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Ausgabe 12, August 2011

NEUES AUS BERLIN MITTE

GET TANNED DEUTSCH + ENGLISH

MITTESCHÖN SOMMERTIPPS INTERVIEW MIT CONNY OPPER NACHGEHORCHT: SIZARR Mittes Monatsheft!


Editorial

MITTE INS HERZ Diesen Sommer fällt es Berlin dank herbstlicher Temperaturen schwer, sich von seiner Schokoladenseite zu zeigen. Wir sind dennoch optimistisch und gehen schwer davon aus, dass der August mehr „like ice in the sunshine“-Feeling in die Stadt bringt. Damit ihr wisst, wo ihr am besten in der Sonne zerfließt, verraten wir euch die persönlichen SommerHighlights der MitteSchön-Macher. Passend dazu hat unsere Mitte-Mutter ihre favorisierten Sommerorte für Kinder zusammengestellt. Einer der innerstädtischen Ruhepole ist das Kinderbad Monbijou. In unserer Rubrik Berliner Gesichter stellen wir euch die Bademeisterin Amelie Wipprecht vor, die ihren Sommer zwischen Planschbecken, Eisbude und Liegewiese verbringt. Für den Glückstag haben wir dieses Mal die Neu-Berliner Eddie Argos von Art Brut und Nathaniel Fregoso von The Blood Arm gebeten, uns den Kiez aus ihrer Sicht zu zeigen. Sommerzeit ist Festivalzeit. Wir haben uns mit Conny Opper, dem Macher des Berlin Festivals, getroffen und erfahren, wie der perfekte Club aussieht. Außerdem konnten uns die Jungs von Sizarr einiges über ihren Festivalsommer und den Schulalltag berichten. Ihr seht, wir waren trotz Sommerloch fleißig. Viel Spaß Eure MitteSchön-Redaktion.

PELÉN BORAMIR Mitte ist schön, das findet auch Pelén Boramir. Die gebürtige Stuttgarterin ist vor sechs Jahren nach Berlin gezogen und will nicht mehr weg von hier. PR hat sie gelernt, Mode liebt sie, DJane wäre sie gerne und schreiben mag sie sehr. Zumindest hat sie es über zwei Jahre auf ihrem Blog www.elleparamour.de bewiesen. Pelén ist unter anderem für den PresseBereich zuständig, produziert die Modestrecken und bringt jeden Monat die Gewinnspiele ins MitteSchön Magazin.

BJÖRN LÜDTKE Björn Lüdtke wohnt seit 2005 mitten in Mitte und bekommt jede kleine Veränderung hautnah mit. Gute Voraussetzungen, um sich um unsere neue Rubrik New In Town zu kümmern. Außerdem hat er sich für diese Ausgabe mit den IndieRockern von Art Brut und The Blood Arm für unseren Glückstag durch Mitte treiben lassen.

ANNABELL SIEVERT Als Lipper-Landei hat es Annabell immerhin in die Kleinstadt Paderborn geschafft, um dort Amerikanistik, Kunst und irgendwas mit Medien zu studieren. Als Antwort auf die Frage: „...und, was kann man dann damit anfangen?“, hat sie ihre Koffer gepackt und ist in das schöne Berlin gezogen, wo sie zunächst ihrer Leidenschaft für Film und Video nachgegangen ist. Mittlerweile arbeitet sie hier als Online-Redakteurin, Videojournalistin und auch Social-Media Managerin. Irgendwas mit Medien halt.

3


4 Impressum

MITTESCHÖN NO 12

HERAUSGEBER

Toni Kappesz VERÖFFENTLICHUNG

Vollstrudel GmbH Schröderstr. 12 10115 Berlin, Germany PROJEKT MANAGER

Anne Kammerzelt (anne@mitteschoen.com) PROJEKT MANAGER ONLINE

André Uhl (andre@mitteschoen.com) ARTDIREKTION

Dörte Lange (doerte@mitteschoen.com) GRAFIKDESIGN

Evelyn Hahn (evelyn@mitteschoen.com) REDAKTION

Anne Kammerzelt (anne@mitteschoen.com) André Uhl (andre@mitteschoen.com) PRESSE

Pelén Boramir (pelen@mitteschoen.com) REDAKTEURE

Paul Schlosser, Bettina Schuler, Katharina Geißler, Björn Lüdtke, Oliver Janik, André Uhl, Aaron Moulton, Henning Straßburger, Pelén Boramir, Anne Kammerzelt, Tina Fraas FOTOGRAFEN

Tina Linster, Johanna Ruebel, Melissa Hostetler ÜBERSETZUNG

Nicholas Tedeschi (nicted@web.de), Moritz Estermann ANZEIGENVERMARKTUNG

media@mitteschoen.com WEBSEITE

www.mitteschoen.com DRUCK

Henke Pressedruck

COVERFOTO:

Conny Opper im „King Size“ fotografiert von Melissa Hostetler.


Inhaltsverzeichnis

5

INHALT / CONTENT WEGWEISER 6

MOMENTMAL

8

KONZERTE UND AUSSTELLUNGEN Concerts and Exhibitions

10

MITTESCHÖN LIEBLINGSSTÜCKE

31

GIMME FIVE: SUMMER SHOES FOR MEN

34

KOCHTIPPS VOM KOCHHAUS

39

ENGLISCHE ÜBERSETZUNGEN English Translations

45

MITTESCHÖN ONLINE UND VERLOSUNG Mitteschön Online and Give Away

46

STADTPLAN City Map

KIEZTALK 12

NEU IN DER STADT: VON SPITZEN UND HUNDEN New in Town: Linerie/Und Sasha

14

GLÜCKSTAG MIT ART BRUT

20

MITTESCHÖN-SOMMERTIPPS! MitteSchön’s Summer Tips!

26

INTERVIEW: CONNY OPPER Interview: Conny Opper

35

WIR MITTE-MUTTIS: GEHEN INS FREIBAD We Mitte Mums

36

BERLINER GESICHTER: AMELIE WIPPRECHT, BADEMEISTERIN

44

KOLUMNE: MISSSTÄNDE UND ANDERE BELANGLOSIGKEITEN

KULTURGUT 19

KUNSTTIPPS VON EYEOUT EYEOUT Art Events

23

ILLUSTRATOR DES MONATS: BENEDIKT RUGAR Illustrator of the Month: Benedikt Rugar

32

ANGEHÖRT UND NACHGEHORCHT: SIZARR Sizarr – World Music from Landau


MOMENTMAL: Hitze oder Urlaubsreife lassen alle ein wei-

nig langsamer, alles ein bißchen zäher werden. Politiker machen Ferien und tun so, als gäbe es nichts mehr zu tun. In den Bergen schmeckt sogar griechischer Wein. Lückenbüßer und Nebensäch-

lichkeiten vom Ausstellungsraum bis zum Zeitungsbericht. Ach je, Horrorstau auf der A1. Ich hetze durch die Straßen, Weißensee. Die Bahn fährt gleich, schnell weiter, vorbei an graubraunen Häuserblöcken, die sich endlos zu wiederholen scheinen. Wie


trostlos, denke ich kurz, im Augenwinkel einen Mann am Fenster, rauchend, ins Leere blickend. Zurück. Er nickt kurz – ich darf ihn fotografieren- und schaut vorbei an mir, wieder ins Nichts. Ein Bild. Und weiter. Verschwitzt zur Tram, zum nächsten Termin,

begleitet von einer plötzlichen, leichten Sehnsucht nach dieser geschmeidigen graubraunen Lethargie, nach einem kleinen Sommerloch... Tina Linster fängt für „MITTESCHÖN“ Berlin-Momente ein


8 Veranstaltungstipps von Katharina Geißler, Translations P. 39

ÜBER SCHIEFE BAHN LEBENSKUNST / A TEA IN IRAN Ausstellung Eintritt frei 13. bis 18. August Öffnungszeiten: Mi bis Fr, 17 – 20 Uhr, Shows 19 – 1 Uhr Gerade erst vor einem Jahr von Uwe Neu und Oliver Thoben gegründet, hat die Neonchocolate Gallery bereits mehr als 100 Ausstellungen aus den Bereichen Urban Art, Illustration, Fotografie, Design, Malerei und Collage auf dem Buckel. Für genau eine Woche teilen sich hier bis zu drei etablierte wie aufstrebende Künstler die Räumlichkeiten der Galerie. Mitte August wird es parallel zwei Ausstellungen zum Thema Illustration und Reportage geben. Mit Stift und Pinsel gewähren uns Florian Bayer und Olivier Kugler Einblicke in völlig unterschiedliche Alltagssituationen. Florian Bayer, Jahrgang 1981, beobachtete für sein Projekt Schiefe Bahn den Drogenhandel in Berliner U-Bahnhöfen der Linie 8. Sein Augenmerk gilt vor allem minderjährigen Dealern, die aus anderen Ländern eingeschleust werden, um ihren Alltag im Untergrund zu verbringen. Schiefe Bahn wurde mit dem LeadAward 2011 in Bronze ausgezeichnet. Olivier Kugler, 1970 geboren, begleitete auf seiner Reise durch den Iran drei Tage lang den LKW-Fahrer Massih nach Kish, einer kleinen Insel im Persischen Golf. Seine Illustrationen, für die er den V&A Illustration Award 2011 erhielt, sind in dem 30-seitigen Journal Un Thé en Iran erschienen.

Festival Eintritt: Eröffnung frei Mocky’s Stage: 18. August, 21 Uhr, 15 € Fahrraddisko: 20. August, 17 Uhr, 10 € 17. bis 21. August Das Musikbusiness hinkt beim Thema Nachhaltigkeit noch hinterher. Ideen für einen Wandel zu klimafreundlichen Konzerten gibt es aber immerhin schon. Für die Post-Alles Stage, die im Rahmen des Festivals Über Lebenskunst von dem in Berlin lebenden kanadischen Musiker Mocky kuratiert wird, entwerfen verschiedene Musiker und Künstler ihre Visionen für die Zukunft. In einer Art „Mad Max“-Stil spielt Sänger Joel Gibb ein Soloset, während ONYX Ashanti mit selbstgebastelten „body triggers“ und einem Helm performen. Bonaparte präsentieren das Look-at-whatwe-found-in-your-backyard-4tet, das sich sein Equipment vor Ort zusammensucht, Peaches wiederum legt an einem futuristischen DJ-Set auf. Bei der Fahrraddisko auf der Dachterrasse wird in die Pedale getreten, um energieautark zu DJ-Sets und LiveActs von u.a. Pilocka Krach und Gebrüder Teichmann zu feiern. Vier Tage und Nächte lang verwandelt sich das Haus der Kulturen der Welt mithilfe verschiedener zeitgenössischer Künste in ein Experimentierfeld für umweltbewusste Lebensweisen. Besucher erleben bei dem Festival rund um die Uhr nachhaltige Lebenskunst – von täglich frisch zubereiteten Speisen aus regionalen Lebensmitteln über Konzerte und Filme bis hin zu Performances, Installationen und Workshops.

Neonchocolate Gallery

LA VELA PUERCA Rock, Ska, Reggae Eintritt: VVK 14 €, Abendkasse 17 € 17. August, 20 Uhr Einlass, 21 Uhr Beginn Über die Bedeutung des Namens La Vela Puerca wird bis heute gestritten. Was die Begabung der achtköpfigen Band aus dem kleinen Land Uruguay angeht, darüber besteht jedoch kein Zweifel. 2004 nahmen Die Ärzte die Jungs für elf Konzerte mit auf Tour. Das Publikum war begeistert, was bei Support-Acts relativ selten der Fall ist. Noch im selben Jahr drehte Frontmann Sebastián Teysera den Spieß um und lud die Ärzte für sechs Shows nach Argentinien und Uruguay ein. Seitdem haben sich La Vela Puerca auch hierzulande einen Namen machen können, spielten mehrmals auf großen Festivals wie dem Hurricane oder Southside und gaben kleine, aber gut besuchte Clubkonzerte. „Eine nationale Band, die im Reggae ruht, Rebellion träumt und Stromschläge vom Ska bekommt“ – so lautete ihr Motto seit ihrer Gründung 1995. Nach all den Jahren hat sich der sommerlich-unbeschwerte Ska-Rock von damals verändert, der Rock dominiert nun deutlich den Ska. Was jedoch geblieben ist, sind die tanzbaren Rhythmen und die melancholischen Melodien. Auch wenn wir kein Wort von dem verstehen, was La Vela Puerca da singen, freuen wir uns auf ihre Normalmente Anormal Tour 2011, auf der sie auch dem Lido einen Besuch abstatten werden. Lido

Lychener Straße 23

Haus der Kulturen der Welt

Cuvrystraße 7

www.neonchocolate.de

John-Foster-Dulles-Allee 10

www.lido-berlin.de

www.hkw.de


Veranstaltungstipps von Katharina Geißler, Translations P. 39 9

15 ZENTIMETER Theater/szenische Erzählung Eintritt: 12 € 5., 6., 10., 11. August, 21 Uhr Der Ex-Taxifahrer Moses ist berauscht von sexueller Ekstase und überschwänglichem Liebesglück. Völlig unerwartet tritt die Glückseligkeit trauter Zweisamkeit in sein Leben. Übermannt von alldem, erkennt er erst sehr spät, nicht auf einer rosaroten Wolke, sondern impotent in einem schwarzen Loch gelandet zu sein. Am tiefsten Punkt in seinem Leben angelangt, muss sich Moses auf weniger romantische Weise von seiner Sexgöttin trennen. Die Inszenierung 15 Zentimeter ist eine wahre Geschichte frei nach Bukowski – über den Duft der Liebe und die Macht der Sexualität. Der US-amerikanische Schriftsteller Henry Charles Bukowski, der in Deutschland mehr als 4 Millionen Bücher verkaufte, wurde geliebt und verdammt. Sein Humor, der nichts beschönigt, erlaubt einem, über die beinahe unerträgliche Realität in seinen Werken zu lachen. Seine Sprache ist hart und direkt, ohne Schnörkel. Obszön, satirisch überhöht und wild ist auch Alexander von Reumonts Inszenierung 15 Zentimeter. Erzählt wird die tragikomische Geschichte von Schauspieler Matthias Schmidt, der das Basler Montags Theater leitet und bei der Helmut Förnbacher Theater Company spielt. Mit 15 Zentimeter im Gepäck ist er das erste Mal auf der kleinen Bühne der Brotfabrik Berlin zu sehen. Kunst- und Kulturzentrum Brotfabrik Caligariplatz 1 www.brotfabrik-berlin.de

ARS ELECTRONICA Ausstellung Eintritt frei 7. Juli bis 28. August Öffnungszeiten: Mo bis So, 10 – 20 Uhr Einen Blick in die Zukunft wirft auch die Medienplattform für Medienkunst, Ars Electronica, die bereits zum zweiten Mal in Berlin zu Gast ist. Wie sieht die Traumwelt von Maschinen aus, wenn diese ausgeschaltet sind oder sich für Bruchteile von Sekunden im Leerlauf befinden? Dieser Frage widmet sich die Sonderausstellung Wovon Maschinen träumen, dessen Exponate aus Werken von verschiedenen Künstlern weltweit eigens für Berlin neu kuratiert wurden. Leo Peschtas Chronograph hält den akustischen Augenblick fest. Je nach Geräuschpegel im Raum bewegt sich der „Zeiger“ jede Minute ein paar Grad weiter und fräst dabei eine Vertiefung in das Objekt, auf das er montiert ist. Das von Charlie Bucket entworfene Designerkleid Fluid Dress passt sich der Stimmung seiner Trägerin an und verändert über einen Computer seine Farben sowie das Verhältnis von Luft und Flüssigkeit. Die Kooperation zwischen der Volkswagen AG und Ars Electronica hält dem Betrachter einen Spiegel vor Augen und konfrontiert ihn mit seinen eigenen Träumen, Fantasien und Ängsten rund um das Thema Fortschritt und technologischer Entwicklung. Automobil Forum Unter den Linden Unter den Linden 21 www.volkswagenag.com

