Bon Appétit! Die Tavolata-Zeitung für gesellige Momente.

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BON APPÉTIT! Ausgabe 2: Dezember 2020

Die Tavolata-Zeitung für gesellige Momente.

Seite 4 Tavolata i golosi: Es darf ein bisschen «Gourmet» sein Seite 8 Interview: «Es braucht in jedem Ort, in jedem Quartier eine Tavolata!» Seite 10 Tipps gegen die Einsamkeit

Unsere liebsten WinterRezepte Seite 7


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Bon appétit!

Editorial

Ausgabe 2: Dezember 2020

Tavolata-Ideen im Winter

Inhalt

Ideen für den Winter: Wintertreffpunkte

Bonjour. Grüezi. Buongiorno. Tavolata ist dazu da, Seniorinnen und Senioren zu einem guten Essen in geselliger Atmosphäre zusammenzubringen. Hier können sich die Menschen austauschen, miteinander diskutieren, Rezepte, Freuden und Sorgen teilen. Das Coronavirus zwingt uns dazu, unsere Gewohnheiten zu ändern und lädt uns gleichzeitig dazu ein, unser tägliches Leben auf kreative Weise zu überdenken. Warum statt einer «klassischen» Tavolata nicht einmal einen Imbiss unter freiem Himmel, einen Gourmet-Spaziergang oder ein Picknick im Wald organisieren? Ich ermuntere Sie auch, Ihre Kontakte, die durch Tavolata entstanden, weiterzupflegen, sei es via Online-Treffen, WhatsApp-Gruppen oder das Telefon. Um Sie dabei zu unterstützen, bietet das TavolataTeam zweisprachige Online-Veranstaltungen namens «Amuse bouche» (Kochkurse, Yoga, Austausch von Rezepten, usw.). Damit möchten wir neue Kontakte ermöglichen und positive Begegnungen schaffen. Werfen Sie einen Blick aufs Programm: www.tavolata.ch/amusebouche Ich wünsche Ihnen schöne Festtage und ein gutes neues Jahr 2021! Herzlich, Marine Jordan Marine Jordan ist Fachexpertin bei RADIX Suisse romande. Die Schweizerische Gesundheitsstiftung engagiert sich als Trägerorganisation fürs Netzwerk Tavolata.

4 Elisabeth Rahm verrät uns die besten Rezepte ihrer Tavolata i golosi.

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Für sichere Tavolata-Treffen in Zeiten von Corona eignen sich in der kalten Jahreszeit Orte ausserhalb der eigenen Wohnung. Seit dem 29. Oktober 2020 sind private Treffen nur noch mit maximal zehn Personen möglich. Hier einige Ideen für Ihre nächste Tavolata:* u Stadtspaziergang Warum nicht einen Stadt- oder Waldspaziergang planen, zum Beispiel an einem Adventssonntag? Mit dabei ist eine Kanne Kaffee oder Tee und eine Tüte heisse Marroni aus dem Backofen. u Winter-Grillieren Den Grill im Winter anzuwerfen hat etwas Abenteuerliches. Wer einen Garten oder grossen Balkon hat, lädt zum unkomplizierten Grillplausch draussen ein.

bequem von zu Hause aus geniessen

Amuse Bouche

Die neuen «Amuse bouche»-Veranstaltungen per Internet sind gut angelaufen. Wir haben Tacos gekocht, mit Daniela Specht über gesunde Ernährung gesprochen und Yoga ausprobiert. Die nächsten Veranstaltungen sind:

Marlen Rutz (links) im Gespräch mit Daniela Specht (rechts).

12 Wir besuchen Regula Signers Tavolata in Herdern – und lernen den besten Apple Crumble der Welt kennen.

Herausgeberin: Migros-Genossenschafts-Bund, Direktion Kultur und Soziales. Redaktionsteam: Ladina Gartmann, Esther Kirchhoff, Marine Jordan, Marcello Martinoni, Marlen Rutz, Barbara Salm, Martina Schäfer, Robert Sempach, Daniela Specht, Anina Torrado Lara Konzept und Redaktionsleitung: Anina Torrado Lara Art Direction: Schalter&Walter GmbH Adresse der Redaktion: Migros-Genossenschafts-Bund, Direktion Kultur und Soziales, Tavolata, Löwenbräukunst-Areal, Limmatstrasse 270, CH-8031 Zürich, info@tavolata.ch Druck: Typotron, St.Gallen Rechtlicher Hinweis: Nachdruck (auch auszugsweise) nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion gestattet.

u Guetzli-Austausch Organisieren Sie im Gemeindezentrum, in einem Café oder im Quartiertreffpunkt einen Guetzli-Austausch: Jede und jeder backt zwei verschiedene Sorten und verpackt sie einzeln in Säckli. Vor Ort wird dann munter getauscht.

14. Dezember 2020, 15.00 bis 16.00 Uhr Wir tauschen einfache, gluschtige Festmenüs aus.

u Tavolata-Treff Wer Weihnachten nicht alleine verbringen möchte, kann mit der eigenen Tavolata einen Treff organisieren. Am 24. Dezember nachmittags sind die meisten Cafés und Restaurants noch offen. Auch im Wald lässt sich schön Weihnachten feiern.

Hier finden Sie eine Anleitung, wie Sie ganz einfach virtuell über «Zoom» teilnehmen können: www.tavolata.ch/amusebouche

u Adventsfenster An jedem Adventssonntag gestaltet eine andere Person aus der Tavolata ein Fenster und lässt es beim Eindunkeln erleuchten. Die anderen machen einen Spaziergang zum Haus und bewundern das Fenster.

12. Januar 2021, 14.00 bis 15.00 Uhr Noëlle Delaquis von AlohaSpirit GmbH zeigt uns den traditionellen Hula-Tanz aus Hawaii.

Brauchen Sie Unterstützung beim Installieren von Zoom? Ihre Kinder, Enkel oder Nachbarinnen und Nachbarn helfen sicher gern! Möchten auch Sie ein «Amuse bouche» gestalten? Wir freuen uns auf mutige Tavolata-Mitglieder und ihre Ideen! Schreiben Sie an info@tavolata.ch.

