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Sabine Hahn

Der Puste-Wirbel Leseprobe www.moncoq-edition.com www.facebook.com/MONCOQedition


Die Autorin und Illustratorin Nach ihren kunterbunten Kinderbüchern über Hockey, Weihnachten und der kleinen tapferen Schwimmerin, lädt Sabine Hahn ihre großen und kleinen Leserkinder in ihrer neuen Geschichte auf eine wilde, turbulente Reise durch die geheimnisvolle Vergänglichkeit der Zeit ein. Als Buchbinderin bis hin zur Autorin & Illustratorin von Kinderbüchern, begibt sie sich mit diesem Werk zudem erstmals in die große aufregende Welt der Verlagsführung der MON COQ edition. Ihre ausführliche Bibliografie, alle Informationen zu ihren nächsten Lesungen und Näheres über ihre Workshops sind auf www.sabinehahn.net zu finden.


Der Puste-Wirbel Greta und Paul fliegen davon


Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar. © 2016 MON COQ edition e.K., Frankfurt am Main Amtsgericht Frankfurt am Main HRA 48866 Text & Illustration und Umschlaggestaltung: Sabine Hahn Herstellung: BoD – Books on Demand, Norderstedt ISBN: 978-3-9817970-0-8 Alle Rechte vorbehalten www.moncoq-edition.com www.sabinehahn.net


Inhalt Greta und Paul fliegen davon

11

Endlich Ostern?

21

Schön wie alte Pusteblumen

27

Das Geburtstagsgeschenk

34

Gemeinsam langsam

42

Einfall oder Reinfall?

49

Und alles dreht sich schneller

55

Wie auf einer Achterbahn

62

Alles an einem Tag

72

Wieder bei Oma

79

Pauls Zauberpunkte

85

In dieser Geschichte erleben die Geschwister Greta und Paul eine spannende Abenteuer-Reise durch die Zeit. Du erkennst ihre Zeitsprünge immer auch an diesem kleinen Sternchen . Die Kapitelangaben samt ihrer Seitenzahlen beziehen sich auf das 96-seitige Original und nicht auf diesen Auszug.


Greta und Paul fliegen davon „Juhu!“, freut sich Paul, „Endlich ist mal was los!“ Wie in einem riesigen Beutel sitzt er mit seiner Schwester Greta zwischen unzähligen bunten Schokoladenhasen, Ostereiern und Malsachen tief eingesunken in einer fliegenden Picknickdecke. Dabei schüttelt Paul aufgeregt seinen Plüsch-Hasi vor Freude hin und her. „Jetzt wackle nicht so, sonst fallen wir noch raus!“, meckert Greta, während sie dieses Durcheinander noch nicht so ganz fassen kann: Waren sie nicht gerade noch in Omas Garten gewesen? Und warum fliegen sie von diesem heftigen Sturm angetrieben durch die Wolken?


Unsicher schaut sie über den weichen, gelben Deckensaum. Um sie herum steigen abertausende, winzig kleine PusteblumenSchirmchen in den Himmel und wirbeln lustig mit den beiden Geschwistern durch die Lüfte. Ist das ein vielleicht ein Abenteuer! Greta kann es kaum glauben. Ob sie das alles nur träumen? Wohin sie der Wind wohl tragen wird? Nachdenklich lehnt sie sich zurück und überlegt, wie vor dem PusteblumenWirbelsturm scheinbar alles angefangen hat. Gestern, bei Oma… 


Eigentlich war es ein ganz gewöhnlicher Tag gewesen: Die Sonne lachte und der Himmel flimmerte in seinem schönsten Blau. Mama und Papa hatten die Geschwister übers Wochenende zu ihrer Oma gebracht, um der alten Frau bei den anstrengenden Ostervorbereitungen zu helfen. Voller Vorfreude hatten alle drei gleich ein süßes Osterlamm gebacken und es dick mit Puderzucker bestäubt. „Wie die dicke Wolle!“, meinte Greta, tauchte ihren Finger in das Pulver und schleckte es heimlich ab. Leider mussten sie zwischendurch die Küche ausfegen, weil Paul eine volle Mehlpackung verschüttet hatte. Oma seufzte. Aber später durften sie sogar bis in den Abend hinein gemütlich fernsehen. Bei Oma war einfach alles erlaubt!


