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Auf Fritz Holzhey trifft dies besonders zu

Haindl-Verkauf: Zäsur voller Emotionen Schongau | „Das war für mich Holzhey 2001 Aktionäre gewor- wohl die Zeiten nicht einfacher eine schwierige Situation, auch den. Und Fritz Holzhey gehörte geworden sind“. Freilich müssten emotional.“ Diese Worte münzt für ein Jahr gar dem Aufsichtsrat sich alle Gesellschafter einig sein. Fritz Holzhey auf das einschnei- von UPM-Kymmene an. Aus dem Der 69-Jährige unterstreicht seine dende Ereignis, das sich im Mai Unternehmen war er Ende 2001 Aussage; er verweist auf die Firma zum zehnten Mal jährt. Die Rede ausgeschieden. Für weitere zwölf Palm in Aalen, die Zeitungsdruckist vom Verkauf der Papierfabri- Monate hatte er noch ein Büro in papier sowie braune Rohpapiere ken des Familienunund Wellpappenproternehmens Haindl an dukte herstellt. Dort ist Haindl war kein Sanierungsfall. übrigens Artur Stöckler den finnischen Konzern UPM-Kymmene. Fritz seit 2008 GeschäftsHaindl war ein Filetstück in der Holzhey, er war früher führer, der zuvor sechs Papierindustrie. der Geschäftsführer für Jahre Werksleiter in Produktion und TechSchongau war. Fritz Holzhey über den „Zustand“ des Familiennik im Unternehmen, Erfreut zeigt sich unternehmens beim Verkauf im Mai 2001 und sein älterer BruHolzhey darüber, dass der Georg haben sich insbesondere das Werk zusammen mit einem Schongau „gut durch weiteren Familienzweig vehement Schongau, um fernab vom Tages- die Krise gekommen ist“. Der gegen den Verkauf gestemmt. geschäft Grundstücksangelegen- große Einbruch bei den Erlösen — Aber erfolglos. Sie hielten zwar heiten abzuwickeln. bedingt durch geringere Umfänge zusammen etwas über 25 Prozent Von der Holzhey-Villa auf einer der Tageszeitungen — sei besser der Anteile; doch Unternehmens- Anhöhe an der Perlachstraße aus verkraftet worden als an anderen sprecher Clemens Haindl und die schweift der Blick über die Dä- Standorten der Papierindustrie. Mehrzahl der 33 Gesellschafter cher der Lechvorstadt hinweg zum Der Wunsch Holzheys für das setzten sich durch. Werksgelände. Doch in die Fabrik Schongauer Werk ist, mit einer Die Gegner stimmten aber letztlich kommt der frühere Chef nur noch „ehrgeizigen und gut geschulten auch für den Verkauf; denn wenn selten — allenfalls ein- bis zwei- Mannschaft“ so voranzuschreiten sie dies schon nicht abwenden mal im Jahr. Das Interesse an der wie bisher. Dies sei die Basis für konnten, so war der Schritt zum Entwicklung des Schongauer Wer- gute finanzielle Ergebnisse — sorichtigen Zeitpunkt erfolgt, blickt kes ist freilich ungebrochen. Beim wohl im weltweiten Wettbewerb Fritz Holzhey zurück. Und es ist Haindl-Stammtisch, der jeden Mo- als auch im Vergleich zu anderen auch der richtige Partner gewählt nat einmal in der Blauen Traube Standorten innerhalb des Konworden. zusammenkommt, tauscht er sich zerns. Denn nur so bekomme die Emotional war für Fritz Holzhey — mit ehemaligen Papiermachern, Fabrik in Schongau von der Konin der Region steht sein Name wie Technikern und Verwaltungsange- zernspitze in Helsinki Geld für kein anderer für die Papierfabrik stellten aus. wichtige Investitionen bewilligt. in Schongau — insbesondere der Positiv aufgenommen hat der Besuch der neuen finnischen Eifrühere Gesellschafter und GeÜberzeugt von der gentümer im Schongauer Werk. die Tatsache, dass Wettbewerbsfähigkeit schäftsführer Dies geschah, nachdem am 28. Personalreduzierungen wie in der Mai 2001 der Verkauf des Fami- Auch zehn Jahre nach dem Verkauf Vergangenheit auch in den letzlienunternehmens mit den Un- ist Fritz Holzhey davon überzeugt, ten zehn Jahren über Fluktuation terschriften im Vertrag besiegelt dass ein Familienunternehmen, erfolgt sei und niemandem bewie Haindl es war, auch heutzu- triebsbedingt gekündigt werden worden war. Im weltweit operierenden Konzern tage noch unter großen Mitbe- musste. Als Haindl im Mai 2001 UPM-Kymmene sind die Familien werbern bestehen könnte. „Ob- an UPM verkaufte, waren es im

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Schongauer Werk inklusive der Lehrlinge zirka 630 Beschäftigte. Der Rückgang bei der Mitarbeiterzahl sei also in den letzten zehn Jahren moderat gewesen.

Beteiligt an der Golfanlage Gsteig Die Tage sind bei Fritz Holzhey nach intensiver Lektüre mehrerer Zeitungen damit ausgefüllt, das Familienvermögen zu verwalten. Dazu zählt seine Beteiligung an der Golfanlage Gsteig und das Landhaus Auf der Gsteig oberhalb von Lechbruck, was mit ei-

Stolz ist er besonders darauf, dass zum Familienbesitz auch die Ökonomie in der Lechvorstadt gehört, die er 2003 von UPM zurückgekauft hatte. Dort ist der Altbau saniert worden und eine Seniorenwohnanlage entstanden, die im September 2009 fertiggestellt wurde. Zudem führt er die gleichnamige Seniorenstiftung, deren Anlage-Erträge als Mietnachlass vornehmlich für pensionierte Haindl- und UPM-Mitarbeiter bestimmt sind. Nicht zuletzt ist die Holzhey-Kinderstiftung zu nennen, die er zusammen mit der Familie seines Bruders gründete;

Fritz Holzhey. Vom Garten schweift der Blick über die Dächer der Lechvorstadt zur Papierfabrik. nem deutlichen Zeitaufwand für ihn und vor allem für seine Frau Uschi verbunden ist. Dazu gehört aber auch die Führung seines Wasserkraftwerks in KemptenHegge, dem früheren Standort einer Haindl-Papierfabrik, das er 1998 herausgekauft hatte. („Ich bin heute sehr froh drum“).

diese hat das Haus seiner Eltern der Tabaluga-Kinderstiftung zur Verfügung gestellt. Den Familienbesitz mit den neu errichteten Objekten zu verwalten: Für Holzhey, der im September 70 Jahre wird, eine erfüllende Aufgabe. Wenngleich beim Blick zur Papierfabrik noch öfter Wehmut aufkommt.

der altlandkreis | Ausgabe 5 | Mai/Juni 2011  

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