Page 1

Die internationale Zeitschrift von Tataren und Ihren Freunden Üz xalqıňnıň kiläçägen, Ütkänen, bügengesen, Qayğısınıň, şatlığınıň, Zurlığın beler öçen, Yıraqqa kitep qara sin, Yıraqqa kitep qara! Räşit Äxmätcanov

Es gab etwas ungewöhnliches an jenem Ereignis, das war die Ungleichheit der Kräfte: ein 20jähriges Mädchen, Angehörige der Nachrichtentruppen, die auf diesem Posten ihren Dienst tat, gegen zehn Soldaten der deutschen motorisierten Aufklärungsgruppe, die hier am Morgen im Dorf Sadowoje auftauchten und ...

PORTRÄT „Stalins Gruß“ zermalmte erbarmungslos Kaukasusund Krimvölker… Die meisten von ihnen wurden zwar später rehabilitiert, aber die Krim-Tataren warten immer noch auf Gerechtigkeit.

MEINE KRIM, MEINE LIEBE

Mehmed Ali Pascha, geboren als Ludwig Carl Friedrich Détroit… zufällig wurde er durch Ali Efendi, den späteren Großwesir, gerettet… er traf mit dem G r o ß f ü rs t e n Ni k o la u s a u s Russland zu Friedensverhandlungen in San Stefano zusammen, wo ihn dieser...

Mehmed Ali Pascha


Qäderle uquçılarıbız! СЛОВО К ЧИТАТЕЛЮ

Nr. 5/44, 2008

Liebe Leserinnen und Leser! Tağın qoyaşlı, ayaz may ayı kilde... Yäşäwneñ häm tınıçlıqnıñ, mäxäbbätneñ häm ğädellekneñ qaderen belüçe härkem öçen bik istälekle könnär bar bu ayda, häm alarnı iğtibarsız qaldıru mömkin tügel. Bolar – Ciñü häm faşistlardan Azat itelü könnäre. Bu könnärdä bez batırlıq simvolına äwerelgän isemnärne iskä alabız, alar turında balalarıbızğa söylibez – tarixnıñ bu säxifälären onitirğa yaramağanın belsennär, xäterlärdendä saqlasınnar! İdeologik propaganda faydasına moña qädär ozaq waqıtlar iskä dä alınmağan suğışçılarnıñ isemnäre açıqlana, yäki vaqıyğalarnıñ moña qädär yäşerelgän çınbarlığı açıla. 1945 yılnıñ 30 aprelendä Reyxstag manarasına berençe bulıp Qızıl bayrağın qadağan millätäşebez Ğazi Zagitov turında xaqıyqät inde mäğlüm, Aleksandr Matrosovnıñ çınlıqta tatar yegete Şakircan Möxämätcänov bulğanlığın inde belälär, Brest kirmäneneñ soñğı legendar saqlauçısı Petr Gavrılov häm Mautxauzenda hälaq

И снова май, зеленый, солнечный и ясный... И нельзя обойти вниманием те даты, которые, словно печать, навсегда будут днями памяти для тех, кому дороги мир, жизнь, любовь, справедливость. Это День Победы и День Освобождения, когда мы повторяем имена тех, кто стал для нас символом настоящего мужества и героизма. Мы рассказываем о них детям – чтобы знали, чтобы помнили: эти страницы истории надо знать! Как часто мы открываем для себя имена новых воинов, о которых долго замалчивали в угоду идеологической пропаганде, либо скрывали истинное положение вещей. Уже воздали дань справедливости Гази Загитову, первому водрузившему флаг над рейхстагом 30 апреля 1945 года, уже знают, что Александр Матросов был на самом деле Шакирьяном Мухаметжановым, удивляются, что легендарный последний защитник Брестской крепости Петр Гаврилов и несломленный генерал

Wieder ist der Mai gekommen, grün, sonnig und klar... An die Tage, die für immer als Momente der Erinnerung für diejenigen bleiben werden, für die der Frieden, das Leben, die Liebe und Gerechtigkeit Werte sind, denkt man in diesen Tagen. Da ist der Tag des Sieges und Tag der Befreiung, wenn wir die Namen unserer Helden wiederholen, die zum Symbol der Tapferkeit und des Mutes wurden. Wir erzählen darüber unseren Kindern – damit unsere junge Generation sich erinnert: diese Seiten der Geschichte muss man kennen! Wie oft entdecken wir neue Namen von Kämpfern, die bisher unbekannt waren, die verschwiegen wurden, aus ideologischen oder anderen Gründen. Man ließ Gasi Sagitow Gerechtigkeit widerfahren, der als erster am 30. April 1945 die Rote Fahne über dem Reichstag aufpflanzte. Man kennt auch den echten Namen von Alexander Matrosow, der in Wirklichkeit Schakirjan Muhametshanow war. Man wundert sich, dass der letzte legendäre Verteidiger der Brest-Festung Peter Gawrilow und auch der ungebrochene General Karbyschew, der im KZ

Hier ruhen 7500 sowjetische Soldaten

I m T r e p t o we r P a rk

bulğan bireşmäs general Karbışevnıñ da tatarlar buluına ğäcäplänälär. Läkin äle Xäyretdin Mozayän iseme, şulay uq 1939 yılda Polşa ğäskäreneñ Tatar olan eskadronınıñ batırlığı üzeneñ layıqlı bäyäsen alunı kötä... Bu nomerda bez Stalingradnı saqlağanda hälaq bulğan Zäytünä Älbayevanıñ moña qädär bilgesez yazmışı turında qayber mäğlümatlarnı biräbez. May ayı, üz illärennän sörelgän, xäzerge köngäçä üz xoquqları öçen köräşep yäşärgä mäcbür bulğan qırım tatarlarınıñ faciğäsen dä xäterlätä. Ber keşeneñ qayğası – faciğä, küplärneñ qayğısı – statistika, dilär. Läkin qırım tatarlarınıñ ayaniçlı yazmışı turında tetränüsez söyläw mömkin tügel, ul berniçek tä statistika qısalarına sıya almıy. Härber qırım tatarınıñ yazmışı – ul zur facigä. Şulay da may ayı barıbızğa da şatlıq kitersen ide! Sezgä dä şunı telibez, xörmätle uquçılarıbız!

Карбышев, погибший в Маутхаузене, были татарами. Но еще ждет своего часа имя Хайретдина Музая, а также судьба и героическая борьба Татарского уланского эскадрона Войска Польского осенью 1939 года. В этом выпуске мы приоткроем завесу безвестности над судьбой Зайтуны Альбаевой, погибшей при обороне Сталинграда. Май – это еще и трагический день депортации крымских татар, которые до сих пор борются за свои права. Говорят, беда одного человека – это трагедия, беда многих – это статистика. Но невозможно без содрогания говорить о беде всего крымскотатарского народа, никак она не укладывается в рамки статистики. Каждая судьба – это трагедия, сложившаяся в одно большое горе. И все же пусть май несет всем радость! И вам тоже, уважаемые читатели!

Mauthausen ums Leben kam, auch Tataren waren. Aber wie viele gibt es noch von ihnen, namenlose Helden des Krieges, die auf ihre Stunde warten. So wartet auch der Name von Hajretdin Musaj darauf sowie das Schicksal und der Heldenkampf der Tatarischen Ulanenschwadron der Polnischen Armee im Herbst 1939. In dieser Ausgabe lüften wir den Schleier über dem Schicksal von Sajtuna Albajewa, die bei der Verteidigung Stalingrads fiel. Im Mai ist auch der tragische Tag der Zwangsumsiedlung der Krim-Tataren, die bis heute für ihre Rechte kämpfen. Man sagt, das Unglück eines Menschen ist Tragödie, Unglück mehrerer – Statistik. Aber unmöglich ist es, über das Unglück des ganzen krimtatarischen Volkes ohne Erbeben zu reden, hier hat keine Statistik ihr Wort. Jedes Schicksal ist Tragödie, die zu einem großen gemeinsamen Unglück wurde. Und trotzdem bringe der Mai jedem Freude! Und euch auch, liebe Leserinnen und Leser!

AlTaBaş redaktsiyäse

Редакция АлТаБаш

Redaktion von AlTaBash

2


Новости Nachrichten Yañalıqlar

Nr. 5/44, 2008

Ramis Safin und Refat Tschubarow

In dieser Ausgabe: In dieser Ausgabe: Nachrichten

S. 3

Er starb unter dem Namen seines Bruders

S. 4-5

Die letzte Höhe von Sajtuna Albajewa

S. 6-10

Meine Krim, meine Liebe, meine Trauer

S. 1112

Ein deutscher Osmane auf der Krim

S. 1215

Zug der Erinnerung

S. 1617

Мнение редакции может не совпадать с мнением авторов публикаций. При перепечатке ссылка на „AlTaBash“ и на автора публикаций обязательны. Die Meinung der Redaktion kann von der Meinung der Autoren der Artikel abweichen. Bei Nachdruck in Papier- und elektronischer Form ist der Hinweis auf die Zeitschrift „AlTaBash“ und auf die Autoren der Texte obligatorisch. Die Redaktion behält sich d a s Re c h t v or , L es e r zu schriften redaktionell zu b e a r b ei t e n un d a us zu g s w e i se zu veröffentlichen.

В апреле этого года делегация Всемирного конгресса татар из Казани провела в Киеве выездное заседание Исполкома ВКТ. Затем 20 апреля состоялась встреча в Крыму с представителями Меджлиса крымских татар, в ходе которой был подписан Протокол о намерениях по расширению сотрудничества между Меджлисом и Исполкомом ВКТ. Стороны договорились о создании совместной Рабочей группы в составе 10 человек по подготовке Договора о сотрудничестве между Меджлисом крымскотатарского народа и Исполкомом Международного союза общественных объединений «Всемирный конгресс татар». На 2009-2014 годы уже запланирован ряд совместных мероприятий. Проект Договора о сотрудничестве должен быть подготовлен к 1 декабря 2008 года. В Протоколе также подчеркивается, что вся работа основывается на принципах взаимного уважения, равенства и соблюдения интересов крымскотатарского и татарского народов. Со стороны Меджлиса Протокол подписал первый заместитель Председателя Меджлиса Рефат Чубаров, со стороны Исполнительного комитета ВКТ – первый заместитель Председателя исполкома Рамис Сафин.

Weltkongresses der Tataren (WKT) aus Kasan eine auswärtige Sitzung des Exekutivkomitees des WKT in Kiew durch. Danach fand am 20. April ein Treffen mit Vertretern des Meclis des krimtatarischen Volkes auf der Krim statt, im Laufe dessen eine Absichtserklärung über die Erweiterung der Zusammenarbeit zwischen dem Meclis und dem Exekutivkomitee des WKT verabschiedet wurde. Die Seiten verständigten sich über die Gründung einer gemeinsamen Arbeitsgruppe von 10 Personen für die Vorbereitung des Vertrages über die Zusammenarbeit zwischen dem Meclis des krimtatarischen Volkes und dem Exekutivkomitee der Internationalen Union gesellschaftlicher Vereine „Weltkongress der Tataren“. Für die Jahre 2009-2014 sind schon gemeinsame Veranstaltungen und Maßnahmen geplant. Das Vertragsprojekt über die Zusammenarbeit soll zum 1. Dezember 2008 vorbereitet werden. Im Protokoll wird auch betont, dass die ganze Arbeit auf den Prinzipien der gegenseitigen Achtung, Gleichheit und Einhaltung der Interessen des krimtatarischen und tatarischen Volkes ruht. Von der Seite des Meclis wurde das Protokoll vom Ersten Stellvertretenden Vorsitzenden Refat Tschubarow und von der Seite des Exekutivkomitees des WKT vom Ersten Stellvertretenden Vorsitzenden Ramis Safin unterzeichnet.

Bu yılnıñ aprel ayında Qazannan kilgän Bötendönyä tatar kongressı (BTK) delegatsiyäse Kiyevta BTK Başqarma komitetınıñ küçmä utırışın uzdırdı. Annan soñ 20nçe apreldä Qırımda qırım tatarları Mäclese väkilläre belän oçraşu buldı, anıñ barışında Mäcles häm BTK Başqarma komitetı arasında xezmättäşlekne kiñäytü turında protokolğa qul quyıldı. Yaqklar qırım tatarları Mäclese häm “Bötendönyä tatar kongressı” Xalıqara ictimağıy oyışlmalar berlege Başqarma komitetı arasında xezmättäşlek itü turında Kileşüne äzerläw buyınça un keşelek Eş törkemen oyıştıru qararına kildelär. 2009-2011 yıllarda nindi urtaçaq çaralar ütkärü planlaştırılğan inde. Xezmättäşlek itü turında Kileşü proyektı 2008 yılnıñ dekabrenä qädär äzer bulırğa tiyeş. Protokolda barlıq eşneñ dä üzara xörmät, tigezlek häm ike xalıqnıñ da mänfäğätlären istä totu nigezendä başqarılaçağı assızlıqlana. Protokolga Mäcles tarafınnan berençe bulıp – Mäcles räiseneñ berençe urınbasarı Rifat Çubarov, ä BTK Başqarma komitetı yağınnan komitet räiseneñ berençe urınbasarı Rämis Safin qul quydi.

AlTaBash-Press

AlTaBaş –Press

* * *

АлТаБаш-Пресс * * * Im April dieses Jahres führte eine Delegation des

Gäste aus Kasan auf der Krim

3


DAMALS, IM KRIEG… Nr. 5/44, 2008

ТОГДА, НА ВОЙНЕ... Уважаемые читатели, вы знаете, что мы стараемся всегда публиковать оригинальные материалы, которые нам непосредственно предоставляют авторы. Для этой статьи мы сделали исключение – очень уже необычной оказалась судьба ее героев. Надеемся, вас эта публикация тоже не оставит равнодушной.

Sehr geehrte Leserinnen und Leser, wie Sie wissen, versuchen wir immer nur originelle Artikel zu veröffentlichen, die uns von Autoren unmittelbar zur Verfügung gestellt werden. Mit folgendem Artikel machen wir eine Ausnahme – so ungewöhnlich war das Schicksal seiner Helden. Wir hoffen, diese Veröffentlichung lässt auch Sie nicht unberührt.

