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Newsletter

Psychiatrie 01/2012

Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie Prof. Dr. med. S. Bleich

„Kein Täter werden“: Präventionsprojekt Dunkelfeld startet in Niedersachsen Arbeitsbereich Klinische Psychologie und Sexualmedizin der MHH bietet Therapie für Pädophile

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, Sehr geehrte Damen und Herren,

Herzlichen Dank für Ihr Interesse

Ihr S. Bleich

Personen, die auf Kinder gerichtete Fantasien haben, jedoch keine Übergriffe begehen wollen, können sich ab sofort an den Arbeitsbereich Klinische Psychologie und Sexualmedizin der Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) wenden. Die MHH wird Standort des Forschungs- und Präventionsprojektes Dunkelfeld, das Sexualstraftaten an Kindern verhindern soll. Das Projekt wird vom Niedersächsischen Sozialministerium mit insgesamt 360.000 Euro zunächst für drei Jahre unterstützt. Weitere Unterstützer und Kooperationspartner sind die Kinderschutzorganisation Hänsel+Gretel und die Volkswagen-Stiftung. Die MHH folgt damit dem bereits erfolgreich etablierten Pilotprojekt der Berliner Charité, das mittlerweile auch an den Standorten Kiel, Regensburg und Leipzig angeboten wird. 

2012

das Jahr ist nicht mehr ganz jung und es hat sich seit dem letzten Newsletter einiges getan. Zum Jahresbeginn hat der Arbeitsbereich Klinische Psychologie und Sexualmedizin das Projekt „Kein Täter werden“ - Präventionsprojekt Dunkelfeld erfolgreich auf den Weg gebracht. Die MHH schließt sich damit dem bereits erfolgreichen Projekt in Berlin an. Auch gab es zu Beginn des Jahres einen Wechsel in der ärztlichen Leitung der Diamorphin-Ambulanz und unser neues Forschungslabor für kognitive Neuropsychiatrie ist aufgebaut und hat bereits seine Arbeit aufgenommen. Im Bereich Weiterbildung wird zudem ein Angebot für die Ausbildung in Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) aufgelegt, an der auch zahlreiche Kollegen aus anderen Kliniken der Region teilnehmen. Über diese Themen und noch einige andere möchte ich Sie im Rahmen dieses Newsletters informieren.

„Wir sind sicher, dass das Projekt zur Prävention sexuellen Kindesmissbrauchs an der MHH mit seinem engagierten multiprofessionalen Team einen wichtigen Beitrag zur Therapie von Menschen mit pädophilen Neigungen leisten kann. 15 Prozent der Personen, die außerhalb von Berlin/Brandenburg an der Berliner Charité für ihre pädophilen Neigungen Hilfe gesucht haben, stammten aus Niedersachsen und Bremen. Da weite Anfahrtswege oft zu Therapieabbrüchen führen, freuen wir uns, dass wir jetzt eine wohnortnahe Hilfe anbieten können, die einem wirksamen Opferschutz zu Gute kommen wird“, betont Professor Dr. Uwe Hartmann, der den Arbeitsbereich an der MHH leitet. 1/4


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Psychiatrie 01/2012

Weitere Informationen zum Präventionsprojekt Dunkelfeld sowie alle Kontaktdaten zu den Ambulanzen des Projektes in Deutschland finden Sie unter: www.kein-taeter-werden.de http://www.mh-hannover.de/klinische_psychologie.html Informationen zur Anlaufstelle in der MHH gibt Professor Dr. Uwe Hartmann unter Telefon 0511 532 2488.

Wechsel in der ärztlichen Leitung der DiamorphinAmbulanz

Zum 01.02.2012 übernahm Frau OÄ Dr. Annemarie Heberlein die ärztliche Leitung der Diamorphin-Ambulanz. Die Diamorphin-Ambulanz behandelt derzeit 63 Patienten, die aufgrund der Schwere ihrer Opiat-Abhängigkeit die Substitution mit dem Heroin®Äquivalent Diamorphin benötigen.