* Beachten Sie bitte die aktuellen Hygiene- und Abstandsregeln des BAG sowie die Vorgaben des Bundes und der Kantone. Bitte achten Sie speziell auf die Hygiene bei der Lebensmittelverarbeitung.

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Meine Tavolata

Bon appétit!

Ausgabe 2: Dezember 2020

Tavolata i golosi: Es darf ein bisschen «Gourmet» sein

Elisabeth Rahm (69) wohnt seit zehn Jahren in Brione sopra Minusio. Die Deutschschweizerin leitete in ihrem Berufsleben verschiedene Betriebe, zum Beispiel das Bergschulheim in Valbella. Ihr Traum war es schon immer, im Tessin zu wohnen. Vor zehn Jahren wagte sie den Schritt und gründete ein Bed & Breakfast. Kreative, Künstler/innen und Menschen aus sozialen Berufen aus aller Welt gingen bei ihr ein und aus. Selber bezeichnet sie sich als versierte GourmetKöchin und kreative Person. Am liebsten töpfert sie oder macht bunte Blumenkränze.

Steckbrief

Autorin: Anina Torrado Lara Fotos: Anna-Tina Eberhard

Mit Corona wurde es (zu) ruhig Mit der Pandemie kehrte in Elisabeth Rahms Wohnung Ruhe ein. Zu viel Ruhe, wie sie selber sagt. «Ich habe mit Corona schon gemerkt, dass die Leute sich aus dem Weg gehen und ich keinen Besuch mehr hatte. Das fand ich schade.» Ihre Tavolata, die sie im Sommer 2019 gegründet hatte, musste ebenfalls pausieren. Nun trifft sich die Gruppe aber wieder regelmässig zum monatlichen

Mittag- oder Abendessen. Zur Gruppe gehören zwei Männer und drei Frauen. Elisabeth Rahm kannte die beiden Frauen vom Pilates-Kurs und fragte sie, ob sie mit ihren Partnern und ihr eine Tavolata gründen wollen.

«Ich würde gerne noch eine zweite Tavolata mit Leuten gründen, die zusammen bräteln oder ans Filmfestival gehen.» Elisabeth Rahm, Tavolata-Gründerin Die Chemie stimmte sofort. «Wir alle essen sehr gerne und gehen oft ins Restaurant. Die Leitidee für unsere Tavolata ist, dass wir feine Gerichte auch zu Hause nachkochen können», erzählt sie. Seither kocht eines der fünf Mitglieder jeweils im Turnus, die Gruppe trifft sich in Losone, Maggia, Minusio oder Brione.

«Auch die Männer kochen», betont Elisabeth Rahm. Dabei komme es nicht darauf an, was auf dem Teller lande, man freue sich einfach übers Zusammensein. «Die Männer kochen nicht jeden Tag, aber sie haben Interesse, Zeit und Lust auf Kochexperimente.» Es sei immer auch ein Erfolgserlebnis, wenn sie dann für ihr gelungenes Menü gelobt würden. «Geniess es einfach, wenn ich etwas Feines koche» «Andrea zum Beispiel hat an der letzten Tavolata ein Fondue zubereitet», erzählt Rahm. «Als Dessert tischte er ein selbstgemachtes Sorbet mit Gravensteiner Äpfeln auf. Einfach fantastisch!» Die Gründerin der Tavolata könne zwar auch mit einer Büchse Ravioli leben, denn es sei kein Kochwettbewerb. Doch sie findet es wichtig, die Leute etwas herauszufordern. Um den anderen die Angst zu nehmen, sagt sie öfters: «Geniess es einfach, wenn ich etwas Feines koche. Ich kann vielleicht besser kochen, du dafür besser Italienisch.»

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über die Person

Elisabeth Rahm (69) ist eine weltoffene Frau. Es hat ihr immer gefallen, Leute in ihrem Haus zu versammeln und gute Gespräche zu führen. Vor rund einem Jahr erfuhr sie über eine Freundin von Tavolata und war sofort Feuer und Flamme: Mit zwei befreundeten Paaren gründete die Deutschschweizerin eine eigene Tischrunde, «Tavolata i golosi» (Deutsch: Feinschmeckerinnen und Feinschmecker) genannt.

Vor zwei Jahren zog Elisabeth Rahm aus Brione sopra Minusio am Lago Maggiore von ihrem Haus, in dem sie jahrelang ein Bed & Breakfast betrieben hatte, in eine kleinere Wohnung. Ihr neues Leben gefällt ihr – auch wenn die Küche der leidenschaftlichen Hobbyköchin nur noch gut drei Quadratmeter misst. «Mein Haus ist immer offen für Gäste. Wenn Freunde und Bekannte bei mir klingeln, trinken wir einen schnellen Kaffee», erzählt die junggebliebene Seniorin. «Ich suche keinen Klatsch und Tratsch, sondern den wertvollen Austausch.»

Meine Tavolata

Wer sind wir? Elisabeth, Paul, Maja, Andrea und Monika aus der Gegend rund um Locarno. Die Tavolata nennt sich «i golosi» – die Feinschmeckerinnen und Feinschmecker. Was kochen wir? Die Gruppe liebt die Gourmet-Küche. Wenn Elisabeth Rahm dran ist, kocht sie spezielle Gerichte, die sie für sich alleine nicht zubereiten würde. Worüber plaudern wir? Die Tavolata-Mitglieder tauschen sich über aktuelle Themen aus und erzählen sich, was in ihrem Leben passiert. Die Gruppe hat sich aber darauf geeinigt, nicht zu «jammern». Was unternehmen wir? Neben der monatlichen Tavolata gehen die Frauen gemeinsam ins Pilates oder Aquafit. Auch sonst unternimmt die Gruppe öfter mal etwas zusammen. Sie haben eine enge Freundschaft geschlossen. Was zeichnet uns aus? Die Tavolata heisst nicht umsonst «i golosi». Gut zu kochen und zu essen gehört für die Gruppe zum Lebensstil. Ausserdem feiern sie manchmal auch Geburtstage mit einem Festessen. Ist die Tavolata offen für neue Mitglieder? Ja, die Gruppe wünscht sich sogar aktiv einen weiteren Mann. Elisabeth Rahm würde gerne eine zweite Tavolata gründen, die sich gelegentlich zu kulturellen Anlässen oder gemeinsamen Ausflügen trifft.