Погиб под именем брата

Er starb unter dem Namen seines Bruders

Спустя десятилетия мы узнаем о судьбах наших военнопленных Более 60 лет пришлось ждать казанской семье Бадриевых, чтобы узнать о судьбе своего родственника, которого они долгие годы считали пропавшим без вести во время Великой Отечественной войны. Такую возможность они получили благодаря заведующему Музееммемориалом Великой Отечественной войны Михаилу Черепанову и профессору истории Дрезденского университета Александру Харитонову. С помощью этих энтузиастов жителям Татарстана стали доступны карточки их земляков – военнопленных, погибших в немецких концентрационных лагерях. Они открыли тайну последних дней жизни более 1700 солдат, призванных на войну из городов и районов Татарской республики и до последнего времени считавшихся пропавшими без вести. О Михаиле Черепанове в Татарстане знает, наверное, каждый, кому хоть раз приходилось сталкиваться с поисковой работой. Еще в период учебы в КГУ он начал собирать в военкоматах страны архив о погибших солдатах из Татарии. Со временем его архивы вошли в республиканскую "Книгу памяти", где он работал заместителем главного редактора. Став в конце прошлого года заведующим Музееммемориалом Великой Отечественной войны в Казанском кремле, он не оставил своих поисков и в связи с ними однажды услышал по телефону голос своего коллеги из Германии. Ему позвонил профессор истории Дрезденского университета Александр Харитонов. Он среди поисковиков известен тем, что, приехав работать в этот немецкий город, создал общественную организацию "Саксонские мемориалы". Ее

Jahrzehnte später erfahren wir über das Schicksal unserer Kriegsgefangenen

Garafi und Sultan Badrijew цель – компьютеризация около 3 миллионов карточек советских военнопленных, умерших в немецком плену. За два года работы им было занесено в компьютер более 400 тысяч карточек с указанием захоронений во всех странах Европы, оккупированных фашистами. Среди захороненных оказались и 1739 уроженцев Татарстана, считавшихся до того пропавшими без вести. В Интернете есть сайт www.obd-memorial.ru, где опубликованы сведения Центрального архива МО РФ о нескольких миллионах красноармейцев и офицеров, погибших в годы Великой Отечественной войны. Туда выставил свои списки советских военнопленных и Харитонов. А потом, решив не полагаться на случай, позвонил Черепанову, которого уже давно знал по публикациям о розыскной работе. Тому удалось договориться о начале публикации списков военнопленных из Татарии в газете "Ватаным Татарстан". На основе этих данных розыском наших красноармейцев занялись районные администрации и поисковые отряды уже известного (Продолжение на стр. 5)

Mehr als 60 Jahre wartete die Kasaner Familie Badrijew, bevor sie über das Schicksal ihres Verwandten eine Nachricht bekam, der lange – seit dem Großen Vaterländischen Kriege – als vermisst galt. Diese Möglichkeit bekam sie dank dem Leiter der Gedenkstätte des Großen Vaterländischen Krieges Michael Tscherepanow und dem Professor aus der Dresdner Universität Alexander Haritonow. Dank dieser Enthusiasten bekamen viele Einwohner Tatarstans den Zugriff zu Personalkarten ihrer Landsleute, die als Kriegsgefangene in deutschen KZ ums Leben kamen. Sie kamen hinter das Geheimnis der letzten Lebenstage von mehr als 1700 Soldaten, die aus Städten und Dörfern Tatarstans einberufen wurden und als vermisst galten. Michael Tscherepanow kennt in Tatarstan jeder, der sich mit Suche und Recherchearbeiten beschäftigte. Als Student der Kasaner staatlichen Universität begann er schon damals in Wehrkommandos des Landes ein Archiv über die gefallenen Soldaten aus Tatarstan zusammen zu stellen. Später wurden diese Archive zum Teil des republikanischen „Buches der Erinnerung“ – dort arbeitete er als stellvertretender Chef-Redakteur.

Ende des letzten Jahres wurde er zum Leiter des Museums und der Gedenkstätte des Großen Vaterländischen Krieges im Kasaner Kreml. Aber mit seiner Detektivarbeit hörte er nicht auf und eines Tages vernahm er im Telefonhörer die Stimme seines Kollegen aus Deutschland. Der Professor für Geschichte der Dresdner Universität Alexander Haritonow rief ihn an. Unter Forschern ist er dadurch bekannt, dass er nach seinem Ankommen in dieser deutschen Stadt den öffentlichen Verein „Sächsische Gedenkstätten“ gründete. Das Ziel des Vereins ist es, drei Millionen Personalkarten sowjetischer Kriegsgefangener, die in deutscher Kriegsgefangenschaft starben, zu digitalisieren. Im Laufe von 2 Jahren dieser Arbeit trug er über 400.000 Personalkarten ein, ergänzt um Informationen über die Grabstätten in allen Ländern Europas, die von Nazi-Deutschland besetzt wurden. Unter den beigesetzten waren auch 1739 geborene Tatarstaner, die früher als vermisst galten. Im Internet gibt es die Webseite www.obd-memorial.ru, wo Materialien über mehrere Millionen Rotarmisten und Offiziere des Zentralarchivs des Verteidigungsministeriums der RF veröffentlicht sind. All diese Kämpfer fielen während des Großen Vaterländischen Krieges. Haritonow veröffentlichte auf dieser Webseite auch seine Liste sowjetischer Kriegsgefangener. Dann beschloss er, sich nicht nur auf den Zufall verlassen und rief Tscherepanow an. Ihn kannte er schon lange von seinen Veröffentlichungen über die Sucharbeit her. Tscherepanow vereinbarte mit ihm die Veröffentlichung der Kriegsge(Fortsetzung auf der S. 5)

4


DAMALS, IM KRIEG… Nr. 5/44, 2008

ТОГДА, НА ВОЙНЕ... Погиб под именем брата (Начало на стр. 4) в республике "Снежного десанта". А вскоре в Музей-мемориал потянулись люди, увидевшие в газете имена своих родственников. В итоге за четыре месяца этого года удалось найти родственников более 70 погибших военнопленных. – Раньше считалось, что с территории современного Татарстана на войну ушло примерно 560 тысяч человек, из которых 87 тысяч погибли. Теперь же благодаря данным, собранным в том числе и Александром Харитоновым, выясняется, что из Татарстана на войну ушло около 700 тысяч человек, а погибли 420 тысяч, – говорит Михаил Черепанов. Причем мало того, что судьбы погибших стали теперь известны их родственникам. Они получают еще и фотографию погибшего в плену родственника. Часто – первую и единственную для призванного из далекого татарского села парня... Однако одна из историй, связанных с поисками родственников наших солдат, особенно сильно врезалась в память Михаила Черепанова. По словам двух женщин, обратившихся в музей, считавшийся погибшим военнопленным Султан Бадриев не только не воевал, но и был похоронен в Казани много лет спустя после окончания войны. Казалось бы – налицо явная ошибка... В одной из найденных Александром Харитоновым карточек действительно были вписаны данные на Султана Бадриевича Бадриева. Карточка из немецкого архива свидетельствовала о том, что он родился 25.5.1916 г. в деревне Качелино Арского района Татарии. В графе "профессия" была необычная запись: "Крестьянин-студент". Звание: красноармеец 306 артполка. Попал в плен 28.8.1941 г. под Могилевым. 5 марта 1943 г. прибыл в лагерь для военнопленных шталаг XII-Ф близ города Саарбрюккен. Умер в шталаге X-Б близ города Сандбостель 29 мая 1944 г." Его сестра и племянницы утверждали: не мог Султан умереть в Германии. Он всю войну и до самой пенсии проработал по брони на Казанском пороховом заводе, умер дома в 1979 году. Все прояснилось, когда женщины увидели фотографию на

лагерной карточке. Посмотрев на нее, гости ахнули: "Это же Гарафи!" Оказалось, что младший брат Султана 18-летним ушел на фронт и пропал без вести. Гарафи был смышленым юношей, работал в сельсовете. Чтобы попасть на передовую, взял документы старшего брата, прибавил себе пять лет и вместе с другими тремя миллионами красноармейцев уже в 1941 году оказался в плену. Когда в лагере на него составлялась карточка, правильно он назвал только день и место своего рождения. – Как он вел себя в лагере, можно догадаться по его фотографии, – показывает карточку воен-

M. Tscherepanow нопленного Михаил Черепанов. Взгляните в эти глаза. Это не смирившийся с судьбой раб, но настоящий воин. Солдат, который не смог выполнить свой долг перед родиной, но и чести своей не посрамил. Теперь его родственники знают, что в местечке Франкенталь в Нижней Саксонии есть могила Султана Бадриева, в которой похоронен его родной брат Гарафи, и уже думают о том, чтобы туда съездить. А работа по поиску родственников погибших военнопленных тем временем не прекращается. Более того, в День Победы, как и во все праздничные дни, в Музеемемориале Великой Отечественной войны проводится акция "Вспомнить всех поименно", во время которой каждый из жителей города может получить информацию о своем родственнике, погибшем или пропавшем без вести в годы войны.

Александр Гавриленко, ВиД

Er starb unter dem Namen seines Bruders (Anfang auf S. 4) fangenen-Liste aus Tatarstan in der Zeitung „Vatanım Tatarstan“. Aufgrund dieser Daten suchten die örtlichen Verwaltungen und Suchmannschaften der in der Republik bekannten „SchneelandungBewegung“ (Suchbewegung) nach unseren Rotarmisten. Bald zog es Leute ins Museum, die in der Zeitung die Namen ihrer Verwandten erblickten. Im Laufe von vier Monaten dieses Jahres hat man die Verwandten von mehr als 70 Kriegsgefangenen gefunden. – Früher dachte man, ca. 560.000 Leute gingen aus Tatarstan an die Front, 87 Tausend von ihnen fielen. Aber jetzt, dank den Daten, die auch von Alexander Haritonow gesammelt wurden, stellte es sich heraus, dass ca. 700.000 an die Front gingen, von denen ca. 420.000 fielen, so Michail Tscherepanow. Die Verwandten erfahren über das Schicksal ihrer Nächsten, aber dabei bekommen sie auch das Foto des in der Kriegsgefangenschaft ums Leben gekommenen Verwandten. Oft ist es das einzige Bild des Burschen, der aus dem weiten tatarischen Dorf einberufen wurde. Eine der Geschichten, die mit der Suche nach den Verwandten unserer Soldaten verbunden war, prägte sich in die Erinnerung Michail Tscherepanows besonders stark ein. Nach den Worten von zwei Frauen, die ins Museum kamen, galt ihr Verwandter Sultan Badrijew als Kriegsgefangener, der im Lager starb, aber er war nie an der Front und wurde in Kasan mehrere Jahre nach dem Kriegsende beigesetzt. Es schien, hier gäbe es einen Fehler... In einer von Alexander Haritonow gefundenen Personalkarte standen Daten von Sultan Badrijew. Die Karte aus dem deutschen Archiv bezeugt, dass er am 25.05.1916 im Dorf Katschelino im Rayon Arsk Tatarstans geboren wurde. In der Spalte „Beruf“ war eine ungewöhnliche Eintragung „Bauer-Student“. Dienstgrad: Rotarmist des 306. Artillerieregiments. Am 28.08.1941 geriet er in Kriegsgefangenschaft nicht weit von der Stadt Mogiljow. Am 5.03.1943 kam er ins Kriegsgefangenenlager Stalag XII-F in der Nähe von Saar-

brücken. Er starb am 29.05.1944 im Stalag X-B in der Nähe von Sandbostel. Seine Schwester und Nichte behaupteten, Sultan hätte nicht in Deutschland sterben können. Während des Krieges und bis zur Rente war er am Kasaner Sprengstoffwerk tätig (er war vom Militärdienst freigestellt). 1979 starb er zu Hause in Kasan. Nun wurde alles aufgeklärt, als die Frauen das Foto auf der Lagerkarte erblickten. Sie schauten es an und staunten. „Das ist doch Garafi!“ Es stellte sich heraus, dass der jüngere Bruder Sultans als 18 -jähriger an die Front ging und vermisst wurde. Garafi war ein verständiger junger Mann, arbeitete im Dorfsowjet. Um an die Front zu gehen, nahm er die Papiere des älteren Bruders, fügte sich 5 Jahre hinzu und schon im ersten Kriegsjahr geriet er mit weiteren 3 Millionen Rotarmisten in Kriegsgefangenschaft. Als man im Lager seine Personalkarte ausfüllte, gab er nur sein Geburtsdatum und seinen Geburtsort korrekt an. – Wie er sich im Lager benahm, kann man anhand seines Fotos vermuten, – Michail Tscherepanow zeigte das Foto des Kriegsgefangenen. – Schauen Sie in diese Augen. Das ist kein Sklave, der sich in das Schicksal ergeben hat, das ist ein echter Kämpfer. Das ist ein Soldat, der nicht mehr seine Pflicht vor der Heimat erfüllen konnte, jedoch ehrenvoll seinen Dienst tat, keine Schande seiner Heimat. Jetzt wissen seine Verwandten, dass das Grab von Sultan Badrijew in Frankenthal in Niedersachsen in Wirklichkeit das seines Bruders Garafi ist, und jetzt überlegen sie, wie sie dorthin kommen. Die Sucharbeit nach den Verwandten der Kriegsgefangenen geht weiter. Am Tag des Sieges und an anderen Tagen wird im Museum des Großen Vaterländischen Krieges eine Aktion durchgeführt, während der jeder der Stadteinwohner die Information über seinen im Krieg vermissten oder gefallenen Verwandten bekommt.

Alexander Gawrilenko, ViD

5


PORTRÄT Nr. 5/44, 2008

Л И Ц О Н О М Е РА ПОСЛЕДНЯЯ ВЫСОТА ЗАЙТУНЫ АЛЬБАЕВОЙ Горькие примечания к подвигу И об обстоятельствах и о месте ее гибели известно давным-давно. И, тем не менее, горвоенкомат, вручавший ей когда-то повестку, на запросы родственников с завидным упорством отвечает одной и той же фразой: "пропала без вести в ноябре 1942 года" (когда ее уже 3 месяца как не было в живых). А на ходатайство жителей села Садовое, где она приняла свой последний бой, с предложением назвать в ее память одну из улиц ее родного города власти даже не откликнулись. У государства уже есть свои герои, отлитые в бронзе и воспетые в песнях. У него есть и своя война, запечатленная в томах исторических исследований, и другой войны оно знать не хочет. И только школьники – дети тех детей, что не пожалели когда-то усилий для восстановления ее вычеркнутого из списков имени, продолжают дважды в год приносить цветы на ее могилу. Теперь здесь только пустырь с пыльной степной травой да словно бы ненароком забредшими сюда столбами телефонной сети, которая, вероятно, тянулась еще тогда. В местной топографии он именуется бугор Песчанка. И трудно представить, что полвека назад за этот клочок бросовой земли шел бой, впрочем, не бой, а так, перестрелка, мелкий эпизод фронтовых будней. И если было что примечательного в том событии, так это явное неравенство сил: 20летняя девушка-связистка, несшая дежурство на посту ВНОС (внешнего наблюдения, оповещения и связи) против десятка солдат моторизованной немецкой разведки, нагрянувших утром 9 августа 42-го года в степное село Садовое, что в 120 км от Сталинграда, и наткнувшихся на самой его окраине на этот злополучный пост, к которому из-за его возвышенного положения даже нельзя было подъехать на мотоциклах. Оставив технику внизу, разведчики вынуждены были карабкаться на этот бугор чуть не на четвереньках, и тут-то их и встретил одиночный винто-

вочный огонь, причем один из солдат был ранен в руку. Не ожидавшие сопротивления взбешенные гитлеровцы залегли, а один из них взобрался на крышу врытой в землю кибитки, откуда велся огонь, и сквозь круглое оконце в куполе уложил стрелявшую очередью из автомата. А ближе к вечеру в сгустившихся сумерках две местные жительницы в сопровождении стайки подростков, набравшись смелости, приблизились к тому месту, откуда утром слышна была стрельба, и обнаружив убитую, похоронили ее тут же в окопе, отрытом на случай авианалетов.

