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Frühjahr 2013

Das Bremer Citymagazin

Im Mittelpunkt

Breminent

Unterwegs mit …

Nachts im Kaufhaus

Marco Bode: „Bremen ist die goldene Mitte“

Der Hüter des Lichts

Hinter den Kulissen von Karstadt

Seite 10

Interview

Der Rathaus-Hausmeister im Porträt

Seite 16

Seite 18


Editorial/Inhalt

Liebe Leserinnen und Leser!

Chefredakteur Bastian Korte (l.) und Herausgeber Daniel Günther

Sich selbst einen Traum zu erfüllen ist toll, aber stellvertretend für andere einen Traum zu leben, ist noch spannender. Wir haben das für Sie getan und waren eine Nacht lang im Karstadt unterwegs! Selbstredend haben wir uns durch den Supermarkt gefuttert, Schaufenster umdekoriert sowie Parfums und Kleidung ausprobiert. Vor allem haben wir aber gelernt, was hinter den Kulissen eines Kaufhauses passiert, nachdem die Kunden das Gebäude verlassen. Lesen Sie Ihren Traum ab Seite 10. Was Sie über Käsekuchen und die gute alte Zeit wissen sollten, erklärt Ihnen unser Kolumnist Thorsten Nordberg auf Seite 17. Apropos: Wissen Sie, wie es seinerzeit zwischen Lloyd Passage und Knochenhauerstraße aussah? Werfen Sie einen Blick auf die Seite 20 und staunen Sie. Den Hüter des Lichts sollten Sie unbedingt kennenlernen. Er heißt Jens Liermann und wir stellen ihn und seinen Alltag im Rathaus auf Seite 18 vor. Wenn Sie dann noch Lust auf eine Tasse Tee haben, blättern Sie direkt zu Seite 22 zum Interview in unserer Rubrik Zu guter Letzt. Ach, und die besten Tipps für Ihren nächsten Einkauf in der Bremer City gibt es auf den Seiten 8 und 9.

Inhalt Mittendrin

Im Mittelpunkt

Highlights in der Bremer City Seite 04

Nachts im Kaufhaus Seite 10

Im Quartier Kleinod für Kenner Leitthema: Hinter den Kulissen von Karstadt

Breminent

Zu Besuch im Fedelhören

„Bremen ist die goldene Mitte“

Seite 05

Interview mit Marco Bode

Durchs Schaufenster Hausgemacht mit Leib und Seele Seite 06

Seite 16

Mittach! Früher war alles besser Die Kolumne

Seite 17

Unterwegs mit … Der Hüter des Lichts Französisch-mediterrane Küche und feine Schokolade bei Schröter’s

Mitbringsel Tipps und Bestseller Von Verkäufern und Konsumenten

Seite 08

Rathaus-Hausmeister Jens Liermann im Porträt

Seite 18

Seinerzeit Impressum Herausgeber: Daniel Günther Redaktion: DIALOG Public Relations Daniel Günther e.K. Altenwall 24, 28195 Bremen www.dialog-pr.com Chefredaktion: Bastian Korte E-Mail: redaktion@mitte-magazin.de Telefon: 0421/32 88 110 Design: kraska – gestaltung, Jack Kraska Telefon: 0421/32 88 119 kontakt@kraska.net, www.kraska.net

Druck: Asco Sturm Druck GmbH Anzeigeninformationen finden Sie im Internet unter www.mitte-magazin.de Auflage: 40.000 Die Ausgabe 2/2013 erscheint in der Kalenderwoche 20. Kooperationspartner:

Bildnachweise: Kay Michalak (Titel, S. 3, 6, 7, 10, 11, 12, 13, 14, 15, 18, 22), Peter Haarstick (S. 3 & 5), Seite 3: FockeMuseum; Jan Rathke/BTZ Bremer Touristik-Zentrale, CityInitiative Bremen Werbung e.V., Seite 8 & 9: Profile by Gottex/Per la Donna, Ewald Schillig/Möbel Flamme, Loewe/Peter Horn GmbH, steffne/photocase.com, g-mikee/photocase.com, ad Rian/ photocase.com, cydonna/photocase.com, Andreas Siegel/photocase.com, GRECOREGRAPH/photocase.com, Seite 16: Witters, Seite 19: Jürgen Howaldt – wikicommons, Seite 20 & 21: Staatsarchiv Bremen.

Seite 3

Die größte Flasche der Stadt Das Lloydgebäude

Seite 20

Zu guter Letzt „Mit einer Tasse Tee den Lärm der Welt vergessen“

Ein Gespräch mit Jutta Gaeth – Inhaberin des Schnoor-Handelskontors

Seite 22

Mitte – Das Bremer Citymagazin


Mittendrin

Highlights in der Bremer City

10.03. bis 08.09.2013

06.04. bis 07.04.2013

04.05.2013

Graben für Germanien

7. Bremer Reisemeile

Lange Shopping-Nacht

Der Mythos vom überlegenen Germanen-Volk, im Dritten Reich sollten archäologische Ausgrabungen Belege dafür liefern. Die Sonderausstellung im Focke-Museum zeigt anhand von über 750 Exponaten, wie sich die Wissenschaft in den Dienst einer Diktatur stellte. Öffnungszeiten: Di. 10 bis 21 Uhr, Mi. bis So. 10 bis 17 Uhr www.focke-museum.de

22.03. bis 07.04.2013

Osterwiese

Bei der Planung für die schönsten Wochen des Jahres sind gute Ideen und Inspirationen sehr gefragt. Das Motto der diesjährigen Bremer Reisemeile lautet „Das Gute liegt so nah“. Rund 50 Aussteller präsentieren in der LLOYD PASSAGE, auf dem Ansgarikirchhof und dem Hanseatenhof Regionen und Destinationen und ermöglichen, was bei einer Internetrecherche schwer möglich ist – eine direkte Auskunft zu allen individuellen Fragen. Öffnungszeiten: Sa. 10 bis 19 Uhr, So. 12 bis 18 Uhr www.bremen-city.de

www.bremen-city.de

Kurz notiert

07.04.2013

Verkaufsoffener Sonntag Runter von der Couch und rein in die City: Sonntags einfach mal ohne Zeitdruck shoppen, das geht an diesem Tag von 13 bis 18 Uhr. Insbesondere für Familien lassen sich die Bremer Einzelhändler spezielle Aktionen einfallen. www.bremen-city.de

25.04. bis 28.04.2013 Rund 200 Fahrgeschäfte und Buden auf über 50.000 Quadratmetern – sobald der Frühling vor der Tür steht, drehen sich auf der Bürgerweide sowohl die Karussells als auch die Bratwürste auf dem Grill. Am 22. März und 5. April lockt zudem ein riesiges Feuerwerk. Öffnungszeiten: täglich von 14 bis 23 Uhr, an Karfreitag geschlossen

jazzahead! Noch größer, noch vielseitiger, noch attraktiver: Die einzige Jazz-Fachmesse der Welt vereint zum 8. Mal Musiker, Veranstalter, Journalisten und Interessierte in der Messe Bremen. Viele Künstler präsentieren zudem ihr aktuelles Programm. www.jazzahead.de

Losen für den Bürgerpark Vom 6. Februar bis zum 12. Mai können die Bremer erneut Gutes für die grüne Lunge ihrer Stadt tun. Am Hauptbahnhof, dem Hanseatenhof, dem Liebfrauenkirchhof, der Sögestraße und an vielen weiteren Standorten wartet das Losglück bei der Bürgerpark-Tombola. www.buergerpark-tombola.de Philosophische „Denkinseln“ Büsten bekannter Philosophen, gefertigt von der niederländische Bildhauerin Eveline van Duyl, sind ab dem 3. März drei Monate lang im Gerhard-Marcks-Haus zu sehen. Aus Holz, Leder, Muscheln oder Pelz sind sie als „Denkinseln“ auf Bügelbrettern montiert. www.marcks.de Bremer Tanzfestival Zu Ostern 2013 veranstaltet das Theater Bremen ein Tanzfestival mit Vorstellungen, Diskussionen, Vorträgen und Partys. Vom 27. März bis zum 1. April heißt es zum ersten Mal: „Theater Bremen tanzt!“ www.theaterbremen.de

www.osterwiese.com

Mitte – Das Bremer Citymagazin

Dem Spaß am Shopping auch zu späterer Stunde nachgehen – das geht Anfang Mai in der Innenstadt. Freuen Sie sich auf eine besondere Atmosphäre und bummeln Sie bis 24 Uhr durch die verschiedensten Geschäfte.

Seite 4


Im Quartier

Kleinod für Kenner Zu Besuch im Fedelhören

N

ur einen Katzensprung von den Bremer Shoppingmeilen Söge- und Obernstraße entfernt, wartet zwischen Wallanlagen und Dobben eine andere Welt. Großzügige Schaufenster präsentieren ein Sortiment des speziellen Bedarfs. Zwischen Münzenhandlung, Klavierhaus und Galerien sitzen Menschen bei einem Glas Wein im Café zusammen. Die Geschäfte – obwohl dicht an dicht – versprühen jedes für sich einen eigenen Charme. Die Namen und Beschriftungen vermitteln: hier wohnt Tradition und gelerntes Handwerk. Der Fedelhören ist ohne Zweifel eine Einkaufsstraße mit besonderem Flair. Viele Bremer kommen gezielt hier her, weil sie finden, was sie sonst oft vergeblich suchen: ein Kleinod für Kenner.