Zusammenhalt auch über die Tavolata hinaus Die Gruppe pflegt auch zwischen den Treffen einen freundschaftlichen Kontakt. Die drei Frauen treffen sich jeweils im Pilates oder Aquafit. «Wenn es jemandem von uns nicht gut geht, telefonieren wir oder schreiben uns», erzählt Elisabeth Rahm. «Und wir haben ein Prinzip: Nur wenn alle Mitglieder dabei sein können, führen wir die Tavolata durch.» Im Frühling haben Paul und Maja sich mit Covid-19 infiziert und Paul musste ins Spital. Maja musste in Quarantäne. Die Gruppe sei immer in Kontakt gewesen und habe nachgefragt, wie es den beiden gehe, so Rahm. Die rüstige Seniorin mit den knallroten Haaren wünscht sich für die Zukunft zwei Dinge: «Ich würde gerne noch eine zweite Tavolata gründen. Wir könnten dann auch alle zusammen bräteln oder ans Filmfestival Locarno gehen.» Und an etwas Weiterem arbeitet sie: «Mir fehlt noch ein Lebenspartner, denn zu zweit lebt es sich einfach schöner. Ersatzweise könnte auch ein weiterer Mann an unserer Tavolata mitmachen, um unsere Runde zu komplettieren», erzählt Elisabeth Rahm und lacht.


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Meine Tavolata

Steinpilz-Risotto

Bon appétit!

Lieblingsrezept

1 Zwiebel 1 Knoblauchzehe 1 Esslöffel Olivenöl 300 g Risottoreis (Carnaroli) 1 Tüte Safran 2.5 dl Weisswein 8 dl Brodo di Pollo (Hühnerbouillon) 300 g Steinpilze (frische oder gefrorene) 2 Esslöffel Mascarpone Parmesan Belper Knolle

Ausgabe 2: Dezember 2020

Rezept

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Unsere liebsten Winter-Rezepte 2 Esslöffel Olivenöl 1 Knoblauchzehe 1 Zwiebel Frische oder getrocknete italienische Kräuter 300 g Hackfleisch (Rind) 300 g Tessiner Salsiccia 2 dl Rotwein 1 Dose Pelati 2 dl Fleischbouillon 2 Esslöffel Tomatenpüree Salz und Pfeffer 3 Esslöffel Butter 3 Esslöffel Mehl 6 dl Milch Salz und Pfeffer 1 Rolle frischer Pasta-Teig Vier verschiedene Käse, z.B. Ricotta, Parmesan, Gruyère und Bergkäse

lasagne al forno von Elisabeth Rahm

u H ackfleisch Die Salsiccia aus der Haut drücken und mit dem Hackfleisch vermischen. Die gehackte Zwiebel und den geschnittenen Knoblauch in der Bratpfanne ins heisse Öl geben und zusammen mit dem Fleisch anbraten, dann die restlichen Zutaten für das Hackfleisch dazugeben und auf kleinem Feuer köcheln lassen. u B échamelsauce Butter in einer Pfanne warm werden lassen. Mehl beigeben, unter Rühren mit dem Schwingbesen andünsten, aber nicht Farbe annehmen lassen. Unter Rühren mit der Milch ablöschen, würzen und sämig köcheln lassen. u D en Pasta-Teig in Stücke schneiden. In die vorbereitete Form etwas Béchamelsauce geben, dann lagenweise mit Lasagne-Blättern, Fleischsauce und Käse einschichten. Die oberste Schicht mit Béchamelsauce und Käse abschliessen. u 35 Minuten bei 200 Grad überbacken. u L asagne eignet sich sehr als Menü für Gäste, da sie im Voraus ofenfertig zubereitet werden kann. Aus dem Kühlschrank verlängert sich die Gratinierzeit um ca. 10 Minuten. Viel Spass, ja kein Stress und en Guetä!

basler brunsli Ein Rezept der grossen Schweizer Köchin und Kochbuchautorin Marianne Kaltenbach aus dem Jahr 1987 orweg koche ich die «Brodo di Pollo» mit frischen oder gefrorenen Poulethälsen (diese enthalten nicht viel Fett). V In einer zweiten Pfanne dämpfe ich die fein gehackten Zwiebeln und den geschnittenen Knoblauch im Olivenöl. Dann gebe ich den Reis dazu und dünste alles, bis der Reis glasig ist. Nun lösche ich mit Weisswein und etwas Bouillon ab und gebe den Safran dazu. Mit etwas Salz und Pfeffer würzen. Den Rest der Flüssigkeit gebe ich nach und nach dazu und rühre den Reis immer wieder. Nach ca. 15 Minuten gebe ich auch die geschnittenen Pilze dazu. Der Risotto soll al dente und nicht verkocht sein (ca. 20 Minuten Kochzeit). u Kurz vor dem Anrichten gebe ich zwei Esslöffel Mascarpone dazu, damit der Risotto schön cremig wird. u Darüber kommt etwas frisch geriebener Parmesan – und als Tüpfelchen auf dem i reibe ich ein wenig Belper Knolle darüber. Das sieht aus wie Trüffel und schmeckt super! u u u u u u

450 g ungeschälte gemahlene Mandeln 450 g Puderzucker 75 g dunkles Schokoladenpulver ungesüsst oder dunkle Couverture im Wasserbad aufgelöst 3 Eiweiss 2 Esslöffel Kirsch 1 Teelöffel Zimt 1 Prise Nelkenpulver 100 g Griesszucker zum Auswallen

u A lle Zutaten mit dem ganz leicht verrührten Eiweiss mischen. Sollte der Teig zu nass sein, noch etwas Mandeln dazugeben. Eine Stunde kühl ruhen lassen. u Griesszucker auf den Tisch streuen und den Teig darauf ca. 1 cm dick auswallen. Oberfläche ebenfalls mit etwas Zucker bestreuen und die Formen ausstechen. u Auf ein Blech mit Backpapier mit einem Abstand von 2 cm voneinander auslegen. Eine Stunde oder über Nacht bei Küchentemperatur trocknen lassen (nicht in den Kühlschrank stellen).

u A uf der obersten Rille im auf 180 Grad vorgeheizten Ofen ca. 5 Minuten backen. Die Brunsli dürfen an der Oberfläche leicht verkrustet sein, aber keine Farbe annehmen. Innen sollen sie noch weich sein. Weniger ist mehr! u Nach dem Backen auf dem Blech 2 bis 3 Minuten ruhen lassen, dann mit einem Spachtel auf ein Gitter legen. Die knapp ausgekühlten Brunsli sofort in Blechdosen oder Plastikbeutel füllen. Die Brunsli kann man auch gut tiefkühlen.