„Das dürft ihr aber Mama und Papa nicht verraten“, flüsterte Oma ihnen verschwörerisch zu und zwinkerte vielsagend. Dabei drückte sie ihr rechtes Auge feste zu und ihre Falten wurden ganz runzelig. „Arme Oma“, dachte Greta in diesem Augenblick. War das eine schrumpelige Haut in Omas Gesicht! Ob ihr das wehtat, wenn sich die Falten so tief eingruben? Wahrscheinlich aber nicht, sonst hätte sie später vor dem Fernseher nicht so viel mit ihnen gelacht. „Morgen sind dann die Ostereier an der Reihe“, erklärte ihnen Oma abends vor dem Schlafengehen noch. „Damit füllen wir meinen schönen Osterkorb.“ Sie freute sich anscheinend wirklich sehr auf dieses Osterfest. Fast so viel wie Paul und seine Schwester.


So hatten sie am nächsten Tag schon seit zwei Stunden im Grünen gesessen und noch einige weiße Eier vor sich liegen, die sie bemalen wollten. Auf Omas großer Decke verteilt lagen bunte Farbtöpfe, Pinsel in allen Größen und Osterschokoladen zur Stärkung zwischendurch. Während seine große Schwester ihren Pinsel immer wieder in die Farbe tauchte, hatte sich Paul auf den Bauch gelegt und kuschelte mit seinem flauschigen Hasi. Den hatte ihm letztes Jahr der Osterhase gebracht. Seitdem waren die beiden unzertrennlich. Hasi war überall dabei, auch wenn sich Greta ständig über ihren Bruder lustig machte. Vor allem dann, wenn er zum Einschlafen an Hasis linken Öhrchen nuckelte. Doch Greta war mit 11 Jahren


nun mal viel älter als der kleine Paul. Der war schließlich erst 6 und ging erst seit Kurzem zur Schule. Da durfte man ja wohl noch mit seinem Plüschhasen kuscheln.  Damit hatte also alles begonnen: Beide waren bei Oma angekommen, sie hatten gemeinsam gebacken und wollten später im Garten Ostereier bemalen. Darauf hatte sich Greta am meisten gefreut. Und jetzt? Jetzt fliegen sie von diesem Puste-Wirbel angetrieben in ihrem gelben Picknickdecken-Beutel durch die Lüfte und trauen ihren Augen nicht. „Juhu!“, ruft Paul erneut, als sie durch eine kleine Wolke schwirren. „Siehst du diese Wolke da? Ganz rechts hinter der kleinen?“, fragt Paul seine große Schwester und zeigt aufgeregt in die Luft.


„Zusammen sehen sie aus wie Hasi! Da sind die Ohren, hier der kugelige Kopf und dahinter der runde Po.“ Mit seinen Fingern zeichnet er das ausgedachte Wolkenbild nach. Dann streicht er seinem schlaksigen Plüschtier neben ihm zärtlich über den dicken Bauch. Die langen Schlappohren rutschen dem Tier über die schwarzen Knopfaugen und verdecken die aufgenähten Hasenzähne. Aber Greta schüttelt den Kopf: „Nö, seh' ich nicht. Außerdem zeigst du nach links. Und wo links ist, kann ja nicht rechts sein. So langsam könntest du dir das mal merken!“ Dabei deutet sie mit einem Pinsel auf ihren Bruder und tupft ihm einen roten Punkt auf die Hand. Paul schnauft. Dass er das immer noch verwechseln muss! Erst vor wenigen Tagen