Das letzte Bild von Sajtuna О том, что Зайтуна Альбаева погибла в неравном бою, батальоне и знали и не знали. Разрозненные его группы и группки, отступавшие по безводной калмыцкой степи, жестоко страдали от палящего солнца и жажды, от налетов безвозбранно хозяйничавших в небе вражеских "юнкерсов", и уже мало кто в этом аду беспорядочного отступления был озабочен обстоятельствами гибели одинокой связистки. К тому же прямых свидетелей того боя к тому же не было, и когда весь уцелевший личный состав 44-го отдельного батальона ВНОС собрался к сентябрю в Астрахани, ее посчитали пропавшей без вести и вычеркнули из списков. Родным, как это часто бывало в те годы, (Продолжение на стр. 7)

DIE LETZTE HÖHE VON SAJTUNA ALBAJEWA Eine Heldentat und bittere Bemerkungen Die Umstände ihres Todes sind schon lange bekannt, genauso kennt man auch den Ort, wo es passierte. Aber trotzdem antwortet jedes Mal das Wehrkommando, das ihr einst das Einberufungsschreiben überreichte, auf alle Anfragen der Verwandten mit demselben Satz: „Vermisst im November 1942“ (damals war sie schon 3 Monate lang tot). Einwohner des Dorfes Sadowoje ersuchten bei der Ortsverwaltung eine der Straßen in ihrer Heimatstadt nach ihr zu benennen, aber sie bekamen keine Antwort. Der Staat hat schon seine Helden, die in Bronze und in Liedern verewigt sind. Der Staat hat auch seinen Krieg, der zwischen den Deckeln dicker Geschichts- und Forschungsbände eingezwängt ist, und er mag keinen anderen Krieg kennen. Nur Schüler bringen zwei Mal jährlich Blumen zu ihrem Grab. Das sind Kinder jener Kinder, die sich einst bemühten, ihren Namen, der aus der Liste gestrichen wurde, wiederherzustellen. Jetzt ist hier nur braches Gelände, bewachsen mit Steppengras. Hier und dort stehen Stangen mit Telefonkabel, das vielleicht seit jener Zeit hier ist. In der Ortstopographie nennt man dies „den Hügel Pestschanka“. Schwer ist es, sich vorzustellen, dass hier vor ein paar Jahrzehnten um dieses Grundstück gekämpft wurde. Das war allerdings kein richtiger Kampf, nur ein wie Geplänkel, eine kleine Episode des Kriegsalltags. Es gab etwas ungewöhnliches an jenem Ereignis, das war die Ungleichheit der Kräfte: ein 20-jähriges Mädchen, Angehörige der Nachrichtentruppen, die auf diesem Posten ihren Dienst tat, gegen zehn Soldaten der deutschen motorisierten Aufklärungsgruppe, die hier am 9. August 1942 am Morgen im Dorf Sadowoje (120 km von Stalingrad) auftauchten und am Rande des Dorfes unerwartet diesem Posten begegneten. Dieser Posten befand sich auf dem Hügel, und deswegen konnte man sich ihm nicht nähern, auch nicht mit Motorrädern. Die Aufklärer ließen ihre Technik unten und kletterten fast auf allen Vieren den Hügel hinauf. Da wur-

den sie mit Gewehrfeuer überzogen, einer der Soldaten wurde am Arm verwundet. In Wut versteckten sie sich, und einer von ihnen kletterte auf das Dach des in den Boden eingegrabenen gedeckten Wagens und tötete das schießende Mädchen durch das kleine runde Wagenfensterchen mit seinem Maschinengewehr. Kurz vor Abend, in der Dämmerung näherten sich zwei einheimische Anwohnerinnen, die all ihren Mut zusammengenommen hatten, in Begleitung einer Gruppe von Halbwüchsigen dem Ort, wo am Morgen die Schießerei zu hören war. Sie entdeckten dort das getötete Mädchen und beerdigten sie hier sofort, im Schützengraben. Dass Sajtuna Albajewa gefallen war, das war im Bataillon bekannt und nicht bekannt. Vereinzelte Gruppen von Rotarmisten zogen sich in die wasserlose kalmykische Steppe zurück, litten unter der brennenden Sonne und Durst, unter Luftangriffen der Junkers-Flugzeuge des Gegners. In dieser Hölle des ungeordneten Rückzugs sorgte sich keiner um die Todesumstände einer Angehörigen der Nachrichtentruppe. Außerdem gab es keine direkten Zeugen jenes Kampfes. Als sich diejenigen aus dem 44. Sonderbataillon des Nachrichtendienstes, die am Leben geblieben waren, im September in Astrachan versammelten, galt sie als vermisst und wurde aus der Liste gestrichen. Den Verwandten teilte man bis zu dem Zeitpunkt nichts mit. Damals passierte so etwas oft. Aber ein Brief wurde trotzdem nach Baschkirien abgeschickt, das war eine inoffizielle Todesnachricht, die nicht von der Bataillonsleitung gesendet wurde. Am 9.08.42 trat sie den Posten an, um 11 Uhr 08 Minuten ist sie gefallen. Wenn Sie den Brief bekommen, schreiben Sie mir bitte zurück. Auf Wiedersehen. Herzlich, Stachehewa Lida. 9.09.42. * * * Wählt der Mensch sein Schicksal selbst oder akzeptiert er (Fortsetzung auf der S. 7)

6


PORTRÄT Nr. 5/44, 2008

Л И Ц О Н О М Е РА ПОСЛЕДНЯЯ ВЫСОТА (Начало на стр. 7) до поры до времени сообщать ничего не стали. Тем не менее на ее родину, в Башкирию, в обход командования ушло письмо, так сказать, самочинная похоронка. Башкирская АССР, Макаровский р-н, Совхоз N 12, Альбаевой. Здравствуйте, уважаемая мама Зои! Я сначала хочу спросить, как Вы живете и познакомиться с Вами. Служу я в армии вместе с Вашей Зоей. Учились вместе, жили в одной комнате. Также я не хочу Вас огорчать, но не знаю, сообщало ли Вам командование о гибели Зои. И вот для того, чтобы Вы убедились и уже не так расстраивались, конечно, это очень трудно, мы все переживали, но ничего не сделаешь, раз судьба такая. Утром она заступила на смену, 9-YIII-42г. в 11 часов 08 минут погибла на боевом посту. Получите мое письмо, сообщите ответ. А пока до свидания. С приветом, Стахеева Лида. 9-IХ-42г. * * * Cам ли человек выбирает свою судьбу или принимает то, что навязывается ему обстоятельствами? Раскручивая киноленту ее короткой жизни, я не могу отделаться от ощущения, что свой жизненный курс Зайтуна Альбаева неизменно прокладывала сама, подчиняясь негромкому, но внятному голосу внутреннего чувства. Рано повзрослевшая, с независимым характером, она и среди сверстниц выделялась этой своей самостоятельностью, что, кстати, можно угадать и по немногим уцелевшим любительским фотографиям. А единственная профессиональная (она приведена на газетной странице), снятая на документ за год до войны, оказалась последней. Случайный городской фотограф запечатлел на ней, может быть, самый счастливый момент в ее жизни. Подобающая случаю серьезность выражения лица, прямой устремленный в закадровое пространство взгляд, а глаза помимо воли не в силах удержать радостного сияния. И причину его понять нетрудно: девушка из башкирской глубинки, с семилеткой за плечами, приня-

та на актерское отделение Уфимского училища искусств. Без посторонней помощи, без протекции, наверное, почти без подготовки. Увы, в тот миг она еще не знает, что счастье будет недолгим, что в этом храме муз ей предстоит пробыть всего год, а еще через год ее не станет... Властно вторгшаяся в налаженную жизнь война смешала все планы. Проходивший с февраля переподготовку в полевых лагерях отец к семье уже не вернулся. Дома остались мать и две сестренки. Быть в такой момент в отрыве от них для Зайтуны невыносимо. Вынужденная выбирать между искусством и жизнью, она выбирает жизнь и возвращается домой, в деревню, объяснив матери, что училище

DIE LETZTE HÖHE (Anfang auf S. 7) das, was ihm von den Umständen aufgezwungen wird? Wenn ich die Chronik ihres kurzen Lebens abspiele, fühle ich jedes Mal wieder dasselbe: ihren Lebensweg ging Sajtuna Albajewa selbstständig, geleitet von ihrer inneren Stimme. Früh wurde sie groß, mit unabhängigem Charakter, unter den Gleichaltrigen stach sie durch ihre Selbständigkeit hervor, das sieht man auch auf den wenigen Fotos, die uns geblieben sind. Das einzige professionelle Bild (hier kann man es sehen) wurde ein Jahr vor dem Krieg gemacht und war das letzte von ihr. Ein Fotograf in der Stadt machte diese Aufnahmen, als sie besonders

1940, Sajtuna mit ihrer Schwester закрылось. Оставшиеся летние месяцы она проработает рабочей в совхозе, где перед тем директорствовал ее отец. В сентябре, посовещавшись с матерью, поедет проститься с ним под Оренбург, где формировалась перед отправкой на фронт его войсковая часть. Знал ли Рахматулла Альбаев, уходя на третью в жизни войну, что в последний раз видит свою любимицу? Что ему, а не ей, суждено невредимым вернуться назад в победном сорок пятом. А дома ее ждет новое прощание – на этот раз с матерью и сестрами. Она уже приняла решение, и эта ее сосредоточенность, даже какая-то отрешенность навсегда запомнятся родным. Теперь ее путь лежит в Стерлитамак, на курсы фронтовых медсестер. Курсы ускоренные, (Продолжение на стр. 8)

glücklich in ihrem Leben war. Ernst ist ihr Gesichtsausdruck, sie sieht in die Ferne, weit hinter die Kamera, aber in ihren Augen ist Freude zu lesen, sie strahlen trotz des ernsten Gesichts. Kennt man die Ursache der Freude, so versteht man es: das Mädchen aus dem weiten baschkirischen Dorf, das erst sieben Klassen der Schule absolviert hatte, wurde in die Schauspielsektion der Ufaer Schule der Künste aufgenommen. Ohne Hilfe von der Seite, ohne Protektion, vielleicht sogar ohne richtige Vorbereitung. O weh, da weiß sie noch nicht, wie kurz ihr Glück sein wird, nur ein Jahr bleibt sie in diesem Tempel der Musen, und schon ein Jahr später... Der Krieg drängte sich in dieses friedliche Leben und zerstörte alle Pläne. Der Vater war seit Februar im Feldlager zur Militärweiterbildung und kehrte

nicht nach Hause zurück. Die Mutter und zwei jüngere Schwestern blieben zu Hause. In dieser Situation war es für Sajtuna unerträglich, fern von ihnen zu sein. Sie war gezwungen, zwischen der Kunst und dem Leben zu wählen, und so wählte sie das Leben, kehrte nach Hause zurück. Der Mutter erklärte sie, die Schule der Künste wäre zu. Im Sommer arbeitete sie im Sowchos als einfache Arbeiterin – ihr Vater war früher Direktor dieses Staatsgutes. Im September, nach der Beratung mit der Mutter, fuhr sie nach Orenburg, wo der Truppenteil, in dem ihr Vater Dienst hatte, aufgestellt wurde, um von ihm Abschied zu nehmen. Hat Rahmatulla Albajew vermutet, als er in den für ihn mittlerweile dritten Krieg gegangen war, dass er zum letzte Mal seine Lieblingstochter sah? Er, nicht sie, kehrt im Siegesjahr 1945 zurück. Zu Hause verabschiedete sie sich von ihrer Mutter und den Schwestern. Sie hatte schon eine Entscheidung getroffen, und man wird sich immer an diese ihre Vertieftheit, ja Abwesenheit erinnern. Jetzt machte sie sich auf den Weg nach Sterlitamak, zu den Frontkrankenschwester-Kursen. Das waren Schnellkurse, doch selbst die beendete sie nicht: Im Mai 1942 wurde in Baschkirien eine Gefechtsstaffel aus freiwilligen Mädchen geformt, um an die Stalingrader Front zu gehen. Was beflügelte sie, was zog sie in diese Wirbel der Frontereignisse hinein, aus denen es für sie keine Rückkehr gab? Ihre Verwandten, bei denen sie wohnte, während sie die Kurse besuchte, nahmen von ihr Abschied am Bahnhof. Die Mutter konnte leider nicht kommen: der Fluss Agidel war über die Ufer getreten. Es blieb ihr nichts anderes übrig als auf halbem Wege heimwärts umzukehren. So verabschiedete sie sich von ihrer Tochter vor der ewigen Trennung nicht... Ein Brief von Soja, den sie am Abfahrtstag an ihre jüngere Schwester geschrieben hatte, wurde aufbewahrt. Sie schrieb ihn in Eile auf der Rückseite einer geografischen Karte (sie hatte keine Zeit, Briefpapier heraus zu (Fortsetzung auf der S. 8)

7


PORTRÄT Nr. 5/44, 2008

Л И Ц О Н О М Е РА ПОСЛЕДНЯЯ ВЫСОТА (Начало на стр. 7) краткосрочные, но и их она не успевает окончить, потому что в мае 42-го года в Башкирии формируется эшелон девушекдобровольцев для отправки в Сталинград. Что подгоняет ее, что властно влечет в тот грозный военный водоворот, из которого для нее уже не будет возврата? Ее провожали дальние родственники, у которых квартировала, пока училась. А мать приехать не смогла: разлилась полноводная Агидель, и ей, беспомощной и потерянной, пришлось с полпути вернуться. Так и не попрощалась с дочерью перед вечной разлукой... Сохранилось Зоино письмо, оставленное в день отъезда для младшей сестренки. Написанное наспех на обороте географической карты (писчей бумаги под рукой не оказалось), оно позволяет заглянуть в мир ее смятенной души. Родная моя сестренка! В общем ты, Нюра, конечно, еще не взрослая, но все-таки ты сохрани это письмо, а когда вырастешь, побольше и поглубже будешь разбираться, тогда прочтешь. Мне и тяжело, с одной стороны, но в такое время что-то нужно для родины сделать, родина требует этого от нас. Читай, Нюра, газеты и поступай в этом же году в комсомол. Развивай свой мозг, он у тебя в политических делах еще ничего не понимает. Будь умной, умей при себе держать секреты, не распускай себя. Ты уже должна понимать, что в жизни девчонки все встречается. Ты учись, Нюра, не плакать. Я знаю, ты очень часто плачешь – это хуже для тебя. Ну, пока, Нюрочка. Целую тебя и родненькую мамочку. Зоя, мамина дочь, Нюрина сестра. 7.05.42. Завещание старшей сестры? Увы, в ту минуту она еще не знает, что этот обрыв с домом для нее окончательный. Что на письма, которые она отправит сначала из Элисты (там, вместе с другими новобранцами, пройдет она свою "небесную академию", научится даже на слух, в ночной темноте, различать свои и враже-

ские самолеты), а после и из Садового (где применит эти знания на практике), до нее не дойдет ни слова ответа. Хотя отвечали аккуратно, но непроницаемая военно-полевая почта работала для нее только в одну сторону. Недоумением и тревогой за родных, за отца переполнены строки ее последних писем. Здравствуйте, милые сестренки и мамочка!!! Сообщаю, что я живу постарому, т.е. всего достаточно. Нам форму выдали. Вы не узнаете меня в гимнастерке, юбке и пилотке, причем говорят, что мне идет. Нам все дали, все хорошо, но вот писем от вас попрежнему не получаю. Мои ли к вам не доходят, или Вы не пишете? Я подстриглась, как мальчик, и еще чернее стала. Говорят, завтра фотограф придет. Если получится хорошо, я Вам пришлю карточку. Порой в ее письмах сквозит даже обида на близких. Хотя понимала, не могла не понимать, что не вычеркнули же ее там просто так из сердца. Но сознание не в силах смириться с этой глухой стеной, что необъяснимо отделила ее от тепла родного дома. Мама! Я надеюсь, что Вы пишете , если нет, то, конечно, дело Ваше. Может быть, Вам нужна справка о том, что я нахожусь в армии, то напишите. Пишите про все, все изменения, какие были за этот период. Ох, как плохо, когда кричишь, а на твой крик никто не откликается... Примечательно, что никто из подруг, несущих с ней бок о бок боевую вахту, не знает о ее боли. Ее вспоминают внутренне собранной, ровной в общении, готовой и в других перелить частицу своего самообладания. И только в письмах позволяет она себе раскрыться. Я даже не знаю, что с вами и где папочка мой, и как вы живете, и в каких условиях находитесь. У меня не знаю как сердце болит из-за вас. Хотя бы одно письмо получить и папин адрес. Единственная открытка, отправленная из села Садовое за месяц до гибели, оказалась последней. И тяжкое состояние (Продолжение на стр. 9)

