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23 Da die Ermittlungen aufgrund der Situation bei den Behörden nur sehr schleppend vorgenommen werden können, der Hauptbeschuldigte zwischenzeitlich stirbt, andere Beschuldigte verziehen, stellt der Oberstaatsanwalt 1948 die Untersuchung endgültig ein. Unter den zahlreichen Flüchtlingen tritt eine Typhusepidemie auf. Es wird ein Isolierhospital errichtet. Da der Erbpachthof Blankenberg mit seiner Größe von rund 186 Hektar unter die Verordnung über die Bodenreform fällt, nach der alle Güter und Höfe mit einer Größe von über 100 Hektar entschädigungslos enteignet werden, wird auch dieser Hof sofort unter treuhänderische Verwaltung genommen und ein Jahr später aufgeteilt. Nizze flieht im Oktober in den Westen. Die Ziegelei wird von der Landesverwaltung beschlagnahmt. Da der Besitzer jedoch nicht als Nazi- und Kriegsverbrecher überführt werden kann, wird der Betrieb 1946 an Frau Nizze zurückgegeben. 1946 Zur Durchführung der Bodenreform wird eine Gemeindekommission gebildet. Ihr gehören 20 Mitglieder an, von denen zwölf Landarbeiter, ein Kleinpächter und sieben Umgesiedelte sind. 13 von diesen 20 Angehörigen der Gemeindekommission sind Mitglieder der SED, sieben sind parteilos. Durch die Bodenreform erhalten 20 – nach einer Aufstellung aus dem Jahre 1949 29 – Neubauern Land, unter ihnen zehn Landarbeiter, sieben Umgesiedelte und je ein landloser Bauer, Kleinpächter und landarmer Bauer. Die auf dem Hof vorhandenen 16 Pferde und 20 Rinder werden ebenso aufgeteilt wie das landwirtschaftliche Inventar und drei Wohn- und vier Wirtschaftsgebäude. Von den drei genehmigten Neubauernhäusern, drei Stallungen und acht Scheunen können bis zu Beginn des Jahres 1949 lediglich fünf Scheunen fertig gestellt werden. Die Einwohnerzahl hat sich gegenüber dem Vorkriegsstand durch den Zuzug von Flüchtlingen, Vertriebenen und Umgesiedelten mehr als verdoppelt. In der Gemeinde Blankenberg mit seinen Ortsteilen Blankenberg, Klein Labenzer Graupenmühle, Weiße Krug und Wipersdorf leben zusammen 625 Einwohner. In der Gemeinde Friedrichswalde mit den beiden Ortsteilen Friedrichswalde und Penzin werden 355 Einwohner gezählt. Mit Beginn des Schuljahres gibt es in Blankenberg keine Lehrerin. Frau Frida Lorenz wird auf Drängen des Bürgermeisters von Blankenberg, von der Schulaufsichtsbehörde in Wismar nach Blankenberg abkommandiert. Sie unterrichtet zur gleichen Zeit in einem Klassenraum, die Kinder sämtlicher Altersstufen.

„Einberufung“ von Frau Frida Lorenz nach Blankenberg

Chronik Blankenberg  
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