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# 3/2013

Fassbrause

Frankfurt

Familie

Neues Erfolgsprodukt oder Mogelpackung? Die bekanntesten Fassbrausen deutscher Hersteller im Test.

Wohnzimmer am Tag. Bar bei Nacht. Die gekonnte Transformation der bekannten Bristol Bar in Frankfurt.

Borco-Geschäftsführerin Dr. Tina Ingwersen-Matthiesen über Geschichte, Erfolg und Ziele des Unternehmens.

Neue Bars — Reingold Bar

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Werte Leser, kennen Sie Hugo, suchen Sie Ingo? Sind Sie auf der Suche nach prickelnden Erfahrungen? Nein, das ist kein Dating-Portal. Marco Beier stellt Ihnen zur Saison die leckersten Spritz-Varianten vor und reißt damit die Terrassen-Hoheit an sich. Nerven Sie erst gar nicht einen Bartender, machen Sie es sich selbst (S.24). Selbst gemacht könnte es auch auf einem anderen Markt zugehen. Fassbrause ist in, aber was ist drin? Morten Kohrt hat sich durchgetrunken, blieb nüchtern, aber leider auch ernüchtert ob der Qualitäten. Manches aus dem Fass machte ihn fassungslos (S.4). Nach Brandstifterart wurden erst Signalfeuer gezündet, dann Nebelkerzen entfacht und schließlich Feuer gelegt. Nein, der Gin wurde nicht in Berlin neu erfunden, schon gar nicht von Brandstifter. Wie viel Manufaktur steckt hinter dem Marketing? (S. 18) Wie man durch Beharrlichkeit und unverbogene Echtheit Erfolg haben kann, beweist der Frankfurter Bartender Branimir Hrkać. Er ist nach Hause gegangen und hat seine alte Wirkungsstätte, die Bristol Bar, neu definiert (S.19). Weil MIXOLOGY sonst nichts zu tun hat, hat sich Herausgeber Helmut Adam auf die Couch gelegt und mal nachgedacht. Das von diesem Magazin vor Jahren eingeführte Label »Made in GSA« benötigt

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Neue Bars — Reingold Bar

eine praktische Umsetzung. Also wurde ein Wettbewerb ins Leben gerufen. Dieser Ruf wurde erhört und eine spannende Competition fand in Wien ihre Heimat. Die Ergebnisse finden Sie auf Seite 35. Bars und Biere gehen neue Wege. Auch zwischen den Geschlechtern verläuft die Kampfzone. Was Männer bei diesem ureigenen Thema lernen können, beschreibt mit maskuliner Souveränität Peter Eichhorn (S.40). Und dass Frauen die Verkörperung von Erfolg in der Branche der zarten Spirituosen und harten Märkte sein können, verdeutlicht kaum jemand besser als Dr. Tina Ingwersen-Matthiesen von Borco (Seite 42). Genießen Sie den kurzweiligen Mix! Ihr Markus Orschiedt


42  portrait Seit 1948 ist die Firma Borco stetig gewachsen. Heute gilt sie im deutschen Getränkesektor als eine der größten und erfolgreichsten. Die Geschäftsführerin Dr. Tina Ingwersen-Matthiesens gewährt, im Gespräch mit der Autorin Marianne Julia Strauss, Einblicke in die Geschichte und Ausblicke in die Zukunft des hanseatischen Familienunternehmens.

index 4  Alkoholfreie Getränke

35  Veranstaltungen & Wettbewerbe

Fassbrause: Zweifelhafte Neuinterpretation eines Kultgetränks

Finale Made in GSA Competition und Campari Liquid Art

11  Neues & Notizen

40  Bier

Erzählenswertes und Trinkenswertes

Frauen am Braukessel

19  Neue Bars

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Branimir Hrkac ist zurück in der Bristol Bar

MIXOLOGY im Gespräch mit BorcoGeschäftsführerin Dr. Tina IngwersenMatthiesen

24  Cocktails Status Quo und Aussichten für den klassischen Sommerdrink

31  Schwarze Seite Die Top 10 Bar-Metropolen

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Irrtum Fassbrause Text Morten Kohrt

e路Mixology sortiert den Markt

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Fassbrause erlebt derzeit ein imposantes Revival. Gut ein Dutzend deutsche Brauereien locken mit buntem Mischmasch namens Fassbrause. Bedauerlicherweise handelt es sich in den meisten Fällen um eine Mischung aus alkoholfreiem Bier und süßer Limonade und hat mit dem herrlich malzigherben Berliner Original nichts gemein. Die über einhundert Jahre zurückliegende Erfindung der Fassbrause ist Storytelling vom Feinsten. Im Jahr 1908 soll der Berliner Chemiker Dr. Ludwig Scholvien das Getränk eigens für seinen Sohn kreiert haben, um ihm einen erfrischenden Genuss zu bescheren, der optisch und geschmacklich an Bier erinnert, aber eben auch für Kinder geeignet ist. Scholviens ursprüngliche Rezeptur beruht auf einem Malzextrakt und einem Konzentrat aus Äpfeln, Süßholzwurzeln und anderen Aromaten. Abgefüllt wurde die Brause damals ausschließlich in Fässer und frisch gezapft. Den geschmacksgebenden Grundstoff stellte Scholvien in seinem Unternehmen, der Scholvien Essenzenfabrik her, der, ältesten Essenzenfabrik Deutschlands, die 1985 von der Wild GmbH & Co. KG, heute einer der weltweit führenden Aromaproduzenten, übernommen wurde.

Berlin und Brandenburg hatte Fassbrause stets eine untergeordnete, lokale Bedeutung. Auf nationaler Ebene setzten sich die internationalen Erfrischer mit ihren bedeutungsgeschwängerten Markenbotschaften, die weit über den tatsächlichen Geschmack hinausgehen, durch.

Schon lange genügt es nicht mehr, dass ein Getränk einfach nur gut schmeckt. Getrunken wird ein Lebensgefühl. Insbesondere in den letzten Jahren haben sich die Ansprüche und Sehnsüchte der Verbraucher stark gewandelt. Paradebeispiele für diesen Gefühlswandel sind Bionade, der einstige Limonaden-Underdog aus dem Rhöntal und Club-Mate, das Lifestyle-Accessoire der Open-Air-Kultur. Gesund, natürlich, nicht zu süß und irgendwie hipp, das sind die Attribute, die seit Bionade & Co einen hohen Stellenwert im Bereich der Erfrischungsgetränke haben. Das neu erschlossene Segment, das als direkte Gegenantwort Liquid Lifestyle auf Erfrischungsgetränke wie Coca Cola zu Gegen Unternehmen wie Coca Cola und verstehen ist, sehen jüngst viele GetränkeKonsorten konnte die regionale Fassbrause hersteller als Möglichkeit, mehr oder weniim 20. Jahrhundert jedoch nicht bestehen. ger neuartige Produkte zu etablieren. Einzig in der Ursprungsregion rund um mixology.eu

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Aufgrund des seit einigen Jahren stagnierenden beziehungsweise leicht rückläufigen Biermarkts drängen nun auch die großen, nationalen Brauereien auf den attraktiven Erfrischungsgetränkemarkt und versuchen dort ihre Absatzeinbußen zu kompensieren und neue Zielgruppen für ihre Marke zu erschließen. Die Idee, im Zuge dessen die ostdeutsche Fassbrause neu zu interpretieren, kam im Jahr 2009 von Marketingseite der Kölschbrauerei Gaffel. Die im darauffolgenden Jahr Gaffels Fassbrause lancierte.

Weder Fass noch Brause Außer dem Namen hat diese neue Generation Fassbrause aber recht wenig mit der ursprünglichen Brause aus dem Fass gemein. Da es sich bei dem Begriff Fassbrause um einen sogenannten Gattungsbegriff handelt, der per se keiner Definition unterliegt, kann jeder Hersteller innerhalb des gesetzlichen Rahmens frei entscheiden, welche Inhaltsstoffe oder Produktionsverfahren genutzt werden. Weder muss Fassbrause jemals ein Fass von innen gesehen haben, noch muss es sich um Brause handeln. Und so dienen die Wörter Fass und Brause vielen Anbietern heute eher als Worthülsen mit einem positiv aufgeladenen Image. Der Begriff suggeriert eine Mischung aus romantischer Tradition und unaufgeregter Leichtigkeit, ganz nach dem Motto »Früher war alles besser«. Marketingmäßig ist die neue Fassbrause ein echter Geniestreich, wenn man die Absätze betrachtet und dabei bedenkt, dass es sich bei dem neuen Erfrischungsgetränk,

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Alkoholfreie Getränke — Fassbrause

Weder muss Fassbrause jemals ein Fass von innen gesehen haben, noch muss es sich um Brause handeln. im Grunde genommen, nur um ein alkoholfreies Radler handelt, sprich alkoholfreies Bier in einem bestimmten Verhältnis gemischt mit Zitronenlimonade. Die im Jahr 2010 auf den Markt gebrachte Gaffels Fassbrause nutzt lediglich den Namen des Scholvien’schen Klassikers als Vermarktungssprungbrett. Inhaltlich bestehen keine Parallelen.