JEDER FÜR SICH UND GOTT GEGEN ALLE Ausstellung Eintritt frei 02. Juli bis 27. August Öffnungszeiten: Freitag 14 – 20 Uhr, Samstag 14 – 18 Uhr Im Mai dieses Jahres öffnete der Projektraum U37 – Raum für Kunst seine Türen – inmitten von Drogenstrich, Brachflächen und Ein-Euro-Läden. Während der Besucher in die Räumlichkeiten im Souterrain abtaucht, sieht er die Menschen über sich auf den Straßen vorbeihuschen. Genau in dieser Konfrontation von Kunst und sozialem Leben sieht sich das gemeinsame Projekt der Galeristin Anna Jill Lüpertz und des Künstlers Peter Stauss verankert. Die Ausstellung Jeder für sich und Gott gegen alle, die noch bis zum 27. August zu sehen ist, beschäftigt sich mit der von der Gesellschaft ausgegrenzten Position des Künstlers. Der Titel bezieht sich auf den gleichnamigen Film von Werner Herzog aus dem Jahre 1974, in dem er die Figur des Außenseiters neu beleuchtet. Kasper Hauser findet hier durch seine fehlende Integration eine Freiheit fernab von den Grenzen der gelernten Konventionen. Mit der Entscheidung für die Kunst erschafft der Künstler diese Freiheit auch für sich. Die Künstler Kerstin Schröder, Veronica Brovall, Guillaume Bruere und Stefan Rinck treten mit ihren Skulpturen und Malereien in einen Dialog über eben diese Auseinandersetzung mit der Gesellschaft. U 37 – Raum für Kunst Kurfürstenstraße 37 www.u37raumfuerkunst.com


10 Lieblingsstücke

MITTESCHÖN LIEBLINGSSTÜCKE Texte Paul Schlosser

BERLIN UND SEINE (VERSTECKTEN) TALENTE Ist: wunderschöner Schmuck made in Berlin Kann: schnell zum Summer-Must Have avancieren Kostet: ab 20 Euro Stina Mara ist das Label der jungen Schmuckdesignerin Christina Mara Weidmann, das wir während des Lesmads Designerflohmarkts kennen und lieben gelernt haben. Die aktuelle Kollektion der Jungdesignerin vereint gekonnt skandinavischen Purismus und Naturmaterialien wie filigrane Bambuskorallen oder natürliche, teils ungeschliffene Edelsteine mit geometrischer Klarheit zu einer lebensfrohen, harmonischen Eleganz. In Verbindung mit Elementen aus früherem Vintageschmuck entstehen einzigartige, feminine und sehr besondere Accessoires, die keinesfalls daherkommen wie esoterische Amulette. Das Besondere an Stina Mara ist, dass der Schmuck nicht nur bezahlbar, sondern auch sehr persönlich ist. Christina Maria findet viele Bausteine ihrer Schmuckstücke auf Flohmärkten und verhilft ungewöhnlichen Objekten wie antiken Türschlössern oder VintageBroschen zu einem erfüllten zweiten Leben als Armband oder Collier, wobei die Vermischung abstrakter Formen den Schmuck so einzigartig macht. www.stinamara.com

HIGH TIMES Ist: absolut legal Kann: Essensgelüste und Glücksgefühle bescheren? Probiert’s am besten selbst aus! Kostet: 39 Euro Im von Hov, Hova, J-Hova, Jigga oder auch Jay-Z als Empire State of Mind besungenen New York haben Andrew Goetz und Matthew Malin 2004 mit ihrem gleichnamigen Malin+Goetz Flagship Store im trendigen Stadtteil Chelsea und der hauseigenen Kosmetiklinie neue Maßstäbe gesetzt. Inzwischen reißt man sich weltweit um die Kollektion der beiden Amerikaner, was nicht zuletzt an der zeitgemäßen, minimalistischen Aufmachung, viel mehr aber an den ausgelesenen, ausschließlich natürlichen Inhaltsstoffen der Kosmetiklinie liegt. Auf Farb- und Duftstoffe wird verzichtet, und lediglich die verwendeten, natürlichen Rohstoffe geben den Produkten von Malin+Goetz ihren Eigengeruch. Besonders interessant scheint uns die wohlriechende Kerze zu sein, deren Basisnote Cannabis ist. Als eine moderne und unkonventionelle Neu-Interpretation des gängigen Chypre-Dufts steht der süße Geruch des Hanfs in faszinierendem Kontrast zu frischen Zitrusfrüchten, Eichenmoos, Pfeffer und orientalischen Patchouli-Noten. Den Hipster unter den Duftkerzen und einen weiteren Auszug aus der Produktreihe erhaltet ihr im Internet oder bei Mientus am Ku-Damm. www.malinandgoetz.com


Lieblingsstücke

11

DER MONKI-DAMENBART Ist: lustig Kann: die neue Signatur-Pose im Fotoautomat werden Kostet: ca. 6 Euro Während wir im vergangenen Heft bereits eine Strumpfhose mit Tattoomotiven vorgestellt haben, ist nun ein Ring an der Reihe, dessen Aufsatz unter Ulknudeln wohl das beliebteste aller Tattoodesigns darstellt. Der Fingerstache, ein Schnurrbart, der auf den Zeigefinger tätowiert wird, findet eine immer größere, auch prominente Anhängerschaft. Doch warum ist diese Tätowierung so erfolgreich? Weil sie ein Geheimnis verrät? Weil sie etwas Außergewöhnliches ist? Wenn man etwas Passives (Körperkunst) in etwas Aktives verwandelt, verbreitet sich die ganze Sache schnell wie ein Lauffeuer. Inzwischen gibt es ganze Tumblr-Blogs die sich diesem herrlichen Unsinn verschrieben haben. Ein Trend, der uns entgegen den ganzen Hypes wesentlich lieber ist als Tweens mit Duckface, die meinen, dadurch fotogener zu wirken. Unter die Nadel werden wir uns zwar nicht legen, stecken uns aber ehrenvoll die versilberte Sheriff-Schnorres-Variante von Monki auf den Finger. Die erinnert an Papa in den späten 70ern, als er noch Beegees- statt Homer-Simpson-Gedächtnisfrisur trug, hat mehr „Bling“ und geht vor allem wieder ab. www.monki.com

STARSTRUCK Ist: eine gute Investion Kann: bald seinen Platz in deiner Gesäßtasche finden Kostet: 155 Euro Mit Gothik-Style gegen die neue Sachlichkeit – keine Frage, mit Riccardo Tisci kam frischer Wind in das Pariser Traditionshaus Givenchy. Seine Entwürfe haben einen elegant übersetzten Goth-Touch sowie eine mystisch-futuristische Ausstrahlung. Seit 2005 ist der italienische Moderevolutionär als Creative Director sowohl für die Pret-a-porter-Mode als auch die Haute Couture zuständig. Die Menswear-Linie ist vor allem eines: aggressiv und urban. Wie kein anderer versteht es Tisci, mit Struktur und Form zu experimentieren und Konventionen herauszufordern, ohne dabei platt zu wirken. Folgendes Herrenportemonnaie kommt da schon eher schlicht daher. Lediglich mit Leder überzogene Nieten in Sternform und ein eingeprägtes Givenchy Emblem zieren die Geldbörse, die eine Vielzahl an Stauraum für Geldkarten, Visitenkarten, Führerschein und natürlich großes und kleines Geld bietet. Unbestätigten Gerüchten zufolge wird Riccardo Tisci zur nächsten Saison den ob seiner rassistischen Aussagen in Ungnade gefallenen John Galliano bei Dior ersetzen. Galliano war bereits bei Givenchy einer von Tiscis Vorgängern. Nicht nur deswegen ist das Portemonnaie eine Investition wert! www.ssense.com

HIDE AND SEEK Ist: praktisches Kunstobjekt für zu Hause Kann: Stauraum all deine (geheimen) Habseligkeiten bieten Kostet: 2500 Euro Der „Shrine“ des dänischen Architekten Sigurd Larsen ist Möbelstück und Kunstwerk in einem und bietet durch sein ausgeklügeltes Aufbewahrungssystem ein ideales Versteck für all die persönlichen Dinge, die beim nächsten Überraschungsbesuch der Schwiegereltern besser hinter Schloss und Riegel bleiben sollten. Der Schubkasten aus hochwertigem Eichenholz ist mit großen oder kleinen, flachen oder hohen Truhen und Türchen bestückt, die sich nur mit den dafür vorgesehenen Schlüsseln öffnen lassen. Private Schätze können in den kleinen Verstecken sicher aufbewahrt werden und sind vor den neugierigsten Blicken geschützt. Das verschachtelte Schubladensystem ist dem vielfältigen und multikulturellen Stadtteil Kreuzberg mit seinem labyrinthartigen Straßennetz nachempfunden, in dem Sigurd lebt, seine Möbelstücke entwirft und produziert. www.sigurdlarsen.eu oder im „Voo“, Oranienstraße 24


12 Neu in der Stadt

VON SPITZEN UND HUNDEN Text Björn Lüdtke

Fotos Und Sasha, Jo Bayer für Linierie

Translation P. 41

„UND SASHA“ Wer bei Und Sasha reinkommt, der wird zuerst von Carl begrüßt. Carl ist ein selbstbewusster und wahnsinnig süßer Zwergrauhaardackel und hat sein Lager hinter der Eingangstür des neuen Ladens in der Gormannstraße. Frauchen Marianne Weber ist gleichzeitig Inhaberin des Shops, in dem man neue Kollektionen findet, aber auch ausgewählte Vintage-Stücke. Und Sasha hat im Mai seine Pforten in Mitte geöffnet. Der Laden war vorher in Charlottenburg und hieß Nico und Sasha. Als Marianne Webers Partnerin aussteigt, nutzt sie die Gelegenheit zum Standortwechsel und zur Namenskürzung: „Wir hatten uns auf unserer ersten Inspirationsreise für androgyne Synonyme entschieden, weil wir unsere Auswahl jedem Geschlecht zugänglich machen wollten. Caro entschied sich damals für Nico, so dass vom Gesamtnamen nun Und Sasha übrig bleibt. Wenn einer geht, dann darf etwas fehlen.“

Wer es an Carl vorbei schafft (immerhin sind die Spielzeuge des halbstarken Dackels fast so groß wie er selbst), der findet einen erlesenen Mix aus Neuem und Altem. Im Erdgeschoss sind das Labels wie Hien Le, Hoogstraat, Hope oder Schuler/ Keck. Im mit dunklem Teppich edel ausgelegten Keller hängt Vintage „aus dem engen Bekanntenkreis. Da ist nichts vom Flohmarkt. In Reinigungsfolie verwahrte Einzelstücke von Yves Saint Laurent oder Moschino, gut erhaltene Erinnerungen an eine Kindheit mit einer modebewussten Mama“. Ob man auch was zum Verkaufen bringen darf? „Alte, sehr gut erhaltene, gut riechende, hochwertige, fremde Erinnerungen nehme ich gerne an.“

Und Sasha Gormannstraße 16 Mo bis Sa, 12 – 20 Uhr www.nicoundsasha.com Shirts ab 20 Euro, Blusen ab 70 Euro und Blazer ab 120 Euro


Neu in der Stadt

13

„LINIERIE“ Mit Unterwäsche ist das ja immer so eine Sache. Entweder sie ist sexy oder sie ist praktisch. „Jede Frau braucht gut sitzende Unterwäsche, jeden Tag. Wir wollten einen Laden machen, in dem Frauen EINFACH Unterwäsche kaufen, je nach Geschmack, mit und ohne Spitze, mit und ohne Bügel, aus Baumwolle oder Seide. Uns war es wichtig, Unterwäsche aus dem Sex-Image rauszuholen“, sagt Clara Brandenburg von Linierie. Zusammen mit Sabine Kremke führt sie den kleinen Laden in der Linienstraße seit April. Das Sortiment ist hochwertig. Man findet etablierte Marken wie Elle McPherson Intimates, Hanro of Switzerland oder Zimmerli, aber auch unabhängige, lokale Designer wie November Lingerie aus Berlin. Die Linierie ist nahe an der Rosenthaler Straße, obwohl man einen Laden mit diesem Anspruch kaum zwischen Easyhotel und St. Oberholtz ver-

mutet. Aber die Torstraße hat sich inzwischen zur Top-Shoppingadresse entwickelt, da wird der Platz schon knapp. Es scheint nur natürlich, dass sich der Trend in den Seitenstraßen fortsetzt. „Die Berlinerinnen haben unseren Laden angenommen. Frauen wollen gute Unterwäsche haben, in der sie sich wohl fühlen. Und die finden sie bei uns.“ Bei Linierie achtet man vor allem auch auf die Herkunft und das Verhältnis zwischen Preis und Leistung der Produkte: „Bei Marken wie Gucci und Co. bezahlt man oft den Namen, und die Produkte werden trotzdem in China hergestellt. Zimmerli Unterwäsche wird in der Schweiz hergestellt, und ein Unterhemd kostet trotzdem ‚nur‘ 55 Euro.“

Linierie Linienstraße 75 / Ecke Rosenthaler Straße Mo bis Sa, 11 – 19 h Uhr www.linierie.de Büstenhalter ab 55 Euro, Unterhosen ab 22 Euro und Unterhemden ab 25 Euro


Eddie, Dyan, Nathaniel

14 Gl端ckstag


Glückstag

MOVING TO BERLIN Text Björn Lüdtke

Fotos Johanna Ruebel

In unserer Rubrik „Glückstag“ geht es darum, sich einen Tag in der Stadt treiben zu lassen und Neues zu entdecken, sich vom einen Café in den nächsten Laden empfehlen zu lassen. Normalerweise machen das unsere Redakteure, aber die bewegen sich dann irgendwie doch immer an den gleichen Orten. Deshalb haben wir dieses Mal die Neu-Berliner Eddie Argos von „Art Brut“ und Nathaniel Fregoso von „The Blood Arm“ gebeten, uns Mitte aus ihrer Sicht zu zeigen. Die Indie-Rocker bringen Dyan Valdes mit, die gleichzeitig Nathaniels Bandkollegin und Eddies Freundin ist.

15


16 Glückstag

Keyser Soze White Trash

White Trash

Wir treffen uns im Mauerpark. Wieso ausgerechnet dort? „Keine Ahnung“, meint Eddie. „Wir wohnen noch nicht so lange in Berlin und kennen nicht so viele andere Parks. Dann dachten wir, bei dem schönen Wetter...“ In der Tat, das Wetter spielt mit. Es ist der perfekte Tag, so wie wir ihn uns immer wünschen: wenige, hübsche Kumulus-Wolken, dazu eine minimale Brise bei 23 Grad. Dyan und Eddie sind im Januar aus Kalifornien nach Berlin gezogen, Nathaniel im April. Eigentlich kannten sich Dyan und Nathaniel zuerst, sie spielen ja auch zusammen bei The Blood Arm. Sie waren schon immer Fans von Art Brut, die sie sogar schon supportet haben. Natürlich haben sie sich vorher auch eines der Konzerte angeschaut. „Nathaniel hat sich so dolle auf das Konzert gefreut. Wir waren besessen von ihrem Hit Moving to LA. Nathaniel hat dieses Ding am Laufen, so dass er immer, wenn er sich auf eine Band freut oder einen zu viel trinkt, nicht mal mehr den Anfang des Konzerts mitkriegt“, erzählt Dyan. Nathaniel widerspricht mit leicht ironischem Unterton: „Das passiert mir schon lange nicht mehr!“ Klar. Als Moving to LA gespielt wird, rüttelt ihn Dyan schließlich wach: „Hey, hiervon redest du seit Wochen. Wach auf!“ Nathaniel schüttelt sich kurz, klettert auf die Bühne, zieht dem Art Brut-Sänger das Hemd hoch und beißt ihm in die Brust... Danach trafen sich alle Backstage – so entstehen Freundschaften. Das war 2005, kurz darauf haben sich Dyan und Eddie ineinander verliebt.

