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2018

Verein Frauenhaus Villach Jahresbericht


„Die Menschen vergessen, was Du sagst oder was Du tust. Aber wie sie sich in Deiner Gegenwart gefühlt haben, vergessen sie nie!“ Maya Angelou Mit diesem Zitat hat uns eine Bewohnerin ihren Dank für die Frauenhaus-Zeit ausgesprochen.

1


2


2018

Verein Frauenhaus Villach Jahresbericht

INHALTSVERZEICHNIS 04

Vorwort der Vorstandsvorsitzenden

06

Vereinsstruktur

08

Vorwort der Geschäftsführerin

12

Team 2018

14

Schutz und Hilfe, Betreuungsangebote

16

Klärende Paargespräche im Kontext häuslicher Gewalt

18

Ökonomische Gewalt

24

Kreislauf der Gewalt. Über die Dynamik in Gewaltbeziehungen

28

Betreuung der Kinder- und Jugendlichen

32

Finanzierung

38

Jahresstatistik

48

Öffentlichkeitsarbeit

3


Vorwort der Vorstandsvorsitzenden

Liebe Leserinnen und Leser, geschätzte Unterstützerinnen und Unterstützer des Frauenhauses, Im Jahr 2018 wurden in Österreich 40 Frauen ermordet, in den ersten Monaten des Jahres 2019 gab es zahlreiche weitere tödliche Gewalttaten, deren Opfer Frauen waren. Die Frauenhäuser in allen Bundesländern hatten wenig freie Kapazitäten, Wegweisungen und Betretungsverbote sind aber zahlenmäßig etwas zurückgegangen. Soziale Medien sind voll von frauenverachtenden Hasspostings und die Anonymität lässt zusätzlich jegliche Hemmschwelle fallen. Wie passt all das in ein zivilisiertes,

aufgeklärtes

europäisches

Land fragen sich viele Bürgerinnen und Bürger und erhalten vielfach vereinfachende Antworten, die den Ursachen nicht auf den Grund gehen, sondern gezielt Randgruppen beschuldigen und dieSigrun Alten, Vorstandsvorsitzende

4

se zu Sündenböcken machen.


Gewalt an Frauen ist kein Migrations-

Stadt Villach und dem Bundesministeri-

und auch kein Unterschichtthema, es ist

um für Frauen, Familie und Jugend. Alle

ein Thema ungleicher Machtverhältnisse,

zusammen geben unserer Einrichtung die

wirtschaftlicher Abhängigkeiten und pat-

finanzielle Sicherheit, die die Arbeit für

riarchaler Strukturen. All das findet man

unsere Klientinnen und deren Kinder erst

in Beziehungen der ÖsterreicherInnen

ermöglicht.

ebenso wie in Beziehungen zugewanderter Menschen, man findet sie bei sozial

Ich bedanke mich ganz herzlich bei unse-

Schwachen ebenso wie in gebildeten und

rer neuen Geschäftsführerin Frau Mag.a

finanziell gut situierten Kreisen.

Kraker-Kölbl für die hervorragende Arbeit in ihrem ersten Jahr im Haus, beim

Will man also Veränderungen bewirken,

gesamten Team für das große Engage-

sind Strafverschärfungen nicht unbedingt

ment und bei meinen Vorstandskollegin-

der sinnvollste und effektivste Weg, son-

nen für die Unterstützung und gute Zu-

dern Prävention, Aufklärung und die

sammenarbeit.

Unterstützung von Gleichstellungsmaßnahmen. Rechte Politik war und ist noch

Sigrun Alten

nie einhergegangen mit der Stärkung von

Vorstandsvorsitzende

Frauenrechten, das lehrt uns die Geschichte aber auch die Gegenwart. Mein besonderer Dank gilt auch heuer wieder unseren Spenderinnen und Spendern

und

unseren

FördergeberInnen,

allen voran dem Land Kärnten und der 5


6


Vereinsstruktur

Ehrenamtlicher Vorstand In der Funktionsperiode 03/2017 bis

teipolitisch und konfessionell unabhängi-

03/2019 waren dankenswerterweise fol-

gen, gemeinnützigen Verein Frauenhaus

gende Frauen ehrenamtlich für den par-

Villach (ZVR 52458127) tätig:

Sigrun Alten Vorsitzende

RRin AbtL.-Stv.in Christine Gaschler-Andreasch

Ingrid Schatzmayr

Mag.a Dr.in Lena Muttonen

stellvertretende Vorsitzende

Mag.a Barbara Lex Finanzreferentin

Mag.a Barbara Schabata stellvertretende Finanzreferentin

Helga Sacherer

Aliza Zwittnig, MBA Dr.in Olivia Pfeiler Rechnungsprüferin

Mag.a Sabrina Moser-Schellander Rechnungsprüferin

Schriftführerin

7


Vorwort der Geschäftsführerin

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser!

Der vorliegende Jahresbericht soll Ihnen einen Rückblick auf die inhaltliche Arbeit des Frauenhauses Villach bieten sowie organisatorische Informationen vermitteln. Im Kontext der aktuellen Gewaltschutzdebatte ist es mir äußerst wichtig darauf hinzuweisen, dass es in Österreich neben der staatlichen Hilfestellung für Opfer von häuslicher Gewalt (Notruf, Wegweisung, Betretungsverbot,

Anzeigemöglichkeit,

Gewaltschutzgesetz etc.) seit Jahrzehnten das Angebot der Frauenhäuser gibt, die alle in der Trägerschaft von autonomen Vereinen geführt werden und dankenswerterweise durch öffentliche Mitteln und gewidmete Spenden finanziert sind. Als Expertinnen in der Opferschutzarbeit legen wir den Fokus auf die unterschiedlichen Formen von Gewalt und unterstütMag.a Christina Kraker-Kölbl, MA (Geschäftsführerin)

zen im Sinne von „Hilfe zur Selbsthilfe“ betroffene Frauen darin, ein selbstbestimmtes und gewaltfreies Leben zu führen. Unabhängig von der Anzeigenbereitschaft aber natürlich mit einem speziellen

8


Blick auf die Gewaltthematik bearbeiten

Seit dem Bestehen des Villacher Frauen-

wir mit den Betroffenen auch andere

hauses (03/1997) wurden 647 Frauen mit

Herausforderungen und Problemstellun-

693 Kinder untergebracht und betreut. Im

gen in der aktuellen Lebenssituation. Die

Kalenderjahr 2018 sind 23 Frauen mit 17

Praxis zeigt uns, dass die Lösung aus ei-

Kindern aus einer Gewaltbeziehung ins

ner Gewaltbeziehung besser schaffbar ist,

Villacher Frauenhaus geflohen. Im Ver-

wenn ein eigenständiges Leben existenti-

gleich zum Vorjahr (2017: 34 Frauen mit

ell abgesichert ist.

22 Kindern) ist die Anzahl etwas zurückgegangen, dennoch lag die Auslastung

An dieser Stelle möchte ich den beson-

bei ca. 80 %, da sich aufgrund der Mul-

deren Dank an alle unsere Kooperati-

tiproblemstellungen die Aufenthaltstage

onspartnerInnen im expliziten Gewalt-

erhöht haben. So betrug die durchschnitt-

schutzbereich als auch an unsere lokalen

liche Aufenthaltsdauer gute 3 Monate

Partnerinnen im Frauen-, Sozial-, Gesund-

(101 Tage) und nachhaltige Verände-

heits-, Kinder- und Jugendhilfe sowie In-

rungsprozesse konnten stattfinden.

tegrationsbereich aussprechen. Festgehalten muss auch werden, dass an Ein Dank gilt auch den Mitarbeiterinnen

insgesamt 68 Tagen alle acht Wohnein-

und Mitarbeiter der regionalen Ämter

heiten belegt waren und insgesamt sechs

und Behörden sowie der Polizei und der

betroffene Frauen aus Kapazitätsgründen

Presse. Durch die konstruktive Zusam-

an die anderen Kärntner Frauenhäuser

menarbeit können oft maßgeschneiderte

verwiesen werden mussten.