Das Behandlungskonzept der Diamorphinambulanz verfolgt die primären Ziele: - Sicherung des Überlebens, - Reduktion des Gebrauchs anderer Suchtmittel, - Gesundheitliche Stabilisierung und Behandlung von Begleiterkrankungen, - Teilhabe am Leben in der Gesellschaft und am Arbeitsleben.

Neben der Abklärung somatischer und psychischer Erkrankungen und der Einleitung entsprechender Behandlungen, werden die Patienten auch umfassend psychosozial betreut, um eine soziale Reintegration der Patienten zu ermöglichen. Zudem stehen den Patienten auch niedrigschwellige soziotherapeutische Gruppenangebote zur Verfügung (Malgruppe, Musikgruppe, Spielegruppe). Dieses niedrigschwellige Therapieangebot ermöglicht den Patienten das Erlernen sozialer Kompetenzen in geschützter Umgebung. Die Behandlung der oft schweren psychiatrischen Erkrankungen der Patienten wird im Rahmen eines zusätzlichen Behandlungsangebots in der psychiatrischen Institutsambulanz gewährleistet. Mittelfristig sollen diese Behandlungsmöglichkeiten bis zu 85 Patienten mit schwerer Opiatabhängigkeit zur Verfügung stehen. Auch das ambulante Behandlungsangebot für komorbide psychiatrische Störungen von opiatabhängigen Patienten soll weiter ausgebaut werden, um die bereits vorhandenen Behandlungsmöglichkeiten, die Patienten mit Abhängigkeitserkrankungen im Bereich „Suchtmedizin“ zur Verfügung stehen, sinnvoll zu ergänzen.

Eröffnung des neuen Forschungslabors für kognitive Neuropsychiatrie (CNP-Lab)

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Eine Behandlung in der Diamorphin-Ambulanz ist indiziert, wenn (§ 5 Abs. 9a S. 2 Nr. 2 bis 4 BtMVV): (1) Patienten seit mindestens 5 Jahren Opiat abhängig sind und zusätzlich unter schwerwiegenden somatischen und psychi- schen Störungen leiden (2) Opiate überwiegend intravenös konsumieren (3) Mindestens 2 Behandlungen erfolglos verlaufen sind (davon eine mindestens sechsmonatige Substitutionsbehandlung mit psychosozialer Betreuung) (4) Der Patient mindestens 23 Jahre alt ist

Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie Prof. Dr. med. S. Bleich

Am 01.08.2011 hat das neue Labor für kognitive Neuropsychiatrie (CNP-Lab) nach einem Jahr Vorbereitung. Die ruhige Lage und die Nähe zu den Stationen der Psychiatrie machen es perfekt für die klinische Forschung an Patienten. Die Laborräume sind freundlich hell eingerichtet und bieten sowohl den Forschern als auch den Probanden komfortable Bedingungen für die Messungen.