Im Ramones-Museum

Wir fangen unsere Glückstagstour an und laufen vom Mauerpark über die Eberswalder zur U2 und quatschen darüber, wie praktisch die öffentlichen Verkehrsmittel doch in Berlin sind. In Los Angeles – so wissen wir alle – läuft man nicht zu Fuß, man nimmt das Auto sogar für kurze Strecken. Eddie erzählt uns, wie der Song Moving to LA zustande gekommen ist. „Es war so eine Art Traum von mir. Als ich den Song schrieb, war ich noch nie dort gewesen. Ich habe in einem Pub gearbeitet, und draußen regnete es, und ich habe mich Scheiße gefühlt. Also dachte ich, es müsse fantastisch sein, in LA zu leben.“ Wir steigen bei der nächsten Station, am Senefelder Platz, schon wieder aus. Ziel: White Trash. Hier haben Eddie und Dyan, die auch als Everybody Was In The French Resistance... Now! zusammen auftreten, wenige Tage zuvor ein Konzert gegeben, außerdem legen sie hier ab und zu auf. Die Sonne scheint nach wie vor, und wir setzen uns für ein erstes Bier unter die Markisen der Mitte-Institution. Eddie und Dyan wohnen zusammen in Neukölln („Es ist so typisch Berlin, mit Dusche in der Küche...“), Nathaniel nur ein paar Häuser weiter von ihnen. Auf die Frage, ob sie oft nach Mitte kommen, antwortet Eddie: „Wenn du fremd in einer Stadt bist, dann gehst du erstmal dahin, wo die Touris hingehen, und das ist wohl in Mitte, oder?“ Dann dürfte sich das bald ändern, wenn die drei zu Locals werden, denn so schnell haben sie nicht vor, wieder aus Berlin wegzu-

ziehen. Auf mindestens ein paar Jahre haben sich alle eingestellt, wenn nicht sogar für immer. Nathaniel: „Die Lebensqualität hier ist einfach fantastisch. Im Gegensatz zu Zuhause haben wir hier die Möglichkeit, Musik zu machen. In LA war ich Redakteur, habe zwölf Stunden am Tag gearbeitet und das an sechs Tagen in der Woche. Hier lege ich ein paar Mal auf, den Rest der Zeit mache ich Musik. Man ist sehr viel weniger gestresst.“ Mit dem Anflug eines kleinen Rausches (ein großes Hefeweizen in der Mittagssonne...) lassen wir uns weiter durch Mitte treiben. Wir machen einen kleinen Abstecher ins Pro Qm. Der Buchladen, der auf Design und Architektur spezialisiert ist, ist nicht mehr aus Mitte wegzudenken. Selbst, als er von einem populären Schuhlabel aus der Alten Schönhauser in die Almstadtstraße verdrängt wurde, konnte er überleben. Wer ein klar profiliertes und gutes Sortiment anbietet, kann eben auf Laufkundschaft verzichten. Über die Münz- und Weinmeister- geht’s Richtung Rosenthaler Straße ins Calypso. Die Auswahl an Vintage-Schuhen ist überwältigend (nur in wenigen anderen Shops dürfte man noch Ballerinas von Valentino Couture finden). Beim Anblick der High Heels kommen wir auf die Prostituierten zu sprechen, die mitten in der Stadt in der Rosenthaler und Oranienburger Straße stehen. In Berlin gibt es keine Sperrbezirke, was in den USA oder auch Großbritannien undenkbar wäre. Es ist noch recht früh, erst Nachmittag, aber wir entschließen uns trotzdem, nachzuschauen, ob wir schon


Gl체ckstag

Mauerpark

Im Pro Qm

Original

Ramones-Museum

Cl채rchens Ballhaus/Spiegelsaal

...und F채lschung

17


18 Glückstag

Spiegelsaal

ein paar Huren finden können. Fehlanzeige, es ist wirklich noch zu hell. Wir biegen in die Große Hamburger Straße ein, um wenigstens ein wenig dem Touri-Trubel zu entkommen. Durch Zufall entdecken wir den Hinterhof der Nummer 19A... Wir sehen einen jungen Mann in einem Rockabilly-Outfit in eine Tür huschen. Ein neuer Laden? In der Tat: Class of Berlin hat am 25. Juni seine Pforten geöffnet. Alex, der Mann aus dem Hof, erklärt uns, dass sich hier verschiedene Designer zusammengetan haben, die sich alle von den Stilrichtungen der Dreißiger bis Sechziger inspirieren lassen, um hier eine gemeinsame Verkaufsplattform zu haben. Seine Labels heißen Rock-A-Tiki und Berlin Denim. Im Erdgeschoss gibt es neue Ware, im Keller Vintage. Die Selektion ist erstklassig – vom türkisweißen Loafer bis zur originalen Bomberjacke aus den besagten Jahrzehnten. Außerdem gibt es einen Barber Shop, und im Hinterkämmerchen näht Franziska Kühne die neusten Modelle für ihr Label Marlenes Töchter. Eigentlich sind wir aber auf dem Weg ins Ramones Museum in der Krausnickstraße. Für alle drei ist die Band aus New York ein großer Einfluss. Dyan hat sie noch live erlebt, in San Francisco, da war sie zwölf Jahre alt. Es war ihr erstes Konzert, und sie stand mit ihrem erwachsenen Aufpasser in der letzten Reihe. Im Museum treffen wir auch Flo, dem das Museum gehört und der die Ausstellung zusammengetragen hat. Seiner Freundin scheint es irgendwann gestunken zu haben, dass die ganze Wohnung voll mit Ramones-Memorabilia war. Daraufhin kam ihm die Idee mit dem Museum, mit dem er kürzlich erst von Kreuzberg nach Mit-

Mauerpark

te umgezogen ist. Eddie Argos hat es schon auf die Wall of Fame im Museum geschafft, Dyan verewigt heute auch ihre Band The Blood Arm. Ich frage in die Runde, ob einer Clärchens Ballhaus kennt. Nein? Na, dann gehen wir zum Abschluss dahin. Wer Clärchens nicht kennt, der kennt Mitte nicht. Was viele nicht wissen: Der Spiegelsaal ist tagsüber zur Besichtigung offen. Der Saal hat 60 Jahre lang Dornröschenschlaf gehalten, bis man sich im Ballhaus entschlossen hat, ihn wieder zu öffnen. Man hat alles gelassen, wie man es vorgefunden hat. Die Tapete ist dunkel, patiniert, der Stuck blättert von der Decke. Ein unwiderstehlicher Charme hat sich entwickelt. Heute wird der Saal unberührt wieder für Veranstaltungen genutzt. Ein perfekter Sommertag bereitet sich auf den Abend vor, die Sonne steht tief, und die ersten Durstigen kommen nach der Arbeit, um sich einen Aperitif zu gönnen. Denn genauso bezaubernd wie der Spiegelsaal ist der Garten des Ballhauses im Sommer – hier zeigt sich Mitte von seiner besten Seite. Prost und danke Dyan, Eddie und Nathaniel. White Trash

Class of Berlin

Schönhauser Allee 6/7

Große Hamburger Straße 19A

www.whitetrashfastfood.com

www.classofberlin.com

Calypso

Clärchens Ballhaus

Rosenthalerstraße 23

Auguststraße 24

Das aktuelle Album von „Art Brut“ heißt

www.calypsoshoes.com

www.ballhaus.de

„Brilliant! Tragic!“. Das von „The Blood

Pro Qm

Ramones Museum

Almstadtstraße 48-50

Krausnickstraße 23

www.pro-qm.de

www.ramonesmuseum.com

Arm“ heißt „Turn And Face Me“.


Kulturgut

KUNSTTIPPS Text Aaron Moulton

VON

19

EYEOUT

Translation Moritz Estermann, P. 40

In dieser Kolumne stellen wir euch jeden Monat eine kleine Auswahl der interessantesten Ausstellungen in Mitte vor. Weitere spannende Tipps findet ihr in der iPhone App EYEOUT Berlin (www.eyeout.com).

STICKS & STONES Keith Farquhar, Leo Gabin, John Kleckner, Ruairiadh O’Connell, Tanja Roscic

2. Juli – 6. August 2011 Peres Projects, Grosse Hamburger Straße 17, S-Hackescher Markt, Di–Sa, 11–18 Uhr, berlin@peresprojects.com, www.peresprojects.com

Sticks and Stones (Ausstellungsansicht) Courtesy Peres Projects, Berlin

Die Gruppenausstellung Sticks & Stones – der Titel ist eine Referenz an ein Spielplatzlied zur frühen Selbstverteidigung – kreist um die Darstellung von Körpern im Raum. Alle fünf Künstler beziehen sich in gegenseitig ergänzender Weise auf die abstrakte Figuration. Keith Farquhars Pappmaché Torsi von weiblichen Models sind mit Farbe in Erdtönen und Batik-Optik bemalt und bestechen mit einem Augenzwickern. John Kleckners Collagen sind Kompositionen aus Schichten von automatisierten Zeichnungen, ausgeschnittenen Papieren, die mit Sprühfarbe und marmorisierender Technik bearbeitet sind. Das Künstlerkollektiv Leo Gabin produziert Arbeiten auf Leinwand, die zum Schauplatz für hinterlassene Markierungen werden und entfernt an figurative Techniken von 1950 bis heute erinnern. Sticks & Stones führt flüchtige Hinweise zusammen, dass Körperlichkeit sich in jede Bewegung einschreibt.

THE OBJECT OF OBSERVATION (CHANGES BY BEING OBSERVED) Kuratiert von Tim Lee: Jennifer Bornstein, Abraham Cruzvillegas, Sam Durant, Ryan Gander, Derek Sullivan, Mario Garcia Torres

1. Juli – 3. September 2011 Johnen Galerie, Marienstr. 10, S-Friedrichstrasse, Di–Sa, 11–18 Uhr, im August nur nach Vereinbarung geöffnet mail@johnengalerie.de, www.johnengalerie.de Sam Durant: Crime is the Highest Form of Sensuality / Kill You for Nothing, 2010 Courtesy Johnen Galerie, Foto: Jens Ziehe

Johnen Galerie zeigt eine Untersuchung der gängigsten Methoden zeitgenössischer Kunstproduktion des letzten Jahrzehnts, wobei Verweise in die Kunstgeschichte genutzt werden, um fiktive Erzählungen und parallele Geschichten zu produzieren. Die Werke des Künstlers und Kurators der Ausstellung Tim Lee transformieren Materialien zu einer Art ironischer oder absurder konzeptueller Arithmetik. In der Ausstellung hat er Gleichgesinnte zusammengebracht, um sich mit dieser Produktionsmethode auseinanderzusetzen. Der Ausstellungstitel recycelt den Titel eines Essays des Künstlers Dan Graham von 1969: Subject Matter. Durch mehrfaches Übersetzen wird aus diesem zunächst Betrachtungsgegenstand und daraus The Object of Observation. Die Künstler der Ausstellung konfrontieren den Zuschauer mit einer Art indexikalischen Annäherung an das Spiel der Stillen Post.

1991… (MEMORIAL PROMENADE) Richard Artschwager, Alighiero e Boetti, Rebecca Horn, Joseph Kosuth, Jonathan Lasker, Sol LeWitt, Gordon Matta-Clark , Allan McCollum, Nam June Paik, Robert Smithson

9. Juli – 24. August 2011 Galerie Thomas Schulte, Charlottenstraße 24, U-Stadtmitte, Di–Sa, 12–18 Uhr, www.galeriethomasschulte.de

1991... (Memorial Promenade) – Installationsansicht, Courtesy Galerie Thomas Schulte Berlin, Foto: Sergio Belinchon

Seit 1991 vertritt die Galerie Thomas Schulte eine eigene Haltung zu pop-konzeptuellen Praktiken, die sich auch in deren Jubiläumsausstellung 1991... (Memorial Promenade) wiederspiegelt. Das Spektrum der gezeigten Werke lässt sich am besten durch Joseph Kosuths Neon-Arbeit An Object Self-Defined zusammenfassen: eine Meditation über den Versuch des Künstlers – vor dem Hintergrund lauter bereits dagewesener Möglichkeiten – etwas Einzigartiges zu schaffen. Die Ansammlung scheinbar identischer Urnen von Allan McCollum oder Alighiero e Boettis handgewebten Buchstabenformationen stehen einer Spiegelskulptur von Robert Smithson und einer hypnotisch-psychedelischen Videoarbeit von Nam June Paik gegenüber. Die Ellipse im Ausstellungstitel ist ein raffinierter Hinweis auf die Skulptur von Richard Artschwager und verweist auf einen kontemplativen Übergang in die nächsten 20 Jahre...


20 Kieztalk

DIE MITTESCHÖN – SOMMERTIPPS! Text Bettina Schuler

Illustration Paul Schlosser Translation P. 40


Kieztalk

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Ihr habt noch keine Ahnung, wo ihr diesen lauen Sommertag verbringt? Kein Problem! Denn wir verraten euch unsere besten Sommer-Locations... Wie wäre es zum Beispiel mit dem Thai Park in Wilmersdorf, in dem viele thailändische Familien den halben Sommer verbringen und gegen wenig Geld heimische Köstlichkeiten anbieten? Auch sehr nett und einer der Lieblingsorte unserer Marketingexpertin Pelén ist die Dachterrasse des Hotel Amanos. Und zwar nicht nur, weil der Blick über Berlin von dort aus unschlagbar ist, sondern auch weil es nur selten solch bequeme Sofas zum Herumlungern und Cocktails-Trinken gibt. Wer sich dagegen einfach nur schnell einen Absacker um die Ecke genehmigen möchte, dem kann unser MitteSchönRedakteur Björn das Café Lois empfehlen. Nicht nur weil sie dort den besten WodkaTonic der Stadt servieren, sondern auch weil man von dort aus einen herrlich idyllischen Blick auf die Baumwipfel des Garnison-Friedhofes hat. MitteSchön-Mitarbeiterin Katharina geht im Sommer gerne ins Café Knofi, wo es neben exzellenten selbst gemachten Pasten eingelegtes Gemüse und andere türkische Leckereien zu essen gibt. Und falls man dort, in der Bergmannstraße 11, keinen Platz mehr findet, lässt man sich einfach vom dazugehörigen Feinkostladen um die Ecke eine feine Auswahl für zu Hause zusammenstellen. Ihr seid eher auf der Suche nach dem perfekten Ort für das klassische Zweier-Date? Dann solltet ihr auf das Restaurantschiff Alte Liebe gehen. Denn dort werdet ihr mit Sicherheit nur wenige bekannte Gesichter treffen. Außerdem ist es dort laut unserer Artdirektorin Dörte molto romantico.

Wer von euch auf der Suche nach dem perfekten Ausflugsziel fürs Wochenende ist, dem kann unser MitteSchön-Redakteur Paul nur die alte Sandgrube im Grunewald ans Herz legen. Denn in dieser ca. 30 Meter tiefen Grube, kann man nicht nur die größten Sandburgen der Welt bauen, sondern auch jede Menge längst vergessener Pflanzen wieder entdecken.