Gerald Elfers, Inhaber Heinrich Gleue Perser-Teppiche: Der Fedelhören zeich-

Renate Dettmers, Inhaberin Renate Dettmers Mode-Art: Fedelhören heißt für mich: Exklusivität,

net sich vor allem durch eines aus: den bunten Mix aus Kunst, Kultur, Mode und speziellem Handwerk. Alle Geschäfte hier sind inhabergeführt. Statt Mainstream bekommen die Kunden individuelle Beratung und besondere Produkte. Ein Großteil meiner Teppiche ist persischer Herkunft, aber auch indische oder chinesische sind darunter. Alle eint ihre handgeknüpfte Qualität, ob Neuanfertigungen oder 120 Jahre alte, gut erhaltene Stücke. Seit 1921 ist das bei uns so. Damit sind wir Bremens ältestes Teppichfachgeschäft. Geschichten erlebt man da einige: Etwa als Ex-Bürgermeister Henning Scherf noch zu amtierenden Zeiten vorbei schaute, um eine Teppichreparatur für das Rathaus persönlich zu begutachten.

Einzigartigkeit und Herzblut. Wir stehen hier mit unserem Namen ein für das, was wir tun. Zudem herrscht ein nettes Miteinander unter den Anrainern. Als Schneidermeisterin und Schnittdirektrice biete ich meinen Kundinnen maßgeschneiderte Individualität – ob für Abendmode, Businesskleidung oder den alltagstauglichen Look.

KLAR ZUM ENTERN! 5 TOP-LOCATIONS FÜR IHRE VERANSTALTUNG!

Peter Haarstick, Inhaber Goldschmiede Haarstick: Heutzutage gleichen sich viele Pro-

dukte und sind von der Stange. Das Individuelle erhält dadurch einen noch höheren Stellenwert. Facheinzelhandel – in dieser Straße nicht bloß ein Schlagwort, sondern Realität. Unser Haus bietet seit 1874 und über vier Generationen hinweg selbstentworfene und handgefertigte Schmuckunikate sowie deren Restauration und Reparatur. Da bleibt auch die Freiheit für ausgefallene Kreationen wie den Ring, der eigentlich aus zwei Ringen besteht und sich durch ein Verbindungsstück über die ganze Hand erstreckt.

Design – www.grow-werbeagentur.de

ng sl oc at io n im ue Ve ra ns ta ltu un d Fi rm en fe ie rn ! QUAI – Di e ne es rti r pr iv at e Pa Schu pp en 2 fü

Frederik Gérard, Antiquitäten Günter Raup:

Seit über 20 Jahren gibt es unser Geschäft im Fedelhören. Wer bei uns durch die Regale und Vitrinen stöbert, der findet neben militärischen Orden und Uniformen auch Schiffs- und Kapitänsbilder, Flaggen sowie vor allem antike Lampen. Unser ältestes Exponat ist eine Lampe mit integrierten Kerzenständern von etwa 1800. Neben dem Verkauf restaurieren, elektrifizieren und bauen wir die Lampen neu zusammen. Da können in einem Einzelstück schon mal zwei Monate Arbeit stecken. In letzter Zeit schätzen auch immer mehr jüngere Kunden den Charme antiker Lampen, die im Vergleich zu modernen Strahlern natürlich auch eine Wertanlage sind.

Kleine & große Gruppen

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Geburtstage

Firmenfeiern

Hochzeiten

Parties u.v.m.

www.hansen-riva.de | events@hansen-riva.de

Mitte – Das Bremer Citymagazin


Durchs Schaufenster

Daniel Schröter vor seinem Restaurant. Er übernahm den Betrieb vor einigen Jahren von seinem Vater und gab ihm ein frisches Konzept.

Hausgemacht mit Leib und Seele Französisch-mediterrane Küche und feine Schokolade bei Schröter’s

Text Christine Peters

P

ralinen, Trüffel, Petit Fours – allein beim Aufzählen dieser schokoladigen Köstlichkeiten läuft einem das Wasser im Munde zusammen. Liebhaber von handgemachtem Süßen sind in Schröter’s Patisserie gut aufgehoben, denn hier kann der Entstehungsprozess von Praline & Co. live mitverfolgt werden. Ob es regnet oder stürmt: Vor dem kleinen Schaufenster im Schnoor bilden sich oft Menschentrauben, wenn Schokolade in Formen gegossen oder zarte Trüffel mit Rosenblättern garniert werden. Die kleine, aber feine Patisserie gehört zum Bremer Traditionsrestaurant Schröter’s Leib und Seele. Auch hier kommen Feinschmecker voll auf ihre Kosten: Vom deftigen Schnitzel bis zum leichten Pasta-Gericht ist für jeden Geschmack etwas dabei. Mitte – Das Bremer Citymagazin

Der Koch und Gastronom Daniel Schröter übernahm den Familienbetrieb 2009 von seinem Vater Rainer Schröter. Der Junior genoss seine Kochausbildung im Wald- und Schlosshotel Friedrichsruhe im süddeutschen Hohenlohekreis und machte während seiner anschließenden Wanderjahre Station bei namhaften Sternerestaurants in München, Dreis und Hamburg. Als er, zurück in der Heimat, das elterliche Restaurant übernahm, war klar: Hier soll einiges anders werden. So wurde das Rumpsteak mit Speckbohnen gegen modernere, französisch-mediterran inspirierte Gerichte auf hohem kulinarischen Niveau ausgetauscht. Heute wird die Speisekarte jeden Monat erneuert – bis auf vier Klassiker: Rigatoni in Käsesoße, Feldsalat mit Entenleber, ein gelbes Thai-Curry sowie das Schnitzel mit Bratkartoffelsalat. „Die werde ich nie im Leben runternehmen“, so Schröter, „es gibt viele Gäste, die nur wegen dieser Gerichte kommen.“ Der Namenszusatz „Leib und Seele“ ist dabei stets Programm: Daniel Schröter, der im Alter von fünf Jahren seine erste Kochjacke bekam, kochte schon immer mit Leidenschaft und liebt die Kreativität seines Berufs.

Pfeifenzimmer, Weinkeller, Wintergarten Der frische Wind trieb auch zusehends jüngere Leute zu Schröter’s. Seine besondere Stärke sei heute, so Daniel Schröter, dass er sich an ein breites Publikum wende: „Wir sprechen den 25-jährigen Jungunternehmer ebenso an wie die ältere Dame, die ihren 85. Geburtstag bei uns feiern möchte.“ Hauptsächlich sind Seite 6


Durchs Schaufenster

Fotos: Kay Michalak

Scho selber

Wo Schröter‘s drauf steht ist auch Schröter‘s drin. Die selbst gemachten Torten sind insbesondere am Nachmittag sehr gefragt.

es Stammgäste aus Bremen und Umgebung, die ihren Weg zu Schröter’s finden. „Der persönliche Kontakt zum Gast ist sehr wichtig“, weiß der Gastronom. „Ich finde es schön, wenn ich die Menschen mit Namen begrüßen kann und ihre kulinarischen Vorlieben kenne.“ Ob nun Stammgast oder Tourist auf der Durchreise: Gespeist werden kann bei Schröter’s abgesehen von Heiligabend jeden Tag mittags wie abends, und das im urigen Ambiente alter Bremer SchnoorHäuser. Pfeifenzimmer, Toulouse Lautrec-Saal, Weinkeller, Hauptrestaurant, Bistro sowie ein Wintergarten, in dem auch an kälteren Tagen gemütlich im Warmen gegessen werden kann – insgesamt 160 Plätze stehen zur Verfügung. Dass es da auch mal stressig werden kann, versteht sich von selbst. Deshalb ist Daniel Schröter froh, dass er stets auf seine Eltern zählen kann, die den Familienbetrieb nach wie vor tatkräftig unterstützen. Hand in Hand läuft auch die Zusammenarbeit im 35-köpfigen Team. Viele Entscheidungen werden gemeinsam getroffen, neue Gerichte werden im Team abgestimmt, probegekocht und verkostet. Die Grundlage dafür bilden stets frische Zutaten, die Daniel Schröter gerne aus der Region bezieht.

Schoko-Kreationen in Paris entwickelt Qualitativ hochwertige Zutaten haben auch in der 2010 gegründeten Chocolaterie Priorität. Schokoladen-Liebhaber Daniel Schröter kreiert in der hauseigenen Manufaktur zusammen mit Chef-Pâtissière Birgit Sontowski kunstvolle Leckereien. Sogar das Rezept für die Schokolade stammt aus eigener Feder: Die Sorten „Schröter’s Braune“ und „Schröter’s Schwarze“ wurden eigens in Paris entwickelt. Jede Praline wird hier noch von Hand gemacht und in der Patisserie sowie im Internet verkauft. Schröter’s Devise: „Das Produkt soll exklusiv und handgemacht bleiben. Bei zu vielen Aufträgen kann die Qualität gar nicht gehalten werden. Deshalb lehne ich lieber Aufträge ab statt mein Produkt zu verschandeln.“ Schröter’s Gäste werden es zu schätzen wissen, denn nach dem Essen wandert bei so manchem gerne noch ein schokoladiger Leckerbissen in den Mund.