DIE LETZTE HÖHE (Anfang auf S. 7) suchen). Dieser Brief erlaubt uns in ihre innere Welt hineinzuschauen, in die Welt, die damals so verwirrend war. Mein liebes Schwesterchen! Eigentlich bist du, Njura, noch nicht groß, aber bewahre diesen Brief, auf du groß bist, wirst du vieles verstehen, dann lies du den Brief noch ein Mal. Einerseits ist mir schwer zumute, aber jetzt, in dieser schweren Zeit muss man für die Heimat etwas tun, sie erwartet dies von uns. Lies Zeitungen und lasse dich in den Komsomol aufnehmen. Entwickle dich, erweitere deine Kenntnisse, da dein Kopf von Politik noch nichts versteht. Sei klug, lerne es, Informationen geheim zu halten, lasse dich nicht gehen. Du musst verstehen, im Leben eines Mädchens kann vieles passieren. Lerne es, Njura, nicht zu weinen. Ich weiß, du weinst oft – es ist schlimm für dich. Leb wohl, Njurotschka. Ich küsse dich und meine liebe MuttiSoja, Muttis Tochter, Njuras Schwester. 7.05.42 War das ein Testament der älteren Schwester? Leider wusste sie damals nicht, dass diese Trennung von ihrem Zuhause für sie endgültig sein würde. Später war sie zum Praktikum in Elista, wo sie die „Luftakademie absolvierte“, lernte, wie man nach Gehör, in der Dunkelheit Flugzeuge unterscheidet, die eigenen von denen des Gegners. Dann wurde sie in Sadowoje eingesetzt, wo sie diese ihre Kenntnisse in den Kämpfen einsetzte. Aus Elista und Sadowoje schrieb sie Briefe an die Familie, aber bekam leider keine Antwort. Obwohl man an sie regelmäßig schrieb, aber diese Feldpost funktionierte für sie nur einseitig. Ihre Briefe sind voller Befremden und Sorgen um die Verwandten, um den Vater. Meine liebe Schwesterchen und Mütterchen!!! Bei mir ist alles wie immer, ich habe alles Notwendige. Wir haben Uniformen bekommen. Ihr würdet mich kaum erkennen in der Uniform. Man sagt, das sie mir gut stehe. Wir verfügen über

das Notwendige, alles ist in Ordnung, aber ich bekomme keine Briefe von euch. Erreichen meine Briefe euch nicht, oder schreibt ihr nicht? Ich schnitt nun meine Haare ab und bin jetzt wie ein Junge, ganz dunkel. Morgen soll ein Fotograf zu uns kommen. Falls er mich aufnimmt, und das Bild gut ist, schicke ich es euch. Manchmal ist in ihren Briefen zwischen den Zeilen zu lesen, dass sie enttäuscht war, dass man ihr nicht schreibt, obwohl sie verstand, dass sie nicht einfach so aus den Herzen gestrichen wurde. Aber sie konnte es nicht akzeptieren, dass diese Scheidewand sie von ihren Nächsten, von ihrem Hause trennte. Mama! Ich hoffe, Sie schreiben mir, wenn nicht, dann ist es Ihre Sache. Vielleicht brauchen Sie einen Nachweis, dass ich in der Armee bin – falls ja, dann teilen Sie mir es mit. Schreiben sie über alles, was inzwischen passierte. Ach, wie schwer ist es, wenn du rufst, bekommst aber keine Antwort zurück... Was bemerkenswert ist, dass keine ihrer Freundinnen, die mit ihr an der Front waren, etwas darüber wusste. Man erinnert sich an sie und sagt, sie war immer konzentriert, ruhig und gelassen im Umgang mit den Menschen, immer hilfsbereit. Nur in ihren Briefen eröffnet sich ein wenig, wie schwer es ihr zumute war. Ich weiß nicht einmal, was mit euch los ist, wo Papa ist, wie es euch geht, in welchen Umständen ihr lebt. Ich habe keine Ruhe euretwegen. Hätte ich einen einzigen Brief von euch bekommen und Papas Adresse. Die einzige Postkarte, die aus dem Dorf Sadowoje einen Monat vor ihrem Tod abgeschickt wurde, war auch die letzte. Und der schwere Zustand der Ungewissheit, genauer gesagt – der Halbungewissheit, da man den Bericht von Stachejewa bekam, aber danach keine offizielle Mitteilung mehr folgte. Diesmal litten ihre Verwandten unter diesem Zustand, als man keine Nachrichten mehr bekam. Und lange 30 Jahre war man gezwungen unter dieser Last zu leiden und zu leben. (Fortsetzung auf der S. 9)

8


PORTRÄT Nr. 5/44, 2008

Л И Ц О Н О М Е РА ПОСЛЕДНЯЯ ВЫСОТА (Начало на стр. 7) неизвестности (точнее полуизвестности – сообщение-то Стахеевой получили, но никакого официального извещения за ним так и не последовало), словно плитой, придавило на этот раз уже ее близких. И жить им под этим грузом суждено было долго – целые 30 лет. * * * О том, что на втором году войны на окраине села в перестрелке погибла девушка, в Садовом к началу 70-х годов помнили смутно. И прежде толком не знали ни ее фамилии, ни номера части, теперь же мало кто мог вспомнить и имя; где-то на полынных склонах Песчанки затерялось и само захоронение. И когда пионеры школы N 2 во главе с директором В.Колгановой и учительницей М. Грициенко задумали начать свой поиск, шансов у них, скажем прямо, было не густо. Но тут судьба, словно вдогонку, улыбнулась, наконец, Зайтуне Альбаевой – в лице бывшего шофера их части, а в последние годы – простого кузнеца, жителя Элисты Ильи Семеновича Погорелова. Нельзя сказать, чтобы остальные однополчане были глухи к трагической судьбе своей боевой соратницы. О ней вспоминали на каждой ветеранской встрече, которые с 1968г. стали регулярными. И поднимали в ее память бокал, и вытирали платком набежавшую слезу. Многие, не жалея времени и денег, приезжали издалека, но завернуть в Садовое никто за 30 лет так и не догадался. Это сделал за всех Погорелов. – Я когда взялся восстанавливать, мне это с большим трудом давалось, – признается он в корявых строчках своего письма, чем-то похожего на клинопись. – Запросы в архив писал, в военкомат ходил несчетно. Никто нигде не хочет искать, легче ответить "не значится". Такие и были ответом на всех, которых искал. Немного, правда, успел Погорелов в тот приезд в Садовое, но он сделал главное: побывал в военкомате и оставил там свой запрос с обратным адресом. Это и решило успех дела. Потому что, когда школьные следопыты

развернули впоследствии свой собственный поиск, в их распоряжении уже была готовая ниточка, потянув за которую, нетрудно было размотать и весь клубок. Рука не поднимается написать: лучше поздно, чем никогда. Но в данном случае "никогда" все-таки хуже, чем "поздно". Бескорыстными усилиями множества самых разных людей, которых, к сожалению, здесь не перечислишь, Зайтуне Альбаевой возвращены теперь и имя, и прочное место в благодарной человеческой памяти. Для большинства садовчан она стала как родная, как тот незримый член семьи, кому наполняют рюмку за праздничным столом и кладут символический ломтик хлеба. Ее имя носит улица на окраине села, что ведет к последней ее высоте – бугру Песчанка. И можно бы только порадоваться запоздалому торжеству справедливости, если бы не вопросы... Как все-таки могло случиться, что 20-летняя связистка оказалась один на один с нагрянувшими немецкими автоматчиками? И где проходила тогда линия фронта (и была ли она вообще в безлюдной калмыцкой степи)? Вчитываясь в письма бывших фронтовиков, я начинаю вдруг понимать, на каких же холодных, беспощадных весах была взвешена Зоина жизнь и смерть. Выясняется, например, что до весны 1942г. службу в частях ПВО несли одни мужчины. И лишь тревожная ситуация, возникшая на сталинградском направлении, побудила призвать им на смену девушекдобровольцев, высвободив тем самым свежие кадры для передовой. Башкирский эшелон был из их числа. Ну хорошо, девушки заполнили брешь на более легком и безопасном фронте, что естественно. Но дальше... Дальше, как вспоминает бывший командир 44-го батальона подполковник в отставке В. Бейлихис, обстановка осложнилась. «Немецкие войска, наступая крупными силами вдоль ж.д. Тихорецкая-Сталинград, с боями дошли до станции Зимовники, где размещалась наша З-я рота, и ей был дан приказ на отход». (Продолжение на стр. 10)

DIE LETZTE HÖHE (Anfang auf S. 7) * * * Dass ein Mädchen während des Geplänkels im zweiten Kriegsjahr ums Leben kam, daran erinnerte man sich in Sadowoje Anfang 70 -er Jahre nur dunkel. Auch früher kannte man kaum ihren Familiennamen und die Nummer des Regiments, jetzt konnte man sich nicht mehr richtig an ihren Namen erinnern, und ihr Grab war auf dem Abhang des Hügels nicht mehr zu finden. Eines Tages beschlossen die Schüler der Schule Nr. 2 gemeinsam mit der Direktorin W. Kolganowa und der Lehrerin M. Grizijenko, nach dem Grab und weiteren Informationen zu suchen. Dabei hatten sie nur wenige Chancen, etwas zu finden. Aber da hatte Sajtuna, obwohl tot, das Glück, dass der ehemalige Fahrer ihres Regiments Ilja Pogorelow dabei half. In den letzten Jahren war er als Schmied in der Stadt Elista tätig gewesen. Dass andere Mitkämpfer von Sajtuna teilnahmslos gegenüber ihrem tragischen Schicksal waren, stimmte auch nicht: Man erinnerte sich an sie während jedes Veteranentreffens, die seit 1968 regelmäßig stattfanden. Man trank auf ihr Andenken. Viele kamen zu diesen Treffen aus entfernten Städten und Siedlungen, sparten das Geld dafür, investierten Zeit, doch niemand besuchte Sadowoje in diesen 30 Jahren. Das machte Pogorelow alleine. Er erinnerte sich: „Als ich mich damit beschäftigte, war es sehr schwer. Ich schickte Anfragen an Archive, besuchte das Wehrkreiskommando mehrmals. Aber keiner wollte suchen, es war viel einfacher und leichter zu antworten „steht nicht auf der Liste“. Ich suchte nach mehreren Kameraden, und jedes Mal bekam ich dieselbe Antwort.“ Nur wenig schaffte Pogorelow während jener Reise nach Sadowoje, aber er machte das Wichtigste: er besuchte das Wehrkommando und ließ dort seine Anfrage mit seiner Rückadresse. Das entschied den erfolgreichen Verlauf in dieser Sache. Die Schulspurenleser suchten nun weiter, da sie den ersten Faden bekamen und zogen jetzt aus, die ganze Geschichte zu klären. Wie kann man in dieser Situa-

tion sagen „lieber später als nie“. Aber trotzdem ist „nie“ in diesem Fall schlimmer als „später“. Unzählige Leute bemühten sich selbstlos, Sajtuna Albajewa´s Namen wieder herzustellen, ihren Platz in die menschliche Erinnerung zurückzuholen. Für die meisten SadowojeBewohner wurde sie fast verwandt, einem Familienmitglied ähnlich, auf dessen Andenken man das Glas hebt, eine Scheibe schwarzen Brotes dazu. Eine der Dorfstraßen, die zu ihrer letzten Höhe – dem Pestschanka-Hügel – führt, trägt jetzt ihren Namen. Man könnte sich über den Triumph der Gerechtigkeit freuen, wenn nicht so viele Fragen da wären... Wie konnte es passieren, dass das 20-jährige Mädchen gegen unverhofft herankommende Maschinengewehrschützen allein da stand? Wo war damals die Frontlinie (ob sie überhaupt in der kalmykischen Steppe war)? Ich lese Briefe ehemaliger Frontkämpfer und verstehe, wie kaltblütig und erbarmungslos Sojas Leben und Tod gewogen wurden. Es stellte sich heraus, dass nur Männer bis zum Frühjahr 1942 in den Luftschutzregimenten Dienst hatten. Nur die verzweifelte Situation um Stalingrad bewegte die Armeeführung freiwillige Mädchen einzusetzen. So bekam man neue frische Männerkräfte für die Front frei. Darunter war auch die Baschkirische Gefechtsstaffel. So deckten Mädchen diese Lücke an dem leichteren und teilweise gefahrlosen Bereich der Front, das war doch natürlich... Aber dann... Der ehemalige Kommandeur des 44. Bataillons Oberstleutnant außer Dienst W. Beilichis erinnert sich, dass sich die Situation an der Front verschlechterte. „Deutsche Truppen gingen zur Offensive über die Eisenbahntrasse Tichorezkaja-Stalingrad entlang, erreichten kämpfend die Simowniki -Station. Dort befand sich unsere 3. Kompanie, sie bekam den Befehl sich zurückzuziehen“. Die Stadt Elistá wurde am 11. Juli eingenommen. Dort befand sich der Bataillonstab, er bekam genauso den Befehl, sich in Richtung Astrachan zurückzuziehen. Das ganze Bataillon sollte ausrücken, außer der 2. und 4. Kompanie. Diese zwei Kompanien hatten (Fortsetzung auf der S. 10)

9


PORTRÄT Nr. 5/44, 2008

Л И Ц О Н О М Е РА ПОСЛЕДНЯЯ ВЫСОТА (Начало на стр. 7) 11 июля взята Элиста, где находился штаб батальона, и весь он тоже получает приказ отступать в Астрахань. Весь, кроме 2-й и 4-й рот. Две эти роты с их 36 наблюдательными постами, рассеянными на территории в 300-400 км, оставлены до особого распоряжения, «т.к. ПВО Сталинграда не могло лишиться своих глаз и ушей». «Оставшиеся оказались в трудных условиях. Связи с батальоном не было. Где немцы – неизвестно. А по телефону из Сталинграда регулярно проверяли бдительность несения службы». Знали ли проверявшие, мужики в погонах, кого они оставляют на заклание? Ну, а что же было на вооружении этих 36-ти женских постов, если между ними и противником практически никого? Бинокль, полевой телефон, 2 катушки кабеля – это на всех. А сверх того еще противогаз (зачем он в полупустыне?) и карабин с 30 патронами на каждую душу в юбке и пилотке. Не полагалось даже гранат – «пост не был предназначен к ведению боя». Но на этом мои печальные открытия не кончаются. Углубляясь в подробности той драматической истории, я с горечью убеждаюсь, что Зайтуна Альбаева была предана (другого слова не подберешь) по крайней мере дважды. Почему оказалась она в списках пропавших без вести, если в письме Л.Стахеевой указаны день и час ее гибели с точностью до минуты? Или рядовая связистка владела информацией, недоступной для ее командования? Нет, все объясняется проще: девушки с соседних постов слышали Зою в последние минуты ее жизни. «Заметив приближающихся немецких мотоциклистов, она, как было положено, доложила об этом в роту, передала по линии связи донесение о пролетавшем фашистском самолете и сказала: «Открываю огонь». Послышались выстрелы из карабина и автоматная очередь. И снова голос Зои: «Прощайте, девочки, умираю за родину!» Слова эти взяты из письма родным Альбаевой все того же

комбата В.Бейлихиса. Казалось бы, какие еще нужны свидетельства? Но нет, он тут же спешит оговориться, что «последние обстоятельства мы узнали только через много лет». Загадка: рядовые бойцы знают то, что положено по должности, но почему-то неведомо командиру части. Однако если бывшему комбату зачем-то очень нужно представить дело так, что «свидетелей и очевидцев гибели Зои не было», то есть лицо, которому такое свидетельство, наоборот, позарез необходимо. Это бывший начальник наблюдательного поста в Садовом старшина запаса Л.Лесин, единственный, кстати, мужчина из всего наличного состава. Так где же был он, когда в село ворвалась немецкая разведка? По версии самого Лесина в то утро они с девушками, свободными от вахты, отправились в соседний колхоз за продуктами. Но, заслышав перестрелку, сейчас же поспешили назад, к месту, где разворачивались события. «Увидев всю сложность обстановки, я решил в бой не ввязываться и дал команду: «Огня не открывать». Когда мы с бойцами добрались до поста, то увидели, что около окопа лежит Альбаева, рядом с ней винтовка, вокруг стреляные гильзы, а в патроннике был боевой патрон. Когда восстановилась связь, я доложил комвзвода, как все произошло». Последний распорядился не хоронить убитую до прибытия фельдшера, пост свернуть и, дождавшись вечера, двигаться к нему. Письмо это, адресованное пионерам села Садовое, перепечатано, кстати, в местной газете «Коммунист» от 9-V-91г., и нет в нем, по-видимому, ни слова правды. А иначе куда же делся тогда его, Лесина, доклад своему непосредственному начальнику, а позднее – командиру батальона? Однако есть свидетельства людей незаинтересованных, тоже переживших то памятное немецкое вторжение, и говорят они совсем про другое. Иван Данилович Колганов и его мать Матрена Федотовна жили в то лето на одной улице, по соседству (Продолжение на стр. 19)