Lösungen gefunden werden, um die Lebenssituation von Gewaltopfern nachhaltig positiv zu verändern. 9


Vorwort der Geschäftsführerin

Übergabe der Geschäftsführung. Am Bild (v.l.n.r.) Mag.a Gerith Laure-Kelz, Mag.a Christina Kraker-Kölbl, Vorstandsvorsitzende Sigrun Alten

10


Zusätzlich zur Schutz- und Krisenun-

Abschließend möchte ich mich sehr herz-

terbringung stand das Team des Frau-

lich bei meiner Vorgängerin, Mag.a Gerith

enhauses Villach rund um die Uhr für

Laure-Kelz für die

telefonische Beratungen bzw. nach Ter-

pakte Übergabe der Geschäftsführungsa-

minvereinbarung für persönliche Bera-

genden bedanken.

fundierte und kom-

tungen zur Verfügung. Und von Herzen ein großer Dank an den Auch die Nachbetreuung wurde im ver-

Vereinsvorstand und das gesamte Team

gangenen Jahr sehr gut angenommen,

für das entgegengebrachte Vertrauen,

Details finden Sie auf den nächsten Sei-

das schnelle Einlassen auf die veränderte

ten.

Situation und die sehr gute, frauensolidarische Zusammenarbeit seit April 2018!

Finanziell ermöglicht wird uns unsere

Vielen herzlichen Dank!

Arbeit - dankenswerterweise - durch das Land Kärnten, das Bundesministerium für Frauen, Familie und Jugend sowie durch eine Investitionsförderung seitens der

Mag.a Christina Kraker-Kölbl, MA Geschäftsführerin

Stadt Villach. Geld- und Sachspenden von Privatpersonen, Institutionen und Firmen kommen direkt den Frauen und Kindern zugute: Herzlichen Dank!

11


Das Frauenhaus Villach Team

Team 2018 Als Schutz- und Kriseneinrichtung ist das

ment etc. Dieses Fachwissen wird durch

Frauenhaus Villach ganzjährig rund um

die regelmäßige Teilnahme an Fachtagun-

die Uhr erreichbar und personell besetzt.

gen und Weiterbildungsveranstaltungen

Insgesamt 20 weibliche Mitarbeiterinnen

um die jeweils aktuellen Entwicklungen

- das entspricht 8,7 Vollzeitäquivalente

und Forschungsergebnisse ergänzt, spe-

bei einer 38-Stunden-Woche

unter-

ziell im Zusammenhang mit fachlichen

stützen die Frauenhausbewohnerinnen

-

Schnittstellen zu allen relevanten Themen

und deren Kinder. Weiters werden mit

im Kontext von häuslicher Gewalt bzw.

diesen personellen Ressourcen auch der

Opferschutz.

Beratungsbedarf in Form von ambulanter, telefonischer oder E-Mailberatung

In der konkreten Arbeit sind die hohe psy-

sowie der Nachbetreuungsbedarf für die

chische Belastbarkeit sowie der Flexibili-

Zeit nach dem Frauenhausaufenthalt ab-

tätsanspruch aufgrund der (nicht planba-

gedeckt sowie der gesamte Bereich der

ren) Kriseninterventionsarbeit – neben der

Öffentlichkeitsarbeit im Einzugsbereich

fachlichen Qualifikation und Methodensi-

des Frauenhauses.

cherheit - nur mit einem hohen Grad an Reflexionsfähigkeit und einem bewussten

12

Die Zusammensetzung des Teams ist

Umgang mit persönlichen Grenzen zu be-

multiprofessionell: Sozialpädagoginnen,

werkstelligen. Eine gute Zusammenarbeit

Sozialarbeiterinnen, Klinische und Ge-

im Team ist - neben der persönlichen Sta-

sundheitspsychologinnen etc. Alle Mitar-

bilität - Grundvoraussetzung, um in die-

beiterinnen bringen eine hohe fachliche

sem Arbeitsfeld kontinuierlich qualitäts-

Qualifikation mit, zum Teil mit zusätzli-

voll zu arbeiten. Aus diesem Grund sind

chen Ausbildungen in den Bereichen Gen-

regelmäßige Fallbesprechungen, Intervi-

der, Diversity, Migration, Projektmanage-

sionen und Supervisionen eine wesentli-


che Komponente, zusätzlich auch Sicher-

Geschäftsführung und pädagogische Lei-

heitscoachings um professionell mit dem

tung.

alltäglichen Gefährdungsrisiko umgehen zu können. Über das Frauenhaus Villach

Über die beschriebenen internen Struktu-

hinaus wird auch der fachliche Austausch

ren hinaus ist die Kooperation mit allen

mit den Mitarbeiterinnen der anderen

Behörden,

Kärntner Frauenhäuser im Rahmen der

Fachstellen sehr wichtig, um individuell

ARGE Kärntner Frauenhäuser gepflegt

die bestmögliche Unterstützung für die

sowie der Austausch im Dachverband

betroffenen Frauen und deren Kinder zu

ZÖF (Zusammenschluss Österreichischer

gewährleisten.

Frauenhäuser

sozialen Einrichtungen und

http://www.frauenhaeu-

ser-zoef.at).

Geschäftsführung 01-04/2018:

Es versteht sich von selbst, dass alle Mit-

Mag.a Gerith Laure-Kelz

arbeiterinnen des Frauenhauses äußerst

ab 05/2018:

sensibel mit den anvertrauten Informa-

Mag.a Christina Kraker-Kölbl, MA

tionen umgehen, die erforderlichen Dokumentationen führen und den Datenschutz einhalten. Die Arbeitsbereiche sind folgendermaßen strukturiert: Arbeitsbereitschaftsbereich/ Journaldienst,

Frauenbereich/Beratung

und Betreuung, Kinder- und Jugendbereich,

Wohnbereich/Hausorganisation, 13


Das Frauenhaus Villach bietet ... Hilfe, Schutz, Beratung und vorübergehende Unterkunft für gewaltbetroffene Frauen und deren Kinder, damit ein gewaltfreies und selbstbestimmtes Leben möglich wird. •

Telefonische und ambulante Beratung

Klärung der Lebenssituation und Gefährdungseinschätzung

Unterstützung bei Trennung, Scheidung, Arbeits- und Wohnungssuche sowie Behörden- und Gerichtswegen

Erarbeitung von Zukunftsplänen

Umsetzung der Schritte im Sinne von „Hilfe zur Selbsthilfe“

Kinder und Jugendliche haben eine eigene Ansprechperson. Eine Nachbetreuung nach dem Auszug aus dem Frauenhaus ist möglich.

14


Schutz und Hilfe

Sie sind nicht alleine! Es gibt einen Ausweg! Holen Sie sich Hilfe! Gewalt gegen Frauen tritt in unterschiedlichen Formen auf und passiert oft innerhalb der eigenen Familie. Diese Gewalt hat Folgen auf kรถrperlicher, seelischer, sexueller, sozialer und wirtschaftlicher Ebene. Das Villacher Frauenhaus ist rund um die Uhr erreichbar! Wir helfen vertraulich und kostenlos und organisieren im Bedarfsfall auch eine Dolmetscherin. Telefon: +43 4242 31 031 E-Mail: hilfe@frauenhaus-villach.at www.frauenhaus-villach.at

Machen Sie betroffene Frauen und Kinder auf unsere Hilfestellungen aufmerksam: Wir bieten kostenlos Plakate, Folder und Info-Material!

15


Frauenbereich

„Klärende Paargespräche“ im Kontext häuslicher Gewalt Seit dem Jahr 2017 bieten die Kärntner

terin vom Frauenhaus und Mann mit Be-

Frauenhäuser - in Kooperation mit Man(n)

rater von Man(n)agement) kann an dem

agement Kärnten (Verein zur Gewaltprä-

Ziel, sich in Zukunft ohne Gewalt begeg-

vention) - Klärungsgespräche im Kontext

nen zu können, gearbeitet werden.

von häuslicher Gewalt an. Mögliche Themen für Klärungsgespräche: Entwickelt wurde dieses Projekt von einem Team von ZÖF (Zusammenschluss

österreichischer Frauenhäuser) und der

Trennung die richtige Entscheidung

Männerberatung Wien und es orientiert sich an den Standards opferschutzorien-

Die Frau will überprüfen, ob eine ist/war

tierter Täterarbeit (OTA).

Klare Äußerung eines Scheidungswunsches im geschützten Rahmen

1

Vereinbarung von Bedingungen für

Vor dem Start dieses Projektes waren be-

ein gewaltfreies Zusammenleben bei

gleitete Gespräche mit den Gefährdern/

Weiterführung einer Beziehung

Tätern in der Frauenhausarbeit nicht vor-

gesehen.