hatten sich seine Freunde sehr über ihn aufgeregt, als er beim Hockeyspiel leider das falsche Tor traf. „Das RECHTE Tor solltest du treffen, du Dummkopf!“ Alle hatten geschimpft und sie verloren das Match. Das war vielleicht peinlich gewesen! Verunsichert hält er sich jetzt beide Hände vor sein Gesicht und streckt die Daumen aus. Erstaunt stellt er fest, dass seine linke Hand dabei ein L formt. Das kennt er doch schon aus der Schule! „L-l-l-l wie LINKS“, freut er sich leise. Das wird er sich diesmal bestimmt merken können! Sein Blick wandert zu Hasis braunen Ohren: „L-l-l-l wie Langohr“ flüstert er, während er Hasis lange Löffel ebenfalls zu einem L anwinkelt. Seine Schwester kümmert das nicht: „Ach, die Wolken seh'n


doch alle gleich aus!“, brummt Greta, als sie flüchtig nach oben schaut. „Hauptsache, es regnet nicht!“ Sie überlegt immer noch angestrengt, wie sie so weit in den Himmel fliegen konnten. Irgendein starker Wirbelsturm muss ihre Decke mitgerissen und sie auf große Reise genommen haben. War es etwa ein riesiger Greifarm, wie der von Oma, der sie durch die Lüfte geschleudert hat? Fast meint sie, seinen gigantischen Schatten gesehen zu haben. Greta schüttelt den Kopf und fühlt sich schon selbst wie eine Pusteblume, die vom Wind irgendwohin getragen wird. Ihre Decke schaukelt und gleitet dabei im Puste-Wirbel durch die Luft.


Endlich Ostern? Plötzlich bemerken sie, wie die Reise zu Ende geht: Der Wind nimmt ab und mit ihm ihre Flughöhe, bis sie wieder festen Boden unter der Decke spüren. Eine flauschige Pusteblume rollt leise ins Gras und erstaunt schaut sich Greta überall um. Erneut sind sie in Omas großen Garten. Aber irgendetwas ist anders. „Greta! Da!“, hört sie ihren Bruder rufen, „Der Osterhase war endlich da!“ Aufgeregt rennt er wild im Garten umher, während er sämtliche Ostereier und Schoko-Hasen aus ihren Verstecken herausnimmt und vor Freude hüpft. Greta bleibt verunsichert auf der Decke. Sie traut diesem komischen Ortswechsel nicht.


Da stimmt doch etwas nicht! Als Paul wieder bei ihr ist, leert er seine vollgestopften Hosentaschen und legt die Schokoladeneier vorsichtig zu Hasi. „Pass gut auf alles auf!“, ermahnt er sein Stofftier. „Komm, Greta, du musst mir unbedingt helfen! Hier liegen noch sooo viele Sachen in den Büschen! Vielleicht gibt es auch richtig große Geschenke!“ Dann stutzt er. Hinter dem weißen, schroffen Baumstamm der Birke entdeckt er es: Ein riesiges Raumschiff, umhüllt von durchsichtiger Geschenkfolie, mit einer dicken, roten Schleife oben drauf. Genau das hat er sich doch gewünscht! Seine Augen leuchten. Hoffentlich ist das nicht wieder bloß ein Traum! Das ist ihm ja leider schon mal passiert! Er zwickt sich kurz in den Arm.


Wie groß war die Enttäuschung damals nämlich, als er morgens wieder in seinem Bett aufwachte und von all den tollen Geschenken nur geträumt hatte! Aber heute läuft bestimmt alles gut. Da ist sich Paul ganz sicher. In Gedanken hält er das tolle Spielzeug bereits in den Händen und lässt es laut zischend durch den Weltraum schweben. Endlich hat das Warten auf Ostern ein Ende und Greta muss nun wohl oder übel zugeben, dass der Osterhase durchaus auch große Geschenke bringt! Überglücklich will er losrennen und spielen. Doch es kommt ganz anders. Wie aus dem Nichts erscheint der riesige Schatten eines überdimensionalen Greifers, schnappt sich die Picknickdecke und lässt