DIE LETZTE HÖHE (Anfang auf S. 7) 36 Posten, die auf dem breiten Territorium einer Fläche von 300400 km² zerstreut waren und bis zu einer Sonderanordnung hier belassen wurden. „Die Luftabwehr Stalingrads durfte nicht ihre Augen und Ohren verlieren“. „Die Zurückgebliebenen sahen sich schwersten Bedingungen ausgesetzt. Es gab keine Verbindung mit dem Bataillon. Man wusste nicht, wo der Gegner war. Außerdem rief man regelmäßig aus Stalingrad an und kontrollierte, ob man den Dienst wachsam versah“. Ob Kontrolleure, Männer mit Schulterstücken, wussten, wen sie als Opfer brachten? Wie waren die Mädchen dieser 36 Posten bewaffnet? Es gab niemanden zwischen ihnen und dem Gegner. Ein Feldstecher, ein Feldtelefon, zwei Spulen Kabel – das war alles, was diese Mädchen hatten. Dazu eine Gasschutzmaske (wozu brauchte man sie in der Steppe?) und einen Karabiner mit 30 Patronen für jeden Soldaten im Rock. Sie hatten nicht einmal Granaten, da „der Posten nicht für den Kampf vorgesehen war“. Hier sind meine traurigen Entdeckungen nicht zu Ende. Ich vertiefe mich in die Details jener dramatischen Geschichte und überzeuge mich, dass Sajtuna Albajewa zweimal verraten wurde, kein anderes Wort passt hier. Warum war sie in der Liste der Vermissten, als Stachejewa in ihrem Brief das genaue Datum und die Uhrzeit ihres Todes nannte? Oder verfügte die einfache Angestellte der Nachrichtentruppen über die Information, die für das Kommando unzugänglich war? Doch, das kann man einfacher erklären: Mädchen der Nachbarposten hörten Soja in den letzten Minuten ihres Lebens. Als sie die sich annähernden deutschen Kradfahrer bemerkte, machte sie darüber Mitteilung an die Kompanie, wie es festgelegt wurde, informierte über das Flugzeug des Gegners und sagte: „Ich eröffne das Feuer“. Man hörte Schüsse des Karabiners und des Maschinengewehrs. Und danach wieder Sojas Stimme: „Lebt wohl, Mädchen, ich sterbe für die Heimat!“ Diese Worte stammen aus dem Brief des Bataillonkomman-

deurs W. Beilichis an die Verwandten von Albajewa. Welche zusätzlichen Beweise brauchte man noch? Aber da schreibt er, dass wir „die letzten Umstände ihres Todes erst nach mehreren Jahren erfuhren“. Dies ist ein Rätsel: Einfache Soldaten wussten das, was der Kommandeur wissen sollte, aber offensichtlich nicht wusste. Dem Bataillonskommandeur langte es nicht, sich die ganze Situation vorzustellen, so dass „es keine Zeugen von Sojas Tode gab“. Aber dagegen taucht noch eine Person auf, die diese Beweise brachte: Der ehemalige Leiter des Beobachtungsposten in Sadowoje, Hauptfeldwebel außer Dienst L. Lessin. Er war der einzige Mann des Personalbestandes. Wo war er, als deutsche Aufklärungsgruppen in das Dorf einfielen? Laut Lessin, machte er sich mit den Mädchen, die an jenem Tag keinen Dienst hatten, auf den Weg in den Nachbarnkolchos, um Lebensmittel zu besorgen. Als sie aber das Scharmützel hörten, eilten sie dorthin zurück, zum Ort des Kampfes. „Als ich erblickte, dass die Lage schwer war, beschloss ich, uns nicht in den Kampf einzulassen. So befahl ich: „Kein Feuer eröffnen“. Als wir mit den Gemeinen den Posten erreichten, erblickten wir Albajewa am Schützengraben, daneben ihr Gewehr, rund um sie herum waren leere Patronenhülsen, im Patronenlager war noch eine scharfe Patrone. Als die Verbindung wiederherstellt wurde, teilte ich dem Nachrichtenzugleiter mit, was alles passiert war“. Letzterer befahl die Tote nicht beizusetzen bevor der Arzthelfer uns erreichte, und wir den Posten abzubauen und am Abend uns in seiner Richtung des Zugleiters zu bewegen in der Lage waren. Dies war der Brief an die Pioniere des Dorfes Sadowoje, er wurde sogar in der örtlichen Zeitung „Kommunist“ am 9.05.91 veröffentlicht, und kein Wort ist in diesem Brief wahr. Wo ist sonst sein, Lessins, Bericht an seinen unmittelbaren Chef, und später – an den Bataillonkommandeur? Es gibt aber Zeugnisse anderer Leute, die nicht daran interessiert waren, etwas zu verschweigen, die jenen Übergriff des Gegners überlebten. (Fortsetzung auf der S. 19)

10


Dort, auf der Krim... Nr. 5/44, 2008

Там, в Крыму…. Мой Крым, любовь моя, печаль моя... «Обидно, правда? У всех есть родина, а у нас нет...» Эти слова из детства на всю жизнь врезались мне в память. Вспоминаю теплый сентябрьский день в Узбекистане. Я в гостях у своей одноклассницы Заремы. Нам по восемь лет. Мы сидим на веранде и пьем чай. Блестящие словно маслины глаза грустно смотрят на меня из-под темной челки. А я никак не могу взять в толк: как это нет родины? Мы каждый год ездили летом «домой, на родину», как говорили мои родители, то есть в Татарстан. Я всегда знала, что моя родина – там. А мои сверстники – крымские татары – с пеленок впитали осознание того, что их родину у них отняли, у них родины нет. Несчастный, гонимый народ! «Привет от Сталина» безжалостными гусеницами прошелся по народам Кавказа и Крыма: чеченцы, ингуши, калмыки, болгары, греки, крымские татары... Большинство из них было позже реабилитировано, а крымские татары ждут справедливости до сих пор. «Обиженный народ бывает долго прав», – точнее не скажешь. Не оттуда ли «растут ноги» всех сегодняшних проблем на Кавказе? И как можно осуждать крымских татар за то, что они просто хотят жить на своей земле, на своей, не на чужой, ибо, в отличие от тех же болгар и греков, другой родины у них нет... По месту поселения был создан жесткий режим комендатуры без права выезда за его пределы. Даже временная отлучка с места поселения в другой город или село без разрешения местных властей грозила 20-ю годами каторжных работ. Однако никакие испытания не смогли сломить волю людей, которые в мыслях ни на минуту не отделяли себя от Крыма. Невзирая на запреты, повторные выселения, унижения и издевательства, крымские татары возвращались. Борьба за каждый клочок родной земли, каждое слово, написанное на родном языке, каждый ребенок, называющий свою маму «ана» – это испытание единства, искренней любви к родной земле и к своему народу. Уже и дети, родившиеся в том страшном для крымско-татарского народа 1944 году и оставшиеся в живых, давно стали бабушками и дедушками, но последствия совер-

шенного против крымских татар преступления были столь неизгладимы и трагичны, что эта дата останется навсегда в памяти людей. Казалось бы, канул в лету советский режим, но сегодняшние власти Украины и Крыма, разыгравшие в президентской предвыборной борьбе крымскотатарскую карту, чтобы привлечь голоса избирателей на свою сторону, пока не спешат выполнять свои обещания. Более того, как горькая насмешка звучит анекдот из серии про армянское радио и нежданного гостя, который хуже татарина: «А если нежданный гость – татарин?». Вот и оказались крымские татары

Meine Krim, Meine Liebe, meine Trauer «Ist das nicht schlimm? Alle Völker haben eine Heimat, aber wir haben keine...“ Diese Worte aus meiner Kindheit haben sich für immer in meine Erinnerung eingeprägt. Ich sehe mich an einem warmen Septembertag in Usbekistan. Ich bin bei meiner Mitschülerin Sarema zu Besuch. Wir sind acht Jahre alt, sitzen auf der Veranda und trinken Tee. Ihre dunklen mandelförmigen Augen unter dem Pony gucken mich traurig an. Ich kann es nicht begreifen: wieso hat sie keine Heimat? Wir waren jedes Jahr im Sommer „zu Hause, in unserem Vaterland“, so sagten meine Eltern, das heißt in Tatarstan. Ich wusste immer: dort ist meine Heimat. Aber meine gleichaltrigen krimtatarischen Freunde wussten von den ers-

Rustem Eminov. Der Todeszug. на своей собственной земле нежданными, нежеланными гостями. Вынужденные бороться за свои права, они заселяют клочки земли, и власти грозно именуют это самозахватами. Людям не дают строить дома, и тысячи семей ютятся в жалких лачугах, больше напоминающих сараюшки, построенных на этих клочках земли, и с грустью смотрят из подслеповатых окошек этих мазанок и палаток на дома, которые были выстроены когда-то их дедами и в которых теперь живут те, кто приехал сюда после депортации татар. Конечно, можно было бы пойти по европейскому пути и предъявить права на свои дома. Но, во-первых, крымские татары, сами испытавшие унижения и знающие на своей

(Продолжение на стр. 12)

ten Tagen ihres Lebens an, dass ihre Heimat ihnen weggenommen worden war, sie haben keine mehr. Welch ein unglückliches, verfolgtes Volk! „Stalins Gruß“ zermalmte erbarmungslos Kaukasus- und Krimvölker: Tschetschenen, Inguschen, Kalmyken, Bulgaren, Griechen, KrimTataren... Die meisten von ihnen wurden zwar später rehabilitiert, aber die Krim-Tataren warten immer noch auf Gerechtigkeit. „Ein gekränktes Volk hat noch lange Recht“, treffender kann man das wohl nicht ausdrücken. Liegen nicht auch darin Gründe für die heutigen Kaukasusprobleme? Wie kann man die Krim-Tataren etwa dafür verurteilen, dass sie auf ihrem angestammten Boden leben wollen? Auf IHREM, nicht mal auf FREMDEM, denn im Unterschied zu Bulgaren und Griechen haben sie nur diese eine Heimat...

Damals, 1944, herrschte in den Orten der Zwangssiedlung ein hartes Regime, ohne Erlaubnis durfte man die Siedlung nicht verlassen. Sogar bei kurzer zeitweiliger Abwesenheit wurde mit 20 Jahren Zwangsarbeit gedroht. Aber weder Strafen noch Folter konnten den Willen dieser Menschen brechen, sich auch nur in Gedanken einen Augenblick lang von der Krim zu trennen. Trotz der Verbote, wiederholter Ausweisungen, Demütigungen und Verhöhnungen kehrten die Krim-Tataren zurück. Sie kämpften um jedes Stück ihres Heimatlandes, um jedes Wort, das in ihrer Muttersprache geschrieben wurde, um die Kinder, die ihre Mütter „aná“ nannten – das war auch eine Art Prüfung, eine Prüfung der Einheit, der wahren Liebe zur Heimat und zum Volk. Und die Kinder, die in jenem schrecklichen Jahr 1944 geboren wurden und am Leben geblieben sind, sind heute schon Großväter und Großmütter. Aber die Folgen des gegen das krimtatarische Volk verübten Verbrechens waren so tragisch und unauslöschbar, dass dieses Datum für immer in der Erinnerung des ganzen Volkes bleiben wird. Es scheint, als sei die Zeit des Sowjetregimes schon lange vorbei, aber die heutige Regierung der Ukraine und der Krim, die den Vorwahlkampf dazu benutzt hat, um die Stimmen der Krimtataren für sich zu gewinnen, hat es jetzt nicht eilig damit, ihre gegebenen Versprechungen einzuhalten. Der alte Witz über das sogenannte armenische Radio vom unerwarteten Gast, der schlimmer als ein Tatare ist, hört sich heutzutage wie bitterer Spott an: „Und was tun, falls der unerwartete Gast ein Tatare ist?“ So sind sie jetzt, die KrimTataren, die auf ihrem eigenen Boden jetzt als unerwartete, unerwünschte Gäste betrachtet werden. Sie sind gezwungen, für ihre Rechte zu kämpfen und winzige Grundstücke zu besiedeln – und das nennt die örtliche Macht „Selbstergreifung/ Selbsteroberung“ – „samosachwat“. Man lässt die Krim-Tataren keine Häuser bauen, tausende Familien hausen elend in armseligen Hütten, die auf diesen Grundstücken errichtet worden sind und mehr einem Schuppen ähneln. Sie schauen aus den kleinen Fensterchen traurig auf die Häuser, die einst von ihren

(Fortsetzung auf der S. 12)

11


Dort, auf der Krim... Nr. 5/44, 2008

Там, в Крыму…. Мой Крым, любовь моя, печаль моя... (Начало на стр. 11) шкуре, что значит быть без крыши над головой, не позволят себе такое, во-вторых, Украина, изо всех сил стремящаяся в НАТО и в Европейский Союз, в плане соблюдений элементарных гуманитарных норм по отношению к людям стоит еще далеко за чертой горизонта. А в третьих... Может, тут-то и кроется основная причина нежелания местных властей открыто взглянуть в глаза этой проблеме: в средствах массовой информации постоянно муссируются слухи о продаже элитных земельных участков в Крыму украинским и российским богачам. Там, где блестит золотой телец, не до людских слез и страданий. Если хотят крымские татары тут жить – пусть поднимаются в горы, в труднодоступные места, там селятся, строятся... А побережье – это не для них, не для коренных жителей... Нередко местные власти прикрываются отговорками типа «нет земли, все уже раздали». Вот и приходится людям отстаивать свои права, выходя на митинги, организуя мирные акции протеста, демонстрации, голодовки. А местные власти бросают против безоружных людей силы ОМОНа, спецназ, бульдозеры, бронетранспортеры. Можно ли назвать провокацией действия отчаявшихся людей, годами не имеющих возможности нормально жить, трудиться, растить детей? Скорей, это провокация властей и силовых структур, выполняющих указания сверху – ну нежеланны крымские татары на своей земле. Как-то в Крым приехала из Москвы Белла Ахмадулина – вместе со своими собратьями по крови она стояла несколько дней в пикете, привезя с собой письмо, подписанное ее друзьями-писателями Евтушенко, Вознесенским, Битовым, Окуджавой, Аксеновым, Искандером: «Когда крымские татары вернутся в Крым, к нам, ко всему человечеству и живому еще миру, – вернется Крым.... Кроме крымских татар, без их помощи, никто не спасет их родину и всемирную драгоценность Крыма...» Национализм и интернационализм... Многие шарахаются от первого слова и ратуют за второе. Да только вот и то, и другое в сегодняшних условиях принимает уродливые очертания. Когда но-

менклатура с пеной у рта защищает интернационализм – так тут она всего лишь защищает свои интересы. А это, в свою очередь, вызывает взрыв национальных настроений: люди хотят учиться на родном языке, слушать родные мелодии, надевать любимые национальные одежды, а не быть безликой массой, без языка, без роду, без племени. А тем временем противостояние в Крыму продолжается, то стихая, то вновь набирая силу. Можно выдвигать различные гипотезы, ища того, кому же это выгодно. Но! Политика и бизнес у нас неразделимы. Поэтому прогнозировать развитие событий сложно — никогда не знаешь, где в очередной раз вынырнет спецназ, где разрушат мечеть или осквернят крымскотатарское кладбище, а где радикально настроенная крымско-

Gemälde: Rustem Eminov татарская молодежь пойдет на протест, уже прихватив с собой бутылки с зажигательной смесью. Ситуация в Крыму настолько неоднозначная, что даже политики не берутся что-то предсказать. Удивляет отношение населения Украины в целом: в крымских татарах никак не хотят видеть коренное, автохтонное население полуострова и всячески обвиняют их во всех смертных грехах. Не очень верится в призывы с налетом шантажа некоторых радикалов из меджлиса к всеобщей мобилизации мужского населения от 18 и старше. Но есть опасения, что развитие ситуации, при всеобщем параличе власти возьмет под контроль кто-то другой. Точно знающий, в чем интерес его страны. И не повторится ли тогда 1944 год?