Einigung über Obsorgeregelung und Besuchsregelung

für

gemeinsame

Kinder Das Angebot der „Klärungsgespräche“

richtet sich an jene Frauen, die durch einen Aufenthalt im Frauenhaus Schutz

meinsamen Besitzes •

und Hilfe in Anspruch nehmen und aus unterschiedlichsten Gründen freiwillig ein Gespräch mit dem Gefährder/Täter wünschen. Im Vierer-Setting (Frau mit Bera16

Überlegungen zur Aufteilung des geDie Frau benötigt eine Unterschrift oder Unterlagen vom Mann

etc.


„Probleme kann man niemals mit der gleichen Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“ Albert Einstein

Die Initiative für ein Klärungsgespräch im

einem sicheren professionellen Rahmen,

Kontext häuslicher Gewalt geht in jedem

geboten werden. Klärungsgespräche bie-

Fall ausschließlich von der Frau aus, und

ten den Frauen die Möglichkeit, sich mit

ihr Anliegen wird in einem Vorgespräch,

den

mit der zuständigen Beraterin, vorberei-

und bisher ungeklärte, oder noch offene

tet und unterstützt.

Fragen/Bedürfnisse anzusprechen bzw. zu

Gefährdern

auseinanderzusetzen

klären. Opferschutz und Sicherheitsplanung haben bei Klärungsgesprächen oberste Pri-

Im März 2018 wurde im Rahmen einer

orität.

Klausur mit Man(n)agement, gemeinsam mit den dafür zuständigen BeraterInnen,

Der Gefährder muss klar die Verantwor-

ein Sicherheitsplan erarbeitet, der die Si-

tung für seine Gewalthandlung(en) über-

cherheit der Frauen, aber auch der Bera-

nehmen, Einsicht zeigen und eine Zuwen-

terinnen und Berater vor, während und

dung zur Lösung haben. Nur dann kann es

nach Klärungsgesprächen gewährleisten

zu einem klärenden Gespräch kommen.

soll.

Die Frau kann das Gespräch jederzeit stoppen.

In diesem Zusammenhang möchten wir uns beim „Man(n)agement - Team“ für

Im Frauenhaus Villach kam es im Jahr 2018

die kompetente, opferschutzorientierte

zu fünf Klärungsgesprächen in Kooperati-

Zusammenarbeit herzlich bedanken.

on mit Man(n)agement. Den von Gewalt betroffenen, aber in ihrer Entscheidung noch ambivalenten Frauen, konnte dadurch eine zusätzliche Unterstützung, in

Mag.a Angelika Latzel 1 Dieses Projekt wird auch in den Steirischen und Wiener Frauenhäuser umgesetzt. Siehe dazu:

http://www.frauenhaeuser-zoef.at/klaerende_paargespraeche.htm

17


Foto Š pololia - stock.adobe.com

Frauenbereich

18


Ökonomische Gewalt In Österreich werden regelmäßig die bestehenden Einkommensunterschiede zwischen den Geschlechtern („Gender-Pay-Gap“) sowie das hohe Altersarmutsrisiko von Frauen thematisiert. Aus unserer Sicht noch zu wenig im Fokus ist die Tatsache, dass viele Frauen auch von ökonomischer Gewalt betroffen sind, einer speziellen Form von Gewalt innerhalb von Partnerschaften. 19


Ökonomische Gewalt

In der im August 2014 in Österreich in

als Folge von Gewalt aufgezählt. Aus der

Kraft getretenen „Istanbul-Konvention“,

Praxis der Gewaltschutzarbeit wissen wir,

dem „Übereinkommen des Europara-

dass die unterschiedlichen Gewaltfor-

tes zur Verhütung und Bekämpfung von

men ineinandergreifen. Wirtschaftliche

Gewalt gegen Frauen und häuslicher Ge-

Abhängigkeiten und Existenzängste ha-

walt“ „wird der Begriff `Gewalt gegen

ben oft einen großen Einfluss darauf, ob

Frauen` als eine Menschenrechtsverlet-

betroffene Frauen sich Hilfe holen bzw.

zung und eine Form der Diskriminierung

den Ausstieg aus einer Gewaltbeziehung

der Frau2 verstanden und bezeichnet alle

schaffen. Zudem haben vor allem ökono-

Handlungen geschlechterspezifischer Ge-

misch abhängige Frauen ein höheres Ri-

walt, die zu körperlichen, sexuellen, psy-

siko häuslicher Gewalt oder Ausbeutung

chischen oder wirtschaftlichen Schäden

ausgesetzt zu sein (vgl. Theorie der Ehe-

oder Leiden der Frauen führen oder füh-

abhängigkeit).5 Häusliche Gewalt ist ein

ren können, einschließlich der Androhung

Phänomen in allen Gesellschaftsschichten,

solcher Handlungen, der Nötigung oder

sozioökonomisch benachteiligte Frauen

der willkürlichen Freiheitsentziehung, sei

haben aber eine höhere Betroffenheits-

es im öffentlichen oder privaten Leben.“3

wahrscheinlichkeit.6

Neben der expliziten Feststellung, dass es

Vor fünf Jahren hat die Europäische

sich bei “Gewalt gegen Frauen“ um eine

Grundrechteagentur [FRA] erstmals eine

Verletzung der Menschenrechte handelt

europaweite Erhebung zu Gewalt gegen

sowie um eine Diskriminierungsform, wer-

Frauen7 durchgeführt, dabei wurde in der

den in dieser Definition erstmals – und

Befragung auch auf ökonomische Gewalt

aus unserer Frauenhaussicht äußerst wich-

eingegangen. Nachdenklich stimmt die

tig - auch die „wirtschaftlichen Schäden“4

Tatsache, dass in Österreich – laut der

1

20


erwähnten Erhebung – die ökonomische

Der

Partner

verbietet,

entmutigt

Gewalt in der Häufigkeit der Gewaltform

oder verhindert aktiv, dass die Part-

der physischen und sexuellen Gewalt sehr

nerin erwerbstätig ist: z. B. Kinder-

nahe kommt:

betreuung verweigern, damit das Bewerbungsgespräch nicht wahrge-

Prävalenz von Partnergewalt in Prozent

nommen werden kann; Sabotage des

(Quelle: FRA Studie 2014)9

Autos, um die Fahrt zum Arbeitsplatz

8

zu verwehren; Erscheinen am ArbeitsA

D

EU

platz; Belästigung mit ständigen Tele-

physische und sexuelle Gewalt

13

22

22

fonanrufen während der Arbeitszeit;

psychische Gewalt/Kontrolle

28

40

35

Ökonomische Gewalt

11

11

12

Belästigung der ArbeitskollegInnen;

Definition: Ökonomische Gewalt

Verhinderung von Weiterbildung •

zum Einkommen und zum Vermö-

Unter ökonomischer Gewalt versteht man

gen: z. B. Einkommen der Partne-

„Verhaltensweisen zur Kontrolle der Fä-

rin kommt auf das Konto des allein

higkeiten und Möglichkeiten der Frau,

zeichnungsberechtigten Partners; das

ökonomische Ressourcen zu erlangen, zu-

Ansuchen um Sozialleistungen wird

nutzen und zu verwalten“10. Ihre ökono-

verhindert; Grundbucheintrag oder

mische Sicherheit und Möglichkeiten zur Selbständigkeit sind bedroht. Beispiele aus der Praxis: •

Der Partner11 trifft alle finanziellen Entscheidungen allein, um Kontrolle auszuüben.

Der Partner verhindert den Zugang

Autokauf etc. wird abgelehnt •

Der Partner hält die Partnerin von der Nutzung der finanziellen Ressourcen ab: z. B. „Zuteilung“ von Taschengeld nur auf Nachfrage/“Bitte“; „Zuteilung“ eines begrenzten Geldbetrages 21


Ökonomische Gewalt

für den Haushalt; Informationen über

Auswirkungen von

Zugangsdaten, Kontostand etc. wer-

ökonomischer Gewalt:

den vorenthalten oder die Partnerin

Ökonomische

wird diesbezüglich belogen; Verbot

physische und psychische Gesundheit der

der Nutzung des Autos

Betroffenen, da sie permanentem Stress

Der Partner mindert die Ressourcen,

aufgrund des (ökonomischen) Mangels

um die Handlungsoptionen der Part-

ausgesetzt sind und armutsgefährdet

nerin einzuschränken: z. B. Verkauf

oder bereits von Armut betroffen sind.

von Wertsachen, Verstecken oder Ent-

Neben dieser personalen Gewaltkompo-

wenden von Geld bzw. Nutzung der

nente muss auch festgehalten werden,

Bankomatkarte ohne Einverständnis;

dass es auch einen kausalen Zusammen-

Erzeugung von Kosten durch absicht-

hang mit struktureller Gewalt, konkret

liches Beschädigen oder Zerstören

geschlechtsspezifischen

von (zum Teil auch gemeinsamen)

gen am Arbeitsmarkt gibt (z. B. Gender-

Eigentum; Erzeugung von Schulden

Pay-Gap, Teilzeit, befristete Anstellungen,

durch Einkäufe auf den Namen der

Arbeitszeitflexibilisierung etc.).