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Interview

Bon appétit!

«Es braucht in jedem Quartier eine Tavolata!» Seit dem 1. September 2020 leitet Marlen Rutz das Netzwerk Tavolata. Sie steht vor der Aufgabe, Tavolata in die Zukunft zu führen. Dabei arbeitet sie eng mit Daniela Specht, Tavolata-Geschäftsstellenleiterin, zusammen. Die beiden sind sich einig: Es sollen in der ganzen Schweiz noch mehr Tavolata entstehen.

Ausgabe 2: Dezember 2020

unsere fachlichen Begleitungen geben. Wir unterstützen durch Vernetzung, Weiterbildung und Beratung. Dies wirkt sich positiv auf die Qualität und die Nachhaltigkeit der Tavolata aus. DS: Viele Tavolata-Mitglieder erzählen mir, dass sie wieder gesünder leben und mehr kochen, seit sie in einer Tavolata sind. Sie probieren für sich selber neue Rezepte aus, «üben» für die Tavolata und erhalten dadurch eine neue Lebensaufgabe. Deshalb legen wir auch viel Wert auf die Weiterbildung und schulen unsere Gemeinschaft, was denn gesundes Essen bedeutet. MR: Welche Vision hast du für Tavolata, Daniela?

Fotos: Florian Brunner

DS: Das Tavolata-Netzwerk soll wachsen, vor allem auch in der Westschweiz und im Tessin. Wir haben die Aufgabe, Türen zu öffnen und den Leuten von Tavolata zu erzählen. Wenn wir das gut tun, dann springt das Feuer über und die Leute sind begeistert. Wie immer ist der wichtigste der erste Schritt.

Daniela Specht (DS): Marlen, wie fühlst du dich als neue Projektleiterin für Tavolata? Marlen Rutz (MR): Ich bin sehr froh, dass ich in eine super organisierte, erfolgreiche Struktur reinkommen darf. Das Projektteam ist gut eingespielt, fachlich sehr kompetent und proaktiv. Das ist die perfekte Ausgangslage, um das Projekt weiterzuentwickeln.

MR: Ich teile deine Vision, Daniela. Es wäre schön, wenn mehr Menschen Verantwortung übernehmen und Tavolata initiieren.

DS: Wir freuen uns ebenfalls, mit dir, Marlen, frische Ideen zu bekommen! Was schwebt dir vor? MR: Mir ist die Selbstorganisation sehr wichtig, denn das ist das Erfolgsrezept von Tavolata. Die Tavolata-Mitglieder übernehmen Verantwortung. So funktionieren wir auch im Projektteam: Wir kommunizieren auf Augenhöhe und entwickeln Tavolata mit vereinten Kräften weiter. Wo wir noch Verbesserungspotenzial haben, ist bei der Kommunikation nach aussen. Das Format «Tavolata» darf noch bekannter werden! Wo siehst du das grösste Potenzial, Daniela? DS: Es ist so, dass viele Tavolata während der letzten zehn Jahre mit uns mitgewachsen sind und nun vor der Situation stehen, dass einige Mitglieder altershalber nicht mehr mitmachen können oder verstorben sind. Es ist Zeit, jüngere Generationen für Tavolata zu begeistern.

DS: Woran liegt das denn, dass viele Leute denken, die anderen sollen doch was tun? MR: Ich denke da zum Beispiel an alleinerziehende Mütter und Väter oder an Alleinstehende, die neu an einen Ort ziehen und Leute kennenlernen wollen. Diese wollen wir gezielter ansprechen. DS: Um das zu erreichen, müssen wir unsere Strategie weiterentwickeln. Bisher war unser Leistungsauftrag, die Lebensqualität im Alter zu verbessern. Zusammen mit unseren Partnerorganisationen wie der Gesundheitsförderung Schweiz oder Pro Senectute konnten wir viel erreichen. MR: Wir wollen Tavolata sicher noch näher an die kantonalen Aktionsprogramme anbinden. Das heisst, wenn die Kantone selber aktiv werden und Tavolata fördern, werden sie von Gesundheitsförderung Schweiz unterstützt. Es hat sich erwiesen, dass Tischgemeinschaften ein sehr wirkungsvolles Instrument sind, um die

psychische Gesundheit und eine ausgewogene Ernährung zu fördern – und das für alle Generationen! DS: Auf jeden Fall wünsche ich mir, dass es bald in jeder Gemeinde eine Tavolata gibt! MR: Mindestens eine. Oder noch besser: in jedem Quartier eine! DS: Eine Regionale Tavolata-Verantwortliche hat mal gesagt: «Es soll einen Flächenbrand an Tavolata geben!» MR: Alle Menschen in der Schweiz sollen die Möglichkeit haben, sich an einen Tisch dazuzusetzen und Anschluss zu finden. Eine Tavolata hat eine ganz andere Qualität, als wenn man nur zusammen «käffele geht». Gerade auch durch den Mehrwert, den das Tavolata-Netzwerk und

MR: Verantwortung zu übernehmen braucht Mut. Viele Leute haben das Gefühl, sie hätten keine Zeit oder sie würden sich zu stark verpflichten. Zum Glück haben wir so viele engagierte Regionale Tavolata-Vertreterinnen und -Vertreter, die sich einsetzen.