Seite 7

kolade machen

Wer einmal selbst süße Köstlichkeiten kreieren möchte, der sollte sich das Schröter’s-Pralinenseminar unter der Leitung von Chef-Pâtissière Birgit Sontowski nicht entgehen lassen. Nach einer kleinen Einführung in die Schokoladenzubereitung können die Teilnehmer selbst Hand anlegen und natürlich auch naschen. Termine: 12.03., 09.04., 14.05.; 18 bis 20 Uhr. www.schroeters-schnoor.de

Feinschmecker aufgepasst! Der Feinschmecker, ein Magazin für feine Küche, Wein und andere Fragen des gehobenen Genusses veröffentlicht jedes Jahr einen Restaurant Guide. Er führt 800 gastronomische Top-Adressen in ganz Deutschland auf. In der Bewertung für Bremen landet Schröter’s dabei mit einem dritten Platz auf dem Podium.

Mitte – Das Bremer Citymagazin


Mitbringsel

Trendtipp Besonders empfehlen kann ich das Buch „101 Nacht“. Hierbei handelt es sich um einen literarischen Sensationsfund der Orientalistin Claudia Ott. Sie stieß per Zufall auf 800 Jahre alte Handschriften mit bisher unbekannten Geschichten und übersetzte sie aus dem Arabischen ins Deutsche. Das insgesamt 329 Seiten umfassende Werk, sozusagen die „kleine Schwester“ von 1001 Nacht, ist im Manesse Verlag erschienen (Preis: 49,95 Euro). Es macht dank samtbeflocktem Einband auch optisch einen sehr schönen Eindruck und ist in der Kategorie Übersetzung für den Preis der Leipziger Buchmesse 2013 nominiert.

Die Expertin Doris Wiechert betreibt gemeinsam mit Justus Hoffmann als Geschäftsführerin die Buchhandlung Storm. In diesem Jahr feiern sie in der Langestraße 11 zehnjähriges Firmen-Jubiläum. www.storm-bremen.de

Hochzeitstorten

Einzigartig. Traumhaft. Schön. www.knigge-shop.de

Bestseller Günther Staffeldt aus Osterholz-Scharmbeck: Ich schenke meiner Frau immer etwas Besonderes zum Hochzeitstag. Da sie ein Faible für Perlen hat, wird ihr dieses Exemplar mit Sicherheit gefallen. Jede Perle ist ein Unikat mit leicht anderer Form und das Farbenspiel ist schön anzuschauen.

Halskette von ROTH, bestehend aus 20 chinesischen SüßwasserZuchtperlen in weiß-rosé, Perlengröße 13-16 mm, Länge 45 cm, Schloss aus 925er vergoldetem Silber. Erhältlich für 540 Euro bei Perlen & mehr, Obernstraße 22-24 (1. Etage).

Vera Hohmann aus Bremen: Der Urlaub in der Sonne steht kurz bevor und gerade bei Bademode gefällt mir diese schlichte schwarzweiß-Kombination immer sehr gut. Netter Nebeneffekt ist natürlich, dass sich diese sogenannte Shape Wear sehr eng an den Körper anschmiegt und damit automatisch eine tolle Figur macht.

Spielbett Dornröschen von annette frank, 2.900 Euro inklusive Dach und Gardinen (ohne Accessoires). Erhältlich bei Kiki Kinderträume, seit Ende Januar neueröffnet in der Museumstraße 2 nahe des Schüsselkorbs.

Profile by Gottex, Badeanzug in den Größen 36-46: 139,95 Euro bei Per la Donna im Kontorhaus am Markt.

Gerda Lamprecht aus Delmenhorst: Unsere Enkelin ist ein typisches Mädchen und liebt alles, was rosa ist. Gefallen hat mir, dass die Betthöhe verstellbar ist. Wenn Freundinnen bei ihr übernachten möchten, können sie direkt in der unteren Etage schlafen.

Neu dabei ZARA Der Bremer Innenstadt ist ein großer Wurf gelungen: Das spanische Modeunternehmen Inditex hat für seine Premiummarke ZARA das ehemalige Brinkmann-Haus in der Obernstraße 82-88 angemietet. Mit dieser Ansiedlung steigert sich die Attraktivität der Bremer City noch einmal deutlich. ZARA und der Vermieter investieren gemeinsam einen Millionenbetrag in die neue Immobilie. Noch in diesem Jahr soll mit dem aufwendigen Um- und Ausbau der Flächen begonnen werden. www.zara.com

Mammut Store Berg- und Outdoorsportler aufgepasst: Am Wall 161 öffnete der neue Mammut Store seine Türen. Bremen ist damit der 13. deutsche Standort für das Schweizer Unternehmen. Die Filiale

Mitte – Das Bremer Citymagazin

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Mitbringsel

Gastrotipp Sonja van Eck aus Bremen: Ich habe den trockenen Wein zum ersten Mal beim Dinner-Musical „Nachts in Bremen“ im Ratskeller getrunken und mir hat sofort diese fruchtige Note gefallen. Ein Qualitätswein, den man aufgrund seines fairen Preises auch mal einfach so nach Feierabend genießen kann.

Sonderkomposition „Nachts in Bremen“: Pfälzischer Grauburgunder oder Rotwein, 6,30 Euro im Shop des Bremer Ratskellers, Schoppensteel 1.

Marc-Oliver Breden aus Bremen: Das Sofa passt einfach perfekt zu meiner bisherigen Einrichtung, da konnte ich nicht anders. Besonders klasse finde ich die integrierte Tischfläche, um das Glas oder die Schale mit Chips immer griffbereit zu haben.

Ewald Schillig Brand, Sofa-Modell „Iman“: Maße ca. 300 x 175 cm, Bezugsmaterial Feel-Leder. Preis: 2.998 Euro bei Möbel Flamme, Ostertorsteinweg 84/85.

Loewe Reference ID 46 (Bilddiagonale 117 cm, digitaler Festplattenrecorder, internetfähig): ab 6.500 Euro bei Fernsehmeister Peter Horn GmbH, Domshof 23.

In unserem kleinen, aber feinen Bistro kommen die verschiedensten Leute dank der offenen Atmosphäre bei Tisch oft direkt ins Gespräch. Da kann es vorkommen, dass anfangs völlig Fremde nach einiger Zeit ihr Dessert teilen und vom Teller des anderen probieren. Ob Würste, Pasteten oder Tomatensaucen – in unserer hauseigenen Manufaktur fertigen wir viele unserer Waren selbst. Was wir nicht in Eigenregie kreieren, wird nach unseren Vorgaben speziell für uns hergestellt. Klassiker sind seit eh und je das Apfelbalsam-Essig und unsere Schokoladencreme-Serie, die wir auch ins benachbarte Ausland und sogar in die USA exportieren.

Der Experte

Oliver D. Schmidt ist seit 2006 alleiniger Inhaber bei Grashoff. Der 140 Jahre alte Familienbetrieb am Herdentor zählt zu den renommiertesten Adressen für Feinkost und Delikatessen in der Region. www.grashoff.de A 4c 93 135 BRE Osterbrunch 02.13_A 4c 93 135 BRE Osterbrunch 02.13 08.02.13

Michael Gerber aus Bremen: Das Besondere an diesem Fernseher war für mich, dass ich das Gerät individuell nach meinen Vorstellungen gestalten konnte. Auf der Vorderseite habe ich mir die WerderRaute einsticken lassen und außerdem einen Rahmen aus Messing gewählt.

umfasst die komplette Produktpalette – von Klettergurten über Trekkingschuhe bis hin zu Schlafsäcken. Besonderer Service: Auf speziellen Testanlagen können viele Produkte direkt ausprobiert werden. www.mammut.ch

LUMAS Berlin, London, Paris – dies sind nur drei der insgesamt 21 weltweiten LUMAS-Standorte, zu denen neuerdings auch Bremen zählt. Die zweigeschossige Galerie liegt gegenüber des Eingangs zur Katharinen-Passage in der Sögestraße 37-39. Statt Massendrucken oder überteuerten Kunstwerken werden hier handsignierte Originalfotografien in limitierter Auflage und musealer Qualität ausgestellt und zu erschwinglichen Preisen angeboten. Dabei umfasst das Gesamtangebot von LUMAS auch Drucke sowie hochwertige Reproduktionen von etablierten und aufstrebenden Malern und Grafikern. www.lumas.de