Überschäumende Absätze Trotzdem konnte Gaffel mit der Fassbrause einen echten Verkaufsschlager etablieren, der sich seit Markteinführung enormer Beliebtheit erfreut. Da wundert es kaum, dass dies auch die großen nationalen Brauereien vernommen haben und in den letzten Jahren mit eigenen Fassbrause-Sortimenten nachgezogen sind. Ob Veltins, Krombacher, Bitburger, Holsten oder Flensburger — alle haben ihr Portfolio um mindestens eine obligatorische Fassbrause erweitert. Das Wachstumspotential welches dem Erfrischungsgetränkesegment und insbesondere dem neuinterpretierten Produkt Fassbrause zugemessen wird, ist schlichtweg enorm. Allein im letzten Jahr konnte der Handel laut AC Nielsen einen Absatz-


/ s ears -GIN

SEARS D e r cut t ing edge proc ess ist ei n ei nzi g ar ti g es h er stellu ng sv e r fahren, b ei dem die ha ndver lesenen bo tani cals i n ei nem a u f wä ndigen prozess durc h messer mi t dem h ö ch sten h är teg r ad g e s c h nit t en werden. Da durch wi r d di e p flanzli ch e Zellstr u k tu r n i c h t zerquet sc ht, sondern sau ber du r ch tr ennt, so dass si ch di e a r o m en in der a nsc hliessenden desti llati o n o p t i m a l ent fa lt en können. D er cu tti ng edg e p r o cess mach t S E A R S zu einem m eist erha ft au sg ewo g enen g i n.

SE A R S - C u ttin g E d g e G i n i s a r e g i s t e r e d t r a d e m a r k . Pl ea s e enj o y S E AR S G i n i n m o d e r at i o n. w ww. s e a r s - g i n . c o m


zuwachs von 132 % im Gegensatz zum Vorjahr verbuchen. Da die großen Brauereien erst kürzlich in den Markt eingetreten sind und allesamt aktuell umfangreiche Werbekampagnen schalten, ist zu erwarten, dass Fassbrause erst in dieser und den folgenden Saisons alle Konsumenten erreicht und weiterhin mit ansehnlichen Absatzsteigerungen zu rechnen ist.

Mit Bier oder ohne? Weitaus weniger eindeutig ist die Frage, welche Art von Fassbrause langfristig am Markt überzeugen wird. Dass es überhaupt grundsätzlich unterschiedliche Arten von Fassbrause gibt, erschließt sich dem Konsumenten erst durch das aufmerksame Studieren der Zutatenliste. Die Mehrheit der Brauereien definiert das Getränk Fassbrause für sich als eine Mischung aus meist zwei Anteilen Limonade und einem Teil alkoholfreiem Bier. Einige Brauereien versuchen sich von dieser freien Interpretation des Kultgetränks abzugrenzen und setzen auf eine der Ursprungsrezeptur nahe Herstellung und verwenden statt des alkoholfreien Bieres einen Auszug aus Malz und aromagebende Fruchtkonzentrate. Was beide Fassbrause-Gattungen gemeinsam haben, ist die Tatsache, dass alle Sorten aller großen Brauereien mit Vitaminen und Mineralstoffen angereichert sind. Über die Sinnhaftigkeit dieser Anreicherung lässt sich aus ernährungswissenschaftlicher Sicht streiten. Kommunizieren lassen sich Vitamine und Mineralstoffe hingegen hervorragend.

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Alkoholfreie Getränke — Fassbrause

Verbraucherschützer kritisieren an der bierhaltigen Fassbrause zudem, dass die Brause alkoholfreies Bier enthält und somit nicht für Kinder geeignet ist, jedoch nicht explizit als Getränk für Erwachsene beworben wird. Kinder würden auf diese Art und Weise sanft an den Geschmack von Bier gewöhnt werden.

Erfolgreich dank Unauffälligkeit Geschmacklich sind sich sämtliche neuerschienenen Fassbrausen relativ ähnlich. Sie schmecken weniger süß als Limonade mit einer äußerst unauffälligen, säuerlichherben Note. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Herstellern sind marginal. Die Sorte Zitrone schmeckt schlichtweg wie ein sehr mildes Radler. Apfel und Holunder bieten dem Gaumen auch wenig Neues und die Sorte Rhabarber hört sich trendy an, bleibt aber unter den geschmacklichen Möglichkeiten des Knöterichgewächses. Unter Umständen erklärt eben diese geschmackliche Einfachheit und Bekanntheit auch den plötzlichen und vor allem breiten Erfolg der Fassbrause. Sie trinkt sich gut nebenbei, ist unkompliziert auf der Zunge, bietet viele bekannte Anknüpfungspunkte und außerdem erscheint sie total gesund. Fazit: Der Trend Fassbrause ist weniger erfrischend als vermutet. Die großen Brauereien bieten geschmacklich Altbekanntes in neuem, schicken Gewand. Obwohl die eingestaubte, über einhundert Jahre alte Grundrezeptur das nötige Potential für eine echte Getränkeinnovation bietet, strebt der Innovationsgrad der Fassbrause 2.0. gegen Null.


FASSBRAUSE Buying Guide Auch auf den Preis bezogen unterscheiden sich die Fassbrausen der unterschiedlichen Brauereien nicht merklich. Die Preise pro 0,33 Liter Flasche liegen bei ca. 60 – 70 Cent und sind im Sechser-Gebinde und Getränke-Kasten zu bekommen. Die Fassbrausen lassen sich in zwei grundsätzlich unterschiedliche Kategorien einteilen. Erstens Fassbrause auf Basis von Malzextrakt und zweitens Fassbrause gemischt aus zwei Dritteln Limonade und einem Drittel alkoholfreiem Bier.

Fassbrausen mit Malzextrakt Krombacher Fassbrause Sorten: Zitrone, Holunder, Apfel — krombachers-fassbrause.de Bitburger Fassbrause Sorten: Zitrone, Rhabarber — bitburger-braugruppe.de Rixdorfer Fassbrause Sorten: Alt-Berliner Art — berliner-kindl.de

Fassbrause mit alkoholfreiem Bier Veltins Fassbrause Sorten: Zitrone, Holunder, Apfel-Kräuter — veltins-fassbrause.de Gaffels Fassbrause Sorten: Zitrone, Orange — fassbrause.de Flensburger Fassbrause Sorten: Zitrone — flens.de Barre Sorten: Zitrone, Holunder — barre.de/fassbrause/ Holsten Sorten: Zitrone — holsten-fassbrause.de Stauder Sorten: Zitrone, Apfel-Rhabarber — stauder.de

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neues & Notizen

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Die iFNB-App Unternehmenskalkulation auf dem Smartphone Unwissenheit schützt nicht vor Konsequenzen. Bartender, Barchefs und sonstige Beschäftigte im Ausschankgewerbe stützen sich nicht nur auf Service, lange Nächte bei guten Drinks und »Tipps«. Die knallharte Geschäftskalkulation ist das Fundament einer funktionierenden Bar und Profitwerte, Verkaufserlöse und Gewinnspannen die Eckpfeiler. Die iFNB-App erleichtert und konsolidiert relevante Kalkulationen. Eine gewinnbringende Unterstützung für alle Gewerbetreibenden rund um Getränke, Essen und Gastwirtschaft. Die präzisen und zeitsparenden Berechnungen der iFNB-App sind ein essenzielles Werkzeug, um schwarze Zahlen zu schreiben. Geht beispielsweise ein Cocktail über den Tresen, errechnet die App das Verhältnis der Bestandteile zum Einkaufspreis im Abgleich mit dem Endverbraucherpreis und das auf den cl genau. Olasz Ales sei Dank, Preiskalkulation leicht gemacht und der Kuckuck bleibt auf seinem Baum. JW — www.facebook.com/pages/ifnb mixology.eu