Oranienstr. 179 Tel: 030 61 40 309 Öffnungszeiten: Mo bis Sa, 9 – 23 Uhr, So, 14 – 22 Uhr Lois Linienstraße 60 Öffnungszeiten: Mo bis Fr, 8 – 24 Uhr, Sa bis So, 9 – 24 Uhr

Für alle Mütter gibt es laut unserer MIMU-Kolumnistin Bettina im Sommer eigentlich nur einen perfekten Ort, den Krausnickpark. Denn hinter der eisernen Eingangspforte auf der Oranienburger Straße verbirgt sich eine der schönsten Grünflächen der Stadt. Inklusive Hasen zum Füttern und Spielplatz. Und falls es euch selbst dort unter den schattigen Bäume noch zu warm sein sollte, dann hilft nur noch eins: ab an den Badesee. Unser Favorit der Saison ist der Grimmnitzsee bei Joachimsthal.

b) Parks / Seen Den sogenannten „Thai-Park“ findet ihr im Preußenpark Wilmersdorf, zwischen Brandenburgischer und Württembergischer Straße. Krausnickpark Oranienburgerstraße 19 – 20 Sandgrube im Grunewald Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln kommt ihr ganz leicht zur Sandgrube. Einfach beim S-Bahnhof Grunewald aussteigen und über den Schmetterlingsplatz in den Schilddornweg gehen und von dort aus ca. 10 Minu-

Wir wünschen euch dort und an all unseren anderen Lieblings-Locations viel Spaß und jede Menge Sonnenschein!

ten zur Sandgrube laufen. Die „Spreearche“ ankert auf der Müggelheimer Seite der Müggelspree, ganz in der Nähe des Spreetunnels. Für

Adressen:

alle weiteren Infos und eine exakte Wegbeschreibung

a) Bars /Cafés:

einfach auf der Homepage www.spreearche.de vorbei-

Restaurantschiff Alte Liebe

schauen!

Havelchaussee 107 Tel.: 030 30 48 25 8

c) Adressen im Umland

www.alte-liebe-berlin.de

Zum Grimmnitzsee gelangt man am besten mit dem

Öffnungszeiten: April bis Oktober

Auto über die A1, Abfahrt Joachimsthal oder mit dem

täglich 12 – 22 Uhr

RE3 bis Bahnhof Eberswalde und dann umsteigen in die Regionalbahn OE63 bis Joachimsthal.

Hotel Amano

Weitere Infos zu Unterkünften und Ausflugszielen gibt

Auguststraße 43/ Ecke Rosenthaler Straße

es auf www.schorfheidechorin.info.

Café Knofi Bergmannstraße 11

Etwas rustikal geht es da schon auf der Spreearche, einer Art schwimmendes Blockhaus, an der Müggelspree zu. Unsere Projekt-Managerin Anne kann sie euch empfehlen. Sie rät, den Besuch am Besten gleich mit einer Radtour um den Müggelsee zu kombinieren.

Knofi Feinkost – Oranienstraße

www.knofi.de Öffnungszeiten: Mo bis So, 7 – 24 Uhr Knofi Feinkost – Bergmannstraße Bergmannstraße 98 Öffnungszeiten: Mo bis Sa, 9 – 23 Uhr, So 11 – 23 Uhr


Kulturgut

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ILLUSTRATOR DES MONATS: BENEDIKT RUGAR Text Henning Straßburger

Translation P. 41

Es gibt da eine Welt, die besteht aus Linien. Linien die sich auftürmen, zu Massen werden, zu Klumpen. Klumpen die pulsieren, plötzlich zerplatzen und zerfließen. Formen die einen umspülen und mitreißen, durch die man sich hindurchwühlen muss und die man auffressen könnte. Man hat Angst davor und gleichzeitig sind sie das leckerste, was man sich vorstellen kann. Man steht inmitten der bizarr schönen Welt von Benedikt Rugar. Benedikt Rugar ist Vollblutzeichner. Aber er ist auch ein Erzähler. Präzise kalkuliert er den Einsatz seiner Mittel, er beginnt da zu zeichnen, wo er den Betrachter von den konventionellen Denkweisen abholen kann und ihn mit seinen neuen Ideen füttert. Man sieht nicht nur einfach ein illustriertes Thema, sondern immer auch eine ganze Gedankenwelt. Denn wenn man Rugar engagiert muss man davon ausgehen, dass er sich in das Thema vertieft und es überhaupt nicht einsieht, das zu zeichnen, was vordergründig auf der Hand liegt. Das scheint seinen Erfolg auszumachen. Völlig wild, lustig, abgründig und hintersinnig lässt er sich auf die vertracktesten Themen ein, illustriert für Wirtschaftund Berufsmagazine, die Brand Eins, das Zeit-Campus Magazin oder die NEON gehören zu seinen Kunden. Und da es nicht um einen Stil, sondern um Zeichnung geht, ist es nur konsequent, dass er im selben Zug per Hand Underground-Musikvideos wie für den Hamburger Avantgardemusiker Felix Kubin zeichnet, für den Heinrich Hoffmann Sommer in Frankfurt auf riesigen Plakatwänden die gesamte Struwwelpeter-Geschichte uminszeniert oder mit seinem Bambam-Collective in Galerien Einzug hält. Die Themen können sich ändern, doch der Zeichner bleibt authentisch, immer der selbe, immer in seiner Welt. Und so spaziert Benedikt Rugar galant im Schlenderschritt zwischen den surrealen Abgründen der angewandten und freien Künste. Ihm sind die Konventionen egal, er löst sich auf, wird zu einer Linie, zu einem wabernden Klumpen, zerplatzt und grinst einem aus einer anderen Welt entgegen. www.benediktrugar.de

Du bist Illustrator und möchtest mit deinem Artwork das nächste heraustrennbare „MitteSchön“-Poster zieren? Dann schick uns deine Bilder und Entwürfe an: info@mitteschoen.com.


Kieztalk

INTERVIEW CONNY OPPER Text André Uhl

Fotos Melissa Hostetler Translation P. 41

Es gibt Partys, die der Stadt ihren

Stempel

aufgedrückt

haben.

Clubs, die jeder kennt, die das Geschäft von „Easyjet“ und Co. angekurbelt und den Ruf Berlins als internationale Feierhauptstadt zementiert

haben.

Dahinter

stehen

oft nicht minder spannende Köpfe. Ein

Schwergewicht

des

Berliner

Nachtlebens wollen wir euch heute vorstellen: Conny Opper, Vater des „Rio“, Chef des „Scala“, Erfinder des „Broken Hearts Club“, Inhaber der „King Size Bar“ und Organisator des „Berlin Festivals“. Wir sprachen mit ihm über den perfekten Club, Methoden zur Liebeskummerbewältigung und das eigene Ausgehverhalten...

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28 Kieztalk

„Viele Clubs sind meiner Meinung nach zu clean, mit schwarz oder weiß gestrichenen Wänden. So etwas beeinflusst auch die Stimmung des Abends. Wenn die Atmosphäre clean ist, bleiben die Leute auch clean.“

Du bist mit deinem Kiez offensichtlich stark verbunden. Alle deine Clubs, von „Rio“ über „Scala“ bis zur „King Size Bar“, liegen in unmittelbarer Nähe auf der Achse Friedrichstraße/Chausseestraße. Zufall oder Absicht? Das ist tatsächlich ein Zufall. Obwohl... vielleicht doch eher Bestimmung? Sogar das Hi-Fi, mein allererster Laden, war in einer kleinen Galerie in der Chausseestraße. Als ich 1994 nach Berlin zog, habe ich ja zunächst in Kreuzberg gewohnt, um dann zu merken, dass in Mitte und im Prenzlauer Berg mehr geht. Zumindest war es damals so. Kreuzberg war etwas auf dem absteigenden Ast, das hat sich ja wieder geändert. Wenn es um den Kontext Kunst und Mode geht, ist Mitte allerdings immer noch das Zentrum. Vielleicht ist das aber auch eine Generationenfrage. Jedenfalls finde ich es wichtig, hier nicht das Feld anderen zu überlassen. Ich möchte selbst Inhalte für mein Umfeld schaffen. Du wolltest früher Architekt werden. Wie sähe denn ein Club aus, wenn du ihn selber bauen würdest? Die Gebäude der besten Läden sind eigentlich meistens schon da und wurden früher anderweitig genutzt. Wenn man Glück hat, findet man sie und transformiert sie dann in einen Club. Oft ist eine Location besonders gut, wenn eine Kreisbewegung möglich ist. Das war im Rio damals sehr schön, wo du oben durch die drei Räume gehen konntest. Unten gab es dann noch den langen Gang, der alles verbunden hat.

Das ist wie eine Erlebniswelt mit einer eigenen Dramaturgie bei einem Streifzug durch den Club. Wichtig ist, dass verschiedene Aspekte geboten werden. So gesehen war das Rio für mich eigentlich der ideale Club. Wir hatten auch mal die Idee, das Rio als Kunstprojekt einmal komplett nachzubauen. Da hätte ich eigentlich immer noch Lust zu... ...und der Stil? Ein bisschen rough muss es schon sein, dadurch wird ein Club lebendig. Heute würde man wohl Vintage sagen. Das macht Zeitgeschichte spürbar, gerade in Berlin. Auch im King Size haben wir die Wände bewusst so gelassen, wie sie waren. Viele Clubs sind meiner Meinung nach zu clean, mit schwarz oder weiß gestrichenen Wänden. So etwas beeinflusst auch die Stimmung des Abends. Wenn die Atmosphäre clean ist, bleiben die Leute auch clean. Wie ist die Idee zum „Broken Hearts Club“ entstanden? Man denkt natürlich sofort an Liebeskummerbewältigung... Da ist auch was dran. Ich mache das ja mit meinen Partnerinnen Ingrid Junker und Niki Pauls zusammen. Ingrid hatte tatsächlich damals Liebeskummer. Daraus entstand die Idee, dass die Leute ihre liebsten Heartbreak- und Love-Songs spielen, um im Kreise von Freunden den Liebesschmerz zu bewältigen. Der Broken Hearts Club war auch immer eher von warmem Discosound anstatt klassischem Clubsound geprägt. Das ist bis heute so,


Kieztalk

auch wenn es sich mittlerweile zu einem Clubabend entwickelt hat. Wichtig war uns auch die Schnittstelle zwischen Kunst und Fashion und vor allem, dass es Spaß macht. Der Besucher soll Teil des Abends werden, sich stylen, mit gestalten. Kommunikation und Offenheit ist ja genau das, was das Nachtleben ausmacht. Du hast auch gebrandete Partys für große Marken organisiert, zum Beispiel das „Smirnoff Nightlife Exchange Project“. Geht das für dich mit Underground und Coolness noch zusammen? Natürlich habe ich mich mit dieser Frage beschäftigt. Wenn man was im Bereich Branding macht, ist es immer eine Gratwanderung. Da muss man schon sensibel mit umgehen und am Ende abwägen. Wenn ich mit Marken zusammenarbeite, finde ich es wichtig, Projekte zu verwirklichen, die ohne diesen Support nicht möglich wären. Dann versteht das Publikum es auch und weiß es zu schätzen. So ist es möglich, große Acts zu einem fairen Preis oder manchmal sogar umsonst zu sehen. Früher war das, gerade in Berlin, viel schwieriger mit dem Branding. Heute haben die Kids da weniger Probleme mit. Als Clubbetreiber und Partyveranstalter passieren eigentlich immer wieder Sachen, die man nicht erwartet. Ja, das stimmt. Einmal hatten wir mit dem Rio-Team eine Veranstaltung in der alten Zigarettenfabrik in Pankow, mit Hoffest und allem Drum und Dran. Headliner soll-

te Marc Almond sein. Der kam dann auch, meinte aber, er tritt hier nicht auf. Sein Backstage-Raum gefiel ihm nicht. Der hatte sich wohl etwas anderes vorgestellt und war total schockiert, der kannte so etwas gar nicht. Diese Berlin-typische Roughness, da kommen natürlich nicht alle mit klar. Der ist dann wieder abgehauen. Allerdings waren wir nicht die einzigen, bei denen er nicht gespielt hat, der hatte schon einen gewissen Ruf weg. Das war auch nicht so dramatisch, Superpitcher hat dann einfach länger gespielt. Improvisation gehört natürlich immer dazu. Das „Berlin Festival“ ist ein großer Erfolg und wohl mit Abstand dein größtes Projekt. Letztes Jahr liefen allerdings ein paar Dinge nicht ganz so rund. Was werdet ihr in diesem Jahr besser machen? Ein Festival ist immer eine große Herausforderung, da spielen zahlreiche Faktoren eine Rolle, sehr viel organisatorische Arbeit ist zu leisten. Als Konsequenz aus dem letzten Jahr wird dieses Mal das Programm in Tempelhof bis 0 Uhr laufen und die Hangars werden komplett geöffnet sein. Wir setzen das Festival dann unter dem Namen Club Xberg mit Gigs, DJ-Sets und Performances auf dem Arena-Gelände fort. Club Xberg ist ein neuer Teil des Berlin Festivals, dort werden Freitag- und Samstagnacht bis in die frühen Morgenstunden Acts wie A-Trak, Diplo, Mr. Oizo, Andy Butler, Boy George oder Dj Hell auftreten. Auf welchen Act freust du dich denn beim „Berlin Festival“ am meisten?

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Die Absoluten Beginner treten das erste Mal seit 2004 wieder gemeinsam auf. Sie werden also auf dem Berlin Festival ihre exklusive Reunion-Show und die einzige in 2011 geben, darauf freue ich mich ganz besonders! Dann natürlich die Primal Scream und auf jeden Fall Battles, die ich selbst noch nie live gesehen habe. Gehst du privat überhaupt noch aus oder hast du mit deinen eigenen Veranstaltungen genug um die Ohren? Ich gehe schon gerne noch aus, das ist aber weniger geworden. Mittlerweile bin ich ganz froh, in der Woche ein geregeltes Arbeitsleben zu haben. Ich bin auch nicht der Typ, der noch ewig lange auf Afterhours geht, ich freue mich eher, nach meinen eigenen Partys ins Bett fallen zu können. Aber klar gehe ich dann auch mal in Clubs, zum Beispiel ins Picknick oder in die Soju Bar. Auch die ganze Barkultur und diese kleinen und familiären Miniclubs find ich super. Natürlich lasse ich mich auch immer wieder gerne inspirieren, diese Offenheit muss man sich schon bewahren. Außerdem macht es mir unheimlich viel Spaß, unter Leuten zu sein und mich auszutauschen. Das gehört eben zu den schönsten Dingen an meiner Arbeit.


Gimme five

GIMME FIVE MEN SUMMER SHOES! Text Paul Schlosser

Kaum ist der Sommer in vollem Gange, dürfte manchem auffallen, dass es ihm ein bisschen warm untenrum ist. Frauen haben ja bekanntlich die Qual der Wahl, was modisches Schuhwerk betrifft, aber wenn ich mir Berlins Herren der Schöpfung so anschaue, dann tragen die im Sommer durchgehend Turnschuhe oder Flip Flops aus Gummi, die sich hier im Sommer bereits so eingebürgert haben wie die Deutschen auf Mallorca. Zwar plädiere ich für die Befreiung des Männerfußes, doch mit den Zehenspaltern aus Plastik haben Generationen des starken Geschlechts den modischen Ruf der Deutschen im Ausland ruiniert. Alltagstaugliche, leichte Schuhe müssen her. Diese Saison hat schuhtechnisch so einiges zu bieten. Grund genug, euch unsere fünf liebsten Treter vorzustellen. Pediküre oder halbprofessionelle Fußpflege natürlich vorausgesetzt!

01 Jil Sander „Men’s Flotter 403“ Sandalen in Smaragd-Grün Der heißeste Schuhtrend der Sommersaison vorweg: Keine Sorge, mit den Flotter-Römersandalen von Raf Simons für Jil Sander würdet ihr unter keinen Umständen für Angehörige des gefürchteten niederländischen Flodder-Clans gehalten werden. Die Frauen sind hier den Männern – wie eigentlich immer, wenn es um Mode geht – schon eine bis zwei Saisons voraus und haben schon lange die Vorzüge dieser Sandalen erkannt. Einfachheit gepaart mit Vielseitigkeit. Raf Simons liefert auch hier wieder den besten Beweis, dass Perfektion nicht dann erreicht ist, wenn man nichts mehr hinzufügen, sondern wenn man nichts mehr wegnehmen kann. www.oki-ni.com

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Birkenstocks – Modell Medina / Kairo / Gizeh Hier steht Bequemlichkeit an erster Stelle. Früher erinnerten mich die Schlappen immer an meinen Mathelehrer Herrn Dr. Grundlach, der aber trug sie konsequent mit selbst gestrickten Socken seiner Frau. In Antwerpen, nicht nur Heimatstadt Rubens, sondern auch Hauptstadt der Avantgarde-Mode, ist man sich dieses Trends schon lange bewusst. Hier trägt jeder Mann den bequemen Trend-Schuh mit der Korksohle. Hauptsächlich die Modelle mit Zehensteg. Ohne Socken zum hellen Leinenhemd und kurzer Chino wider Erwarten das ideale Sommeroutfit.