Partnerin;

Glücksspiele;

Gewalt

beeinflusst

die

Benachteiligun-

Verweige-

rung der Zahlung der Miete, Kreditra-

Schlussbemerkungen:

te etc. mit negativen Konsequenzen

Abschließend soll noch kritisch angemerkt

für die Partnerin; Verweigerung der

werden, dass die ökonomische Gewalt im

Rückzahlung von geliehenen Geld

Kontext von häuslicher Gewalt sowohl in

aus der Herkunftsfamilie der Partne-

der Beratung und Hilfe von Betroffenen,

rin.

als auch in der Forschung und (Gleichstellungs-)Politik noch stärker berücksichtigt werden muss12. Ideal wären präventive

22


Angebote (Basisbildung zur Thematik

wirtschaftlicher Schaden durch das Han-

„Geld/Vermögen“) und das Recht von ge-

deln des Gefährders entstanden ist.

waltbetroffenen Frauen auf eine finanzielle Entschädigung, wenn nachweislich

Mag.a Christina Kraker-Kölbl, MA

QUELLENANGABEN / QUERVERWEISE 1 COUNCIL OF EUROPE (2011): Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt und erläuternder Bericht. Council of Europe Treaty Service Nr. 210. Istanbul, 11.5.2011. http://www.coe.int/conventionviolence Die deutschsprachige Version findet sich unter https://www. frauen-familien-jugend.bka.gv.at/frauen/publikationen/ gewalt-gegen-frauen.html 2 Laut Art. 3f werden auch Mädchen unter achtzehn Jahren damit umfasst. 3 Art. 3a, S. 5. 4 Council of Europe, 2011, S. 45. 5 Vyas, S./Watts, C. (2009): „How does economic empowerment affect women`s risk of intimate partner violence in low and middle income countries? A systematic review of published evidence.” Journal of International Development 21, S. 577-602. 6 Sanders, C.K.(2015): “Economic abuse in the lives of women abused by an intimate partner: a qualitative study.“ Violence against women 21 (1), S. 3-29. 7 https://fra.europa.eu/de/publication/2014/gewalt-gegenfrauen-eine-eu-weite-erhebung-ergebnisse-auf-einenblick Eine von drei Frauen hat seit ihrem 15. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt erfahren, einer

von fünf Frauen wurde nachgestellt („gestalkt“), und jede zweite Frau war mit einer oder mehreren Formen der sexuellen Belästigung konfrontiert. Erhebung in 28 EU-Mitgliedsstaaten basierend auf Interviews mit 42.000 Frauen. 8 Kennzahlen für Häufigkeit. 9 FRA: Violence against women: an EU-wide survey. Main results report. S. 75. https://fra.europa.eu/sites/default/ files/fra_uploads/fra-2014-vaw-survey-main-resultsapr14_en.pdf 10 Adams, A.E./Sullivan, S.M/ Bybee/D., Greeson, M.R. (2008): “Development of the Scale of Economic Abuse.” Violence against Women 14 (5), S. 563-588. 11 Da wir es in der Frauenhauspraxis (indirekt) grossteils mit männlichen Gefährdern zu tun haben, sind die Beispiele nicht gegendert. 12 Das war auch ein zentrales Ergebnis der „Fachtagung über Ökonomische Gewalt“, veranstaltet vom Verein Frauenhäuser Steiermark am 28.11.2018. Empfehlenswerte Nachlese unter: http://www.gewaltfrei-stmk.at/infos/ allgemeines.html (Downloads 2018).

23


Organisation Wohnbereich

Gewalthandlung

Erleichterung

Spannung, Konflikt

Aufstauen von Ärger, Frustration, Wut

Entsetzen, Schuldgefühle, schlechtes Gewissen

Erklärungsversuche, Entschuldigungen, Versöhnungsversuche

Schweigen, Kontakt- und Konfliktvermeidung 24


Kreislauf der Gewalt. Über die Dynamik in Gewaltbeziehungen.

Opferschutzein-

finden die betroffenen Frauen einen

richtungen für Frauen und ihre Kinder,

Ort, wo sie geschützt und angstfrei

wenn diese im sozialen Nahraum Ge-

über die erlebten Geschehnisse re-

walt erfahren. Die Gewalt geht häu-

flektieren und sprechen können. Vie-

fig vom Ehemann/Lebensgefährten,

le Bewohnerinnen suchen nach Er-

aber auch von Söhnen, Schwiegerel-

klärungen für die Gewalthandlungen

tern, Geschwistern oder anderen Fa-

und nicht selten kommt es vor, dass

milienmitgliedern aus. Im Frauenhaus

sie sich selbst mitschuldig fühlen.

Auch in den wöchentlichen Haussitzun-

Colorado, beschrieb bereits 1979 anhand

gen findet daher, neben der Besprechung

ihrer jahrzehntelangen praktischen und

der alltäglichen Abläufe im Haus und ge-

wissenschaftlichen Arbeit mit misshan-

meinschaftsfördernden Aktivitäten, auch

delten Frauen einen Gewaltzyklus, den

immer wieder ein Austausch über Gewalt

sogenannten „Kreislauf der Gewalt“, der

im häuslichen Kontext statt.

inzwischen als fundiertes Erklärungsmo-

Frauenhäuser

sind

dell für dieses Phänomen gilt (siehe GraDie Dynamik in Gewaltbeziehungen ist

fik auf der linken Seite). Kennzeichnend

nicht immer gleich, aber häufig läuft sie

für diesen Kreislauf der Gewalt sind laut

nach einer bestimmten Gesetzmäßig-

Walker die verschiedenen Phasen, die sich

keit ab. Lenore E. Walker, Professorin für

kontinuierlich abwechseln.

Psychologie an der University of Denver, 25


Foto © Chinnapong - stock.adobe.com

Kreislauf der Gewalt. Über die Dynamik in Gewaltbeziehungen.

1. Phase: Spannungsaufbau Diese Phase ist gekennzeichnet von Abwertungen, Demütigungen, Beschimpfungen oder auch schon kleineren gewalttätigen Übergriffen. Die Opfer versuchen eine Eskalation zu vermeiden, entwickeln Handlungsstrategien um den Gefährder zu besänftigen. Eigene Bedürfnisse und Ängste werden unterdrückt und die ganze Aufmerksamkeit auf den Gefährder gerichtet. 2. Phase: Misshandlung Es kommt, ausgelöst durch ein äußeres Ereignis z. B. einen Streit, Ärger im Beruf usw., zum akuten Ausbruch der Gewalttätigkeit. Durch die Anwendung von Gewalt erlebt sich der Gefährder aktiv handelnd und delegiert seine Ohnmachtsgefühle an das Gegenüber.

26


3. Phase: Reue und Zuwendung Nach

dem

erfolgten

Ohnmacht und Hilflosigkeit.

Gewaltausbruch

zeigt der Aggressor oft Reue und be-

Die Täter fühlen sich in weiterer Folge

müht sich um ein liebevolles Verhalten. Er

vielfach nicht mehr verantwortlich für

schämt sich und verspricht sich zu ändern.

ihr Verhalten. Zunehmend kommt es zu-

Diese Phase wird daher oft auch als „Ho-

nächst wieder zu verbalen Attacken und

neymoonphase“ bezeichnet.

kleineren Gewaltakten- ein neuer Zyklus beginnt.