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Osterbrunch 31. März und 1. April von 12.00 bis 15.00 Uhr Eine festliche Speisenauswahl für die ganze Familie! Genießen Sie Österliches vom großzügigen kalt-warmen Buffet mit einem extra Kidsbuffet. 39 € pro Person inklusive Heißgetränken, Sekt, Wasser und Säften Informationen und Reservierung: M Hotel Bremen · Hollerallee 99 · 28215 Bremen Telefon 0421 3789-621 · info.bre@maritim.de · www.maritim.de Mitte – Das Bremer Citymagazin


Im Mittelpunkt

Nachts im Kaufhaus Hinter den Kulissen von Karstadt Text Bastian Korte

Mitte – Das Bremer Citymagazin

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Im Mittelpunkt

In der Hansestadt hält sich wacker folgender Schnack: Bremen hat Altstadt, Neustadt – und Karstadt. Und wirklich: Wer in Bremens City dem Shopping frönt, der geht seit 111 Jahren meist auch „nach Karstadt hin“ – einer der größten Filialen in ganz Deutschland. Gänge voll mit Kunden, die die Regale durchstöbern oder sich von Verkäufern beraten lassen – ein uns allen bekanntes Bild. Doch was passiert hinter den Kulissen, wenn abends die Türen zufallen und das Licht ausgeht? Welche Abläufe spielen sich hier im Verborgenen ab, um einen solch Wir haben die Probe aufs Exempel gegroßen Warenumschlagsplatz tagtäglich am Leben zu halten? macht! Mitte-Herausgeber Daniel Günther und Chefredakteur Bastian Korte erfüllten sich stellvertretend für jeden Shoppingfreund den Traum aller Träume: eine Nacht im Kaufhaus tun und lassen, wonach einem der Sinn steht. Unsere Reportage aus dem Warenhaus, das niemals schläft.

„S

Fotos: Kay Michalak

ehr verehrte Damen und Herren, in wenigen Minuten schließen wir unser Haus. Wir bedanken uns bei Ihnen und unseren Mitarbeitern und wünschen einen schönen Abend!“ So klingt es allabendlich durchs Bremer Karstadt-Kaufhaus. Spätestens jetzt weiß jeder Kunde, es ist Zeit die Kasse aufzusuchen. Doch heute ist alles anders, wir bleiben auf unseren Stühlen im Restaurant der 3. Etage sitzen. 700 Plätze gibt es hier, an Samstagen speisen über den Tag bis zu 4.000 Gäste Zanderfilet oder Kartoffelgratin. Jetzt ist es menschenleer. Wir trinken unseren Kaffee mit Rainer Schons, Technischer Koordinator, und Harald Schmidt, Leiter Visuelles Marketing. Die beiden Karstadt-Angestellten spielen für uns in dieser Nacht den „Türöffner“ und sorgen dafür, dass wir keinen unbeabsichtigten Alarm auslösen. Es ist 19:35 Uhr. Die Kaufhaus-Technik fordert den wohlverdienten Feierabend ein und fährt etappenweise das Licht herunter. Vier Schluck Kaffee und zehn

Minuten später kommen auch die Rolltreppen komplett zum Stehen. Auf einen Schlag ist es mucksmäuschenstill. Hier und da ein Knarzen, sonst nichts.

lust im Halbdunkel freien Lauf lassen zu können, erfüllt einen schon mit Euphorie. Kurz und knapp: Wir fühlen uns wie kleine Kinder im Schlaraffenland.

Kleine Kinder im Schlaraffenland

Mit prall gefüllter, bunter Tüte geht es weiter zu den Schaufenstern. Einmal die Schaufensterpuppen nach eigenem Geschmack dekorieren. Draußen warten frierende Passanten in der Obernstraße auf die Straßenbahn und werfen skeptische Blicke herüber. Roter Schal und orange Mütze – passt das? Egal, uns gefällt’s. Nach einem kurzen Zwischenstopp am Sonnenbrillenstand, geht es schnellen Schrittes zum jüngst neu gestalteten Schmuck- und Parfümeriebereich. „Breitere Gänge, neue Beleuchtung, neue Fußböden – alles komfortabler“, erzählt Harald Schmidt. Wir haben auf jeden Fall genug Platz, um uns auszutoben. Doch ziemlich bald rächt sich der Angebotsüberfluss: Nach einer Mixtur von vier bis fünf verschiedenen Parfümproben – von Diesel bis zu Giorgio

Wer im Bekanntenkreis erzählt, er verbringe eine Nacht im Kaufhaus, der erntet sofort leuchtende Augen. Noch nie wollten so viele Leute mit uns eine Nacht verbringen, doch wir mussten eisern bleiben. Karstadt in Bremen: Circa 400.000 verschiedene Artikel auf 32.000 Quadratmetern reiner Verkaufsfläche. Das sind 4,5 Fußballfelder, die heute Abend nur von uns bespielt werden! Wir starten unsere Entdeckungstour im Erdgeschoss. Denn was möchte man als erstes mutterseelenallein in einem Warenhaus machen? Natürlich die Süßwarenabteilung stürmen. Die Auswahl an Lollies, Schokoriegeln und Lakritzstangen ist zwar exakt dieselbe wie tagsüber, aber seiner Konsum-

19:55 Uhr

20:23 Uhr

20:35 Uhr

Da leuchten die Augen und der Korb füllt sich unaufhaltsam: Eine Tafel Schokolade, eine Tüte Lakritz oder am besten gleich beides?

Da staunen die Männer: Auch kleine Handtaschen können große Preise haben.

Konzentrierter Blick: Im Schaufenster wird dekoriert, was das Zeug hält!

Seite 11

Mitte – Das Bremer Citymagazin


Fotos: Kay Michalak

Im Mittelpunkt

21:55 Uhr Armani – schwebt über uns eine markante Duftwolke. Unser Fotograf Kay Michalak ist jedenfalls vor uns geflüchtet – ein Stockwerk tiefer in den Supermarkt.

Mit dem Ferrari durch die Gänge Dort warten Pasteten, Edelfische und Trüffelöle. Wir schlendern vorbei an Tiefkühltheken, die leise vor sich hin surren. Wer schon einmal einen Supermarkt an Abenden vor Feiertagen aufgesucht hat, der weiß solch eine Ruhe zu schätzen. An der Kasse helfen wir uns selbst und überneh-

men kurzerhand die Kassiererrolle. Doch Knabberkram und Getränke müssen nicht das Ende der Fahnenstange sein. Im 2. OG heißt es: Mäntel, Hosen und Mützen anprobieren. Ein grüner Pullover sticht ins Auge. Wir fragen nach der nächsten Umkleidekabine. „Wozu? Es ist eh halbdunkel und außer uns ist keiner hier“, witzeln Schmidt und Schons. Recht haben sie. Mitten im Gang mal eben des Oberteils entledigt – er passt! Doch ehrlich gesagt, halten wir uns bei den Textilien nicht lange auf. Die Spielwarenabteilung ruft und sofort ist jeder in irgendeiner Ecke verschwunden. Schaukel-

pferde, Holzschwerter, überdimensionale Kuscheltiere, alles will mal ausprobiert werden. Sehr zu empfehlen ist ein Fußballduell inmitten der Regale. Und: Endlich mal Ferrari fahren, wenn auch nur die KettcarVersion. Mittlerweile ist es nach 22 Uhr und obwohl die weiteren Etagen locken – die Müdigkeit setzt ein. Zeit, den Abend bei Bier und Chips vor dem Fernseher – oder vielmehr der kompletten TV-Abteilung – ausklingen zu lassen. Gegen 23:30 Uhr machen wir uns auf die Suche nach einer Ruhestätte im Bet-

20:51 Uhr

21:09 Uhr

21:34 Uhr

Ob der vierte Duft auch noch gut riecht? Die Parfümwolke schwebte fast den gesamten Abend über uns.

Im Supermarkt: Der helle Kühlschrank hat uns angelockt. Da greift man gerne mal zu.

Wozu eine Umkleidekabine? Schnell den Pulli mitten im Gang anprobiert, man ist ja unter sich.

Mitte – Das Bremer Citymagazin

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Im Mittelpunkt

ten- und Matratzenbereich. So viele Betten und nur eine Nacht Zeit. Wir entscheiden uns für das Bett gleich neben der Rolltreppe. Eine ungewohnte Perspektive, die aber nicht Schuld war an dem nur kurzen Schlaf. Denn bereits ab 4 Uhr erwacht das Kaufhaus langsam wieder – und wir mit ihm, denn wir sind verabredet. Und zwar in der 6. Etage, wo die Bäcker und Konditoren in der höchst gelegenen Backstube der Stadt ihrem Handwerk nachgehen.

