kriegerischen Auseinandersetzungen war der Ottawa-Sachem Pontiac. Nachdem Pontiac die Algonkin-Stämme und die irokesischen Wyandot zum heiligen Krieg aufgerufen hatte, die Shawnee unter dem Häuptling Cornstalk, ein Freund Pontiacs, große Mengen Fleisch aus Kentucky gebracht hatten, wurde im Frühjahr des Jahres 1763 ein mehrtägiger Kriegsrat abgehalten. Wenige Tage - genauer im Mai 1763 - nach ihren Beratungen hatten die vereinigten Algonkin-Stämme und die Shawnee neun englische Forts erobert. Doch die wesentlich besser geschützten Forts Detroit und Pitt konnten die Verbündeten nicht einnehmen und belagerten sie. Von wochenlanger Belagerung zermürbt, verließen die Verbündeten Pontiac, was ihn dazu veranlaßte die Belagerung des Forts Detroit am 12. Oktober 1763 abzubrechen. Der Algonkin-Bund und die Engländer schlossen im Anschluß einen Friedensvertrag. Der Ohio, der Monongahela und der Allegheny sollten von nun an die indianische Grenze bilden. Damit mußten die Algonkin-Stämme zwar wildreiche Gebiete abtreten, hofften aber damit in Sicherheit und Frieden in Zukunft leben zu können. Ihnen blieb ja noch das wildreichste Gebiet Nordamerikas Kentucky. Die Irokesen, welchen Kentucky gar nicht gehörte, verkauften dieses Gebiet gleich dreimal an Weiße. Von der Kolonialregierung wurden diese Kaufverträge wegen einer Verordnung aus vergangenen Jahren für ungültig erklärt. Der Algonkin-Bund, der jetzt von Cornstalk angeführt wurde, protestierte gegen diesen Betrug. Da die Weißen Kentucky besiedeln wollten und die Indianer dieses Gebiet nicht freiwillig abtreten


wollten, wendete man eben Gewalt an. Nach der Ermordung der Familie des berühmten Häuptlings Logan und die Zerstörung der Wigwams und Langhäuser tötete Logan und seine verbündeten Algonkin-Stämme und Wyandot jeden Weißen den sie habhaft werden konnten. Es begann ein schrecklicher Krieg, der vielen Indianern und Weißen durch unzählige Greueltaten und Massaker das Leben kostete. Die reguläre Miliz mit einer Stärke von 1.000 Mann unter der Führung von Lord Dunmore und virginische Miliz gingen gemeinsam gegen die Streitmacht der verbündeten AlgonkinStämme vor. Bei Point Pleasant am Great Kanawah kam es dann zur Entscheifungsschlacht. Da bereits die Einigkeit der Stämme zu zerfallen begann, versuchte Cornstalk mit seinen letzten 1.200 Kriegern durch einen Überraschungangriff den Sieg davonzutragen. Doch gegen die Weißen mit ihren modernen Waffen hatte Cornstalk mit seinen Kriegern keine Chance. Besiegt mußte sich Cornstalk mit seiner Kriegerschar, den Verwundeten und Toten zurückziehen. Für die weißen Eindringlinge war nun der Weg für die Besiedlung Kentuckys frei. In der Ratsversammlung leistete Cornstalk Überzeugungsarbeit für einen Friedensschluß mit den Weißen. Diesen Wunsch nach Frieden bot Cornstalk Lord Dunmore an. Dunmore war froh den Krieg gegen die Indianer beenden zu können, da jeder Kolonist für den Unabhängigkeitskrieg gebraucht wurde. Lord Dunmore schloß mit Cornstalk und weiteren Sachem des Bundes im Camp Charlotte Frieden. Die Indianer wurden mit diesen Vertrag hinter einer Linie Ohio-Kanawah zurückgedrängt. Kentucky war nun endgültig verloren. Nach Ausbruch des Krieges wurde Cornstalk von der amerikanischen Meliz ermordet, was die verbündeten Stämme auf die Seite der englischen Truppen gegen die verhaßten Langen Messer brachte. Nachdem die Kolonisten gesiegt hatten, wurden die Algonkin an ihre Feinde ausgeliefert. Die amerikanische Regierung machte ihren Anspruch auf die Gebiete östlich des Mississippi geltend, was die Briten dazu brachte die Algonkin gegen die Amerikaner aufzuhetzten und der Krieg der Indianer ging weiter. Little Turtle, ein Miami und der Nachfolger des ermordeten Cornstalk, siegte mit den verbündeten Stämmen 1790 gegen die Streitkräfte von General Harmar. Auch im Jahre 1791 vernichteten die vereinigten Stämme die Truppen von General St. Clair. 1794 als General Wayne mit seinen Truppen gegen die Algonkin und Wyandots aufmarschierte, kam es bei Fallen Timbers zur Entscheidungsschlacht. Nach dem Rücktritt von Little Turtle führte wieder ein Shawnee-Sachem, der Oberhäuptling Blue Jacket, die verbündeten Indianerstämme in den Kampf. Seine Krieger konnten gegen einen Bajonettangriff von General Waynes Infanterie und gegen die Kentucky Volunteers Cavalry unter dem Befehl General Scott, einem Unterbefehlshaber, nichts entgegensetzten. Wayne vernichtete die Dörfer und die Wintervorräte der Indianer und schloß dann bei Greenville in Ohio mit ihnen einen Waffenstillstand. Der größte Teil von Ohio wie auch einige Gebiete von Indiana gingen den Indianern verloren. Die Oberhäuptlinge versuchten die jungen Anführer und Krieger zu überzeugen, dass sie gegen diese Übermacht nicht die geringste Chance hätten, aber die Engländer hetzten sie gegen die Amerikaner erneut auf. Tecumseh, ein junger Häuptling, der die Schlacht bei Fallen Timbers überlebt hatte, träumte von einem Indianerstaat in Ohio Valley und im Gebiet der Großen Seen. Er kannte die großen Siege der verbündeten Indianerstämme, die Niederlagen von Pontiac und Cornstalk, weil die Verbündeten sie im Stich gelassen hatten und war bei der Schlacht gegen General Wayne selbst dabeigewesen. Tecumseh wollte selbst die entlegensten Stämme für seine Gedanken


