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januar / februar 2013

strafungsszene des Brudermörders. Eingesperrt in einen Käfig wird Henry hoch in den Bühnenhimmel gezogen und stößt dabei angsterfüllt markerschütternde Schreie aus. Speziell in dramatischen Szenen wie dieser

Qualität von Lucia Lacarra, nahm das Stück sehr für sich ein. Das nächste große Werk José Limóns, „The Moor’s Pavane“, eines der großen Meisterwerke modernen Repertoires, komprimiert Shakespeares Legende von Othello in Form einer Renaissance: Tanz auf Barock-Musik von Henry Purcell. Mit barocken, farbenintensiven Kostümen ist Limóns Tanz eine Balance zwischen Erdverbundenheit und Schwerelosigkeit. Die Kombination zwischen Aufwärtsbewegungen in entgegengesetzten Richtungen, mit Kurven und kreisförmigen Bewegungen, während die Tänzer eine feste Stabilität und einen aufrechten Oberkörper halten müssen, ist hier charakteristisch. Als Tänzer begeisterten Cyril Pierre (Mohr), Séverine Ferrolier (seine Frau), Tigran Mikayelian (sein Freund), und Gözde Özgur (dessen Frau).

Premiere beim Bayerischen Staatsballett

Forever Young

Choreartium, Lukáš Slavický, Ilana Werner, Javier Amo © Charles Tandy

Von Mihaela Vieru

F

ür immer jung? Ob man selbst für immer jung bleiben kann, das steht außer Frage. Die Antwort lautet: Nein! Menschen altern, Kunstwerke bleiben. Sicher ist auch, dass (Tanz-)Kunstwerke, auch wenn sie in die Jahre gekommen sind, sich nicht auf dem Prüfstein stellen müssen um die Frage, ob sie modern, spannend, aufregend oder aktuell sind, zu beantworten. Sie bleiben ewig jung, weil der Maßstab für die Qualität eines Künstlers auch immer die Qualität seiner Werke bleibt. So konzipierte das Bayerische Staatsballett ihre jüngste Tanzpremiere, bestehend aus drei Balletten: Russell Maliphants „Broken Fall“ (Premiere 2003), José Limóns „The Moor´s Pavane“ (Premiere 1949) und Léonide Massines „Choreartium“, Premiere 1933

zeigt sich Vanaevs Begabung atemberaubende Atmosphäre zu erzeugen. Das lässt keinen kalt und so entlädt sich am Ende der Aufführung die Spannung des Publikums in einen begeisterten Applaus.

am Alhambra Theatre in London und am 17. November 2012 an der Bayerischen Staatsoper – schlicht und einfach präsentiert, vor einem weißen Panelvorhang zu Beginn des Abends. In seinem Trio „Broken Fall“, 2003 eigens für Sylvie Guillem und zwei Tänzer kreiert, beschäftigt sich Rusell Maliphant mit der Idee des Fallens. Ein hochkompliziertes, akrobatisches Pas de trois, dass enorme Körperspannung fordert, durch Balancieren auf Schultern oder Handflächen, Heben und Fallen, meist ohne große Geschwindigkeit. Stephanie Hancox, Matej Urban, Nikita Korotkow - die geänderte Besetzung des Abends, verursacht durch einen Unfall Marlon Dinos am Vorabend der Premiere, gelang ein insgesamt guter Auftritt. Wenn auch nicht in der www.danceforyou-magazine.com

Zum Schluss erlebte Leonide Masines zweites symphonisches Werk, das abstrakte Ballett „Choreartium“ auf Brahms‘ Sinfonie Nr. 4 in e-Moll, ein Revival. „Choreartium“ ist ein Wahrzeichen von Massines Auseinandersetzung mit symphonischer Musik, transponiert auf abstrakte Bewegung. Abwechselnd tänzerische Phrasen, interpretiert durch zarte expressive Bewegungen der Frauen, und robustere Passagen der Männer ergeben ein fesselndes Zusammenspiel zwischen männlichen und weiblichen Bewegungen. Seiner Zeit voraus, war Massine ein Gigant, einer der bedeutendsten Choreografen des 20. Jahrhunderts. Dramatisch und wunderschön anzusehen waren Lucia Lacarra und Lisa-Maree Cullum, die das Münchner Publikum zu Recht begeisterten, welches am Ende tosenden Applaus bescherte.

The Moor’s Pavane, Cyril Pierre, Tigran Mikayelyan, Gözde Özgür, Séverine Ferrolier © Day Kol

der üblichen szenischen Zuordnung, was zu einem neuen, ungewohnten musikalischen Gesamteindruck führt. Ein starkes Bild, das kurz vor dem Schluss noch einmal intensive Spannung aufbaut, findet Vanaev in der Be-

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dance for you magazine 52  

Das Tanzmagazin stellt den Künstler mit seinen Erfolgen, Zielen und Idealen in den Mittelpunkt. Korrespondenten aus ganz Europa informieren...

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