Чулпан Усманова, Крым – Берлин

Meine Krim, meine Liebe, meine Trauer.. (Anfang auf S. 11) Großvätern erbaut worden waren und in denen jetzt diejenigen wohnen, die nach der Deportation der KrimTataren hier ankamen. Natürlich könnte man auf europäische Weise eigenes Recht auf diese Häuser erheben. Aber erstens wissen die KrimTataren aus eigener Erfahrung, was es bedeutet, obdachlos zu sein, und deshalb wünschen sie das niemandem. Zweitens strebt die Ukraine danach, in die NATO und in die EU aufgenommen zu werden. Aber was die Einhaltung elementarer humanitärer Normen und das Menschenrecht betrifft, so ist die Ukraine noch weit hinter dem Horizont zurück. Und drittens... Vielleicht wurzelt gerade hier das Problem, warum die örtliche Verwaltung es nicht anerkennt und nicht löst: in den Massenmedien tauchen regelmäßig Mitteilungen auf, dass die besten Grundstücke an die russländischen und ukrainischen Reichen verkauft werden. Wo das goldene Kalb blitzt, gibt es keinen Platz für Tränen und Leid. Wollen die Krim-Tataren hier leben, dann gehen sie ins Gebirge, in die schwer erreichbaren Orte, dort können sie siedeln, bauen... Aber die Küste ist nicht für sie, für die eigentlich Einheimischen... Sehr oft gibt es Ausreden seitens der örtlichen Verwaltung, es gäbe keine Grundstücke, alles sei verteilt… So kämpft man für seine Rechte, geht zu Versammlungen, organisiert Protestdemos, tritt in Hungerstreiks. Gleichzeitig tritt die örtliche Macht gegen unbewaffnete Menschen mit Sonderkommandos, Bulldozern oder Schützenpanzerwagen an. Wie kann man in diesem Fall die Handlungen dieser verzweifelten Menschen als Provokation definieren, wenn sie jahrelang keine Möglichkeit haben, unter menschlichen Bedingungen zu leben, zu arbeiten und ihre Kinder zu erziehen? Das ist eher Provokation der Macht und der Machtstrukturen, die bestimmte Anweisungen „von oben“ ausführen – die Krim-Tataren sind doch so unerwünscht auf ihrem heimatlichen Boden! Einst kam Bella Achmadulina (die bekannte Dichterin, Tatarin) aus Moskau auf der Krim an, mehrere Tage war sie mit ihren Blutsverwandten im Streikposten. Sie brachte einen Brief mit, der von ihren Freunden, von Schriftstellern unterschrieben worden war, von Jewtuschenko, Wosnesenski, Bitow,

Okudshawa, Aksjonow, Iskander: „An dem Tag, wo die Krim-Tataren auf die Krim zurückkehren, kehrt zu uns, zu der ganzen Menschheit und der lebendigen Welt die Krim zurück... Ohne die Krim-Tataren, ohne ihre Hilfe wird niemand jemals ihre Heimat und den Weltschatz – die Krim – retten...“ Nationalismus und Internationalismus... Viele schrecken vor dem ersten Wort zurück und treten für das zweite ein. Aber beide Begriffe bezeichnen unter heutigen Bedingungen etwas Abstoßendes. Legt sich die Nomenklatur für den Internationalismus wütend ins Zeug, so verteidigt sie ihre Interessen bis aufs Messer. Das, ihrerseits, führt zum Anwachsen von nationalen Stimmungen: man will in der Schule nur in der Muttersprache lernen, Heimatmelodien hören, die Lieblingsnationaltracht anziehen, man will keine gesichtslose Menschenmasse, ohne Sprache, ohne Wurzeln, ohne Abstammung sein. Die Konfrontation auf der Krim geht einstweilen weiter, mal still, mal lauter. Man kann verschiedene Hypothesen aufstellen und nach denen suchen, die davon profitieren. Aber Politik und Handel sind bei uns untrennbar. Deshalb ist es nicht einfach vorherzusagen, wie sich die Situation weiter entwickeln wird. Nie weiß man, wo das nächste Mal ein Sonderkommando zum Einsatz kommt, eine Moschee zerstört oder ein Friedhof geschändet werden, wo die radikal gestimmte krimtatarische Jugend zur Demo gehen wird, diesmal jedoch mit Molotow-Cocktail-Flaschen. Die Situation auf der Krim ist so verschwommen, dass sogar Politiker nichts prognostizieren können. Was besonders erstaunlich ist, ist das Verhalten der Bevölkerung der Ukraine im Allgemeinen: man möchte in den Krim-Tataren kein ursprünglich ansässiges Volk der Halbinsel sehen und beschuldigt sie aller möglichen Sünden. An die Aufrufe einiger Radikaler aus Meclis, die gesamte krimtatarische männliche Bevölkerung ab 18 Jahren zu mobilisieren, glaubt man kaum. Aber man befürchtet, dass die Entwicklung der Situation bei Machtverlust von jemandem anderen unter Kontrolle genommen werden wird, der genau weiß, worin das Interesse seines Landes besteht. Wird sich in diesem Fall das Jahr 1944 wiederholen?

Tschulpan Usmanova, Krim-Berlin Übersetzung: Anna Thyrolf

12


GESCHICHTE ИСТОРИЯ

Viele Jahre waren seit der Eroberung der Krim durch die zaristischen Truppen Katharina II. vergangen. Und doch lebten und hofften die Krimtataren, die noch nicht vertrieben waren und weiter unter russischer Herrschaft auf der Krim blieben auf Linderung ihrer Leiden, auf Milderung der Repressionen. Ein Hoffnungsschimmer – auch wenn nur von kurzer Dauer stellte wohl der Krimkrieg bzw. Orientkrieg (Восточная война) von 1853 bis 1856 dar. Die Alliierten Frankreich, Großbritannien, das Osmanische Reich und später auch das Königreich Piemont-Sardinien kämpften mit Russland um die Vorherrschaft in Europa. Das Zarenreich, das mit der Besetzung der Krim 1783 eine tatarische Migrationswelle ausgelöst hatte, sollte daran gehindert werden nun das ganze Schwarze Meer und den Bosporus unter seinen Einfluss zu bringen. Zu leiden hatten wie in jedem Krieg die Zivilisten: Auch der Krimkrieg trieb wieder tausende tatarische Familien über das Meer auf das kleinasiatische Festland oder über Jedisan und den Budschak in die Dobrudscha. So wie damals Tataren in der Osmanischen und zaristischen Armee kämpften, waren auch Deutsche auf beiden Seiten der Fronten zu finden: Zur Verteidigung Sewastopols auf russischer Seite im Krimkrieg trug Eduard Todleben wesentlich bei. Hoch war auch der Anteil von Deutschen im Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten Russlands und im diplomatischen Dienst, besonders unter Außenminister Graf Robert von Nesselrode (1814-1856). Im Jahre 1880 betrug der Anteil der Deutschen im diplomatischen Auswärtigen Dienst, überwiegend von Baltendeutschen 57 Prozent!(1). Viele Deutsche befanden sich im Zentralapparat unter den Ministerialräten („starschij sowetnik“). Von 1835 (

Немецкий осман в Крыму: Мехмед Али Паша

Foto aufgenommen bei Jannücke, Kaiserstr., Magdeburg

Ein deutscher Osmane auf der Krim: Mehmed Ali Pascha

Nr. 5/44, 2008

bis 1902 waren von 18 älteren Räten 11, von acht Direktoren der Kanzlei fünf Deutsche. Doch auch auf Osmanischer Seite wurde deutsch gesprochen. Zwei hohe Armeeführer der Muslime waren gebürtige Westeuropäer: Der Oberkommandierende der osmanischen Donau-Armee Ömer Pascha stammte aus dem Habsburgischen(2) und auch sein Ordonanzoffizier auf der Krim, Mehmed Ali Pascha war kein echter Osmane – er stammte aus dem Brandenburgischen. (Fortsetzung auf der S. 14)

1) Hecker, Hans: Die Deutschen im Russischen Reich, in der Sowjetunion und ihren

Nachfolgestaaten. Bielefeld: 1994. Und: Ахметшин / Насеров: Долг отвага чеcть. – Татары на службе отечеству. Sankt Peterburg: Slavia, 2006. ( 2) Ömer Paşa hieß bei Geburt Michael Latas (* 24. November 1806, Plaški, Südungarn - † 18. April 1871, Konstantinopel) serbischer Herkunft. Sein Vater war k.u.k. Verwaltungsleutnant. Nach dessen Entlassung desertierte Michael 1828 zu den Osmanen.

Со времени завоевания Крыма царскими войсками Екатерины Второй прошло много лет. Но крымские татары, которых еще не изгнали с полуострова и которые продолжали жить под российским владычеством, надеялись на то, что их страдания уменьшаться, и карательные меры по отношению к ним смягчатся. Проблеск надежды, совсем короткий, подарила было Крымская война 1853-1856 годов, которую еще в некоторых источниках именуют Восточной войной. Против России за господство в Европе воевали, объединившись в союз, Франция, Великобритания, Османская империя и позже – королевство Пьемонт-Сардиния. Царская Россия завоевала в 1783 году Крым и вызвала этим самым огромную волну переселения крымских татар, и теперь перед

союзниками стояла задача предотвратить распространение влияния России на Черном море и на Боспоре. Как и в любой войне, больше всего страдало от этого гражданское население. Крымская война также заставила покинуть родные места тысячи татарских семей и двинуться в поисках лучшей доли и мира за море, на малоазиатское побережье либо через Йедисан и Буджак в Добруджу. С обеих сторон – и в османской армии, и в русской – воевали татары. Подобным же образом по обе стороны фронта воевали и немцы: с русской стороны несомненный вклад в оборону Севастополя в Крымской войне внес генерал Эдуард Тодлебен. Очень много немцев служило также в русском министерстве иностранных дел, на различных дипломатических постах, особенно в бытность министром иностранных дел графа Роберта фон Нессельроде (1814-1856). В 1880 году доля немцев на дипломатической службе русского МИДа составила 57%, преимущественно из прибалтийских немцев. Многие немцы служили в центральном аппарате в звании старших советников. С 1835 по 1902 годы из 18 высших чинов МИДа 11 были немцами, из 8 директоров Канцелярии – соответственно 5. Но и с османской стороны была слышна немецкая речь. Два высоких армейских чина в мусульманском воинстве были урожденными западноевропейцами. Главнокомандующий Османской Дунайской армии Умер Паша был родом из Габсбургских, а его офицер-ординарец в Крымской кампании, Мехмед Али Паша не был настоящим османом – он происходил из Бранденбургских краев. Мехмед Али Паша родился 18 ноября 1827 года как Людвиг Карл Фридрих Детруа, с гугенотскими корнями, сын прусского придворного музыканта профессора Карла Фридриха Детруа и его жены Анриетты Жаннетты Северин. Родители его родителей (Продолжение на стр. 14)

13


GESCHICHTE ИСТОРИЯ Mehmed Ali Pascha

Nr. 5/44, 2008

Мехмед Али Паша

Gemälde „Berliner Kongress“, Anton von Werner (ganz rechts Mehmed Ali Pascha) (Anfang auf S. 13)

Mehmed Ali Pascha, geb. am 18. November 1827 als Ludwig Carl Friedrich Détroit, war hugenottischer Abstammung und der Sohn des preußischen Hofmusikers Prof. Carl Friedrich Détroit und dessen Ehefrau Henriette Jeanette Séverin. Seine Großeltern waren Instrumentenbauer in Berlin. Seine Mutter verstarb früh und auch sein Vater folgte ihr völlig verarmt in die Ewigkeit, woraufhin Ludwig Carl und seine Schwester Rosalie in ein Waisenhaus in Magdeburg gegeben wurden. Nach dem Besuch der Grundschule wechselte Ludwig Carl Friedrich Detroit auf das Domgymnasium Magdeburg. In der Tertia (vor der "mittleren Reife") brach er die Schule ab und wurde zur kaufmännischen Lehre bei Kaufmann Köpke gegeben. Mit knapp 16 Jahren verließ Ludwig Carl Détroit 1843 heimlich seine Heimat, schlug sich bis zur Ostsee durch und heuerte auf einer mecklenburgischen Brigg als Schiffsjunge an. Im Hafen von Konstantino-

pel desertierte er mit einem Sprung ins Wasser vom Schiff, andere Stimmen berichten er sei ins Wasser gefallen. Wie dem auch sei, zufällig wurde er durch Ali Efendi, den späteren Großwesir, gerettet, der auch bis zu seinem Tod 1871 sein Gönner blieb. Karl Detroit konvertierte zum Islam; ein Umstand, der beinahe zu einem Politikum geriet, da die preußische Gesandtschaft für den Deutschen Bund offiziell bei der osmanischen Regierung protestierte. Durch seinen Gönner wurde Mehmed Ali 1846 an einer Kadettenschule angenommen und dort seine Ausbildung 1853 abgeschlossen. Noch im selben Jahr wurde er im Rang eines "SecondeLieutenants" von der osmanischen Armee übernommen. Während des Krimkrieges fiel Mehmed Ali dem Oberkommandierenden der Donauarmee Omar (Ömer) Pascha auf. Er wurde zu seinem Ordonnanzoffizier ernannt. Bei Kriegsende hatte Mehmed Ali den Rang eines Majors inne. Im Stab von Ömer (Fortsetzung auf der S. 15)

(Начало на стр. 13) были мастерами по изготовлению музыкальных инструментов в Берлине. Мать его умерла рано, а вскоре за ней последовал и отец, вконец обедневший. После этого Людвиг Карл и его сестра Розалия попали в сиротский приют в Магдебурге. После окончания начальной школы Людвиг Карл Фридрих Детруа стал посещать гимназию при соборе Магдебурга. Незадолго до получения так называемого «неполного среднего образования» он бросил учебу и пошел в обучение к купцу Кёпке, чтобы научиться торговому делу. В 16 лет Людвиг Карл Детруа тайно покинул в 1843 году родину, пробился к Балтийскому морю и завербовался на мекленбургский бриг корабельным юнгой. В порту Константинополя он сбежал с судна, прыгнув в воду с борта, по другим источникам – он случайно упал в воду. Как бы то ни было, но его случайно спас Али эфенди, будущий великий визирь, который до самой своей смерти в 1871 был его покровителем. Карл Детруа принял Ислам, – обстоятельство, которое приобрело политическое значение, так

как немецкая дипломатическая миссия, представлявшая союз немецких государств, выразила Османскому правительству официальный протест. Благодаря своему покровителю Мехмет Али был принят в 1846 году в кадетскую школу, которую окончил в 1853 году. Еще в том же году он поступил на службу в Османскую армию в звании «секундлейтенанта». Во время Крымской войны Мехмеда Али заметил главнокомандующий Дунайской Армией Омар Паша. Он был назначен его ординарцем. К концу войны Мехмед Али уже имел чин майора. Будучи офицером штаба Омара Паши, он принимал участие в различных военных кампаниях: в Черногории (1861), на Крите (1867) и многих других. В 1865 году он досрочно получил звание бригадного генерала и в 1871 году, после смерти Али Паши, был направлен в Родопские горы, чтобы подавить начавшиеся там волнения. В 1875-1876 годах Мехмед Али дислоцировался в Боснии, но как военному там ему не сопутствовала удача. Став преемником (Продолжение на стр. 15)

14


GESCHICHTE ИСТОРИЯ Mehmed Ali Pascha (Anfang auf S. 13)