überzeugen. Doch seine Idee wurde mit Gleichgültigkeit aufgenommen, was ihn aber nicht entmutigte. Um das Jahr 1810 hatte Tecumseh eine mächtige Streitmacht am Wabash River aufgestellt. Um noch mehr Krieger für sein Heer zu gewinnen, reiste er in den Süden. Bevor er jedoch seine Verbündeten verließ, hatte er die Oberaufsicht seinen Bruder, einem großen Schamanen mit dem Namen Tenskwatawa, übergeben und ihn gewarnt in seiner Abwesenheit mit den Weißen einen Krieg zu beginnen. General Harrison, Gouverneur des Nordwest-Territoriums, hatte jedoch von der indianischen Streitmacht gehört und marschierte mit 800 Mann an den Tippecanoe - ein Nebenfluß des Wabash, um dort ein befestigtes Camp einzurichten. Krieger der verbündeten Stämme überfielen das Heerlager, wurden aber nach zwei Stunden zurückgeschlagen. Nach dieser Niederlage rechnete Tecumseh damit, dass sich viele Stämme vom Bund lösen würden und so begab sich Tecumseh nach Kanada, wo er sich 1812 am Krieg der Engländer gegen die Amerikaner beteiligte. Tecumseh fiel in der Schlacht am Thames River im Herbst des Jahres 1813. Die Shawnee hatten mit dem Tod Tecumsehs ihren letzten großen Häuptling verloren und die Algonkin-Stämme ihren großen wie auch letzten Oberhäuptling, was dazu führte, dass sich der Bund auflöste. General Harrison vertrieb die Stämme der Algonkin-Sprachfamilie aus ihrer Heimat. Auf ihrer Wanderung schlossen sich die Shawnee den Delaware und Mahican an und wehrten alle Angriffe feindlicher Stämme ab, die friedlichen Verwandten galten. Die Delaware trennten sich von den Shawnee und zogen ins Indianerterritorium Oklahoma. Die Shawnee zogen an den Cumberland River nach Kentucky. 1831 übergaben die Shawnee ihre Stammesgebiete an die Vereinigten Staaten und gingen zu einer Stammesgruppe nach Kansas. In den Jahren zwischen 1845 und 1867 verließen sie ihren gewählten Wohnsitz und siedelten ins Indianerterritorium Oklahoma um. Die Erstankömmlinge wurden fortan als Eastern Shawnee bezeichnet und alle später Ankommenden als Absentee Shawnee. Der Stamm der Shawnee war bis zum Jahr 1939 in diese beiden Gruppen gespalten. Die Shawnee schlossen im Indianerterritorium mit den Vereinigten Staaten Frieden. Bei einer Zählung im Jahre 1909 in Oklahoma wurden 1.388 Stammesangehörige registriert. Bis 1985 war diese Zahl auf 377 Shawnee gesunken.