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Vom Reichenbach ins Schumann’s Dietmar Petri blickt auf eine illustre Karriere als Bartender. Nach den Anfängen in einem privaten Vier-Sterne-Hotel, die Erkundung des Cuisine Style in der Cortiina Bar und zuletzt reüssierte er als Barchef im Reichenbach. Nun ist er im Olymp angekommen – im Team des Schumann’s. Im Interview mit MIXOLOGY sprach Petri davon, dass Charles Schumann ein Vorbild für ihn sei. »Wenn ich in dem Alter nur annähernd noch so viel Energie habe wie er, dann Hut ab.« Außerdem sei der bekannte Münchner Barmann einer der »lässigsten Menschen«, die er kenne. Die Hochachtung scheint auf Gegenseitigkeit zu beruhen. Petri wurde von Charles Schumann gebeten, in sein Team zu wechseln. Er betont aber gegenüber MIXOLOGY, er habe nie jemanden abgeworben, das mache er grundsätzlich nicht. Er freue sich aber sehr, Dietmar nun in seinem Team zu haben. Warum Dietmar Petri seinen Posten als Barchef geräumt hat und das überaus ambitionierte Reichenbach nach nur einem Jahr wieder verlassen hat, ist unklar. Petri ließ hierzu nichts verlauten. In der Münchner Barszene spricht man aber

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Neues & Notizen

über »konzeptionelle Schwierigkeiten«. Sicher ist, dass Charles Schumann und Dietmar Petri nun zusammen ein neues Projekt angehen. Die Bar »Le Fleurs du Mal«, benannt nach einem Gedichtzyklus Charles Baudelaires, soll in 2 Wochen eröffnen. Das Konzept sieht eine französische Bar im oberen Stockwerk des Schumann’s am Odeonplatz vor. Nicht überraschend, da Charles Schumann immer davon träumte, in Frankreich eine Bar oder ein Bistro zu eröffnen. Da der Traum nie Realität wurde, kommt ein Stück Frankreich eben nach München. MIXOLOGY wird zu gegebener Zeit ausführlich darüber berichten. JW — schumanns.de


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„Dieser Longdrink überzeugt mit knackiger Frische und macht Lust auf mehr.“ Klaus St. Rainer, Jurymitglied & Betreiber Goldene Bar, München

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Goldrush (Fizzer) TORSTEN SPUHN, MODERN MASTERS, ERFURT Für den Cocktail 4 cl Monkey 47 Gin, 2 Barlöffel Danziger Goldwasser Likör, 1 Barlöffel Valdivia Amontillado „Prune“ Medium Sherry, 6 Dashes The Bitter Truth Thomas Henry Tonic Bitters und 11 cl Thomas Henry Elderflower Tonic Water ins Mixglas geben und vorsichtig verrühren, um die Kohlensäure nicht zu sehr zu dezimieren. In Zwiesel Hommage Comète HighballGlas auf Eis abseihen. Mit Öl einer Orangenschale besprühen. Abschließend mit einer Orangenspirale dekorieren.

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Shrub?! Frucht, Essig, Zucker Shrub, gesprochen Schrabb, ist ein in Vergessenheit geratener Getränkesirup, basierend auf einem über 200 Jahre alten Rezept, mit dessen Hilfe zu seiner Zeit die Früchte des Sommers haltbar gemacht wurden, um auch im Winter noch für Erfrischung sorgen zu können. Geschmacklich ist Shrub! durchaus etwas ungewöhnlich, da die Säure des Essigs nicht direkt mit der von Zitrusfrüchten vergleichbar ist. Die Andersartigkeit von Shrub! ist jedoch auch die Eigenschaft,

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Neues & Notizen

die zum Experimentieren einlädt, ob ganz schlicht als Limonade oder als säure-spendender Bestandteil eines Cocktails. Mit 16 Sorten von Apfel-Quitte über Clementine bis zu Sellerie mangelt es dem althergebrachten Sirup definitiv nicht an geschmacklicher Vielfalt. Empfohlen wird ein Mischverhältnis von einem Teil Shrub! zu sechs Teilen Flüssigkeit. Der Preis für die 0,25 Liter Flasche liegt bei 4,90 Euro. MK — schusters-spezialitaeten.de


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BAR SYMPOSIUM WARSZAWA 2013 Die Barmesse für Polen Tomek Roehr, bekannt vor allem durch das von ihm betriebene Bar- und CocktailBlog Alkoteka.pl, nimmt einen neuen Anlauf. Am 27. und 28. Mai 2013 findet das dritte Bar Symposium in Warschau statt. Auch einen neuen Veranstaltungsort hat Roehr gefunden für seine Barmesse. Nur fünf Minuten entfernt vom Warschauer Stadtzentrum wird im szenigen »1500m do wynajęcia« an den beiden Messetagen die polnische Barszene zusammenkommen. Als Referenten sind auf dem Bar Symposium bekannte internationale Bartender wie

Alex Kratena (The Artesian Bar, Langham Hotel, London), Leonardo Leuci (The Jerry Thomas Speakeasy, Rom), Marian Beke (Nightjar, London) und Charles Joly (The Aviary, Chicago) angekündigt. MIXOLOGY-Leser wissen außerdem spätestens seit Issue 5/2011, dass die polnische Hauptstadt auch ein spannendes Nachtleben bietet. Einen Besuch des Symposiums können wir daher aufs Wärmste empfehlen. MK — barsymposium.pl

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Verbrannte Erde?

Foto: aboutpixel.de / Mikado © YariK

Unruhestifter Brandstifter Gin

Ein Gin für Berlin, verfeinert mit regionalen Blüten und Botanicals, hergestellt in der eigenen Manufaktur. Das verspricht Vincent Honrodt stolz und selbstbewusst, wenn er von seinem neuen Projekt, dem Brandstifter Berlin Dry Gin, schwärmt. Über die Crowdfunding-Plattform startnext wurde das Projekt gerade erfolgreich finanziert. Wenn man genauer hinsieht, weist dieses Projekt allerdings eine Vielzahl von Ungereimtheiten auf. Stammt der neue

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Neues & Notizen

Brandstifter Berlin Dry Gin nun aus einer Manufaktur oder aus einem auf Massenabfüllung spezialisierten Betrieb? Hat tatsächlich, wie ursprünglich von Honrodt behauptet, die Preussische Spirituosen Manufaktur an der Rezeptur mitgewirkt? Eine ausführliche Darstellung der Ereignisse findet sich auf MIXOLOGY ONLINE. MK — bit.ly/brandstifter


Bristol Bar reloaded Text Janek Weiß

Foto: Lazeta Media Fotografie

»Beer, Drinks and a good Time!«

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Bereits vor acht Jahren stand Branimir Hrkac hinter dem Tresen der Bristol Bar, im gleichnamigen Hotel, in Frankfurt. Er machte eine Ausbildung zum Hotelfachmann und sei der einzige Azubi gewesen, der ausschließlich an der Bar gearbeitet habe. Die Hotelzimmer kannte er nur vom Hörensagen. Er beendete seine Ausbildung und zog hinaus in die Frankfurter Nächte. Heute ist er zurück, steht wieder hinter der Bar, ist ihre Seele und ihr Gehirn. Aus dem einstigen Azubi ist »Bristol Brani« geworden. 2003 wurde die Hotelbar im Bristol Hotel eröffnet. Eine erste Implementierung des 24-Stunden Bar-Konzepts im Raum Frankfurt machten die Bar schnell zu einer Nightlife-Institution und zu einem angesagten Szenetreff. Wie das mit dem Hype so ist, war der Lack bald ein wenig ab. Die Gäste zogen weiter, die Bar wurde zum Anhängsel des erfolgreichen Hotels. Identifikation und Alleinstellungsmerkmal verblassten und die Zeiten rauschhafter Nächte waren immer rarer gesät. Was blieb, war der gute Name.

Gekko, Roomers & Frankfurter Nächte Über die Stationen Mood Bar, Jumalis und Coconut Groove kam Branimir Hrkac 2005 zum Gekko Management. Wie sich herausstellen sollte ein Glücksfall für die späteren Ambitionen, eine eigene Bar zu eröffnen. Zunächst aber arbeitete Brani für das Gekko Management, barlöffelführend in den verschiedenen gustatorischen Tempeln von Frankfurt. Unter anderem in der Gerbermühle, Turmbar und im Roomers. Nach acht

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Neue Bars — Bristol Bar Reloaded

Jahren bei Gekko Management schien die Zeit reif für eigene Projekte. Was lag näher als den darbende Heimatbetrieb wieder in die Spur zu bringen. Die beiden Gründer von Gekko, Micky Rosen und Alex Urseanu, legten ihm nicht nur keine Steine in den Weg, sondern fungieren nun als stille Teilhaber der Bristol Bar und Branimir Hrkac ist jetzt der Pächter seiner alten Liebe.