Schnitzel statt Mohnschnecke „Bei gutem Wetter kann ich hier bis zum Flughafen und weiter gucken“, sagt Jörg Neubauer, seit 18 Jahren Konditor bei Karstadt. Von seinem Refugium aus bahnen sich blechweise Laugengebäck und Käsecroissants den Weg in die Regale des Hauses – übrigens auch bis in die Karstadt-Filiale nach Bremerhaven. Über tausend Einzelstücke verlassen diesen Ort täglich. Schon Meter bevor wir die Backstube überhaupt erreichten, stieg uns der Geruch von frischem Brot in die Nase. In den weitläufigen Räumlichkeiten angekommen, ist es wohlig warm. Der Konditor trägt nur T-Shirt vor den 220 Grad heißen, mannshohen Öfen. Wir spüren zwar noch ein leichtes Ziehen in der Magengegend dank der unausgewogenen Ernährung des Vorabends, aber eine frische Mohnschnecke von Jörg Neubauer geht trotzdem. Der gebürtige Rheinländer hingegen nascht kaum noch selbst. „Das machen Sie die ersten zwei Wochen, jetzt ziehe ich ein zünftiges Schnitzel vor“, grinst er. Ebenfalls in der obersten Etage: die hauseigene Druckerei. Hier werden Preisschilder und Aushänge noch selbst produziert. Für uns geht es aber wieder Richtung Keller. Eine stillstehende Rolltreppe hat übrigens um die 30 Stufen, das wissen wir mittlerweile sehr genau. Auf dem Weg in die unterirdische Warenanlieferung macht Rainer Schons noch Zwischenstation und entschärft den nächtlichen Modus der Alarm-

anlage. „Keine besonderen Vorfälle, bis auf euch drei“, lacht er. Von seiner Sicherheitsund Schaltzentrale kann der gelernte Elektromeister mit einem einfachen Klick am PC Heizung, Licht und Lüftung im gesamten Haus regeln. Unten angekommen, röhren schon die LKW-Motoren. Bei Temperaturen unter null Grad dirigiert Wolfgang Feige um 6 Uhr morgens verschiedenste Lebensmittel hin und her: Oliven und Marmelade reihen sich an Hühnersuppe und Pudding. Feige ist Leiter der Warenannahme und seit 40 Jahren „Karstädter“. „Ich bin quasi von Geburt an dabei und habe hier schon sieben verschiedene Jobs gemacht“, so der 58-Jährige. Seinen jetzigen beherrscht er auf jeden Fall aus dem Effeff. Wo für Laien bloßes Zahlengewirr auf den beschrifteten Kisten herrscht, hat Feige den Durchblick: „5478 kommt ins Kundenrestaurant, 5430 ist für unsere Personalkantine.“ Und eh wir uns versehen, ist so ein LKW ausgeladen – in knapp zehn Minuten. Alles müsse schnell gehen, Stichwort Kühlkette, erklärt der Lilienthaler. Im Schnitt zehn LKW kommen nachts hier an, tagsüber bis zu 35. Und während er sich dem nächsten herandröhnenden Laster widmet, ruft er uns noch zu: „Aber heute ist eher ein ruhiger Tag!“ Können wir kaum glauben.

04:36 Uhr Seit 18 Jahren arbeitet Konditor Jörg Neubauer bei Karstadt, in der höchst gelegenen Backstube der Stadt.

05:15 Uhr Technik-Chef Rainer Schons in der Schaltzentrale: „Keine besonderen Vorfälle diese Nacht, bis auf euch drei!“

Armada von Schaufensterpuppen im Keller Wir bleiben im Keller und gehen vorbei an Kartons mit aussortierten Weihnachtskugeln. An den Decken bilden lange Rohre und Leitungen ein verwirrendes Geflecht. Vor einem Raum bleiben wir stehen. Über uns liegt die Obernstraße/Ecke Sögestraße, vor uns steht eine Armada von zig Schaufensterfiguren, die hier gelagert werden. Es ist ein unwirklicher, leicht gruseliger Anblick. Einige der Zeitgenossen sind mit Gesichtsbemalung versehen, Überbleibsel einer Fußball-WM. Die meisten aber sind weiß oder silbrig. „Da hinten stehen noch

06:00 Uhr Behält den Durchblick im Zahlengewirr der unterirdischen Warenannahme: Wolfgang Feige, seit 40 Jahren „Karstädter“.

21:48 Uhr

22:38 Uhr

23:40 Uhr

Ein Panda-Bär zum gern haben. Huckepack ging es mit ihm durch die Gänge, auf Dauer allerdings ein äußerst schwerer Zeitgenosse.

Ein Fernsehabend auf der Couch bei Bier und Chips ist doch immer noch das Allerbeste – ob Zuhause oder im Kaufhaus.

Vor dem Schlafen gehen noch einen Snack, danach ins Land der Träume – wenn auch nur kurz.

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Mitte – Das Bremer Citymagazin


Im Mittelpunkt

06:47 Uhr

Fotos: Kay Michalak

welche aus den 1970er Jahren, die sind noch sehr realitätsgetreu gestaltet. Heute liegt der Fokus auf der Ware, die Details und Gesichtszüge der Figur sind nicht mehr entscheidend“, erklärt Harald Schmidt. Dafür passen sie sich den Modetrends an: „Bei einigen ist eine Zehenspreizung vorhanden, damit sie Flipflops tragen können.“

07:10 Uhr Wenn die Kunden kommen ist alles an Ort und Stelle. Dafür sorgen früh morgens „unsichtbare Hände“ wie die von Adriane Brockmann.

Wir folgen unseren Gastgebern weiter durch das Keller-Labyrinth. Schmidt stößt eine Tür auf und wir stehen mitten im Karstadt Sport – und das ohne einen Fuß vor die Tür gesetzt zu haben. Unterirdische Geheimgänge? Ein bisschen Scotland Yard ist auch in der Bremer Innenstadt vorhanden. Durch die Lloyd-Passage geht es wieder zurück ins Haupthaus. Es ist kurz nach sieben Uhr und unser nächstes Ziel lautet WST. „Das steht für Waren-Service-Team“, sagen unsere Begleiter unisono. Der fragende Blick hat uns verraten. „Unsichtbare

Mitte – Das Bremer Citymagazin

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Hände“ wie die von Adriane Brockmann sorgen täglich von 6:30 bis 15 Uhr für volle Regale. Dank ihr herrscht in der Jeans- und Strickwarenabteilung der Herren entsprechende Ordnung. „Bis zur Ladenöffnung versuche ich das Meiste zu schaffen, danach packe ich hinter den Kulissen die neue Ware aus, die jeden Tag aus der Essener Zentrale kommt. So bereite ich den kommenden Tag vor, damit es gleich wieder ohne Verzögerungen losgehen kann.“ Ordentlich Meter macht die junge Frau dabei. „So spare ich mir das Fitnessstudio“, grinst sie. Einen Katzensprung von Adriane Brockmann entfernt geht Sakene Cakici ihrer Arbeit nach. „Unsere Perle in der Reinigung“, kündigt Technik-Chef Schons an und er sollte Recht behalten. Freudig und herzlich begrüßt sie uns. Routiniert schiebt die Vorarbeiterin die knallrote Poliermaschine durch die Gänge. „Ohne dieses Gerät würde es natürlich ewig dauern, die Etagen zu wischen. Trotzdem


Im Mittelpunkt

Ladies Night bei Karstadt Achtung, liebe Damen! Wenn Sie auch einmal abseits der offiziellen Öffnungszeiten nach Herzenslust shoppen wollen, dann haben Sie am 01.03.2013 die Gelegenheit dazu. „Ladies only!“ heißt es dann von 19:30 bis 23:30 Uhr. Bei kostenlosem Prosecco warten die neuesten Fashion-Trends und viele Shopping-Vorteile.

08:25 Uhr ist es Zuhause etwas einfacher zu putzen als hier, da ist alles etwas kleiner“, lacht sie. Erst recht bei Schnee und Matsch. „Aber egal welches Wetter, ordentlich sauber bekommen wir es hier immer.“

Weihnachtsbaum aus den 1950er Jahren Es ist 8:25 Uhr. In einer guten Stunde öffnet Karstadt seine Pforten. Wir stehen inzwischen auf dem Dach des Gebäudes und genießen den Ausblick: Weser Tower in der Überseestadt, Beck’s auf der anderen Weserseite, Funkturm zu Walle, Hauptbahnhof direkt vor uns. Über rauchenden Schornsteinen geht zwischen den Flutlichtmasten des Weserstadions und St. PetriDom die Sonne auf. Uns wird warm ums Herz, trotz eisigem Wind. Bei diesem Panorama wären wir fast über den metallenen Weihnachtsbaum gestolpert. Rainer Schons

erklärt: „Das ist schon ein Alleinstellungsmerkmal von Karstadt Bremen. Ein Relikt aus den 1950er Jahren und mittlerweile zur Weihnachtszeit ein leuchtendes und weithin sichtbares Wahrzeichen der Stadt. Das restliche Jahr ist er einfach auf dem Boden fest gemacht.“ Auf dem Weg ins Erdgeschoss legen wir einen letzten Halt bei den Haushaltswaren ein. Schließlich führt uns der Weg im Anschluss direkt ins Büro: Ein gebügeltes Hemd muss da schon sein. Und dann ist es Punkt 9:30 Uhr: Auf der anderen Seite der Glastüren am Ausgang Richtung Markt warten schon die ersten Kunden. Die automatische Türsperre entriegelt sich und wir gehen hinaus, als wäre nichts gewesen. Ein neuer Tag im Kaufhaus beginnt.

