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# 2/2013

Heimisch

Hysterisch

Historisch

Die Made in GSA Competition 2013 feiert die Wiederentdeckung und die neue Vielfalt der Regionalität in der Bar.

Der Relaunch des Tanqueray Malacca verlief eher »ungewöhnlich«. Trotzdem bleiben Hype und Euphorie ungebrochen.

Die Spirituosensammlung von Bay van der Bunt umfasst über 5000 historische Flaschen. Ein Gespräch über seine Passion.

Neue Bars — Reingold Bar

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Werte Leser, es gab einige Aufregung und auch freudige Erregung. Es gibt Neues und Bemerkenswertes, ebenso wie Bewahrenswertes. MIXOLOGY, Magazin für Barkultur, verwirklicht sich einen alten Traum und veranstaltet seinen ersten Wettbewerb, die Made in GSA Competition. GSA ist ein Label, das hier 2006 im Hause kreiert wurde und ein besonderes Schlaglicht auf Produkte aus dem deutschsprachigen Raum wirft (S.25). Cognac rockt. Also haben wir den Exzentriker Bay van der Bunt gebeten uns Auskunft über seine sagenhafte Sammelwut mit Hang zum Vermögensaufbau zu geben (S.4), mit den Fidel Castros und StradivariHerstellern von Cognac Ferrand gesprochen (S.8), sowie die Personalrochaden und ihre inhaltlichen Folgen im Hause Moët Hennessy erforscht (S.18).

gen, als er schlicht nach dem Bargesamtkunstwerk - einem vernünftigen Espresso fragte. Hier rösten wir noch einmal die Argumente (S.37). Blassdunkel sehen Bars aus, die den neuen Trend verschlafen und sich nicht ein paar Flaschen spannender neuer Biere in den Kühlschrank stellen. Pale Ale ist die Zukunft (S.40).

Nun wird es dunkel. Auf der Schwarzen Seite lesen Sie alles über die wichtigsten Wettbewerbe des Jahres, auf denen Mixologen und Alchemisten Nuggets und Ruhm nachjagen (S.21). Gepaart mit Hysterie ist aus dem Schatten auch wieder die Preziose Tanqueray Malacca getreten. Marco Beier lässt Licht hinein (S.34).

Vom Ende der Welt kommt Matthew Bax. Der Australier, der mit seiner berühmten Bar »Der Raum« Geschichte geschrieben hat, platziert im Outback München mit dem Gamsei seinen bajuwarischen Ayers Rock. Was alles unverrückbar und wild ist, verrät er e·MIXOLOGY auf Seite 15.

Eine Lichtung hat kürzlich unser Autor Morten Kohrt auf MIXOLOGY ONLINE geschla-

Genießen Sie den kurzweiligen Mix! Ihr Markus Orschiedt

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Neue Bars — Reingold Bar


16 Neue Bars Der Australier Matthew Bax hat Großes vor. Neben einem ungewöhnlich, konsequenten Regionalkonzept plant er, in seinem Projekt Gamsei die Barriere zwischen Gast und Personal zu brechen. Die zukünftige Spielwiese befindet sich in München. Unser Autor Marco Beier sprach mit Bax über seine Pläne.

index 4  Interview

21  die schwarze seite

MIXOLOGY sprach mit dem CognacSammler Bay van der Bunt

Die Top 10 Cocktailwettbewerbe

8  cognac

25  veranstaltungen & wettbewerbe

Eine Stradivari für den Barmann

Alles rund um »Made in GSA« und Co.

10  Neues & Notizen

32  Neues & Notizen

Neue Flaschen im Land

Der St. Patrick’s Day rückt näher

13  Mixtur

34  Gin

Wein App und schwebende Flüssigkeiten

Tanqueray Malacca

15  Interview

37  Alkoholfreie Getränke

Matthew Bax kommt nach München

18  Business Frischer Wind bei Moët Hennessy

Coffee Clash in der Bar

40  Bier Erfrischendes Pale Ale aus Übersee

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Jäger & Sammler Text Inka Klein

e-Mixology im Gespräch mit dem Cognac-Kenner.

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Interview — Jäger & Sammler


Seine Sammlung beeindruckt Connaisseurs und Sammler auf der ganzen Welt. Bay van der Bunt ist Besitzer von über 5000 Flaschen Cognac, Whisky, Armagnac, Port, Madeira und anderen selten Spirituosen. Manche von ihnen sind 250 Jahre alt. »Sammeln ist etwas, mit dem ich aufgewachsen bin.« Der 64-jährige Bay van der Bunt legt sich seit über 40 Jahren seltene Spirituosen zu. Heute hat er eine beachtliche Sammlung und frequentiert regelmäßig Auktionshäuser wie Sotheby’s oder Harrod’s, um sie zu erweitern. Seit gut 10 Jahren betreibt er die Internetseite oldliquors.com auf der er Flaschen, die er teilweise in mehrfacher Ausführung besitzt, verkauft. Jetzt will sich Van der Bunt von seiner kompletten Sammlung trennen. 12,8 Millionen US-Dollar kostet sie und dabei geht es ihm nicht um Geld. Während die Kollektion zum Verkauf steht, bietet der Niederländer trotzdem weiter mit. So ersteigerte er eine Flasche Cognac aus dem Jahr 1789 für 31.650 US-Dollar. Die historische Bouteille aus dem Jahr der französischen Revolution ist verstaubt und wird es auch bleiben. Der Staub der aus den verschiedensten Lagerstätten mitgenommen wurde ist für van der Bunt das

Protokoll der Geschichte hinter dem kostbaren Elixier. Der Niederländer wird sich wenn überhaupt, nur von der kompletten Sammlung trennen. Getrieben von der Erweiterung ist er vielleicht auch froh sie irgendwann in guten Händen zu wissen, auch wenn das Wehmut mit sich bringt. Aber vielleicht zeigt die Trennung von den lebenslangen Gefährten auch neue Wege auf. Bay van der Bunt hat sich einen Wohnwagen gekauft. Damit möchte er nach dem Verkauf mit seiner Frau Ria durch Spanien reisen. Nomadengleich. Herr Van der Bunt, Ihre Spirituosensammlung beeindruckt Sammler und Connaisseurs auf der ganzen Welt. Woher kommt ihre Sammelleidenschaft? Sie begann als ich einige Flaschen Cognac von meinem Urgroßvater bekam. Ich war in diesem jungen Alter nicht wirklich ein Sammler, aber ich erinnere mich, dass ich meine erste Flasche Cognac für ein paar mixology.eu

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Man kann etwas trinken, das über 200 Jahre alt ist, erschaffen von Menschen die schon lange verstorben sind.

Hundert Dänische Gulden gekauft habe. Zu dieser Zeit war das viel Geld. Mein Vater sagte zu mir: »Du bist verrückt, du verschwendest dein Geld.« Aber ich habe nicht auf ihn gehört und weitergesammelt. Jetzt hat sich das als die beste finanzielle Entscheidung herausgestellt, die ich je gefällt habe.

Ich habe meiner Frau vor fünf Jahren versprochen, dass ich meine Sammlung verkaufe, wenn wir kleiner leben wollten. Die Sammlung wurde jedes Jahr größer und größer und umfasst jetzt mehr als 5000 Flaschen. Ich realisiere dass die Sammlung nur größer wird wenn ich nicht aufhöre. Die Zeit sie zu verkaufen ist also jetzt gekommen. Sie trinken keinen Tropfen ihres Besitzes. Warum nicht? Würden Sie es einem zukünftigen Käufer der gesamten Sammlung übelnehmen, wenn er die Flaschen anbrechen würde?