Pascha nahm Mehmed Ali an verschiedenen Kriegen teil: Montenegro (1861), Kreta (1867) u.v.m. 1865 avancierte er zum Brigadegeneral und wurde 1871, nach Ali Paschas Tod, ins Rhodopen-Gebirge versetzt, um Unruhen zu unterdrücken. Zwischen 1875 und 1876 war Mehmed Ali in Bosnien stationiert, war aber dort militärisch nicht sehr erfolgreich. Als Nachfolger von Abdul Kerim wurde Mehmed Ali am 18. Juli 1877 zum Muschir ernannt. Als solcher hatte er den Oberbefehl der osmanischen Armee in Bulgarien inne. Nach dem Fall von Plewen wurde Mehmed Ali mit Wirkung vom 9. Januar 1878 Oberbefehlshaber einer Heimatarmee, welche er zum Schutz Konstantinopels aufgestellt hatte. Am 3. März 1878 traf er mit dem Großfürsten Nikolaus aus Russland zu Friedensverhandlungen in San Stefano zusammen, wo ihn dieser in Anspielung an seine alte Heimat auf Französisch fragte: „Ich hoffe, General, dass Sie das Deutsche noch nicht vergessen haben und dass man mit Ihnen in der Sprache Ihres Ex-Vaterlandes sprechen kann“. Ali Pascha bejahte dies und es folgte eine kurze Unterhaltung. Im Juni 1878 wurde er Mitglied der osmanischen Delegation, welche unter Leitung von Alexander Carathéodori am Berliner Kongress teilnahm. Die Hohe Pforte wählte ihn seiner Herkunft wegen aus, was aber in Berlin nicht gewürdigt wurde. Otto von Bismarck sprach von einer "Taktlosigkeit", und der gesamte deutsche Generalstab lehnte die Anwesenheit Mehmed Alis ab. Diesen Aufenthalt in Deutschland nutzte Mehmed Ali Pascha zu einem Besuch in seiner Geburtsstadt Magdeburg am 16. Juli. Dort ließ er sich fotografieren, besuchte mit Kommerzienrat Gruson alte Plätze seiner Jugend und die Anlagen des HerrenkrugParks. Sofort im Anschluss an den Berliner Kongress wurde Mehmed Ali ins Grenzgebiet Monte-

negro – Albanien geschickt, um einen Aufstand niederzuschlagen. Er war schon recht in Ungnade gefallen, logierte aber dennoch mit 45 Bediensteten in Konstantinopel. Im Alter von 50 Jahren wurde Mehmed Ali Pascha in Djakovica am 7. September 1878 von Aufständischen erschlagen. Er ließ seine türkische Frau und seine vier Töchter mittellos zurück. Die Umstände seines Todes wurden nie ganz aufgeklärt. Verrat, Neid und Argwohn gegen den ehemaligen Giaur (Ungläbigen) sollen die Ermordung ermöglicht haben. Einer der Urenkel von Mehmed Ali Pascha gelangte ein Jahrhundert später zu Berühmtheit in der Türkei und weltweit: Der türkische Nationaldichter Nazim Hikmet. Doch auch Mehmed Ali Pascha, zeitlebens Offizier, war den schönen Künsten zugeneigt. Den Berliner Kongress unterhielt er mit seinem selbst geschriebenen Gedicht „Die Rose von Jerichow“ und den Magdeburgern ließ er eine Übersetzung aus dem Arabischen zurück: Geliebte, wenn einst gebrochen mein Herz Nicht mehr für dich kann schlagen Und dunkle Zypressen epheuumrankt Über meinem Grabe ragen, So will ich liegen und warten, bis Man auch Dich in die Erde wird legen, Doch dann soll mein vermodert Gebein Tief unten noch einmal sich regen. Und so oft von Deinem Grabe der Wind Wird ein wenig Erde mir bringen, Soll von meines Herzens Asche herauf Ganz leise ein Klagelied klingen.

Quellen: Heuss, Theodor: Mehemed Ali. In: Ders.: Schattenbeschwörung. Randfiguren der Geschichte. Stuttgart / Tübingen: Wunderlich, 1947. Risse, Joseph: Mehmend Ali Pascha. In: Historische Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt (Hrsg.): Mitteldeutsche Lebensbilder. 3. Band Lebensbilder des 18. und 19. Jahrhunderts. Selbstverlag der Historischen Kommission, Magdeburg 1928, S. 469– 480.

Vorbereitet von Mieste Hotopp-Riecke

Nr. 5/44, 2008

Мехмед Али Паша

Ömer Pascha (Начало на стр. 13) Абдул Керима, 18 июля 1877 года Мехмед Али получил титул мушира. В этом качестве он был главнокомандующим Османской армии в Болгарии. После падения Плевны Мохаммед Али 9 января 1878 года был назначен Главнокомандующим армии соотечественников, сформированной для защиты Константинополя 3 марта 1878 года он встретился с великим князем Николаем из России в Сан-Стефано, чтобы вести переговоры о заключении мира, и тот, намекая на его бывшую родину, спросил по-французски: «Я надеюсь, генерал, что Вы еще не забыли немецкий язык, и с Вами возможно говорить на языке Вашего бывшего отечества». Али Паша утвердительно кивнул головой, и затем последовала краткая беседа. В июне 1878 года Али Паша был членом османской делегации, которая под руководством Александра Каратеодори принимала участие в Берлинском Конгрессе. Высокие Врата в Константинополе сделали этот выбор из-за его происхождения, что не было, однако, должным образом оценено в Берлине. Отто фот Бисмарк назвал это «бестактностью», и весь генеральный штаб отказался признать присутствие Мехмеда Али. Это пребывание в Германии Мехмед Али Паша использовал, чтобы навестить 16 июля родной город Магдебург. Там он сфотографировался, побывал вместе с советником по коммерции Грузоном в местах своего детства, а также прошелся по дорожкам парка Herrenkrug. Сразу по завершении Берлинского Конгресса Мехмеда Али

направили в приграничные районы Черногории – Албании, чтобы подавить восстание. Это было не лучшее для него время – он впал в немилость, проживал, тем не менее, с 45 слугами в Константинополе. В возрасте 50 лет, 7 сентября 1878 года он был убит восставшими в местечке Дьяковица. Свою турецкую жену и четырех дочерей он оставил без средств к существованию. Обстоятельства его смерти никогда не были выяснены до конца. Предательство, зависть и недоверие к бывшему гяуру (неверному), вероятно, послужили одними из причин смерти. Один из правнуков Мехмеда Али Паши сто лет спустя стал знаменит не только в Турции, но и во всем мире: это национальный турецкий поэт Назим Хикмет. Впрочем, и сам Мехмед Али Паша, всю жизнь бывший офицером, не был чужд искусств. Перед Берлинским конгрессом он прочел стихотворение собственного сочинения «Роза из Иерихова», а магдебуржцам он оставил стихотворные переводы с арабского языка. Любимая, если однажды мое разбитое сердце Перестанет биться для тебя, И темные кипарисы, обвитые плющом, Устремятся ввысь у моей могилы, То я хотел бы лежать и дождаться, Когда тебя положат в землю, Но тогда мое истлевшее тело Из глубины подымется вновь. И каждый раз, когда с твоей могилы Ветер будет приносить мне немного земли, Прах моего сердца будет тихонько Издавать звуки жалостливой песни. (подстрочник)

Источники: Heuss, Theodor: Mehemed Ali. In: Ders.: Schattenbeschwörung. Randfiguren der Geschichte. Stuttgart / Tübingen: Wunderlich, 1947. Risse, Joseph: Mehmend Ali Pascha. In: Historische Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt (Hrsg.): Mitteldeutsche Lebensbilder. 3. Band Lebensbilder des 18. und 19. Jahrhunderts. Selbstverlag der Historischen Kommission, Magdeburg 1928, S. 469– 480.

Подготовил Мисте Хотопп-Рике

15


DAS DARF MAN Nr. 5/44, 2008

NICHT VERGESSEN ПОЕЗД ПАМЯТИ Непривычный в наши дни черный паровоз в клубах пара и небольшой состав – удлиненный вагон и две маленькие теплушки. Так и кажется, что вот сейчас, будто перенесенная машиной времени из далеких 1940-х годов, высыпет на перрон толпа оживленных ребятишек в коротких штанишках и девочек в праздничных платьицах. Но нет, никто не выходит... А навстречу поезду уже спешат школьники (их, вероятно, специально сняли с уроков), журналисты, те, кому небезразлична история, чтобы встретиться с трагедией прошлого. Поезд этот, созданный активистами фонда «Zug der Erinnerung», – напоминание о маленьких жертвах нацизма. Семьдесят лет назад подобных составов с теплушками, битком набитыми маленькими несчастными пассажирами поневоле, были многие сотни. Только в одной Германии таким образом были уничтожены десятки тысяч детей, а по всей Европе – сотни тысяч. Франкфуртна-Майне, Дармштадт, Маннхайм, Карлсруэ, Потсдам, Дрезден и ряд других городов Германии, откуда были депортированы эти дети, – вот маршрут этой необычной выставки на колесах. Под звуки грустной музыки начинается осмотр музея. Современный вагон кажется бесконечно

Am Bahnhof in Frankfurt/Main длинным. В крошечных купе вместо привычных полок посетителей окружают фотографии детей, порою в окружении счастливых родителей. И почти под каждой: «ей (ему) не суждено было вернуться домой...». За редким исключением: «удалось выжить». На этих фотографиях еще нет погромов, нет войны. С них улыбаются нам дети, еще не подозревающие, что очень скоро оборвется их детство, что впереди у них разлука с родителями и теплушки в Освенцим

или Треблинку.... Путь в лагеря смерти у большинства из них уже был «намечен» по происхождению, по указу Гитлера – это еврейские и цыганские дети. Вместе с ними увозились также и немецкие дети, чьи родители выступили против нацизма и сгинули в его жерновах. На стенах купе также копии документов, циркуляры министерства путей сообщения (Reichsbahngesellschaft) о предоставлении вермахту транспорта для ежедневной депортации 5000 евреев – это один из людоедских документов, представленных здесь. Также и карта концлагерей и лагерей уничтожения на территории Германии и Европы. Посетители, большей частью молодежь, учащиеся непрерывной лентой в глубоком молчании движутся по вагону, останавливаясь и простаивая перед фотографиями с биографическими данными, всматриваясь в лица сверстников, пришедших к ним из трагического далека, «приехавших» в поезде «Памяти». (А кое-где, как во Франкфурте-на-Майне, на встречу с ними пришли двое из горстки уцелевших пассажиров эшелона смерти – Маргот Клейнбергер (Margot Kleinberger), выжившая в Освенциме (Auschwitz), и Труде Зимонсон (Trude Simonson), пережившая Освенцим и Терезиенштадт (Teresienstadt). В последнем отсеке вагона также фотографии с биографиями. Здесь представлены палачи. Это работники министерства путей сообщения, которые были членами нацистской партии и принимали непосредственное участие в депортации детей в концлагеря. Вот только две страшные фигуры из представленных здесь. Юлиус Дортмюллер (Julius Dortmueller), родился в 1869 году в Вуппертале, окончил техническую высшую школу в Аахене. С 1926 года – генеральный директор железных дорог Германии (Generaldirektor der Reichsbahngesellschaft). В 1937 году вступил в нацистскую партию и в течение семи лет был министром путей сообщения (Reichsverkehrsministr). Умер в июле 1945 года. Возмездие его не коснулось. После войны, до 1985 (Продолжение на стр. 17)

ZUG DER ERINNERUNG Sie kommt an einem Seitengleis des städtischen Hauptbahnhofs an genau nach dem Fahrplan. Eine eher ungewöhnliche, mit Dampfschwaden umwobene Lokomotive, die ein paar Waggons zieht: Einer davon ist etwas verlängert und sieht wie ein Passagierwaggon aus. Die restlichen zwei sind Frachtwagen mit eingebauten Heizöfen. Die Szene ist wie ein Blick in eine Zeitmaschine, in die 40-er Jahre. Jetzt fehlt die Schar lebhafter Knaben in kurzen Hosen und Mädchen in schönen Festkleidern, die auf den Bahnsteig herausströmt. Nein! Keiner kommt aber raus. Dem Zug nähert sich eine Gruppe von Schülern (sie haben ihren Wandertag extra darauf ausgerichtet), ihnen folgen Journalisten und Interessierte, Leute, die sich erinnern wollen, die eine Begegnung mit der Vergangenheit nicht scheuen, die den Zug der Erinnerung nicht an sich vorbei fahren lassen. Dieser Zug, geschaffen von Aktivisten der Stiftung „Zug der Erinnerung“ ist eine Erinnerung an die kleinen Opfer, die Kinder, des Naziregimes. Vor siebzig Jahren rollten Eisenkolosse auf Schienen mit kaum beheizten Frachtwaggons vollgestopft mit kleinen, traurigen Zwangspassagieren durch ganz Europa. Allein in Deutschland kamen Tausende Kinder auf diese Weise um, in ganz Europa – sage und schreibe mehrere Hundertausend. Karlsruhe, Mannheim, Darmstadt, Frankfurt am Main, Dresden, Potsdam und andere Städte bilden die Route dieser Ausstellung auf Schienen. Es sind die Bahnhöfe dieser und anderer Orte von denen die Kinder deportiert wurden. Eine traurige Musik erfüllt den Waggon, der nun als Museum fungiert. Statt Sitzplätze oder Liegen erblickt man Kinderfotos an den Wänden. Auf einigen davon sieht man sie noch von ihren glücklichen Eltern umarmt. Aber unter fast jedem Foto steht geschrieben: „...er (sie) kommt nie wieder nach Hause zurück.“ Sehr selten erscheint eine andere Überschrift „...es schaffte doch lebendig zu bleiben“. Diese Fotos stellen noch keine Pogrome, keinen Kriegsalltag dar. Von ihnen schauen uns lächelnde Kinder an, die noch weit davon sind, sich vorzustellen, dass ihre Kindheit bald ein Ende haben würde, dass die Trennung von ihren Eltern nahte, dass sie mit den Frachtwaggons in Richtung Auschwitz und Treblinka gefahren wurden. Das Ziel ihrer Fahrt – die Todeslager – war vorbestimmt, weil sie die Kinder von Juden, Sinti und Roma waren. Unter ihnen aber waren auch deutsche Kinder, deren

Eltern sich gegen das Hitlerregime zu wehren wagten. Die Wände der Abteile zeigten neben Bilder von Kindern auch Kopien von Dokumenten und Rundschreiben der Reichsbahngesellschaft, wonach Transportmittel für die tägliche Deportation von 5 000 Juden der Wehrmacht zur Verfügung gestellt werden müssen – ein Nachweis für das menschenfresserische System des Faschismus. Auch eine Landkarte mit

Konzentrations- und Vernichtungslagern auf dem Gebiet Deutschlands und Europas ist dabei. Die meisten der Besucher sind Jugendliche, Schüler und Studenten, einfach junge Leute, die in tiefem Schweigen langsam durch den Waggon ziehen, an einzelnen Fotos mit autobiografischen Daten stehen bleiben und sich die Gesichter der Altersgenossen anschauen, die zu ihnen aus der traurigen Ferne mit den „Gedächtniszug“ gekommen sind. Zwei, die die Zeit damals hautnah miterlebten kamen nach Frankfurt: Margot Kleinberger, die Auschwitz überlebte, und Trude Simonson, die sowohl durch Auschwitz, als auch Teresienstadt über sich ergehen lassen musste. Sie erzählten von damals. Aber der Zug der Erinnerung zeigt nicht nur Opfer. Das letzte Abteil ist mit Fotos und dazu gehörigen Biografien ausgestattet. Doch sind es die Viten und Konterfeis der Täter und verantwortlichen Mitarbeiter der Reichsbahngesellschaft, die an der Deportation von Kindern in die KZs unmittelbar beteiligt waren. Einer davon ist Julius Dortmüller, geboren 1869 in Wuppertal. Nach Abschluss der technischen Hochschule zu Aachen arbeitete er seit 1926 als Generaldirektor der Reichsbahngesellschaft. 1937 tritt er der NSDAP bei und bekleidet sieben Jahre lang den Posten des Reichsverkehrsministers. Er starb im Juli 1945. Somit konnte er der Vergeltung entgehen. Noch bis zu 1985 gab es in Wuppertal und Hameln Straßen, (Fortsetzung auf der S. 17)