Die Shoshoni

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ho-Sho-ni bedeutet gleich Grashüttenbewohner oder Snakes = Schlangen. Der Begriff Schlange hatte aber nichts mit dem Reptil, sondern mit den Schlangenlinien in ihrer Zeichensprache zutun. Die Shoshoni sind eine eigene große Sprachfamilie, welche im Nordwesten genauer gesagt in der Felsengebirgsregion Nordamerikas lebten. Die Sprachfamilie gehört zur shoshonischen Untergruppe der uto-aztekischen Sprachfamilie. Im 19. Jahrhundert lebten die nördlichen Shoshoni im östlichen und südlichen Idaho, im Nordosten von Utah und im Westen von Wyoming. Die westlichen Shoshoni, auch Diggers genannt, konzentrierten sich im mittleren und westlichen Idaho, in Nevada, im Nordwesten von Utah und in einem kleinen Landstrich im Tal des Todes in Kalifornien. Außer Digger gab es noch die Boise, Box Elder, Bruneau, Green River Snake (Snake, Kogohue), Lemhi (Agaiduka), Pohogue, Sherry-dika, Tosawi, Tukadka, Wind River und Koso (Panamit). Die nördlichen Shoshoni waren die ersten Indianer der nördlichen Rocky Mountains, welche Pferde züchteten und sie im Tauschhandel den Crow, Flathead, Couer d‘ Alenes und Nez Perc anboten. Die Shoshoni sind verwandt mit den Gosiute, Ute, Paiute und Bannock. Zwischen Mitgliedern der Stämme gab es schon immer Mischehen. Die Stämme des Großen Becken waren technologisch am wenigsten entwickelt und ihre Kultur glich zur Zeit der Entdeckung die einer Steinzeit-Gesellschaft. Für die Jagd verwendeten die Shoshoni Pfeil und Bogen, Speer und eine unförmige Kriegskeule. Ihre Nahrung bestand aus gesammelten Beeren, Wurzeln und Kleinwild. Die Shoshoni wurden berühmt durch eine ihrer Indianerinnen mit Namen Sacajawea, die der Lewis- und Clark-Expedition (1804 - 1805) als Führerin diente und sie somit durch ihre Kenntnisse vor dem sicherem Hungertode bewahrte. Der Häuptling Washaki unterzeichnete 1868 im Fort Brigde einen Vertrag, der den Shoshoni erlaubte, in die Wind River-Reservation in Wyoming zu ziehen, wo sie vor blutigen Überfällen durch die Arapaho, Blackfoot, Cheyenne und Dakota Schutz fanden. Die Nachfahren des Stammes leben noch heute in vielen kleinen und verstreuten Reservaten in ihren alten Gebieten. Im Jahre 1985 wurden noch 2.000 Stammesangehörige in verschiedenen Reservationen registriert. Die West-Shoshoni als Jäger und Sammler Die Shoshoni sind ein Stamm des Großen Beckens, wo das Leben unter besonders ungünstigen und extremen Verhältnissen stand. Im Gebiet, in dem die Shoshoni lebten, gab es viele Übergänge zwischen Steppe und Wüste und nur die höheren Lagen waren bewaldet. Die Shoshoni nutzten alle Nahrungsquellen, die sie erreichen konnten. Die Samen verschiedener Gräser wurden vor allem genutzt, aber auch Kleingetier - die den Eiweißhaushalt des Körpers aufwerteten, da Rotwild und Antilopen nur in größeren zeitlichen Abständen gejagt werden konnten. Im Gebiet der West-Shoshoni waren die natürlichen Nahrungsquellen weit verstreut und zwischen diesen Standorten lagen für die Nahrungsgewinnung wertlose Gebiete. Da die Niederschläge in jedem Jahr an unterschiedlichen Orten niedergingen, war nicht vorhersehbar wo es reichliche Nahrung geben würde. Außer Pinonsamen und Kaninchen war die Wildnahrung nur sehr gering. Die Grassamen mußten wähend der Reife gesammelt werden, sonst