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Damir Doma Fiocco Sandals Die Sandale für Nicht-Sandalenträger. Ich selbst habe seit meinem Kauf im Frühsommer kaum ein anderes Paar Schuhe mehr getragen. Durch die durchbrochenen, gleichwohl geschlossenen Schuhe aus geflochtenem Leder kann die Luft ideal zirkulieren, ohne dass auch nur ein Zeh ans Tageslicht geholt werden muss. www.ln-cc.com

04 Burberry Prorsum Loafer Loafer sind ein ganz großes Thema diesen Sommer. Durch den cleveren Stilmix aus klassischem Fringe Loafer und derber Outdoor-Sohle ist der Halbschuh nicht nur ein absoluter Hingucker, sondern sowohl barfuß zur leichten Chino als auch mit dicken Wollsocken bei matschigem Regenwetter tragbar. www.luisaviaroma.com

05 Espadrilles Für Sparfüchse gibt’s bei Nanu Nana unschlagbar günstige Espadrilles für knapp 3 €. Wer jedoch Wert auf Qualität legt, dem sei die Variante von Asos.de ans Herz gelegt. Mit 12,82 € nur unwesentlich teurer, dennoch weitaus länger als nur eine Saison tragbar. www.asos.de

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32 Angehört und nachgehorcht

SIZARR - WELTMUSIK AUS LANDAU Text Anne Kammerzelt

Fotos Fabian Stürtz, Matze Hielscher Translation P. 42

Hinter Philipp, Marc und Fabian alias „Sizarr“ liegen turbulente Monate. Vor einem Jahr spielte die seit 2009 existierende Band aus der Südpfalz noch als weitgehend unbekannter Newcomer auf dem „c/o pop Festival“ in Köln. Danach folgten Auftritte beim „Melt!“, „Dockville“ und „Berlin Festival“, Shows mit den „Broken Bells“ und „Kele“ sowie Remixe für „MIT“ und „Is Tropical“. Inzwischen gelten sie als zukunftsträchtige Sprösslinge der Indi-Szene. In diesem Jahr waren sie erneut beim Olymp der deutschen Festivals vertreten, wobei sie vom „Melt!“ als das „must see“ der Veranstaltung angekündigt wurden.


Angehört und nachgehorcht

Im kommenden Oktober verlassen sie deutsche Gefilde, um auf dem isländischen Festival Iceland Airwaves ihren hybriden Stil aus Elektronik, Hip Hop, Synthie-Pop, R'n'B und Weltmusik zum Besten zu geben. Da können Alltagsbeschäftigungen wie die Schule und Hausaufgaben schon mal etwas profan erscheinen. Trotzdem haben die Jungspunde neben ihrem randvollen Stundenplan in Festivalbespielung gerade ihr Abi hinter sich gebracht und arbeiten fleißig an ihrem Debütalbum. Bei unserem Treffen in Köln zeigt sich, dass sich die drei trotz des Hypes wie all ihre Altersgenossen über lange Sommerferien und gutes Catering freuen. Ihr wart vor einem Jahr schon mal auf der „c/o pop“ zu sehen, danach habt ihr die Crème de la Crème der Festivals bespielt. War die „c/o pop“ der Startschuss für weitere Auftritte? Philipp: Hm, schwer zu sagen. Das Beste war eigentlich, dass wir für die c/o pop frei bekommen haben. Das war kurz vor den Ferien. Am Ende der Sommerferien waren wir mit den Broken Bells in Köln. Für das Konzert waren wir noch mal von der Schule beurlaubt. Das heißt, wir hatten krass lange Sommerferien. War es schwierig, die Liveauftritte, die Arbeit am Album und die Schule unter einen Hut zu bringen? Fabian: Ja, die Schule stand irgendwie im Weg. Wir haben alle ab einem gewissen Zeitpunkt gewusst, dass wir ausschließlich Musik machen wollen. Von da an konnten wir nichts mehr damit anfangen, was in der Schule gemacht wurde. Philipp: Als wir nach unseren verlängerten Sommerferien wieder in die Schule mussten, waren alle andere schon im Schulalltag. Wir mussten uns erst wieder einfinden.

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Ihr kommt aus Landau. Plant ihr, wie viele Musiker, nach Berlin umzuziehen? Fabian: Nein, wir sind ja gerade erst umgezogen. Philipp und ich wohnen in Mannheim, Marc in Heidelberg. Als wir in Landau gewohnt haben, haben wir da eigentlich keinen Unterschied gesehen. Natürlich kann man sich nicht allzu viele Konzerte von anderen Künstlern ansehen. Aber durch das Internet hat man ja auf alles Zugriff und man ist selber dafür verantwortlich, sich zu informieren. Was würdet ihr einer jungen Band raten, die es euch nachmachen möchte? Fabian: Schwierig, wir sind ja auch noch eine sehr junge Band. Marc: Vor allen Dingen braucht man Glück! Fabian: Ja, bei uns ist es einfach glücklich gelaufen. Wir haben Martin, unseren Manager, kennen gelernt und dadurch die ganzen Konzerte gespielt. Danach hat sich eins zum andern ergeben. Also eigentlich sollten man das machen, wozu man Lust hat und sich dann ein gutes Management besorgen. Mit wem würdet ihr gerne mal zusammen auftreten? Marc: Mein Wunschkandidat war schon dran. Wir haben im Mai mit Animal Collective gespielt. Fabian: Ich wäre für Beyoncé. Stadiontour. Philipp: Und ich für Two Pac, aber das wird wohl schwierig. Allerdings. Hast du jemanden, der weniger tot ist? Philipp: So spontan... hmm, dann vielleicht die Red Hot Chili Peppers.

Sind eure Mitschüler da nicht neidisch? Welche Starallüren legt ihr euch dann zu? Fabian: Nee, die meisten sind schon cool. Weil es sie entweder nicht wirklich interessiert oder weil sie nicht checken, was da passiert. Philipp: Wir laufen ja nicht auf VIVA. Was macht die Arbeit am ersten Album? Philipp: Wir sind mitten im Prozess. Wann es genau fertig sein wird, können wir nicht sagen. Wir wollen, dass alles gut wird und stressen uns nicht. Ihr habt noch kein Label? Fabian: Nein, wir haben Wert darauf gelegt, dass wir erstmal alles ohne Label machen, damit wir komplett selber entscheiden können, worauf wir Bock haben. Philipp: Wir arbeiten mit unserem Produzenten Pink Ganter zusammen, aber ansonsten möchten wir uns von niemandem einschränken lassen.

Fabian: Kurz vor dem Gig in die Klamotten einnähen lassen! Mariah Carey Style. Marc: Ich hätte gerne ein Pandagehege. Kleine Mini–Pandabären, die man überall mit hinnehmen und streicheln kann. Die stehen dann immer in der Ecke, und wer Lust hat, kann sie ein bisschen mit Bambus (die fressen doch Bambus, oder?) füttern. Philipp: Ich bin mir noch nicht sicher, aber es hat garantiert was mit Essen zu tun. Tourdaten: 24. September Hamburg, Reeperbahn Festival 12. Oktober Island, Iceland Airwaves Ihr Debüt-Album soll Ende 2011, Anfang 2012 veröffentlicht werden.


34 Hmmm, Lecker!

KOCHTIPPS VOM KOCHHAUS Gegrillte Merguez und bunter Couscous-Salat mit Paprika, Minze und Chili Text und Bilder Kochhaus

Auf dieser Seite findet ihr monatlich einen Rezeptvorschlag mit Fotoanleitung vom Kochhaus, dem weltweit einzigartigen begehbaren Rezeptbuch in Berlin Prenzlauer Berg (Schönhauser Allee 46) und Schöneberg (Akazienstraße 1). Im Kochhaus findet man nicht nur regelmäßig wechselnde Rezepte, sondern auch gleich noch alle Zutaten, die man für das Gericht braucht – fertig portioniert an einem Tisch. Schaut doch mal vorbei und bis dahin: Guten Appetit! Zutaten für 2 Personen: 6 Merguez, 100 g Couscous, 1 rote Paprika, 1 gelbe Paprika, 1 Mini Gurke, 1 Limette, 1 Bund Minze, 1 Bund Koriander, 1 Chilischote, 4 g Raz el Hanout, 1 Brühwürfel, 75 ml Olivenöl, Salz (*Mengenangaben beziehen sich auf 2 bzw. 4 Personen) Zubereitungszeit: 30 min

Saft der Limette auspressen. Chilischote längs hal-

In einen Topf 100 bzw. 200 ml* Wasser, Raz el Hanout,

Topf vom Herd nehmen, Couscous in die warme Flüs-

bieren, Kerngehäuse entfernen und in feine Streifen

Limettensaft, Chilistreifen, Brühwürfel, 4 bzw. 8 EL* Öl

sigkeit einrühren und abgedeckt 5 Minuten ziehen

schneiden.

und 1 bzw. 2* EL Salz geben. Alles gut vermengen und

lassen.

aufkochen lassen.

Paprika von Strunk und Kerngehäuse befreien und in ca.

Couscous in eine große Schüssel geben, Paprika, Gurke

Merguez mit Küchenpapier trocken tupfen und rund-

1 cm große Würfel schneiden. Gurke der Länge nach vier-

und klein geschnittene Kräuter hinzufügen und alles

um mit insgesamt 1 bzw. 2 EL* Öl einstreichen.

teln und fein würfeln. Jeweils 2 bzw. 4* Minzund Korian-

gut vermengen.

derspitzen für die Dekoration beiseite legen. Verbliebene Kräuter vom Stiel zupfen und in feine Streifen schneiden.

Pfanne erhitzen und die Merguez von allen Seiten bei mitt-

Couscous mittig auf einem großen Teller anrichten,

lerer Hitze ingesamt 8 Minuten braten. Überschüssige Gar-

Merguez hinzufügen und mit Kräuterspitzen garnie-

flüssigkeit unter den Couscous rühren. (Alternativ können

ren.

die Merguez auch auf einem Grill zubereitet werden.)


WIR MITTE-MUTTIS ... gehen ins Freibad Text Bettina Schuler

Illustration Evelyn Hahn Translation P. 43

Früher hat mich die Wettervorhersage für das Wochenende keinen Deut interessiert. Zeigte die Landkarte rund um Berlin Sonne, hieß das für mich, ab in den Biergarten. Standen alle Signale auf Regen, ging es eben in die Kneipe oder den Club. Ausgehen und Ausschlafen so lautete meine Prämisse für das Wochenende. Wo ich mir die Nacht um die Ohren schlug, das war mir völlig wurscht. Heute jedoch ist das alles ganz anders. Denn mein Wochenverlauf und das Wetter sind extrem eng miteinander verknüpft. Wenn die Wetterkarte kleine Regenwölkchen zeigt, heißt das für mich nicht nur Pippi Langstrumpf-Kassetten auf Endlosschleife, sondern auch so lange Schule mit meiner Tochter zu spielen, bis ich selbst davon überzeugt bin, dass Einhörner zur Klasse der Säugetiere gehören. Steht das Wochenende hingegen im Zeichen der Sonne, so wie es sich für ein ordentliches August-Wochenende gehört, dann ist mir die Lektüre der Sonntagszeitung sicher. Denn dann will meine Tochter nur eins: Schwimmen, bis ihre Lippen vor Kälte blau anlaufen. Am liebsten im Monbijou-Kinderbad, wo es nicht nur ein kleines, aber feines NichtschwimmerBecken, sondern auch ein recht überschaubares Becken für die größeren Kids gibt. Das Beste jedoch ist die Liegewiese, auf der sich die Kinder dank der Bäume auch bei größter Hitze keinen Sonnenstich holen, und der Sandkasten, in dem sie sich auch während der Schwimmpausen ihre Zeit vertreiben können. Auch sehr hübsch und nicht ganz so überfüllt wie das Monbijou-Bad ist das Sommerbad im Humboldthain, wo es neben Kinderplansche und Sprungbrettern sogar eine riesige Rutsche gibt. Dementsprechend ist das Bad auch wesentlich größer und weniger überschaubar als das Monbijou-Bad und eher für Kinder ab 6 Jahren geeignet, die auch schon schwimmen können. Ebenfalls sehr nett und besonders für spontan Entschlossene geeignet ist die Babyplansche im

Weinbergspark. Aber Vorsicht, die nassen Steine sind extrem rutschig. Deshalb den Kinder unbedingt Schuhe anziehen, das schützt auch gegen die Scherben, die dort vom Abend vorher leider manchmal noch herumliegen Wer seine Sehnsucht nach Abkühlung hingegen mit einem Ausflug ins Umland verbinden möchte, dem sei das Templiner Strandbad in Potsdam ans Herz gelegt. Dort gibt es nicht nur herrliche Postkarten, die aussehen, als seien sie noch aus den Sixties übrig geblieben, sondern auch die besten Fritten weit und breit. Leider muss man auch eine ganze Weile auf sie warten, denn die Servicekräfte sind selbst von einer hundertmeterlangen Schlange nicht aus der Ruhe zu bringen. Überhaupt hat man hier das Gefühl, die Zeit wäre stehen geblieben und der Trubel der Berliner Großstadt kilometerweit entfernt. Deshalb fühlt man sich nach einem Tag im Templiner Strandbad auch wie nach einer Woche Urlaub. Noch schöner, aber auch eine Ecke weiter, sind die Badestellen am Scharmützelsee. Dort hat seit Anfang April auch das Strandbad Storkow wieder geöffnet, wo man neben Schwimmen und in der Sonne Herumfläzen auch Beachvolleyball und Tischtennis spielen kann. Wem es dort zu trubelig ist, der sucht sich einfach eine der zahlreichen kleineren Badestellen, an denen man perfekt einen ruhigen Sonntag verleben kann. Genauere Informationen darüber gibt es auf der Bad Saarow-Homepage. Und bitte immer die Sonnencreme einstecken, sonst gibt es einen fiesen Sonnenbrand und abends lautes Kindergeschrei.

