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Lifting

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L fting


Einleitung

Frische Bergluft, unberührte Natur, das Knirschen des Schnees unter den Füßen, ein endloser Blick bis zum Horizont, die Stille als Ruhepol, aber auch eisige Pisten, endlose Staus, lange Liftschlangen, teure Skipässe, extreme Wettersituationen und Lawinen. Das kommt uns in den Sinn, wenn wir versuchen zu beschreiben, wie wir einen Tag in den Bergen erlebt haben. Das sind die Schönheiten und die Kehrseiten der Bergwelt. Zwischen diesen Seiten arbeiten Menschen, die uns als Touristen, Skifahrer, Snowboarder oder Wanderer kennen. Sie sind das Zahnrad in einem komplexen Zusammenspiel von Seilbahnen, Wettersituationen und Bergbegeisterten, ohne die es kaum möglich wäre, in die schönsten Flecken der Berge zu gelangen. Sie sorgen für gut präparierte Pisten, zufriedene Gäste, funktionierende Liftanlagen und gewähren die Sicherheit, die einen Tag am Berg zu einem unvergesslichen Erlebnis machen.

Aus den geführten Interviews ließ sich immer wieder erkennen, dass die zunehmend ausgereiftere und komplexer gewordene Technik der Liftanlagen zwar ein qualitativer Fortschritt ist, jedoch die Liftangestellten mehr und mehr von den Bergbegeisterten isoliert werden, da die Technik wichtiger geworden ist, als der Mensch. Zudem führt der hohe Kapitalaufwand für die Technik zu steigenden Liftkartenpreisen und die Liftbenutzung wird in Zukunft eine finanzielle Frage sein. Ebenfalls erkennbar ist der zunehmende Anspruch der Bergbegeisterten, mehr Pistenkilometer und Komfort zu genießen, ohne Eigenverantwortung zu tragen in einer zunehmend kommerzialisierenden Bergwelt. Fernab von diesen Spuren fand ich jedoch bei jedem von ihnen den Respekt gegenüber der Natur und deren gewaltige Kraft oder um es mit den Worten eines Liftangestellten zu sagen:

»Nicht die Natur macht uns Probleme, wir machen der Natur Probleme, In der vorliegenden Arbeit wird diesen Menschen »ein Gesicht« es ist nur die Frage, wie lange wir uns das noch leisten können« gegeben und durch eine Vielzahl von Porträts von Liftangestellten aus unterschiedlichen Gebirgsregionen die Aufgabengebiete und vielschichtigen Charaktere für jedermann greifbar gemacht. Von besonderem Interesse ist für mich der Enthusiasmus des jungen Menschen, der die Aufgabe als Nebenverdienst sieht, genauso, wie der erfahrene Einheimische, dessen Lebensgeschichten Bände sprechen. Die enge Beziehung zur Bergwelt und die meist ländliche Herkunft der Michael Andreas Berger Porträtierten wirkt dabei ähnlich zusammen, wie die Größenunterschiede der Skigebiete, die sich in Lebenseinstellungen und Kleidung wieder finden. Selbst wirtschaftliche und politische Entscheidungen machen vor der noch oft unberührten Bergwelt nicht halt und sind häufig ein Spiegelbild des jeweiligen Skigebiets.


Prolog

Michael Berger ist Photograph. Der Beginn seiner Leidenschaft stand im Zeichen der Snowboardactionphotographie – die Kamera immer dabei, wenn er auf dem Brett in den Bergen unterwegs war. Gelernt hat er durch Neugierde und Ausprobieren. Schnell folgten die ersten Veröffentlichungen in Snowboardmagazinen und Auftragsarbeiten für die Sportartikelindustrie. Michael Berger jedoch war das nicht genug, er entschied sich für ein Studium an der Fachhochschule München Fakultät Photodesign. Die Lehre der Photographie noch einmal in allen Facetten von Grund auf zu lernen, das begeisterte ihn. Heute steht er kurz vor dem Abschluß seiner Ausbildung – als Photograph. Das Besondere: Nach vier Jahren ist sein Blick geschult – Technik und Wissen fundiert und das Wichtigste die Neugierde und Leidenschaft stärker den je. Für seine Bachelorarbeit macht er sich auf den Weg zurück zum Ursprung seiner Photographie – in die Berge. Diesmal suchte er nicht nach tiefverschneiten Hängen mit Pulverschnee oder spektakulärer Snowboardaction. Auf einer Reise durch 100 Skigebiete sucht er nach den Menschen, für die sich eigentlich keiner interessiert – die wie selbstverständlich schon da sind, wenn man Morgens kommt und Abends nach Hause fährt. Damit am nächsten Morgen wieder alles schön bereit steht, arbeiten Sie die ganze Nacht – die Liftangestellten.