Die Flaschen sind mir zu wertvoll um sie zu öffnen. Als Sammler ist es eine Sünde etwas so Altes zu öffnen und zu trinken. Einmal getrunken, ist es für immer verloren und ich würde nicht einmal davon träumen so etwas jemals zu tun. Vor 20 Jahren habe ich Warum sammeln Sie gerade Spirituosen? eine kleine Kollektion offener Flaschen von einem engen Freund erworben, damit ich Im Gegensatz zu allem anderen in diesem manchmal daran nippen kann. Ich würde Alter, sind Spirituosen heute immer noch meine Sammlung nicht verkaufen, wenn ich konsumierbar. Wenn sie unter den richtigen wüsste, dass der Käufer die Flaschen öffnen Bedingungen gelagert werden, werden sie und trinken würde. Mein Managing Direcniemals altern oder an Qualität verlieren. tor Bart Laming ist dafür verantwortlich alle Man kann etwas trinken, das über 200 Jah- Käufer zu überprüfen, also besteht dieses re alt ist, erschaffen von Menschen die die Risiko nicht. Ich glaube, dass viele Sammler schon lange verstorben sind. Man nimmt ei- die Leidenschaft teilen die ich habe. nen Schluck von der Geschichte. Ist es nicht unglaublich, dass du etwas trinken kannst, Sind einige Flaschen unverkäuflich? das im selben Jahr der beginnenden französischen Revolution oder des Amtsantritts Ich habe zwei Flaschen 1780er Cognac von von George Washington erschaffen wurde? meinem Großvater geerbt. Diese sind sehr wertvoll für mich und ich werde diese FlaWarum würden Sie sich für 12,8 Milli- schen nie verkaufen. Er hat zu mir gesagt: onen US-Dollar von ihrer Sammlung »Wenn du etwas besitzt, das du sehr schätzt, solltest du es niemals gehen lassen, weil du trennen? es nie zurück bekommen wirst.«

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Interview — Jäger & Sammler


Was als Sammelleidenschaft begann, stellte sich als kluge Business-Investition heraus.

Sind Sie passionierter Sammler oder eher handelnder Geschäftsmann? Beides. In jungen Jahren arbeitete ich als Antiquitätenhändler, was es leicht machte mit kleinen Sammlern in Kontakt zu treten. Ich habe hier und da eine Flasche erworben und so langsam meine Sammlung erweitert. Ich habe sie nicht für den Wert gekauft. Über die Jahre stellte sich heraus, dass die alten Flaschen wertvoller wurden, als der Preis stieg. Vor allem in den letzten zehn Jahren hat sich der Wert der seltenen Flaschen mehr als verdoppelt. Was als Sammelleidenschaft begann, stellte sich als kluge Business-Investition heraus.

Erst vor kurzem haben Sie in der Schweiz einen Cognac aus dem Jahre 1789 ersteigert. In diesem Jahr steckt unglaublich viel Geschichte. Es ist das Jahr der französischen Revolution, George Washington, der erste US Präsident hatte seine Amtseinführung. Hat Was trinken Sie am liebsten? Sie das zu diesem Kauf bewegt? Ich ziehe es vor gar nicht zu trinken. Ich Ja, ich konnte nicht widerstehen. 1996 habe kann mit Alkohol nicht sehr gut umgehen. ich das letzte Mal eine ähnliche Flasche er- Nach einem Glas Cognac bin ich schon worben. Ich dachte, das wäre die letzte, weil betrunken. Es ist ironisch für einen Abstiviele Jahre keine Exemplare auf dem Markt nenzler Spirituosen zu sammeln, aber ich waren. Ich konnte es nicht glauben, als schätze die Flaschen für ihre Herrlichkeit ich diese Flasche auf einer Auktion in der und ihre prachtvolle Historie. Jede Flasche _ Schweiz sah: Ich wusste, ich musste sie kau- erzählt ihre eigene Geschichte. fen, koste es was es wolle. Ich bin sehr stolz, — oldliquors.com dass sie jetzt in meiner Sammlung steht. mixology.eu

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Cognac rockt, nein rappt, die Bar. Text Peter Eichhorn

Cognac Ferrand dreht auf

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»Es ist großartig zu sehen … Wir bauen die Stradivari und die Bartender spielen darauf.« Was haben Snoop Doggy Dogg und Napoleon Bonaparte gemeinsam? Eigenwillige Kopfbedeckungen und die Leidenschaft für Branntwein aus dem Westen Frankreichs. Mit Cognac erlebt ein altehrwürdiges Destillat eine Erweckung aus dem Dornröschenschlaf, die ein hohes Genusspotential in sich birgt. Vorbei die Zeit, in der tatterige Greise ein überdimensioniertes und überhitztes Glas in die Hand bekommen und schwenken. Image ist viel und manche nachwachsende Generation benötigt eine Pause, einen Bruch zu einem Produkt der Vorfahren. Selbst dann, wenn das Produkt ein gutes ist. Eine ungewöhnliche Renaissance erlebte Cognac im Jahre 2001 und so mancher Greis fingerte irritiert an seinem Hörgerät herum, als die Rapper Busta Rhymes und P. Diddy mit ihrem Song »Pass the Courvoisier« den Verkauf von Cognac anschoben, was in so manchem Traditionshaus ungläubiges Staunen auslöste. Mehr als 100 weitere Rap Songs folgten und Vokabeln wie »Henny«, »Remi« und »nyak« tönten aus den Lautsprechern.

Fidel Castro des Cognac Auch bei den Herstellern wehte ein frischer Wind vom Atlantik in die Region zwischen La Rochelle und Angoulême und inspirierte eine neue Generation von Herstellern, wie

beispielsweise Alexandre Gabriel, der die Geschicke von Cognac Ferrand leitet. Die Leidenschaft für sein Produkt vermittelt er glaubwürdig, wenn er verkündet: »Ich bin der Fidel Castro des Cognac. Ich kann acht Stunden ununterbrochen darüber sprechen.« Er entfernte sich mit seinen Produkten von der Massenfertigung und setzte auf handwerkliche Traditionen und kleine Mengen. Gabriel erkannte früh, welche prägende Rolle die Barkultur für seine Produkte spielen könnte, zu denen auch Plantation Rum, Citadelle Gin, Landy Cognac und Dry Curacao zählen. Besonders der Pierre Ferrand »1840 Original Formula« Cognac, nach historischer Rezeptur gemeinsam mit David Wondrich entwickelt, hielt rasch Einzug an Bartresen, insbesondere als Bestandteil des Sazeracs. Alexandre Gabriel begeistert diese Inspiration modernen Bartendings: »Es ist großartig zu sehen … Wir bauen die Stradivari und die Bartender spielen darauf.« Ohne Stradivari, aber für Rapklänge holte Gabriel Snoop Dogg mit ins Boot, um für die Marke Landy zu wirken. Nun können sie gemeinsam rappen: »Cognac ist the drink that’s drunk by G’s«. — cognacferrand.com

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neues & Notizen

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Flowerpower Tonic Water geht russisch-mediterranes Verhältnis mit Vodka ein Sechs Jahre nachdem Fever Tree das Indian Tonic Water auf den Markt gebracht hatte, kam 2011 der kleine Bruder, das Mediterranean Tonic Water zur Welt. (MIXOLOGY berichtete.) Nochmal fast zwei Jahre hat es gedauert, nun hat der junge Filler auch das deutsche Festland erreicht. Verantwortlich zeichnet dafür die GetränkeVertriebsgesellschaft Global Drinks Partnership, welche die britische Marke in Deutschland vertreibt. Das Mediterranean Tonic Water soll sich geschmacklich durch feine, natürliche Kräuter- und Blumenessenzen vom Indian Tonic Water unterscheiden und ist speziell für Premium Vodkas kreiert. Handgepresstes Zitronenöl aus Sizilien und Mandarinenessenzen aus dem Mittelmeerraum tun ihr Übriges und machen Lust auf einen Vodka Tonic mit mediterranen Aromen. Auf Anfrage konnte der Hersteller keinen Preis nennen. IK — fever-tree.com

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Der Star aus Nicaragua Flor de Caña Slow Aged Rum erobert heimische Gefilde Mit Flor de Caña bringt die Eggers & Franke Gruppe den meistverkauften Rum Zentralamerikas nach Deutschland. Hierzulande sind nun drei Qualitäten der nicaraguanischen Rum-Ikone in Handel und Gastronomie erhältlich. Alle drei Qualitäten sind »slow-aged«, das heißt ohne jegliche äußere, künstliche Beeinflussung oder Unterbrechung gereift, von eigenen Zuckerrohrplantagen, aus 100% natürlichen Zutaten, 5-fach destilliert, sowie »real-aged«, also nicht geblended.