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Psychiatrie 01/2012

Weiterbildungsmodul Gewalt und Aggressionen (Deeskalation) Die Klinik bietet in diesem Sommer für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine Weiterbildung zur Deeskalation an. In zwei Basisseminaren über jeweils zwei Tage bildet das “Kuga“-Team (Kontrollierter Umgang mit Gewalt und Aggression in sozialen Einrichtungen) die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im sicheren und wachsamen Umgang mit Gewaltsituationen weiter und schult zur Früherkennung von kritischen Konfliktsituationen. Darüber hinaus nehmen zwei weitere Mitarbeiter an einer Multiplikatorenausbildung teil und werden in Zukunft die Weiterbildung an der MHH übernehmen. Weiterbildung Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) Im April startet die Dialektisch Behaviorale Therapie Weiterbildung für Sozial- und Pflegeberufe. Die Ausbildung findet in den Räumen der MHHpersonalAkademie in der Podbielskistraße 160-162 statt und wird von der Arbeitsgemeinschaft für Wissenschaftliche Psychotherapie Berlin (AWPBerlin) durchgeführt. Neben der Vermittlung von Basiswissen über die BorderlinePersönlichkeitsstörung werden grundlegende Konzepte der DBT vorgestellt. Die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) wurde 1980 von M. Lineham entwickelt. Das störungsspezifische Konzept fokussiert PatientInnen mit einer Borderlinepersönlichkeitsstörung. Über die spezifische Behandlungsstruktur versucht die DBT unkontrollierte Prozesse für Patienten und Mitarbeiter der psychiatrischen Kliniken berechenbar und überschaubar zu gestalten. Klare Strkturen, gute Anwendbarkeit und die schulenübergreifende Haltung zeichnet die Therapiemethode aus. Es werden Fertigkeiten zur besseren Kontrolle von Spannungszuständen und Emotionsregulation vermittelt. Die mittlerweile umfangreiche Begleitforschung belegt die Effektivität und die Akzeptanz der Methode.

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Die kognitive Neuropsychiatrie ist eine moderne wissenschaftliche Disziplin, die sich durch die Nutzung der Schnittmenge aus Psychologie und Psychiatrie auszeichnet. Sie beschäftigt sich mit der Erforschung der Ursachen von psychiatrischen Symptomen und neuronalen Grundlagen psychopathologischer Phänomene. Wichtige Werkzeuge dieser Disziplin sind psychophysische Verfahren und nichtinvasive Bildgebung. Unser Labor ist ausgestattet mit moderner Computertechnik und Software, die es ermöglicht, zeitkritische psychophysische Experimente an Patienten und gesunden Kontrollprobanden in einer angenehmen Umgebung durchzuführen. Wir sind somit im Stande multimodale Stimulation experimentell zu nutzen. Darüber hinaus ist das Labor mit einem neuartigen EEG-Gerät (EEG = Elektroenzephalografie) ausgestattet. Dieses ist dazu geeignet gleichzeitig aus 32 Positionen an der Oberfläche des zu untersuchenden Kopfes elektrische Potenzialunterschiede zu erfassen. Solche elektrischen Vorgänge sind typisch für mentale Prozesse und resultieren aus der elektrischen Leitfähigkeit von Nervenzellen. Das Besondere an unserem EEG-Gerät ist zusätzlich die Fähigkeit dieses sich auf diverse Messsituationen selbstständig einzustellen. Das verkürzt die Dauer der Experimente und macht diese für unsere Probanden und Patienten dadurch angenehmer. Derzeit finden bereits erste Studien im CNP-Lab statt. Diese widmen sich der Untersuchung basaler Wahrnehmungsprozesse, die der Verarbeitung der Sprache zu Grunde liegen. Das Besondere an unserer wahrnehmungspsychologischen Forschung ist die Verschiebung des Forschungsfocusses von der einzelnen Sinnesmodalität auf die Untersuchung des Zusammenspiels von mehreren Sinnesmodalitäten. Darüber hinaus werden derzeit weitere klinische Forschungsvorhaben vorbereitet wie die Untersuchung von exekutiven Funktionen und Belohnungsmechanismen bei Patienten mit Suchterkrankungen, oder die Untersuchungen von emotionalen Prozessen bei Patienten mit affektiven bzw. Persönlichkeitsstörungen oder Personen mit intensivem Gebrauch gewalthaltiger Medien. Unser Labor kooperiert eng mit externen Forschungseinrichtungen, wodurch sich weitere interessante Möglichkeiten auch für die Masterarbeiten aus den Bereichen der Psychologie, Neurowissenschaften oder der Biologie ergeben. Darüber hinaus haben wir beste Voraussetzungen für die experimentelle Forschung im Rahmen von Promotionsvorhaben.

Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie Prof. Dr. med. S. Bleich


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Psychiatrie 01/2012

Habilitation PD Dr. Marcel Sieberer

PD Dr. Marcel Sieberer hat sich an der MHH habilitiert und am 11.01.2012 die Venia legendi für das Fach „Psychiatrie und Psychotherapie“ verliehen bekommen. Der Titel der kumulativen Habilitationsschrift lautet: „Einfluss von Akkulturation und Vulnerabilität auf die psychische Gesundheit von Migranten“. Neben anderen sozialpsychiatrischen Themen beschäftigt sich Dr. Sieberer bereits seit einigen Jahren wissenschaftlich schwerpunktmäßig mit Fragestellungen der Transkulturellen Psychiatrie, vor allem mit psychischen Störungen bei Migranten in Deutschland. Neben der vielschichtigen Problematik der psychischen Gesundheit von Asylsuchenden und Flüchtlingen haben sich seine bisherigen Arbeiten zu diesem Thema u. a. mit der Häufigkeit und den Ursachen depressiver Störungen sowie mit Besonderheiten der interkulturellen Diagnostik von Persönlichkeitsstörungen bei Migranten beschäftigt. Am 19.05.2012 wird PD Dr. Sieberer die öffentliche Antrittsvorlesung zum Thema „Morbus mediterraneus - Fakt oder Vorurteil? Über das Phänomen der Somatisierung bei Migranten“ halten, zu der an dieser Stelle bereits herzlich eingeladen wird.

Vergangenheit bereits gute Erfahrung gemacht. Der Kontakt zu Tieren hilft den Menschen oft positive Gefühle zu entwickeln, die sich dann nachhaltig auf ihre Genesung auswirken. Durch diese Erkenntnis motiviert, hat unsere Klinik Kontakt mit dem Zoo Hannover aufgenommen. Mehrere E-Mail Kontakte, Telefonate und Besuche von Vertretern des Direktoriums unserer Klinik und der Zooleitung führten schließlich zum Erfolg. Der Zoo Hannover wird uns in diesem Jahr großzügig mit Freikarten unterstützen. Es ist angedacht, diese Besuche auch wissenschaftlich begleiten zu lassen. Wir wünschen allen bei dieser tollen Attraktion viel Spaß!

Neue Mitarbeiter Herr Groh ist seit dem 01.10.2011 im Haus und verstärkt das ärztliche Team in der Diarmorphin-Ambulanz in der Odeonstrasse. Herr Dr. Sühs ist seit dem 01.10.2011 auf der Station 52 tätig. Frau Friedrich ist Ärztin auf der Station 41 und seit dem 01.03.2012 in der Klinik. Frau Schneider ist seit dem 01.10.2011 Ärztin auf der Station 41. Herr Dr. Wörpel verstärkt das ärztliche Team auf der Station 50a. Frau Schlette ist seit dem 01.10.2011 als Sozialarbeiterin in der Beratungsstelle List tätig.

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Freikarten für den Zoo

Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie Prof. Dr. med. S. Bleich

Frau Volpert ist nach der Erziehungszeit als Ergotherapeutin auf der Station 41 tätig.

Die psychiatrische Pflege wurde verstärkt durch Frau Feyerabend auf Station 53a.

Schauen Sie doch noch auf unsere Seiten: Dass sich die Menschen öffnen, wenn sie mit Tieren zusammen sind, konnten bereits einige Patienten unserer Klinik im letzten Jahr, während des Gastspiels vom Zirkus Krone in Hannover, hautnah erleben. Sie durften zu den Seelöwen ins Becken steigen, mit ihnen schmusen und sich an Reifen durchs Wasser ziehen lassen. Auch mit einem Therapiehund hat unsere Psychiatrie in der

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Impressum Gestaltung und redaktionelle Bearbeitung: Bettina Baltin Bernhard Häring Inhaltlich verantwortlich: Prof. Dr. Stefan Bleich


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