waren sie als Nahrung verloren. Die Nahrungsmittel wurden nur mit einfachsten Geräten eingebracht. Wühlstöcke, Samenschläger, Schlagstöcke bzw. Keulen wie auch Pfeil und Bogen waren fast die einzigen Gegenstände. Meterlange Netze fanden bei der Treibjagd auf Kaninchen ihre Verwendung. Nicht jede Familie besaß solche Netze. Die Eigentümer der Netze erhielten einen besonderen Anteil bei einer Treibjagd. Da sehr viel Zeit für die Nahrungsgewinnung aufgebracht werden mußte, war der Lebensstandard sehr gering. Eine wirtschaftliche Planung auf lange Sicht war wegen der verstreut anzufindenden Nahrung und jedes Mal in einem anderen Gebiet nicht möglich. Auch eine Arbeitsorganisation hätte keinen sinnvollen Nutzen gebracht. Eine höhere Produktivität durch Arbeitsteilung hätte nur Sinn gebracht, wenn man Entfernungen schneller überwinden konnte. Und diese Chance hatten die Shoshoni durch die Ankunft der Weißen und dem damit verbundenen Kennenlernen des Pferdes. Durch die West-Shoshoni kamen die Büffeljäger der westlichen Prärien in den Besitz von Pferden. Das Pferd verwendete aber die gleichen Nahrungsmittel wie die West-Shoshoni. Ferner konnte das Pferd nicht auf der Jagd auf Nager, Antilopen, Hirsche und Bergschafe eingesetzt werden. Es brachte nur Vorteile auf der Jagd nach Büffeln. Wegen des Mangels an Pferden konnten die Shoshoni auch nur wenige Nahrungsvorräte anlegen. In der nahrungsarmen Winterzeit verlegten die Shoshoni ihre Quartiere in die Nähe der Pinonwälder. Trotz alledem war die Ernährung der West-Shoshoni im Winter wie im Frühjahr durch ihre geringen Vorräte immer kritisch. Das Gebiet der West-Shoshoni war dünn besiedelt. Während des gesamten Jahres waren immer nur eine Familie oder Gruppen von zwei bis drei Familien gemeinsam unterwegs. Sie hatten auch nur sehr wenige Kontakte zu anderen Menschen, da die Bevölkerungsdichte pro 100 km2 bei nur zwei Menschen lag. Nur während gemeinschaftlichen Treibjagden und in den Winterquartieren kam es zwischen den Familien zu geringen Kontakten. Auch durch Schwankungen des Nahrungsangebotes und durch Änderung der Zugroute der Familien änderte sich die personelle Zusammensetzung eines Jagdkollektives. Anführer gab es nur während der gemeinsamen Winterquartiere und bei Treibjagden. Sie waren Spezialisten für eine bestimmte Tierart und hatten nur für eine bestimmte Zeit ihre Autorität. Im Gebiet der Shoshoni gab es aber keine abgegrenzten Territorien wie auch keine bestimmten Nutzungsrechte. Die Familie, die Nahrungsvorkommen entdeckte, verwandte sie für sich. Bei den West-Shoshoni gab es vor dem Erscheinen der Weißen selten Auseinandersetzungen. Zwischen den Familien gab es Streitigkeiten bei Tötung einer Person oder bei Frauenraub. Bei solchen Konflikten wurden die Familien von Verwandten unterstützt. Shoshonische Familien suchten den Kontakt zu anderen, um sich durch Heirat zu verbinden. Auf diese Weise war eine Familie mit einer Reihe von anderen Familien verwandt.