Kinderbad Monbijou Oranienburgerstraße 78 Öffnungszeiten: Mo bis So, 10 – 19 Uhr (30. Juni bis 14. August) Mo bis Fr, 11 bis 19 Uhr, Sa bis So, 10 – 19 Uhr (15. bis 18. August) Freibad Storkow Seestraße 24 15859 Storkow strandbadstorkow(@)gmx.de www.strandbad-storkow.de Öffnungszeiten: Mo bis Fr, 9 – 22 Uhr, Sa bis So, 8 – 22 Uhr Weitere Infos über die Badestelle gibt es auf www.bad-saarow.de Sommerbad Humboldthain Wiesenstraße 1 Öffnungszeiten: Mo bis So, 10 – 19 Uhr Wasserspielplätze: Kinderplansche im Weinbergspark Spielplatz auf dem Helmholtzplatz Spielplatz am Mauerpark Spielplatz am Wasserturm Spielplatz am Weinbergspark


Berliner Gesichter

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BERLINER GESICHTER Text Bettina Schuler

Bild Tina Linster

Amelie Wipprecht Bademeisterin 32 Jahre

Ich war bereits in meiner Jugend Rettungsschwimmerin. Nach der Schule habe ich mich dann für diverse Lehrstellen beworben, unter anderem auch als Schwimmmeistergehilfin bei der Senatsverwaltung. Das hat dann auch gleich geklappt. Zwei Jahre lang dauerte meine Ausbildung. Doch irgendwie war mir das nicht genug. Deshalb habe ich dann den Bademeister noch hinterher geschoben. Ich bin nur im Sommer hier im Monbijoubad. Im Winter leite ich das Stadtbad Mitte. Dort bin ich für alles verantwortlich, vom Marketing über die Planung von Veranstaltungen bis hin zum Personal. Für den klassischen Beckendienst bleibt da kaum noch Zeit. Hier mache ich alles. Sogar Eis verkaufen. Das mache ich ganz besonders gerne, denn ich habe schon als Kind von einem Eiscafé am Strand geträumt. Der Blick, mit dem man über das Becken schaut, ist ein ganz spezieller. Man kreist mit den Augen immer wieder über das Wasser und schaut, was unter der Wasseroberfläche geschieht. Am schlimmsten sind die tauchenden Kinder. Vor allem, wenn sie es gerade erst gelernt haben und mal ein Bein, mal einen Arm nach oben strecken. Denn man weiß nie, ob sie von alleine wieder hochkommen. Kinder haben einfach keine Angst. Die springen auch in das tiefste Becken. Besonders gefährlich sind Kopfsprünge. Vor allem für die kleineren Kinder, die die Tiefe des Beckens noch nicht abschätzen können und selbst in niedrigen Becken mit dem Kopf voran springen. Wenn es harmlos verläuft, stoßen sie sich dabei nur den Kopf, wenn es schlimm kommt, sind sie querschnittsgelähmt. In den sechs Jahren, in denen ich hier bin, ist aber zum Glück noch nichts Schlimmes passiert.

Die größte Belohnung für meine Arbeit ist das Lachen der Kinder. Wenn sie mit strahlenden Augen aus dem Schwimmbad gehen oder so müde sind, dass sie kaum noch aus den Augen schauen können, dann weiß man, dass sich der Tag gelohnt hat. Dann vergisst man auch die anderen, nicht so schönen Dinge.

Stadtbad Mitte

Wenn ich selber in den Urlaub ans Meer fahre, muss ich mich immer erst einmal verkehrt herum aufs Handtuch legen. Ansonsten kann ich nicht abschalten und muss automatisch immer danach schauen, was die Leute im Wasser so anstellen. Auch wenn dieser Impuls im Verlauf des Urlaubs besser wird, bei dem Wort „Hilfe“ schrecke ich immer hoch. Ganze egal, wo ich gerade bin.

Kinderbad Monbijou

Gartenstraße 5 Bis zum 31.8. ist das Bad saisonbedingt für den öffentlichen Badebetrieb geschlossen.

Oranienburger Straße 78 Öffnungszeiten: 30. Juni bis 14. August Mo bis So, 10 – 19 Uhr 15. bis 28. August Mo bis Fr, 11 – 19 Uhr Sa und So, 10 – 19 Uhr

Mein einschneidendstes Erlebnis hatte ich im Stadtbad Schöneberg mit einem 3-jährigen Jungen. Seine Eltern lagen im Liegestuhl, während der Junge einem Ball ins Nichtschwimmerbecken hinterher sprang. Glücklicherweise haben wir ihn sofort gesehen und herausgezogen. Sein Atem war aber trotzdem schon weg, und wir mussten ihn wiederbeleben. Zum Glück hat der Junge keine bleibenden Schäden davongetragen. Doch trotz der Schrecklichkeit solcher Unfälle sind es genau solche Momente, die einen als Bademeister am meisten beglücken. Weil man weiß, dass man von vorne bis hinten alles richtig gemacht hat und es auch noch etwas gebracht hat.


38 Anzeigen

TOUR DE LA CRÉATIVITÉ Text Tina Fraas

Gerade in Mitte schießen ja die Galerien aus dem Boden, wie Pilze nach einem Regenguss. Und eben weil es so viele Galerien gibt, vergisst man leicht die größte überhaupt, Berlin selbst nämlich. Die Stadt, die sich ständig neu entwickelt, selbst erfindet und definiert und die geprägt ist von Street Art, Installationen und unentdeckten Hinterhöfen. Diesem Thema nimmt sich jetzt die Tour de la créativité an. Kunstinteressierte, Kiez-Gänger und Nachwuchskünstler sind auf die kostenlosen Art Walks eingeladen, die Berlins Street Art erklären, neu entdecken und spannende Insights über die Kunst am Straßenrand liefern. Die Touren finden vom 16.08. – 27.08.2011 jeden Dienstag, Mittwoch und Samstag um 17 Uhr statt. Der Treffpunkt in Berlin Mitte „an der blauen Tür“ wird genau auf der Webseite pdlc.de/tour bekannt gegeben, wo man sich für die Touren auch bewerben kann. Teilnahme ist ab 18 Jahren. Wer noch tiefer in die Kunst und Urban Art Szene eintauchen möchte, kann sich für die limitierte Tour de la créativité – Special bewerben. Dann geht es exklusiv auf die Vernissage Paper Works oder zum privaten Hausbesuch bei Künstler und Sammler Christian Awe in Berlin zum Kunstplausch. „Tour de la créativité“ 16. – 27. August jeweils Dienstag, Mittwoch und Samstag, 17.00 Uhr Treffpunkt auf pdlc.de/tour Teilnahme ab 18 Jahren

ITALIENISCHER GLAMOUR FÜR ZU HAUSE Text Pelén Boramir

Die, die in den Sommerurlaub fahren, schwärmen von tollem Wetter, dem Strand, der Sonne und dem ausgezeichneten Essen. Die, die zu Hause bleiben müssen, ärgern sich über die Hitze, den Regen, den Alltag und den fehlenden Urlaub. Eine besonders lässige Variante für die Zu-Hause-Bleibenden bietet in dieser Saison MARTINI mit dem MARTINI Royale – Ready to Drink. Der rosa Drink aus Italien ist seit Ende Juli in der der 0,2-LiterFlasche und mit 9,5 % Vol. im Handel. Während die anderen in der Sonne am Strand brutzeln, versüßen wir uns den Gaumen und schnuppern Dolce Vita auf dem Balkon, vor dem Fernseher oder im Park. Doch nicht nur die Flasche sieht besonders einladend aus, auch der Geschmack weckt alle Sinne: Der fruchtige, leicht-herbe Geschmack aus Zitrone, Granatapfel, Zimt und Muskat lässt südländische Lebensfreude aufkommen. Der Retro-Deckel in den italienischen Nationalfarben, die schlanke Form der Flasche und der pinkfarbene Inhalt – spontaner Besuch von Freunden ist plötzlich willkommener denn je. Und damit ihr selbst einen Eindruck von dem leckeren Sommergetränk bekommt, verlosen wir drei MARTINI Royal Kits. Einzige Bedingung: Ihr müsst über 18 Jahre alt sein. Schreibt an info@mitteschoen.com, Stichwort Ready to Drink und habt die Chance zu gewinnen.


English Translations

Events (p. 8)

39

triggers” and a helmet. Bonaparte will be presenting

15 CENTIMETERS

SCHIEFE BAHN / A TEA IN IRAN

the “look-at-what-we-found-in-your-backyard-4tet,”

Theater / dramatic narration

Exhibition

which finds its equipment on site, while Peaches on

Admission: €12

Admission: free

the other hand is putting on a futuristic DJ set.

5, 6, 10, 11 August, 9pm

13 to 18 August

The House of World Cultures will be a testing ground

Opening times:

for a variety of contemporary arts of alternative, en-

Wed – Fri, 5 – 8 pm,

vironmentally conscious lifestyles for four days and

ging of 15 centimeters is a true

Shows 7 pm to 1 am

nights. Festival visitors will experience around the

story freely adapted from Bukowski – about the fra-

Uwe Neu and Oliver Thoben founded the Neonchoco-

clock sustainable living art – from regional food pre-

grance of love, the power of sexuality and the black

late Gallery just one year ago, and since then it has

pared fresh every day to films, performances, work-

hole of impotence. Ex-taxi driver Moses is intoxica-

already has more than 100 exhibitions on urban art,

shops and installations, as well as to field trips and

ted by sexual ecstasy and the exuberant joy of love.

illustration, photography, design, painting and colla-

overnight in temporary night shelters.

Completely unexpectedly, the happiness of a cozy

ge under its belt. Up to three emerging or established

With the Fahrradisko (bicycle disco), we celebrate

togetherness comes into his life. Overwhelmed by it

artists share this gallery space for exactly one week.

the self-sufficiency of wheeled energy on a rooftop

all, he realizes only too late, that he’s not stranded on

There will be two parallel exhibitions on the subjects

terrace for DJ sets and live acts by Pilocka Krach, Ge-

a pink cloud but has ended up impotent in a black

of illustration and reporting here in mid-August.

brüder Teichmann and others. The avant-garde band

hole. Having reached the lowest point in his life, Mo-

Using pen and brush, Florian Bayer and Olivier Kugler

zeitkratzer performs unplugged electronic works, but

ses must separate from his sex goddess in a not very

afford us completely different insight into everyday

with amps. We’re looking forward to it!

romantic way. What man is happy to be reduced to 15

situations. Florian Bayer, born in 1981, watched drug

Haus der Kulturen der Welt

centimeters?

trafficking in stations of Berlin’s underground line 8

John-Foster-Dulles-Allee 10

Actor Matthias Schmid tells this tragicomic story in

for his project Schiefe Bahn. His attention is focused

www.hkw.de

typical Bukowski style: obscene, satirically exagge-

on underage dealers who are smuggled from other

Alexander von Reumont’s sta-

rated and absurd. The American writer, who has sold

countries to spend their life underground. Schiefe

LA VELA PUERCA

more than 4 million books in Germany, was both

Bahn received a LeadAward 2011 award in bronze.

Rock, Ska, Reggae

loved and condemned. His humor, which spared

Olivier Kugler, born in 1970, accompanied truck dri-

Admission: tickets in advance

nothing, allows one to laugh at the almost unbeara-

ver Massih on a three-day long trip through Iran to

€14, box office €17

ble reality in his work. Bukowski does not mince his

Kish, a small island in the Persian Gulf. His illust-

17 August, doors open at 8 pm,

words, his language is harsh, direct and without frills.

rations, for which he received the V & A Illustration

show starts at 9 pm

Whoever’s interested in 15 centimeters, should not

Awards 2011, have appeared in the 30-page journal Un

miss this piece, which is being performed at the Brot-

Thé en Iran.

Whereas the meaning of the name La Vela Puerca is

fabrik!

Neonchocolate Gallery

disputed to this day, there’s no doubt as to the talent

Glashaus e. V.

Lychener Strasse 23

of the eight-piece band from the small country of

Kunst- und Kulturzentrum Brotfabrik

www.neonchocolate.de

Uruguay. Die Ärzte took the guys on tour for eleven

Caligari Platz 1

concerts in 2004. The audience was thrilled, relatively

www.brotfabrik-berlin.de

ON THE ART OF SURVIVAL

rare for a support act. That same year, front man Se-

Festival, 17 to 21 August

bastian Teysera turned the tables and invited Die

ARS ELECTRONICA –

Admission: opening is free

Ärzte to Argentina and Uruguay for six shows. Since

WHAT MACHINES ABOUT

Mocky's Stage 18 August, 9 pm

then, La Vela Puerca have made a name for themsel-

Exhibition

€15, Fahrraddisko: 20 August, 5

ves in this country, and have played major festivals

Admission: free

pm, €10, Zeitkratzer Unplugged:

such as the Hurricane and Southside, and giving small

7 July to 28 August, Mon – Sun,

21 August, 5 pm, €13

but well-attended club gigs. “A national band based in

10 am – 8 pm

reggae, that dreams rebellion and gets electric shocks from the Ska beats” – is their motto since their foun-

The media platform for media art, Ars Electronica,

While sustainability has already come to fashion, the

dation in 1995. After years of carefree, summery Ska-

which is a guest in Berlin for the second time, casts a

music business is lagging behind. However, ideas for

rock it has changed back; Rock now dominates Ska.

glimpse into the future. What would the dream world

a change to climate-friendly concerts are already on

Danceable rhythms and melancholic melodies are left.

of machines look like if they were turned off, or to lie

the way. Within the framework of the Über Lebens-

Even if we don’t understand a word of what La Vela

idle for a fraction time? This is the question the ex-

kunst festival, the Post-Alles Stage, which is curated by

Puerca sing, we’re look forward to their Normalmente

hibition, Wovon Maschinen träumen (What machines

the Berlin-based Canadian artist and musician Mocky,

Anormal Tour 2011, which includes paying a visit to

about) devotes itself to. The exhibition includes work

various musicians and artists will present their visi-

the Lido.

by various artists from all over the world that have

ons for the future. In a kind of “Mad Max”style, which

Lido

been especially curated for Berlin. Leo Peschta’s Chro-

the legendary Berlin-based designer Desiree Klein de-

Cuvry Strasse 7

nograph captures the acoustic moment. Depending

signed, singer Joel Gibb plays a Soloset, while ONYX

www.lido-berlin.de

on the noise level in the room, the “pointer” moves a

Ashanti will be performing with home-made “body

few degrees every minute and cuts into the object to


40 English Translations

which it is mounted. Fluid Dress, designed by Charlie

Peres Project’s group exhibition

Since 1991, Galerie Thomas Schulte has championed

Bucket, adapts to the mood of its wearer, and a com-

Sticks & Stones, a reference to

its own specific vein of pop conceptual practices, an

puter changes its color depending upon the ratio of

a playground anthem of early

approach currently on view in the gallery’s anniversa-

air to liquid. Life Writer was designed by Christa Som-

self-defense, alludes to preca-

ry exhibition 1991… (Memorial Promenade). The range

merer and Laurent Mignonneau. If you type your

rious bodies within suggesti-

of works presented can be best summarized in Joseph

thoughts and dreams into an interactive typewriter,

ons of space. Each of the five

Kosuth’s neon An Object Self-Defined, a meditation

they are converted into small forms of life. These and

artists touches upon abstract

on an artist’s pursuit for creating something truly

further works are on display until 28 August in the

figuration, in complementary ways. Keith Farquhar’s

original from a history of well-worn options. Allan

gallery, Automobilforum Unter den Linden.

papier-mâché female models are splashed in a drip-

McCollum’s crowd of seemingly identical urns or

The collaboration between Volkswagen AG and Ars

ping earthen tie-dye, their sculptural quality makes a

Alighiero e Boetti’s mechanically handmade weaves

Electronica holds a mirror in front of the viewer’s

convincing visual gag. In John Kleckner's collage work,

of scrolling text from Italian Arte Povera confront a

eyes, ultimately confronting him with his own

compositions convey a layering of automatic drawing,

mirror sculpture by 1970s land artist Robert Smith-

dreams, fantasies and fears concerning the subject of

cut-up materials, spray paint and marbling, everything

son and the hypnotic, couch-potato psychedelia of

progress and technological development.

reworked into a development of new forms. The artist

video art pioneer Nam June Paik. The ellipse in the

Automobil Forum Unter den Linden

collective Leo Gabin produce canvases that evoke an

show’s title, a clever nod to the Richard Artschwager

Unter den Linden 21

arena of mark-making, reminiscent of loose figurative

sculpture in the entryway, makes for a contemplative

www.volkswagenag.com

practices from the 1950s up to present. Sticks & Stones

passage into the next 20 years…

brings together fleeting evidence of the figure at every EVERY MAN FOR HIMSELF AND

Mitteschön’s

turn.

Summer Tips!

GOD AGAINST THEM ALL Exhibition

The Object of Ob-

Admission: free

servation (Changes

02. Juli to 27. August

By Being Observed)

So, you have no idea where to

Opening times: Friday 2 – 8 pm,

Jennifer Bornstein, Abraham

spend warm summer days? No

Saturday 2 – 6 pm

Cruzvillegas, Sam Durant, Ryan

U37, an art project space, opened its doors in the middle of drug dealers, empty plots and one-euro

(p. 20)

problem! Because we can let

Gander, Derek Sullivan, Mario

you in on the best summer locations...

