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dance for you! magazine

Traum der roten Kammer © Bettinna Stöß

Der Traum der roten Kammer

Von Isabell Steinböck

In Kooperation mit dem Hong Kong Ballett hat Ballettchef Xin Peng Wang erstmalig den bedeutendsten Nationalroman seiner Heimat in Choreografie übersetzt. “Der Traum der roten Kammer” („Hóng Lóu Mèng”) von Cáo Xuequín kam am Theater Dortmund als bildgewaltiges, geradezu cineastisches Handlungsballett auf die Bühne (Konzept und Idee: Christian Baier). Beeindruckend sind vor allem die Ensembleszenen in Frank Fellmanns aufwändig ausgestatteter Bühne, pompös, mitunter auch pathetisch, aber unwiderstehlich schön. Die Musik, versiert gespielt von den Dortmunder Philharmonikern, stammt von Michael Nyman, der durch Soundtracks zu „Das Piano“, „Prosperos Bücher“ oder „Gattaca“ weltbekannt wurde; für Kostüme, Lichtdesign und chinesischen Tanz wurden Künstler eigens aus China engagiert. Xin Peng Wang zufolge ist die Wirkung der Geschichte um den Aufstieg und Fall des reichen Hauses Kia mit europäischen Romanen unvergleichlich. Der Ballettchef beschreibt Literatur im Programm als „Herzkammer Chi-

nas“, aus dem sein Volk bis heute kulturelle Identität schöpfe. Im Zentrum steht die unglückliche Liebe von Pao Yü, ausdrucksstark dargestellt von Mark Radjapov, zu Lin Dai Yü. Monica Fotescu-Uta tanzt die zarte, kränkelnde Dichterin mit Sinn für Dramatik, zeigt klassische Linien, um sie alsbald zu brechen. Hustend, mit angewinkelten, stotternden Füßen, stirbt sie schließlich an Tuberkulose und gebrochenem Herzen. Pao Yü leidet an

den Folgen von Enteignung und Krieg, die im Zeitraffer an ihm vorüberziehen. Xin Peng Wangs Bekenntnis zu Individualität und Selbstbestimmung führt über die Mao-Zeit einer gesichtslosen Gesellschaft mit staatlicher Zensur bis ins anonyme, kalte 21. Jahrhundert. Da erscheint „Die rote Kammer“ als letzte Zuflucht am Ende tatsächlich wie ein Traum ...

Goyo Montero setzt mit „Faust“ seine Linie in Nürnberg fort von Anke Hellmann

Faust, Carlos Lázaro, Ensemble © Jesús Vallinas

T

änzerinnen treten in bunten Kleidern und meterlangen, hauchdünnen Ärmeln auf. Inmitten rot-goldener Säulen und schwerer Samtvorhänge drapieren sie die Tücher auf ihren Unterarmen, lassen sie fliegen. Das Dortmunder Ballett zeigt eine Ballszene im China des ausgehenden 17. Jahrhunderts. Es geht um das vom göttlichen Schicksal bestimmte Leben des jungen Adeligen, Pao Yü: Der junge Mann wächst mit zwei Cousinen auf; die eine liebt er, die andere muss er heiraten. Erst als Bettler ist es ihm vergönnt, Ruhe im Jenseits zu finden.

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