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Rechnungslegung

und Unzulänglichkeiten, deutlich abgeschwächt. Auch in der «milderen» Fassung verändert das RLR gegenüber den veralteten Vorschriften von 1936 die Rahmenbedingungen für Buchführung und Bilanzierung deutlich. Für den veb. ch als neuem Herausgeber des Schweizerischen Kontenrahmens KMU war eine Neubearbeitung unumgänglich. Soll eine grundlegende Anpassung an die internationale Entwicklung oder nur eine an den Bedürfnissen der kleinen bis mittelgrossen Unternehmen orientierte sanfte Überarbeitung vorgenommen werden? Der Entscheid, als Zielgruppe des Kontenrahmens 2013 neben den grösseren KMU bewusst auch die Kleinst- und Kleinunternehmen zu bestimmen, ist folgerichtig. Die Ausgabe 2013 baut auf dem Bewährten auf. Wer sich im bisherigen Kontenrahmen auskennt und sich mit dem nRLR vertraut gemacht hat, kann ohne Schwierigkeiten auf die Fassung 2013 umstellen, auch wenn er sich beim einen oder anderen Konto an eine neue Nummer gewöhnen muss. Bei der klaren Ausrichtung auf die Zielgruppe KMU können zudem besondere Erfordernisse der Konzernrechnung ausgeklammert und auf eine Verbindung mit Swiss GAAP FER verzichtet werden. Es ist im Blick auf die KMU als Anwenderzielgruppe zu begrüssen, dass sich das Autorenteam bei der Gliederung der Erfolgsrechnungs-Kontenklassen 3 – 6 ausschliesslich auf die Produktionserfolgsrechnung (Gesamtkostenverfahren) beschränkt und auf eine Umsetzung des neu eingeführten gesetzlichen Gliederungsschemas der Absatzerfolgsrechnung (Umsatzkostenverfahren nach revOR 959b III) verzichtet hat. Dieses ist bekanntlich vor allem bei grosskapitalisierten SMI-Gesellschaften (Ausnahme Swisscom und Swatch) üblich. In KMU und selbst bei börsenkotierten Gesellschaften mit Swiss GAAP FER-Rechnungslegung ist die Produktionserfolgsrechnung die Regel. Neuerungen Eine deutliche Ausweitung des Kontenrahmens wurde durch die Entwicklung bei der Mehrwertsteuer notwendig (neun anstelle von vier Seiten Erklärungen sowie neue Konten). Als Neuerung werden bei der Erfassung des Leasings

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Konten zur Aktivierung in den verschiedenen Kategorien der Sachanlagen sowie Passivkonten «Verbindlichkeiten aus Finanzierungleasing» vorgesehen. Betriebswirtschaftlich korrekt sieht der Kontenrahmen für die Verbuchung der Skonti die beiden Varianten vor, entweder als betriebliche Aufwendung bzw. Ertrag oder – wie die Theorie (z.B. Behr/ Leibfried) bevorzugt – als Finanzergebnis. Bei den entsprechenden Konten sollte jedoch auf die Wahlmöglichkeit verwiesen werden. Als Zielsetzung wird vom Autorenteam auch die «Entschlackung» des Kontenrahmens genannt. Eine formelle Vereinfachung erfolgt durch Beschränkung auf vier nummerierte Ebenen, während bisher sechs Gliederungselemente vorgesehen waren. Kontenuntergruppen werden «zur Erleichterung des Navigierens innerhalb der Gruppe» nicht nummeriert. So erscheinen Bankguthaben (bisher 102.0) als Untergruppe der Flüssigen Mittel ohne Nummer. Anders als in der Ausgabe 1996 beschränkt sich der Kontenrahmen als solcher benutzerfreundlich auf die Nennung der einzelnen Konten, «welche im Dienst der OR-Jahresrechnung» stehen (Seite 85) und vermischt diese nicht mehr mit der Darstellung der Grundlagen und Erläuterungen zu den Konten. Letztere erfolgen vom Kontenverzeichnis getrennt unter dem Titel «Einzelaspekte des Kontenrahmens». Streifzug durch die Einzelkonten Bereits bei der Ausgabe 1996 fiel auf, dass die Aufzählung von Einzelkonten erheblich erweitert wurde. Der Kontenrahmen 2013 sieht für den Werbeaufwand 18 Einzelkonten vor, während «Käfer» sich mit neun begnügte. Ist es wirklich nötig, unter einer klaren Gruppenbezeichnung wie 66 Werbeaufwand auch noch eine grosse Auswahl von Einzelkonten anzugeben, vor allem wenn diese bereits aus dem Titel hervorgehen? Braucht es ein Konto 6672 Firmenjubiläen, ganz abgesehen davon, dass es sich definitionsgemäss wohl nicht um einen ordentlichen, sondern eher ausserordentlichen Aufwand handelt. In der Untergruppe «kurzfristig gehaltene Aktiven mit Börsenkurs» macht es wenig Sinn, ein besonderes Konto 1061 für die fünf noch käuflichen PS zu führen. Zur «Entschlackung» rechnungswesen & controlling

wäre ein Konto 1060 Beteiligungspapiere zweckmässiger gewesen. «Forderungen gegenüber der Revisionsstelle» 1128 dürfte Seltenheitswert haben. Was kann bei 1192 «Geleistete Anzahlungen» gebucht werden, wenn für alle konkreten und rechtlichen Fälle unter Vorräte und Sachanlagen noch Einzelkonten vorgesehen sind? Betriebswirtschaftlich und rechtlich (revOR 959 III) problematisch ist die Erfassung der Arbeitgeberbeitragsreserve im Umlaufvermögen unter 130 Aktive Rechnungsabgrenzung. Sie steht auch im Widerspruch zu FER 16/4 und zur Rechnungslegungspraxis. Eine Buchung auf Konto 2570 «unverzinsliche langfristige Verpflichtungen gegenüber Vorsorgeeinrichtungen» wäre wohl ein Verstoss gegen die BVG-Anlagevorschriften. Was hat in einem KMU-Kontenrahmen das Konto 2800 «Stiftungskapital» verloren? Als Untergruppe wird auch der Bilanzgewinn aufgeführt mit den beiden Konten 2970 «Gewinn- oder Verlustvortrag» und 2979 «Jahresgewinn». Wo ist der betriebswirtschaftliche Unterschied zwischen zurückbehaltenem Gewinn auf dem Konto «Gewinnreserven» und dem Konto «Gewinnvortrag»? Nachdem die Reserven nach klaren Kriterien gegliedert werden und revOR 959a II ausdrücklich eine Position «kumulierte Verluste» vorsieht, hat die traditionelle Position «Vortrag» keine Bedeutung mehr. Nicht gelöst ist ein Problem, das durch die Einführung einer Kategorie «Aktiven mit Börsenkurs» entstanden ist. Der VE sah, um negative Auswirkungen der Kursschwankungen auf die Erfolgsrechnung abzuschwächen, eine Schwankungsreserve vor. Dagegen erschienen im E 2007 «Wertberichtigungen», also nach revOR 960a eine Erfassung von realisierten Wertverlusten. Bei den Ausweisvorschriften werden Schwankungsreserven erwähnt. Schwankungsrückstellungen (zu beachten ist der Begriffsunterschied) sind in der Rechnungslegung von Versicherungen üblich (FER 14/Glossar, FER 41/23 und 25). Wird der Begriff Reserve nicht willkürlich ausgelegt, handelt es sich dabei um Eigenkapital. „„„

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Rechnungswesen & Controlling 03/13  

Fachzeitschrift des grössten Schweizer Verbandes in Rechnungslegung und Controlling veb.ch

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