16


ЭТОГО ЗАБЫТЬ Nr. 5/44, 2008

НЕЛЬЗЯ ПОЕЗД ПАМЯТИ (Начало на стр. 16) года, его имя носили улицы в Вуппертале (Wuppertal), Гамельне (Hameln), а в здании главного железнодорожного вокзала Ганновера был зал его имени – Dortmuellersaal. Вплоть до 1995 года он оставался для своих сограждан, уже в обновленной Германии, «почетным железнодорожником». Вторая персона – Карл Вольф (Кarl Wolf). В качестве адъютанта Гиммлера (Himmler ) он был важнейшим связующим звеном между СС (SS) и министерством путей сообщения. Только в 1964 его «обнаружили», и он был приговорен Мюнхенским судом к 15 годам заключения. Всего лишь на 15 лет! За 300 тысяч погубленных детских душ с непосредственным его участием. Но он не просидел и эти «законные» – в 1971 году его уже освободили (1971 erhielt Wolf VERSCHONUNG)! В этом отсеке вагона, отсеке палачей, стоит приглушенный шум – посетители, переговариваясь между собой, вопрошают, как могло минуть их возмездие? И толпятся у столика с книгой отзывов. Выстояв небольшую очередь, они заносят в нее свои впечатления от увиденного. Активистка фонда госпожа Дреесен ( Dreesen) дает разъяснения по выставленным экспонатам. «Поезд Памяти» – это фонд гражданской инициативы, созданный в результате кооперации трех земель – Средней Нижней Саксонии, Баден–Вюртемберга и Саксонии, – и возглавляемый гг. Виртцем (Wirtz) и Миновым (Minow). В каждом городе федеративной республики имеются памятные места и музеи, посвященные жертвам Холокоста, скорбные экспонаты которых постоянно пополняются, а интерес к ним не угасает. Одним из таких мест является железнодорожный вокзал Нюрнберга, где был создан музей депортации жертв гитлеровского режима. Виртц и Минов решили расширить этот музей и пустить его по рельсам Германии, сделав доступным для всех ее жителей. Они вместе со своими единомышленниками создали фонд под названием «Поезд Памяти». Фонд открыл счет, на кото-

рый тысячи жителей страны переводили свои пожертвования. Только благодаря собранным средствам (около 250000 евро) фонд смог осуществить задуманную акцию. И этот паровоз с парой теплушек и вагоном еще раз напомнил миру о минувшей трагедии. Организовав музей на колесах, сотрудники фонда провели огромную работу, чтобы напомнить о депортированных детях, для которых конечной станцией были лагеря уничтожения. Впрочем, есть у поезда-музея и еще одна важная задача: привлечь школьников к поиску уцелевших при нацизме их бывших сверстников и судьбам тех, кто не выжил. С этой целью фонд «Поезд Памяти» разработал анкеты для учащихся, которые они могли бы использовать в своих поисках. Ведь на сегодняшний день удалось идентифицировать и восстановить лишь 12000 имен из огромного списка. Франкфурт-на-Майне стал первым пунктом, откуда начался этот траурный маршрут. День старта, 8 ноября 2007 года, был приурочен к очередной годовщине «хрустальной ночи», в которой Франкфурту, как известно, была отведена далеко не последняя роль. А спустя пять месяцев, 13 апреля 2008 года, проехав 3 тыс. км по всей Германии, поезд прибыл под своды Берлинского вокзала, в германскую столицу, бывшую в 1940-е годы символом фашистского рейха. Конечный пункт его назначения – Освенцим (Auschwitz), где закончили свой путь сотни тысяч депортированных детей. Он прибывает сюда 8 мая 2008 года, в день, когда весь мир отдает дань памяти жертвам величайшей трагедии ХХ века и вспоминает 50 миллионов погибших в Мировую войну. А как, между прочим, было бы хорошо, если бы точно такой же поезд пустили бы и в России – по всем пунктам и островкам сталинского ГУЛАГа, как напоминание о миллионных жертвах другого, столь же зловещего тоталитарного режима, принесшего неисчислимые беды и страдания своему народу. Подробности см. на сайте: www.zug-der-erinnerung.eu

Зайтуна Ареткулова Член международного общества «Мемориал»

ZUG DER ERINNERUNG (Anfang auf S. ) die seinen Namen trugen. Der Hauptbahnhof Hannover verfügte über den Saal, der nach ihm benannt war – Dortmüllersaal. Noch vor knapp zehn Jahren galt er als „ehrenhafter Eisenbahner“. Ein weiterer ist Karl Wolf. Er war Ordonnanzoffizier von Himmler und somit die wichtigste Kontaktperson zwischen SS und Verkehrsministerium. Erst 1964 wurde er „wieder entdeckt“ und durch das Münchener Gericht zu 15 Jahren Haft verurteilt. Nicht viel für 300 000 ermordete Kinderseelen, an deren Vernichtung er sich aktiv beteiligte. Und selbst diese gesetzlich verhängten 15 Jahre musste er nicht absitzen. 1971 erhielt Karl Wolf großzügige VERSCHONUNG. In diesem kleinen Abteil, im Abteil der Henker, herrscht gedämpfter Lärm: die Besucher sprechen einander an und stellen innerlich erbost Fragen, wieso diese Leute ungestraft blieben? Ein Blick ins Gästebuch macht dies deutlich. Inzwischen steht die Aktivistin der Stiftung, Frau Dreesen, bereit um Fragen zu beantworten. „Zug der Erinnerung“ ist ein lang ersehntes Produkt, das in Kooperation mit Bürgerinitiativen in drei Bundesländern – Niedersachsen, BadenWürttemberg und Sachsen – entstanden ist. Jede Stadt in Deutschland verfügt über ereignisreiche Orte und Museen, die den Holocaustopfern gewidmet sind und deren beklagenswerte Ausstellungsstücke ständig erweitert werden, aber das Interesse daran bleibt unverändert lebhaft. Dazu gehört auch der Hauptbahnhof in Nürnberg, wo ein Museum für deportierte Opfer des Naziregimes entstanden war. So reifte der Entschluss, ein Museum auf Schienen zu entwickeln und quer durch Deutschland reisen zu lassen, um für viele zugänglich werden. So kam die Stiftung „Zug der Erinnerung“ ins Leben. Die Stiftung eröffnete ein Konto, auf das Spenden von Tausenden Einwohnern des Landes eingingen. Dank diesen gesammelten Geldmitteln (ca. € 250 000) konnte die Stiftung ihr Vorhaben umsetzen. Diese Dampflokomotive und die beiden Frachtwaggons erinnerten die ganze Welt nochmals an die vergangene Tragödie. Die Mitarbeiter der Stiftung vollbrachten eine enorme Leistung, indem sie dieses Museum auf Rädern ins Leben gerufen und an die verschollenen Kinder, für die die Endstation in diesem Zug die Todeslager waren, erinnert haben. Dieser Museumszug hat aber auch eine weitere wichtige Aufgabe:

Die Schüler an die Suche ihrer damaligen Altersgenossen, die unter dem Naziregime am Leben geblieben sind, heranzuziehen und die Schicksale dieser Leute zu erforschen. Für diesen Zweck hat die Stiftung „Zug der Erinnerung“ Fragebögen für Schüler zusammengefasst, die den Schülern bei ihrer Suche hilfsreich sein könnten. Es sind doch nach dem heutigen Stand nur 12 000 Namen aus der unendlichen Liste identifiziert worden Frankfurt am Main ist die erste Station, wo der traurige Zug seinen Weg startete. Der 8. November 2007 wurde nicht willkürlich ausgewählt, es ist der Tag der „Reichskristallnacht“. Fünf Monate später, am 13. April 2008, nachdem der Zug 3000 km durch ganz Deutschland zurücklegte, kam er im Berliner Bahnhof an, in der deutschen Hauptstadt, die in den 40-er Jahren das Symbol des faschistischen Reichs darstellte. Die Endstation des Zuges war Auschwitz, der Ort, wo Tausende

Eine der Expositionen des Zuges deportierte Kinder ihren Tod gefunden hatten. Er kam dort am 8. Mai 2008 an. Am Tag, an dem die ganze Welt den Opfern der größten Tragödie des vergangenen Jahrhunderts ihren Tribut zollt und sich an die 50 Millionen Menschen erinnert, die im Zweiten Weltkrieg getötet wurden. Wäre es nicht vielleicht angebracht zu überlegen, ob so ein Zug durch Russland rollen sollte. Mit Landkarten und Orten im Gepäck, die an die Millionen Leute erinnern, die in stalinistischen GULAGs ermordet wurden? Weitere Informationen auf der Internet-Seite: www.zug-der-erinnerung.eu

Säjtünä Aritkulowa, Frankfurt/Main Mitglied der internationalen Stiftung „Memorial“ Übersetzung: Bari Dianov

17


SABANTUI-2008

Nr. 5/44, 2008

18


Nr. 5/44, 2008

ПОСЛЕДНЯЯ ВЫСОТА (Начало на стр. 7) со связистками, а Матрена Федотовна, кроме того, готовила им пищу. После отъезда немцев Иван Данилович 14-летним пацаном вместе с другими принимал участие в похоронах Зои. Им ли не знать, как все было на самом деле. «Узнав о том, что в село заскочила немецкая разведка, начальник отряда дал команду покинуть помещение, где они жили, и принять меры для укрытия. Не покинула свое место только Зоя и приняла на себя неравный бой с вооруженной немецкой раз-

ведкой... Когда немцы уехали, к концу дня собрались оставшиеся солдаты. Они очень спешили. Побросав в мешок свои пожитки, они погрузились на подводу и с наступлением ночи выехали из Садового, причем их командир переоделся для маскировки в женскую одежду». Да, не Федот Васков достался Альбаевой в короткий месяц ее фронтовой службы. Но с другой стороны, где же их было напастись на всех, этих Васковых? Хотя, подозреваю, был один такой и в их части, только далеко от Садового. Это – Погорелов.

DIE LETZTE HÖHE (Anfang auf S. 7) Sie berichten völlig andere Sachen. Iwan Kolganow und seine Mutter Matrjona wohnten in derselben Straße, in der Nachbarschaft mit den Mädchen aus den Nachrichtentruppen, und Matrjona kochte sogar für sie. Iwan war damals 14 Jahre alt. Nachdem die deutschen Soldaten weg waren, nahm er mit anderen Jungen des Dorfes an Sojas Beerdigung teil. Sie wussten genau, wie es in Wirklichkeit war. „Als der Befehlshaber der Abteilung erfuhr, dass eine deutsche Aufklärungsgruppe in Richtung des Dorfes kam, befahl er, den Raum, in dem sie wohnten, zu verlassen und sich zu verstecken. Nur Soja verließ ihren Platz nicht und lieferte sich eine ungleiche Schlacht mit der

bewaffneten deutschen Aufklärungsgruppe... Als die Deutschen weg waren, versammelten sich am Abend die restlichen Soldaten. Sie beeilten sich, steckten all ihre Sachen in ihre Säcke, setzten sich auf ein Fuhrwerk und noch in der Nacht verließen sie Sadowoje. Dabei zog sich ihr Befehlsgaber zur Tarnung Frauenkleidung an“. Tja, es war wohl ein falscher Fedot Waskow (Waskow war Held einer anderen Kriegsgeschichte, wo er auch eine Mädchengruppe hatte, aber verteidigte sie bis zur letzten Patrone), mit dem Albajewa in ihrem kurzen Monat des Frontdienstes zu tun hatte. Konnte man viele Waskows finden? Ich kann vermuten, einen zumindest gab es in ihrem Regiment, jedoch weit von Sadowoje: Das war Pogorelow.

...Когда в апреле 1975г. в Садовом открывали мемориал воинов, павших при освобождении села от немецкой оккупации, состоялось перенесение на братское кладбище и праха Зайтуны Альбаевой. Но перенесение было чисто символическим. За 30 лет подвижный, сыпучий песок поглотил кости без остатка. Не осталось ничего, кроме нематериальной, неосязаемой памяти. Хотя и это немало. Но иногда задумаешься: а что если наша мелкая пустопорожняя суета, подобно тому песку, поглотит и ее? Что останется тогда? И чего мы все без нее будем стоить?

Игорь Рейф Франкфурт-Майн, Специально для АлТаБаш ...Als im April 1975 die Gedenkstätte der gefallenen Kämpfer, die bei der Befreiung des Dorfes vom Gegner ums Leben kamen, eröffnet wurde, wurden die Überreste von Sajtuna Albajewa in das Massengrab umgebettet. Diese Umbettung war eher symbolisch. Im Laufe von 30 Jahren absorbierte der Flugsand der Steppe ihre Knochen ohne Spur. Es blieb nichts materielles, aber die Erinnerungen, die immateriellen, unfühlbaren, untastbaren Erinnerungen sind geblieben. Das ist auch nicht wenig. Obwohl – manchmal denke ich: Wenn unsere leere, unwichtige Hast des Tages auch unsere Erinnerung wie jener Flugsand absorbiert, was bleibt dann? Und wie viel wert werden wir ohne Erinnerung sein?

Igor Reif, Frankfurt-Main, Speziell für AlTaBash

Святая душа Я видел Я видел Я видел Я видел

сон. И в этом сне ужасы войны, трупы на земле, реки из крови,

И речь его была чиста, А голосок невинен был, Душа моя вдруг ожила, Хоть детских слов не различал.

Дитя войны беспечно строит, Дом новый из осколков зла, Куском брони он крышу кроет, Из гильз построена стена.

Я видел груды, груды тел, Я б не стерпел всех этих мук, Но я услышал: кто-то пел, И я пошел, пошел на звук.

А голос громче становился, Все громче. Угол. Поворот. Я, повернув, остановился: Солдат, ребенок, пулемет.

Играет в кубики, не зная, Святая, детская душа, Что этим жизни отнимают, Все, разрывая и круша.

Я пробирался через смерть, Я плохо видел – все в чаду, Как можно в этом пекле петь? Так ангелы поют в саду!!!

Казалось, что военный спит, Но на виске кровавый след. Мальчишка рядышком сидит, Как будто воин на свете нет.

Во сне я закричать хотел: Мир брани! Посмотри сюда! На землю ангел прилетел! Спасем же бедное дитя!!

Алимов Таиф, 13 лет, Москва

19


SABANTUI-2008

Nr. 5/44, 2008

Rathaus Lichtenberg, Berlin

Impessum Die Zeitschrift AlTaBash wird in Berlin als elektronisches Medium und als Druckausgabe herausgegeben.

Redaktion Ve n e r a Va g i z o v a — C h e f - R e d a k t e u r Bari Dianov Elif Dilmac Lev Gerasimov Mieste Hotopp-Riecke Viktoria Kupzova Ilmira Miftakhova Albina Nurutdınova Michael Ustaev A l ı y e Ya s y b a Weitere Beteiligte bei dieser Ausgabe: Tschulpan Usmanova, Sajtuna Aretkulowa, Igor Reif, Landysh Nigmatullina, Lälä Gataullina, Anne Thyrolf, Alexander Gavrilenko

Gestaltung der Titelseite: Mikhail Ustaev, Lev Gerasimov

Kontaktadresse „AlTaBash“ Haus der Demokratie Greifswalder Str. 4 10405 Berlin www.altabash.tk E-Mail: altabashweb2@aol.com

Internationale Zeitschrift von Tataren und Ihren Freunden ISSN 1614-9432

20

Profile for Mieste Hotopp-Riecke

Altabash (44, Mai 2008)  

The Tatar international Journal from Germany

Altabash (44, Mai 2008)  

The Tatar international Journal from Germany

Profile for mieste
Advertisement