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Peach «unplugged» Text und Interview: Maximilian Marti Der 15. Oktober 2027 ist in über 8000 Agenden reserviert, man trifft sich an einer Geburtstagsfeier im Zürcher Hallenstadion. Notiert wurde das Datum erstens von Liebhabern lebensnahen Humors, die wie ich auch über 18 Jahre auf diesen Abend gewartet haben werden, zweitens von den dankbaren Vertretern der Institution, welcher der Ertrag dieses Benefiz-Events, (Wohltätigkeits-Veranstaltung) zufliessen wird und drittens hoffentlich auch vom Jubilar, Initiator des Anlasses und Mann auf der Bühne selbst: Peach Weber. Die geniale Idee, seinen 75. Geburtstag mit dem längsten Vorverkauf in der Geschichte zu kombinieren bringt ihm locker den zweiten Weltrekord, den ersten holte er sich schon, als schwerster Pfirsich (Peach) der Welt. Bereits sind über 8 000 Eintritte verkauft – und schon werden Pläne zur Vergrösserung der Halle diskutiert. Als besonders erfreulich wird die Gelegenheit empfunden, sich ausgiebig in Vorfreude marinieren zu können. Der Aargauer Kult-Komiker ist aufgrund seiner unprätentiösen Auftritte für viele eine Reizfigur. Verschanzt hinter einem Notenständer, gestützt von seiner Gitarre, bringt er seine ulkigen, träfen Sprüche und Gassenhauer, auch mal mit aufmunternden Rufen ins Publikum, doch gefälligst wach zu bleiben. Wer sich selbst ab und zu durch den umgekehrten Feldstecher betrachtet, dann wieder zur Lupe greift um das Leben in voller Grösse zu sehen, wird von PW bestens bedient. Als Fundus im komischen Fach dienen dem Ex-Lehrer das für diesen Beruf nützliche Allgemeinwissen, die Erfahrungen mit Schülern und Eltern und die Gelassenheit, die ihn vieles davon mit Geduld ertragen liess. Solche Qualitäten stechen bei jedermann wohltuend ins Auge. Aber vom gesamten Schaffen des bärtigen Barden, Buchautors und Komödianten bekommt das Publikum bei seinen Auftritten gerade mal soviel mit wie von einem Mords-Donner Eisberg in den Lofoten: nur seine Spitze. Im unsichtbaren Teil verbirgt sich der ernsthafte Denker, aufmerksame Beobachter, kritische Analytiker, Humor-Philosoph und spannende Gesprächspartner Peter Weber.

Auf die Frage «Was hat sich in der Szene in all den Jahren verändert, seit Du auf der Bühne stehst?» antwortet er auf seine charakteristisch gemächliche Art: Das Tempo. Heute lebt und spricht man viel schneller als vor zwanzig Jahren. Aufzeichnungen meiner Programme von damals im Vergleich mit aktuellen Aufnahmen beweisen, dass auch ich erschreckend an Tempo zugelegt habe. Zum Beispiel machte Kurt Felix früher einmal in seiner legendären Sendung Teleboy mit mir ein viertelstündiges Interview, heute unvorstellbar. Verändert hat sich auch die Angebotsdichte. Alles wird zum Event gemacht. Jeder See hat bald eine Seebühne. Die Schwemme von Gross-Anlässen als Open-Airs, das alles hat es früher nicht gegeben, weil die Vernunft noch vor der Hoffnung stand, was blindes Vertrauen in unsere Wetterverhältnisse betrifft. Nun, ein paarmal hat’s ja auch geklappt, aber der Sommer 2014 lehrte uns wieder Demut. Bedauerst Du diese Entwicklung? Entweder man macht sie mit oder man ist weg vom Fenster. Gemütlicher war’s schon, und etwas überschaubarer auch, als noch nicht alles gratis im Internet zu haben war. Die CD-Verkäufe sind drastisch zurückgegangen. Deshalb ist jeder, der Musik macht, gezwungen, möglichst viele Konzerte zu geben, um im Gespräch zu bleiben, Erfolg zu haben oder schon mal überleben zu können. Glücklicherweise sind meine Auftritte für mich kein Muss, sie machen komischerweise auch mir immer noch viel Freude. Was bereitet Dir die grössten Sorgen? Die salonfähige Raubtiermoral. Das Wohlergehen ganzer Völker und Wirtschaftssysteme wird von gewissenlosen und erwiesenermassen unfähigen Finanzidioten kontrolliert. Als Jean Ziegler vor zwanzig Jahren den Casino-Kapitalismus anprangerte wurde er verlacht und massiv bedroht. Was ist eingetreten? Die vorausgesagte internationale Finanzkrise ohne Horizont. Am schlimmsten ist, dass unsere Regierung beschlossen hat, unsere Geldmenge nicht mehr zu 100 Prozent mit Goldreserve zu unterlegen, ein unverzeihlicher «Kapitalfehler», der noch katastrophale Folgen haben wird.

Und was freut Dich besonders? Der Blick in meine Zukunft, solange niemand ausser mir dafür verantwortlich ist. Die Entwicklung meiner Tochter. Die Tournee mit meinem Programm «GäxBomb!» Auf das Echo vom Publikum, wenn ich seinen Geschmack und, hoffentlich nicht nur auf der Gitarre, den richtigen Ton getroffen habe. Wie verabschieden uns und ich denke: Er hat recht mit dem Tempo! Besonders bei politischen Ansprachen sind die Leute oft fertig mit dem Satz, bevor sie ihn begonnen haben. www.peachweber.ch

Die neue CD «GäxBomb!»ist jetzt erhältlich.

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Best of Aargau 8. Ausgabe 2014/2015  

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