Erhältlich ist der Flor de Caña als 4, 7 oder 18 Jahre gereifter Rum. Die beiden Jüngeren glänzen hervorragend als Bestandteil von Cocktails oder Longdrinks oder einfach »on the rocks« und sind mit 15 beziehungsweise 20 Euro recht erschwinglich. Das 18-jährige Opus sollte allerdings ganz schlicht, pur und handwarm genossen werden, um voll in die schier endlose Aromentiefe abtauchen zu können und den Preis von 50 Euro würdigen zu können. MK — ef-Gruppe.com mixology.eu

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Oude Simon, Oude 12 und Paradyswyn Drei Premium-Jenever aus dem Hause Rutte Seit Januar 2013 versorgt Borco-MarkenImport den deutschen und österreichischen Spirituosenmarkt mit einer neuen Jenever Premiumserie der niederländischen Traditionsdestillerie Rutte. Die drei Jenever unterscheiden sich durch die beigegebenen Botanicals und die Lagerung. Der Rutte Oude Simon basiert auf einer Rezeptur des Firmengründers Simon Rutte, bei der bereits während der Destillation geröstete Nüsse zugegeben werden, welche ihm eine subtile Nuss-Note verleihen. Namensgebend für den Rutte Oude 12 ist die zwölf Jahre lan-

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Neues & Notizen

ge Lagerung in Eichenfässern. Das Resultat ist eine Paarung vollmundiger Malzaromen und frischer Fruchtigkeit. Von besonderer Komplexität ist der Rutte Paradyswyn, bei dem es sich um ein Blend aus in Eichenfässern gereiften, alten Destillaten handelt. Die entstandene Komposition überzeugt durch süßlichen Aprikosenduft und ein Geschmacksspiel von holzigen und süßen Aromen. Der Rutte Simon kostet 22 Euro, der Rutte Oude 12 28 Euro und der Paradyswyn 30 Euro. MK — borco.com


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Verwirrung vor dem Weinregal Supermarkt-Wein oder Premium-Wein? Mit Winemeister tritt eine weitere Berliner Start-up-App auf den Plan. Das Ziel des jungen Gründerteams ist, dem Supermarkteinkäufer vor dem Weinregal beratend zur Seite zu stehen. Die empfohlenen Weine wurden allesamt von dem Sommelier Jan Konetzki verkostet, bewertet und kategorisiert. In der noch im Ausbau befindlichen Weindatenbank befinden sich Weine die überregional bei den führenden Supermarktketten erhältlich sind. Zu jedem Suchergebnis und auf der Startseite empfiehlt die App außerdem einen »Premium-Wein« aus dem eigenen Online-Shop. Diese hochpreisigen Weine sind auffällig ausführlich und positiv beschrieben, da sich die ansonsten kostenlose App über den Verkauf der hochgelobten »Premium Weine« monetarisiert, ist das kein Wunder. Zusätzlich bietet die App noch eine elfteilige Weinschule, in der Jan Konetzki grundliegendes Weinwissen vermittelt. MK — winemeister.de mixology.eu

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Gläserne Provokation Fferrone Designs Gläser Kollektion setzt mutige Akzente Die Revolution Collection von Fferrone Design mischt die Gläserlandschaft mit einem provokant-minimalistisch überzogenen Design auf. Die Kollektion besteht aus einer Karaffe, zwei Schüsseln und verschiedenen Gläsern. Alle Gläser bestechen durch ein puristisches, äußerst reduziertes Design und einen überproportionalen Glasfuß, der den Eindruck erweckt, die im Glas befindli-

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Neues & Notizen

che Flüssigkeit würde im luftleeren Raum schweben. Ob Cocktail, Wein, Suppe oder Espresso, in diesen Gläsern wirkt alles neu und anders. Die Gläser werden in Tschechien von Meisterglasbläsern handgefertigt, was möglicherweise eine Erklärung für den recht happigen Preis ist. Der Preis für zwei Gläser liegt bei 67 – 84 Euro, Karaffe und Schalen kosten 82 – 98 Euro. MK — fferronedesign.com


Gamsei München Text Marco Beier

Der australische Preuße in Bayern

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Es ist ein komplett neues Konzept, gerade im Barbereich und stellt eine große Herausforderung dar. Vielen Bartendern ist der Name Matthew Bax bekannt. Der Australier, der mit seiner Bar »Der Raum« in den letzten elf Jahren zahlreiche Preise einheimste, unter anderem für die beste Cocktailkarte. Nach diesen elf Jahren zieht es Matthew Bax nun weiter. Immer auf der Suche nach etwas Neuem wird er im März unter dem Namen »Gamsei« im Münchner Glockenbachviertel eine neue Location eröffnen. Wir haben uns mit Matthew Bax unterhalten und einige Details über sein Vorhaben herausfinden können.

Herr Bax, wie kommt es, dass Sie ausgerechnet in München Ihre neue Bar eröffnen? Von Melbourne aus ja nicht unbedingt das Naheliegendste? Das stimmt, aber ich lebe schon seit einiger Zeit mehr in München als in Melbourne. Vor vielen Jahren hat mich das Reisefieber gepackt, und in München habe ich vor 15 Jahre meine Liebe zu Cocktails entdeckt. Bars wie das Schumann‘s oder der Havana Club waren schuld daran. Außerdem habe ich in München meine Karriere als Künstler begonnen. Und heute habe ich mein Studio in München und fertige dort beinahe all meine Arbeiten. Und nicht zuletzt meine beiden großen Lieben. Elfie, meine Verlobte und der FC Bayern München.

Warum wurde »Der Raum« geschlossen, was passiert dort jetzt, und was passiert mit der »Bar Americano«?

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Interview — Gamsei München

In erster Linie habe ich »Der Raum« aufgegeben, um mich voll auf mein neues Projekt, das »Gamsei« konzentrieren zu können. Außerdem war ich nicht mehr 100% glücklich mit dem Weg, den »Der Raum« im letzten Jahr eingeschlagen hatte. Zu viel Show, zu abgehoben. Ich möchte Gäste die Bock haben auf einen guten Drink. Dafür muss man kein Experte sein und den ganzen Abend darüber philosophieren. Die Bar Americano ist anders. Diese Bar hat ihre eigenen Mechanismen und funktioniert, auch wenn ich in München bin. Mit Hayden Lambert (vorher Merchant Hotel, Belfast) übernimmt ein neuer Barchef die Arbeit von Jakob Etzold. In den Räumlichkeiten von »Der Raum« werde ich die »Bar Economico« eröffnen. Eine Dive-Bar wie ich sie mir seit meinen Reisen im Mittel- und Südamerikanischen Raum erträume. Eine grandiose Rumauswahl, einfache Drinks. Es geht um Spaß und darum eine gute Zeit zu haben.

Ihr neues Projekt Gamsei, was bedeutet der Name. Gamsei ist ein bayrischer Mythos. Es ist die Lieblingsspeise des Wolpertingers (ein bayrisches Fabelwesen, ein Puzzle aus verschiedenen Tieren. Anm. der Red.) Der Name soll eine Anspielung sein auf unser Konzept, ausschließlich mit regionalen Zutaten zu arbeiten.


Was dürfen wir erwarten? Ein Kon- Geben Sie uns einen Einblick, wie dürzept ähnlich wie »Der Raum«? fen wir uns das »Gamsei« vorstellen? Wir werden Techniken aus »Der Raum« übernehmen, aber es wird ein wenig mehr »produktfokussiert« sein. Wir werden nur regionale Produkte verwenden, also keine Zitronen, Limetten oder Zuckerarten, die bereits den halben Globus bereist haben. Es ist ein komplett neues Konzept, gerade im Barbereich und stellt eine große Herausforderung dar. Wenn die Natur Saison hat und »liefert« werden wir sammeln und einlagern. Auch im »Der Raum« haben wir mit einigen Produkten so gearbeitet, aber ausschließlich so zu arbeiten wird das Ganze auf ein neues Level heben.

Das Design ist einzigartig. Ich möchte die Barriere zwischen Personal und Gästen brechen, aber auch zwischen den Gästen untereinander. Ich möchte beweisen, dass eine ambitionierte »High End Cocktail Bar« nichts Steifes, Gedämpftes haben muss. Hier soll man Spaß haben und auch laut sein dürfen.

Werden Sie auch tagsüber öffnen?