Mit Respekt und moderner Bildsprache zeichnet er ein beeindruckendes Werk aus 30 Gesichtern. Er bringt die Lichttechnik eines Fotostudios in die Berge und modelliert mit der Blitzanlage sein gegenüber. So löst er die Menschen aus Ihrem Umfeld und stellt sie uns in natürlicher Form ins Angesicht. In Kombination mit den Zitaten werden die gesammelten Porträts zur Studie. Der Betrachter wird aufgefordert, sich mit jeder einzelnen Person zu beschäftigen und die Berge, wie auch die Gäste, sozusagen sich selber von einer unerwarteten Perspektive zu betrachten.

Richard Walch Photograph


Sebastian Trainer

Geboren 1958 Seit 1983 am Lift Gelernter Beruf: Landwirt Im Sommer: Landwirt mit eigenem Hof Anzahl der Skilifte im Gebiet: 18 Skigebiet: Spitzingsee, Deutschland

»Mittlerweile sind Snowboarder wichtige Gäste für uns«


Willi Hettlinger

Geboren 1970 Seit 2000 am Lift Gelernter Beruf: Hotelfachmann Im Sommer: Liftangestellter Anzahl der Skilifte im Gebiet: 22 Skigebiet: Stubaier Gletscher, Österreich

»Solange die Leute Geld haben, wird der Skibetrieb nicht aufhören«


Urs Giger

Geboren 1973 Seit 1994 am Lift Gelernter Beruf: Landwirt Im Sommer: Seilbahnmaschinist Anzahl der Skilifte im Gebiet: 16 Skigebiet: Flumserberg, Schweiz

»Früher gab es keine Taillierung, heute machen die Carver große Radien auf der Piste«


Guiseppe Pezzei

Geboren 1958 Seit 1988 am Lift Gelernter Beruf: Maurer Im Sommer: Maurer Anzahl der Skilifte im Gebiet: 65 Skigebiet: Skicarosello Corvara, Italien

ÂťIch vermisse die alte Zeit nichtÂŤ


Gustav Zangerle

Geboren 1947 Seit 1972 am Lift Gelernter Beruf: Bäcker Im Sommer: Liftangestellter Anzahl der Skilifte im Gebiet: 7 Skigebiet: Galtür, Österreich

»Im Sommer geh ich dem Wild nach«


Martina Bardill

Geboren 1988 Seit 2008 am Lift Gelernter Beruf: Forstwirtin Im Sommer: auf der Alm tätig Anzahl der Skilifte im Gebiet: 11 Skigebiet: Jakobshorn Davos, Schweiz

»Es ist einfacher mit Männern zusammen zu arbeiten«


Roland Pizzinini

Geboren 1969 Seit 2002 am Lift Gelernter Beruf: Landwirt Im Sommer: Landwirt Anzahl der Skilifte im Gebiet: 65 Skigebiet: Skicarosello Corvara, Italien

ÂťDie Leute sind frecher und alles muss heute schnell gehenÂŤ


Ewald Berchtold

Geboren 1965 Seit 1984 am Lift Gelernter Beruf: Zimmermann Im Sommer: Hirte auf der Alm Anzahl der Sklifte im Gebiet: 8 Skigebiet: Grasgehren, Deutschland

ÂťMit dem Schnee muss man LebenÂŤ


Peter Ranalter

Geboren 1966 Seit 1987 am Lift Gelernter Beruf: Maschinist Im Sommer: Seilbahnmaschinist Anzahl der Skilifte im Gebiet: 22 Skigebiet: Stubaier Gletscher, Österreich

»Heute meint der Skifahrer, er kaufe mit seiner Liftkarte auch das Liftpersonal«


Florian Maurer

Geboren 1977 Seit 1995 am Lift Gelernter Beruf: Einzelhandelskaufmann Im Sommer: Liftangestellter Anzahl der Skilifte im Gebiet: 8 Skigebiet: Lermoos, Österreich