Zurück zur alten Liebe »Die Bristol Bar war immer meine Heimat, der Ort an dem ich das Bar-Handwerk gelernt habe.« Vier Monate wurde über dem neuen Konzept gegrübelt: »Ehrlich gesagt war es an der Zeit etwas zu verändern, die Bar war nicht mehr der Betrieb, in dem ich groß geworden bin.« Unter anderem wurde ein eigener Straßenzugang gelegt, um die Bar aus dem engen Kontext des gleichnamigen Hotels zu lösen und die neue Eigenständigkeit zu betonen. Bevor im Januar die große Wiedereröffnung gefeiert werden konnte, wurde zwei Wochen lang hart gearbeitet. Aus alt mach neu und das Herzblut sowie die persönliche Bindung, die Branimir gegenüber dem Projekt empfindet, sind spürbar. »Ich gehe jetzt nicht mehr zur Arbeit, die Bristol Bar ist mein zweites Wohnzimmer […], ein Ort, an dem sich jeder wohlfühlen soll und gerne wiederkommt.«

Transformer Die Bar, der Chef und das Interieur sind alle neu, aber das Ganztags-Barkonzept blieb. Um sieben am Morgen kann es sich der Gast, bei frischen Kaffee und selbstgemachtes Gebäck, gemütlich machen. Zeitungen, Kartenspiele und das Lustige Taschenbuch liegen


»Die Bristol Bar war immer meine Heimat, der Ort an dem ich das Bar-Handwerk gelernt habe.« Vier Monate wurde über dem neuen Konzept gegrübelt.

Foto: Lazeta Media Fotografie

aus, man bleibt gern zum Schmökern und Verweilen. Gegen 19 Uhr setzt, wie Branimir es nennt »eine Transformation ein«. Es geht auf in die Nacht. Wie bei einem Weihnachtskalender öffnen sich Türchen hinter der Bar. Tagsüber sind die Spirituosen gekonnt hinter der Holzverkleidung der Bar versteckt. Es sind kleine Verschläge, die sich nun öffnen und von innen beleuchtet werden. Ein schöner Anblick und eine gelungene Idee. Das Innere der versteckten Kabinette ist im gleichen intensiven aber nicht aufdringlichen Rot gehalten wie der Rest der Bar und passt sich stimmungsvoll in das Ambiente ein. Das warme Holz und die Farbe ergänzen sich perfekt mit dem kühlen Aluminium des Bartresen. Am Ende der Transformation ist aus dem gemütlichen Café eine stilvolle Bar geworden.

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Bristol Bar reloaded Diese Bar ist ein Ort, an dem sich auch der Offenbacher wohlfühlt, wohlfühlen muss. Es ist der ideale Ort, um sich für die langen Partynacht im Club Robert Johnson in Stimmung zu bringen. Betritt man den Raum, schallt einem im breiten Hessisch ein »Gude!« entgegen. Sofort mittendrin statt nur dabei und ab in eine der gemütlichen Nischen, sofern noch nicht besetzt. Neben dem Gimmick des wandelbaren Backboards überzeugt natürlich auch das Interieur. Bewegliche Strahler, in der Optik kleiner Weinfässer, sorgen für ein angenehmes Licht. Ein buntes Sammelsurium gemütlicher Sessel, diverser Barhocker und verschiedenster Tische versprühen einen Flohmarkt-Charme, ohne billig zu wirken, in einer Ecke auf einem kleinen Podest steht ein alter Schaukelstuhl. Ein wenig erinnert das Flair an eine Bar aus den 50er Jahren. Es ist eine unaufgeregte Gemütlichkeit, die sich atmosphärisch über den Raum legt. Ein angenehmer Kontrast zu vielen kühl durchdesignten Bars, wie die Bristol Bar eine war, mit dem sterilen grau und der Monotonie des alten Mobiliars. Die Bristol Bar repräsentiert nun individuellen Lifestyle statt oberflächlichen Luxus.

die Karte dauernd verändern zu können – er legt Wert auf die gastronomische Freiheit. Werbung, Produkt-Kooperationen und Banner großer Spirituosenhersteller wird man nicht finden. Unabhängigkeit ist ein hehres Gut. Service und Wohlfühlfaktor stehen bei »Bristol Brani« an erster Stelle und jeden Donnerstag gibt es ein besonderes »Schmankerl« – Gude Rips ’n’ Gude Beer. Die »neue« Bristol Bar ist eine rundum gelungene Wohlfühloase für Jedermann. Wer Musik zu bieten hat, ist eingeladen, sein iPhone anzustöpseln und für Stimmung zu sorgen. Es ist eine »Mitmachbar.« Frei nach dem Motto: »Hier bin ich Mensch, hier will ich sein.« Die Kommentare auf Facebook legen nahe, dass der »reload« aufgeht. »Solche Bars braucht Frankfurt.« oder »Bellissimooooooo…« und »Best Bar in Ffm […].« Die Einträge sind durchweg positiv. Nach nur zwei Monaten ist die Bristol Bar wieder zu einem der Hotspots der Frankfurter Nächte avanciert. »Bristol Brani« lebt nach seinem ausgegebenen Motto: »Der Bartender kann die Welt nicht verändern, aber für einen Abend verschönern.« Mit der Bristol Bar wird diese Leitidee Programm!

Drinks, Beer and Food So echt und bodenständig die Einrichtung wirkt, so ehrlich und unkompliziert ist auch das gastronomische Konzept. Wohlfühlen! Auf der Karte stehen sechs verschiedene sich abwechselnde Biersorten aus der Region um Frankfurt. »Wer aber seinen Lieblingscocktail haben möchte, der nicht auf der Karte zu finden ist, bekommt diesen natürlich trotzdem.« Branimir hält sich die Option offen,

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Neue Bars — Bristol Bar Reloaded

Bristol Bar Ludwigstraße. 15 60327 Frankfurt am Main Öffnungszeiten: 7:00 Uhr – 2:00 Uhr Rauchen: Ja — bristol-hotel.de — facebook.com/BristolBarFrankfurt


Neue Bars — Reingold Bar

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Spritz komm raus Text Marco Beier

Foto: aboutpixel.de / Holunder Š psmola

Auf der Suche nach dem Sommerdrink.

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Jedes Mal, wenn wir in einer unserer Publikationen über den Spritz oder einen seiner entfernten Verwandten berichten, dauert es nicht lang, bis die ersten Unkenrufe ertönen, wann denn der »Cocktailian-Spritz« erscheinen wird und es wird gefragt, was der Spritz mit Cocktails zu tun habe. Aber als Magazin für Barkultur hat man nicht nur einen Sinn für Cocktails, sondern einen Blick für das Ganze. Und in dieses Ganze gehören die Umsatzbringer des Sommers, die Schorlen und Spritzer, mit hinein. Und wenn sich einige Bartender ihrer auferlegte Coolness entledigen könnten, dann würde man daraus eventuell eine neue Kategorie schaffen, die den Oberbegriff Cocktail verdient und in der sich Kreativität und riesige Umsätze die Hand geben. Aber beginnen wir am Anfang. Bevor man verschiedene Aromen benötigte, um die sonnige Jahreszeit auszurufen, gab es bereits die Weinschorle. Oder ein G’Spritzter, wie es der Österreicher nennt. In Deutschland einfach eine Mischung aus Weißwein und Mineralwasser ist in Österreich vorgeschrieben, das der Weißwein mindestens die Hälfte des Getränkes ausmachen muss. Mit verringertem Alkoholanteil und erfrischendem Mineralwasser das ideale Getränk für warme Sommerabende und Ausgangspunkt für meisten Trendgetränke, die in den letzten Jahren den Sommer bestimmt haben.

mut. Dazu ein spritziger Filler wie Soda oder Tonicwater und Aroma gebende Komponenten und der Sommerdrink ist fertig. Dass diese Struktur immer wieder funktioniert wird bewiesen, wenn wir auf die Drinks der letzten Jahre blicken:

Spritz Aperol 10 cl trockener Weißwein 10 cl Sodawasser 2 cl Aperol

Glas: Weinglas Zubereitung: Die Zutaten werden in einem

Weinglas auf Eiswürfeln vermischt und eine Orangenscheibe hinzugegeben. Mancherorts wird anstatt einer Orangenscheibe eine Olive mit Stein verwendet. Wann genau dieses Mischgetränk entstanDabei ist die Grundstruktur sehr einfach. den ist, kann nicht mehr eindeutig belegt Eine Zutat mit leichtem Alkoholanteil wie werden. In vielen Regionen Italiens ist das zum Beispiel Wein, Schaumwein oder Wer- Getränk schon lange Jahre sehr beliebt. mixology.eu

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In Deutschland hat sich der Trend in den Jahren seit 2006 etabliert. Zwischen 2006 und 2010 konnte Campari den Absatz von Aperol in Deutschland um das zwanzigfache steigern. Der Spritz Aperol darf sich als etablierter Sommerdrink betrachten und wird in den nächsten Jahren von den Getränkekarten nicht mehr wegzudenken sein.