Ich werde öffnen, wann mir der Sinn danach steht, um den Münchenern zu zeigen, wie Kaffee im Melbourne Style schmeckt. Das Cafégeschäft endet aber strikt um 17Uhr, Heißt das, wir können Sie und Ihre wenn die Barschicht übernimmt bis um 1.00 Leute in und um München beobach- bzw. 3.00 Uhr nachts. ten, wie Sie Kräuter und Beeren als Ab Mitte März dürfen sich die Münchener hoffentlich über Drinks und Essen im GamZutaten für Cocktails sammelt? sei freuen. Exakt. Wobei es eher in der ländlichen Region im München stattfinden wird. Was ist Ihr Lieblingsdrink, und wie

werden Sie ihn servieren? Sie sind international bekannt. Haben Sie viele Bewerbungen bekom- Noch sind all meine Drinks Ideen und Konmen als bekannt wurde, dass Sie eine zepte, deren Umsetzung noch nicht zu 100% gewiss ist. Bis jetzt habe ich mich nur mit neue Bar eröffnen? den einzelnen Bestandteilen auseinandergeJa, die Auswahl war riesig, und ohne Namen setzt. Das ist das Spannende, dass die Karte nennen zu wollen, Bartender aus der ganzen und das Projekt sich immer wieder ändern. Welt haben angefragt und sich beworben. Ich hoffe das »Gamsei« wird eine ständige Letztlich fiel die Entscheidung aber auf einen Reise mit neuen Entdeckungen und VeränMünchner. Timon Kaufmann (Nominiert derungen. als »Newcomer des Jahres 2013 bei den MIXOLOGY Bar Awards, Anm. d. Red.) wird Das hoffen wir auch. Viel Erfolg und vielen von Anfang an dabei sein im »Gamsei« Dank für das Gespräch. ­_

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Moët Hennessy Text Marco Beier

Neue Kontinuität

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¨ Hennessy Mit Beginn des Jahres gab es bei Moet einen personellen Umbruch und alle Spirituosen haben seit Januar einen neuen Brand Manager. Ein guter Grund, mit den neuen Vertretern der Marken zu sprechen, und zu fragen, was man für dieses Jahr erwarten darf. ker so nicht stehen lassen. »Es ist der normale Weg über Mixgetränke, Bourbon und Blends zum Single Malt zu kommen, daher sei es normal, dass die Konsumenten ein etwas höheres Alter haben. Dies sei aber konstant.« Und immer offen für Neues. Und so wird es auch dieses Jahr limitierte AbfülDer zuvor bei Campari umtriebige Dejan lungen beider Häuser geben. Glenmorangie Popovic wechselt vom Whisky, den er an hat den Ealanta bereits präsentiert, und für alter Wirkungsstätte betreut hat, zum Co- den 1. Juni wurde die Veröffentlichung eignac und will nun Hennessy Cognac neue ner Ardbeg-Abfüllung angekündigt. »Dieser Launch wird nicht leiser sein, als es in Impulse geben. den letzten Jahren der Fall war«, verspricht Dritter im Bunde ist Sascha Booker, vor- Booker. mals Beam Global und auch dort für Whiskys zuständig gewesen, nun der neue Mann Und auch wenn es niemand für alle Zeit garantieren will, darf man auch in den komfür Ardbeg und Glenmorangie. menden Jahren mit regelmäßigen Neuerscheinungen rechnen. Gierige Käufer Auf Erfahrung im Spirituosenbereich können alle drei zurückblicken. Lena Gludowatz, seit ihrem Studium bei Moët Hennessy tätig, hat mittlerweile die Verantwortung über Belvedere Vodka und 10 Cane Rum übernommen.

Single Malt ist auch das erste Thema, schließlich sind hier die Wachstumszahlen in den letzten beiden Jahren zweistellig gewesen, und gerade im höherpreisigen Segment finden sich immer mehr Liebhaber. Dass es ähnlich wie beim Cognac eine deutlich ältere Käuferschicht gibt, möchte Boo-

Schweres Geschäft mit Cognac Die oft gestellte Frage, ob der asiatische Durst nach luxuriösen Cognacabfüllungen die europäische Verknappung bedingt, umgeht Popovic geschickt. »Generell sei die weltweite Nachfrage größer als das Angemixology.eu

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bot und so muss man sich um eine gerechte Aufteilung bemühen.« Was aber richtig ist, ist das Problem mit dem hierzulande sehr steifen Umgang mit dem Thema Cognac. »Das Bild vom großen Cocgnacschwenker, Ohrensessel und Kamin ist noch sehr verankert.« Eine Schuld an diesem antiquierten Image gibt Popovic dem Marketing der letzten 20 Jahre. In Deutschland spielen vorrangig zwei Marken eine Rolle, nämlich Hennessy und Remy Martin. Diese haben sich aber viel zu lange auf dem Erreichten ausgeruht somit hat Cognac als Mixspirituose kaum noch eine Relevanz und das Problem sich nicht im jungen Publikum etablieren zu können.

»Das Bild vom großen Cocgnac-Schwenker, Ohrensessel und Kamin ist noch sehr verankert« Aus den Clubs in die Bars

Ganz anders verhält es sich beim Vodka. Der polnische Belvedere Vodka soll im Der erste Schritt dies aufzubrechen sei die Bereich Bar auf eine breitere Plattform Einführung des Hennessy Black vor eini- gestellt werden, nachdem man sich bisher gen Jahren gewesen. Hier ist Deutschland vorrangig um das klassische Vodkageschäft übrigens eines von drei Testländern. Der in Clubs und Diskotheken, gekümmert hat. Brand Manager ist sich aber bewusst, dass Dass die Produktion der flavoured Vodman für Cognac sehr viel Geduld und Mar- kas, der Belvedere Macerations kürzlich keting benötigt, um einen größeren Stellen- von Frankreich zum Ursprungsort Polen wert in Bars zu generieren. Darauf sei auch umgezogen ist, hat einen einfachen Grund. die Strategie für dieses und das kommende Die Kapazitäten und Ressourcen, um eine Jahr ausgelegt. Produktion zu garantieren wurden jetzt fertiggestellt und der polnische Ursprung soll Die Frage wieso man keinen Gin im Port- hiermit noch weiter unterstrichen werden. folio habe, stößt auf verhaltene Begeiste- Während andere Marken ihre flavoured rung. Dies sei Sache der Firmenzentrale Vodkas mittlerweile wieder vom Markt in Frankreich und man ist momentan gut nehmen, stellt Gludowatz für 2014 noch ausgelastet mit den vorhandenen Marken. eine vierte Maceration in Aussicht. Im Rumbereich hat man mit 10 Cane, einem Rum aus Trinidad, eine recht spezielle Marke im Portfolio. Angesiedelt im höheren Preissegment spielt dieser Rum in Cocktails kaum eine Rolle und so wird Moët Hennessy auch das Marketing in Bars nicht weiter ausbauen.

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Business — Moët Hennessy

Neue Besen kehren gut sagt der Volksmund. Dem Anschein nach gibt es bei Moët Hennessy aber nicht viel zu kehren, und so möchte man ganz auf den weiteren Ausbau des bereits Erreichten konzentrieren. — moet-hennessy.de


die schwarze seite

20 1 3 TO P t e n

Cocktailwettbewerbe Basierend auf einer Facebook-Umfrage, gefiltert und bewertet von der MIXOLOGY-Redaktion un-

ter Berücksichtigung online und in anderen Medien veröffentlichten Rezensionen und Artikeln.