Interview

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zu den personen Marlen Rutz arbeitet seit März 2020 als Projektleiterin Soziales beim Migros-Kulturprozent. Die Mutter von drei Kindern im Schulalter studierte vergleichende Religionswissenschaften und verfügt über langjährige Erfahrung in der Entwicklung und Umsetzung von Förderprogrammen und -projekten. Sie wohnt mit ihrer Familie in Flawil SG und engagiert sich in ihrer Freizeit als Freiwillige für eine lokale Hospiz-Gruppe.

Daniela Specht leitet die Tavolata-Geschäftsstelle. Die Mutter von zwei Kindern wohnt in Herdern TG und ist im Vorstand der Wohnbaugenossenschaft «Im Baumgarten». Zudem arbeitet sie als selbstständige Ernährungsberaterin für diverse Gesundheitsförderungsprojekte.

DS: Ein gutes Beispiel ist Heidi Moosmann, eine Regionale Tavolata-Vertreterin im Aargau. Sie ist so lange herumgeweibelt, bis sie bei den Verantwortlichen der Region Fricktal vorsprechen konnte. Solche persönlichen Kontakte sind extrem wichtig. MR: Wechseln wir das Thema, Daniela. Wie hast du die Tavolata während der Pandemie erlebt? DS: Ich weiss von zwei Tavolata-Gruppen, die sich wegen unterschiedlicher Ansichten zu Corona getrennt haben. Den meisten war es aber wichtig, in Kontakt zu bleiben. Eine Gruppe hat mir gerade erzählt, dass sie zusammen ins Restaurant gingen, weil sie mit den ganzen Hygienemassnahmen beim Kochen überfordert waren.

MR: Siehst du Unterschiede zum ersten Lockdown im Frühling? DS: Ja, ich habe gerade heute gemerkt, dass viele Menschen offener sind bezüglich der digitalen Kommunikation. Sie wollen sich technisch fit machen und Zoom einrichten, damit sie bei den «Amuse bouches» virtuell dabei sein können. An der Tavolata-Ratsversammlung hat mich eine 83-jährige Frau umgehauen: Sie war mit iPad und Kopfhörern ausgerüstet und konnte sich kaum mehr erholen, als Zoom sie wie von Zauberhand vom Plenum in einen Breakout-Raum geschickt hat (lacht).

Robert Sempach (vorne rechts) hat Tavolata während der letzten zehn Jahre mit Herzblut und Fingerspitzengefühl aufgebaut. Im Frühling wird er pensioniert. Er freut sich auf die neuen Gestaltungsfreiräume und darauf, unbekannte Wanderwege zu erkunden, mehr Zeit mit seiner Frau und seinen Söhnen zu verbringen, ausgiebig zu gärtnern und weiterhin in einem kleinen Pensum für das Netzwerk Caring Communities tätig zu sein. Robert Sempach bleibt Tavolata eng verbunden, denn er ist ebenfalls ein aktives Mitglied. Seine Männer-Tavolata «arricchita» trifft sich regelmässig vom Bodensee bis zum Hall­ wilersee. Sie alle verbindet die Leidenschaft fürs Wandern.


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Tipps fürs Leben

Bon appétit!

Tipps gegen die Einsamkeit Kennen Sie das Gefühl von Einsamkeit? Das Thema ist für viele Menschen gerade hochaktuell: In Zeiten von Corona, in der wir dazu auf­gefordert werden, Kontakte zu minimieren oder gar zu meiden, kann bei manchen Menschen das Einsamkeitsgefühl stärker werden.

Lassen Sie Einsamkeit nicht zu! Einsamkeit stellt einen Risikofaktor für die psychische und die physische Gesundheit dar. Menschen suchen den Kontakt zu anderen, sie wollen in ein soziales Gefüge eingebettet sein und brauchen den Austausch. Soziale Beziehungen sind eine wichtige Voraussetzung für das psychische Wohlbefinden. Dies gilt ganz allgemein, nimmt jedoch an Bedeutung zu, je älter wir werden. Veronika Boss von Gesundheitsförderung Schweiz beschreibt, welche Faktoren die psychische Gesundheit bei älteren Menschen beeinträchtigen: Es sind sowohl körperliche Faktoren wie eine Seh- oder Hörbehinderung oder eine chronische Krankheit, als auch ein niedriger Selbstwert oder die Unfähigkeit, schwierige Situationen zu bewältigen. Soziale Isolation, das Erleben von Gewalt, finanzielle Unsicherheit oder der Mangel an Möglichkeiten, Menschen zu treffen, sind weitere Risikofaktoren. Vielen Menschen machen auch kritische Lebensereignisse und biografische Übergänge wie die Pflege der Partnerin oder des Partners, der Tod einer engen Bezugsperson, eine Trennung oder Scheidung, die Pensionierung, der Umzug oder Eintritt ins Pflegeheim und der Sterbeprozess zu schaffen.

Leben Sie gesund und selbstwirksam! Die Forschung sagt, dass sich die Menschen durch körperliche Aktivität wie Fitness, ausgewogene Ernährung und genügend Schlaf stärken können. Ausserdem können Kompetenzen wie die Kommunikationsfähigkeit, die Spiritualität und die Selbstwirksamkeit Wunder wirken. Schliesslich brauchen viele Menschen auch Unterstützung durch eine Vertrauensperson, Stabilität, eine finanzielle Absicherung und sinnstiftende Aktivitäten im Alltag. Pflegen Sie Beziehungen und knüpfen Sie neue! Menschen, die gut vernetzt und eingebunden sind, fühlen sich gesünder, führen ein glücklicheres und sinnhafteres Leben und leiden seltener an Depressionen. Meine Empfehlung ist, sowohl enge Vertrauensbeziehungen als auch flüchtige Beziehungen zu pflegen, denn diese fördern die psychische Gesundheit. Als flüchtige Beziehung gilt der Schwatz unter Nachbarn, der einem das Gefühl gibt, Teil einer Gemeinschaft zu sein und dazuzugehören. Vertrauensvolle und lang andauernde Freundschaftsbeziehungen sind gerade bei kritischen Lebensereignissen eine wichtige Stütze: Das Wissen, dass man schwierige Situationen nicht alleine durchstehen muss, gibt Halt und unterstützt. Üben Sie, zu kommunizieren! Soziale Ressourcen müssen gepflegt werden, sie sind nicht einfach da, wenn man sie braucht. Dazu gehört, dass man Kontaktversuche unternimmt, dass man seine Bedürfnisse klar formuliert und dass man Personen kennt, welche die gewünschte Unterstützung (beispielsweise