die beiden Kinder im Puste-Wirbel auf und davon fliegen. Oder war es nur der Wind? „Was ist denn das schon wieder?“, schimpft Paul und beißt einem Schokohasen verärgert ein Ohr ab, „Dieser blöde Wirbelsturm! Was soll das? Greta, mach doch was!“ Greta versucht in der Zwischenzeit vergeblich, zwei bunte Ostereier festzuhalten. Doch schon sind sie mit den zarten Pusteblümchen aus der Decke gepurzelt. Unendlich lang fliegen sie gemeinsam auf die Erde. „Da wird sich aber gleich jemand wundern, wenn es Ostereier regnet!“, meint Greta schmunzelnd. „Bleib einfach ruhig sitzen, damit du nicht auch noch rausfällst. Vielleicht bekommst du dein Raumschiff ja zu Weihnachten“, kann sie ihren Bruder


etwas beruhigen. So langsam beginnt ihr diese Reise Spaß zu machen. Aber das kann sie Paul natürlich nicht sagen. Noch immer schmollt er vor sich hin und zerrupft dabei eine Pusteblume, die unter seinem Hasen lag. Greta lehnt sich derweil wieder zurück und versucht sich zu erinnern, wie es heute Morgen in Omas Garten weiterging. 


Schön wie alte Pusteblumen „Ist mir langweilig“, hatte Paul nach einer Weile in Omas Garten gestöhnt. Hasi lag dabei plattgedrückt unter seinem Bauch und hielt ein Schläfchen. Da entdeckte er Omas Greifzange, nahm sie und zerpflückte damit eine dicke Pusteblume. Was Oma so alles hatte! Einen coolen Gehwagen, auf den sie sich beim Einkaufen auch mal setzen konnte, eine riesige Lupe zum Lesen - sogar mit Licht, das er so gerne anknipste - und diesen lustigen Greifer hier, damit sie sich nicht immer so tief bücken musste. Paul war begeistert. Wenn er einmal so alt sein würde, dann wollte er das auch alles haben! Und einen Elektrowagen.


Mit dem würde er im Supermarkt durch die Gänge düsen und nur bei Spielsachen und den Paprika-Chips eine kurze Pause machen. Er beobachtete Omas Gerät in seiner Hand. Ringsherum blühte kräftiger Löwenzahn und eine weitere Pusteblume versteckte sich unter einem gezackten Blatt. So vorsichtig wie er nur konnte, setzte Paul den geöffneten Greifer an die Pflanze, umspannte mit seinen Händen langsam den Griff und zupfte an einem der Samenschirmchen. Alles war ganz leise. Doch mit einem Mal war es mit der Ruhe vorbei: „Wenn du mir mal helfen würdest, wär' dir auch nicht so langweilig!“, schimpfte Greta plötzlich und Paul erschrak. Er verlor Omas Greifer aus der Hand und zerdrückte seine Pusteblume.


„Oh nein!“, jammerte er. Ein kräftiger Luftstoß kam auf und staunend schauten die beiden den unzähligen Schirmchen hinterher, die immer höher in den Himmel wirbelten. Auch die Picknickdecke blähte sich gefährlich hoch auf. Nur mit größter Mühe konnte Greta sie auf dem Boden halten. Sonst wären die vielen Ostereier davon gerollt. Paul blinzelte derweil noch den letzten fliegenden Pusteblumen hinterher. Dann waren sie verschwunden. „Irgendwie sind Pusteblumen wie alte Omas“, meinte Paul später nachdenklich. „Erst sind die gelben Blumen jung und schön und dann werden sie alt und haben graue Haare. Wie Omas eben.“ Greta schielte zu ihrem Bruder hinüber. Was für wirre Gedanken er schon wieder hatte! Trotzdem hatte er womöglich recht.