1 Diageo World Class Dieses Jahr geht Diageo zum fünften Mal auf Weltreise. Jedes Mal kämpfen Bartender aus aller Welt beim derzeit größten und aufwendigsten Cocktail-Wettbewerb um die Trophäe. Im vergangenen Juli machte der Australier Tim Philips das Rennen. Diageo Australien verspricht in diesem Jahr das horrende Preisgeld von 100.000 Dollar. Man darf gespannt sein. ­— diageo.com

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2 Havana Club Academia del Ron Bei der Academia del Ron stehen zuerst die Workshops im Mittelpunkt. Wer sich erfolgreich beworben hat, kann sich also erst einmal weiterbilden und dann sein Können bei der Competition unter Beweis stellen. Dort messen sich die deutschen Bartender, um ein Ticket für den Internationalen Havanna Club Cocktail Grand Prix nach Kuba zu gewinnen. ­— academiadelron.de

3 Bacardi Global Legacy Cocktail Competition Der Auftrag: Die Schaffung einer Cocktaillegende. Im April vertreten Dennis Wolf und Mario Hofferer Deutschland und Österreich beim Finale in Miami und Puerto Rico. Nicolas Michel, Gewinner der Schweizer Ausgabe begleitet sie zur internationalen Challenge. Der Sieger hat die Chance auf den Titel »Weltbester Bacardi Bartender«. ­— mixology.eu

4 Cointreau Championship Cointreau baut auf die Jungen. Beim Championship dürfen Bartender mit maximal 3 Jahren Berufserfahrung teilnehmen, im letzten Jahr stellten sie ihr Können mit einem «Cointreauversial Fizz” unter Beweis. Die Gewinner des jüngsten Championship reisen bald in die französische Heimat des Orangenlikörs. ­— mixology.eu

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Neue Bars — Reingold Bar


5 Campari Liquid Art Contest Das Thema in diesem Jahr: »Create a Classic with a Twist«. Man suche sich einen Klassiker heraus, der vor dem Repeal Day erstmalig zubereitet wurde, und zaubere aus dem Originalrezept eine eigene Kreation. Der Gewinner reist auf den Spuren der Bargeschichte zu den Manhattan Cocktail Classics in New York. ­— campari-liquidart.de

6 Heering Sling Award In seiner reinsten Form bestand der Sling lediglich aus einer Spirituose, Zucker, Wasser und, sofern vorhanden, etwas Muskatnuss. Heering lädt seit 2011 dazu ein, eine Sling Interpretation zu kreieren. Der Sieger wurde letztes Jahr live auf dem Bar Convent Berlin ermittelt. ­— facebook.com/HeeringSlingAward

7 G’Vine Gin Connoisseur Program Das Connoisseur Program von G’Vine fordert die Nase, den Gaumen und das Mixverständnis des Bartenders. Das Blindtasting von 10 Sorten Gin, die Kreation eines Cocktails sowie ein Online-Gin-Test waren im letzten Jahr die Aufgaben. Der Gewinn beträgt 3.000 US-Dollar, einen G’Vine-Jahresvorrat, sowie eine Reise zu den Tales of the Cocktail oder zum Bar Convent Berlin. ­— legcp.fr

Neue Bars — Reingold Bar

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8 Riemerschmid Null Promille Cup Eine wahre Freude, dass es auch eine alkoholfreie Competition in die Top 10 geschafft hat. Der Riemerschmid Null Promille Cup fordert Bartender auf, einen innovativen, alkoholfreien Cocktail zu mixen. Im letzten sowie vorletzten Jahr überzeugte ein Bartender aus Dresden mit gelungenen Sirup- und Saftkreationen. ­— riemerschmid.de

9 Deutsche Cocktailmeisterschaft Die deutsche Barkeeper Union e.V. veranstaltet als Mitglied der International Bartender Association jedes Jahr die sogenannte Deutsche Cocktailmeisterschaft. Am 15. Juli findet das große Finale in Stuttgart statt. Mehr als 35 Barkeeper aus den 12 Sektionen der Deutschen Barkeeper-Union e.V. kämpften letztes Jahr um den Sieg. ­— dbuev.de

10 Bols Around The World Bartending Championship Vier Durchläufe muss man bestehen, um in das Finale zu gelangen. Eine innovative Cocktailrezeptur, Multiple Choice Fragen, ein Video sowie das professionelle Mixen werden erwartet. Wer das geschafft hat, darf den Namen des Wettbewerbs wörtlich nehmen. Der Gewinner wird nämlich unter anderem eine 8-tägige Weltreise in vier Cocktail-Hauptstädte seiner Wahl antreten. ­— bols.com

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Neue Bars — Reingold Bar


made in gsa Text Inka Klein

Der Wettbewerb 2013

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diesen so besonders? Herausstechendes Merkmal ist die Vielfalt und Anzahl der teilnehmenden Produkte. Während andere Wettbewerbe von einer großen Marke organisiert und durchgeführt werden und diese naturgemäß zwingend in jedem Drink vorkommt, bewerben sich bei der »Made in GSA Competition« viele Marken um die Gunst der Bartender. So kann jede Marke mit Herkunft aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz teilnehmen. Ein gerechtes und gleich hohes Startgeld pro Marke und Produkt sorgt für Chancengleichheit und eine hohe Auswahl an unterschiedlichsten Zutaten. Damit aber nicht genug. Jede Marke lobt zusätzlich eine Prämie aus für denDer besondere Wettbewerb jenigen, der den Siegerdrink mixt, in dem Im Frühjahr geben wir den Startschuss sie enthalten ist. Hier buhlt man dann um für einen eigenen Wettbewerb. Den ersten die Gunst der Kreativen, indem man diese Cocktailwettbewerb den MIXOLOGY aus- Prämien möglichst interessant macht. Dies richtet, die »Made in GSA - Competition«. kann ein Besuch bei der Herstellung sein, Ein Wettbewerb für Bartender, Barflys und ein Workshop oder alles andere, was den Connaisseurs, die sich mit Produkten aus Bartender dazu verleiten kann dieses Prodem deutschsprachigen Raum auseinan- dukt zu verwenden. dersetzen. Aber nicht nur die Hersteller und AgentuNun ist es ja nicht so, dass es nur wenige ren sind gefragt. Neben der kreativen AufCocktailwettbewerbe gibt. Was also macht gabe zwei Drinks zu mixen, stellen wir zur Das Label »Made in GSA«, 2006 in der MIXOLOGY- Redaktion aus der Taufe gehoben, entwickelte in den seither vergangenen Jahren eine beachtliche Dynamik. Immer mehr Hersteller von Produkten mit Relevanz für die Bar stellen heraus, dass ein Teil ihrer Qualität auch in der Herkunft begründet ist. Brände und Spirituosen, seien es junge, innovative Start-ups oder traditionelle Marken mit langer und bewegter Geschichte rücken zunehmen in den Fokus von Bartendern. Diesen Trend wollen wir beobachten und über das Jahr verschiedene Bereiche von »Made in GSA« beleuchten.

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Bedingung, eine interessante Geschichte um beide Cocktails zu stricken. Eine Story mit regionalem Bezug. In knappen 120 Worten erwarten wir eine Geschichte zum Hintergrund, zur Idee des Drinks. Wahr oder erfunden spielt dabei keine Rolle. Mit anderen Worten, wir suchen den nächsten Gin Basil Smash. Von jedem Bartender werden zwei Drinks erwartet. Ein Long Drink und ein Short Drink aus jeweils maximal 5 Zutaten.

Teilnahme und Jury Bis zum 21. Februar hatten die Marken Zeit, sich dem Wettbewerb zu stellen und Prämien auszuloben, die den Akteuren die Wahl schwer machen. Welche Marken sich für die Competition »Made in GSA« angemeldet haben, kann man auf unserer eigens erstellten Internetseite sehen. Derzeit läuft die Bewerbungsphase der Bartender, die noch bis zum 21. März 2013 Zeit haben, ihre Rezepte und zugehörige Geschichte einzusenden. Im Anschluss werden die geprüften und anonymisierten Einsendungen der Jury vorgelegt, die dann Idee, Ausführung und Kreativität bewerten. Auf Grundlage dieser Bewertungen wird ein Ranking erstellt und die zehn besten Teilnehmer werden zum Finale nach Wien am 14. April 2013 eingeladen.

allen drei GSA-Ländern haben wir ein bekanntes Gesicht gewinnen können. Für die Schweiz freuen wir uns auf Jvan Paszti von der Züricher »Cranberry Bar«. Unter seiner Leitung gewann diese zuletzt den MIXOLOGY BAR AWARD 2013 für die »Schweizer Bar des Jahres«. Heinz Kaiser aus der »Dino‘s Bar« in Wien vertritt Österreich. Er kann auf einige Erfahrungen in Wettbewerben zurückblicken. Unter anderem belegte er den zweiten Rang im internationalen Finale der angesehenen Diageo World Class Competition. Zu guter Letzt noch Klaus St. Rainer aus der »Goldenen Bar« in München. Zuletzt wurde diese als »Bar des Jahres 2013« bei den MIXOLOGY BAR AWARDS ausgezeichnet. Er selbst war im Jahr zuvor »Mixologe des Jahres« und wird Deutschland in der Jury vertreten.