Garcia Torres

How about the Thai Park in Wilmersdorf where many

1. Juli – 3. September 2011

stores in May of this year. While the visitor descends

Thai families spend half the summer offering native delicacies for little money? Another very nice loca-

into the rooms in the basement, he sees people scrol-

Johnen Galerie shows a survey of fashionable modes

tion and one of our marketing expert Pelen’s favori-

ling by on the streets. It’s precisely this confrontation

of contemporary art making from the past decade,

tes, is the Hotel Amano roof terrace. And not just be-

of art and real life in which the joint project of the

referencing art history to produce fictions and pa-

cause you can’t beat the view of Berlin from there, but

gallery owner and artist Anna Jill Lüpertz Peter Stauss

rallel histories. Curator Tim Lee’s art work converts

also because you’ll rarely such comfortable sofas for

is anchored.

materials or subjects into ironic or funny conceptual

lounging and delicious cocktails.

The exhibition Jeder für sich und Gott gegen alle,

arithmetic; for this show, he has assembled a group

Our MitteSchön editor Björn recommends Café Lois

which is up until 27 August, deals with the position

of like-minded professionals to contemplate this pro-

for anyone who just wants a quick nightcap around

of the artist ostracized by society. The title refers to

duction method. The exhibition’s title itself recycles

the corner. They serve the best vodka tonic in town,

the eponymous 1974 film by Werner Herzog. It exa-

1960s conceptual artist Dan Graham’s 1969 essay

and there’s a wonderfully idyllic view over the tree-

mines the figure of the outsider, Kasper Hauser, who

title Subject Matter and translates it back-and-forth

tops of the Garrison Cemetery.

finds freedom far away from the confines of learned

to get The Object of Observation from the German

MitteSchön staff member Katharina likes to go to the

conventions. By opting for art, these artists create

Betrachtungsgegenstand. Artists Ryan Gander, Mario

Café Knofi in the summer where they serve excellent

freedom for themselves. With their sculptures and

Garcia Torres, Jennifer Bornstein and others engage

self-made pastes, pickles and other edible Turkish

paintings, artists Kerstin Schröder, Veronica Brovall,

the audience with an indexical approach to Chinese

delights. And if you’re already there in the Bergmann

Guillaume Bruere and Stefan Rinck enter into a dia-

whispers.

Strasse 11 and it’s full, you can simply go to their ac-

logue on this confrontation with society.

companying deli just around the corner for a deli-

U 37 – Raum für Kunst

1991…

cious take-away.

Kurfürsten Strasse 37

(Memorial

Or are you instead looking for the perfect place for

www.u37raumfuerkunst.com

Promenade)

a date for just two? Then you need to go to the res-

Richard Artschwager, Alighiero

taurant ship Alte Liebe. You’re sure not to meet many

EYEOUT Art Events (p. 19)

e Boetti, Rebecca Horn, Joseph

familiar faces there. Our art director Dörte finds it

Sticks & Stones

Kosuth, Jonathan Lasker, Sol Le-

molto romantico.

Witt, Gordon Matta-Clark, Allan

Rustic is the word that describes the Spreearche, a

Keith Farquhar, Leo Gabin, John Kleckner, Ruairiadh O’Connell, Tanja Roscic

McCollum, Nam June Paik, Robert Smithson

kind of floating log cabin on the Müggelspree River.

2. Juli – 6. August 2011

9. Juli – 24. August 2011

Our project manager Anne recommends it, and also


English Translations

41

suggests you combine your trip there with a bike tour

Lois

ideas. Because if you commission Rugar, it must be

around the Müggelsee lake.

Linien Strasse 60

assumed that he will engross himself in the topic and

A perfect weekend getaway on your list? MitteSchön

Opening times

won’t agree to draw the superficially obvious. That

editor Paul knows the perfect spot: the old sand pit

Monday to Friday 8 am to midnight

seems to account for his success. Totally wild, funny,

(Sandgrube) in the Grunewald. Not only can you build

Saturday to Sunday 9 am to midnight

abysmal and cryptic, he involves himself with the

the biggest sandcastles in the world in this 30m deep

most complicated topics; and he also illustrates for

pit, but you can also discover a lot of long-forgotten

b) Parks/Lakes

business and professional magazines. His customers

plants.

You’ll find the so-called Thai-Park in the Preussenpark

include Brand Eins, the Zeit-Campus magazine and

For all the mothers, according to our MiMu-columnist

in Wilmersdorf near the Konstanzer Strasse U-Bahn

NEON. And because it's not just about one style, but

Bettina, Krausnick Park is just a perfect place for a

stop.

about drawing, it’s only logical that he hand draws

summer day. One of the most beautiful green areas

underground music videos for avant-garde musici-

of the city, the entrance is hidden just behind an iron

Krausnick Park

ans like Felix Kubin, who staged the entire Struwwel-

gate off the Oranienburger Strasse. Rabbits to feed

Oranienburgerstrasse 19 - 20

peter story on huge billboards for the Heinrich Hoff-

and a play area are included.

mann Summer in Frankfurt. Rugar has also made an

Should it be too warm for you even under the sha-

It is very easy to get to the sand pit (Sandgrube) by

de of trees, there’s only one thing that’ll help: going

public transport. Just get out at S-Bahnhof stop Gru-

swimming. Our favorite place this the season is the

newald, go through Schmetterling Platz and take the

The topics may change, but the artist remains au-

Grimmnitz See near Joachimsthal.

Schilddornweg path for about 10 minutes to the sand

thentic, always the same, and always in his world. And

Wishing you all of you oodles of fun and sun at one

pit.

so Benedict Rugar gallantly strolls in step between the

of spots!

entrance in galleries with his Bambam Collective.

surreal depths of applied and liberal arts. He does not The Spreearche boat is anchored on the Müggelhei-

care about the conventions; he dissolves, becomes a

Addresses:

mer side of the Müggelspree River near the Spree ri-

line, a billowing clump, explodes and grins out from

a) Bars /Cafés

ver tunnel. Further information and exact directions

another world.

Restaurant boat Alte Liebe

are on their homepage at www.spreearche.de! Interview

Havelchaussee 107 Tel.: 030 30 48 258

c) Addresses in the surrounding area

Conny Opper

www.alte-liebe-berlin.de

It’s best to drive to Grimmnitzsee on the A1, taking

(p. 26)

Opening times

the Joachimsthal exit or take the RE3 train to Ebers-

April to October daily from 12 to 10 pm

walde, change there to the OE63 train and take it to

There are parties, which have

Joachimsthal.

left their mark on the city. The-

Hotel Amano

For more information on accommodation and attrac-

re are clubs, which everyone

August Strasse 43 /Corner of Rosenthaler Strasse

tions check out www.schorfheidechorin.info.

knows, have boosted the business of Easy jet and Co., and have cemented the reputation of Berlin as an in-

Café Knofi

Illustrator of the

ternational party capital. The heads behind this are

Bergmann Strasse 11

Month:

no less interesting. We want to introduce to you one

Tel: 030 69 56 43 59

Benedikt Rugar

of the Berlin night life heavy weights today: Conny

www.knofi.de

(p. 23)

Opper, father of Rio, boss of the Scala, the inventor

Opening times Monday to Sunday 7 am to midnight

of the Broken Hearts Club, owner of the King Size Bar There’s a world that consists

and organizer of the Berlin Festival. We talked with

of lines. Lines that pile up on

him about the perfect club, methods of coping with

Knofi Feinkost – Bergmann Strasse (their deli)

themselves, that amass in clumps. Clumps that pul-

Bergmann Strasse 98

sate, suddenly explode and melt away. Forms that

Tel: 030 69 45 807

surround you and tear you away, through which

You are obviously very connected with your neighbor-

Opening times

you must burrow, and you could eat. You are afraid

hood. All your clubs, from “Rio” to “La Scala” to “King

Monday to Saturday 9 am to 11 pm

of them, and at the same time they are the tastiest

Size Bar” are located in close proximity to the Chausee

Sunday 11 am to 11 pm

things you can imagine. Welcome to the bizarrely

Strasse/Friedrich Strasse axis. Coincidence or intenti-

beautiful world of Benedict Rugar.

onal?

Knofi Feinkost – Oranien Strasse (their deli)

heartache and his own going out behavior...

That really is a coincidence. Although... perhaps more

Oranien Strasse 179

Benedict Rugar’s a thoroughbred artist. But he’s also

destiny? Even the Hi-Fi, my very first club, was in a

Tel: 030 61 40 309

a storyteller. He precisely calculates the effect of his

small gallery in the Chausee Strasse. When I moved to

Opening times

medium; he begins to draw where he can pick up the

Berlin in 1994, I first lived in Kreuzberg, and it dawned

Monday to Saturday 9 am to 11 pm

viewer from the conventional ways of thinking and

on me that more was possible in Mitte and Prenzlauer

Sunday 2 to 10 pm

feed him with his new ideas. You don’t simply see

Berg. At least it was back then. Kreuzberg was in a bit

an illustrated theme, but instead, a whole world of

in decline, which has clearly changed again. But when


42 English Translations

it comes to art and fashion, however, Mitte is still the

important to realize projects that would not be pos-

times go to clubs, for example, to Picknick or the Soju

center of the universe. Perhaps this is also a generati-

sible without this support. In this way, the audience

Bar. I think the whole culture of little and family bars

onal issue. Anyway, I think it's important not to leave

understands this and appreciates it. This is how it is

is really great. Of course I love getting inspired, you’ve

the field to others. I want to create content myself for

possible to produce large acts at a fair price or even

always got to be open-minded. I enjoying being with

my milieu.

sometimes for free. Branding used to be much more

people and talking with them. This is best thing about

problematic, especially in Berlin, but today the kids

my work.

You wanted to be an architect. How then would a club

have fewer problems with it. “Sizarr” – World

look if you were to build it yourself? The buildings of the best places are mostly already

As club owner and party organizer, things actually al-

Music from Landau

there and were previously used for other purposes. If

ways happen that you never expect.

(p. 32)

you’re lucky, you’ll find one of them and transform it

Yes, that’s right. Once the Rio team held an event in

into a club. Often, a location is particularly good when

the old cigarette factory in Pankow. There was par-

Philip, Marc, and Fabian alias

a circular motion is possible. That was very nice in Rio

ty in the courtyard and all the trimmings. Marc Al-

Sizarr, have had some turbu-

at that time; where you could go up through the three

mond was supposed to headline. He came but said he

upstairs rooms. Downstairs, there was the long corri-

wouldn’t perform because he didn’t like his backstage

Together since 2009 and hailing from the southern

dor that connected everything. It’s like a theme park

room. He had probably imagined something else, and

Pfalz, the band played the c/o pop festival in Colog-

but with the dramaturgy of strolling through a club.

was totally shocked. Not everyone cane deal with Ber-

ne as largely unknown newcomers. Appearances at

It is important that different aspects are offered. In

lin roughness. He got the hell out of there. We weren’t

Melt!, Dockville and Berlin Festival followed, as well as

this case, Rio was actually the ideal club for me. We

the only ones he didn’t perform for however; he’d al-

performances with the Broken Bells, Kele and doing

also once had the idea of fully replicating the Rio as

ready lost some of his reputation. Anyway, it wasn’t

re-mixes for MIT and Is Tropical. They’re now seen as

an art project. I’d still really like to...

so dramatic, Superpitcher just played just longer. Im-

the promising offspring of the Indie scene. This year

provisation is always a matter of course.

they were again represented at the Mount Olympus

…and the style?

lent months behind them.

of German festivals where they were announced as

It has to be a bit rough; this makes a club alive. Today

“The Berlin festival” is a great success and by far your

the “must see” event at Melt!.

we’d call it vintage. This makes history tangible, espe-

biggest project. Last year everything didn't go so

cially in Berlin. We deliberately left the walls in King

smoothly. What you will do better this year?

And this October they’ll leave the Germanic realm to

Size Bar as they were. Many clubs are too clean in my

A festival is always a huge challenge since so many

give the best of their hybrid style of Electronic, Hip

opinion, with black or white painted walls. Something

factors play a role and so much organizational work

Hop, Synth Pop, R'n'B and World Music at the Icelan-

like that also affects the mood of the evening. If the

has to be done. As a consequence of the last year, this

dic festival Iceland Airwaves. Everyday activities like

atmosphere is clean, people stay clean as well.

time the program in Tempelhof will run until mid-

school and homework can seem somewhat munda-

night and the hangars will be completely open. We’ll

ne. Nevertheless, the youngins, in addition to their

How did the idea for “Broken Hearts Club” come about?

continue the festival under the name Club Xberg with

packed festival performance schedule, have just gra-

One thinks immediately of coping with heartache...

gigs, DJ sets and performances at the Arena site. Xberg

duated from high school, and are working diligently

There’s something to that. I work with partners Ingrid

Club is a new part of the Berlin festival where acts like

on their debut album. At our meeting in Cologne, it

Junker and Niki Paul. Ingrid actually had heartache at

A-Trak, Diplo, Mr. Oizo, Andy Butler, Boy George and DJ

was clear that the three, despite all the hype, like their

the time. Hence the idea that people play their favo-

Hell will perform Friday and Saturday night until the

peers, are happy about a long summer vacation and

rite heartbreak and love songs in a circle of friends

wee hours of the morning.

enjoy good catering.

was also characterized more by a disco sound rather

What act are you most looking forward to at “the Ber-

You were at “c/o pop” a year ago. After that you played

than the warm classic club sounds. This is the same

lin festival”?

the crème de la crème of festivals. Was the “c/o pop”

today, although it has grown into a club evening. The

Die Absoluten Beginner are performing together for

starting point for more gigs?

interface between art and fashion was important

the first time since 2004. They’ll be giving their ex-

Philip: Hmm, hard to say. The best thing was actually

to us; and above all, that it’s fun. The visitor should

clusive reunion show at the Berlin Festival and the

that we got off school for the c/o pop. It was shortly

be part of the evening, make himself or herself up.

only one in 2011; I’m really looking for to it. Then of

before the holidays. We were with the Broken Bells in

Communication and openness is exactly what makes

course there’s Primal Scream and Battles, which I’ve

Cologne at the end of the summer holidays. We got off

nightlife.

never even seen live.

from the school again for that concert. So we had an

You have even organized brand parties for major

Do you still go out privately or do you have enough

brands such as the “Smirnoff Nightlife Exchange Pro-

going on with your own events?

Was it difficult to combine live performances, work on

ject”. Does that fit with underground and cool?

I still enjoy gong out, but less often. Meanwhile, I’m

the album and school?

Of course I’ve dealt with this issue. There’s always a

quite happy to have a regular work routine during the

Fabian: Yeah, school was in the way. We all knew at

balancing act when you’re working with branding.

week. I’m also not the type who spends all night in an

some point that we only wanted to make music, and

You have to deal with it sensitively and weigh it all

after hours club. Instead, I am happy to be able to fall

from then on, we couldn’t really deal with what was

up in the end. When I work with brands, I think it’s

into bed after my own parties. But of course I some-

going on at school.

to cope with the pain of love. The Broken Hearts Club

extremely long summer vacation.


English Translations

43

Philip: When we had to go to school again after our

Marc: I would like to have pandas. Mini-giant pan-

sometimes lying around from the night before.

extended summer vacation, everyone else was alrea-

das I could take anywhere and pet. They’d always be

Anyone longing to combine his or her need to cool

dy into the routine. We had to get into it again.

around and whoever wanted to, could feed them a

off with a trip into the countryside might consider

little bit of bamboo. (They eat bamboo, right?).

the Templiner Strandbad, a lake in Potsdam. There

Are your classmates envious?

Philip: I’m not sure, but guaranteed it would have so-

you’ll not only find beautiful postcards that look as

Fabian: No, most of them are really cool. Either

mething to do with food.

if they were left over from the Sixties, but also the

they’re not really interested, or they don’t realize

Tour dates:

best fries for miles around. Unfortunately, you’ll also

what’s going on.