4. Abschieben der Verantwortung Nach der Reue erfolgt meist die Suche

Je länger eine Gewaltbeziehung besteht,

nach den Gründen für den Gewaltaus-

desto kürzer werden zumeist die Abstän-

bruch. Viele Gefährder empfinden die

de zwischen den einzelnen Phasen und

Gewalttat als etwas, das sie nicht kontrol-

desto intensiver werden die jeweiligen

lieren konnten und suchen die Ursachen

Gewalthandlungen.

nicht bei sich, sondern in äußeren Umständen. Um sich selbst zu entlasten geben sie vielfach dem Opfer die Schuld für

Maria Sitter, BA

die Vorkommnisse. Auch die Opfer selbst

Frauen informieren Frauen FIF (2011). Der Kreislauf der Gewalt: Die Dynamik in Gewaltbeziehungen. In: Wege aus

beziehen oft einen Teil der Schuld auf sich,

der Gewalt in Partnerschaft und Familie. Kassel: e.V.m

denn der Gedanke selbst „mit Schuld“ zu sein, impliziert, dass man über eine gewisse Einflussmöglichkeit verfügt und dies ist leichter auszuhalten als das Gefühl totaler

27


Kinder- und Jugendbereich

Betreuung der Kinder- und Jugendlichen Alle Kinder und Jugendlichen, die mit ih-

sowie in der Kindergarten-Altersgruppe

ren Müttern ins Frauenhaus flüchteten,

waren es jeweils 4 Kinder sowie noch 2

waren direkt oder indirekt von verschie-

weitere Kleinkinder. Insgesamt lebten im

densten Formen der Gewalt betroffen und

Jahr 2018 9 Mädchen und 8 Buben ge-

zeigten

meinsam mit ihren Müttern im Frauen-

dementsprechend

Belastungs-

symtome. Um diese sehr belastenden Er-

haus Villach.

fahrungen und Traumata aufarbeiten zu können, ist es besonders wichtig, dass die

Durch die Betreuung im Einzel- und

Kinder und Jugendlichen während des

Gruppensetting bekamen die Kinder die

Aufenthaltes im Frauenhaus adäquat be-

Möglichkeit, Sozialverhalten und Rollen-

treut werden und eine Bezugsperson spe-

verständnis neu zu überdenken und zu le-

ziell für sich haben.

ben. Die Kinder und Jugendlichen lernten Konfliktlösungsmöglichkeiten

Im Jahr 2018 haben 17 Kinder bzw. Ju-

sie erlebten, wie ein Miteinander in der

gendliche im Villacher Frauenhaus gelebt.

Gruppe durch Regeln und Kompromisse

Insgesamt waren es 1.913 Aufenthaltsta-

und durch Kommunikation funktionieren

ge, dies bedeutet, dass jedes Kind bzw.

kann und entwickelten für sich Bewälti-

jeder Jugendliche im Durchschnitt ca. 112

gungsstrategien im Kontext ihrer Gewal-

Tage im Frauenhaus verbracht hat. In ei-

terfahrungen. Weiters hatten die Kinder

nem Zeitraum von ca. 3,5 Monaten kann

und Jugendlichen die Möglichkeit Fra-

ein Vertrauensaufbau sehr gut erfolgen

gen zum sozialen Zusammenleben (z.B.

und

Betreuungsangebote

Freundschaften, Probleme in der Klassen-

können gesetzt werden. Die Altersvertei-

individuelle

gemeinschaft, Mobbing) vertraulich zu

lung zeigt eine starke Gruppe im Volks-

besprechen.

schulalter (7 Kinder), im Teenager-Alter 28

kennen,


„Die Aufgabe der Umgebung ist es nicht, das Kind zu formen, sondern ihm zu erlauben, sich zu offenbaren.“ Maria Montessori

Folgende Angebote wurden im Berichts-

Angebote (im Einzel- oder Gruppen-

jahr 2018 für Kinder und Jugendliche um-

setting) z. B. Basteln für Feste im Jah-

gesetzt:

reskreis etc. •

Unterstützung aller Kinder und Ju-

tern, Muttertag, Sommerfest, Niko-

gendlichen beim Ankommen, Einleben und Aufenthalt im Frauenhaus

laus und Weihnachten •

eignisse für die Kinder und Jugendli-

Frauenhaus

chen wurden extra (unter der Einbin-

Gesprächsangebote in Form von Ein-

dung der Mütter) vorbereitet: z. B.

zelgesprächen bzw. in Form von frei-

Geburtstag, 1. Schultag, Zeugnistag

Ausflüge)

etc. •

Initiierung

von

psychotherapeuti-

Vor- und Nachbereitung von Besuchs-

schen Maßnahmen:

kontakten: Im Jahr 2018 hatten 12

lung an Therapeutin bzw. konkreten

der untergebrachten 17 Kinder regelmäßigen Besuchskontakt mit ih-

Weitervermitt-

familienunterstützenden Hilfen •

monatliche

Gruppeneinheiten

mit

rem Vater. Die Einzelgespräche boten

Müttern zu unterschiedlichen The-

einen geschützten Raum um ambi-

men (Gewaltaufarbeitung, Entwick-

valente Gefühle zu artikulieren, da

lungs- und Erziehungsfragen, Kon-

betroffene Kinder und Jugendliche

fliktlösungsstrategien, „Wie erkläre

aufgrund ihres Rollenkonfliktes diese

ich es meinem Kind?“, günstige Frei-

Gefühle ihren Eltern gegenüber nicht

zeitangebote im Raum Villach etc.

immer äußern konnten. •

Individuelle besondere Tage und Er-

bzw. in der Auszugsphase aus dem

zeitpädagogischen Angeboten (z.B. •

Feiern im Jahreskreis: Fasching, Os-

altersgemäße

freizeitpädagogische

regelmäßige Einzel- und Gruppengespräche mit den Müttern zu den 29


Jahresbericht der Kinder- und Jugendbetreuung

Den Kindern und Jugendlichen, die im Frauenhaus Villach ein zeitweiliges neues Zuhause finden, steht auch ein großer Garten mit Spielgeräten zur Verfügung.

30


Themen Entwicklung des Kindes, pädagogische

Fragen,

Ziel der Kinder- und Jugendbetreuung

Ernährung,

ist es, dass die Kinder lernen mit dem Er-

Fremdbetreuung, Schulwahl, Kom-

lebten umzugehen. Meist haben die Kin-

munikation mit den Kindern, Rol-

der und Jugendlichen zum ersten Mal in

lenklarheit Mutter – Ehefrau bzw.

ihrem Leben die Möglichkeit, über ihre

Vater-Ehemann-Gefährder etc., Be-

Ängste und Sorgen zu sprechen, da nun

ratungen und Vorbereitungen auf

auch eine Person da ist, die für sie Partei

anstehende Termine z.B. bei Gericht

ergreift und ihnen den Rücken stärkt. Die

oder bei der Kinder- und Jugendhilfe

Kinder sollen die Chance bekommen, die

etc.

Gewaltsituationen verarbeiten zu kön-

fallbezogene Zusammenarbeit mit

nen. Außerdem sollen sie Konfliktlösungs-

der Kinder- und Jugendhilfe bzw. mit

modelle kennen lernen, um die Chance

Fachstellen

auf ein gewaltfreies Leben nutzen zu

Begleitung bei Amts- und Behörden-

können.

wegen im Zusammenhang mit Besuchskontaktregelungen,

Obsorge,

Durch das Angebot der Nachbetreuung

Begutachtungsverfahren, sozialrecht-

ist gesichert, dass die Kinder und Jugend-

liche Abklärungen und Kostenüber-

lichen auch weiterhin - wenn gewünscht

nahmen etc. wie auch der Vor- und

- eine Ansprechperson und Hilfestellung

Nachbesprechung bzw. Stabilisierung

finden.

der Mutter in dieser psychisch sehr belastenden Phase •

Beate Schäffer, BA

Organisatorische Unterstützung bei Kindergarten- und Schulwechsel

31


Finanzierung

Wir bedanken uns für die Unterstützung!

Die Finanzierung des laufenden Betriebes

Bundesministerium für Frauen, Familien

des Frauenhaus Villach erfolgt großteils

und Jugend übernommen.

durch das Land Kärnten/Abt. 4 Soziales. Im

Dreijahresvertrages

Wichtige Qualitätsverbesserungen (z. B.