Hier werden die Gewinner der Competition ermittelt. Auf die ersten drei Sieger wird das gesamte Preisgeld aufgeteilt und zusätzlich erhält der Gewinner die Prämien der von ihm verwendeten Produkte. Eine erstklassig besetzte Jury verspricht ein faires und ausgeglichenes Finale. Aus mixology.eu

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Kurz Infos Made in GSA Teilnahmeschluss

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Sponsoren

21. März 2013. Bewerbungen ausschließlich per Mail an: gsa@mixology.eu

Insgesamt 48 Marken machen diesen einzigartigen Contest möglich. Darunter finden sich bekannte Kräuterspirituosen, diverse Gins, Limonaden und alles was sich sonst noch zu dem gewinnbringenden Cocktail mixen lässt. Für genauere Informationen zu 14. April 2013 in Wien. Allen Bewerbern den Sponsoren: winkt die Chance von der hochkarätig be- — made-in-gsa.de/sponsoren setzten Jury, als einer von 10 Finalisten gekürt zu werden. — made-in-gsa.de/die-jury

Finale

Preisgeld / Prämien

Stand heute teilen sich die drei auf dem »Stockerl« ein Preisgeld von 7.800 Euro. Das macht beinahe 4.000 Euro allein für Die Teilnehmer reichen Rezepturen für 2 den »GSA« – Champion. Darüber hinaus Cocktails ein. 1 x Long Drink und 1 x Short loben die teilnehmenden Marken spezielDrink mit maximal 5 Zutaten / Drink ein. le Prämien aus. Ein spannender Anreiz für Eis und Garnituren zählen dabei nicht als die Teilnehmer, deren Produkte virtuos zu Zutat. Die Drinks sollen eine eigene Ge- vermixen. schichte erzählen, darum muss zu jedem Drink ein aussagekräftiger Text verfasst Aktuelle Neuigkeiten: werden der die Geschichte der Cocktails er- – made-in-gsa.de – facebook.com/made.in.gsa zählt. – twitter.com/MadeInGsa — made-in-gsa.de/regelwerk

Regelwerk

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Veranstaltungen & Wettbewerbe — Made in GSA


Das Vermächtnis der Bar-Ritter Bacardi Global Legacy Cocktail Competition

v.l.r: Reinhard Pohorec, Kenny Klein, Mario Hofferer, Dennis Wolf, Mohammed Nazzal, Michael Heimberg

Die Finalisten der Bacardi Global Legacy Cocktail Competition müssen schon bald ihre Koffer packen. Dennis Wolf aus der »Bar Raclette« in Berlin-Kreuzberg hat am 15. Februar das deutsche Finale gewonnen. Seine Cocktailkreation »A hazy shade of apple« überzeugte mit dem Kombinationsklassiker Apfel-Zimt gepaart mit Limette, Martini Rosato, Vanillesirup und natürlich Bacardi Superior. Rosa Pfeffer verfeinerte das Erscheinungsbild sowie den Geschmack und bescherte dem Berliner ein Ticket zur internationalen Competition im April in Miami und Puerto Rico. Da wird sich Wolf mit den Finalisten der anderen Länder messen und unter anderem auf Mario Hofferer aus Österreich und Nicolas Michel aus der Schweiz treffen. Die Aufgabe war in diesem

Jahr die Erschaffung einer neuen Cocktaillegende. Als Inspiration dienten die ersten Cocktailpioniere aus dem 19. Jahrhundert, die laut Pressemitteilung mit Bacardi eine Generation von leichten Cocktails schufen. Neben der Präsentation des Cocktails war auch die dreimonatige Promotionphase vor dem Finale für die Kür des Gewinners ausschlaggebend. Die Teilnehmer mussten während dieser Phase so viel Aufmerksamkeit wie möglich für sich und ihren Drink generieren. Erfreulich: Die Jury war von dem Zweitplatzierten Mohammad Nazzal so begeistert, dass sie ihn aufgrund der knappen Entscheidung spontan einlud als Gast mit nach Puerto Rico zu reisen. — trueoriginals.com

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Filmreife Cocktails Disaronno lädt auch in diesem Jahr wieder professionelle Bartender zum Disaronno Mixing Star ein. Ob Martini à la James Bond oder der von Jeff »The Dude« Lebowski geliebte White Russian, es gibt zahllose Drinks, die in einem Atemzug mit einem Film genannt werden. Und so lädt auch Disaronno die Teilnehmer des Mixing Stars diesmal dazu ein, einen Cocktail zu kreieren der Bezug zu einem Film herstellt. Auf welche Weise sich dieser Bezug ausdrückt, ob im Namen, einer Story oder einer Zutat, ist freigestellt. Hauptsache Disaronno Originale ist Teil des Drinks. Die 20 kreativsten Bartender werden von einer Fachjury ausgewählt und eingeladen am 17. Juni 2013 zum deutschen Casting in Berlin anzutreten. Beim Casting präsentieren die Bartender dann ihren Signature Cocktail und müssen live ihr Schauspieltalent unter Beweis stellen. Schauspieltechnisch wird jeder Teilnehmer durch einen bekannten Schauspieler in einem exklusiven Coaching geschult. Der Gewinner des deutschen Castings qualifiziert sich für das globale Finale in Amsterdam am 4. Juli 2013, wo er auf die Besten der anderen Länder trifft. Der finale Sieger gewinnt eine Reise nach Venedig zu

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den Internationalen Filmfestspielen, mit spannenden Einblicken in die venezianische Barkultur. — themixingstar.com


»Glenfiddich Pioneer Award« Die Gewinner des zweiten »Glenfiddich Pioneer Award« sind gekürt. And the Winner is: »marcel ist reif«, eine Plattform zum Selbstkommentieren von Fußballspielen. »Wir hatten die ewig platten Kommentare der Reporter einfach satt«, so die jubelnden Gewinner. Gut so, denn das dröge Gequatsche ist ja mitunter wirklich nicht zum Aushalten. Mit ihrer Idee begeisterten sie im finalen »Business Slam« die Jury und gut 150 Zuschauer gleichermaßen. In fünf Minuten galt es hier die Anwesenden von der Originalität, Art der Präsentation und der Realisierbarkeit des Projektes zu überzeugen. »Da ist Crowdfunding, Sport und Social TV drin«, befand die Online-Magazin »Gründerszene.de« in Berlin stattfinden wird. restlos begeisterte Jury. Auf dem zweiten Platz landete die Hotel- & Reisesuchmaschine »Bagtion«, deren Urheber für die Präsentation in einen lila Ganzkörperanzug ein Sonderlob der Jury erhielt. Den dritten Platz teilten sich die Kleidertauschbörse »UnserKleiderschrank« und die Sporttrainer-Suchmaschine »Becoacht«. Alle Gewinner nehmen zudem an einem exklusiven Coaching-Day teil, der in Kooperation mit dem Start-up

Zum Schluss wurden Sieger und Besiegte natürlich gebührend gefeiert und Glenfiddich ließ es sich nicht nehmen mit eigenen Cocktail-Innovation aufzuwarten. Vier Berliner Bartender mixten eigens komponierte Glenfiddich Cocktails die so illustre Namen trugen wie, »Pioneers Trunk« oder »Bloody Shame after Darkness.« — glenfiddich-pioneer-award.com mixology.eu

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neues & Notizen

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Irland für alle Jameson mit limitierter Designedition Der 17. März ist bei vielen Fans Irlands grün im Kalender markiert. St. Patrick’s Day. Zu Ehren des irischen Bischofs und Schutzpatrons Patrick lanciert die Dubliner Destillerie Jameson eine limitiertet Desginedition ihres mindestens fünf Jahre gereiften Irish Whiskeys. Verziert mit Ornamenten und filigranen Arbeiten soll das Design an die Atmosphäre der traditionellen St. Patrick’s Parade in Dublin erinnern. So trägt die Edition, entworfen von Glasschildermacher David Smith, den Beinamen »Embrace Your Irish Spirit«.