24 September Hamburg, Reeperbahn Festival

have a long wait for them because the servers won’t

Philip: We’re not on VIVA after all.

12 October Iceland, Iceland Airwaves.

be hurried even when the line is about a hundred me-

Their debut album is scheduled to be released end of

ters long. Here you’ll have the feeling that time has

2011 or early 2012.

stopped and the big city bustle of Berlin is miles away.

How’s work going on the first album? Philip: We’re in the middle of it. We can’t really say

You’ll feel like you had a week of vacation after one a

when it’ll be finished. We want everything to be good

We Mitte Mums

day in Templin.

and not get stressed.

(p. 35)

Even nicer, but also a little further away, are the

You still don’t have a label?

I never used to care one bit

beach re-opened at the beginning of April, where in

Fabian: No, we’re focused on doing everything first

about the weekend weather

addition to swimming and lying in the sun, you can

without a label so that we can fully decide for oursel-

forecast. If it was supposed to

play beach volleyball and table tennis.

beaches of the lake Scharmützel See. The Storkow

ves what we want to do.

be sunny all around Berlin, that

If there’s too much action there for you, you just have

Philip: We work together with our producer Pink Gan-

meant off to the beer garden. If all signs indicated

to look for one of many smaller swimming areas to

ter, but otherwise we don’t want anyone to crimp our

rain, it was off to the pub or club. Sleeping in and go-

spend a perfectly quiet Sunday. Detailed information

style.

ing out was my premise for the weekend. I didn’t give

is available on the Bad Saarow homepage.

a hoot how I’d spend the night.

And please don’t forget the sunscreen, otherwise

You come from Landau. Do you plan move to Berlin

Everything’s different today. How I arrange my week-

there’ll be a nasty sunburn and some screaming kids

like many other musicians?

ly schedule and the weather are closely linked. If the

in the evening.

Fabian: No, we just moved. Phillip and I live in Mann-

weather map shows little rain clouds, that means that

heim, Marc in Heidelberg. When we lived in Landau,

not only is the Pippi Longstocking cassette going to

Pool Addresses:

we didn’t really see a difference there. Of course you

be played non-stop, but also I’m going to play school

Kinderbad Monbijou

can see a lot of concerts by other artists. But with the

with my daughter for so long that I’m also convinced

Oranienburger Strasse 78

Internet, you have access to everything and you have

that unicorns exist.

Opening times: Monday to Sunday, 10:00 am to 7:00

the responsibility to inform yourself.

However, should the weekend be in the sign of the

pm (June 30 to August 14), Monday to Friday, 11:00 am

sun, as befits a proper weekend in August, then my

to 7:00 pm, Saturday to Sunday, 10:00 am to 7:00 pm

What would you advise a young band that wants to do

Sunday newspaper reading session is ensured. Be-

(15 to 18 August)

what you are?

cause then my daughter only wants one thing: to go

Fabian: Difficult, we’re still a very young band.

swimming until her lips turn blue.

Freibad Storkow

Marc: First of all, you need luck!

And that preferably in the Monbijou Kinderbad

Seestrasse 24

Fabian: Yes, we were very lucky. We met our manager

(children’s pool) where there is not just a small, but

15859 Storkow

Martin, and that’s why we were able to play a lot of

beautiful non-swimmer’s pool, but also a very mana-

www.strandbad-storkow.de

concerts. One led to another. So you really should do

geable pool for older kids. The best thing there how-

Opening times: Monday to Friday, 9:00 to 10:00 pm,

what you want to do and then get good management.

ever is the sunning lawn where children won’t get

Saturdays to Sundays, 8:00 am to 10:00 pm

sunstroke even in extreme heat thanks to the trees.

For more information please visit www.bad-saarow.de

Who would you like to share the stage with?

There’s also a sandbox where they can play during

Marc: We already did with my favorite candidate. We

swim breaks.

Sommerbad Humboldhain

played with Animal Collective in May.

The swimming pool in Humboldhain with wading

Wiesenstraße 1

Fabian: I’d like Beyoncé. Stadium Tour

pool, diving boards, and even a giant slide is very

Opening times: Monday to Sunday,

Philip: Two Pac for me, but that is probably difficult.

pretty and not quite as crowded as the Monbijou Bad.

10:00 am to 7:00 pm

Obviously, the pool is much larger and less manageIndeed. Is there anyone less dead?

able than the Monbijou Bad and more suitable for

Playgrounds with water:

Philip: Off the top of my head ... hmm, then maybe

children aged 6 years who can already swim.

Wading pool in the Weinbergspark

the Red Hot Chili Peppers.

The baby pool in the Weinbergspark is also very nice

Playground in Helmholtzplatz

and particular suitable for the spontaneous. But

Playground in the Mauer Park

In what way is fame going to your heads?

beware; the wet rocks are extremely slippery. The

Playground at the Wasserturm

Fabian: Shortly before the gig, we get sewn into our

children really must wear shoes, which also protects

Playground in the Weinbergspark

clothes! Mariah Carey style.

against them from broken glass that is unfortunately


44 Kolumne

A CAMEL IS A HORSE APPROVED BY A COMMITTEE Text Oliver Janik

Illustration Evelyn Hahn

„Was ich noch sagen wollte…“ – Hinweise auf Missstände und andere Belanglosigkeiten.

Die Lufthansa Maschine, mit der ich neulich von Berlin nach Düsseldorf geflogen bin, hieß Rothenburg ob der Tauber. Wer schon mal dort war, in Rothenburg ob der Tauber, den wird diese Namensgebung nach den überstandenen Strapazen des Einsteigeprozesses (Security-Theater, Aufruf nach Sitzreihen, elektronische Ticketschleuse funktioniert nicht usw.) sicherlich etwas beruhigen. Eine mittelalterliche Stadt ist das, nein vielmehr eine Trutzburg mit einer fast komplett erhaltenen Stadtmauer, die schon Generationen von japanischen und amerikanischen Touristen in Verzückung gesetzt hat. Rothenburg ob der Tauber ist quasi ein Synonym für Sicherheit wie der ADAC, Minimax-Feuerlöscher oder das Logo von Abus. Und so ein Gedanke kann ja helfen, wenn man gerade ein Flugzeug besteigt, Flugangst hin oder her. Das ist zwar nett, aber scheinbar völlig unbeabsichtigt, denn die Namensgebung von Lufthansa Maschinen erscheint – verglichen mit der von Prenzlauer Berg-Eltern für ihre Erst-, Zweit- usw.-Geborenen vorgenommenen – auf den ersten Blick völlig nach dem Zufallsprinzip zu erfolgen und weniger nach dem Assoziationsprinzip. Natürlich kann man das im Internet detailliert recherchieren und stößt sofort auf Seiten von Freaks, die alle Namen, also Städte und Bundesländer, seit 1960, als Willy Brandt mal mit dem Tauf-Quatsch angefangen hat, penibel auflisten. Gibt also alles Mögliche, und ginge es tatsächlich nach dem Assoziationsprinzip, wäre das mindestens mal bei Erfurt oder Gladbeck (gibt es beides!) ein interessantes Gedankenspiel. Also, Namen von Verkehrsmitteln – da beschäftigt man sich ja viel zu wenig mit vor lauter was-weiß-denn-ich. Der ICE zum Beispiel, mit dem ich früher immer von Mainz nach Hamburg fuhr, hieß meistens Hermann Löns (der „Heidedichter“) oder ab und an auch nach der unvergessenen Anette Droste-Hülshoff, deren beider Oeuvre sich mir bis heute nicht erschlossen hat. Heute heißen die nur noch ICE 2438 oder so, das ist natürlich total armselig verglichen mit dem bunten Blumenstrauß der Kollegen in der Luftfahrt, aber zumindest schafft das keine negativen As-

soziationen und auch kein schlechtes Gewissen, weil man nicht so aggressiv damit konfrontiert wird, dass man von einigen von Deutschlands berühmtesten Dichter-Söhnen und -Töchtern noch nie ein Wort gelesen hat. Wenigstens die Eisenbahn auf Rügen heißt nach was und dann gleich richtig: der Rasende Roland, und der fährt zum einen von Lauterbach Mole bis nach Göhren, zum anderen führt er eine Unzahl von deutschen Rentnern mit sich, die sich in Reisegruppen zusammen gerottet haben, uniformiert mit beigen Blousons oder Westen, die Hände hinter dem Rücken verschränkt, in sklavischer Abhängigkeit von wiederum straff organisierten Schlepperbanden, die einer Treibjagd gleich die hilf- und ahnungslosen Rentner dort von (so called) Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit vor sich her hetzen und sie bei ersten Anzeichen von Putschgedanken mit einem Kännchen Bohnenkaffee und Käsetorte in plastikbestuhlten DDR-Terrassen-Cafes gefügig machen. So ist das da – und wirklich rasen tut der Roland auch nicht. Und warum der so heißt, entnehme der geneigte Leser gerne dem Internetauftritt von irgendwelchen Eisenbahn-Nerds, bei denen ich jetzt einfach mal davon absehe, sie so runter zu machen wie die armen Senioren, weil das ja viel zu einfach und naheliegend ist. Es scheint also kein System zu geben, außer im völlig zu Unrecht unterschätzten Schaustellergewerbe, die für ihre Fahrgeschäfte einfach großartige Namen haben, die unbedingt gar nicht auf dem Zufallsprinzip, sondern nur auf dem Assoziationsprinzip beruhen: Südseewellen, Tropic Thunder oder Whirlwind – da ahnt man schon, was man bekommt für seine 5 Euro. Wenn ich Schausteller wäre, würde ich es vielleicht mal mit einem Fahrgeschäft namens Goslar oder Eduard Mörike versuchen, das wäre wirklich anarchistisch und „so-Ionesco“. Viva la Revolución.








 Mitteschön Kieztalk Online

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MITTESCHÖN ONLINE Mehr Neuigkeiten aus Mitte gibt es in unserer Online-Ausgabe unter www.mitteschoen.com zu entdecken. Neben den beiden Kategorien Mitte Streets und Mitte Nights – in denen wir klassische Restaurant-, Kultur-, Shop- und Ausgehtipps geben – stellen wir in der Rubrik Kieztalk interessante Menschen aus Berlins Mitte vor. In der Kolumne MiMu geben wir Tipps für alle Muttis, und wir fischen für euch unsere Lieblingsstücke aus Mittes Läden und dem Netz. In Brave New World schauen wir über Mitte hinaus und berichten euch Kurioses und Unterhaltsames aus der ganzen weiten Welt. Zu guter Letzt finden in regelmäßigen Abschnitten Gewinnspiele statt und wir vergeben Gästenlistenplätze für diverse Events. Viel Spaß!

0,77(675((76

VERLOSUNG: EIN BISSCHEN LUXUS IN BERLIN GEFÄLLIG? Die meisten fliegen im Sommer am liebsten ganz weit weg, genießen Strand und Palmen, die Sonne und das Meer – andere bleiben in Berlin. Aber der Sommer hier kann ja bekanntlich auch sehr schön sein. Warum? Weil wir nicht nur tolle Parks, Seen und Strandbars haben, sondern auch jede Menge Shopping-, Bar- und Restaurant-Angebote. Doch wer kommt nach Berlin und macht hier Urlaub? Tauscht die Taucherstunde gegen einen Museumsbesuch, das Schwarze Meer gegen die Spree? Wer bleibt in Berlin und macht hier Urlaub? Eine Menge! Und darum wollen wir euch etwas Gutes tun: Lasst euch in unserem schönen Berlin Mitte verwöhnen und genießt zwei Nächte inklusive Frühstück im Lux 11. Das Design Hotels™ Mitglied Lux 11 Berlin-Mitte ist der perfekte Ort für Individualisten: Das Hotel verfügt über 72 Apartments, die mit allem ausgestattet sind, was man so braucht. TV, DVD, Internet, einer Küchenzeile usw. Das Interieur spielt mit Gegensätzen wie warm und kalt, sanft und rau. In unmittelbarer Umgebung liegt der Hackesche Markt mit all seinen verlockenden Möglichkeiten – Shoppen, Essen, Party, Wellness. Der Besuch lohnt sich und lässt den Alltagsstress für eine kurze Zeit verschwinden. Für zwei Personen kann ein bisschen Urlaub und Luxus geschaffen werden: Zwei Nächte inklusive Frühstück im Lux 11 Berlin-Mitte. Ab 1. August läuft die Verlosung auf unserer Facebook-Fanpage www.facebook.com/mitteschoen

=85=(,721/,1( KIEZTALK CAFE&BÄCKEREI INTERNATIONAL Nicht nur wer auf der Bread & Butter bei Levis das Catering hatte wird hier weiterlesen wollen. Nein, auch alle anderen. Denn das war so was von abartig lecker, dass ich direkt mal nachgefragt habe, wer für die „Homemade American and Berlin Stullen Burger, Spicy Angry Chicken Sticks und Hot Dogs“ verantwortlich zeichnete. Fiedrich&Co. Man arbeite ohne den ganzen Geschmacksverstärker-Kram und das Convenience-Geschlabber… MITTE STREETS CERCLE ROUGE – TRES LECKER! Lust auf etwas Neues? Die Torstraße südlich vom Rosenthaler Platz ist mit der Odessa Bar, dem Trust und dem Brut schon sehr gut mit tollen Locations versorgt. Aber das Cercle Rouge hat noch gefehlt. Das französische RnB-Bar-Bistro auf der Gormanstrasse ist eine Bereicherung für die Ecke. Tagsüber kleine französische Küche, abends Live-Musik und Barbetrieb mit sehr guter Bar-Karte von äußerst liebenswürdigen Leuten. Erinnerungen… MITTE STREETS RUDIMARIE Wir wussten es ja schon immer: Kreuzberg ist der neue Prenzlauer Berg. Denn dort gibt es mittlerweile nicht nur einige richtig coole Spielplätze und Spielzeugläden, sondern auch jede Menge netter Cafés. Eines davon ist das rudimarie in der Weichselstraße 34, wo es nicht nur, wie wir Muttis es aus Mitte und Umgebung gewohnt sind, Kindercappuccino und jede Menge kleinen Süßkram wie Zuckergussperlenketten, sondern auch noch…






 



 



 

  

 











 

  


Stadtplan

LEGENDE Kultur/Freizeit

Bars/Cafés/Clubs

1. Neonchocolate Gallery, Lychener Straße 23

16. Lido, Cuvrystraße 7

2. Haus der Kulturen der Welt, John-Foster-Dulles-Allee 10

17. White Trash, Schönhauser Allee 6/7

3. Kunst- und Kulturzentrum Brotfabrik, Caligariplatz 1

18. Clärchens Ballhaus, Auguststraße 24

4. Automobil Forum Unter den Linden, Unter den Linden 21

19. Ramones Museum, Krausnickstraße 23

5. U 37 – Raum für Kunst, Kurfürstenstraße 37

20. Restaurantschiff Alte Liebe, Havelchaussee 107

6. Kinderbad Monbijou, Oranienburgerstraße 78

21. Hotel Amano, Auguststraße 43/ Ecke Rosenthaler Straße

7. Freibad Storkow, Seestraße 24, 15859 Storkow

22. Café Knofi, Bergmannstraße 11

8. Sommerbad Humboldthain, Wiesenstraße 1

23. Knofi Feinkost – Bergmannstraße, Bergmannstraße 98

9. Stadtbad Mitte, Gartenstraße 5

24. Knofi Feinkost – Oranienstraße, Oranienstr. 179 25. Lois, Linienstraße 60

Läden 10. Und Sash, Gormannstraße 16 11. Linierie, Linienstraße 75 / Ecke Rosenthaler Straße 12. Calypso, Rosenthalerstraße 23 13. Pro Qm, Almstadtstraße 48-50 14. Class of Berlin, Große Hamburger Straße 19A 15. Kochhaus, Schönhauser Allee 46

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Mitteschön Magazin - Ausgabe 12