Einkaufen gehen, Trost spenden, etwas erklären) erfüllen. Dabei ist es vor allem wichtig, zu kommunizieren. Das heisst heute, auch digitale Kommunikationsmittel zu nutzen, um mit anderen in Kontakt zu treten. Die Stärke der Kommunikation im Alter ist, dass ältere Menschen über einen grossen Wortschatz und ein breites Weltwissen verfügen. Ich ermuntere Sie, Ihre Kommunikationsfähigkeiten zu üben – jeden Tag. Zum Beispiel an einem Mittagstisch (Tavolata), an Spielnachmittagen, an Treffpunkten für Seniorinnen und Senioren. Pro Senectute bietet Telefonketten an, auf Webseiten wie www.computerias.ch oder www.compisternli.ch gibt es eine Vielzahl an Kontakt- und Kommunikationsmöglichkeiten. Konzentrieren Sie sich aufs Positive! Gestalten Sie die Kontakte zu Mitmenschen so, dass die Beziehung mit den eigenen Bedürfnissen und Zielen übereinstimmt. Konzentrieren Sie sich in bestehenden Beziehungen aufs Positive. Vielen älteren Menschen verleiht es auch Flügel, mit jüngeren Generationen Kontakte zu knüpfen und diese auch mal um Hilfe zu bitten. Der beste Ort dafür ist das eigene Quartier. Es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten wie nachbarnet.ch in Basel, nachbarschaftshilfe.ch in Zürich, nachbarschaft-bern.ch, vicino-luzern.ch oder hilf-jetzt.ch. Sie können auch einen intergenerationellen Austausch wagen, zum Beispiel mit munterwegs.ch, brückeder-erfahrungen.ch oder queeraltern.ch. Herzlich, Annette Hitz, Netzwerk Psychische Gesundheit Schweiz

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Buchstabensuppe

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V wie vreni schmid

T wie Tessin

Daniela Specht hat Vreni Schmid (89), eine Kontaktperson und Regionale Tavolata-Vertreterin der ersten Stunde, im Seniorenzentrum in Weiningen besucht und nachgefragt, wie es ihr im neuen Zuhause geht.

Marcello Martinoni koordiniert seit Frühling 2020 das Netzwerk Tavolata im Tessin. Sein Ziel ist es, Tavolata auch dort bekannter zu machen und lokale Gruppen zu unterstützen. Im Tessin gibt es erst zwei Tavolata, eine davon ist die Tavolata «i golosi» (siehe Seite 4).

Daniela Specht: Vreni, bitte erzähl mir deine Tavolata-Geschichte. Vreni Schmid: Ich habe vor elf Jahren im «Brügglibuur» (Anmerkung der Redaktion: «Brückenbauer», heute «Migros-Magazin») ein Inserat für eine Infoveranstaltung gesehen und fand: Genau das will ich machen! Nachdem mein Mann gestorben ist, hatte ich nicht mehr so viel Lust, alleine zu kochen. Ich habe dann 30 Briefe an meine Nachbarschaft geschickt und sie zu einem Probeessen eingeladen. Zwölf kamen, mit acht gründete ich eine Tavolata. Gibt es deine Tavolata noch? Ja, ich bin noch dabei und werde jeden Monat eingeladen. Die anderen sagen mir immer, ich dürfe mich jetzt auf meinen Lorbeeren ausruhen und einfach geniessen (lacht). Die Tavolata war das Beste, was mir passieren konnte! Es war eine sehr erfüllte Zeit und ich denke viel daran zurück, auch an den Kontakt mit dem Netzwerk. Ich empfehle allen sehr, eine Tavolata zu gründen. Kochst du ab und zu noch selber? Ich vermisse das Kochen nicht und geniesse es, dass ich nicht mehr überlegen muss, was ich kochen und essen soll. Es schmeckt mir sehr gut im Seniorenzentrum! Was ist dein Lieblingsessen? Irish Stew. Das ist ein Eintopf mit Kabis und Lammfleisch. Früher habe ich diesen auch mit Rindfleisch gekocht – für alle in der Tavolata, die nicht gerne Lamm essen. Ich mag auch gerne Wild mit Spätzli und Rotkraut. Und Pommes frites, denn das ist für mich etwas Spezielles. Ich hatte nie eine Fritteuse zu Hause.

A wie Tavolata AAA+ «Zu dritt reisten wir im Mai 2019 zur Tavolata-Jahrestagung nach Olten. Es gab Znüni-Kaffee, Vorträge, Workshops und ein Mittagessen im Saal. Wir fanden freie Plätze und kamen mit einer Dame aus Steinhausen (ZG) ins Gespräch. Alleine vertrat sie ihre Gruppe. Es freute mich, jemanden aus unserer Nähe zu treffen. Spontan hatte ich die Idee, ob wir nicht einmal zu ihrer Gruppe zu Besuch kommen könnten. Ich fand sogar den Mut, die Dame zu fragen. Die gute, nette Frau sagte, sie wolle dies mit ihren Leuten besprechen. Irgendwie sind wir so verblieben, dass wir voneinander hören werden … Ich hatte dann den Gedanken, ob ich sie vielleicht ein bisschen überfahren habe? Dennoch, so ein Austausch wäre spannend!» Neugierig geworden? Hier geht der Bericht von Idi Bitter von der Tavolata AAA+ weiter: www.tavolata.ch/idi-bitter

R WIE RATSVERSAMMLUNG Am 22. Oktober 2020 trafen sich Regionale Tavolata-Vertreterinnen und -Vertreter zur 2. Tavolata-Ratsversammlung. Erstmals per Internet und mit virtuellem Apéro! Danke an alle, die teilgenommen haben!

