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15 © Zhang Xian

januar / februar 2013

Xian selbst windet sich verständlicherweise um eine Aussage, auch wenn er sagt, dass der Philosoph das Wesen Chinas tief erfasst habe: „Die Bedeutung soll das Publikum selbst für sich herausfinden.“ Zur Kompagnie gehören neben Tänzern und Schauspielern auch Medienkünstler und Musiker. Von ihren Auftritten zu leben, sei unmöglich, so der Regisseur, zumal der zeitgenössische Tanz in China noch in den Kinderschuhen stecke: „Wenn man bei uns eine Tanzkompagnie gründet, muss man sich kommerziell registrieren lassen. Wir haben uns dagegen entschlossen, tief in den Untergrund zu gehen, als unabhängige, illegale Künstlergruppe. So werden wir auch nicht staatlich gefördert.“ Doch Geld sei ohnehin nicht der Motivator, auf die Bühne zu gehen, sagt der Regisseur: „Die Kunst ist Teil unseres Lebens, macht uns glücklich und hilft uns, zu überleben.“ Ihr Brot verdienen die Performer als Journalisten, Architekten, als einfache Arbeiter oder, wie er selbst, als Lektor, Lehrer und Drehbuch-Schreiber für TV-Serien. Performances zeigen die Künstler nach der Arbeit, in Form von sozialem Theater: open-air, in der Universität oder privat, zu Hause, in Clubs, in der Metro oder im Bahnhof - wenn sie nicht gerade durch Deutschland touren. Bemerkenswert in Zhang Xians aktueller Produktion ist der Einsatz von Medientechnik, die auch originelle, witzige Momente zulässt. Etwa, wenn ein Ballett mit

Hilfe eines Projektors verändert, auf die Gazewand geworfen wird. Da robben plötzlich überdimensionale Spielzeugraupen übers Bild, Nischen werden aufgemalt oder wilde Kreise, stellvertretend für die Dynamik des Tanzes, die hier kaum zu interessieren scheint. Ästhetik, und sei sie noch so schön, bekommt letztlich den Ausdruck des Starren, Einheitlichen. Die Persönlichkeit des Einzelnen findet sich nur im privaten Raum, wenn die Künstler, in Nahaufnahme gefilmt, zu sehen sind. Auf der öffentlichen Bühne müssen sie sich beugen, mitunter gar eine Halskrause tragen, wie Hunde – beängstigend.

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