Die Tlingit

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hre Heimat ist die Region Panhandle in Südalaska. Das milde Klima und die unglaublichen Naturschätze (Fisch und Wild im Überfluß, Holz usw.) ermöglichten den Tlingit ein durchdachtes und komplexes Gesellschaftssystem, eine eigene Religion und eine selbstständige künstlerische Tradition zu schaffen. Die Tlingit waren sehr gute Seefahrer und waren in der Lage bis zu 1.500 Kilometer nach Nordwesten zu fahren, um mit den dortigen Einwohnern Handel zu treiben. Sie lebten in großen Gemeinschaftshäusern mit Giebeldach, die 50 bis 100 Personen Platz boten. Die Pfosten der Häuser waren mit Totem-Symbolen des entsprechenden Clans verziert. Mehrere solcher Häuser bildeten ein Dorf und eine bestimmte Anzahl dieser Dörfer den Stamm. Die einzelnen Haushalte hatten ihre eigenen Wirtschaftsgüter wie Kleidung, Waffen und selbstgefertigte Gegenstände. Die Ritualgegenstände gehörten dem ganzen Clan. In dem matriarchaischem Sozialsystem wurden diese religiösen Gegenstände vor allem von den Schamanen verwendet, die das gesamte Stammesleben kontrollierten. Der Glauben der Tlingit beruhte auf der Annahme, dass jedes Ding und jedes Wesen eine Seele hat. Dieser Glaube verlangte demnach auch genaue Riten beim Jagen und Töten von Tieren. Die Tlingit waren in zwei Hauptgruppen oder Stammeshälften (moieties = vom franz. moiti = Hälften) unterteilt. In sie wurde man hineingeboren. Die eine war die des Raben, die andere, die des Wolfes (manchmal auch Adler genannt). Jeder der Gesellschaft gehörte zu einer dieser Hälften, der wiederum nur ein Mitglied der anderen Hälfte heiraten konnte. Da dieser matrilinearen Gesellschaft, gehörten die Kinder immer zur moities der Mutter. Jede dieser moities wiederum war in kleine Gruppen - Clane oder Horden - geteilt. Die Raben-Hälfte war in 27 Clane gegliedert. In den Dörfern hatte jeder Clan einen eigenen Anführer. Mehrere Clane waren so verzweigt, dass sie in mehreren Dörfern vertreten waren. Die Erbfolge, die eine wesentliche Rolle spielte, folgte den Regeln der Abstammung. Egal wie die Organisation im Dorf war, gab es z. B. bei den Tlingit Abstammungslinien von verschiedenen Rängen. Der höchste Rang führte seine Abstammung auf ein heiliges Tier zurück, wie Raben, Adler, Bär oder auf einen Menschen, der besondere Kräfte und Rechte durch ein Erlebnis mit einem übernatürlichen Wesen empfangen hatte. In der Sozialordnung der Tlingit richtete sich das Ansehen Einzelner nach ihrem Reichtum. Um diesen zu zeigen, wurden die an der Nordwestküste aus religiösen Gründen veranstaltete Potlatch gefeiert. Dabei handelte es um ein großes Fest, bei dem die Gäste im Übermaß bewirtet und beschenkt wurden. Jedoch waren die Beschenkten automatisch aufgefordert ihrerseits ein noch größeres dieser Feste zu feiern. Im 20. Jahrhundert verbot die amerikanische Regierung vorübergehend diesen Ritus des Schenkens, da er Teile von Familien, ja sogar ganze Sippen ruinierten konnte. Die Tlingit waren nicht so leicht zu besiegen. Deshalb ließen sie sich nie ganz aus ihren angestammten Gebieten vertreiben.