In unserer Cocktailrubrik bei MIXOLOGY online haben wir unlängst über die Kreation »Hugo Orientale« berichtet. Erfunden in der Maison Blunt in Zürich wird hier der Schaumwein mit Minze zusätzlich durch orientalische Aromen von Granatapfel und Hibiskusblütentee verfeinert. Eine etwas trockenere Variante als die mit gesüßtem Holundersirup und eine geschmacklich hervorragende Variation des »Beinahe-Klassikers«.

Hugo 15 cl Prosecco 5 cl Soda 2 cl Zitronenmelissesirup Minzblätter

Hugo Orientale

(nach dem Rezept des Maison Blunt, Zürich) 2 cl

Granatapfelsirup

2 cl frischer Limettensaft Glas: Weinglas 10 cl Prosecco oder Champagner Zubereitung: Auch hier werden die Zutaten in einem Weinglas auf Eiswürfeln gemixt. Statt der Zitronenmelisse ist mittlerweile die Variante mit Holundersirup weiter verbreitet. Frühere Recherchen für einen Artikel für Mixology online ergaben, dass der Hugo wahrscheinlich 2005 zum ersten Mal von Bartender Roland Gruber in Südtirol gemixt wurde und von dort aus seinen Siegeszug über München und mittlerweile den größten Teil Deutschlands fortsetzen konnte.

Nachdem die Industrie den Hugo für sich entdeckt hat und in den letzten Jahren jede relevante Marke mit einem Holundersirup oder -likör auf den Markt kam, darf man davon ausgehen, dass auch der Hugo eine garantierte Existenz hat. Regionale Unterschiede wie die Zubereitung mit Prosecco oder Weißwein oder die Zugabe von Holundersirup oder Zitronenmelisse werden dem ganzen nicht im Weg stehen.

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Alkoholfreie Getränke — Spritz komm raus

6 cl selbst gemachter Hibiskus blüteneistee 1 Zweig frische Minze

Glas: Weinglas Zubereitung: Sirup, Limettensaft und Eistee in ein Weinglas geben. Eiswürfel hinzugeben und mit einem Löffel umrühren. Minze anschlagen und ins Glas geben, mit Prosecco/ Champagner auffüllen und noch einmal vorsichtig umrühren.

Nicht ganz unverwandt mit dem Hugo ist die neue Kreation aus dem Hause Campari. Nach dem immensen Erfolg von Aperol und den traumhaften Wachstumsraten, die der Likör mit sich brachte, möchte man natürlich auch den zweiten Bitterlikör im Hause pushen. Der Tocco Rosso ist genau betrachtet eine Hugo Variante, der mit einem Schuss Campari eine bittere Note verpasst wurde.


10 cl Prosecco 2 cl Campari 2 cl Holunderblütensirup Minzblätter

Glas: Weinglas Zubereitung: Die Zubereitung wird nicht schwieriger. Alle Zutaten werden im Weinglas auf Eiswürfeln vorsichtig verrührt. Das Ergebnis ist ein fruchtiger, leicht bitterer Sommerdrink. Die Zubereitung mit Weinschorle statt Prosecco ist durchaus denkbar und kann je nach Wein die Bitternote sehr schön ergänzen. Wie die meisten von Marken inszenierten Drinks wird es dieser si-

Aber gehen wir doch einmal weg von italienischen Likören und ihren sommerlichen Mixturen und werfen den Blick nach Frankreich. Im Schlepptau von Schwergewicht Pernod Ricard wird hier seit gefühlt zwei Jahren der Aperitif Lillet promotet. Dieser auf Wein basierende Aperitif hat eine Zeit lang als Substitut zum Wermut kokettiert. Ob gewollt oder nicht sei ungeklärt, aber als Wermuterstatz im Martini Cocktail konnte sich Lillet nicht durchsetzen. Dafür spielt

Foto: aboutpixel.de / Holunder © psmola

Tocco Rosso

cherlich auf so manche Terrasse schaffen, gerade dort, wo Campari von Haus aus ein gutes Standing hat. Das wir hier einen Drink haben der auch in den kommenden Jahren zahlreiche Liebhaber hat, sei dahingestellt.

Das Hypekraut: Holunderblüte

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Leichte sommerliche Aromen, ohnehin zugängliche Zutaten und der einfache Trick mit einem »Spritz« im Namen beinahe alles Verkaufen zu können geben dem Bartender vollkommen freie Hand. Verkaufen zu können geben dem Bartender vollkommen freie Hand. Der Wareneinsatz ist leicht zu kontrollieren und der Verkaufspreis spielt eine eher untergeordnete Rolle. Und das muss noch nicht einmal mit sarkastischem Augenzwinkern gesehen werden. Ein Gast äußert einen Wunsch und man versucht ihn zu erfüllen. Oder eine Alternative anzubieten. Noch dazu ist die Industrie sehr hilfreich in diesem Segment. Ob Likör- oder Sirupproduzent, jeder bringt derzeit ein Aroma heraus welche eine Ergänzung zu leichten Drinks im Sommer sein kann. Riemerschmid zum Beispiel hat neben den üblichen VerdächtiDas sind sie. Die Klassiker des Sommers, die gen für diesen Sommer einen Sirup mit Aroviele Gäste in den letzten Jahren verzückt men von Zitronengras, Ingwer und Zitronen haben und wegen denen mancher Bartender im Sortiment. Ohne Gewährleistung, aber genau diese Aromen könnten die angesproallabendlich die Augen verdrehte. chene Getränkesparte diesen Sommer bereiDabei ist dies nur die eine Seite der Medaille. chern. Auf der anderen gibt es Umsatz und Schul- Und während die eine Hälfte Bartender eine terklopfen vom Chef zu sehen. Mit ein wenig neue Biervielfalt entdecken und damit der ernsthaftem Interesse kann man um den vorwiegend männlichen Kundschaft eine Spritz eine eigene Cocktailkategorie erfin- Freude bereiten, können Andere ihre Kreatiden. Leichte sommerliche Aromen, ohnehin vität vielleicht so kanalisieren, dass das Somzugängliche Zutaten und der einfache Trick mergeschäft durch abwechslungsreiche und mit einem »Spritz« im Namen beinahe alles leichte Drinks angekurbelt wird. man seit vergangenem Sommer die Karten des sommerlichen Erfrischungsdrinks sehr gut. In mehreren Variationen versorgt man die Bars des Landes immer wieder mit Ideen für frische Drinks, angelehnt an den Spritz. Diesen Sommer möchte man den Trendgipfel möglichst einfach erklimmen. Lillet und Tonic. Oder »Lillet Vive« wie es im Marketing von Pernod Ricard heißt. Mit einer Scheibe Gurke, einer Erdbeere und wieder der unüberwindbaren Minze garniert kommt ein bunter Drink ins Glas, welches auf der Terrasse den gewollten »das möchte ich auch« Reflex fordert.

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Alkoholfreie Getränke — Spritz komm raus


FACEBOOK.COM/GOLDBERGSODAS

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CRISP, TASTY, FRESH!

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Die Herausforderung ist es, nicht jeden Spritz bestellenden Gast zu verteufeln, sondern die Alternative anzubieten und kreativ mit Aromen umzugehen. Die Zephyr Bar in München hat sich mittlerweile damit arrangiert, dass der Spritz und seine Familie sich im Sommer einfach nicht ausquartieren lassen, und hat auf der aktuellen Sommerkarte vier eigene Interpretationen des Spritz platziert. Mit Schaumweinen, Tonicwater und frischen Kräutern werden leichte Aperitifgetränke wie angesprochenes Lillet, Wermut oder weißem Port kreiert. Geschmackliche Glanzpunkte und schnell zubereitete Erfrischung. Dass es durchaus eine mixologische Erfahrung sein kann, zeigte Dietmar Petri in seiner damaligen Station, der Cortiina Bar, mit seinem Cullet. Der heute im Schumann‘s beschäftigte Petri verband die leichten Aromen von Lillet mit den fordernden Aromen von zwei verschiedenen Bitters und fing diese Ausreißeraromen mit Gurke und Zitronenlimonade wieder ein.