»Snowboardfahrer machen den Einstieg kaputt«


Georg Lechner

Geboren 1951 Seit 1987 am Lift Gelernter Beruf: Werkzeugmacher Im Sommer: in der Gastronomie tätig Anzahl der Skilifte im Gebiet: 9 Skigebiet: Zugspitze, Deutschland

»Früher waren bis zu 7000 Leute pro Tag am Berg, heute sind es nur noch ungefähr 5000«


Alexander Eberle

Geboren 1978 Seit 1996 am Lift Gelernter Beruf: Einzelhandelskaufmann Im Sommer: Liftangestellter Anzahl der Skilifte im Gebiet: 8 Skigebiet: Lermoos, Österreich

»Die Erstbeschneiung ist das Wichtigste von allem«


Sigfried Schulz

Geboren 1936 Seit 2000 am Lift Gelernter Beruf: Architekt Ganzjährig Liftangestellter Anzahl der Skilifte in der Halle: 3 Skigebiet: Skihalle Neuss, Deutschland

»In der Skihalle gibt es keinen Schneesturm«


Alois Volderauer

Geboren 1969 Seit 1987 am Lift Gelernter Beruf: Maschinist Im Sommer: Seilbahnmaschinist Anzahl der Skilifte im Gebiet: 22 Skigebiet: Stubaier Gletscher, Österreich

»Snowboarder sind meine Feinde, auf die Arbeit bezogen«


Alfred Mück

Geboren 1962 Seit 1993 am Lift Gelernter Beruf: Elektriker Im Sommer: stellvertretender Betriebsleiter/Betriebselektriker Anzahl der Skilifte im Gebiet: 8 Skigebiet: Grasgehren, Deutschland

»Die Skifahrer sind vernünftiger geworden, das fängt schon am Parkplatz an«


Martin Hohenegg

Geboren 1980 Seit 1998 am Lift Gelernter Beruf: Dachdecker Im Sommer: Liftangestellter Anzahl der Skilifte im Gebiet: 8 Skigebiet: Lermoos, Österreich

»Das Schlimmste an der Tätigkeit sind die Suchaktionen«


Ilyas Koshani

Geboren 1980 Seit 2008 am Lift Gelernter Beruf: Schneider Im Sommer: Liftangestellter Anzahl der Skilifte im Gebiet: 3 Skigebiet: Kreithalm Leutasch, Österreich

»Ich finde das Panorama gigantisch und fremd zu gleich«


Raimund Müller

Geboren 1956 Seit 1997 am Lift Gelernter Beruf: Metzger Im Sommer: Baggerfahrer Anzahl der Skilifte im Gebiet: 7 Skigebiet: Galtür, Österreich

»Man wird fürs Sonnen bezahlt«


Hans-Peter Schmidt

Geboren 1970 Seit 2007 am Lift Gelernter Beruf: Fensterbauer Im Sommer: Greenkeeper Anzahl der Skilifte im Gebiet: 14 Skigebiet: Fellhorn, Deutschland

»Die Verantwortung ist größer geworden«


Josef Mairhofer

Geboren 1954 Seit 1977 am Lift Gelernter Beruf: Landwirt Im Sommer: Land- und Forstwirt Anzahl der Skilifte im Gebiet: 18 Skigebiet: Spitzingsee, Deutschland

»Für mich ist der Berg wie der Mensch, man hat einen gewissen Respekt, fürchtet sich aber nicht davor«


Ralph Kohler

Geboren 1962 Seit 2008 am Lift Gelernter Beruf: Hotelfachmann Im Sommer: Entwickler von Snowboardbindungen Anzahl der Skilifte im Gebiet: 4 Skigebiet: Seegrube, Österreich

»Snowboarden ist in den letzten 20 Jahren zum Fashionsport geworden«


Eriberto Costa

Geboren 1952 Seit 1966 am Lift Gelernter Beruf: Landwirt Im Sommer: Schafhirte auf der Alm Anzahl der Skilifte im Gebiet: 65 Skigebiet: Skicarosello Corvara, Italien

ÂťDie Leute sind stressiger gewordenÂŤ


Georg Kircher

Geboren 1951 Seit 1997 am Lift Gelernter Beruf: Heizungsbauer Im Sommer: in der Breitachklamm tätig Anzahl der Skilifte im Gebiet: 8 Skigebiet: Grasgehren, Deutschland