Die Yuma und ihre Unter- und Zweigstämme

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uch Quecha. Das Wort „Yuma“ bedeutet im Pima-Dialekt = Wurmesser. Sie sind ein Stamm der Hokan-Gruppe der Sioux-Sprachfamilie, der sich in Unter- und Zweigstämme gliederte: Die einzelnen Stammesgruppen hatten sich bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts bekämpft und sich somit dezimiert. Die Unter- bzw. Zweigstämme standen während ihrer Zwistigkeiten unter spanischer, mexikanischer oder amerikanischer Herrschaft. Aber erst als die Eindringlinge in Form von Siedlern, Ranchern und Prospektoren in ihr Stammesgebiet Anfang der 50er Jahre eindrangen, beendeten die Yuma ihre Stammesfehden und kämpften fortan gemeinsam gegen den neuen Feind. Wegen der immer zahlreicher auftretenden Überfälle wurde die Armee zum Schutz der Siedler eingesetzt. Jedoch konnte sie den elf Jahre dauernden Guerillakrieg nicht verhindern, der 1.000 Indianern und 100 weißen Eindringlinge das Leben kostete. Der größte Teil der Yuma lebte entlang des Rio Colorado zur Grenze von Arizona und Kalifornien. Die Yuma waren ein primitives Volk von Sammler und Pflanzer. Ihr Land und das ihrer Nachbarn begünstigte den Ackerbau, da es in regelmäßigen Abständen vom Colorado überschwemmt wurde und somit den Boden immer wieder mit Nährstoffen anreicherte. Die Yumas hatten reiche Ernten. Eine Bewässerung war nicht notwendig. Deshalb wurden die Felder von den Frauen bestellt. Bei den meisten Völkern des Südwestens wurde aber die Feldarbeit von den Männern betrieben, wegen der schwierigen Bewässerung. In ihren Zeremonien spielte der Ackerbau und die Jagd keine besondere Rolle. Vom Vater wurde das Ackerland weiter vererbt und gehörte den Familien und Sippen. Es wurde bewacht und bei einer Übertretung der Grenze kam es zum Kampf. Die Yuma waren spärlich bekleidet. Die Männer gingen oft nackt, die Frauen dagegen trugen oft nur einen Rock. Dafür war Frau und Mann reich tätowiert. Ihre Behausung waren runde Hütten. Im Kunsthandwerk waren sie nicht über gutaussehende Töpfereien hinausgekommen, jedoch flochten sie auch einfache Körbe. Im Leben der Yuma spielten Träume und Visionen eine wichtige Rolle. Sollten Entscheidungen getroffen werden, so versuchte man Träume und Visionen richtig zu deuten, um zu einer richtigen Entscheidung zu kommen. Zivile Angelegenheiten wurden von einen sogenannten Berater geklärt. Sein Amt wurde auf sein Nachfahren vererbt. Personen, die Krieger zu einem Kampf anführten, wurden als die Tapferen Männer bezeichnet und hatten wie die Skalpbewahrer einen wichtigen Rang. Sie erhielten ihre Macht auch durch Visionen. Für die Yuma sowie die Mohave war der Krieg das wichtigste Ereignis. Ganz wichtig war die Erbeutung eines Skalps. Jeden Monat wurde wegen der erbeuteten Skalpe getanzt. Verwandte Stämme verwendeten die gleichen Kampfregeln. Man stellte sich in zwei Linien gegenüber auf. Bevor es zur Schlacht kam, forderten sich Häuptlinge oder angesehene Krieger der beiden gegnerischen Parteien zu Zweikämpfen heraus. Gefangene wurden entweder getötet oder zu Sklaven gemacht. Als Waffe verwendeten die Yuma-Stämme eine Art Keule, welche auf der einen Seite einen Stachel besaß. Im Nahkampf konnte nun sowohl die eine Seite


als auch die andere benutzt werden. Besonders eindrucksvoll war die Bestattungszeremonie der Yuma. Die Toten wurden auf riesigen, sorgfältig aufgestapelten Holzstößen verbrannt. Die Feuerbestattung ist sonst bei den Stämmen Nordamerikas gänzlich unbekannt. Die Sippe des Verstorbenen tanzte die ganze Nacht um den Scheiterhaufen. Am darauffolgenden Tag wurde auch die Hütte des Verschiedenen verbrannt. Einmal jährlich wurde aller Toten gedacht. Dabei trafen sich die Verwandten zu einem großem Festessen, welches vier Tage dauerte und auf dem sich Gesang und Reden abwechselten. Ein Scheinkampf beendete die Festlichkeit.


Stamm  

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