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dance for you! magazine

DIE LANGZEITDIREKTOREN Von Dagmar Ellen Fischer

George Balanchine, The George Balanchine Trust

New York City 1935 bis 1983

Als Georgi Balantchiwadse kam er 1904 in St. Petersburg zur Welt, an der Kaiserlichen Ballett-Akademie wurde er ausgebildet, machte 1921 sein Examen. Ein Jahr später trat er als Choreograf in Erscheinung, eckte jedoch häufig bei seinen traditionalistischen Vorgesetzten an. Während einer DeutschlandTournee tanzte er 1924 Serge Diaghilew vor und blieb bei dessen „Ballets Russes“ im Westen. Zehn Jahre später lud Lincoln Kirstein ihn in die USA ein, und 1935 gab das „American Ballet“ sein Debüt in New York City. Nur ein Jahr danach wurde das Ensemble an die Metropolitan Opera engagiert, mit Balanchine als Chefchoreografen. Über Zwischenstationen entstand 1948 das „New York City Ballet“. Die Musik war für Balanchine zentrale Inspirationsquelle, auf Handlung und Bühnenbild verzichtete er gern; Kostüme verschwanden zugunsten von Trikots. Er gilt als Meister des abstrakten Balletts, Purismus und klare Linien kennzeichnen seinen Stil, den Neoklassizismus. Sein Satz „Ballet is a Woman“ ist so legendär wie die Tatsache, dass er sich regelmäßig in seine Ballerinen verliebte und vier von ihnen heiratete. Durch ihn taucht Nordamerika als ernst zu nehmende Größe in der internationalen Ballettwelt auf. Œvre: Ca. 425 Choreografien, u.a. „Serenade“ 1934, „Theme and Variations“ 1947, „Episodes“ 1959, „Jewels“ 1967 sowie Musicals und Operninszenierungen.

Divertimento No. 15 New York City Ballet © Paul Kolnik

1818 in eine Tänzerfamilie geboren, erhielt er von seinem Vater Jean Antoine Unterricht und trat in dessen Balletten auf; schon als Tänzer begann er zu choreografieren. Ob die revolutionären Unruhen in Frankreich oder sein geringer Erfolg als Tänzer Grund für die Auswanderung nach Russland war, bleibt ungewiss; Tatsache ist, der Hof des Zaren in St. Petersburg bot attraktive, weil stabile Arbeitsbedingungen für Künstler. Petipa begann dort 1847 als Solist, avancierte zum Assistenten des Ballettmeisters und gab 1855 sein Debut als Choreograf. Er stieg auf der Karriereleiter stetig nach oben, heiratete zwei russische Tänzerinnen und entwickelte aus seinem französischen Erbe und den Einflüssen italienischer Ballettmeister den als russische Schule bekannten Stil: Die Ballerina steht im Zentrum des Werks, das einen Wechsel aus pantomimisch vermittelter Handlung und virtuos getanzten Sequenzen zeigt, erweitert um Charaktertänze. Höhepunkt der aufwändig ausgestatteten Petipa-Ballette war der (Grand) Pas de deux, der die technischen Fertigkeiten der Protagonisten präsentiert. Legendär war die Zusammenarbeit mit Tschaikowsky, dem er präzise Vorgaben zu Tempi, Takt und Dauer der zu komponierenden Musik machte. Marius Petipa bediente perfekt den Geschmack der russischen Zarenfamilie und eines adeligen Publikums bis zu seinem unfreiwilligen Rückzug. Œvre: Ca. 50 Ballette, u.a. „Don Quixote“ 1869, „La Bayadére“ 1877, „Dornröschen“ 1890, „Schwanensee“ 1895 (mit Lew Iwanow), „Raymonda“ 1898. Szene aus “Raymonda” im Marien-Theater, St. Petersburg 1898, Gravure 2. Marius Petipa im Jahr 1898, Fotografie

„Hamburg Ballett“. Länger als er hielten es nur drei historische Größen mit einem Ensemble aus: Marius Petipa, George Balanchine und

George Balanchine

St. Peterburg 1855 bis 1904.

Eberhard Rebling (Hg.), Marius Petipa - Meister des klassischen Balletts. Selbstzeugnisse, Dokumente, Erinnerungen, Wilhelmshaven 1980

Marius Petipa

John Neumeier ist der dienstälteste aktive Ballettdirektor weltweit, in der aktuellen Spielzeit feiert er das 40-jährige Jubiläum mit seinem

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