„Sogar die alten Pusteblumen sind dann aber noch wunderhübsch!“, nickte sie. Paul freute sich: „Ja, und unsere Oma ist ja eigentlich auch noch richtig wunderhübsch, obwohl sie grau ist und so furchtbar viele Falten hat!“ Zufrieden suchte er nach den allerletzten kleinen Pusteblumen-Schirmchen in der Luft. „Jetzt mal aber endlich deine Ostereier an!“, meckerte Greta schließlich wieder. Paul sah sich um: „Ich hab' meine Ostereier doch schon längst fertig!“ Dabei deutete er auf die beiden weißen Eier mit jeweils einem großen gelben Punkt. Für ihn war die Sache erledigt. „Ist das etwa alles? Willst du mich auf den Arm nehmen?“ Greta konnte es nicht fassen. „Du brauchst zwei volle Stunden,


um zwei Punkte auf die Eier zu malen? Na warte, das sag' ich Oma!“ Sie nahm jedes ihrer Eier nochmal in die Hand und schrieb ordentlich ihren Namen darauf. So konnte jeder sehen, wie fleißig sie gearbeitet hatte. Auch der Osterhase, der bald kommen würde. „Petze!“, ärgerte sich Paul, „Außerdem sind das nicht irgendwelche Punkte, sondern Zauberpunkte. Du wirst schon seh'n!“ Verärgert nahm er sie in die Hände und schaute sie sich etwas genauer an. Naja, vielleicht hätte er hier und da noch das ein oder andere Muster aufmalen können. Aber das dauerte ihm alles einfach viel zu lange und musste reichen. Dem Osterhasen würde es schon gefallen und er würde ihm bestimmt ein tolles Geschenk hinterlassen.


Paul konnte es wirklich kaum noch erwarten, bis endlich Ostern war! Wenn die Zeit doch nur schneller vergehen würde! Seit Wochen gab es in den Geschäften schon Schokohasen in allen nur denkbaren Geschmacksrichtungen und Größen, Kuchen und Ostereier mit leckerer Füllung. Das konnte doch jetzt nicht mehr lange dauern! Ungeduldig wippte er mit dem Fuß. Das tat er immer, wenn er aufgeregt war. Mama schimpfte dann jedes Mal, weil er ihr dabei unter dem Tisch ans Schienbein trat. 


Das Geburtstagsgeschenk „Greta, guck mal!“, ruft Paul plötzlich und reißt seine Schwester aus ihren Gedanken und aus Omas Garten. „Wir sinken. Ich glaube, wir landen gleich!“ Und tatsächlich, nur kurze Zeit später landen sie nach ihrem Flug wieder auf dem Boden. Als sich die Decke öffnet, wird ihnen mit einem Mal ganz heiß. „Puh! Ist das eine Hitze! Wo sind wir hier?“, fragt Paul und schaut sich misstrauisch um. Auch Hasis Fell wird in seinen verschwitzten Händen immer wärmer und wärmer. Greta erkennt eine Bergkette am Horizont, die zum Meer hin immer flacher wird.


„Moment mal. Wir sind am Meer!“, freut sie sich und hüpft vor Freude von einem Bein aufs andere. Ihre Füße werden im heißen Sand ganz warm und kribbeln. Ihr Bruder hat seinen Ärger um sein verlorenes Geschenk schon wieder vergessen. Schnell will er sich seine Socken und die lange Hose ausziehen: „Ich geh' ins Wasser Muscheln suchen! Vielleicht gibt`s hier auch Fische und Krebse!“ Er setzt sich aufgeregt mit seinem Hasen auf die Decke und zerrt an seiner Socke. Dann stehen Mama und Papa plötzlich vor ihnen. Zusammen singen sie ein Geburtstagslied für ihren Sohn und schauen ihm in die Augen. „Zum Geburtstag viel Glüüück! Zum Geburtstag viel Glüüück!“ Mama hält freudestrahlend eine riesige Geburtstagstorte in ihren Händen.