W wie Westschweiz In der Romandie koordiniert Marine Jordan von Radix Suisse romande das wachsende Netzwerk. Sie und Olivia Bessaud, eine sehr aktive Regionale Tavolata-Vertreterin, binden bestehende Tischgemeinschaften näher ins Netzwerk ein und sprechen neue Zielgruppen an. In der Westschweiz gibt es derzeit rund 40 Tavolata.

r Newslette bestellen lata.ch/ www.tavo er newslett


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Meine Tavolata

Bon appétit!

Fünf Fragen an Regula Signer

Ausgabe 2: Dezember 2020

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Autorin: Anina Torrado Lara Fotos: Florian Brunner Wer kommt zu eurer Tavolata? Regula Signer: Es kommen immer zwischen zehn und 30 Leute. Die Gruppe ist bunt durchmischt, vom Baby bis zum 94-jährigen Mann. An der Tavolata trifft sich das Dorf zum Schwatz und einem feinen, gesunden Essen. Wir haben auch einige Stammgäste.

Regula Signer (59) gründete im Herbst 2018 gemeinsam mit Zita Siegenthaler und Monika Hess eine Tavolata im kleinen Thurgauer Dorf Herdern. Seither kochen die drei Frauen leidenschaftlich in der Gemeinschaftsküche der Genossenschaftssiedlung «Im Baumgarten».

Was landet auf dem Teller? Wir probieren immer wieder neue Rezepte aus. Wir haben schon viele gutbürgerliche Spezialitäten gekocht, zum Beispiel Raclette, einen Herbstteller, Älplermagronen, einen Spaghetti- oder Grillplausch. lm Dezember backen wir an einem Samstag mit Kindern und Erwachsenen Grittibänzen und kochen Gerstensuppe. Wie beteiligen sich die Gäste? Wir freuen uns immer über freiwillige Unterstützung beim Gemüserüsten oder Tische decken. Es gibt eine kleine Gruppe, die auch manchmal das Kochen übernimmt. Man kann aber auch einfach kommen und ein ausgewogenes DreiGang-Menü geniessen. Wir servieren das Essen wie in einem Restaurant. Für die Unkosten zahlen die Gäste zehn Franken. Worüber tauscht ihr euch aus? Es entstehen immer spontane Gespräche. Viele Leute lernen sich an der Tavolata besser kennen oder kommen zum ersten

«lm Dezember backen wir an einem Samstag mit Kindern und Erwachsenen Grittibänzen und kochen Gerstensuppe.» Regula Signer, Tavolata-Mitgründerin Zita Siegenthaler, Monika Hess und Regula Signer, (v.l.n.r.) kochen einmal pro Monat in der Gemeinschaftsküche der Genossenschaftssiedlung.

Meine Tavolata

Zur Person Mal ins Gespräch. Die Stimmung ist sehr locker, alle können, niemand muss sich beteiligen. Was wünscht ihr euch für die Zukunft? Wir sind in der glücklichen Lage, dass die Gemeinde uns in den ersten beiden Jahren finanziell unterstützt hat. Seit diesem Jahr können wir die Kosten selber decken. Was wir uns am meisten wünschen ist, dass bald Normalität einkehrt und wir drei Frauen nach der Tavolata wieder einmal zusammen ein Glas Wein trinken können. Wir mussten im 2020 die Tavolata leider einige Male ausfallen lassen.

Apple Crumble u 4 mittelgrosse Äpfel schälen, in Schnitze schneiden und in eine feuerfeste Form legen. Ein paar Esslöffel Süssmost darüber giessen. u 100 g Mehl, 100 g Butter, kalt, in Stücke geschnitten, 100 g Zucker, 100 g Nüsse (z.B. Baumnüsse) zu gleichen Teilen miteinander verreiben und über die Äpfel verteilen. u Ca. 25 Minuten im mittelheissen Ofen (190 Grad) backen, bis die Oberfläche leicht braun ist. Die Schnitze dürfen nicht verkochen. u Den Apple Crumble warm mit Rahm oder Vanilleglace servieren.

Regula Signer (59) ist verheiratet und Mutter von drei erwachsenen Töchtern. Sie ist im kleinen Thurgauer Dorf Herdern geboren und aufgewachsen. Ihre zwei TavolataMitorganisatorinnen Zita Siegenthaler und Monika Hess kennt sie aus iher Schulzeit. Die zündende Idee für die Tavolata hatte sie, als Daniela Specht im Sommer 2018 einen Vortrag über Tavolata hielt. Sofort nahm Regula Signer das Heft in die Hand und organisierte zusammen mit ihren Kolleginnen die ersten Anlässe. Die Termine werden mit Flyern und über die GemeindeWebsite kommuniziert.

Lieblingsrezept


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Meine Tavolata

Bon appétit!

«Chez Béatrice» – in Villariaz

Was verbindet Sie mit Ihren Gästen? Mit einigen teile ich es gemeinsame Interessen und wir sehen uns auch zwischen den Essen, zum Beispiel für einen Ausflug. Weil wir uns jetzt wegen der Pandemie nicht treffen können, rufe ich meine Gäste an und schaue, wie es ihnen geht. Was kochen Sie? Es gibt immer eine Vorspeise, einen Hauptgang und ein Dessert. Das letzte Mal habe ich eine Rindszunge gekocht. Das hat sich jemand gewünscht. Dann mache ich zum Beispiel auch Sauerkraut, Pot-au-feu oder Braten. Alles Gerichte, die man nicht für sich alleine kocht. Das Gemüse ernte ich in meinem Garten, den Rest kaufen wir ein. Ich bereite so viel wie möglich am Vortag vor, damit ich mich dann ganz auf die Gäste konzentrieren kann. Das Menü ist immer eine Überraschung. Ich frage aber meine Gäste, ob sie etwas nicht essen können.

«Chez Béatrice» heisst die Tavolata bei Béatrice Oberson und ihrem Mann. Ein- bis zweimal im Monat versammeln sich ihre Gäste auf dem kleinen Hof im freiburgischen Villariaz um den grossen Esstisch. Marine Jordan, Koordinatorin Tavolata Westschweiz, hat mit der begeisterten Gastgeberin gesprochen.