(2018-2020) wird uns – dankenswerter-

Rahmen

eines

Investitionen im Bereich Sicherheit, Er-

weise - eine Förderung des wirtschaftlich

neuerungen in der Ausstattung etc.) wer-

sparsamen und zweckmäßigen Einsatzes

den durch eine Subvention der Stadt Vil-

an Personal- und Sachkosten unabhängig

lach (2017-2019) ermöglicht.

vom Auslastungsgrad zur Führung des

32

Frauenhauses ermöglicht. Anteilige Per-

Ein herzlicher Dank an dieser Stelle für die

sonalkosten werden zudem seitens des

kontinuierliche Unterstützung, die uns


eine qualitätsvolle Krisenunterbringung,

Kärntner Frauenhäuser mit den anderen

Beratung und Betreuung von gewaltbe-

Betreibervereinen: Frauenhaus Klagen-

troffenen Frauen und deren Kinder er-

furt, Oberkärntner Frauenhaus, Frauen-

möglicht.

haus Lavanttal.

Das Frauenhaus Villach ist für die Unter-

Die inhaltliche und wirtschaftliche Be-

bringung von 8 Frauen (und ca. 10 Kinder)

richtlegung an die genannten Förderge-

ausgerichtet und die Qualitätsstandards

berinnen erfolgt jährlich, zusätzlich wird

werden regelmäßig an neue Entwicklun-

auch eine externe Finanzgebarungsprü-

gen angepasst. Dies erfolgt im Rahmen

fung durch eine Wirtschaftsprüfungs-

der Zusammenarbeit innerhalb der ARGE

kanzlei durchgeführt.

33


Finanzierung

Sach- und Geldspenden für Bewohnerinnen

Viele SpenderInnen möchten nicht genannt werden, aus Datenschutzgründen erfolgt an dieser Stelle somit nur ein ein-

Sach- und Geldspenden, die ans Frauen-

geschränkter, öffentlicher Dank:

haus ergehen, kommen direkt den Bewohnerinnen und deren Kinder zu Gute.

Bienenzuchtverein Villach (Honig­ spende / Ambrosiusmesse)

Ein herzliches Danke an alle Privat-

GmbH Villach (Lebensmittelpakete/

spenderInnen, Institutionen und Fir-

Umgekehrter Adventkalender)

men, die uns immer wieder darin unterstützen, dass unsere Bewohner-

Mitarbeiterinnen der Fa. Dr. Oetker

Bauerngman Villach („Kindlbescherung“)

innen trotz ihrer kritischen und belastenden Lebensphase merken, dass es

Firma Leiner / Klaus Frühstück

Menschen gibt, die an sie denken und

Österreichische Frauenbewegung Villach / GRin K. Spanring (Christbaum

ihnen den Start in ein selbstbestimm-

und Weihnachtsgeschenke)

tes, gewaltfreies Leben erleichtern möchten.

Geschenkte Dinge erleichtern bzw. ver-

Initiative Freiheitlicher Frauen (Pädagogisches Spielmaterial) Stadt Villach / Soziales / Vbgmin G.

schönern den Alltag im Frauenhaus sind

Sandriesser (Gutscheine für Thermen-

aber zumeist ein konkretes „Startpaket“

besuch)

für das Leben danach, z. B. in einer eigenen Wohnung.

Wir freuen uns über Sachspenden in Form von Kleidung, Schuhen, Kinderspielsachen, Hausrat und Möbeln.

34


Bitte kontaktieren Sie uns im Voraus, da

ne Frau (temporär) kein Einkommen hat

wir nur eingeschränkte Lagerkapazitäten

oder Wartezeiten bis zur Auszahlung von

haben und neben der im Haus gelagerten

Transferleistungen

Grundausstattung für Notfälle nur nach

sowie die Übernahme von Kosten des

konkretem Bedarf (z. B. Größe, Jahreszeit)

täglichen Alltags (z. B. Spezialnahrung,

der jeweiligen Bewohnerinnen Spenden

Medikamente, Ausbildungskosten, Fahrt-

annehmen. Danke für Ihr Verständnis!

kosten etc.) oder bei Behördengängen

überbrücken

muss,

(Verwaltungsgebühren). Beim Auszug in Ihre Geldspende ermöglicht uns, dass wir

eine eigene Wohnung kann eine finanzi-

Bewohnerinnen in (nachweislich) pre-

elle Starthilfe ermöglicht werden und wir

kären finanziellen Situationen monetär

sind auch froh darüber, den Frauen und

unterstützen können: z. B. Auszahlung

Kindern zum Geburtstag eine kleine Auf-

eines Taschengeldes, falls die betroffe-

merksamkeit organisieren zu können.

Spenden, die an das Frauenhaus Villach geleistet werden, sind steuerlich absetzbar! Bitte berücksichtigen Sie, dass Sie aus Datenschutzgründen der Weiterleitung Ihrer Daten (Name laut Meldezettel, Geburtsdatum, Höhe der Spende) an das Finanzamt zustimmen müssen, damit wir Ihre Spende an das Frauenhaus Villach als Sonderausgabe melden können. Für alle Fragen zur Absetzbarkeit Ihrer Spende ans Frauenhaus steht Ihnen die Geschäftsführerin gerne unter leitung@frauenhaus-villach.at bzw. +43 4242 31031-11 zur Verfügung. Jährlich erfolgt seitens einer externen Wirtschaftsprüfungskanzlei die Prüfung des Vorliegens der Voraussetzungen für die Spendenbegünstigung.

35


Finanzierung

Ein herzliches Danke an unsere Spenderinnen und Spender1!

Helga Sacherer

ÖVP Frauenbewegung Steindorf

Andrea Zoppoth-Kaserer

Die Freiheitlichen in Kärnten

Hans Rainer Gailer

Evangelische Frauenarbeit Kärnten

Evangelische Frauenarbeit Feffernitz

Trubka GmbH

Sowie jenen SpenderInnen, die nicht namentlich erwähnt werden möchten oder als Gäste bei der Benefizveranstaltung zugunsten des Frauenhauses teilgenommen haben.

1 Aufgrund der neuen Datenschutzgrundverordnung wurde im Februar 2019 eine schriftliche Zustimmung der SpenderInnen zur Nennung im Jahresbericht eingeholt.

36


Benefizverstaltung der Österreichischen Wasserrettung Villach zugunsten des Frauenhauses

Ein herzliches Danke an Herrn Wolfgang

der Räumlichkeiten sowie vor allem den

Rainer (ÖWR) für die Idee und Organisati-

beiden Künstlern Wolfgang Metzner ali-

on einer Benefizveranstaltung zugunsten

as Irene Mittermaier und dem Pianisten

des Frauenhauses am 3. November 2018

Knut König aus der Villacher Partnerstadt

im Bambergsaal. Wir danken der Stadt

Bamberg.

Villach für die zur Verfügungstellung 37


2018

Verein Frauenhaus Villach Jahresstatistik

Im Kalenderjahr 2018 haben wir im Frauenhaus Villach insgesamt 23 Frauen beherbergt. Zusätzlich zu den dargestellten Schutz-Unterbringungen wurden folgende Beratungen – insgesamt 392 Kontakte1 - durchgeführt: telefonisch: 211 ambulant: 18 Online (E-Mail): 11

Nachbetreuungskontakte2: 25 Frauen haben regelmäßig die Nachbetreuung in Anspruch genommen, davon 15 Frauen, die 2018 im Frauenhaus gelebt haben, sowie 6 Frauen aus dem Betreuungsjahr 2017 und weitere 10 Frauen aus früheren Betreuungsjahren. telefonisch: 107 ambulant: 37 Online (E-Mail): 8

1 Davon waren 60 Kontakte anonyme Anfragen, in 40 Fällen in Zusammenhang mit familiärer Gewalt, in weiteren 20 Fällen bezüglich anderer sozialer Fragestellungen (Weitervermittlung an Fachstellen etc.) 2 Lediglich bei 4 Frauen, die wir 2018 untergebracht haben, gab es nach dem Auszug keinen Kontakt mehr – sprich in 76% der Fälle, gibt es nach dem Auszug weitere Kontakte und Beratung.