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»Ich selbst bin leidenschaftlicher WhiskeyTrinker und liebe Jameson. Daher war es für mich eine Ehre, ein eigenes Design entwickeln zu können«, erklärt Smith seine Arbeit, von der sich Whiskeyfreunde und Sammler seit Februar 2013 ein eigenes Bild machen können. Erhältlich ist die limitierte »Embrace Your Irish Spirit«-Edition über den Groß- und Einzelhandel für ungefähr 15 Euro. IK — jamesonwhiskey.de


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Gold für Glen Grant Jim Murray lobt den zehnjährigen Glen Grant in höchsten Tönen Schon im Jahr 1840 hat sich James »The Major« Grant zum Ziel gesetzt den ultimativen Single Malt Whisky herzustellen. Seitdem strebt Glen Grant eben danach einen jungen, frischen und kompromisslos einfachen, jedoch exzellenten Single Malt herzustellen. Dieses Ziel hat Brennmeister Dennis Malcolm mit dem Glen Grant 10 Year Single Malt Scotch Whisky erreicht, so Jim Murray in seiner Whisky Bible 2013 und belohnt den Whisky mit überragenden 95 von 100 Punkten und macht ihn so zum Sieger in der Kategorie »10 Jahre und jünger (diverse Fässer)«. Laut Murray gehe der Whisky über das gewohnte, fruchtige Aroma von Glen Grant hinaus. Er zeichne sich durch seine satte, goldene Farbe und sein langes, weiches Mandelaroma aus. Es handle sich schon seit langer Zeit um einen der stimmigsten Speyside Whiskys, wobei der diesjährige geradezu atemberaubend sei und die beste zehn Jahre alte Abfüllung in der Geschichte der Destillerie darstelle. Erhältlich für ungefähr 27 Euro MK — glengrant.com

mixology.eu

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tanqueray malacca Text Marco Beier

Foto: Diageo plc

Viel L채rm um ... Ja, um was denn eigentlich?

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Charles Tanqueray destillierte 1830 zum ersten Mal Gin. Dass sein Produkt 180 Jahre später auf der ganzen Welt erhältlich und in den meisten Bars zu finden ist, wird er damals vermutlich nicht einmal geträumt haben. Dass eine seiner Ideen, die er in seinem Notizbuch festhielt, einmal die komplette Barwelt nervös werden lässt, lag gleichsam außerhalb seiner seiner Vorstellungen. Nun ist es aber so, dass der Relaunch einer Spirituose alle aufhorchen lässt. Tanqueray Malacca heißt diese Abfüllung, die es von 1997 bis 2001 schon einmal gab. Populär wurde Malacca aber erst, nachdem die Produktion wieder eingestellt wurde. Es fanden sich Jäger und Sammler, die den letzten Flaschen hinterherspürten und diese einbunkerten. Ganz selten wurde einmal eine Flasche ans Licht geholt und geöffnet. Klaus St. Rainer aus der Goldenen Bar in München gehörte zu denen, die die alte Abfüllung probiert haben. »Es war jedes Mal unglaublich Nerven kitzelnd diese Rarität zu verkosten, auch wenn der Tanqueray Malacca nicht für seinen aufregenden Geschmack in die Geschichte eingegangen ist.«

hat er noch ein Dutzend Flaschen á 0,375 l auftreiben können. Für ihn sowie für Rainer ist der Malacca ein Sipping Gin. Eher für den Purgenuss als zur Verwendung in Cocktails.

Überraschung für Nase und Gaumen. Also verkosten wir. Der Gehalt von 40% Vol. Alkohol ist im Vergleich eher wenig für einen Tanqueray. Sehr zurückhaltender Wacholder und subtile Zitrusnoten schicken den Geruchssinn auf eine falsche Fährte. Eine leichte Süße lässt sich erahnen. Auf den Geschmack muss man sich als Malacca-Neuling erst einmal einlassen. Klassischer London Dry Gin ist hier nicht im Glas.

Markus Blattner aus der Widder Bar in Zürich ist einer der bekannten Sammler So beschreibt ihn auch Blattner. Als »New von Tanqueray Malacca. Erst letztes Jahr Western Dry« Gin würde er ihn einordnen. mixology.eu

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Seiner Zeit in der damaligen Abfüllung wahrscheinlich weit voraus. »Lieblich und beinahe schon zu fruchtig« beschreibt ihn Rainer. Grapefruit ist ein sehr deutliches Aroma, und auch auf der Zunge wieder diese überraschende, ungewöhnliche Süße. Ein kleiner Baustein im Mythos Malacca ist sicherlich auch in David Wondrichs Standardwerk »Imbibe« zu finden. In einem Absatz bedauert er das Verschwinden von Old Tom Gin und empfiehlt als Ersatz einen Tanqueray Malacca, so man denn an eine Flasche gelangt. Allerdings muss Wondrich auf Nachfrage einlenken, dass diese Einschätzung eine sehr persönliche war zu dieser Zeit. Geschuldet dem Fehlen einer Alternative zu Old Tom Gin und der generell spärlichen Ginauswahl auf dem amerikanischen Markt. Einen antiken Old Tom vergleichend mit Malacca verkostet habe er nicht, die Zusammensetzung der Botanicals und die leichte Süße haben ihn zu dieser Behauptung verleitet. Mittlerweile findet man mit Hayman‘s Old Tom Gin wieder einen weit verbreiteten Vertreter dieses Stils. Ein Gin mit leichtem Zuckerzusatz, wie er bis in das späte 19. Jahrhundert durchaus üblich war. Und das aus dem einfachen Grund, dass man durch begrenzte Möglichkeiten bei der Herstellung immer Aromen erhielt, die nicht gewollt waren. Diese konnte man aber mit Zucker überdecken, also fügte man diesen hinzu.

Zurück in die Gegenwart

100.000 Flaschen sind produziert worden und nur für Bars in den Verkauf gelangt. in den Verkauf gelangt. Laut Rainer auch der Grund, wieso man die neue Abfüllung im Regal der Goldenen Bar habe. »Ein vorbildlicher Schritt von Diageo, bei der Ausweitung des Portfolios auf Bartender zu hören«. Manch einer spricht gar von einem »Geschenk« an die Bartender, die in den letzten Jahren eine solch lebendige Szene herausgebildet hätten. Betrachten wir den Tanqueray Malacca als ein Geschenk, dann als ein hervorragend kalkuliertes. Der Aufwand der Herstellung dürfte den der normalen Abfüllung kaum übertreffen und 100.000 Extraflaschen herzustellen, deren Verkauf garantiert ist, gepaart mit der medialen Aufmerksamkeit und dem höher erzielten Preis, und das ohne wirklich Marketing und Budget zu bemühen, ist auf jeden Fall ein »Geschenk« in beide Richtungen. Die Meinungen zum Relaunch sind zwiegespalten. Rainer und Blattner sprechen von einem Mythos, der Gefahr läuft zerstört zu werden, und diejenigen, die den Malacca zum ersten Mal probieren, sind irritiert vom eher unauffälligen Geschmack. Vor 15 Jahren sicherlich exklusiv, aber inmitten der heutigen Auswahl ist er kein herausstechendes Produkt mehr.

Bleibt zu hoffen, dass man mit der nächsten Nun also der Relaunch. 100.000 Flaschen Sonderabfüllung mehr Mut und Innovati_ sind produziert worden und nur für Bars onsgeist beweist.

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Gin — Tanqueray Malacca


Let’s talk Espresso Text Morten Kohrt

Foto: ©iStockphoto.com / Christian Pound

Der kleine Schwarze verdient mehr Aufmerksamkeit – auch in der Bar

mixology.eu

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Eine Bar deren Ziel es ist, den Gast mit herausragenden Drinks, die nach allen Regeln der Kunst zubereitet sind, zu begeistern, sollte logischerweise vor dem obligatorischen Espresso nicht Halt machen. Espresso in der Bar ist ein recht stiefmütterlich behandeltes Thema und verlangt offensichtlich besprochen und diskutiert zu werden. Das bestätigte auch der am 10. Februar auf MIXOLOGY ONLINE veröffentlichte Artikel zum Thema und die darauffolgenden Diskussionen. Essenz des erwähnten Artikels ist, dass Espresso entsprechend dem Genuss- und Qualitätskonzept der Bar als Abrundung des Angebots dem Gast in ansprechender Qualität geboten werden sollte. Über die Definition von Qualität lässt sich erfahrungsgemäß streiten, insbesondere bei Espresso und den optimalen Zubereitungsparametern. Einigkeit herrscht einzig darüber, dass Espresso aus einer Siebträgermaschine kommen muss, die jemand bedient, der weiß, was er tut.