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07:31 Uhr Seit 23 Jahren die „Perle der Reinigung“ im Bremer Karstadt-Haus: Sakene Cakici.

Mitte – Das Bremer Citymagazin


Breminent ihn mit Haut und Haaren machen. Dafür war ich noch nicht bereit. Aber auch so wird Ihnen sicher nicht langweilig: Werder-Aufsichtsrat, Mitarbeit in einer Sportmarketing-Agentur, Tätigkeiten in der TV-Branche. Welche Projekte stehen gerade an? Das Sportmarketing und die TV-Produktionen sind zwei Anker in meinem beruflichen Leben. Ich arbeite gerade an einem Kinderfernsehformat, bei dem das Thema Klimawandel auf ungewöhnliche Art aufbereitet wird. Das läuft aber immer projektbezogen, keine Woche gleicht der anderen. So bleibt Luft für weitere Dinge: ein Buchprojekt, das aber noch in der Planungsphase ist, oder die Organisation des One Nation Cup – einem Turnier für internationale Jugendfußballteams, das im Mai in Bremens türkischer Partnerstadt Izmir stattfindet. Insbesondere die Arbeit mit Kindern macht mir Spaß, denn im Geiste bin ich selbst noch ein kleiner Junge, der gern spielt und knifflige Zahlen-Rätsel löst.

„Bremen ist die goldene Mitte“ Rekordtorschütze, fairster Spieler, Europameister und Vize-Weltmeister – Marco Bode war fast sein gesamtes Fußballerleben Werderaner und blieb auch danach Wahl-Bremer. Im Schatten des Weserstadions plauderten wir mit ihm über Lieblingsorte, aktuelle Projekte und kritische Taxifahrer.

Interview Bastian Korte

H

err Bode, als Sie vor knapp 25 Jahren von Osterode am Harz nach Bremen kamen, wie war da Ihr erster Eindruck von der Stadt? Ich bin ja auf dem Land aufgewachsen. Bremen erschien mir daher zwar groß, aber mit dem Charme einer Kleinstadt – das gefiel mir. Es gibt sicher dynamischere Städte, aber das hat ja auch etwas Gutes. Denn so bewahrt sich die Stadt ihre Konstanten. Bürgerpark und Marktplatz zählen nach wie vor zu den schönsten in ganz Deutschland. Und meine frühere Lieblingskneipe, das Litfass, gibt es auch immer noch.

So wie Sie dem Verein Werder treu geblieben sind, ist es nach Ihrer aktiven Karriere auch mit der Stadt Bremen. Gab es nie Fernweh? Ich habe natürlich viele Städte auf der Welt bereist. Aber hier zu leben war eine bewusste Entscheidung, bei der auch meine Frau und meine Tochter ein gewichtiges Wort mitgeredet haben. Auch nach all den Jahren nehme ich Bremen als sehr lebenswerte Stadt wahr, die sich deutschlandweit nicht zu verstecken braucht. Das Wetter ist nicht gut, aber auch nicht so schlecht, wie viele immer sagen. Werder ist nicht reich, aber auch nicht arm. Diese goldene Mitte macht Bremen aus. Bei einer Begrüßungsrede vor über 1.000 Erstsemestern der Uni Bremen habe ich mal gesagt: Bremen ist so großartig dank seiner Mittelmäßigkeit! Das mag sicher provokant klingen, aber darin steckt ja auch eine gewisse Balance, die wichtig ist. Ende des letzten Jahres hätten Sie Geschäftsführer Sport bei Werder werden können. Froh, dass sich mit Thomas Eichin doch noch ein anderer für die vorderste Reihe gefunden hat? Sagen wir mal so: Hätte ich mich ernsthaft darum bemüht, wäre die Chance sicher da gewesen. Aber einerseits hatte ich mich gerade für eine Tätigkeit im Aufsichtsrat des Vereins entschieden, andererseits führe ich derzeit ein Leben, in dem Privates und Berufliches gut ausbalanciert sind und ich Freiheiten habe. So attraktiv ein ManagerPosten in der Bundesliga auch ist, man muss

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Apropos Zahlen: Parallel zur Ihrer Profikarriere haben Sie Mathematik und Philosophie studiert. Eher ungewöhnlich, oder? Schon, aber mir hat es geholfen. Eine Niederlage bekommt eine ganz andere Bedeutung, wenn man mal über den sportlichen Tellerrand hinaus blickt. Vielleicht wäre ich Mathelehrer oder Statistiker geworden, wenn es mit dem Fußball nicht geklappt hätte. Vor dem Tor hilft nachdenken aber eher weniger. Wurden Sie von Kritikern deshalb zu Beginn Ihrer Laufbahn als „Chancentod“ betitelt? Heute sind Sie mit 101 Treffern in 379 Bundesliga-Spielen Rekordtorschütze des Vereins. Ein Gerd Müller-Typ war ich nie, habe aber auch die meisten meiner Spiele im Mittelfeld bestritten. Ein Taxifahrer sagte mal zu mir: „Herr Bode, Sie haben zwar viele Tore erzielt. Aber für jedes Geschossene fällt mir mindestens eine Szene ein, wo Sie noch eines hätten machen müssen.“ Darüber kann ich natürlich schmunzeln, denn er hatte ja Recht. Wenn es zu einfach war, dann habe ich halt vorbei geschossen (grinst). 2002 haben Sie die Fußballschuhe an den Nagel gehängt. Juckt es heute noch in den Füßen, wenn Sie auf der Tribüne sitzen? Eigentlich nicht. Vor ein paar Jahren war das noch etwas anders: Wenn da das Flutlicht anging, die Menschen in grün-weiß Richtung Stadion strömten und diese besondere Stimmung in der Stadt herrschte, dann war da schon noch mal dieses merkwürdige Grummeln im Bauch.


Mittach!

Früher war alles besser

anschauungskriege befeuerten. Wissen ist Macht, das steht seit dem 16. Jahrhundert fest.

Eine Kolumne von Thorsten Nordberg

App statt Brockhaus

M

itten in der Innenstadt, gut versteckt in der Wandschneiderstraße: Das Amt, ein Café eingerichtet im Stil eines 1950er Jahre-Büros. Ich versinke in einem plüschigen Sessel, während mein sechsjähriger Sohn bedächtig alte Behördenstempel ausprobiert und beiläufig bemerkt, dass früher die Telefone ja schon anders ausgesehen haben. Ach, Kind! Wenn es doch nur die Telefone wären! Ich will gerade ansetzen zur „Früher-war-alles-besser-Litanei“, als eine Ofentür plötzlich von selbst mit Piepsen aufgeht und der Raum von Käsekuchenduft durchzogen wird. Früher, ach ... Der nostalgische Idealist in meiner Brust souffliert mir, dass früher die Forschung und die Wissenschaft noch dem reinen Erkenntnisgewinn dienten. Bevor all die Erfinder und Wissenschaftler vor den Bonzenschlitten des Kapitals gespannt wurden. Wobei ja fraglich ist, ob das besser war. Zum Beispiel zu der Zeit, als Kopernikus und Galilei durch Spekulation und Fakten einzig religiöse Welt-

Und verdient der Herr Brockhaus jetzt eigentlich auch noch genug, wo wir doch per App jeden Informationsbedarf auf dem Klo nachwikipedieren? Es spart Zeit!, raunt mein innerer effizienter Realist. Heute müssen wir vor allem die Kunst der Suchanfrageformulierung beherrschen. Überhaupt: Lässt nicht der Besitz eines Smartphones optisch die Standeszugehörigkeit verwässern? Aber was sind schon frühere Milieumarker; die S-Klassengesellschaft erledigt den Wocheneinkauf ja auch gerne bei Aldi. Und kocht dann zu Hause die neuesten Rezepte aus einer der unzähligen Kochsendungen nach, wohingegen früher ein hässliches Foodfoto im Kochbuch nicht gerade den Appetit angeregt hat. Ach, es ist so widersinnig: Früher gab es viel weniger Vegetarier, doch der Fleischverzehr heutzutage befindet sich auf einem Rekordhoch. Früher, da wäre ein Frutarier für eine Erfindung von Loriot gehalten worden und Bio war nur ein Schulfach. Überhaupt, die Bildung! War die nicht früher auch viel

besser? Das Fernsehprogramm: Opium fürs Volk! Die sonntägliche Beichte ist dem öffentlichen Armstrongeln durch Talkshows gewichen. Und heute weiß doch kein Jugendlicher auf der Straße mehr, wer Roosevelt oder Rummenigge waren.

Früher: Kännchen-Plörre, heute: Latte Macchiato Apropos Fußball: Früher waren die Stadien viel leerer als heute. Cleveres Marketing oder Spiegel des gesellschaftlichen Wunsches nach mehr Nähe und Miteinander, wenn schon die Arbeitsprozesse automatisiert und entmenschlichter vonstattengehen? An der erfolgreichen Elf kann es – zumindest in Bremen – nicht liegen. Allerdings gab es früher noch keinen Latte Macchiato, sondern so Kännchen-Plörre. Und da fällt mir ein schöner Aphorismus ein: Jede gute alte Zeit war früher eine schlechte neue Zeit. Dass die Ofentür automatisch aufging, wurde übrigens von Amts-Inhaber Arndt Forquignon scharf kritisiert: Käsekuchen. Der fällt zusammen, wenn er zu früh belüftet wird.