In der warmen Sonne zerläuft die weiße Sahne-Creme und tropft in den Sand. „Igitt!“, denkt Greta dabei angewidert. Auch das Wachs der vielen bunten Kerzen schimmert schon und schmilzt. Langsam beginnt Paul sie zu zählen, um zu wissen, wie alt er überhaupt wird. Eigentlich dauert es ja noch ewig, bis er Geburtstag hat. Was für ein verrückter Tag! Er kann es kaum glauben. Erst sitzt er mit Greta gelangweilt bei Oma, dann taucht dieser riesige Greifarm auf, wenig später steht Ostern vor der Tür und jetzt feiert er schon seinen Geburtstag! Das ist echt irre! Paul erinnert sich an Omas Worte von gestern: „Wenn du mal so alt bist wie ich, vergeht die Zeit viel schneller!“ Ob er jetzt schon alt genug ist? Fühlt es sich so an, wenn man älter wird und, wie alle immer


behaupten, ständig der Zeit hinterherrennt? Eigentlich ist das ganz lustig, wenn auch ein wenig anstrengend. Vorsichtshalber tastet er sein Gesicht ab und sucht nach Falten. Zum Glück kann er noch keine entdecken. Nur die Schramme von seinem letzten Fahrradsturz am Kinn. Jedenfalls ist es toll, dass die Zeit nun doch endlich schneller vergeht! Greta beobachtet, wie ihr kleiner Bruder seine Socke auszieht. Wenn er doch nicht immer vorne an der Sockenspitze ziehen würde! Sie selbst rollt ihre Socke ja lieber ordentlich herunter. So geht alles ganz leicht und schnell. „Jungs kapieren das anscheinend nicht richtig“, seufzt sie und verzieht den Mund. Dann steht Paul hastig wieder auf, während er konzentriert auf die Kerzen starrt.


„Nun puste sie schon endlich aus!“, drängt Papa. Paul schaut neugierig zu ihm hinauf. Ob er jetzt ein Geschenk bekommt? Irgendetwas hält Papa doch hinter dem Rücken versteckt! Dann holt er tief Luft, pustet kräftig und alle 7 Kerzen gehen aus. „Wünsch dir was! Wünsch dir was!“, denkt Paul mit zugekniffenen Augen. Er hat aber sowieso nur einen Wunsch: Sein rotes Turbo-Düsen-Raumschiff. Und tatsächlich! Kaum hat er die Augen geöffnet, nimmt Papa ein riesiges Geschenk hinter seinem Rücken hervor. Es ist bunt eingepackt, mit einer großen, grünen Schleife, aber die Form verrät es: Es ist sein heißersehntes Raumschiff! „Danke!“, strahlt Paul und fühlt bereits das glatte Papier zwischen seinen Händen.


Doch Greta ahnt, dass er sein Geschenk auch diesmal nicht bekommen wird. Sie hat den Schatten von Omas Greifer bereits entdeckt, der wieder schnell wie der Blitz die Picknickdecke schnappt und die beiden Geschwister davon schweben lässt. Einige Ostereier hüpfen dabei heraus und fallen mit einer Pusteblume vom Himmel. Ein weiteres Mal hat sie dieser unheimliche Greifarm einfach -so mir nichts dir nichts- herausgerissen und der mächtige Puste-Wirbel trägt sie davon… 


Was werden die Geschwister wohl noch so alles erleben? Wo wird sie der PusteWirbel überall hin katapultieren und wird Paul irgendwann doch noch sein heißersehntes Turbo-Düsen-Raumschiff in den Händen halten? Freut euch auf ein turbulentes & ebenso poetisches Abenteuer und begleitet Greta und Paul auf ihrer wilden Reise durch Raum und Zeit.

Weitere Informationen gibt es hier: www.moncoq-edition.com www.sabinehahn.net

©MON COQ edition 2016

Leseprobe zum Kinderbuch "Der Puste-Wirbel" von Sabine Hahn  

Weihnachten und Ostern an einem Tag! Wer hat sich das nicht schon gewünscht. Auch Paul und seiner großen Schwester gefällt dieser Gedanke....

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