Interview: Marine Jordan Fotos: privat Marine Jordan: Frau Oberson, Sie führen gerade Ihr erstes Gespräch über Zoom. Wie ist das für Sie? Béatrice Oberson: Das ist toll. Ich wusste gar nicht, wie das funktioniert und was mich da erwartet. Aber ich probiere gerne neue Sachen aus! Seit wann gibt es Ihre Tavolata? Im November 2015 habe ich angefangen. Ich glaube, ich war im Kanton Freiburg die Erste. Seither gab es jeden Monat mindestens ein Essen. Manchmal auch zwei, weil sich so viele Leute angemeldet haben. Für mich ist die Tavolata Freude pur! Erst in diesem Jahr musste ich wegen der Pandemie eine Pause machen. Wie sind Sie darauf gekommen, eine Tavolata zu gründen? Meine Schwiegertochter hat auf unserem Bauernhof ein Zimmer renoviert. Es wurde so schön, dass ich mir überlegte, was ich damit machen könnte. Ich stellte mir einen schönen Tisch vor, an den ich Menschen einladen kann. Dann habe ich mit Pro Senectute richtig losgelegt und voilà – schon im nächsten Monat war mein Tisch voll! Das ist bis heute so geblieben. Ich kann acht Personen beherbergen, mit meinem Mann sind wir dann zu zehnt.

Wer sind Ihre Gäste? Es kommen nicht nur Leute aus Villariaz, sondern aus der ganzen Region. Wir begrüssen neben den regelmässigen Gästen auch immer wieder neue. In der Regel haben wir mehr Frauen als Männer am Tisch, vom Alter her sind die Gäste zwischen 70 und 90 Jahre alt. Viele leben alleine und diese Treffen tun ihnen gut. Auch mein Mann und ich haben Freude, denn so lernen wir neue Leute kennen. Worüber wird am Tisch gesprochen? Wir sprechen über das Essen, die Familie, über alles Mögliche. Das Gespräch kommt ganz von allein in Gang. Es kam schon vor, dass Leute, die einander gar nicht kannten, herausgefunden haben, dass sie miteinander entfernt verwandt sind. In der Regel verläuft das Gespräch sehr leicht, es gibt immer etwas zu besprechen! Bei den vielen Tavolata, die ich organisiert habe, ist es nur einmal vorgekommen, dass zwei Damen unterschiedliche Meinungen zu einem Thema hatten. In einem solchen Fall versuche ich einfach, das Gespräch in eine neue Richtung zu lenken. Manchmal stehen wir erst gegen 15 Uhr vom Tisch auf. Die einen gehen früher, die anderen später, das ist ganz unterschiedlich.

Ausgabe 2: Dezember 2020

Ist es für Sie anstrengend, für so viele Gäste zu kochen? Überhaupt nicht. Als ich jung war, habe ich manchmal für 20 Personen gekocht. Die Familie, bei der ich war, hatte acht Kinder, dazu kamen die Arbeiter. Es waren immer mindestens zehn Leute am Tisch.

«Mit einigen teile ich gemeinsame Interessen. Wir sehen uns auch zwischen den Treffen, zum Beispiel für einen Ausflug.» Béatrice Oberson

Meine Tavolata

Ich bin das also gewohnt. Bei der Tavolata richte ich das Essen direkt auf den Tellern an, das ist am einfachsten. Mein Mann macht den Service, räumt ab und hilft beim Aufräumen. So funktioniert das wunderbar. Wurden Sie schon nach Rezepten gefragt? Ja, das kam vor. Die Leute sagen, dass ich sehr gute Suppen mache. Die Rezepte gebe ich dann gerne weiter. Ich mache daraus kein Geheimnis (lacht).

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Haben Sie eine besondere Erinnerung? Ich habe eine Dame, die auch schon mit uns gegessen hat, mit einem Geburtstagskuchen überrascht. Am Tag der Tavolata wurde sie 90 Jahre alt. Sie hat sich sehr gefreut.

Lieblingsrezept

Currysuppe mit Rüebli und Kokosmilch Für 4 Personen: 1 kg Rüebli, in Stücke geschnitten ½ Zwiebel, gehackt 1 Würfel Hühnerbouillon 1 Dose (200 ml) Kokosmilch 1 Teelöffel Currypulver 1 Teelöffel Kurkuma ½ Liter Wasser Salz und Pfeffer

u B ouillonwürfel im heissen Wasser auflösen. u Zwiebel in etwas Butter anbraten. u Rüebli, Curry und Kurkuma beigeben, Bouillon hinzufügen und 20 bis 30 Minuten köcheln lassen, bis die Rüebli gar sind. u Dann die Kokosmilch hinzufügen und die Suppe pürieren. u Mit Salz und Pfeffer abschmecken.


Gesucht: schöne Sujets für die neuen Tavolata-Postkarten! Im Frühling 2021 möchten wir eine schön gestaltete Tavolata-Postkartenserie drucken. Zeichnen Sie gerne? Machen Sie aus Schnipseln schöne Collagen? Können Sie filigrane Scherenschnitte, Häkelarbeiten oder Makramee herstellen? Dann freuen wir uns, wenn Sie uns ein Sujet einsenden. Hochaufgelöstes Foto per E-Mail an: info@tavolata.ch

Per Post: Migros-Genossenschafts-Bund Direktion Kultur und Soziales TAVOLATA Postfach 1766 CH-8031 Zürich

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Unser ernährungsrätsel

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Auf www.sge-ssn.ch/ ernaehrung60plus finden Sie Podcasts, Merkblätter und weitere Materialien zur gesunden Ernährung.

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Welches Lösungswort wird hier gesucht? Beantworten Sie die Fragen und das Lösungswort ergibt sich aus den grau hinterlegten Feldern. Umlaute werden ausgeschrieben (ä = ae). 1. Ein beliebtes Gewürz in der Weihnachtsbäckerei — 2. Ein Brei aus Maisgriess — 3. Dieses Lebensmittel gibt es häufig am Sonntag zum Frühstück — 4. Ein typisches Dessert im Herbst — 5. Ein beliebtes Heissgetränk — 6. Ein Nachtschattengewächs 7. Die erste Mahlzeit am Tag — 8. Eine Kohlart — 9. Ein Schaumgebäck aus Eischnee

Lösungswort:

Die Auflösung finden Sie in der nächsten Ausgabe.