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Weilheim-Schongau | Bei ihr steht der Laptop in der Küche: Das Ehrenamt als Kreisbäuerin habe es mit sich gebracht, dass der PC aufgrund der vielen Korrespondenzen mittlerweile zu den wichtigen Arbeitsgeräten gehöre. Dies bekundet Silvia Schlögel (42) beim Interview auf der roten Couch. Wie die Kreisbäuerin zeitlich beansprucht ist, warum sie immerzu die Werbetrommel für die Milch rührt und bei was sie gut entspannen kann? Lesen Sie das Interview.

wer nicht. Wichtig ist, dass die Landwirtschaft in Gemeinderäten und im Kreistag stark vertreten ist. Dabei fallen mir einige Bäuerinnen ein, die in den Gremien sehr wohl den Mund aufmachen, wenn’s um Belange der Landwirtschaft und des sozialen Lebens im Dorf geht.

beit krieg’ ich den Kopf für neue Ideen frei. Und das Schöne an der Landwirtschaft ist das gemeinsame Erfolgserlebnis mit meinem Mann — sei’s, wenn ein Kalb gesund zur Welt kommt oder die Ernte gut eingebracht ist.

Wie ist der zeitliche Aufwand für das Amt der Kreisbäuerin? Locker ein Halbtagsjob. Der Vorteil ist, dass ich bei der Organisation nicht an Bürozeiten gebunden bin. Der Laptop ist das wichtigste Arbeitsgerät. Bei mir steht er in der Küche. So kann ich zwischendurch schnell mal eine Mail verschicken oder lesen. Es sind viele Termine, die ich als Kreisbäuerin organisiere und wahrnehme. Gott sei Dank ist die Mehrzahl davon im WinterWo verbringen Sie die meiste Zeit: halbjahr. im Stall, auf dem Feld, in der Küche, im Büro oder auf Terminen? Und wie können Sie entspannen? Die meiste Zeit verbring’ ich wie Selbst schaue ich darauf, dass ich die meisten Menschen immer jede Woche mindestens einmal noch im Bett. Manchmal hab’ ich walken oder joggen gehe. Sonnnicht genügend Schlaf, aber als tags möchte ich gern mit Mann Kreisbäuerin muss man strapa- und Kindern was unternehmen. zierfähig sein. Der Stall ist das Das kann ein kleiner Ausflug mit wichtigste; da wird das Einkom- einem Besuch im Museum sein men erwirtschaftet. Gern setz’ ich oder eine Wanderung zu einer mich im Sommer auf den Traktor. Hütte. Aber nur in der Jeans und Beim Melken und bei der Erntear- nicht im Dirndl.

Ein Satz zum Verhältnis zwischen BBV und BDM? Es gibt gemeinsame Handlungsfelder. Wie zum Beispiel die Resolution an Landwirtschaftsminister Brunner, wo sich BBV und BDM Wie viele Dirndl haben Sie eigentmiteinander gegen die geplante lich? Umstrukturierung des LandwirtFünf. Vor vier Jahren, als ich Kreis- Rührt beim Interview auf der roten Couch die Werbetrommel für das schaftsamtes zu Wort gemeldet bäuerin geworden bin, war’s nur gute Erzeugnis, das heimische Bauern zu bieten haben: Silvia Schlögel haben. Aber ansonsten geht jeder über’s Milchmarketing. Rechts Redakteur Johannes Jais. eines. seinen eigenen Weg. Warum jetzt so viele? Gelegenheiten, ein Dirndl zu tragen, gibt’s mehr als genug. Das hat mit dem Amt zu tun. Es reicht vom Landfrauentag bis zu Präsentationen. Aber obwohl ich mich gern leger kleide und oft in Jeans unterwegs bin, muss ich doch sagen, dass Dirndl zweifellos das passende Gewand für Landfrauen sind. Oder können Sie sich vorstellen, dass wir Weilheim-Schongauer Landfrauen den Milchfrühling in der bayerischen Vertretung in Berlin in der Jeans präsentieren? Stichwort Milchfrühling in Berlin: Was können solche Auftritte bei Politikern bewirken? Vieles. Wichtig ist zum einen das Zwiegespräch mit Besuchern, zu denen Verbraucher genauso gehören wie Politiker und Agrarjournalisten. Solche Begegnungen sind unbezahlbar. Nichts gegen Versammlungen, Kundgebungen oder Leserbriefe, aber in der Regel melden sich da immer die gleichen, meist dazu nur Männer. Präsentationen in Berlin und Brüssel sind das eine — Marketingaktionen vor Ort das andere. Wie