»Wir haben eine günstige Höhe«


Sebastian Astlinger

Geboren 1957 Seit 1999 am Lift Gelernter Beruf: Elektriker Im Sommer: Liftangestellter Anzahl der Skilifte im Gebiet: 14 Skigebiet: St. Johann in Tirol, Österreich

»Grundsätzlich bleibt der Schnee weiss«


Thomas Völlmecke

Geboren 1966 Seit 2006 am Lift Gelernter Beruf: Landmaschinenmechaniker Im Sommer: selbstständig im Landmaschinenverkauf Anzahl der Skilifte im Gebiet: 14 Skigebiet: Fellhorn, Deutschland

»Wir sind dafür zuständig, den Skifahrern den Stress zu nehmen«


Alois Thoma

Geboren 1947 Seit 1969 am Lift Gelernter Beruf: Seilbahnmaschinist Im Sommer: Seilbahnmaschinist Anzahl der Skilifte im Gebiet: 16 Skigebiet: Flumserberg, Schweiz

ÂťDie Leute reagieren heute viel sensibler auf KommunikationÂŤ


Eva-Maria Schulze

Geboren 1988 Seit 2008 am Lift Gelernter Beruf: Konditorin Im Sommer: Liftangestellte Anzahl der Skilifte im Gebiet: 22 Skigebiet: Stubaier Gletscher, Österreich

»Die Skianfänger sind die Amüsantesten hier oben«


Dieter Steffen

Geboren 1952 Seit 1974 am Lift Gelernter Beruf: Bergmann Im Sommer: Liftangestellter Anzahl der Skilifte im Gebiet 16 Skigebiet: Sudelfeld, Deutschland

ÂťDie Leute sind aggressiver geworden, du darfst keinem mehr was sagenÂŤ


Johannes Kronbichler

Geboren 1987 Seit 2006 am Lift Gelernter Beruf: Zimmermann Im Sommer: Liftangestellter Anzahl der Skilifte im Gebiet: 4 Skigebiet: Seegrube, Österreich

»Ich bin ein Naturfreund und mag die frische Bergluft«


Ueli Bless

Geboren 1960 Seit 1984 am Lift Gelernter Beruf: Maurer Im Sommer: Seilbahnmaschinist Anzahl der Skilifte im Gebiet: 16 Skigebiet: Flumserberg, Schweiz

ÂťIch fahre gerne SkiÂŤ


Bilanz

Gesamtkilometer: 9607 km Frostschutzmittel: 70 l Übernachtungen: 8

Sonnenmilch: 120 ml Sonnentage: 16 Schlechtwettertage: 7

Durchschnittliche Weckzeit: 6.15 Uhr Kaffeeverschleiss: 89 Becher

Wärmste Außentemperatur: 15° Kälteste Außentemperatur: -13°


Verschenkte Schnäpse: 106 Besprochene Tapes: 7 Freundlichkeit der Berggesichter: 100% Anzahl der photografierten Liftangestellten: 102 Gestellte Fragen an den Liftangestellten: 18

Gewicht des Rucksacks I (Blitzanlage und Stativ): 13,2 kg Gewicht des Rucksacks II (Kamara und Schnäpse): 11,4 kg Kamera: Canon EOS 5 D Mark I mit 50mm/f 1.4 Blitz: Elinchrom Ranger RX Speed mit A Kopf und Softbox Akkuladezeiten: 107 Stunden


Dankeschön

Ein besonderer Dank gilt meinen Eltern, meiner Freundin Daniela Lüders, Familie Lüders, Franz Birkner, Catherine Hersberger, Richard Walch, Thomas Reis, Georg Tuskany, Franz Undorf, Helge Zirkl und Jochen Bauer. Den Liftangestellten, die ich porträtiert habe mit den jeweiligen Liftgesellschaften und Sponsoren für die Unterstützung und Zusammenarbeit.

www.allrounder.de

www.sudelfeld.de


Impressum

1. Auflage 2009 editiert von Michael Andreas Berger und Daniela Lüders Prolog von Richard Walch Druckerei: Oestreicher + Wagner Medientechnik GmbH, gedruckt auf 160g Conqueror Multi Technology CX22 Buchbinderei: Ruffert, München Copyright © 2009 Alle Photos Michael Andreas Berger All rights reserved www.mitchphotography.de


Anlage


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Lifting - the heroes of the mountains  

A book about the real heroes of the mountains the "Liftler". A one year portrait work (over 60) with interviews through Switzerland, Austria...

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