Cullet 5 cl 4 dashes 4 dashes 10 cl 2

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Lillet Blanc Angostura Peychaud Bitters Zitronenlimonade dünne Gurkenscheiben

Alkoholfreie Getränke — Spritz komm raus

Glas: Weinglas Zubereitung: In ein Weinglas werden dünne Gurkenscheiben und Eiswürfel gegeben. Nacheinander gibt man nun die Bitters, Lillet Blanc und Zitronenlimonade hinzu und rührt einmal vorsichtig um. Fertig ist die terrassentaugliche Erfrischung, mit der ein moderner Bartender seine Bitterliebende Seele erfreuen kann. Die Herausforderung ist es, nicht jeden Spritz bestellenden Gast zu verteufeln, sondern die Alternative anzubieten und kreativ mit Aromen umzugehen. Und auch ein deutscher Likörfabrikant möchte 2013 im Bereich der leichten sommerlichen Erfrischung mitmischen. Der Sanddornlikör Andalö aus dem Hause Behn sieht sich seinen auch als potenziellen Partner von Prosecco und Soda. Der Likör, der neben Sanddorn Aromen von Mango, Zitrone und Grapefruit in sich trägt, soll dem prickelnden Wein mit ein wenig Frucht unterstützen und so aus dem einstigen Retter des Schmugglers Carl Petter Andersson, einen Renner auf deutschen Terrassen entwachsen lassen.

Andalö Splish 4 cl Andalö 6 cl Prosecco oder Sekt 1 Spritzer Soda

Glas: Tumbler oder Weinglas Zubereitung: Alle Zutaten auf Eis im Gästeglas vorsichtig umrühren und mit einer essbaren Blüte oder einer Orangenspalte garnieren.


die schwarze seite

top ten

Bar-Metropolen Basierend auf Nominierungen von Bars und Bartendern in der Longlist der MIXOLOGY BAR AWARDS 2013 präsentiert e·Mixology die zehn führenden

Bar- und Cocktail-Städte in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

1 Berlin Mit 20 die meisten Nominierten und unangefochtene GSA-BundesBarhauptstadt. Unter anderem nominiert in den Kategorien: Barteam des Jahres – Amano Bar und Mixologe des Jahres: Oliver Ebert aus dem Becketts Kopf.

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2 Frankfurt Mit 12 Nominierten gewürdigt – Mainhatten. Der Beweis für eine gesunde Barkultur rund um den Henninger Turm. Nennungen in den Kategorien: Beste Barkarte – Hoopers und MIXOLOGY City Award. Nichts da »Äppla«!

3 Köln Ein dreifaches: »Kölle Alaaf«, für 11 Nominierte und dem Platz auf dem Treppchen. Kölsch wird wohl nie Bier des Jahres aber unter anderem nominiert für die Bar des Jahres – das Spirits und Gastgeber des Jahres: Alessandro Romano aus dem Ona Mor.

4 München Vor und nach der Wiesen wird in München mit Stil »o´zapft«. Zehn Nominierungen für die bayrische Landeshauptstadt. Unter andern in den Kategorien: MIXOLOGY CITY AWARD und als Newcomer des Jahres: Lukas Motejzik aus dem Zephyr.

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Neue Bars — Reingold Bar


5 Wien Beste der nominierten Städte aus der internationalen GSA-Landschaft. Der Wiener »Schmääh« sorgt für acht Nominierte so auch in der Kategorie Bar des Jahres – die Albertina Passage und für den MIXOLOGY CITY AWARD.

6 Dresden Für die einen Elbflorenz, für die anderen eine Stadt mit Barkultur. Drei Nominierungen für die Dresdener. Unter anderem für den MIXOLOGY CITY AWARD. Auf dem Weg ins Elb-Sandstein Gebirge, kurze Stippvisite bei René Förster in der Twist Bar. Nominiert für den Mixologen des Jahres.

7 Düsseldorf Da lacht der Kölner, nur zwei Nominierte für Düsseldorf. Campino trinkt auch lieber Guinness. Dennoch nominiert für den Gastgeber des Jahres: Robert Potthoff aus dem Ellington und als bester Newcomer: Sebastian Schneider aus der Beau Bar im Airport-Hotel.

Neue Bars — Reingold Bar

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8 Hamburg »Hamburg meine Perle« ohne Barkultur? Nur zwei Nominierungen, zumindest spielt van der Vaart wieder beim HSV. Nominiert für die beste Bar des Jahres das verblichene Eberhard´s und in der Kategorie Barkarte des Jahres: Die L. Bar im Gastwerk Hotel. Reicht das für den internationalen Wettbewerb?

9 Freiburg Der Breisgau überzeugt mit zwei Nominierungen. Unter anderem für den MIXOLOGY CITY AWARD. »Isch tät scho au sage, in Freiburg kanscht guud tringe« Nominiert für den Newcomer des Jahres: Jan Jehli aus der Piano Par im Colombi Hotel. Check das aus Jogi.

10 10 Basel / Zürich Schweizer Doppelpack auf dem zehnten Rang, ausnahmsweise nicht aus dem Hause Ferrero. Je zwei Nennungen und unter anderem nominiert: Thomas Huhn als Gastgeber des Jahres im Les Trois Rois in Basel und Zürich in der Kategorie MIXOLOGY CITY AWARD.

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Neue Bars — Reingold Bar


Ein Rückblick Text Marco Beier

Die erste »Made in GSA Competition«.

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Ein voller Erfolg. Anders kann man die Eindrücke der ersten »Made in GSA Competition« nicht zusammenfassen. Die Qualität bereits im ersten Jahr war sehr hoch. Das Finale in der Wiener Albertina Passage am 14. Juli begeisterte Teilnehmer und Jury und die zahlreichen Zuschauer.

50 Produkte von 26 Sponsoren. 8.666 Euro Preisgeld. Unglaublich attraktive Prämien und über 200 Rezepte von mehr als 100 Teilnehmern. Viel mehr kann man in nur knapp sechs Wochen Vorlaufzeit für einen Wettbewerb nicht auf die Beine stellen. Mit dieser tollen Basis reisten die zehn Finalisten, die von der dreiköpfigen Jury ausgewählt wurden, am 14. April 2013 nach Wien, um den Sieger der ersten Competition zu ermitteln. Bei bestem Frühlingswetter und überirdischem Chaos, bedingt durch den Wiener Marathon, freute man sich über die Ruhe in der Albertina Passage, in der man sich am frühen Nachmittag zusammen fand, um die Startreihenfolge auszulosen. Das Team des Dinner Clubs gewährte während des gesamten Ablaufs eine tolle Unterstützung und bestätigte den exzellenten Ruf mehr als einmal. Ohne viel Zeit zu verlieren bereiteten die Finalisten sich vor und traten vor die Jury, bestehend aus Jvan Paszti für die Schweiz,

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Heinz Kaiser für Österreich und Klaus St. Rainer für Deutschland. Während sie ihre Drinks zubereiteten, wurden sie von Moderator Helmut Adam zu ihrem Werdegang und der Geschichte zu ihrem Drink befragt.

Erfahrung macht den Unterschied Hier zeigten sich die ersten Unterschiede in der Routine. Während die einen konzentriert ihre Drinks mixten, hielten andere inne, ließen sich ablenken oder verunsichern. Auch technisch offenbarten Bartender mit mehrjähriger Erfahrung am Tresen einige Schwächen. Am Ende stand bei manchen die Überschreitung des zeitlichen Limits von 15 Minuten. Vor Beginn des Wettbewerbs ließ sich die Jury noch dazu hinreißen, das Limit als Farce anzusehen, schließlich sollte es jeder schaffen in dieser Zeit, jeweils vier Ausführungen von zwei Cocktails zuzubereiten. Tatsächlich benötigte fast jeder Finalist die gesamte Zeit und nicht wenigen reichte diese Vorgabe nicht aus.

Veranstaltungen & Wettbewerbe — Made in GSA


Abgesehen davon bekamen die Zuschauer einen hochqualitativen Wettbewerb zu sehen. Die meisten Drinks wurden bei der Verkostung regelrecht gefeiert und niemand wollte sich wirklich festlegen, welcher Cocktail das Potenzial besaß, die anderen auszustechen. Aber für diese Entscheidung wurde schließlich eine Jury engagiert. Diese stand vor einer schwierigen Aufgabe, konnte sich am Ende aber doch eindeutig für drei Sieger entscheiden.