Die dritte Kaffee-Welle bricht herein Dank des Internets und vieler engagierter Kaffee-Aficionados und Profis ist die deutsche Infrastruktur in Sachen Kaffee und den dazugehörigen Maschinen inzwischen exzellent. Daher empfiehlt es sich bei der Planung des Kaffee-Portfolios den Kontakt zur Third Wave Coffee Szene zu suchen und über entsprechende Partnerschaften nachzudenken. Besonders bei der Auswahl zum Barkonzept passender Maschinen, deren Einstellung und Wartung, Schulung des Personals und natürlich der Auswahl der

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Alkoholfreie Getränke — Let‘s talk Espresso

Bohnen sollten Experten aus der Szene zu Rate gezogen werden. Ralf Berlit, Mitbegründer der Berlin Coffee Society und Inhaber der No Fire No Glory Kaffee Bar in Berlin, sieht für den kleinen, kräftigen Schwarzen ebenfalls ein gewisses Potential in der Bar, insofern der Zubereitung ansatzweise so viel Hingabe entgegengebracht wird, wie den zubereiteten Drinks. »Gemessen an den Summen, die heutzutage für das Interieur einer guten Bar ausgegeben werden, ist der monetäre Aufwand für das notwendige Equipment überschaubar. Meist ist auch gar nicht die fehlende Technik Ursache für schlechten Kaffee. Woran es fehlt«, hat Berlit festgestellt, »ist ganz simpel die notwendige Auseinandersetzung mit dem Produkt Kaffee. Eine vernünftige Schulung und ein einfaches Cupping würde Vielen die Augen öffnen.«

Hexenwerk ist Teil des Katholizismus In Becketts Kopf in Berlin ist man sich der Bedeutung von Espresso durchaus bewusst. »Wissen muss man sich erarbeiten. Hexenwerk ist Teil des Katholizismus«, witzelt Oliver Ebert. Denn auch er weiß, dass das Produkt Kaffee ein gewisses Maß an Wissen fordert, dann aber schnell zum Selbstläufer wird. Sein wichtigster Partner sind die hiesigen Third Wave Kaffeebars in denen


er täglich seinen Gaumen schulen kann. In Becketts Kopf selbst wird mit einer Expobar Maschine gearbeitet und Bohnen von Sical verwendet. Die Capri Lounge in Köln beschränkt sich in ihrem Angebot auf den klassischen italienischen Espresso. Mit Segafredo hat die Bar einen erfahrenen Partner der solide Bohnen, im klassischen Stil liefert und die Bar auch in Maschinenangelegenheiten berät. Maschinentechnisch setzt die Capri Lounge mit La San Marco ebenfalls auf italienisches Knowhow. Als besonders aufwendig schätzt man die Espressozubereitung und den Mühen für die erzielte Gästezufriedenheit, in beiden Bars nicht ein. Beide Bars beschränken sich in punkto Kaffee auf die Zubereitung von Espresso-Shots.

der Bar erstanden. In allen befragten Bars ist entsprechendes Equipment vorhanden, um theoretisch herausragenden Espresso zuzubereiten, was man von dem Willen es zu tun, nicht zwangsläufig behaupten kann. Warum Third Wave Coffee also nach wie vor eher ein Novum in den meisten Bars ist, bleibt wohl ein Rätsel, denn die Philosophie der jungen, progressiven Kaffeewelle passt deutlich besser zu den detailverliebten Barkonzepten mit Hang zur Perfektion, als die halbindustrielle Stangenware großer Röster. Und in diesem Fall lässt sich über den Geschmack definitiv nicht streiten!

— nofirenoglory.de — facebook.com/berlincoffeesociety — capri-lounge.com — becketts-kopf.de Die Goldene Bar in München, Bar des Jahres — goldenebar.de 2013, setzt auch in Sachen Espresso Maß- — jbkaffee.de stäbe und ist den meisten Bars damit weit voraus. Anstatt auf Massenware zu setzen, arbeitet die Goldene Bar eng mit Johannes Bayer, einem kleinen lokalen Röster, zusammen. Bayer hat eigens für die Goldene Bar einen Blend aus fünf unterschiedlichen Ara- The Third Wave of Coffee bicas zusammengestellt. Gearbeitet wird mit Maschinen von Fiorenzato. Für Lounge und First Wave (1930 – 1960) Terrasse gibt es sogar ein mobiles, eingrup- abgepackter, gemahlener Kaffee für Jederpiges Setup. Für Beratung und regelmäßige mann im Supermarkt Schulungen ist ebenfalls Johannes Bayer zuständig. Für Barchef Klaus Stephan Rainer Second Wave (1960 – 1990) ist es selbstverständlich den relativ hohen billige Bohnen, Espresso, Cappucino & Co Aufwand in Sachen Espresso zu betreiben, im ToGo-Geschäft um dem Gast ein qualitativ, konsistentes Barerlebnis bieten zu können. Third Wave (1990 – heute) ganzheitlicher Qualitätsbegriff, der Anbau, Es scheint also, als habe der Espresso-Da- Fairness, Vielfalt, Röstung, Zubereitung nach bereits seine Daseinsberechtigung in und vor allem Geschmack neu definiert mixology.eu

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Kalifornifizierung der Kehle Text Peter Eichhorn

Sierra Nevada Pale Ale

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Eine Bar ist stets ein Ort höchster Getränkegenüsse. In die Überlegungen zum Angebot sollte auch ein feines Bier einbezogen sein. Manche Erfolgsgeschichte aus den USA beginnt mit Leuten in einer Garage. Die Chronik der Sierra Nevada Brewing Company beginnt mit zwei Männern am Herd, die Ende der 1970er Jahre endlich ein Bier im Glas haben möchten, das ihnen auch schmeckt. Also brauen sie es selbst und nutzen dafür sorgfältig ausgewählte Zutaten, allen voran ihr Lieblingshopfen, Cascade. Der Startschuss 1980 erfolgt in Chico, Kalifornien, und leistet Pionierarbeit bei dem Neustart der amerikanischen Bierkultur und dem Durchbruch des mittlerweile zum Kulthopfen avancierten Cascade. Das Sierra Nevada Pale Ale legt den Grundstein für den Erfolg. Die Brauerei wächst und so kaufen Ken Grossman und Paul Camusi 1986 in Deutschland die Braukessel einer der vielen stillgelegten hiesigen Brauereien und setzen sie in Chico wieder zusammen. 2004 kam ein eigenes ökologisches Kraftwerk hinzu, 2007 ging die größte private Solarenergieanlage des Landes in Betrieb und 2012 meldete die Unternehmensleitung den Baubeginn einer zweiten Brauerei in Mills River, North Carolina, die 2014 eröffnen soll.

ge gilt Europa, denn mittlerweile gelangen einige Bierladungen auch auf diese Seite des Atlantiks. Die dänische AMKA Group mit einer Zweigstelle in Harrislee bei Flensburg, macht einige der Sierra Nevada Biere, wie das Pale Ale oder das Torpedo IPA hierzulande verfügbar. Eine Bar ist stets ein Ort höchster Getränkegenüsse. In die Überlegungen zum Angebot sollte auch ein feines Bier einbezogen sein. Viele Bartender setzen diesen Gedanken bereits in die Tat um und legen großen Wert darauf, ihren Gästen beim Bier etwas Individuelleres als durchschnittliche Industriebiere anzubieten, wie sie es bei ihren Gins, Bitters oder Tonics ganz selbstverständlich handhaben. Seine Entscheidung für das Sierra Nevada Pale Ale traf jüngst der Mixologe des Jahres 2013, Oliver Ebert, für seine Bar »Becketts Kopf« in Berlin. »Bier ist nicht unser Kerngeschäft. Aber die spontane Lust auf ein Bier ist für jeden nachvollziehbar. Dann soll mein Gast selbst beim Bier ein besonders Erlebnis erwarten dürfen«, so Ebert.

— sierranevada.com Eine gute Nachricht im Rahmen des Wachs- — amka-deutschland.de tums und der gesteigerten Produktionsmen- — becketts-kopf.de mixology.eu

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Bar Guide

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»e·MIXOLOGY« hat derzeit 3560 Empfänger. Stand: 7.3.2013

Assistenz: Morten Kohrt (MK), Janek Weiss (JW), Kirstin Müller, Christian Kopp (CK), Inka Klein (IK), Marco Beier Layout & Satz: studiograu.de

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Neue Bars — Reingold Bar


e·MIXOLOGY 2/2013