38


Schutz & Unterkunft Seit dem Bestehen des Villacher Frauenhauses (03/1997) wurden 647 Frauen und 693 Kinder untergebracht und betreut. Im Kalenderjahr 2018 sind 23 Frauen mit 17 Kindern aus einer Gewaltbeziehung ins Villacher Frauenhaus geflohen1. Im Vergleich zum Vorjahr (2017: 34 Frauen mit 22 Kindern) ist die Anzahl etwas zurückgegangen, dennoch lag die Auslastung bei ca. 80 %, da sich aufgrund der Multiproblemstellungen die Aufenthaltstage erhöht haben. So betrug die durchschnittliche Aufenthaltsdauer gute 3 Monate (101 Tage) und nachhaltige Veränderungsprozesse konnten stattfinden. Gefährdende Personen Gewalt gegen Frauen findet nach wie vor zum überwiegenden Teil im direkten sozialen Nahraum, zumeist in den eigenen vier Wänden und in der aktuellen oder ehemaligen Beziehung statt: Als gefährdende Personen gaben 70 % der Bewohnerinnen des Villacher Frauenhauses ihren Ehemann an, bei 13% war es der Lebensgefährte. Für 87% der Klientinnen war der Grund, ins Frauenhaus zu kommen, also ein Partner oder Ex-Partner. In einem Fall waren Gewalterfahrungen seitens der Schwiegereltern sowie in einem weiteren Fall physische Gewalt seitens des erwachsenen Sohnes der Aufnahmegrund.

1

6 Frauen mussten aufgrund Kapazitätsgrenzen an andere Frauenhäuser weitervermittelt werden.

39


Aufenthaltsdauer 12 11 10 9 8 7 6 5 4 3 2 1 0

A

B

C

E

F

G

H

I

A

1 bis 3 Tage

3

13,0 %

B

4 bis 7 Tage

1

4,4 %

C

8 bis 14 Tage

1

4,4 %

D

15 bis 30 Tage

1

4,4 %

E

31 bis 90 Tage

5

21,7 %

F

91 bis 180 Tage

5

21,7 %

G

181 bis 365 Tage

7

30,4 %

H

mehr als 365 Tage

-

-

Zum Stichtag 31.12.2018 noch im Haus: 6

40

D


Jahresstatistik 2018

Die Auswertung der erhobenen demografischen Daten zeigt zudem, dass in 57% der Fälle die gefährdende Person die österreichische Staatsbürgerschaft hat, aber davon wiederrum 70% der direkt betroffenen Opfer Nicht-Österreicherinnen waren (vorwiegend binationale Ehen). Die Analyse der Einkommenssituation der gefährdenden Personen bildet alle Kategorien ab: 48% erwerbstätig, 26% in Pension sowie weitere 26 % mit anderen Einkommensformen (AMS-Bezug etc.). Aufenthaltsdauer Das Frauenhaus ist eine Schutz- und Kriseneinrichtung und bietet sofortige Hilfe nach einer Gewalteskalation. Betroffene Frauen und deren minderjährige Kinder können in einer sicheren Umgebung zur Ruhe kommen und mit Unterstützung der Beraterinnen informierte Entscheidungen über ihre nächsten Schritte treffen und diese nach einer 14tägigen Orientierungsphase begleitet umsetzen. Zum Jahreswechsel waren noch 6 Bewohnerinnen im Frauenhaus. Circa 22% der Bewohnerinnen haben den Schutz für bis zu 14 Tage in Anspruch genommen, 30% der Bewohnerinnen haben über ein halbes Jahr hinaus die Unterstützung benötigt. Im Jahresschnitt gesehen gab es im Oktober 2018 die höchste Auslastung im Frauenhaus, an insgesamt 68 Tagen, u.a. im Zeitraum 19.9. – 5.11.2018 sowie in der ersten Dezemberhälfte 2018 waren alle 8 Wohneinheiten besetzt. Gesamt wurden 2.339 Aufenthaltstage von Frauen und 1.913 Aufenthaltstage von Kindern dokumentiert. Vermittelnde Einrichtungen Gewaltschutzarbeit kann nur innerhalb gut vernetzter Zusammenarbeit mit KooperationspartnerInnen stattfinden. Das zeigt sich auch in der Jahresstatistik 2018, wonach 26% der Betroffenen über Vermittlung durch andere Institutionen die Hilfe im Frauen41


Vermittelnde Einrichtungen 12 11 10 9 8 7 6 5 4 3 2 1 0

42

A

B

C

D

E

F

G

A

Ämter / andere Institutionen

6

26,1 %

B

Polizei

2

8,7 %

C

von selbst

5

21,7 %

D

Bekannte / Verwandte

5

21,7 %

E

ÄrztInnen / Spitäler

0

0%

F

Medien / Internet

2

8,7 %

G

ohne Angabe

3

13,0 %


Jahresstatistik 2018

haus in Anspruch nahmen. 21% der Betroffenen wurden über den persönlichen Bekannten- bzw. Verwandtenkreis auf das Frauenhaus aufmerksam, die Öffentlichkeitsarbeit ist sicherlich wirksam. Zwei Frauen wurden direkt von der Polizei in unsere Einrichtung gebracht und weitere fünf Frauen kannten das Frauenhaus bereits aus einem vorherigen Aufenthalt und mussten die Schutzeinrichtung ein zweites Mal, in einem Fall ein drittes Mal nutzen. Lebenssituation der betroffenen Frauen Die Lebenssituationen jener Frauen, die ins Frauenhaus kommen, sind in vielerlei Hinsicht sehr unterschiedlich. Knapp mehr als die Hälfte der Frauen (52%) lebte 2018 mit ihren minderjährigen Kindern im Frauenhaus: 9 Mädchen und 8 Burschen. Aus unterschiedlichen Gründen haben drei Mütter ihre Kinder nicht mit in die Einrichtung gebracht (u.a. Fremdunterbringung, andere Betreuungsperson bzw. Aufenthalt im Ausland, da die Familienzusammenführung noch aussteht). Eng verwoben mit dem Thema Kinder bzw. Kinderbetreuung ist häufig auch die Einkommenssituation der Frauen. Ökonomische Abhängigkeiten führen immer wieder dazu, dass Frauen aufgrund von Existenzängsten erst sehr spät aus Gewaltbeziehungen aussteigen. Zum Zeitpunkt des Einzugs gingen im Jahr 2018 ca. 40% der betroffenen Frauen einer unselbständigen Erwerbstätigkeit nach und konnten diese auch – unter Einhaltung von Sicherheitsaspekten – während ihres Aufenthaltes im Frauenhaus fortsetzen. Ca. 44 % der Frauen bezogen Transferleistungen (z. B. Kinderbetreuungsgeld, Familienbeihilfe, Unterhalt etc.) und 13% der betroffenen Frauen waren zum Zeitpunkt des Einzuges ohne (!) Einkommen1. 1

Bei 3 % der betroffenen Frauen gibt es keine konkreten Angaben.

43


Alter der Frauen 12 11 10 9 8 7 6 5 4 3 2 1 0

44

A

B

C

D

E

F

A

bis 20 Jahre

0

0%

B

21 bis 30 Jahre

4

17,4 %

C

31 bis 40 Jahre

8

34,8 %

D

41 bis 50 Jahre

7

30,4 %

E

51 bis 60 Jahre

4

17,4 %

F

über 60 Jahre

0

0%


Jahresstatistik 2018

Zum Zeitpunkt des Auszuges waren großteils die zusätzlichen unterhaltsrechtlichen und sozialrechtlichen Ansprüche geregelt, trotzdem bleibt das Ziel einer finanziellen Unabhängigkeit für einige Frauen leider mittelfristig unerreichbar. Die Auswertung der demografischen Daten der betroffenen Frauen im Jahr 2018 zeigt, dass der Großteil der Frauen (70 %) zum Zeitpunkt des Einzuges im Frauenhaus verheiratet war und vorwiegend der Altersgruppe zwischen 30 bis 50 Jahre angehörte. Alle Bewohnerinnen hatten eine abgeschlossene Schulbildung, auffallend im Vergleich zum Vorjahr, war der Anteil von 21% in der Kategorie abgeschlossenes Studium bzw. aufrechtes Studium, weitere 21% konnten eine abgeschlossene Lehrausbildung vorweisen und 35% den Abschluss einer mittleren Schule. Es ist für die Bewohnerinnen, Kinder und Mitarbeiterinnen eine große Herausforderung, den Bedürfnissen dieser sehr heterogenen „Wohngemeinschaft“ gerecht zu werden, zumal sich die Bewohnerinnen die Gemeinschaftsräume (Küche, Kinderspielzimmer, Garten etc.) teilen. Um so erfreulicher ist es, dass es immer wieder gelingt, dass das Zusammenleben auch positiv erlebt wird und der (freiwillige) Austausch der Mitbewohnerinnen untereinander auch als Ressource empfunden wird und gelebte Frauensolidarität sowie zum Teil auch dauerhafte Freundschaften entstehen können. Die Vielfalt der Frauen zeigt sich auch darin, dass im Jahr 2018 Frauen aus insgesamt 14 Ländern (inkl. Österreich) beherbergt wurden, alle waren bereits zuvor längere Zeit in Kärnten wohnhaft, 52% davon zuletzt in der Stadt Villach. So lagen die Hauptwohnsitze der betroffenen Frauen vor dem Einzug ins Frauenhaus in der Stadt Villach (12), Villach Land (6), Klagenfurt Land (1), Spittal (2) und St. Veit (1). Eine bundesländerübergreifende Unterbringung ist in besonderen Fällen möglich, wurde aber im Jahr 2018 in Villach nicht in Anspruch genommen. 45