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bringen Sie den Milchfrühling im eigenen Landkreis bei den Leuten rüber? Durch 50 Veranstaltungen im ganzen Landkreis, von Peiting über Polling bis Penzberg. Ein beachtlicher Teil davon war schon von Februar bis April; wir haben jetzt noch Veranstaltungen wie die Hofkapellen-Wanderung in Peiting am Samstag, 7. Mai, oder die Milchaktion beim Mühlentag in Schwabsoien am Pfingstmontag, 13. Juni. Wie sind die Reaktionen der Verbraucher? Viele sprechen uns Landfrauen drauf an, wie gut sie es finden, dass wir positive Werbung für die Milch und die Landwirtschaft machen. Wie sehr wir die Verbraucher miteinbeziehen, ist schon daraus ersichtlich, dass beim Käsekuchen-Wettbewerb im Landkreis Weilheim-Schongau 160 Rezepte eingegangen sind. Besonders freut’s uns natürlich, beim Wettbewerb „MachMilchMarketing“ 460 Slogans, Collagen, Filme und andere originelle Ideen von Schülern bekommen zu haben. Toll hab’ ich gefunden, wie engagiert die Förderschule Alten-

stadt dabei war. Die Kinder haben Milch-Plakate in selbst gestaltete Taschen eingearbeitet. Wenn es Kritik aus den eigenen Reihen gibt, dass sich die Landfrauen dem Marketing verschrieben haben, wo doch auf dem Hof und in der Familie ohnehin genügend Arbeit arbeitet: Wie gehen Sie damit um? Dazu kann ich sagen, dass das Engagement der Landfrauen freiwillig ist. Niemand wird verpflichtet, mitzumachen. Aber der Einsatz kommt bei allen von Herzen. Frauen nehmen diese Mehrarbeit gern in Kauf. Solches Engagement bringt uns persönlich weiter. Außerdem vertrete ich die Meinung, dass wir immerzu die Werbetrommel für unsere Arbeit und für die Milch rühren müssen. Verständnis für die Landwirtschaft zu gewinnen, wird wichtiger denn je. Wie sehen Sie denn die Stellung der Bäuerinnen in Politik und Gesellschaft? Kurz vor den Wahlen werden wir regelmäßig wieder entdeckt. Wir achten aber schon genau darauf, wer sich auch zwischen den Wahlen politisch um uns kümmert und

> > > ZUR PERSON Bäuerin und Mutter von drei Kindern Silvia Schlögel ist mit zwei Schwestern und einem Bruder in der Marktgemeinde unter’m Kalvarienberg aufgewachsen. Nach Grund- und Realschule sammelte die gelernte Hauswirtschaftsmeisterin an mehreren Stationen berufliche Erfahrung. 1993 heiratete sie auf den Schlögel-Hof im Weiler Ramsau. Michael und Silvia Schlögel haben drei Kinder; die zwei Mädchen sind 15 und 13 Jahre, der Bub ist neun Jahre. Die Familie bewirtschaftet einen Milchviehbetrieb mit 50 Kühen und Nachzucht. Vor 14 Jahren wurde sie zweite Ortsbäuerin von Peiting; seit 2002 ist sie Ortsbäuerin in der Gemeinde. Dieses Amt hat sie immer noch inne. So sei die Anbindung zur Basis gegeben. Kreisbäuerin von Weilheim-Schongau wurde Silvia Schlögel im Frühjahr 2007. Damals trat sie die Nachfolge von Christa Off aus Sindelsdorf an, die dieses Amt 30 Jahre ausfüllte.

der altlandkreis | Ausgabe 5 | Mai/Juni 2011  

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