Wie alle Finalisten servierten sie in den Gläsern der »Hommage Comète« Serie von Schott Zwiesel ihre Cocktails. Von insgesamt 50 Produkten aus dem Sponsorenportfolio waren übrigens satte zehn Produkte in den sechs Cocktails der drei Erstplatzierten vertreten.

Diese wurden auf der Bühne ausgezeichnet und von allen Anwesenden frenetisch gefeiert. Ein schöner Beweis dafür, wie eng die Bande unter den Bartendern mittlerweile sind. Wien und seine Barszene wiederum waren wundervolle Gastgeber und verlieUnd wieder Torsten Spuhn hen dem Finale der ersten »Made in GSA Den ersten Platz belegte der Erfurter Torsten Competition« einen tollen Rahmen. Die Spuhn und verwies damit Frederik Knüll aus Messlatte für das nächste Jahr liegt in allen dem Kölner Spirits auf den zweiten Platz. Auf Belangen sehr hoch und das Team um Made dem dritten folgte Christian Kern von der Sa- in GSA freut sich bereits jetzt auf eine Neuauflage im Frühjahr 2014. _ phire Martini Lounge in Berlin.

Weitere Informationen: — made-in-gsa.com

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Campari Liquid Art Der Sieger ist gekürt

Im »Haus der Kunst« in Münchens Prinzregentenstraße wurden Anfang April im Rahmen des diesjährigen Campari Liquid Art Wettbewerbs flüssige Preziosen geschaffen. Die 19 Finalisten aus mehr als 160 Einsendungen traten hinter dem Tresen gegeneinander an, um einen Cocktailklassiker neu zu beleben. Die besten drei, darunter Tatjana Friedrich (Harry’s New York Bar, Köln), Lars Bender (Cuba Club, Mülheim), und Markus Heinze (Newman’s Bar im The Ritz-Carlton, Wolfsburg) stellten sich den kritischen Blicken öffentlicher Besucher in einem finalen Showdown. Die fachkundige Jury, bestehend aus Mauro Mahjoub, Fernando Castellon und Peter Dorelli, führte am Ende den Wolfsburger Markus Heinze auf den Punktzetteln an erster Stelle. Er traf mit seinem Cocktail »Im Wald und auf der Heide« das diesjährige

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Motto »Create a Classic with Twist« am besten und überzeugte mit seiner NegroniAbwandlung unter Verwendung von Dom Bénédictine, Steinpilzgeist und Thymian. — campari-liquidart.de

Im Wald und auf der Heide von Markus Heinze 2 cl Campari 2 cl Steinpilzgeist Marder 1,5 cl Bénédictine 1,5 cl Punt e Mes 1 Zweig frischer Thymian Glas: Tumbler Garnitur: Orangetwist, Thymianzweig Zubereitung: Alle Zutaten auf Eis rühren und doppelt auf frische Eiswürfel in das Gästeglas abseihen.


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Nie wieder Frauenbier! Text Peter Eichhorn

Foto: Deutscher Brauer-Bund e.V.

Gedanken zu Gerste und Gender

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Welche Beleidigung für den weiblichen Gaumen, der, wie Erfahrungen bei Verkostungen immer wieder beweisen, sehr oft besser und komplexer analysiert als der männliche. Männerdomäne Bier. So deuten Werbung und Klischee den Einsatz des Gerstensaftes zwischen Fußballplatz und Biergarten. Die Rolle von Frauen am Sudkessel beschreibt um 1600 William Shakespeare bei Macbeth dem Zeitgeist entsprechend: »Double, double toil and trouble. Fire burn and cauldron bubble.«

immer noch allzu oft die despektierliche Vokabel »Frauenbier« im Raum, die ein möglichst mildes und aromatisch belangloses Gebräu beschreibt.

Welche Beleidigung für den weiblichen Gaumen, der, wie Erfahrungen bei Verkostungen immer wieder beweisen, sehr oft besser und komplexer analysiert, als der männliche - auEs ist wie verhext. 400 Jahre später werfen ßer, wenn Frau verliebt ist, wie eine Studie Bier-Buam noch immer einen altväterlichen des Technologietransferzentrums ttz BreBlick auf die Damenwelt und schubladisie- merhaven jüngst herausfand. Hinzu kommt ren das zarte Geschlecht mit Hilfe von Dirndl die patriarchalische Attitüde, Frauen nur und geschmacksneutraler Allerweltsplörre. dann herbeizuzitieren, wenn die Wahl einer Zeit wird es, dagegen aufzubegehren und der zahlreichen dekorativen Bier- oder Hopso lautete kürzlich die Botschaft des frisch fenköniginnen im Dirndl ansteht. gegründeten Deutschland-Chapters der internationalen Bierfrauenbewegung Barley’s Dabei stehen bereits einige Damen ihren Angels: »Wir sind da und wir wollen als Ziel- Mann im Bierwesen, sei es an der Spitze eigruppe ernst genommen werden!« Unter der nes Unternehmens, wie bei Ottakringer oder Federführung von Esther Isaak de Schmidt- der Pyraser Landbrauerei, oder direkt am Bohländer, die mit dem »Bierland Ham- Sudkessel, wie in der Bitterfelder Brauerei burg« einen der renommiertesten Bierläden oder der Klosterbrauerei Mallersdorf. Deutschlands und dort gleichsam das Hauptquartier der Barley’s Angels betreibt, fordern Hoffentlich wird Adam nicht aus dem Bierdie Gerstenengel: »Wir wollen gefragt wer- paradies vertrieben, wenn die Evas der den, was wir mögen und sind froh, dass die Barley’s Angels künftig die feinsten Biere beMikrobrauer endlich entsprechendes Bier anspruchen. brauen.« Eine berechtigte Forderung. Auf Biermessen und Fachveranstaltungen steht — barleysangels.org mixology.eu

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Borco im Porträt Text Marianne Julia Strauss  Fotos Borco

Über Strategien und Zielsetzungen der Unternehmerfamilie Matthiesen

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Das Familienunternehmen Borco zählt im Getränkesektor deutschlandweit zu den größten und erfolgreichsten seiner Art. Seit über 60 Jahren schalten undwalten die Matthiesens im Hamburger Hauptsitz. Wie es dazu kam, welche Strategien verfolgt werden und in welche Richtung Borco die lange Leine auswirft, erzählt Geschäftsführerin Dr. Tina IngwersenMatthiesen im Gespräch mit MIXOLOGY. Dr. Tina Ingwersen-Matthiesen erinnert sich: »Unsere eigenen Marken waren ab Anfang der 70er von hoher Bedeutung für unser Wachstum. Penny Packer Bourbon als unser erster Marktführer in Deutschland wies den Weg. Sierra Tequila kam zu Beginn der 80er hinzu. Im Jahre 1974 gelangten die traditionsreiche, 1836 gegründete Firma Helbing und die bis heute streng geheime Rezeptur des berühmten Helbing Kümmels in unseren Besitz.« Es war das große Anliegen von Borco, auch unbekannte internationale Spirituosen und deren prominente Drinks wie Kir Royal, Caipirinha, Margarita usw. für Konsumenten in Deutschland erlebbar zu machen. »Als diese Vision Anfang der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts in Hamburg reifte«, so Ingwersen-Matthiesen »kannte man in Deutschland abseits von den dominierenden klassischen deutschen SpiNach und nach kauft die neu orientierte Fir- rituosen-Segmenten wie Weinbrand, Korn, ma vielversprechende Marken aus der gan- Likören etc. deutlich weniger internationale zen Welt, entwickelt eigene Produkte und Spirituosen. In den folgenden Jahrzehnten erwirbt Lizenzen passender Spirituosen für wurde der Markt für internationale Genussden deutschen und mittlerweile auch öster- Kategorien geöffnet.« reichischen Markt. Kurz nach dem Krieg. Im Jahr 1948 kauft die Hanseatenfamilie Matthiesen das Hamburger Spirituosenhaus Borm & Co und gründet die Firma Borco. Über die 50er und 60er Jahre baut sich das Familienunternehmen langsam auf und erweitert ständig sein Portfolio. Noch sind es ausschließlich deutsche Spirituosen, die von der jungen Firma vertrieben werden. Schließlich fällt in den 70ern die wegweisende Entscheidung: Weg von der nationalen Spirituose, hin zum internationalen Markt. Hier wittert Firmengründer Bernhard Matthiesen die Zukunft. 1972 gründet die Familie ihr Unternehmen als Borco-Marken-Import Matthiesen GmbH & Co. KG. neu und landet noch im selben Jahr den erhofften Coup: Die soeben erworbene Whiskeymarke PennyPacker landet auf Platz 1 des deutschen Bourbonmarkts.