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Unterwegs mit …

Mitte – Das Bremer Citymagazin

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Unterwegs mit …

Der Hüter des Lichts Rathaus-Hausmeister Jens Liermann im Porträt

Text Jessica Renziehausen

G

ezählt hat er sie noch nicht, die Glühbirnen in den diversen Leuchtern des Bremer Rathauses, aber er weiß, dass es ziemlich viele sind. Schließlich ist er dafür zuständig, die defekten auszuwechseln. Jens Liermann ist einer von zwei Hausmeistern im UNESCO-Weltkulturerbe, Bremens historischster Arbeitsstätte zwischen Protokoll, Politik und sehr viel Patina. Der Arbeitstag beginnt für Jens Liermann morgens um fünf Uhr. Mit Respekt und Stolz führt er durch die ehrwürdigen Räumlichkeiten des Rathauses. Der gelernte Stahlbauschlosser arbeitet hier seit Ende 2000 und ist zuständig für reibungslose Abläufe bei Veranstaltungen und das, was sich so profan Haustechnik nennt – bei einer Arbeitsstelle wie dieser jedoch eine abwechslungsreiche wie auch logistische Herausforderung ist. „Von Oktober bis zu den Neujahrsempfängen und dem Schaffermahl ist hier richtig was los“, so Liermann, „da bewegen wir zu zweit bestimmt 500 Stühle und 130 Tische am Tag.“ Zum Glück gibt es im Rathaus nicht nur schöne Treppen, sondern auch einen Lastenaufzug. Ohne diesen wären die umgebaute Tisch-Transportkarre oder die Hebebühne zum Auswechseln von Glühbirnen in übermenschlicher Deckenhöhe gar nicht in die verschiedenen Stockwerke zu bugsieren.

Fotos: Kay Michalak

Kaputte Stühle und verstopfte Leitungen Jens Liermann durchquert die prunkvollen Säle und verwinkelten Flure schnellen Schrittes, es gibt gemäß des Tagesprotokolls immer etwas zu tun. Was Besuchern der Güldenkammer zunächst den kunstlüsternen Atem verschlägt, ist für den Hausmeister alltägliche Arbeitsumgebung. Sein Blick fällt schnell auf die Fehler im Bild: Da ein Stuhl mit kaputter Lehne, dort eine angestoßene Ecke an einer Holzvertäfelung. „Das ist ein denkmalgeschütztes Haus, wo viele sensible Arbeiten anfallen. Das wird natürlich extern an einen Tischler vergeben; andere Installationsarbeiten auch.“ Er selbst darf allerdings noch an genug Stellen Hand anlegen, zum Beispiel in den Büros, in denen es Waschbecken gibt. Dort verstopfen öfter mal die Leitungen. „Teilweise sind die Leitungen hier noch aus Blei, dort, wo die Arbeitsräume über 100 Jahre alt sind.“ Oder aber die Glühbirnen: „Da kommt noch was auf uns zu. Einen Leuchter im Foyer haben wir bereits mit LEDs bestückt, aber das Licht sieht schon anders aus. Noch haben wir einen Glühbirnenvorrat, aber irgendwann …“, munkelt der versierte Techniker.

In einer anderen Etage läuft Herrn Liermann der Bürgermeister über den Weg. „Gehört dazu“, meint er und erwidert den freundlichen Gruß im Vorbeigehen. Es sind ohnehin viele Menschen im Gebäude unterwegs; gerade stürmt eine Studentengruppe mit Rathausführer den Senatssaal, während anderswo eine Pressekonferenz abgehalten wird. „Ich möchte diesen Job gerne bis zur Rente machen. Früher war ich auf Montage, aber dann habe ich etwas Festes vor Ort gesucht, wegen meiner Kinder“, berichtet Jens Liermann und fügt stolz hinzu, dass er, ein agiler Jahrgang ’66, bereits Opa ist. „Wenn ich am Wochenende alleine im Rathaus bin, ist es so still, da hört man jedes Knarzen des Holzes und sogar das Uhrwerk, das ist fast gruselig.“

Mit Udo Lindenberg in der Güldenkammer Besonders aufwändig sind stets die Vorbereitungen für Silvester: Vier Feuerwehrmänner halten Brandwache im Gebäude, dazu arbeiten noch ein Nachtwächter und der Hausmeister – bis 2:30 Uhr am Neujahrstag. Prophylaktisch werden im Gebäude Schläuche ausgerollt; die Feuerwehr ist ständig per Funk verbunden. Doch es sind gerade die unterschiedlichen Anlässe und damit verbundenen Tätigkeiten, die Liermann den hausmeisterlichen Horizont erweitern: „Ich stand mal neben Udo Lindenberg in der Güldenkammer.“ Oder das Werder-Double 2004. Da kam die Mannschaft ins Rathaus und jubelte vom Balkon herunter. Liermann grinst vorsichtig und erzählt: „Da hatten wir etwas Angst um die Einrichtung. Es floss ja reichlich Alkohol. Wir haben vorher den Teppich eingerollt und die guten Stühle zur Seite geräumt, das sind schließlich Kunstwerke.“ Neben den Glamour-Erlebnissen passieren aber natürlich auch einmal Fehler. Wie die Geschichte mit der Bremer Staatsflagge, die von der Reinigungsfirma seitenverkehrt an den Karabinern befestigt wurde und dann eben falsch herum im Wind wehte. Liermann erinnert sich: „Da fuhr morgens um sechs ein aufmerksamer Bürger mit der Straßenbahn vorbei und hat gesehen, dass der Löwe verkehrt herum hängt und dann hier angerufen. Um acht Uhr hing die Flagge dann richtig. Aber zu der Uhrzeit kommt hier sowieso noch kein Botschafter vorbei.“

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100 Jahre Neues Rathaus

Ist die Rede vom Bremer Rathaus, denken viele auf Anhieb an seine beeindruckende Front mit den Balkonen und Säulen Richtung Marktplatz. Doch direkt hinter dem altehrwürdigen Gotik-Bau von 1405 schmiegt sich fast nahtlos ein weiteres Gebäude an, das von vielen Bremern gar nicht als eigenständiger Komplex wahrgenommen wird: das Neue Bremer Rathaus. Es beherbergt Festsaal, Kaminsaal, Gobelinzimmer und Senatssaal und feierte im Januar 2013 seinen 100. Geburtstag. Nicht von ungefähr bezeichnete Bürgermeister Böhrnsen das Neue Rathaus jüngst als „selbstbewussten Ausdruck bremischen Bürgerstolzes“.

Mitte – Das Bremer Citymagazin


Seinerzeit

Die größte Flasche der Stadt Das Lloydgebäude war das größte neuzeitliche Bauwerk der Hansestadt. Auf dem Grund von Galeria Kaufhof und dem Parkhaus Mitte stand bis Anfang 1969 die ehemalige Zentrale des Norddeutschen Lloyd. Einzig der Name „Lloyd Passage“ erinnert noch daran.

Text Gerrit Reichert

Das Lloydgebäude in einem Gemälde von Otto Bollhagen, gezeichnet etwa um 1912. Das Bild hing bis zum Abriss des Gebäudes im Jahr 1969 in der Eingangshalle. Weithin sichtbar: der im Volksmund „Flasche“ genannte Turm.

E

in eigenes Elektrizitätswerk. Millionen Pfunde Gemüse, Mehl, Grütze, Brot, Gebäck, Zucker, Kaffee, Schokolade, Kartoffeln, Milch, Früchte, Zigarren. Jährlich 300.000 Flaschen Wein und 500.000 Flaschen Mineralwasser, dazu zwölf Millionen Pfund Fleisch- und Wurstwaren, eine Million Fische, 13.000 Pfund Schildkröten, 160.000 Pfund Meerestiere. Das nur im Keller. Darüber die Passagierabfertigung, Proviantannahme, Wäscherei, Büros und Direktorenzimmer, drei Hauptstockwerke hoch. Der imposante Giebel und der Turm, vom Volksmund bald „Flasche“ getauft, begrenzten das

Lloydgebäude nach oben. Anfang Juni 1910 wurde nach neunjähriger Bauzeit zwischen Papenstraße, Pelzerstraße und Großer Hundestraße das Verwaltungsgebäude des Norddeutschen Lloyd bezogen. Der „mächtigste und imposanteste neuzeitliche Profanbau Bremens“ – so damals nachzulesen – war entstanden.

