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MIT A NACH B

Mit dem ersten afrikanischen Geländewagen, dem Mobius, durch die Wildnis zum Kenyatta Kongresszentrum, dem schönsten Gebäude in Nairobi VON NIKLAS MAAK

Wir bleiben dabei, dass das SUV die unsinnigste Erfindung in der an Unsinn nicht armen Geschichte des Automobils ist. Das SUV ist schwer, hässlich, gefährlich für alle normalen Autos, deren Fahrer sich auf Stoßstangenhöhe des SUV befinden, und gefährlich auch für SUV-Fahrer, nicht umsonst steht in jedem amerikanischen Miet-SUV die Warnung „Higher Roll-over-Risk“. SUVs zeugen von einem wahlweise bräsigen oder ängstlichen Verhältnis des Fahrers zur Welt: Er kauft ein SUV, weil er es bequem haben und sich nicht die Mühe machen will, sich beim Einsteigen leicht nach unten zu beugen – dafür muss er dann nachher mehr Übungen bei der Reha machen. Er glaubt, auf einer Straße, auf der drei Blätter liegen, könne man ohne Allradantrieb nicht durchkommen. Er glaubt, dass man die anderen Verkehrsteilnehmer besser mit einer rollenden Stahlfaust einschüchtert, wenn man sicher durch die Stadt kommen will, und dass man dafür einen höheren Verbrauch in Kauf nehmen muss. Wer sich selbst der Welt als faul, ängstlich oder asozial vorstellen möchte, muss sich nur einen neuen Audi Q8 vor die Tür stellen, ein psychotisches Auto, das auf bewundernswert entschlossene Art und Weise

All das heißt nicht, dass es nicht Gegenden in der Welt gäbe, in denen es sinnvoll ist, ein wirklich robustes Auto mit Stollenreifen und größerer Bodenfreiheit zu fahren. Zu diesen Gegenden der Welt gehören große Teile Ostafrikas – und genau dort kann sich kaum einer ein SUV oder einen Land Rover leisten. Stattdessen werden schiffslieferungsweise all die klapperigen Mittelklasse-Toyotas mit gigantischen Laufleistungen, die in Europa und Japan niemand mehr haben will, nach Mombasa verschifft und dort für nicht wenig Geld – um die 10.000 Dollar – verkauft und von den Kenianern über matschige Pisten und durch tiefe Schlaglöcher gesteuert, wo sie nicht selten komplett auseinanderfallen. Diese Situation erlebte auch ein junger Informatiker namens Joel Jackson, als er als junger Mann für ein Jahr nach Afrika ging, um irgendwas Gutes zu tun; nach ein paar Wochen in denkbar ungeeigneten, scheppernden Mittelklasselimousinen auf Pisten, die in der Regenzeit eher Flüssen ähneln, kam ihm eine Idee, für die er in der Forbes-30-unter-30-Liste und von Wired als Visionär gefeiert wurde und die ihn zu einer Art Elon Musk von Afrika werden ließ. Er beschloss, anders als dieser, kein Elektroauto zu bauen, das sich nur die Upper Crust von

die Nachteile eines Geländewagens im Straßenverkehr (schwer, unübersichtlich) mit denen eines normalen Autos im Offroad-Einsatz (versinkt auf dem matschigen Acker dank breiter Sportreifen) vereint.

Ökohipstern in den Metropolen der Ersten Welt leisten kann, sondern ein Auto für alle, entwickelt in Afrika mit internationalen und kenianischen Ingenieuren. Ein Auto, das zum gleichen Preis eines zehn Jahre alten abgerockten Honda alles

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DEAR 03 | 2018 | Kollektiv A  

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