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Generation International Bis heute befindet sich Borco zu 100 % in Familienbesitz. Als Tochter des Gründers Bernhard Matthiesen baute Jutta Matthiesen das Unternehmen gemeinsam mit ihren Brüdern aus. Ihre Tochter Dr. Tina Ingwersen-Matthiesen wiederum führt heute als Geschäftsführerin die Tradition weiter und leitet die mittlerweile über 170 Mitarbeiter. Die Vorteile eines rein familiengeführten Unternehmens liegen für sie auf der Hand. »Es beginnt bei den Entscheidungswegen. Diese sind in einem inhabergeführten Unternehmen auf die direkte Kommunikation konzentriert, was zumeist eine flexible Unternehmensstruktur zur Folge hat. Ein gut aufgestelltes Familienunternehmen muss sich darüber hinaus nicht an Aktionären orientieren, die vielfach kurzfristig denken und primär am eigenen Wohl interessiert sind oder Trends nachgehen, die sich als kurzweilige Börsenstrategien entpuppen. Als unabhängiges Familienunternehmen kann Borco nach eigenem, besten Willen langfristig und strategisch agieren.« Langfristig und strategisch verfolgt wird bei Borco nach wie vor die breite Aufstellung in den wichtigen internationalen SpirituosenKategorien mit eigenen Marken. Derzeit exportiert das Familienunternehmen in etwa 90 Länder und führt über 60 Marken im Portfolio. Davon gehört ein gutes Drittel zu den Marktführern im jeweiligen Segment: Neben Sierra Tequila zählen Finsbury – als einziger Gin im Sortiment – sowie Fernet Branca und die Portweinmarke Royal Oporto zu den Zugpferden der Firma. Im Segment Likör konnte Borco mit Chartreuse und St Germain Elderflower punkten. Auch die

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Interview — Borco im Portrait

»Als unabhängiges Familienunternehmen kann Borco nach eigenem, besten Willen langfristig und strategisch agieren.« Bereiche Scotch und Rum sind mit 17 bzw. 6 Produkten großzügig abgedeckt. Hingegen sind die Kategorien Sekt und Wein oder Brandy mit je einer Marke noch ausbaufähig.

Softdrinks und Stiefkinder Im Jahr 2011 wagt sich Borco erstmals ins Softdrink-Segment vor und launcht die Grapefruit-Limonade Paloma. »Paloma


Lemonade ist ein weiterer Schritt – nach Sierra Tequila – das von uns so sehr geliebte Land Mexiko den Konsumenten näher zu bringen. Das im Oktober 2011 geschlüpfte pinke Täubchen ist nun auf dem besten Wege sich zu einer stattlichen Taube zu entwickeln.« erzählt Dr. Ingwersen-Matthiesen und deutet auf die Frage nach weiteren geplanten Softdrinks vorsichtig an »Mit unserer Limonade konnten wir unterstreichen, dass es selbst im stark umkämpften Softdrink-Markt noch Raum für Innovation gibt.«

Flüssige Meilensteine der Firma Borco 1948 Gründung der Firma Borco 1972 Erweiterung & Neugründung der Borco-Marken-Import Matthiesen GmbH & Co. KG. 1972 Einführung von PennyPacker 1974 Übernahme von Helbing Kümmel

Die seit jeher gut bediente Kategorie Scotch gewinnt im Jahr 2012 die Marken Dalmore und Fettercairn Fior hinzu. Um das bisherige Stiefkind Vodka scheint sich Borco nun auch stärker zu bemühen und verdoppelte im letzten Jahr das Vodkaangebot von zwei auf vier Marken. Für den russischen Marktführer Green Mark Vodka sowie für Kauffman Vodka konnte sich Borco in Deutschland und Österreich die exklusiven Vertriebsrechte sichern. Green Mark setzt in Russland über 150 Millionen Flaschen ab. Kauffman Vodka ist neben den Varianten Soft und Hard auch als erster Vintage-Vodka verfügbar. Hat Familie Matthiesen erneut Witterung aufgenommen und sieht eine profitable Zukunft im Vodkamarkt? Oder plant man eher in Richtung Rum oder Bourbon? Borco lässt nichts Genaues verlauten, will jedoch innerhalb der nächsten zwei Monate mit ein paar Neuerungen herausrücken. Woher der Trendwind weht? Dr. Ingwersen-Matthiesen verweist auf Timing: »Die Kunst ist es, aus der Fülle des Inputs die für uns wichtigen Informationen zu filtern und auf der Basis derselben neue Projekte zu entwickeln und diese zum richtigen Zeitpunkt anzuschieben.«

1981 Einführung von Sierra Tequila 1993 Erwerb der Finsbury Distillery Company Ltd. 2011 Einführung von Paloma Lemonade

Weitere Informationen: — borco.com

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gewinn spiel

das zweite fachliche Glanzstück für und aus der Welt des liquiden Genusses. Mixology verlost eins dieser Nachschlagewerke und unverzichtbare Buch für den geneigten Connaisseur. Dazu erhält der Gewinner eine schöne »Buddel« voll Rum. Welcher das sein wird? Lassen Sie sich überraschen!

Cocktailian 2 Der Cocktailian Rum & Cachaça garantiert eine spannende Fahrt in die Welt der Zuckerrohrdestillate. Es ist eine Reise durch die Geschichte der Spirituosen und ihrer Herstellungsprozesse. Nachdem Cocktailian 1 – Dem Handbuch der Bar

Dazu einfach folgende Frage beantworten: Wie lautet die Mehrzahl von Cachaça? Die Lösung bitte per Mail mit dem Betreff COCKTAILIAN 2 an: — verlosung@mixology.eu Einsendeschluss ist der 1. Juni. Teilnahme ab 18 Jahren. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

impressum Inhalte

Daten

»e·MIXOLOGY« ist ein publizistisches Angebot der Mixology Verlags GmbH. Inhaltlich Verantwortlicher gemäß Paragraph 10 Absatz 3 MDStV: Markus Orschiedt (markus@mixology.eu), Mixology Redaktion, Schlesische Str. 28, 10997 Berlin — mixology.eu

»e·MIXOLOGY« hat derzeit 3541 Empfänger. Stand: 2.5.2013

Autoren: Morten Kohrt (MK), Janek Weiss (JW), Christian Kopp (CK), Peter Eichhorn (PE), Marco Beier (MB) Layout & Satz: studiograu.de

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Werbung Wegen Anzeigenformaten und Anzeigenpreisen in »e·MIXOLOGY« wenden Sie sich bitte an: Susan Dusin (susan@mixology.eu).


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„Ein perfekt balancierter, fein nuancierter Gentleman's Drink.“ Heinz Kaiser, Jurymitglied & Bartender Dino‘s Bar, Wien

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Snow White & The Huntsman TORSTEN SPUHN, MODERN MASTERS, ERFURT Für den Cocktail 2 Beutel Ronnefeldt Earl Grey Tee in 1 Tasse heißem Wasser ca. 4 Minuten ziehen und abkühlen lassen. Dann zusammen mit 4 cl Monkey 47 Gin, 2 cl Jägermeister, 1 cl Merlet Crème de Mure Sauvage, 2 cl Romate’s PX Sherry Old & Plus im Mixglas verrühren, mit Hilfe eines Shaker-Teils und eines Julepstrainers „werfen“ und in Zwiesel Hommage Comète Tumbler-Glas auf Eis abseihen. Mit dem Öl einer Orangenschale besprühen. Anschließend mit Orangenspirale, Sternanis und Zimtrinde dekorieren. Dazu frische Blaubeeren, eine Pflaume und einen Dominostein servieren.

Neue Bars — Reingold Bar

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»Beer‘s intellectual. What a shame so many idiots drink it.«  Ray Bradbury, Autor (1920 – 2012)

mix·ol·o·gy (mĭk-sŏľə-jē) n. 1) the study or skill of preparing mixed drinks 2) magazine of bar culture

www.mixology.eu 48

Neue Bars — Reingold Bar

e·MIXOLOGY 3/2013  

Die dritte Ausgabe e·MIXOLOGY des Jahres 2013: - Top 10 Bar-Metropolen in Deutschland, Österreich und der Schweiz - Made in GSA Competition...

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