Italienischer Marmor und schwarzer belgischer Granit Die 500.000 Passagiere, die alljährlich auf den insgesamt 100 Lloydschiffen von

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Bremerhaven aus in alle Welt dampften, registrierten sich zunächst hier. Dabei erzählten ihnen die kunstvollen Reliefs an der Außenfassade von der Geschichte der „Weltreederei“ Norddeutscher Lloyd. Im Inneren betraten sie eine 22 Meter hohe Eingangshalle und wandelten auf weißem italienischen Marmor, schwarzem belgischen Granit und Treppenstufen aus gelbbraunem sardinischen Marmor. Die zwei Weltkriege trafen den Norddeutschen Lloyd empfindlich. 1942 verkaufte er schließlich sein Hauptgebäude an die AG


Seinerzeit

Wegweiser

Die Schalterhalle um 1910: Für jährlich 500.000 Passagiere begann die Reise mit einem Dampfer des Norddeutschen Lloyd hier mit der Registrierung. Anschließend ging es mit dem Lloyd-Zug weiter nach Bremerhaven.

Weser, Anfang Oktober 1944 wurde es von Brandbomben getroffen. Nebenan, in der Pelzerstraße 15, wurde dabei das Traditionslokal „Remmer Bierstuben“ vollständig zerstört. Weil das Lloydgebäude den Krieg in ähnlichem Zustand wie sein Nachbar Karstadt überstanden hatte, bezogen die „Remmer Bierstuben“ 1949 den Keller. Das Remmer-Bier mit einem Schuss SeefahrtMalz und die „Fass-Ablösung“ mit dem viermaligen Schlag einer Schiffsglocke waren weit über die Grenzen Bremens hinaus bekannt. In den drei Stockwerken darüber quartierte die Stadt die Bauverwaltung mit über 1.000 Mitarbeitern ein. Weil die Mittel zur Substanzerhaltung fehlten, wurden im Sommer 1953 die hoch aufragenden Giebel und der markante Turm, die „Flasche“, entfernt. Fünfzehn Jahre später kaufte der Düsseldorfer Horten-Konzern Gebäude und Grundstück. Nacheinander verließen ab

Spätsommer 1968 die Bauverwaltung und die „Remmer Bierstuben“ das Gebäude. Zuletzt räumte sein Erstbesitzer, der Norddeutsche Lloyd, sein im Keller verbliebenes Weindepot. Im Februar 1969 wurde das Lloydgebäude abgerissen, auf seinem Grund entstand das größte Horten-Kaufhaus der Bundesrepublik. Jeder Bremer, der wollte, konnte sich von der Großbaustelle Materialien des zerlegten Gebäudes mitnehmen. Im Focke-Museum Bremen lagern so noch einige Reliefs, die Fliesen des Direktoren-Waschraumes überlebten in einer Küche irgendwo im Schnoor. Mit ihrer Eröffnung am 30. April 1990 wurde der Name „Große Hundestraße“ durch „Lloyd Passage“ ersetzt. Mit ihr kehrte ein Stück Erinnerung an genau die Stelle zurück, wo einstmals Bremens maritimer Stolz sein Zuhause hatte.

Die Bremer Innenstadt – das ist nicht nur Shopping-Zentrum, sondern auch historisch gewachsener Stadtkern. Zahlreiche Straßennamen sind Zeugen dieser langen Geschichte. Doch was steckt hinter Bezeichnungen wie etwa der Knochenhauerstraße? Bereits im Jahr 1374 tauchte die Knokenhowerstrate in Urkunden auf. Sie ist nicht nur örtlich eng verbunden mit der benachbarten Sögestraße. Die Schweine der dort ansässigen Bauern wurden nämlich ein paar Meter weiter – der Name war Programm – geschlachtet. Knochenhauer ist eine veraltete Bezeichnung für Fleischer, von denen es in der Straße im Mittelalter zahlreiche gab. Heutzutage können Bremer und Touristen an diesem Ort vielfältigen Einzelhandel und Geschäfte mit besonderem Ambiente erleben: Zeitung lesen bei einem Stück Torte im Café Stecker, danach exklusiv Shoppen im Schuhhaus Gabor oder dem Wäschehaus Siemer – all das geht in der Knochenhauerstraße.

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Mitte – Das Bremer Citymagazin


Zu guter Letzt

„Mit einer Tasse Tee den Lärm der Welt vergessen“ Ein Gespräch mit Jutta Gaeth, Inhaberin des Schnoor-Handelskontors, über Bremens historisches Altstadtviertel, die schönen Dinge im Leben und über das Herz der Hansestadt.

Interview Daniel Günther

Was bedeutet Schnoor für Sie, Frau Gaeth? Um mal beim Namensursprung zu bleiben: Die Häuser des Schnoorviertels sind für mich Perlen an einer Schnur. Hier finden Sie ausschließlich inhabergeführte Geschäfte, die wirkliche Spezialitäten und Besonderheiten anbieten, keine Filialen großer Ketten. Dazu die gute Gastronomie. Und das alles im einmaligen Charme der mittelalterlichen Bauweise.

Foto: Kay Michalak

Jutta Gaeth (59) wuchs in einer Unternehmerfamilie in der Neustadt auf. Gemeinsam mit ihrem Vater führte die gelernte Industriekauffrau das Familienunternehmen und entdeckte schließlich den Schnoor für sich.

Kommen die Bremer eigentlich zum Einkaufen in den Schnoor? Zu uns auf jeden Fall. Ich würde sagen 40 Prozent meiner Gäste sind Bremer und der Rest kommt aus aller Welt. Der Mix ist auch das, was es spannend macht. Schließlich gleicht hier kein Tag dem anderen, denn Regelmäßigkeit gibt es hier kaum. Manchmal nehmen das Wetter und Ausstellungen in der Kunsthalle zwar Einfluss auf den Besucherstrom, aber im Grunde dürfen wir jeden Tag und jede Minute mit Gästen rechnen. Sie sind fast jeden Tag hier, haben Sie da noch den Blick für das Besondere des historischen Viertels? Ja, absolut. Ich genieße es immer wieder den Blick die Giebel hoch schweifen zu lassen, das Kopfsteinpflaster unter den Füßen zu spüren. Zudem pflegen wir hier eine gute Nachbarschaft, die dazu beiträgt, dass ich mich hier wohlfühle. Wie sind Sie denn eigentlich zu dem Geschäft hier gekommen? Ich führte schon ein paar Jahre lang das Geschäft in der Straße Wüstestätte 9 und schließlich ergab sich die Gelegenheit, direkt nebenan in der Wüstestätte 1 das Teehaus zu übernehmen. Das Haus aus dem Jahre 1670 war in der Vergangenheit ein Witwen- und Waisenhaus, eine Tischlerei und nun ist es seit gut 50 Jahren Teehaus. Als Inhaberin des Schnoor-Handelskontors haben Sie sich den schönen Dingen verschrieben. Was ist die Idee dahinter? Meine Kunden sollen sich hier wohlfühlen und bei einer Tasse Tee den Lärm der Welt vergessen. Sie finden hier jene schönen Dinge, die sie einmalig kaufen, aber auch Produkte, die sie aufbrauchen

Mitte – Das Bremer Citymagazin

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und nachkaufen. Den Tee gab es ja hier bereits und ich habe im ersten Schritt einen Bremer Kaffee ins Sortiment aufgenommen. Das kam gut an und so finden Sie hier heute Porzellan, Schmuck, beispielsweise aus Worpswede, Taschen und Accessoires, aber auch Kleidung – Naturprodukte, vorwiegend aus Deutschland. Wobei Natur nicht öko und langweilig heißt, sondern individuell und chic. Bei allem was wir verkaufen, ist mir wichtig, was dahinter steckt. Es sollte stets etwas zum Entdecken sein und die Qualität muss stimmen. Hat der Internethandel eigentlich Einfluss auf Ihr Geschäft? Natürlich kaufen die Menschen heute vieles im Internet. Das ist auch in Ordnung. Aber es gibt eben auch Dinge, die müssen wir live einkaufen, sie fühlen, riechen und ausprobieren. Ich nenne das „sinnliches Einkaufen“. Und genau das ist es, was den Schnoor ausmacht. Stichwort City: Es wird viel geredet und geplant. Was macht die Innenstadt in Ihren Augen attraktiv? Die Besucher müssen erfahren, dass es hier nicht nur ums Shoppen geht. Hier steht das Weltkulturerbe, hier treffen Sie den Bürgermeister auf dem Markt und schauen an der Schlachte in den Sonnenuntergang. Bremen ist eine Stadt mit einem Herzen, einem Mittelpunkt von dem alles ausstrahlt. Worauf kommt es denn an, damit die City auch künftig dieser Mittelpunkt bleibt? Die gute Stube will gepflegt werden, denn sonst verstaubt sie. Wir brauchen hier einen guten Mix im Einzelhandel, mit mutigen Unternehmern, die Geschäfte führen und damit eine Alternative zu den Konzernen bilden. Die viel besprochenen Bauvorhaben wie das Citycenter müssen angegangen werden. Aber vor allem sind die Verbindungen zwischen den Stadtteilen wichtig! Ganz gleich, ob Weser, Überseestadt oder Fedelhören. Sie alle müssen besser mit der Innenstadt verbunden werden, denn dies sind die Perlen, die einer Kette ihren Glanz verleihen.


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Mitte Frühjahr 2013