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Circus Monti Zauberhafte Mischung aus Theater und Artistik Text und Interview: Maximilian Marti Der Circus Monti mit Heimathafen Wohlen gehört, wie die Rüeblitorte, untrennbar zum Kanton Aargau. Was 1977 mit dem erstmaligen Auftritt der «5 Montis» begann, damals beim in Wohlen gastierenden Circus Olympia, mutierte seit der ersten eigenen Premiere im März 1985 zum Vorzeigebetrieb. Seit 2005 unter der Leitung von Johannes Muntwyler, hat das Familienunternehmen über die Jahre einen ureigenen, prägenden Stil etabliert. Hier wird Zirkus im wahren Sinn des Wortes zelebriert: Maximales artistisches Können wird mit einem Minimum an technischem Aufwand präsentiert. Johannes Muntwyler steht als Direktor nicht marktschreierisch am Hauptportal, um zögernde Kundschaft anzulocken. In tadelloser Livree steht er dort und begrüsst sein Publikum mit der angenehmen Zurückhaltung, die das ganze Unternehmen auszeichnet, angefangen von der geschmackvoll ausstaffierten, blitzsauberen Zeltanlage über den perfekt gepflegten Wagen- und Fahrzeugpark bis hin zur «typischen Monti-Stimmung» im Chapiteau während den Vorstellungen. Jedes Jahr überraschen diese innovativen Aargauer mit einer zauberhaften Mischung aus Theater und Artisterie, wo seit einiger Zeit bewusst auf Tiere im Programm verzichtet wird. Dieses Jahr entführten 23 Artisten (inklusive Direktor) die Zuschauer mit ihrem Programm «bonjour la vie» in eine Welt voller Lebenslust, guter Laune und in Szenen, die mit poetisch anmutenden Elementen irgendwie an vergangene BohèmeZeiten in der Provence erinnerte. Musikalisch unterstützt von grossartigen Solisten, die mit klassischen Zirkusorchestern nichts gemeinsam haben, zeigten die quirligen Artisten ein fulminantes Programm, manche von ihnen mit cross-over Nummern. Tempogeladene Jonglagen, gewagte Trapez- Nummern, eine bezaubernde, offenbar knochenlose Kontorsionistin, dynamische Bodenakrobatik, ein überzeugender Roue Cyr-Athlet und vieles mehr bezauberte die Zuschauer in einer lückenlosen Revue, zusammengehalten vom roten Faden eines 5-Meter-Akkordeons. Nach der Vorstellung fragte ich den Hausherrn: 24

Johannes Muntwyler, Direktor des Circus Monti

Herr Muntwyler, war die Saison zufriedenstellend? Danke, durchaus. Erfreuliche Besucherzahlen in den Vorstellungen versprechen eine gute Bilanz. Besonders positiv angekommen sind auch die Event-Angebote für Privatanlässe. Unser Angebot «Ferien im Circus» findet vor allem bei Familien grossen Anklang und war praktisch ausgebucht. Wir hatten überall prima Kritiken und sind alle gesund, was will man mehr? Natürlich können wir auf den Lorbeeren nicht ausruhen, die Planung für die Saison 2015 ist bereits in vollem Gang. Mit dem Angebot «Ferien im Circus» lassen Sie unerfüllte Träume wahr werden. Welche unerfüllten Träume haben Sie? Die meisten meiner Träume sind mit dem Erfolg unseres Familienunternehmens wahr geworden. Es war ein hartes Stück Arbeit, das von uns allen praktisch jede Minute und alle Fasern forderte. Jetzt träume ich davon, ab und zu echte Freizeit zu haben, die ich zusammen mit meiner Familie verbringen kann. Zeit, die mit dem Unternehmen nichts zu tun hat, Zeit, die wirklich uns gehört. Im Weiteren träume ich davon in einigen Jahren nur noch das zu machen, was ich wirklich will und davon nur soviel ich will. Das mag ein bisschen egoistisch tönen, aber in Träumen ist das sicher erlaubt. Nebst vielen anderen Gründen stellen wir aus diesem Grund auf nächstes Jahr unser Tournéekonzept massiv um.

Und konkrete Pläne? In Zukunft werden wir deutlich kürzer auf Tournée gehen und nur noch Orte besuchen die ein mindestens einwöchiges Gastspiel zulassen. Das reduziert den Arbeitsaufwand des ganzen Teams massiv und lässt uns wieder mehr Zeit für Kreatives und Privates. Daneben übernehmen wir im Januar 2015 die Zirkus und Zeltvermietung Alfred Nock AG. Wir werden rund 30 Zircuszelte in diversen Formen und Grössen im Angebot haben und auch an Events wie dem Humorfestival Arosa, dem Gurtenfestival, dem Paléofestival oder «Zermatt unplugged» Zelte aufbauen.

Johannes Muntwyler in der Manege

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Best of Aargau 8. Ausgabe 2014/2015  
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