Situation nach dem Frauenhaus Aufenthalt 12 11 10 9 8 7 6 5 4 3 2 1 0

46

A

B

C

D

E

F

A

zur체ck zum Gef채hrder

3

13,0 %

B

zur체ck in die alte Wohnung (ohne Gef채hrder)

1

4,3 %

C

in eine eigene Wohnung

9

39,1 %

D

zu Verwandten oder Bekannten

1

4,3 %

E

in andere Institutionen

2

8,7 %

F

zum Stichtag noch im Frauenhaus

6

26,1 %

G

keine Daten

1

4,3 %


Jahresstatistik 2018

Situation nach dem Frauenhausaufenthalt Die Möglichkeiten der Frauen, ein selbstbestimmtes Leben nach dem Frauenhausaufenthalt zu führen, hat neben der individuellen psychosozialen Komponente der Verarbeitung der Gewalterfahrungen und der getroffenen Entscheidungen über den Themenkomplex Beziehung auch eine starke ökonomische Dimension. Leistbare Wohnungen mit absehbarer Einzugsmöglichkeit sind deshalb sehr gefragt. Wir sind dankbar für Sach- und Geldspenden, die es betroffenen Klientinnen ermöglichen, den Start in eine neue Wohnmöglichkeit mit Kaution, Möblierung und Ausstattung zu ermöglichen. In drei Fällen haben die betroffenen Frauen die Entscheidung getroffen, wieder in die ehemalige Wohnsituation mit dem Gefährder zurück zu kehren.

47


Öffentlichkeitsarbeit

Öffentlichkeitsarbeit 2018 Neben den Bereichen (ambulante) Bera-

Meine Woche

tung, Schutzunterbringung und Nachbe-

Draustädter

treuung ist auch der Bereich der Öffentlichkeitsarbeit eine wichtige Säule der

Werbetechnische Maßnahmen

Frauenhausarbeit. Die Sensibilisierung im

Neben dem Versand bzw. dem Auslegen

Kontext des Themenbereiches „Gewalt

unseres neu überarbeiteten Flyers in vie-

im sozialen Nahraum“ ist eine stetige

len Institutionen des Sozial- und Gesund-

Herausforderung, zudem braucht es die

heitsbereiches haben wir im Zeitraum

Vernetzung mit KooperationspartnerIn-

25.11. – 10.12.2018 wieder die Werbe-

nen, um regional eine konstant hohe Be-

kampagne Hinschauen! Bei Gewalt in der

ratungs- und Betreuungsqualität gewähr-

Familie an allen Medialight-Standorten

leisten zu können.

der Villacher Stadteinfahrten geschaltet.

Medien- und Pressearbeit

Vernetzung mit

Interviews mit der Obfrau und der Ge-

KooperationspartnerInnen

schäftsführerin des Vereins Frauenhaus

Zusätzlich zur regelmäßigen inhaltlichen

Villach wurden rund um den Geschäfts-

Zusammenarbeit innerhalb der ARGE

führerinnenwechsel im April sowie im

Kärntner Frauenhäuser und des ZÖF (Zu-

Zusammenhang mit dem Internationalen

sammenschluss

Tag gegen Gewalt an Frauen und in der

enhäuser) gab es zahlreiche regionale

Weihnachtszeit in folgenden Print- und

Kooperationsgespräche, die sowohl von

Online-Medien publiziert:

der Geschäftsführerin als auch von Mit-

Österreichischer

Frau-

arbeiterinnen geführt wurden, um sich

48

Kleine Zeitung

über aktuelle Entwicklungen, Konzep-

Stadtzeitung Villach

terweiterungen und Herausforderungen


„Unsere professionelle Arbeit wird nur dann richtig effektiv, wenn möglichst viele der betroffenen Frauen auch von unserer Institution wissen.“

49


Öffentlichkeitsarbeit 2018

auszutauschen bzw. die Zusammenarbeit

Ambulanz de La Tour

zu reflektieren.

Soziale Betriebe Kärnten

Soziale Tagesstätte Raphael

Stadt Villach: Frauenreferat, Integra-

Soroptimist Club Villach

tionsreferat, Vizebürgermeisterin G.

ÖZIV

Sandriesser, Stadträtin K. Spanring •

Frauenberatungsstelle Villach

Man(n)agement – Verein zur Gewaltprävention

50

Gewaltschutzzentrum Klagenfurt

Aktion „Orange the World“ v.l.n.r.: Christina Kraker-Kölbl, Marie-Theres Grillitsch, Gerda Sandriesser, Johanna Sadounig, Domenika Lindermuth


Themenspezifische Vernetzung und

Umsetzung von Sensibilisierungsveran-

Arbeitsgruppen

staltungen mit Kooperationspartnerin-

Fachtag Sozial- und Gesundheits-

nen.

sprengel Villach

BMEIA:

Expertinnentreffen

(Task-

(Stadt

Villach): Modul Frauen & Gleichbe-

force Gewaltschutzpaket) Gewalt im Namen der “Ehre“

Integrationspass-Schulungen

rechtigung (März und Juni 2018) •

Vortrag bei der Veranstaltung der

Kärntner Frauenforum

Evang. Frauenarbeit Feffernitz (März

Runder Tisch „Frühe Hilfen“

2018)

Regionaltreffen

(Stadtpolizeikom-

mando Villach) •

Einrichtungsbesuch von Staatssekre-

Villacher Frauenmesser (Sep. 2018) Infostand

Aktions- und Filmtage des Referates

tärin Karoline Edtstadler gemein-

für Frauen und Gleichbehandlung

sam mit Vizebürgermeisterin Gerda

(Land Kärnten – Nov. 2018) - Podiums-

Sandriesser und Stadtrat Christian

diskussion

Pober (24.5.2018 – Thema: Gewaltschutzpaket auf Bundesebene)

Orange the World – Performance und Lichtermarsch in Villach (25.11.2018). Eine Kooperation von Soroptimist

Fachvorträge, Schulungen und Mit-

Club Villach, Frauenbüro der Stadt

wirkung bei Kooperationsveranstal-

Villach, Evang. Pfarrgemeinde A.B.

tungen

Villach-Stadtpark, Centrum für Hu-

Regelmäßig stehen wir für Fachvorträ-

manberufiche Schulen Villach und

ge oder Expertinnen-Interviews (z.B. im

Frauenhaus Villach.

Forschungskontext) zur Verfügung und freuen uns auch über die gemeinsame 51


Impressum (Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz) Herausgeber und Medieninhaber: Verein Frauenhaus Villach, 9500 Villach, Postfach 106 Geschäftsführung: Mag.a Christina Kraker-Kölbl, MA Für den Inhalt verantwortlich: Verein Frauenhaus Villach. Alle Inhalte und Daten wurden sorgfältig recherchiert. Für eventuell fehlerhaft dargestellte Angaben können wir jedoch keine Haftung übernehmen. Layout und grafische Gestaltung: Trecolore Marketing Services Fotos: Verein Frauenhaus Villach, Martin Gfrerer, Hannes Pacheiner, Stadt Villach / Karin Wernig, Österreichische Wasserrettung Villach, Adobe Stock Villach, im Juni 2019

52


Verein Frauenhaus Villach A 9500 Villach, Postfach 106 Telefon +43 (0)4242 31031 hilfe@frauenhaus-villach.at

Der Verein Frauenhaus Villach ist parteipolitisch und konfessionell unabhängig. Wir freuen uns über jede Spende: Kärntner Sparkasse IBAN AT06 2070 6045 0061 1811 BIC KSPKAT2KXXX Wir bedanken uns bei unseren SubventionsgeberInnen:

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Verein Frauenhaus Villach Jahresbericht 2018  

Jahresbericht 2018

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Jahresbericht 2018

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